DON GIOVANNI Wolfgang Amadeus Mozart
Ottavio and Masetto rush to protect her. Don Giovanni points to Leporello as the guilty party. The others don’t believe him, but they are also unable to catch Don Giovanni.
Act 2 Don Giovanni forces Leporello to exchange clothes with him. Disguised as his servant, he wants to seduce Donna Elvira’s maid, while Leporello keeps Donna Elvira occupied. Leporello takes delight in heaping flattery on Donna Elvira. Instead of the new conquest he had hoped for, Don Giovanni runs into Masetto, who is armed and looking for him. However, Masetto does not recognize him in Leporello’s clothes. After Giovanni has relieved him of his weapons, Giovanni gives him a thrashing. Zerlina finds her injured fiancé and tends to his wounds. Leporello tries to escape from Donna Elvira. He runs into Donna Anna and Don Ottavio, Zerlina and Masetto, who mistake him for Don Giovanni. They are determined to kill him. Donna Elvira begs them to have pity. Leporello reveals his identity and asserts his innocence. Making excuses, he manages to escape. Donna Elvira is torn between feeling vengeance and concern for Don Giovanni. Don Giovanni and Leporello meet in the cemetery. Don Giovanni takes great delight in recounting his latest amorous escapades. The voice of the Commendatore warns them not to disturb the rest of the dead. Don Giovanni laughs at the old man and orders Leporello to invite the Commendatore to dinner. Leporello pronounces the invitation. The Commendatore accepts. Don Ottavio offers Donna Anna comfort and his hand. She begs his understanding of her situation and asks him to be patient. Don Giovanni prepares a sumptuous dinner. Donna Elvira appears. She urges Don Giovanni to change his ways. Giovanni mocks her. Elvira leaves, and is then heard to cry out in horror. The Commendatore enters. He offers Don Giovanni a reciprocal invitation. Don Giovanni accepts. He grasps the hand offered him and is alarmed by its ice-cold touch. The Commendatore calls on Don Giovanni to repent and change his lifestyle: this is his last opportunity. Don Giovanni declines. Voices announce his punishment. Don Giovanni collapses. Donna Anna, Donna Elvira, Don Ottavio, Zerlina and Masetto arrive to punish Don Giovanni in suitable fashion. They find only Leporello, who tells them of the fate that has befallen Don Giovanni. The party disperses, but not before summing up: the death of evildoers always reflects how they have lived their lives.
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SY NOPSIS
ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH Die Stoffwahl reklamierte der Librettist für sich: Lorenzo Da Ponte schrieb in seinen Memoiren, er habe das Don-Giovanni-Sujet vorgeschlagen, als Wolfgang Amadeus Mozart 1786 beauftragt worden war, eine neue Oper für Prag zu schreiben. Ob diese Darstellung zutrifft, muss offenbleiben. In jedem Fall handelte es sich um eine ebenso treffsichere wie sichere Wahl: Don-JuanStücke standen in den 1780er-Jahren hoch im Kurs; die Geschichte um den »steinernen Gast« und den gottlosen Verführer, der seit Tirso de Molinas Burlador de Sevilla (uraufgeführt vor 1624) den Namen »Don Juan« trug, wurde in ganz Europa in verschiedenen Varianten aufgeführt. Lorenzo Da Ponte wählte das Libretto zu einer kurz zuvor in Venedig uraufgeführten Don Giovanni-Oper von Giovanni Bertati zur Grundlage seiner und Mozarts Fassung, die am 29. Oktober 1787 im Gräflich Nostitzschen Theater in Prag Premiere feierte. Mozarts virtuoses musikdramatisches Können begründete einen eigenständigen Don-Giovanni-Mythos. In E. T. A. Hoffmanns Novelle Don Juan schließt der Erzähler aus der Unterhaltung über eine Don Giovanni-Aufführung, dass von seinen