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Programmheft »Die tote Stadt«

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DIE TOTE STADT Erich Wolfgang Korngold


DIE HANDLUNG Seit Jahren lebt Paul in Brügge nur noch für die Erinnerung an seine tote Frau Marie. In einem Zimmer seines Hauses, das für ihn zur »Kirche des Gewesenen« wurde, verwahrt er alle Dinge, die ihn an sie erinnern, darunter eine Haarflechte der Verstorbenen. Als sein Freund Frank ihn besucht, erzählt ihm Paul von der Begegnung mit einer Unbekannten, die Marie völlig gleicht. Es ist Marietta, die als Tänzerin in Brügge gastiert und Pauls Einladung, ihn zu besuchen, angenommen hat. Sie nimmt seinen Rosenstrauß entgegen und singt, sich selbst auf Maries Laute begleitend, das alte Lied »Glück, das mir verblieb«. Immer stärker fließen die Bilder der toten Marie für Paul mit jenem Mariettas zusammen. Als er sie in die Arme schließen möchte, entwindet sie sich ihm und geht zur Probe, nicht jedoch ohne ihn zu einem Wiedersehen im Theater zu ermutigen. Paul versinkt in einen tiefen Traum, in dem ihm Marie aus ihrem Porträt entgegentritt und ihn an seine Treue mahnt. Plötzlich findet er sich am Kai vor Mariettas Haus wieder. Frank taucht auf, mit dem Schlüssel zu ihrem Zimmer. Paul schlägt ihn nieder und reißt den Schlüssel an sich. Marietta kehrt mit ihrer Komödiantentruppe vom Theater heim und improvisiert auf offener Straße zu Ehren des Grafen Albert die Erweckungsszene aus Meyerbeers Oper Robert der Teufel. Marietta spielt darin die von den Toten auferstandene Héléna. Paul fährt dazwischen und beschuldigt sie der Blasphemie. Marietta nimmt den Kampf mit der toten Rivalin auf. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht plagen Paul Schuldgefühle. Als eine Prozession an seinem Haus vorbeizieht, verhöhnt ihn Marietta wegen seiner Frömmigkeit. Schließlich ergreift sie Maries Haarflechte. Paul will sie ihr entreißen, wirft Marietta nieder und erwürgt sie. Paul erwacht aus seinem Traum. Marietta erscheint, um den vergessenen Rosenstrauß zu holen. Auch Frank kehrt zurück und Paul beschließt, mit ihm Brügge, die »Stadt des Todes«, zu verlassen.

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DIE H A N DLU NG

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SYNOPSIS Paul has lived in Bruges for years, mourning the loss of his wife, Marie. He keeps everything that reminds him of her in a room in his house that he has turned into a »Temple of the Past«; the articles include a braid of his dead wifeʼs hair. When his friend Frank visits him, Paul tells him of his meeting with an unknown woman whose resemblance to Marie is remarkable. It is Marietta, a dancer who has an engagement to perform in Bruges and who has accepted Paulʼs invitation to visit him. She accepts his bouquet of roses and, accompanying herself on Marieʼs lute, sings an old, sad song. For Paul, his images of the dead Marie mingle increasingly with those of Marietta. When he tries to take her in his arms, she escapes his embrace and leaves for rehearsal, however not before encouraging him to see her again at the theatre. Paul sinks into a deep reverie in which Marie steps out of her portrait and reminds him of his loyalty to her. Suddenly he finds himself on the quay in front of Mariettaʼs house. Frank appears and has the key to her room. Paul strikes him down and grabs the key. Marietta returns from the theatre with the troupe of comedians and improvises the resurrection scene from Meyerbeerʼs opera Robert le diable on the street in honour of Count Albert. Marietta plays the resurrected Héléna. Paul rushes onto the scene and accuses her of blasphemy. Marietta takes up the struggle with her dead rival. After spending the night with her, Paul is filled with guilt. When a procession passes outside the house, Marietta mocks his piety. Finally, she seizes the braid of Marieʼs hair. Paul tries to wrest it from her, pushing her to the floor and strangling her. Paul then awakes from his dream. Marietta appears to fetch the bouquet of roses she had forgotten. Frank also returns, and Paul decides to leave Bruges, the »city of death«, with him.

