Page 1

Ausgabe 04, 07-09/12 AT: 3,80 €

A r t- M a g a z i n e [ w w w . x - r o c k z - m a g a z i n . c o m ]

Die Kunst der Fotografie Sebastian Patter & Mirja Geh im Portrait

Channel Zero Feed’Em With A Brick

Konstantin Wecker Alles nur Illusion

Special

ic

ust

In

di

es

em

He

L S ake Oli tefan side ver W Fe M eda stiv um ajsto m – al – ro V zu sich vic – oosh Der B s fin elb K ell eri den st un cht st,

Recherchiert: Die Stimme, Teil 2 – Apps, Teil 2 – Bildtechnologie – Fotografie

ft:

RA Mag. R. Strauss – Juristische Themen zur Künstlerbranche 4/5 Festival Bildein – Tage voller Zauber SiSiTopStudio – Die Fotostory 1st-Avenue – Modelagentur & -akademie

Aco

Das u na b h ä ng ige ö s te r re ic h is c he Ku ns t - & Ku l t u r mag a z i n

#04

ISSN 2224-4999


Editorial

IMPRESSUM/INFO X-Rockz-Magazin web: www.x-rockz-magazin.com e-mail: redaktion@x-rockz-magazin.com fax: +43(0)316 8363 12 mobil: +43(0)650 215 0975 Herausgeber/Initiator: Günther Golob Sitz/Abonnenten-Verwaltung: Moserhofgasse 54 Top 53, 8010 Graz/Styria/Austria/Europe Chefredaktion: Günther Golob Cornelia Schwingenschlögl

Layout/Gestaltung: Cornelia Schwingenschlögl Petra Höfler Tobias Abel 1st-Avenue Martina Berger Olivia Fürnschuß Mirja Geh Michael Hametner Matthias Heschl Simone Jahrmann

Fotografen: Jasmin Kabir Josef Klammer Birgit Kniebeiß Alexandra Linortner Christopher Mavric Markus Osanger Sebastian Patter Elsie Roymans/Gig-Pix.com Wolfgang Weiss Titelbild: Sebastian Patter

Autoren dieser Ausgabe: Martina Berger Michaela Krucsay Clemens Berndorff Wolfgang Schatz Gunter Dorner Rickey Tai Toaster Olivia Fürnschuß Anita Raidl Julia Gerger Hansjörg Schrammel Peter Gigerl Cornelia Schwingenschlögl Simone Jahrmann Mag. Reinhard Strauss Birgit Kniebeiß Wolfgang Trummer Lektorat: Stefan Schmitzer Druckerei: Universitätsdruck Klampfer GmbH Barbara-Klampfer-Straße 347, 8181 St.Ruprecht/Raab Verlag: Günther Golob – Buch-, Kunst- & Musikalienverlag Moserhofgasse 54 Top 53, 8010 Graz/Styria/Austria/Europe Country of Distribution: Austria (AUT) – ISSN: 2224-4999 Vertrieb: Valora Service Austria GmbH St. Leonharder Straße 10, 5081 Anif/Salzburg Anzeigenverkauf: Ing. Thomas Pirker mobil: +43 699 18 12 64 33 e-mail: sales@x-rockz-magazin.com

Foto: Anna M. Fiala

Art Direction: Cornelia Schwingenschlögl Petra Höfler

Liebe Freunde, geschätzte Kollegen, werte Leser, beim X-Rockz-Magazin hat sich wieder jede Menge getan – zum Beispiel hat unser Werbespot eine Nominierung beim Green Panther 2012 ergattert und unser Radiospot wurde auch fertiggestellt und wird bald bei verschiedenen Sendern über den Äther laufen. Einige Begebenheiten haben uns anderweitig inspiriert: Wie Ihr vielleicht schon gehört habt, planen wir für Jänner 2013 eine Special Edition. In dieser werde ich Euch eine kleine, unfassbare, aber wahre Geschichte erzählen über die Kunst und die österreichische Wirtschaft und wie es einem mittendrin so ergeht. Ihr dürft gespannt sein! Nun aber zurück zur Gegenwart: Mit Stolz präsentiere ich Euch die Juliausgabe 2012 des X-Rockz-Magazins. Schwerpunktthema ist diesmal die Kunst der Fotografie. Vorgestellt werden Sebastian Patter und Mirja Geh, zwei ambitionierte Fotokünstler, die die Sprache der Bilder fließend sprechen. Auch in den anderen Themenbereichen haben wir uns wieder mächtig für euch ins Zeug gelegt und eine bunte, abwechslungsreiche Ausgabe zusammengestellt. Und einmal mehr muss ich mich bedanken: Zum einen bei unseren Abonnenten, ohne die unser Magazin keine Überlebenschance hätte. Zum anderen bei unseren Werbepartnern, die das X-Rockz mittlerweile im Kino, im Rundfunk und in diversen Printmedien bekanntmachen. Was da hinter den Kulissen auf die Beine gestellt wurde, ist wirklich beeindruckend! Ganz eindringlich möchte ich auf unsere Website www.x-rockz-magazin.com und auf unsere Facebook-Seite www.facebook.com/XRockzMagazin hinweisen: Dort wird es in allernächster Zukunft ordentlich rund gehen, zum Beispiel mit den X-Rockz-Kino-Wochen, exklusiven Abo-Angeboten, Gewinnspielen und Wettbewerben und vielem mehr. Jetzt lasse ich Euch aber erstmal in Ruhe Euer neues X-Rockz-Magazin durchblättern. Ich hoffe, Ihr habt daran viel Spaß, Gelegenheiten zum Staunen und Lachen und gutes Gelingen beim neuen X-Wort-Rätsel! Ich wünsche Euch einen angenehmen, kunstvollen Sommer,

Verantwortlich für Bild und Text: Günther Golob X-Rockz-Magazin behält sich sämtliche Rechte, Satz- und Druckfehler vor. Aus Gründen der Satzschönheit und Lesbarkeit verzichten wir auf explizites Gendern. Alle unsere Artikel sind an offene, interessierte Menschen gerichtet, und zwar unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder ihrer Lieblingsspeise.

Günther Golob

http://www.x-rockz-magazin.com, https://www.facebook.com/XRockZMagazin, redaktion@x-rockz-magazin.com

3


Mag. R. Strauss Juristische Themen speziell zur Künstlerbranche TEIL 4/5

seite 6 Sebastian Patter Mehr als nein können sie nicht sagen

Mirja Geh Eine fliegt mit den Adlern

seite 48

Das Comeback der Burlesque

seite 14

seite 44

Clemens Berndorff Heute sitzen wir vorne

Ernst Binder seite 53

May Mitzi

Oliver seite 40 Majstorovic seite 36

1st-Avenue Zeronic seite 11 seite 18 Model Academy & Model Agency

Mario Rencher seite 38 Channel Zero seite 20 Sisi Top Studio seite 26

Bildtechnologie seite 61

Stefan Wedam

Keine Ausreden – keine Kompromisse

seite 28

Fippies

seite 23


Konstantin Acoustic Wecker Festival Lakeside Die Poesie begleitet mich Bildein seite 12 Festival seite 13 wie ein täglich Brot seite 50

Cadaverous Condition seite 30 Der Beginn der Fotografie seite 62

Inhalt

Unser aktuelles Titel-Foto

von Sebastian Patter

44 43

Titelstory: Die Kunst der Fotografie Das Leben ist ein Theater

X-RockZ anno 2012

44

Sebastian Patter

Mehr als nein können sie nicht sagen

Juristisch/Wissen 06 Mag. R. Strauss

36

Oliver Majstorovic Kunst, um sich selbst zu finden

Szene 08 Der X-Rockz-Eventkalender

Go Backstage and Publish your Event

12

Festival Bildein

Tage voller Zauber

13

Acoustic Lakeside Festival

Fall in love with the lakeside

14

May Mitzi

Das Comeback der Burlesque

16

Schmuck zum Schmunzeln

Juristische Themen speziell zur Künstlerbranche TEIL 4/5

58

Stimme und Körper

Die Stimme, Teil 2

Lifestyle 18 1st-Avenue

60

Ich habe eine App dafür

61

Ein Ausflug auf die technische Seite der Kreativität

62

Der Beginn der Fotografie

Model Academy & Model Agency

Teil 2, Tools für Musiker

Bildtechnologie

38

Kunst & Design Mario Rencher

Somewhere between heaven and hell

40

Clemens Berndorff

Heute sitzen wir vorne

50

Bühne Konstantin Wecker

Am Anfang war die Camera Obscura

11

Musik Zeronic

Grandezza – Albumempfehlung von Gunter Dorner

20

Channel Zero

Festivalbesuch von Cornelia Schwingenschlögl und Birgit Kniebeiß

23

Fippies

Die multikulti(gste) Band

25

Julia Motz

Die studierte Jazzsängerin erzählt über ihre Liebe zur Musik

26

Sisi Top Studio

Es war einmal in der „Sisi“ - Foto Love Story

28

Stefan Wedam

Keine Ausreden – keine Kompromisse

30

Cadaverous Condition

Burn Brightly Alone

32

Slip Into My World Of Music

Looping Earth Tour 2012

34

Wolfis Vinyl-Ecke

Eine Stippvisite in der neuesten Schmuckwerkstatt

Das Beste vom Besten - Jazzrock

Die Poesie begleitet mich wie ein täglich Brot

53 Ernst Binder

Bis ans Äußerste

Literatur 54 Wolfgang Schatz

Scheiß Mond

55

Rickey Tai Toaster

Meine liebe Barbie – London, E5.,29/03/1985

56

Michaela Krucsay

Horror vacui

57

Esier

Corexo

64 66

Fun & Info X-Wort-Rätsel und Comic-Strip ABO-Service und die nächste Ausgabe

Vorschau, Specials, Infos


Teil 4

Mag. R. Strauss Juristische Themen speziell zur Künstlerbranche, betreut von Fachrechtsanwalt Mag. Reinhard Strauss

Es ist einem Musiker praktisch unmöglich, festzustellen, wie oft ein Song, den er geschrieben hat, im Radio, im Fernsehen, bei Veranstaltungen und in Gastwirtschaftsbetrieben gespielt wird. Als Urheber, also als geistiger Eigentümer dieses Songs, hat der Musiker jedoch das Recht, für diese Art der Verwertung Geld zu verlangen. Umgekehrt ist es unmöglich, all die vorgenannten Einheiten ihrerseits mit jedem Urheber einen individuellen Vertrag auszuhandeln und abzuschließen. Aus diesem Foto von Alexandra Linortner

offensichtlichen Bedürfnis nach der Verwaltung des

6

geistigen Eigentums entstanden die Verwertungsgesellschaften, die die Rechte der Urheber kollektiv treuhändisch verwalten und gegenüber den Verwertern durchsetzen.


Gesetzliche Basis Die Verwertungsgesellschaften werden in Österreich durch das Verwertungsgesellschaftengesetz geregelt. Auf der Basis dieses Gesetzes sind die Verwertungsgesellschaften verpflichtet, die Rechte der Urheber wahrzunehmen und auszuüben, und jedermann zu angemessenen Bedingungen Nutzungsrechte einzuräumen. Die Verwertungsgesellschaften stehen hierbei unter der Aufsicht der Aufsichtsbehörde „KommAustria“. Die wichtigsten österreichischen Verwertungs- gesellschaften aus Sicht der Musiker:

Rechte und Pflichten der Verwertungsgesellschaften Die wichtigste Verpflichtung aus Sicht des Urhebers ist wohl die Verpflichtung der Verwertungsgesellschaften, die Einnahmen, die für die Erteilung von Nutzungsbewilligungen erzielt werden (Tantiemen), unter den Urhebern zu verteilen. Kulturell hochwertige Werke sind hierbei wirtschaftlich höher zu bewerten. Um in den Genuss der Tantiemenverteilung zu kommen, muss der Urheber mit der Verwertungsgesellschaft einen sogenannten „Wahrnehmungsvertrag“ zur Wahrnehmung seiner Rechte und Ansprüche abschließen. Erst dieser Vertrag berechtigt die Verwertungsgesellschaften, die ihr vom Urheber eingeräumten Rechte und Ansprüche zu wahren und durchzusetzen. Darüber hinaus sind Verwertungsgesellschaften verpflichtet, mit den Verwertern, also den Nutzern von Urheberrechten, ebenfalls entsprechende Verträge, auch Rahmenverträge abzuschließen.

AKM, welche treuhändig die Rechte und Vergütungsansprüche der Autoren, Komponisten und Musikverleger wahrnimmt,

Austro-Mechana, welche treuhändig die Vervielfältigungsund Verbreitungsrechte auf Ton- und Bild/Tonträgern und die damit im Zusammenhang stehenden Vergütungsansprüche der Komponisten, Textautoren und Musikverleger wahrnimmt,

LSG, welche treuhändig die Rechte und Vergütungsansprüche der ausübenden Künstler (Sänger, Instrumentalisten, etc.), sowie der Tonträgerproduzenten und Musikvideoproduzenten wahrnimmt. Darüber hinaus gibt es in Österreich noch Verwertungsgesellschaften für audiovisuelle Medien, für bildende Künstler, für Filmschaffende, sowie für Rundfunkunternehmer.

Verwertungsgesellschaften international: Die österreichischen Verwertungsgesellschaften haben sogenannte Schwesterngesellschaften im Ausland, mit welchen die Vergütungsansprüche der Urheber verrechnet werden. Die für österreichische Urheber wohl bedeutsamsten sind die GEMA in Deutschland und SUISA in der Schweiz.

Mag. Reinhard Strauss, Jahrgang 1967, selbst Musiker und Musikproduzent, beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Fragen des Musikrechts und vertritt zahlreiche Künstler und Musikproduzenten. Kontakt: RECHTSANWALT Mag. Reinhard Strauss Körösistraße 64, 8010 Graz Tel.: +43(0) 316 675 220, Fax: DW 12 office@anwalt-strauss.at www.anwalt-strauss.at


Szene

Der große G o b ac k s tag e a n d p u b l i s h yo u r e v e n t s ! Hier könnt ihr euch online in unserem Backstage-Bereich registrieren und ein eigenes Profil anlegen: www.x-rockz-magazin.at/user/register. Damit erhaltet ihr unter anderem die Möglichkeit, eure Events in unserem Online-Kalender einzutragen. Alle Termine, die bis Redaktionsschluss eingetragen werden, findet ihr in der jeweiligen Print-Ausgabe des X-Rockz-Magazins.

www.x-rockz-magazin.at/events ENERGY PRESENTS

Musik, zu laut zum Reden? Schon lang nicht mehr was g’scheit’s Gemüsiges gegessen? Gusto auf Bio-Bier und Bauernsäfte?

& FRIENDS

Lust, was Kreatives zu erleben?

GROUND URBAN PLAY

FR. 3. AUG.

NIGHT

TIROL

AREA 47 · ÖTZTAL

Ticketsgibt‘sinallenRaiffeisenbankenTirolsbzw.aufwww.ticketbox.at(ErmäßigungfürRaiffeisenClubMitglieder), auf www.musicticket.at und bei oeticket (www.oeticket.at; Tel: 01/96096).

Das Alternativbeisl mitten in Graz

Klosterwiesgasse 2/Ecke Jakominiplatz Tel. +43 (0) 316 83 01 67 Täglich geöffnet von 18:00 bis 02:00 Uhr


-Eventkalender Open Jam Night

Do., 2012-07-12 20:00

Club wakUum

Seek And Destroy (AT)

Hans-Sachs-Gasse 12,

Fr., 2012-08-31 21:00

8010 Graz

Schnapsidee Records present: Catta (AT) • Robert Lepenik (AT)

Fr., 2012-07-13 20:00 Sa., 2012-07-14 21:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

Summer Delay – meet & greet the Back2Humans-Bands

Sa., 2012-07-21 15:00

Tüwi Peter-Jordan Strasse 76, Ecke Dänenstrasse Wien, Österreich

Jagoda (DE) • Mile Me Deaf (AT)

Sa., 2012-07-21 15:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Broken Ego (AT) • Modular Nation (AT) • Sadako (AT)

Mi., 2012-07-25 21:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Lesung (CHRIS MOSER) + Volxküche

Di., 2012-07-31 20:00

The Nose (AT) • Sick Of Hailstone (AT) • Support t. b. a.

Do, 2012-08-02 21:00 Fr, 2012-08-03 20:00 Sa., 2012-08-04 19:00

Bahnhofgürtel 55a

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Ratsch an der Weinstrasse 18 8461 Ratsch, Österreich

So., 2012-08-05 Sa., 2012-08-11

Tolmin, Slovenia

The Jackson Jailbreakers live

Do., 2012-08-09 20:00

Flann o`Brien

State Of Decay (AT) • Support t. b. a. Open Jam Night

Sa., 2012-08-18 15:00

Punk‘Em All – Part I

Punk‘Em All – Part II

Do., 2012-08-23 21:00

Fr., 2012-09-14 21:00 Sa., 2012-09-15 21:00

Fr., 2012-08-24 21:00

Paradeishof

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Brigitte Bordeaux (AT) • Bretterbauer (AT)

Peter-Jordan Strasse 76

Club wakUum

DEAD ELVIS & HIS ONE MAN GRAVE (NLD)

So., 2012-09-16 19:30

Mi., 2012-08-29 21:00

Hans-Sachs-Gasse 12,

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Singer Songwriter Night

Do., 2012-09-20 20:00

Explosiv Bahnhofgürtel 55a Graz, Österreich Explosiv Bahnhofgürtel 55a

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Fr., 2012-09-21 20:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

Badhoven (AT) • Support t. b. a.

Scarlet Soho (AT)

Sa., 2012-09-22 21:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Club wakUum

Do., 2012-09-27 21:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

Attwenger (AT)

Hans-Sachs-Gasse 12,

Fr., 2012-09-28 19:30

Explosiv Bahnhofgürtel 55a Graz, Österreich

Daya Rouge (AT) & Support

Hans-Sachs-Gasse 12,

Sa., 2012-10-06 21:00

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12,

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

The Mistaken Sons Of Alabama (FR) • Support t. b. a.

Club wakUum

8010 Graz

Tüwi

8010 Graz

Sa., 2012-08-25 21:00

Hans-Sachs-Gasse 12,

8010 Graz

8010 Graz

Fargo (AT) • Jo Strauss (AT)

Club wakUum

8010 Graz

8010 Graz

By The Patient (DK) • Pet The Preacher (DK)

Do., 2012-09-13 20:00

Sa., 2012-09-15 19:30

Big Substream Launch Party

Wien, Österreich

Sa., 2012-08-18 21:00

Sa., 2012-09-08 21:00

No Means No (CAN) • The Striggles (AT)

Ecke Dänenstrasse

Pain Is (AT) • Force (AT) • Support t. b. a.

Fr., 2012-09-07 21:00

8010 Graz

8010 Graz

Summer Delay – meet & greet the Back2Humans-Bands

Bahnhofgürtel 55a

8010 Graz

Graz, Österreich

Fr., 2012-08-17 21:00

Explosiv

Graz, Österreich

Metalcamp 2012

Folkshilfe Trio (AT) • Hillstream (AT) • Professor Chaos (AT)

Mi., 2012-09-05 21:00

8010 Graz

Explosiv

8010 Graz

Der Weinberg rockt

Hans-Sachs-Gasse 12,

8010 Graz

Graz, Österreich

Tamina And The Mojos (AT)

Club wakUum

Graz, Österreich

8010 Graz

Ingnite (USA) • Vittu (USA) • Father And Gun (AT) • Ancore (AT)

Sa., 2012-09-01 21:00

8010 Graz

8010 Graz

Wank For Peace (FR)

Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

8010 Graz

Diary Of Myself (AT) • Rock The Nations (AT)

Club wakUum

Der Redaktionsschluss für die OktoberAusgabe des X-Rockz-Magazins ist Freitag, der

Club wakUum Hans-Sachs-Gasse 12, 8010 Graz

7.9.2012

http://www.x-rockz-magazin.com

9


Jetzt einschalten

www.antenne.at

waltl & waltl

unter P P A t z t en - je r Ăś ode h C l l R a r Q e r b e Ăź p direkt r Antenne e d o t a . nne www.ante ! en download


Szene Musik

Zeronic Grandezza

Empfehlung von Gunter Dorner, Leiter Musikredaktion Steiermark und Kärnten

Grandezza ist das vierte Album von ZERONIC und man könnte meinen, dass in elf Jahren doch mehr an Produktionen möglich sein sollten. Aber weit gefehlt! Mik Tanzcos, Rainer Kossitz und Paul Palermo sind gefinkelte Burschen, die ganz genau wissen, wann ihr Material für eine Veröffentlichung reif ist. Und gleich der zweite Song My Heart Is Still In Your Hands entpuppt sich nach einigen Takten als echter Hammer, der das Zeug zum Hit in sich hat. ZERONIC, die in den letzten Jahren schon zweimal für den AMADEUS nominiert waren, sind auch eine exzellente Liveband, die in Österreich ihresgleichen sucht. Das haben sie mittlerweile auch in London bewiesen, wo die Band schon einige Male aufgetreten ist und dort ebenso überzeugt hat. Diese kraftvolle, vor Energie strotzende Stimmung haben ZERONIC auch auf Grandezza übertragen können. Songs wie der Opener Let’s Fool The World, das dampfende Catholic Girls Are Sexy oder das wunderbar, geradlinig rockende We Burn For You sind Kompositionen, die zeigen wie

innovativ Songwriting sein kann, ohne gleich in den Mainstream abzudriften. Ein interessantes Detail ist, dass Grandezza zum Großteil in der italienischen Toskana aufgenommen worden ist. Und zwar im Landhaus keines Geringeren als Konstantin Wecker. Grandezza ist wohl das bisher kompakteste, in sich stimmigste Album das ZERONIC je produziert haben, und macht Lust auf mehr: Das trifft sich gut, denn im Herbst ist die Band endlich wieder auf den österreichischen Konzertbühnen zu erleben!

http://www.zeronic.net/, https://www.facebook.com/zeronicmusic, http://www.youtube.com/zeronicmusic

11


Szene

Klein & fein:

picture on

Text: Hansjörg Schrammel Foto: Markus Osanger

festival Bildein

Herrlich gemütlich: Das etwas andere Rockfestival am 10. und 11. August 2012 Unglaublich bunt. Das Programm ist unverschämt bunt gemixt und gespickt mit vielen Stars und Schmankerln – da ist für jeden etwas dabei! Nirgendwo sonst harmonieren die unterschiedlichs­ ten Musikrichtungen so brutal gut miteinander: Von Reggae bis Hardrock, von Electronic bis Metal, von Indie bis Ska, von Punk bis Worldmusic, von Folk bis Jazz, ja sogar Blasmusik – das picture on ist ein grenzenloses Fest der Musik im Burgenland. Große Namen im kleinen Dorf. Headliner sind die ReggaeLegende Jimmy Cliff und die Mittelalter-Rocker In Extremo mit ihrer atemberaubenden Bühnenshow. Mit dabei auch die finnischen Spaßrocker Leningrad Cowboys, die Punkbands Anti-Flag und Sum 41 sowie die Alternative-Heroes dEUS. Letztendlich werden ca. 25 Acts die Pinka rocken. Einzigartig. Das Festivalgelände im Dorfzentrum. Direkt neben der Kirche unter der riesigen Platane steht die Hauptbühne. Genial chillig präsentiert sich der Apfelgarten mit der urigen Uhudler-Bühne. Heiß hergehen wird’s bei der Opening Party am Donnerstag. Neu sind heuer unter anderem ein eigener Campingplatz mit Ruhebereich, ein Buschenschank am Campingplatz und Lesungen am Sandstrand. Festivalbesucher genießen auch die regionale Kulinarik im Dorf ohne Grenzen.

Nachwuchsfördernd. Beim Rockseminar unterrichten anerkannte Profis in entspannter Atmosphäre sechs Tage lang 50 Schüler. Die jungen Musiker eröffnen dann die beiden Festivaltage.

FESTIVAL BILDEIN – 10.-11. AUGUST 2012

O XTREM E IN F IF L C Y M G IM LA J ANTI-F RAD COWBOYS E BESTÄTIGT

LENING

ALF POIER u.v.m. Y B IM U Q S EU SUM 41 d 12 BIS 28. JULI 20 ROCKSEMINAR

BILDEIN: 22.

... und du bist pinkarocken!

