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NR. 18, 1. QUARTAL 2017 ∙ 12 EURO

ÖSTERREICHS FINANZMAGAZIN

REFORM

FMA: HAUEN UND STECHEN UM AUFSICHT

INSIDER: FINANZBLOG → DERBOERSIANER.COM

Veranlagung DAS ERFOLGSREZEPT DER VOESTALPINE

→ SEITE 46

Immobilien REALE WERTE, REALE RENDITE

ng i k n Ra EN T BES 0 5 DIE CFOs

HEINRICH

SCHALLER DER SCHLAUE FUCHS

WIENER BÖRSE

DAS GROSSE BÖRSENCASTING → SEITE 16

JOHN GREENWOOD FALSCHE GELDPOLITIK

RUTTENSTORFER KEINE PRIVATISIERUNG

ERNST VEJDOVSZKY OSTEUROPA-COMEBACK


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EDITORIAL

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AUSGABE NR. 18, 1. QUARTAL 2017

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Liebe Börsianer!

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DOMINIK HOJAS Chefredakteur Der Börsianer

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uf die alljährliche Frage an den Vorstand der Wiener Börse AG, mit wie vielen Börsengängen im neuen Jahr gerechnet wird, kommt seit Jahren die gleiche Ant-

wort: „Es gibt viele interessierte Kandidaten.“ In den vergangenen Jahren - es sind fast zehn Jahre seit dem letzten wirklich erfolgreichen Börsengang in Wien vergangen - hat sich diese Hoffnung nie erfüllt. Das ist die Folge von finanziell gut aufgestellten mittelständischen Unternehmen, die die Börse nicht brauchen. Aber auch von immensen Kosten wegen zunehmender Regulierungsvorschriften. Der Börsianer hat sich

Gleichgewicht. Immer. Nordea 1 – Flexible Fixed Income Plus Fund LU0634509953, BP-EUR Um die Ertragsziele in der heutigen unsicheren Zeit weiterhin zu erreichen bedarf es eines verbesserten, flexiblen Ansatzes, der Vorsicht mit einem gewissen Grad an Risiko kombiniert. Eine fundierte Erfahrung und ein konsequentes Risikomanagement sind die Grundpfeiler um dieses Gleichgewicht zu erhalten. Bei Nordea glauben wir fest daran, dass sich dieses Gleichgewicht auszahlt.

trotzdem auf die Suche nach „Interessenten“ (Seite 16) gemacht. Und ist fündig geworden.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte: Nordea Investment Funds S.A.

Dabei lohnt sich für die betroffenen

Dr. Johannes Rogy

Unternehmen ein Blick auf erfolg-

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Europe

Region Central & Eastern

reich. Eine davon, nämlich das Er-

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folgsrezept der Voestalpine AG (Seite 36), hat Reginald Benisch anlässlich des Starts seiner neuen Serie analysiert. Mit dieser Rubrik möchten wir

nordea.at/gleichgewicht.immer – nordeafunds@nordea.lu

die zunehmende Sehnsucht nach einem positiven Journalismus erfüllen, die so manches Boulevardmedium, in dem man sogar Inhalte kaufen kann, vernachlässigt. Warum „bezahlter Content“ Gift für Unternehmen ist,

Rauchpause. Der Börsianer trifft einen der ­mächtigsten Banker im Raiffeisen-OÖ-Haus mit Blick auf die Albertina in Wien. Sofern Heinrich Schaller Rauchpausen einlegen darf, ist er auch ziemlich entspannt.

schreibt übrigens Kommunikationsprofi Johannes Vetter von der OMV AG in einem Gastkommentar (Seite 15). Dass eine Börsennotierung mit viel Aufwand verbunden ist, möchte ich an dieser Stelle nicht schönreden. Ein Beispiel dafür sind die immer umfangreichere Berichterstattung und schärfere Informationspflichten. In diese Entwicklung fügt sich das seit Jahresanfang gültige Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) nahtlos ein. Wie Sie in Zukunft nachhaltig erfolgreich berichten, hat Barbara Ottawa für Der Börsianer in sechs Fragen (Seite 78) zusammengefasst.

Die genannten Teilfonds sind Teil von Nordea 1, SICAV, einer offenen Investmentgesellschaft luxemburgischen Rechts, welcher der EG-Richtlinie 2009/65/EG vom 13. Juli 2009 entspricht. Bei dem vorliegenden Dokument handelt es sich um Werbematerial, es enthält daher nicht alle relevanten Informationen zu den erwähnten Teilfonds. Jede Entscheidung, in den Teilfonds anzulegen, sollte auf der Grundlage des aktuellen Verkaufsprospekts, der Wesentlichen Anlegerinformationen sowie des aktuellen Jahres- und Halbjahresberichts getroffen werden. Die genannten Dokumente sind in elektronischer Form auf Englisch und in der jeweiligen Sprache der zum Vertrieb zugelassenen Länder auf Anfrage unentgeltlich bei Nordea Investment Funds S.A., 562, rue de Neudorf, P.O. Box 782, L-2017 Luxemburg oder bei der Zahlstelle und dem Repräsentant der Nordea 1, SICAV in Österreich, die Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG, Am Belvedere 1, A-1100 Wien, erhältlich. Anlagen in Derivaten und Fremdwährungsanlagen können erheblichen Schwankungen unterliegen, die die Wertentwicklung der Anlage beeinträchtigen können. Anlagen in Schwellenländern sind mit einem erhöhten Risiko verbunden. Der Wert von Anteilen kann je nach Anlagepolitik des Teilfonds stark schwanken und kann nicht gewährleistet werden. Angaben zu weiteren Risiken in Verbindung mit den genannten Teilfonds entnehmen Sie bitte den Wesentlichen Anlegerinformationen, die wie oben beschrieben erhältlich sind. Nordea Investment Funds S.A. veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlungen. Herausgegeben von Nordea Investment Funds S.A. 562, rue de Neudorf, P.O. Box 782, L-2017 Luxemburg, einer von der Commission de Surveillance du Secteur Financier in Luxemburg genehmigten Verwaltungsgesellschaft. Weitere Informationen bei Ihrem Anlageberater – er berät Sie als ein von Nordea Investment Funds S.A. unabhängiger Berater. Quelle (falls nicht anders angegeben): Nordea Investment Funds S.A. Alle geäußerten Meinungen sind, falls keine anderen Quellen genannt werden, die von Nordea Investment Funds S.A. Dieses Dokument darf ohne vorherige Erlaubnis weder reproduziert noch veröffentlicht werden. In diesem Dokument genannte Unternehmen werden zu rein illustrativen Zwecken angeführt und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der jeweiligen Werte dar. Der Grad der individuellen Steuerbelastung ist unterschiedlich und kann sich in der Zukunft ändern.


EDITORIAL Nicht nur für großen Aufwand, sondern für viel Ärger bei den Marktteilnehmern sorgt die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA). Finanzminister Hans Jörg Schelling will die Aufsicht (Seite 46) möglichst rasch straffen und Aufgaben in sein Ministerium holen. Seine Motive dafür sind: Einfluss und Geld. Ein weiterer Grund für die große Skepsis in der Öffentlichkeit gegenüber Börse, Banken und Co ist die mangelnde Finanzbildung. Österreichs Kinder, Jugendliche und Erwachsene kennen sich in Sachen Geld einfach nicht aus. Die Politik

Arbeitstier. Der Börsianer-Redakteurin Julia Kistner im Gespräch mit Aufsichtsratsikone Wolfgang Ruttenstorfer. Fazit: Stimmt das Management, stimmt der Aktienkurs!

räumt dem Thema „Financial Literacy“ (Seite 70) nur wenig Raum ein. Dafür nehmen Organisationen, Banken und Unternehmen immer mehr das Heft in die Hand, wie Robert Winter recherchiert hat. Eine Meinung der „Paternosterfahrer“ (vulgo Börsianer), auf dem Wiener Börsenparkett würden die Kurse nicht den wahren Wert der Unternehmen widerspiegeln, teilt Mehrfachaufsichtsrat Wolfgang Ruttenstorfer nicht. Weder eine Vermögenszuwachs- noch eine Finanztransaktionssteuer seien dabei für ihn hinderlich. Er sagt im Gespräch mit Julia ­Kistner: „Stimmt das Management, stimmt der Aktienkurs“ (Seite 74). Diesbezüglich möchte ich dem Aufsichtsratsguru nicht widersprechen. Stolze Sieger. In Linz übernahm Generaldirektor Franz Gasselsberger von der Oberbank AG (oben links) die Auszeichnung als beste Universalbank von Chefredakteur Dominik Hojas. Bei der Übergabe an den Vorstand der S Bausparkasse in Wien war Ingrid Krawarik (links Mitte), stv. Chefredakteurin, die gute Fee.

Ich hoffe, sein Prinzip gilt auch für das neue börsennotierte Spitzeninstitut der Raiffeisen, die „RBI neu“. Nach der Fu­ sion der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und Raiffeisen Bank International AG liegt es nun am neuen Management, im Interesse aller Aktionäre erfolgreich zu wirtschaften. Dieses zu finden, war gar nicht so einfach. Einer, der lange als Topfavorit für den Posten als Vorstandschef der „RBI neu“ gehandelt wurde, wollte dann nämlich doch nicht. Den Vorsitz des neuen Instituts hat Heinrich Schaller, Der Börsianer des vierten Quartals, seinem Kollegen Johann Strobl über­ lassen. Aus gewichtigen Gründen, wie er im Coverinterview (Seite 08) erzählt. Für das neue Börsenjahr wünschen wir Ihnen viel Erfolg! Optimismus und Mut scheinen mir dafür die besten Mittel zu sein.

Viel Vergnügen mit der Lektüre wünscht Ihnen

Dominik Hojas Vorfreude. Für die schlaueste Frage bei der ­Q-CheckRoadshow in Wien an SBO-CEO Gerald ­Grohmann gab es einen Infiniti Q60 für ein ­Wochenende zu gewinnen.

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Finanzb

log

FOL AUF ME GE MIR IN FACEBO ER WEBSITE, OK & TW ITTER

WER ICH BIN? EINER VON EUCH! Ich bin der Börsianer, deine einzig verlässliche Quelle über das Leben am rot-weiß-roten Finanzplatz. Ich kenne die heißesten Geschichten und kommentiere sie für dich.

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AUSGABE NR. 18

36

FINANZPLATZ DER SCHLAUE FUCHS  08 Der Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Ober­ österreich AG ist einer der einflussreichsten RaiffeisenBanker. Den Vorsitz der RBI neu hat er trotzdem Johann Strobl überlassen. Aus gewichtigen Gründen.

INTERVIEW

Der schlauche Fuchs

08

46

AUFSICHT

Hauen und Stechen um die FMA

3 Banken Generali Investment

FIRMENINDEX

6B47

37 18, 59

BÖRSE Das große Börsencasting

16

AUFSICHT Hauen und Stechen um die FMA

46

BILDUNG Finanzwissen: Ziemlich blank

70

MANAGEMENT Stimmt das Management, stimmt der Aktienkurs!

74

REPORTING Nachhaltig berichten, aber wie?

78

Brunswick Austria & CEE

17

Finanzmarktaufsicht

CA Immobilien Anlagen AG

58

FTC Capital

47, 52, 83 54

Allianz Gruppe

52

CBRE 29

Henderson Global Investors

Allianz Invest KAG

23

CHSH 62

Immofinanz AG

Amundi Austria

54

Conwert

Invesco 34

Amundi Immobilier

31

Deloitte Österreich

JP Morgan Asset Management

54

Andritz AG

66

Denkstatt 79

Kathrein Privatbank AG

62

Austria Email AG

19

Erste Asset Management

Kepler Fonds KAG

Bank Austria Real Invest

30

Erste Group Bank AG

BDO Austria

60

EVN AG

BKS Bank AG

72

Fidelity International

INDEX: AUSZUG VON UNTERNEHMEN IN DIESER AUSGABE

6

59, 63, 67 60 55 17, 35, 71 67, 80 54

KPMG Austria Lenzing AG Matejka & Partner

31 56, 65

23 79, 87 56 22, 37


INHALTSVERZEICHNIS

RANKING

26

RENDITE WIENER BÖRSE  Chartvergleich der Aktienmärkte

22

BRANCHEN

MEINUNGEN

Darüber spricht man: News,

MARTIN KWAUKA Ohne Plan für die Börse

14

JOHANNES VETTER Journalisten: Kritisiert uns!

15

JOHN GREENWOOD

34

Trends, Köpfe und Events

BANKEN50 MARKTMEINUNGEN  23 Börsenausblick der Österreich-Fonds-Manager BÖRSENRADAR  23 Aktuelle Investorenstimmung PORTFOLIO Die Asset-Allocation der Oberbank AG

24

VERSICHERUNGEN52 FONDS54 AKTIEN56 BERATER60 RECHT62 KOMMUNIKATION64

26

BÖRSENWETTER34

RANKING Die 50 besten Finanzvorstände in Österreich

65

SO DENKT DIE POLITIK Architektur der FMA

82

INVESTMENTSTORY Das Erfolgsrezept der Voestalpine AG

36

KURSE40 Topperformer: Aktien, Fonds, Anleihen und Rohstoffe STATISTIK44 Börsen- und Wirtschaftsdaten

Ad-hoc der Redaktion NEUE SCHREIBERLINGE „Gewinn“-Leser kennen JuJahre war sie als stellvertretende Chefredakteurin für das Magazin tätig. Seit Jah-

Fehlgeleitete Geldpolitik

resanfang schreibt sie für Der

WILHELM CELEDA Aufruf zur Reanimation

50

WOLFRAM LITTICH Weichen jetzt stellen!

52

HEINZ BEDNAR Mehr Nachhaltigkeit

54

Börsianer. Neu im Team ist auch Florian Gartler. Der Publizistik- und Wirtschaftsstudent unterstützt seit Ende 2016 die Redaktion. Als Chef vom Dienst fungierte in dieser Ausgabe erstmals unsere stellvertretende Chefredakteurin Ingrid Krawarik. ROADSHOW-JUBILÄUM

BETTINA SCHRAGL 56 Speeddating versus Roadshow

Entwicklung der W ­ eltbörsen und Analystenstimmen

Die besten ­Finanzvorstände

lia Kistner bestimmt. Viele

IMMOBILIEN58

SEITENBLICKE

IMMOBILIEN Reale Renditen?

65

MARKTGEZWITSCHER89 Das wurde im Netz getwittert PORTRÄT90 Julia Resch, Pressesprecherin Wiener Börse AG

bruar 2017 die 30. Q-Check Roadshow. Der Track Re-

PETER BARTOS 60 Arbeit für Prüfungsausschuss

BÖRSENTALK86 Wo sich die Finanzwelt trifft

In Linz feierten wir am 1. Fe-

ALBERT BIRKNER Zuversicht für Österreich

62

cord kann sich sehen lassen: 2.500 geladene Gäste, 119 Veranlagungsexperten und 44 Vorstandsvorsitzende waren bei den 30 Events in Wien und Linz zu Gast. Zum Jubiläum gibt es eine neue

PETER FELSBACH 62 Chatbots in Kommunikation GEORG OGRINZ Erster Entwurf zu Basel IV

81

Website: www.q-check.at. Die nächste Roadshow findet am 11. April in Wien statt. NEUE SERIE Reginald Benisch startet in diesem Heft seine Serie „Investmentstorys“ (Seite 36). Dabei analysiert er Erfolgs-

Müller Partner

49, 63

Rechnungshof 47

Unicredit Bank Austria AG

50

geschichten heimischer bör-

Oberbank AG

24, 39

RHI AG

Union Investment

54

sennotierter Unternehmen.

Oesterreichische Nationalbank

47, 70

RLB OÖ

Verlagsgruppe News

64

Dafür sucht er das Gespräch

OMV AG Österreichische Post AG

57, 67 9

15, 57, 66

S Immo AG

32, 58, 72

63, 66

Schönherr

49, 76

Victoriapartners 28

mit den jeweiligen Managern

Voestalpine AG

und Investoren. Den Anfang

37, 64, 66

Palfinger AG

80

Semper Constantia Immo Invest

30

VÖIG 54

Porr AG

67

Syngroup 61

Weber&Co 18

PWC Österreich

81

Taylor Wessing

Wiener Börse AG

PwC Strategy& Österreich

51

Telekom Austria AG

RBI RCB

8, 50 31, 35, 50

UBM Development AG

79

17, 71, 87, 90

56, 67, 75, 80

Wiener Privatbank SE

31, 34

29, 58, 65

Wienwert Holding AG

18

Wirtschaftsuniversität Wien

71

UBS 28

7

macht die Voestalpine AG. Weblinks werden in dieser Ausgabe mit einem → GELBEN BALKEN

markiert.


COVER

DER SCHLAUE FUCHS

Wird er’s, wird er’s nicht? Will er’s, will er’s nicht? Heinrich Schaller hat auf seinen Bauch gehört und wollte nicht. Der Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG ist einer der einflussreichsten Raiffeisen-Banker. Den Vorsitz der RBI neu hat er trotzdem Johann Strobl überlassen. Aus gewichtigen Gründen. TEXT DOMINIK HOJAS, INGRID KRAWARIK FOTOS DIETER BRASCH

H

einrich Schaller hat einen gewis-

seine Fäden lieber weiter von seinem ei-

ben darüber gesprochen, ja. Nur war ich

sen Schmäh – und lacht gern. So-

genen Oberösterreich aus. Und das macht

immer ein Verfechter davon, zuerst die

fern er Rauchpausen ein­legen darf,

er gut. Vor kurzem wurde sein Vorstands-

Struktur zu machen und danach die per-

ist er auch ziemlich entspannt. Der Bör­

vertrag um weitere fünf Jahre verlängert.

sonellen Besetzungen. Am Ende ist es so

sianer trifft einen der mächtigsten Banker

Im Leitungsausschuss, dem kolportier-

gekommen, wie ich mir das gewünscht

der Raiffeisen-Gruppe im sechsten Stock

ten Nachfolger der RZB, wird er zukünftig

habe. Johann Strobl ist für mich eine op-

des

Raiffeisen-Oberösterreich-Hauses

sein Gewicht in die Waagschale legen und

timale Besetzung für diese Position. Er

mit Blick auf die Albertina in Wien. Lan-

so die Geschicke der Raiffeisen-Gruppe

ist ein gelernter Banker mit Osteuropa­

ge wurde er als neuer Vorstandschef des

federführend mitgestalten. Auch in Süd-

expertise, und so jemanden brauchen

fusionierten Raiffeisen-Spitzeninstituts

deutschland hat er noch Großes vor.

wir jetzt an dieser Stelle.

(RZB) und Raiffeisenbank International

In der Öffentlichkeit waren Sie lange der

Sie werden doch sehr wohl mit der Position

AG (RBI) gehandelt, bis er sich selbst aus

Spitzenkandidat für die RBI neu. Hatten Sie

des RBI-Vorstandschefs kokettiert haben? -

dem Rennen nahm. Der 57-Jährige zieht

ein konkretes Angebot vorliegen? - Wir ha-

Kokettiert: nein. Darüber nachgedacht: ja.

(RBI neu) aus Raiffeisen Zentralbank AG


→ VITA HEINRICH SCHALLER GENERALDIREKTOR RAIFFEISENLANDESBANK OBERÖSTERREICH AG Der Banker aus Linz (57) ist ein kluger Stratege und gilt als gewiefter Verhandler. Er ist leidenschaftlicher Raucher, der bei Entscheidungen auf seinen Bauch hört. Vor seiner Bestellung als Generaldirektor 2012 war Schaller Vorstand der Wiener Börse AG. Heute sitzt der Jurist im Aufsichtsrat mehrerer Unternehmen, darunter die Voestalpine AG und die Amag Austria Metall AG.


ser. Diese Fusion kann da nur ein erster Schritt sein. - Also da muss man schon die Planungen der beiden Unternehmen berücksichtigen, auch hinsichtlich des Risikos, das schon verkraftet wurde. Da können wir mit wirklich gutem Gewissen behaupten, dass daraus ein gutes Institut entsteht, das aus eigener Kraft das Kapital schöpfen kann. Sind Sie mit der Bewertung der RZB-An­teile Aktionär. RLB-Generaldirektor Heinrich Schaller erwartet sich von Tag eins an Dividenden von der RBI.

zufrieden? Das war für die Landes­banken als Eigentümer ein Schlüsselfaktor bei den Verhandlungen. - Als Eigentümer bin ich

Was waren die Gründe für Ihre Absage? -

Zuletzt wurde mehrmals keine Dividen-

natürlich zufrieden. Wir sind jetzt bei ei-

Die Struktur. Wir mussten ja entschei-

de bezahlt. Mit dem Kurs der Aktie seit

ner Bewertung, die für alle Beteiligten,

den, welche neuen Aufgaben die RBI ha-

dem IPO können Sie und viele Ihrer Kun-

also für die Eigentümer der RZB sowie

ben soll. Es war mein Wunsch, dass sich

den nicht zufrieden sein. Warum hat es so

den Streubesitz, eine wirklich faire ist.

die RBI ganz wesentlich auf das Bankge-

lange gebraucht, dass es zu einer struktu-

schäft im Osten konzentriert. Das kann

rellen Änderung kam? - Es ist doch klar,

Sind Sie für weitere Fusionen innerhalb des

sie gut, das hat sie immer gut getan.

dass ein solcher Prozess sehr intensiv

Sektors offen? - Ja, wenn es andere wol-

Und das wird das Hauptaugenmerk ih-

diskutiert werden muss, gerade wenn es

len, sind wir dafür offen, wenn es zu Be-

rer Tätigkeit sein. Ich hingegen arbeite

um einen Traditionssektor in Österreich

dingungen passiert, die für alle fair sind.

sehr gern im Sektor und in Oberöster-

geht. Man darf nicht vergessen, warum

Eines ist sicher, die RLB Oberösterreich

reich. Ich bin gern Banker, ich mache

diese strukturelle Änderung notwen-

wird nicht hineinfusionieren. Wir sind

gern Bankgeschäfte in Österreich, bin

dig war. Das war die gesetzliche Anfor-

mittlerweile die viertgrößte Bank in Ös-

sehr aktiv im angrenzenden deutschen

derung von Eigenkapital. Wenn die An-

terreich und haben ein wirklich gesundes

Raum. Am Ende bin ich meinem Herzen,

forderungen immer höher werden, ist

Geschäftsmodell.

meinem Bauchgefühl gefolgt.

es verständlich, darüber nachzudenken, wie man das Problem am besten löst.

Sie haben Ihre Anteile mit den anderen Landesbanken syndiziert. Es wurde teil-

Sind Sie so ein Bauchmensch? - Ja, in gewisser Weise schon. Man muss immer

Ist es die richtige Motivation, bei einem

weise kolportiert, dass hier eine Allianz ge-

alles gut begründen. Aber es gibt immer

börsennotierten Unternehmen nur kapital-

gen die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG

wieder Situationen, da steht es auf der

getrieben zu denken? Die kurzfristigen Ei-

entstehen soll. - Ich möchte jetzt nicht

Kippe, das ist bei mir dann eine Bauch-

genkapitalquoten sind nicht wirklich bes-

gegen Ihre Zunft sprechen, ich erlaube

entscheidung.

mir aber trotzdem die lockere Aussage: Man darf nicht alles glauben, was in der

Was sind Ihre Erwartungen als Großaktionär an die RBI neu? - Die RBI ist eine Finanzbeteiligung des Sektors, und die hat die Aufgabe, gute Erträge zu erwirtschaften und Dividenden auszuschütten. Und genau das erwarte ich mir von der RBI auch in Zukunft. Von Tag eins an? - Natürlich von Tag eins an. Die RBI hat einen Konsolidierungsprozess durchlaufen, der zum Großteil

ERGEBNISSE DES GESCHÄFTSJAHRES 2015 Zinsüberschuss 468,3 Millionen Euro nach Risikovorsorge: Provisionsüberschuss: 127,8 Millionen Euro Jahresüberschuss 304,1 Millionen Euro nach Steuern: Gesamtergebnis: 213,2 Millionen Euro Eigenkapital: 3,74 Milliarden Euro Operativer Cashflow: -165,3 Millionen Euro Kernkapitalquote: 13,8 Prozent CET-1-Ratio: 14,5 Prozent (2016)

abgeschlossen ist. Ich bin überzeugt, die RBI ist jetzt auf einem wirklich gu-

Zeitung steht. Im Gegensatz zu vielen, die glauben, dass bei Raiffeisen nicht miteinander gesprochen wird, wird bei uns sehr wohl gesprochen. Es gibt Gerüchte über einen Leitungsausschuss, dessen Vorsitzender Sie werden sollen. Ersetzt dieser Ausschuss die RZB? - In gewisser Weise, ja. Und den gibt es bereits. Wir besprechen rechtliche und organisatorische Themen, wie die Werbung gestaltet wird, Themen im Haftungs-

QUELLE: RAIFFEISENLANDESBANK OBERÖSTERREICH AG

ten Weg.

verbund, Risikomanagement. Aber das könnte man falsch verstehen. Eine neue

10


FINANZPLATZ

einer solchen Organisationsplattform

RZB wollen wir nicht. Wir wollen auch kein Bankgeschäft. Wir brauchen eine

„Ich bin für w ­ eitere Fusionen offen. Die RLB Oberösterreich wird aber nicht hineinfusionieren.“

Organisationsplattform, ein Instrument, mit dem wir uns als Landesbanken neu organisieren. Das klingt schon fast nach dem Opec-Kartell. - Na, also von einem Kartell sind wir noch weit entfernt.

angesiedelt wird. Und den Vorsitz werden Sie innehaben? Über die Vorsitzfrage rede ich derzeit nicht. Wir müssen jetzt gemeinsam weiterkommen. Wir werden aber als oberösterreichischer großer Teilnehmer natürlich gewichtig mitreden. Wie laufen die Geschäfte in Oberösterreich?

Aber es ist doch so, dass sich da etwas Neues konstituiert, das mehr Einfluss haben

HEINRICH SCHALLER

könnte, als man bisher wahrnimmt? - Ja,

- Die laufen sehr gut. Sie haben eine ganze Reihe von Industrie-

das kann sein. ZRW, die Zentrale Raiffeisen Werbung,

beteiligungen. Wenn Basel IV so kommt wie

Wird diese Plattform Marketing und IT

das ist ein Verein. Der war unmittelbar

angedroht, werden Sie Ihre Industriebetei­

des Raiffeisen-Sektors umfassen? - Nicht

in der RZB angesiedelt und wird in der

ligungen ziemlich teuer kommen. Planen

unmittelbar drinnen, aber zumindest

ersten Zeit in der RBI bleiben. Aber da

Sie Verkäufe? - Das Beteiligungsgeschäft

drunter. Für das Österreichmarketing

kann ich mir vorstellen, dass dieser Ver-

ist für uns ein wirklich ertragbringen-

gibt es ja schon seit Jahrzehnten die

ein aus der RBI herauskommt und unter

des gutes Geschäft. Wir werden nicht

DEGIRO-172x122mm_boersainer.pdf

1

11/17/16

7:08 PM


Kritik. Banken müssen in Zukunft besser zusammenarbeiten, erklärt Heinrich Schaller (l.) der Chefredaktion von Der Börsianer.

von diesem Weg abweichen. Ich glau-

werden wir in diesem Geschäft völ-

Werden Sie auch ein neues Headquarter

be derzeit nicht, dass Basel IV wirklich

lig vertechnokra­ tisiert? Wahrschein-

bauen? Die anderen Großbanken wie Er­

so kommt wie geplant. Ich sehe wirklich

lichkeitsrechnungen sind zwar wichtig,

ste Group Bank AG, Unicredit Bank Aus-

keinen Sinn dahinter. Ja, es gibt einen

aber nicht das Allheilmittel. Wir brau-

tria AG, Bawag PSK AG haben schon ei-

Unterschied im Risiko zwischen Eigen-

chen wieder mündige Bürger.

nes oder sind dabei, eines zu errichten. Auch die RBI denkt laut über einen Um-

kapital und Fremdkapital, aber so ex­ trem ist dieser Unterschied auch wieder

Jetzt frage ich mich aber schon, haben

zug nach. - Wir reden derzeit schon da-

nicht. Der Riesenvorteil bei Beteiligun-

die Banken keine Lobby? - Zu wenig. Da

rüber, weil das Stammhaus kommt aus

gen ist, dass ich Eigenkapital hingebe

müssen sich die Banken am eigenen

den 1970er-Jahren und ist nicht mehr

und an der Wertentwicklung des Unter-

Schopf packen. Ich glaube, dass man

auf dem letzten technischen Stand,

nehmens mitprofitiere. Wieso soll ich da

sich da lange Zeit in der Interessenver-

insbesondere, was die Energieeffizienz

auf die Wertentwicklung verzichten? Ich

tretung der Wirtschaftskammer Öster-

betrifft. Da laufen derzeit die Berech-

bekomme gute Dividenden.

reich zu uneins war. Das müssen wir

nungen: Entweder sanieren wir kom-

ändern.

plett, oder wir machen etwas Neues.

