ANDREA CHÉNIER Umberto Giordano
INHALT
Die Handlung
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Synopsis in English
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Über dieses Programmbuch
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Vom Blute gerötet → Ernst Krause
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Der Lyriker André Chénier und die Revolution → Hans Heinz Hahnl
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Die Musik von Andrea Chénier → Maurizio Giani
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Paradigma des historischen Verismo → Hans-Joachim Wagner
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Das elende Vergnügen, andere schlechter zu finden als sich selbst → Rotraud A. Perner
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Wie beendet man eine Revolution → Erwin Ringel
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Freiheit und Luxus → Philipp Blom
58
Gustav Mahler und Andrea Chénier → Angela Pachovsky
62
Mit Herzblut komponiert → Umberto Giordano im Gespräch
68
Vom Publikum geliebt → Oliver Láng
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Da spricht der Poet, nicht der Mensch → KS Jonas Kaufmann im Gespräch
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Io della Redentrice figlio, pel primo ho udito il grido suo pel mondo ed ho al suo il mio grido unito... Or smarrita ho la fede nel sognato destino? Ich, Sohn der Revolution, hörte ihren Ruf als erster durch die Welt hallen und vereinte meinen Ruf mit dem ihren... Habe ich meinen Glauben an das erträumte Schicksal verloren? Carlo Gérard, 3. Bild
Scene 4 In the courtyard of the prison of St. Lazare, which before the Revolution was the monastery of Saint Vincent de Paul, Andrea commits his last poem to paper. He sings the song to his friend Roucher, a prisoner like himself. It is a hymn to poetry, in whose arms he is about to die. The jailor admits Maddalena and Gérard to the prison. Gérard has obtained permission for Maddalena to talk to Andrea for the last time. In return for gold and jewelry she persuades the jailor to let her take the place of Idia Legray, a prisoner condemned to death. Thus, she will be able to perish at Andrea’s side. Gérard, whose tragic love has made him agree to this fateful solution, is prepared to make one further attempt at rescue – the last: Robespierre will have to help! Maddalena and Andrea talk with one another for the last time. It is only a temporary parting, for both die in the certainty that after death they will be reunited in a new life. The jailor calls out two names: Andrea Chénier and Idia Legray. Gérard’s last attempt at rescue has been in vain.
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SY NOPSIS
ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH
Umberto Giordano, 1867 geboren und 1948 gestorben, zählt zu den wichtigsten Vertretern des italienischen Verismo, also jener Opernform, die einen ungeschönten und mitunter brutalen Realismus auf der Bühne zeigt. Seine 1896 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper Andrea Chénier gilt heute als sein bekanntestes Werk, wenn auch andere seiner Opern, wie etwa Fedora oder Siberia, immer wieder auf den internationalen Spielplänen stehen. Ernst Krause umreißt in seinem Beitrag ab Seite 14 kurz die Biografie des Komponisten und zeichnet die Entstehungsgeschichte der Oper nach. Hans Heinz Hahnl widmet sich ab Seite 22 dem titelgebenden Dichter, über die Musik der Oper schreibt Maurizio Giani ab Seite 26. Eine genaue Analyse von Giordanos Oper aus musikdramaturgischer Sicht, verfasst von HansJoachim Wagner, findet sich ab Seite 32, Philipp Bloms Text über Voltaire beleuchtet einen Philosophen am Vorabend der Französischen Revolution (Seite 58). Beiträge von Erwin Ringel (S. 54) und Rotraud A. Perner (S. 