12

ACTS

http://www.pictureon.at

www.pictureon.at


Musik Szene

Acoustic

Lakeside Festival

Text: Martina Berger, Fotos: Martina Berger, Michael Hametner

fall in love with the lakeside! 20. und 21. Juli 2012 Nicht überall kann man auf Strohballen oder auf der Picknickdecke in der Blumenwiese am Seeufer sitzen und großartigen Acts aus der Indieund Subpopszene lauschen. Diese außerordentlich entspannte und private Atmosphäre herrscht nur auf einem Festival in Österreich, nämlich dem „Acoustic Lakeside“ in Sittersdorf am Sonneggersee. Schon seit sieben Jahren organisiert der Verein für Musikfreunde aus Eberndorf jährlich ein Festival der Sonderklasse. Der Erfolg des Konzeptes liegt laut Pressesprecher Raphael Pleschounig im persönlichen Charakter des Events. Das Acoustic Lakeside Festival bietet seinen Besuchern hochkarätige Bands der besonderen Art – ausnahmslos unplugged und exklusiv. Um zu großen Ansturm zu vermeiden und ein familiäres Feeling beizubehalten, gibt es jedes Jahr ein limitiertes Ticketkontingent. Abgesehen von den Performances wird auch ein buntes Rahmenprogramm geboten: Lesungen, diverse Matches, wie das FM4 Beachsoccer für Bands und Fans und natürlich der Badespaß am Sonneggersee.

Dass sich das Akustik-Konzept mit limitierter Zuschauerzahl vor den Konzepten aller anderen Musikfestivals abhebt und aus­ zeichnet, wurde vor Allem im letzten Jahr bewiesen. Fast 2000 Besucher befanden sich trotz des schlechten Wetters täglich auf dem Gelände. Bands wie Effi, Trouble Over Tokyo, Pete And The Pirates, Art Brut oder IAMX sorgten mit ihren neu arrangierten Songs in akustischer Manier für großartige Stimmung. Auch dieses Jahr lädt das idyllische Musikfest zum Tanzen, Feiern und Relaxen ein. Das diesjährige, internationale Bandpaket ist das gewaltigste der Acoustic Lakeside Geschichte: Acts wie Heather Nova, Nada Surf, Philipp Poisel und Patrick Wolf werden am 20. und 21. Juli den Sonneggersee zum Beben bringen. Am Anreisetag (19. Juli) kann man ab 20:00 Uhr White Vibration, Dawa, Roadkill Rodney und Viech im Partyzelt live erleben. Tagestickets um 35 Euro und Festivalpässe um 45 Euro gibt es über die Acoustic-Lakeside-Homepage, in der Jugendinfo Wien, sowie bei Ö-Ticket oder Moreboards Klagenfurt zu kaufen.

S h o rt Fac t s Acoustic Lakeside Festival 2012 Freitag, 20.07.: Nada Surf (us), Glen Hansard (uk), Philipp Poisel (d), The Sado-Maso Guitar Club (at), Bilderbuch (at), Sweet Sweet Moon (at), Refuse The Mammon (at) Samstag, 21.07.: Heather Nova (bm), Patrick Wolf (uk), The Hidden Cameras (ca), We Invited Paris (ch), Giantree (at), Maur Due & Lichter (at)

http://www.acousticlakeside.com, http://www.facebook.com/acousticlakeside

13


Szene

May Mitzi Portrait von Peter Gigerl

Das Comeback der Burlesque Seit einiger Zeit erlebt mit der Burlesque eine einstmals sehr populäre Form der Unterhaltung, bei der klassischerweise Frauen, aber mittlerweile auch immer mehr Männer, auf theatralisch-humorvolle Art und Weise mit Hilfe des erotischen Tanzes ein Bühnenstück aufführen, ein großes Revival. 14


Auch in Österreich existieren bereits einige BurlesqueGruppen. Eines der ersten und mittlerweile wohl das bekannteste der heimischen Ensembles ist die Salon Kitty Revue, welche seit 2011 regelmäßig in ausverkauften Häusern auftritt. Die von Kitty Willenbruch, der dienstältesten Burlesque-Künstlerin Österreichs, gegründete Gruppe zählt neben Madame selbst und der sinnlich-weiblichen May Mitzi auch Jacques Patriaque als ersten heimischen Boylesque-Künstler zu ihren Mitgliedern. Die vielen wohl bekannte Conchita Wurst ergänzt als Moderatorin und führt durch die Shows. Dem X-RockzMagazin gewährt Tänzerin und Multitalent May Mitzi exklusiv einen Blick hinter die Kulissen sowie in ihren Lebenslauf. Bei der aus Graz stammenden Künstlerin zeigt sich schon früh Spotlight-Affinität, als sie im Alter von zwei Jahren beim elter­ lichen Hausbau vor den Handwerkern flitzt. Später fliegen die Schulsachen immer öfter in die Ecke, weil Verkleiden mehr Spass macht und Grossmutters Kleiderschrank eine schier endlose Quelle an Kostümen anbietet. Sie begleitet ihren Vater auf Reisen in alle Welt und entwirft wo sie kann, Fantasiekleider. Im Teenager-Alter macht May sämtliche Musikstile (bis auf Techno!) mitsamt zugehörigen Jugendkulturen mit und besucht die Ortweinschule mit Schwerpunkt Grafik- und Kommunikationsdesign. Immer schon von der Familie unterstützt, entfaltet May hier ihre Leidenschaft für das Fotografieren. Das Fotolabor wird ihr zur zweiten Heimat. Dennoch folgen bald erste Modelerfahrungen: Zunächst bei Shootings für Schulkollegen, bald darauf als Pin Up auf Laufstegen in Ungarn und Deutschland, denn May löst mit siebzehn ein Interrail-Ticket, schreibt Fotografen an und geht eigenständig auf Shootingtour. Bald vom Modeln unterfordert und immer schon von Burlesque fasziniert, beginnt May mit dem Schreiben erster Acts sowie mit dem Entwerfen von Bühnenkostümen, denn von den Brettern, die die Welt bedeuten, fühlt sie sich magisch angezogen. Mit Freund­innen gründet sie ihre eigene Burlesque-Gruppe,

die kurzlebigen Bitch’n’Candy, denn allein will sie nicht auf der Bühne stehen. Umjubelte Auftritte wie bei Rockabilly-Festen oder bei Wild Evil’s 30er-Feier folgen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem sie ihre Seele an die Burlesque verkauft. Mit dem Umzug nach Wien ist das Bitch’n’Candy-Ensemble Geschichte und May übt in den nächsten Monaten die unterschiedlichsten Jobs aus. Unter anderem in der Cupcake Backstube, wo sie an einem freien Tag dennoch der Spezialbestellung eines Kunden nachkommt: Sie soll eine Korsett-Torte für eine Burlesque-Party kreiern. Die Bühne vermissend, interessiert sich May für Burlesque-Clubs in Wien und wird mit dem Varieté Arena Bar im 5. Bezirk fündig. In dieser seit den 50ern existierenden Location findet bereits die Salon Kitty Revue statt, bei der May bald Gastauftritte absolviert. Das Talent und die unglaubliche Bühnenpräsenz erkennend, bietet ihr Gründerin Kitty Willenbruch ein fixes Engagement an. Seither tritt May einmal im Monat mit der Salon Kitty Revue in der Arena Bar auf und präsentiert jedes Mal ein völlig neues Programm. Die Kostüme näht übrigens jedes Mitglied mit viel Liebe und Hingabe selbst. Neben den regulären Shows tritt die Gruppe bei verschiedensten Anlässen wie auf dem Diversity Ball, bei Grufti-Parties im Viper Room oder auch auf Weihnachtsfeiern gerne auf. Die Revue selbst besteht zu einem Großteil aus Einzelacts, bei denen aktuelle Boulevard-Themen parodiert werden, denn Humor ist ein elementarer Bestandteil von Burlesque. So nimmt die Gruppe die Oscarverleihung, Batman und Robin oder auch Dirty Dancing gehörig aufs Korn. Miteinander verwoben werden die Solo-­Auftritte von Conchita Wurst, die durch den Abend führt. Unter der Woche arbeitet die von Star Wars begeisterte May Mitzi als Dekorateurin und ist deshalb viel auf Flohmärkten unterwegs, denn sie spenden eine Fülle an Inspiration für Privates wie auch Berufliches. Für die Zukunft sind bei der Salon Kitty Revue weiterhin Shows in der Arena Bar und im Viper Room geplant.

15


Szene

Schmuck zum

Schmunzeln Lustwandelei von Olivia Fürnschuß

Eine Stippvisite in der neuesten Schmuckwerkstatt am Mariahilferplatz Die Kunstszene rund um den Grazer Lendplatz ist seit Juni um ein weiteres Kleinod reicher. Und Schmuckstücke sind es tatsächlich, die hier hergestellt, präsentiert, verkauft werden. Das Atelier „schmuckes“ am Mariahilferplatz 3 stellt sich als liebevoll eingerichteter Ort der Begegnung vor. Immer wieder sind es Flaneure, die in diesem aufstrebenden Viertel lustwandeln und sich mit einem vorsichtigen „Darf man reinkommen?“ an den neuen Kunstraum herantasten. Hereinkommen ist ausdrücklich erlaubt! Und hat man den kleinen Laden erst einmal betreten, merkt man schnell, dass man hier aufs Herzlichste willkommen ist. Kennengelernt haben sich die drei schmucken Künstler Doris Fuchs, Katja Sauter und Wolfgang Löffler in der Meisterklasse für Metallgestaltung an der Grazer Ortweinschule. Ein Jahr nach deren Abschluß eröffneten sie nun ihre eigene Schmuck-Stätte, in der Werkstatt, Galerie und Shop fließend ineinander übergehen. Die in der Manufaktur angefertigten Einzelstücke sollen zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Neben dem Geschmeide selbst kann man allerhand Gerät zu dessen Herstellung besichtigen, Fragen zu Enstehungsprozessen stellen oder einfach mal kurz dem Alltag entfliehen, Neues kennenlernen und das genießen, was das Lendviertel so reizvoll macht – die bunte Vielfalt an Kunstschmieden aller Art.

16

S h o rt Fac t s schmuckes Atelier und Galerie Mariahilferplatz 3, 8020 Graz Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr Tel.: +43(0)680/443 76 57, office@schmuckes.at www.schmuckes.at


????

www.facebook.com/spark7stmk www.spark7.com

s Konto? e n e g i e n i f체r e Alt genug ht unabh채ngig. gen zu c a tscheidun m n E 7 e n k e r ig a e Konto. m, sp

or alle spark7 asse. bedeutet v ol dir dein H in e t. s h e ig g g hen Spark n ld c 채 e is G rk s 채 m Unabh u rm s jeder Steie ch wenn e treffen. Au h und sicher. Jetzt in fac Gratis, ein

17


Lifestyle

1 -Avenue st

Model Academy & Model Agency PR-Text von Cornelia Schwingenschlรถgl, Fotos von 1st-Avenue

Die 1st-Avenue Model Academy in Wien ist Ansprechpartner Nummer 1, wenn es um eine fundierte Modelausbildung geht. Die Model Agency bietet professionelle Model-Shootings an. 18


Die Modelbranche ist ein hartes Pflaster. Ohne fachliche Begleitung sind die Chancen gering, erfolgreich zu sein. Die 1st-Avenue in Wien bietet zukünftigen Models an zwei Orten eine professio­nelle Ausbildung. Die Kurse beinhalten Fitness-, Körperhaltungs- und Catwalk-Training, Schauspielunterricht, Makeup und Styling und natürlich Posing/Shooting. Während der Ausbildung werden außerdem wichtige Tipps für Casting, Job und Karriere erteilt. Ist die Abschlussprüfung erst einmal bestanden, erhalten die Absolventen und Absolventinnen einen Modelvertrag in der 1st-Avenue Agency. „Unsere angehenden Models wissen, dass eine Model­ karriere nur zu erreichen ist, wenn das Gesamtpaket stimmt“, so die Geschäftsführerin Frau Mag. Nancy Kanellopoulou stolz. Außerdem bietet das Unternehmen 1st-Avenue Shootings in einem modernen Fotostudio an. Unter Verwendung bester Ausrüstung wird eine professionelle Setcard erstellt. Und was sagen die Model-Lehrlinge selbst? „Ich bin sehr froh darüber, mich Anfang des Jahres dazu entschieden zu haben, an der 1st-Avenue Model Academy teilzunehmen. Die Academy hat mein Leben durch viele Sachen bereichert. Abge­sehen von dem Spaß, den wir jedes Mal miteinander haben, bekommen wir sehr gutes und hilfreiches Training in den verschiedensten Bereichen, wie z. B. Catwalktraining oder Schauspielunterricht. Dort werden wir gut für etwaige Jobs bzw. Castings vorbereitet und es

ermöglicht uns, selbstsicherer aufzutreten. Ich fühle mich in der Academy in guten Händen und weiß, dass ich mich immer auf die Unterstützung unserer Trainer verlassen kann.“ – Diana Höppel „Die 1st-Avenue Model Academy bietet sehr gute Übungsmöglichkeiten. Man hat die Gelegenheit, in angenehmer Atmosphäre die verschiedenen Anforderungen an ein Model kennen zu lernen bzw. sich unter Traineranleitung zu verbessern. Und ich bin zuversichtlich, dass die Ausbildung meine Chancen, als Männermodel gebucht zu werden, steigert!“ – Martin Müllner Wer sich für die Voraussetzungen, die Dauer und die Kosten einer fundierten Ausbildung bei 1st-Avenue interessiert, den informiert Frau Mag. Kanellopoulou gern in einem persönlichen Gespräch.

S h o rt Fac t s 1st-Avenue Academy • Wien HOLMES PLACE, Hütteldorferstraße 130, 1140 Wien • Baden FITNESSLAND, Sochorgasse 3, 2512 Oeynhausen. Ansprechpartnerin: Frau Mag. Nancy Kanellopoulou Mobil: +43(0)676/530 20 14 E-Mail: office@1st-avenue.at

19


Musik

Channel Zero Festivalbesuch von Cornelia Schwingenschlögl und Birgit Kniebeiß, Fotos von Elsie Roymans/Gig-Pix.com

It’s a dirty job, but someone’s got to do it: Eingeladen von Graviton Music Services finden wir uns wieder in Belgien am „Festival Werchter Boutique“ bei perfektem Open-Air-Wetter, gemeinsam mit etwa 55.000 weiteren Besuchern. Das Lineup kann sich sehen lassen: Ghost, Gojira, Channel Zero, Mastodon, Soundgarden und als Hauptact Metallica. Drittgenannte Band ist der eigentliche Grund für unsere Anreise. Die belgische Metalband, die bereits jetzt ihr Album Feed ‘Em With A Brick in Gold verwandeln konnte, ist nun mithilfe von Graviton Music Services international am Durchstarten. Nach der energiegeladenen Show bekommen wir die Gelegenheit, mit Tino de Martino (E-Bass) und Phil B (Drums) von Channel Zero zu sprechen. XRM: Erstmal Gratulation zu Eurer goldenen Schallplatte!

Tino De Martino: Danke! Es war schon eine Überraschung, auch wenn wir darauf gewartet haben. Immer wieder haben wir gefragt: „Wann kriegen wir Gold? Wann kriegen wir Gold?“ Und jetzt haben sie’s uns endlich gegeben. Und ihr spielt seit 20 Jahren zusammen?

T.D.M.: Ja … das lässt uns natürlich nicht wirklich jung aussehen ... (lacht) Wir haben vor 22 Jahren angefangen – 1990. Wir haben zusammen gespielt bis 2003 oder so ... ich weiß nicht mehr genau. Dann haben wir komplett aufgehört.

XRM: Was habt ihr dann gemacht? Hattet ihr Solo-Projekte?

T.D.M.: Jeder unterschiedlich ... Franky, unser Sänger, hatte seine eigene Band. Phil, unser Drummer, hörte mit der Musik praktisch ganz auf und ging in die Bekleidungsbranche. Ich ging in die U.S.A., gründete eine Familie und dachte eigentlich nicht mehr ans Musik machen, spielte nur manchmal in Bars. Und dann kamen wir zurück und – wisst ihr, das hat einfach alles geändert, all die fixen Pläne! So und so wird’s für den Rest meines Lebens laufen – Hey, nein! Du wirst mit Metallica auftreten. – Oh. Okay. (lacht) Wie probt ihr denn zusammen, wenn du in den U.S.A. lebst?

T.D.M.: Wir stimmen eben unsere Terminpläne aufeinander ab. Und ich bin sowieso nach Belgien zurückgekehrt. Aber Mikey, unser Gitarrist, lebt noch immer in Kalifornien. Also kommt er zwischen zwei Wochen und einem Monat zuvor her und dann arbeiten wir. Erarbeitet ihr Eure Songs zusammen oder gibt es einen Song-Writer?

T.D.M.: Hmmm ... hauptsächlich ist unser Gitarrist unser Song-Writer. 20

http://www.channel-zero.be/, https://www.facebook.com/thebandchannelzero, http://www.youtube.com/thebandchannelzero, https://twitter.com/OfficialCZero


Er ist extrem effizient. Du steckst ihn einfach ins Studio, sperrst die Tür ab, und wenn du zwei Tage später zurückkommst, hat er zwanzig Songs. Er ist der Wahnsinn, wirklich unglaublich. Und ich komponiere auch, wisst ihr, aber ich staune einfach nur darüber, wie er das macht. Und es funktioniert wirklich gut so. Wir sind uns alle einig. Er baut die Struktur und wir fügen es gemeinsam zusammen und spielen … War das von Anfang an so?

T.D.M.: Ihr meint am Anfang von Channel Zero? Nun ja, unser ursprünglicher Gitarrist, Mikey ist ja unser neuer Gitarrist, ...

T.D.M.: Ich weiß nicht, ich kann’s nicht sagen … im Moment ist alles im Umbruch … man muss sich auf jeden Fall genau anschauen, was das Label de facto für einen tut. Auch für die Labels ist es jetzt schwer. Die Leute können einfach ins Internet gehen und sie finden dein Album. Ich bin auch bezüglich unseres Albums sicher, dass die Hälfte der Leute es nicht gekauft, sondern es sich einfach „besorgt“ hat. Dennoch ist das gut. Sie haben es sich geholt und es gefällt ihnen – in Ordnung! Ich denke, wir stehen erst am Anfang dieser virtuellen, digitalen Möglichkeiten, die ganze Welt zu erreichen. Es ist fast so wie damals, bevor es eine große Musikindustrie gab. Du verdienst dein Geld mit deinen Shows. Das ist normal. Du arbeitest dafür, du spielst Deine Shows, du wirst bezahlt. Die Leute holen sich deine Songs gratis? Schön für sie.

(Große Augen.)

T.D.M.: Aha, ich verstehe, okay (lacht). Also, ja, wir hatten die Band und dann trennten wir uns für, ich glaube, ungefähr dreizehn Jahre. Und dann kam der Zeitpunkt, an dem viele Leute aus Belgien nach einer Comeback-Show fragten. Nur eine Art Special: „Channel Zero kommt für eine einzige Show zurück.“ Wir haben darüber geredet, es waren ein paar Tausend – das sind für Belgien wirklich viele Leute.

(Phil B, der Drummer von Channel Zero, gesellt sich zu uns. Wir stellen das X-Rockz-Magazin vor und erwähnen unter anderem, dass wir auch über Tattoo-Künstler schreiben.) Phil B: Tattoos? Ich hab einen Tattoo-Shop. Und seine Frau (zeigt auf Tino) ist auch eine große Tattoo-Künstlerin. Wir sind mitten in der Szene. Also habt ihr auch außerhalb der Band viel zu tun?

XRM: Das wären es auch für Österreich!

T.D.M.: (lacht) Ja, aber für amerikanische Verhältnisse sind zwei-, dreitausend Leute gar nichts. Also … wir beschlossen, es durchzuziehen und eine Show zu versuchen. Die war in zirka zehn Minuten ausverkauft. Das waren zweitausend Leute. Also setze man eine Zweite an. Auch in zehn Minuten ausverkauft. Und so setzte sich das fort bis es acht solche Shows waren. Dabei waren wir zu der Zeit gar nicht sicher, wie’s weitergehen würde, ob wir vier uns wieder zusammentun würden. Und unser Gitarrist hatte Probleme mit seinem Gehör. Er sagte: „Leute, das ist ja alles wunderbar, aber ich kann einfach keine acht Shows hintereinander spielen. Ich bin draußen. Ihr müsst jemand anderes finden.“ Also begannen wir, einen Gitarristen zu suchen und ließen viele aus Belgien und Holland vorspielen. Eines Tages hörten wir von diesem Typen in Kalifornien, der bei Soulfly und Snot gespielt hatte. Interessant! Und dann kam er vorbei und es war einfach – perfekt! Innerhalb einer Stunde war alles geregelt. Yeah, und jetzt passt es. Und die Leute sind begeistert! Wir waren die einzigen, die eure Lyrics nicht auswendig konnten.

T.D.M.: (lacht) Habt ihr Playback mitgesungen? Na klar! Übrigens, es scheint, als hättet Ihr gute Verbindungen. Ein Ex-Machinehead hat Euer letztes Album produziert … ?

T.D.M.: Neben der Tatsache, dass Mikey, unser Gitarrist, ein guter Kerl ist und optimal zur Band passt, ist einer seiner Pluspunkte, dass er die ganze Welt kennt. Erst heute, hier, sind Metallica mal aufgekreuzt, so: „Heyyy, was geht, Alter!“ – und wir: „Okay … cool … die kennst du auch?“ – und er: „Yeah, ich kenne jeden.“ Tja, und er kannte Logan Mader und das war die perfekte Wahl. Würdest du jungen Bands eher raten, sich ein Label zu suchen oder es auf eigene Faust zu versuchen?

T.D.M.: Wir sind für vieles offen. Ich bin auch Art-Direktor und mache Grafik-Design, er macht in Tattoos, also … es gibt nicht nur die Musik. Hast du das Album-Artwork selbst gemacht?

T.D.M.: Ich habe das Projekt geleitet. Ich habe mir bemerkenswerte Leute gesucht, die dann für das Album und mich gearbeitet haben. Ich mache eh schon die Musik, das reicht. Ich muss nicht alle Credits für mich haben. Es ist schön, gute, interessante Leute zu haben, die für uns – oder besser – mit uns arbeiten. Phil, erzähl uns von deinem Tattoo-Studio! Tätowierst du Backstage?

P.B.: Oh, ich tättowiere nicht. Ich bin der Manager. Ich bin wie der Produzent in einem Tonstudio. Er ist kein besonderer Drummer oder Gitarrist, aber er weiß, was gut ist und was nicht. Ich entscheide und gestalte das Geschäft nach meinem Konzept. Und das ist nicht Rock’n’Roll, sondern mehr wie eine Lounge. Ein Tattoo-Shop einer neuen Generation, auf einem neuen Level. Ich mag es, mir meine Mitarbeiter auszusuchen. Die großen Meisterstücke diskutieren wir immer gemeinsam. Und ich erledige eben das Management und bin Body-Piercer. Ich leite die Projekte, teile den Künstlern die passenden Aufträge zu und wenn das Projekt zu niemandem passt, empfehle ich auch einen anderen, besser geeigneten Shop. Ich liebe es, beim Erstkontakt die Projekte mit den Leuten durchzusprechen. (Tino fragt, ob es sehr schlimm sei, wenn er sich jetzt ausklinke … er würde so gern noch zu Soundgarden gehen, da er sie erst einmal gesehen habe und das sei schon ewig her. Wir haben natürlich vollstes Verständnis.) XRM: Welches Konzert hast du zuletzt besucht?

P.B.: Ich hab so vielfältige Einflüsse … die letzte Show, die ich gesehen hab, war Skrillex, der Dubstep-DJ. Er ist sehr jung, ich glaub um die 23,

http://www.graviton-musicservices.com, http://www.facebook.com/GravitonMusicServices, http://www.myspace.com/gravitonmusicservices

21


und alle bitten ihn um Remixes. Hier in Belgien ist er vor sechs- oder siebentausend Leuten aufgetreten – ganz allein, als DJ! Ein junger Bursche aus L.A. Es gibt ihn erst seit drei oder vier Jahren und er ist überall f***ing ausverkauft! Er ist sehr intensiv. Aber ich höre verschiedenste Musikrichtungen. Die meiste Zeit höre ich viel E-Pop und alle Arten von Metal. Ich steh auch auf OldschoolHipHop, zum Beispiel Notorious B.I.G. oder Public Enemy. Was Metal betrifft, mag ich alles Mögliche, I-M-U gefallen mir sehr … wenn irgendwas gut ist und mir was gibt, wenn es Emotionen weckt, dann gefällt es mir. Du magst zwar die eine Musikrichtung nicht, aber du hörst dir den einen Song an und sagst, da spür ich was, davon will ich mehr … da bin ich wirklich völlig offen. Sicher stammen die meisten meiner Einflüsse aus dem Metal, das ist meine Schule, aber auch aus dem HipHop. Channel Zero ist benannt nach der Single She Watches Channel Zero von Public Enemy. Sie waren die ersten, die Harcore-HipHop mit so extremem Metal gekreuzt haben, diesen Beat und dazu die Riffs von Slayer. (Singt uns ein Riff vor.) Das ist ein Wahnsinns-Song. In dem Moment, in dem wir ihn zum erstmals hörten, sagten wir: „Wow! Das wird unser Bandname.“ Das wäre unsere nächste Frage gewesen! Es ist ziemlich schwer, den richtigen Bandnamen zu finden.

