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Das österreichische Kunst-, Kultur- und Wissensmagazin

Ausgabe 12, 07/14, AT: 3,80 €

#12

ISSN 2224-4999


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24.06.13 13:44

Editorial

X-Rockz-Magazin web: www.x-rockz-magazin.com e-mail: redaktion@x-rockz-magazin.com fax: +43(0)316 8363 12 mobil: +43(0)650 215 0975 Herausgeber/Initiator: Günther Golob Sitz/Abonnenten-Verwaltung: Moserhofgasse 54 Top 53, 8010 Graz/Styria/Austria/Europe Chefredaktion: Günther Golob Redaktion & Koordination: Günther Golob, Nina Senekowitsch Layout/Gestaltung, Covergestaltung: Petra Höfler Cornelia Schwingenschlögl Fotografen: Aramolara/Flickr.com, baldkommtdasbiest.com, Olivia Fürnschuß, Casino Graz, Günther Golob, Uwe Gritsch, Patrick Gunderson/Flickr, Christian Heuegger, Hijanisch/Flickr.com, Gerhard Hofstätter, Christine Kipper, Michaela Klampfer, Liz Krobath, Ireck Litzbarski/Flickr, Hannes Loske, Horst Nadles, Rene Oblak, Chris Plach, Miriam Primik, Sascha Pseiner, Klaus Stöttner, The Justified Sinner/Flickr.com, uwalkin/Marto Pritz, Brian Versteeg/spacehabs.com, Harald Weidacher, Janina Maria Worba, Wikipedia, youspi Consulting GmbH Autoren: Ralf-Dieter Abraham, Casino Graz, Gunter Dorner, Michaela Klampfer, Birgit Kniebeiß, Lea Leitner, Sandor Lembäcker, Horst Nadles, Irmgard Neumann, Christian Neuwirth, Rene Oblak, Emanuel Plauder, Sascha Pseiner, Stefan Rothbart, Wolfgang Schatz, Horst Schnattler, Nina Senekowitsch, Tali Tormoche, MMag. Chia-Tyan Yang Lektorat: Mag. Silvia Münzer, Cornelia Schwingenschlögl Verlag: Günther Golob – Buch-, Kunst- & Musikalienverlag Moserhofgasse 54 Top 53, 8010 Graz/Styria/Austria/Europe Country of Distribution: Austria (AUT) – ISSN: 2224-4999 Vertrieb: Valora Service Austria GmbH St. Leonharder Straße 10 5081 Anif/Salzburg

Liebe Freunde, geschätzte Kollegen, werte Leser, Sonne, Hitze, Urlaub – und die neue X-Rockz-Ausgabe. Wir haben wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Euch ein Juwel an Informationen in unserer Sommerausgabe 2014 zusammenzutragen. Viel Kreativität, Kunst und Wissenswertes rund um diesen heißen Sommer wurde von meinen Super-Team ausgeforscht und für Euch perfekt in einem schönen Magazin verpackt. Ich selbst war aufgrund meiner Teilnahme bei dem Projekt Mars-One sechs Wochen in den USA und habe sehr viel lernen, erleben und sehen dürfen. Im Heftinneren findet Ihr einen schönen Bildbericht über meine Reise. Dieser Bericht wurde in englischer Sprache gedruckt, da wir in den USA sehr viele neue Fans des X-Rockz-Magazins gewonnen haben. Wie es mir dabei ergangen ist findet Ihr ab Seite 23. In meiner Abwesenheit hat mich meine Praktikantin Nina Senekowitsch bestens vertreten und die Mitarbeiter betreut. Das Teamwork hat super funktioniert und ich freue mich sehr, auf diesem Weg meine Anerkennung für die tolle Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Aber genug geredet, ich will Euch nicht an die erste Seite binden, seht und lest selber! Über Response von unseren Lesern freuen wir uns natürlich immer sehr – wenn Ihr Lust habt, meldet Euch per E-Mail oder postet auf unsere Facebook-Seite! Vielen Dank wieder an unsere tollen Werbepartnern, ohne die es nicht möglich wäre, Euch dieses Magazin zu präsentieren. Ich als Optimist bin aber zuversichtlich, dass wir hoffentlich nach drei Jahren harter Arbeit bald finanzielle Anerkennung für unsere Arbeit von Stadt, Land, Kultur und Wirtschaft bekommen. Wir haben uns wieder mächtig ins Zeug gelegt, um Euch zu informieren, zu unterhalten und zu inspirieren. Viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe und ich wünsche Euch einen Sommer wie Ihr Ihn Euch vorstellt, voller Erfolg, Spannung und Kreativität. Ich hoffe, wir lesen uns in der Herbstausgabe wieder an derselben Stelle. Das Leben ist ein Theater und die Welt ist ein Zirkus!

Anzeigenleitung: Günther Golob Mobil: +43 650 215 0975 E-Mail: sales@x-rockz-magazin.com X-Rockz-Magazin – verantwortlich für Bild und Text: Günther Golob

Günther Golob P. S. Besucht das X-Rockz auch auf

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X-Rockz-Magazin behält sich sämtliche Rechte, Satz- und Druckfehler vor. Aus Gründen der Satzschönheit und Lesbarkeit verzichten wir auf explizites Gendern. Alle unsere Artikel sind an offene, interessierte Menschen gerichtet, und zwar unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder ihrer Lieblingsspeise.

Foto: Liz Krobath

IMPRESSUM/INFO


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Juristisch, Wissen & Wissen-Shorts Wie funktioniert ein Webradio Smart City Graz Voice-Academy Die (Neuro-)Kunst des Erfolgs Die letzte Bastion der Satire Das Biest ist da Der Vertrieb bin ich Casino Comedy Club Passion Nacht Sounddesign

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Mag. Irmgard Neumann

Internetrecht

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Schrift für die Ohren

Die Entstehung der Schrift, Teil 4

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Noch nicht bunt, aber schon in 3D

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09 10

Moby Dick und Heavy-Metal

Die Stereoskopie

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Kunst & Design Ich bin kein Künstler Walter Teschl

Kreative auf „Du und du“ mit der Konkurrenz cardamom - Agentur zur Förderung des guten Geschmacks

Kreatives Arbeiten greifbar machen Youspi Consulting GmbH

Wasser

Fotografie 33 Christine Kipper

und der unwiederbringliche Moment

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Bühne & Film Styrian Film Generations

Drei Generationen der steirischen Filmszene im Gespräch

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Johannes Fröhlich

Dr. Masaru Emoto

Filmemacher

Special Mars One

Literatur 42 Herr Tali sucht das Glück

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Roadtrip through the U.S.A.

Musik 32 Musikcafe Prenner

Eine Empfehlung von Gunter Dorner

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Der liebe Gott will, dass ich Keith Richards heirate

Der Zug

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Wolfgang Schatz

Wem nach Nutzloser-Zeitvertreib ist, DerDieDas lese weiter

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Die Wahrscheinlichkeit des Krieges

Ein gesellschaftskritischer Roman von Stefan Rothbart

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Wie funktioniert ein Webradio? Artikel von Sandor Lembäcker, Foto von Uwe Gritsch

Webradios ermöglichen es prinzipiell jedem, Radioprogramm für Tausende Hörer im Internet zu machen. Dieser Artikel erklärt am Beispiel von RockFM, wie das geht. Ganz ohne Budget geht’s nicht. Ein professionelles Equipment kostet ungefähr zwischen 11.000 und 12.000 Euro. Dieser Preis beinhaltet schon ein digitales Mischpult, Mikrophone, eine Automationssoftware, um die einzelnen Soundelemente einfacher abspielen zu können, und einen eigenen Streamingserver, der das fertige Produkt in möglichst hoher Qualität und so zuverlässig wie möglich online bereitstellt. Ein halbes Jahr hat Uwe Gritsch sein Format RockFM vorbe­ reitet, das einen starken Bezug zur Steiermark haben soll. So etwas ist selten, da Webradios dadurch, dass sie prinzipiell weltweit empfang­bar sind, eigentlich selten regional ausgerichtet sind. Der Grund ist die Finanzierung. Wenn man das investierte Geld auch wieder zurückbekommen möchte, muss man den Sender kommerziell führen, das heißt Werbekunden davon überzeugen, für Werbezeit innerhalb des Programms zu bezahlen. Und das ist überhaupt nicht so einfach: „Alleine vom Internetradio könnte ich nie leben. Mindestens genauso wichtig ist die Produktion von Spots zum Beispiel“, so Uwe Gritsch. Dadurch verliert man als Radiomacher allerdings seine Unabhängig­ keit. „Man ist sowieso nicht nur finanziell abhängig, sondern vor allem auch vom Internetanbieter. Wenn das W-Lan im Studio ausfällt, wird nichts gesendet.“ Der Vorteil einer eigenen Radiostation ist natürlich vor allem auch,

die Playlist selbst zusammenstellen zu können. Gute Kontakte zu Plattenfirmen sind nützlich, aber nicht notwendig. „Rechtlich gesehen ist es so, dass wir einen Vertrag mit der AKM (Verwertungs- und Urheberrechtsgesellschaft für Autoren, Komponisten und Musiker) abgeschlossen haben, der uns erlaubt, Musik von diversen Künstlern zu spielen, wenn wir im Gegenzug 10 Prozent unseres Jahresumsatzes abgeben.“ Es reicht aber nicht, im Internet hörbar zu sein, wenn keiner zuhört. „Natürlich muss man auch ins Marketing investieren, sonst weiß ja niemand, dass es den Sender überhaupt gibt“, sagt Uwe Gritsch. Möglichkeiten, bekannter zu werden, sind unter anderem Inserate in Lokalzeitungen – was natürlich in erster Linie bei einem Programm Sinn macht, das nahe an der Region ist. „Die sogenannten sozialen Medien werden dabei vollkommen überschätzt. Die Website selbst klicken etwa zehn Mal mehr Leute an, als beispielsweise unsere Facebookpage …“ Unterschätzen sollte man im täglichen Radiobetrieb auch die Vorbereitungszeit nicht. Eine sechsstündige Sendung braucht min­ destens dreieinhalb Stunden Vorarbeit. Zuerst werden die Songs ausgewählt, dann die Moderationen vorgeschrieben und zum Schluss Serviceelemente, wie Wetter und Verkehr. Dass Radiomo­ deration mehr ist, als Mikrophon einschalten, sprechen und Musik spielen, ist also klar.

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Smart City Graz Artikel von von Christian Neuwirth, Visualisierungen von uwalkin/Marto Pritz

Nach Handys, Fernsehern und anderen Gebrauchsgegenständen soll nun endlich auch unsere Stadt smart werden. Was steckt hinter dem Projekt? Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten und einzelne Agglomerationen platzen bereits aus allen Nähten. Graz ist vom Status einer Megacity zwar noch Lichtjahre entfernt, aber auch hier gibt es ein stetiges Wachstum. Laut aktuellen Prognosen soll in den nächsten 15 Jahren die Einwohnerzahl um über 21.000 Menschen ansteigen. Stadtleben ist in Mode, denn Urbanität bedeutet Vielfalt, ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten, Arbeitsplätzen und Wohnraum. Die Kehrseite sind Begleiterscheinungen wie Verkehr, Feinstaub und Lärm, die ebenfalls Charakteristika städtischen Le­ bens sind. Auf Ebene der Stadtplanung wird deshalb oft versucht, einen optimierten Lebensraum zu schaffen. Dabei hat es in der Geschichte der Stadtentwicklung schon mehrere Paradigmenwechsel gegeben. Aktuell stehen die Begriffe Nachhaltigkeit und ökologi­sche Verträglichkeit ganz oben auf der Agenda, so auch beim Modellprojekt Smart City Graz. Die Vision ist zeitgemäß: eine intelligente Vernetzung von Wohnen, Arbeiten, Bildung, Freizeit und Nahversorgung, und das alles unter Berücksichtigung von Energieeffizienz, Ressourcen­ schonung und höchster Lebensqualität. Knapp 25 Millionen Euro sollen für dieses Projekt in das Areal rund um die Waagner-BiroStraße investiert werden. Erste Teile der Vision werden schon in Kürze Wirklichkeit, da der Baubeginn des Science Tower, als erste Komponente der Smart City, bereits im Herbst dieses Jahres erfolgen soll. Dabei handelt es sich um einen energieeffizienten, mit „Grätzel-Solar­paneelen“ ausgestatteten Forschungsturm, in dem

Forschungsturm und List-Halle

Unternehmen aus dem Gebiet der „Green Technologies“ angesiedelt werden sollen. Mit der Konzentration an Know-how aus dieser zukunftsträchtigen Branche hat Graz die Chance, sich in diesem Bereich zu einem internationalen Forschungsstandort zu entwickeln. Zudem ist ein Auftriebskraftwerk in Planung, das mit urbaner Stromerzeugung den zukünftigen Bewohnern eine moderne Energieversorgung bieten soll. Die Stadtplanung findet längst nicht mehr hinter verschlossenen Türen statt. Im Gegenteil – Bürger und Bürgerinnen sind aufgerufen, ihre eigenen Ideen einzubringen. Mit besonderem Fokus auf dieses Bottom-Up-Prinzip geht man auch hier neue Wege und versucht, über ein gut vernetztes Stadtteilmanagement eine partizipative Stadtentwicklung zu realisieren. Vor allem groß­zügige Grünflächen, aber auch verkehrstechnische Lösungen sollen gemeinsam mit lokalen Akteuren gestaltet werden, um die bestmögliche Nutzung sowie die Zufriedenheit aller Beteiligten sicherzustellen. Mit zirka 49 Hektar Fläche umfasst das ehemalige Industrie- und Gewerbegebiet in Hauptbahnhofsnähe vorerst nur einen kleinen Teil des Grazer Stadtgebiets, doch wird das Quartier einigen Tau­ sen­den Menschen als Wohn- und Arbeitsraum dienen. Als Modellprojekt nimmt die Smart City eine wichtige Vorreiterrolle für zukunftsorientierte Stadtentwicklung ein und könnte so zum Vorbild für andere Viertel werden. Weitere Infos und natürlich auch die Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, sich mit eigenen Ideen zu beteiligen, gibt es auf www.smartcitygraz.at. 7


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Voice-Academy Text & Foto von Rene Oblak

Stimmliche Bestandsaufnahme Im Wissen um die menschliche Stimme gibt es ein sehr großes Spannungsfeld vom Fachwissen über gefährliches Halbwissen bis zum stressfreien Unwissen. Weiters teilt sich noch das technische vom praktischen Wissen und schon weiß man nicht mehr, was man glauben soll. Es muss doch einen Grund geben, warum manche Menschen sich redlich mühen, eine gute Stimme zu erlangen, wohingegen sich andere, wie man so schön sagt, hinstellen und einfach lossingen. Und das, wie man bedrückt feststellen muss, ohne großen Lernaufwand. Die Antwort liegt, wie so oft, nicht in dem, was man sucht, sondern in dem, was man findet. Sucht man das gesamte Wissen über die Stimme, die möglichen Techniken etc., wird man es auch nach ausreichendem Studium erlangen. Doch sucht man nach seiner eigenen Stimme, um die Musik, die einem innewohnt, erklingen zu lassen, besteht sehr rasch die Chance, fündig zu werden. Wer suchet, der findet, und wer den Mund öffnet, kann singen. Doch hier beginnt bereits die Chance für einen coolen Gesang zu bröseln. Zuerst darüber nachdenken, ob das wohl richtig ist, die gespeicherten Wahr­nehmungen aus der Vergangenheit wie „Du kannst nicht singen“, „Sei leise“, „Was du heute wieder zusammenredest“ und noch vieles mehr

schaffen ein mentales Fundament, auf dem maximal etwas warme Luft nach dem Öffnen des Mundes entweicht. Während meiner täglichen Arbeit als Coach konnte ich feststellen, dass es einen gravierenden Unterschied im Stimmgebrauch gibt, ob im familiären Umfeld gesungen und ein lebhafter Stimmgebrauch gelebt wurde oder nicht. Aber was tun, wenn nun die eigene Stimme nicht begeistert? Auf die Suche nach der eigenen Stimme machen! Das lernen, was notwendig ist, um die eigene Stimme zu entfesseln. Ausprobieren, was Spaß macht und wirkt. Und sich von niemandem einreden lassen, man könne etwas nicht. Fertig! Sprechen Sie mit mir über die Möglichkeiten Ihrer Stimmentwicklung und machen Sie sich auf den Weg. Ich verspreche Ihnen: Diese Reise lohnt sich! Stimmtipp: Machen Sie sich auf die Suche nach Ihrer eigenen Stimme und lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie etwas nicht können oder etwas nicht möglich wäre. Die Grenzen liegen auch bei der Stimme in Ihrem Inneren und nur Sie bestimmen, wie eng Sie diese Grenzen setzen. Um Ihnen die Suche nach Ihrer eigenen Stimme zu erleichtern, bestellen Sie gratis Ihren Stimmcheck-Fragebogen per E-Mail an office@voice-academy.at,Betreff: „X-Rockz Fragebogen“.