Uns müssen Sie nicht überzeugen, sondern

Wenn wir etwas Neues machen, wol-

die Aufsicht. Was ist Ihr Hauptkritikpunkt an Basel IV? Sie sind da doch am stärksten betroffen. - Der Spielraum für anderes Geschäft würde dadurch geringer, und das ist das, was mich so gewaltig stört. Unternehmerisches Denken fällt völlig weg. Wir wollen nach wie vor mit der Realwirtschaft im Fremdfinanzierungsbereich ganz eng zusammenarbeiten. Die ganze Regulierungswut, die da im Gange ist, schadet den Banken, aber auch der Realwirtschaft. Ist der Höhepunkt der Regulierung erreicht? - Nein, das wird noch weitergehen. Wenn man die Auswertungen der Anforderungen der Aufsicht auf Papier ausdrucken würde, wären das 14.800 Seiten gewesen. Wer verarbeitet das noch? Die Maschine, aber nicht der ein-

len wir vom derzeitigen Standort nicht FUSION VON RZB UND RBI BESCHLOSSEN Die Hauptversammlung der Raiffeisen Bank International AG (RBI) hat am 24. Jänner 2017 der Fusion mit der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) zugestimmt. Die Kosten betragen zwölf Millionen Euro bis 13 Millionen Euro. Der Name RBI bleibt bestehen. Mit der Kapitalerhöhung von 109,7 Millionen Euro werden die RZB-Altaktionäre abgegolten. Mit dem Wegfall der RZB wird die Struktur der Raiffeisen-Bankengruppe auf ein zweistufiges Modell vereinfacht. Die Raiffeisenlandesbanken halten zukünftig 58,8 Prozent an der RBI, der Streubesitz beträgt 35,0 Prozent. Dazu kommen noch Beteiligungen der Immigon AG, Uniqa Insurance Group AG, der Raiffeisen Ware Austria und der Posojilnica Bank. RBI-Vorstandschef Karl Sevelda übergibt sein Amt spätestens zum Ende des ersten Quartals 2017 an Johann Strobl. Dem RBIVorstand werden Klemens Breuer, Martin Grüll, Andreas Gschwenter, Peter Lennkh und Hannes Mösenbacher angehören.

zelne Mensch. Da frage ich mich schon,

wirklich weggehen. Sie wurden zur besten Bank des deutschen Mittelstands gewählt. Macht sich die Expansion nach Süddeutschland bezahlt? - 20 bis 25 Prozent unseres Firmenkundenfinanzierungsvolumens ist in Deutschland. Wir wachsen dort stärker als in Österreich, haben acht Niederlassungen, rund 200 Mitarbeiter. Wir arbeiten sehr intensiv mit Förderbanken zusammen. Das Geschäft läuft wirklich gut. Wir bemühen uns sehr intensiv um unsere Kunden, das wird geschätzt. Welches Potenzial sehen Sie in Süddeutschland? - Ein großes. Die Region ist unser natürlichster Wachstumsmarkt, ein uns sehr ähnlicher Markt.

12


FINANZPLATZ

Wie wollen Sie in Zukunft Geld verdienen?

braucht, weil sie es entweder selbst ver-

- Nicht anders als bisher. Ich bin sogar

dienen oder durch ihre derzeitigen Ei-

überzeugt, dass es immer wichtiger wird,

gentümer haben. Den Aufwand eines

im Firmenkundengeschäft wirklich stark zu sein. Weil man dort noch etwas verdient? - Richtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Firmenkundengeschäft in der gleichen Art digitalisiert wird wie das Privatkundengeschäft. Daher ist es so wichtig, im Firmenkundengeschäft stark zu sein. Das intensivieren wir, da sind wir gut

„Ich sehe keinen Sinn, warum Basel IV so kommen sollte wie geplant.“

Börsenlistings wollen sich viele nicht oder nicht mehr antun. Darüber sollte man schon nachdenken, ob es nicht gewisse Erleichterungen geben sollte. Sie haben sich 2016 selbst am Kapitalmarkt finanziert und 500 Millionen Euro aufgenommen. Wollen Sie das Vehikel in Zukunft öfter nutzen? - Die ist super gelau-

HEINRICH SCHALLER

fen und war vierfach überzeichnet. Nach Heta war es extrem schwierig für öster­

drauf. Im Retailbereich müssen wir die Digitalisierung schaffen, ohne uns über-

und mit den digitalen Angeboten ver-

reichische Banken, im Ausland zu plat-

flüssig zu machen. Wir sind immer in der

binden. Dazu muss ich sagen, wir ha-

zieren. Das war nicht lustig. Es haben

Region extrem verankert gewesen und

ben im Raiffeisensektor Oberösterreich

jetzt einige Große fundierte Emis­sionen

haben persönlichen Zugang zu Kunden.

das dritte Jahr in Folge Rekordergeb­

gemacht. Wir überlegen schon, ob wir

Und ich würde es für einen schweren

nisse. Das macht mich sehr zuversicht-

so eine Emission im Jahr 2017 wieder

Fehler halten, wenn Raiffeisen sagt, wir

lich, weil ich schon sehe, was man mit

bringen.

verschwinden von unserer Region und

Gestaltung weiterbringen kann. Wie macht man den Kapitalmarkt wieder

machen alles nur noch digital. Wir würden den größten Vorteil, den wir haben,

In Oberösterreich gibt es sehr viele tolle

salonfähig? - Will man den Kapitalmarkt

den wir uns 125 Jahre erarbeitet haben,

Unternehmen, an einigen sind Sie betei-

in Österreich beleben, braucht man An-

mit einem Strich vom Tisch wischen.

ligt. Warum wollen die nicht an die Bör-

reize. Leichtere Listingvorschriften für

se? - Da habe ich jetzt nur eine Vermu-

kleinere Unternehmen. Deregulieren.

Das kostet natürlich. - Man muss die

tung: Der Aufwand ist einfach zu groß.

Wenn wir so weitertun, verwalten wir

Vor-Ort-Präsenz effektiver gestalten

Frisches Kapital wird derzeit nicht ge-

uns zu Tode, da hat keiner etwas davon. n

Stratege. Heinrich Schaller will am Beteiligungsgeschäft festhalten - trotz höherer Kosten durch Basel IV.

13


MEINUNGEN

MARKTGEFLÜSTER

OHNE PLAN FÜR DIE BÖRSE

→ VITA MARTIN KWAUKA JOURNALIST Der Hobbyweinbauer (58) ist seit 22 Jahren Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Zu den wichtigsten Stationen des gebürtigen Deutschen zählen die langjährige Chefredaktion des Magazins „Format” und das seit 2015 von ihm organisierte Finanzjournalistenforum. Sein Steckenpferd ist die Altersvorsorge. Chronisch neugierig, füllt der studierte Agrarökonom im Auftrag von Der Börsianer diese Seite mit seinen Gedanken.

Die guten Vorsätze in den Programmen von Bundeskanzler Christian Kern und Finanzminister Hans Jörg Schelling ­enthalten dutzendweise interessante Punkte. Nur das Thema Börse wird nicht einmal ignoriert.

Der Plan A von Bundeskanzler Kern, ein „Programm für Wohlstand, Sicherheit und gute Laune“, umfasst stolze 148 Seiten. Praktisch jedes aktuelle Thema wird abgehandelt. Allein die Börse kommt

„Es fehlt jedes Konzept, die Wiener Börse ­fitzumachen.“

sen. Immerhin, die Finanzmarktaufsicht

MARTIN KWAUKA

KMUs zur Verfügung stellen. Auch hier

nicht vor. Nun ist ja dem Kanzler als Ex-

müsse effizienter und günstiger werden. Und Stiftungen und Pensionskassen sollen mehr Geld für Start-ups und kein Wort über die Wiener Börse. Dafür gibt es eine Idee, wie Österreich vom

Verbund-Vorstand die essenzielle Rolle

Brexit profitieren könne. Die ist originell: Als „unseren Kuchen

des Kapitalmarktes durchaus bekannt. Aber vermutlich lässt er das Wort Börse lieber ausgespart, um den eigenen Parteige-

vom Brexit“ schlägt Schelling als Wachstumsbereich die Ver-

nossen nicht die gute Laune zu verderben. Immerhin wird die

waltung großer Familienvermögen in Family Offices vor. Nun

Rolle von Start-ups ausführlich gewürdigt und angekündigt,

ja. Erstens gibt es auch nach einem EU-Austritt der Briten kei-

Österreich zum führenden Start-up-Hub Europas zu machen.

ne schlagenden Gründe, warum reiche Scheichs und Konsor-

So weit, so lobenswert, auch wenn der Aufstieg vom bisheri-

ten ihr Eingemachtes von London nach Wien transferieren soll-

gen Rang 20 der EU zur Gründernation Nummer eins ambiti-

ten. Dafür müsste im Ausland erwirtschaftetes Vermögen erst

oniert erscheint. Offensichtlich ist es auch dem eigenen Par-

a la England von der Steuer befreit werden, was politisch kaum

teivolk sympathisch, wenn sich ein paar junge Menschen vol-

vorstellbar ist. Außerdem beschäftigt ein typisches Family Of-

ler Ideen in einem Hinterhof selbstständig machen. Doch geht

fice gerade einmal fünf, vielleicht auch zehn Mitarbeiter. Allein

es bei der Förderung einer Gründerwelle nicht nur um das im

bei der Schließung des Wien-Ablegers der Union, des früheren

Plan A erwähnte Startkapital und weniger Formalitäten. Falls

Volksbanken-Fonds, geht ein Mehrfaches verloren, vom vier-

das Projekt einschlägt, kann rasch ein Börsengang ins Spiel

stelligen Jobabbau der Bank Austria gar nicht zu reden.

kommen. Doch um die Wiener Börse dafür fitzumachen, fehlt

Die gezielte Förderung des österreichischen Kapitalmarkts

jedes Konzept. So landete das 2009 gegründete Fitnessunter-

inklusive eines Ausbaus der betrieblichen und privaten Vor-

nehmen Runtastic nicht auf dem heimischen Aktienmarkt,

sorge könnte tausende neue Arbeitsplätzen schaffen oder zu-

sondern für 220 Millionen bei Adidas in ausländische Hände.

mindest sichern und sogar das Wirtschaftswachstum ankur-

Zugegeben, das Thema Kapitalmarkt ist nicht primär beim

beln. Österreich besitzt zwar ein privates Vermögen von mehr

Kanzler angesiedelt, sondern gehört zur ureigenen Kompetenz

als 600 Milliarden Euro. Mit den darauf erzielten Erträgen sind

von Finanzminister Schelling. In seinem 19-seitigen „Pakt für

wir aber weit abgeschlagen das Schlusslicht in Europa, weil zu

Österreich“ finden sich sinnvolle Maßnahmen zur Belebung

viel Geld unverzinst auf Sparbüchern liegt. Gelänge es als ersten

des Wirtschaftsstandorts: von der Senkung der Lohnnebenkos-

Schritt, mit diesen 600 Milliarden langfristig ein Prozent mehr

ten bis zur Rücknahme des auf 55 Prozent erhöhten Spitzensat-

Ertrag zu erwirtschaften, würde Österreich jedes Jahr sechs Mil-

zes der Einkommensteuer. Hinsichtlich der spezifischen Pro­

liarden reicher. Allein es fehlt in der Koalition an irgendeinem

blemfelder der Finanzbranche ist in dem Pakt aber wenig zu le-

Plan oder Pakt dafür. n

14


GASTKOMMENTAR

MEINUNGEN

LIEBE JOURNALISTEN: KRITISIERT UNS! Die kritische Öffentlichkeit ist eine der wesentlichen Grundlagen für unternehmerischen Erfolg, analysiert Kommunikationsprofi Johannes Vetter.

Die Reaktion auf meinen Gastkommentar im „Standard“ bezüglich der Auswirkung von Content-Marketing hat mich überrascht. Innerhalb von 24 Stun-

„Wir Unternehmen ­ brauchen kritischen Qualitäts­journalismus.“ JOHANNES VETTER

→ VITA JOHANNES VETTER UNTERNEHMENSSPRECHER OMV AG Die große Leidenschaft des Vollblutwieners (40) ist eigentlich die Politik, der er sich vor seiner OMV-Laufbahn verschrieben hatte. Seiner Aufgabe als Unternehmenssprecher der OMV AG kommt der dreifache Familienvater aber trotzdem seit fünf Jahren mit viel Herzblut und Begeisterung nach. Sein Handy ist das wichtigste Asset in seinem 24-Stunden-Job, ohne das er keine Freizeit hätte.

barkeit angewiesen: Denn nur durch die Unterscheidung wird sichtbar, warum der Kauf unserer Aktie besser ist als die vom Mitbewerber X.

den gab es mehr als 20.000 Unique Visi-

Aktiv, aber sachlich zu kritisieren ist

tors, auf Twitter wurde lebhaft debattiert,

schwierig, Kritik anzunehmen umso

meist zugestimmt und geteilt. Erstaunt hat mich die Reaktion

mehr. Vor allem, wenn die Verlockungen des Content-Marke-

deswegen, weil der Text in meinen Augen nur das ohnehin Of-

ting den Kommunikationsabteilungen weismachen möchten,

fensichtliche festgehalten hat. In den zahlreichen Gesprächen

dass es eben auch anders ginge. Ich plädiere aus vollster Über-

danach hat sich aber herausgestellt, dass einerseits der Absen-

zeugung für eine neue Kultur der Kritikfähigkeit in den Unter-

der („Was, ein Unternehmen will kritisiert werden!?“), ande-

nehmen – weil sie uns stärkt. Denn bereits das Wissen allein,

rerseits auch die Debatte an sich in dieser Form neu ist. Umso

dass man einer kritischen Öffentlichkeit ausgesetzt ist, wirkt

wichtiger ist es aus meiner Sicht daher, sie zu führen: Die (un-

sich automatisch positiv auf unser Handeln und damit auf die

ternehmens)kontrollierte direkte Vermarktung von Inhalten

eigene Performance aus. Wie verstörend der aktuelle Zustand

wird von Unternehmen zunehmend als bequeme Lösung ange-

schon ist, zeigt ein Statement vom Sascha Pallenberg, dem

sehen, die eigenen Botschaften ohne den lästigen Filter des kri-

Kommunikationschef von Daimler: „Klassischer Journalismus

tischen Journalismus an die Öffentlichkeit zu bringen. Die um

wird bekanntlich immer öfter von Advertorials und Content-

sich greifende Auffassung, kritischer Journalismus sei für Un-

Marketing durchsetzt. Das ist – sofern es kenntlich gemacht

ternehmen schädlich, ist jedoch fatal.

wird – auch nicht verwerflich, sondern verständlich, vor allem

Ich bin vom Gegenteil überzeugt: Wir Unternehmen brau-

aus Sicht der Verlagsbuchhaltung. Selten ist es aber elegant oder

chen kritischen Qualitätsjournalismus wie einen Bissen Brot!

interessant. In der globalen Kommunikation bei Daimler ge-

Denn nur er schützt langfristig die eigene Reputation. Weil wir

hen wir zukünftig einen anderen Weg: Wir setzen verstärkt auf

gerade in kritischen Zeiten ein Gegenüber brauchen, das uns

unsere eigenen Medien. Auf den eigenen Kanälen können wir

fundiert prüft, unsere Anstrengungen ernst nimmt und dann

Denkanstöße bieten, ohne Verkaufsimpulse setzen zu müssen.

auch objektiv darüber berichtet, analysiert und einordnet. Ge-

Ob das eleganter oder interessanter ist, gilt es zu beweisen.“ Ich

fälligkeitsjournalismus hingegen schafft weder Glaubwürdig-

finde die Ausführungen legitim und irgendwie auch nachvoll-

keit noch Reputation. Um welche Kritik geht es mir dabei kon-

ziehbar. Aber sie verstören mich zutiefst. Denn in Wahrheit hat

kret? Ich beobachte den Wandel der Medienwelt als Kommuni-

Daimler damit den Journalismus schon aufgegeben. „Dann ma-

kator seit 20 Jahren: Einhergehend mit massiven Einsparungen

chen wir’s uns selbst“ lautet die Devise.

in Redaktionen sind kritische Anfragen von Journalisten rarer

Kritikfähigkeit ist am Ende eines der wesentlichen Merkma-

geworden, das fällt auf. Grundsätzliche Verständnisfragen nach

le, die uns von autoritären Systemen unterscheiden. Und dort

Inhalten werden so gut wie gar nicht mehr gestellt, echte Bran-

ist erfolgreiches Wirtschaften bekanntlich nicht so einfach.

chenprofis sind selten geworden. Dabei braucht es das für uns

Womit sich der Kreis schließt: Eine debattenreiche, meinungs-

als Unternehmen dringend: publizistische Objektivierung un-

starke Gesellschaft mit starkem und unabhängigem Journalis-

serer Tätigkeit, die eine Grundlage für Vergleichbarkeit schafft.

mus ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche

Gerade börsennotierte Unternehmen sind auf diese Vergleich-

Marktwirtschaft. n

15


BÖRSE

Triumvirat. Christoph Boschan (r.), Vorstandschef der Wiener Börse AG, kann mit seinen Vorstandskollegen Petr Koblic und Ludwig Nießen laut ­Experten in einem Teich von bis zu 100 IPOKandidaten in Österreich und Osteuropa fischen.


FINANZPLATZ

DAS GROSSE BÖRSENCASTING Börsengänge sind rar in Wien. Das ist die Folge von finanziell gut aufgestellten mittelständischen Unternehmen, die die Börse nicht brauchen. Aber auch von den immensen Kosten durch zunehmende Regulierungsvorschriften. Der Börsianer hat sich trotzdem auf die Suche nach ­Börsen­kandidaten gemacht. Und ist fündig geworden. TEXT INGRID KRAWARIK

A

uf die alljährliche Frage an den

Schranz, Österreich- und Osteuropa-

Österreich eine hohe Anzahl an starken

Börsenvorstand, mit wie vie-

Chef der Strategieberatung Brunswick

mittelständischen Unternehmen, mit

len Börsengängen im neuen Jahr

Austria & CEE. „Man müsste komplett

der sich der Kapitalmarkt schmücken

gerechnet wird, kommt seit Jahren die

von vorn anfangen und das Element

könnte. Echte IPO-Killer für viele Fa-

gleiche Antwort. Das ist auch bei Chris-

Börse in der Breite promoten. Eine Än-

milienunternehmen sind allerdings die

toph Boschan, seit September 2016 Vor-

derung der Eigentümerstruktur wür-

Transparenz- und Veröffentlichungs-

standsvorsitzender der Wiener Börse

de helfen oder auch ein Selbst-IPO der

richtlinien, da sich die Offenlegung von

AG, nicht anders: „Es gibt viele inter-

Wiener Börse AG“, sagt Schranz.

Margen in manchen Fällen geschäfts-

© WIENER BÖRSE

essierte Kandidaten“, sagt er. Fast zehn

schädigend auswirkt. Auch die drako-

Jahre sind seit dem letzten nennenswer-

Echte IPO-Killer

nischen Strafen bei Ad-hoc-Pflichtver-

ten Börsengang (IPO) in Wien vergan-

Wien steht als IPO-arme Zone dabei

letzungen gehen ins Eingemachte. „Als

gen. Der IPO der FACC AG im Jahr 2014

nicht allein da. In Europa gingen die Bör-

eine Firma erfahren hat, dass bei Ad-

wird in der Finanzbranche als Flop be-

sengänge 2016 im Jahresvergleich um 14

hoc-Verletzungen oder Marktmanipula-

zeichnet und gern übersehen. Der letzte

Prozent zurück, heißt es in einer Studie

tion bis zu 15 Prozent des Jahresumsatzes

erfolgreiche Börsengang einer Volksak-

der Zürcher Kantonalbank. Das Emis-

schlagend werden, war es aus. Die hät-

tie war jener der Österreichischen Post

sionsvolumen verringerte sich gar um

ten das Ergebnis von sieben Jahren Ar-

AG Ende Mai 2006. Damals gab es noch

51 Prozent. Den letzten Boom erlebte

beit riskiert mit einer Ad-hoc, die zu spät

große Nachfrage aus dem Retailbereich.

die Börse Wien bei Einführung der Zu-

rauskommt“, sagt Artner.

„Die Bedeutung der Privataktionäre ist

kunftsvorsorge 2003 und 2004. Ähn-

Muss man also ein Idealist sein, um

bei Transaktionen seither deutlich zu-

lich den polnischen Pensionsfonds, die

an die Wiener Börse zu gehen? „Einen

rückgegangen, vor allem mit all den

an der Börse Warschau einen wahren

IPO sollte man nicht auf die Verord-

Verpflichtungen und haftungsrelevan-

Investi­tionsboom ausgelöst hatten. Seit

nungen reduzieren. Wer eine spannen-

ten Themen des Beraters“, sagt Günther

in Österreich die Zukunftsvorsorge 2008

de Wachstumsstory erzählen kann, fin-

Artner, Chef des Equity Capital Markets

de facto komplett ausgebremst wurde,

det Investoren. Viele Hidden Champions

der Erste Group Bank AG. In Österreich

gibt es keine lokalen starken Investoren

in Österreich haben derzeit aber keinen

fehle es an der Börsenkultur und am

mehr. Eigentlich fehlt damit auch das

Finanzierungsbedarf“, sagt Christoph

Bewusstsein für die Börse, sagt Ronald

Rational für einen Börsengang. Dabei hat

Moser, Kapitalmarktrechtler der Kanzlei

17


FINANZPLATZ

„Die Vorbereitungen für den IPO laufen.“

„Bedeutung der Privataktionäre ist deutlich ­ urückgegangen.“ z

„Spannende Wachstumsstory findet ­Investoren.“

STEFAN GRUZE

GÜNTHER ARTNER

CHRISTOPH MOSER

Weber&Co. Einige eigentümergeführ-

an die Börse zu bringen. „Wir wollen

„Der Börsenchef muss den Unterneh-

te Unternehmen wollen gar keine Divi-

eine echte Börsenwachstumsstory sein

men aktiv die Angst vor dem Börsen-

dende, weil sie nicht wissen, was sie mit

und uns über Kapitalerhöhungen Geld

gang nehmen. Die lesen doch in der

dem Geld anfangen sollen.

für Projekte holen. 51 Prozent wollen wir

Zeitung laufend von Mifid II, der Markt-

schlussendlich halten“, erklärt Gruze

missbrauchsverordnung und den hor-

seinen langfristigen Börsentraum.

renden Strafen und davon, wie schlecht

Leidenschaftlicher Immobilienplayer Heimische Unternehmen, die mit ei-

In Österreich vermisst Gruze die Be-

das alles für sie ist. Die Aufgabe der Bör-

ner Börsennotierung liebäugeln, sind

geisterung für den Kapitalmarkt. So-

se ist es, diese Angst zu nehmen. Das

rar. Einer, der darauf brennt, sein Un-

wohl auf Anleger- als auch Unterneh-

kann man nur, wenn man rausgeht und

ternehmen an der Börse zu präsentie-

mensseite. Dabei würde es dem Indus-

50 bis 100 Unternehmen im Jahr be-

ren, ist Investmentbanker Stefan Gruze.

triemittelstand schon allein wegen der

sucht. Dann hat man vielleicht ein bis

„Ja, wir beschäftigen uns sehr stark mit

Professionalisierung des Managements

drei Börsengänge pro Jahr. Ich jedenfalls

dem IPO. Die Vorbereitungen laufen.

guttun, einen IPO durchzuziehen. „Man

freue mich auf die Zusammenarbeit mit

Wir tendieren dazu, in den nächsten 24

hat in Österreich immer das Gefühl, es

Christoph Boschan“, sagt Gruze.

Monaten an die Börse zu gehen“, sagt

ist was Negatives, wenn man als kleine-

Der Standpunkt, dass es die Aufga-

der Vorstandschef der Wienwert Hol-

res, mittelständisches Unternehmen an

be der Börse ist, für Nachschub zu sor-

ding AG zu Der Börsianer.

die Börse gehen will“, meint Gruze.

gen, wird vielfach in der Branche vertreten. Börse-Vorstandschef Boschan

Geplant ist eine Notierung mit 50 bis 100 Millionen Euro Marktkapitali-

Erwartungen an die Börse

sieht seine Aufgabe ein wenig anders.

sierung. Wienwert kauft Grundstücke

Vom neuen Börsenvorstand Christoph

„Die Börse ist ein Infrastrukturanbie-

in Stadtentwicklungsgebieten und baut

Boschan würde er sich noch mehr Prä-

ter, wir sorgen für die Überwachung des

dort neue Wohnblöcke mit mindestens

senz bei den Unternehmen wünschen.

Handels und wollen das auch sichtbarer

5.000 Quadratmetern. Die Wohnungen

machen“, sagt Boschan zu Der Börsianer.

zu 30, 45 oder 60 Quadratmetern wer-

An der Infrastruktur liege es nicht, dass

den vermietet und kommen in den Be-

es so wenig Börsengänge gibt. „Öster-

stand. Wienwert spezialisiert sich da-

reich ist das Leitbild des börsennotier-

bei auf leistbaren Wohnbau und lebt

ten Unternehmens abhandengekom-

von den Mieteinnahmen. Seit Anfang

men, da braucht es einen politischen

des Jahres 2017 gibt es im Firmenbuch

Willen, das zu reaktivieren“, schießt

mit der Wien­wert AG ein neues Tochter-

Boschan in Richtung Regierung. Außer-

unternehmen mit fünf Millionen Euro

dem sei momentan keine Zeit für Eigen-

Stammkapital, deren Pipeline mit Pro-

kapitalaufnahme, da man null Prozent

jekten gefüllt wird. Die Tochter soll an

auf Fremdkapital bekomme und sich so

die Börse, während in der Wienwert Hol-

günstig refinanzieren kann.

ding AG die Altlasten gelagert sind, die sukzessive verkauft werden sollen. Die

Noch ein Immobilienkandidat

alte Wienwert AG hatte Probleme und zu

Grundsätzliches Interesse an einem

viele Schulden fürs vorhandene Eigen-

Börsengang hat auch Peter Ulm ange-

kapital.

kündigt. Der Vorstandsvorsitzende des

„Wir haben uns umstrukturiert und

Immobilienunternehmens

ganz bewusst den Transparenzkriterien gestellt“, sagt Gruze. Geplant ist, 15 bis 25 Prozent des Tochterunternehmens

6B47

Real

Estate Investors AG (6B47) hat sich beStruktur. Die „neue“ Wienwert AG soll als Tochter der Wienwert Holding AG an die Börse gebracht werden.

18

reits in den Jahren 2012 und 2015 frisches Geld über zwei Kapitalerhöhun-


FINANZPLATZ

DELISTINGWELLE

FLUCHT VOR HOHEN KOSTEN

M

ehr als 25 Unternehmen haben

Verhältnis ist aus dem Ruder gelaufen“,

dank zweier langfristiger Kernaktionä-

seit der Finanzkrise 2008 ihre

erklärt Vorstandschef Martin Hagleitner

re auf finanziell gutem Fundament. Das

Notierung aus dem geregelten

und spricht damit vielen Unternehmen

Eigenkapital konnte in den vergangenen

Markt der Wiener Börse zurückgezogen.

aus der Seele. Die im Sommer 2016 ein-

Jahren auf mehr als 60 Prozent gesteigert

Das geht aus den Delisting­statistiken der

geführte Marktmissbrauchsverordnung

werden, seit zwei Jahren ist das Unter-

Börse hervor. Zu den prominenten Ab-

und die damit verbundenen drakoni-

nehmen nettobankschuldenfrei. „Will

gängen zählen die Miba AG, Bene AG, A-

schen Strafen bei der Verletzung der Ad-

man den Kapitalmarkt beleben, bräuchte

Tec Industries AG, und die Christ Water

hoch-Meldepflicht haben den Ausschlag

man einen Turnaround in den Köpfen der

Technology AG. Außerdem haben BWT

gegeben. „Bis dahin war alles noch über-

Menschen und flankierende Reformen“,

Technology AG, Schlumberger AG sowie

schaubar, jetzt bindet das einfach zu viel

sagt Hagleitner.

die Austria Email AG einen Börsenrück-

Zeit und Ressourcen“, meint Hagleitner.

zug angekündigt. Ende Februar 2017 wird

Der Asset, bei Ausschreibungen größe-

der letzte Handelstag der ältesten Aktie

rer Industriekunden als börsennotiertes

an der Wiener Börse gekommen sein. Der

Unternehmen zu punkten, sei durch die

Schlussstrich der seit 1873 an der Börse

gestiegenen Kosten zur Einhaltung der

notierten Austria Email AG kommt nicht

neuen Regulierungen nicht mehr gege-

von ungefähr. „Das Kosten-Nutzen-

ben. Noch dazu steht das Unternehmen

Im Gleichklang für ein exzellentes Ergebnis: Kompetenz, Effizienz, Verständlichkeit und Sicherheit.

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„Kosten-Nutzen-­ Verhältnis ist aus dem Ruder ­gelaufen.“ MARTIN HAGLEITNER

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FINANZPLATZ

gen in Höhe von insgesamt 25 Millionen

land aktiv. Realisiert werden dabei ne-

Noch sind 60 Prozent des Geschäfts

Euro geholt. Im ersten Halbjahr 2017 will

ben Wohnhäusern und Büros auch Ge-

auf Österreich und 40 Prozent auf

Ulm den Kapitalmarkt über ein Private

werbe- und Hotel­ immobilien. Die Ei-

Deutschland beschränkt, das soll sich

Placement erneut anzapfen. „Die Kapi-

genkapital-Finanzierung kommt von

langfristig drehen. „In Deutschland

talerhöhung wird einen hohen zweistel-

6B47 und von 200 Geschäftspartnern

ist sehr viel mehr Geschäftsvolumen

ligen Millionenbetrag ausmachen und

aus dem hauseigenen Real Estate Club,

abschöpfbar, wir werden dort in den

deutlich über den 25 Millionen Euro lie-

die sich je nach Lust und Laune Projek-

nächsten Jahren stärker wachsen“, sagt

gen“, sagt Ulm. Der Projektentwickler

te aussuchen, diese mitentwickeln und

Ulm. Zum IPO selbst würden noch ein

ist vor allem in Österreich und Deutsch-

dann beim Verkauf mitschneiden.

bis zwei Wachstumsschritte fehlen.

BÖRSENGANG

VISIONEN GREIFBAR MACHEN

D

er abgesagte Börsengang der Varta AG in Frankfurt kurz vor Weihnachten hat einige Fragen

aufgeworfen. Mögliche Gründe für das Scheitern gibt es einige: Einen Börsengang im vierten Quartal zu machen wird

Geschäftsführer von Scholdan & Com-

„Geplanten ­Börsengang nicht hinausposaunen.“

pany. Besonders in Österreich wird jeder

BERNHARD GRABMAYR

ben, wenn man vorher nicht an die Öf-

potenzielle Börsengang, weil selten, mit Argusaugen betrachtet. Es ist bei weitem besser, einen Börsengang zu verschie-

von Finanzberatern als extrem riskant

fentlichkeit gegangen ist, anstelle zu-

beurteilt. Viele institutionelle Investo-

sätzlich noch medial zu scheitern. Nach

ren haben da bereits ihr Budget verplant.

rüberkommen und mit Zahlen und Fak-

dem Börsengang sollte man nicht auf

Oft ist es auch die fehlende langfristige

ten hinterlegt sein“, sagt Walter Müller,

die Kommunikation vergessen. „Die Of-

Wachstumsfantasie oder ein sich plötz-

Partner der Wirtschaftsprüfungskanzlei

fenheit gegenüber Partnern in Aktiona­

lich verschlechterndes Makroumfeld,

Deloitte Österreich.

riat und Kapitalmarkt sind mitunter die

das dem IPO einen Strich durch die Rech-

wichtigsten Ingredienzen für einen er-

nung macht. Das Geld der Investoren ist

Vorlaufzeit

grundsätzlich da. Wer dezidierte Projek-

„Börsengänge haben Vorlaufzeiten von

te für Investoren greifbar machen kann,

einigen Monaten. Da muss die Firma

Leadbanken

hat schon die halbe Miete verdient. Was

aber schon intern punkto Controlling,

Internationale Banken im Syndikat hö-

muss ein Unternehmen für einen Bör-

Corporate Governance und Compliance

ren sich zwar gut an. Es ist allerdings ein

sengang mitbringen? Der Börsianer hat

vorbereitet sein“, sagt Günther Artner,

Irrglaube, dass diese Banken den Deal

sich umgehört.