P.B.: Mittlerweile ist es noch schwerer. Der Bandname ist jetzt deine Identität. Als ich zur Schule ging, war Vinyl aktuell. Du hast dir im Vorbeigehen immer wieder die Plattencovers angesehen und wenn dir eins gefiel, hast du die Platte gekauft. Die Covers bildeten die Identität der Band. Mit den CDs änderte sich das schon ein bisschen, aber nicht so sehr. Doch jetzt, in der digitalen Welt, existiert kein Cover mehr. Du hörst Musik mit I-Tunes, du suchst die Videos auf YouTube … das Cover hat nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher.

P.B.: Oh ja! Ganz anders! Früher waren wir mehr im Proberaum, haben alles Mögliche ausprobiert, und jetzt sitzen wir alle vor dem Bildschirm (lacht). Wir erstellen unsere Kompositionen auf dem Computer und danach erlernen wir sie, wisst ihr? Früher haben wir geprobt und geprobt bis etwas dabei rauskam, jetzt komponieren wir auf dem PC. Dadurch kann man objektiver zuhören, weil die Aufmerksamkeit nicht durch das Spielen beansprucht wird. Übst du täglich Schlagzeug?

P.B.: Nicht täglich … manchmal mach ich zwei, drei Wochen Pause, aber wenn wir proben, spiele ich jeden Tag vier Stunden. Ich mache viel Sport und versuche, gut in Form zu bleiben. Das ist sehr wichtig für mich. Macht es dich nervös, vor einem so großen Publikum wie heute zu spielen?

P.B.: Uuuaaahh … wisst ihr, gerade als Drummer ist man für den ganzen Rhythmus verantwortlich … und ich spiele live nicht on click, das schränkt mich zu sehr ein. Also ist es wichtig, dass ich im richtigen Tempo, im richtigen Groove bin und nichts vergesse. Wenn der Drummer einen Fehler macht, sind alle verloren. Gegenüber dem Publikum? Sicher, man will ja richtig gut sein, aber nicht mehr so sehr wie früher. Was machst du, um dich auf einen Auftritt vorzubereiten?

P.B.: Ich höre die Songs, die ich live spielen werde, über Kopfhörer. Ich spiele Songs teilweise auf meinem Übungs-Pad. Ich wärme mich auf, das ist wichtig. Metallica zum Beispiel haben hier einen Truck, in dem sich ein Studio befindet und da drin proben sie. Es ist wichtig zu üben, und zwar on click! Nimmst du Stunden?

Was für einen Rat würdest du jungen Bands geben?

P.B.: Das Schwierigste ist es, Leute zu finden, zwischen denen die Chemie stimmt. Ich arbeite gern mit unterschiedlichen Charakteren zusammen. In erster Linie ist es wichtig, eine starke Persönlichkeit zu sein, ein großes Ego zu haben. Aber behandle jeden mit Respekt. Du musst einen Rahmen finden, in dem man zusammenkommen und etwas aufbauen kann. Du kannst nicht sagen: Ich bin der Sänger, ich bin die wichtigste Persönlichkeit. Bei Channel Zero gibt jeder sein Bestes. Jeder ist mit voller Energie dabei, wir teilen alles auf – so ist das in einer richtigen Band. Das ist schwer zu finden, es passiert oder es passiert nicht. Du musst die richtigen Leute finden … es ist fast wie zwischen Frauen und Männern. Doch wenn man streitet, kann man keinen Sex haben (lacht). Es ist Glückssache, Leute zu finden, mit denen man langfristig arbeiten kann. Jetzt, da ihr Gold habt, was kommt als nächstes?

P.B.: Tatsächlich arbeiten wir grade an neuen Songs. Es gibt viel zu tun. Viel Organisationskram für weitere Shows. Denn man muss an den richtigen Orten spielen, sich eine sehr gute Strategie zurechtlegen. Unterscheidet sich eure jetzige Arbeitsweise von eurer früheren?

22

P.B.: Nein, mach ich nicht. Ich mach manchmal „Clinics“ für meinen Endorser*. Kennt ihr das? Das ist ein Schlagzeug-DemonstrationsProgramm. Ich hab das schon mit Nicko McBrain von Iron Maiden gemacht und mit Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers. Der hat denselben Endorser*. Aber ich hasse das. Du bist ganz allein mit deinem Schlagzeug, fünfhundert Drummer vor deiner Nase … und ich sage immer am Anfang: „Hi, ich bin Phil und ich bin sicher nicht der weltbeste Drummer. Bestimmt sind viele von euch besser als ich. Aber ich bin hier und ihr seid dort – es tut mir leid.“ (lacht) Ich bin kein großer Techniker, aber ich werde euch meine Persönlichkeit erklären und wie ich Musik sehe. Die Sache ist die: Du musst den Vocals und der Gitarre Raum lassen und kannst deinen Job nicht absolvieren wie eine technische Demonstration. Die wahre Komposition eines Schlagzeugs, die versuche ich zu erklären und meine eigene Methode herzuzeigen. Die Persönlichkeit meiner Drums ist das Spezielle daran, nicht meine Technik. Viele Musiker sind sehr gute Techniker, aber sie können nicht komponieren. Und das lernt man nicht in der Schule. Das hast du oder du hast es nicht. Ja, man kann lernen, wie man eine Melodie macht … aber das Feeling hat man oder nicht. Da kannst du acht Stunden täglich Gitarre üben. Es ist etwas, was du an dir hast, Magie. Wenn du brennst, ist dein Platz auf der Bühne, ansonsten davor. (lacht)

* Endorser: „Unterstützer“ – in der Musikindustrie: meist ein Hersteller von Instrumenten oder Zubehör (Gitarrensaiten, Verstärker, Drumsticks, usw.), die er dem Künstler günstig oder gratis zur Verfügung stellt. Das kann eine enorme Werbewirkung für den Hersteller haben. Im Gegenzug dazu erklärt sich der Künstler meist bereit, keine gleichwertigen Instrumente anderer Marken zu verwenden.


Literatur Musik

Fippies Text und Fotos: Simone Jahrmann

Der Kern der multikulti(gsten) Band Fippies kam exklusiv für das X-Rockz-Interview nach Graz, um über den Dächern der Stadt über Kunst zu philosophieren. Man stelle sich vor, eine farbenfroh gekleidete, lebenslustige Band mit lateinamerikanischen Rhythmen auf der Bühne und überwiegend schwarz gekleidete, langhaarige, totenkopfverzierte Menschen im Publikum. Was passiert? Das Publikum tobt vor Begeisterung! „Das hat uns geprägt und prägt uns sicher heute noch, wie zur Hölle so etwas passieren kann“, erzählt Ivan fassungslos. Wer ist diese Band? Wer sind die Fippies? „Wir sind die Band aus Österreich“, Yvi Szoncsò (Sängerin, Klavier, Geige, alles, was man ihr in die Hand gibt) aus der französischen Schweiz, Ivan Plajh (Gitarre) aus Kroatien, Alberto Lovison (Percussion) aus Italien, Felipe Sequeira de Oliveira (Bass) aus Brasilien und Valentin Schuster (Schlagzeug) aus dem Waldviertel plus/ minus weitere internationale Musiker. Zuhause sind sie überall. Die Kosmopoliten reisen viel für ihre Musik, haben weltweit Konzerte, nicht immer gemeinsam, nicht immer in der gleichen Besetzung, aber immer mit reichlich Herzblut. Diese bunt zusammengewürfelte Truppe professioneller Musiker formierte sich in Graz und bestand jahrelang unter dem Namen Sway. Den aktuellen Namen Fippies kann man als Fusion von „falsche Hippies“ verstehen, eine Hommage an die 60er, als Kunst noch freier war. „Eigentlich sind wir unverbesserliche Weltverbesserer“, gibt Ivan zu. Ihre Texte behandeln gesellschaftliche und menschliche Themen. „Als Künstler hat man einen Auftrag“, ist Yvi überzeugt, man hat eine gewisse Verantwortung und Pflicht, mit seiner Kunst die Menschen zu

berühren, Emotionen mitzugeben. Sie haben es sich zusätzlich zur Aufgabe gemacht, der-Lady-Gaga-Nation mit Schema-F-Kompositionen komplexe, harmonische Tonfolgen entgegenzusetzen. Texte und Musik stammen aus den Köpfen, Händen und Herzen des Dream-Teams, das ihre Ideen und ihr Können zu einem perfekten Song zusammenfließen lässt. Für sie braucht jede Emotion einen bestimmten Rhythmus, eine eigene Sprache und eigene Harmonien. Alles muss in sich stimmig sein. Insofern singen sie in mehreren Sprachen und verwenden verschiedenste Stile. Die Latina-Ethno-Folk-ProgressiveFunk-Retro-Jazz-was-auch-immer-Band kann und will man in keine bestimmte Musikrichtung stecken. Ihr Ziel ist es, mit den weltweit besten Musikern in jedem ihrer Genres zusammenzuarbeiten und mit ihnen hochwertige Musik zu machen. „Das Beste, das dir als Künstler passieren kann, ist, geachtet zu werden. Das ist mehr wert als eine Million Euro“, verdeutlicht Ivan und fordert von der Gesellschaft mehr Achtung gegenüber exzellenten Musikern, die oft um einen Hungerlohn oder auf der Straße spielen müssen. „Hier in Graz sieht man auf der Straße bessere Musiker als in vielen Jazzclubs, die wir weltweit gesehen haben.“ Ein sehr ernstes Thema, das Aufmerksamkeit verdient. „Wenn jemand wirklich so viel harte Arbeit in die Musik hineinsteckt und sein Talent erkannt hat, frage ich mich, warum lässt eine Gesellschaft zu, dass diese Menschen, die wertvoll für unsere Kultur sind, am Minimum

leben müssen?“ empört sich Ivan. Darüber hinaus sieht er das Problem auch bei den Musikern selbst, die sich zu oft unter ihrem Wert verkaufen bzw. unfähig sind, um ihren Preis zu verhandeln. Ihre eigene Truppe passt kaum in ein Schema der österreichischen Musikindustrie und hatte in Österreich genauso jahrelang zu kämpfen. Sie entschlossen sich Ende letzten Jahres auszuwandern und haben seither in ein paar Monaten mehr erreicht als die 10 Jahre zuvor in Österreich. Beispielsweise haben sie einige Bandausschreibungen gewonnen. Publikums- und Jurysieger beim Citroen Wettbewerb DS5, weswegen sie nun ein Jahr mit einem schicken Hybrid-Auto die Straßen Europas unsicher machen. Zusätzlich erscheinen sie auf der CD des Rolling Stone und des Musikexpress, wo sie sich laut Yvi „deplatziert“ fühlen, da ihr Artikel irgendwo zwischen Bob Dylan und seinesgleichen platziert wurde. Außerdem streckten sie ihre musikalischen Fühler zurück nach Österreich aus, um das Voting für die Band auf der FM4-Bühne für das diesjährige Donauinselfest zu gewinnen. Dass man erst sterben oder auswandern muss, um (in Österreich) Erfolg zu haben, ist ein essentieller Kritikpunkt unserer gesellschaftlichen Bedingungen. Das aktuelle Album Retro-Jam, das mit dem Release des neuen Namens am 1.1.2012 auf den Markt kam, ließen sie sich einiges kosten. Sie produzierten es selbst mit der besten technischen Ausstattung, die es zurzeit für Musik gibt und ließen es professionellstens mastern. Respektierte Musiker wie Bernhard Wimmer und Georg Gratzer durften auf ihren Aufnahmen nicht fehlen. Alsbald werden zwei neue Videos ihrer Singles veröffentlicht. „Die Spaghettis werden fliegen“, verriet das Paar bloß. Ihre Fans sind überwiegend in Südamerika beheimatet, es gibt sie aber bereits weltweit. Auf die Frage, ob sie ihre Bekanntheit weiter ausdehnen wollen, antworten sie: „Die Welt ist uns definitiv nicht genug, wir wollen auch am Mond oder am Mars spielen! Es wäre interessant, wie sich der Schall dort ausbreiten würde.“

www.fippies.com, www.twitter.com/fippies, http://www.youtube.com/FIPPIES, www.facebook.com/FIPPIES.tv

23


Szene

24


Portrait Musik

„Es treibt mich einfach immer wieder zurück zur Musik“ Zu Papier gebracht von Simone Jahrmann Fotos: Tobias Abel, Jasmin Kabir

Julia Motz hat schon verschiedenste Berufe in ihrem Leben ausprobiert. Doch ihre einzige Berufung ist die Musik. Die studierte Jazzsängerin erzählt über ihre Liebe zur Musik. „Wer ist Motz? Motz ist ein Name. Motz ist Musik.“ So präsentiert sich die Gesangskünstlerin Julia Motz auf ihrer Homepage. Der Name wie die Musik bleiben rasch im Ohr. Mit einem Musiker als Vater wurde ihr das musikalische Talent sozusagen in die Wiege gelegt. Seit 15 Jahren ist Julia Motz Singer-Songwiterin.

erzählt die 30-jährige im Interview. Ihr größtes Ziel: „Ich möchte, dass andere sich wiederfinden, in meinen Texten, in meinen Melodien.“ Je größer die Masse, die sie anspricht, desto besser. Doch sie will die Hoffnung auf eine Musikkarriere nicht aufgeben, denn sie ist ihr größter Traum.

Die ausgewanderte Kärntnerin, die in Wien studierte, versucht nun seit zwei Jahren in Graz einen musikalischen Boden zu finden, auf dem ihre Musik gedeiht und Früchte trägt. „Ich fange einmal klein an und das klappt schon recht gut“ mit Graz, wo sie seit einem halben Jahr unentwegt auf allen möglichen Bühnen der Stadt steht. Ihre Musik wie ihre Songtexte sind emotional und melodiös – ein Eintopf aus Jazz, Folk und Pop. Auf der Bühne braucht sie nur ihre Stimme und die Gitarre, authentisch und nackt – nicht unbekleidet, sondern im Sinn eines Seelenstriptease. Motz erzählt Geschichten, die an- und berühren. Sie verarbeitet in ihren Lyrics Beobachtungen aus dem Leben. Ihre früheren Texte waren eine Art Selbsttherapie, heute versucht sie, immer mehr von ihrer eigenen Person wegzugehen, um ihren Horizont zu erweitern. „Ich möchte mit meiner Musik einfach berühren“,

Die ambitionierte Gesangslehrerin nimmt gerade ihr erstes Album mit dem aus der USA stammenden Chuck LeMonds auf und will es so selbstständig wie möglich produzieren. Sie könnte mit der Sammlung an Liedern, die sie geschrieben und arrangiert hat, allerdings bereits einige Alben füllen. Ihre Lieder sind inspiriert von Shawn Colvin, John Martyn, Janis Ian, Joni Mitchell und James Taylor, doch das fertige Puzzle aus ihren Einflüssen ist einzigartig. Auch sie selbst sieht sich als Resultat verschiedenster Puzzleteile, als Individuum, das einfach neben allen anderen Individuen stehen will, mit dem, was sie macht.

http://www.motzmusic.com, http://www.facebook.com/motzmusic, http://www.youtube.com/JuliaCMotz

25


Musik

Es war einmal in der „Sisi“ …

Story von Cornelia Schwingenschlögl und SisiTop, Fotos von Olivia Fürnschuß Kurze Zeit später … Wie geil, dass wir unsere Instrumente dabeihaben!

Aaah!

Rrrrrr …

Woohooo!

Ich hab ’ne Idee!

Machen wir doch ’ne Band!

Yeah!

Schau mal, mein geiler Arsch!

Geht‘s weiter!

Warum ist mein Gesicht eigentlich so verschwommen?

Aha!

Let‘s go! Hier lang! Was?!

… rocken die Jungs das Studio. Yeeehaaaw! Oooouuuhh!

EEEAAA…

Hell, yeah!

Nachdem das Licht für die Studioaufnahmen eingestellt worden ist ...

26


„Wir haben

echt viele Hocker!“

Schnell mal ’n Bier … Etwas Geklimper dazu und fertig ist das Zeug!

Puh, geschafft! Jetzt noch den Sound fett machen …

Hihihi … jetzt brauchen wir nur noch ein Coverfoto! Yeah! Die Pose ist cool, hey!

Was?

Cool! Nun haben die Jungs ihre erste Schallplatte in der Hand!

Endlich haben die Boyz ihre erste Hitsingle im SisiTopStudio aufgenommen und die Welt im Sturm erobert.

Jetzt sind sie Superstars!

sisi@mur.at

Hol Dir das tolle Gratis-Poster auf www.x-rockz-magazin.com/sisi 27


Musik

„Es soll alles immer

Hand und Fuß

haben“

Stefan Wedam Portrait von Cornelia Schwingenschlögl, Fotos von Matthias Heschl

Keine Ausreden – keine Kompromisse Stefan Wedam, Multitalent, Weitgereister, Musiklehrer und seit kurzem junger Vater – wir gratulieren übrigens herzlich – veröffentlicht sein erstes Solo-Album „vooshell“. Während einer chilligen Jamsession in der X-Rockz-Redaktion plaudern wir über sein persönliches Woher und Wohin. 28

S h o rt Fac t s Albuminfo: Stefan Wedam – Vooshell (61 min. Spiellänge.) Fotos: Matthias Heschl Cover: Mike Belitz (Idee), Mörn!? (Layout), Chris Zirkelbach (Umsetzung) Produktion: Additiv Media/Tirol Produktionsabwicklung: Max Bieder


Während vooshell aus den Boxen perlt, erzählt Stefan Wedam die Geschichten und Begebenheiten, aus denen die einzelnen Tracks entstanden sind. Der Sound ist abwechslungsreich: Mal latinfunky, mal Cello-rockig, sowohl instrumentale Stücke wie auch Songs im Singer-Songwriter-Style. Starke Einflüsse aus Wedams Zeit in Südamerika sind unverkennbar vorhanden. Diese haben auch dazu geführt, dass das Album komplett akustisch geworden ist: „Ursprünglich wären schon für ein paar Nummern E-Gitarren angedacht gewesen, aber das wäre zu heftig geworden – es ist ja so schon ein so gewaltiger Stilmix.“ Die richtige Atmosphäre wird einigen der Songs durch selbstaufgenommene Ambience-Geräusche aus Bolivien (z. B. Brüllaffen-Schreie) verliehen. Zwei Jahre hat er an dem Album gebastelt (unterbrochen von Studio-Jobs, Pausen und Vaterschaft). Bis auf drei Nummern hat er alle Bässe, Gitarren und Celli selbst eingespielt. Die beiden letztgenannten Instrumente sind – neben seiner Stimme – seine „Hauptwerkzeuge“. Und wenn man selbst produziert, muss man sich natürlich auch selbst um alle Aspekte des Entstehungspro­ zesses kümmern: „Gerade die organisatorische Arbeit ist oft nerven­aufreibender als das Aufnehmen selbst. Und wenn nichts weitergeht, kann man niemandem sonst die Schuld geben.“ Inspiriert wird Wedam durch die Erlebnisse des Augenblicks. Die Instrumentale Asurata entstand beispielsweise während einem trägen, heißen Nachmittag in dem gleichnamigen Ort in Bolivien. Auf 2000 m Höhe im Hostal de las piedras („Hostel der Steine“) nach einer anstrengenden Reise über 6000er, durch den Dschungel und per Boot. „Das Land ist sehr hart und zehrt an den körperlichen Kräften. Es nimmt dich mit und macht dich fertig.“ Von ewigem Frühling umgeben relaxte man fünf Tage lang auf der Terrasse des Hostel und genoss den Ausblick auf die herrliche Landschaft und den Urwald im Tal: „Und du liegst in der Hängematte und klim­perst die ganze Zeit einfach so herum und dann kommen die Ideen.“ Und wie hat alles angefangen? „So mit fünfzehn auf der Gitarre der Mutter, dann ein halbes Jahr später: ‚Ich will eine E-Gitarre zu Weihnachten!‘“ Seine damaligen Helden waren u. a. Brian May (Queen), Joe Satriani und die Band Living Color. Der starke musikalische Background in seiner Familie bewegte sich vor allem im klassischen Bereich – Wedams Rebellion war die Liebe zur E-Gitarre. „Die Eltern hätten zu der Zeit eben lieber gehabt, wenn ich mehr Cello geübt hätte, als Brian-May-Riffs nachzuspielen“, lacht er. Die Art, wie Musik unterrichtet wird, sieht er ein bisschen kritisch. Der Drill verderbe oft die Freude am Musikmachen. „Meine persönliche Meinung ist: Auch klassische Musik ist nicht starr. Die ist ja leidenschaftlich und kann interpretiert werden.“ Sobald die Technik ordentlich erlernt und damit das Werkzeug geformt sei, solle mehr Wert auf Improvisation, Feeling und Weiterentwicklung ge­legt werden: „Die berühmtesten Musiker sind doch die, die nicht mit Scheuklappen durch die Welt gegangen sind, sondern etwas Neues ausprobiert haben.“

Er selbst entschied sich nach dem Zivildienst gegen die Orchesterarbeit und fing an, sein eigenes Ding durchzuziehen: Arrangieren, spielen und das Ganze mit Rock, Jazz und Funk vermischen. Obwohl ihm seine klassische Ausbildung am Cello oft sehr hilft und auch Spaß gemacht hat: „Aber es war einfach nicht so meins. Ich wollte nie der fünfte Cellist in der dritten Reihe sein.“ Eher sei er der Kontroll-Freak, statt selbst kontrolliert werden zu wollen. Ihm sei es wichtig, kompromisslos seine Musik machen zu können. Wedams Spiel ist bewusst anspruchsvoll: „Ich will nicht klingen wie ein Sänger, der ein bisschen Gitarre spielen kann, und auch nicht wie ein Gitarrist, der ein bisschen dazu singt. Es soll alles immer Hand und Fuß haben.“ Manche alten Stücke würde er mittlerweile anders machen – lässt es aber doch bleiben, um ihre Authentizität nicht zu zerstören: „Du gibst eben alles was du zu dem Zeitpunkt kannst, emotional und dem Stand deines Könnens entsprechend.“ So könne man auch im Rückblick zu allem stehen und zufrieden sein. Ab nach Südamerika ging’s 2006. Ein Jahr unterrichtete er in Bogota, Kolumbien, an der deutschen Schule E-Gitarre und Cello und leitete den Schulchor. Einmal kam er dort sogar zu einem Job in dem kleinen, aber feinen Home-Studio, das von Juanes’ Keyboar­ der betrieben wird. Danach ging’s mit Mindestgepäck ein halbes Jahr weiter, unter anderem durch Ecuador, Bolivien und Argentinien. „Sobald die Einheimischen sehen, du hast eine Gitarre umgehängt, kommen sie sofort, laden dich ein und wollen, dass du spielst.“ Nicht selten kommt es dann vor, dass die Zuhörer selbst ihre Instrumente auspacken und ein spontaner Jam entsteht. „Das ist so ein Lebensgefühl – einfach unbeschreiblich.“ Aus dieser Zeit stammen auch die starken spanischen und Latin-Einflüsse auf vooshell. Kurz vor Weihnachten 2007 kehrte Wedam in die winterkalte Heimat zurück. Anfangs fand er es schwierig, sich wieder einzugewöhnen: „Man merkt einfach, man selbst hat sich verändert und ein bisschen Latino-Lebensstil aufgesaugt. Und die anderen eben nicht. Für die ist alles noch wie zuvor.“ In Südamerika war er erstmals musikalisch auf sich gestellt gewesen, hatte Nummern geschrieben und neue Ideen entwickelt. Er entschied sich dagegen, eine neue Band zu formieren, sondern begann, am Album zu arbeiten. „Das Konzept dahinter ist: Ich kann jede Nummer solo spielen und singen, egal ob mit Cello oder Gitarre. Die Aufnahme im Studio wird sozusagen aufgefettet mit dem Rest“, erklärt er. Dadurch kann er sein komplettes Programm alleine, mit vollständiger Beset­­z­ung, im Duo oder im Trio spielen und ganz zur Location passend arrangieren. Die Live-Performance ist überhaupt seine Stärke und macht ihm viel Spaß. Das wird er schon bald unter Beweis stellen, nämlich im August auf seiner Deutschland-Tour. Davor wird er am Soundwave Croatia zusammen mit ESKA auf der Bühne stehen.

http://www.youtube.com/user/vooshell1

29


Musik

S h o rt Fac t s Albuminfo: Burn Brightly Alone (51:20 Spiellänge, 13 Tracks) Vocals: Wolfgang Weiss Guitars: René Kramer Bass: Peter Droneberger Schlagzeug: Paul Droneberger Fotos: Wolfgang Weiss Produktion: Tom Zwanzger & Peter Droneberger/ Stress-Studio, Graz (2010-2011) Mastering: Mika Jussila/Finnvox Studio, Hesinki/Finnland Portrait von Cornelia Schwingenschlögl, Fotos von Wolfgang Weiss/Cadaverous Condition

