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AUSGABE # 5 / SOMMER 2012

Urlaubszeit

Sonnenschutz für die Kleinen

Frag Dr. Google

Kann man Online-Ärzten und Internet-Foren trauen?

Gesunde Zähne So beugt man Parodontitis vor

Besser schlafen Der Körper braucht Schlaf, um zu regenerieren. Was die Nachtruhe besonders erholsam macht und wie man Schlafstörungen loswird.


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… und investieren Sie diese in Gesundheit, Fitness und Wellness im ALFA Sports & Spa. Vereinbaren Sie jetzt einen Beratungstermin und Sie erhalten ein exklusives ALFA-Angebot! Alfa Sports & Spa im Medicent Innsbruck: Innrain 143, 6020 Innsbruck, Telefon: 0512 / 56 04 04 Mail: welcome@alfatirol.at, Web: www.alfatirol.at Unsere Kundenbetreuer beraten Sie gerne, Montag bis Freitag von 9.00 bis 20.00 Uhr (außer Feiertag). * Aktion gültig bis 30. Juni 2012 für Neukunden ab 18 Jahren, solange der Vorrat reicht.


Inhalt & Editorial

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Editorial Gesund in Tirol – Jeder kennt das: Nach zu wenig Schlaf leiden die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Warum das so ist und wie man seine Schlafqualität verbessern kann, erfahren Sie ab Seite 8. In dieser Ausgabe finden Sie aber auch Informationen darüber, wie Sie Ihre Zähne gesund erhalten und welchen speziellen Sonnenschutz Kinderhaut braucht. Wer schon immer wissen wollte, was bei einer sportärztlichen Untersuchung passiert, erfährt dazu alles ab Seite 24. Gesund-in-Tirol-Redakteur Daniel Naschberger hat sich dem Selbstversuch gestellt. Wir wünschen eine spannende Lektüre! Die Redaktion

Inhalt Shortcuts Besser schlafen Wenn der Sandmann kommt Welchen Effekt Schlaf auf den Körper hat Impressum Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: target group publishing GmbH / Zielgruppen Verlag Geschäftsführung: Andreas Eisendle, Michael Steinlechner Chefredaktion: Sylvia Ainetter Redaktion: Tobias Fröhlich, Matthias Krapf, Daniel Naschberger, Flo Pranger, Barbara Wohlsein Layout: Philipp Frenzel Grafik & Produktion: Angi Reisinger Titelfoto: Shutterstock Fotos, falls nicht anders gekennzeichnet: Archiv/ Zielgruppen Verlag Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten Anschrift für alle: Karl-Kapferer-Str. 5, 6020 Innsbruck Telefon: +43 (0)512/586020-0 Fax: +43 (0)512/586020-20 E-Mail Redaktion: redaktion@zielgruppenverlag.at E-Mail Verkauf: office@zielgruppenverlag.at

Schlaflos Was tun bei Schlafstörungen?

Gesund leben

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Ratgeber Der fließende Schmerz Alles rund um Rheuma und Arthritis

Interview Gerhard Pierer im Gespräch Die Nutzen der Ästhetischen Chirurgie

Wissen

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Dr. Google Das können die Internet-Ärzte

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Geschmackssache Deshalb riechen und schmecken wir

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Kraftvoll zubeißen Volkskrankheit Parodontitis

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Fitnesstest Das passiert beim Sportarzt

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Heilpflanze Aloe Vera Was hinter den Mythen um die Wüstenlilie steckt

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Babyblues Wenn Mütter traurig sind

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Badezeit Sonnenschutz für Kinderhaut

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Das böse Brot So wirken kohlenhydratarme Diäten

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Warum impfen?


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Shortcuts

Kurz & bündig Pille gegen Sucht

An der Medizinischen Universität Innsbruck wurde eine Möglichkeit entdeckt, das Suchtgedächtnis positiv zu beeinflussen. Auf Basis der neuesten Erkenntnisse könnte eine pharmakologische Suchttherapie entwickelt werden, die es ermöglicht, das Suchtgedächtnis von abhängigen Menschen zu beeinflussen. Die zu entwickelnden Medikamente sollen die Suchttherapie medikamentös unterstützen. So könnte nach einem erfolgreichen Entzug die Gefahr eines Rückfalls verringert werden.

Powernapping ist gesund Das Mittagsschläfchen reguliert den Blutdruck und entlastet das HerzKreislauf-System. Eine Studie hat gezeigt, dass bereits eine Stunde Schlaf untertags gute Effekte bringt. Forscher teilten die Probanden in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe schlief während des Tages eine Stunde, die andere nicht. Während des Experiments wurden Blutdruck und Puls der Freiwilligen gemessen. Danach wurden die Studienteilnehmer einem körperlichen Belastungstest unterzogen und mussten eine komplexe Rechenaufgabe lösen. Die Ergebnisse: Die „Schläfer“ zeigten geringere Ermüdungserscheinungen und hatten durchschnittlich einen niedrigeren Blutdruck.

Krank zur Arbeit In den vergangenen Jahren sind die Krankenstände deutlich zurückgegangen: Waren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Jahr 2000 noch durchschnittlich 14,4 Tage im Krankenstand, waren es zehn Jahre später nur noch 12,9. Das heißt aber nicht, dass weniger Krankheiten vorkommen. Der Arbeitsgesundheitsmonitor belegt, dass über 40 % der Arbeitnehmer zumindest einmal krank zur Arbeit gegangen sind. Die Arbeiterkammer Wien ortet Handlungsbedarf.

Muttermilch für Frühchen Hochrisiko-Frühgeburten sind anfälliger für schwere Erkrankungen des Darms. Forscher der Universität Oxford stellten in einer Studie fest, dass auch sehr kleine Frühgeborene innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach der Geburt von der Einführung von Muttermilch profitieren. Bei Babys, die lange vor dem regulären Geburtstermin und zu klein zur Welt kommen, ist die Ernährung eine große Herausforderung. Man wartet aber mit dem Stillen bzw. mit der Gabe von Milch oft noch ab und versorgt die Babys nur intravenös. Dies kann jedoch u. a. Infektionen oder Leberentzündungen begünstigen.


Shortcuts

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Bewegung im Alltag Mindestens zwei Stunden Sport pro Woche werden für die Gesundheit empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) macht jetzt darauf aufmerksam, dass dazu kein großes Sportprogramm notwendig ist. Der Unterschied zwischen Schlanken und Übergewichtigen liege in den Bewegungen, die mit der Routine des Alltags verbunden werden. Deshalb: Stiege statt Lift, Fahrrad statt Auto!

Heilpflanze Basilikum

Basilikum ist nicht nur ein fixer Bestandteil der italienischen Küche, sondern hat auch heilende Wirkung. Das Kraut wirkt appetitund verdauungsanregend, darmreinigend, harntreibend, krampflösend, libidosteigernd, menstruationsfördernd, muttermilchfördernd, schleimlösend, schmerzstillend, schweißtreibend und wundheilend. Basilikum kann als Tee oder Saft eingenommen werden.

Gesundes Schulbuffet „Brainfood“: Die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle für Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Gesundheit, gemeinsam mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), eine Leitlinie für Schulbuffets erarbeiten lassen. Um diese umzusetzen, werden mobile Coaches in ganz Österreich Betreiberinnen und Betreiber von Schulbuffets beraten. Auch eine eigene Homepage, eine Hotline und innovative Rezepte werden angeboten. So soll das Essen am Schulbuffet künftig wach und aufnahmefähig machen anstatt träge und müde.


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Shortcuts

Vorsicht bei flüssigen Medikamenten

Ablaufdatum ist nicht gleich Aufbrauchfrist: Das Ablaufdatum auf flüssigen Medikamenten gilt für nicht angebrochene Behältnisse, die unter korrekten Bedingungen gelagert werden. Nur wenige Mittel sind aber, wenn sie einmal geöffnet wurden, bis zum angegebenen Verfallsdatum haltbar. Wie lange ein flüssiges Medikament wie etwa Hustensaft nach dem Öffnen noch verwendbar ist, sollte einer Aufbrauchfrist zu entnehmen sein. Danach sucht der Konsument, wie eine Erhebung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zeigt, aber auf Verpackung oder Gebrauchsinformation nicht selten vergeblich. Als Orientierungshilfe veröffentlicht der VKI nun in der Maiausgabe des Testmagazins KONSUMENT die Aufbrauchfristen von rund 100 flüssigen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Eine ausführlichere Liste zu 200 Präparaten gibt es online auf www.konsument.at.

Mehr unter:

www.konsumen

t.at

DazugeHören Rund eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher hören schlecht. Die Dunkelziffer ist nach Expertenschätzung allerdings noch weit höher. Ausgehend von Studien aus vergleichbaren Ländern könne man annehmen, dass bis zu ein Fünftel der heimischen Bevölkerung unter Hörstörungen leidet, so der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner. Mit der Initiative „gut hören - dazugeHören“ will die ÖÄK dazu beitragen, die Dunkelziffer zu erhellen und Betroffene durch umfassende Information dazu ermutigen, sich ihrer Beeinträchtigung zu stellen. Neben HalsNasen-Ohren-Fachärzten (HNO) sollen vor allem Allgemeinmediziner, Internisten und Kinderärzte sensibilisiert werden. Mehr als 10.000 Ordinationen erhalten Informationsmaterial zur Weitergabe an Betroffene.

Rückgang bei Krebserkrankungen Pro Jahr werden in Österreich rund 20.000 Männer und 18.000 Frauen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert, bei jährlich rund 9.000 Frauen und 10.000 Männern führt eine Krebserkrankung zum Tod. Das heißt, dass Krebserkrankungen für etwa ein Viertel der Todesfälle verantwortlich sind. Wie die Daten von Statistik Austria zeigen, gehen aber sowohl das Risiko einer Neuerkrankung als auch das Sterblichkeitsrisiko tendenziell zurück, nicht zuletzt als eine Folge von Maßnahmen zur Früherkennung und von verbesserten Behandlungsmethoden.


Shortcuts

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Dick durch Schlaflosigkeit Zu wenig Schlaf macht dick: Forscher aus Schweden, Deutschland und der Schweiz haben nun herausgefunden, dass der Körper nach zu wenig Schlaf vor allem nach hochkalorischen Lebensmitteln giert. Menschen, die zwei Wochen lang wenig schlafen, essen zwar nicht mehr, greifen aber zu kalorienreicheren Lebensmitteln. Nach dem Essen von Schokolade und Chips fühlen sich Übermüdete auch besser als Ausgeschlafene. Das zeigte eine Untersuchung des anterioren cingulären Kortex, der ein wichtiger Bestandteil des Belohnungssystems ist.

Sport verbessert die Gene Die Gene gelten als unveränderlich. Forscher vom Karolinska Institutet in Stockholm haben nun herausgefunden, dass sich die DNA von gesunden, aber inaktiven Männern und Frauen verändert, wenn sie sich bewegen – und dies schon nach wenigen Minuten. In der Studie mussten 14 Probanden so lange radeln, bis sie 400 Kilokalorien verbraucht hatten. Vor und nach dem Training wurden Zellproben der Oberschenkelmuskeln entnommen. Das Ergebnis: Der ursprüngliche genetische Code wird nicht modifiziert, aber bestimmte DNA-Moleküle in den Muskelzellen werden beeinflusst. Laut den Forschern spielen diese kleinen Veränderungen jedoch eine wichtige Rolle für die positiven gesundheitlichen Vorteile von Bewegung, etwa in Bezug auf die Prävention von Diabetes mellitus und bestimmten Krebserkrankungen.


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Besser schlafen

Besser schlafen

Wenn der

Sandmann

kommt

Rund ein Drittel des Lebens verbringt der Mensch damit zu schlafen. Das ist gut so: Schlaf ist unverzichtbar für die Regeneration des Gehirns. Wie wichtig Schlaf für Körper und Geist ist, bemerkt man erst, wenn man zu wenig bekommt.


Besser schlafen

„Schlaf ist notwendig für das Festhalten von Gedächtnisinhalten.“ DR. BIRGIT HÖGL, Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik Innsbruck

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uls, Atemfrequenz und Blutdruck sinken, die Augen sind geschlossen, die Muskulatur entspannt, wir sinken in die Kissen und beginnen zu träumen: Schlaf nimmt einen wesentlichen Teil unserer Lebenszeit ein, zwischen sieben und acht Stunden schläft der Durchschnittsösterreicher pro Tag. Wozu wir aber schlafen, kann nur vermutet werden. Dr. Birgit Högl, Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik Innsbruck, meint dazu: „Man weiß mit Sicherheit, dass man schlafen muss. Schlaf ist notwendig für das Festhalten von Gelerntem und Gedächtnisinhalten, aber auch

für die Verarbeitung von emotionalen Situationen. Im Schlaf regenerieren viele Organe, aber das Gehirn profitiert am meisten.“ Studien ergaben, dass Gehirnareale, die untertags besonders intensiv genutzt wurden, nachts intensivere Tiefschlafphasen aufwiesen als weniger benutzte. Andere Studien zeigten, dass Studenten, die nach den Lerneinheiten ausgiebig schliefen, sich das Gelernte besser merken konnten als jene, die die Nacht zum Tag machten. Klar ist das, was jeder schon am eigenen Leib erfahren hat: Nach genügend erholsamem Schlaf sind wir leistungsfähiger, können schneller auf Unvorhergesehenes reagieren und mit Problemen besser umgehen.

Lebensgefährliche Müdigkeit

Wie wichtig der Schlaf für Körper und Psyche des Menschen ist, erkennt man erst dann, wenn er fehlt: Schläft man über einen längeren Zeitraum zu wenig, hat das unangenehme Folgen: Reizbarkeit, eine einschränkung der Denk-, Kombinations- und entscheidungsfähigkeit und das Nachlassen von sprachlichen Fähigkeiten sind erste Symptome von Schlafmangel. Zudem funktionieren Appetitsteuerung und die Temperaturregulation nicht mehr richtig: Der Schlaflose hat Hunger und friert. Wer zu lange nicht schläft, setzt sogar sein Leben aufs Spiel. „Irgendwann, wenn die Müdigkeit überhandnimmt, führt der Körper so genann-

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Besser schlafen

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Birgit Högl ist Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik Innsbruck. © TILAK

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te Mikroschlafepisoden ein – den Sekundenschlaf, der gerade im Straßenverkehr oder beim Hantieren mit Maschinen fatale Folgen haben kann“, erklärt Högl. Aber auch langfristig schadet ein Schlafdefizit der Gesundheit: Das Risiko, an Diabetes zu erkranken oder fettleibig zu werden, ist stark erhöht. Das Immunsystem ist geschwächt, auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten steigt an.

Im Rhythmus

Der Wechsel von Tag und Nacht gibt den Rhythmus unseres Lebens vor – und somit auch unseren Schlafrhythmus. Schichtarbeiter zum Beispiel leiden dar-

unter, gegen ihre innere Uhr anarbeiten zu müssen und sind den oben genannten Risiken ausgesetzt. Abhängig ist das vom Licht: Bei Dunkelheit produziert der Körper das Schlafhormon Melatonin und wir werden müde. Das erklärt zum Teil, warum viele Menschen im Winter ein stärkeres Schlafbedürfnis haben als im Sommer. Schläft man aber untertags anstatt nachts, wie es z.B. Schichtarbeiter, Ärzte und Krankenpfleger tun müssen, kann das zu einem kumulierten Schlafmangel führen. „Diese Berufsgruppen sind besonders gefährdet, gesundheitliche Folgen davonzutragen“, so Högl. s. ainetter lll 

„Man sollte sich keinen Stress machen“ Die Qualität des Schlafes hat einen großen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens. Was man selbst zu einer erholsamen Nachtruhe beitragen kann, erklärt Dr. Birgit Högl, Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik in Innsbruck.