www.voice-academy.at, office@voice-academy.at

Die (Neuro-)Kunst der kulturellen Wahrnehmung Text & Foto von Michaela Klampfer

Wir beginnen den Tag mit einer Tasse Kaffee, mit einem Tee und/oder Frühstück, wir haben unsere Abläufe und kümmern uns. Wie haben sich diese Dinge eingestellt? Ist jede Handlung, jede Äußerung und jeder Ablauf kulturell beeinflusst und als kulturelle Äußerung zu verstehen? Kultur im Sinne von Bearbeitung, Pflege (Lat.) kann alles betreffen, was wir selbst hervorbringen und benennen können. Sobald Menschen aufeinander treffen, existiert Kultur, die auch ohne genaue Beschreibung und Definition erlebt werden kann. Man nimmt Gemeinsamkeiten und Unterschiede wahr und verhält sich. Dabei richtet man sich nach seinen Vorstellungen, was richtig, angemessen und gemeinsam ist. Wozu dient das Erleben von Gemeinsamkeit? Um uns in einem bestimmten Rahmen sicher und geborgen zu fühlen. Wir nehmen unsere Umwelt über Sinneseindrücke wahr. Unser Gehirn bestimmt sofort, ob wir dieses Ereignis kennen oder nicht. Ist etwas bekannt, gibt es eine gewisse Be­wertung und Erwartung, die sich bei uns einstellt. Wir haben eine Vorstellung, wie sich Personen oder Situationen in unserer Umgebung verhalten oder weiter gestalten werden. Wir haben eine Idee, wie sich unser eigenes Verhalten auswirken wird. Je ähnlicher die tatsächliche Folge der Erwartung ist, als umso sicherer und kontrollierbarer erleben wir die Situation. Sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, wird es als richtig abgespeichert und kann handlungs­ weisend für künftige Situationen sein. Die Kultur entwickelt sich. Wird eine Situation als neu wahrgenommen, kommt es auf die beteiligten Personen oder Gegebenheiten (die Rahmenbedingungen) an, wie ich mich

verhalte oder was ich erwarten kann. In diesem Zusammenhang kann unsere bereits bestehende Idee von Kultur und von unausgesprochenen Gemeinsamkeiten und Regeln sehr hilfreich, sogar beruhigend wirken. Worauf darf ich mich im Großen und Ganzen verlassen? Nicht nur in großen Zusammenhängen sind kulturelle Werte erlebbar. Auch in kleine­ rem Rahmen sind sie erkennbar. Betrachten wir unsere Beziehungen, unsere Familie. Die gemeinsame Idee von Gewohnheiten, Handlungsmustern und Werten bestimmt das Zusammenleben und schafft Vertrauen. Weiters kann festgestellt werden, dass Personen mit ähnlichen Wertvorstellungen und Haltungen uns sympathischer sind und sich eher Freundschaften ent­ wickeln. Je offener wir allerdings in unserer Wahrnehmung und Bewertung anderen Personen und Gruppen gegenüber sind, desto eher haben wir die Chance, Neues kennenzulernen und als dienlich – sprich nützlich – abzu­speichern. Eine Idee: Achten Sie darauf, zu welchen Gruppen und Gemeinschaften Sie sich zählen. Wie nehmen Sie den Umgang miteinander wahr? Welche (kulturellen) Unterschiede gibt es schon allein innerhalb dieser verschiedenen Kreise?

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www.traduko.at, michaela.klampfer@traduko.at


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Die letzte Bastion der Satire Text von Stefan Rothbart, Foto von Aramolara/Flickr.com

Wir erleben derzeit eine kulturelle Veränderung in der Gesellschaft und vor allem in der Medienlandschaft. Die Gegensätze zwischen öffentlicher Meinung und medialer Berichterstattung scheinen immer weiter auseinander zu gehen. Die Ablehnung der traditionellen Medienanstalten scheint zu steigen, was z.B. anhand der dramatisch sinkenden Quoten bei den großen Medienkonzernen ersichtlich wird. Umso bemerkenswerter sticht dabei zur Zeit eine Satire-Sendung im deutschen ZDF hervor – Die Anstalt. Künstlerisch auf hohem Niveau wird gekonnt gegen den Mainstream geschwommen und Gesellschaftskritik vom Feinsten geliefert. Satire hat ja die Aufgabe, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Eine wichtige Aufgabe, die aber in den letzten Jahren immer mehr durch Quatsch-Comedy

abgelöst wurde. Auch im ORF gibt es noch eine solche letzte Bastion der beinharten Gesellschaftskritik, nämlich die Sendung Bösterreich. Mit tief schwarzem Humor und einer Mischung aus Monty Python, Little Britain und Helmut Qualtinger führen Robert „der Kaiser“ Palfrader und Nicholas „Jedermann“ Ofczarek die Österreicher vor wie in einem schlimmen surrealen Alptraum, der bei näherer Betrachtung doch irgendwie mehr Realität beinhaltet als uns allen lieb ist. Bösterreich und Die Anstalt sind die letzten Bastionen gekonnter Gesell­ schaftskritik im deutschen Fernsehen. In diesem Sinne – es lebe die Satire!

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Das Biest ist da Text von Stefan Rothbart, Foto von baldkommtdasbiest.com Mit Das Biest lässt der steirische Filmemacher Stefan Müller nun schon seinen dritten Kinofilm auf das Publikum los. Diesmal bekommt er sogar prominente Unterstützung von Kammerschau­ spieler Peter Simonischek, der in eine Gastrolle schlüpfte. Mit seinen sehr trashigen Genrefilmen hat sich Stefan Müller in den letzten Jahren durchaus schon einen Namen gemacht. Genre­ filme dieser Art sind in Österreich noch sehr selten, aber die Besucherzahlen zeigen, dass durchaus ein Publikum dafür da wäre. Auch auf dem DVD-/BluRay-Markt lassen sich solche Unikate der Filmszene ganz gut verkaufen. Dennoch war der Weg zum fertigen Film für Stefan Müller und sein Team wieder ein sehr langer. Knapp drei Jahre hat es gebraucht, den Film fertigzustellen. Trotz der recht guten Chancen, sich in

einem Nischenmarkt zu etablieren, ist der finanzielle Einsatz, den man als Filmemacher bringen muss, nach wie vor sehr hoch. Independent-Filme entstehen in Österreich nach wie vor aus­ schließlich unter großer Selbstausbeutung der Filmemacher. Von Tariflöhnen, wie sie beim ORF üblich sind, kann hier keine Rede sein, nicht zuletzt, weil diese Art von Filmen auch bei den Förderstellen nach wie vor einen schlechten Stand hat, obwohl das Publikum dafür vorhanden ist. Damit diese Szene aber weiterhin am Leben bleibt, muss man wohl auch einmal den zahlreichen prominenten Schauspielern einen Dank aussprechen, ohne deren Hilfe viele Filme keine so große Plattform bekommen würden. Der Geist der Solidarität ist zumin­ dest in der Filmbrache noch nicht ganz ausgestorben.

Der Vertrieb bin ich Text von Stefan Rothbart, Foto von The Justified Sinner/Flickr.com Der Markt für Bücher, DVDs und Musik ändert sich momentan gerade drastisch. Was mit ITunes als Vermarktungsplattform für Musiker einst begonnen hat, wird nun von Amazon vollendet. Inzwischen kann man über CreateSpace ohne Kosten selbst seine Bücher, Filme oder Songs weltweit publizieren. Die quasi monopol­ artige Stellung von Amazon macht es möglich. In den USA werden 50 % aller Buchkäufe bereits online abgewickelt, herkömmliche Verlage kommen daher massiv unter Druck. Für Autoren ist der Umstieg auf Alternativen daher schon sehr attraktiv. Ähnliche Ent­wicklungen bahnen sich auch am DVD- und Musikmarkt an. Um sich überhaupt auf den großen Onlineportalen noch günstig platzieren zu können, müssen die großen Vertriebsfirmen inzwi­ schen große Summen für Platzierungsrechte zahlen. Mittlerweile

gibt es sogar schon einige Rechtsstreitigkeiten in den USA, die Vertriebe fühlen sich in die Enge getrieben und von Amazon erpresst. Die wirklichen Leidtragenden sind die Künstler selbst, für die es immer schwieriger wird, ihre Werke über die herkömmlichen Vertriebs­ systeme zu verkaufen. Die Publisher sind vorsichtig geworden, gehen auf Nummer sicher. Finanzielles Risiko ist einfach nicht mehr drin. Bei dieser veränderten Marktsituation greifen immer mehr Küns­tler auf Self-Publishing zurück. Die Verdienstchancen sind nicht unbedingt gering. Wer sich gut selbst vermarkten kann, hat gute Chancen, schließlich behält man mehr Rechte am eigenen Werk. Der steigende Absatz bei den Self-Publishing-Produkten ist jedenfalls nicht mehr zu unterschätzen.

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Casino Comedy Club Text und Fotos von Casino Graz Das Grazer Casino liegt im historischen Congress-Gebäude, das durch die archi­ tektonische Verbindung von spätklassi­ zistischen Elementen und modernem Design ein besonderes Flair ausstrahlt. Seit mittler­weile sieben Jahren zählt der Casino Comedy Club – ebenso wie Spielautomaten, Roulette- und Black-Jack-Tische – zum fixen Inventar des Casino Graz. Seither zählt die kulturelle Veranstaltungs­ reihe zu einem beliebten Bestandteil der Spielstätten österreichischer Kleinkunst

und bietet zahlreichen namhaften österreichischen Künstlern eine Plattform, um ihr Programm präsentieren zu können. Besonders die steirische Riege bekannter Kabarettstars wie die Dornrosen, Kernöl­ amazonen, Isabella Woldrich, Mike Supancic, Gregor Seberg, Senkrechtstarter und Frauenschwarm Paul Pizzera oder Thomas Stipsits & Manuel Rubey setzen in der attraktiven Location auf die schnelle Pointe, den klugen Witz und riskieren gerne eine Lippe zum Vergnügen der Gäste.

Karten gibt es bereits ab € 25,–, für nur € 37,– erhalten alle Gäste zusätzlich Begrüßungsjetons im Wert von € 15,– und parken zudem gratis in der Tiefgarage am Andreas-Hofer-Platz. Für alle Gourmets bie­ tet das Casino Graz ein Comedy-GourmetPackage an, wo Sie am Tag des Comedy Clubs im Casino-Restaurant in den Genuss eines „Surf & Turf“-Menüs kommen, Begrüßungsjetons im Wert von € 25,- erhalten und zudem kostenlos parken. Karten er­ halten Sie im Casino Graz sowie bei Öticket.

Roland Düringer

Drei für eine Nacht

Alfons Haider

04.09.2014

16.10.2014

12.11.2014

Christof Spörk

Tricky Niki

Klaus Eckel

18.09.2014

18.10.und 17.12.2014

09.12.2014

Noste & Toste

Isabella Woldrich

19.09.2014

22.10.2014

Flo und Wisch

Die Dornrosen

26.09.2014

28.und 29.10.2014

Olivier Sanrey

Mike Supancic

28.09.2014 *

30.10.und 27.11.2014

Aida Loos

Gregor Seberg

01.10.2014

31.10.2014

Bernhard Ludwig

Chris Lohner

07.10. und 25.11.2014

05.11.2014

Christoph Fälbl & Reinhard Nowak

Weinzettl & Rudle

08.10. und 21.12.2014 *

06.11.2014

Stipsits & Rubey

Stefan Haider

„WIR - Ein Umstand“

„Edelschrott“

„Part 1“

„Von 0 auf 100“

„Alle garstig!“

„Hartes Loos“

„Anleitung zum lustvoll Leben: Kung Fu“

„Helden für nix“

„Triest“

14. und 15.10.2014

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„Jung war ich lang genug“ (Steiermarkpremiere)

„Wiederverwertpaar“

„Sexy Jesus“

07.11.2014

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Passion Nacht Text & Fotos von Sascha Pseiner

Hinter den Kulissen

Die Besonderheiten der nächtlichen Fotografie, Teil I Es ist schon weit nach Sonnenuntergang, zirka 23:00 Uhr, leichte Federwolken streifen das nächtliche Firmament und eine dezente Prise hält das obere Drittel meines Motives in Bewegung. Ideale Bedingungen, um diese Stimmung in all ihrer Schönheit einzufangen. Rund um mich wird alles ruhig, ich werde eins mit der Ka­ mera. Das Wichtigste bei Nachtaufnahmen, neben den technischen Kenntnissen und dem Equipment, ist vor allem Zeit. Eine Belichtung kann von ein paar Sekunden bis zu mehreren Minuten dauern und diese lange Belichtungszeit strapaziert ordentlich den Sensor, besonders in wärmeren Nächten. Daher sollte jedes Foto gut geplant und überlegt sein. Hin und wieder kommt es auch vor, dass nach langen Belichtungen erst einmal der Sensor wieder auskühlen sollte, bevor das nächste Foto gemacht wird. Deshalb gilt es zu warten und einzuschätzen, wie sich die Umgebung verändern wird, sprich: Wie schaut es mit Wolken am Himmel aus, welche Mondphase haben wir? Gerade die Mondphase macht sehr viel aus, z.B. kann man bei Vollmond weitaus kürzer belichten als bei Neumond, was aber auch wieder zu einer anderen Bildaussage führen kann. Nebenbei noch erwähnt, kann es nie schaden, die Location bei Tag anzuschauen. Oftmals ist auch die Uhrzeit von großer Bedeutung, denn nach 2:00 Uhr zum Beispiel sind die meisten Lichter in den umliegenden Häusern schon erloschen, weniger Autos fahren durch die Umgebung und bei wolkenlosem Himmel ist es dann

sogar möglich, in einer Stadt auch Sterne zu fotografieren. Doch diese Ruhe dauert nicht lange, denn ab circa 3:00 Uhr morgens gehen dann schon wieder die nächsten Lichter an. Und ab diesem Zeitpunkt – zumindest in der wärmeren Jahreszeit – wird es auch schon bald zu dämmern anfangen. Die DSLR auf einem stabilen Stativ, damit die Kamera auch bei Wind sicher steht. Ein Fernauslöser – es gibt Funkvarianten und auch Kabelvarianten – ist nötig, um Belichtungen jenseits der 30 Sekunden zu ermöglichen. In diesem Fall entschied ich mich für ein Tethered-Shooting, da ich genau die Schärfe anpassen und alle Einstellungen präziser als beim reinen Fernauslöser anpassen kann. Das heißt, die Kamera wird direkt über den PC gesteuert. Für Langzeitbelichtungen empfehle ich immer Blende 11 bzw. 16, da so nach sorgfältigem Fokussieren ein wirklich knackig scharfes Bild zustande kommt. Grundsätzlich ist ISO 100 die richtige Einstellung, da so das Bildrauschen schon mal minimaler ist. Die interne Rauschreduzierung werde ich immer ausgeschaltet lassen, da sich Rauschen kontrollierter in der Postproduktion entfernen lässt. Noch einen Vorteil hat es, die Spiegelvorauslösung seiner Kamera zu aktivieren: Der Spiegel ist schon vor der Aufnahme hochgeklappt und daher kann keine Unschärfe durch Vibrationen an der Kamera entstehen. Ein anderer Bereich der Nachtaufnahmen ist die Astrofotografie. Diese läuft etwas anders ab, doch das kommt dann bei Teil II.

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Sounddesign Moby Dick und Heavy Metal Ein Praxisbericht von Horst Schnattler, Fotos von Gerhard Hofstätter und Klaus Stöttner

Schon einmal von Bad Staffelstein gehört? Ein Sounddesign-Auftrag führte mich genau dorthin, in ein kleines Nest in Deutschland. Unter Einsatz meiner eigenen Gesundheit und der meiner Aufnahmegeräte, wagte ich mich in den Bauch einer riesigen Maschine, um ihre Geräusche aufzunehmen. Aber: „First things first.“ Die Vertonung eines Imagefilmes für Industrieanlagen führte mich nach Bad Staffelstein, wie schon erwähnt. Der Ort in der Nähe von Bamberg ist hauptsächlich vom Werksgelände der Firma Rösler Oberflächentechnik GmbH geprägt. Rösler hat dort eine der weltgrößten Strahlanlagen für das Abschleifen von Metallstücken in Fertigung, und genau diesen Maschinensound sollte ich auf Band bannen. Mein Auftrag für das oberösterreichische Animationsbüro Pool3 ist, das Sounddesign für einen kurzen Spot über die Innovationen des Industriebetriebes zu produzieren. Bepackt mit einer Vielzahl von Mikrofonen, Kabeln und Stativen betrat ich gemeinsam mit Gerhard und Klaus von Pool3 das Gelände. Die riesige Anlage, deren Geräusche ich aufnehmen wollte, ist haushoch. Keramikpartikel werden mit Turbinen in hoher Geschwindigkeit auf ein Metallwerkstück geschleudert. Diese schleifen so das Metall ab. Rösler ist Weltmarktführer in diesem Bereich, die Maschine ist eine Wucht, mit wuchtigen Magengeräuschen: Es tönt, knurrt und brummt an jedem Eck und bietet für einen Sounddesigner ein attrak­ tives Experimentierfeld. Nachdem Pool3 und ich erklärt bekommen hatten, was diese Maschine tut, ging es zum Testdurchlauf. Gespannt lief ich vom einen Ende der Anlage zum anderen und erhörte, wo der beste Platz für Mikrofone sei. Hier rieselt das Streugut, dort heulen die Turbinen, anderen­ orts rüttelt und schüttelt es: Alles Geräusche, die später in den Animationsfilm eingebaut werden sollen, der anschaulich die Funktionen erklärt.