Das steirische Metal-Urgestein gibt nicht oft ein Lebenszeichen von sich, aber wenn, dann ein kräftiges. „Burn Brightly Alone“ heißt ihr soeben in Eigenregie veröffentlichtes Album. René Kramer, Gitarrist einer der dienstältesten(!) österreichischen Deathmetal-Bands, stattete uns einen Besuch in der Redaktion ab. 1990 ist das Gründungsjahr der Grazer Band Cadaverous Condition. In 22 Jahren tut sich einiges und mittler­weile sind sie zu vielseitig unterwegs, als dass die Bezeichnung Death Metal allein genügen würde. Das schreckt zwar eingeschworene Headbanger teilweise ab, andererseits sind der vierköpfigen Formation einige Fans der ersten Stunde bis zum heutigen Tag treu geblieben: „Die sind zwar mittlerweile über die ganze Welt verstreut, aber man hört immer wieder was von ihnen.“ Die bestellen auch immer wieder die Neuerscheinungen, auch wenn da neben klassisch hartem Geknüppel teilweise Songs drauf sind, in denen Growl-Gesang von fast romantischen Akustik-Gitarrenklängen untermalt wird. „So ein Publikum musst du ja erst mal finden“, stellt René trocken fest. Genregemäß ausgesehen haben sie sowieso noch nie: „Paul,

unser Schlagzeuger, hatte lange Dreads und Peter, unser Bassist, war Vollblut-Punk mit Iro und so weiter. Wolfi und ich waren immer eher die Normalos. So das richtige Metal-Outfit hatten wir eigentlich nie.“ Begonnen hat alles ja sowieso mit Grindcore, stark beeinflusst von Bands wie Carcass, „so richtig mit Skeletten und allem“. Mit der Zeit veränderte sich der Sound von selbst. René spielt Gitarre, seit er vierzehn ist, und gründete mit sechzehn die Band zusammen mit Wolfgang Weiss, dem Sänger. Bis auf den Bassis­ten, der zeitweilig durch einen anderen ersetzt worden war, und den zweiten Gitarristen, der vor sechs Jahren ausstieg, hat sich das Lineup nicht geändert. Die Zuständigkeiten sind klar verteilt: Das Songwriting findet in Renés Keller statt. Von dort aus werden die Aufnahmen nach Wien zu Wolfgang gemailt, der die Lyrics verfasst. Steht eine Studiosession oder ein Konzert an, versammelt sich das Metal-Kleeblatt zum Proben. Alle Aktivi­täten sind auf das Wesentliche reduziert worden. Dadurch können die Bandmitglieder gut ihre beruflichen und familiären Zeitpläne mit den musikalischen vereinbaren – sicher einer der Gründe, dass es Cadaverous Condition noch immer gibt. Bis auf den Vertrieb der Platten wird alles von der Band selbst er­ledigt und organisiert. „Das, was ein kleines Label für mich tun kann, kann ich selbst erledigen. Man hat ja jetzt viele Mög­lichkeiten via Internet und

30

http://www.cadaverouscondition.com, Facebook: https://www.facebook.com/CadaverousCondition


so weiter“, meint René. Burn Brightly Alone wurde also von dem 1995 selbst gegründeten Label herausgebracht. Nachdem ihr Debut­ album In Melancholy 1993 bei Lethal Records erschienen war, bekam man Lust auf elektroni­sche Experimente, mit denen das Label natürlich wenig anfangen konnte. Also brachte man Eisbär 90210 einfach selbst heraus. 2008 kam auch einmal eine Remix-CD namens Destroying The Night Sky heraus, an der z. B. Nurse With Wound oder Ali Helnwein mitgewirkt hatten. Die Full-LengthAlben dauern immer ihre Zeit – To The Night Sky hat auch schon wieder sechs Jahre auf dem Buckel. „Es gibt da kei­nen Druck bei uns“, meint René. Lieber sich mehr Zeit lassen, dafür umso inspirierter arbeiten. Live-Auftritte sind seltener geworden als in den ersten Jahren. Statt in kurzen Abständen in immer wieder denselben Locations aufzutreten, sucht sich die Band nun Gigs aus, auf die sie Lust hat und die gute Promo bringen: „Wir wollen von dem Erlebnis ja auch selbst was haben.“ So wurden zum Beispiel zwei Konzerte in Reykjavík gegeben, weil ohnehin alle in der Band gern mal Island sehen wollten. Auch der Gig beim Rockstation Festival 2004 in Ankara (Türkei) war die Reise wert: „Da haben auch sehr coole Bands gespielt, die mir selbst gefallen, zum Beispiel Sodom.“ Finanziell zahle man dabei zwar gewöhnlich drauf, sammle aber tolle Erfahrungen und träfe neue Leute. In der Zeit der ersten beiden Alben sei man schon noch viel in Österreich, Deutschland, der Tschechoslowakei und Slowenien unterwegs gewesen. Allerdings hätten sich die kleinen Festivals hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Frage kaum gelohnt. Man gehe in der Masse der Bands, besonders bei mehreren, gleichzeitig bespielten Stages, völlig unter. Stattdessen werden andere Wege beschritten, um die Welt auf sich aufmerksam zu machen. Man sei vertreten in Genremagazinen wie unter anderem Legacy, Metalhammer oder RockHard, steuern Songs zu Samplern bei und verschickt ReviewMaterial. „Da muss man aber drauf achten, dass man den richtigen Redakteur erwischt. Wenn dein Zeug bei jemandem landet,

der überhaupt nichts mit dieser Musik anfangen kann, kann das auch schiefgehen.“ In dieser Hinsicht hat man auch schon mal „Lehrgeld bezahlt“. Ausgerechnet, als sie in der Hoffnung auf professionelle Betreuung ein Promo-Unternehmen angeheuert hatten. „Seitdem machen wir alles selber.“ Das funktioniert am besten, auch aufgrund der langjährigen Erfahrung. Man kennt sich einfach aus in der Szene, hat bereits bestehende Kontakte und weiß, was möglich ist. Die Download-Problematik macht es nach Renés Meinung für neue Bands heutzutage schwerer, mit ihrer Musik Geld zu verdienen. Sich in vielen kleinen Shows mit wenig Ergebnis aufzureiben sei sinnlos und Supportgigs bei großen Shows seien oft einfach unleistbar. Darum macht sich Cadaverous Condition keinen Stress mehr. Besser entspannt bleiben und sich die Freude an der Sache bewahren: „Wenn wir was machen, dann machen wir das für uns selbst.“ Und welchen Metal hört der professionelle Metaller privat? René nennt als seine Lieblingsband Carcass – „Von denen kann ich mir echt vom ersten bis zum letzten Album alles anhören“ – aber auch Death, Morbid Angel, Obituary oder Pungent Stench hat er bis heute gern. Oft stöbert er auf YouTube nach neuen Bands und wenn ihm was zusagt, kauft er das Album. Seine neueste Entdeckung namens Toxic Holocaust haucht dem guten alten Thrash Metal neues Leben ein. Auch auf Konzerten trifft man ihn gelegentlich an: Laibach, die im Oktober nach Österreich kommen werden, wird er sich auf jeden Fall anschauen. Was die Band betrifft, existieren noch keine fixen weiteren Pläne. Der „leichenhafte Zustand“ wird aber auf jeden Fall auch weiterhin andauern.

31


Musik

Slip Into

My World Of Music Porträt von Cornelia Schwingenschlögl, Fotos von Birgit Kniebeiß

Eine Venue. Ein Mikrofon. Ein Typ ohne Instrumente, stattdessen mit „Chaos-Pad“. Und der groovt ganz allein wie eine ganze Band, respektive ein ganzes DJ-Set. Es ist die Nacht, in der die „Looping The Earth Tour 2012“ von Georg Viktor Emmanuel im Club wakUum in Graz Halt macht. Die erste Frage bejaht Georg ohne zu zögern: Es gibt so viele Beatbox-Richtungen, wie es Beatboxer gibt. Gerade ist er vom ersten Abschnitt seiner Tour zurückgekehrt: „Italien war eine Herausforderung!“ Schon seit seinem 11. Lebensjahr habe er davon geträumt, als Musiker durch die Welt zu ziehen. Später studierte er eine Weile Jazz-Gesang. Lange Zeit sang er in Bands. Nachdem man sich getrennt hatte, beschloss Georg, es mal auf eigene Faust zu versuchen. Seit zwei Jahren erst macht er sein Soloprojekt, mit dem er nun die ganze Erde loopen will. Im Jänner 2010 gewann er zu seiner eigenen Überraschung den Kultband Contest der Volksbank. Damals kaufte er in Ermangelung einer Band seine erste Loopstation, die er immer noch verwendet. Im März 2010 geht er’s ernsthaft an und beginnt, Beatboxen zu lernen. Zur Vorbereitung der Tour machte er 2011 in Amsterdam seine Streetshow: „Ich wollte wissen, was auf mich zukommt. Wie das Auf-der-Straße-Spielen überhaupt geht und so weiter.“ Dabei wurde ihm klar, dass er noch nicht weit genug war und er verschob den Start auf 2012. Das Tourkonzept hat er allein erdacht. Er hat aber einige Leute, mit denen er bei der Umsetzung zusammenarbeitet. Zum Beispiel mit seinem Filmemacher Michael Murnau: „Wir sind so eine Art kreatives Team. Er ist ganz anders als ich und das ergänzt sich gut. Dabei kommen Ideen heraus, an die man alleine nie denken würde.“ Die Looping Earth Tour hat verschiedene Aspekte: Die Interaktivität ist der erste Punkt. Jeder kann mitbestimmen, wo es hingeht, voten und Ideen einbringen. Was möglich ist, wird umgesetzt. Auch wenn er gelegentlich in Clubs oder auf kleineren Festivals auftritt, ist die Straßenmusik der Schwerpunkt. Der erste Flashmob-Event wird in Budapest stattfinden. Die Tour lebt von spontanen Aktionen. Vor wenigen Tagen mutierte zum Beispiel Maribor zum Videodrehort. „Und da waren plötzlich fünfzehn, zwanzig Leute dabei – in einem Land, wo ich keinen kenne, wohlgemerkt!“ Darum geht es Georg hauptsächlich: Das Potential nutzen, das zwischen ihm und den Menschen entsteht, die er „auf der Straße“ trifft. In den nächsten

sechs Monaten, die ihn durch siebzehn Länder führen werden, kann noch so manches passieren. Den Ort für das letzte Konzert am 21. Dezember 2012 sollen die Leute im Internet bestimmen. Bis dahin wird er vielerorts zu hören sein. Dabei arbeitet er teilweise spontan, teilweise mit fixen Songkonstrukten – „Doch trotzdem sind die Songs nie komplett gleich.“ Auf der Straße läuft alles anders, mit Club-Gigs habe das nichts zu tun. „Es ist gewöhnungsbedürftig. Aber ich find’s geil. Man wächst mit diesen Auftritten.“ Oft bleiben gerade die Leute stehen, von denen er es nicht gedacht hätte. Manche glauben, er mache nur Playback. Dass viele einfach vorbeigehen, dürfe man nie persönlich nehmen: „Seit ich das selber mache, bewundere ich jeden Straßenmusiker. Das ist echt kein Zuckerschlecken.“ Bei einem Straßengig lerne er zehnmal soviel wie bei jeder normalen Show. Die Weiterentwicklung sowohl als Musiker wie auch als Mensch ist das Ziel. „Du musst lernen, ganz bei dir selbst zu sein. Und wenn du deine Musik dann selber spüren kannst, dann hast du auch die Ausstrahlung, die die richtigen Leute anzieht. Und die Straßenmusik zwingt dich dazu.“ Durch das interaktive Tour-Diary auf www.looping-earth.com kann jeder ein bisschen mitreisen und miterleben, wie es einem geht, der „einfach“ alles aufgegeben hat und losgezogen ist. „Wurscht, was dabei rauskommt. Es kann ja auch voll in die Hosen gehen.“ Von dem Projekt menschlich profitieren werde er auf jeden Fall, egal ob sich die damit verbundenen Karrierewünsche erfüllen oder nicht. Auch der Auftritt im Club wakUum hat mehr eingebracht als erwartet. Schon ist ein Termin mit den beiden Support-Acts des Abends (Edo Mjusik und Gregor Staudinger) vereinbart, an dem man sich treffen, quatschen, jammen und voneinander lernen wird. Ein Live-Album ist in Arbeit, der Gang ins Studio ist für nächstes Jahr vorgesehen. Auch da werden die Instrumente draußen bleiben müssen. Dem Beatboxen wird er hundertprozentig treu bleiben. „Es macht mir einfach solchen Spaß, was man nur aus der Stimme machen kann. Diese Musik ist was Besonderes.“

32

http://www.looping-earth.com, Facebook: https://www.facebook.com/georgviktoremmanuel, YouTube: http://www.youtube.com/georgviktoremmanuel


Musik

Rant „Es ist uns wichtig, stets unseren eigenen Weg zu gehen – beim Songwriting und auch live. Bands, die halt so klingen wie … und so aussehen wie … gibt‘s schließlich schon genug“, sagt Martin, Sänger von RANT. Seit 2003 tourt die Band mit einem einmaligen Mix aus harter Rockmusik und melodischem, emotionalen Metal durch ganz Österreich. Zahlreiche Konzert- und Festivalbesucher konnten sie bereits mit ihrer energiegeladenen Live-Performance überzeugen. Im Moment verbringen die fünf Jungs aus Kapfenberg viel Zeit mit der Arbeit an neuen Songs und können es bereits kaum erwarten, diese wieder live zu performen. Aktuelle Konzertdaten, sowie das Musikvideo zur Single alive gibt’s auf der Homepage der Band – oder ihr liked RANT einfach auf Facebook!

Kontakt: http://www.rant-world.com/ https://www.facebook.com/rantworld booking@podium.at

33


Teil 2

Wolfis Vinyl-Ecke

If

Kolumne von Wolfgang Trummer, Fotos von Sebastian Patter

Da s Bes te vo m B est e n – J az zRock Im Jahre 1969 war sie fällig, die erste englische Jazz-Rock-Formation im Stil der früheren Chicago oder Colosseum. Dick Morrissey (Saxophones, Flute), einst als Wunderkind des Jazz bezeichnet, und Terry Smith (Guitar), beide im Melody Maker (ältestes Musikmagazin Englands) im Genre „Jazz“ ausgezeichnet, suchten bis 1970 Mitspieler für ein gemeinsames Bandprojekt. J. W. Hodkinson (Vocals, Percussion) hatte schon bei Georgie Fame gesungen. Dave Quincy (Saxophones) hatte mit Jet Harrys, Ronny Scott (beide Jazzer) und mit der Band Blind Face (Cream-Nachfolger) gespielt. John Mealing (Vocals, Piano, Organ) hatte eine klassische Orgelausbildung hinter sich. Jim Richardson (Bass) hatte über leichten Pop mit Scott Walker zum Jazz gefunden (er spielte Vinyl-Alben auch kurz bei der Keith Tippett Group). Mit Denis Eliot (Drums) war die Suche nach Bandkollegen beendet. Diese Einheit von Musikanten kreierte die wiedererkennbare, originelle und - IF 1970 aufregende Verschmelzung von Hardrock und Jazz, sogar leichte Einflüsse von Klassik sind zu - IF“2“ 1970 hören. Der Drive des Hardrocks und die unbegrenzte Ausdrucksmöglichkeit des Jazz machen - IF“3“ 1971 If zu einem unvergesslichen Klangerlebnis.

- IF“4“ 1972 If wurden in Amerika zur Hoffnung des Jahres 1970 erkoren. Die LPs hielten Einzug in die US-Charts. Auch in ihrer Heimat England waren sie erfolgreich. 1972 verließen Jim Richardson, Denis Elliott und John Mealing (der sich Doldingers Passport anschloss) If. Die neuen Mitspieler waren Steve Rosenthal, Cliff Davies (Ex-Roy Young Band) und Pete Arnesen. Große Trauer herrschte bei den Fans als If sich auflöste. Ende 1973 formierten Dick Morrissey und Cliff Davies die Band neu. Mit Geoff Whithorn, Gabriel Magno und Walt Monaghan entstanden die beiden letzten Alben Not Just Another Punch of Pretty Faces und Tea Break Over, Back on Your `Eads, beide 1974. Danach war das Ende der Gruppe If besiegelt, die Wege der Musiker trennten sich …

34

oder - Waterfall 1972 (German press/different Tracks) - Double Diamond 1073 - Not Just Another Punch Of Pretty Faces 1974 Tea Break Over, Back On Your ‘Eads 1974


35


Musik

Kunst, um sich selbst zu finden Entlockungsversuch und Fotos von Olivia Fürnschuß

Nahe der Grazer Kunst-Uni lebt der Pianist Oliver Majstorovic. Das X-Rockz hat versucht, ihm Biographisches zu entlocken.

„Kunst

befreit!“

„Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“ – Dieses Zitat Ludwig van Beethovens ist eines der ersten Dinge, die man auf Oliver Majstorovics Homepage zu lesen bekommt. Im Gespräch erweist sich der vielseitige Musiker als gebildeter und vor allem höchst kunstinteressierter Mensch. Er denkt nach, bevor er antwortet und verwendet immer wieder Vokabel, die in der Umgangssprache selten geworden sind. Oliver Majstorovic wählt seine Worte mit Bedacht. Er spricht nicht gerne über Persönliches, auch nähere Ausführungen über seine äußerst stilvoll möblierte Wohnung will er an dieser Stelle nicht lesen. Sein privates Umfeld tut nichts zur Sache, über seine Kindheit verrät er gerade soviel, dass man den Eindruck gewinnt, man habe es hier mit einem Menschen zu tun, dessen musikalisches Talent bereits früh gefördert wurde. Der in Zagreb aufgewachsene Pianist hat bereits in jungen Jahren Konzerte im In- und Ausland gegeben. In seiner Wahlheimat Graz studierte er dann Klavier und hat vor einigen Jahren auch zu malen begonnen. Für ihn ein weiterer Weg zur Befreiung. Möglichst groß­formatig, möglichst bunt. Und so wenig Majstorovic sonst über sich selbst preisgeben will, so wichtig ist ihm seine Message: Kunst befreit. Egal ob Musik, Malerei, Bildhauerei – jeder kann durch den künstlerischen Ausdruck besser zu sich selbst finden. Und daraus sollte jeder Mensch seinen Nutzen ziehen. Vor Grazer Publikum zu hören sein wird Oliver Majstorovic spätestens wieder im Herbst dieses Jahres. Er beschäftigt sich momentan mit Glanzpunkten der Klavierliteratur. Bilder einer Ausstellung von Modest

36

Mussorgski zum Beispiel. Oder Chopins Preludes. Stücke, die ausser technischem Können auch geistige und körperliche Kondition erfordern. „Das Klavier braucht viel Zeit“, sagt der Musiker. Und so offen er auch für alle anderen Kunstsparten sein mag, der scheue Oliver Majstorovic ist in erster Linie ein leidenschaftlicher Pianist. Und er läßt am liebsten das Klavier sprechen.


Oliver Majstorovic

Konzert am Fr. 28. Sept. 2012, Konzertbeginn: 19.30 Uhr, R at h a u s W o l f s b e r g - Ko n z e r t s a a l , R at h a u s p l at z 1 , 9 4 0 0 W o l f s b e r g VVK: € 16,- • AK: € 22,– • Studenten & Schüler: € 10,T i c k et s e r h ät l i c h u n t e r t i c k et s @ g x s o u n d . c o m K o n z e r t- I n f o l i n e : + 4 3 6 5 0 2 1 5 0 9 7 5 o d e r + 4 3 6 6 4 1 1 2 8 6 4 1

Sie wollen Werbepartner dieser Veranstaltung sein? Schicken Sie eine Anfrage an sales@x-rockz-magazin.com!

Geschäftslokal: Moserhofgasse 53, 8010 Graz Ausstellungsraum: Bambergerstraße 2, 9400 Wolfsberg


Kunst

Somewhere between heaven and hell Portrait von Peter Gigerl, Artwork und Fotos von Mario Rencher

Totenköpfe wo man hinschaut. Man möchte meinen, jemand der hier wohnt, besitzt ein dunkles Gemüt. Man könnte falscher nicht liegen. Der Künstler hinter den Schädeln ist der gut-gelaunte Mario Rencher. Wochentags als Lagerarbeiter beschäftigt, kreiert der 36jährige Wahl-Grazer Horror-Artworks. Vor allem, weil es ihm selbst Freude bereitet. Seit 2009 erstellt er ein Bild nach dem anderen, wobei er zumeist eine Skizze zeichnet und später mittels Graphic-Tablet das Artwork direkt am Computer fertigstellt. Mittlerweile hat Mario einen Vertrag bei Bertelsmann, für den er Klebefolien für Handys, Computer oder Skateboard-Decks gestaltet.

38

Als Inspiration für seine düsteren Ergüsse nennt der Hobby-Tätowierer Heavy Metal und Gottfried Helnwein. Daß der dreifache Familienvater auch ganz anders kann, beweisen seine Aquarelle von Engeln, die er für eine Werbekampagne zu Weihnachten gemalt hat. Die große Leidenschaft sind und bleiben aber die Totenköpfe und Skelette, die man als Druck ab € 150,- erwerben kann. Für die Zukunft wünscht sich der Künstler, Artworks für Bands anzufertigen und auch mal eine Vernissage auf die Beine zu stellen.


HIER KOCHT DER CHEF NOCH SELBST www.steineggerfilm.at

Mario Rencher, Dauerausstellung seiner Engelmotive „Gezeichnet“ ganzjährig bei Goldschmied Primus in 9400 Wolfsberg.

Wanna be

part of it? Wir suchen Autoren, OnlineRedakteure und Journalisten in und für alle Bundesländer! Möchtest du über die Kunst- und Kulturszene in deiner Umgebung berichten? Mit deinen Artikeln unser Wissen bereichern? Deine Lyrik oder Kurz-Prosa veröffentlichen? Schick deine Kontaktdaten und Textproben an redaktion@x-rockz-magazin.com 39


Design

Heute sitzen wir vorne! Liebeserklärung von Clemens Berndorff, Fotos aus dem BMW-Archiv

Die 80er Jahre: Twix hieß noch Raider, Michael Jackson war noch dunkelpigmentiert, Ex-Bundespräsident Waldheim durfte noch in die USA einreisen, Opa fuhr noch einen 123er Benz und Onkel Horst gar einen 635er BMW. Vom Rücksitz aus spähten wir nach vorne und malten uns aus, wie es wohl sein würde, wenn wir endlich groß sind und selbst am Volant drehen. Das ist die Generation 30. Die Generation Youngtimer.

Onkel Horst ist mein Onkel. Und im Gegensatz zu meinem Vater, der damals einen weißen Subaru Leone mit Automatik und unglaublichen 90 PS pilotierte, fuhr Onkel Horst das beste, was die Bayern damals auf die Strasse stellten: Einen BMW M 635CSI, mit sage und schreibe 286 PS. Für Mitte der Achtziger Jahre war das bombastisch. Und auch heute können sich die Fahrleistungen sehen lassen: 255 Spitze, von 0 auf 100 in knapp über sechs Sekunden. Gerade einmal 1500 Kilo Eigengewicht. Damals waren große Coupés noch leichter als heute die Sport­wagen. Man kam auch ohne 20 Airbags, 10 Fahrstabilitätsprogramme und 40 Parksensoren aus. Apropos Fahrstabilitätsprogramme: Damals musste man noch fahren können, um schnell zu sein. Heute kann das jeder Vollidiot. Die Automatisierung lässt grüßen. „M“ steht übrigens für „Motorsport GmbH“, die Abteilung für richtig scharfe Waffen bei BMW. Und als diese Herrschaften im 1984er Jahr den von Paul Bracq entworfenen 635er überarbeiteten, war die Welt noch in Ordnung. Sommer 86: Ich erinnere mich noch daran, als ob es gestern wäre: Tiefschwarz, mit breiten Reifen, ewig langer Motorhaube und bösem Haifischmaul glänzte er im frühsommerlichen Abendlicht. Gierig am Asphalt leckend und jederzeit zum Zubeißen bereit. Eigentlich wirkte er wie ein autogewordener, wunderschöner deutscher Schäferhund. Anfangs traute ich mich gar nicht, ihn anzufassen. Damals wurden Autos nicht nur schützend für den Fußgänger, den man ja anfahren könnte, konstruiert, sondern für den Fahrer. Und dieser ebengenannte BMW ist ein fabelhaftes Beispiel dafür: Das Instrumentenbrett umschmeichelt den Piloten regelrecht. Alles ist leicht und ergonomisch perfekt für den Fahrer erreich-

bar, ohne dass er seine Aufmerksamkeit von der Strasse abwenden müsste. „Fahrerorientiertes Cockpit“ nannte das BMW damals. Keine tausend Schalter für allen möglichen überflüssigen Firlefanz, sondern die reinste Fahrmaschine. Als ich endlich den Mut zusammen hatte, diese lange, schwere Türe von Bracqs Meisterstück zu öffnen, überwältigte mich fünf­jährigen Lausbuben der Duft von wunderschönem senfbraunem Büffelleder. Für die fünf Büffel, die dafür gestorben sind, muss es eine Ehre ge­wesen sein, ihre Haut für das damals schnellste deutsche Serienauto zu spendieren. Ich staunte nicht schlecht über das, was einem im Bauch dieses Boliden geboten wurde: Ein an einen Düsenflieger erinnerndes Cockpit, futuristische Digitalanzeigen für Klimaanlage und Bordcomputer, im Mittelpunkt ein wunderbares Lenkrad mit dem Logo der M-GmbH. Ich erinnere mich noch, als sich die letzten Sonnenstrahlen dieses wunderschönen Juniabends mit den Logo-Farben Estorilblau, Velvetblue und Imolarot herrlich vermischten. Alles wirkte so irrsinnig futuristisch und neu auf mich. Nur einmal bin ich mitgefahren. Natürlich musste ich hinten sitzen. Doch trotz straffem Fahrwerk und duftendem Nappaleder wurde mir furchtbar schlecht. Zwischen den wunderschön be­ lederten Kopfstützen, vorbei am nicht minder wunderschönen Kopf meiner damals noch jungen Tante, kotzte ich bei der vorderen Seitenscheibe raus in die wunderschön blühende steirische Natur. Wenn ich damals nur gewusst hätte, dass die hinteren Seitenscheiben elektrisch versenkbar sind, wäre mir eine Katastrophe erspart geblieben. Das ganze Malheur hatte auch sein Gutes: Seitdem durfte ich bei meinem Onkel immer vorne sitzen.