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ie viele Stunden Schlaf braucht der Mensch? Man sollte sich nicht zu viel Stress machen, aber schon darauf achten, genug zu schlafen. Männer brauchen sieben bis acht Stunden Schlaf, Frauen acht bis neun. Sehr viele Menschen glauben, dass sie mit weniger Schlaf auskommen, was oft nicht so ist. So kann es zu einem kumulierten Schlafmangel kommen. Akuter Schlafmangel ist aber ein Risiko für viele Folgeerkrankungen und sollte vermieden werden. Wie sieht die optimale Schlafumgebung aus? Was die optimale Schlafumgebung angeht, gibt es viele falsche Annahmen. Man braucht keine teuren Wundermatratzen oder spezielle Decken. Das Bett soll bequem sein und man soll sich darin wohlfühlen. Das gilt auch für die verwen-


Besser schlafen

„Bei Schlaf ist die Selbstwahrnehmung die Hauptsache.“ Die Schlafphasen

Schlafstadium Wach REM I II III IV

0 1 2 3 4 5 6 7 8 Stunden Schlaf

deten Betttextilien. Worauf oft zu wenig geachtet wird: Im Schlafzimmer muss es dunkel genug sein, denn nur dann schüttet der Körper Melatonin, das Schlafhormon, aus. Auch die Temperatur im Schlafzimmer spielt eine große Rolle: Der Raum sollte kühl genug sein, unter der Decke darf man aber nicht frieren. Auch Stille ist wesentlich für die Schlafqualität: Selbst unterschwellige Lärmbelastungen, von denen man gar nicht aufwacht, können die Schlafqualität mindern. Ist es schädlich, vor dem Fernseher einzuschlafen? Wenn man ohnehin gut schläft, ist das kein Problem, wenn man vor dem Fernseher kurz einnickt. Der Fernseher sollte aber nicht im Schlafzimmer stehen, Helligkeit und auch die Geräusche stören den Schlaf, selbst wenn man es nicht merkt. Wer

vor dem Fernseher einschläft und dann später richtig schlafen will, ist oft wieder hellwach – der Schlafdruck ist weg. Der Fernseher ist auch nicht selten der Grund dafür, dass manche Menschen zu spät schlafen gehen. Was halten Sie von Alkohol als Einschlafhilfe? Alkohol macht viele müde und wirkt auch eine Zeit lang als Einschlafhilfe ganz gut. Wenn er abgebaut wird, kommt es aber oft zu Weckreaktionen. Alkohol verändert die Schlafarchitektur und kann auch Albträume verursachen, vor allem in der 2. Nachthälfte. Außerdem kann er eine bereits bestehende Schlafapnoe verstärken. Er hebt die Weckschwelle an, und man wird später wach – so werden Atemaussetzer länger. Dauerhaft ist Alkohol auf keinen Fall als Schlafmittel zu empfehlen.

Was wäre denn ein geeignetes Schlafmittel? Was sehr gut bei Einschlafstörungen hilft, ist ein warmes Bad oder Fußbad. Die Einschlafbereitschaft ist am höchsten, wenn die Körperkerntemperatur gerade heruntergefahren wird. Das ist bei warmen Füßen und Händen der Fall. Wie oft ist es normal, in der Nacht aufzuwachen? Das ist egal. Zehn bis zwölf Mal wacht jeder auf und kaum einer merkt es. Die Erinnerung an die Wachheit wird oft vom Schlaf wieder gelöscht, vor allem, wenn man nur ein oder zwei Minuten wach war. Problematisch ist es für jene, die am Morgen das Gefühl haben, stundenlang wach gewesen zu sein. Beim Schlaf ist die Selbstwahrnehmung die Hauptsache. Vielen Dank für das Gespräch. INTERVIEW: S. AINETTER lll 

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Besser schlafen

Schlecht geschlafen? Schlafstörungen sind häufiger, als man denkt. Doch die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig.

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er kennt das nicht? es ist schon lange Schlafenszeit, Müdigkeit macht sich breit, doch anstatt zu schlafen, wälzt man sich im Bett hin und her. ein- bzw. Durchschlafstörungen kommen bei jedem noch so guten Schläfer manchmal vor. 5,4 % der Österreicher geben an, „mit Sicherheit“, 19,6 % „eher schon“ an Schlafstörungen zu leiden. Werden die durchwachten Nächte zum Dauerzustand, sollte man etwas dagegen unternehmen. „Für Schlafstörungen gibt es mindestens zehn verschiedene Ursachen“, erklärt Birgit Högl, Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik Innsbruck.

Atemlos im Schlaf

Schlafstörungen haben viele Formen: Das ein- und Durchschlafen ist schwierig, man schnarcht, kann sich untertags

nicht wach halten, schlafwandelt oder schlägt nachts um sich. Oder man schläft scheinbar ganz normal, fühlt sich aber am Morgen ausgelaugt und müde. „Wenn Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum bestehen und psychische Ursachen ausgeschlossen werden, kann man im Schlaflabor eventuelle körperliche Ursachen abklären lassen“, erklärt Högl. „Wenn Patienten Schwierigkeiten haben, sich untertags wach zu halten, ist das häufig ein Schlafapnoe-Syndrom“, so die Schlafmedizinerin. Bei der Schlafapnoe kommt es zu Atemaussetzern und infolgedessen zu nicht erholsamem Schlaf. extreme Tagesmüdigkeit ist die Folge, die oft aber nicht ernst genug genommen wird. Das kommt öfter vor, als man denkt: Jeder Fünfte hat untertags Schwierigkeiten, sich wach zu halten, jeder Zehnte ist schon mehr als einmal unfreiwillig eingeschlafen. Wenn die Schlafqualität so schlecht ist, dass die Müdigkeit untertags überhandnimmt, sollte man sich auf alle Fälle untersuchen lassen.

Auch Narkolepsie-Patienten können sich untertags nicht wach halten. „Narkolepsie ist eine Störung im Gehirn, bei der die Schlaf-Wach-Regulation nicht funktioniert. Die Krankheit bricht meist in der Pubertät aus und hat genetische Ursachen“, erklärt Högl. Diese Störung wird mit Medikamenten behandelt. Denn eine unbehandelte Narkolepsie kann sehr gefährlich sein, droht doch Sekundenschlaf.

Von Eulen und Lerchen

Manchmal sind es jedoch nicht die Patienten primär, die unter den Schlafstörungen leiden, sondern deren Partner oder Familie. Kommen beispielsweise Störungen der inneren Uhr vor, das heißt, dass Patienten sehr früh aufstehen oder sehr lange wach sind, kann das eine große Belastung für die gesamte Familie sein. „Wer allein lebt, wird mit dieser Störung ganz gut zurechtkommen, solange die Arbeitszeiten solche extreme erlauben“, erklärt Högl. Fühle


Besser schlafen

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„Es gibt mindestens zehn verschiedene Arten von Schaflosigkeit.“ DR. BIRGIT HÖGL, Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik Innsbruck

sich aber die Familie gestört, weil der erkrankte spätnachts oder frühmorgens Lärm macht, bestehe sie meist auf eine ärztliche Behandlung. ebenfalls betroffen sind Familie bzw. Partner von Patienten, die unter einer ReM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden. „In der ReM-Phase träumt man sehr lebhaft. Dabei ist der Körper gelähmt, da sonst die Gefahr besteht, dass man sich selbst oder andere verletzt, wenn man beim Träumen die Bewegungen wirklich ausführt, von denen man träumt. Ist dieser Mechanismus gestört, können die Patienten sich selbst oder andere verletzen. eine ReM-Verhaltensstörung kann bei manchen Patienten auch auf ein erhöhtes Risiko hinweisen, Jahre oder Jahrzehnte später weitere Krankheiten zu entwickeln. Zum Beispiel Parkinson“, erklärt die Schlafexpertin. eine eindeutige Diagnose bei Schlafstörungen bringen eine ausführliche Untersuchung beim Arzt und ein bis drei Nächte im Schlaflabor.


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Besser schlafen

Häufige Schlafstörungen Schlafapnoe-Syndrom: Beim sog. Obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (dem häufigsten Schlafapnoe-Syndrom) besteht nicht nur Schnarchen, sondern während des Schlafens setzt die Atmung immer wieder aus. Infolgedessen sinkt die Schlafqualität (häufiges Aufwachen! Oder auch nur unbemerkte Mikroweckreaktionen) und es kommt zur Tagesmüdigkeit bis hin zu Sekundenschlaf. Bei milden Formen werden Gewichtsabnahme und Reduktion von Alkohol und Nikotin empfohlen. Bei ausgeprägteren Formen wird die nasale CPAP-Therapie empfohlen, dafür müssen die Patienten nachts eine Atemmaske tragen.

Die Schlafforschung

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Die Schlafforschung ist eine recht junge wissenschaftliche Disziplin. Sie beschäftigt sich mit dem Verhalten, den körperlichen Prozessen und Bewusstseinsvorgängen während des Schlafs und der Wechselwirkung zwischen Schlafen und Wachsein. Gegründet wurde sie in den Fünfzigerjahren und somit besteht noch Forschungsbedarf, was die Bedeutung des Schlafes bzw. die Belastung durch Schlafstörungen anbelangt.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Gesunde Personen sind in der REMPhase nicht bewegungsfähig. Bei der RBD ist das nicht der Fall, und die Betroffenen führen die Bewegungen aus, die sie gerade träumen, z.B. wild um sich schlagen. Dabei können sie sich selbst oder auch den Partner verletzen. Zur Therapie verabreicht man ein Medikament, das die phasische Muskelanspannung im Schlaf unterdrückt.

Institut für Integrative Bildung

Restless-Legs-Syndrom: Quälende Unruhe in den Beinen und der unwiderstehliche Drang, sich zu bewegen, hindert die Patienten am Einschlafen. Die Ursache ist nur teilweise geklärt, es gibt aber Hinweise auf eine Störung des Eisen- und Transmitterstoffwechsels. Je nach Leidensdruck bringt eine medikamentöse Behandlung Linderung.

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Zähneknirschen: Die Ursache dieser häufigen Störung ist noch umstritten, vermutlich tragen mehrere Faktoren dazu bei, von Problemen seitens der Zähne bis hin zu Verschlechterung bei psychischer Überbelastung. Durch das Knirschen wirken sehr große Kräfte auf den Kieferbereich. So können Schmerzen der Kaumuskulatur, aber auch Abnutzungserscheinungen an den Zähnen auftreten. Zusätzlich klagen Betroffene über Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich. Außerdem hilft eine Beißschiene. Eine Aufbissschiene hilft, die Zähne zu schützen, aber zuvor sollte in jedem Fall eine genaue Abklärung erfolgen.


Besser schlafen

Tipps zur Unterstützung der Schlaf-WachRegulation von Babys • Hektik vermeiden

Schreien ohne Ende Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien, kann das die Eltern zur Verzweiflung treiben. Maria Höllwarth, klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, beantwortet die wichtigsten Fragen zu den so genannten Schreibabys.

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b wann ist ein Baby ein Schreibaby? Zur Abgrenzung des normalen Schreiens vom exzessivem Schreien wird häufig die Dreier-Regel angewandt: Schreit ein Kind in den ersten sechs Lebensmonaten mehr als drei Stunden am Tag, an mehr als drei Tagen in der Woche über einen Zeitraum von mindestens drei aufeinanderfolgenden Wochen, so spricht man von exzessivem Schreien. Genauso wichtig für die Beurteilung ist jedoch das subjektive Belastungsempfinden der Familie.

Warum schreien Schreibabys? Der Säuglingsforschung zufolge ist das übermäßige Schreien oft darauf zurückzuführen, dass die Babys Probleme haben, sich selbst zu regulieren und es ihren Eltern schwerfällt, sie in angemessener Weise zu unterstützen. Schreibabys haben mehr Probleme mit der Schlaf-Wach-Regulation: Sie schlafen insgesamt weniger, brauchen länger zum Einschlafen und benötigen aufwendige elterliche Hilfen zum Einschlafen. In den Wachphasen sind sie unruhiger, quengeliger, unzufriedener. Wie sieht ein Tag mit einem Schreibaby aus? Das Schreien eines Babys ist nur schwer zu ertragen, da es als Alarmsignal angelegt ist und bei den Bezugspersonen

Stresssymptome auslöst. Unerträglich ist es für die Eltern, wenn ihre Bemühungen, das Schreien abzustellen, nicht zum Erfolg führen. Oft entsteht ein Kreislauf wechselseitiger Aufschaukelung von innerer Unruhe und Erregung, aus der Mutter und Kind manchmal nur schwer alleine herauskommen. Viele Eltern berichten, dass ihre Babys zu Spitzenzeiten oft bis zu 7 Stunden durchbrüllen. Kann ein Baby körperliche oder psychische Schäden durchs Schreien davontragen? In den meisten Fällen ist das Schreien aus medizinischer und psychologischer Sicht harmlos und bessert sich nach drei bis vier Monaten von alleine. In dieser Zeit macht das Kind aber Erfahrungen: Unter anderem, dass es in seinen Signalen nicht angemessen verstanden wird. Bei den Eltern führt das exzessive Schreien zu Schlafmangel, Erschöpfung, Ängsten, depressiven Verstimmungen, usw. Oft wird die Mutter-/Eltern-Kind-Beziehung dadurch belastet. Im schlimmsten Fall reagieren die Eltern aus Hilflosigkeit damit, ihr Kind zu schlagen oder zu schütteln. Viele Fälle von Kindesmisshandlung werden durch übermäßiges Schreien ausgelöst. Vielen Dank für das Gespräch. text & INTERVIEW: S. AINETTER lll

• Regelmäßigkeit, Rituale einführen • Die erste Wachzeit am Morgen für das Einüben von Gewohnheiten nutzen • Einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten • Signale des Kindes beobach- ten und verstehen lernen • Wachphasen für Gespräche, Spiele und Anregungen nutzen • Übermüdung vermeiden, das Baby rechtzeitig zum Schlafen bringen • Vermeidung von Überreizung • Vermeidung von Überstimula- tion bei Unruhe des Babys • Reizreduktion vor dem Schlafengehen • Beruhigungsstrategie konsequent beibehalten • Abendliche Schreistunden überbrücken • Selbst zur Ruhe kommen • Entspannungszeiten für die Mutter ohne Kind • Körperkontakt zum Baby pflegen

Die Spezialistin Mag. Maria Höllwarth ist Klinische Psychologin an der Schreiambulanz der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters

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Gesund leben

Gesund leben

Was sagt

Dr. Google? Gesundheitsportale im Internet boomen. Netdoktor & Co. versprechen schnelle, leicht zugängliche und kostenlose Informationen über die verschiedensten Symptome und Krankheitsbilder. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Gefährlich wird es allerdings dann, wenn der dringend notwendige Arztbesuch durch die Online-Recherche ersetzt wird.


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„Die Medizin funktioniert nicht wie ein Kochbuch.“ Dr. Artur Wechselberger, Arzt für Allgemeinmedizin in Innsbruck und Präsident der Ärztekammer Tirol

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opfschmerzen, Fieber, leichte Übelkeit – was ist zu tun? Schnell mal alle auftretenden Symptome bei Google eingeben und schon gelangt man auf eines der vielen Gesundheitsportale. Dann sieht man ja, ob man einen Arzt aufsuchen sollte. Handelt es sich nur um eine leichte Grippe oder doch um eine ernst zu nehmende Meningitis – wie der erste Suchtreffer bei Eingabe der drei genannten Symptome auf Google suggeriert? Selbstdiagnosen über das Web sind besonders unter jungen, Internet-affinen Personen ein weit verbreitetes Phänomen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens die Hälfte aller Menschen sich im Internet über Krankheiten informiert.

Selbstdiagnose im Internet

Auch in der Praxis von Allgemeinmediziner Dr. Artur Wechselberger haben sich in den letzten Jahren jene Fälle gehäuft, wo Patienten bereits mit einer vorgefertigten Meinung über eine mögliche Erkrankung den Arzt aufsuchen. „Ich bemerke in individuellen Gesprächen immer wieder, dass sich Personen vor einem Arztbesuch im Internet informieren und sich – auf Ba-

sis von bestimmten Symptomen – selbst eine Krankheit diagnostizieren.“ Genau vor dieser Nutzung des Internets, nämlich als Mittel der Selbstdiagnose, ist aber eindringlich zu warnen. „Der herkömmliche Arztbesuch bei Beschwerden darf niemals durch die eigenständige Recherche im Internet ersetzt werden“, erklärt Dr. Wechselberger. Eine weitere Gefahr sieht der Mediziner darin, dass Menschen sich selbst einige Zeit behandeln, weil sie meinen, ihre Krankheit bereits zu kennen. Sie konsultieren nur dann einen Arzt, wenn keine Besserung eintritt. „Viele Menschen glauben zu wissen, was ihnen fehlt. In Wahrheit verursachen sie aber durch den zeitlichen Aufschub der richtigen Behandlung eher eine Verschlimmerung der Krankheit.“

Internet zur Informationsbeschaffung

Das Web mit seinen Möglichkeiten wird heutzutage besonders von der jungen Generation vielseitig genutzt. Und auch im medizinischen Kontext ist nichts daran auszusetzen, wenn Laien sich über das Internet allgemeine Informationen beschaffen, wie Dr. Wechselberger findet:


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Gesund leben

Cyberchondrie Der Begriff wurde vom USamerikanischen Psychiater Brian Fallon geprägt und bezeichnet einen pathologischen Zustand beim Menschen, bei dem hypochondrische Tendenzen durch Informationen aus dem Internet ausgelöst und verstärkt werden. Dabei können Informationen aus dem Netz, welche meist von Gesundheitsportalen bezogen werden, zu einer Hypochondrie führen, welche psychische und physische Symptome nach sich zieht. Laut Brian Fallon werden 90 Prozent von hypochondrisch veranlagten Menschen durch das Internet zu Cyberchondern.