Ich mache mir ernsthaft Sorgen um meine Mikrofone als ich erfahre, dass feine Me­ tallstaubpartikel in der Luft schweben. Für einen Menschen ist der laufende Betrieb im Schlund, also im Innenraum der Strahlanlage, in den die Keramikpartikel geblasen werden, tödlich. Ich spitze die Ohren, als der Maschinenmeister erklärt, welche Schritte er ins Maschinenprogramm eingibt. Wir beschließen für die erste Aufnahme das Maul, sprich die meterhohen Türen, zu öffnen und wieder zu schließen. Gleich vorweg: Die Maschine befindet sich in einer enormen Industriehalle. Das bedeutet, dass auf den Aufnahmen nicht nur Geräusche sein werden, die ich bewusst haben möchte, sondern auch Metallklang und Unterhaltungen im Hintergrund. Das metallische Geräusch des Maules, also der Türen, neh­ me ich mit einem Richtmikrofon auf, das ich händisch auf den Punkt hinziele, von dem ich glaube, dass er gut klingt. Außerdem verwende ich ein hoch ausgefahrenes Stereomikrofon, damit ich eine breite Basis für die Tonmischung habe. Für den nächsten Durchgang machen wir uns an die Geräusche im Schlund der Maschine während des laufenden Betriebs, nur ohne Streugut, wie mir versichert wird. Mir zittern die Knie. Es ist, als würden ich und meine Geräte bei lebendigem Leibe verschlungen. Ich platziere also zwei Stereo­ mikrofone, stelle mein mobiles Aufnahmegerät hin und nehme das Richtmikrofon mit großem Auszug in die Hand. Nun kann es losgehen. Deine Magengeräusche werden wir dir schon abringen. Das Maul schließt, ich befinde mich in völliger Dunkelheit

im Inneren einer Maschine, deren Funktion es ist, Metall abzuschleifen. In diesem Moment wird mir leicht bange. Wie lange braucht es wohl, um einen Menschen gänz­ lich zu verschleißen? Ob der Techniker wohl wirklich ohne die Keramikpartikel die Maschine einschalten wird? Es fängt an zu rütteln, die Turbinen heulen auf, Wind kommt ins Innere und das ganze Ding lebt. Mir wird es ganz schumm­ rig. Jetzt heißt es auf die Aussteuerung der Mikro­ fone achten, denn ein zweites Mal möchte ich mich nicht dieser Gefahr aussetzen. Zum Glück geht alles gut. Sonst könntet ihr diese Zeilen hier nicht lesen. Nach drei weiteren Anläufen mit unterschiedlichen Mikrofonpositionen an der Außenseite der Maschine hatte ich genug Aufnahmen der verschiedensten Laute und Magengeräusche des Undings im Kasten. Nach drei Stunden Arbeit nahm ich eine Vielzahl an Sounds einer Maschine, die man nicht alle Tage vor das Mikrofon bekommt, mit nach Hause. Das Ungetüm war erledigt. Was passiert nun mit meiner Beute? Im Film werden die Teilbereiche der Strahlanlage in 3D animiert. Der Sound spielt eine große Rolle, damit man einen lebendigen Eindruck gewinnt, wie sie leibt und lebt. Synchron zu dem Bildmaterial, das mir Pool3 liefern wird, lege ich die Magen­ geräusche dazu, welche die Storyline ideal unterstützen und mische diese im Anschluss ab. Ich freue mich auf den fertigen Film und über die außergewöhnlichen Aufnahmen. Die Klangkulisse. Gehört zum guten Ton. 13


Recht

Mag. Irmgard Neumann Rechtsanwältin Mag. Irmgard Neumann ist auf Werbe- und Wettbewerbsrecht, Veranstaltungsrecht, Urheber-, Medien- und Internetrecht spezialisiert.

Während ihrer Studienzeit hat sie mehrere Jahre Berufserfahrung in Marketing-, Marktforschungsund Eventagenturen, wie auch beim Steirischen Presseclub, gesammelt und zahlreiche Marketing- und PR-Ausbildungen absolviert. Ihre Spezialisierung auf Rechtsgebiete dieser Branchen ermöglicht nun die umfassende und praxisorientierte Vertretung von Werbern, Veranstaltern, Medien, Verlegern, Musikern und sonstigen Kreativen.

Cold Calling − die Grenzen Foto von Hannes Loske

von Telefon- und Emailwerbung In den vergangenen Jahren konnte man zwar beobachten, dass Werbeanrufe übers Telefon zurückgegangen sind, allerdings hat man den Eindruck, als würden Werbeemails permanent zunehmen. Nach der neueren Fassung des § 107 Telefonkommunikationsgesetz sind Anrufe zu Werbezwecken ohne vorherige Einwilligung des Teilnehmers unzulässig. Bei Telefonanrufen zu Werbezwecken darf die Rufnummernanzeige durch den Anrufer nicht unterdrückt oder verfälscht werden. Die Zusendung von „elektronischer Post“ — einschließlich SMS — ist ohne vorherige Einwilligung des Empfängers unzulässig, wenn @ die Zusendung zu Zwecken der Direktwerbung erfolgt oder @ an

mehr als 50 Empfänger gerichtet ist.

Dies bedeutet, dass nach der „Grundregel“ Massen- und Werbe-E-Mails verboten sind; sprich, auch E-Mails mit werbe­freiem Inhalt sind unzulässig, wenn sie an 51 Empfänger gerichtet sind!

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Wann ist eine vorherige Zustimmung für die Zusendung elektronischer Post entbehrlich?

Was ist sonst bei Zusendung elektronischer Post zwingend zu beachten?

@

Der Absender hat die Kontaktinformation für die Nachricht im Zusammenhang mit dem Verkauf oder einer Dienstleistung an seine Kunden erhalten UND

@

Die Identität des Absenders (in dessen Auftrag die Nachricht übermittelt wird) darf nicht verschleiert oder verheimlicht werden.

@

die Nachricht zur Direktwerbung erfolgt für eigene ähn­ liche Produkte oder Dienstleistungen UND

@

@

der Empfänger hat klar und deutlich die Möglichkeit erhalten, die Nutzung der elektronischen Kontaktinformation bei deren Erhebung und zusätzlich bei jeder Übertragung kostenfrei und problemlos abzulehnen UND

@

der Empfänger hat die Zusendung nicht von vornherein, insbesondere nicht durch die Eintragung in die sogenannte „ECG-Liste“ der Rundfunk und Telekom RegulierungsGmbH abgelehnt.

Die Bestimmungen des § 6 Abs 1 E-Commerce-Gesetz dürfen nicht verletzt werden (eindeutige Erkennbarkeit von Informationen über kommerzielle Kommunikation als solche samt deren Auftraggeber sowie von Angeboten zur Absatzförderung (Zugaben, Geschenken) und Preisausschreiben/Gewinnspielen samt einfachem Zugang zu den Inanspruchnahme-/Teilnahmebedingungen).

@

Der Empfänger darf nicht aufgefordert werden, Websites zu besuchen, die die Bestimmungen des E-CommerceGesetzes verletzen.

@

Es muss eine authentische Adresse vorhanden sein, an die der Empfänger eine Aufforderung zur Einstellung von Nachrichten richten kann.

Die Zustimmung zum Erhalt von Werbemails kann nicht nur ausdrücklich (schriftlich), sondern auch per E-Mail, mündlich, telefonisch oder schlüssig erteilt werden. Die bloße Bekanntgabe einer E-Mail-Adresse berechtigt noch nicht zur Übersendung von Massen- und Werbe-E-Mails. Wie kommt man — wenn nicht durch Kontaktaufnahme per E-Mail oder Telefon — an eine gesetzeskonforme Zustimmungserklärung? Etwa durch: @

persönlichen Kontakt zum Kunden, bei dem idealerweise seine schriftliche Zustimmung für künftige Informations­E-Mails eingeholt wird (z.B. bei Kundenveranstaltungen)

@

Briefe/Postwurfsendungen

@

Einholung einer Zustimmung, wenn der Kontakt (auch Telefonanruf oder E-Mail-Verkehr) vom Kunden ausgeht

@

Einholung einer Zustimmungserklärung auf der Website (durch Anhaken eines Kontrollkästchens)

@ Zustimmung

zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), sofern diese vertraglich vereinbart werden und für den Kunden klar und deutlich erkenn- und nachvollziehbar sind, wobei die Zustimmungsklausel nicht „im Kleingedruckten versteckt“ sein darf.

@ Die Vorschriften gelten nicht nur gegenüber Verbrauchern

(B2C), sondern auch im Unternehmensbereich (B2B)! @

Wie kann sich der Nachrichtenempfänger gegen elektronische Werbung wehren? Verletzungen des Telekommunikationsgesetzes können beim zuständigen Fernmeldebüro angezeigt werden und hohe Verwaltungsstrafen sowie Unterlassungsklagen auslösen. Siehe: http://www.bmvit.gv.at/telekommunikation/organisation/ nachgeordnet/fmb/)

WiR GebeN iHNeN RecHT LippiTscH.NeumaNN

Verwechseln Sie nicht die „ECG-Liste“ und die sogenannte „Robinson-Liste“ des Fachverbands Werbung der Wirtschaftskammer Österreich; letztere ist vor allem von Adressverlagen und Direktmarketingunternehmen zu berücksichtigen. Sie betrifft die von diesen Unternehmen verwalteten und verkauften Adressen und ist vor allem für die per Post versandte Werbung relevant!

Mag. Irmgard Neumann Lippitsch.Neumann Rechtsanwälte GmbH Wastiangasse 7, 8010 Graz T +43 316 82 74 32 0 F +43 316 82 74 32 34 recht@anwaeltin-graz.at www.anwaeltin-graz.at

ACHTUNG: Alle Angaben erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr; diesen kommt kein Anspruch auf Vollständigkeit zu; eine Haftung der Autorin oder der Herausgeber ist ausgeschlossen.

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Kunst

Ich bin kein K端nstler Fotos und Text von Horst Nadles

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Das ist eine Aussage, die früher oder später (eher früher) fällt, wenn man sich mit dem gebürtigen Grazer Walter Teschl aus Wolfsberg (Ktn.) unterhält. Dabei ist das kreative Potenzial, das der 53-jährige gelernte Tischler in sich trägt und großzügig ausschöpft, wahrlich beeindruckend. Einen (noch dazu selbst kreierten) Namen hat er sich vor allem als „Kulist“ gemacht, denn sein Markenzeichen sind detailgenaue Zeichnungen mit Kugelschreiber (umgangssprachlich „Kuli“) auf Karton. Abstrakte Arbeiten gehen ihm jedoch genauso leicht von der Hand wie Skulpturen mit verschiedensten Materialien. Dazwischen organisiert der im Brotberuf als Gemeinde­ arbeiter tätige Teschl Ausstellungen, führt bildnerische Projektarbeiten mit Schulklassen durch und unterstützt karitative Zwecke. Der „Kulist“ ist damit wohl einer der buntesten Steine im „Künstler“-Mosaik der Lavanttaler

„Ich spiele ja eigentlich nur herum und probiere gerne vieles aus“, sagt Teschl in der ihm eigenen Bescheidenheit, wenn man ihn darauf anspricht, warum er nicht als Künstler bezeichnet werden möchte. Ein fast schon wohltuender Kontrast zu vielen Menschen, die über – oftmals auch nur kurzzeitige – Versuche in der bildenden Kunst nicht hinauskommen, aber keine Scheu davor haben, als Künstler bezeichnet zu werden oder sich diese „Marke“ gar selbst umzuhängen. Auf die Kolleg­ Innen, die wie Walter Teschl in einer ehemaligen Mühle in St. Michael bei Wolfsberg ihre großzügigen Atelierräumlichkeiten bespielen, trifft dies freilich nicht zu. Ganz im Gegenteil: Das bunte Treiben und immer wieder neue Impulse (auch durch eine dort ansässige örtliche Kulturinitative, die sich insbesondere den Feldern Musik und Theater widmet) haben auch die Arbeit des „Kulisten“ beflügelt. Einen starken Eindruck davon bekommt man in dem Augenblick, wenn man das Atelier von Teschl betritt – ein gut 100 Quadratmeter großes künstlerisches Eldorado im voluminösen Dachgeschoß der „Mühle“. Ein richtiger Freiraum, der Luft zum Atmen gibt und zur Entwicklung und zum Ausleben eines kreativen Geistes. Stets findet man dort eine große Zahl an fertigen und im Entstehungsprozess befindlichen Arbeiten – sowohl Zeichnungen in Kugelschreiber, Kohle oder Bleistift als auch großformatige Bilder in Acryl, Kreide oder Ölfarbe; manches gegenständlich, anderes abstrakt, vieles wirkt schnell umgesetzt, aber dennoch stimmig. Vom feinen Kulismus, bei dem jeder Strich von Beginn an durchdacht und auch das Gesamtbild

vorab im Kopf großteils durchkomponiert ist, bis zum impulsiven surrealen Schüttbild, das einfach aus einer Laune heraus entsteht. „Diese Art von Abwechslung brauche ich ganz einfach. Ich bin nicht immer in Stimmung, um stundenlang mit dem Kuli an einem Detail zu zeichnen, da ist oft eine halbstündige Schütt-Session oder die andersartige Umsetzung eines farbigen Großformats wie ein Befreiungsschlag“, erzählt Teschl. Sein Atelier ist aber auch der Sammelplatz für verschiedenste Materialien, die dann – wenn die Zeit gekommen ist – zu Skulpturen und Installationen verarbeitet werden. Das Ergebnis kann dann mitunter ein lebensgroßer Mensch (Der Denker) aus Sensenklingen sein oder ein eine Tonne schwerer Baumstamm, der im Garten des Wolfsbergers steht und nur mehr auf die Umsetzung des gedanklich bereits fixierten Plans wartet. Der meist in sich ruhende Kreativarbeiter ist als Person aber auch ein streitbarer Geist, der vieles hinterfragt, dessen Obrigkeitshörigkeit sicher unterdurchschnittlich ausgeprägt ist und der verschiedenen Institutionen und Hierarchien immer ausgesprochen vorsichtig gegenübersteht. Sein eigener, alles andere als gerader Lebenslauf mit einer Kindheit, in der er im Großraum Graz oft auf sich allein gestellt war, und späteren beruflichen Stationen in mehreren europäischen Ländern, hat sicher viel zur weltoffenen, aber auch kritischen Grundeinstellung beigetragen. Teschl tauscht sich gerne mit Menschen aus und schätzt tiefgründige Diskussionen über „Gott und die Welt“; er nimmt nichts als selbstverständlich hin und sich selbst kein Blatt vor den Mund.

Bezirksstadt.

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Ichb Der „Kulist“ hat seine eigene Meinung über gesellschaftliche Entwicklungen, die Politik, Strömungen in der Kunst und viele andere Themen. Er liebt den Diskurs, der ab und zu auch impulsiv und direkt ausfallen kann. Doch stets wahrt Walter Teschl ein hohes Maß an Respekt und hinter der vermeintlich harten Schale verbirgt sich ein weicher Kern – der mannigfaltig Kreative bleibt grundsätzlich immer ein liebevoller Menschenfreund, wie wohl nicht nur seine Frau Petra bestätigen kann. Immer wieder stellt sich der zweifache Vater auch in den Dienst der guten Sache und spendet Bilder für karitative Zwecke oder arbeitet mit Schulklassen an kreativen Projekten. Seit ein paar Jahren organisiert er für seine Wahl-Heimatstadt Wolfsberg, der er bereits zwei Kulismus-Kunstkalender mit Motiven aus der Altstadt gewidmet hat, auch Ausstellungen, zu der er hauptsächlich Künstler aus dem Lavanttal einlädt, welche diesen Einladungen immer mit großer Freude Folge leisten. Teschl kann darüber hinaus auf zahlreiche erfolgreiche Einzelausstellungen und Teilnahmen an Gruppenausstellungen im Lavanttal verweisen und hat unter anderem die Stadt Wolfsberg schon als kultureller Botschafter in Albanien vertreten. „Ich bin kein Künstler“, bleibt dennoch das Credo von Walter Teschl, das er in seiner Arbeit aber stetig widerlegt – und sei es nur, wenn er wieder einmal in einer halbtägigen Aktion das Kinderzimmer seines Sohnes in eine tierreiche afrikanische SteppenDschungel-Fantasiewelt verwandelt, sodass dem Dreijährigen das Freudestrahlen nicht mehr aus dem Gesicht weichen will.