Chef des Equity Capital Markets der Erste

auch verkaufen können. Bei fast jeder

Group Bank AG. Mit der Berichtspflicht

Transaktion spielen die regionalen Ban-

Wachstumsfantasie

kommen viele Unternehmen nicht zu-

ken im Verkauf die entscheidende Rol-

Weltmarktführer zu sein reicht nicht

recht. „Die Umstellung auf IRFS-Re-

le, bekommen aber oft weit weniger an

aus, um erfolgreich an der Börse zu re-

porting muss zwei, drei Jahre vor dem

Fees bezahlt. Großbanken wie Goldman

üssieren. Es ist viel mehr die Vorberei-

Börsengang durchgeführt werden, damit

Sachs, JP Morgan, UBS oder auch Mor-

tung auf den IPO, die oft erheblich un-

man eine Reportingroutine bekommt.

gan Stanley wickeln wöchentlich parallel

terschätzt wird. Das Wichtigste ist die

Das Unternehmen muss das leben“, sagt

20 Deals ab. Eine österreichische Bank

Wachstumsfantasie, die jeder Kandidat

Deloitte-Partner Müller. Die Anforde-

arbeitet maximal an zwei Deals parallel

in eine Story verpacken muss. Der Inves-

rungen an das interne Rechnungswesen

und wird alles Menschenmögliche in Be-

tor muss wissen, wofür er sein Geld auf

sind bei einem IPO ungleich höher.

wegung setzen, um diesen Deal zu ver-

folgreichen IPO“, sagt Grabmayr.

kaufen. Ein guter Mix ist also ausschlag-

den Tisch legen soll. „Weltmarktführer hört sich zwar gut an, aber wo will der

Kommunikation

gebend für den Erfolg, vor allem dann,

noch hinwachsen? Wachstum über Jah-

„Wenn man an die Börse gehen will,

wenn alle das Gleiche bezahlt bekom-

re hinaus ist für Investoren extrem wich-

sollte man das nicht hinausposaunen.

men. In Österreich gibt es mit der Ers-

tig. Denn das bedeutet Rendite und Di-

Man gibt sonst das Gesetz des Handelns

te Group Bank AG und der Raiffeisen-

videnden. Der Prospekt muss prickelnd

aus der Hand“, rät Bernhard Grabmayr,

Gruppe nur noch zwei Leadbanken.

20


FINANZPLATZ

Einer der heißesten Börsenkandida-

waren es nur 167 Millionen Euro. Stillge-

sennotierung vertreibt, plant heuer über

ten der vergangenen Jahre ist indes ab-

legte IPO-Pläne gibt es auch bei Vienna

eine Crowdfundingkampagne eine Kapi-

gesprungen.

House, das bis Jänner 2016 noch als Vi-

talerhöhung in der Höhe von 1,1 Millio-

enna International Hotelmanagement

nen Euro. Dazu bietet die Oekostrom AG

Rien ne va plus

AG firmierte. Hier war ein Börsengang

Aktien im Wert von 95 Euro für beste-

„Es gibt derzeit im Hause Swarco kei-

für 2018 in Aussicht gestellt worden. Der

hende Aktionäre, von 100 Euro für Neu-

nerlei Planungen für einen Börsengang“,

harte Kurs des ehemaligen Vorstands-

aktionäre. Derzeit zählt die Oekostrom

heißt es aus dem Unternehmen, das zu

chefs Andreas Karsten wurde unter Ru-

AG 1.900 Aktionäre, der Großteil davon

100 Prozent Manfred Swarovski und des-

pert Simoner aufgeweicht, der seit Sep-

sind Kleinaktionäre.

sen Privatstiftung gehört. Der IPO wur-

tember 2014 das Unternehmen leitet.

Für neue IPOs an der Wiener Börse

de bei der Swarco AG durchaus konkret

Simoner konzentriert sich darauf, die

braucht es also mehr als ein freundliche-

als Finanzierungsvariante diskutiert. In

Marke Vienna House in der Öffentlich-

res Investitionsklima. Auf jeden Fall feh-

den vergangenen elf Jahren hat sich das

keit bekannter zu machen. Großaktio-

len noch konkrete „Incentives“ von der

Unternehmen, das unter anderem Ver-

näre bei Vienna House sind die Amber-

Politik. Ein Weckruf könnte die geplan-

kehrssicherheitssysteme und -produkte

und die Bocca-Privatstiftung, hinter de-

te Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft

entwickelt, aber aus eigenem Cashflow

nen der Warimpex-Vorstand Franz Jur-

sein, mit der mittelständische Unterneh-

sowie Kapital im Umsatz mehr als ver-

kowitsch sowie Georg Folian stehen.

men kapitalmarktfit und dann an die Bör-

dreifacht. Ein Börsengang wurde damit

Es geht aber auch anders. Das Regel-

se gebracht werden. Auch steigende Zin-

aus finanziellen Gesichtspunkten obso-

werk verhindert zwar einen Börsengang

sen würden die Lage verändern. Vorerst

let. 2016 wird der Umsatz voraussicht-

der Oekostrom AG. Das Unternehmen,

heißt es abwarten und das derzeit mäßige

lich 600 Millionen Euro betragen, 2005

das Aktien im Eigenhandel ohne Bör-

Momentum der Börse akzeptieren. n

Arbeitsplätze schaffen.

Österreichs Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt! Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss

www.iv-net.at


RENDITE

RENDITE VERANLAGUNG WIENER BÖRSE ENTWICKLUNG (YTD) DER INTERNATIONALEN AKTIENMÄRKTE IM VERGLEICH ZUR WIENER BÖRSE 26,00 % 24,00 % 22,00 % 20,00 %

EMERGING MARKETS

18,00 % 16,00 % 14,00 %

OSTEUROPA

12,00 % 10,00 % 8,00 %

USA

6,00 % 4,00 % 2,00 % 0% –2,00 % –4,00 % –6,00 % –8,00 %

EUROPA

ATX (ÖSTERREICH) STOXX EASTERN EU TM (EUR)

JAN.

FEB.

MÄR.

APR.

MAI

JUN.

JUL.

AUG.

–12,00 %

STOXX EUROPE TM (EUR)

ÖSTERREICH (ATX)

SEP.

OKT.

–10,00 %

STOXX US TM (EUR)

–14,00 %

STOXX EM TM (EUR)

–16,00 %

NOV.

DEZ.

31.12.

Rakete. Die Aktien in Osteuropa haben seit Dezember eine ordentliche Rallye hingelegt und im Jahresvergleich alle anderen ­Indizes deutlich geschlagen. Die Aktien im ATX konnten davon profitieren. US-Aktien haben zuletzt korrigiert, die Emerging Markets stehen in den Startlöchern.

ATX MIT RÜCKENWIND KOLUMNE

Das kommende Quartal wird einen Risikoabgleich bezüglich der zu erwartenden Jahreshöhepunkte abbilden. Brexit, Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden genauso wie die geopolitischen Rollen Russlands, Syriens und der Türkei sind hier anzuführen. Dazu kommt noch eine Neuordnung der Banken in Italien samt Neuwahlen. Es gesellt sich aber ein immer stärkerer Konjunkturmotor innerhalb

WOLFGANG MATEJKA Geschäftsführer Matejka & ­Partner Asset Management

der EU dazu. Dieser entsteht aus Währungseffekten (US-Dollar) genauso wie aus Erfolgen von Restrukturierungen und Know-how-Gewinnen. Die Unternehmensergebnisse haben bereits 2016 gezeigt, dass sich Europas Unternehmen den schwierigen Marktbedingungen sehr gut anpassen können. Ergänzend zeigt die Entwicklung der Inflation auf dem Globus aber eben auch in Europa in den vergangenen Monaten überraschende Anstiege. Deren Effekte muss man bei Zinsen, Renditen, aber auch bei Rohstoffpreisen und beim Gewinnwachstum generell berücksichtigen. Es dürften daher die Aktienmärkte begünstigt bleiben, da deren Konjunktursensitivität dem aktuellen Umfeld am besten entspricht. Die Rolle der Notenbanken wird sich voraussichtlich immer mehr in den Hintergrund verschieben. Am Rentenmarkt ist deshalb mit Korrekturen beziehungsweise Konsolidierungsphasen diametral zur Inflationsentwicklung zu rechnen. Der österreichische Aktienmarkt müsste von diesen Entwicklungen recht positiv betroffen sein, da er neben dem starken Gewinnwachstum auch von einem sich verbessernden Sentiment gegenüber Russland und Osteuropa profitiert. Die bekannten Parameter Marktposition und Gewinnwachstum im Verein mit ansprechender Dividendenpolitik sollten für individuellen fundamentalen Rückenwind sorgen.

22


RENDITE

MARKTMEINUNGEN AUSBLICK DER ÖSTERREICH-FONDS-MANAGER

Roland Zauner Fondsmanager Kepler Österreich Aktienfonds Kepler Fonds KAG

Christoph Stangelberger Fondsmanager Allianz Invest Austria Plus Allianz Invest KAG

Wie bewerten Sie das aktuelle Marktumfeld? - Gerade in Österreich

Wie bewerten Sie das aktuelle Marktumfeld? - Österreichs Aktien­

sind sehr viele Aktien aus Finanz, Industrie und Rohstoffen no-

markt wurde aufgrund seiner Nähe zu Osteuropa von vielen

tiert, die in den vergangenen Jahren nicht gut gelaufen sind.

Marktteilnehmern negativer als die „Developed Markets“ be-

Diese Aktien haben zuletzt wieder kräftig angezogen. Das wird

wertet. Mit steigenden Ölpreisen änderte sich das. Das aktuelle

sich weiter positiv auf den ATX auswirken.

Marktumfeld bewerten wir durchwegs positiv.

Welche Branchen favorisieren Sie, was sind Ihre Toppositionen? -

Welche Branchen favorisieren Sie, was sind Ihre Toppositionen?

Zyklischer Konsum, Industrie und Finanzwerte stehen im Vor-

- Der Finanzsektor wird von der steileren Zinskurve profitie-

dergrund. Nach Jahren, in denen defensive Aktien gut abge-

ren. Die Reduktion des Überangebots am Ölmarkt wird Unter-

schnitten haben, hat sich Mitte 2016 das Blatt gewendet. Nun

nehmen wie die OMV AG begünstigen. Auch für Energieversor-

haben günstig bewertete zyklische Aktientitel die Führungsrol-

ger wie EVN AG stehen die Zeichen gut. Zu meinen drei Top-

le übernommen. Potenzial sehe ich bei der Porr AG, bei Mayr-

positionen zählt Strabag SE, die von Konjunkturprogrammen in

Melnhof und bei der Kapsch Trafficcom AG, die im Fonds relativ

Deutschland profitieren wird. Bei AT&S AG könnte der stärke-

zum ATX stärker gewichtet sind. Aber auch eine AMS hat durch-

re US-Dollar die Unternehmensgewinne 2017 verbessern. Auch

aus Potenzial.

die RBI hat trotz Anstiegs von zuletzt elf Prozent noch Potenzial.

BÖRSENRADAR AKTIENENTWICKLUNG DER NÄCHSTEN SECHS MONATE

POSITIV

EXKLUSIV E G A R F M U

+ 80 PUNKTE [MAXIMUM +100] BENCHMARK

+24,4 PKT

NTX (CEE)

+ 70

+20,0 PKT

ATX (AUT)

+ 60

+ 50

+ 40

+ 30

DEZ. 15

JÄN. 16

FEB. 16

MÄR. 16

MAI 16

JUN. 16

JUL. 16

AUG. 16

SEP. 16

OKT. 16

NOV. 16

80,0

70,0

55,6

50,0

33,3

50,0

75,0

75,0

27,2

16,7

75,0

53,8

53,3

57,2

26,2

37,4

APR. 16

0,0

13,3

68,6

58,8

36,9

38,9

10,6

17,6

52,5

0

45,0

+ 10

DEZ. 16

0

NEGATIV – 10 PUNKTE [MAXIMUM –100]

Jahreshoch. Die Investorenstimmung für den ATX hat sich deutlich gebessert. Im Dezember 2016 stieg das Segment auf 80 Punkte. Auch die CEE-Region zeigt positive Impulse und erreicht 70 Punkte. Damit verfehlt sie ein Jahreshoch nur knapp.

23

DIFFERENZ

QUELLE: CEE ZEW-ERSTE GROUP INDIKATOR

+ 20


RENDITE

PORTFOLIO ERICH STADELBERGER

„HABEN BEI AKTIEN EHER EINE WETTE AUF EUROPA“ Der Oberbank-Banker rechnet mit sechs bis acht Prozent Rendite auf den Aktienmärkten. TEXT INGRID KRAWARIK

→ VITA ERICH STADLBERGER LEITER PRIVATE BANKING & ASSET MANAGEMENT OBERBANK AG

Der begeisterte Rennradfahrer (49) arbeitet nach dem Motto „Einmal Oberbank, immer Oberbank“. Vor 28 Jahren begann er in der Aktienanalyse und übernahm schließlich 2006 die Leitung des neugegründeten Private Bankings. Eine Fernreise pro Jahr muss sein, auch ein gutes Buch lockt ihn ab und zu. Seine Kollegen beschreiben ihn als gewissenhaften, hart arbeitenden Banker aus Leidenschaft. Der Familienvater feiert heuer seinen 50. Geburtstag.

ASSET-ALLOCATION

Welche Marktgeschehnisse beeinflussen

Welche Erwartungen setzen Sie in den Ak-

Ihre Anlageentscheidungen? – Wir ha-

tienmarkt? – Ich rechne mit sechs bis

ben heuer drei Blöcke auf der Agenda.

acht Prozent Gewinnzuwachs übers Jahr

Zum einen gibt es große Wahltermi-

gesehen. Mit den politischen Börsen

ne in Frankreich, Indien und Deutsch-

wird es weitergehen, auch China ist im-

land. Die Themen Frankreich und EU-

mer für Turbulenzen gut. Grundsätzlich

Austritt werden uns noch beschäftigen,

haben wir in unseren Portfolios eher

ich glaube aber nicht, dass das passie-

eine Wette auf Europa, die Emerging

ren wird. Trotzdem ist es spannend, in

Markets sind Wackelkandidaten, weil

welche politische Richtung sich Euro­

die bei möglichen Zinsanstiegen Prob-

pa dreht. Grundsätzlich wird Europa

leme bekommen könnten.

von vielen internationalen Investoren skeptisch betrachtet. Der Chefstratege

42,25 % 33 % 10 % 5,25 % 5 % 4,5 %

von JP Morgan hat gemeint, hier geht nichts weiter, man würde in Europa nur streiten. Ich sehe das vielleicht nicht ganz so negativ. Die Arbeitslosenzahlen in der EU sind wieder unter zehn Pro-

Aktien Anleihen Gold Rohstoffe Immobilien Liquide Mittel

Wie viel Fremdwährungsanteil haben Sie im Portfolio? – Wir sind zu 65 Prozent in Euro investiert, also entfällt etwa ein Drittel auf Fremdwährungen, davon hochgradig US-Dollar-Investments.

zent. Und drittens wird natürlich span-

AKTIEN

Gibt es Veränderungen beim Kundenver-

nend, was die Notenbanken vorhaben.

halten im Private Banking? – Ich beob-

Insbesondere die EZB, vor allem in Hinblick auf die Inflationszahlen. Könnten steigende Zinsen den Aktienmarkt drücken? – Wenn die Zinszyklen auf niedrigem Niveau drehen, ist der Schaden für den Aktienmarkt weitaus geringer. In den USA haben sich die Märkte auf die veränderten Zinsen bereits eingestellt. In puncto US-Wirtschaftspolitik tappen wir im Dunkeln, die Trump-Rallye wird sich aber, glaube

19 % Europa 17,75 % Amerika 4,2 % International 1,3  % Österreich 0 % Emerging Markets

Gelassenheit agieren, die Risikoquoten wurden aber wenn, dann nur leicht erhöht. Auf der Rentenseite ist der Lei-

ANLEIHEN

achte schon, dass Kunden mit größerer

26 % Euro-Anleihen (Investment-Grade) 4 % Emerging-Markets-Anleihen mittels Fonds 3 % Inflationsanleihen mittels Fonds 0 % Euro-Hochzinsanleihen 0 % Staatsanleihen QUELLE: OBERBANK AG, AUSGEWOGENES PORTFOLIO

ich, fortsetzen.

densdruck nicht so groß, weil viele länger dabei sind und die Klientel dadurch gut aufgestellt ist. Welche Schwerpunkte setzen Sie? – Wir haben bereits 2016 begonnen, inflationsgeschützte Anleihen zu kaufen, die gab es da zu vernünftigen Preisen, weil sie nicht in Mode waren. n

24


So ein Streber. 2014, 2015, 2016 und 2017 Klassenbester: Die KEPLER-FONDS Kapitalanlagegesellschaft wurde erneut für ihre hochwertige Produktpalette ausgezeichnet. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland zählt die Tochter der Raiffeisenlandesbank OÖ das vierte Jahr in Folge zu den herausragenden Vermögensverwaltern. Setzen Sie auf ausgezeichnete Geldanlage mit KEPLER-Fonds. Mehr unter www.kepler.at Diese Marketingmitteilung stellt kein Angebot, keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung, Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf oder Finanzanalyse dar. Sie ersetzt nicht die Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenberater. Angaben über die Wertentwicklung beziehen sich auf die Vergangenheit und stellen keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung dar. Der aktuelle Prospekt (OGAW) sowie die Wesentlichen Anlegerinformationen – Kundeninformationsdokument (KID) sind in deutscher Sprache bei der KEPLER-FONDS Kapitalanlagegesellschaft m.b.H., Europaplatz 1a, 4020 Linz, den Vertriebsstellen sowie unter www.kepler.at erhältlich.

www.kepler.at


IMMOBILIEN

1.

MARKTUMFELD Immobilieninvestments sind als Alternative zu mickrig verzinsten Anleihen in den Fokus gerückt. In einigen Großstädten Europas führt dies zu erheblichen Überbewertungen.

→ SEITE 28

2.

VERANLAGUNG Der gewerbliche Immobilienmarkt ist das neue Liebkind der Investoren. Fondsmanager rechnen sich über Immobilien­ aktien oder offene Immobilienfonds hohe Wachstumschancen aus.

→ SEITE 30

3.

INTERVIEW Die Trendwende in Osteuropa sei spürbar, sagt der Chef des Immo­ bilien­unternehmens S Immo AG, Ernst Vej­ dovszky. Die Übernahme der S Immo AG sei eine Preisfrage. Boom. Der Bauboom ist ungebrochen. Internationale Investoren und Fonds kaufen vor allem im Gewerbeimmobilienbereich zu.

→ SEITE 32


IMMOBILIEN REALE RENDITEN

Das anhaltende Zinstief in Europa treibt auch die Immobilienpreise in immer neue Höhen. Wertsteigerungen und Mieteinnahmen stehen meist im Vordergrund. Doch inzwischen mahnen Experten vor den ersten Anzeichen einer Überhitzung und gehen zunehmend selektiv bei ihren Investments vor.

© KURT MOLZER / PICTUREDESK

TEXT RAJA KORINEK


RENDITE

Preisniveau. Die Lage macht beim Bau von Gewerbe­ immobilien den entscheidenden Unterschied.

© FOLTIN JINDRICH / „WIRTSCHAFTSBLATT“ / PICTUREDESK

BRÖCKELT­ BETONGOLD BALD? Europas Immobilienpreise haben in den vergangenen Jahren rasant zugelegt. Während im Wohnbereich nur noch selektive Chancen gesehen werden, holt der Hotelsektor ­inzwischen stark auf. TEXT RAJA KORINEK

A

uf der Suche nach Alternativen

offen. „Ob die positive Entwicklung im

gestiegen sind. Wer heute in den Wohn-

zu mickrig verzinsten Anlei-

derzeitigen Zyklus weitere sechs Mona-

bereich einsteigen wolle, der könne laut

hen rückten Immobilieninvest-

te oder zehn Jahre andauert, lässt sich

Schlüter mit einer Marge von zehn bis

ments zunehmend in den Fokus. Und

aufgrund der besonderen geldpoliti-

15 Prozent auf Investitionskosten für

das heizte die Preise kräftig an. Allein

schen Konstellation nach der Finanzkri-

Projektentwicklungen oftmals nur bei

die jüngste Auswertung des UBS Global

se schwer voraussagen“, meint Christi-

einem frühzeitigen Einstieg rechnen,

Real Estate Bubble Index deutet bei den

an Schlüter, Partner bei Victoriapart-

müsse dafür aber ein höheres Risiko bei

Wohnungspreisen in einigen Großstäd-

ners. Die Investmentbanking-Boutique

der Schaffung von Planungs- und Bau-

ten auf eine erhebliche Überbewertung

aus Frankfurt ist auf die Beratung von

recht in Kauf nehmen. Entscheidend

- auch in zahlreichen Metropolen Eu-

Unternehmen

deutschsprachigen

seien nebst den Kosten für das Grund-

ropas. UBS-Ökonom Matthias Holzhey:

Immobiliensektor spezialisiert. Den-

stück auch etwa jene für die Bauleistung,

„Die Situation in den am stärksten über-

noch beobachtet der Experte, dass po-

die Zwischenfinanzierung sowie erfor-

bewerteten Wohnungsmärkten ist fra-

tenzielle Verkäufer von Bestandsimmo-

derliche Planungs- und Beratungsleis-

gil.“ Eine deutliche Steigerung des An-

bilien und Projektentwicklungen inzwi-

tungen. Bei reinen Bestandsimmobi­lien

gebots sowie höhere Zinsen oder Verän-

schen allmählich verkauften. „Sie wis-

sei hingegen, ein entsprechender In-

derungen der internationalen Kapital-

sen, dass die Preise auch in besonders

vestitionshorizont vorausgesetzt, pri-

flüsse könnten „eine erhebliche Preis-

nachgefragten Städten nicht ewig stei-

mär der Einstandspreis für die Erzielung

korrektur auslösen“.

gen können.“

einer attraktiven Gesamtrendite ent-

im

Das trifft vor allem auf Deutschland,

scheidend.

Ende der Fahnenstange

Österreich und die Schweiz zu, da Bau-

Auch in Österreich hat es starke

Wann die Korrektur bei europäischen

kosten, vor allem aber die Grundstücks-

Preisanstiege im Wohnbereich gegeben,

Wohnimmobilien eintritt, bleibt freilich

preise in den vergangenen Jahren stark

zeigt Georg Fichtinger, Head of Invest-

28


RENDITE

ment Properties, Austria, bei CBRE auf:

te, der Quotient der gesamten Mietein-

träge seien langfristig ausgelegt mit gut

„Allein in Wien kostete vor zehn Jahren

nahmen, dividiert durch den Nettokauf-

kalkulierbaren Einnahmen. Auch in Po-

der Quadratmeter in guten Lagen rund

preis. Berücksichtigt man dann noch die

len forciert die UBM die Hotelentwick-

dreitausend Euro, wo es nun bis zu sie-

Bezahlung der Erwerbsnebenkosten wie

lung. Wobei in der CEE-Region insge-

bentausend Euro sind.“ Bei klassischen

Grunderwerbssteuer sowie die Eintra-

samt reichlich Aufholpotenzial gesehen

Zinshäusern könnte wohl der Zenit er-

gungsgebühr und reduziert den Mieter-

wird, weshalb einige Fondsmanager nun

reicht sein, so Fichtinger. Anders beim

trag rechnerisch um die - beim Vermie-

mit dieser Region liebäugeln.

großvolumigen Wohnungsneubau, wo

ter verbleibenden - Instandsetzungs-

Eine Blase befürchten Experten zu-

es auch zunehmend Interesse von aus-

kosten, ergibt sich eine Nettorendi-

mindest im gewerblichen Bereich nicht.

ländischen Investoren gebe.

te von rund 3,5 Prozent bis 3,6 Prozent,

Dazu sei laut Fichtinger die Differenz bei

so Fichtinger. Günstiger ist der „Share

den Renditen zwischen sehr guten und

Gewerbeimmobilien gefragt

Deal“, bei dem der Investor eine Gesell-

weniger attraktiven Bürolagen zu groß.

Inzwischen rücken seit der Krise von

schaft kauft, in der die zu erwerbende

Gab es 2008 praktisch fast keinen Un-

2008 ohnedies die europäischen Gewer-

Immobilie geparkt ist. Dann fallen im

terschied, liegt aktuell die Differenz

beimmobilien in den Investorenfokus.

optimalen Fall diese Transaktionskos-

bei 150 bis 200 Basispunkten, rechnet

Allein bei einem Bürodeal gibt es dabei

ten weg.

Fichtinger weiters vor.

bilie in einer guten Lage ist und dass ein

Nächtigung als neues Geschäftsfeld

% MEINE RENDITE

möglichst hoher Vermietungsstand ge-

Zunehmend werden auch Chancen in

Europas Immobilienpreise haben in

geben ist. „Dann lassen sich die besten

der Hotelentwicklung genutzt. Thomas

den vergangenen Jahren vor allem

Preise am Markt durchsetzen“, erklärt

Winkler,

der

in Deutschland, Österreich und der

Fichtinger. Die von Institutionellen ge-

UBM Development AG (UBM): „Die An-

Schweiz kräftig zugelegt. Angesichts der

haltenen Immobilien werden zudem

lageklasse wurde lange unterschätzt, der

mickrigen Anleiherenditen machen sich

jährlich von einem Gutachter bewertet.

Aufholbedarf ist enorm.“ Derzeit entwi-

immer mehr Großanleger auf die Suche

Entscheidend ist weiters die Bonität der

ckelt die UBM zehn Hotels, wovon allein

nach Alternativen, auch in der Welt der

Mieter, aber auch eine moderne Gebäu-

im November 2016 an Amundi Real Es-

Realitäten. Das hat allein bei den Grund-

dequalität sowie die Laufzeit der Miet-

tate im Quartier Belvedere Center zwei

stückspreisen vor allem für Wohnpro-

verträge.

Hotels vor deren Fertigstellung ver-

jekte zu enormen Anstiegen geführt.

Die aktuelle Spitzenrendite bei der

kauft wurden. Was Investoren bei Ho-

Das ist freilich mit ein Grund, weshalb

Lage rund um Wien-Mitte als Referenz

telinvestments besonders gefalle, sei die

Experten derzeit die interessanteren

liegt derzeit bei rund vier Prozent. Da-

Kontinuität, meint Winkler. Meist blie-

Chancen bei Gewerbeimmobilien sehen

bei handelt es sich um die Bruttorendi-

ben die Sterneklassen gleich. Mietver-

- zunehmend auch in der CEE-Region. n

einiges zu beachten, etwa ob die Immo-

Vorstandsvorsitzender


RENDITE

Portfolio. Union Investment erwarb das Büro­ gebäude Doppio Offices im Stadtentwicklungs­ gebiet „Neu Marx“ für ihren Immobilienfonds.

REALE RENDITEJÄGER

© ANNABLAU/UBM

Weitere Wachstumschancen rechnen sich Europas

W

er in der Welt der Immobilien­

gelegt wurde der Fonds 2007 mit dem

investments mitmischen will,

Schwerpunkt auf osteuropäische Gewer-

der muss die Märkte freilich

beimmobilien. Mehr als die Hälfte des

gut im Auge behalten - und bei offe-

Fonds ist derzeit in Kroatien, fast 40 Pro-

nen Immobilienfonds genau auf die ein-

zent sind in Tschechien investiert. „Die

zelnen Objekte schauen. Im Real Invest

Büromieten sinken in diesen Regionen,

Austria (ISIN AT0000634365) etwa hat

auch wenn unsere Objekte gut ausgelas-

ob in Form von Direkt­

man den klaren Fokus auf Wohn- und

tet sind“, so Czapek. Deshalb stehe die

investments oder mittels

Infrastrukturimmobilien in Wien und in

Stabilisierung des Portfolios im Vorder-

Graz gesetzt. Gut 70 Prozent des Fonds

grund, Zu- oder Verkäufe seien derzeit

sind darin investiert, wobei nur Mietob-

nicht geplant.

Fondsmanager vor allem am gewerblichen Immo­ bilienmarkt aus, einerlei

Immobilienaktien. TEXT RAJA KORINEK

jekte infrage kommen. Deshalb stammten auch „80 Prozent der Wertentwick-

Deutschland bleibt im Fokus

lung des Fonds aus Mieteinnahmen“,

Anders

erklärt Real-Invest-Vorstand Peter Cza-

(AT0000615158) der Semper Constantia

pek. Insgesamt liegen die Renditeerwar-

Immo Invest. Hier hat man allein 2016

tungen für den Fonds jährlich zwischen

den Bestand deutlich ausgebaut, betont

2,4 und 3,25 Prozent.

Geschäftsführer

Der

Real

Invest

bei

der

SemperReal

Alexander

Estate

Budasch:

Europe

„Der Investitionsschwerpunkt liegt auf

(AT0000A001P8) kämpft aktuell hinge-

mittelgroßen Gewerbeimmobilien in den

gen mit einem schwierigen Umfeld. Auf-

Großstädten Deutschlands, wobei dort

30


RENDITE

„Solange diese Renditen gemächlich zu-

gut hinterfragen, ob etwaige Unter- oder

legen, ist es ein Zeichen dafür, dass das

Überbewertungen

Vertrauen in die Wirtschaft wieder steigt

en, verweist Rainer auf die Analysemög-

und Anleger sich aus dem sicheren An-

lichkeiten. Auch diene der NAV bei einer

leihehafen herauswagen.“ Das käme

Übernahme als gute Orientierungshilfe:

auch der Immobilienwirtschaft zugute.