Zur Person Dr. Artur Wechselberger ist Arzt für Allgemeinmedizin in Innsbruck und Präsident der Ärztekammer Tirol.

„Das natürliche und auch legitime Interesse, mehr über seinen Körper zu erfahren, gibt es seit jeher und wurde früher durch das Nachschlagen in Büchern, Zeitschriften und Lexika gestillt. Heute hat sich mit dem Internet lediglich das Medium, in dem man auf Informationssuche geht, verändert.“ Der große Unterschied im Vergleich zu früher ist aber, dass die Menge an leicht zugänglichen Informationen durch das Internet deutlich zugenommen hat. „Dadurch ist es auch schwieriger geworden, gute Quellen von schlechten zu unterscheiden“, so der Mediziner weiter. Gute, objektive Seiten erkennt man seiner Meinung nach daran, dass der Inhalt einfach, kompakt und wertfrei dargestellt wird und nicht mit Werbung überfüllt ist. Die Gefahr ist freilich, dass Hilfesuchende im Internet häufig auf kommerziellen Gesundheitsportalen oder auch Seiten von Pharmafirmen landen. Diese verfolgen vor allem das Ziel, bestimmte Medikamente zu vermarkten. Auch darf man nicht davon ausgehen, dass alles im Internet der Wahrheit entspricht. So hat zwar ein kürzlich in

Deutschland durchgeführter Warentest der beliebtesten Gesundheitsportale Marktführern wie Netdoktor oder Vitanet ein gutes Zeugnis ausgestellt, allerdings gibt es auch zahlreiche Seiten, die als „Trittbrettfahrer“ fungieren und medizinische Informationen verzerrt und nicht wahrheitsgemäß darstellen.

Nichts für Hypochonder

Dass Medizinseiten im Internet auch Ängste und Beschwerden auslösen können, hat Dr. Wechselberger in der Vergangenheit immer häufiger beobachtet. „Oftmals schließen Patienten aufgrund eines Suchtreffers auf Google von bestimmten Symptomen auf Krankheiten, mit denen ich in meiner Arztpraxis Gott sei Dank nur einmal in zehn Jahren in Berührung komme, und werden dadurch verunsichert.“ Solche Patienten gehen dann meist vom schlimmsten aller möglichen Fälle aus und sind – ganz nach dem Vorbild des eingebildeten Kranken bei Molière – fest davon überzeugt, wirklich an einer schweren Krankheit zu leiden. Denn wer im Internet auf diversen unseriösen Plattformen lange genug sucht, findet ziemlich sicher eine


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den werden. „Die Medizin funktioniert nicht wie ein Kochbuch, wo jene Zutaten genau angeführt sind, die benötigt werden, um ein bestimmtes Gericht zuzubereiten. Die Individualität jedes Menschen spielt immer auch eine wichtige Rolle und diese kann nur im Rahmen eines persönlichen Gespräches in die Diagnose mit einbezogen werden.“ Daher betrachtet Wechselberger auch jede Form der ärztlichen Behandlung mittels Ferndiagnose über das Internet als höchst zweifelhaft. Wenn es dann auch noch so weit geht, dass mittels Ferndiagnose Rezepte verschrieben werden, wie aktuell von der britischen Onlinepraxis „DrEd“ angeboten, ist dies strikt abzulehnen. Für Dr. Artur Wechselberger sind solche Seiten „ein Fehlverhalten ärztlichen Handelns. Zudem kann dabei die Patienten- und Datensicherheit nie und nimmer gewährleistet werden.“

Thema Medizinforen

„Viele Menschen glauben zu wissen, was ihnen fehlt. In Wahrheit verursachen sie aber durch den zeitlichen Aufschub der richtigen Behandlung eher eine Verschlimmerung der Krankheit.“ Seite, die die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Einsetzende Angstzustände, welche in weiterer Folge zu einer psychischen, aber auch physischen Belastung werden können, sind dann keine Seltenheit mehr. Diese sogenannte Cyberchondrie kann im schlimmsten Fall sogar zu Todesängsten führen und ein normales Leben unmöglich machen.

Ferndiagnosen unmöglich

Auch von Ferndiagnosen von Ärzten, die für Gesundheitsportale arbeiten, hält Dr. Artur Wechselberger wenig. Eine Diag-

nosestellung über das Internet ist für ihn allein aus dem Grund nicht möglich, weil dafür immer ein individuelles Gespräch notwendig ist. Jeder Mensch funktioniere unterschiedlich und Krankheiten seien oftmals nicht offensichtlich. Um eine zutreffende Diagnose zu stellen, müssen oftmals viele individuelle Komponenten berücksichtigt werden. Ob es sich etwa um eine organische oder nichtorganische Erkrankung handelt, oder doch um eine Infektion, ist häufig schwer herauszufinden. Dies kann dann nur in einem individuellen Prozess herausgefun-

Was der Allgemeinmediziner in letzter Zeit ebenfalls beobachtet, ist die steigende Anzahl an einschlägigen Foren. Ähnlich wie bei den Gesundheitsportalen gibt es auch hier gute und schlechte Beispiele. Als positiv hebt er vor allem solche Foren heraus, „die im Sinne von Selbsthilfegruppen agieren und wo Betroffene mit Gleichgesinnten über ihre Erfahrungen mit einer bestimmten Krankheit diskutieren“. Wenn in ihnen aber nur Tratsch und Klatsch sowie diverse Horrorszenarien ausgetauscht werden, tragen sie ausschließlich zur Verunsicherung der Patienten bei. Wenn man sich der Gefahren, welche medizinische Webseiten mit sich bringen können, bewusst ist und nicht alles, was man liest, gleich als allgemeingültige Wahrheit betrachtet, kann Dr. Wechselberger dem Internet als Nachschlagequelle in Gesundheitsfragen durchaus auch Positives abgewinnen. „Die Neugierde des Menschen, mehr darüber zu erfahren, wie der eigene Körper funktioniert, kann zu einem erhöhten Gesundheitsbewusstsein und in der Folge zu einer gesünderen Gesellschaft beitragen“, so der Mediziner abschließend. T. FRÖHLICH ●●●


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Gesund leben

Wenn die

Zähne

versagen

Beim Wort Parodontitis schrillen die Alarmglocken. Neben Karies ist die Entzündungserkrankung der Inbegriff für vom Verfall bedrohte Zähne. Dabei gibt es relativ einfache Vorbeugemaßnahmen, um der Volkskrankheit entgegenzusteuern.

W

ohl kaum ein medizinischer Fachbegriff wird in der Umgangssprache derart häufig falsch verwendet: Seit Jahrzehnten geistert der Name „Parodontose“ durch die Medien und fällt vor allem immer wieder in diversen Zahnpastawerbungen. Eingeführt wurde er 1921 – und zwar als Sammelbegriff für alle entzündlichen sowie nichtentzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates (=Parodontium). „Wenn jemand von Parodontose spricht, ist die Parodontitis gemeint, die beiden Begriffe werden zumeist synonym verwendet. Parodontose bezeichnet einen nicht-entzündlichen Abbau des zahntragenden Knochens, wohingegen es sich bei der Parodontitis um eine Entzündungserkrankung handelt“, erläutert Dr. Ines Kapferer, Ärztin an der Innsbrucker Universitätsklinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung. Bei einer Parodontitis kommt es zu einer

Entzündung und zum schrittweisen Abbau des Kieferknochens sowie des Zahnhalteapparats, also jenem System, in dem ein Zahn verankert ist. Der Zahn an sich ist – anders als etwa bei Karies – gesund, droht jedoch, als Spätfolge der Parodontitis auszufallen. Im schlimmsten Fall kann eine Parodontitis ohne die geeigneten Gegenmaßnahmen zu einer nicht mehr umkehrbaren Zerstörung des Zahnhalteapparates führen.

Eine Volkskrankheit Ausgelöst wird die Krankheit durch sogenannte parodontal pathogene Bakterien. Wenn sich diese etwa bedingt durch schlechte Mundhygiene vermehren, bildet sich mit der Zeit Zahnbelag, der eine Entzündung des Zahnfleisches auslösen kann. Um Parodontitis zu bekommen, muss ein Mensch im Normalfall jedoch eine genetische Veranlagung aufweisen. „Wenn jemand diese Veranlagung hat

und dann mit den Bakterien infiziert wird, reagiert der Körper hysterisch darauf und beginnt mit dem Abbau des Knochens sowie des Zahnhalteapparats. Im Grunde ist das dieselbe Reaktion, wenn ich mir einen Schiefer einziehe: Da ist auch nicht das Holz das Problem, sondern die Bakterien – der Körper versucht, den mit Bakterien besiedelten Fremdkörper abzustoßen“, erklärt Kapferer. Folgen sind unter anderem Zahnfleischbluten, Zurückweichen des Zahnfleisches und letztlich die Lockerung bzw. sogar der Verlust der Zähne. Die Parodontitis hat aber nicht nur erhebliche schädliche Auswirkungen auf den Zahn und dessen Umgebung, sondern kann den Allgemeinzustand des Körpers unter Umständen auch anderweitig in Mitleidenschaft ziehen. „Wir haben überall Haut bzw. Schleimhäute als Schutzschicht, lediglich über die Zähne gibt es einen direkten Zugang für Bakterien zum Knochen und Blutgefäßsystem. Mittler-


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„Jeder sollte sich beim Zahnarzt in die richtige Zahnreinigung einschulen lassen.“ DR. INES KAPFERER, Assistenzärztin der Universitätsklinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung


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Gesund leben

Was ist was? Plaque ... ... ist der Belag auf den Zähnen, der sich aus Speichel, Bakterien, Nahrungs- und Stoff wechselbestandteilen zusammensetzt.

„Der Verlauf bei jugendlichen Parodontitis-Patienten ist überaus schnell, ohne Behandlung müssen schon nach wenigen Jahren die Zähne gezogen werden.“

Gingivitis ... ... ist eine vorwiegend bakteriell verursachte Entzündung des Zahnfleischs. Parodontitis ... ... ist eine bakteriell bedingte Entzündung, die bis zur Zerstörung des Zahnhalteapparates führen kann. Parodontose ... ... ist ein inzwischen veralteter Begriff, der früher sämtliche entzündliche sowie nicht-entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates umfasste. Parodontose bezeichnet eigentlich einen nicht-entzündlichen Abbau des zahntragenden Knochens.

weile weiß man, dass Parodontitis-Bakterien, wenn sie in die Blutbahn gelangen, das Risiko für Herzkreislauferkrankungen erhöhen und auch bei Diabetes eine Rolle spielen“, erörtert die Zahnmedizinerin und hebt hervor, wie wichtig es ist, Signale des eigenen Körpers richtig zu deuten: „Die Wundfläche bei ParodontitisPatienten entspricht in etwa der Größe eines Handtellers. Hätte ich eine eiternde Wunde derselben Größe am Oberschenkel, würde ich diese wohl kaum ignorieren. In der Mundhöhle sieht man die Wunde jedoch oft nicht und viele nehmen Zahnfleischbluten einfach so hin.“ Heutzutage kann Parodontitis als Volkskrankheit bezeichnet werden. Zwar liegen für Österreich kaum verlässliche epidemiologische Daten vor, Experten rechnen aber damit, dass bei der Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen rund 40 Prozent eine schwere und 40 Prozent eine leichte Parodontitis aufweisen. Bei den 35- bis 40-Jährigen haben vermutlich sogar bis zu 50 Prozent eine leichte und 25 Prozent eine schwere Parodontitis. Prinzipiell ist die Entzündungserkrankung eine Alterserscheinung, je älter man wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, an Parodontitis zu erkranken. Es gibt jedoch auch die aggressive Parodontitis, die schon im Jugendalter ab

16 Jahren auftreten kann und für die es einer sehr starken genetischen Vorbelastung bedarf. Diese Form ist freilich sehr selten und kommt nur bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vor. „Der Verlauf ist bei Jugendlichen überaus schnell, ohne Behandlung müssen schon nach wenigen Jahren die Zähne gezogen werden. Bei der Erwachsenen-Parodontitis geht der Prozess langsamer vonstatten: Die Zahnwurzel, die normalerweise rund zwölf Millimeter lang ist, schrumpft um einen halben Millimeter im Jahr“, konstatiert Ines Kapferer. Fast jede Parodontitis kann gestoppt werden, die Mitarbeit des Patienten ist dabei ungemein wichtig. Im Zuge der Therapie säubert der Zahnarzt in mehreren Sitzungen die Zahntaschen unter dem Zahnfleisch von Bakterien- und Zahnsteinbelägen und verschreibt mitunter auch ein Antibiotikum, bei schwierigeren Fällen ist auch ein kleiner operativer Eingriff vonnöten.

Prophylaxe ist entscheidend

Der Patient erlernt zudem die korrekte Mundhygiene und muss die Zähne täglich verlässlich und vor allem gründlich putzen und die Zahnzwischenräume mit einer speziellen Bürste reinigen. Wenn die Entzündung gestoppt ist, muss der Zustand durch sorgfältige Mundhygiene und le-


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benslange Kontrolle bewahrt werden. Die wichtigste Maßnahme, um Parodontitis vorzubeugen, klingt im ersten Moment relativ simpel. Bei entsprechender Mundhygiene lässt sich nämlich die Bildung von Zahnstein, Zahnbelag und Karies und somit die Vermehrung der krankheitserregenden Bakterien verhindern. Außerdem kann einer auftretenden Zahnfleischentzündung schnell entgegengewirkt werden. Doch gute Zahnreinigung ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Denn dazu gehört unter anderem eine Prophylaxesitzung mit Mundhygieneinstruktion beim Zahnarzt. „Jeder sollte nicht nur in regelmäßigen Abständen von etwa einem halben Jahr zum Zahnarzt schauen, sondern sich dort auch einmal in die richtige Zahnreinigung einschulen lassen. Die Technik ist wichtig, gerade bei der Handzahnbürste, zudem gibt es zusätzliche Hilfen wie ebenjene Zahnzwischenraumbürstchen sowie Zahnseide“, rät Kapferer.

Raucher sind einem erhöhten Risiko, an Parodontitis zu erkranken, ausgesetzt, daher sollten sie den Griff zur Zigarette reduzieren – oder im optimalen Fall natürlich mit dem Rauchen aufhören. Zu einer weiteren Risikogruppe zählen Diabetiker, vor allem wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist. Psychischer Stress kann die Entzündung ebenso auslösen: Nicht umsonst gibt es die Phrase „am Zahnfleisch gehen“ – wer an großer psychischer Stressbelastung leidet, kann mit psychotherapeutischer Hilfe einen Ausweg finden. Eine wesentliche Rolle spielt bei der Parodontitis-Prophylaxe definitiv die Ernährung. Kapferer: „Parodontitis ist wie Karies eine Zivilisationskrankheit. Viele Menschen ernähren sich heutzutage nicht mehr gesund genug, nehmen zu viel zuckerhaltige Nahrung zu sich und konsumieren zu wenig Obst und Gemüse. Zucker fördert die Plaquebildung. Der Selbstreinigungsprozess der Zähne ist bei der heutigen Nahrung überwiegend nicht D. NASCHBERGER ●●● mehr gegeben.“

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Zur Person Dr. Ines Kapferer ist Assistenzärztin der Universitätsklinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung.

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Gesund leben

E

is ist Mittwochvormittag, die Uhr zeigt 9.45. Rund eine Stunde zuvor habe ich noch ein kleines Frühstück zu mir genommen, wie es mir vorab empfohlen worden war. Ein paar Patienten sitzen in der Sonne vor dem Landeskrankenhaus Natters. Ich folge zwei Krankenpflegern, die gerade durch die Eingangstüre schlendern. Im ersten Stock des Gebäudes befindet sich das Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG). Dort erwartet man mich bereits. Nach einem kurzen Vorgespräch mit ISAG-Direktor Univ-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, der mich unter anderem über die Vorgehensweise bei der anstehenden sportmedizinischen Untersuchung instruiert, geht es in die Umkleide. Bevor ich aber so richtig starten kann, muss ich noch eine Harnprobe abgeben. Die innerliche Anspannung steigt ein wenig – immerhin bringe ich als Hobbysportler mit einer starken Neigung zu Ballsportarten gewisse physische Grundvoraussetzungen mit. Wo ich aber mit meinen 25 Jahren körperlich wirklich stehe, war die spannende Frage vor Beginn des Testreigens.