Mein Onkel Horst verkaufte den Wagen leider sehr bald wieder, da mein Cousin auf über 1,90 angewachsen war und auf den billigen Plätzen keinen Platz mehr fand. Nach dem „M“ kam noch ein toller BMW 745er Turbo und dann irgendwann ein schnöder Opel Senator. Leider. Ich glaube, ich war sehr traurig darüber, als mich eines Tages das liebgewonnene Haifischmaul nicht mehr begrüßte. Aber Papa wurde mit dem Subaru auch nicht alt. Der Japaner machte Harakiri und warf sich nach ein paar Jahren dem massiven Rostbefall zum Fraß vor. Schlussendlich gab auch die Automatik irgendwo in steirischen Bergen den Geist auf. Ein jähes Ende für ein furchtbar normales Auto. Keine Träne wurde damals vergossen. „Diese Autos heute, sie schauen allesamt, als hätten sie in eine Zitrone gebissen! Diese verzweifelten und vulgären Visagen! Diese hochstehenden Ärsche! Was ist los? Nehmen die Designer die falschen Drogen? Will man in so einem Auto mit seinem Mädchen herumfahren?“ Clint Eastwood im Interview mit der SZ. Sommer 2012: Vor ein paar Wochen sah ich ihn wieder; meinen Star der 1980er Jahre. Von seiner eleganten Grimmigkeit hat er nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Unter all den vom Windkanal rundgelutschten, einfallslosen Karren mit ihren hochstehenden Ärschen wirkt er wie ein Ding von einem fernen Planeten. Seine leichte Patina steht ihm gut; wie George Clooney die grauen Haare. Der schmale Dachaufbau und die hohen Seitenscheiben wirken heutzutage gewöhnungsbedürftig. Zu sehr haben wir uns an hohe Gürtelli­nien und an Fenster, schmal wie Schießscharten, gewöhnt. Schade, denn der BMW hat einen wunderbar lichtdurchfluteten Innenraum und eine perfekte Rundumsicht. Ihr lieben Autodesigner! Baut doch wieder so etwas! Wo sind die Meilensteine der Designkultur geblieben? Was ist mit der „Architektur für die Strasse“ bloß passiert? Was nützen beheizte, ventilierte, hundertfach verstellbare Sitze, die einem auch noch den Rücken massieren, wenn man sich nicht und nicht wohlfühlen kann? Was bringen LED-Licht und 22-Zoll-Felgen wenn einem

beim Anblick seines mühsam erworbenen Vehikels vor Langeweile die Augen zufallen? Im Laufe der jüngeren Geschichte des Automobils hat es immer wieder Anstalten gegeben, Designikonen neu zu beleben und zu interpretieren. „Retro-Design“ nannte man das fortan und in den meisten Fällen ging es ziemlich in die Hose. Man denke nur an die stilistische Entgleisung VW-Beatle oder den nicht minder missglückten Mini-Cooper. Die einzigen, die Designikonen relativ gut wiederbeleben können, sind die Amerikaner. Chevrolet Camaro, Ford Mustang und Dodge Challenger werben erfolgreich um die Gunst Ihrer jungen Käufer. Trotzdem: Soweit das Auge reicht, findet man in heutigen Interieurs eine mehr oder weniger billige Plastikwüste. Keine chromeingefassten Instrumente, keine Schalter aus echtem Metall und kein Lenkrad aus Bakelit. Damals wurden Autos eben noch für die Ewigkeit gebaut. Alles wirkte wie aus dem Vollen gefräßt. Natürlich braucht ein Youngtimer mehr Sprit. Doch mit dem jährlichen Wertverlust eines Neuwagens kann man locker das ganze Jahr über tanken und meist auch alles warten und instandsetzen. Apropos Nachhaltigkeit: Die Herstellung eines neuen Autos ist erwiesenermaßen ziemlich umweltbelastend. Und zwar so sehr, dass es sich lohnt, alte Autos zu erhalten und weiterzufahren. Darüber hinaus ist man Erhalter von automobilem Kulturgut. Auch wenn es Umweltschutzextremisten nicht wahrhaben wollen: Die Fortbewegung mittels Verbrennungsmotor ist mittlerweile weit über 100 Jahre alt und fester Bestandteil unserer Kultur. Ein schönes Jugendstilhaus wird ja auch nicht abgerissen, nur weil es unökonomisch zu heizen ist. Also, worauf warten wir noch? Billiger werden die meisten sicher nicht mehr. Und schon gar nicht ein BMW 635 CSI. Lange bin ich noch vor ihm gestanden, vor meinem Star der 80er Jahre. Seine treuherzigen Augen blickten mich an und sagten: „Kauf mich! Kauf mich! Ich brauche Auslauf! Brettere mit mir über die Bahn! Mit 250 Sachen!“ Ich glaube, ich sollte mal mit meinem Bankbetreuer sprechen …


Wir schreiben den 30. Mai 2012. Hitze und dunkle Wolken breiten sich aus. Irgendwo in Graz befindet sich ein Lokal, das unver­ kennbar von Musikliebhabern betrieben wird und wie eine amerikanische Stadt heißt. Kenner/X-Rockz-Magazinleser wissen hingegen, dass der Namensgeber des Cafés eine Band namens Sir Lord Baltimore war. Dort soll an diesem besagten Tag die große Schießerei stattfinden. Das ganze Lokal wird zu einer einzigen Kulisse, wo das Leben Theater spielen soll. Der für seine präzisen Schüsse berüchtigte Sebastian Patter betritt jenen Ort mit jeder Menge auffälligem Equipment und einem Assistenten, der ihm beim ganzen Geschehen behilflich sein soll. Seine Hand­griffe führt er geschickt und routiniert aus, als

wären ihm Ereignisse dieser Art wohlbekannt. Eine Lady, bekannt als Pinky Bonita, ist ebenfalls auf das Ereignis vorbereitet und und zerrt ihre bunten kleinen Waffen, in Köfferchen verpackt und als Makeup getarnt, sowie jede Menge Kostüme herbei. Sie fackelt nicht lange und nimmt jedes anwesende Mitglied der X-RockzGang nach der Reihe unter ihre Fittiche. Und das ganze Theater nur, um die Individuen und ihre Tätigkeiten beim Magazin in uriger und signifikanter Kulisse darzustellen. Inzwischen hat der Fotokünstler sein Equipment schon längst an Ort und Stelle aufgebaut und wartet in lässiger Lehnpose auf das Abdrücken. Er schlichtet uns in seine Zielscheibe und überlegt, wie er uns am besten treffen kann. Wir erstarren mit unseren Accessoires, wie hinter Schutzschildern, in den uns zuge­wiesenen

sich von Sebastian Patter ablichten und bearbeiten zu lassen. Positionen. Wir inszenieren ein geschäftiges Ambiente in einem Lokal, in das selbstverständlich, genauso wie immer, die Autoren ihre Schreibutensilien mitbringen, die Fotografen ihre Kameras, der Verkäufer die „große Kohle“, der Herausgeber sein iPad, die Grafikerin einen Riesenbleistift und nebenbei stößt man noch an: Auf das X-Rockz, Kollegen! Sebastian Patter arrangiert jeden Zentimeter der Kulisse und oft geht es nur um eine falsch positionierte Hand oder ähnliches, die er an unseren Posen bemängelt. Bis alles für den endgültigen Schuss sitzt, sind die erstarrten Positionen schon schwer zu halten. Doch wir bleiben gespannt und bewaren die Haltung. Nach ein paar Minuten ist alles vorbei. Der Aufwand hat sich gelohnt, das Ergebnis kann sich sehen lassen!

X-Rockz konnte es sich natürlich nicht entgehen lassen, die Gelegenheit zu nutzen und

Erlebt von Simone Jahrmann, Foto von Sebastian Patter

Das Leben ist ein Theater


Titelstory

Sebastian Patter Portrait von Simone Jahrmann, Fotos von Sebastian Patter

Mehr als „Nein“ k ö n n e n s i e n i c h t s ag e n Sebastian Patter kam zur Fotografie, wie die Jungfrau zum Kinde. Als „eigentlich“ Beamter bringt er nicht nur in seine Bilder hohen Kontrast. 44


Er würde uns ja gerne von seiner langjährigen Erfahrung mit der Fotografie erzählen, doch das bleibt aus. Denn Sebastian Patter fotografiert erst seit zwei Jahren („Ich bin recht jungfräulich in die Fotografie gestolpert“), auch wenn ihm das beim Anblick seiner Fotos niemand glaubt. Sein Stil, unverkennbar, kantig und rauh, seine Portraits wie gezeichnet. Die Portraitierten (wie) gezeichnet vom Leben. Zurzeit tunkt er seinen großen Zeh in die Gewässer der Sportfotografie und hat damit eine Leidenschaft entdeckt. Doch er experimentiert noch in allen möglichen Genres herum, um seines zu finden. Seine Fotografenausbildung war autodidaktisch, YouTube und Konsorten waren seine Meister. Die Meisterprüfung selbst verweigert er, denn die Bedingungen wären weder zeitgemäß noch brauche er sie für seine Fotografie. Seine Bilder allein bestechen. „Ich tu’ niemandem weh mit meinen Bildern“, sagt er, und das ist ja auch wahr. Er lässt sich von Techniken bekannter Fotografen inspirieren und bastelt daraus seine eigene Handschrift. Natürlich muss man sich als Fotograf oft sagen lassen: „Deine Fotos sehen aus wie…“, aber wenn sie schon aussehen wie von bekannten Fotografen, kann es nicht so schlecht sein, meint das Fotografengenie. „Man kann

sowieso das Rad nicht neu erfinden in der Fotografie“, offenbart er uns, „denn es hat alles schon gegeben.“ Sebastian Patter lässt sich definitiv nicht in das Bild eines typi­ schen Fotografen zwängen. Er wird keine Klassenfotos machen, um überleben zu können. Der junge Fotograf arbeitet daran, sich mit seiner Fotografie einen Namen zu machen, um vielleicht eines Tages davon leben zu können. Er weiß um die Risiken als beruflicher Fotograf und gesteht: „Des Geldes wegen darf man es nicht machen.“ Er möchte Aufträge annehmen, die ihm Spaß machen und interessant sind und lehnt auch Aufträge ab, für die er technisch nicht perfekt vorbereitet ist. Es soll nur erstklassige Qualität von ihm zu erwarten sein. Und seine Bilder sprechen für sich, ausdrucksstark und eisern. Sein Werk ist für ihn Kunst, der Weg dahin kann aber nur durch Wissen und Handwerk beschritten werden. Sein nächster Meilenstein soll sein, für eine Sportbildagentur zu fotografieren, Möglichkeiten tun sich bereits auf. Seine bisherigen Gelegenheiten, Größen wie zum Beispiel Alice Cooper mit Orianthi Panagaris oder Skunk Anansie vor die Linse zu bekommen, ergriff er durch „einfach fragen, mehr als nein können sie nicht sagen“.

http://www.patter.at

45


Fotos von Sebastian Patter


Special Deals für Vereine!

Zu beschäftigt mit Musik machen, malen, fotografieren, schreiben, etc. um immer an die Trafik zu laufen und das neue X-Rockz zu kaufen? Dann hol’ dir schon jetzt dein X-Rockz-Abo 2012 + 2013:

GRATIS: Die erste Ausgabe des X-Rockz-Magazins (solange der Vorrat reicht)

Alle Ausgaben des X-Rockz-Magazins ab April 2012 Dein persönliches Exemplar aller 6 Ausgaben des Jahres 2013, und zwar immer schon einige Tage bevor das Magazin im Handel erhältlich ist.

Coole Schmankerl & Geschenke für neue Abonnenten & Weiterempfehlungen!


Fotografie

Mirja Geh: Eine fliegt mit den

Thomas Morgenstern, Gregor Schlierenzauer, Felix Baumgartner, David Alaba – Mirja Geh hatte sie alle. Vor der Linse. Doch auch für weniger Sportbegeisterte lohnt sich ein Blick ins Portfolio der Bad Ischlerin. Dem X-Rockz hat Mirja Geh einige Fragen beantwortet. XRM: Mirja, wie hast du den heutigen Tag verbracht? Mirja Geh: Ich hatte ein Mountainbike-Shooting mit Olympiateilnehmerin Lisi Osl in Kirchberg/Tirol. Es war supernett mit ihr. Als nächstes gehts nach Seefeld zur österreichischen Fußball-Nationalmannschaft und dann zu einem Shooting mit Lindsey Vonn. Volles Programm momentan ... Viele Fans würden sich wahrscheinlich das linke Ohrläppchen abbeißen, um mit Gregor Schlierenzauer oder Anna Fenninger einige Stunden verbringen zu dürfen. Du scheinst mit den großen Wintersportlern unserer Zeit bestens bekannt zu sein. Wie hat sich das ergeben? M.G.: Zu den ‚Adlern‘ bin ich vor Ewigkeiten durch Wolfgang Loitzl

gekommen. Wir kennen uns seit wir 18 sind und irgendwann hab ich mir gedacht, mal eine Ausstellung beim Skifliegen am Kulm zu machen und ein paar von den Springern zu fotografieren. Irgendwie bin ich da hängengeblieben. Jetzt fotografiere ich halt Thomas Morgenstern oder Schlieri für Red Bull, Martin Koch oder Anna Fenninger für eine Fotostory im Sportmagazin.

Mirja Geh

E-Mail-Korrespondenz von Olivia Fürnschuß, Fotos von Mirja Geh

Felix Baumgartner

Adlern ... Der richtige Moment, das richtige Licht, absolute Schärfe, hier und da eine Prise Glück ... Dingen einen Plan zu bekommen, habe ich dann die Berufsschule nachgemacht und anschließend die Meisterprüfung. Der richtige Moment, das richtige Licht, absolute Schärfe – Was macht letztlich den Unterschied zwischen einem schönen Bild und einem richtig geilen Foto?

M.G.: Genau diese drei Dinge. Hier und da muss auch eine Prise Glück dabei sein. Und die Perspektive muss auch passen. Deine Fotos sind qualitativ sehr hochwertig. Welches Equipment verwendest du?

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

M.G.: Ich bin quasi als Quereinsteigerin zur Fotografie gekommen und habe mir das Meiste selbst beigebracht. Um von den technischen 48

M.G.: Ich habe Canon Equipment. EOS 5D Mark II, EOS 5D Mark III, EOS 7D und dazu alle Objektive, die man so braucht. Vom Fisheye bis zum Tele.


Thomas Morgenstern

Als ausgebildete Fotografin hast du bestimmt auch noch analoge Zeiten miterlebt. Inwiefern hat sich die Fotografie im digitalen Zeitalter verändert?

M.G.: Durch die digitale Fotografie sollten Bilder oft schon veröffentlicht sein, bevor sie überhaupt entstanden sind. Es ist halt alles schneller geworden. Zumindest für aktuelle Tagesmedien. Und da so ziemlich jeder inzwischen eine digitale SLR-Kamera besitzt und sich davon einige ‚Fotograf‘ nennen, leidet eben auch oft die Qualität der Bilder darunter.

M.G.: Ich denke, das Wichtigste ist, seinen eigenen Stil zu finden und rauszufinden, in welcher Sparte der Fotografie man sich zuhause fühlt. Bei mir ist das z.B. die Sport-, People - und Werbefotografie.

Lindsey Vonn

Was würdest du jungen Leuten raten, die sich als Fotografen etablieren wollen?

Welche Begebenheiten wären bis jetzt die Highlights in deinen Memoiren?

Du hast dich mit deinen Fotos auch am Protest gegen den Hundemord in der Ukraine im Rahmen der EM beteiligt. Für was lohnt es sich zu kämpfen? Kann die Fotografie die Welt verändern?

M.G.: Schwer zu sagen. Das Tolle an meinem Job ist, dass ich immer wieder neue Leute kennenlernen darf, zu denen man sonst eher schwer Zugang hat, weil man sie halt nur aus den Medien kennt. Eine coole Begebenheit war z.B. als ich für einen Job mit dem Red Bull Skydive-Team Felix Baumgartner als persönlichen Fotohelikopter-Pilot ‚zugeteilt‘ bekommen hab. Oder als ich Natascha Badmann kennenlernen durfte – die Frau ist der pure Sonnenschein!

M.G.: Auf alle Fälle lohnt es sich zu kämpfen! Ich habe via Facebook über die beschissenen Zustände in der Ukraine erfahren und finde es einfach nur abartig, wie gewisse Völker mit Tieren umgehen. Ich habe überlegt, wie man als Einzelperson etwas tun kann, um mehr publik zu machen, was dort drüben abgeht. Also habe ich mir gedacht, was ich tun kann, ist, meine Kontakte zu bekannten Sportlern zu nutzen und sie zu fragen, ob sie sich mit einer Message gegen das Hundemorden in

der Ukraine fotografieren lassen. Gegen eine komplett unnötige Fussball-EM in einem Land, das die Städte von Hunden „säubert“ um nach aussen hin für den Rest der Welt gut dazustehen. Ein Land, das Stadien im Wert von 160 Millionen baut, obwohl sich kein durchschnittlicher Ukrainer überhaupt eine Eintrittskarte für ein Spiel leisten kann. Und das alles für vier Wochen und dann ist alles wie vorher. Komplett krank. Die Fotos, die ich gemacht habe, haben sich auf Facebook sehr schnell verbreitet und waren auch in Österreichs größter Tageszeitung zu sehen. Ich denke, es hat sich ausgezahlt, etwas zu machen. So haben sicher viele Leute davon erfahren. Und das ist gut so.

http://www.mirjageh.com

49


Bühne

Alles nur

Illusion

Interview von Anita Raidl, Fotos von Christopher Mavric

Der Komponist und Liedermacher Konstantin Wecker über Facetten der Angst, das Geschenk der Kreativität und die Welt als Wille und Vorstellung. Die Plattenveröffentlichung „Genug ist nicht genug“ mit der Ballade vom „Willy“ machte Konstantin Wecker anno 1977 bekannt. Es folgte ein intensives Leben, gepflastert von zahlreichen Auftritten, Auszeichnungen und auch privaten Eskapaden. Derzeit tourt der gebürtige Münchner mit seinem Programm „Wut und Zärtlichkeit“ durch die Lande. Das X-Rockz-Magazin traf den sympathischen Musiker kurz vor seinem Auftritt im Grazer Congress. XRM: „Freiheit hoaßt koa Angst habn, vor neamands“, heißt es in deiner berühmten Ballade vom erschlagenen Willy. Der Willy legt sich darin mit grölenden Nazis an. Du bist derjenige, der ihn zurückhalten möchte. Ohne Erfolg. Denn dem Willy kostet sein beherztes Credo das Leben. Das Lied hat mittlerweile mehr als 30 Jahre auf dem Buckel. Wie gehst du heute mit dem Thema Angst um? Hast du noch vor etwas Angst?

Konstantin Wecker: Ja, freilich! Immer wieder. Das ist ja die große Sehnsucht im „Willy“ gewesen und deswegen ist der Willy auch eine, ich würde mal sagen, eine Mischung aus einer fiktiven Figur und mir selbst. Irgendwo bin ich in dem Lied beide Personen. Ich bin der, der sich traut und der, der Angst hat und den anderen immer wieder zurück halten will. So viele Jahrzehnte später denke ich mir, dass das wohl einer der Erfolge des Liedes war, dass jeder in sich diese Zerrissenheit spürt. Jeder ist beides. Keiner ist immer mutig, außer er ist dumm (lacht). In welchen Situationen sollten wir keine Angst haben und mutig sein?

K. W.: Sicherlich wenn es um das Thema Zivilcourage geht. Dass wir Angst haben ist ganz logisch. Also ich gehe jetzt auch nicht auf fünf muskelbepackte Neonazis los und lass‘ mich von denen zusammenprügeln. Aber ich möchte nicht, dass man im Vorfeld Angst hat. Diese vorauseilende Angst macht eigentlich die mangelnde Zivilcourage aus. Bevor man wirklich in der Situation ist, dass man sagt, das ist aussichts-

50

los, darf man keine Angst haben. Wenn man vorher schon Angst hat und praktisch dauernd nur immer allen Recht gibt, dann ist das dieser vorauseilende Gehorsam. Der, wie ich glaube, uns Deutschen ein bisserl im Blut liegt. Und den Österreichern?

K. W.: Naja, denen schon auch. Aber wir dürfen nicht vergessen, die Österreicher waren ja nie Nazis. Sie tun wenigstens so (lacht). Hast du Angst vorm Sterben?

K. W.: Das ist eine Stimmungssache. Es gibt Momente, da klammert man sich wahnsinnig ans Leben. Es gibt Momente, da denkt man, der Tod ist ein tolles Abenteuer. Also, so richtig Angst vorm Tod habe ich nicht. Aber ich kann jetzt viel erzählen und wenn‘s so weit ist, kann es sein, dass plötzlich das große Zähneklappern beginnt. Interessant ist, dass man immer die älteren Leute fragt, ob sie Angst vorm Tod haben. Es gibt ja auch Junge, die sterben. Ich glaube, ich habe als junger Mann mehr Angst vorm Tod gehabt als heute. Da habe ich mich in meinen Liedern auch anders mit dem Thema auseinander gesetzt. In einem Lied, da war ich vielleicht 22, habe ich geschrieben: „Lang mi net o, du depperter Tod.“ Da wollte ich kämpfen. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass es ziemlich aussichtslos ist, gegen den Tod anzukämpfen. Das heißt wohl auch, dass ohnehin alle Versuche, den Tod zu besiegen, früher oder später scheitern müssen. Deine 2007 erschienene Biographie trägt den Titel „Die Kunst des Scheiterns“. Darin schreibst du, dass das Scheitern, die Niederlagen, Sprossen nach oben sein können.

K. W.: Natürlich gibt es sehr viele Sprossen des Erfolgs, auf denen man nach oben klettert. Aber ich habe gegen das allgemeine Urteil, dass das Scheitern und die Niederlagen eigentlich etwas zu sein haben, das man aus dem Leben, vor allem aus dem Eigenen, auszuklammern hat, angeschrieben. Die Niederlagen können durchaus Sprungbretter sein, wenn man sie für sich annimmt. Wenn man sie akzeptiert! Wenn man natürlich mit Niederlagen so umgeht, dass man der Meinung ist, es sind immer die Anderen Schuld, es ist das böse Schicksal schuld, es sind die Eltern schuld, es ist der Staat schuld, dann wird man wenig daraus ziehen können.


„Die Poesie begleitet mich

wie ein täglich Brot.” Woran bist du zuletzt gescheitert?

Wann hast du zuletzt die andere, nicht mit Vernunft begreifbare Welt, mittels Poesie betreten?

K. W.: Das sag‘ ich jetzt nicht (lacht). In deiner Biografie schreibst du auch, dass du deinen Kindern das Träumen vermitteln möchtest. Was bedeutet das?

K.W.: Träume sind für mich Ideen, Träume sind aus einer Welt, die wir nicht verstehen. Die Wirklichkeit ist so viel größer, als wir es uns zu erdenken wagen. Das weiß man, wenn man sich mit Musik und Poesie beschäftigt. Da wird einem etwas aus einer Welt vermittelt, die wirklich ist, die wir aber mit der Ratio noch nicht begreifen können. Darum gibt es Gedichte. Zum Beispiel Rilke (Anm. Red.: Rainer Maria Rilke, Lyriker, 1875 - 1926]). Rilke vermittelt uns etwas aus einer Welt, die es gibt, aber die wir mit der Ratio nicht erfassen können. Und das merkt man immer, in jedem kreativen, inspirativen Prozess. Weil das Kreative kommt ja wo anders her. Wenn mir als Zehnjährigem Melodien ein­gefallen sind, konnte ich nie sagen, woher das kommt. Ich wusste immer, dass es ein Geschenk ist. Ein Geschenk, irgendetwas zu erfahren, wo man sich hin öffnen kann. Das Geheimnis, wie man sich dahin öffnet, habe ich bis heute nicht ergründet. Manchmal geht’s, manchmal geht’s nicht.