46) liefern psychoanalytische Sichtlinien, Angela Pachovsky schreibt ab Seite 62 über Gustav Mahlers erfolglosen Versuchs als Hofoperndirektor, Andrea Chénier im Haus am Ring zu spielen – die Staatsopern-Erstaufführung fand erst deutlich später, 1926, statt. Diese erste Chénier-Premiere wird in dem Programmbuch mehrfach beleuchtet: So in einem Interview aus 1926, in dem Umberto Giordano zu Wort kommt (S. 68), einer Premierenkritik von Elsa Bienenfeld (S. 78) und einem Abriss der Vorbereitungen zur ersten Premiere (S. 74). Einen heutigen Blick auf das Werk gibt KS Jonas Kaufmann in einem Interview ab Seite 86, das er anlässlich der Wiederaufnahme 2022 gab. ÜBER DIESES PROGR A M MBUCH
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Hans Heinz Hahnl
DER LYRIKER ANDRÉ CHÉNIER UND DIE REVOLUTION André Chénier geht es, bleibt man im Gesichtsfeld der Oper, wie Palestrina. Eine Umfrage darüber, wer André Chenier, vielleicht auch, wer Palestrina ist, ergäbe sicher: eine Opernfigur. Der Komponist Palestrina wurde allerdings wiederentdeckt, bei André Chénier aber ist das kaum zu erwarten. Sein Ruhm als Dichter war posthum und relativ kurz. Er war der Lieblingsdichter der Romantiker. Für das große Lesepublikum, auch in Frankreich, ist er ein Name der Literaturgeschichte. Ein Schullesebuchautor, dessen Junge Tarentinerin und dessen Frankreich-Verklärung die Schüler noch vor drei Generationen auswendig lernen mussten. Oh Frankreich, schönes Land, oh edle Gegend, Von Göttergunst zum Glücke du geschaffen, Du fühlst des Nordwinds eisig Grauen nicht; Der Süd verschont Dich mit der Hitze Wut… Und dann die Menge der gewund’nen Flüsse… Die überall an deinen edlen Ufern Das Korn, die Blumen, Gärten, Wälder tränken…
Das geht von den Lippen wie Grillparzers Österreich-Lob. Zum Opernhelden hat André Chénier natürlich prädestiniert, dass er eines der letzten Opfer der Revolutionsguillotine geworden ist. Das Libretto vereinfacht die Situation, ohne sie ganz zu entstellen. Chénier war ein Sympathisant der Revolution, wurde aber schließlich ein entschiedener Gegner ihrer Entartung zur Schreckensherrschaft, der er schließlich selbst zum Opfer gefallen ist. Für das, was H A NS HEINZ H A HN L
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Rotraud A. Perner
DAS ELENDE VERGNÜGEN, ANDERE SCHLECHTER ZU FINDEN ALS SICH SELBST »Französische Revolution: die große Dekapitation« oder »Das große Köpferollen«
Gewalt wurzelt im Vergleich: man sieht andere Menschen oder auch Tiere in ihrem Verhalten und »schaut ab«: Man ahmt vor allem dann nach, wenn man dabei gute – seelenwärmende – Gefühle bekommt oder diese den anderen neidet. Seit der Entdeckung der von ihnen sogenannten Spiegelneuronen durch italienische Neurophysiologen (Giacomo Rizzolatti und andere) in den 1990er Jahren kennen wir diesen Mechanismus: wenn man sich mit solch einem unbewussten Vor-Bild identifiziert, werden nicht nur die gleichen Wahrnehmungs-, sondern auch Handlungsnervenzellen aktiviert. Um diesen Nachahmungsreizen entsagen zu können, braucht es Bewusstwerdung der eigenen Bedürfnisse (z.B. Hunger nach Anerkennung durch andere) und Motivationen (z.B. Hunger nach Rache). Immerhin liegen hier auch verinnerlichte und vielfach bewährte Beeinflussungsstrategien verborgen. Sie werden als »Werbung« – egal, ob für Produkte und Dienstleistungen, sexuelle mitgemeint, oder politische Parteien – trivialisiert und damit verharmlost. ROT R AU D A. PER N ER
André Chénier → Die junge Gefangene
Ach, fern noch liegt das Ziel, das ich erwandern muss! Den ersten Ulmen kaum vorüber schritt mein Fuß, Die längs dem Pfade Schatten spenden. Am wunderreichen Mahl des Lebens hab ich kaum Die Lippen noch genetzt und kaum genippt vom Schaum Des vollen Kelchs in meinen Händen.
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→ wiener-staatsoper.at