„Eine Übernahme etwa der Buwog müss-

Dennoch, rund sechs Prozent des Port-

te mit einem Aufschlag von mindestens

folios sind in europäische Immobilien-

20 Prozent auf den NAV erfolgen“, rech-

aktien investiert. „Sie können rasch an

net Rainer konkret vor. Der „Funds from

der Börse verkauft werden. So wollen wir

Operations“ (FFO) sei weiterer ein wich-

einen Liquiditätsengpass vermeiden“,

tiger Indikator dafür, wie viel Cashflow

meint Seksig.

ein Unternehmen erzielen könne. Der

gerechtfertigt

sei-

„Loan-to-Value“ zeige wiederum an,

Immobilienaktienfonds als Alternative

wie hoch ein Unternehmen verschuldet

Beim Pan European Properties E ­quity

sei, erklärt Rainer: „Während der letz-

Fund (LU0088927925) von Henderson

ten Immobi­ lienblase lag die Kennzahl

Global Investors räumt man hingegen

im Schnitt bei 70 Prozent.“ Ein gesundes

Aktiengesellschaften von Wohnimmobi-

Niveau, so Rainer, das liege aber vielmehr

lienanbietern gutes Potenzial ein: „Städ-

bei rund 50 Prozent.

te wie Berlin wachsen weiter, weshalb

Neben Fonds und Aktien lässt sich das

das aktuelle Angebot an Wohnraum nicht

Thema Immobilien auch über Zertifika-

ausreicht und aufgrund einer zu niedri-

te spielen. So vereint der Immobasket 2

gen Neubauquote zu steigenden Mieten

(RCB000000195) fünf Immobilienaktien,

führt“, erklärt Portfoliomanager Nicolas

aber auch auf Flow-Produkte auf Ein-

Scherf. Nicht ohne Grund zählen deshalb

zeltitel wie Buwog (AT0000A1LN20), CA

Titel wie Deutsche Wohnen oder LEG

Immobilien Anlagen AG (AT0000A1JK74)

Immobilien zu den größten Positionen.

oder auch Vonovia SE (AT0000A1RSN7)

Auch der gewerbliche Bereich darf frei-

stehen Anlegern offen. Institu­ tionelle

lich nicht fehlen, wobei etwa „der spani-

Kunden, die große Volumina handeln

sche Markt nach der schweren Krise wie-

wollen, müssten das über eine „Working

wiederum nur in Toplagen oder Objek-

der interessant ist, da sich die Wirtschaft

Order“ machen. „Je nach Liquidität der

te mit langfristigen Mietern investiert

erholt, Unternehmen wieder expandie-

Aktie wird das dann in das Zertifikat hin-

wird.“ Doch auch die Diversifizierung

ren und die Nachfrage nach Büroraum

eingehandelt“, sagt Heike Arbter, Leite-

steht im Vordergrund. Budasch: „Zuletzt

steigt“. Deshalb halte man auch eine

rin der Strukturierten Produkte der Raiff-

wurde ein Schwerpunkt auf Bürogebäu-

­Position in der spanischen Inmobiliaria

eisen Centrobank AG.

de mit langfristigen öffentlichen Mietern

Colonial.

und vereinzelt auf Hotels gesetzt.“

Im

European

Property

Fund

% MEINE RENDITE

Wobei: Ein Investment in die Näch-

(AT0000500285) der Wiener Privatbank

Für Investoren, die kein ganzes Immo-

tigung lockt auch andere Fondsmana-

SE nehmen gleich zwei heimische Ak-

bilienportfolio erwerben wollen, bie-

ger an. Im Vorjahr kaufte der OPCIMMO

tien mit der S Immo AG und der CA Im-

ten sich zahlreiche Chancen mit offe-

(FR0011066802) von Amundi Immobilier

mobilien Anlagen AG die größten Positi-

nen Immobilienfonds oder Immobilien­

Hotels in Österreich und in Frankreich.

onen ein. Bei beiden überzeuge das Ma-

aktienfonds. Ersteres Produkt veran-

Der Großteil des Fondsvermögens ist aber

nagement, meint Fondsmanager Flori-

lagt das Vermögen direkt in Immobilien

in Büros investiert, allen voran in Frank-

an Rainer. Der Hauptfokus liegt jeweils

oder in Gesellschaften, in denen Realitä-

reich. Fondsmanager David Seksig: „Das

auf dem gewerblichen Bereich, „auch in

ten geparkt sind. Das bringt bescheidene

Marktsegment ist sehr groß, somit gibt

Osteuropa. Gerade in dieser Region lich-

Wertzuwächse, sie sind dafür aber meist

es reichlich interessante Gelegenheiten.“

tet sich der Ausblick.“ Das sei schließlich

stetiger, da es keine täglichen Börsen-

Steigende Anleiherenditen dürften

bisher mit ein Grund gewesen, weshalb

schwankungen gibt. Immobilienaktien

diese auch nicht zunichtemachen, selbst

die zwei heimischen Aktien unter ihrem

bieten hingegen alle Chancen - und Risi-

wenn für manche Investoren Anleihen

Net Asset Value (NAV) oder Buchwert no-

ken - eines Börseninvestments, freilich

damit wieder attraktiver werden. Seksig:

tierten. So könne man anhand des NAV

inklusive der Chance auf Dividenden. n

31


RENDITE

ERNST VEJDOVSZKY

„BEI 16 EURO WÜRDE ICH MEINE S-IMMO-AKTIEN EVENTUELL VERKAUFEN“ Warum S-Immo-Boss Ernst Vejdovszky sich vor der aktuellen Übernahmewelle bei und eine klare Trendwende in Osteuropa ortet, erklärt der Experte im Interview mit Der Börsianer. TEXT RAJA KORINEK

Investor. Osteuropa hinkt Deutschland um zwei Jahre hinterher, das Aufholpotenzial ist enorm, sagt S-Immo-Chef Ernst Vejdovszky.

Herr Vejdovszky, gut 85 Prozent des S-­ Woran haben Sie erkannt, dass der Ze-

sionskassen und Versicherungen haben

gewerbliche

nit zumindest schon sehr nahe sein könn-

reichlich Geld zu veranlagen. Deutsche

Immobi­lien veranlagt. Setzen Sie sich da-

te? - Diese Zinshäuser in Berlin kauften

Bundesanleihen bieten derzeit kaum

mit nicht größeren Schwankungen aus als

wir 2007 zu nicht einmal einem Drittel

eine Rendite. Wenn diese Investoren

mit dem Fokus auf Wohnimmobilien? - Die

des Verkaufspreises. Vor allem in den

hingegen ein Zinshausportfolio bei uns

Größenordnung kann sich wieder ändern,

vergangenen eineinhalb Jahren gab es

kaufen, bringt das eine Mietrendite von

wir hatten schon einmal einen Anteil von

in Berlin speziell bei Zinshäusern einen

brutto drei Prozent oder netto 1,5 Pro-

40 Prozent bei den Wohnimmobilien. Da-

steilen Preisanstieg. Jetzt könnte es zu

zent. Hinzu kommt, dass in Berlin eine

bei kaufen wir in jenen Segmenten zu, wo

einer Gegenbewegung oder zumindest zu

sehr positive demografische Entwick-

wir günstige Preise sehen, und verkau-

einer Verflachung der Preiskurve kom-

lung prognostiziert wird.

fen dort, wo wir glauben, dass die Preise

men. Weitere Anstiege wird es in diesem

schon relativ hoch sind. Zuletzt haben wir

Tempo jedenfalls nicht mehr geben.

Immo-Portfolios

sind

in

Der Berliner Büromarkt scheint aber auch seine Reize zu haben. - Den Großteil des

rund ein Drittel unseres Wohnportfolios in Deutschland verkauft. Den absoluten

Wie schaut das Pricing aus, wenn Sie sich

Portfolios investieren wir in Rendite.

Peak wird man aber nie genau erwischen.

von Immobilien trennen? - Deutsche Pen-

Dazu zählen etwa Wohnimmobilien in

32

© GÜNTHER PEROUTKA / „WIRTSCHAFTSBLATT“ / PICTUREDESK

Europa Immobilienaktien nicht fürchtet


RENDITE

mittleren deutschen Städten, die eine

investieren in dieser Region nur in ge-

Immo AG ansieht. Die Kurse notieren um

positive Demografie aufweisen. Die er-

werbliche Immobilien. Vor allem in Un-

rund 30 Prozent unter dem jeweiligen

zielen im Schnitt eine Mietrendite von

garn setzt sich der Markt wieder in Be-

NAV. Man kriegt also die Häuser im Port-

brutto fünf Prozent oder netto 3,5 Pro-

wegung, aber auch in Rumänien. Offen-

folio um 30 Prozent unter deren innerem

zent. Hinzu kommen sehr niedrige Kos-

sichtlich ist die Sympathie für politische

Wert. Als Investor greift man da lieber bei

ten für Fremdkapital von 1,2 Prozent auf

Meinungen der jeweiligen Staatslenker

der Aktie als direkt bei der Immobilie zu.

zehn Jahre. Und dann gibt es eine zwei-

nicht so entscheidend für eine Invest-

te, kleine Gruppe, bei der wir Immobilien

mententscheidung. Die Überlegung ist

Die S-Immo-Aktie notiert aber auch unter

mit einem Wertsteigerungspotenzial su-

derzeit eher, wie sich die Wirtschaft wei-

ihrem NAV von zuletzt 13,03 Euro. Sind Sie

chen, das wir mit unseren Experten vor

terentwickeln wird.

der nächste Übernahmekandidat? - Das erfährt das Management immer als Letz-

Ort heben können. Vor rund eineinhalb Jahren kauften wir in Berlin 25 Immobi­

Wohin deutet der Trend? - Die aktuellen

tes, wobei das ohnedies nicht eine Ent-

lien, die niemand haben wollte, unter

Wachstumsraten sind in Osteuropa bes-

scheidung des Managements, sondern

anderem ein leeres altes Büroobjekt.

ser als im Westen. Zudem hat die CEE-

der Aktionäre ist. Ich kann natürlich

Region

Das

schon die Frage in den Raum stellen, wo

Und was war da entscheidend für den

hängt auch ein wenig damit zusammen,

ich meine persönlichen S-Immo-Aktien

Kaufpreis? - Wichtig ist, ob die erwarte-

dass noch 2015 vor allem Deutschland

verkaufen würde. Bei 16 oder 17 Euro pro

te Mietrendite nach unseren Umgestal-

stark im Fokus stand. Inzwischen hat

Aktie würde ich sicher zum Nachdenken

tungsmaßnahmen den Anschaffungs-

man dort aber Preisniveaus erreicht, bei

beginnen. Und zwar nicht nur ich, son-

preis und die notwendigen Investitionen

denen Investitionsentscheidungen nicht

dern möglicherweise auch unsere Groß-

abdeckt. Wir hatten eigentlich mit einer

mehr so leicht getroffen werden und

aktionäre.

Mietrendite von acht Prozent kalkuliert,

man regionale Alternativen sucht. Da

konnten letztendlich elf Prozent erzie-

kommt Osteuropa zunehmend ins Spiel.

großes

Aufholpotenzial.

len. Diese Mietrendite ist eine deutliche

% MEINE RENDITE Für Ernst Vejdovszky, Vorstandsvorsit-

Wertsteigerung zu den Kosten. Und wenn

Im Immobilienaktiensektor steht derzeit

zender der heimischen S-Immo-AG, ist

man dann noch überlegt, dieses Büro zu

auch eine große Übernahmewelle im Fo-

inzwischen der Zeitpunkt gekommen,

einer Mietrendite von rund sechs Prozent

kus. Eine gesunde Entwicklung? - Das ist

bei Wohnimmobilien allein in Berlin all-

zu verkaufen, würden wir eine Wertstei-

eine normale Entwicklung. Es gab eine

mählich

gerung von gut 70 Prozent zu Anschaf-

Zeit des Wachstums, jetzt ist die Zeit

Denn die Preise haben in den vergan-

fungspreis und Umbaukosten erzielen.

für Übernahmen und Fusionen. Das ist

genen Monaten rasant zugelegt. Gute

durchaus auch eine rationale Entschei-

Chancen sieht Vejdovszky nach wie vor

Immer öfter steht auch die CEE-Region wie-

dung, etwa wenn man sich die Aktien-

bei Gewerbeimmobilien und setzt dabei

der auf dem Radar. Weshalb erst jetzt? - Wir

kurse der Immofinanz AG oder der CA

auch auf die Aufholjagd in Osteuropa. n

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RENDITE

BÖRSENWETTER

EDUARD BERGER Vorstand, Wiener Privatbank SE

„Kaufen würde ich derzeit die RBI, Telekom Austria, CA Immo und AT&S. Verkaufen würde ich Zumtobel.“

YEAR-TODATE-TRENDS DER ­WELTBÖRSEN

LONDON (FTSE 100) 7.142,83 I 14,43 %

TORONTO (TSX) 15.287,59 I 17,51 %

PARIS (CAC 40) 4.862,31 I 4,86 %

NEW YORK (DJIA) 19.762,60 I 13,42 % POSITIVE PERFORMANCE (YTD)

NEW YORK (NASDAQ) 5.383,12 I 7,50 %

NEGATIVE PERFORMANCE (YTD)

EUROPA (DJ EURO STOXX 50) 3.290,52 I 0,70 % MEXIKO-STADT (IPC) 45.642,90 I 6,20 %

KOMMENTAR

JOHN GREENWOOD Chefvolkswirt Invesco

WELT (DJ GLOBAL) 326,05 I 5,86 %

BUENOS AIRES (MERVAL) 16.917,86 I 44,90%

FEHLGELEITETE GELDPOLITIK Der Wirtschaftsausblick für 2017 ist durch mehrere bekannte Entwicklungen gekennzeichnet. Während der Aufschwung in den USA weiter an Stärke gewinnt, ist der Ausblick für die Eurozone und Japan nach wie vor nur gedämpft. Grund dafür ist die fehlgeleitete Geldpolitik der Euro­päischen Zentralbank und der Bank of Japan, durch die die bisherigen quantitativen Lockerungsmaßnahmen kaum Wirkung gezeigt haben. Anders als die US-Notenbank haben sie nicht für die geldpolitischen Impulse gesorgt, die nötig sind, um das Wachstum anzukurbeln. Zu den neuen Variablen, die 2017 hinzukommen, gehören die geplanten fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen des designierten USPräsidenten Donald Trump sowie neue politische Ungewissheiten in Europa, wo im kommenden Jahr mehrere wegweisende Wahlen sowie

THOMAS NEUHOLD Chefanalyst Österreich, Kepler Cheuvreux

der Beginn der „Brexit“-Verhandlungen anstehen. In den Schwellenmärkten lautet die große Frage, ob es China gelingt, das zuletzt explosive Kreditwachstum einzudämmen. Trotz dieser neuen Variablen halte ich an meinen lange vertretenen Erwartungen fest, dass der aktuelle

„Man sollte Andritz, Buwog, CA Immo, Palfinger und Porr kaufen. Halten würde ich Raiffeisen und RHI.“

globale Konjunkturaufschwung überdurchschnittlich lange andauern wird. Der wichtigste Grund dafür ist, dass das unterdurchschnittliche Wachstum und die niedrige Inflation eine restriktivere Geldpolitik, die den Aufschwung vorzeitig beenden würde, unnötig machen werden.

34


RENDITE

STEFAN MAXIAN Chefanalyst, Raiffeisen Centrobank AG

„Derzeit rate ich bei Atrium, EVN und Strabag zum Kauf. Verkaufen sollte man Wolford.“ STOCKHOLM (OMX 30) 1.517,20 I 4,86 %

FRANKFURT (DAX) 11.481,06 I 6,87 %

WARSCHAU (WIG 20) 1.947,90 I 4,77 % SCHANGHAI (SHCOMP) 3.103,64 I –12,31 %

WIEN (ATX) 2.618,43 I 9,24 % ZÜRICH (SMI) 8.219,87 I –6,78 %

SEOUL (KOSPI) 2026,46 I 3,32 % TOKIO (NIKKEI 225) 19.114,37 I 0,42 %

ATHEN (ATHEX) 643,64 I 1,95 % HONGKONG (HANG SENG) 22.000,56 I 0,39 %

AFRIKA (DJ AFRICA TITANS 50) 503,13 I 13,84 %

SYDNEY (ALL ORDINARIES) 5719,10 I 7,01 %

ROLAND NEUWIRTH Fondsmanager, Salus Alpha

FRITZ MOSTBÖCK Head of Group Research, Erste Group Bank AG

„Eine Kaufempfehlung gebe ich für Uniqa, VIG, Strabag, Mayr Melnhof, Palfinger und S Immo. Abraten würde ich von Zumtobel, Wolford, Do&Co und RHI.“

„Andritz, CA Immo, Österreichische Post, Palfinger und S Immo würde ich kaufen. Reduzieren sollte man die OMV.“

35


INVESTMENTSTORY

USA. In das US-Werk in Corpus Christi investiert die Voest­alpine AG statt 550 nun 925 Millionen Euro. Es ist die weltweit modernste und größte ­Anlage ihrer Art.

KEY FACTS DER VOESTALPINE AG Hauptsitz:  Linz, Oberösterreich Mitarbeiter:  48.367 weltweit Vorstand:  Wolfgang Eder, Robert Ottel,  Herbert Eibensteiner, Franz  Kainersdorfer, Franz Rotter,  Peter Schwab Erstnotiz: 9. Oktober 1995, 5,18 Euro Aktienkurs: 38,87 Euro, 1 Jahr: 56 Prozent,  3 Jahre: 11,6 Prozent, 5 Jahre: 44,3 Prozent Gewinn je Aktie: 3,35 Euro Dividende je Aktie: 1,05 Euro Marktkapitalisierung: 6,8 Milliarden Euro Eigentümerstruktur: RLB Oberösterreich  Invest 15 Prozent,  VA-Mitarbeiterbeteiligung 14,2 Prozent,  Oberbank AG 7,6 Prozent,  Norges Bank vier Prozent Umsatzerlöse: 11,1 Milliarden Euro Ebitda: 1,6 Milliarden Euro Ebitda-Marge: 14,3 Prozent Ebit:  888,8 Millionen Euro Ebit-Marge: 8,0 Prozent Eigenkapital: 5,65 Milliarden Euro Gearing: 54,5 Prozent QUELLE: VOESTALPINE AG 2015/2016


RENDITE

HEISSES EISEN Es war eine der wenigen Erfolgsgeschichten der Privatisierungsphase der verstaatlichten Industriebetriebe Österreichs. Die V ­ oestalpine AG hat bis heute einige hoch­profitable Nischen der Stahlwelt erobert. TEXT REGINALD BENISCH

I

m April 2008 war es bloß ein unbe-

Bloß am Verlauf des Aktienkurses

häuser wie Citigroup (Halten), Goldman

stätigtes Gerücht, doch Österreichs

ließ sich der Erfolg nicht wirklich ab-

Sachs (Halten), UBS (Verkaufen), Deut-

Medien berichteten bereits bis ins

lesen. Die Erstnotiz ging am 9. Okto-

sche Bank AG (Kaufen), aber auch Raiff-

Detail über die gigantischen Pläne der

ber 1995 mit einem Preis von 5,18 Euro

eisen Centrobank AG (Halten) und Ers-

börsennotierten Voestalpine AG: Sie-

über die Bühne. Nach einem Aktiensplit

te Group Bank AG (Halten) meist anders

ben Milliarden Euro würde diese locker-

im Verhältnis eins zu vier im Jahr 2006

sehen: Diese erhöhen ihr Kursziel für die

machen, um ein zweites Stahlwerk in

und mehreren Kapitalerhöhungen liegt

Voestalpine AG zumeist erst dann, wenn

der Größe des Linzer Stammhauses am

der Kurs seit Jahren beharrlich bloß rund

der Kurs der Aktie an der Börse bereits

Schwarzmeerufer hochziehen zu kön-

25 Prozent über dem Buchwert des Un-

gestiegen ist. Und selbst dann rät die

nen. Vorstandsvorsitzender Wolfgang

ternehmens. Auf gut Deutsch: Die Lin-

Mehrheit beharrlich, den Titel zu hal-

Eder favorisierte als Standort Rumä-

zer Stahlaktie wurde an der Börse sehr

ten, sodass man sich fragen muss, wann

nien und hatte sich im Vorstand schon

billig gehandelt – im Gegensatz zu glo-

man die Voestalpine AG denn hätte kau-

fast durchgesetzt. Doch da ging Lehman

balen Stahlriesen wie Acelor Mittal oder

fen sollen, um sie jetzt halten zu kön-

Brothers pleite und stürzte die Welt in

die Thyssenkrupp AG, die in ruinöses

nen. Für Wolfgang Matejka, Geschäfts-

die schwerste Wirtschaftskrise seit den

Preisdumping verstrickt waren und de-

führer von Matejka & Partner Asset Ma-

1930ern. Im letzten Moment wurde das

ren Aktien überteuert notierten.

nagment, ist die Aktie eine klare Kaufgelegenheit: „Man bekommt Aktien ei-

Monsterprojekt doch noch abgeblasen.

Dumme Vergleiche

nes besonders konservativ finanzierten,

hätten die Linzer die folgenden Jahre

Insofern lässt sich der Schnäppchen-

gleichzeitig aber innovativen Unterneh-

nicht überlebt. Und die vorliegende Story

preis der Voestalpine-Titel, so Alois Wö-

mens der Schwerindustrie immer wie-

würde man vergeblich im aktuellen Der

gerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken

der zum Schnäppchenpreis und wird re-

Börsianer suchen. Doch das wäre schade

Generali Investment, nur schwer argu-

gelmäßig mit zweieinhalb bis drei Pro-

gewesen, denn die Voestalpine AG war

mentieren und sei wohl vor allem „auf

zent Dividende belohnt.“

eines der wenigen Unternehmen, die

die Faulheit zahlreicher Analysten zu-

Offenbar haben viele Finanzexperten

den Wandel vom politisch gegängelten

rückzuführen, die sich oft nicht die

ein Meilensteinereignis in der Geschich-

Staatsbetrieb zum gewinnorientierten

Mühe machen, ein wenig tiefer in die

te der Voestalpine AG glatt überse-

Global Player tadellos geschafft hatten.

Materie einzudringen“. Von Peergroup-

hen. Ende der 1990er-Jahre hatte näm-

So konnte man den Umsatz seit der Pri-

Vergleichen hält er wenig, „das ist wie

lich der Voestalpine-Vorstand ein neu-

vatisierung auf 11,1 Milliarden Euro mehr

mit den Äpfeln und den Birnen“, wettert

es Geschäftsmodell beschlossen. Kon-

als verfünffachen, den Mitarbeiterstand

er, der die Voestalpine-Aktie seit Jah-

kret ging es darum, sich von den großen

auf knapp 50.000 verdreifachen und die

ren ohne Genierer unter den Top-Hol-

Stahlhütten abzusetzen und sich künf-

Zahl der von den Linzern weltweit ein-

dings

Österreich-Aktienfonds

tig mehr auf die Bedürfnisse der Kunden

getragenen Patente auf 29.000 steigern.

führt. Auch wenn das große Analyse-

zu fokussieren. „Die anderen haben da-

© VOESTALPINE AG

Heute weiß man: Ohne Notbremsung

seines

37


RENDITE

auch im benachbarten Mexiko ein Dutzend Standorte betreiben und von dort aus auch Autoproduzenten in den USA mit günstig gefertigten Teilen beliefern.

Leben mit Trump Immerhin hat die Voestalpine AG als größter österreichischer Investor in Amerika auch eine Menge neuer Arbeitsplätze in den USA geschaffen. Zum Beispiel in Cartersville, Georgia, wo im nächsten Jahr bereits die dritte Ausbaustufe des ersten Produktionsstandorts für hochfeste Leichtbaukarosserieteile in Betrieb gehen soll. Beliefert werden von dort die Topmodelle europäischer Automarken. Mit der lokalen Teileproduktion substituiert die Voestalpine AG Visionär. Wolfgang Eder hat den Stahlkonzern Voestalpine AG durch mutige Entscheidungen im internationalen Wettbewerb stark positioniert.

die von Trump gehassten Importe aus Übersee und schafft nicht nur neue Arbeitsplätze in den Südstaaten, sondern

mals begonnen, wie wild zu fusionieren

Kunden produziert werden können. Wie

lieferte als Draufgabe auch ein System

und einander zu übernehmen“, erinnert

zum Beispiel Gaspipelines aus Elemen-

der Lehrlingsausbildung nach dem ös-

sich Vorstandschef Eder, „mit dem Ziel,

ten, die nicht einzeln verschweißt wer-

terreichischen Dualsystem mit.

den Output an Rohstahl zu steigern und

den müssen und sich mit Dreh und Klick

Dazu kommt die jüngste und bisher

einander bei der Reduktion der Produk-

garantiert gasdicht verschließen lassen.

größte Investition der Voestalpine AG

tionskosten zu übertreffen.“

Ende 2012 wurde das neue Geschäfts-

in den USA, eine sogenannte Direktre-

modell als Strategie 2020 neu formuliert,

duktionsanlage mit einem 137 Meter ho-

Raffinesse statt Masse

wobei hier neben der Innovation und

hen Abgasturm. Diese wurde Ende 2016

So gelang es den Linzern, sich vom ru-

dem intensiven Fokus auf die Verlänge-

in Corpus Christi, Texas, fertiggebaut

inösen Preiskampf zu lösen und Schritt

rung der Wertschöpfungskette Richtung

und soll bis zur Jahresmitte 2017 den

für Schritt auf höhermargiges Geschäft

Endkunden ein weiterer Schwerpunkt

Vollbetrieb aufnehmen. In dieser Anla-

umzusteigen, nämlich auf Produkt- und

besonders hervorgehoben wird: die Ex-

ge wird ein Zwischenprodukt auf dem

Systemlösungen für technologieinten-

pansion Richtung Übersee, insbesonde-

Weg zum Stahl hergestellt, ohne Einsatz

sive Branchen wie Automobilbau, mo-

re nach Nordamerika und Ostasien.

von schmutziger Kohle und knappem

derne Eisenbahntechnik und Luftfahrt.

Vor allem die USA werden vom Kon-

Schrott. Und das funktioniert so: Kon-

Das Konzept wurde seither mit Erfolg

zernmanagement in Linz als Industrie­

zentrierte Erzpellets aus Brasilien wer-

umgesetzt. 08/15-Stahl trägt heute nur

standort geschätzt. Bisher galten sie als

den im Voestalpine-Hafen von Corpus

noch 30 Prozent zum Umsatz bei. Der

besonders ausländerfreundliches Ter-

Christi gelöscht und umgehend mithil-

Großteil der Umsatzerlöse und der Mar-

rain, und der robuste Schutz intellek-

fe von Erdgas in „Hot Briquetted Iron“

ge stammt aus Bereichen, die in den ver-

tuellen Eigentums gab Eder und Co ein

(HBI) umgewandelt und auf dem Seeweg

gangenen Jahren Hauptthema der in-

Gefühl der Sicherheit - genauso wie die

in alle Welt exportiert, darunter auch

ternen Forschung und Entwicklung wa-

zweimalige Erwähnung der Voestalpi-

nach Linz und Donawitz. Dank der ho-

ren. Dabei geht es nach wie vor um Stahl

ne AG in öffentlichen Reden von Ba-

hen Eisenkonzentration der HBI, über

als Kernwerkstoffbasis. Doch der Stahl

rack Obama und John Kerry als beson-

90 Prozent gegenüber 35 bis 70 Prozent

muss sich immer häufiger mit unge-

ders positives Beispiel eines ausländi-

bei klassischem Eisenerz, verbilligt sich

wohnten Partnern wie Titan, Alumini-

schen Investors. Der Voestalpine-Vor-

der Transport trotz des Umwegs über Te-

um und Kohlenstoff zusammentun, um

stand macht sich indes keine Illusionen,

xas beträchtlich.

gemeinsam neue Eigenschaften zu ent-

dass es in dieser Tonart weitergeht. Oba-

Muss man sich da nicht Sorgen ma-

wickeln, aus denen neuartige Verfah-

mas Nachfolger Donald Trump wird sich

chen um die Zukunft Österreichs als In-

ren und Produkte für anspruchsvolle

womöglich daran stoßen, dass die Linzer

dustriestandort? Das Geschäftsmodell

38


RENDITE

„Voestalpine ist unter Toptiteln in meinem Österreichfonds.“

„VoestalpineAktien gibt es zu Schnäppchenpreisen.“

„Voestalpine setzt bedingungslos auf Qualität und Innovation.“

ALOIS WÖGERBAUER

WOLFGANG MATEJKA

FRANZ GASSELSBERGER

der Voestalpine AG baut darauf auf, dass

derer Aktualität. Es geht um die Fra-

zierung des Unternehmens. „Das Ma-

Österreich beziehungsweise Europa als

ge, ob das 100 Jahre alte Stammhaus

nagement zeichnet sich durch höchste

Know-how- und Innovationsbasis wei-

der Böhler-Uddeholm im steirischen

Innovations- und Anpassungsfähigkeit

terentwickelt

Grundsätzlich

Kapfenberg abgerissen und durch den

aus. Dabei wird bedingungslos auf Qua-

wäre Österreich, so Vorstandschef Eder,

Neubau eines neuen Edelstahlwerks

lität gesetzt, gleichzeitig herrscht eine

personell dafür gut gerüstet: „Wir sind

nach Industrie-4.0-Standards ersetzt

hohe Mitarbeiterorientierung. Wolf-

aus Österreich kommend ziemlich ver-

werden soll. Die Special Steel Division

gang Eder ist nicht zufällig zwei Mal

wöhnt. Was Wissen, Qualifikation, En-

produzierte bisher an drei Standorten,

hintereinander zum Präsidenten des

gagement und Einsatzbereitschaft be-

Kapfenberg, Sumare in Brasilien und

Weltstahlverbands gewählt worden“,

trifft, haben wir hier hervorragende

Wetzlar in Deutschland, anspruchsvolle

sagt Gasselsberger.