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Design

Kreative auf „Du und Du“ mit der Konkurrenz Foto von Christian Heuegger

Die Zahl der Kreativunternehmen am Land wächst deutlich stärker als jene in der Stadt, wie Studien bestä­ tigen. Auch die gebürtige Wienerin Marie-Theres Zirm hat nach Wien und Graz nun Weiz als Arbeitsort für das EPU „cardamom - Agentur zur Förderung des guten Geschmacks“ gewählt. Zirm hat „C hoch 3“ als Coaching für Kreativunternehmen mitentwickelt und erläutert Kreativen unter anderem, warum die eigene Konkurrenz mitunter auch Kooperationspartner werden kann. Anfang des Jahres hat die gebürtige Wienerin Marie-Theres Zirm mit cardamom – Agentur zur Förderung des guten Geschmacks ein ehemaliges Schuhgeschäft in der Weizer Innenstadt bezogen. In den letzten Jahren war sie mit ihrem Ein-Personen-Unternehmen schwerpunktmäßig in Wien und Graz tätig und hat mit ihrem Mann Christian Heuegger-Zirm C hoch 3 als Coaching für Kreativunternehmer mitentwickelt. Im Kerngeschäft bietet Zirm Strategie- und Kommunikationsberatung an und ist als Expertin für die Kreativ­ wirtschaft österreichweit unterwegs. Dabei kooperiert Zirm eng mit der Creative Industries Styria (CIS), der Netzwerkgesell­ schaft der steirischen Kreativwirtschaft. Coaching für Kreativunternehmen Das 2007 in Zusammenarbeit mit der creativ wirtschaft austria (WKO) ent­ wickelte Coachingformat C hoch 3 fokussiert auf Kreativwirtschaft, EPUs und Kooperation und wird mittlerweile in sechs Bundesländern angeboten, in Kooperation mit der Creative Industries Styria auch in der Steiermark. Jeweils 20 Kreative werden dabei über ein halbes Jahr lang gecoacht, u.a. um ein tragfähiges Kooperationsnetz­ werk aufzubauen und andere Kreativ­ unternehmen nicht als Konkurrenten, sondern als potenzielle Geschäftspartner zu

sehen. Zirm ist dabei als Netzwerkkoordinatorin und Trainerin im Einsatz. Positive Erfahrungen mit Kooperationen Viele Unternehmen sind Kooperationen gegenüber skeptisch, weil sie Angst haben, ihre Kunden zu verlieren. Diese Angst sei unbegründet, ist Zirm überzeugt. Sie hat mit Kooperationen überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Sie ist Mutter zweier Kinder und war letztes Jahr für einen Monat auf „offline-Urlaub“. „Das geht nur, weil ich mir ein Netzwerk an Kooperations­ partnern aufgebaut habe, auf das ich mich verlassen kann“, sagt Zirm. Außerdem ist es nur mit Kooperationspartnern möglich, größere Projekte abzuwickeln. Dazu Zirm: „Ich arbeite für die Wirtschaftskammer Österreich, die Stadt Graz oder das austria wirtschafts service. Da kommt es schon vor, dass bei einem Projekt 15 Personen im Team sind, die alle unter dem Label cardamom auftreten, wobei aber auch meinen Kunden klar ist, dass wir alle EPUs sind.“ Aus ihren Coachings kennt Zirm auch häufige Probleme, die bei Kooperationen auftreten: Das Fehlen von schriftlichen Vereinbarungen: „In Österreich sieht man schriftliche Vereinbarungen oft als eine Art Misstrau-

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ensantrag“, doch Zirm ist überzeugt, „es ist wie in einer guten Beziehung: Wenn ich Dinge vereinbare, solange ich dem anderen wohlgesinnt bin, habe ich bei Mei­ nungsverschiedenheiten etwas, auf das ich zurückgreifen kann.“ Bei C hoch 3 werden die Teilnehmer daher mit Absichtserklärungen, Letter of Intent und Checklisten für Kooper­ationen vertraut gemacht. Haftungsfragen: „Oft ist die Angst nicht, dass mir Partner Kunden ausspannen, sondern, dass nicht geklärt ist, wer die Haftung trägt und wer der Urheber ist“, weiß Zirm aus ihrer Erfahrung. Nähere Informationen dazu erteilt beispielsweise die Creative Industries Styria als Netz­werkgesellschaft für die Kreativen in der Steiermark. Anzahl der Kreativunternehmen am Land wächst stärker als jene in der Stadt Der Großteil der Kreativunternehmen hat ihren Sitz im urbanen Raum. Allerdings: Im ländlichen Raum steigt die Zahl der Kreativunternehmen stärker als in der Stadt, wie der fünfte Kreativwirtschaftsbericht der WKO Österreich ergeben hat. Die Dynamik der Kreativwirtschaftsunternehmen mit einem Wachstum von bis zu 10 Prozent ist in den ländlichen Regionen höher als in den urbanen Gebieten (6 Prozent).


Design

Kreatives Arbeiten greifbar machen Foto von youspi Consulting GmbH

youspi Consulting GmbH unterstützt Unternehmen dabei, benutzerfreundliche Produkte zu gestalten. Ihre Arbeit nennt sich Usability Design. Um auch der breiten Öffentlichkeit diese Arbeit zu erläutern, veranstaltet GF Hannes Robier sieben Jahre lang den World Usability Day in Graz, der 2013 zu einem Kongress ausgeweitet wurde. Robier wünscht sich für die Steiermark viele weitere solcher Veranstaltungen, die kreative Arbeit greifbar machen. Die Initiativen dafür müssten aber von den Kreativen selbst kommen, die Plattform dafür könne die Creative Industries Styria bieten. youspi Consulting GmbH wurde im August 2007 von Hannes Robier gegründet, der an der FH JOANNEUM Informationsdesign studiert hat. Mittlerweile beschäftigt youspi Consulting GmbH vier Mitarbeiterinnen. Der Schwerpunkt des Grazer Unternehmens liegt im Usability Design, d.h. der intuitiven Gestaltung von Produkten und Informationen. Ziel von Usability Design ist es, Bedienung/Handhabung für User/Kunden möglichst einfach zu gestalten. Robier erläutert: „Unsere Aufgabe ist es, die Flut an Informationen und Features bei Produkten, Webseiten und Software aufzubereiten. Wir heben die Kernfunktionen hervor und machen diese für den Kunden intuitiv erfahrbar.“ Bei einer Kaffee­maschine ist die Kernfunktion beispielsweise, dass man damit Kaffee zubereiten kann. Diese Funktion will der Kunde so rasch und einfach als möglich nützen, nur dann wird er die Kaffeemaschine als benutzerfreundlich bezeichnen. Projekte von youspi Consulting GmbH - Großtouch-Präsentationen für Ottakringer, Automobilcluster Styria und Stadt Graz - Entwicklungsprojekte z. B. für Magna, AVL

- Optimierung/Gestaltung einer Bedie nungsanleitung für ein Epiliergerät von Philips nur mit Bildern - Webanwendungen - Gestaltung von Kunden- und Service prozessen - Bedienkonzept und Design eines Diktier gerätes für Philips Speech Processing Solutions - Konzeption von Anlagensteuerungen Arbeitsweise Um ein Produkt, eine Software-Lösung oder eine Webseite möglichst benutzerfreundlich zu machen, muss man die Anforderungen und die Arbeitsweise der User/ Kunden kennen. youspi Consulting GmbH arbeitet dazu u.a. mit ethnographischen Studien, Usability Tests, Fokusgruppen und Tiefeninterviews. „Man kann nur dann intuitive Konzepte entwickeln, wenn man den Endkunden miteinbindet“, ist Robier überzeugt. Man könne nicht von vornherein wissen, wie beispielsweise ein Arzt mit einer Software arbeitet oder welche Funktionen ihm dabei wichtig sind. Erst nach Markt­ forschungen bzw. Kundenbefragungen werden erste Konzepte ausgearbeitet und Designvorschläge erstellt. Apple als Best Practice Beispiel für gutes Usability Design Apple-Produkte sind als Paradebeispiel für hohe Benutzerfreundlichkeit bekannt.

Robier begründet dies folgendermaßen: „Wenn Apple ein neues Produkt auf den Markt bringt, sind die Funktionen meist sehr reduziert. Das MacBookAir hatte beispielsweise keinen USB-Anschluss, beim ersten iPhone gab es kaum Zusatzfunktionen. Erst als die Kunden mit dem Produkt vertraut waren, kamen Zusatzfunktionen dazu.“ Eine allgemein gültige Formel für gute Usability gibt es aber nicht: „Jedes Produkt hat eigene Ziele und will eine andere Zielgruppe erreichen. Die ideale Usability ist jene, die auf die Zielgruppe abgestimmt ist.“ Bewusstsein steigt In der Steiermark gibt es nur wenige Kreativunternehmen, die Usability Design anbie­ ten. Momentan sei der Markt dafür auch noch sehr überschaubar. „Zwar erkennen immer mehr Produzenten, wie wichtig eine gute Usability der Produkte ist, das Bewusstsein ist aber bei Weitem noch nicht so groß wie in anderen Ländern.“ Um dieses Bewusstsein auch hierzulande noch weiter zu steigern, organisiert Robier den World Usability Day bzw. seit 2013 den World Usability Congress in Graz, bei dem anhand von Workshops und Vorträgen Usability Design auch für Laien verständlich dargestellt wird. Auch 2014 findet der World Usability Congress wieder statt - vom 24. September bis 26. September 2014 im Audimax der FH–JOANNEUM in Graz.

www.youspi.com, www.worldusabilitycongress.com

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The Next Giant Leap For Mankind

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Special

Mars One

Road trip through the U.S.A. Story by Lea Leitner, photos by Günther Golob, Miriam Primik, Brian Versteeg/spacehabs.com and Harald Weidacher

One crazy idea, a determined team and way over 200.000 space enthusiasts, who are keen to be the first of humankind to travel and settle on our red neighbour planet. This is the project MARS-ONE and Günther Golob is one of those potential astronauts. What started out as an idea soon became quite real: At the beginning of 2013 he was interviewed by the media which featured the project, and the selection procedures were in constant action, until in January 2014 he got among the last 1058, and among the last 705 in April 2014. At this point Günther was the only Austrian among the applicants. Thus, in order to improve his English skills and to get a better picture of the project, he took action and initialized a 6 weeks trip to America, not exactly knowing the extends of the whole project – and how famous he had become already. It began before he even entered the plane in Vienna: Austrian photographer Miriam Primik recognized him

and spontaneously arranged a photo shooting on the plane to America. Needless to say he was the star among the crew, with other passengers constantly asking who he was and even approaching him after the plane had landed in Toronto. From there he travelled on to San Francisco and San José, where he met the Chief Medical Director of MARS ONE, Dr. Norbert Kraft. Dr. Kraft trains astronauts worldwide by profession. He is one of the four men in charge at MARS ONE and travelled to Vienna in March, to tell Günther in person that he would be shortlisted (at this point he was among the final 1058 applicants). In San José he got access to the NASA Ames

area (after going through a strict security check) where even places were shown to him which are usually only accessible for employees: The tour included the landing place of the Air Force One that is used when the president visits San Francisco, the airships which are produced in the area, the museum, the Tower and the Flight Operation Center. Especially impressive for Günther were two parts of his visit: He had his first flight simulation in the Ames Exploration Center and in the Ames Research Mofett Center, as well as taking a first look at his future dwelling, should he be among the four chosen to travel to Mars.

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Nasa AMES area, San José

Nasa AMES area, San José

Günther and Laura Prochilo

Nasa AMES area, San José

An impression of New York

For his trip through the states, Kraft gave Günther one last excitement: A list of other applicants to meet during his journey. Off he went to New York where he met his friend Harald Weidacher who just happened to visit the Big Apple. Spontaneously, Harry offered to act as Günther’s driver if he wanted to continue his trip by car. So he reconsidered his initial plan to travel by plane and accepted Harry’s offer. But New York was still happening at that time. After going through the applicants list and contacting some of them, he finally met Laura Prochilo and had a brilliant evening with her in New York. The next day he made acquaintance with another applicant, Sybelle Silverphoenix, who was a musician and singer of a metal band. The time at New York soon came to an end, and Günther rent a Chevrolet for 30 days. The road trip began, always with the X-Rockz Magazine in the luggage …

TOUR During his first stop in New Jersey Günther had a meeting with his personal native speaker Brian Lavery from Scotch Plains/NJ. Originally from New Jersey. He had spent a couple of years in Styria and now teaches German back home in Hammarskjold High School. From there he and Harald drove to Washington where they paid a visit to the NASA’s headquarters. The journey went southwards along the East Coast, through Virginia, North Carolina, South Carolina, including overnight stays in the car, in trucker stops, remote forests and with rednecks, until they arrived in Miami. He had a long list of other applicants to get in contact with there. What he didn’t know at that time was, that on that very weekend the annual Urban Festival took place in Miami, and the whole city was crowded with gangsters from all of America. Consequently, the residents – and the people on Günther’s list as

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Günther and Dr. Norbert Kraft

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NASA Headquarters, Washington D. C.

Washington The Urban Festival, Miami

Günther and Sybelle Silverphoenix

Saturn 5, Cape Canaveral

well – abandoned the city for the time span. The police arrested around 50-60 people for gun possession etc. during that weekend. Not a single caucasian person was left at Miami beach – apart from Günther and Harry, who stood out with their pale skin – and two other friends, Tom and Heidi, who were on their X-Rockz World Tour and just happened to be in Miami. After a great time together they had to say goodbye again to get to their next destination: Cape Canaveral, another important stop on their journey. Cape Canaveral is a huge marsh and houses an­other deployment of the NASA: the Kennedy Space Center. Interestingly, the sta-

At the beach, Miami

Kennedy Space Center, Cape Canaveral

tion was purposely built on a marsh, where hundreds of alligators and other kinds of aggressive animals provide a natural form of defence. Here, the two travellers got a two-day special ticket which gave them access to special areas like the maximum security zones. Günther saw the original Atlantis and Saturn 5, was able to do training sessions for astronauts, visited the room which the president uses to watch the rocket launches, and see the control center. All the technical equipment was shown to him, partly explained and some even offered to try out, such as the shuttle simulation, and he got the chance to have insightful conver-

sations with astronauts. On the way to his next stop New Orleans Günther had already gotten in contact with other applicants on his list, among them the comedian and drummer, Mr. Britton Williams Frost. He invited Günther and Harry to the Howling Wolf Den Club where he works and also performes as a comedian and to stay at his place, while spending their time and enjoying New Orleans, the French Quarter and the countless musicians playing at every corner and in the bars. He also met Dr. Andrea Megan Stancin, another applicant from New York who has been living in New Orleans for years.

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Kennedy Space Center, Cape Canaveral

Space shuttle Atlantis, Cape Canaveral

Johnson Space Center, Houston/Texas

Kennedy Space Center, Cape Canaveral

From culture and street music in New Orleans to Houston/Texas and the Johnson Space Center of the NASA. It holds the largest education center for astronauts and is about the same size as Cape Canaveral. When they arrived on a Sunday around noon they decided to schedule their visit for Monday. Having the rest of the day off they checked out Houston. The Free Press Summer Festival was just taking place, with a line-up that included Lauryn Hill, Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Jack White, The Naked And Famous, the Deftones, Washed Out and the Wu Tang Clan. On Monday morning they were on the spot and ready for action at Johnson Space Center, experiencing a day of training sessions, presentations and a few guided tours. Having learned a lot of new things in the Kennedy Space Center, Günther was stoked again as the Johnson Space Center offered even more detailed insight into their work. He learned about the procedures in the space stations ISS and MIR, and was also explained the reasons why Houston and Cape Canaveral were chosen as locations: Each rocket is shot into space across the Atlantic Ocean. In Cape Canaveral a controller watches the start and in case of any problems during the start he takes down the rocket by setting off a bomb that is located in the rocket. To do that he uses a form of remote control which has only a certain range. Therefore, there are several deployments stationed

along the way of the rocket with the same purpose for as long as the rocket is still moving in the earth atmosphere. Simply put, as soon as you hit the orbit you have survived. Here, he finally saw what will lie ahead of him in case he passes all the tests. Günther was informed by scientists about the physical and mental training he would be going through. Being granted direct access into the vast training facilities of NASA, including a replication of the ISS, he watched the astronauts practicing their tasks at close range. Together with some of them he tested zero gravity simulation in a spacesuit and a mars rover. He was also highly impressed by the large number of robots which are being designed for future expeditions. “Here, the settlement of Mars has already begun a long time ago” he said. After another stop in Austin/Texas, Günther and his companion commenced a long journey through the desert, on roads where curves are a very rare occurrence. It was there that Günther was able to mentally calm down for the first time during his trip. They passed Death Valley and Native American reservations, and met many different people and cultures, until they came to New Mexico and Roswell – a small city with big reputation: Due to past UFO phenomenons and conspiracy theories the population of Roswell fully believes that aliens landed on earth. They built their whole city and

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Free Press Summer Festival, Houston/Texas

Johnson Space Center, Houston/Texas

Johnson Space Center, Houston/Texas

Günther and Sue Ann Pien, West Hollywood

Radio interview with applicants from the West Coast/Hollywood Hills

Roswell

Günther and Cassie Noguera, Las Vegas

tourism around that belief. To Günther that seemed to be the center of their lives. Passing through Arizona and by the Grand Canyon, the two travellers reached Las Vegas/Nevada, the next stop on their route. And what happens in Las Vegas doesn’t necessarily stay there – at least not all of it. In the north of the city they visited Bigelow Center, a habitat with the shape of a large dome. The building creates its own functioning biosphere in which life on another planet would be possible, including flora and fauna. Back in the crazy city centre Günther met yet another applicant on his list, Ms. Cassy Noguera from Puerto Rico. “We had a fantastic time together. Cassy is a great and intelligent young lady. And Las Vegas was just mayhem.” The journey was almost over, but the return to California was yet to come - next stop: Los Angeles! From Venice Beach, with its many freakish people bustling about, to

the extremely luxurious neighborhoods of Beverly Hills and Bel Air, that countless celebrities call their home. From the world capital of film making, Hollywood, to the surrounding famous spots such as Malibu: This area has enough to offer to keep one busy and fascinated for weeks. After meeting another participant, Ms. Sue Ann Pien, an actress who works for a film production company in West Hollywood, Günther had another appointment with Norbert Kraft in San José to give him a thorough report about his journey. In the meantime, Sue Ann Pien arranged an interview with Radio KPCC 89.3 at Griffith Observatory on the Hollywood Hills. All applicants of MARS ONE were invited, including Günther – so he drove along the West Coast back to L.A. where he got together with Mr. Jack Seeley, Mr. Victor Luo, Mr. Ren-Hing James Wang, Ms. Elena Shateni, Mr. Andrew Turks, Mr. Onaje Malcolm Abayomi and Ms Mead McCormick. There an interview with Sanden Totten from Southern California Public Radio took place. Eventually, Günther ended his trip where he started it: In San Francisco. He spent the last day on his own, calming down and not even beginning to process the experiences he had had in the past 6 weeks. The journey led back home – to his friends, family and X-Rockz Magazine – until he would return

Visualization habitat Mars One to America to commence his training for the journey to Mars. The story will continue in autumn with an international press conference by Endemol, the official film production company of MARS ONE. They are planing to start a worldwide reality show at that point of time. After that, the next selection process will be conducted, and we keep our fingers crossed for Günther.

