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Programmheft »Die Zauberflöte«

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DIE ZAUBERFLÖTE

Wolfgang Amadeus Mozart


DIE HANDLUNG

Der junge Prinz Tamino wird von einer gefährlichen Schlange verfolgt. Im letzten Moment retten drei rätselhafte Damen den Ohnmächtigen und töten die Schlange. Als Tamino wieder zu sich kommt, trifft er auf Papageno. Die drei Damen übergeben Tamino ein Bildnis von Pamina, der Tochter der Königin der Nacht. Der Prinz verliebt sich in das Bild und verspricht der Königin, Pamina aus den Händen Sarastros, der sie geraubt hat, zu befreien. Er macht sich gemeinsam mit Papageno auf die Reise: Zur Unterstützung erhalten Tamino eine Zauberflöte und Papageno ein Glockenspiel. Papageno, der von Tamino vorausgeschickt wurde, trifft auf Pamina, die vom Sklaven Monostatos bedrängt wird. Papageno schlägt Monostatos in die Flucht und gewinnt Pamina für Tamino. Als sie sich davonmachen wollen, werden sie von Sarastro und seinem Gefolge überrascht. Im zweiten Teil der Oper erkennt Tamino die Güte Sarastros. Um aber ein vollwertiges Mitglied seiner Priesterschaft zu werden, muss er – zusammen mit Papageno – mehrere schwere Prüfungen bestehen. Tamino gelingt es, alle Proben vorbildlich zu meistern und darf zum Lohn, gemeinsam mit Pamina, an die Stelle Sarastros treten. Papageno, der nicht so erfolgreich war, wird dennoch mit einer zu ihm passenden Partnerin – Papagena – beglückt. DIE H A N DLU NG

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SY NOPSIS


ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH Mozarts Zauberflöte, zum Großteil entstanden zwischen Frühjahr und Herbst 1791, wurde im Freihaustheater auf der Wieden in Wien uraufgeführt. Das Libretto zur Oper verfasste Emanuel Schikaneder, der Impresario des Theaters, der auch die Rolle des Papageno spielte. Gleich zwei lebende Schriftsteller nähern sich mit sehr unterschiedlichen Zugängen diesem Theatermacher an: Alois Brandstetter widmet dem Libretto einen Essay (ab Seite 68), Susanne Felicitas Wolf lässt ab Seite 28 Schikaneder in einem fiktiven Monolog über sein Leben und Mozart sinnieren. In seinem Zauberflöten-Libretto orientierte sich Schikaneder an der herrschenden Vorstadttheater-Sitte, verband Elemente diverser Märchenerzählungen mit bekannten Musiktheater-Stoffen seiner Zeit. So sind einzelne Einflüsse der Geisteswelt der Freimaurer, des Ägyptischen, des PopulärGeheimnisvollen zu finden. Auf die Spuren einiger dieser Elemente heften sich Wilfried Seipel (Seite 36) und Zoltán Kolnay (ab Seite 48), Werner Ogris wirft einen Blick auf den historischen Beruf des Vogelfängers (ab Seite 58) und Oliver Láng schreibt über die Quellen sowie die Entstehungsgeschichte der Oper (ab Seite 20). Vielfältige Zugänge legt dieses Programmbuch auch zur Musik dieser Oper: Der Komponist Wolfram Wagner (ab Seite 72) blickt seinem »Kollegen« Mozart in die Partitur, Andreas Láng beschäftigt sich ab Seite 64 mit dem Geheimnis der Mozart’schen Klangwelt und Christoph Eschenbach, der Dirigent der Premiere 2013, kommt in einem Interview (ab Seite 16) zum Schluss: »Mozart zieht alle Register!« In der vorliegenden Inszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier – ein Interview ist ab Seite 10 zu lesen – werden Sarastro und die Königin der Nacht nicht als gut-böse dargestellt, sondern als gegensätzliche »Systeme«: Sarastro steht für ein erwachsenes, gemäßigtes Lebensprinzip, die Königin für reine, ungezügelte Emotionalität. Darüber hinaus erzählen die beiden Regisseure in der Zauberflöte die Geschichte des Erwachsenwerdens der Protagonisten Tamino und Pamina. Auch entstammen Tamino und Papageno nicht unterschiedlichen Welten, sondern bilden menschliche Seiten ab, die jeder in sich trägt. Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH

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DIE WIRKUNG EINES WUNDERS Premierendirigent Christoph Eschenbach im Gespräch mit Oliver Láng

Können Sie sich noch an Ihr erstes Zauberflöten-Erlebnis erinnern? Ich erinnere mich an eine Aufführung in einer deutschen Provinzstadt als Kind, wo ich zu gern einen der drei Knaben gesungen hätte – aber die Qualität meiner Stimme hätte wohl nicht gereicht! CH. ESCHENBACH

Lässt sich Mozarts Oper – musikalisch – festlegen? Inhaltlich schwanken die Deutungen ja zwischen symbolträchtiger Oper und Vorstadttheater. CHR ISTOPH E SCHEN BACH IM GE SPR ÄCH

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Fortsetzungen Es lag bei einem erfolgreichen Theaterimpresario wie Emanuel Schikaneder nahe, dass er nach dem Erfolg, den die Zauberflöte bald bot, an eine Fortsetzung dachte. 1798 kam im Freihaustheater ein Werk namens Der Zauberflöte zweyter Theil. Das Labyrinth oder: Der Kampf mit den Elementen zur Uraufführung, in der die Königin der Nacht wiederkehrt und den Kampf mit Sarastro erneut aufnimmt. Auch diesmal geht die Sache für Tamino und Papageno (der seine Familie und Geschwister findet) gut, für die Königin der Nacht und Monostatos schlecht aus. Die Musik stammt von Peter von Winter. Auch Johann Wolfgang von Goethe versuchte sich an einer Fortsetzung der Zauberflöten-Geschichte, die jedoch nicht abgeschlossen wurde. Einerseits ließen, als eine Anfrage der Wiener Hofoper kam, hohe Gagenforderungen des Librettisten das Projekt platzen, andererseits kamen Schikander und Winter mit ihrer Fortsetzung dem Goethe’schen zweiten Zauberflöten-Teil zuvor, sodass dessen Libretto ein Fragment blieb.