Station 1

Alles beginnt relativ harmlos. Die Anthropometrie – wie es im Fachjargon heißt – steht auf dem Programm: Ich werde also vermessen und gewogen. Die Körpergröße beträgt die seit mittlerweile zehn Jahren konstanten 185 Zentimeter, die Waage zeigt durchaus zufriedenstellende 82,5 Kilogramm. Beim Body Mass Index liege ich in der Norm. Nun kann ich mich entspannt hinlegen, Elektroden werden mir auf den Oberkörper geklebt. In diesem körperlichen Ruhezustand wird sowohl ein Elektrokardiogramm (EKG), das meinen Herzrhythmus und meine Herzfrequenz wiedergibt, erstellt als auch eine Blutdruckmessung durchgeführt. Noch ist alles im grünen Bereich. So kann es weitergehen, von Anstrengung ist noch keine Rede. Als marginaler Störenfried in meiner momentan angenehmen Liegeposition nähert sich eine kleine Spritze. Ein kaum spürbarer Piekser und schon ist die Blutabnahme erledigt. Wieder einmal hat es sich bewährt, während des Prozedere den Blick einfach weg vom betroffenen Arm zu richten – das hat es als Kind schon immer einfacher gemacht.

Station 2

Im Nebenraum empfängt mich Dipl. MTF Herbert Sailer zur Spirometrie. Dabei sollen die Funktion sowie das Volumen der Lunge geprüft werden. Herbert Sailer überreicht mir das Messgerät und erklärt dessen Anwendung: „Tief einatmen und dann mit Geschwindigkeit ausatmen. Beim zweiten oder dritten Versuch sollten wir dann eine passable Kurve mit verwendbaren Parametern erhalten.“ Hört sich doch mehr als einfach an. Ich hole tief Luft und atme schnell aus. Offensichtlich zu schnell. „Das war leider nichts“, lächelt Sailer, „das Ausatmen nicht sofort abbrechen.“ Ich starte einen neuerlichen Anlauf – der etwas erfolgreicher, wenn auch nicht optimal, verläuft. „Die Kurve könnte noch eine Spur besser sein, insgesamt aber ist mit der Lungenfunktion alles in Ordnung“, lässt mich Herbert Sailer noch einmal richtig durchatmen.

Station 3

Nach einer kurzen Besprechung der bisher ausgewerteten Daten geht es zur Analyse der Körperzusammensetzung mittels Bioimpedanz. Was hochkomplex klingt, ist


Gesund leben

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Der Körper in der

Leistungsschau

© MIChAeL rAthMAYr (4)

Wie es um die leistungsfähigkeit des eigenen Körpers bestellt ist, lässt sich mittels einer sportmedizinischen Untersuchung herausfinden. gesund in Tirol hat den Selbstversuch unternommen.


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Gesund leben

Leistungsdiagnostik im ISAG Das Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus betreut Athleten aller Leistungsklassen, vom Breitenbis zum Spitzensportler. Der Kernkompetenz liegt in internistischen und orthopädischen Untersuchungen mit Schwerpunkt auf sportmedizinische Fragestellungen. Dafür stehen modernste Untersuchungsmethoden zur Leistungsbeurteilung zur Verfügung. Die Ergebnisse dienen als Grundlage sowohl für ein wettkampf- als auch gesundheitsorientiertes Training mit dem Ziel optimaler Effektivität bei minimalem Risiko. Erweitert wird das Angebot im ISAG durch die enge Kooperation mit verschiedensten Abteilungen der Universitätsklinik. Interessierte Hobbysportler können das Angebot eines Leistungstests inklusive Trainingsberatung nutzen. Kontakt Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus In der Stille 20 6161 Natters Telefon: 0512 504-23450 Fax: 0512 504-23469 isag.tilak.at

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger ist Direktor des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus.

„Wir erarbeiten mit den Sportlern sinnvolle Trainingsempfehlungen.“ Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Direktor des ISAG

im Grunde nichts anderes, als festzustellen, wie hoch die jeweiligen Anteile an Fett und Muskulatur im Körper sind. Die Messmethode ist überhaupt nicht anstrengend, wiederum darf ich mich dazu hinlegen. Biologe Dozent Dr. Arnold Koller befestigt Elektroden an meinem linken Arm und Fuß. Kurz darauf durchfließt ein nicht wahrnehmbarer Stromimpuls meinen Körper, nach wenigen Sekunden ist die Messung bereits erledigt. „Dadurch bekommen wir Informationen bezüglich Muskelmasse, Körperfettanteil und Wasserhaushalt. So können wir besser Tipps zur Trainingszusammenstellung geben und etwa auch feststellen, ob jemand zu wenig trinkt. Nach Verletzungen sehen wir genau, wie es um die Muskelmasse im betroffenen Körperteil bestellt ist.“, erklärt Koller.

Ohrläppchen vor – das Laktat dient ebenso wie die Herzfrequenz als Messgröße für die Trainingsplanung und Belastungssteuerung. Ich beginne zu treten, zunächst bei 50 Watt Belastung. Alle drei Minuten wird die Intensität um 50 Watt gesteigert, zudem werden Blutdruck und Laktat gemessen. Zwölf Minuten lang geht das Radfahren problemlos vonstatten, dann merke ich, wie die Kraft in den Beinen allmählich nachlässt. Zwei Minuten später muss mein Kopf schon die rötliche Färbung einer Tomate haben, ich stehe bei 300 Watt Belastung. Mein Herz rast, die Atmung ist schnell – nach knapp 15 Minuten muss ich den Test beenden, der Körper will nicht mehr. Im Bezug auf meine physischen Voraussetzungen würde ich mich damit aber im Normbereich befinden, meint Herbert Sailer.

Station 4

Station 5

Nun wird es ernst – das Fahrradergometer steht bereit. Das Belastungs-EKG bildet den Abschluss der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik. Ich schlüpfe in Fahrradhose und -schuhe und steige auf den Sattel. Abermals werden Elektroden auf meinem Oberkörper platziert, ich bekomme eine Blutdruckmanschette und eine spezielle Atemmaske angelegt. Herbert Sailer nimmt die erste Laktatmessung an meinem

Nach einer ausgiebigen Dusche wartet noch die Ergebnisbesprechung mit Univ.Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger auf mich. Aufgrund der durchgeführten Leistungsdiagnostik liegen eine Beurteilung und eine Trainingsempfehlung vor: Die Leistungsfähigkeit von 117 % der Norm entspricht einer Netto-Trainingszeit von 45 bis 60 Minuten pro Woche im Grundlagenausdauerbereich. „Ein Marathon geht sich


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damit zwar noch nicht aus, aber für einen Hobbysportler sind die Werte absolut in Ordnung. Zur Verbesserung bzw. Erhaltung der Leistungsfähigkeit würden wir nun zusätzliches Grundlagenausdauertraining von 1,5 bis zwei Stunden pro Woche verteilt auf drei bis vier Trainingseinheiten empfehlen“, erläutert Schobersberger, der mit jedem Sportler je nach dessen Erwartungshaltung spezifische Trainingspläne erarbeitet.

Fazit

Eine sportmedizinische Untersuchung ist nicht nur für Spitzenathleten sinnvoll, sondern durchaus auch Hobbysportlern zu empfehlen. Denn so umfassend durchgecheckt wurde die Leistungsfähigkeit meines Körpers zuvor noch nie. „Inzwischen kommen immer mehr Hobbysportler zu uns – sich einmal im Jahr einer sportmedizinischen Leistungsdiagnostik zu unterziehen, kann in jedem Fall nicht schaden. So können wir gemeinsam Ziele definieren, die körperlichen Grenzen feststellen und damit auch verhindern, dass sich jemand übernimmt. Stattdessen sollen sinnvolle Trainingsempfehlungen erarbeitet werden“, so D. NASCHBERGER lll Schobersberger. 

„Zeigt her eure Füße...“

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esonders wohltuend empfindet man es, wenn Stiefel und Winterschuhe wieder ausgedient haben und in unseren Breiten sind dann schnell die warmen Tage da, an denen man sexy High Heels, schicke Sandalen oder bunte Flip-Flops ausführt. Doch dazu sind gepflegte Füße ein absolutes Muss, also ist eine gründliche Fußpflege angesagt. Damit werden Füße nicht nur schön, sondern bleiben auch fit und gesund. Für eine gründliche Fußpflege stehen eine Reihe von Produkten zur Verfügung und der Fachdrogist berät gerne. Alle 14 Tage sollten Sie die Füße mit einem ausführlicheren BeautyProgramm verwöhnen. Am besten beginnen Sie mit einem Peeling (z.B. Cremes mit Bimssteingranulaten), bei dem abgestorbene Hautschüppchen sanft entfernt

und raue Hautpartien geglättet werden. Darauf folgt ein Fußbad, das übrigens nie länger als drei Minuten dauern sollte, denn die Haut weicht auf und wird dann verletzlich und rissig, so dass Keime und Bakterien leichter eindringen können. Bäder mit Meersalz machen müde Füße munter. Milch- und Molkebäder helfen bei rissiger Fußhaut, Kamillenblüten bei wunden Füßen. Selbstverständlich ist, dass auch bei der Beinenthaarung nur pflegende Produkte eingesetzt werden sollten, denn eine entzündete Haarwurzel etwa ist wirklich kein Blickfang. Und weil man im Frühjahr dann auch gerne die ersten Wanderungen in die blühende und grünende Natur unternimmt, darf man für fitte Füße den Blasenschutz nicht vergessen. Gegen müde Beine gibt es spezielle Produkte auf Salzbasis und für eine gute Durchblutung sorgen Cremes mit Weinlaub- oder Rosskastanienextrakten. So darf man leichten Fußes die Freuden eines Frühjahrsausfluges genießen. In Ihrer Fachdrogerie berät man Sie gerne. ●●●

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Gesund leben

Sonne ohne Reue Sonnenlicht steigert die Aktivität und hebt die Stimmung. Doch vor allem Kinder brauchen den richtigen UV-Schutz. Denn die Haut vergisst keinen Sonnenbrand.

„Der beste Schutz vor Sonnenschäden ist, die Sonne zu meiden.“ DR. ALEXIS SIDOROFF, Dermatologe an der Universitätsklinik für Dermatologie, Innsbruck


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D

ie möglichen negativen Seiten eines Badetags kennt jeder: Die Haut ist rot, juckt und spannt, jede Berührung schmerzt: ein Sonnenbrand! Was meist als harmlos abgetan wird, ist in Wirklichkeit eine ernsthafte gesundheitliche Gefahr, gegen die es sich zu schützen gilt. Denn die Haut vergisst nicht: Mit jedem Sonnenbrand steigt das Risiko massiv, an Hautkrebs zu erkranken. Vor allem Kinder sind gefährdet: Drei Viertel der schweren Sonnenbrände kommen vor dem 20. Lebensjahr vor. Kinder vertragen UV-Strahlung schlecht und ihre Eigenschutzzeit liegt oft gerade einmal bei fünf Minuten. Ihre Haut ist viel dünner und empfindlicher als jene von Erwachsenen, sie bräunt kaum und auch die Talgdrüsen sind noch nicht sehr aktiv. Ein Sonnenbrand entsteht so sehr schnell. Viele Eltern sind unsicher, wie sie die Kleinen richtig vor schädlicher UVStrahlung schützen können – dabei ist es ganz einfach.

Cremen, cremen, cremen

„Der beste Schutz vor Sonnenschäden ist in erster Linie, die Sonne zu meiden“, erklärt Dr. Sidoroff, Dermatologe an der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck, „gerade mit Kleinkindern sollte man nicht in die pralle Sonne gehen.“ Das bedeutet, immer im Schatten zu bleiben, den Kindern immer einen Sonnenhut aufzusetzen und die Haut mit luftiger Kleidung zu bedecken. Jene Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt sind, müssen auf jeden Fall eingecremt werden – gerne vergessen werden der Nacken oder auch die Ohren. Bei der Wahl der richtigen Sonnencreme lohne es sich durchaus, auf spezielle Produkte für Kinder zurückzugreifen. Nicht, weil diese besser schützen, sondern weil sie oft leichter einziehen. „Kinder mögen keine Sonnencreme, die klebt und fettet. Wenn sie mit dem Produkt gut zurechtkommen, lassen sie sich lieber eincremen“, sagt Sidoroff. Bei Produkten für Erwachsene sind auch oft Parfumstoffe zugesetzt, die Kinder nicht gut vertragen.


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Gesund leben

Die vier Hauttypen Es gibt vier Typen von Papillen, die nach ihrer Form unterschieden werden. Typ I Merkmale: helle Haut, helle Haare, helle Augen, Sommersprossen Hautkennzeichen: immer oder schnell Sonnenbrand, keine bis geringe Bräunung Eigenschutzzeit der Haut: 5–10 Min. Empfohlener LSF: sehr hoch (50+) Typ II Merkmale: helle Haut, blonde Haare, blaue oder grüne Augen Hautkennzeichen: oft Sonnenbrand, geringe und langsame Bräunung Eigenschutzzeit der Haut: 10–20 Min. Empfohlener LSF: hoch (30-50) Typ III Merkmale: dunkle Haare, braune Augen, helle bis hellbraune Haut Hautkennzeichen: manchmal Sonnenbrand, schnelle Bräunung Eigenschutzzeit der Haut: 20–30 Min. Empfohlener LSF: mittel (15–20) Typ IV Merkmale: oliv- bis dunkelbraune Haut, dunkle Haare, braune Augen Hautkennzeichen: selten Sonnenbrand, tiefe und schnelle Bräunung Eigenschutzzeit der Haut: 30–40 Min. Empfohlener LSF: niedrig (6–10)

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Alexis Sidoroff ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie.

Auswirkungen von UV-Strahlung auf die Haut Je nach Wellenlänge unterscheidet man zwischen UV-A- und UV-BStrahlen. Die langwelligen UV-A-Strahlen sind für die Hautalterung verantwortlich und begünstigen laut klinischen Studien die Melanombildung. Die kurzwelligen UV-B-Strahlen sorgen dafür, dass wir braun werden oder einen Sonnenbrand bekommen. UV-B-Strahlung kann Zellkerne so weit verändern, dass Krebs entsteht. Bei der Wahl des Sonnenschutzmittels ist es deswegen wichtig, dass es nicht nur vor UV-B-, sondern auch vor UV-A-Strahlen schützt.

Beim Eincremen gilt: viel, oft und vor allem rechtzeitig. „Studien haben gezeigt, dass viel zu wenig Sonnencreme verwendet wird“, erzählt der Dermatologe. Empfohlen werden 2 Milliliter pro Quadratzentimeter Haut, das wären bei einem Erwachsenen etwa 3–4 Esslöffel, bei Kindern dementsprechend weniger. Auch sollte man bereits eine halbe Stunde, bevor man in die Sonne geht, an den Sonnenschutz denken. „Die Kinder erst am Strand oder am See einzucremen, ist zu spät. Das sollte man vor dem Losfahren zuhause machen“, erklärt Sidoroff. Denn Sonnencreme braucht eine gewisse Zeit, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Nebeneffekt des frühen Eincremens: Die Creme hat genug Zeit einzuziehen und der Sand bleibt nicht am ganzen Körper kleben. „Die mechanische Abreibung der Creme und somit die Verringerung des Sonnenschutzes wird oft unterschätzt“, sagt der Dermatologe, „deswegen muss auch regelmäßig nachgecremt werden.“ Das gilt auch für wasserfeste Cremes – denn nach einem ausgiebigen Bad im See sind auch sie abgespült.