Note from G

ünther:

I’d like to th ank all peop le who I’ve m in the U.S., et who motivat ed me, who became new friends and MARS ONE fans. Special thanks go to all MARS ONE applic ants who I’ ve m et awesome, gu – it was ys! I also w ant to than the entire M k ARS ONE C rew, the city of Graz, my investors, an d especially Harald Wei dacher who vo lu nteered to be my driver for the entire road trip.

www.mars-one.com

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Foto von Michael Saechang

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Kunst

Wasser Bericht von Nina Senekowitsch, Fotos von Janina Maria Worba

Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück. (Thales von Milet, um 625 - 545 v. Chr., griechischer Philosoph und Mathematiker, einer der Sieben Weisen) Wasser ist das Lebenselixier dieser Welt. Es löscht Durst, wärmt, kühlt, reinigt und laut dem japanischen Parawissenschaftler und Alternativmediziner Dr. Masaru Emoto kann Wasser noch viel mehr. Dr. Masaru Emoto wurde im Juli 1943 in Yokohama (Japan) geboren. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt er sich mit dem Element Wasser. Er widmet sich dem Studium und der Dokumentation rund um die Infor-

mationsfähigkeit des Wassers und entwi­ ckelte für seine Forschung ein eigenes Verfahren: die Wassereiskristall-Fotografie.Dr. Emoto fand heraus, dass Wasser nicht nur positive und negative Informationen speichern kann, sondern auch Gefühle, Worte und Musik. Laut Dr. Emoto sind diese gespeicherten Informationen dann an den Strukturen von Schnee- und Eiskristallen erkennbar.

Im Jahr 1994 überkam ihn die Idee, Flaschen mit Wasser zu füllen, einzufrieren und unter dem Mikroskop zu fotografieren. Er verwendete Leitungswasser, Flusswasser und Seewasser, welche dann positiv oder negativ beeinflusst wurden. Dazu umwickelte er die Flaschen mit positiven oder negativen Schriftzügen, wie zum Beispiel „Danke“ oder „Idiot“, beschallte das Wasser mir unterschiedlicher Musik, zeigte ihm

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Bilder oder betete und meditierte am Wasser. Die Ergebnisse waren signifikant. Das Wasser bildete im gefrorenen Zustand immer Kristalle aus, allerdings waren gravie­ rende Unterschiede in der Form und Optik der Kristalle vorhanden. Wasser in der Nähe von Großstädten oder mit negativen Schwingungen beschallt, bildete unförmige Kristalle. Gleiches gilt für Leitungswasser und Wasser erhitzt in einer Mikrowelle. Wasser aus unberührten Seen oder Flüssen und/oder mit positiven Schwingungen beschallt, und reines Quellwasser hingegen, entwickelte sich im gefrorenen Zustand zu makellosen Kristallen.

Dr. Emoto fand heraus, dass „gesundes“ Wasser sechseckige Kristalle ausbildet, was „krankes“ Wasser nicht tut. Auch der Mensch wird beeinflusst von Schwingungen. Beim Gebet kommt der menschliche Körper in einen Entspannungszustand, Musik erregt, erfreut, bewegt, beflügelt, berührt oder bedrückt uns, und Worte können trösten oder uns tief verletzen. Auch Singen stimuliert uns positiv. Deutsche Forscher fanden mittels Blut­ untersuchungen heraus, dass Gesang das Immunsystem und die Selbstheilung des

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Körpers stimuliert. Emotos Theorie geht davon aus, dass sich je nach Schwingung das Wasser in unseren Körpern verändert und das ist gar nicht so weit hergeholt, denn der menschliche Körper besteht schließlich zu ca. 65 % aus Wasser. Die Qualität unseres Leitungswassers kann laut Masaru Emoto durchaus beeinflusst werden. So verfügt das Leitungswasser im New Yorker Stadtteil Manhattan, als einziges unter allen getesteten Leitungswässern, über kleine Kristallbildungen. Das


Wasser dort wird vorwiegend in Zisternen aus Pinienholz gelagert, welche das Wasser anscheinend positiv beeinflussen. Wasser ist nicht fix. Es lebt und reagiert auf Gefühle, Musik, Gedanken und Worte. Die Worte Liebe und Dankbarkeit beeinflussen laut Masaru Emoto die Kristallbildung auf die positivste und schönste Weise. Ob Wasser wirklich in der Lage ist zu kommunizieren, ist allerdings nicht allgemein wissenschaftlich anerkannt, da es bis heute nicht gelungen ist, Dr. Emotos Untersuchungen mit demselben Ergebnis zu wieder­holen. Daher werden die Wasserkristallfotografien von Dr. Masaru Emoto

nicht als fundiert anerkannt. Laut Hado Life Europe liegt das daran, dass Wasser auf alles reagiert, also auch auf den Menschen, von dem es untersucht wird. Dr. Masaru Emoto reist rund um die Welt und bringt in Vorträgen und durch Publikationen seine Entdeckungen den Menschen näher. Er zeigt in seinen Büchern und Vorträgen auf, dass Wasser mehr ist, als die Summe seiner Inhaltsstoffe. Die Werke von Masaru Emoto wurden bislang in 35 verschiedenen Sprachen veröffentlicht und über zwei Millionen Bücher wurden weltweit verkauft. Seit einigen Jahren führt Dr. Emoto auch ein Labor

in Liechtenstein unter dem Namen Hado Life Europe. Unternehmen und Privatpersonen haben die Möglichkeit, Wasserproben einzuschicken, woraus dann Kristallbilder angefertigt werden. Der Andrang ist so groß, dass das Ergebnis bis zu 10 Monaten dauern kann. Am 25. September kommt Dr. Masaru Emoto auch für einen Vortrag nach Graz. Organisiert wird diese Veranstaltung von DI Mabon R. Negovec & Dr. Lulit C. Schatz von Nimbus – Quelle für Impus. Weitere Informationen zum Vortrag unter www.nimbus.co.at/masaruemoto.html

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Musik

Musikcafe

prenner Farben Empfehlung von Gunter Dorner, Leiter Musikredaktion Steiermark und Kärnten

Es war ein legendäres Lokal, das Musikcafe Prenner in Wildon. Dieses kleine Café mit seinem Inhaber, dem Horst, der ein großes Herz für Musik und im Speziellen für neue, junge Bands gehabt hat. Und genau dieses Lokal war Heimstätte und zugleich auch Namensgeber für die steirische Formation Musikcafe Prenner. Im Jahr 2010 war es dann soweit und aus den Stammgästen von Horsts Lokal wurde die Formation Musikcafe Prenner. Ihre Musik ist nach eigener Definition auf ihrer Facebook-Page „Indie oder so …“ mit deutschen Texten. Und nun ist soeben (im Mai) ihr neues Album Farben erschienen. Schon der Opener Alles Walzer zeigt, wohin die Richtung geht. Zeitgemäß arrangierte Songs

mit Schwerpunkt auf rockigen Gitarrensounds und Texten, deren Themen mit Sicherheit immer wieder jeden und jede glauben lassen: Ja genau – das ist mir doch auch schon mal so oder so ähnlich passiert! Unbedingt hervorzuheben sind der schon vorhin erwähnte Opener Alles Walzer, das melancholisch-trotzige Schulheft und das, trotz Trennungsschmerz, positive Johnny Und Das Mädchen. Ach ja und noch ganz wichtig: Die CD nach Song Nummer elf nicht aus dem Player nehmen, es folgt noch ein schöner akustischer „hidden track“! Auf alle Fälle hätte auch der Horst mit Farben eine große Freude!

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Fotografie

Christine Kipper und der unwiederbringliche Moment Seit sie im Alter von 12 Jahren zum ersten Mal die (damals noch analoge) Spiegelreflexkamera ihres Vaters in den Händen hielt, entwickelte sich die Fotografie zu Christine Kippers größter Leidenschaft, die bis zum heutigen Tage geblieben ist.

Text von Nina Senekowitsch, Fotos von Christine Kipper

In jungen Jahren fotografierte die gebürtige Grazerin, Christine Kipper oder „die Fotogräfin“, ausschließlich in ihrer Freizeit mit analogen Kameras. Aus beruflichen Gründen blieb für die Leidenschaft von Christine Kipper, die Fotografie, jedoch immer weniger Zeit und ihr künstlerisches Steckenpferd trat immer mehr in den Hintergrund. Doch Christines kreative Ader war stark, und so begann sie sich der Malerei zu widmen, die auch Erfolg mit sich brachte: Sie leitete selbst Malkurse und nahm mit ihren Werken an verschiedenen Ausstellungen teil. Die Fotografie als Christines wahre Passion jedoch kämpfte sich zurück an die Oberfläche: Vor sechs Jahren beschloss sie, endgültig ihr Hobby zum Beruf zu machen und belegte eine Vielzahl von Kursen und Seminaren. Darüber hinaus beschäftigte sie sich intensiv mit – im digitalen Zeitalter unerlässlichen – Bildbearbeitungsprogrammen.

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„Es ist mir wichtig, dass

Ihre ersten Schritte in dieser Berufssparte machte Christine als Pressefotografin für diverse Digital- und Printmedien. Wie so oft in der Kunst, entwickelte sich Christines Karriere weiter und wurde quasi zum Selbstläufer: Nach einer Weile führte sie der Weg zum Livegeschehen, und sie begann Aufnahmen bei Konzerten zu machen. Die Arbeit erfüllte sie, da sie musikinteressiert und ihr der Kontakt zu Menschen wichtig ist. Der eigentlich interessante Aspekt dabei ist für Christine das Feingefühl, das von ihr als Fotografin gefordert ist, um den entscheidenden Moment auf Konzerten festzuhalten, da dieser „unwiederbringlich ist“. Es ist wichtig, sich als Fotografin in den jeweiligen Musiker, den man in der Regel kaum oder gar nicht kennt, hineinzuversetzen, damit die richtige Stimmung transportiert und auf dem Foto sichtbar wird. Für sie ist es außergewöhnlich spannend, die verschiedenen Facetten eines Musikers, aber auch die Reaktion des Publikums auf ihn und die Musik mit ihren Bildern einzufangen. Oftmals erkennt sie die verschiedenen Gesichter eines Musikers, die sich je nach Stimmung und Licht ergeben, erst während der Bearbeitung der Bilder.

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meine Bilder

eine Geschichte erzählen!“


2014 wurde Christine vom Designmonat für das Fotoprojekt Graz eine Stadt im Wandel der Zeit nominiert. Hierfür verwendete sie Fotos von Straßen und Plätzen in Graz, die ihr Vater vor 50 Jahren fotografiert hatte. Diese Plätze fotografierte sie digital nach und stellte die jeweiligen Fotos unter dem Motto Graz – 50 Jahre einst und jetzt als Dias gegenüber. Des Weiteren stellt sie gerade eine Fotoreihe bei den Kreuzsschwestern aus und hält kommenden September (13., 14.) einen Fotoworkshop im Steirerschlössl. Anmeldeschluss ist der 15. August 2014. Weitere Infos zum Workshop und zur Anmeldung findet ihr hier: http://www.fotograefin.org/

Neben Konzertfotografie gehören auch Set-Cards, Businessfotos und „alles, was mit Menschen zu tun hat“ zu Christines Fachbereich. In der Studiofotografie, liegt für sie die Betonung auf der Kommunikation zwischen dem Model und der Fotografin. Das Bild wird, so Christine, von beiden Parteien beeinflusst und gerade deswegen ist es wichtig, eine Beziehung zwischen dem Menschen vor und dem Menschen hinter der Kamera herzustellen. Wer glaubt ein Fotoshooting spielt immer nach denselben Regeln, der irrt! Bei Personenshootings spielt der Anlass eine wichtige Rolle – während Businessfotos strikte Vorgaben haben und eher „straight“ sein müssen, gibt es bei Set-Cards von Mädchen wesentlich mehr Spielraum.

Auf die Frage, ob sie denn einen Ausgleich zum Beruf braucht, meinte Christine Kipper: „Die Entspannung finde ich in der Fotografie. Das Fotografieren lässt mich alles vergessen, das Davor und das Danach. Meine Gedanken sind fokussiert auf das Ziel, ein wir­ klich gutes Bild zu schießen.“ Sei es bei einem Shooting, auf einem Konzert, oder bei einem Event – die Fotografie macht Christine Kipper glücklich und lässt sie eins sein mit dem großen Ganzen. Christine macht Fotoreportagen und Personenshootings, fotografiert auf Events und Hochzeiten und arbeitet auch mit Werbeagenturen zusammen. Mehr Informationen dazu, Bildmaterial und Preise, sind auf ihrer Website zu finden: http://www.fotograefin.org/

Wenngleich Christine der Kontakt zu Menschen wichtig ist und sie jene vorwiegend ablichtet, so findet sie auch eine gewisse Faszination in der, zur Musik so konträren, Architekturfotografie. Sie erinnerte sich an ihren Besuch des DC Towers in Wien, von dessen Dach aus sie die Stadt auf Bildern festhielt. „Die Architekturfotografie ist statisch im Gegensatz zum Personenshooting und der Fotograf ist um einiges mehr von Gegebenheiten abhängig, die sich nicht beeinflussen lassen, z.B. dem Wetter)“, erzählte uns Christine.

Künstlerisches Vorbild: Steve McCurry, geboren am 24. Februar 1950 in Philadelphia, Pennsylvania, US-amerikanischer Fotograf und Fotojournalist. Christ USA) ine findet besonders den Ausdruck und die Stimm ist ein ung seiner Bilder spannend. Kunst ist: „Für mich bedeutet Kunst etwas zu mach en, das den Menschen glücklich macht!“ Wünsche für die Zukunft: „Jeder Fotograf träum t davon, irgendwann der ultimativen Schuss zu kann ich nicht sagen.“ landen – was das genau ist, Objektive: „Ich habe immer mindestens zwei Objek 24–70, 70–200 und eventuell das Fisheye dabei tive, maximal drei Objektive, zwei lichtstarke Objektive, ein Teleobjektiv, .“ Rat an andere Fotografen: „Lasst euch auf die Fotografie ein!“ 35


Musik

Der liebe Gott will, dass ich Keith Richards heirate

Text von Ralf-Dieter Abraham

Wenn ein kleines unschuldiges Mädchen von der fixen Idee nicht ablässt, irgendwann einmal Keith Richards zu heiraten, steht das für einen außergewöhnlichen Lebensweg. Der schon einiges geboten hat und noch einiges bieten wird.