K. W.: Also die Poesie, die begleitet mich wie ein täglich Brot. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem ich mich nicht irgendwelchen Gedichten zuwende. Beileibe natürlich nicht nur den eigenen. Das wäre sehr langweilig. Welche Dichter und Musiker faszinieren dich momentan?

K. W.: Für mich gibt es zwei Eckpfeiler von Genies, die aus einem anderen Universum kommen. In der Musik ist es Mozart und in der Lyrik ist es Rilke. Beide sind für mich so unbegreiflich. Wie kann vor allem Mozart mit einer so unendlichen Leichtigkeit auch komplizierte Dinge ausdrücken? Mit einer solchen Selbstverständlichkeit, mit einer solchen Naivität? Und ebenso ist es bei Rilke. Er kann schreiben, über was er will. Beim Lesen wirst du immer auf dich selbst zurückgeworfen. Es gibt ein Gedicht von Rilke, das heißt „Archaischer Torso Apollos“. Da heißt es am Schluss, du musst dein Leben ändern. Und ich habe bei fast jedem Rilke-Gedicht, egal ob er vom Papageienpark spricht oder von einem Karussell, das Gefühl, ich muss mein Leben ändern. Er hat mich nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern auch dazu, mir selbst zu begegnen.

Das heißt, Texte und Melodien fallen dir unwillkürlich ein?

K. W.: Ja. Es passiert oder es passiert nicht. Interessanterweise glaubt man, man kann sich bestimmte Stimmungen dazu schaffen. Man probiert es dann alleine und einsam, streift durch die Wälder. Aber es kann passieren, dass es im Kaufhaus los geht und dann sind sie eben da. Man muss ja auch fragen, was sind das für Leute, die überhaupt keinen Zugang zur Kreativität haben? Das gibt’s ja auch. Beuys (Anm.: Joseph Beuys, Aktionskünstler, 1921 - 1986) sagte, jeder Mensch ist ein Künstler. Ich glaube es ganz bestimmt, jeder ist in der Lage, diesen Raum zu betreten. Doch er muss den Türöffner finden. Wie man den Türöffner jetzt wirklich findet und wo diese Pforte ist, ist wie in diesen Fantasyspielen. Man geht irgendwo und plötzlich kann man durch irgendeine Tür durchgehen. Ich hab‘s nicht rausgekriegt. Manche erzählen einem auch, es würde durch Meditation gehen. Natürlich geht es nicht durch Faulheit. Also das ist klar. Man muss bereit sein. Einfach nur im Bett liegen und warten, dass irgendwas kommt, das geht dann meines Erachtens auch wieder nicht. Bist du ein spiritueller Mensch?

K. W.: Ich glaube, dass ich immer schon, nämlich aus den Gründen, die ich gerade aufgezählt habe, ein spiritueller Mensch war und bin. Wobei ich immer wieder sagen muss, dass Spiritualität für mich etwas anderes als Religiosität ist. Was ist denn der Unterschied?

K. W.: Da gibt’s ein schönes Beispiel. Hat mir einmal ein amerikanischer Obdachloser erklärt. Religiös sind Menschen, die Angst vor der Hölle haben, spirituell sind Menschen die durch die Hölle gegangen sind. Für mich nach wie vor der beste Satz zu diesem Thema (lacht).

Apropos Begegnung. Tourneen sind ja auch eine Art Begegnung mit neuen Menschen, neuen Orten. Die derzeitige „Wut und Zärtlichkeit“– Tournee ist ja nicht deine erste. Inwieweit ist da schon Routine dabei?

K. W.: Da ist viel Routine dabei und das find ich sehr schön. Ich bin ja ein Freund der Routine. Routine bedeutet für mich, dass man viel weniger Angst hat als früher. Und keine Angst haben bedeutet ja Freiheit. Ich habe schon so unglaublich viele Sachen auf Konzerten erlebt, ich habe persönlich Betrunkene von der Bühne runter getragen, ich musste zweitausend Leute mit akustischem Klavier für eine halbe Stunde versorgen. Es gibt kaum etwas, was ich nicht erlebt hätte. Und es ist eine gewisse Routine zu wissen, man kann damit umgehen. Wichtig ist, dass man mit Schwierigkeiten so umgeht, wie es jeder tun würde. Auch verunsichert. Es hat keinen Sinn, da irgendeine Show abzuziehen. Und deshalb gefällt es mir, routiniert zu sein. Weil wenn ich dauernd Angst hätte, müsste ich mich immer an etwas klammern. Und auf der Bühne bin ich ehrlich gesagt angstfreier als in meinem sonstigen Leben. In „Die Kunst des Scheiterns“ erklärst du, dass die eigene Biografie Interpretationssache ist und vom derzeitigen Bewusstseinszustand abhängt. Hast du seit dem Erscheinen des Buches Erfahrungen gemacht, die den Blick auf deine Biografie ändern?

K. W.: Oh ja. Ich habe jetzt gerade in Salzburg eine Lesung gehabt und aus „Die Kunst des Scheiterns“ gelesen. Da habe ich gemerkt, dass es schon wieder ein paar Sachen gibt, die ich anders sehe und vielleicht auch anders geschrieben hätte. Da gibt’s einen sehr launigen Beitrag über das Altern. Ich schreibe, dass das Altern eine Katastrophe ist. Das ist auch sehr witzig und irgendwie stimmt‘s auch immer noch, aber jetzt ist für mich eine andere Stufe dazugekommen, nämlich die Abhängigkeit von der Tagesform.

51


Du wirst es aus deinem eigenen Leben kennen. Wenn du über Dinge nachdenkst aus deiner Kindheit, interpretierst du sie schon morgen anders, weil du sie aus einer anderen Sicht heraus betrachtest. Vielleicht nicht mehr aus einer so extrem egoistischen, wie man es ja meistens tut, sondern plötzlich bringt dich etwas dazu, deine eigene Biografie aus der Sicht eines anderen zu sehen. Ich hab das Glück, dass ich noch Freunde habe, die mit mir in die Schule gegangen sind. Wenn die dann wieder Sachen aus der Kindheit, aus der Jugend, erzählen, dann hat das so viele andere Aspekte, dass ich manchmal denke, das war ich gar nicht, das gibt’s doch gar nicht. Aber das sind fließende Grenzen … es ist ja sowieso alles Illusion. Ich muss sagen, je älter ich werde, desto buddhistischer werde ich in dem Sinn. Es ist alles eine Illusion, die wir uns sehr schön zum Teil mit der Kraft der Fantasie zurecht bauen. Und eine Wirklichkeit, die wir uns zurecht schneidern mit der Fantasie. Berührungspunkte sind dort, wo es Leid gibt. Du merkst es, wenn du aus einem intensiven Traum aufwachst, der dich zwar psychisch sehr zerstören kann, so dass man den ganzen Tag noch völlig deppert ist, aber einen körperlichen Schmerz hast du nicht in dem Traum. Also der körperliche Schmerz finde ich, ist immer wieder ein Punkt, wo man merkt, da haben wir jetzt einen Schnittpunkt mit einer Wirklichkeit die ich mir nicht restlos wegdenken kann. Das sagen auch große Zen-Meister. Also, die können zwar wahrscheinlich mehr Schmerzen ertragen als wir, die haben das auch irgendwie geübt. Aber wenn ihnen einer einen Arm abhackt, dann merken sie es auch mitten in der Meditation. Insofern gibt’s auch immer einen Schnittpunkt mit dem Materiellen. Aber ansonsten ist unsere Welt wirklich Wille und Vorstellung, da bin ich ganz Schopenhauer-Schüler. Heißt das auch, der körperliche Schmerz macht mehr Angst als der emotionale?

K. W.: Nein, es ist nur ein Punkt, an dem man das Materielle spürt. Also wenn Leute zu mir sagen, es ist doch alles sowieso nur ein Traum. Dann sage ich, da ist vieles dran. Es ist alles nur ein Traum! Ich merke aber, dass ein Tag, an dem du starke Magenschmerzen hast, ein anderer ist, als ein Tag, an dem du keine hast. Es ist eben nicht alles nur ein Traum. Irgendwann merken wir, wir hauen uns trotzdem am Stuhl an, auch wenn wir uns diesen Stuhl, und das ist ja auch das Interessante, gemeinsam seit Jahrtausenden als Materie vorgestellt haben. Du kannst mit Physikern reden, mit Hans-Peter Dürr, der sagt, es ist wirklich alles nur ein leerer Raum in dem ab und zu Quanten aufeinander treffen, aus irgendeinem Zufall heraus, die sich dann kurz zu Materie verdichten. Vielleicht haben wir uns das alles ja nur eingebildet, aber wir haben es uns so stark eingebildet, dass es halt weh tut, wenn wir uns anhauen (lacht). Und wir haben es uns gemeinsam eingebildet! Es gibt Sachen die man sich alleine einbildet. Ich habe ja schon Psychosen gehabt in meiner Drogenzeit. Mit einer Psychose kannst du völlig anders drauf sein. Ich habe Menschen im Raum gesehen, die nicht da waren. Ganz real. Und es gibt Menschen, die sind immer so drauf. Es ist ja ganz gut wenn du weißt, dass du alles doppelt siehst, weil du Alkohol getrunken hast. Stell dir vor, du bist so drauf, ohne jemals Alkohol getrunken zu haben. Gibt’s auch! Es gibt so unendlich viele verschiedene Universen. Jeder Mensch ist ein eigenes Universum und da ist es erstaunlich, dass wir uns manchmal sogar begegnen können.

Neues Konzept – Neue Musik – Neue Inszenierung Samstag, 11. August 2012, ab 16:30 Uhr Gössl am Grundlsee mit 5/8erl in Ehr´n und Altsteirischen Jodlern, umrahmt von Klassik, Bauernhofidylle und der mächtigen Gössler Wand

Konstantin Wecker und Band beehren heuer mit ihrer erfolgreichen „Wut & Zärtlichkeit“-Tour das Sprudel, Sprudel & Musik Festival am Grundlsee. Dazu gesellen sich im begehbaren Konzert die frischgebackenen Amadeus-Award-Gewinner 5/8erl in Ehr´n mit ihrer brandneuen CD Gut genug für die City. Ebenso wie das Duo Haertel/Wascher, welche auf Drehleier und Geige einige uralte Jodler des Salzkammergutes zu neuem Klang erwecken. Ein klassisches Streichquartett sowie bildende Künstler aller Kunstrichtungen werden wieder in gewohnter Vielzahl und Vielfalt ihr Können darbieten. Neu ist der Ort der Veranstaltung und das Konzept: Weg vom Toplitzsee hin zur Gössler Wand. In sieben Jahren wurde versucht, das Thema „Natur als Ursprung der Kunst“ intensiv zu behandeln, von allen Seiten zu beleuchten und zu demonstrieren. Im neuen Zyklus wird dieses Thema um die Komponente Mensch erweitert. Ging es bisher um das Entdecken und Verstehen der Zusammenhänge „Kunst – Natur“, so geht es jetzt um das „Leben mit der Natur und Leben mit der Kunst“. Man nähert sich damit dem Menschen, nähert sich dem Alltäglichen. Man verlässt den Toplitzsee, um in das kleine, vorgelagerte Bauerndorf Gössl einzutauchen. Die mächtige Gössler Wand dient als Kulisse. Die weiten Felder dienen als Bühne. Vor dem Abschlusskonzert wird man für drei Stunden auf ein begehbares Konzert geschickt. Man bewegt sich durchgehend frei und individuell zu ausgesuchten Plätzen und Stationen. Ebenso kann man Bauernhöfe kulinarisch erwandern. Echte, selbstgemachte Köstlichkeiten erwarten Sie. Von Bauernbrot, Aufstrichen, Speck und Würsten über selbstgemachte Säfte, Schnäpse, Most und selbstgebackenen Desserts mit frischem Kaffee. „Leben mit und von der Natur“. Zwischen diesen Stationen des kulinarischen Erlebens werden Künstler ihre Werke präsentieren – werden verdeutlichen, wie sie das Verhältnis „Natur – Kunst – Mensch“ erleben.. Was ist dran an der Kybernetik? Wie verändert sich der Mensch – im Leben mit der Natur – unter Beeinflussung von zeitgenössischer Kunst? Diese Verhältnisse werden im neuen Sprudel-Zyklus beleuchtet. Seien Sie gespannt…

http://www.sprudelsprudel-musik.com 52


Bühne

Bis ans Äußerste Portrait von Anita Raidl, Foto: Josef Klammer

An Ernst Binder kommt niemand, der sich ernsthaft fürs Theater interessiert, vorbei. Schon gar nicht in Graz. Dort ist er künstlerischer Leiter von „dramagraz“. Außerdem ist er Regisseur, Dichter und vor allem ein kritischer Geist, der erlebt, erinnert und erfindet. Eigentlich heißt der Mann, der so gerne schwarz trägt und einen unglaublich präzisen Umgang mit Sprache pflegt und fordert, nicht nur Ernst. Sondern auch Marianne. Ernst Marianne Binder also. Den Namen „Marianne“ hat er sich selbst gegeben. Es ist ein wortgewordenes Grabmal, eine Erinnerung an seine gleichnamige Frau, die vor mehr als dreißig Jahren unter unglücklichen Umständen ums Leben gekommen ist. Seither möchte Binder bedingungslos aufmerksames und kritisches Gesellschaftsmitglied sein. „Wir bestehen aus dem, was wir erlebt haben und der Erinnerung daran“, sagt Binder. „Und jede Erinnerung ist Erfindung“, ergänzt er. Was ist die Wirklichkeit? Binder kann zumindest zwei Geburtsorte aufweisen. Zum ersten Mal erblickt er 1953 als Säugling das Licht der Welt. Ob im ex-jugoslawischen Mostar oder im südoststeirischen Feldbach liegt im Dunklen. Zum zweiten Mal, und das weiß er wirklich, in Innsbruck anno 2009 im Zuge einer lebensrettenden Lebertransplantation. Seine Kindheit und frühen Jugendjahre verbringt Binder im verschlafenen Feldbach. Er verfasst schon als Siebenjähriger erste Gedichte, einige Jahre später auch Protestlieder. Woher kommt dieser frühe Drang, zu schreiben? Binder: „Wenn man niemanden hat, dem man sich anvertrauen kann, hat man nur die Wahl zwischen Papier oder Umbringen.“ Er wählt Ersteres. Und versucht in gewissem Maße auch Letzteres. Mit fünfzehn Jahren lernt er Haschisch kennen, mit neunzehn Jahren schlittert er in eine

neun Jahre andauernde Heroinabhängigkeit. Während dieser Zeit arbeitet er beim Rundfunk, hält Lesungen, gibt Konzerte. Zum Beispiel als Schlagzeuger der Grazer Rockband Fut. Auf der Bühne ziehen sie sich nackt aus, bekommen Auftrittsverbote aufgrund von Drogeneskapaden und Verherrlichung von Sex. Binder möchte mit den Drogen aufhören, dafür geht er nach Kreta, wo er sein Drogenstück mit dem Titel Hochzeitsnacht schreibt. Uraufgeführt wird es 1983 im Schauspielhaus Graz. Und Binder geht das erste Mal bewusst ins Theater. Die Drogen sind passé. Ebenso die Musik. Und vorübergehend auch das Schreiben. Denn Schreiben bedeutet für ihn zu dieser Zeit Selbstzerstörung durch Alkohol und Drogen. „Mich hat es in dem Sinn nicht gegeben. Darüber zu schreiben, dass ich nichts zu erzählen habe, interessiert mich nicht,“ erklärt Binder. Der Ausweg heißt Theater. Oder: Man nehme einen fremden Text und mache ihn lebendig. „Für alle Leute, die wenig können, ist Regisseur der ideale Beruf. Man engagiert Leute, die alles können. Man selbst muss nur arrangieren,“ so Binder. Das „wenig können“ führt ihn unter anderem als Hausregisseur ans Mecklenburgische Staatstheater Schwerin, ans Slowenische Nationaltheater in Ljubljana, zum Berliner Ensemble. In Graz gründet er 1987 das forum stadtpark theater, das seit 2004 als dramagraz auftritt, mit, ist künst­ lerischer Leiter und inszeniert. Binder ist anspruchsvoll. Er möchte bis ans Äußerste gehen, so wahrhaftig wie möglich sein,

denn Wahrhaftigkeit, Integrität und Talent sind für ihn die wichtigsten Eigenschaften, um Künstler zu sein. Er ist immer verliebt in die Menschen, die er inszeniert. Er liebt gescheiterte Figuren wie Woyzeck, Per Gynt oder Hamlet, denn Scheitern bedingt, dass man etwas probiert. Binder beginnt nach zwanzig Jahren wieder zu schreiben. Anlass dafür war der Ausbruch des ersten Irakkriegs – auf allen Zeitungsständern war „Krieg“ zu lesen – und der Wunsch, dem etwas entgegenzusetzen. Entstanden ist das Theatergedicht Gipsy’s Lullaby, eine Liebeserklärung an die Welt, das 2004 uraufgeführt wird. Es ist die Geschichte eines Roma-Mädchens, dessen Dorf zerstört wird. Nur sie und eine Ziege überleben. Die beiden ziehen fortan gemeinsam durch die Welt, ein Symbol für Hoffnung trotz Heimatlosigkeit. Weitere Stücke und Texte entstehen. Und Binder lebt weiterhin intensiv. Er ist Quartalstrinker, trinkt, um sich, wie er sagt, selbst zu entkommen. Der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören, ist immer präsent. Schließlich ist eine Lebertransplantation unausweichlich, die Diagnose ist Leberzirrhose im Endstadium. „Ich finde die Erfahrung super. Weil ich’s überlebt habe. Sonst wär’s ja keine Erfahrung.“ Heute ist Binder trocken. Raucht nur noch Tabak. Seine Lebensmittel sind Musik und Bü­ cher. Er liest mehrere Bücher gleichzeitig, darunter Durs Grünbein, „Vom Schnee“. Er findet es beruhigend, wenn Bücher da sind, die er noch nicht fertig gelesen hat. Weil man dann noch nicht sterben kann. Man muss sich ja immer selbst überlisten. Und man muss sich immer wieder selbst neu erfinden. Aktuell: Ernst Binder inszeniert Fiston Mwanzas Stück „Gott ist ein Deutscher“. UA am 30. Juli 2012 im Rahmen von La Strada, Graz. Infos unter http://dramagraz.mur.at.

53


Literatur

Scheiß Mond Philosophische Betrachtung von Wolfgang Schatz, Foto von Olivia Fürnschuß

Seit jeher werden dem Erdtrabanten alle möglichen und unmöglichen Eigenschaften zugesprochen. Besonders sein volles Gesicht geistert durch Mythen und Legenden, wie die Schulden durch die Geschichte der Wirtschaft, und die Erfinderin einer Vollmondbrille – zum Schutz vor demselben – wäre sicher eine Nachkommin des Erfinders der Lesezeichen. Und dann fand ich abends die ICD-Codes (www.icd-code.de), internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, F00-F99 Psychische und Verhaltensstörungen – die F-lerinnen. Ein spannender Zeitvertreib, um im Ausschlussverfahren normale Menschen – nicht F-lerinnen – orten zu können, oder diverse Hirnschüsslerpathologikerinnen – F-lerinnen – mit dem richtigen F-Etikett zu versehen. Jedoch bei fortschreitender Lektüre ging die Zahl der einen gegen Null und die der anderen gegen 7,6 Milliarden. Die Erkenntnis, dass eine dermaßen hohe Konzentration F-lerinnen zwangsweise eine Anzahl extremer F-ler-Formen hervorbringen muss, traf mich schlagartig wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. Folglich können normale F-lerinnen – in beträchtlicher Überzahl – die Minderheit der ExtremF-lerinnen als abnorm bezeichnen, was natürlich an der F-lerschaft aller Beteiligten nichts ändert. Damit nicht genug, forschte ich nach der eigenen F-lerschaft, mit dem beklemmenden Ergebnis, dass ein multiples F für meine Person durchaus im Bereich des Möglichen läge, wenn mich der Schlaf bei F64 nicht ins Bett gezwungen hätte, wo ich mich rastlos hin und her wälzte, um die neu gewonnene Erkenntnis mit einem F21er auf die Größe der Plank´schen Konstante zu zermahlen und mich vor mir selber zu fürchten. Aufgeschreckt durch den Gedanken, dass meine Furcht ein F41er sein könnte, entfloh ich der Ruhestatt, um – sehr spät in der Nacht, oder sehr früh am Morgen (man kann das halten wie man will) – weitere Informationen einzuholen. Mit dem Ergebnis, lediglich ein F40.8er oder F40.9er zu sein, womit alles halb so schlimm wäre. Wobei sowieso sonnenklar

54

ist, dass man dem F nicht entfliehen kann, also jeder dieses Kreuz zu tragen hat. Beruhigt ob meiner multiplen, jedoch marginalen F-lerschaft, lehnte ich mich zurück und bemerkte, dass die vorhandene Helligkeit weder dem Bildschirm des PC, noch dem künstlichen Licht (gar nicht angeknipst) oder dem grauenden Morgen zuzuschreiben war. Vielmehr war es dem tief im Westen, nahe dem Horizont stehenden Mond zu verdanken, der prall durch die Fensterfront knallte. Mit rot-geäderten Augen und dem Gefühl beim Zwinkern, die Augenlider seien Schmirgelpapier, fraß sich mein Blick am Erscheinungsbild der vollen Kugel, die übergroß – am Horizont erscheinen sowohl Sonne als auch Mond größer und eine Erklärung dieses Phänomens kann die Wissenschaft nach wie vor nicht bieten – mein F30.8isches Treiben lächelnd beobachtete – Scheiß Mond! Gelassen über der rational nicht erklärbaren Naturgewalt stehend, breitete sich tiefer Friede in mir aus. Die Lächerlichkeit meines Handelns festigte sich tief in meinem Bewusstsein, als auch die kurzum recherchierte Tatsache, dass der Mond lediglich, wenn überhaupt, nur einen lächerlichen F23.9er erregen kann (Mondsüchtig ist nur der Volksmund für einen F51.3). Befriedigt ging ich gleich danach am frühen Nachmittag schlafen. Kurz bevor Morpheus seine Arme um mich schloss, raschelte noch ein Gedanke durchs Gehirn: Franz Klammer und Keith Richards dürfen alles sein, das haben sie sich verdient. bandsman PS: Und dann gibt’s noch die F(60.4)P-ler in Österreich, mit F60.2-Anhang.


Literatur

Unbezahlbare Werbeeinschaltung oder

Postcard from the 80s Brief von Rickey Tai Toaster, Foto von Flickr

Meine liebe Barbie! Stell dir vor, heut in der früh wach ich auf total in Panik, und weiß mit Sicherheit, irgendwas ist da passiert. Sofort schalt ich das Radio ein und die Nachrichtensprecher berichten mir mit überschlagenden Stimmen, dass das Loyd‘s dort in der City in Flammen steht, nach einem mutmaßlichen terroristischen Anschlag, hunderte Menschen sind in Büros und Pflichten eingeschlossen, tausende Feuerwehrleute versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen, es herrschen Schrecken und Chaos, Sirenen heulen im Hintergrund, die Börsenkurse purzeln in den Keller. Der Keith beruhigt mich, es handle sich nur um ein Werbespiel anlässlich eines neuen angelaufenen Thrillers in den großen Kinos des Landes. Die ersten vor Ort bekämen eine gratis Eintrittskarte. Uff. Noch mit Herzrasen geh ich runter auf die Straße, um aus dieser Zeitungsbox dieses Gratismitteilungsblatt für offene Stellen zu holen. Diese Box ist nicht mehr da, aber an der selben Stelle ist über Nacht eine Litfaßsäule gewachsen, auf der ein etwa 2m hohes Portrait eines übersinnlich schönen Models prangt, und ihre Haare in einem perfekten asymmetrischen Schnitt sind außen so plastisch auf die Säule raufappliziert und wehen im Wind. Hab sowas noch nie gesehen, lese die Adresse von so einer Toni&Guy und mach mich augenblicklich auf dem Weg dahin. Am Busstopp ist da ein Plakat angebracht, dass eine 25W Birne zeigt, die in einem halben Pfund Butter steckt. Als ich dann das Wartehäuschen betrete, leuchtet dieser Wolframfaden auf. Das macht Spaß, ich hüpfe aus und ein. Wir sollten unbedingt der nämlichen Versicherungsgesellschaft beitreten. Der Bus kommt, ich lös mich aus dem Spiel und spring gleich hinein. Gleich da vorne unten trinkt ein dicklicher Bub einen blitzblauen Softdrink, seine nahmichan Mutter trägt zebrafellgefärbte Haare – nein es ist sicher kein Hut – und Schneebrillen mit einem eingebauten Mini-TV. Ich nutze natürlich die Gelegenheit und stell mich schräg hinter ihrem Sitzplatz auf, so dass ich grad

Rickey Tai Toaster: Hat die 80er live er- und belebt, steht auf Haare, London und Bärenklauspinat und switcht sich immer aus der Werbung.