Mitarbeiter.“

Spezialstähle und hat die Investitions-

Dass sich die Voestalpine AG leicht-

summe bereits budgetiert. Ob die 300

fertig aus Kapfenberg zurückzieht, er-

Amerika als Standortkonkurrent

Millionen Euro aber wirklich in Kap-

scheint unwahrscheinlich, nicht zu-

Trotzdem sei Amerika ein ernstzuneh-

fenberg verbaut werden, hängt davon

letzt deshalb, weil der Konzern, so Eder,

mender Standortkonkurrent. „In den

ab, inwieweit die internen Vorgaben bei

plant, Innovation in Zukunft noch ag-

USA ist vieles in Ordnung, vor allem

Emissionsreduktion und Energieeffizi-

gressiver voranzutreiben. Aber die Zah-

auf der Kostenseite“, konstatiert Eder.

enz tatsächlich umsetzbar erscheinen.

len müssen trotzdem passen. Da wird

werden.

sich Kapfenberg womöglich schwertun,

Es gebe dort günstige Energie, günstige Logistik, ausreichend Platz. „Wir haben

Kampf den Heuschrecken

denn Strom ist in der Steiermark dop-

dort“, so Eder, „eine sehr unterschied-

Die ehemals verstaatlichte Böhler wur-

pelt so teuer wie in Amerika, die ame-

liche Ausgangsposition im Vergleich zu

de 1995 über die Börse teilprivatisiert

rikanischen Umweltauflagen sind we-

dem, was wir in Europa erleben. Aber

und 2003 vollprivatisiert. Der Wunsch

niger streng, und auch bei der Steuer-

eines gibt es dort nicht: diese Breite an

einer Gruppe um den Badener Anwalt

und Abgabenquote haben die Amerika-

Qualifikationen der zur Verfügung ste-

Rudolf Fries, ihre verleibenden 25 Pro-

ner mit 27 zu 43 Prozent die Nase weit

henden Mitarbeiter.“

zent zu versilbern, löste Hysterie aus:

vorn. Bundesregierung, Land und Ge-

Die Akquisition möglichst kompe-

Man befürchtete, eine gierige Heu-

meinde werden sich für die kommen-

tenter Mitarbeiter ist in Zukunft ein er-

schrecke würde sich den Traditionsbe-

den Verhandlungen wohl einiges ein-

folgsentscheidender Faktor, aber die Art

trieb krallen und die Filetstücke welt-

fallen lassen müssen.

der Qualifikation ist im Wandel. Eder:

weit verschachern.

% MEINE RENDITE

„Es ist durchaus realistisch, in einem

Da präsentierte sich die Voestalpi-

Zeitraum von 15 bis 20 Jahren zu erwar-

ne AG als sogenannter „Weißer Ritter“

Aktien von solide finanzierten und in-

ten, dass wir die Stahlerzeugung qua-

und übernahm die restlichen Anteile.

novativen Unternehmen, die lukrati-

si vom Abbau der Rohstoffe in der Mine

Dank der eigenen Eigentümerstruktur

ve Marktnischen beherrschen, passen

bis zu den fertigen Coils, also Spulen und

(Raiffeisenlandesbank

Oberösterreich

bestens in Vorsorgeportfolios. Der Vor-

Rollen, weitgehend automatisiert erle-

AG rund 15 Prozent, VA-Mitarbeiter-

sprung der Voestalpine AG als Tech-

ben werden. Wir werden immer mehr

stiftung 14,5 Prozent und 7,6 Prozent

nologieführer in einer Nische kann

Menschen im Bereich der Steuerung

Oberbank AG) ist die Voestalpine AG

nicht so rasch aufgeholt werden. Ne-

der Prozesse haben und immer weniger

bei einem Streubesitz von 63 Prozent

ben der Aktie lässt sich die Voestalpi-

werden körperlich arbeiten müssen.“

gegen feindliche Übernahmen einiger-

ne auch über strukturierte Produkte be-

Die Frage, wie sich Österreich kos-

maßen abgesichert. Oberbank-Gene-

spielen. Die Memory-Express-Anleihe

tenmäßig bei Standortentscheidungen

raldirektor Franz Gasselsberger schätzt

(AT0000A1TB18) der Erste Group Bank

gegen ausländische Konkurrenz durch-

vor allem die konsequente Qualitätsori-

AG zahlt 8,25 Prozent Zinsen bei 65 Pro-

setzen kann, ist dieser Tage von beson-

entierung und internationale Diversifi-

zent Kuponbarriere. n

39


RENDITE

AKTIENKURSE DIE 20 TOP/FLOP–AKTIEN DER WIENER BÖRSE 2016 (YTD) UNTERNEHMEN ISIN KURS YTD   % YTD HIGH YTD LOW 1 J   % 1 J VOLA 3 J   % 3 J VOLA

Lenzing AG

AT0000644505 115,000 65,35 % 122,000 56,180 65,35% 30,96 176,24% 29,93 ↑

Hirsch Servo AG

AT0000849757 28,100 56,11 % 33,800 14,500 56,11% 52,83 479,38% 82,67 ↑

Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG AT0000946652 76,530 51,82 % 78,000 42,010 51,82% 41,27 –5,00% 36,68 ↑ Strabag SE

AT000000STR1 33,650 42,74 % 34,300 20,520 42,74% 25,38 57,83% 24,06 ↑

Oberbank AG VZ

AT0000625132 52,500 39,26 % 52,750 37,700 39,26%

Porr AG

AT0000609607 38,920 39,25 % 39,360 22,240 39,25% 35,71 260,84% 34,59 ↑

6,19 39,07% 4,25 ↑

KTM Industries AG

AT0000820659 5,099 37,81 % 5,180 3,352 37,81% 28,72 186,46% 39,68 ↑

Polytec Holding AG

AT0000A00XX9 10,385 35,57 % 10,595 6,654 35,57% 27,00 52,95% 26,96 ↑

RHI AG

AT0000676903 24,250 34,61 % 24,695 14,690 34,61% 34,24 7,52% 30,71 ↑

Voestalpine AG

AT0000937503 37,290 31,56 % 38,535 22,515 31,56% 34,84 6,76% 31,24 ↑

OMV AG

AT0000743059 33,560 28,43 % 34,775 21,450 28,43% 28,00 –3,54% 26,92 ↑

Verbund AG

AT0000746409 15,175 27,95 % 15,780 10,035 27,95% 26,96 –2,19% 24,68 ↑

Raiffeisen Bank International AG

AT0000606306 17,380 27,75 % 18,290 10,210 27,75% 36,73 –32,16% 42,77 ↑

Agrana Beteiligungs-AG

AT0000603709 112,850 24,97 % 115,000 77,000 24,97% 21,19 30,92% 20,06 ↑

Pankl Racing Systems AG

AT0000800800 34,000 23,64 % 35,000 26,500 23,64% 21,34 36,00% 22,22 ↑

S Immo AG

AT0000652250 10,000 21,95 % 10,095 7,110 21,95% 24,25 89,04% 23,30 ↑

Frauenthal Holding AG

AT0000762406 14,000 19,66 % 14,000 10,350 19,66% 18,18 55,47% 23,59 ↑

Rath AG

AT0000767306 16,400 19,19 % 18,000 10,030 19,19% 52,15 148,11% 69,49 ↑

BWT AG

AT0000737705 23,000 17,95 % 23,400 17,900 17,95% 20,08 50,82% 18,59 ↑

Warimpex AG

AT0000827209 0,770 15,79 % 0,809 0,525 15,79% 37,72 –59,04% 34,54 ↑

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

Do & Co AG

AT0000818802 62,420 –37,58 % 107,600 52,420 –37,58% 31,53 68,02% 30,68 ↓

AT&S AG

AT0000969985 9,310 –36,06 % 13,975 9,200 –36,06% 31,43 30,19% 31,33 ↓

FACC AG

AT00000FACC2 5,110 –28,73 %

Zumtobel Group AG

AT0000837307 16,990 –27,02 % 22,500 9,900 –27,02% 52,73 49,69% 42,19 ↓

Rosenbauer International AG

AT0000922554 54,200 –18,62 % 66,000 46,000 –18,62% 28,04 –8,57% 26,34 ↓

7,153

3,998

–28,73%

34,78

n. a.

n. a.

Valneva SE

FR0004056851 3,120 –18,11 % 3,715 2,058 –18,11% 49,24 –22,21% 48,69 ↓

Semperit AG Holding

AT0000785555 25,755 –17,19 % 34,000 23,705 –17,19% 26,99 –28,45% 31,84 ↓

Wolford AG

AT0000834007 20,800 –16,37 % 26,010 20,375 –16,37% 14,30 14,22% 19,33 ↓

Vienna Insurance Group AG

AT0000908504 21,300 –15,78 % 24,790 16,095 –15,78% 34,15 –41,20% 26,36 ↓

UBM Development AG

AT0000815402 31,000 –15,05 % 35,400 26,560 –15,05% 31,90 100,65% 37,39 ↓

HTI High Tech Industries AG

AT0000764626 0,650 –12,16 % 0,990 0,500 –12,16% 76,95 –72,92% 85,78 ↓

Mayr–Melnhof Karton AG

AT0000938204 100,700 –12,05 % 111,450 93,340 –12,05% 23,62 11,89% 20,31 ↓

Immofinanz AG

AT0000809058 1,853 –11,80 %

Maschinenfabrik Heid AG

AT0000690151 2,400 –11,01 %

2,165 1,622 –11,80% 30,99 –31,52% 28,41 ↓ 2,640

1,750

–11,01%

51,50

n. a.

73,98

Ottakringer Brauerei AG ST

AT0000758008 88,000 –9,28 % 98,000 80,000 –9,28% 22,71

n. a. 30,71 ↓

Stadlauer Malzfabrik AG

AT0000797303 80,000 –5,88 % 99,990 80,000 –5,88% 25,47 35,69% 28,95 ↓

SW Umwelttechnik AG

AT0000808209 6,220 –5,76 % 8,000 6,100 –5,76% 51,61 3,67% 66,29 ↓

Österreichische Post AG

AT0000APOST4 31,890 –5,17 %

36,570 27,275 –5,17% 22,52 –8,31% 20,36 ↓

Uniqa Insurance Group AG

AT0000821103 7,200 –4,32 % 7,447 5,041 –4,32% 31,97 –22,41% 25,88 ↓

Erste Group Bank AG

AT0000652011 27,825 –3,75 % 29,590 18,870 –3,75% 36,44 9,85% 34,62 ↓ QUELLE:

40


RENDITE

FONDSKURSE DIE 20 TOP/FLOP–ÖSTERREICH–FONDS (THESAURIERT) 2016 (YTD) VOLUMEN FONDSNAME ISIN KURS YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3J % 3 J VOLA (MIO. EURO)

ComStage ATX Ucits ETF

LU0392496690 31,04 12,94 % 31,04 22,43 12,97 % 20,81 9,79 % 18,97 12,42 ↑

Amundi Österreich Plus

AT0000A05TF3 82,47 12,86 % 82,47 60,33 12,86 % 18,68 9,92 % 16,93 23,44 ↑

Allianz Invest Austria Plus

AT0000611405 102,12 12,68 % 102,12 73,92 12,68 % 18,31 11,07 % 16,44 5,74 ↑

Meinl ATX Fonds

AT0000A1AWA2 118,20 12,19 %

ViennaStock

AT0000952460 244,34 10,82 % 244,34 182,19 10,82 % 17,60 11,38 % 16,01 32,26 ↑

Kepler Oesterreich

AT0000647698 284,46 9,33 % 284,46 212,72 9,33 % 18,09 6,47 % 17,29 38,08 ↑

SemperShare Austria

AT0000815030 128,58 8,42 % 128,58 95,49 8,42 % 19,00 15,18 % 18,69 18,33 ↑

Raiffeisen Österreich Aktien

AT0000805189 179,44 7,51 % 179,44 135,00 7,51 % 18,40 15,66 % 17,24 115,59 ↑

118,20

85,97

12,19 %

21,09

n. a.

n. a.

n. a.

PIA – Austria Stock

AT0000767736 79,15 7,35 % 79,24 60,27 7,35 % 18,08 9,21 % 16,36 226,05 ↑

Zukunftsvorsorge Aktienfonds

AT0000659644 16,82 6,73 % 16,82 13,09 6,73 % 13,67 3,38 % 12,34 878,23 ↑

3 Banken Österreich Fonds

AT0000662275 28,91 6,66 % 28,91 22,09 6,66 % 17,45 23,35 % 16,03 131,46 ↑

RT Österreich Aktienfonds

AT0000497292 8,82 6,01 %

ESPA Stock Vienna

8,83

6,79 6,01 % 17,84 5,38 % 16,29 503,38 ↑

AT0000813001 126,68 5,97 % 126,83 97,89 5,97 % 17,61 5,94 % 16,12 67,75 ↑

Spängler IQAM SparTrust

AT0000817960 159,60 4,79 % 162,57 152,30 4,79 % 2,83 14,13 % 3,56 318,65 ↑

VB Mündel-Flex

AT0000A0S6L8 119,50 4,24 %

122,95

114,74

4,24 %

3,86

11,84 %

3,76

n. a.

VB Mündel-Rent

AT0000A0HR15 945,69 4,17 %

978,48

908,49

4,17 %

4,60

16,50 %

4,44

n. a.

ESPA Bond Euro Mündelrent

AT0000812995 14,64 3,89 % 15,09

AustroMündelRent

AT0000801246 133,74 3,53 % 136,40 129,17 3,53 % 2,84 13,30 % 3,40 80,69 ↑

HYPO 3-Wert Hypo Rent

14,10 3,89 % 3,98 14,99 % 4,08 524,47 ↑

AT0000A0B083 133,65 3,44 % 133,74 127,35 3,44 % 2,12 5,37 % 1,97 22,03 ↑ AT0000611157 10,25 3,41 % 10,46 9,95 3,41 % 2,77 10,29 % 3,29 246,71 ↑

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

RLB NÖW Mündel Rent ESPA Reserve Euro-Mündel

AT0000746219 1063,52 –0,90 % 1100,19 1057,10 –0,90 % 2,77 4,01 % 2,12 28,66 ↓ AT0000A0EU62 102,31 –0,19 % 102,73 102,24 –0,19 % 0,32 –0,52 % 0,34 53,67 ↓

Amundi P.S.K. Mündel Rent Kurz

AT0000810429 106,46 –0,09 % 107,01 106,38 –0,09 % 0,46 0,67 % 0,54 56,15 ↓

SemperBond Austria

AT0000737663 93,63 –0,06 % 94,38 93,43 –0,06 % 0,77 0,24 % 0,87 9,42 ↓

Raiffeisen Österreich Rent

AT0000805163 12,96 0,53 % 13,05 12,90 0,53 % 1,10 4,88 % 1,47 380,99 ↓

Meinl Capitol 1 HYPO Mündelrent OÖ

AT0000859301 60,73 0,60 % 61,11 60,35 0,60 % 0,90 2,58 % 1,02 5,58 ↓ AT0000A0GWS3 111,77 0,87 % 112,31 110,80 0,87 % 0,64 2,23 % 1,59 143,23 ↓

Hypo Mündel Fonds

AT0000A0KQQ1 10,27 0,92 %

TirolRent

AT0000832597 25,34 1,39 % 25,47 25,00 1,39 % 0,88 5,46 % 0,93 40,30 ↓

10,47

10,19

0,92 %

2,06

3,14 %

2,40

n. a.

Sparda Rent

AT0000855416 132,01 1,41 % 132,66 130,21 1,41 % 0,77 5,64 % 0,92 55,60 ↓

Schoellerbank Vorsorgefonds

AT0000820402 118,69 1,45 % 119,65 116,84 1,45 % 1,43 6,74 % 1,55 78,95 ↓

Gutmann Mündelsicherer Anleihefonds AT0000A0CG05 9,45 1,68 %

9,57

9,30

1,68 %

1,94

9,96 %

2,42

n. a.

Tirolpension

AT0000A0VKV1 8,05 1,69 % 8,14 7,93 1,69 % 1,58 5,37 % 1,58 11,80 ↓

PIA – Mündel Bond

AT0000674874 14,59 1,81 % 14,78 14,33 1,81 % 1,80 7,60 % 1,83 281,75 ↓

PIA – Mündel Bond

AT0000813068 13,11 1,90 % 13,27 12,87 1,90 % 1,81 7,65 % 1,83 281,75 ↓

Kepler Vorsorge Rentenfonds

AT0000722566 138,75 2,05 %

Apollo Mündel

141,97 135,82 2,05 % 2,34 9,35 % 2,83 382,63 ↓

AT0000746961 12,62 2,10 % 12,76 12,36 2,10 % 1,47 6,85 % 1,57 73,95 ↓

Amundi P.S.K. Mündel Rent

AT0000719273 117,83 2,60 % 120,87 114,79 2,60 % 3,02 11,25 % 3,10 344,17 ↓

Real Invest Austria

AT0000634365 14,44 2,74 %

Allianz Invest Vorsorgefonds

AT0000721360 131,24 2,95 % 133,45 127,50 2,95 % 2,39 8,19 % 3,52 89,70 ↓

14,44

14,07

2,74 %

0,47

8,64 %

QUELLE:

41

0,52

n. a.


RENDITE

ANLEIHENKURSE DIE 20 TOP/FLOP–CORPORATE-PRIME-ANLEIHEN DER WIENER BÖRSE (YTM) VOLUMEN ANLEIHENNAME ISIN KURS YTM %** YTD HIGH YTD LOW (MIO. EURO)

VERZINSUNG FÄLLIGKEIT

TYP

Photon Energy NV 8,000 % 2018

DE000A1HELE2 100,00 8,24 %*

n. a.

n. a.

7,53

8,00 % 12.03.2018

Fix

WEB Windenergie AG 5,250 % 2023

AT0000A0Z785 95,00 6,23 %*

95,00

95,00

7,15

5,25 % 08.04.2023

Fix

AT0000A191A9 109,00 5,94 %

109,00

109,00

3,55

6,50 % 07.10.2070

Fix

WEB Windenergie AG 5,500 % 2023

AT0000A0Z793 100,00 5,49 %*

n. a.

n. a.

6,39

5,50 % 08.04.2023

Fix

Sanochemia Pharmazeutika AG 7,750 % 2017

DE000A1G7JQ9 101,50 5,06 %*

101,50

101,50

10,00

7,75 % 06.08.2017

Fix

WEB Windenergie AG 3,500 % 2019

AT0000A191B7 97,80 4,36 %*

n. a.

n. a.

10,57

3,50 % 07.10.2019

Fix

UBM Realitätenentwicklung AG 4,875 % 2019

AT0000A185Y1 104,70 2,91 %

105,63

100,50

200,00

4,88 % 09.07.2019

Fix

AT0000A0Z7A0 101,51 2,76 %

101,51

98,25

7,95

4,00 % 08.04.2018

Fix

S Immo AG 3,250 % 2025

AT0000A1DBM5 106,25 2,41 %

110,95

104,00

33,99

3,25 % 09.04.2025

Fix

Swietelsky Baugesellschaft 4,625 % 2019

AT0000A0WR40 106,35 2,24 % 109,25 106,00

74,09

4,63 % 12.10.2019

Fix ↑

S Immo AG 3,250 % 2027

AT0000A1DWK5 109,25 2,23 %

110,48

103,63

65,00

3,25 % 21.04.2027

Fix

S Immo AG 4,500 % 2021

AT0000A177D2 110,50 2,01 %

110,50

110,50

89,74

4,50 % 17.06.2021

Fix

CA Immo AG 2,750 % 2022

AT0000A1CB33 106,50 1,43 %

107,65

102,05

175,00

2,75 % 17.02.2022

Fix

150,00

4,50 % 01.10.2019

Fix ↑

WEB Windenergie AG Hybrid–Anleihe 6,500 %

WEB Windenergie AG 4,000 % 2018

Egger Holzwerkstoffe 4,500 % 2019

AT0000A0WNP5 108,54 1,32 %

110,95 107,00

Porr AG 3,875 % 2019

AT0000A19Y28 107,25 1,25 %

109,63 105,08

Wienerberger AG 4,000 % 2020

AT0000A100E2 108,85 1,24 %

Immofinanz AG 5,250 % 2017

AT0000A0VDP8 102,05 1,15 %

56,26

3,88 % 28.10.2019

Fix

111,52

105,77

300,00

4,00 % 17.04.2020

Fix

104,71

101,73

100,00

5,25 % 03.07.2017

Fix

S Immo AG 3,000 % 2019

AT0000A19SB5 105,13 1,10 %

106,63 104,25

100,00

3,00 % 03.10.2019

Fix

Novomatic AG 3,000 % 2021

AT0000A182L5 109,26 0,88 %

109,81

200,00

3,00 % 23.06.2021

Fix

103,25

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

Egger Holzwerkstoffe 5,750 % 2017

AT0000A0G215 100,82 –0,50 %

104,10 100,82

120,00

5,75 % 18.02.2017

Fix

Strabag SE 4,250 % 2019

AT0000A0PHV9 106,56 0,06 %

109,24

106,38

175,00

4,75 % 25.05.2018

Fix

KTM AG 4,375 % 2017

AT0000A0UJP7 101,30 0,23 %

104,47

101,26

85,00

4,38 % 24.04.2017

Fix

Porr AG 6,250 % 2018

DE000A1HSNV2 111,38 0,25 %

112,95 109,25

50,00

6,25 % 26.11.2018

Fix ↓

Novomatic AG 5,000 % 2017

AT0000A0KSM6 103,83 0,33 %

106,65 103,83

150,00

5,00 % 27.10.2017

Fix

AT0000A109Z8 108,93 0,34 %

110,14

106,49

200,00

3,00 % 21.05.2020

Fix

Swietelsky Baugesellschaft 5,375 % 2017

AT0000A0H2Z0 101,40 0,37 %

105,66

101,40

55,55

5,38 % 12.04.2017

Fix

Novomatic AG 4,000 % 2019

AT0000A0XSN7 107,37 0,42 %

108,25 104,50

250,00

4,00 % 28.01.2019

Fix

Wienerberger AG 5,250 % 2018

AT0000A0PQY4 107,08 0,52 %

110,26

106,44

100,00

5,25 % 04.07.2018

Fix

Strabag SE 4,250 % 2019

AT0000A0V7D8 108,56 0,58 %

111,29 108,56

100,00

4,25 % 10.05.2019

Fix

Kapsch Trafficcom AG 4,250 % 2017

AT0000A0KQ52 103,00 0,65 % 104,37 103,00

70,82

4,25 % 03.11.2017

Fix ↓

Strabag SE 3,000 % 2020

Strabag SE 1,625 % 2022

AT0000A1C741 104,59 0,70 %

105,71

99,28

200,00

1,63 % 04.02.2022

Fix

Andritz AG 3,875 % 2019

AT0000A0VLS5 107,87 0,71 %

111,48

107,10

350,00

3,88 % 09.07.2019

Fix

Cross Industries AG 4,625 % 2018

AT0000A0WQ66 106,80 0,72 %

106,80

90,00

57,80

4,63 % 05.10.2018

Fix

Egger Holzwerkstoffe 5,625 % 2018

AT0000A0NBF0 105,66 0,80 %

109,15

104,91

200,00

5,63 % 07.03.2018

Fix

Porr Hybrid-Anleihe 6,750 %

AT0000A19Y36 110,25

n. a.

110,88

104,75

25,00

6,75 % 28.10.2070 Variabel ↓

Swietelsky Hybrid-Anleihe 7,750 %

AT0000A07LU5 102,25

n. a.

102,80 100,45

70,00

5,54 % 31.12.2070 Variabel ↓

Wienerberger AG 6,500 %

DE000A1ZN206 106,38

n. a.

106,88

96,65

272,19

6,50 % 09.02.2070 Variabel ↓

Wienerberger Hybrid-Anleihe 6,500 %

DE000A0G4X39 100,38

n. a.

103,01

96,38

227,81

6,50 % 31.12.2070 Variabel ↓

*LETZTER KURS ÄLTER ALS 2016,** YTM = RENDITE BIS LAUFZEITENDE QUELLE:

42


RENDITE

ROHSTOFFKURSE DIE 30 TOP/FLOP–ROHSTOFFNOTIERUNGEN AN DEN WELTMÄRKTEN (YTD) ROHSTOFFNAME HANDELSPLATZ KURS WÄHRUNG YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3 J % 3 J VOLA

Erdgas

ICE Europe

55,000

GBX

65,66  %

55,000

26,410 65,66 % 42,15 –20,17 % 36,22 ↑

Heizöl

ICE Europe

1,729

USD

54,16 %

1,729

0,873 54,16 % 38,50 –43,65 % 32,57 ↑

Brent Rohöl

ICE Europe

56,750

USD

50,93 % 56,970 27,790 50,93 % 42,96 –48,83 % 36,17 ↑

Diesel

ICE Europe

502,250

USD

50,83 % 502,250 250,500 50,83 % 42,40 –46,85 % 32,77 ↑

WTI Rohöl

ICE Europe

53,670

USD

44,24 % 53,970 27,200 44,24 % 43,68 –45,51 % 37,49 ↑

Orangensaft Milch Zucker Palladium Holz Sojamehl Silber Philharmoniker 1 Unze Sojabohnen

ICE US

196,400

USX

40,29 % 232,850 113,950 40,29 % 36,25 43,94 % 32,02 ↑

CME GLOBEX

17,390

USD

28,34 % 17,400 12,720 28,34 % 24,09 –9,80 % 22,75 ↑

ICE US

19,510

USX

28,02 % 23,810 12,520 28,02 % 32,19 18,46 % 29,61 ↑

pro aurum

686,000

USD

24,28 % 774,000 475,000 24,28 % 31,02

CME GLOBEX

315,300

USD

21,83 % 342,000 233,300 21,83 % 26,08 –12,17 % 23,72 ↑

–4,19 % 27,25 ↑

CBOT Composites

313,300

USD

18,32 % 418,900 257,500 18,32 % 25,59 –28,55 % 30,60 ↑

pro aurum

16,100

EUR

17,09 % 19,430 13,680 17,09 % 23,29 4,68 % 23,16 ↑

CBOT Composites

997,000

USD

14,47 % 1180,250 851,250 14,47 % 21,30 –23,95 % 22,96 ↑

Silber

pro aurum

15,780

USD

14,35 % 20,500

13,650 14,35 % 27,73 –19,28 % 26,74 ↑

Sojaöl

CBOT Composites

34,460

USD

13,32 % 37,690

29,100 13,32 % 20,43 –11,23 % 20,91 ↑

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

Kakao

USD –33,45 % 3235,000 2137,000 –33,45 % 25,62 –21,06 % 20,68 ↓

ICE US

2137,000

CME GLOBEX

130,775

CBOT Composites

9,425

CME GLOBEX

115,975

Weizen

CBOT Composites

408,750

USD –12,94 %

Mais

Mastrind Reis Lebendrind

USX –21,63 % 168,650 118,900 –21,63 % 20,58 –21,54 % 17,97 ↓ USD

–17,97 %

12,100

9,160 –17,97 % 25,61 –39,27 % 23,27 ↓

USX –14,88 % 141,575 94,475 –14,88 % 20,85 –13,87 % 18,54 ↓ 517,500 362,750 –12,94 % 25,79 –32,21 % 27,23 ↓

CBOT Composites

351,000

USD

–1,96 % 437,750 301,500 –1,96 % 24,02 –16,63 % 23,07 ↓

Platin

pro aurum

900,000

USD

4,05 % 1185,000 805,000

4,05 % 25,31 –33,63 % 20,62 ↓

Hafer

CBOT Composites

228,500

USD

5,18 % 239,000 158,750

5,18 % 38,15 –35,36 % 40,91 ↓

ICE US

137,050

USX

8,17 % 174,100

8,17 % 27,52 23,92 % 35,83 ↓

pro aurum

1145,500

USD

8,37 %

CME GLOBEX

65,800

USX

9,90 %

ICE US

70,650

USX

11,65 % 76,640 56,590 11,65 % 20,42 –16,60 % 21,63 ↓

Goldbarren 100 Gramm

pro aurum

3533,500

EUR

12,19 %

Gold Philharmoniker 1 Unze

pro aurum

1113,500

EUR

12,30 % 1255,750 1007,750 12,30 % 14,33 25,82 % 14,32 ↓

Gold Österreich 1 Dukat

pro aurum

124,250

EUR

12,95 % 141,500 112,000 12,95 % 16,36 24,25 % 16,56 ↓

Kaffee Gold Mageres Schwein Baumwolle

111,600

1360,500 1068,500 8,37 % 16,21 –4,82 % 14,93 ↓ 88,875

41,250

9,90 % 37,64 –23,15 % 35,33 ↓

3981,500 3201,500 12,19 % 14,10 24,88 % 14,06 ↓

KENNZAHLEN FÜR FUTURES BASIEREN AUF UNADJUSTED CONTINUATION CONTRACTS (CC). QUELLE:

43


RENDITE

STATISTIK ÖSTERREICH BÖRSENDATEN DIE WIENER BÖRSE IN ZAHLEN

80 70 60

15 14 13 12

50

11

40

10

30

Q1

Q2

Q3*

QUARTAL

Q1

TOP HANDELSTEILNEHMER PLATZIERUNG DEZ.

(DEZ./15)

Q2

Q3*

14,00

14,30

12,92

13,67

13,53

7

15,57

AKTUELLE PERIODE

Q4

VERGLEICHSPERIODE

8 15,77

87,44

90,59

82,95

84,66

81,82

89,44

80,72

85,73

0

9

VERGLEICHSPERIODE

15,27

20 10

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

90

QUARTALSUMSÄTZE

MRD. EUR

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

MARKTKAPITALISIERUNG

MRD. EUR 100

AKTUELLE PERIODE QUARTAL

Q4

MEISTGEHANDELT HANDELSPARTNER

UMSATZ (MIO. EUR)

PLATZIERUNG DEZ.

(DEZ./15)

MARKTTEILNEHMER

UMSATZ (MIO. EUR)

1.

(1)

Morgan Stanley & Co

540,15

1.

(1)

Erste Group Bank AG

814,46

2.

(-) Wood & Company Financial Services

404,76

2.

(2)

OMV AG

680,76

3.

(7)

Raiffeisen Centrobank AG

363,65

3.

(4)

Raiffeisen Bank International AG

501,07

4.

(2)

Hudson River Trading Europe

324,40

4.

(3)

Voestalpine AG

473,14

5.

(5)

Credit Suisse Securities

318,32

5.

(5)

Immofinanz AG

270,05

6.

(6)

Erste Group Bank AG

318,06

6.