Die Rockröhre Jennifer Kandut, die jetzt unter dem Namen JEN erstmalig ihr eigenes Soloprojekt am Start hat, weiß, dass sie es irgendwann schaffen wird, und wird versuchen, möglichst ohne Umwege auf die großen Bühnen des Landes zu kommen. „Angefangen habe ich ja als Tänzerin, war auch national erfolgreich und hatte mit Musik noch nicht so viel am Hut“, erklärt Kandut den Ursprung des Bühnenfiebers. Irgendwie sei sie dann durch einen Chor zum Singen gekommen, anders ist es im Lavanttal, in dem JEN wohnt und arbeitet, auch kaum möglich. „Den größten Fehler, den ich jemals begangen habe, sehe ich in dieser Zeit. Wir hatten zu wenig Programm, also habe ich ein paar Rolling-Stones-Midifiles im Hintergrund laufen lassen und mitgesungen, dafür werde ich sicher früher oder später bezahlen müssen“ grinst die fesche Fronterin. Wenn sie jetzt nicht direkt an der Musik arbeitet oder die Zeit mit ihrem Nebenjob als Immobilienberaterin verbringt, macht sie sich über sich und ihr Leben Gedanken. Oft sei es ganz schlimm, wenn sie kein Licht mehr am Ende des Tunnels erkennt, dann verkriecht sie sich für einen Tag bis zu dem gewissen Punkt.

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Dann raucht sie meistens eine Zigarette und denkt sich: „Es ist halt wieder so weit und mit dem Motto ,that’s Rock‘n’Roll, das Leben geht weiter, ich lebe‘ stehe ich wie­ der auf“, erklärt Jennifer, „ja das ist eben so mein Hobby, wo ich mich selber auch immer wieder rausreißen muss“. Dieser vorhin erwähnte Chor war ein Kirchenchor. „Ich bin über den Firmungsunterricht zum Kirchenchor und dadurch eben zum Singen gekommen. Also ist eigentlich der liebe Gott daran schuld, wenn ich schluss­ endlich Keith Richards heirate“, ist sich Kandut sicher. Auf die Rolling Stones ist sie über diese Midi-Files gekommen, die ihr damals über den ersten Auftritt halfen. Seinerzeit spielten die Stones die A Bigger Bang Tour, die sich das zierliche Mädchen gleich zweimal angesehen hat. Seit dem ersten Konzert in Wien gab es keinen Tag mehr, an dem Jennifer kein Lied der Rolling Stones gehört hat. Der Auftritt hatte ihr so gefallen, dass sie zwei Monate später mit dem Auto selber nach Düsseldorf gefahren ist, um sich das Konzert noch einmal zu geben. „Das Irre bei den Stones und speziell bei Keith Richards ist, dass keiner weiß, was zum Teufel die machen, keiner weiß, wie es geht, dass es so klingt“. Ihr erstes relativ ernsthaftes Bandprojekt hieß Jk and Band.

Alle Musiker waren damals so zwi­schen 17 und 18 Jahre alt. „Ich dachte, die gehen alle lieber ins Jugendzentrum ein Bier trinken, bevor sie sich die Songs raus­hören. Darauf, dass das schlichtweg mit unserem Können nicht möglich war, wäre ich damals nie gekommen“, gibt die Frontfrau zu. Wirklich schlimm für Jenny war nach ihren Ausführungen der Erfolg ihrer Girl-Group Dreieck. „Es war alles wunderbar, wir hatten ein Major-Label hinter uns, viel Geld für die Promotion, wir waren überall eingeladen, das Publikum schrie uns unsere Texte entgegen, wir waren in der Hitparade. An so ein Leben gewöhnt man sich verdammt schnell“. Das Gemeine sei, dass man im Showbusiness auf nichts aufbauen kann. Als sich die Band aufgelöst hatte, aus welchen Gründen auch immer, sind die Mädels am Boden aufgeschlagen, mussten sich total neu orientieren. „Für mich hieß das eben Nebenjob und auch jede Menge Arbeit an verschiedensten Songs und Besetzungen, denn irgendwie wusste ich jetzt auch nicht mehr genau, in welche Richtung das Ganze weiterfahren soll“, lässt uns die hübsche Blondine wissen. Bei Dreieck hat sie damals gesehen, dass es ein großer Unterschied ist, wenn eine komplette Maschinerie hinter einem Projekt steht, die für alles bereit ist

und auch an das Produkt glaubt – wenn viele Menschen an einem Strang ziehen. Auf der anderen Seite kennt sie gute Küns­ tler, die wirklich gute Lieder in der Tasche haben. Sie schauen perfekt aus, haben gut ausgebildete Musiker hinter sich, kommen aber auch keinen Millimeter weiter. Jennifer vermutet, dass es am wichtigsten ist, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Ein perfekter Song ist für die 23-Jährige immer einer, der textlich zu einem persönlichen Erlebnis passt. Die Sänger sind natürlich auch sehr wichtig – Jenny kann besonders mit hohen Männerstimmen wenig anfangen. Außerdem müssen in einem perfekten Song Gitarren dabei sein. „Ich würde es von meinem Gitarristen wünschen, wenn er mit einer Les Paul direkt in einen alten OrangeVerstärker fahren würde – die Orangen gehen sehr laut, deshalb müsste er immer richtig spielen und davor haben die jungen Gitarristen Angst“, grinst die resche Wolfsbergerin. Sie singt schon seit 10 Jahren in ein Sennheiser-Mikrophon. „Ich kann mir sehr wohl vorstellen, mit meinem Mikrophon eine heiße Nacht zu verbringen“. Auf fremden Mikrophonen singt Kandut ungerne, weil es schwer zu eruieren ist, was sie schon alles erlebt haben. Rock‘n’Roll hat oft was mit Sex zu tun. „Ich hatte das erste Mal Sex mit Rock‘n’Roll im Hintergrund und das letzte Mal, wenn’s mir noch gelingt, wird natürlich auch Rock aus den Boxen dröhnen“. Heuer wurde JEN für den neu gegründeten Kärntner Pop Award nomi­niert und durfte dort vor erlauchtem Pu­ blikum ihr Können beweisen. „Supercool is’ das! Endlich hat Kärnten mal aufgezeigt, dass wir Super-Musiker hier haben und nicht ,nur‘ den Wörthersee“, meint das Energiebündel aus dem Süden. Es freut sie, dass ihr Bundesland den Musikern endlich eine Anerkennung zukommen lässt. „Normalerweise werden bei uns solche Leistungen nur schlechtgeredet. Deshalb hat mich das richtig gefreut, dass sie da wirklich an mich gedacht haben. Ich konnte dort auch ein paar Nummern spielen, was mich auch gefreut hat.“ Jennifer hat immer gute Fotos parat. Fotografen reißen sich um die junge Kärntnerin. „Ich habe das Glück gehabt, dass ich mit Fotografen arbeiten kann, die mich ich sein lassen. Natürlich muss ich auch T-Shirts anziehen, die mir nicht so taugen, oder unbequeme Schuhe, aber ich würde mir nie den BH ausziehen.“ Sie ist kein Model, sie sei schlicht und einfach Rockmusikerin und wenn die Fotos nicht zu ihrer Musik und somit zu ihr passen, dann macht sie das ansonsten eben nicht. 37


Bühne & Film

Styrian Film

Generations Interview von Stefan Rothbart, Foto von Hijanisch/Flickr

Drei Generationen der steirischen Filmszene treffen aufeinander. Gemeinsam mit Stefan Rothbart diskutieren der junge Filmemacher Joe Fröhlich, Filmregisseur und Autor Markus Mörth und Filmvermittler und Veteran der Szene Heimo Sver über Status, Probleme und Zukunftsperspektiven der steirischen Filmbranche. Stefan Rothbart: Beginnen wir beim Jüngsten. Joe, du bist ein junges aufstrebendes Filmtalent aus der Steiermark und hast vor Kurzem deinen ersten Kurzfilm Irgendwas mit Liebe erfolgreich ins Kino gebracht. Wie waren deine Erfahrungen mit dem Machen und Veröffentlichen eines Films in der Steiermark? Joe Fröhlich: Sehr positiv, weil alles irgendwie von alleine gelaufen ist. Es war viel Arbeit, klar, aber es hat alles funktioniert. Gefördert wurde das ganze von ProAct von der Stadt Graz, wo demokratisch über ein Projekt abgestimmt wird und wir haben da 8.000 € bekommen. Den Film ins Kino zu bringen war ähnlich unkompliziert, wir haben eine Saalmiete gezahlt, dann sind ca. 700 Leute gekommen und dann wurde der Film ins reguläre Programm aufgenommen. Insgesamt haben den Film nun ca. 1.000 Leute in Graz nach drei Wochen Laufzeit gesehen. SR: Markus, du bist hingegen schon etabliert und studierter Filmemacher, der inzwischen auch auf der Universität unterrichtet, und du bist auch unter die Buchautoren gegangen. Wie waren deine Erfahrungen mit der Filmerei in der Steiermark? Markus Mörth: Ich habe ja zuerst in München gelebt und studiert und bin erst dann in die Steiermark zurückgekommen. Man muss natürlich sehen, dass die Steiermark als Bundesland keine Filmindustrie hat. Das Fernsehen bzw. der ORF ist der größte Arbeitgeber in der Region, der Rest hat sich langsam so ab den 2000er Jahren etabliert. Ich komm‘ allerdings vom Kino, was wiederum mit Fernsehen wenig zu tun hat. Da ist es zunächst einmal schwierig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es ist wie nach der Matura, du fängst erst mal neu an. Das Studium gibt dir zwar einen gewissen Halt, aber du musst die Kontakte wieder neu aufbauen. 2004 wurde die Cinestyria dann eingeführt und das war gut, weil es da erstmals

eine Anlaufstelle für Filmemacher gab. Aber die Finanzierung von Filmen ist nach wie vor schwierig und es dauert mehrere Jahre, bis man ein Projekt überhaupt einmal entwickelt hat. SR: Heimo Sver, du bist Veteran der heimischen Szene und der Filmvermittler in unserer Runde. Du organisierst Plattformen, wo sich steirische Filmemacher präsentieren können, z.B. bei den Open-Air-Kinos in Graz. Wie sind deine Erfahrungen, die du über all die Jahre mit der steirischen Filmförderung gemacht hast, und wohin glaubst du geht die Entwicklung? Heimo Sver: Ich sehe es leider nicht so positiv. Ich komme mit meinem Verein McGuffin aus dem Forum Stadtpark. Uns gibt es nun seit 12 Jahren. Damals sind ein paar Leute zu uns gekommen und wollten Filme machen, und es war alles schwieriger, es gab ja noch keine richtige Finanzierung. Heute kann man ja mit jedem Handy einen Film machen, der besser aussieht als mit den Ka­meras, die damals zur Verfügung standen. Insofern ist die Situation besser geworden. Aber was ich heute sehe, ist, dass es einen Haufen junge Leute gibt, die gerne kreativ sind und einen Film machen wollen, aber null Förderung bekommen, oder nur so wenig, dass es ein Hohn ist. Die 8.000 €, die der Joe bekommen hat, sind da ja schon außergewöhnlich, sonst gibt’s ja meistens nur 1.000 € oder 1.500 €, da kann man ja gar nix damit machen. Es ist mehr denn je eine Sache, von der man privat überhaupt nicht leben kann und es wird eine irrsinnig hohe Selbstausbeutung von den Künstlern verlangt. Das ist sehr schade, weil einfach viele aufhören werden und die wenigen, die durchbeißen, werden sich irgendeiner Partei anbie­ dern müssen, was die Qualität der Filme wiederum beeinflusst. Mit politisch kontroversen Themen hat man dann gar keine Chance mehr. Das Schlimme ist, glaub‘ ich: Die Diagonale ist damals nach Graz gekommen und hat die Leute begeistert und dann haben alle

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begonnen, Filme zu machen. Was ja gut war. Nur jetzt sind alle angefixt und wollen Filme machen, kriegen aber keine Finanzen mehr. Ich glaub‘, das ganze System wird in Zukunft in eine andere Richtung gehen. Es gibt ja kein Geld mehr und bei der Kultur wird traditionell zuerst gespart. Und selbst Sponsorfinanzierung kann man inzwischen komplett vergessen. Die Szene wird langsam ausgeblutet. SR: Heimo, du hast mir mal erzählt, dass es früher einfach war „reinzurutschen“. Irgendwann war das aber nicht mehr möglich, warum? HS: Das Problem ist, dass die Kulturpolitik früher anders war. Die zuständigen Politi­ker haben sich früher wirklich noch für Kultur interessiert und sich auch ausgekannt. Dadurch waren die Beiräte nicht nötig. Ich bin ja kein Freund der Beiräte, obwohl es dort auch Leute gibt, die sich wirklich Mühe geben. Früher sind die Politiker zu einer Veranstaltung gekommen, sind mit den Künstlern Kaffeetrinken gegangen, heute gehen die nur mehr auf die großen Events, bei kleineren Geschichten sind die einfach nicht mehr da. SR: Momentan wird ja Kultur nur als Kunst verstanden und weniger als Wirtschaft. Dabei kann Kunst und Kultur auch wirtschaftliches Potenzial haben. Joe, wie siehst du als junger Filmemacher bisher die Situation in der Steiermark? JF: Ich kann ja da zwar noch nicht viel mit­ reden, da ich jetzt nicht diese langjährige Erfahrung habe. Ich kenn‘ aber wahnsinnig viele tolle, motivierte junge Leute, die wahnsinnig viel auf dem Kasten haben und auch mit Auftragsarbeiten teilweise ganz gut verdienen. Die Szene hier in Graz erlebe ich als sehr positiv und aufstrebend. Also ich hab‘ Hoffnung. SR: Markus, eine Frage an dich: Film hat zwar eine große Szene in Österreich, aber von einer Branche im wirtschaftlichen Sinne kann man ja kaum sprechen. Was glaubst du, ist das besondere am Filmverständnis in Österreich, weshalb sich die Lage hier unterscheidet im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich, Dänemark, Schweden, etc. wo der Marktanteil wesentlich höher liegt als bei uns?

MM: Man kann sich schwer mit Ländern vergleichen, die immer schon mehr Wert auf den wirtschaftlichen Absatzmarkt der heimischen Kultur gelegt haben und versucht haben, mit Quotenregelungen einen Markt zu schaffen. In Frankreich haben wir mehr als 20% Marktanteil. In Österreich hat man hingegen keine Quoten eingeführt und es wurde von außen bestimmt, was gut geht und was nicht. Die Entwicklung des Filmmarktes in Österreich ist weitgehend eine Reaktion auf politische Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Anfangszeit hat es ja gut funktioniert, irgendwann war dann aber die Flaute da. Der österreichische Film hat international aber einen guten Stand, z.B. auf Festivals, aber das ist hauptsächlich aus künstle­rischer Sicht gesehen. Kommerziell sieht es da anders aus. Das muss man mal ganz klar sehen und trennen. Die Filmförde­ rung soll­te die Kunst ermöglichen, damit man auch die kommerziellen Filme wei­ terbringt. Jeder kommerziell erfolgreiche Regisseur hat zuerst künstlerische Filme gemacht und konnte sich darin erproben. Ohne den Nachwuchs zu fördern, ohne die Kunst zu fördern, kann es keinen kommerziellen Erfolg geben. Und das kommerzielle Potenzial kann sich nur entfalten, wenn man von den ausländischen Kinoketten, die ja in erster Linie ihre Produkte verkaufen wollen, auch einfordert, dass sie einen gewissen Anteil heimischer Produktionen spielen müssen. Man muss also auch den Absatzmarkt fördern. Es nutzten einem ja keine tausend Presseartikel, wenn den Film dann keiner sieht. Zu mir hat einmal ein Journalist ganz passend gesagt: „Sie haben einen sehr schönen Film gemacht und wenn ich darüber schreibe, lesen das 800.000 Leser, so viele werden ihre Filme gar nie sehen.“ Rückblickend gesehen ist das richtig und irgendwie bedrückend. SR: Lieber Joe, jetzt haben wir schon gehört, wie wichtig es ist, den Markt und den Nachwuchs zu pflegen. Wie würdest du deine eigene Situation beurteilen, nachdem du deinen ersten Kurzfilm ins Kino gebracht hast, der ja eigentlich nicht durch eine Filmförderung finanziert wurde? JF: Ich würde gern in Deutschland stu­ dieren und ich weiß von jedem einzelnen Filmemacher, den ich kenne, dass er nicht in Österreich bleiben möchte. Ich persön-

lich würde gerne irgendwann einen kommerziellen Film machen können. Ich würde aber auch gern in Graz bleiben, wenn es möglich ist. SR: Woran liegt das deiner Meinung nach, dass alle weg wollen? JF: In erster Line natürlich an den Ausbildungsmöglichkeiten, du kannst ja nur in Wien oder Deutschland Film studieren. HS: Es sind ja auch andere Zeiten. Zu meiner Zeit hat ja keiner daran gedacht wegzugehen. Wir haben in Graz eine recht kleine Stadt, also irgendwie so ein Zwi­ schending, und dafür haben wir eigentlich recht viele Kinosäle. Und trotzdem – wo auf der Welt wird z.B. ein Kunsthaus ohne Kinosaal gebaut? In Graz! Das Kunsthaus schaut zwar schick aus, hat aber keinen Kino­ saal, braucht man ja nicht. Es gibt einfach keine Filmvermittlung. Selbst die Art-House-Kinos tun da relativ wenig. Ich kenn‘ z.B. Beiräte, die kommen zu mir und fragen mich, ob ich ihnen irgendeinen steirischen Filmemacher sagen kann. Da fragt man sich schon, ist es denen einfach wurscht? Mittlerweile hat man ja bei den Förderstellen das Gefühl, die haben tausen­ de Möglich­keiten entwickelt, wie man mö­ glichst keine Förderung bekommt und dass es nicht mehr wirklich darum geht, dass man gefördert wird. Man muss ja schon fast ein Wirtschaftsstudium haben, damit man überhaupt die Buchhaltung machen kann. Leicht machen sie es einem jedenfalls nicht. SR: Abschlussfrage an Joe: Was würdest du dir wünschen, wohin sich die Filmlandschaft entwickeln sollte? JF: Ich denke, ganz generell einfach die Möglichkeit bieten für Leute, die das wirklich machen wollen, auch ihre Projekte herzeigen zu können und an die Leute zu bringen. Eine zentrale Anlaufstelle in Graz, wo man sich erkundigen kann, wo man über seine Möglichkeiten informiert wird, wäre sicher eine gute Sache. Man braucht ja auch Mentoren, die Feedback geben können. SR: Vielen Dank für das sehr interessante Interview!