Kleidung als Sonnenschutz

Auch Kleidung schützt vor der schädlichen UV-Strahlung, doch nicht unbegrenzt. Bei grob gewebten Stoffen kann man auch durch sie hindurch einen Sonnenbrand bekommen, spezielle Sportbe-

kleidung mit Lichtschutzfaktor ist sicherer. „In Australien sieht man am Strand kein Kind ausschließlich in der Badehose herumlaufen“, erklärt Sidoroff, „bei uns wird Kleidung als Sonnenschutz noch unterschätzt.“ Der beste Schutz vor schädlicher UVStrahlung ist allerdings immer noch, gar nicht erst in die Sonne zu gehen. „Für jeden gilt“, erklärt Sidoroff, „dass die Sonne immer dann strikt zu meiden ist, wenn der Schatten kürzer ist als man selbst. Also in der Mittagszeit.“ Wenn man trotzdem mal einen Sonnenbrand bekommt, hilft nur eines: kühlen. „Kühlende Gels, Cremes auf Wasserbasis und kühle Duschen können helfen“, rät Sidoroff. Auch Hausmittel wie Joghurt oder Topfen lindern. Abzuraten sei hingegen von fettigen Salben, die das Schwitzen verhindern und somit die körpereigene Kühlung. Die Beschwerden beginnen meist erst vier bis acht Stunden nach dem Sonnenbad. Am stärksten ausgeprägt sind sie nach zwölf bis 36 Stunden. Zum Arzt sollte man gehen, wenn außer einem Sonnenbrand weitere Symptome wie Übelkeit, Frösteln, Kopfschmerzen oder Fieber auftreten. Damit das nicht passiert, hilft nur, sich selbst und die Kinder vor der Sonne zu schützen. Die Haut wird es danken.  s. ainetter lll 


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Vergrößernde Sehhilfen:

Wenn die Brille nicht mehr ausreicht Die erweiterte Low-Vision-Abteilung von MILLER Optik hilft weiter.

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tellen Sie sich vor, Sie haben eine Lesebrille und können mit dieser plötzlich nicht mehr lesen. Selbst Ihr Augenarzt kann Ihnen keine stärkere Brille mehr verschreiben, weil sie Ihnen nicht mehr helfen würde. Laut der „Beaver Dam Studie“ haben 21 Prozent der über 75-Jährigen eine so geringe Sehleistung, dass sie trotz ihrer guten Brille beispielsweise Zeitungstexte oder Telefonbucheinträge nicht mehr lesen können. Betroffen sind überwiegend ältere Menschen, aber auch Kinder können durch verschiedene Erbkrankheiten eine derartige Sehverminderung haben. Die häufigsten Ursachen von eingeschränktem Sehen sind Krankheitsbilder wie die altersbedingte Makuladegeneration, ein Glaukom (Grüner Star) oder Diabetes (Zuckerkrankheit). „Zum Lesen von Zeitungstexten ist eine Restsehschärfe von ca. 50 Prozent notwendig. Bei einer geringeren Sehleistung können vergrößernde Sehhilfen helfen“, erklärt Ing. Helmut Schernthaner, Low-Vision-Experte bei MILLER Optik.

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Vergrößernde Sehhilfen sind alle optischen und elektronischen Hilfsmittel, die bei schlechter Sehkraft individuell angepasst werden, um die Restsehschärfe für die Betroffenen optimal auszunutzen. Dies sind beispielsweise Handlupen, Lupenbrillen, Fernrohrbrillen, Bildschirmlesegeräte sowie Kantenfilterbrillen. Alle Sehhilfen arbeiten mit Vergrößerung. Welches Hilfsmittel zum Einsatz kommt, ist von der vorhandenen Sehleistung und den jeweiligen Anforderungen abhängig. Ing. Helmut Schernthaner, Leiter der kürzlich vergrößerten Low-Vision-Abteilung von MILLER Optik, berät Betroffene gerne bei der Wahl des richtigen Hilfsmittels und passt diese individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse an. Weitere Informationen erhält man bei MILLER Optik, Ing. Helmut Schernthaner unter der Tel.-Nr.: +43/(0)512/59438-774 oder sehhilfen@miller.at. ●●●

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Gesund leben

Kleiner Stich mit großer Wirkung Ein kleiner Stich in den Oberarm oder ein präpariertes Stück Würfelzucker – Impfungen gegen Kinderkrankheiten gehören zur Kindheit der Österreicher. Wie aber funktioniert eine Impfung und wogegen sollte man seine Kinder impfen lassen?

B

ei jeder Impfung werden Bestandteile von Bakterien oder Viren oder aber abgeschwächte Erreger in den Körper des Impflings eingeführt. Im ersten Fall spricht man von Totimpfstoffen, im zweiten vom Lebendimpfungen. Letztere sind von ihrer krankmachenden Wirkung weitestgehend befreit, entfachen aber dennoch die schutzbringenden Reaktionen im Abwehrsystem. Im Körper angelangt, werden diese Erregerbruchstücke oder abgeschwächten Erreger als körperfremde Strukturen (Antigene) erkannt. Der Körper reagiert nun entweder mit der Bildung von Signalgebern (Antikörpern), die dem Immunsystem sagen, dass die Antigene zu entfernen sind, oder mit der Bildung von spezifischen Zellen, die die Antigene direkt erkennen und für ihre Beseitigung sorgen.

Für diese Reaktion auf die körperfremden Stoffe bzw. abgeschwächten Erreger wird nun eine Art Gedächtnis aufgebaut. Die Träger dieses Gedächtnisses sind im ersten Fall die Zellen, die die Antikörper bilden. Im zweiten Fall übernehmen die Zellen, die an der Beseitigung der Erreger und deren Reste beteiligt sind, diese Rolle. In beiden Fällen sind Abwehrzellen die Träger des immunologischen Gedächtnisses. Sie gewährleisten, dass bei erneutem Eindringen der gleichen körperfremden Strukturen diese sofort „erkannt“ und erfolgreich beseitigt werden, damit die von den Erregern übertragene Krankheit nicht zum Ausbruch kommen kann. „Die Gedächtniszellen werden auch beim Durchmachen dieser Krankheit gebildet. Das ist der Grund, warum man jede Infektionskrankheit eigentlich nur einmal haben kann“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Ge-


Gesund leben

„Man kann generell nicht zu viel impfen. Auch Mehrfachimpfstoffe überfordern das Immunsystem bei Weitem nicht.“ DR. GERHARD GAEDICKE, Direktor des Departements für Kinder- und Jugendheilkunde an der Universitätsklinik in Innsbruck.

hard Gaedicke, Leiter der Kinderklinik in Innsbruck, „zumindest gilt das, solange es sich um ein und denselben Erreger handelt.“ Der Vorteil der Impfung liegt also auf der Hand: Ihr Zeitpunkt ist frei wählbar und der Patient muss dafür nicht erst die betreffende Krankheit durchmachen.

Nebenwirkungen?

Weit verbreitet ist allerdings die Angst vor Nebenwirkungen – besonders, wenn es um Impfungen bei Kindern geht. Hier gilt es, zwei Arten zu unterscheiden. Zum einen gibt es Begleiterscheinungen, die unmittelbar mit der Impfung zusammenhängen, beispielsweise eine schmerzende Rötung, ein Anschwellen der Impfstelle oder auch leichtes Fieber. Gerhard Gaedicke: „Diese Reaktionen sind bis zu einem bestimmten Grad erwünscht. Sie belegen gewissermaßen, dass die Impfung ,funktioniert‘ hat.“ Auf der anderen Seite gibt es auch unerwünschte Nebenwirkungen, die aber einerseits nie schwerwiegender sein können als die Krankheit, gegen die geimpft wird, und die andererseits dank immer besserer Impfstoffe immer seltener auftreten. „Mit der Impfung ist man also in jedem Falle besser beraten“, bestätigt Gaedicke, „denn das Durchmachen der Krankheiten birgt viel mehr Risken.“ Aber warum impft man dann nicht einfach gegen alle bekannten Infektionskrankheiten? Um diese Frage zu beant-

worten, muss man sich die verschiedenen Krankheitserreger genau ansehen. Diejenigen unter ihnen, die sich im Laufe der Zeit nicht oder nur in einem gewissen Maße verändern, lassen sich immunologisch kontrollieren, das heißt, es ist möglich, Impfstoffe gegen die jeweilige mit den Erregern verbundene Krankheit zu entwickeln. „Solange sich das charakteristische Antigen eines Erregers allerdings durch häufige Veränderung dieser immunologischen Kontrolle entzieht, bleibt die Entwicklung eines Impfstoffes unmöglich“, so Prof. Gaedicke. Beispiele für Erreger, deren Kontrollierbarkeit noch immer Inhalt intensiver Forschungsarbeit ist, sind etwa der Malariaauslöser Plasmodium oder das für die Immunschwächekrankheit AIDS verantwortliche HI-Virus.

Erfolgsgeschichte Impfung

Dieser Tatsache zum Trotz muss man im Zusammenhang mit der Erfindung und Weiterentwicklung der Impfungen von einer medizinischen Erfolgsgeschichte sprechen. Die Anzahl der durch Impfung vermeidbaren Krankheiten ist in den letzten 50 Jahren stetig gestiegen. Vor allem Eltern stellen sich daher die Frage, woran sie sich bei diesem „Großangebot“ an Impfungen orientieren können. Gerhard Gaedicke: „Man kann generell nicht zu viel impfen. Auch Mehrfachimpfstoffe

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überfordern das Immunsystem bei Weitem nicht. Gut beraten ist man bei der Entscheidungsfindung, wenn man sich am österreichischen Impfplan orientiert. Bei Kindern ist speziell zu beachten, dass die Grundimmunisierung am Ende des ersten Lebensjahres abgeschlossen ist, wenn sie zu laufen beginnen. Und die Eltern sollten die Gelegenheit nutzen, ihre eigenen Impfungen durch die Kinderärzte auch gleich auffrischen zu lassen oder versäumte Impfungen nachzuholen. Aufgrund der demografischen Entwicklung betreffen viele sogenannte Kinderkrankheiten heute durchaus Erwachsene und vor allem auch Menschen im höheren Alter, bei denen der Impfschutz nachlässt und das Immunsystem schwächer wird. „Auch werdenden Großeltern kann man vorbehaltlos empfehlen, durch Auffrischungen z.B. gegen Wundstarrkrampf, Diphtherie, Keuchhusten, Leberentzündung, Grippe und vor allem Pneumokokken ihren Impfschutz auf Vordermann zu bringen“, erklärt der Experte und ergänzt noch, dass bei Urlaubsaufenthalten in fernen Ländern der Impfschutz für die mitreisenden Kinder rechtzeitig zu planen sei. Warnen müsse man allgemein vor irreführenden Informationen von Impfgegnern aus dem Internet. Eine seriöse Quelle ist jedenfalls die Homepage der österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, www.docs4you.at, wo neben viel Wissenswertem zum Themenbereich Impfungen unter anderem auch die aktuelle Fassung des österreichischen Impfplanes zum Download bereitsteht. F. PRANGER ●●●

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gaedicke war Leiter der Kinderklinik an der Berliner Charité und ist seit 19. März dieses Jahres geschäftsführender Direktor des Departments für Kinder- und Jugendheilkunde an der Universitätsklinik in Innsbruck.


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Ratgeber

Ratgeber

Rheuma –

der fließende Schmerz

Rheuma Unter dem Überbegriff „Rheuma“ werden rund 300 verschiedene Erkrankungen zusammengefasst. Gemeinsam ist den Erkrankten der als ziehend oder fließend beschriebene Schmerz. Das Spektrum der Beeinträchtigungen reicht dabei von harmlos bis zu lebensbedrohlich. Dementsprechend hängt die Rheumatherapie im Einzelfall von der jeweils diagnostizierten Erkrankung ab.


Ratgeber

„Rheuma kann jeden treffen, gänzlich unabhängig vom Alter.“ DR. JOHANN GRUBER, Oberarzt an der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Innsbruck

Zwei Millionen Österreicher leiden immer wieder an Schmerzen am Bewegungsapparat, der Großteil hat chronisch rheumatische Beschwerden. Kaum bekannt ist allerdings, worum es sich bei Rheuma genau handelt. Was genau versteht man unter Rheuma, was unter Arthritis? UNIV.-PROF. DR. JOHANN GRUBER: Es ist wichtig festzuhalten, dass es sich bei Rheuma nicht um eine Einzeldiagnose handelt. Der Begriff Rheuma steht für etwa 300 verschiedene Krankheitsbilder und umfasst dabei einen weiten Bogen von eher harmlosen bis zu lebensbedrohlichen Erkrankungen. UNIV.-PROF. DR. ERICH MUR: Eine typische Erkrankung, auf die sich der Rheumabegriff bezieht, ist die chronische Polyarthritis (auch rheumatoide

Arthritis genannt). Dabei ist der Patient von einer chronischen Entzündung zahlreicher Gelenke betroffen. Die Betroffenen beschreiben ziehende oder fließende Schmerzen (Rheuma = gr. der Fluss, das Fließen) sowie Schwellungen der Gelenke, oft verbunden mit morgendlich betonter Steifigkeit. Sie kann als Paradebeispiel einer rheumatischen Erkrankung angesehen werden, da sie klar definiert und über ihr Erscheinungsbild sowie entsprechende bildgebende Verfahren meist gut von anderen Erkrankungen abgrenzbar ist.

Kann jeder und jede Rheuma bekommen? Gibt es eine Risikogruppe? DR. JOHANN GRUBER: Rheuma kann jeden treffen, gänzlich unabhängig vom Alter. Natürlich sind gewisse Arten der unter den Rheumabegriff fallende Erkrankungen in verschiedenen Lebensabschnitten häufiger. DR. ERICH MUR: Das unter dem Begriff Arthrose bekannte „degenerative Rheuma“ trifft im höheren Alter fast so gut wie alle Menschen, aber natürlich in unterschiedlicher Intensität. Üblicherweise bleibt diese Erkrankung dann ohne thera-

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Ratgeber

„Bei Gicht ist eine gesunde Ernährung besonders wichtig.“ UNIV.-PROF. DR. ERICH MUR, Oberarzt an der Universitätsklinik für innere Medizin I in Innsbruck

peutische Konsequenz, in manchen Fällen müssen aber zu stark abgenutzte und damit stark schmerzende Gelenke wie Knie oder Hüfte durch Prothesen oder Teilprothesen ersetzt werden, was dann einen operativen Eingriff bedingt. Gibt es so etwas wie eine Rheumaprophylaxe? DR. ERICH MUR: Da Rheuma ja nur ein Überbegriff ist und keine Diagnose, sind verschiedene Formen von Prophylaxe zu bedenken. Im Falle der chronischen Polyarthritis ist der Verzicht auf Tabakwaren als besonders hervorstechend zu nennen. Eine weitere bekannte rheumatische Erkrankung, die Gicht, ist durch erhöhte Harnsäurewerte im Blut in den Gelenken charakterisiert. Diese Entzündung wird durch den Konsum von Fleisch und alkoholischen Getränken (insbesondere Bier) mit hervorgerufen. Hier gilt es also, genaues Augenmerk auf eine vernünftige Ernährung zu legen. Der Arthrose kann durch einen sorgsamen Umgang mit den besonders belasteten bzw. betroffenen Gelenken (Knie, Hüfte) vorgebeugt werden. Gemeint ist dabei insbesondere das Vermeiden von

Überbelastungen. DR. JOHANN GRUBER: Insgesamt kann gesagt werden, dass ein gesunder und ausgewogener Lebensstil viel dazu beitragen kann, die Entwicklung diverser rheumatischer Krankheiten, für die eine genetische Disposition gegeben ist, hintanzuhalten. Ist Rheuma also genetisch bedingt? DR. JOHANN GRUBER: Für viele Krankheiten, die unter dem Rheumabegriff subsumiert werden, zum Beispiel auch die chronische Polyarthritis, gilt, dass es für einen Ausbruch der Krankheit sowohl einer bestimmten genetischen Konstellation als auch äußerer Faktoren wie Infektionen oder Rauchen bedarf, beide steigern die Erkrankungswahrscheinlichkeit. DR. ERICH MUR: Wenn bei einem Patienten bereits rheumatische Beschwerden vorliegen, können bestimmte Marker im Blut herangezogen werden, um den genetischen Hintergrund der jeweiligen Erkrankung auszuleuchten und eine Abschätzung des weiteren Krankheitsverlaufes zu treffen. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen Rheuma-Gentest, sondern nur um eine Möglichkeit,

die weitere Entwicklung der Erkrankung besser abzuschätzen. Wie sieht die typische Therapie rheumatischer Erkrankungen aus? DR. JOHANN GRUBER: Da das Phänomen Rheuma ja einen weiten Bogen von Krankheiten umspannt, gibt es auch ein breites Spektrum von Therapiemaßnahmen, das von einer Lebensstilmodifikation über Physiotherapie und die Verabreichung von Medikamenten bis hin zum schon genannten operativen Eingriff reicht. DR. ERICH MUR: Im Fall der chronischen Polyarthritis ist es wichtig, möglichst früh mit der sogenannten Basistherapie zu beginnen. Darunter versteht man die Gabe krankheitsmodifizierender Medikamente wie zum Beispiel Methotrexat. Derartige Therapeutika wirken modulierend auf das Immunsystem ein und können so den Krankheitsverlauf verlangsamen oder im Idealfall gänzlich zum Stillstand bringen. In der nächsten Therapiestufe ergänzt man dann die Basistherapie um den Einsatz von gentechnisch hergestellten Medikamenten, sogenannten Biologika, die gezielt in die Entzündungsmechanismen eingreifen.