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VOR- U N D NACHKOM MEN DER ZAU BER FLÖT E


August Jacob Liebeskind

LULU ODER DIE ZAUBERFLÖTE

… Dieses Schloss bewohnte seit vielen Jahren eine Fee, die sich bey den Einwohnern derselbigen Gegend in große Furcht gesezt hatte. Denn da sie einige, die ihre einsame Wohnung aus Vorwitz ausspähen wollten, übel empfieng, so ward sie für so grausam und blutgierig ausgeschrien, daß sogar die Wanderer ihren Wald vermieden. Sie wußte alle Gestalten anzunehmen; am liebsten aber erschien sie in einem strahlenreichen Glanze, der stärker blendete, als das hellste Sonnenlicht. Dies war ihre schönste, aber auch ihre gefährlichste Gestalt. Wer sie darin erblikte, der verlor entweder auf einige Zeit den Verstand oder wurde wohl gar, wenn er die Augen zu weit aufthat, auf der Stelle stockblind. Das Volk nannte sie die strahlende Fee und beschrieb ihre Schönheit als überirdisch, ob gleich niemand sagen konnte, daß er ihr ins Angesicht gesehen habe.… Lulu gieng gern auf die Jagd und am liebsten in diesen Wald. Dieß that er nicht sowohl aus Neugierde, der strahlenden Fee bey Gelegenheit zu begegnen; sondern weil sich die wilden Thiere seit der Zeit, daß diese Wunderfrau da wohnte, sehr zahlreich vermehrt hatten. Um ihr nie in den Weg zu kommen, hielt er sich von ihrem Schlosse, das in der Mitte des Waldes AUGUST JACOB LIEBE SK IN D

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DIE SER SEN ILE K NACK ER


Wilfried Seipel

DIE ZAUBERFLÖTE UND ÄGYPTEN

Wer an die Zauberflöte denkt, denkt auch an Ägypten! Mit dieser lapidaren Feststellung wird ein Assoziationshorizont angesprochen, der seit der Uraufführung von Mozarts Oper eine kaum übersehbare Fülle von Deutungen, Interpretationen und Fehlinterpretationen hervorgebracht hat – zumindest soweit es die damalige Vorstellungswelt altägyptischer Merkmale betrifft. Vor allem die zur Erstaufführung der Zauberflöte in der Königlichen Oper Berlin am 16. Jänner 1816 entworfenen ägyptisierenden zwölf Bühnenbilder Karl Friedrich Schinkels, der dank der Ägyptenexpedition Napoleons (1798W ILFR IED SEIPEL

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DAS FREIHAUSTHEATER AUF DER WIEDEN Den Anfang machte das Leopoldstädter Theater, das im Jahr 1781 von Karl Marinelli eröffnet wurde: die erste Wiener Vorstadtbühne, die ein vielfältiges Programm bot, von Kasperlpossen bis zu ernsten Dramen, auch Musiktheater. 1787 folgte das Theater auf der Wieden, auch Freihaustheater auf der Wieden genannt, eröffnet am 14. Oktober 1787. Dieses neue Theater stand im FreihausKomplex, der mehrere Gebäude der Familie Starhemberg enthielt, darunter eine Kirche, ein Gasthaus, Hunderte Wohnungen – und eben ein Theater (heute: etwa der Bereich Operngasse 23-32). Das Theater war ein zweistöckiger Bau, etwa 30 Meter lang und 15 Meter breit und bot etwa 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Erster Prinzipal war Christian Rossbach, der allerdings wenig Glück hatte und bereits nach fünf Monaten das Handtuch warf. Johann Friedel und Eleonore Schikaneder – die sich von ihrem Mann Emanuel Schikaneder getrennt hatte – leiteten von 1788 bis 1789 das Theater; allerdings verstarb Friedel bald an der Schwindsucht. Daraufhin söhnte sich Eleonore mit ihrem Ehemann Emanuel aus, dieser kehrte nach Wien zurück und übernahm den Posten des Impresarios. Am 12. Juli 1789 eröffnete er seine erste Spielzeit mit Der dumme Anton im Gebirge oder Die zween Anton – und trat in der Titelrolle selbst auf, der Text stammte ebenfalls von ihm. WeiteDAS FR EIH AUST HEAT ER AU F DER W IEDEN

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KOLUMN EN T IT EL


Andreas Láng

SICHER NICHTS ANALYTISCHES!

Kann man über Musik sinnvoll verbal befinden? Die Literatur, die sich mit populären Kompositionen beschäftigt, füllt pro Werk dieser Kategorie im wahrsten Sinn des Wortes hunderte Meter an Bücherschränken – bei der Zauberflöte sind es sogar vermutlich tausende Meter. Aber alles in allem sind die versiertesten Kenner der jeweiligen Materie bislang dennoch – und in der Zukunft wird es wohl nicht anders sein – dem eigentlichen Wesen der zu besprechenden Musik nur in Aspekten nahe gekommen. Musik vermittelt sich nun einmal primär übers Hören und nur rudimentär über vollgeschriebene Textseiten. Und vor allem: Wer liest so etwas? Die eher schriftstelleriA N DR EAS LÁ NG

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