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Bühne & Film

Johannes Fröhlich

Bericht von Sascha Pseiner

Bereits mit zwölf Jahren entdeckte Johannes Fröhlich die Leidenschaft zum Film. Alles begann, als er ein Making-Of zu Peter Jacksons Film „Herr der Ringe“ sah. Peter Jackson erzeugte eine lockere Atmosphäre, indem er die Crew mit einem Morgenstern aus Plastik am Set motivierte. Alle haben am Set gelacht und wirklich Spaß gehabt. Seit diesem Zeitpunkt weiß Johannes Fröhlich, wo er hin möchte. Und so ergab es sich, dass er seinen ersten Schauspiel-Kurs machte. Nach drei Jahren stellte er aber fest, dass er mehr möchte, als nur Anweisungen zu befolgen. Er wollte hinter der Kamera stehen und verantwortlich sein für das, was am Set geschieht, und er wollte auch Geschichten erzählen. Was Johannes Fröhlich mit seinen Filmen vermitteln möchte, ist, dass man das Leben nicht so schwer nehmen soll und auch ihm merkt man diese positive Lebenseinstellung an. Auch wenn ihm bewusst ist, dass er noch sehr am Anfang seiner Karriere steht, weiß er dennoch genau, was er will. Ihm ist besonders wichtig, Emo­ tionen zu vermitteln und dass er diese auch selber schon erlebt und gefühlt haben muss, um ein spannendes Drehbuch und mit Hilfe des Mediums Film eine spannende Geschichte erzählen zu können. Daher wird auch schnell klar, dass seine Quelle der Inspiration das Leben als solches ist. Am Set sorgt er immer für gute Laune, selbst wenn es um vier Uhr morgens bei strömendem Regen ist. Es geht ja auch darum, dass am Ende ein guter Film heraus kommt und das gesamte Team etwas davon hat. Und genau da spürt man auch seine Leidenschaft zum Film.

Seine erste schriftliche Vorlage hat er mit 15 geschrieben und sein erstes Drehbuch mit 18 für einen Kurzfilm. Keine zwei Jahre später erreichte er den ersten Meilenstein gemeinsam mit seinem Kamera­mann Oskar Ott mit seiner romantischen Liebeskomödie Irgendwas mit Liebe. Die Folge war eine ausverkaufte Premiere im Grazer Annenhofkino und auch die Aufführungen danach waren bestens besucht. Auf die Frage hin, welches Gefühl dieser Erfolg für ihn war, konnte er mir nur sagen, dass er gar nicht die Zeit dazu hatte, zu realisieren, was da gerade geschehen ist, da er so eingeteilt war mit der ganzen Organisation rundherum. Einiges an Erfahrungen konnte er schon sammeln – unter anderem als Lichtassistent in den USA und auch als Regieassistent konnte er sich schon verwirklichen. Des Weiteren war er auch Produzent des Kurzfilms Manipulation, welcher bei der Premiere genau wie Irgendwas mit Liebe ausverkauft war. Es wird nicht seine letzte Produktion sein, denn er gehört einfach aufs Set. Und daher können wir schon gespannt sein auf seine nächsten Werke.

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Literatur

Der Zug Auszug aus einem Text über die Realitäten eines Lebens. Schauplatz ist eine Welt ohne Zeit und ohne Ort, wo sich aus der Unbarmherzigkeit der Vergangenheit die Aussichtlosigkeit der Zukunft erhebt. Es könnte unsere Welt sein. Es könnte dein Leben sein. Du stehst und wartest auf den Zug. Bist sauer auf das Leben. Warten, warten, warten. Du schaust in die Gegend, siehst Bäume, Krähen, Felder. Außer dir ist keiner hier. Na wenigstens was. Denn du willst keinen seh’n. Niemanden von denen, die selbst wenn sie da sind, so tun, als wären sie es nicht und starr auf den Boden blicken, egal wohin sie gehen. Den Kopf hebt keiner, nie sieht dich einer an, für alle bist du Luft. Und so wie du Luft zu sein scheinst für die, so sind sie es auch für andere. D‘rum lösen sich pro Sekunde auf der Welt Trilliarden über Trilliarden an Begegnungen in Luft auf. Alle sehen weg; die Lippen zugefroren, als ob ein Lächeln schmerzte. Du hast sie alle angesehen und gehofft, dass wenigstens einer merkt, dass du nichts im Schilde führst. Im Gegenteil. Du wolltest nichts. Du plantest nichts. Du wünschtest nur, dass statt der Luft – dass statt der kalten Luft – und statt der zugefror’nen Lippen nur einer – und nur einmal – nicht durch dich hindurchsieht. Es ist Sommer. Und dennoch fröstelt dir. Da wo du stehst. Am Gleis. Und wo du wartest – auf den Zug. Warten, warten, warten. Fahrpläne, Arbeitszeiten, Vorgesetzte, Expartner, Stiefkinder, Kinder, Banken, Häuser, Kredite, Geld, Geld, Geld. Was für eine Welt. Unglaublich eigentlich: Aus Jägern und Sammlern wurden Schuldner und Hamster. Rein ins Hamsterrad. Lauf! Und wehe, du bleibst stehen. Nein, schlimmer noch, wehe du überlegst, wie es wäre, wenn du stehen bliebest. Besser du läufst weiter. Noch besser: Du läufst und denkst nicht nach. Du weißt nicht wie, aber irgendwann ist es dir gelungen; bist aus dem Hamsterrad gehüpft, bist aus dem Käfig des Systems gestiegen. Bist um die Welt gereist. Soweit es mit

den Ersparnissen ging. Nur die Tickets gekauft; keine Hotels, kein Komfort, wenig essen, Wasser gab’s umsonst – und Opium war umsonst. Das Jahr war zu schnell um. Willkommen zurück. Das wäre Ihr Preis gewesen! Aber leider nicht geil. Trostpreis Hamsterrad! Bitte einsteigen! Deine Knie zittern. Gänsehaut im Nacken. Kein Zug zu sehen. Laut Plan längst überfällig. Auch darauf ist kein Verlass. Es blieb kalt nach deiner Reise. Kälter eigentlich, weil du gesehen hast, wie Herzenswärme sich anfühlt. Dort, wo die Menschen wenig hatten, war man gut zu dir. Daheim bist du wieder Luft. Neue Arbeit, neuer Lohn, gleicher Hohn. Und so vergeht Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche, Jahr für Jahr, Jahrzehnt um Jahrzehnt, Leben um Leben. Was bist du? Warum bist du hier? Warum bist du der, der du bist? Und wer sagt, dass du nicht schon mal hier warst. Warst hier, hast es verkackt, gibst den Löffel ab und ehe du verschnaufen kannst, bekommst du den nächsten Löffel in die Hand. Müssen nicht alle manchmal denken, sie wären schon mal hier gewesen? Es bleibt das Gefühl, der einzige Entrückte zu sein. Vielleicht kann man es zurechtrücken: Familienaufstellung. Autsch. Der Vater rechts oben. Mutter links unten. Rechts unten der Bruder. Links oben die Schwester. Die anderen Geschwister im Raum verteilt, denn Ecken gibt’s nur vier. In keine kannst du dich verkriechen. Der Psycho­ onkel fragt. Was fühlst du? „Jetzt oder damals?“ Nein damals. „Ach so, damals.“ Ja, du weißt noch genau, wie du dich gefühlt hast, als dir der Fremde sanft den Finger auf die Lippen presste. Er würde dir nicht wehtun. Das Frösteln heute ist dasselbe wie damals. Der Zug kommt. Endlich. Du kannst ihn hören. Doch du wirst ihn erst sehen, wenn er um die Kurve kommt, um die Brücke zu überqueren. Am Ende der Brücke sind zwei hohe betonierte Pfeiler, daneben geht die Böschung hinauf. Von dort oben bist du hinuntergeklettert. Hinter dem rechten Pfeiler stehst du. Niemand kann dich sehen. Der Zug biegt um die Kurve und ist gleich auf der Brücke. Dein Herz klopft. Ein kurzer Blick. Gleich ist er da. Vielleicht fünf Atemzüge. Eins. Zwei. Drei. Vier …

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Literatur

Wem nach NutzloserZeitvertreib ist, DerDieDas (DDD) lese weiter Philosophische Betrachtung von Wolfgang Schatz, Foto von Olivia Fürnschuß

Neben Kunst und Kultur gibt es Nutzloser-Zeitvertreib. Erholung findet DDD in Thermen, auf einem Zeltfest, Autobahnraststätten und – preiswerter, alternativer – Nutzloser-Zeitvertreib. Auch ist es egal, ob Schwimmen, Wandern, Schneeketten kaufen oder Nutzloser-Zeitvertreib. Wenn DDD als Konsument der Freizeitindustrie nahe am Burn-Out ist, hat‘s da was nicht recht kapiert. Es fing mit der idiotischen Trennung des Lebens in Arbeit und Freizeit an. Es entwickelte sich die Geschäftsidee, Freizeit mit Arbeit zu finanzieren unter der Prämisse: das Angebot weckt die Nachfrage = Freizeitindustrie. Daraus ergab sich der paradoxe Umstand, mehr arbeiten zu müssen, um sich mehr Freizeit leisten zu können, und da soll einer sagen, der Mensch ist kein komisches Vieh. Gehen wir das Ganze anders an: Wir unterteilen das Leben in Zeitvertreib und Nutzloser-Zeitvertreib – Ich weiß schon, da kommen Einwände, geht nicht weil bla,bla,bla. JenerInnen hätten nicht weiter lesen sollen und können sich jetzt vertschüssen. Müde, angeödet und leer im Kopf vom Nutzloser-Zeitvertreibnen, beschließt DDD in seinem Zeitvertreib, sich mit der Tat­sache, zu viel Nutzloser-Zeitvertreib, auseinanderzusetzen – das macht fertig, praktisch ein Burn-In – und kommt zum Schluss: Zu wenig Zeitvertreib, zuviel NutzloserZeitvertreib, ich muss was tun dagegen. DDD leckt sich mit der Zunge über die Augenbrauen, ein Film des bisherigen Lebens füllt das Panorama.

Ein Knabe, im Alter von acht Jahren, schmeißt der Oma einen Schweizerkracher ins Scheißhaus, fremde Hände im Gesicht können nicht nur streicheln, die Wetterseite des Hauses wird mit Fut-und-Negerbrettern verkleidet, der Farbton hält, was Lasurdosenreste versprechen, eine Reise nach Hermagor kann auch in Krumpendorf enden, zwei erfolglose Fischer aus 28 Ländern werden bedauert, weil wir am Vortag alles abgefischt haben, aus dem Karatelehrbuch lernt man nicht wirklich, was der Bruce Lee kann, als Manson-Family verkleidet unterwegs zu sein is’ echt öd, weil keine Sau weiß, wer der Charles Manson is, die Sonne geht hinter einer Betonmischanlage unter, Keith Richards und Franz Klammer bauen das Getriebe beim Magirus-Deutz aus – warum, weiß man nicht – egal, die können eh tun was sie wollen, das haben sie sich verdient – der erste legitime Geschlechtsverkehr fühlt sich genauso an wie die davor, drei Krankenschwestern überfallen eine Tankstelle – Tankwart im O-Ton: „Dos het i ma net denkt“, die Pensionsversicherungsanstalten informieren ihre Kunden, zwei Urlauber mit Kärnten-Card beschweren sich an der Kassa beim Billa, weil sie keinen Rabatt bekommen. Alles Scheiß-Probleme, ich weiß. Aber man muss auch immer mit dem Sieg rechnen. Der Conchita is’ des wurscht (HaHaHa).

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Literatur

Die Wahrscheinlichkeit

des Krieges Interview von Lea Leitner, Fotos von Ireck Litzbarski/Flickr und Chris Plach

Der Erste Weltkrieg feiert heuer seinen hundertsten Geburtstag und passend dazu quellen die Medien über vor Reportagen und früheren Augenzeugenberichten (wobei letztere kaum noch vorhanden sind). Der historienbegeisterte Grazer Filmemacher und Schriftsteller Stefan Rothbart wagte einen anderen Ansatz und erzählt von der Zeit des Ausbruchs in Form eines gesellschaftskritischen Romans. Was hat dich zu dem Buch motiviert/inspiriert? Mich hat das ganze Thema „Erster Weltkrieg“ interessiert, weil es eine Epoche ist, die extreme Parallelen zur heutigen Zeit aufweist. Die Gesellschaft war mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Damals hatte man eine ältere Generation, die sich etwas aufgebaut und erschaffen hat. Man war in dieser Generation am Ende einer Zeit angelangt – das Alte war da und etabliert, aber es stand etwas vor der Tür. Man war zwar noch in der monarchischen Welt mit seinen traditionellen Strukturen, aber es gab bereits einen Aufbruch in die Moderne. Alles entwickelte sich viel schneller. Man denke an den ersten Flug der Gebrüder Wright im Jahr 1903: 1914 standen

schon ganze Luftwaffen zur Verfügung! Und auch jetzt merken alle; wir stehen irgendwie am Ende einer Ära – etwas Neues kommt, ist aber noch nicht da. Die ganze Monarchie-Zeit ist zudem etwas legenda­ risiert: Einerseits ist sie noch präsent, andererseits können wir uns gar nicht mehr vorstellen, wie alles damals war. Zeitzeugen von damals gibt es fast nicht mehr. Wenn man sich nun als junger Mensch aus mei­ ner Generation dem Thema annähert, kommt man zu ganz anderen Schlüssen und Sichtweisen. Das Buch ist eine detaillierte Schilde­ rung über die Einstellung der Österreicher zum Krieg – wie bist du an die Recherche rangegangen?

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Das ist das, worum es mir bei dem Buch ging: Nicht, dass man irgendwelche historischen Abläufe von Datum zu Datum beschreibt, sondern, dass man die historische Genauigkeit für das Gefühl von dieser Zeit hat. Man muss viel wissen, aber eigentlich braucht es auch sehr viel Intuition, um diese ganzen Fakten auf sich wirken zu lassen und zu versuchen, sich da einzufühlen. Ich habe viele Bücher gelesen – nicht nur historische Sachbücher, sondern auch Li­ teratur aus der Zeit, wie Roth, Zweig, Kraus und andere Autoren, die das Gefühl aus dieser Zeit rübergebracht haben. Das Buch ist angelegt an Karl Kraus‘ Die letzten Tage der Menschheit, der das Buch als Zeitzeuge aufgefasst hat.