(13)

Buwog AG

244,45

7.

(8)

Merrill Lynch International

303,83

7.

(14)

Conwert Immobilien Invest SE

206,59 206,45

8.

(10)

UBS LTD.

297,72

8.

(6)

Andritz AG

9.

(4)

Deutsche Bank AG

295,45

9.

(7)

Wienerberger AG

187,13

10.

(-)

JP Morgan Securities PLC

282,94

10.

(19)

Lenzing AG

153,05

Gesamt Dezember 2016

4.996,20

Gesamt Dezember 2016

3.737,13

Gesamt Dezember 2015

4.621,64

Gesamt Dezember 2015

3.398,61

Differenz 

374,56

Differenz338,52

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

UMSCHLAGSHÄUFIGKEIT INT. INVESTOREN

INVESTORENGEOGRAFIE

58,50 % niedrig 33,50 % moderat 5,40 % hoch

44

2,60 %

sehr hoch

QUELLE: IPREO, JUNI 2016

USA Österreich Großbritannien Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Kanada Polen andere

QUELLE: IPREO, JUNI 2016

26,80 32,20 13,90 7,10 6,40 5,70 2,30 2,30 2,00 1,30 9,00


RENDITE

10 9

INFLATION

%

QUELLE: AMS

ARBEITSLOSENRATE

%

2

8

1,5

7 6 5

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

WIRTSCHAFTSDATEN ÖSTERREICHS WIRTSCHAFT IN ZAHLEN

1

4

VERGLEICHSPERIODE

3 2

VERGLEICHSPERIODE

0,5

AKTUELLE PERIODE

1

AKTUELLE PERIODE 0

J

F

M

A

M

J

J

A

S

O

N

BIP-WACHSTUM

% 1,5

1

MONAT

D

%

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

D

J

F

M

A

M

J

J

A

S

O

N

LEISTUNGSBILANZSALDO IN % DES BIP

6 5 4

MONAT

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

0

3 0,5

Q1

916*

1.064*

631*

Q2

Q3

0

88,05*

86,32*

1

86,03*

DEFIZIT IN % DES BIP

%

–2

QUARTAL

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

Q4

–1

414*

5.182*

3.850*

730* 5.108*

QUARTAL

84,35*

85

VERGLEICHSPERIODE AKTUELLE PERIODE

81,00*

86

–1

83,65*

GESAMTVERSCHULDUNG IN % DES BIP

87

AKTUELLE PERIODE

88,52*

Q3

0

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

%

Q2

Q1

VERGLEICHSPERIODE

86,13*

86,03*

1

–1

Q4

MIO. EUR

2

88,05*

86,32*

84,35*

83,65*

81,00*

88,52*

0

86,13*

MRD. EUR

84 –3

MRD. EUR

83 82

Q4

Q1

Q2

291,60*

292,37*

288,80*

298,69*

296,32*

283,22*

290,76*

80

–5 278,92*

81

MRD. EUR

–4

Q3

VERGLEICHSPERIODE

–6

VERGLEICHSPERIODE

AKTUELLE PERIODE

–7

AKTUELLE PERIODE Q4

QUARTAL

45

Q1

Q2

Q3

QUARTAL


FINANZPLATZ

AUFSICHT

Streithähne. Die von Hans Jörg Schelling (l.) eingesetzte Arbeitsgruppe zur Aufsichtsreform schlägt vor, die gesamte Aufsichtstätigkeit in der OeNB zu bündeln. Eine andere Variante sieht vor, dass die FMA weiterhin Kapitalmarktprospekte kontrollieren darf. FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller (r.) möchte seine Kompetenzen behalten und hat zuletzt intensivere Kontrollen angekündigt.

HAUEN UND STECHEN UM DIE FMA Spätestens seitdem die Bankenaufsicht auch euro­päisch erfolgt, kümmert man sich mit FMA und OeNB gleich auf drei Ebenen darum, dass an Österreichs Finanzplatz alles mit rechten Dingen zugeht. Drei seien zumindest einer zu viel, heißt es beim Rechnungshof. Finanz­ministerium und Notenbank zeigen beide mit dem Finger auf die FMA. TEXT HANS WEITMAYR

46


FINANZPLATZ

E

s gab eine Zeit, da waren der Rech-

für die FMA: Der aktuelle Bericht des

macht. Das geschah recht geschickt, in-

nungshof (RH) und die Finanz-

Rechnungshofs lässt nahezu kein gutes

dem man in einer Stellungnahme an den

marktaufsicht (FMA) so etwas wie

Haar mehr an der Arbeit der Aufsicht.

Rechnungshof

ziemlich beste Freunde. Das liegt, zuge-

So wird die 2011 noch gelobte Vor-Ort-

darauf aufmerksam machte, dass „EZB,

gebenermaßen, schon ein wenig zurück,

Prüfung vehement kritisiert. „Die Kon-

FMA und OeNB in die Aufsicht involviert

nahezu sechs Jahre, und drückte sich 2011

zentration der bankaufsichtlichen Auf-

sind“, weshalb „die Komplexität des ös-

im damals erschienenen Prüfbericht auch

sichtsbereiche der FMA und der Oester­

terreichischen Aufsichtsmodells inhä-

ein wenig sperrig aus. Immerhin hieß

reichischen Nationalbank (OeNB) in ei-

rent angestiegen ist“. Dadurch, so räumt

es damals aber: „Die Finanzmarktauf-

ner Institution würde die bestmögli-

das OeNB-Direktorium ein, seien „die in

sichtsbehörde, die Oester­reichische Na-

che Nutzung der vorhandenen Ressour-

den vergangenen Jahren erzielten Effizi-

tionalbank und das Bundesfinanzminis-

cen und eine effiziente Organisation der

enzsteigerungen und Schnittstellenver-

terium setzten den überwiegenden Teil

Bankenaufsicht sicherstellen.“ Die Zu-

besserungen zum Teil wieder egalisiert“

der Empfehlungen des Rechnungshofs,

ständigkeiten für Prüfungen sollten zu-

worden; weshalb für den Fall, dass die

die er 2007 veröffentlicht hatte, um.

sammengelegt werden.

Politik „eine neuerliche Reform“ wolle,

© MICHAEL GRUBER / EXPA / PICTUREDESK.

Die Empfehlung des Rechnungshofs zur

zunächst

„allgemein“

„eine Zusammenführung aller Banken-

Stärkung der operativen Aufsichtstätig-

Unter welchem Dach?

aufsichtsagenden in der OeNB vorteil-

keit wurde durch eine wesentliche Inten-

Was natürlich einiges an Zündstoff lie-

haft wäre“. Das nennt man gemeinhin:

sivierung der Analysetätigkeit und eine

fert. Denn die Frage, unter welchem

sich in Stellung bringen.

Ausweitung der behördlichen Aufsichts-

Dach eine der Kernkompetenzen der

Aus dem Umfeld der FMA hört man

maßnahmen umgesetzt. Weiters wurden

FMA stattfinden soll, lässt der RH unbe-

dazu nur, dass gerade bei der umstrit-

die Vor–Ort–Prüfungen in den Jahren

antwortet. Die politisch agile OeNB hat

tenen Vor-Ort-Prüfung keine Doppel-

2008 und 2009 gegenüber dem Untersu-

reagiert und so eine gewisse Deutungs-

gleisigkeit bestünde, da der Prozess aus

chungszeitraum des Vorberichts sowohl

hoheit in der Argumenta­tion erlangt. Be-

zwei nachgereihten Prozessen bestehe:

im Bereich der Bankenaufsicht (plus 30

reits im Oktober des Vorjahres hat sich die

dem Bescheid als Stufe eins und der Prü-

Prozent) als auch der Wertpapieraufsicht

OeNB, dem Vernehmen nach unter Fe-

fung als Stufe zwei. Eine Zusammenle-

(plus 260 Prozent) deutlich erhöht.“

derführung von Vizegouverneur Andreas

gung würde demnach keine Synergien

Wer die Richter kennt, weiß, dass ein

Ittner, der wiederum für Bankenaufsicht

bringen. Beim Rechnungshof sieht man

solches Statement fast schon einem rö-

zuständig ist, für die Zusammenführung

das anders. Etwa in der Kommunika­tion

mischen Einser entspricht. Das Problem

der Aufsicht unter der OeNB starkge-

mit den geprüften Instituten komme es

47


FINANZPLATZ

„FMA soll k ­ leiner, schlagkräf­tiger und günstiger werden.“ HANS JÖRG SCHELLING

schehens an der Wiener Börse anzupeilen. Auch die Parlamentsparteien geben ihren Senf dazu (Seite 83).

Wind aus den Segeln Bei der FMA spürt man diesen von drei Seiten kommenden Druck natürlich re-

„Die FMA begrüßt alle Maßnahmen, die die Aufsicht stärken.“ KLAUS KUMPFMÜLLER

lativ intensiv und versucht entspredemnach sehr wohl zu Doppelgleisig-

chend gegenzulenken. Es ist kein Zufall,

richtshof führen. „Um die Verfahren zu

keiten. Diese würden entfallen, wäre die

dass die Behörde zu Jahreswechsel eine,

beschleunigen, schlagen wir etwa vor,

Prüfung in einem Haus gebündelt. Al-

wie es in der Aussendung heißt, „um-

die Möglichkeit einer Art ‚Plea Bargai-

lein 34,7 Millionen Euro kosteten näm-

fassende Prüfstrategie für 2017 vorge-

ning‘ zu schaffen, bei dem die Behör-

lich laut RH die Vor-Ort-Prüfungen und

stellt hat“. Neben diversen Maßnahmen

de ein Verfahren einvernehmlich ab-

Einzelanalysen der OeNB.

bei Banken und Versicherungen werde

schließen kann“, erklärt FMA-Vorstand

es demnach „einen besonderen Schwer-

Klaus Kumpfmüller. Das bedeutet, es soll

Revierstreitigkeit mit Schelling

punkt im Bereich der Geldwäsche und

nach angelsächsischem Vorbild erleich-

Doch nicht nur vonseiten der OeNB wird

Terrorismusfinanzierung geben, ­ wobei

tert werden, quasi außergerichtliche Ei-

kräftig an der FMA gezerrt, auch Finanz-

die FMA durch interne Ressourcenkon-

nigungen zu erzielen und so weiter. Un-

minister Hans Jörg Schelling, der ten-

zentration die Prüffrequenz um zehn

ter Juristen gilt diese Vorgehensweise

denziell schon zuvor nicht als bester

Prozent erhöhen wird. Banken, Versi-

zwar als gangbar, ob die Maßnahme aber

Freund der Aufsicht galt, hat zuletzt die

cherungen und Wertpapierfirmen wer-

den großen Wurf darstellt, wird bezwei-

Schlagzahl erhöht, um die Kostenexplo-

den dabei ebenso unter die Lupe genom-

felt. Gerade Unternehmen wie Versiche-

sion der Prüfungen einzudämmen. Für

men wie Zahlungsinstitute und Vermitt-

rungen oder Banken können juristische

die wird auch der Steuerzahler erheb-

ler.“ Dann fällt das Zauberwort: Denn im

schwarze Flecken in ihren Rechtferti-

lich zur Kasse gebeten. Die Behörde sol-

Rahmen der geplanten „Vor-Ort-Prü-

gungsberichten gar nicht brauchen und

le sich laut Schelling auf ihre „Kernauf-

fungen soll insbesondere auch die prak-

neigen im Fall der Fälle eher dazu, all-

gabe“, die reine Aufsichtstätigkeit, kon-

tische Umsetzung der videobasierten

fällige Verfahren durchzukämpfen. Der

zentrieren. Aber auch diese solle „klei-

Kundenidentifizierung nach dem neuen

Imageschaden wiegt dann schwerer als

ner, schlagkräftiger und günstiger wer-

Finanzmarkt-Geldwäschegesetz und der

der finanzielle, ein Entgegenkommen

den“, heißt es in dem Papier. Daran sehe

kommenden Online-Identifikationsver-

bei der Strafsumme ist also in vielen Fäl-

man laut Finanzminister, dass es im Zu-

ordnung geprüft werden“.

len keine wirkliche Motivation, Schuld

sammenwirken Verbesserungen geben

Die Kritik im Rohbericht des RH de-

müsse. „Und die fordere ich auch ein“,

cke sich „im Wesentlichen“ mit der ei-

wie Schelling sagt, und dafür hat er eine

genen Schwachstellenanalyse, hieß es

Schwierige Gemengelage

Arbeitsgruppe eingerichtet, die bis Ende

in der Reaktion. Es werde bereits an der

Die FMA hat jedenfalls nicht mehr all-

Jänner Ergebnisse liefern sollte.

Ausmerzung der Schwächen gearbeitet.

zu viel Zeit, sich eine Gegenstrategie zu

Beobachter orten in den Begehrlich-

Der jetzt vorliegende RH-Bericht sei „je-

den aktuellen Aufspaltungsszenarien zu

keiten von Politik und Verwaltung auch

denfalls eine profunde Arbeitsgrundla-

überlegen. Diverse Begutachtungen und

die eine oder andere offene Rechnung

ge“ für eine Reform der Institution. Man

Diskussionen werden den Sommer über

mit der FMA. Schelling könnte sauer

kann das auch einen Versuch nennen,

laufen. Zu einer Reform, ob notwendig

aufgestoßen sein, dass die Behörde le-

den Gegner zu Tode zu umarmen.

oder nicht, könnte es dann im Herbst

unbestritten auf sich zu nehmen.

gistische Kompetenzen ausfüllt, die sei-

Auf die vielen wohlmeinenden Ide-

kommen. Das Problem der FMA: Mit der

ner Meinung nach in sein Haus gehören.

en, die FMA zu reformieren, reagiert

Europäisierung der Aufsicht ist tatsäch-

Ein Beispiel dafür ist die Verordnung zum

man bei der Behörde jedenfalls relativ

lich eine weitere Ebene in die Aufsicht

Garantiezins für Lebensversicherungen,

verhalten. Allzu großen Umstrukturie-

gezogen worden. Dass dadurch die Ef-

die im Vorjahr von der FMA verabschie-

rungsbedarf ortet man nicht, sondern

fizienz abnimmt, ist fast zwingend lo-

det wurde. Solche Aufgaben sollen künf-

spielt den Ball eher an den Gesetzgeber

gisch. Hinzu kommt, dass die Agentur

tig wieder ins Finanzministerium geholt

zurück. Und man weist auf die teilwei-

erst 2002 gegründet wurde, sie also über

werden. Insgesamt scheint der Finanz-

se extrem langen und mit entsprechen-

relativ wenig historische gewachsene

minister ein Zusammenstutzen der Auf-

den Kosten verbundenen Verfahren hin,

Reputation verfügt und außerdem durch

sicht auf die Beobachtung des Kursge-

die nicht selten bis zum Obersten Ge-

das Heta-Debakel zu Recht oder zu Un-

48


FINANZPLATZ

recht arg in PR-technische Bedrängnis

gierung eine Zweidrittelmehrheit zu-

pläne folgendermaßen kommentieren:

gekommen ist. Zwei Voraussetzungen

sammenbringt. Denn die einschlägigen

„Das ist eine politische Frage, die Ent-

braucht es aber für eine Reform bezie-

Gesetze zur FMA befinden sich in Verfas-

scheidung obliegt dem Gesetzgeber. Die

hungsweise Stutzung der FMA: erstens,

sungsrang. Insofern kann sich Kumpf-

FMA begrüßt aber alle Maßnahmen, die

dass dann noch die aktuelle Regierung

müller mit seinem Kollegen Helmut Ettl

die Aufsicht über den österreichischen

im Amt ist. Und zweitens, dass diese Re-

gelassen zurücklehnen und die Reform-

Finanzmarkt stärken.“ n

RECHTSLAGE

JURISTEN SIND GETEILTER MEINUNG

E

s ist heikel, sich über jemanden zu äußern, der in sensiblen Verhandlungen auf der anderen Seite

des Tisches sitzt. Eine solche Konstellation ergibt sich zwischen FMA und Wirtschaftsanwälten. Der Börsianer hat sich trotzdem bei den Juristen umgehört. Der

„Vieles hängt von den ­konkret handelnden ­Personen ab.“

„Oft herrscht ­wenig Diskussions­ bereitschaft.“

GERNOT WILFLING

URSULA RATH

überraschende Grundton: Allzu unzuliegen.“ Hier spielt auf jeden Fall herein,

darum, einen Vergleich zu schließen,

So meint etwa Gernot Wilfling, Part-

dass durch die relativ frisch eingezoge-

bevor sich eine Causa verselbstständigt,

ner bei Müller Partner: „Prinzipiell sehe

ne EZB-Ebene zusätzlicher Koordinie-

zum Obersten Gerichtshof geht und ent-

ich die FMA als nicht so schlecht aufge-

rungsbedarf mit entsprechenden Varia-

sprechende finanzielle wie personelle

stellt. Aus meiner Erfahrung hängt vie-

blen in der Rechtsauslegung besteht.

Mittel bindet. In der Regel würden aber

frieden ist man gar nicht.

les von den konkret handelnden Perso-

Mit der FMA im Austausch stehende

vor allem Banken und Versicherer ver-

nen ab.“ Wobei es in diesem Bereich eher

Anwälte orten teilweise auch eine un-

suchen, ihre juristische Weste möglichst

um das Verhältnis einer Servicedienst-

nötig harsche Rechtsprechung. Da wird

weiß zu halten. Geht man ein „Bargai-

stelle zu ihren Kunden geht. Viel ent-

mitunter auch schon mal prophylaktisch

ning“ ein, kommt aber ein Fleck auf eben

scheidet sich hier im Bereich Beratung,

die härtere Gangart gewählt. „Das sieht

diese Weste. Die Institute würden also

Aufklärung und beim Ausjudizieren von

dann so aus, dass man als Antwort be-

eher weiterhin bis zur letzten Instanz ge-

Rechtsauslegungen: Es handelt sich also

kommt: ‚Verstehe, was Sie meinen, kann

hen, um so auch noch die letzte Chance

um ein weit weniger aufgeladenes Ver-

man aber auch anders sehen, ich neh-

zu nützen, juristischen Makel von ihren

hältnis, als wenn man direkt Gegenstand

me vorsichtshalber die strengere Mei-

Rechenschaftsberichten fernzuhalten.

einer Hausdurchsuchung wird.

nung‘“, erklärt ein Anwalt, der nicht na-

Tatsächlich gibt es aber auch bei der

mentlich genannt werden will. Das wäre

FMA eine Art Best-Practice-Leuchtturm.

Ressourcenmangel

aus Sicht der Juristen nicht notwendig, da

„Die Agentur ist in manchen Bereichen

Dennoch ist nicht alles eitel Wonne.

die Behörde ja de jure nicht weisungsge-

eine äußerst serviceorientierte Behör-

Denn so personenabhängig sich der Um-

bunden und somit vom Finanzministeri-

de“, lobt Schönberg-Partnerin Rath. Und

gang mit der Behörde gestaltet, so vola-

um unabhängig ist. In diesem Fall pral-

konkret: „Als Positivbeispiel fällt mir die

til können mitunter auch die Erfahrun-

len aber anscheinend Theorie und politi-

Prospektaufsicht ein.“ Diese agiere nach

gen sein. So meint etwa Schönherr-Part-

sche Praxis aufeinander. Ein Match, das

dem Motto „hart aber fair“, wie ein an-

nerin Ursula Rath: „In manchen Berei-

offenbar zugunsten der Praxis ausgeht.

derer Anwalt erklärt. Die Aufsicht sei

chen fühlt man sich dann doch etwas

hier in ihrem Agieren berechenbar und

alleingelassen, oft herrscht wenig Dis-

Skepsis gegenüber „Plea Bargaining“

deshalb auch zuverlässig. Die Abteilung

kussionsbereitschaft. Das könnte auch

Etwas skeptisch sieht man in der Juris-

wurde mehrfach als eine Art Leuchtturm

an einem gewissen Ressourcenmangel

tencommunity auch den Vorstoß des

im Reich der Aufsicht genannt. Wir hof-

und an den oft interpretationsbedürfti-

FMA-Vorstands, das sogenannte „Plea

fen, wir haben ihr durch die positive Er-

gen europäischen Regulierungsvorgaben

Bargaining“ zu forcieren. Hier geht es

wähnung nicht geschadet. n

49


BRANCHEN

BANKEN

KOLUMNE

WILHELM CELEDA Vorstands­ vorsitzender Raiffeisen Centrobank AG

AUFRUF ZUR REANIMATION

RAIFFEISEN ERFINDET SICH NEU

Durch die Fusion der Raiffeisen Zentral-

Prozent betragen. Für eine RZB-Aktie gibt

Auch wenn dies ein frommer, sich

bank AG (RZB) mit der Raiffeisen Bank In-

es 31,55 RBI-Aktien, Altaktionäre erhalten

bereits mehrmals wiederholender

ternational AG (RBI) bricht in der Raiffei-

neue Aktien um 3,05 Euro. Die Fusion soll

Neujahrswunsch eines bekennen­

sen-Gruppe eine neue Ära an. RBI-Risi-

die Kapitalisierung verbessern. Die Kern-

der Jahresanfang eine gute Gele­

kovorstand Johann Strobl übernimmt den

kapitalquote (CET-1 fully loaded) der fu-

genheit, die erforderlichen Wieder-

Vorstandsvorsitz des fusionierten Insti-

sionierten RBI beträgt 11,3 Prozent. Neben

belebungsinstrumente und deren

tuts ab März 2017 und löst damit Karl Se-

der Fusion setzt die Raiffeisen-Gruppe den

Anwendung aufzulisten: Die durch-

velda ab, der die RBI seit Juni 2013 gelei-

Verkauf von Beteiligungen fort; ebenfalls

tet hatte. Insgesamt werden dem neuen

mit dem Ziel, das Eigenkapital zu stärken.

zum österreichischen Kapitalmarkt

Vorstand neben Strobl weitere fünf Mana-

Darunter fiel im abgelaufenen Quartal der

im vergangenen Jahr werden durch

ger angehören, darunter Finanzchef Mar-

Teilverkauf der RZB-Beteiligung an der

regulatorische und wirtschaftliche

tin Grüll sowie Strobl-Stellvertreter und

Uniqa Insurance Group AG sowie der Ver-

Förderung von Kapitalmarktini-

Marketingvorstand Klemens Breuer. RZB-

kauf der Raiffeisen Leasing Polska an die

Chef Walter Rothensteiner bleibt bis 2018

PKO Leasing. Die Verhandlungen mit der

Begräbnis der Finanztransaktions-

Raiffeisen-Generalanwalt.

Alior Bank über einen Verkauf der Polbank

steuer. Seitens der Wiener Börse

Der Streubesitz der RBI sinkt durch den

scheiterten, die RBI muss ihrer Tochter in

werden die Listinganforderungen

Merger und die damit verbundene Kapital-

Warschau bis Juni 2017 an die Börse brin-

vor allem für kleinere Unterneh-

erhöhung in der Höhe von 109,7 Millionen

gen. Der polnische Staat hat aber zuletzt

Euro von 39,2 auf rund 35 Prozent. Der An-

erneut Interesse an der polnischen Raiff-

teil der Landesbanken an der RBI wird 58,8

eisentochter bekundet.

den Kapitalmarktfreaks ist, bietet

aus positiven Bekennt­nisse vom Finanz- und Wirtschaftsministerium

tiativen in die Tat umgesetzt und münden in einem standesgemäßen

men reduziert, das Weggehen von der Börse wird erleichtert, um das Kommen zu erleichtern, die Gebührenstruktur wird reformiert. Dem Vermitteln von Kapitalmarktwissen wird an Schulen mehr Raum gege-

Bank Austria muss einsparen

ben, damit zumindest nächste Generationen die Möglichkeit haben, selbstständig zu entscheiden, ob sie den Kapitalmarkt zur Realisierung

Die Unicredit Bank Austria AG muss in den

von Projekten oder lediglich zur

kommenden Jahren ihre Kosten-Ertrags-

Veranlagung nutzen wollen. Oder doch lieber m ­ eiden wollen und sich damit der künftigen Bevormundung

Relation von zuletzt 80 auf 60 Prozent senken. Und so ihren Teil zum Einsparungs-

durch Mifid II entziehen. Auch wenn

programm der italienischen Mutter bei-

manches länger brauchen wird, bin

tragen.

ich überzeugt, dass einiges davon

soll es nicht geben. Es gab jedoch für ei-

bereits in Umsetzung oder Planung ist. Nicht nur, um die sehr seltene Spezies von Kapitalmarkt­experten

Betriebsbedingte

Kündigungen

nige 100 Mitarbeiter Handshake-Lösungen. Unicredit-Konzernchef Jean Pierre

vor dem Aussterben zu bewahren,

Mustier präsentierte im Dezember 2016

von 13,5 Milliarden Euro. Sechs Milliarden

sondern vor allem deshalb, weil

seine neue Strategie. Im Gesamtkonzern

Euro spülte der Verkauf der Bank Pekao in

ein funktionierender Kapitalmarkt

werden 14.400 Mitarbeiter gestrichen. Im

Polen sowie der Fondstochter Pioneer In-

Jänner gab es grünes Licht für die Kapital-

vestment in die Kasse. Faule Kredite im

erhöhung in Höhe von 13 Milliarden Euro.

Wert von 17,7 Milliarden Euro wurden an

Das ist in etwa so viel wie die Streubesitz-

Pimco und den US-Finanzinvestor Fort-

marktkapitalisierung der Bank in Höhe

ress verkauft.

Investitionen fördert und damit wesentlich zu Wachstum und Wohlstand beiträgt.

w.celeda@derboersianer.com

50


BRANCHEN

Aurel Schubert (EZB), Stefan Gerlach (BSI Bank), Theresia Theurl (Universität Münster), ­Wolfgang Habermayer (Merito) und ­Reinhard Kern (Österreichische Hagelversicherung) ­diskutierten über die Geldpolitik der EZB (v. l.).

Auf der siebenten Merito-Investmentkonferenz im Palais Niederösterreich erörterten Experten Fragen nach einer „Zukunft ohne Zinsen?“. Wolfgang ­Habermayer, Vorstand der Merito Financial Solutions, bewarb Aktien, Theresia Theurl, Rektorin der Westfälischen Universität Münster, erklärte, dass das Zentralbankgeld wegen Überkapazitäten nicht in der Realwirtschaft ankommt.

Das Grauen von Basel IV Europäischen Banken drohen nach derzeitigem Stand der Basel-IV-Reformen Kapitallücken von 200 bis 300 Milliarden Euro. Das ergibt eine Analyse von PwC

TICKER

BKS Bank AG begibt Social Bond +++ Kapitalerhöhung der Oberbank AG erlöst 165,6 Millionen Euro +++ Raiffeisen Centrobank ist in Österreich Nummer eins in Aktienhandel und Sales +++ Bank Austria nun unter Einlagensicherung der Banken & Bankiers +++ Bawag PSK AG plant neues Headquarter am Hauptbahnhof

Strategy&. „90 der von uns untersuchten 130 Banken werden Kapitallücken aufweisen“, sagt Andreas Putz, Geschäftsführer von PwC Strategy& Österreich. Grund dafür ist, dass sich die Berechnungen der Risikogewichteten Aktiva (RWA), die mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen, in nahezu allen Ansätzen verän-

gerechnet, da sie hohe Kreditvolumina

dern. Außerdem erwartet PwC Strategy&

an Firmenkunden in den Büchern ha-

eine massive Ausweitung der Reporting­

ben. Die Aufgabe der Banken sei es nun,

anforderungen an die Aufsichtsbehör-

die eigenen Geschäftsmodelle auf ihre

STUDIE. Die Anzahl der Trans-

den. Darunter fällt etwa die monatliche

wirtschaftliche Tragfähigkeit unter den

aktionen ohne Bargeld wird in

anstatt quartalsweise Berichterstattung

Bedingungen der Neuregulierungen und

des Marktpreisrisikos. Bei deutschen und

hinreichende Profitabilität zu prüfen. Die

österreichischen Banken wird mit Kapi-

Basel-IV-Reformen treten voraussicht-

tallücken von bis zu 40 Milliarden Euro

lich ab 2019 in Kraft.

BANKEN BRAUCHEN DIGITALISIERUNGSWELLE

Europa bis 2025 um 40 Prozent zunehmen. Banken könnten bei dieser Einnahmequelle aber durch die Finger schauen. Das ergibt eine Studie von AT Kearney, die 60 europäische Führungskräfte von Banken, Paymentanbietern und -händlern befragte. „Nur wenn es den Banken gelingt, ihre Bezahlangebote zu digitalisieren,

KARRIERE

werden sie dem Wettbewerb mit spezialisierten Dienstleistern standhalten“, sagt Andreas Pratz, Partner bei AT Kearney. So sind

Stefan Zapotocky

Johann Strobl

Heinrich Spängler

ist neuer Vorstand des Firmenkundengeschäfts der Sberbank Europe AG. Der ehemalige Chef der Wiener Börse AG war zuletzt Managing Partner beim Unternehmens­ finanzierer LPC Capital Partners.

ist neuer Vorstandsvorsitzender des fusionierten Spitzeninstituts der Raiffeisen Bank International AG. Davor war Strobl Finanz­vorstand der Bank Austria Creditanstalt und zuletzt Risikovorstand der RBI.

wurde mit dem Arex Award ausgezeichnet, der die Leistung von Aufsichtsräten in österreichischen Unternehmen würdigt. Der 71-Jährige ist Vorsitzender des Aufsichtsrats im Bankhaus Spängler.

ab 2018 Drittanbieter berechtigt, Zugang zu Kontoinformationen abzufragen und Überweisungen zu

51

veranlassen. Banken könnten vom automatisierten Handel vernetzter Geräte nur profitieren, „wenn sie es schaffen, für ihre Kunden alle Zahlungsströme zu integrieren und Transparenz und Überblick über ihre Ausgaben zu ermöglichen“.