Ratgeber

Veränderungen der Gelenke bei Arthritis bzw. Rheuma

Gesundes Knie- und Handgelenk

Knie- und Handgelenk mit Rheuma/ Arthritis

Die Spezialisten

„Infektionen und Rauchen steigern die Erkrankungswahrscheinlichkeit.“ DR. JOHANN GRUBER: Bei allen entzündlichen rheumatischen Krankheiten kann in besonders schwerwiegenden Fällen beziehungsweise als Überbrückung bis zum Einsetzen der Wirkung einer Basistherapie Cortison als stärkster bekannter Entzündungshemmer verwendet werden. Wann wird eine Operation unumgänglich? DR. JOHANN GRUBER: Wenn die Gelenksveränderungen derart gravierend sind, dass hochgradige funktionelle Ein-

schränkungen gegeben sind und gleichzeitig Medikamente nicht mehr anschlagen, muss operativ eingegriffen werden. Die Bandbreite reicht hier von der nur gering belastenden Arthroskopie bis hin zum vollständigen Gelenksersatz. DR. ERICH MUR: Die Anzahl derartiger Operationen aufgrund entzündlicher rheumatischer Erkrankungen geht übrigens dank immer besserer medikamentöser Therapiemöglichkeiten stetig zurück. Immer mehr Operationen gibt es aufgrund von Arthroseveränderungen der Gelenke. Was soll ich tun, wenn ich Rheumaschmerzen habe? DR. JOHANN GRUBER: In diesem Fall ist die erste Adresse der Hausarzt. Er verfügt über die notwendige Erfahrung, die Schmerzen richtig zu klassifizieren, und kann in der Folge gezielt an einen Rheumatologen, einen Orthopäden oder an einen Neurologen überweisen. Schlecht beraten ist, wer im Internet nach Informationen sucht und sich dann teure Hilfsmittel oder Medikamente online bestellt. Diese können nicht nur unwirksam, sondern mitunter sogar gefährlich für die eigene Gesundheit sein. F. PRANGER ●●●

Univ.-Prof. Dr. Johann Gruber ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Innsbruck.

Univ.-Prof. Dr. Erich Mur ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Innsbruck.

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Interview

Interview „Es braucht immer eine individuelle Lösung“ Rund 4.000 Operationen pro Jahr werden an der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie durchgeführt. Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. Gerhard Pierer schildert im Interview, mit welchen Aufgaben sich sein Fach beschäftigt, warum an der Klinik auch rein ästhetische Eingriffe vorgenommen werden und weshalb die Versorgung von bettlägrigen Patienten eine der großen Herausforderungen der Zukunft sein wird.

H

err Professor Pierer, wie unterscheidet sich die Plastische Chirurgie von der allgemeinen? Wie viele Fachrichtungen, etwa die Neurochirurgie oder die Orthopädie, hat sich auch die Plastische Chirurgie historisch aus der Allgemeinen Chirurgie entwickelt. Sie beschäftigt sich mit der Wiederherstellung nach angeborenen oder erworbenen Formveränderungen und Defekten, zum Beispiel Fehlbildungen, Tumoren, Verletzungen oder Alterungsvorgängen. Seit Anfang der 90er-Jahre ist die Plastische Chirurgie in Österreich ein eigenes Fachgebiet. Wir beschäftigen uns mit Problemen vom Kopf bis zur Fußsohle, vom Neugeborenen bis zum sehr alten Menschen – die Aufgaben sind also sehr vielfältig.

Der Laie denkt heute bei der Plastischen Chirurgie vor allem an ästhetische Operationen. Warum ist das so? Die öffentliche Aufmerksamkeit und mediale Wahrnehmung liegt nun einmal sehr stark auf diesem Teilgebiet des Faches. Wir bekennen uns zu diesem Bereich und es gibt interessante Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Aufgaben. Auch mit der genauen Bezeichnung des Facharzt­ titels – Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie – wird diesem Aspekt Rechnung getragen. An der Klinik macht der ästhetische Bereich circa acht bis zehn Prozent aller Eingriffe aus. Warum bietet Ihre Klinik ästhetische OPs an? In Kooperation mit der Tilak haben wir ein faires und attraktives Paket für Selbst-

zahler ausgearbeitet und bieten dieses den interessierten Patienten bewusst an. Es gibt viele Patienten, die sich in einem öffentlichen Spital operieren lassen wollen, weil sie die Sicherheit und Infrastruktur einer Klinik suchen. Zweitens müssen wir dieses Segment auch ausbilden. Drittens geht es um Qualitätssicherung, die ich, gerade weil der ästhetische Bereich relativ unreglementiert ist, als unsere Verpflichtung sehe. Und nicht zuletzt haben wir es hier mit einer Form der Querfinanzierung zu tun. Kein Selbstzahler nimmt einem anderen Patienten das Bett weg, im Gegenteil: Er subventioniert den restlichen Betrieb. Es braucht in diesem Zusammenhang ein Umdenken: Warum sollen öffentliche Spitäler die ökonomisch lukrativen Felder ausschließlich der Privatwirtschaft überlassen?


Interview

© MICHAEL RATHMAYR (3)

„Wir beschäfti-

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gen uns mit Problemen vom Kopf bis zur Fußsohle, vom Neugeborenen bis zum sehr alten Menschen.“


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Interview

„Wir verbringen unsere Zeit nicht nur im OP-Saal, sondern auch in ausführlichen Gesprächen mit den Patienten.“

Die Klinik Das Leistungsspektrum der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie umfasst die Schwerpunkte Chirurgie angeborener Fehlbildungen, Tumor-, Mamma- und Hand-Nerven-Chirurgie sowie Wundmanagement. Neben der Patientenversorgung zählen Lehre und Forschung und die Kooperation mit Partnerinstitutionen zu ihren Hauptaufgaben.

Welche Rolle spielt die Ästhetik bei Ihrer Arbeit? Sie spielt eine große Rolle, denn viele Patienten erwarten sich von der Plastischen Chirurgie – etwa bei Tumoroperationen – auch ein optisch ansprechendes Ergebnis. Meistens lassen sich der funktionelle und der ästhetische Aspekt ohnehin nicht trennen. Braucht ein Plastischer Chirurg im weitesten Sinn ein Gespür für Schönheit? Es ist vielleicht nicht jeder gleich ein Künstler, aber es braucht sicher eine gewisse Sorgfalt und man muss die Liebe fürs Detail haben und sich nicht gleich mit der erstbesten Lösung zufriedengeben. Plastische Chirurgie ist keine von der Stange, es braucht immer eine individuelle Lösung. Ein bekannter Schönheitschirurg hat einmal gemeint, viele seiner Patienten sehnten sich nicht nach Schönheit, sondern nach Normalität. Würden Sie dem beipflichten? Ich denke, die Normalität ist schwierig herzustellen und wir wollen

doch auch gar keinen Einheitslook, auch wenn manche Chirurgen dazu tendieren. Interessant ist: Obwohl die Menschen heute nach immer mehr Individualität streben, gibt es zugleich einen Ruck in Richtung großer Uniformität. Ich würde statt von Normalität eher von einer inneren Würde sprechen, die gestört sein kann – etwa aufgrund einer als hässlich empfundenen Nase. Hilft in manchen Fällen ein Skalpell besser als eine Psychotherapie? Wir arbeiten intensiv mit der Psychotherapie zusammen. Wenn psychische Probleme im Vordergrund stehen, ist das Messer allerdings ganz klar die zweite Wahl. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung kann ein Eingriff aber durchaus eine Hilfe sein. Wo liegen die Grenzen der Ästhetischen Chirurgie? Je fremdbestimmter die Situation wirkt, desto eher muss von einem Eingriff abgesehen werden – wenn etwa


Interview

eine Patientin eine Brustvergrößerung nur wünscht, weil sie glaubt, damit ihre Beziehung retten zu können. Das herauszufinden, kann relativ viel Zeit beanspruchen. Wir verbringen deshalb unsere Zeit nicht nur im OP-Saal, sondern auch in ausführlichen Gesprächen mit den Patienten. Und klar ist auch: Wenn es in den psychiatrischen Bereich geht, ist eine Grenze erreicht, wo die Plastische Chirurgie nichts mehr verloren hat.

körpereigenen Zellen. Dabei handelt es sich um ein Hoffnungsgebiet, auch wenn sich die anfängliche Euphorie mittlerweile gelegt hat. Letzten Herbst haben wir hier an der Klinik ein Labor mit zwei sehr aktiven Forschungsgruppen eröffnet. Zum anderen gibt es die Möglichkeit der Fremdtransplantation. Da sind wir in Europa Vorreiter – zum Beispiel mit unserem erfolgreichen Transplantationsprogramm für Hände.

Mit welchen Themen beschäftigt sich die Plastische Chirurgie aktuell in Forschung und Entwicklung? Ein großes Thema ist der Gewebeersatz. Uns stehen dabei zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Der Körper des Patienten selbst kann als Ersatzteilquelle genutzt werden. Das wird seit ewigen Zeiten bereits praktiziert, bei schweren Verbrennungen etwa stößt man dabei aber an Grenzen. Deshalb muss auf andere Gewebequellen zurückgegriffen werden. Zum einen ist das die Gewebezüchtung im Labor aus

Beim Thema Hände fällt einem der Name Theo Kelz ein. Wie sind die Erfahrungen der Menschen, die mit diesen Händen leben? An der Klinik wurden bisher vier Patienten sieben Hände transplantiert. Theo Kelz war der erste, ist mittlerweile fast weltberühmt und wirklich der beste Botschafter. Er hat die Hände seit zwölf Jahren und will jetzt in der Pension zu seiner zweiten Weltreise mit dem Motorrad aufbrechen. Das zeigt, dass man mit den Händen sehr gut zurechtkommen kann. Allerdings bleiben die Transplantate für

den Körper immer Fremdgewebe, weshalb man ein Leben lang Medikamente nehmen muss. Wie können Sie Patienten mit schweren Verbrennungen helfen? Die in den 70erJahren entwickelten Techniken sind bis heute weitgehend gültig. Man muss die ganze verbrannte Haut entfernen – das sind große und aufwändige Operationen – und dann natürlich ersetzen. Die Sterblichkeit bei schweren Verbrennungen ist stark zurückgegangen, zumal sich auch die intensivmedizinische Versorgung verbessert hat. Eine weitere Aufgabe der Plastischen Chirurgie ist die Behandlung von Dekubitus-Patienten, also Menschen, die sich wundgelegen haben. Ein hochaktuelles Thema, mit dem wir uns zusammen mit der Tilak und dem Tiroler Gesundheitsfonds intensiv beschäftigen. Auf eine Gesellschaft, die immer älter wird, kommen nämlich zwei Probleme zu. Erstens rech-

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Interview

„Plastische

Chirurgie ist keine von der Stange.“

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Gerhard Pierer ist seit 1989 Facharzt für Chirurgie und seit 1991 Facharzt für Plastische Chirurgie mit den Schwerpunkten Rekonstruktive Mikrochirurgie, Hand-, Brust- und Ästhetische Chirurgie. Zahlreiche internationale Studienaufenthalte, 1997 Ernennung zum außerordentlichen Universitätsprofessor. 1999 Berufung an die Universität Basel, seit 2008 ist Gerhard Pierer Vorstand der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie Innsbruck.

net die Weltgesundheitsorganisation damit, dass sich die Demenzerkrankungen in der westlichen Welt bis 2025 verdoppeln werden. Eine Herausforderung wird also die Gerontopsychiatrie sein. Zweitens gehen damit parallel Liegegeschwüre und andere chronische Wunden der alternden, weniger widerstandsfähigen Haut einher. Darauf muss sich die Gesellschaft vorbereiten, zumal wir an der Klinik schon jetzt mit den Dekubitus-OPs kaum nachkommen. Es braucht ein Gesamtkonzept – vom Pflegeheim über die Akutchirurgie, die Rehabilitation bis hin zur Nachsorge. In welche Richtung entwickelt sich die Plastische Chirurgie? Es geht weniger in Richtung sensationeller Neuerungen als kontinuierlicher Verbesserungen. Bei der Qualitätsverbesserung, Standardisierung und Verfahrenssicherheit tut sich enorm viel. Das klingt zwar nicht

besonders spektakulär, ist aber sehr wichtig. Wir haben zum Beispiel ein aktives Risikomanagement eingeführt und unsere Klinik hat kürzlich eine ISOZertifizierung erhalten. Eine zweite Entwicklung betriff t sicher die Individualisierung der Behandlung. Warum haben Sie sich für diese Fachrichtung entschieden? Ich komme eigentlich aus der allgemeinen Chirurgie. Die Chirurgie leistet sehr wertvolle Arbeit, aber in der Regel geht sie – jetzt einmal etwas spitz formuliert – destruktiv vor, sie heilt durch Entfernung. In der Plastischen Chirurgie ist es umgekehrt: Da versucht man, etwas Neues zu gestalten. Mir hat dieser rekonstruktive Ansatz gefallen und das tut er heute noch. Vielen Dank für das Gespräch. INTERVIEW: M. KRAPF

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Wissen

Wissen „Geschmacks-

Die fünf Geschmacksqualitäten werden ausgelöst durch: Süß: Zucker und gewisse Aminosäuren, Peptide, Alkohole Salzig: Speisesalz, Mineralsalze Sauer: Saure Lösungen, organische Säuren Bitter: Bitterstoffe Umami: Glutaminsäure, Asparaginsäure

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in kraftvoller Biss, ein- oder zweimal gekaut – und schon entfaltet sich das Aroma im Mund. Süß ist es, aber auch ein wenig sauer. Ganz klar: Das kann nur ein Apfel sein! Auch mit verbundenen Augen lässt sich die Frucht kinderleicht identifizieren. Vor allem aber sorgt der Geschmackssinn dafür, dass wir aufgenommene Nahrung auf ihre Unbedenklichkeit kontrollieren können. „Bitteres wird meist als unangenehm empfunden. Und das ist kein Zufall: Viele Gifte sind Bitterstoffe“, erklärt Dr. Ljilja BekticTadic von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Süß, salzig oder herzhaft hingegen deuten auf proteinreiche Lebensmittel hin. Und werden vom Menschen für gewöhnlich entsprechend bevorzugt (siehe Interview).

Eng mit Gefühlen verknüpft

Die gustatorische Wahrnehmung ist nicht nur einer der ältesten Sinne, sie ist auch eng mit unseren Gefühlen verknüpft. Wohlschmeckendes hebt durchaus die Laune, während man mit etwas, das einem sauer aufstößt, nicht nur im übertragenen Sinn überhaupt kei-

und Geruchssinn sind eng miteinander verbunden.“ DR. LJILJA BEKTIC-TADIC, Ärztin an der Universitätsklinik für Hals,- Nasen- und Ohrenheilkunde

ne Freude hat. Fünf Geschmacksqualitäten sind bekannt: Süß, sauer, salzig, bitter und „umami“, die japanische Bezeichnung für herzhaft-würzig. Was der Mensch als Geschmack wahrnimmt, ist allerdings nicht ein einzelner Sinneseindruck, sondern eine ganze Summe von Informationen, die ins Gehirn gelangen und verarbeitet werden. Neben der Geschmacksqualität, die auf der Zungenoberfläche festgestellt wird, spielen auch Geruch, Beschaffenheit und Temperatur eine Rolle. Geschmacks- und Geruchssinn sind eng miteinander verbunden. Deutlich wird dies zum Beispiel bei einer starken Verkühlung, die mitunter dazu führt, dass man (fast) nichts mehr schmeckt. Häufig wird die Zunge in verschiedene Geschmacksareale eingeteilt: Süßes, so das Schema, schmecke man an der Spitze, salzig und sauer an den Rändern und bitter ganz hinten. Allein – diese Darstellung gilt heute als überholt. „Die Rezeptoren für die verschiedenen Geschmacksqualitäten sind auf der gesamten Zunge verteilt“, sagt Ljilja Bektic-Tadic. „Sinneszellen für bitter beispielsweise befinden sich also auch an der Zungenspitze.“


Wissen

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Geschm채cker sind verschieden Der Geschmackssinn ist einer der 채ltesten Sinne des Menschen. Kein Wunder: Seine Hauptaufgabe besteht darin, gute Nahrung von schlechter zu unterscheiden.