Tischgenossen »wohl keiner die tiefere Bedeutung der Oper aller Opern auch nur ahnte«. Die Suche nach dieser »tieferen Bedeutung« hielt Generationen von Kunst- und Theaterschaffenden in Atem. Den Regisseur der Wiener Neuinszenierung Barrie Kosky hat besonders das im Protagonisten inkarnierte dionysische Prinzip in seinem Wechselspiel von Befreiung und Zerstörung interessiert (S. 12). Seinen Ausführungen folgen Auszüge aus der antiken und psychoanalytischen Literatur sowie aus den Schriften des Theatervisionärs Antonin Artaud. Musikdirektor Philippe Jordan betont in seinem Beitrag die Wichtigkeit der genauen Lektüre von Libretto und Partitur: Nur so könne die Wahrheit der Emotion zutage treten. (S. 30) Die Wiener Aufführungsgeschichte skizziert Oliver Láng ab S. 100, mit besonderer Berücksichtigung der Rolle Gustav Mahlers. Reinhard Eisendle und Matthias Pernerstorfer zeichnen ein faszinierendes Panorama der Don Juan-Tradition vor Mozart/Da Ponte, vom »Allerseelenspektakel« bis zur ersten in Wien aufgeführten Don-Juan-Oper (S. 108). Sergio Morabito stellt Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH
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ab S. 78 die vorletzte Szene des Don Giovanni mit den entsprechenden Szenen in Tirso de Molinas Burlador de Sevilla mit überraschenden Einsichten gegenüber. Aspekte der Aufklärung in Don Giovanni sind auch das Thema von Nicolas Schalz’ Aufsatz, der Mozarts Auseinandersetzung mit den Themen Liebe und Autonomie nachzeichnet (ab S. 70). Dass Don Giovanni auch als die Fortschreibung eines patriarchalen Prinzips gesehen werden kann, war in der jüngeren Vergangenheit Gegenstand feministischer Kritik. Johanna Danhauser setzt die entsprechenden Argumente auseinander und stellt ab S. 90 feministische Überschreibungen des Don Juan-Mythos vor. Die Singularität von Don Giovanni, der komplexe Reichtum dieser Oper und die daran anschließende Interpretationsgeschichte können beinahe vergessen lassen, dass es sich bei dem Werk um eine komische Oper handelt. Nikolaus Stenitzer befasst sich ab S. 54 mit den Techniken des Komischen in Don Giovanni. Auf der visuellen Ebene werden Barrie Kosyks Inszenierung und die Bühne und Kostüme von Katrin Lea Tag mit Arbeiten der schwedischen Fotografin Helene Schmitz konfrontiert (ab S. 44).
→ Nachfolgende Seiten: Stanislas de Barbeyrac als Don Ottavio, Hanna-Elisabeth Müller als Donna Anna, 2021 Kyle Ketelsen als Don Giovanni, Ain Anger als Commendatore, Philippe Sly als Leporello, 2021
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Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH
Charakter und Subtext Apropos Nozze di Figaro – bezüglich der Tonartendisposition gibt es eine tatsächliche Querverbindung zwischen der ersten Mozart-Da Ponte-Oper und Don Giovanni: Die zentrale Tonart des notorischen Frauenverführers ist das D-Dur respektive das ins nächtliche Pendant gewandelte d-Moll. Und D-Dur vermittelt einerseits etwas Heiteres, Strahlendes, andererseits aber das männlich Draufgängerische. Verständlich, dass Mozart dieses D-Dur sowohl Don Giovanni als auch dem Grafen Almaviva zuordnet. Es liegt hier also eine eindeutige und bewusste, tonartendramaturgisch fundierte, persönlichkeitsbeschreibende Parallele vor. Das d-Moll und das D-Dur der Don GiovanniOuvertüre zeichnet übrigens von Anfang an das Porträt des Titelhelden: Natürlich nimmt der dramatische Beginn die Komturszene des zweiten Aktes vorweg, aber da der Komtur gewissermaßen Teil Don Giovannis ist, wird neben dem Spielerischen zugleich das Abgründige dieser zerrissenen Persönlichkeit aufgezeigt. Dass es sich bei Don Giovanni von der Gattung her um eine Komödie handelt, steht fest – wenn auch um eine schwarze