BRANCHEN

VERSICHERUNGEN

KOLUMNE

WOLFRAM LITTICH Vorstands­ vorsitzender Allianz Gruppe in Österreich

WEICHEN JETZT STELLEN! Wir schreiben das Jahr 2060: Jeder dritte Österreicher über 65 ist pflegebedürftig – in absoluten Zahlen sind das eine Million Menschen! Derzeit erkennen viele Menschen den Bedarf erst, wenn ihre Eltern pflegebedürftig sind – also zu spät. Die Versicherungswirtschaft wünscht sich daher von der Politik eine Reform der Zukunftsvorsorge. Eine Änderung per Jahresbeginn 2017 ist geplant: Der Kunde soll bei Pensionsantritt eine weitere Option für die Verwendung der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge erhalten – nämlich für eine Pflegeversicherung. Das wäre ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung – denn damit hat man für den Pflegefall mit einem vergleichsweise kleinen Betrag den

KONSERVATIVE VERSICHERER BESTEHEN STRESSTEST

Anspruch auf eine höhere Rente. Voraussetzung dafür ist, dass

Neun heimische Versicherer, die insge-

hochverzinsten Altverträgen würden unter

Anspruch auf Pflegegeld nach dem

samt 80 Prozent des Marktes abdecken,

Stress verstärkt Eigenmittel einbüßen.“

Bundespflegegeldgesetz vorliegt

mussten sich im vergangenen Jahr einem

Die FMA betonte deshalb die Wich-

Pflegeversicherung handelt. Unab-

Stresstest der europäischen Aufsichts-

tigkeit ihrer mit Jahreswechsel durchge-

hängig von einer etwaigen Reform:

behörde EIOPA unterziehen. Gemein-

führten Absenkung des höchstzulässi-

Idealerweise sollte man möglichst

sam mit allen Anbietern am heimischen

gen Rechnungszinses in der Lebensversi-

früh mit einer privaten Pflegevor-

Markt wurde ihre Risikotragfähigkeit dar-

cherung von 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent.

über hinaus auch separat von der Finanz-

Außerdem würden die Testergebnisse „die

marktaufsicht (FMA) geprüft.

Verpflichtung zur Bildung von Zinszu-

und es sich um eine selbstständige

sorge beginnen. Sowohl Versicherungsdauer als auch Leistungsdauer sind lebenslang. Die Einstufung

satzrückstellungen bestätigen“.

erfolgt analog den Pflegestufen

Letztere berichtet, dass die heimischen

des Bundespflegegeldgesetzes,

Unternehmen „im internationalen Ver-

In einer Aussendung hielt die FMA fest,

geleistet wird ab der Pflegestufe

gleich konservativ vorgegangen sind“.

dass die Analyse „einmal mehr die inhä-

Dennoch warnte die Behörde vor den Aus-

rente Diskrepanz zwischen den garantier-

wirkungen eines anhaltenden Niedrig­

ten und den unter den angenommenen

zinsumfelds: „Insbesondere Lebensver-

Rahmenbedingungen nachhaltig erziel-

sicherungen mit einem hohen Anteil an

baren Renditen deutlich gemacht“ habe.

drei. Ab der Pflegestufe fünf werden 100 Prozent der versicherten Rente geleistet. w.littich@derboersianer.com

52


BRANCHEN

TICKER

Zukunftsvorsorge Die staatlich gestützte „Prämienbegüns-

Insgesamt wurden in dem Produkt per

tigte Zukunftsvorsorge“ (PZV) verliert

Jahresende 2015 knapp mehr als acht

weiter an Bedeutung. Das ist den jüngs-

Milliarden Euro verwaltet. Die Veranla-

ten Statistiken der Finanzmarktaufsicht

gungsperformance auf kumulierte Kun-

(FMA) zu entnehmen: Der Bestand sank

denprämien plus staatliche Prämien wäre

2015 um 5,4 Prozent auf 1.505.623 Verträ-

zwar mit 5,9 Prozent „klar positiv“ ge-

ge. Allerdings ist darin auch der Ausstieg

wesen, die FMA betont jedoch, dass die-

der Kapitalanlagegesellschaften (KAG)

ser Wert „vor Kosten“ ermittelt wurde:

aus dem Geschäftsfeld berücksichtigt, die

„Nach Kosten schlossen knapp mehr als

seit 2010 kein Neugeschäft mehr betrei-

die Hälfte der Produkte sogar negativ ab.“

ben. Bei den Versicherern allein lag der

Dies ergab eine Vergleichsrechnung zwi-

Rückgang „nur“ bei 4,5 Prozent.

schen 2006 und 2015.

Pensionskassen mit 4,17 Prozent

EVN Pensionskasse geht an VBV +++ Aon Holdings Mid Europe B.V. kauft Versicherungsmakler Vero +++ LV-Rückgang lässt Prämien im Q3 um ‒0,85 Prozent sinken +++ VIG zahlt 257 Millionen Euro Ergänzungskapitalanleihen zurück +++ VBV Vorsorgekasse AG gewinnt Klimaschutzpreis des ORF +++ Generali-Versicherung mit IT-Service für Handy und PC

Aktien und Investitionen in Schwellen-

Bei der Vorstellung der Ergebnisse be-

ländern in diversen Anlageklassen ha-

grüßte

ben den heimischen Pensionskassen zu

verbandsobmann

einem respektablen Ergebnis verholfen:

sen (FVPK), den Vorschlag bezüglich ei-

Über das vergangene Jahr erzielten die

nes „Generalkollektivvertrags“, wie ihn

STUDIE. Hätten die österreichischen

insgesamt elf Anbieter ein durchschnitt-

Bundeskanzler Christian Kern präsen-

Haushalte ein Fünftel der Gelder,

liches Veranlagungsergebnis von 4,17

tiert hat: „Wir würden eine verpflich-

die sie bei Banken „geparkt“

Prozent. 2015 waren nur 2,32 Prozent

tende Pensionskassenlösung auf Ebene

erzielt worden. Der langjährige Schnitt

des ‚Generalkollektivvertrags‘ empfeh-

über fünf Jahre liegt dabei derzeit bei 5,5

len, ­und jede Branche kann dann indivi-

Prozent.

duelle Details selbst regeln.“

Andreas

Zakostelsky, der

Fach-

Pensionskas-

ALLIANZ WARNT VOR „ARMSPAREN“

haben, gleichermaßen in Aktien und Investmentfonds investiert, dann hätte die Vermögensrendite 3,4 Prozent betragen. Das sagt eine Studie der Allianz. Weil jedoch noch immer die Hälfte des Geldvermögens vor allem auf Sparbüchern liegt, stieg dessen Wert seit 2012 nur um 2,9 Prozent pro Jahr. Schuld

Auf kleinem Fuß

daran sei vor allem die durchschnittliche Realrendite von minus

KARRIERE

0,9 Prozent auf Bankeinlagen. „Österreichs private Haushalte

Die Valida Plus AG misst im Rahmen ih-

setzen das ‚Armsparen‘ fort“,

rer Nachhaltigkeitsstrategie seit kurzem den CO2-Fußabdruck der Aktienanlagen in der für Kunden offenen Veranlagungsgemeinschaft: „Der relative CO2-Fußabdruck des Aktienteils liegt mit 137 Tonnen pro eine Million investierter Euro deutlich unter jenem des MSCI World mit 198 Tonnen“, stellte die Valida gegenüber Der Bör­ sianer fest.

kommentierte Martin Bruckner,

Beate Sommerer

Vorstandssprecher der Allianz Investmentbank AG. Im europäischen Vergleich liegen die Finnen an

ist zum Jahresbeginn in die Geschäftsführung der Allianz-Kundenservice-Tochter „Top Versicherungsservice GmbH“ eingetreten. Sie folgt dem pensionierten Kurt Benesch nach. Sommerer, die seit 1995 bei der Allianz tätig ist, leitet dieses Segment gemeinsam mit dem langjährigen Geschäftsführer Harald Lankisch.

53

erster Stelle mit einer Vermögenswachstumsrate von 6,7 Prozent vor den Niederländern mit 5,1 Prozent. Auch die Deutschen konnten ein jährliches Durchschnittswachstum von 4,6 Prozent erzielen.


BRANCHEN

FONDS

KOLUMNE

HEINZ BEDNAR Präsident VÖIG

ÜBERDURCHSCHNITTLICH NACHHALTIG Die österreichische Fondswirtschaft blickt auf ein an den Finanz-

KONSOLIDIERUNG AM HEIMISCHEN FONDSMARKT SETZT SICH FORT Mit der Übernahme der Unicredit-Toch-

fünf Jahren seine Assets knapp vervier-

ter Pioneer Investment durch Amun-

fachen können. „Die Kunden honorie-

di Asset Management im Dezember 2016

ren in diesem Umfeld Kontinuität. Man

verlauf aber wenig spektakuläres

steigt Amundi in Österreich zur dritt-

braucht genügend Personal. Fly-in, fly-

Jahr 2016 zurück. Die von den

größten Fondsgesellschaft auf. Das ver-

out im Sechsmonatsrhythmus ist einfach

österreichischen Investment-

waltete Vermögen von Amundi Austria

nicht gut genug“, meint Lessing. Schwie-

fondsgesellschaften verwalteten

und Pioneer Investment Austria beträgt

riger läuft das Österreichgeschäft für JP

zusammen rund 22,5 Milliarden Euro.

Morgan Asset Management. Geschäfts-

Größer sind nur noch Erste Sparinvest

leiter Berndt May verlässt mit Februar

temporär aufgetretenen interna-

KAG und Raiffeisen KAG. Amundi hat-

2017 das Unternehmen, die Stelle wird

tionalen politischen Turbulenzen

te sich 2015 bereits die Bawag PSK In-

nicht nachbesetzt. Als Vertriebs­standort

Mut gefasst und die Risikokom-

vest einverleibt. Union Investment aus

ist Österreich für ausländische Gesell-

Deutschland, die im gleichen Jahr bei

schaften dennoch wichtig. „Die Kunden-

der Volksbank Invest zugeschlagen hat-

betreuung vor Ort ist absolut nachge-

die sich im unverändert geblie-

te, schließt nun den Produktionsstandort

fragt“, sagt Thomas Kraus, Österreich-

benen Niedrigzinsumfeld sehen

Wien und trennt sich von 37 Mitarbei-

chef von Invesco Asset Management. Das

lassen können: 80 Prozent der in

tern. Die Konsolidierung in der Branche

Geschäft mit Versicherungen und Pen-

sei aber noch lange nicht vorbei, glaubt

sionskassen stagniert. „Vorsorgekassen

märkten bewegtes, im Geschäfts-

Anlagevolumina stiegen um 2,7 Prozent auf 167,1 Milliarden Euro. Die Investoren haben trotz der

ponente in ihren Veranlagungen in die Höhe geschraubt. Dafür wurden sie mit Erträgen belohnt,

Österreich erhältlichen Fonds erzielten eine positive Performance.

Adam Lessing, Österreich-Chef von Fi-

wachsen und schreiben Mandate inter-

der Wertzuwachs 5,48 Prozent.

delity International. Fidelity hat in Zen-

national aus. Um die wird in Österreich

Drei von zehn Österreichern und

tral- und Osteuropa in den vergangenen

gekämpft“, sagt Kraus.

Im arithmetischen Mittel betrug

Österreicherinnen haben einen positiven Zugang zu Wertpapieren und Fonds. Hier gibt es dennoch Luft nach oben. Besonders nachhaltige Geldanlagen, die schon

FTC Capital setzt auf Kunstfonds

jetzt überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen, werden ein

Der Wiener Asset-Manager FTC Capi-

Heilige Gral wie irgendeine andere In-

Schwerpunkt im Vertrieb sein.

tal (FTC) will sich ein zweites Standbein

vestmentstrategie oder Asset-Klasse“,

aufbauen. Ein Kunstfonds soll in Zukunft

sagt Eduard Pomeranz, Vorstandsvor-

die Fondspalette des Asset-Managers er-

sitzender von FTC. Aus regulatorischen

die alte Regelung wieder in Kraft

gänzen. Der Fonds wird sich auf die Fi-

Gründen wird es für institutionelle An-

getreten ist. Das heißt, es können

nanzierung von Kunstwerken und Künst-

leger immer schwieriger, in Managed Fu-

neben Wohnbauanleihen auch

ler spezialisieren. Aufgelegt werden soll

tures zu investieren. Da der neue Kunst-

der Kunstfonds in diesem Jahr. Der Fokus

fonds außerdem eine regelmäßige Aus-

von FTC liegt auf trendfolgenden „Ma-

schüttung für Investoren beinhalten soll,

naged Futures“, aber: „Managed Futures

rechnet sich FTC gute Chancen durch den

sind genauso wenig der sprichwörtliche

neuen Geschäftszweig aus.

Positiv für die Branche ist auch, dass ab 1. Jänner 2017 für KMUs im Rahmen des Gewinnfreibetrags

wieder Wertpapiere und Fonds, die den § 14 EStG erfüllen, begünstigt angeschafft werden. h.bednar@derboersianer.com

54


BRANCHEN

Thomas Dangl (Technische Universität Wien), Martin Kocher (Ludwig-Maximilians-Universität München), Lucrezia Reichlin (London Business School), Thomas Wieser (Euroarbeitsgruppen-Vorsitzender) und Josef Zechner (Wirtschaftsuniversität Wien) machten sich Gedanken über den Brexit (v. l.).

Was kommt nach dem Brexit? Referenten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sprachen beim Investmentseminar des Spängler IQAM Research Center in der Österreichischen Kontrollbank über die Folgen des EU-Ausstiegs der Briten.

Fondsgigant: Erste wächst weiter Die Erste Asset Management schließt ein

2015 gestartete Strategie zur Reduk­ tion

weiteres Jahr mit Voluminasteigerung ab.

der Kosten und Vereinfachung interner

Der Vermögensbestand erhöhte sich 2016

Strukturen. Essenzieller Teil der Strategie

TICKER

Die HNA Group erwirbt 9,9 Prozent der C-Quadrat +++ Natixis Asset Management bringt Futures-Fonds nach Europa +++ C-Quadrat kündigt Direct Lending Fonds für Spanien an +++ Amundi Austria lanciert Mega-Immobilienfonds +++ Erste Asset Management legt nachhaltigen Dividendenfonds auf +++ Schroders beteiligt sich an Technikpionier Benchmark Capital

um 2,2 Prozent. Das in Österreich verwal-

ist die Aufnahme von Tochtergesellschaf-

tete Vermögen beträgt damit 37 Milliarden

ten. Nach der Aufnahme der tschechischen

Euro. Mit dem in den Nachbarländern be-

Tochter Investicni Spolecnost Ceske Spo-

treuten Kapital sind es sogar 57,2 Milliar-

ritelny vergangenes Jahr war der jüngste

den Euro. Der Fondsriese unterstreicht so

Streich die Aufnahme der Ringturm KAG.

seine Dominanz am Markt der heimischen

„Der Zusammenschluss ist für uns ein wei-

Vermögensverwalter. Mit einem Unter-

terer logischer Schritt, die Erste Asset Ma-

schied von etwa neun Milliarden Euro zur

nagement soll langfristig immer mehr zu

liegen stark im Trend, für private

zweitplatzierten Raiffeisen KAG liegt die

einer Einheit wachsen“, sagte Heinz Bed-

Anleger zwischen 18 und 35 Jahren

Erste Asset Management klar auf Platz

nar, Vorstandsvorsitzender der Erste Asset

sind Umwelt, Soziales und gute

eins. Möglich macht diese Platzierung eine

Management im Hinblick auf die Fusion.

Unternehmensführung immer

MILLENNIALS SETZEN AUF NACHHALTIGKEIT STUDIE. Nachhaltige Investments

wichtiger. Besonders wichtig sind die Themen „Environmental, Social and Governance“, kurz ESG. Das ergab die Schroeders-Global-

KARRIERE

Investor-Studie 2016, eine Befragung von 20.000 Anlegern in 28 Ländern. Vor allem die Faktoren Armut und Klimawandel spielen

Alejandro Arevalo

Ottmar Heine

Berndt May

ist seit 9. Dezember 2016 neuer Fondsmanager bei dem Investmentverwalter Jupiter. Sein Fokus wird auf dem Bereich Schwellenländeranleihen liegen.

übernimmt die Geschäftsführung der deutschen Lacuna-Gruppe. Er war zuvor Geschäftsführer eines Tochterunternehmens der Gruppe und übernimmt das Ruder von Thomas Hartauer.

verlässt JP Morgan Asset Management Österreich nach 15 Jahren als Geschäftsleiter. Für den gebürtigen Kärntner wurde der JP-Morgan-Neujahrsempfang zur Abschiedsfeier.

für diese Altersgruppe eine deutlich höhere Rolle als für den Rest der Anleger. Die 2016 erschienene

55

European SRI Study von Eurosif zeigt weiters, dass vor allem das Interesse an Green Bonds wächst. Ihr Volumen ist von 20 Milliarden Euro 2013 auf 98 Milliarden Euro gestiegen.


BRANCHEN

AKTIEN

KOLUMNE

BETTINA SCHRAGL Head of Investor Relations Immofinanz AG

SPEEDDATING VERSUS ROADSHOW Wie ist bei der Investorenansprache die Zeit am effektivsten genutzt? Diese Frage stellt sich bei der Planung für Investoren-

LENZING INVESTIERT 275 MILLIONEN EURO IN DEN USA Die Lenzing AG wird um 275 Millionen

neuen strategische Ausrichtung. „Wir

konferenzen und Roadshows

Euro ein neues Spezialfaserwerk in Mo-

werden damit unserem Ziel näherkom-

regelmäßig. Konferenzen, bei

bile, Alabama, errichten. Die Zustim-

men, den Anteil der Spezialfasern an den

denen man an einem Tag bis zu 20

mung zu dem Megaprojekt gab der Auf-

Umsatzerlösen bis zum Jahr 2020 auf 50

Institutionelle treffen kann, noch

sichtsrat im Dezember 2016. Ähnlich wie

Prozent zu steigern“, sagt Lenzing-Vor-

bei der Voestalpine AG, die 500 Millionen

standsvorsitzender Stefan Doboczky. Im

Euro in ein Werk in Texas investiert, spre-

ersten Halbjahr 2016 machte die Spezi-

Visitenkarten werden bei diesen

chen bessere Förderungen und niedrigere

alfaserproduktion 42,4 Prozent des ins-

Events allerdings im 40-/45-Mi-

Energiepreise für den Standort USA. Das

gesamt 1,34 Milliarden Euro hohen Um-

nuten-Takt eingesammelt, neben

Werk soll im ersten Quartal 2019 in Be-

satzes aus. Um die Ziele zu erreichen und

trieb genommen werden. Die Lenzing AG

den Ausbau der Werke umzusetzen, wur-

geht mit der Investition in Alabama und

de das neue Vorstandsressort „Technik“

men oder unterschiedliche Inter-

mit geplanten Werksausbauten in Öster-

ins Leben gerufen. Erster Technik-Vor-

essen, und es können meist nicht

reich am Standort Lenzing und Heiligen-

stand wird Heiko Arnold, der langjährige

alle Wünsche erfüllt werden. Eine

kreuz in der Höhe von rund 100 Millio-

Erfahrung bei der Umsetzung von Inves-

nen Euro einen weiteren Schritt hin zur

titionsprojekten mitbringt.

dazu, ohne sich aus dem jeweiligen Zimmer wegbewegen zu müssen, haben da schon Charme. Die

Einzel- sind Gruppenmeetings die Regel. Haben dabei nicht alle die gleiche Kenntnis vom Unterneh-

Art Speeddating auf CorporateLevel sozusagen. Große Konferenzen, die über mehrere Tage gehen, ziehen naturgemäß auch oft die Generalisten unter den Portfolio-

Telekom setzt auf Expansion in Osteuropa

Managern an. Bei Roadshows wiederum verbringt man wirklich einen Gutteil der Zeit auf der Stra-

Die Telekom Austria AG übernimmt Te-

in Weißrussland. Mit Blick auf die Über-

Stadt von Termin zu Termin. Die

lekommunikationsanbieter in Weißruss-

nahmen sagt Telekom-Vorstandsvorsit-

Anzahl der besuchten Investoren

land und Kroatien. Ende 2016 wurde der

zender Alejandro Plater: „Die Akquisition

pro Tag liegt dabei naturgemäß im

Kauf der Atlant Telekom, der Teleset und

stellt einen weiteren Schritt der Telekom

einstelligen Bereich, dafür ist aber

der Metronet telekomunikacije bekannt-

dar, um ihre Tochtergesellschaft Vel-

gegeben. Die Telekom Austria AG erwirbt

com zu einem vollintegrierten Betreiber

100 Prozent der Anteile der Atlant Tele-

zu entwickeln.“ Der Erwerb eines kon­

weitere Mitglieder seines Teams

kom und der Telesat. Die beiden weiß-

trollierenden Anteils der Metronet hin-

mit am Tisch. Daher am besten

russischen

Festnetzanbieter

gegen soll die Präsenz in Kroatien ver-

beide Optionen balanciert mischen

versorgen zusammen etwa 172.000 Kun-

bessern. Der Deal soll im ersten Quartal

den mit Kabel-TV und Festnetzbreitband.

2017 realisiert werden. Das auf Firmen-

2015 erwirtschafteten sie etwa 16 Milli-

kunden spezialisierte kroatische Unter-

on Euro Umsatz. Damit stärkt der Kon-

nehmen erzielte im Jahr 2015 einen Um-

zern sein Tochterunternehmen Velcom

satz von 28 Millionen Euro.

ße – unterwegs in der jeweiligen

pro Termin mehr Zeit. Ein weiterer Vorteil: Sucht man den Investor in seinem Büro auf, sitzen auch oft

und auf das F-Wort - die Frage nach dem Feedback des Investors nicht vergessen. b.schragl@derboersianer.com

privaten

56


RUBRIK

TICKER

RHI fusioniert mit Magnesita Die beiden Weltmarktführer für Feuer­

ständig tätig. RHI Magnesita wird an die

festprodukte RHI AG und Magnesita Re-

Londoner Börse gehen, der Firmensitz

fratarios haben angekündigt zu ver-

wird in die Niederlande gelegt. Erfreulich

schmelzen. Gegossen wird aus ihnen der

ist, dass das operative Geschäft weiter-

neue Megakonzern RHI Magnesita. Die-

hin vom Wienerberg aus gelenkt werden

ser soll rund 2,6 Milliarden Euro jährlich

soll. Diese Nachricht hat allerdings einen

erwirtschaften. Die Fusion wurde im Ok-

fahlen Beigeschmack, bedenkt man, dass

tober 2016 bekanntgegeben. Die RHI AG

mit der RHI AG ein Unternehmen mit rund

und die Magnesita bleiben bis zum 2017

1,8 Milliarden Euro jährlichem Umsatz die

erwarteten Abschluss der Fusion eigen-

Wiener Börse verlässt.

OMV und Gazprom fixieren Asset-Tausch Die OMV AG und die russische Gazprom

Palfinger AG erwirbt 20 Prozent an Sky Steel Systems LLC in Dubai +++ Sanochemia Pharmazeutika stellt Rückkaufangebot für eigene Anleihe +++ Wiener-Börse-Mutter CEESEG stockt Anteile an der Prager Börse auf +++ Wienerberger AG nimmt 150-Millionen-EuroKredit auf +++ Schlumberger AG peilt Rückzug von Wiener Börse an +++ Austria Email AG verlässt Wiener Börse

strategischen Ziele gelegt. Das Projekt

einigen sich auf einen Beteiligungstausch

wird unsere Reservebasis substanziell er-

im Wert von etwa einer Milliarde Euro.

höhen“, sagt Rainer Seele, Vorstands-

Die Gazprom soll 38,5 Prozent der OMV

vorsitzender der OMV AG, mit Blick auf

Norge AS erhalten. Im Gegenzug für die

die Einigung. Unterzeichnet wurde diese

OMV Norge AS überlässt die Gazprom

Grundsatzvereinbarung von Alexey Mil-

der OMV AG Anteile an Gasförderprojek-

ler, Gazprom-Chef, und Rainer Seele im

ten in Sibirien. Durch den Tausch sollen

Dezember 2016 in Wien.

ZAHL DER BÖRSENGÄNGE SINKT STUDIE. Die Zahl der weltweiten Börsengänge sank im Jahr 2016 um 16 Prozent. Zu diesem Ergebnis

die österreichischen Gasvorräte bis 2039

Der Deal ist allerdings noch nicht ganz

um 560 Millionen Barrel aufgestockt wer-

fix, zuerst muss unter anderem die nor-

Global Limited, die Börsengänge

den. „Damit hat die OMV den Grundstein

wegische Regierung dem Einstieg Russ-

weltweit untersucht. Während

für die Erreichung eines der wichtigsten

lands zustimmen.

kam eine Studie von Ernst & Young

China solide Ergebnisse vorweist, schneiden die USA und Europa schlecht ab. 2016 war für die USA das schlechteste IPO-Jahr seit dem Krisenjahr 2009. Etliche Kandidaten verharrten wegen der Präsidentschaftswahl in Wartestellung.

KARRIERE

In Europa sank das Emissionsvolumen neuer Börsenunternehmen um fast 50 Prozent auf 31,7 Milliarden

Frank Gumbinger

Wolfgang Pilz

Stefan Borgas

Euro. Die größte Transaktion des

wurde mit 1. Dezember 2016 neuer Finanzvorstand der Semperit AG Holding. Der 48-jährige gebürtige Deutsche war zuvor in derselben Position bei der Progroup AG.

legte seinen Posten als Vorstand bei der Palfinger AG mit 8. November 2016 aus privaten Gründen nieder. Der 57-Jährige war seit 1984 im Unternehmen tätig.

ist neuer Vorstandsvorsitzender der RHI AG. Der 1964 geborene deutsche Manager löste Franz Struzl Anfang Dezember 2016 an der Konzernspitze des Feuerfestkonzerns ab.

7,6 Milliarden US-Dollar einbrach-

57

Jahres war der Börsengang der Postal Savings Bank of China, der te. Die Erstnotiz der deutschen RWE-Abspaltung Innogy erlöste 5,2 Milliarden US-Dollar. Die Wiener Börse wartet seit 2014 auf einen Neuzugang.


BRANCHEN

IMMOBILIEN

RUMÄNIEN UND UNGARN ALS HEISSE ASSETS FÜR S IMMO UND CA IMMO

Geht es nach Ernst Vejdovszky, ist der

in Rumänien und möchte die Shopping-

hoch.“ Auch in Ungarn sei ein Auf-

Aufschwung in Osteuropa an mehreren

Mall in Bukarest ausbauen. Zukäufe

schwung aufgrund der Preissteigerun-

Fronten zu spüren. „Vor zweieinhalb

überlege er sich in Einzelfällen, sagt

gen im Immobiliensektor spürbar. S-

Jahren lagen die Margen in Rumänien

Vejdovszky. Auch Frank Nickel, Vor-

Immo-Vorstandschef Vejdovszky rech-

bei Finanzierungen noch bei 3,5 bis 4,5

standsvorsitzender der CA Immobilien

net in Osteuropa 2017 und 2018 mit

Prozent, vor ein paar Wochen haben wir

Anlagen AG, kann der rumänischen

deutlichen

mit 1,9 Prozent abgeschlossen“, sagt

Hauptstadt

abgewinnen.

Frank Nickl sieht vor allem in Ungarn

der Vorstandsvorsitzende der S Immo

„Büroraum wird von internationalen

dahingehend Potenzial. An sich ist Nickl

AG zu Der Börsianer. Im Flugzeug nach

Unternehmen sehr stark nachgefragt.

nicht überschäumend euphorisch ge-

Bukarest würden zudem wieder viel

Es ist als Unternehmen wichtig, dort

stimmt: „Draghi und die EZB halten uns

mehr Geschäftsleute sitzen. Aktuell in-

präsent zu sein. Für mich ist Bukarest

mit der Niedrigzinspolitik oben. Eigent-

vestiert das Immobilienunternehmen

aber noch immer eine schlafende Perle.

lich müssten wir schon wieder im Ab-

in bestehende Büroobjekte und Projekte

Die Renditen sind nach wie vor sehr

schwung sein.“

einiges

Aufwertungsgewinnen.

UBM bestückt Immo-Portfolios von Amundi und Union Investment Der Immobilienentwickler UBM Deve-

derum um 85 Millionen Euro bei den

lopment AG (UBM) konnte im letzten

von UBM für die Accor-Hotels-Gruppe

Quartal 2016 einige wichtige Verkäufe

entwickelten Immobilien zu. UBM er-

abschließen und sein Portfolio weiter

richtet am Hauptbahnhof zwei Hotels

bereinigen. Demnach wurde der von

unter den Marken Ibis und Novotel.

UBM entwickelte Bürokomplex Doppio

Die schlüsselfertige Übergabe soll im

Offices

Stadtentwicklungsgebiet

zweiten Halbjahr 2017 über die Büh-

Neu-Marx an die Union Investment

ne gehen. Sowohl Union Investment

veräußert. Der Verkaufserlös der Be-

als auch Amundi bringen die erworbe-

standsimmobilie betrug 19,5 Millionen

nen Assets in ihrer offenen Immobi­

Euro. Amundi Real Estate schlug wie-

lienfonds ein.

im

58


BRANCHEN

Vonovia schnappt sich Conwert

TICKER

Der deutsche Immobilienriese Vonovia

te 10.000 Aktien, bei Finanzchef Thomas

SE übernimmt den heimischen Zins­

Doll waren es 1175 Stück. Vonovia-Vor-

hausspezialisten Conwert Immobilien

standschef Rolf Buch ist das noch nicht

Invest SE (Conwert). Das Übernahmean-

genug. Er hat die Annahmefrist bis zum

gebot wurde knapp vor Weihnachten von

23. März 2017 verlängert. Der deutsche

71,5 Prozent der Conwert-Aktionäre an-

Immobilienriese, sichert sich so 24.500

genommen, 72,9 Millionen Aktien wur-

Wohnungen aus dem Bestand von Con-

den verkauft. 70,87 Prozent entschieden

wert, überwiegend in Rendite-starken

sich für eine Barabfindung in Höhe von

Lagen wie Berlin und Leipzig. An dem

16,16 Euro je Aktie. Das Angebot der Vo-

Portfolio war schon die Deutsche Woh-

novia SE wurde von wichtigen Aktionä-

nen AG 2015 interessiert gewesen. Der

ren unterstützt. Darunter Verwaltungs-

Übernahmeversuch scheiterte damals

ratschef

der

jedoch. Insgesamt nimmt die Vonovia SE

persönlich 383.985 Aktien andiente und

für die Übernahme bis zu 2,7 Milliarden

über seine Cube Invest zusätzlich 185.396

Euro in die Hand. Die außerordentliche

Stück. Der geschäftsführende Direk-

Hauptversammlung fand am 27. Jänner

tor der Conwert, Wolfgang Beck, erlös-

2017 statt.