Inwiefern identifizierst du dich mit dem Hauptcharakter? Wenn du als Schriftsteller etwas schreibst und eine Figur kreierst, identifizierst du dich immer mit ihr, ansonsten funktioniert es nicht mit dem Schreiben. Insofern ist in jeder Figur eine persönliche Identifikation. Man will sich ja auch identifizieren. Mir hat dieses Modell – ein Professor, der alles erlebt – gefallen. Irgendwie kann man das so verstehen als würde sich der Leser aus der Ich-Perspektive in die Zeit hineinversetzen. So hab ich das beim Schreiben versucht. Wenn man in der Ich-Perspektive schreibt, kann man diese ganze Zeit auch besser für den Leser fassbar machen. Hättest du alles genauso gemacht wie er? Naja, das ist schwierig. Er ist eine Figur, die nicht zeitspezifisch ist. Er denkt und handelt eigentlich sehr gegenwärtig. Auch die Sprache ist eine sehr gegenwärtige. Es ist ein Kunstgriff, dass man die Rückschau hat. Hätte ich einen korrekten historischen Roman gemacht, hätte er anders gehandelt. Ich hätte sehr ähnlich gehandelt. Der Sprachstil ist sehr österreichisch … Mir ist es wichtig, dass es spürbar ist, dass es ein österreichischer Roman ist. Ansonsten ist es schwer, sich in die Zeit einzufühlen, denn der österreichische Geist und die Mentalität drücken sich anders aus als beispielsweise die deutsche Mentalität. Wenn ich es mit einer deutschen Ausdrucks­weise versehen hätte, wie es oft in Büchern passiert, hätte es mir nicht so gut gefallen. So ist es authentisch. Gibt es weitere Bücher in der Hinsicht? Nur österreichbezogen: Es wird für das nächste Jubiläumsdatum 1918 eine Publikation über den Ersten Weltkrieg geben, und es sind mehrere Bücher über verschiedenste Epochen der Geschichte geplant, z.B. mein Roman über die Schlossbergbelagerung. Ich finde die österreichische Geschichte grundsätz­ lich sehr interessant und möchte gerne dabei bleiben, auch weil im Bereich des historischen Romans kaum etwas darüber publiziert wird. Meistens ist es eine anglikanische Übersetzung oder aus dem deutschen Bereich. Die österreichische Geschichte ist so vielfältig und ein einziges Märchenbuch. Deswegen möchte ich mich

darauf spezialisieren, weil da einfach so viel dabei ist. Gibt es eine bestimmte Botschaft, die du mit dem Buch vermitteln möchtest? Ja: Dass man erstens immer genau hinschauen sollte, was so im Weltgeschehen passiert, eben weil diese Parallele zur heutigen Zeit da ist. Es ist gut, dass wir verstehen, was damals die Mechanismen in der Gesellschaft waren, die zum Ersten und in Folge zum Zweiten Weltkrieg geführt haben – und dass es wieder passieren kann. Ich möchte auch daran erinnern, dass die Monarchie Teil der österreichischen und der Weltgeschichte ist und man daraus seine Lehren ziehen sollte, und dass die Vergangenheit nicht zwangsläufig als schlecht anzusehen ist. Mit dem Zerfall der Monarchie entstand eine Trennlinie, durch die wir von unserer Geschichte abgeschnitten worden sind – alles was vorher war, wurde abgelehnt und tabuisiert. Ich glaube, dass die Österreicher heute noch immer traumatisiert sind von diesem Verlust und dass es im Gedächtnis der Menschen geblieben ist. 1914 war der große Knackpunkt, die Wende der Geschichte Österreichs, die man nicht vergessen und nicht tabuisieren sollte. Ich glaube auch, dass man aus der Geschichte die Lehren für die heutige Zeit herauslesen kann, wenn man sich intensiv damit beschäftigt. Gerade mit dem derzeitigen europäischen Einigungsgedanken ist es interessant, sich die ganze Geschichte der Monarchiezeit anzuschauen, damit man sieht, dass diese Mechanismen mit dem ganzen Vielvöl­ kerstaat zugrunde gingen. Man kann es in der heutigen Zeit wiedererkennen, welche Mechanismen zur Aufspaltung führten, weil es sich wieder in gewisse Lager trennt. Im Endeffekt sind es eh wieder die gleichen. Welche Mechanismen waren das? Grundsätzlich ist es egal, ob ich in der Monarchie oder Republik oder der EU bin; die Machtstrukturen haben sich im We­ sentlichen nie wirklich verändert. Früher regierten Kaiser, heute sind es Politiker, die zwar gewählt werden, aber auch über das Volk regieren. Ich glaube, dass die heutigen Machtstrukturen noch nicht wirklich demokratiereif sind. Die Demokratie, wie wir sie kennen, ist erst im 20. Jahrhun-

dert großflächig entstanden. 1910 gab es drei demokratisch organisierte Staaten – die Schweiz, Frankreich und Portugal. Im Laufe der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich das geändert, aber die Demokratie als Staatsform ist noch relativ jung und historisch noch nicht verankert. Und das ist genau das Problem, vor dem wir jetzt stehen: Die Machstrukturen haben sich noch nicht wesentlich geändert und sind noch nicht wirklich demokratietauglich. Meiner Meinung nach geht es in die Richtung der direkten Demokratie, in der das Volk stärker involviert ist. Im Prinzip machen Politiker aber noch, was sie wollen: Du wählst einen, der wird eingesetzt und der darf regieren. Die Entwicklung geht nun dahin, dass man nicht mehr so starke Führungspersön­ lichkeiten hat, sondern dass das Volk fähig ist, sich in Kooperation selbst zu regieren. Was das Buch auch zum Ausdruck bringen soll ist, dass wir nie etwas als selbstverständlich ansehen sollten! Die Monarchie war damals als in Stein gemeißelt angesehen – dass dieser Zustand aufhören würde, konnte sich niemand vorstellen. Und das Gleiche geschieht heute: Es könnte sich nie jemand vorstellen, dass es etwas anderes als die nationalstaatliche Ordnung geben wird. Man soll sich ins Gedächtnis rufen, dass es immer Veränderungen geben wird und man sich an nichts festhalten muss.

Das Buch: Die Wahrscheinlichkeit des Krieges (2014) Der Autor: Stefan Rothbart (1985) Die Präsentation: 27. Juni, 18:00 Themenabend im August, inklusive Lesung und Film

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Wissen

Die Entstehung der Schrift | Teil 4

Schrift für die

Ohren Die Notationssysteme der Musik

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Serie von MMag. Chia-Tyan Yang 楊佳恬, Bild von Patrick Gunderson/Flickr


„Die Musik ist als die universelle Sprache der Menschheit zu bezeichnen, durch welche das menschliche Gefühl sich einst allen Herzen in gleich verständlicher Weise mitteilen kann“, sagt einst der Klaviervirtuose Franz Liszt. Diese universelle Sprache wurde schon seit jeher von allen Volksgruppen dieser Welt gesprochen und gepflegt. Um das menschliche Gefühl musikalisch zu notieren (daher der Ausdruck „Note“), wurden auch diverse Notierungsversuche gestartet, mehrere Notationssysteme umgeworfen, bis sich die fünf sogenannten Notenlinien mit ihren freundlich wirkenden runden Noten durchgesetzt haben. Die Notation als visuelle Kulturtechnik Die Sprache Musik war – wie die meisten Sprachen und Dialekte – schriftlos und wurde mündlich weitergegeben. Mit Musiknotationen als materiellem Träger konnte erstmals zwischen Erinnerung und Vergegenwärtigung sowie zwischen Visuellem und Klanglichem vermittelt werden. Ganz pragmatisch betrachtet handelt es dabei um eine Niederschrift akustischer Phänomene und

Neumen (griech. für „Wink“) entstanden aus notierten Gedächtnisstützen der Kantoren, die mit Handzeichengebung („Wink“) den Sängern den Verlauf einer Melodie angedeutet haben. Das Repertoire der Handzeichengebungen wuchs und wuchs, bis es ein vollkommenes und viel verwendetes Notationssystem wurde. Im 11. Jahrhundert führte der Benediktinermönch Guido von Arezzo die noch heute in der Musiknotation gültige Notenschrift mit Notenlinien ein. Die barocke Musik brachte gegen Ende des 16. Jahrhunderts den Generalbass, der mit Buchstaben und Zahlen arbeitet, hervor. Es handelte sich um Anweisungen für Fundamentinstrumente wie Orgel, Cembalo, Violoncello oder Laute, einzelne Basstöne sind mehr oder weniger vollständig mit Ziffern versehen. Was ursprünglich als eine Sparmaßnahme gedacht war (Tinte und Papier waren schließlich teuer und für viele Musikschaffende und Kopisten unerschwinglich), entwickelt sich zu einer der wichtigsten Notationsmöglichkeiten der Musik. Sie ermöglicht(e) den Musikern, Improvisationen innerhalb des erlaubten Rahmens durchzuführen.

Im l e t z t e n T e i l d e r S e r i e „Die Entstehung der Schrift“ f ü h rt u n s d i e M u s i k e r i n u n d K u lt u r b l o g g e r i n C h i a - T ya n Ya n g i n d i e W e lt d e r M u s i k n otat i o n . Strategien. Konkret: Die Musik, die schöne Sprache für die Ohren, wird visualisiert. Die Musiknotationen, die sich in Europa seit etwa dem 8. Jahrhundert entwickelt haben, sind nicht nur musikhistorisch von Bedeutung. Ohne sie wäre unzählige Musik verloren gegangen bzw. sie wäre erst gar nicht entstanden! Die Notationssysteme von Musik brachten und bringen Notenschriften hervor, die je nach ihren historischen Anforderungen verschiedene Parameter wie Tonhöhe, Tondauer, Rhythmus etc. miteinbezogen haben. Die frühen deskriptiven – also beschreibenden – Notationen, haben sich in erster Linie entwickelt, um bereits bestehendes, mündlich überliefertes Melodiengut visuell zu fixieren. Im Mittelalter kam komplexe mehrstimmige Musik auf, mit ihr die präskriptiven – also vorschreibenden – Notenschriften, die die Fähigkeit besitzen, den schöpferischen Vorgang des Komponierens, des Zusammensetzens der Stimmen, in einen optischen Zusammenhang zu bringen. Interessant ist dabei, dass musikalische Notation grundsätzlich die Musik ihrer Zeit, ihre Aufführungs­ bedingungen und die Bedingungen ihrer Entstehung reflektiert. Die abendländischen Notationen & die Ziffer als Sparmaßnahme Ich möchte mich auf die Entwicklung der Notationssysteme im Abendland konzentrieren, da sie die führende Rolle in der weltweiten Musikgeschichte der letzten paar hundert Jahren gespielt hat. Den ersten Meilenstein finden wir in der Kirchenmusik: Die

Das Inventar an Zeichen und Anweisungen wurde im Laufe der Zeit stets ausgebaut, um immer komplexer werdende musikalische Vorgänge auszudrücken. Erfindung und Niederschrift von Musik stehen dabei immer in Wechselwirkung. Komposition fordert Notation heraus, und Neues notieren ermöglicht neuartiges Komponieren. Noten-Bilder des 20. Jahrhunderts Parallel zur Entwicklung in der Malerei (Impressionismus, Kubismus) empfanden die Avantgardekomponisten die Standardnotation als Ausdrucksmittel unzureichend – es wurden neben der konventionellen Notenschrift auch neue Formen zur Darstellung elektronischer und atonaler Musik entwickelt. In der Jazz- und Popularmusik hat sich ebenfalls ein komplexes Repertoire an Akkordsymbolen entwickelt. Anweisungen für neue Spieltechniken und Klangeffekte entstehen, teilweise sind die modernen Notenbilder so weit von der Standardnotation entfernt, dass sie an abstrakte Bilder erinnern – die Möglichkeiten der Musiknotation sind noch lange nicht ausgeschöpft! Mit einem Zitat von Richard Wagner möchte ich diesen Artikel abschließen: „Die Tonsprache ist Anfang und Ende der Wortsprache, wie das Gefühl Anfang und Ende des Verstandes.“ Da wird man beim Schreiben schon richtig melancholisch …

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Wissen

Noch nicht bunt, aber schon in 3D Zeitreise von Birgit Kniebeiß, Bilder von Wikipedia Sir Charles Wheatstone

Wer glaubt, dass 3D-Bilder eine Erfindung der jüngeren Vergangenheit sind, dürfte sich dabei um ca. 150 Jahre verschätzen. Die ersten stereoskopen Bilder wurden bereits um 1840 ausgestellt. Wie funktionierte nun diese Technik ohne Shutter oder Polarisationsbrillen, wie wir sie von den heutigen 3D-Fernsehern und Kinos kennen? Auch Bilder, die mit Farbverschiebungen arbeiten, konnte man damals noch nicht verwenden – aus dem einfachen Grund, dass die Farbfotografie noch nicht erfunden war. Die Antwort lieferte 1838 der britische Physiker Sir Charles Wheatstone, der sich unter anderem mit dem räumlichen Sehen beschäftigte. Er erkannte, dass für das räumliche Sehen unser Augenabstand (im Durchschnitt 65 mm) eine essentielle Rolle spielt. Durch diesen Unterschied entstehen zwei perspektivisch unterschiedliche Bilder, die unser Gehirn zu einem räumlichen Bild verarbeitet. Leicht nachzuvollziehen ist dies beim Betrachten eines nahen Gegenstandes, während zuerst das linke, und dann das rechte Auge verdeckt wird. Man erhält den Eindruck, der Gegenstand würde hin- und herspringen. Aufgrund dieser Erkenntnis entwickelte Sir Charles Wheatstone ein Gerät: das Stereoskop, welches das zweiäugige Sehen simuliert. Es werden zwei getrennte Bilder, welche um 65 mm verschoben voneinander aufgenommen wurden, in den Apparat eingelegt. Beim Betrachten dieser Bilder wird nun der

Strahlengang so gelenkt, dass das rechte Auge ausschließlich ein Teilbild und das linke Auge das andere Teilbild sieht und unser Gehirn die zwei Bilder wieder zu einem dreidimensional wirkenden Bild zusammenfügen kann. Die Fotografie kam dieser Erfindung gerade recht, denn auch für einen sehr guten Maler wäre es ein schwieriges Unterfangen gewesen, die beiden Teilbilder so anzufertigen, dass für den Betrachter der Eindruck einer exakten Kopie entstünde. Die ersten stereoskopen Bilder, die entstanden, wurden nacheinander aufgenommen: Zuerst das erste Teilbild, dann wurde die Kamera um einige Zentimeter verschoben und dann die zweite Aufnahme gemacht. Dies war nicht nur umständlich, sondern sorgte auch dafür, dass man Bilder nur von starren Motiven wie zum Beispiel Gebäuden machen konnte. Auch die ersten Stereoskope waren weder handlich noch massentauglich, bis 1950 der schottische Physiker David Brewster eine kompaktere Form eines Stereoskops und eine Kamera mit zwei Objektiven vorstellte, welche es jetzt auch ermöglichte, Aufnahmen von bewegten Motiven anfertigen zu können, da mit einer Aufnahme zwei Bilder gleichzeitig gemacht wurden. 1851 wurden verschiedene Bilder in London

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Stereoskop

ausgestellt und selbst Königin Viktoria war so entzückt, dass David Brewster ihr ein eigenes Stereoskop anfertigen durfte. Dies dürfte maßgeblich zur Popularitätssteigerung dieser Bilder beigetragen haben. Schon nach kurzer Zeit waren mehr als eine halbe Million seiner Apparate über den Ladentisch gegangen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich einige Firmen auf die Produktion und den Vertrieb von Stereoskopen spezialisierten und sie machten gute Geschäfte, denn die dreidimensionalen Bilder blieben bis zum Aufkommen der mit Fotografien abgedruckten Zeitschriften Ende des 19. Jahrhundert stark in Mode. Die Motive waren unterschiedlichster Natur. Besonders beliebt waren Bilder von fernen und exotischen Ländern, die man selbst wohl nie bereisen können würde, doch auf diese Weise einen Eindruck gewann, wie es am anderen Ende der Welt aussah. Man muss bedenken, dass dies eine Zeit war, in der es weder Fernsehen, Telefon noch Radio gab, um sich auszutauschen. Für Kinder gab es Bilder zu den bekannten Märchen und für die Erwachsenen gab es natürlich auch Bilder erotischer Natur. Auch als gesellschaftliches Event nutzte man ab 1880 die Stereoskopie, indem man

Kaiserpanorama

ein sogenanntes Kaiserpanorama besuchte. Dies waren die Kinos von damals. 25 Menschen konnten gleichzeitig eine Abfolge von Stereoskopien betrachten. Ungefähr 30 Sekunden hatte man Zeit, sich an einem Bild zu erfreuen, danach kündigte ein akustisches Signal den durch ein Turmuhrwerk angetriebenen Wechsel der Bilder an. Rund 30 Minuten konnte man hauptsächlich Bilder von weit entfernten Reisezielen begutachten. Zu all diesen Themen hat die Stereoskopie ihren Beitrag geleistet, doch die Künstler der Zeit haben sie stiefmütterlich behandelt. Als zu realitätsnah, um damit Kunst zu betreiben, wurde sie links liegen gelassen. Doch durch das neue Aufleben stereoskoper Bilder durch die Digitalfotografie wird diese Lücke hoffentlich auch noch geschlossen. Schließen möchte ich mit einem Zitat: „Die besten Stereo­ skopien kamen aus dem Heer der Amateurund Berufsfotografen, die sich am bloßen Anblick der Welt erfreuten.“ Wer heute noch in den Genuss kommen möchte, sich stereoskope Bilder in alter Manier anzusehen, für den empfiehlt sich ein Ausflug nach Wels, wo sich noch ein im Original erhaltenes und im Betrieb befindliches Kaiserpanorama befindet.

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Rebus

von Birgit KniebeiĂ&#x; und Emanuel Plauder

Der gesuchte Begriff ist ein bestimmter Ort.

+ 3.

+ 3., 5.

1.

Der gesuchte Begriff ist eine PersĂśnlichkeit aus der Antike.

+

+ g = k., d=t

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Foto von Berenice Decados/Flickr.com

Kultur ist 端berall.

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Was haben Iron Maiden und ZZ Top, Linkin Park und Leonard Cohen, Volbeat und P!NK gemeinsam? Sie haben die Stadthalle Graz genutzt, um mit ihrem Publikum zu rocken. SchlieĂ&#x;lich ist hier nicht nur das Ambiente, sondern auch die Akustik wirklich vom Feinsten und die Location bietet vor allem eines:

T. 0043 316 8088-228 www.mcg.at

X-Rockz Magazin - Ausgabe 12 | Juli 2014  
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