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Wissen

Stichwort: Papillen Es gibt vier Typen von Papillen, die nach ihrer Form unterschieden werden. Pilzpapillen Sie kommen am häufigsten vor und sind über die vorderen zwei Drittel der Zunge verteilt. Die Pilzpapillen mit ihren jeweils drei bis fünf Geschmacksknospen können nicht nur Geschmack erkennen, sondern verfügen auch über Sinneszellen für den Tast- und Temperatursinn. Wallpapillen Der Mensch hat nur sieben bis zwölf dieser sehr großen Papillen, die sich an der Grenze zum Zungengrund befinden und mit bloßem Auge erkennbar sind. Allerdings enthält jede Wallpapille bis zu hundert Geschmacksknospen. Blätterpapillen Die Blätterpapillen liegen am hinteren Seitenrand der Zunge – für das Auge erkennbar als dicht hintereinander liegende Falten. In den rund zwanzig Blätterpapillen befinden sich bis zu tausend Geschmacksknospen. Fadenpapillen Sie verfügen über keine Geschmacksknospen, sondern dienen der Abtastung der aufgenommenen Nahrung.

„Geschmack ist auch ein kulturelles Phänomen.“ DR. LJILJA BEKTIC-TADIC, Ärztin an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Vom Rezeptor ins Gehirn

Wie funktioniert nun die Geschmackswahrnehmung? Stark vereinfacht gesagt, wandeln Rezeptoren auf der Zungenschleimhaut und vereinzelt auf dem Gaumen, dem Rachen und der Speiseröhre die in Geschmacksmolekülen der Nahrung enthaltene chemische Information in elektrische Impulse um, die über den siebten, neunten und zehnten Hirnnerv ins Gehirn gelangen und dort verarbeitet werden. Diese Rezeptorzellen befinden sich in Geschmacksknospen, die ihrerseits wieder in Papillen, warzenähnlichen Erhebungen der Zungenschleimhaut, organisiert sind. Es gibt vier Arten von Papillen, die sich sowohl in ihrer Form als auch in der Anzahl der enthaltenen Knos-

pen stark unterscheiden. Der erwachsene Mensch verfügt über 2000 bis 4000 Geschmacksknospen. Die Zahl kann derart stark variieren, dass die Wissenschaft von sogenannten Normal-, Super- und Nichtschmeckern spricht. Etwa die Hälfte der Bevölkerung schmeckt normal, dreißig Prozent gelten als Nichtschmecker, jeder fünfte zählt zum elitären Kreis der Superschmecker, die ein deutlich feineres Sensorium zur Verfügung haben. Nimmt man die fünf geschmacklichen Grundqualitäten und geht von zehn möglichen Intensitätsstufen aus, sind allein 100.000 verschiedene Geschmacksrichtungen möglich. Für Abwechslung ist also allemal gesorgt. M. KRAPF ●● ●●●


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„Viel liegt noch im Unklaren“ Dr. Ljilja Bektic-Tadic, Ärztin an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, erklärt im Interview, was den Superschmecker vom Normalschmecker unterscheidet, wie Geschmacks- und Geruchssinn zusammenhängen und warum wir beim Biss in eine Chilischote streng genommen gar nichts schmecken.

Kaffee ist bitter, trotzdem schmeckt er vielen Menschen. Geschmack ist auch ein kulturelles Phänomen. Koffein zum Beispiel ist ein Bitterstoff – ein Baby würde evolutionär bedingt mit Kaffee keine Freude haben. Ihn zu mögen, wird also erlernt. Schmecken alle Menschen gleich? Nein, es gibt beträchtliche Unterschiede. Ein sogenannter Superschmecker verfügt über bis zu doppelt so viele Geschmacksknospen wie ein Normalschmecker. Seine Geschmackswahrnehmung ist damit viel stärker ausgeprägt. Ein Nichtschmecker wiederum hat deutlich weniger als die durchschnittlichen 180 Geschmacksknospen pro Quadratzentimeter Schleimhautoberfläche. Außerdem darf man die enge Verknüpfung des Geschmacks- und des Riechsinnes bei der Beurteilung der Nahrung nicht unterschätzen. Oft erklären Patienten, sie schmecken nichts mehr, dabei können sie durchaus Grundgeschmacksrichtungen identifizieren, leiden aber an einer Riechstörung, was zur Missempfindung von Aromen führt. Süß wird also beispielsweise geschmeckt, der Unterschied zwischen Erdbeere und Brombeere aber nicht.

Welche Rolle spielt der Geruchssinn beim Schmecken? Eine wichtige. Geschmacksund Geruchssinn sind eng miteinander verbunden. Jeder kennt die Situation, dass man bei einer starken Erkältung schlechter schmeckt. Das hängt damit zusammen, dass die bei der zerkauten Nahrung freigesetzten Duftstoffe nach dem Schluckakt eingeatmet werden und somit von hinten, über den Rachen, die Riechrezeptoren in der Nase erreichen. Und wie ist es mit dem Speichel? Der Speichel spielt eine entscheidende Rolle, da durch ihn die Aufnahme der Geschmacksmoleküle an den Sinneszellen überhaupt erst möglich wird. Die Information kann nur in flüssiger Form an den Rezeptor gelangen. Schärfe ist kein Geschmack, aber doch eindeutig identifizierbar. Was passiert da im Mund? Richtig, Schärfe ist keine Geschmacksqualität. Was Sie wahrnehmen, wenn Sie in eine Chilischote beißen, ist ein Schmerzreiz. Das Capsaicin in der Schote dockt an die Wärmerezeptoren auf der Schleimhaut an, die eigentlich bei einer Temperatur von etwa 43 Grad aktiviert werden. In weiterer Folge werden Endorphine ausgeschüttet, weshalb Schärfe – bis zu einem gewissen Grad jedenfalls – als angenehm empfunden wird. Beim Genuss von Menthol zum Beispiel werden hingegen die Kälterezeptoren aktiviert. Gibt es möglicherweise noch mehr Geschmacksqualitäten? 2005 konnten Fettrezeptoren bei Mäusen nachgewiesen werden und vergangenes Jahr hat man in Deutschland einen entsprechenden Rezeptor beim Menschen entdeckt. Derzeit wird zu dieser Frage sehr viel geforscht,

aber man muss sich bewusst sein, dass beim Geschmackssinn generell noch sehr viel im Unklaren liegt. Kann man auf seinen Geschmackssinn achtgeben? Es gibt zahlreiche Faktoren, die zu einer Geschmacksstörung führen können, wovon man gewisse, etwa diverse Krankheiten, Medikamente oder Schleimhautveränderungen nach einer Bestrahlungsbehandlung, wenig beeinflussen kann. Allgemein lässt der Geschmackssinn im Alter nach, weil die Regeneration der Geschmacksknospen, die eine Lebensdauer von zehn Tagen haben, nicht mehr so gut funktioniert – allerdings ist diese altersbedingte Verschlechterung viel weniger stark ausgeprägt als beim Geruchssinn. Vorteilhaft für die Geschmackswahrnehmung ist es jedenfalls, auf das Rauchen zu verzichten. Vielen Dank für das Gespräch. INTERVIEW: M.KRAPF

© CHRISTIAN FORCHER

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rau Dr. Bektic-Tadic, der Geschmackssinn ist ein äußerst komplexes System. Aber warum schmecken wir denn überhaupt? Der Geschmackssinn ist evolutionär betrachtet sehr alt. Das liegt zum einen an seiner Abwehrfunktion, nämlich der Erkennung von gefährlichen Substanzen. Bitteres wird meist als unangenehm empfunden. Und das ist kein Zufall: Viele Gifte sind Bitterstoffe. Die zweite Funktion betrifft die Erkennung energiereicher Kost, etwa Süßes oder Proteine, die der Körper als Baustoffe benötigt.

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Zur Person Dr. Ljilja Bektic-Tadic ist Assistenzärztin an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.


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Arten Aloe Vera barbadensis miller Mehr als 300 verschiedene AloeVera-Arten sind bekannt. Jedoch nur eine davon, die „Aloe Vera barbadensis miller“, weist einen überdurchschnittlich hohen Anteil an aktiven Substanzen auf, vor allem das Polysaccharid Acemannan – für den Menschen ein lebensnotwendiges Kohlenhydrat. Kap-Aloe (Aloe capensis) Diese Art stammt aus Afrika. Sie wurde hauptsächlich in Südafrika von holländischen Siedlern als Medizinpflanze zur Herstellung von abführendem Aloe-Pulver angebaut. Aloe chinensis Die Aloe chinensis ist die in Asien gebräuchlichste Aloe Art, sie kommt in ihrer Wertigkeit gleich nach der Aloe Vera barbadensis. Aloe arborescens Die Pflanze, mit der der russische Professor Wladimir Filatow forschte und arbeitete. Mit biostimulierter Aloe erzielte der Augenarzt Erfolge in der Verbesserung der Sehkraft. Aloe socotrina war zu Zeiten von Alexander dem Großen berühmt und begehrt und wurde von Händlern in alle Welt verkauft. Aloe ferox Art, die vorwiegend in Japan als Nahrungsmittel roh oder gedünstet verzehrt oder als Saft getrunken wird. Andere Arten Mocha-Aloe, Musambra-Aloe, Uganda-Aloe, Natal-Aloe, SansibarAloe, Musambra-Aloe , Aloe-miloti

Zähes Wunder Bei der unspektakulären Aloe-VeraPflanze zählen die inneren Werte: Das Liliengewächs gilt als besonders gesund und vielfältig einsetzbar.


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Anwendung Als Gel Das Gel aus dem Frischblatt ist eine gelblich-durchsichtige Flüssigkeit, die sich an der Luft zunehmend verflüssigt. Das Gel wird, äußerlich angewendet, sehr schnell von der Haut aufgenommen. Es kühlt, lindert Sonnenbrand und Insektenstiche und heilt kleine Wunden. Als Creme Eingerührt in eine Salbenbasis haftet Aloe Vera länger auf der Hautoberfläche - und lässt sich zudem besser auf den Hauttyp abstimmen. Darüber hinaus befördert der höhere Fettgehalt den Wirkstoff transport in tiefergelegene Zellschichten. In Lebensmitteln In Joghurts und anderen Milchprodukten wird das vergleichsweise geschmacklose Gel häufig angedickt, in Würfel geschnitten und aromatisiert verwendet.

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ie lässt sich kaum verbiegen und ist sehr zäh. Im Aussehen ähnelt sie einer Agave mit ihren grünen, von Wachs überzogenen Blättern – oder einem Kaktus durch ihren schützenden, stacheligen Rand. Alles in allem ist ihr Äußeres eher unspektakulär. Was den Menschen in Verzückung versetzt, ist das Innenleben der Aloe Vera, ihr gelartiges Blattmark. Ob in Gels und Cremes für die äußere Anwendung oder als Zutat in Säften oder Milchprodukten – Aloe Vera soll es die Immunabwehr stärken und viele Krankheiten wie Allergien, Neurodermitis oder Diabetes heilen. Wahre Wunder sagt man der Wüstenlilie nach, und das seit mehr als 6.000 Jahren. Erste Aufzeichnungen über sie finden sich in Ägypten. Nofretete, die Gemahlin des Königs Amenophis IV., salbte ihren Körper mit ihrem Saft, und auch Cleopatra soll neben Milch und Honig Aloe Vera ins Badewasser gekippt haben. Wenn der Nil die Täler überschwemmte und die Ägypter nichts mehr zu essen hatten, halfen ihnen die Blätter der Aloe Vera zu über-

leben. Doch selbst den Toten kam die Pflanze noch zugute. Die Priester des Pharao nannten sie die „Pflanze der Unsterblichkeit“ und balsamierten mit ihrem Saft die Toten ein. Selbst der griechische Arzt Hippokrates empfahl Aloe bei Haarausfall, Geschwüren und Magen-DarmBeschwerden. Doch auch in anderen Kulturen (in Mittel- und Südamerika ebenso wie in China und Japan) wusste man offenbar die unscheinbare Pflanze schon immer zu schätzen – als Nahrung ebenso wie als Heilmittel z.B bei Verbrennungen oder als natürlicher Insektenschutz.

und innerer Anwendung unangenehme Nebenwirkungen wie Hautrötungen und Durchfall hat. Wichtigster Wirkstoff des Gels aus dem Blattinneren ist – neben Vitaminen, Enzymen, Mineralstoffen und essenziellen Aminosäuren – das Polysaccharid Acemannan. Dieser Stoff stärkt den Organismus gegen Pilze, Bakterien und Viren und wirkt immunisierend, aktivierend und stimulierend. Aber: Wissenschaftlich unabhängige Studien, die die Heilversprechen beweisen, gibt es so gut wie nicht. Belegt ist lediglich die heilende Wirkung bei äußerlicher Anwendung.

Wunderpflanze Aloe

Auf Qualität achten

Die Wirkstoffe liegen gut geschützt im Inneren des Blattes, eingebettet in ein Gel, das zum großen Teil aus Wasser besteht. Um reines Aloe Vera zu gewinnen, ist es wichtig, die stachelige Blattrinde und das Blattgrün vollständig zu entfernen. Diese äußeren Schichten enthalten den Wirkstoff Aloin, der nicht nur bitter schmeckt (und deshalb in früheren Zeiten auch bei der Herstellung von Magenbittern verwendet wurde), sondern bei äußerer

Wer sich reine Aloe-Vera-Produkte kaufen möchte, sollte auf das Siegel des International Aloe Science Council achten. Die Organisation legt Qualitätskriterien fest und zertifiziert die Produkte. Angeboten werden Säfte, Gels und Cremes in Reformhäusern, Apotheken, Supermärkten oder im Asialaden. Vorsicht: Im Internet angebotene Produkte sind oft zu teuer. Außerdem sind die versprochenen Wirkungen nicht belegt. TEXT: MARION HUGHES/RAUFELD ●●●

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Mütter ohne

Mutterglück Der Nachwuchs ist da und alle freuen sich – der stolze Vater, die Großeltern, Onkel, Tanten und Freunde. Etwa jede achte Mutter kann sich dem allgemeinen Hochgefühl nicht anschließen. Diagnose: Wochenbettdepression.


Wissen

U

unter den in der Umgangssprache gebräuchlichen Begriff der Wochenbettdepression fallen eigentlich drei unterschiedliche Phänomene“, erklärt Dr. Claudia Kohl, Fachärztin für Psychiatrie an der Universitätsklinik Innsbruck. „Zum einen gibt es das postpartale Stimmungstief oder den sogenannten postpartum Blues, die keine Erkrankung im eigentlichen Sinne darstellen. Er betrifft jede zweite Gebärende und setzt üblicherweise unmittelbar nach der Geburt ein. Im Normalfall verschwinden sie auch recht bald von selbst wieder“, erläutert Claudia Kohl weiter. Anders ist das bei der intensiveren nachgeburtlichen psychischen Beeinträchtigung, der eigentlichen Wochenbettdepression. Sie kann sich aus den Stimmungstiefs entwickeln, ist aber eine eigenständige Erkrankung. Zehn bis fünfzehn Prozent der Mütter sind mit dem Problem einer Wochenbettdepression konfrontiert. Die Krankheit beginnt in den meisten Fällen einige Wochen bis ein Monat nach der Geburt und geht mit den klassischen Depressionssymptomen wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungseinschränkungen oder auch Schlafstörungen einher – Beeinträchti-

gungen, die gerade mit einem Neugeborenen doppelt ins Gewicht fallen. Nur etwa 0,2 Prozent aller gebärenden Frauen sind schließlich von einer Wochenbettpsychose betroffen. „Diese schwere psychische Erkrankung ist durch zum Erscheinungsbild der Wochenbettdepression hinzukommende psychotische Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen charakterisiert. Es können aber auch manische Symptome wie Größenphantasien und starke Antriebssteigerung auftreten“, erläutert Claudia Kohl.