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SY NOPSIS


ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH

Erich Wolfgang Korngold schuf erst 23jährig mit seiner 1920 uraufgeführten Toten Stadt eines der großen Meisterwerke seines Komponistenlebens: Basierend auf Vorlagen des belgischen Symbolisten Georges Rodenbach entstand eine Oper, die, wie Korngold schrieb, den »Kampf zwischen Leben und Tod«, die Spannung zwischen Vergangenheitsfixierung und erotischer Gegenwart zum Thema hat. Korngolds Musik, die in expressiven Ausbrüchen, in harmonisch faszinierender Vielschichtigkeit ebenso wie in bittersüßen Schlagern spricht, ist von einer Kontrastdramaturgie geprägt, die Martin Schüttö ab Seite 44 auffächert. In seiner maßstabsetzenden Inszenierung leuchtet Willy Decker, der in einem Essay ab Seite 8 Einblick in seine konzeptionellen Überlegungen gibt, in das weite Land der Seele hinein, entfaltet eine suggestive Bildsprache und zeigt die Tote Stadt im gefährlichen Schwebezustand zwischen innerer und äußerer Welt. Sergio Morabito verknüpft ab Seite 14 eine Analyse von Deckers Inszenierungsarbeit mit einem Einblick in die Erzählstrategien des Themas der Liebe zu einer wiederkehrenden Toten von Edgar Allan Poe bis Alfred Hitchcock. Peter Blaha beleuchtet ab Seite 20 die Entstehungsgeschichte der Oper, das komplexe und nicht immer unbelastete Verhältnis des (einstigen) Wunderkindes Erich Wolfgang zu seinem mächtigen Musikkritiker-Vater Julius Korngold beleuchtet Bernd O. Rachold ab Seite 62 mit zahlreichen Quellen aus dem Korngold-Archiv. Arne Stollberg setzt sich mit den – teils durch Antisemitismus und Nationalsozialismus – geprägten Klischees der Korngold-Rezeption ab Seite 32 auseinander, Oliver Láng umreißt die »zweite« Karriere des Komponisten als Bearbeiter von Operetten (ab Seite 82). Auf das weitgespannte thematische Bezugsnetz des Tote Stadt-Sujets im Europa zur Entstehungszeit der Oper verweist Olaf Kiener ab Seite 52 und Andreas Láng zeigt ab Seite 88 auf, dass der einstige Sensationserfolg Tote Stadt seit seiner Renaissance heute wieder zum festen Repertoirebestand der Wiener Staatsoper zählt. Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH

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Peter Blaha

LIEBE, TOD UND AUF­ER­STEHUNG Er war erst 23 Jahre alt, und doch galt sein Name 1920, als Die tote Stadt am 4. Dezember zeitgleich in Köln und Hamburg zur Uraufführung gelangte, in der musikalischen Welt schon viel. Denn Erich Wolfgang Korngold blickte bereits auf eine glanzvolle Wunderkind-Karriere zurück, die ihm Respekt und Hochachtung, da und dort allerdings auch Misstrauen eingetragen hatte. Letzteres vor allem deshalb, weil sein Vater Julius Korngold als Nachfolger Eduard Hanslicks bei der Neuen Freien Presse in Wien einer der einflussreichsten Musikkritiker des deutschsprachigen Raums gewesen ist. Man unterstellte dem Vater, auf Musiker indirekt Druck auszuüben, die Werke seines Sprösslings aufzuführen, wollten sie sich seiner Gunst versichern. Ja, es wurde sogar der Vorwurf laut, Julius selbst sei der Schöpfer dieser Werke, deren überlegene Form man ebenso rühmte wie ihre kühne Harmonik. Das ist natürlich Unsinn, denn Julius Korngold, der studierte Jurist, verstand von Musik zwar eine Menge, ein schöpferisches Talent besaß er jedoch nicht. Und was den Vorwurf betrifft, er hätte seinen Sohn protegiert, ergibt eine genauere Betrachtung ein differenzierteres Bild. Die bei der Universal-Edition als Privatdrucke erschienenen Werke des elfjährigen Knaben – eine Klaviersonate, sechs Charakterstücke zu Don Quichotte für Klavier sowie die Ballettpantomime Der Schneemann – hat Julius Korngold zwar an zahlreiche Musikerpersönlichkeiten versandt, weil er, wie es im Begleitbrief heißt, sich »nicht PET ER BLA H A

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Arne Stollberg

»WIRKUNG OHNE URSACHE« ODER »OPER PUR«

Die tote Stadt hinter den Klischees ihrer Rezeption


Julius Korngold

» An die Komposition schritt [mein Sohn] Erich schon in seiner Militärzeit. Es sollte ein Werk von ungewöhnlicher Stimmungskraft und strömender Invention, geschwellt vom Saft der Jugend werden. Jenes volkstümliche, seelenhafte Lied zur Laute, das es zu einer so ungewöhnlichen Popularität bringen sollte, war einer der ersten Einfälle. Der schwermütige Ausdruck dieser Melodie weckte mir bedrückende Ahnungen. Ich glaubte so etwas wie den Schwanengesang des von den Gefahren des Krieges Bedrohten herauszuhören. «


Oliver Láng

SOLCHE DINGE MÜSSEN MIT BEDACHT GEMACHT SEIN Erich Wolfgang Korngold und seine Adaptierungen der Operette


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