London, E5., 29/03/1985 unauffällig schief hineinlugsen kann, ohne sie zu belästigen. Was ich da seh, is sowas wie ein Psychothriller: Jemand, so mit der Mimik eines Komikers, beißt da in ein feinziseliertes Teeglas und schließt dabei genießerisch die Augen. Daraufhin kaut und kaut der, und anstatt das ihm das Blut aus Mund und Lippen schießt, beißt er glatt nochmals ins Glas und die Scherben splittern nur so durch die Gegend. Und hui, die verwandeln sich in der Luft magisch in so Marmeladekekse, und das Ganze war ein Werbeclip für so eine Backwarenfabrik. Der Bub nahm erstaunlicherweise absolut keine Notiz vom Brillen-TV – übersättigt? – und verlangte nach einer weiteren Dosis des blauen Gesöffs. Über diesen atemberaubenden Glaskeksmetamorphosen hatte ich meine Busstation verpasst, sprang ab und beschloss, die zwei Stationen zu Fuß zurückzuwandern. Unterwegs ließ ein Milchproduktkonzern Joghurts verteilen. Ich schnappte mir gleich drei, und stellte dann etwas irritiert fest, dass es Spinatjoghurts waren. Okay, warum also nicht. Die Litfaßsäulen-Adresse war ein gestylter todschicker Friseurladen, ich fragte nach der Tony, doch die schien nicht da zu sein, und Guy gab‘s da sowieso keinen. Die Mädels wirkten alle schon eher cool und wortkarg, nur die Scheren, Messer, Klammern und Kämme klapperten enorm schnell und rhythmisch und die Föns fauchten und brausten geschäftig. Da fragte mich eine ganz junge Angestellte, ob ich nicht ihr Modell sein wollte, das brächte mir fünf Pfund ein und ihr Erfahrung und ich hätte dann eine tolle neue Frisur. Ich war überrascht, und schon irgendwie geschmeichelt – ich und Modell! – und so willigte ich ein. Ja, und jetzt hab ich also pastellrosarote Haare, exakt stufig geschnitten und gekreppt, sitz auf einer dieser Zeitungsboxen weiter oben und trau mich nicht nach Hause. Für die fünf Pfund hab ich ein 10er-Packerl Silk Cut, diese Kunstbierbrausetabletten und

eine Dose Baked Beans erstanden. Bleiben noch genau 22p für eine Briefmarke. Diese blöden Heftchen hier! Vielleicht verkauft mir hier doch einer eine einzelne Marke, dass ich diesen Brief wenigstens noch aufgeben kann. Inzwischen ist es ziemlich dunkel geworden, ich könnt die Stellenangebote sowieso nicht mehr entziffern, ich sollt also wirklich… Das Spinatjoghurt schmeckt übrigens gar nicht so schlecht, eines werd ich wirklich dem Keith … Na, also, jetzt reicht‘s. Von der gegenüberliegenden Seite kommt da plötzlich ein riesiger glühlämpchenbesetzter Stöckelschuh dachgleich quer über die Straße ausgefahren, droht, auf mich niederzusinken, wie diese Geisterbahnjahrmarktattraktionen, nein, nicht mit mir, Automobilfirma oder was auch immer, ich werd mich jetzt auf den Heimweg machen. Alles was recht ist. An der Ecke geht die Tony&Guy-Litfaßsäule grad in Flammen auf. Also ich schwörs, Barbie, ich wars nicht. Liiiebe Barbi, ich hoff‘ es geht dir gut. Okay, ich wag‘s, ich geh jetzt heim. Drück mir die Daumen. Busserl, die Rickey 02.04. Der Keith hat mich angeschaut, die Augen zugekniffen, mich noch einmal angeschaut – und nix gesagt. Ich habe meine Schätze ausgepackt und eröffnet, dass dies eben mein Job gewesen sei und hier wäre der Lohn. Er hat die Dose Bohnen aufgewärmt und wir haben sie mit dem verbliebenen Spinatjoghurt gegessen. Er hat noch immer eisern geschwiegen, das sei eben so grauslich wie mein neuer Haarstil. Er hat wenigstens den Mund aufgemacht. Heut hat er mir ein Polycolor gebracht. Blauschwarz. Das stünde mir wenigstens. Ich lasse es gerade einwirken. P.S. Der Keith is überhaupt nicht Macho. XXX R.

55


Literatur

Horror vacui Verfasst von Michaela Krucsay, Illustration von heymeca.deviantart.com

Das Leben: Leere im Geist der Menschheit zwischen den Zeilen: /Nichts/ Begegnung wo die Regentropfen verdampfen ehe sie die Erde berühren bleibt nur der Geschmack des Verlangens bitter erzitternd im Blut hastend durch die Gleichförmigkeit

Elegie Lust ist unlogisch ein eigen-sinnliches Wesen Erlöser oder Verräter -rettet, treibt an

zerstört wild wuchernde Schönheit selbst im Schatten des Todes regiert sie das Fleisch und umhüllt mit Pothos den Geist. Wusstet ihr nicht von den giftigen Dornen der blauen Blume?

Fragmente Fasern, gelöst aus dem stählernen Geflecht des Geniekults stumme, rostige Zeugen der Besessenheit erst Werkzeug dann Reliquie Der Schlaf schmilzt seine Gedanken warm fließend eingehüllt in die Vergangenheit träumt er im Schatten der Sykomore von der Melodie der Dämmerung

56


Literatur

Esier 1

Isis betrat an diesem Morgen die Gasse um den nächstgelegenen Imbiss zu erreichen. Sie fühlte sich wie beim Anblick eines fantastischen Sonnenaufganges hinter einem Betonmischwerk und machte sich über das Mischwerk Gedanken. Die Geschäfte laufen nicht schlecht, aber mit diesem Auftrag wäre Kohle zu verdienen, wer will das nicht. Die Recherchen über Corexo Metareplacements stimmen nachdenklich. Zwar eine Homepage, aber under construction. Zwar Büro, aber nur Handynummer, kein Mail. Recht­ lich alles in Ordnung, doch kein Schwein kennt die Firma, die alles im Voraus bezahlt. Wenn die Bude expandiert, wären da sicher noch mehr Aufträge zu erledigen, ansonsten ein gut bezahlter, legaler, Job. Dieser spießige Gedanke huschte mit einem Lächeln über ihr Gesicht und so betrat sie den Imbiss, jedem den sie in die Augen blickte, ein Lächeln schenkend. „Ein Fremfru, bitte.“ „Gut, aber aus.“ „Dann ein Karatewasser“ „Kommt sofort.“ Diesen Dialog erwischte sie im Vorbei­ gehen an der Theke, hielt an, ging zurück, gleichzeitig stellt sie die Frage: „Entschuldigen sie bitte, aber was ist ein Fremfru.“ und war sehr erstaunt, Schreiber zu erblicken und nicht die Zufallsbekanntschaft des Vortages. „Das ist nicht zum Erklären, sondern zum Trinken.“ Schreiber glaubte, sie beleidigt zu haben, weil ihre Gesichtszüge entgleisten, was ziemlich dämlich aussah, jedoch war er sich keiner Schuld bewusst. „Was ist, habe ich gerade deinen Hund erschossen?“ „Nein, aber gestern habe ich dieselbe Be­ stellung gehört, gefragt was ein Fremfru ist und dieselbe Antwort bekommen, aber du bist nicht Faltenbrenner.“ „Dann weist du was ein Karatewasser ist?“ „Almdudler mit Wasser.“ „Dann hast du einen Kollegen getroffen.“ „Was, weil wir beide wissen, was ein Karate­ wasser ist?“ „Nein, dein Typ von gestern, der ist ein Kollege von mir.“ Isis folgte dem etwas angeschlagen wir­ kenden Schreiber, der praktisch nach

einer Geschichte roch, hoffentlich einer guten, an seinen Tisch, an dem ein mitt­ leres Gelage stattgefunden haben musste. Er erzählte von einer schrägen Begegnung mit einer Frau, die ihm unverschämt viel Kohle dafür geboten hatte, nächtens diverse Kneipen mit der Fremru-Geschichte abzugrasen und Isis würde nicht glauben, was man da so alles erlebe. Jedoch war sie nur mit einem Ohr dabei, denn vor ihrem geistigen Auge ordnete sie die Einzelteile. Fremfru mit Faltenbrenner, den sie gestern zufällig hier getroffen hatte, der ihr einen Auftrag angeboten hatte, und Fremfru mit Schreiber, der für diesen Auftrag die operative Backline übernehmen soll. „… und dann feierten wir den Steirer des Tages, er hat das Gebäude bereits verlassen, und das Beste, der ist Kärntner!“ „Der Steirer des Tages? Wie auch immer, ich hätte da einen gut bezahlten Job.“ Faltenbrenner hatte ihr angeboten, ein Video­tagebuch im Auftrag von Corexo beim Congress Metamaterials 2012 im September in St. Petersburg zu produzieren. Isis ging die Unterlagen von Corexo, die morgens per Kurier geliefert worden waren, mit Schreiber durch, den sie bei der letzten Produktion („Tiere die wir essen und wie sie leben“) kennen und schätzen gelernt hatte. Wie nicht anders erwartet, hatte er schnell die Schwachpunkte in der Konzeption erkannt, sie analysiert, in weiterer Folge ausgemerzt, theoretisch. Technisch würde man ohne Großkampfgerät auskommen und vor Ort würden sie zu zweit das Auslangen finden. „Isis, schnapp dir das Ding. Mit der gebotenen Kohle, all dem beigestellten Gerät, ist das ein gutes Geschäft. Keine Kosten vor Ort, nur von St. Petersburg werden wir außer dem Tagungshotel Moscow nicht viel sehen. Vielleicht kann man ja ein paar Tage anhängen. Ich mach’s auch für 10 % weniger, wenn du den Verhandlungsspielraum brauchst. So, jetzt gehe ich mützen, schreib eine Mail, wenn’s was Neues gibt.“ Ferry, Besitzer des Imbiss und meist un­ sichtbar für Gäste beschäftigt in den hinteren Katakomben der Lokalität, setzte sich auf den frei gewordenen Sessel Schreibers. Es war Lotto-Systemschein-Tag, so was er­ledigt sich nicht von selbst. Eine halbe Stunde später hatten sie den 6er ausgeknobelt.

„Neuer Auftrag?“ „Ja, von dem Typen, den ich gestern am Morgen hier getroffen habe.“ „Faltenbrenner, der Fremfruvertreter?“ „Was weisst du über ihn und was ist ein Fremfru? Jaja, weiß schon, nichts zum Erklären.“ „Keine Ahnung, hat mir ein sehr anständiges Trinkgeld gegeben, dafür soll ich jedem, der ein Fremfru bestellt, sagen: Gut aber aus, und wenn Karatewasser bestellt wird, Almdudler mit Wasser geben.“ „Werbung ist ein seltsames Geschäft.“ Ferry begab sich wieder in die hinteren Katakomben, die weder Gäste noch An­ gestellte je zu Gesicht bekamen. Isis fischte eine alte Ausgabe des X-Rockz-Magazins vom Nebentisch, blätterte sie beiläufig durch, war aber nicht ganz bei der Sache, weil ihr dieser Faltenbrenner durch den Kopf spukte. Was hatte ein Getränke­ vertreter mit einer wissenschaftlichen Tagung zu tun? Je länger sie grübelte, desto sicherer war sie, einem – nun ja was – auf dem Leim gegangen zu sein. Ihr Blick fing sich an einer im Magazin abgedruckten E-Mail, unterzeichnet mit: hoaxiom pace ambassador. Sie kramte ihre in der Tasche verstauten Auftragsunterlagen von Corexo hervor, fand die Tagungsagenda und da, am letzten Tag: Hoaxiom PACE Ambassador (HPA). Neugierig, warum alles so in einander griff, fasste sie den Entschluss, der Sache auf den Grund zu gehen und rief Faltenbrenner an. „Hallo, Frau Isis Akwoah, habe ihren Anruf nicht so schnell erwartet.“ „Guten Tag Herr Faltenbrenner, wie wär’s mit 14:00 Uhr um den Vertrag zu unterschreiben.“ „Wie wäre es gleich jetzt? Haben Sie Ihr Notebook bei der Hand?“ „Immer dabei.“ „Das ist gut, gehen Sie auf corexo.net und loggen Sie sich mit 2bn3v78 ein. Alles Weitere wenn Sie online sind.“ Isis wollte noch Fragen stellen, doch Faltenbrenner hatte bereits aufgelegt. Überrumpelt vom Tempo des so wenig erhellenden wie kurzen Gesprächs saß sie einige Sekunden verdattert da, bevor sie sich einloggte … Fortsetzung folgt

http://www.corexo.net

57


Teil 2

Stimme und Körper

Serie von Julia Gerger

In der letzten Ausgabe wurde die enge Verbindung zwischen Stimme, Person, Intention und Situation erklärt. In dieser Ausgabe werden noch weitere Parameter erläutert, die die Stimme maßgeblich beeinflussen. Bei diesen Parametern handelt es sich um Atmung, Tonus und Artikulation.

Ein wesentlicher Faktor, der den Stimmklang beeinträchtigt, ist die Atmung. Ohne Luft kein Klang, ohne Luft kein Sprechen. Klar. Ein gesundes Atemmuster ist dann gegeben, wenn man „costoabdominal“ atmet. Das heißt, dass die vielen Atem- und Atemhilfs­ muskeln, die den Lungen zu einer optimalen Füllung und Ent­ leerung verhelfen, optimal genutzt werden. Die Rippen (costae) und der Bauch (abdomen) werden beide dabei gemütlich und gleichmäßig bewegt. Jedem ist diese Atmung sicher als „du musst in den Bauch atmen“ bekannt. Diese costo-abdominale Atmung ist die Grundvoraussetzung für einen vollen und weichen Stimmklang. Viele Menschen neigen zu einer sogenannten Hoch­atmung. Dabei wird beim Atemvorgang vorwiegend der Brustkorb gehoben. Der Bauch bewegt sich kaum bis gar nicht. Dies kann vielerlei Ursachen haben. Zwei dieser Ursachen möchte ich hier kurz herausheben. Zum einen kann es Ausdruck von Stress sein. Vor lauter „jetzt muss ich noch das machen, damit sich das dort noch ausgeht, dann muss ich dorthin und, ja genau, den Anruf darf ich auf keinen Fall vergessen, oh Gott, ich habe ja vergessen, dass …“. PUH! Pause! Da wird einem ja ganz schwindlig vor lauter kurzen, schnellen und hohen Atemzügen. Zum anderen existiert eine verheerende und weit verbreitete Angewohnheit, vor allem im weiblichen Teil der Be­völkerung – der sogenannte Beauty Reflex. Bei diesem „Reflex“ spannt der oder eben oft DIE Betroffene konstant den Bauch an, um schlanker zu wirken und der Massenwerbung zu entsprechen. Man kann sich vorstellen, dass es bei derlei Gedankengut nicht viel Platz für eine ausgewogene Bauch­ atmung gibt. Der Glaube, dass mit einem grossen Bauch grosses Leid Einzug hält ins Leben der Frau, hat fatale Folgen für Atmung, Stimme und Stimmung.

58

Sofort abgewöhnen, weil Psyche und Atmung eng verbunden sind und … weil extrem ungesund. Übung zur costo-abdominalen Atmung: In Rückenlage eine Hand flach auf den Bauch legen, die Bewegungen der Bauchdecke und den Atemrhythmus wahrnehmen: Einatmen – Ausatmen – Atempause. Ruhig und sanft atmen. Sich etwas Gutes damit tun. Den Atemstrom genießen. Wenn der Bauch sich nicht bewegt, bewusst zur Hand hin atmen, den Bauch vergrößern, richtig aufblähen, versuchen, die Hand mit dem Bauch wegzudrücken. Danach kann die Übung im Sitzen und im Stehen ausgeführt werden. Ein weiterer beeinflussender Faktor bei der Stimmgebung ist der Muskeltonus bzw. die Haltung. Wie in der letzten Ausgabe bereits erwähnt, wird der Stimmklang durch ein ausgefinkeltes Zusammenspiel von vielen winzigen Muskeln im Kehlkopf gebildet. Diese Muskeln haben zum Einen die Aufgabe, den Kehlkopf zu stabilisieren, und zum Anderen, die Stimmlippen optimal zu spannen. Die Stimmlippen bestehen aus dem Musculus Vocalis und den Stimmbändern. Man hat zwei davon. Rechts und links. Die Länge eines Muskels beträgt bei Frauen 13 bis 17 mm, bei Männern 17 bis 24 mm. Verdammt kurz. Diese Mini-Muskeln beginnen mithilfe des (costo-abdominalen) Atemdrucks und der Intention, etwas sagen, singen oder schreien zu wollen, zu schwingen. Jetzt kommt’s: Wenn man nun z.B. sprechen möchte, dann fangen die Vocalis-Muskeln zu schwingen an, beim Mann 100 bis 150 Mal pro Sekunde, bei der Frau meist noch öfter (200 bis 250 mal) – deshalb haben Frauen meist höhere Stimmen. Diese Schwingung wird in Hertz (Hz) gemessen. Man kann sich also vorstellen, dass unser Kehlkopf eine höchst

Berufsverband logopädieaustria: http://www.logopaedieaustria.at


Julia Gerger BSc ist Logopädin und Sängerin. Sie wird dem X-Rockz-Magazin auch in den nächsten Ausgaben ihre Fachkenntnis zur Verfügung stellen.

verantwortungsvolle Aufgabe hat. So eine muskuläre Feinjustierung ist keine einfache Sache. Zum Glück steht er ja keinesfalls allein da. Unser Körper ist übersät mit Muskulatur, von Kopf bis Fuß, von innen nach außen. Wir werden mithilfe unserer Muskeln bewegt, gehalten, beatmet, durchströmt von Blut – die Liste ist lang. Der Kehlkopf ist im Halsbereich in unseren Körper eingebettet. Die Kehlkopf-Mini-Muskeln sind verbunden mit der Zungen- und der Halsmuskulatur. Diese wiederum sind mit dem Schultergürtel verbunden. Der Schultergürtel mit dem Rücken, der Rücken mit dem Becken usw … eben verknüpft von Kopf bis Fuß. Aus diesem Grund beeinflusst die allgemeine Muskelspannung im Körper (=Muskeltonus) auch unseren Stimmklang. So­gar die Fußstellung wirkt sich auf die Stimme aus! Wer hätte das gedacht? Daraus ergibt sich also, dass unsere Körperhaltung den Klang maßgebend beeinträchtigt. Versuch mal zum Beispiel einen Song in gekrümmter Körperhaltung zu singen und danach auf­recht stehend. Klarer Fall. Übung zur Lösung festgehaltener Spannung und Lockerung der Muskeln und Gelenke: Locker stehen, Füße hüftbreit auseinander, Knie und Fußgelenke locker, Oberkörper aufrecht. Jetzt beginnen, leicht mit den Knien zu wippen. Die Bewegung langsam steigern. Alle Muskeln und Gelenke locker lassen, besonders Kreuzbein-Lenden-Gebiet, die Schultern und Arme und den Unterkiefer. Vorstellungshilfe: Wie eine Marionetten-Puppe, alles hängt locker vom Körper runter, nur die Knie wippen. Die restliche Körper wird nur durch das Wippen der Knie bewegt. Der letzte Punkt, auf den ich hier eingehen möchte, ist die Artikulation. Mit Artikulation ist das Zusammenspiel von Kiefer, Zunge und

Lippen gemeint. Eine präzise Artikulation und eine angemessene, aber lockere Kieferöffnung unterstützen die Stimmfunktion. Das Beibehalten einer entspannten Weite des Mundraumes während des Sprechens fördert die Resonanzbildung. Die Artikulation wirkt sich also auf die Resonanz, die Lautstärke, den Stimmklang und auch auf die Anstrengung bei der Stimmgebung aus. Der Ausspruch „Fest die Zähne zusammen beißen und durch!“ ist vielerorts bekannt. Versuch es mal. Beiß fest die Zähne zusammen und sag was Romantisches. Oder versuche dabei zu singen. Wie klingt denn die Stimme dabei? Passt das zusammen? Eher nein. Der Muskel, der sich an der Wange anspannt beim „Zähnezusammenbeißen“ wird übrigens auch als Stress-Muskel bezeichnet. Die Spannung steigt mit dem Stresspegel. Deshalb wirkt Kauen entspannend und baut Stress ab. Übung zur Lockerung und Weitung der Artikulationsorgane: Stell dir vor, du hättest ein riesiges Stück Kaugummi im Mund. Versuche, bei geöffnetem Mund so große Kau- und Kieferbewegungen wie möglich zu machen. Danach dieselbe Kaubewegung mit geschlossenen Lippen ausführen. Als Drittes mit geschlossenen Lippen die Außenseite der Zähne mit der Zungenspitze „putzen“. Dabei große Kreisbewegungen ausführen und bei jedem Zahn zehn Sekunden verweilen. Jede der drei Übungen mindestens 60 Sekunden ohne Unter­ brechung durchführen! Dies war ein kurzer Überblick über das Zusammenspiel von Stimme und Körper. In der nächsten Ausgabe wenden wir uns dem Thema „Stimmhygienische Maßnahmen“ zu, mit praktischen Tipps, wie man die Stimme im Alltag schonen kann.

59


Teil 2 Du kannst über ein Adapterkabel (z.B. iRig) die Gitarre am iPhone/iPad anstecken und verschiedene Gitarren­ effekte und -verstärker simulieren.

Ich habe eine App dafür Teil 2: Tools für Musiker Recherchiert, ausprobiert und reflektiert von Simone Jahrmann Stimmgeräte Der Stimmgeräte haben sich viele verschiedene Appentwickler angenommen. Gute Gratistools sind TyroTuner (iPad, iPhone, iPod touch) oder Free guitar tuner (Android). Wenn du ein etwas genaueres Stimmgerät haben möchtest, musst du dafür in die Tasche greifen und wählst dann am besten Cleartune (iPhone, iPad, iPod touch, Android) oder Ultimative Guitar Tools (iPhone, iPad, iPod touch, Android), welches du mit Ultimate Guitar Tabs (siehe weiter unten im Text) kombinieren kannst. Metronome Metronome kann man in jeder Preis­klasse und in jedem Design bekommen. Gratis und simpel bekommst du das Metronom – reloaded (iPhone, iPad, iPod Touch) oder Mobile Metronome (Android). Für große Exaktheit ist das Metronom™ (iPhone, iPad, iPod Touch) die richtige Wahl, denn es kann 25 verschiedene Taktsignaturen. Es kann dir mittels LEDs die Betonung deiner Schläge anzeigen oder erkennen. Es weiß, wie viele Takte du spielst und hat 13 Klangsets für Schlagzeug. Du kannst in dieser App auch eine Setlist erstellen. Ultimate Guitar Tabs (iPhone, Android, Windows Phone 7, iPod, iPad) Allein in dieser App siehst du die Songs mit Tabs und Text, du kannst ein Metronom verwenden und dir den 60

Song in verschiedenen Modi anzeigen lassen. Du kannst die Songs nach Tuning, Rating, Schwierigkeit, etc. suchen, dir die Parts des Songs aussuchen und welche Tabs du angezeigt haben möchtest. Wenn du dir die Ultimate Guitar Tools dazukaufst, hast du zusätzlich ein Metronom, ein Stimmgerät, eine Bibliothek für die Akkorde und kannst dir anschauen, wie diese gegriffen bzw. transponiert werden. Gibson (iPhone, iPad, iPod touch, Android) Ein Alleskönner für Gitarristen! Sie ent­ hält ein Stimmgerät, ein Metronom, eine Aufnahmefunktion und Zugriff auf Gitarrenunterrichtseinheiten. Guitar Tabs (Android) Eine akzeptable Gratisversion. Du kannst dir die beliebtesten Gitarrentabs ansehen und üben. Dafür ist keine Internetverbindung notwendig. Gigster (iPhone) Ein kleines Helferlein für Auftritte und Proben, bei der du eine Setliste erstellen, sie beliebig ändern und Notizen hinzufügen kannst. Made in Graz. Amplitube (iPhone, iPad, iPod touch) Mit dieser App hast du dein Aufnahmestudio immer dabei. Nimm auf, bearbeite und übe mühelos. Zusätzlich kannst du jederzeit Gitarreneffekte hinzufügen. Oder original Fender-Verstärkerklänge.

iReal B (iPhone, iPad, iPod touch, Android) Hier kannst du Lead-Sheets für Proben und Konzerte erstellen, bearbeiten und diese mit der App gleich zum Üben als Playback mit einem Pianosound abspielen. Reactabe Mobile – (iPhone, iPad, iPod touch, Android) Basierend auf dem echten Reactable das von Musikern wie z.B. Björk verwendet wird, ist die mobile Version ein experimenteller Synthesizer, mit dem sich verschiedene Soundgeneratoren und Effekte auf eine einzigartige Weise miteinander kombinieren lassen. Durch diese App bekommst du Zugriff auf Downloads und Remixes von originalen Tracks von Oliver Huntemann, Nortec Collective: Bostich & Fussible, Amo & Navas, Gui Boratto etc. Ähnlich dieser App ist Node Beat (iPhone, iPad, iPod touch, Android), welche billiger und netter designed ist. Touch OSC (iPhone, iPad, iPod touch, Android) Funktioniert wie ein MIDI Controller. Du kannst damit z.B. eine Musiksoftware fernsteuern. Voice Jam (iPhone, iPad, iPod touch) Du kannst mit dieser App deine Stimme mehrfach aufnehmen, loopen, übereinanderlegen und speichern. Kreiere deine eigene Acapella-Gruppe! PocketBand Lite/Pro (Android) Eine bemerkenswerte App, mit der du z.B. mit deinen Freunden über Social Music Musik machen kannst. Deine Songs erstellst du dafür aus Loops, Synthesizern, Rhythmuselementen, Modulatoren und Aufnahmen. Füge Effekte hinzu und exportiere die Tracks als MP3s oder Klingeltöne. In der PocketBand Community kannst du dann die Tracks veröffentlichen, abspielen und gemeinsam bearbeiten. Song Maker (iPhone, iPad, iPod touch) Singe ins Mikrofon und die App mischt dir ein passendendes Playback dazu. Zusätzlich kann man die Tonhöhe korrigieren und einen ChorusEffekt ein- und ausschalten.