mit großer Fallhöhe. Ein Nachtstück sozusagen, in dem das Komische stets präsent bleibt, aber die Schattenseiten und Abgründe ebenfalls bestimmend sind. Die Musik der Titelfigur ist aber wohlgemerkt – und das ist anders als etwa bei Puccinis Gianni Schicchi oder Verdis Falstaff – nicht per se komisch. Das Witzige, Sarkastische, Humorvolle findet sich bei ihm im Subtext, im Mehrdeutigen, Doppelbödigen des genialen Da Ponte-Librettos und nicht zuletzt in den großartig gestalteten Secco-Rezitativen. Lediglich in seiner Verkleidung als Leporello streift sich Don Giovanni im Musikstil Buffoneskes über, aber auch da liegt das eigentlich Amüsante in seiner Wortwahl und Eloquenz. Ganz allgemein ist Giovanni, und das ist ein Teil seines Erfolges, musikalisch ebenfalls ein Chamäleon, indem er sich immer an das jeweilige Gegenüber anpasst, wie ein Magnet alle anderen anzieht und diese benutzt. Er hat eine andere Musik für Zerlina als für die Zofe, eine andere für Donna Anna als für Elvira. Gelegentlich werde ich in diesem Zusammenhang mit dem interessanten Gedanken konfrontiert, dass Mozarts Don Giovanni und Verdis Falstaff ebenbürtige Charaktere wären – der erste das jüngere Alter Ego des anderen. Aber das sehe ich nicht so: Denn bei aller Intrige bleibt Falstaff ein Romantiker, der Briefe dichtet, sich verliebt und seine eigenen Fehler letztlich einsieht. Giovanni hingegen entwickelt seine Energie auf Kosten der anderen und hat ganz eindeutig Freude und Spaß am Destruktiven. Das Glück, die Jugend des Hochzeitspaares Masetto-Zerlina beispielsweise reizt ihn. Er möchte daran teilnehmen und zugleich alle bewusst zerstören. Und als Leporello in der Friedhofsszene erfährt, dass seine eigene Frau möglicherweise gerade von Giovanni verführt wurde, so kennt die boshafte Heiterkeit des Titelhelden angesichts der erschrockenen Verzweiflung seines Dieners keine Grenzen. PHILIPPE JOR DA N
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Alenka Zupančič → Freud und der Todestrieb
Die Befriedigung (um der Befriedigung willen) ist nicht – und das ist entscheidend – der Zweck des Triebes, sondern sein Mittel. Das zutiefst Verstörende am »Todestrieb« ist nicht, dass er nur genießen möchte, selbst wenn er uns dabei tötet, sondern vielmehr, dass er nur diese Negativität, diese Unterbrechung, die Lücke in der Seinsordnung wiederholen will, selbst wenn das bedeutet, zu genießen. 65
KOLUMN EN T IT EL
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Johanna Danhauser
IF I NO SEE MY JOHNNY – FEFE GEME EH 1
Feministisches Empowerment von Mozart bis Afro-Pop
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Anne Sexton → Wahrheit, die die Toten kennen
Gegangen, sage ich und verlasse die Kirche, verzichte auf die steife Prozession zum Grab, und laß die Toten allein im Leichenwagen fahren. Es ist Juni. Ich bin es müde tapfer zu sein. Wir fahren ans Kap. Ich nehme mir Zeit für mich dort wo die Sonne vom Himmel rinnt, wo wie eine Stahltür das Meer hereinschwingt und wir uns berühren. Es sterben Menschen in einem anderen Land. Mein Liebster, der Wind bricht landein wie Gestein vom weißen Herzen des Wassers und wenn wir uns berühren treten wir ganz in die Berührung ein. Niemand ist allein. Männer töten für das, oder für soviel. Und was ist mit den Toten? Barfuß in ihren steinernen Kähnen liegen sie. Sind steinerner als ein erstarrtes Meer es wäre. Sie weigern sich selig zu sein, Kehle, Aug und Fingerknöchel.
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IF I NO SEE MY JOHN N Y – FEFE GEME EH
Oliver Láng
REVOLUTION UND KONTINUITÄT
Don Giovanni in Wien
Generalsponsoren der Wiener Staatsoper
→ wiener-staatsoper.at
Spotify-App öffnen, Code scannen und Don Giovanni-Playlist hören