Risiko und Therapie

Glaubte man früher, dass das gehäufte Auftreten dieser psychischen Erkrankungen bei Frauen nach deren Niederkunft unmittelbar mit dem Geburtsereignis zusammenhängen, so weiß man heute, dass Wochenbettdepression und -psychose nicht direkt mit der Geburt verknüpft sind. Vielmehr scheinen die ersten Wochen und Monate nach einer Geburt einen sehr intensiven Zeitabschnitt im Leben einer Mutter darzustellen. Fallen psychische Befindlichkeitsstörungen oder leichtere Erkrankungen in diese Zeitfenster, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie einen schwerwiegenderen Verlauf nehmen

als unter gewöhnlichen Umständen, und sich zur Depression beziehungsweise Psychose auswachsen. Für diese Hypothese spricht auch die Tatsache, dass Frauen, die schon einmal an einer psychischen Erkrankung gelitten haben, ein höheres Risiko für Wochenbettdepressionen haben. Wie können die postpartalen psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen nun aber therapiert werden? Claudia Kohl: „Im Falle der Stimmungstiefs bedarf es keiner Therapie. Hier ist Aufklärung wichtig. Wenn die betroffenen Frauen wissen, was los ist, verschwindet der pospartum Blues meist ganz von alleine.“ Anders verhält es sich im Falle der eigentlichen Wochenbettdepression. „Hier ist das Erkennen der eigenen Krankheit entscheidend. Die Betroffenen müssen ihre Symptome selbst erkennen und sich in Behandlung begeben“, so Kohl. Zeit spiele in diesem Zusammenhang eine große Rolle, könne man doch um so sanfter therapieren, je früher die Wochenbettdepression erkannt wurde. „Das kann im besten Fall soweit gehen, dass wir komplett auf den Einsatz von Medikamenten verzichten können“, ergänzt die Expertin. In solchen Fällen mit leichten Symptomatiken reicht dann eine Gesprächstherapie unter Ein-

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11 mögliche Anzeichen einer Wochenbettdepression: Die folgenden Symptome können, insbesondere, wenn sie länger anhalten oder sich verstärken, Signale dafür sein, dass es sich bei einer postpartalen Krise um mehr als um den postpartum Blues handelt: • Reizbarkeit, Rastlosigkeit, Wut • Traurigkeit, Weinerlichkeit • Schuld- oder Wertlosigkeitsgefühle • Befürchtung, sich selbst oder das Neugeborene verletzen zu können • übertriebene bzw. nicht vorhandene Sorge um das Neugeborene • Energielosigkeit • Kopfschmerz, Brustschmerzen, gesteigerte Herzfrequenz, Taubheit oder Kribbeln in Händen oder Füßen, verkürzte oder flache Atmung • Schlafstörungen • Appetitlosigkeit • Konzentrations-, Gedächtnisoder Entscheidungsschwächen • Interessenlosigkeit in Bezug auf vor der Geburt gepflegte Gewohnheiten oder Aktivitäten

Zur Person Dr. Claudia Kohl ist Oberärztin an der Universitätsklinik für Psychiatrie der Medizinischen Universität Innsbruck.

bezug der Familie der Betroffenen aus, um die Depression in den Griff zu kriegen. Bei schwereren Symptomatiken ist die Wahl der Medikamente dann von der Frage abhängig, ob die Betroffene ihr Kind stillen möchte oder nicht. „Im ersteren Fall greifen wir dann auf einige neuere Antidepressiva zurück, die in angepassten Dosen mit dem Stillen durchaus verträglich sind. Wird auf das Stillen verzichtet, können wir die Wochenbettdepression mit derselben medikamentösen Bandbreite behandeln wie jede andere Depression“, erklärt Claudia Kohl. In manchen Fällen erweise sich auch eine stationäre Aufnahme der Patientin als günstig. Der Nachwuchs kann dann in Einzelfällen kurzzeitig auf der Säuglingsstation aufgenommen werden, da es an Tiroler Krankenhäusern leider noch keine kombinierten MutterKind-Einheiten gibt. Bei Wochenbettpsychosen muss immer medikamentös eingegriffen werden und in den meisten Fällen ist auch eine stationäre Aufnahme notwendig. „Hier geht es auch um den Schutz des Kindes, die Interaktionsfähigkeit der Betroffenen ist ja massiv eingeschränkt. Eine Abklärung der genauen Verhältnisse ist jedenfalls immer notwendig“, so Kohl.

Hilfe von außen

Das Risiko, an einer Wochenbettdepression zu erkranken, beziehungsweise der Umgang mit der bereits diagnostizierten Erkrankung hängt unter anderem auch

vom sozialen Umfeld der Betroffenen ab. „Ein gut funktionierendes soziales Umfeld senkt das Risiko einer Wochenbettdepression. Umgekehrt haben Frauen ein größeres Krankheitsrisiko, wenn Personen aus ihrem nahen Umfeld – insbesondere ihre Partner – zu Depressionen neigen“. erklärt Claudia Kohl. Depressive Frauen bräuchten im Umgang mit ihrem Nachwuchs auch häufig mehr Anleitung und mehr Hilfe. Trotz ihrer Beeinträchtigung sollen den Erkrankten diese Arbeiten aber soweit irgendwie möglich nicht abgenommen werden. „Die Mütter sollen ihre Kinder ja kennenlernen und ein Gespür für sie entwickeln. Ein umsichtiges und hilfsbereites soziales Umfeld ist dann natürlich von Vorteil“, so Claudia Kohl. Die Dauer einer Wochenbettdepression ist individuell sehr unterschiedlich und kann zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten variieren. Sie ist abhängig vom Diagnosezeitpunkt und davon, ob mit dem ersten verabreichten Medikament gleich die erwünschte Wirkung erzielt werden kann. Claudia Kohl: „Bei den meisten psychischen Erkrankungen ist die Reaktion auf Medikamente stark vom Patienten abhängig. Es kann also passieren, dass hier etwas Zeit verlorengeht, weil erst das effektivstes Medikament gefunden werden muss.“ Generell sind nach einer überstandenen Wochenbettdepression – wie bei allen depressiven Erkrankungen – aber alle Verläufe möglich, also im Idealfall auch die gänz-


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liche Freiheit von weiteren Depressionen. Will eine Frau, die bereits einmal an einer Wochenbettdepression gelitten hat, noch ein Kind bekommen, hat sie allerdings ein erhöhtes Risiko, erneut zu erkranken.

„Das Erkennen der eigenen Krankheit ist entscheidend. Die Betroffenen müssen ihre Symptome selbst wahrnehmen und sich in Behandlung begeben – je früher, desto besser.“

Kooperation

Es sind aber nicht nur ehemalige Wochenbettdepressive, die bei erneutem Kinderwunsch besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Claudia Kohl: „Frauen mit jeglicher Art von psychischer Erkrankung brauchen, wenn sie einen Kinderwunsch haben, eine spezielle Begleitung.“ Wichtig sei hier insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen, Psychiatern und Psychologen, Kinderärzten und dem Jugendamt, das in solchen Fällen unterstützend zur Seite stehen kann. Claudia Kohl wünscht sich auf diesem Sektor noch mehr Angebote für die Betroffenen: „Es existiert in Innsbruck zwar schon eine Begleitgruppe für Frauen mit Kinderwunsch, die am Borderline-Syndrom leiden. Insgesamt gilt es aber, in Zukunft die Serviceleistungen auf diesem Sektor auszuweiten und die Infrastruktur was Mutter-Kind Einheiten F. PRANGER ●●● betriff t zu verbessern.“

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Naturlatex oder Kaltschaum?

Die Frage nach dem passenden Material ist natürlich auch eine der Größe des Geldbeutels: „Eine Matratze aus Naturlatex – das Material mit der größten Punktelastizität und der Trend schlechthin – ist nicht unter 600 Euro zu haben. Produkte aus synthetischem Latex erhält man ab 150 Euro.“ Schlafberater Klaus Razenberger passt das Bettsystem an die individuellen Bedürfnisse der Kunden an.

Keine übertriebene Härte

Da sich Gewicht, Größe und Form des Körpers sowie der Wirbelsäule von Mensch zu Mensch unterscheiden, sollte man sich bei der Auswahl des Bettsystems von Experten beraten lassen. „Gerade beim Matratzenkauf ist es schwierig,

Federkernunterlagen haben ausgedient

„Federkerne ziehen Strahlen geradezu an. Viele Menschen schlafen deswegen schlecht“, so Klausner. Matratzen aus Kaltschaum bieten für ihren Preis (etwa 300 Euro) eine gute Qualität. In einem Konsumententest haben einige Vertreter das Urteil „sehr gut“ bekommen. Wer sich für ein hochwertiges Schlafsystem entscheidet, kommt am Probeliegen nicht

vorbei. Nach wenigen Minuten kann der Fachmann sagen, welche Matratze am besten die Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt.

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Beim Kauf einer Matratze stellt sich auch die Frage: Wie bekomme ich sie ins Haus und wohin mit der alten Schlafunterlage? Auch darauf weiß der Experte von Putzenbacher die passende Antwort: „Wir bieten die Anlieferung der neuen und die Entsorgung der alten Matratze tirolweit als kostenlosen Service an“, so Razenberger.  lll

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n zehn Jahren muss eine Matratze 310 Tonnen Gewicht tragen, immerhin schläft der Durchschnittsösterreicher in dieser Zeit 30.000 Stunden darauf. Weniger appetitlich ist die Tatsache, dass die Unterlage in zehn Jahren etwa 2800 Liter Schweiß aufnehmen muss. Das Schwitzwasser verdunstet zwar, das Salz kann allerdings nicht entweichen. Deshalb empfehlen Thomas Klausner und Klaus Razenberger vom Matratzenfachhandel Putzenbacher in Innsbruck, die Matratze alle zehn Jahre zu wechseln. Im Durchschnitt wechseln sie die Österreicher nur alle 13 Jahre.

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Das böse Brot Wenn es nach gewissen Diätgurus geht, sind Kohlenhydrate „böse“. Der Verzicht auf Brot, Nudeln & Co. soll die Kilos schmelzen lassen. So pauschal stimmt diese Aussage nicht – es kommt wie so oft auf die Qualität und Quantität der Nahrungsmittel an.

Umweltaspekt Abgesehen von Kalorienmengen und Blutzuckerwerten gibt es noch einen weiteren Grund, eiweißlastige Diäten wie Atkins kritisch zu betrachten. Große Teile der Welt täglich mit Fleisch zu versorgen, ist bei Weitem nicht so umweltfreundlich und nachhaltig wie eine Ernährung, die auf Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse basiert.

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tkins, Southbeach, LOGI – wer die beliebtesten Diätbücher der letzten Jahre liest, bekommt den Eindruck, dass es einen neuen Feind am Küchentisch gibt: die Kohlenhydrate. Wurde vor zehn Jahren noch die Reduktion von Fett als Zauberformel gegen Übergewicht propagiert, so werden nun Kohlenhydratlieferanten wie Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln an den Pranger gestellt. Dabei sind Kohlenhydrate die bedeutendsten Energielieferanten für den menschlichen Körper. „Glucose wird von fast allen Körperzellen als Energiequelle genutzt. Vor allem das Gehirn, das Nierenmark und die roten Blutkörperchen sind auf Glucose als Energiequelle angewiesen“, erklärt Diätologin Bernadette Wegscheider von der Innsbrucker Klinik. Durch sportliche Betätigung erhöht sich der Bedarf, wenn hingegen zu viele Kohlenhydrate aufgenommen werden, spei-

chert der Körper diese als Fett. Dass man nicht nur von Fett „fett“ wird, stimmt also. Trotzdem lassen sich Gewichtsprobleme nicht so einfach durch den Verzicht auf Spaghetti & Co. beheben.

Die Gesamtenergie zählt

„Bei allen Diäten kommt es auf die Gesamtenergiemenge an“, erklärt Bernadette Wegscheider, „bei sogenannten Low-Carb-Diäten werden Kohlenhydrate viel massiver reduziert als etwa Fett bei fettarmen Diäten. Dadurch kommt es zu einer raschen Gewichtsabnahme. Der Erfolg einer Diät ist jedoch die Gewichtsstabilisierung über ein Jahr und länger – hier zeigt sich, dass die Low-Carb-Methode nicht wirksamer ist als andere Diäten.“ Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und gezuckerte Getränke zu reduzieren, macht sehr wohl Sinn. Dass manche Diäten aber sogar Obst und Gemüse aufgrund des natürlichen Fruchtzucker-


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„Der Erfolg einer Diät ist die Gewichts­ stabilisierung – hier zeigt sich, dass die Low-Carb-Methode nicht wirksamer ist als andere Diäten.“ BERNADETTE WEGSCHEIDER, Diätologin an der Universitätsklinik Innsbruck

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„Vollkornmehl enthält viele Vitamine, Mineral­ stoffe und Ballaststoffe. Diese sorgen für ein län­ geres Sättigungsgefühl und können eine gewis­ se Menge Cholesterin im Darm binden.“

Die 7 Stufen zur Gesundheit

Alkoholfreie Getränke

Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst

Getreide und Erdäpfel

Milch und Milchprodukte

Fisch, Fleisch, Wurst und Eier

Fette und Öle

Fettes, Süßes und Salziges

Täglich mindestens 1,5 Liter Wasser und alkoholfreie bzw. energiearme Getränke.

Täglich 3 Portionen Gemüse und / oder Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst.

Täglich 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel (5 Portionen für sportlich Aktive und Kinder), vorzugsweise Vollkorn.

Täglich 3 Portionen Milchprodukte (fettärmere Varianten bevorzugen).

Wöchentlich 1 - 2 Portionen Fisch. Pro Woche maximal 3 Portionen mageres Fleisch oder magere Wurst. Pro Woche maximal 3 Eier.

Täglich 1 - 2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Streich-, Back- und Bratfette und fettreiche Milchprodukte sparsam.

Selten fett-, zuckerund salzreiche Lebensmittel und energiereiche Getränke.

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anteils verbieten, findet die Ernährungsexpertin bedenklich: „Diese Art von Diäten ist mit Sicherheit abzulehnen.“

Vollkornprodukte sind kein „Freibrief“ – auch sie liefern Kalorien, die verbrannt werden müssen oder sonst als Fett gespeichert werden.

Die Ernährungspyramide des österreichischen Gesundheitsministeriums empfiehlt täglich vier Portionen Getreide (zum Beispiel Brot), Reis oder Kartoffeln. Vor allem beim Brot kommt es auf die Qualität an – hier sind Vollkornprodukte in vielerlei Hinsicht empfehlenswert. Wegscheider: „Vollkornmehl enthält neben Stärke auch viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Letztere sorgen für ein längeres Sättigungsgefühl und können sogar eine gewisse Menge Cholesterin im Darm binden.“ Trotz dieses gesundheitlichen Mehrwerts sind die Österreicher ausgesprochene Vollkornmuffel. Zwar macht der Kohlenhydratanteil bei Herr und Frau Österreicher trotz Frühstückssemmel und Knödelappetit weniger als 50 Prozent (empfohlene Menge) der Ernährung aus, Vollkornprodukte werden aber vor allem von Männern nur selten konsumiert. „Sportweckerln“ oder „Kornspitz“, die zwar Körner und Samen enthalten, aber nicht aus Vollkornmehl gebacken werden, sind übrigens nicht viel wertvoller als Weißbrot. Doch auch

Zucker reduzieren

10.03.11 14:56

Vollkorn ist besser

Zur Person Bernadette Wegscheider MSc, ist Diätologin an der Universitätsklinik in Innsbruck.

„Generell sollte man mehr auf die Reduktion von Zucker achten, denn Zucker liefert nur Zucker – sonst nichts“, empfiehlt Bernadette Wegscheider. Mit ihren Patienten versucht sie, vor allem drei Produktgruppen aus dem Speiseplan zu eliminieren: Süßigkeiten, gesüßte Getränke sowie gesüßte Frühstücksflocken, Milchprodukte und Backwaren. Die beste Kontrolle über den Zuckergehalt der Nahrung hat man, wenn man selbst kocht und auf Fertigprodukte verzichtet. Denn hier wird aus Geschmacksgründen sehr oft – unnötiger – Zucker zugesetzt. „Statt einer fertigen Müslimischung mit gesüßtem Erdbeerjoghurt kann ich auch Haferflocken mit Naturjoghurt und Obst essen“, schlägt die Diätologin vor. Statt Saftgetränken und Softdrinks werden Wasser und ungesüßte Tees empfohlen. Wer diese Regeln einhält, kann weiterhin ohne schlechtes Gewissen in den Brotkorb greifen oder zu Mittag Spaghetti essen. Wenn besagte Produkte aus Vollkorn sind, umso besser. B. WOHLSEIN lll 


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