Wissen

Bildtechnologie Ein Ausflug auf die technische Seite der Kreativität, Teil 1

Das Wort Technik stammt vom griechischen „technikós“ und leitet sich ab von „téchne“, was zu deutsch Kunst, Handwerk oder Kunstfertigkeit bedeutet. Man sieht also: Technik und Kunst sind seit je her untrennbar miteinander verbunden.

Tourguide: Cornelia Schwingenschlögl, Installation und Foto von Birgit Kniebeiß Die Bedeutung der Technik beschränkt sich in der Kunst keineswegs auf die Umsetzungsart (wie z. B. Aquarelltechnik, etc.). Ein Bereich, der gerade für bildende Künstler, Illustratoren und Grafiker sehr bedeutend ist, ist die Bildtechnologie. Sie beschreibt Gegebenheiten und Voraussetzungen und liefert Erkenntnisse, die schon bevor und während ein Bild entsteht, wichtig für das Endergebnis sind.

Die subjektive Farb- und Formenveranlagung Jeder Mensch besitzt eine ganz persönliche Farb- und Formenveranlagung. Das klingt einleuchtend. Aber warum ist die so wichtig, dass zum Beispiel Johannes Itten (Maler, Kunsttheoretiker und -pädagoge) in seinem Werk „Kunst der Farbe“ den subjektiven Farbklängen ein ganzes Kapitel gewidmet hat? Weil sie die Basis für jede echte kreative Entwicklung im bildnerischen Bereich ist. Leider spielt sie oft „hard to get“. Itten schreibt darüber: „Wer beruflich mit Farben arbeitet, hat oft Mühe, die subjektiven Farben zu finden. Manchmal realisieren Übende nur ihr Wunschdenken, sie malen ihre Komplementärfarben oder modisch interessante Farben, anstatt sich selbst zu reflektieren.“ Die echten subjektiven Farbklänge sind also nicht immer auf Anhieb leicht zu finden. Dabei spiegeln sie sich (immer!) auch im Äußeren des je­ weiligen Menschen wieder. Sie werden je nach Verfassung blasser oder leuchtender. Die körperlichen, seelischen und intellektuellen Komponenten des momentanen Zustands wirken darauf ein und verursachen verschiedenste Kombinationen. Der subjektive Farbakkord eines Menschen ist mehr als ein Fingerabdruck – er erfasst ihn in seiner psychischen und physischen Gesamtheit.

Damals, als Johannes Itten sein Buch geschrieben hat, hat er Maler in drei Gruppen eingeteilt: 1. Die Epigonen Sie besitzen fast keine eigenständige Farbgebung und komponieren ihre Bilder wie ihre Lehrer oder sonstige Vorbilder. 2. Die Originalen Sie malen so, wie sie selbst sind und komponieren immer ihren subjektiven Farbklang. Auch wenn ihre Themen variieren, bleibt der Farbausdruck immer derselbe. 3. Die Universellen Diese Künstler versuchen, nach objektiven Gesichtspunkten zu komponieren. Jede ihrer Kompositionen hat einen ihrem Thema entsprechenden Farbausdruck. Das Essentielle an solchen Basisinfos ist folgendes: Diese Gruppen stellen keine Wertung dar. Es ist nicht die eine Gruppe zwangsläufig „mehr Künstler“ als die andere. Und auch die „Zugehörigkeit“ zu einer der Gruppen muss nicht unverrückbar oder absolut sein. Um sich weiterentwickeln zu können, muss man aus seinen eigenen Grenzen ausbrechen. Und dafür muss man seine eigenen Grenzen erst einmal kennen. Das gilt für jeden Lebensbereich und damit natürlich auch für die Kunst. Allerdings reicht Begabung allein nicht aus. Werden Talente nicht gefördert und gefordert, verkümmern sie. Die beste Methode, um nicht in seiner eigenen subjektiven Farben- und Formenveranlagung zu verharren, sind gezielte Aufgabenstellungen und Übungen, die einen dazu zwin gen, darüber hinaus zu gehen und dadurch – mit der Zeit – darüber hinaus zu wachsen. 61


Wissen

Der Beginn der Fotografie Zeitreise von Birgit Kniebeiß

A m A n fa n g wa r d i e C a m e r a o b s c u r a – klingt obskur? Ist es aber nicht. Gewöhnlich sind Men- durch den Einsatz einer Linse einfacher, die schen im Besitz von nicht nur einer es ermöglichte, die Camera obscura kleiner sondern gleich zwei dieser Gerätschaften. und somit auch transportabler zu entwerIch spreche hierbei über unsere Augen, fen. Dies setzte sich im 18. Jahrhundert so die nach demselben Prinzip funktionieren. stark durch, dass sie zur StandardausrüsDiese Erkenntnis verdanken wir Leonardo tung der Künstler wurde. Am Ende des 18. Jahrhunderts kamen da Vinci. Das Prinzip der Camera obscura (Latein wir der Entwicklung eines „Films“ für die für „dunkle Kammer“) ist allerdings schon Kamera schon näher. Experimente mit länger bekannt und leicht erklärt. Sie lichtempfindlichen Materialien ermöglichbesteht aus einem komplett abgedunkelten ten es, schon ein flüchtiges Bild mit der Raum oder Behältnis, welches an einer Camera obscura festzuhalten. Es gelang, Seite ein kleines Loch besitzt, durch das das Motiv für einen bestimmten Zeitraum Licht einfallen kann. Daraus ergibt sich ein aufzuzeichnen. Sobald es jedoch erneut der auf dem Kopf stehendes Abbild auf der ge- Sonne ausgesetzt worden war, schwärzte sich das gesamte Bild. Das Rätsel, wie man genüberliegenden Seite. Dieses Prinzip ist schon zwischen 384–322 die in Gang gesetzte chemische Reaktion v. Chr. entdeckt worden. Allerdings gelang wieder stoppen konnte, musste noch gelöst es der Menschheit erst im 13. Jahr­hundert, werden. Die ersten auf diese Art entstanEinsatzmöglichkeiten für dieses Gerät zu denen Bilder erregten große Aufmerksamfinden. Sie wurde von Astronomen zum keit, konnten aber nur, fast verstohlen, Beobachten von Sonnenflecken und Son- im Licht einer Kerze präsentiert werden, nenfinsternissen benutzt, um nicht mit um die Bilder vor starkem Lichteinfall zu dem bloßen Auge in das helle Licht der schützen. Die Gebrüder Niépce – beide sehr geschickte Erfinder – experimentierten Sonne blicken zu müssen. Ein Bild konnte man schon erzeugen, aber auch mit dem Festhalten der Bilder, die von einem Foto war man noch meilenweit durch die Kamera erzeugt wurden. Sie entfernt, da das Aufnahmematerial, also der waren im Gegensatz zu ihren Kollegen erfolgreich, und so entstand ca. 1827 das erste Film, fehlte. Trotzdem war der Siegeszug der Camera Foto der Welt: Der Blick aus dem Fenster obscura nicht aufzuhalten. Im 17. Jahrhun- ihres Arbeitszimmers. Das Bild benötigte dert etablierte sie sich als Zeichenhilfe für eine Belichtungszeit von sage und schreibe Maler. Man konnte in ihr die Landschaft auf acht Stunden. Somit war es möglich, GePapier abmalen und dabei alle Proportionen bäude festzuhalten. Aber ein Abbild von richtig wiedergeben. Dies war anfangs noch Menschen oder bewegten Gegenständen zu umständlich, da man einen ganzen betret- erschaffen, war auch mit dieser Methode baren Raum brauchte. Es wurde erst später zum Scheitern verurteilt. Diese harte Nuss 62

musste noch geknackt werden. Wie sollte man die Belichtungszeit verkürzen? Wie oft in der Wissenschaft, war es auch diesmal bloßer Zufall, der die Lösung des Problems brachte. Louis Daguerre belichtete eine Fotoplatte, brach den Vorgang dann aber ab, weil das Wetter nicht mitspielte. Er verstaute die Platte in seinem Chemikalienschrank. Als er sie später wieder herausholte, entdeckte er überrascht, dass sich auf ihr ein Bild abzeichnete. Irgendetwas in seinem Schrank musste also die Belichtungszeit der Platte verkürzt haben, nur was war es gewesen? Um das herauszufinden, machte er weitere Fotos und legte sie in den Schrank. Von Bild zu Bild entfernte er jeweils eine Chemikalie. Bei dem letztem Bild blieben nur noch ein paar Tropfen versehentlich verschütteten Quecksilbers zurück. Da begriff Daguerre, dass es sich bei des Rätsels Lösung um Quecksilberdämpfe handelte. So gelang es ihm, die Belichtungszeiten von acht Sunden auf vier Minuten zu reduzieren. Dieses entwickelte System hatte fast zwei Jahrzehnte lang die Vorherrschaft. Der Begriff „Fotografie“ war noch lange nicht erfunden, aber damals war die „Daguerreotypie“ in Aller Munde und der Grundstein für die Fotografie, wie wir sie heute kennen, wurde gelegt.

Um sich selbst in einfachere Zeiten zurück zu versetzen, haben wir euch einige Bastelanleitungen als Inspiration unter www.x-rockz-magazin.com zum Download zur Verfügung gestellt.


Wissen Wissen Dirkon – die Papierkamera Der Ausschneidebogen der Lochkamera erschien 1979 in dem Magazin „ABC für angehende Techniker und Naturwissenschaftler“ in der ehemaligen Tschechoslowakei (Download unter www.x-rockz-magazin.com). Der Beitrag und die Konstruktion stammten von Martin Pilný, Mirek Koláf und Richard Vyslkovský. Der Name ist eine Wortschöpfung aus dem tschechischen Wort für Lochkamera (dírka) und der Verballhornung von ‘Nikon’.

Die Lochkamera (Camera obscura) heute Einige Fotografen nehmen sich der Urform der Fotografie heute noch an, wie zum Beispiel die deutsche Fotografin Vera Lutter, welche ganz nach antikem Vorbild begehbare Lochkameras konstruiert. Bevorzugte Motive sind Stadtansichten oder Industriebauten. Es ergeben sich dabei Belichtungszeiten von einigen Stunden bis zu einigen Tagen. In dieser Zeit hält sich die Künstlerin zumeist in diesen abgedunkelten Räumen auf, um bei Bedarf Einfluss auf die Belichtung zu nehmen. Der besondere Reiz an diesen Bildern ist, dass es großformatige, menschenleere Unikate sind, da sich die Personen zu schnell durch die Bilder bewegen und somit nicht mehr abgebildet werden können. Bastelanleitung: Am besten eignet sich dafür eine digitale Spiegelreflex-Kamera oder eine Kamera mit Wechselobjektiv. Den Gehäusedeckel der Kamera suchen. Nachdem dafür die halbe Wohnung auf den Kopf gestellt wurde, ein Loch in den Deckel schneiden. Dieses Loch mit Blech (z. B. Cola Dose) verschließen. In das besagte Blech nun mit einer Nadel ein kleines Loch machen und fertig ist die DSLLochkamera. Die Lochkamera heißt im englischen „pinhole camera“, da das „Linsenloch“ meist mit einer Stecknadel gestochen wird.

Abschließen möchte ich mit einer kleinen aufmunternden Anekdote: Helmut Newton ist im Restaurant: Der Koch: „Ihre Fotos gefallen mir, Sie haben bestimmt eine gute Kamera.“ Newton nach dem Essen: „Das Essen war vorzüglich – Sie haben bestimmt gute Töpfe.“ Ein guter Topf macht noch keinen guten Koch genauso wenig wie ein guter Fotoapparat einen guten Fotografen macht. Also rann an die Schere und zeigt uns was ihr alles aus der günstigsten Kamera der Welt raus­ holen könnt! Die drei besten Bilder werden mit einer Kleinigkeit belohnt. Wir freuen uns auf eure Zusendungen und wünschen viel Spaß beim Basteln und Knipsen – ähhm – beim Belichten.

63


X-Wort-Rätsel Senkrecht:

1

2. TV Serie, die mit einem großen Knall bei uns einschlug und das nicht nur theorethisch. 3. engl. f. „graben“; 4. Manch einer kann ihr musikalische Klänge entlocken die meisten verwenden sie allerdings als Werkzeug zum trennen. 5. Ein Märchen der Brüder Grimm welches von vier musikalischen Tieren erzählt: Hahn, Katze, Hund und … 6. Würfelspiel­freunde werden bei dem Anblick einer 2 und einer 1 unter ihrem Becher vergnügt … schreien. 7. Der Wolf ist dem Mond zugetan und bekundet dies lautstark (Adjektiv). 8. Das Mekka für Physiker in Genf. 9. Die größte Drüse im menschlichen Körper. 10. Untoter aus der Fantasy- und Horror­ literatur; 12. Ägyptischer Sonnengott; 14. Winkeladvokat; 16. Was früher der Walkman ist heute der …? 19. Legierung aus Eisen und Kohlenstoff; 21. Ein Paartanz kubanischer Herkunft; 22. Nicht nur viele sondern … ; 25. Kf. f. Inhaber; 27. Kf. f. Kärnten; 29. Vorsilbe, die besonders gerne von Wienern verwendet wird. 30. Kf. f. Telefonnummer; 33. nicht „Aus“; 34. Kf. der TV Serie mit der George Clooney seinen Durchbruch hatte.

Waagrecht:

2

3

9

10

4

13

von Birgit Kniebeiß 5

6

18

20

21

16 19

22 24 28

25

29

23

26

27

30

31

32

33

34

35

37

8 12

15

14

17

7 11

36

38

Des Rätsels Lösung gibt‘s ab August 2012 online auf www.x-rockz-magazin.com/crossword

June 2012

1. Captain, sprechen Sie mir noch ein Lied. (Name; 2w); 11. (Blitz)DC; 13. Das kleinste Streichinstrument; 15. Kf. „Handelsregisteramt“; 17. Kf. Die weltweit größte gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit Sitz in Großbritannien; 18. Milchstraße, Große Magellansche Wolke, Andromedanebel usw. – dies sind? 20. Ein historisches Land östlich von Böhmen; 23. Kf. f. Hauptprozessor; 24. Kf. f. Nummer; 26. Der wohl popigste Andy aller Zeiten; 28. Kf. f. Untergeschoß; 31. Gegenteil von „Auf der Alm“ (2 Worte); 32. der größte Verbund im deutschen Einzelhandel; 35. Anabell hat ihren Hund wohl nicht gut erzogen; 36. Nicht fern; 37. Wie reiste Arthur Dent? 38. von hochwertiger Qualität; anständiger, moralischer Mensch

Kätzchen woman Wollknäuel boy

&

Created by Birgit Kniebeiß & Georg Rosmann Drawings by con

64


INSERAT Droom Wir haben etwas

„Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.“ Henry Ford

gemeinsam … … und zwar die Zielgruppe Schalten Sie Ihre Werbung österreichweit in unserem Magazin und/oder weltweit online und erreichen Sie unmittelbar Ihre Kunden aus dem Kunst-, Kultur- und Musikbereich! Wir informieren und beraten Sie gerne über alle diesbezüglichen Möglichkeiten.

Kontakt: Ing. Thomas Pirker Verkaufsleiter/Anzeigenverkauf Mobil: +43 699 181 26 433 E-Mail: sales@x-rockz-magazin.com 65


X-Rockz-Online-Ausgabe und Abo-Service Besucht uns auf unserer Website www.x-rockz-magazin.com Abo-Service online auf www.x-rockz-magazin.com Werde ein Fan unserer Seite auf www.facebook.com/XRockzMagazin Du hast uns was zu sagen? Wünsche, Vorschläge und Leserbriefe bitte an E-mail: redaktion@x-rockz-magazin.com Fax: +43 (0) 316 8363 12 Mobil: +43 (0) 650 215 0975

Dachtet ihr, das war

schon alles?

Falsch gedacht! Auf unserer Website und auf Facebook winken diesen Sommer jede Menge cooler Aktionen und Gewinnspiele. Und noch ein Supperl haben wir am Kochen: Unser Newsletter bekommt ein völlig neues „Gesicht“. Damit euch den Sommer über bis zur Oktober-Ausgabe nicht fad wird, werden wir auf unserer Website und auf Facebook für ein bisschen Spannung sorgen. Wir haben einige lustige Aktionen und Gewinnspiele vorbereitet. Den Teilnehmern winken Preise von Jahres-Abos über CDs (z.B. das neue Album „Burn Brightly Alone“ von Cadaverous Condition) und DVDs bis hin zu Eventtickets. Zum Beispiel anlässlich der X-RockzKinowochen von 13. bis 26. Juli: Schickt uns ein Foto von euch mit Eintrittskarte vor dem Kino, in dem ihr unseren X-Rockz-Werbespot gesehen habt, oder postet es auf unserer Facebookseite www.facebook.com/XRockzMagazin. Wer sich noch an unser Moderatoren-Gewinnspiel erinnert und sich vielleicht gefragt hat, wozu das denn gut sein sollte: Die Tage der ellen­ langen X-Rockz-Newsletter sind gezählt. Zukünftig werden wir euch per News-Video über die aktuellen Geschehnisse im und um das Magazin infor­mieren. Fast wie in der ZIB2 mit Moderator(en), Talks und Beiträgen, aber natürlich viel, viel x-rockiger. Also, immer schön die Augen offen halten! Wer weiß, was uns noch alles einfällt! Euer X-Rockz-Team

2 /1 2

,8 0 AT: 3

3,80 € 07-0 9/12 AT: #03 04, Ausg abe

Aus gab e

03, 04- 06/ 12

AT: 3,8 0 €

schön macht Lesen

hlau und sc

Them l ische pecia uss – Jurist ller Zauber

S

Künstl en zur

erbran

[W W W.

X-ROCKZ-

MAGAZIN

.COM]

t- & Ku l t

GAZINE

urm

aga

magaz

Der Han die Knutssi & chgirls

e K uns

he Ku n st-

Hinter den Kul issen bei den zum X-RockZ-K Dreharbeiten inospot

eich err

Beef statt

Bacon

Ein Besuch beim Grazer Künstler Josef Wurm

bhä

Special

öst

trifft auf Tra sh und Grindc ore

ge

Moderner Dea thmetal

AR

T- M

AG

AZI

NE

[W

Beg S t r e g a rs et In n W W.

X-RO

CKZ-

MAG

AZIN

5 che 5/

.COM

]

Hinte Rock r den Ku lissen Graz ´n´Roll, CD des – Lo s Ange-Recordin Band-Allta les un g & Vi gs: d die deodre ganze h, Welt Nie zw eifeln , dass es pas sier t

isch

Privile Approvgael Of

ngi

eichisc ngige

Das un abhä

Jörg

Vog el

Tatt oo

Das gr oße X -Rock

Spe

cial

tanz

mod els

z-Cove

r votin

g

una

Das

ft:

He

In

di

es

em

Special

gr a – Foto . Str – Tage vo or y Teil 2 ag. R in st ie logie, RA M al Bildle – Die Foto & -akadem techno v ild r B ti io tu 3– Fes opStud odelagen , Teil M SiSiT enue – – Apps v Teil 3 1st A imme, Die St t: r ie erch Rech

na as u

bh

ig äng

t e ös

err

eic

Ab Oktober r 2012 im u t a r Liteerhältlich! Handel

A R T- M A

Aco ust Wo ic La lga ke ng si Ste Lö de F Oliv fan ffler estiva er Wed – S l – Ma am ch D um jstoro – V muck er Be sich vic oosh künsl rich zu – ter t e fidn selbst Kun ll st, en

Ak den K inter und h

A u sg

RA M Stefa ag. R. S RA Mag. R. Jörg n Mose trauss Clemens Strauss – Juristisch Alles nur Illusion e Them Ber Hara Stefflits r – Thea Juristisch Das Luftba ndorff – Film & Scha en zur Künstlerbran ter e Th ld ch che d – Der Insid uspi 3/5 eler C ei hris Federe – Die & Schaus emen zu Space Tou er-Tipp der pi toph r Küns Le rs Wie er M r – Love idenschaft elerei tlerbra nche 4/5 – Mission E.V.A. – ner Musikerszene , Peac avri n zur Künstlerbra nche der bi Der Theme schl sche e echt c– R este SciFi-Fil 2/5 uss – Juristi Recherchi Die Ku & Guitars ldnerisch m aller Zeiteecherch ert: Die Stim RA Mag. R. Stra – Tage voller Zauber en Ku n nstt: de iert me, Teil 1 – nst : Im Au r Foto Festival Bildein Die Fotostory f Tonträger – e grafie ge de Synästhesie o– – Apps emie s BetrH rview, tails SiSiTopStudi -akad & ur agent Model mas Inacte ht&erCosck–– ISSN 2224-49 1st Avenue – e rafie ISSN 2224-4999 Fotog – s gie d 99 d r De n e r erst Bildtechnolo – Apps, Teil 2 – e Akt dieRoth – ffiti, Sa a Gerg Die Stimme, Teil 2 – Ein Recherchiert: In H. C.ch – Grasel & Juisli do los Reim sollte bea r Jo os es se City Pete W in

ft:

sis, kPortraits und Even Mtuu ew elle N ulissen

Konstantin Wecker

ISSN 2224-4999

He

e szents vor

Feed’em With A Brick

il 2 afie, Te

sem

che K

Channel Zero

die

chiedli

& Mirja Geh Sebastian Patter im Portrait

In

ch his

Unters

M]

Re Mark iner Ju us S ratti ulzb –L Tim macht acher – iteratur David die Mu Der Ton ’s aus Son – sik dem Regg Taxi ae

.X-R

[WWW

-MAGAZIN.CO

österr

lturma ns t - & Ku h is c he Ku

NE

reic ige öster

&

AZI

W. X - R O C K Z ZINE [WW

Die Kunst der Fotografie

nde Bildest Portrait Kun ünstler im

un e K

st-

M AG

-MA OCKZ

N.C GAZI

OM]

häng Das unab

ART

tu Ku l

rma

gaz

in

A R T- M A G A

& Ku l t ur

gazin

#04

#04

zin

in

Au

, 1 0 -1 e 05 sg a b

t: Hefterview, em Das In ilo-iesiel Lima -–sance der itphter, d is pl n an I a & D Rena ankens ie Dalm ter – D en Ged r – Alle Twit sophisch Gerge der Julia hre wie Ja

ab e

02,

0 1 -0

3 /1 2

AT: 3 ,8 0


AUFREISSEN UND GEWINNE N!

Spielteilnahme bis: 31. August 2012

www.cineplexx.at

LOS ZUR PREMIERE

3 Reisen zu internationa len Kinoprem ieren + 100.000 Sofo rtgewinne!

TZT AN DER AUJEFR EISSEN UNDKINOKASSE! GEWINNE

Gewinn‘ eine von 3 Reisen zu internationalen Kinopremieren mit Anwesenheit der Stars & 100.000 Sofortpreise.

X-Rockz Magazin - Ausgabe 04 | Juli 2012  

X-Rockz Magazin - Ausgabe 04 | Juli 2012

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you