Alexander

Proschofsky,

KARRIERE

Sebastian Nitsch

Peter Vcelouch

Miriam Daill

ist neuer Finanzvorstand bei der 6B47 Real Estate Investors AG. Nitsch ist seit 2010 in der Geschäftsführung sowie im Vorstand von 6B47. Davor war er bei der Dekron-Gruppe tätig.

leitet die neue Abteilung „Real Estate & Construction“ von CHSH. Die Kanzlei verstärkt damit ihrer Bau- und Immobilienrechtspraxis. Vcelouch ist Partner bei CHSH.

verstärkt seit Ende Oktober 2016 das Team „Unternehmenskommunikation & Investor Relations “ der börsennotierten S Immo AG und ist dort für den Blog und Social Media verantwortlich.

Wir entwickeln Werte

Bank Austria verkauft Schloss Lebenberg an Heinritzi und Hübner +++ Buwog refinanziert Kreditportfolio um 550 Millionen Euro +++ Immofinanz verschiebt Fusion mit CA Immo +++ Erste Immorent verkauft Office Center in Prag um 110 Millionen Euro +++ Raiffeisen evolution heißt künftig Strabag Real Estate +++ Immotocher BAI der Bank Austria geht an Rene Benko und Investorengruppe +++ Immofinanz und Novum Hotel planen Holiday Inn auf dem Wienerberg

Als Unternehmer sind wir auf profitable Chancen fokussiert. Wir investieren in unsere Immobilien, um Werte zu entwickeln, die die S IMMO auch in Zukunft tragen. www.simmoag.at/projekte


BRANCHEN

BERATER

KOLUMNE

PETER BARTOS Partner und Geschäftsführer BDO Austria

HEIMISCHE FINANZVORSTÄNDE SIND AM RISIKOSCHEUESTEN Im November wurde die zweite „Deloit-

sagt Gerhard Marterbauer, Partner der

te European CFO Survey“ für 2016 veröf-

Wirtschaftsprüfung bei Deloitte Öster-

fentlicht, bei der wieder 1.000 Finanzvor-

reich, zu den Ergebnissen. Besser sieht es

Anders, als es der Titel vermuten

stände in 17 europäischen Ländern befragt

bei den Investitionen aus: 38 Prozent pla-

lässt, wird durch die EU-Ab-

wurden. Dabei zeigte sich: Zwei Drittel der

nen diese 2017 zu erhöhen, nur acht Pro-

schlussprüfungsreform auch die

Befragten verspüren eine große Unsicher-

zent verringern ihre Ausgaben. Was den

Verantwortung des Aufsichtsrats

heit wegen der aktuellen finanziellen und

bevorstehenden Brexit angeht, sehen 75

ARBEIT FÜR DEN PRÜFUNGSAUSSCHUSS

respektive Prüfungsausschusses

wirtschaftlichen Situation. Im Vereinig-

Prozent der Befragten in Österreich kei-

chung der Abschlussprüfung deut-

ten Königreich und in Deutschland ist die

nen Einfluss auf ihr Unternehmen.

lich verschärft. Prüfungsausschüs-

Verunsicherung am größten, 88 Prozent

Bei den Finanzvorständen von neun

se müssen sich zukünftig nicht nur

der dortigen Finanzvorstände beurteilen

befragten Ländern, unter ihnen Deutsch-

mit der Wirksamkeit des internen

die Unsicherheit als hoch. In Österreich

land und die Türkei, rangieren geopoli-

fühlen sich knapp die Hälfte der Finanz-

tische Aspekte als größte Risikofakto-

vorstände unsicher, und in Finnland sind

ren ganz oben. Hierzulande macht man

es mit 36 Prozent die wenigsten in Europa.

sich eher wegen zunehmender Regula-

bei der Begleitung und Überwa-

Kontroll- und Risikomanagementsystems sowie des Rechnungslegungsprozesses auseinandersetzen, sondern beispielsweise auch

Bei der Risikobereitschaft der öster-

rien und steigender Personalkosten die

reichischen Finanzvorstände beobachtete

meisten Sorgen. „Den österreichischen

Deloitte seit der vorangegangenen Studie

Finanzchefs brennen Themen unter den

zu Jahresbeginn einen Rückgang auf einen

Nägeln, die sie unmittelbar betreffen.

an den Aufsichtsrat auch darüber

neuen Tiefstwert. „Die österreichischen

Es braucht für Österreichs Unternehmer

Gedanken machen, wie die Ab-

Finanzvorstände weisen mit elf Prozent

dringend eine Entlastung bei den Perso-

schlussprüfung zur Zuverlässigkeit

den niedrigsten Umfragewert aus. Auch

nalkosten. Und die fortschreitende Regu-

bei den strategischen Prioritäten stehen

lierung muss eingedämmt werden“, for-

Kosteneinsparungen an erster Stelle“,

dert Marterbauer.

Empfehlungen zur Gewährleistung seiner Zuverlässigkeit abgeben. Weiters muss sich der Prüfungsausschuss bei seinem Bericht über das Ergebnis der Abschlussprüfung

der Finanzberichterstattung beigetragen hat und welche Rolle der Prüfungsausschuss dabei spielt. Auch bei der Zusammensetzung der Prüfungsausschüsse wurde nachgeschärft. Bei Kreditinstituten und Versicherungen muss dem Prüfungsausschuss zukünftig zumindest ein Mitglied mit

Berater statt Konkursrichter

einschlägiger Branchenerfahrung

Zahlungsschwierigkeiten

ein

ratung kann in vielen Fällen ein Ausweg

angehören. Die Mitglieder müssen

Unternehmen überraschend und auch

sein. „Dabei werden die Prozesse, Poten-

überdies auch mehrheitlich unab-

unverschuldet treffen. Im schlimmsten

ziale und Zusammenhänge der gesamten

hängig sein. Der hinter der Reform

Fall droht das finanzielle Ende. Laut ei-

Wertschöpfungskette analysiert“, erklärt

ner aktuellen Untersuchung des Kredit-

Günther Voitl, Geschäftsführer des Wie-

schutzverbandes KSV1870 verzeichne-

ner Beratungsunternehmens Quality Fi-

intensiver zusammenarbeiten und

te Österreich im vergangenen Jahr eine

nance. „Dadurch lässt sich immer wieder

gemeinsam eine zentrale Überwa-

dreiprozentige Steigerung bei den Fir-

Kapital freispielen, das bereits im Unter-

chungsfunktion übernehmen. Ob

menpleiten. Rückstände beim Finanz-

nehmen vorhanden ist, aber falsch ein-

amt, bei der Krankenkasse oder bei Mit-

gesetzt wurde.“ Die meisten begleiteten

arbeitergehältern lassen Unternehmen

Unternehmen seien innerhalb eines Jah-

relativ schnell in ein Insolvenzverfahren

res wieder auf Erfolgskurs, so die Erfah-

schlittern. Eine Wertschöpfungungsbe-

rung des Beraters.

stehende Grundgedanke ist klar: Prüfungsausschuss und Abschlussprüfer sollen in Zukunft noch

dies in der Praxis gelingt, wird wie immer stark von den handelnden Personen abhängen. p.bartos@derboersianer.com

60

können


BRANCHEN

Martin Walter (A1 Telekom Austria), Bernhard KoflerSenoner (CHSH), Katrin Cyrys (Business Development Recommind), Brigitta Schwarzer (Greco Inter­ national AG), Peter Manhartsberger (Spar-Gruppe) und Markus Trettnak (BDO Austria) diskutierten über rechtliches Rüstzeug (v. l.).

Am 13. Oktober 2016 luden CHSH und BDO Austria zur Präsentation des neu­ erschienenen Handbuchs „Compliance Management für Unternehmen“ sowie zur anschließenden Podiumsdiskussion über die Praxis erfolgreicher ­Compliance-Management-Systeme.

Syngroup gründet Tochter in England Der österreichische Industrieberater Syngroup gründet mit der Syngroup UK Ltd in Milton Keynes ein neues Tochterunternehmen. Ein Engagement des Industrieberaters gibt es dort bereits seit sechs Jahren, sagt Geschäftsführer Heinz Marx: „Der Osten war ab 2010 kein Thema mehr, große Industrienationen wie Frankreich, Italien oder Spanien boten keine attraktiven Wachstumsperspektiven.“ Die Syngroup sieht trotz des Brexits gute Chancen, denn gerade auf Verwerfungen durch

TICKER

Grant Thornton Unitreu berät Energiepark Bruck/ Leitha bei Strukturierung +++ Weltweiter Umsatz von PwC steigt auf 35,9 Milliarden US-Dollar +++ Unique relations und Hill & Knowlton gründen Brexit Advice Team +++ EY-Studie: Hälfte der heimischen Unternehmen investiert in Digitalisierung +++ Digitalisierung gefährde 40 Prozent der Industriejobs, sagt AT Kearney +++ BDO baut Cloudlösungen mit Microsoft aus

Industrie. Syngroup-Gründer Heinz Marx (r.) und Syngroup-Partner Walter Woitsch wollen vom Aufschwung der Industrie in Großbritannien profitieren.

den Brexit müssten sich Unternehmen in-

nach Amerika für kontinentaleuropäische

tensiv vorbereiten. Außerdem habe Groß-

Unternehmen. Die Schwerpunkte auf dem

britannien lange den Industriesektor ver-

britischen Markt sind neben den Branchen

nachlässigt, und es gebe Anzeichen, dass

Lebensmittel, Verpackung und Kunststoff

dieser nun ausgebaut werden soll, ist Marx

vor allem Industriebeteiligungen von Pri-

überzeugt. Zudem sei die Insel das Tor

vate-Equity-Unternehmen.

STRESS NOCH MAL STUDIE. Laut der Deloitte Stress Study reagieren einzelne Personentypen unterschiedlich auf Stress­

Filialbanken verlieren weiter an Vertrauen

situationen. Während konventionell strukturierte Arbeitnehmer und kommunikative Beziehungs­ typen eher unter Stress leiden,

Das Vertrauen der Kunden in Filialbanken

kann für risikobereite Zielstrebige

ist laut der „EY Global Consumer Banking

und innovativ-kreative Arbeitneh-

Survey“ für 2016 erschüttert. Ein Viertel

mer Stress ein Arbeitsansporn sein.

aller Befragten gibt an, dass ihr Vertrau-

Die meisten Befragten weisen nach eigener Aussage aber ein moderates

en in die Bankenbranche gesunken ist,

Stresslevel auf: 14 Prozent sind nur

dem gegenüber hat aber auch etwas mehr

sehr selten gestresst, 57 Prozent

als ein Fünftel wieder mehr Vertrauen ge-

manchmal. 26 Prozent geben an,

fasst. Vor allem trauen die Kunden den

oft gestresst zu sein, und für drei

Banken nicht zu, sie objektiv zu beraten

Prozent ist es ein Dauerzustand. „Einen Fehler zu machen“ wurde

(26 Prozent). Aber nicht nur das Vertrauen hat gelitten, auch die Konkurrenz wird für

letzten Jahr Finanzdienstleistungen von

Filialbanken immer größer. Beinahe die

alternativen Anbietern, etwa Onlineban-

Hälfte (47 Prozent) der Befragten hat im

ken oder FinTechs, genutzt.

61

als größter Stressauslöser ermittelt (82 Prozent). Aber auch lange Arbeitstage und viele verschiedene Verantwortlichkeiten.


BRANCHEN

RECHT

KOLUMNE

ALBERT BIRKNER Managing Partner CHSH

NEUES ERBRECHT HAT FOLGEN FÜR PRIVATSTIFTUNGEN Mit dem 1. Jänner 2017 ist die Reform des

Stiftung angerechnet, die diese bereits

Erbrechts von 2015 in Kraft getreten, was

zu Lebzeiten des Stifters erhalten haben.

ZUVERSICHT FÜR ÖSTERREICH

sich nun auch auf die Privatstiftungen aus-

Vieles sei aber auch im neuen Erbrecht

„So kann es nicht weitergehen.“

wirkt. Neu geregelt wurden dabei vor allem

unklar geblieben, meint Heinrich Wenin-

Sätze wie diesen hört und liest man

die Ansprüche von übergangenen Pflicht-

ger, Leiter des Stiftungsoffice der Kathrein

häufig. Im persönlichen Gespräch

teilsberechtigten am Stiftungsvermögen,

Privatbank AG: „So ist etwa nicht genau

die in der Vergangenheit für Streitfälle ge-

definiert, was eine anrechnungspflichtige

sorgt haben. Es ändert sich jedoch nichts

Zuwendung ist und was nicht. Das muss

2016 der Allianz weist ein Netto-

am Grundsatz, dass ein Stifter wesentliche

dann im Einzelfall geklärt werden. Es wird

finanzvermögen in Österreich pro

Einflussrechte auf die Stiftung aufgeben

in den nächsten Jahren also noch span-

Kopf in Höhe von 51.062 Euro aus,

muss, wenn er verhindern will, dass bis zu

nend.“ Die Pflichtteilsfragen seien in der

50 Prozent des Stiftungsvermögens an die

Praxis auch sehr häufig, und Argumente

Erben abfließen. Denn die Übertragung ei-

für eine Privatstiftung gäbe es genügend,

reich höher als etwa in Deutschland

nes Vermögenswertes in eine Stiftung gilt

so der Jurist: „Zum Beispiel kann ich da-

oder Finnland und fast dreimal so

erst dann als Schenkung, wenn sich der

mit verhindern, dass Unternehmensan-

hoch wie jenes in Norwegen. In

Stifter gänzlich davon gelöst hat.

teile und damit Stimmrechte unter den

wird diese Ansicht bezogen auf die eigene Situation aber oft nicht bestätigt. Der Global-Wealth-Report

Platz 17 der untersuchten Volkswirtschaften. Damit ist das Nettofinanzvermögen pro Kopf in Öster-

der Bewertung der Lebensqualität schneidet Österreich deutlich besser ab als viele andere Länder. Nach dem OECD-Better-Life-

Nach der neuen Rechtslage werden

Erben aufgeteilt werden. Vorteile gibt es

etwa bei den Ansprüchen der Pflichtteils-

auch bei Immobilien, die praktisch nicht

berechtigten auch Zuwendungen aus der

teilbar sind.“

Index erzielt Österreich bessere Werte in den Themenbereichen Arbeit und Einkommen, subjektives Wohlbefinden, Sicherheit, soziale Beziehungen, Umwelt und

Betrug: Haft für Wiener Investmentbanker

Bildung als andere vergleichbare Länder. Die Lebenszufriedenheit

Ein prominenter Wiener Fondsmanager

bis zu 20 Prozent für ihre Veranlagungen

der Österreicher ist höher als die

und Vermögensberater (Name der Redak-

versprochen. Das Geld wurde allerdings in

des durchschnittlichen OECD-

tion bekannt) wurde wegen gewerbsmäßi-

den Lebensunterhalt des „Beraters“ statt

gen schweren Betrugs zu zwei Jahren Haft

in Wertpapiere investiert, unter anderem

verurteilt, davon sechs Monate unbedingt.

in die Miete einer Dachgeschoßwohnung

OECD-Durchschnitt liegt bei 6,5.

Wie uns ein Whistleblower im November

mit Blick auf den Wiener Stadtpark, wie

Entwicklung und Reformen sind

2016 exklusiv berichtete, hat er sich zwi-

dem Urteil zu entnehmen ist. Im Verfah-

wichtig, mehr Mut und Zuversicht

schen November 2012 und September 2014

ren wurde ein Gesamtschaden von mehr

als Berater des Wiener Investmenthauses

als 120.000 Euro nachgewiesen. Das dürfte

Schiketanz Capital Advisors ausgegeben

aber erst eine vorläufige Summe sein, denn

und mehreren Anlegern eine garantier-

noch im Vorjahr haben weitere Geschädig-

te zweijährige Gewinnausschüttung von

te Strafanzeigen erstattet.

Bürgers. Auf einer Skala von null bis zehn bewerten Österreicher ihre Lebenszufriedenheit mit 7,1, der

würde der Reformdiskussion und dem gegenseitigen Verständnis aber guttun. a.birkner@derboersianer.com

62


BRANCHEN

TICKER

Katharina Müller (Müller Partner Rechtsanwälte), Johannes Zollner (Karl-FranzensUniversität Graz), Gernot Wilfling (Müller Partner Rechtsanwälte), Martin Wenzl (Wiener Börse AG), Klaus Kornherr (LindeVerlag) lauschten der Präsentation.

Der Jurist Gernot Wilfing präsentierte am 30. November 2016 sein im Linde-Verlag erschienenes „Praxishandbuch Börserecht“. Mehr als 60 Gäste gaben sich in den Räumlichkeiten der Wirtschaftskanzlei Müller Partner Rechtsanwälte die Ehre.

Aras Kargo: Post zieht vor das Schiedsgericht Der Streit um die Übernahme des türkischen Paketzustellers Aras Kargo durch die Österreichische Post AG geht in die

CHSH begleitet RHI AG bei Magnesita-Übernahme +++ Wolf Theiss unterstützt JP Morgan und Unicredit bei Telekom-Anleihe +++ PHH beraten Erne Group beim Verkauf an Zöchling +++ Wolf Theiss berät Amundi beim Erwerb von Pioneer +++ Binder Grösswang berät Bawag bei Akquise der start:bausparkasse +++ Eisenberger & Herzog verstärkt Banking & Finance mit Partner Lehotzki

nächste Runde. Wie berichtet, will die Mehrheitseigentümerin Evrim Aras keine weiteren 50 Prozent der Anteile an die Post AG verkaufen. Die Kaufoption wurde bereits 2013 beim Einstieg der Post AG vereinbart. Vielmehr wolle sie die derzeitigen 25 Prozent der Österreicher wieder zurückkaufen, wie sie im November wis-

das Schiedsgericht in Genf eingeschaltet.

sen ließ. Versprochene Investitionen seien

Sollten die Aras-Mehrheitsaktionäre auch

nicht getätigt worden, und es gäbe generell

einen Spruch des Schiedsgerichts nicht an-

STUDIE. Die beiden in Deutsch-

kein Verständnis bei der Post AG für die Un-

erkennen, will die Post AG die Causa in der

land lehrenden Autoren Henning

ternehmenskultur, so Aras. Ende 2016 hat

Türkei selbst durchfechten, heißt es aus

Post-Vorstandschef Georg Pölzl schließlich

dem Unternehmen.

IR: POST BERICHTET AM BESTEN

Zülch und Johannes Hottmann untersuchten die Effektivität der Finanzkommunikation bei den Unternehmen des ATX. Dabei wurde ein ganzheitliches

Mögliche Verwaltungsstrafe für Conwert-Aktionäre

Analyseverfahren angewandt, das sogenannte RIC-Modell. Es betrachtet die drei Hauptdimensionen Reporting, Investor Relations

Die seit längerem angebahnte Übernah-

visers hätten demnach ein Pflichtangebot

me der Conwert Immobilien Invest SE

an die anderen Aktionäre stellen müssen.

Finanzkommunikation der ATX-

durch die Vonovia SE konnte noch Ende

Ihnen droht eine Verwaltungsstrafe von

Unternehmen weist demnach ein

2016 unter Dach und Fach gebracht wer-

50.000 Euro. Angesichts der Volumina,

den. Mehr als 50 Prozent der Aktionäre

um die es hier geht, fällt diese Summe

stimmten dem Deal zu, der die Vonovia

aber für die Betroffenen praktisch nicht

SE rund 2,7 Milliarden Euro kostet (sie-

ins Gewicht. Was bleibt, ist das Risiko ei-

Verknüpfung und Konsistenz der

he Seite 59). Zuvor holte man sich aber

ner Schadenersatzklage durch die ande-

Finanzinfor­mationen. Hier seien

noch eine Rüge von der Übernahmekom-

ren Aktionäre. Nachdem das laut Exper-

mission: Die Großinvestoren Adler Real

ten noch nie vorgekommen ist, wäre der

Estate AG, MountainPeak Trading, Cev­

Ausgang des Verfahrens allerdings sehr

det ­Caner, Westgrund AG und Petrus Ad-

ungewiss.

(IR) sowie Capital Markets. Die

hohes Niveau auf, wie die beiden Experten für Rechnungswesen feststellten. Verbesserungspotenziale sehen sie noch bei Detailtiefe,

die Unternehmen des deutschen Leitindex DAX insgesamt etwas besser aufgestellt. Erstplatzierter im ATX im Ranking für 2016 ist die Österreichische Post AG.

63


BRANCHEN

KOMMUNIKATION

NEWS ERFINDET SICH SCHON WIEDER NEU Horst Pirker hat im Dezember 2016 einen

magazin zu machen, hat nicht funktio-

massiven Stellenabbau in seiner Ver-

niert. Mitterstieler soll die wöchentliche

lagsgruppe News angekündigt. Der Ge-

Ausgabe nun wieder mehr zum Ursprung

schäftsführer und Mehrheitseigentümer

zurückführen. Mit Susanne Hofbauer hat

will 2017 zehn bis zwölf Millionen Euro

die „Autorevue“ der Verlagsgruppe eben-

einsparen. Dazu sollen 80 bis 100 der 500

falls eine neue Chefredakteurin, die seit

Mitarbeiter abgebaut werden. Zusätzlich

1997 beim Magazin arbeitet. Horst Pirker

will Pirker die Geschäftsmodelle der zwölf

hatte im Juni 2016 den 56-Prozent-Anteil

Magazintitel neu strukturieren. Helfen

an der Verlagsgruppe News vom deut-

soll ihm dabei die neue Chefredakteu-

schen Verlagsriesen Gruner+Jahr über-

rin des „News“-Magazins, Esther Mit-

nommen. Ziel ist laut Pirker, 2017 Geld

terstieler, die die Agenden von Eva Weis-

zu verdienen. 2014 und 2015 schrieb die

Das Thema „Chatbots“ ist derzeit

senberger übernimmt. Der Stil von Weis-

Gruppe jeweils fünf Millionen Euro Ver-

in aller Munde. Chatbots sind,

senberger, eine entspannte Wochenend-

lust, auch 2016 geht sich keine schwar-

lektüre aus dem einstigen Aufdecker­

ze Null aus.

KOLUMNE

PETER FELSBACH Head of Group Communications Voestalpine AG

CHATBOTS IN DER (FINANZ)KOMMUNIKATION

vereinfacht ausgedrückt, intelligente, virtuelle Assistenten. Statt sich durch ein Überangebot an Nachrichten zu wühlen, bekommt

FINANZCOMMUNITY STEHT AUF PRINT

der Nutzer dank lernender Software individualisierte Angebote.

STUDIE. Magazine werden von der Finanzcom-

Plattformen wie Facebook haben

munity mehrheitlich noch in der gedruckten

das Potenzial erkannt und inte-

Version konsumiert. Bei Tageszeitungen

grieren derartige Funktionen in

ist die Onlinelektüre stärker verbreitet. Das

ihren Messaging-Plattformen. Für

ergibt die Medien- und Markenstudie von

Unternehmen bieten Chatbots die

HBS, für die insgesamt elf Berufsgruppen der

Möglichkeit, künftig mit Dialog-

Finanzbranche zu ihrem Mediennutzungs-

gruppen hochpersonalisiert, aber

verhalten in Deutschland befragt wurden. Die

automatisiert zu kommunizieren.

Interviewten gehörten der Altersgruppe der

Dabei können diese für unter-

46- bis 60-Jährigen an. So nutzen 57 Prozent

schiedlichste Zwecke eingesetzt

ausschließlich die klassische Druckversion

werden: vom Wettercheck, Hotelbuchung, personalisierten Newsangeboten bis hin zu Börsenkursen - die Einsatzmöglichkeiten scheinen unbegrenzt. Wichtig ist,

Industriemagazin-Verlag hat neuen Eigentümer

Bots für bestimmte, klar abge-

Der Wiener Industriemagazin-Verlag ist

grenzte Anwendungsfälle zu kon-

seit Anfang Jänner 2017 im Eigentum der

zipieren. So kann ein IR-Bot eines

Weka-Firmengruppe aus Augsburg. Zur

Unternehmens seinen Aktionären

deutschen Holding gehören 24 Medien-

Fragen beantworten: Was macht der ATX? Wie entwickelt sich die

unternehmen aus dem Bereich Fachinfor-

Voestalpine-Aktie? Wie war das

mation und Special Interest wie etwa „PC

Ebit der OMV im zweiten Quartal?

Magazin“, „Funkschau“ oder auch „Con-

Auch wenn die Technologie noch

nect“. Der bisherige Hauptgesellschafter

in den Kinderschuhen steckt, lässt

und Geschäftsführer, Hans-Florian Zan-

sich schon eines sagen: Chatbots werden in die digitale (Finanz-) Kommunikation Einzug halten. Vorsicht ist geboten, dass sich

gerl, bleibt als Geschäftsführer des Unternehmens und Herausgeber des „Industriemagazins“ an Bord.

Chatbots nicht verselbstständigen

Neben dem „Industriemagazin“ pu-

und beispielsweise den demokra-

bliziert der 1989 in Innsbruck gegründe-

tiepolitischen Diskurs verfälschen, wie bereits Negativbeispiele gezeigt haben. p.felsbach@derboersianer.com

te Industriemagazin-Verlag vier weitere Fachmagazine in Print- und Onlinemedien, nämlich „Factory“, „Solid“, „4c“ sowie „WMW - Waste Management World“.

64

eines Fachmagazins, während 43 Prozent der Befragten die gedruckte Tageszeitung bevorzugen. Ausschließlich online werden „Handelsblatt“ und Co von 17 Prozent gelesen, auf die Webversion der Fachpublikationen greifen zehn Prozent zurück.

TICKER

Tiemon Kiesenhofer wechselt von der Bank Austria ins FMAPresseteam. +++ Seit Anfang 2017 ist Bernhard Krumpel neuer Konzernpressesprecher bei Novomatic.


RANKING

besten Finanzvorstände in Österreich

D

ie Rolle des Finanzvorstands (CFO) hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der pure Erbsenzähler ist längst Geschichte. Durch die wachsenden Re-

gulierungs- und verschärften Kapitalmarktvorschriften sind CFOs deutlich stärker in die Strategieentwicklung der Unternehmen mit eingebunden. Immer öfter wird die Position auch als Sprungbrett für den Vorstandsvorsitz genutzt. In Österreich gibt es dafür einige Beispiele. So war etwa Immofinanz-AG-Vorstandschef Oliver Schumy mehr als sechs Jahre Finanzvorstand bei der Mayr-Melnhof Karton AG. UBM-Vorstandsvorsitzender Thomas Winkler hatte diese Position bei der Lenzing AG einige Jahre inne. Bei der UBM Development AG bekleidet Winkler nun seit Mitte 2016 den Vorstandsvorsitz und ist gleichzeitig Finanzvorstand. Der Börsianer hat sich nun zum zweiten Mal nach Anfang 2015 auf die Suche nach den besten 50 CFOs der Finanzbranche Österreichs gemacht. Nominiert waren 57 Kandidaten. Mittels eines einstufigen Peergroup-Scorings konnten sich die besten Finanzvorstände gegenseitig bewerten und so die Leistungen ihrer Kollegen honorieren. Der Börsianer hatte auf das Ergebnis daher keinen Einfluss. Auffällig sind die vielen Newcomer seit unserem ersten Ranking. Auf dieser Position herrscht augenscheinlich viel Bewegung. Unter anderem haben sich OMV AG, Lenzing AG, Mayr-Melnhof Karton

65

SEITENBLICKE


SEITENBLICKE

1. PLATZ 2. PLATZ

3. PLATZ

Robert Ottel

Walter Oblin

Wolfgang Leitner

VOESTALPINE AG

ÖSTERREICHISCHE POST AG

ANDRITZ AG

AG, Agrana Beteiligungs AG, Buwog AG, Immofinanz AG, Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG und CA Immo AG neue Finanzchefs in ihr Boot geholt.

Topplatzierungen David Davies wird seinen ersten Platz vom ersten CFO-Ranking nicht verteidigen können. Der gebürtige Brite, der einst auch als Nachfolger von OMV-General Gerhard Roiss gehandelt wurde, schied Mitte 2016 als Finanzvorstand aus der OMV AG aus. Ihm folgte Reinhard Florey nach. Ein neuer Sieger im Ranking musste also her. Walter Oblin (Platz 1) von der Österreichischen Post AG konnte sich den Platz an der Sonne mit 67,69 Punkten und einem deutlichen Vorsprung auf seine Peers sichern. Der gebürtige Kärntner und ehemalige McKinsey-Partner ist seit Juli 2012 Finanzvorstand der Post und gilt als gewissenhafter und konzen­trierter Finanzjongleur. Knapp dahinter folgt Robert Ottel (Platz 2 / 64,62 Punkte), der schon fast zu den Urgesteinen der Voestalpine AG zählt. Seit 2004 überwacht er die Finanzen des Stahlkonzerns und wird nicht nur von seinen Peers sehr geschätzt. Noch viel länger ist Wolfgang Leitner (Platz 3 / 55,00 Punkte) in Amt und Würden,

DIE AUFSTEIGER PLATZ

ZULETZT

NAME

UNTERNEHMEN

10.

(33.)

Haidenek Peter

Polytec Holding AG

4.

(22.)

Maier Christian

Porr AG

22.

(34.)

Vejdovszky Ernst

S Immo AG

31.

(41.)

Doll Thomas

Conwert Immobilien Invest SE

16.

(–)

Obendrauf Thomas

Lenzing AG

66


SEITENBLICKE

PLATZ

ZULETZT

PUNKTE

NAME

UNTERNEHMEN

1.

(4.)

67,69

TREND

Oblin Walter

Österreichische Post AG

2.

(2.)

64,62

Ottel Robert

Voestalpine AG

3.

(3.)

55,00

Leitner Wolfgang

Andritz AG

4.

(22.)

51,43

Maier Christian

Porr AG

5.

(8.)

50,71

Potisk-Eibensteiner Barbara*

RHI AG

6.

(7.)

50,71

Van-Riet Willy*

Wienerberger AG

7.

(10.)

50,71

Mayer Gerald*

Amag Austria Metall AG

8.

(11.)

47,86

Ofner Günther

Flughafen Wien AG

9.

(13.)

39,23

Kitzmüller Günter

Rosenbauer International AG

10.

(33.)

38,57

Haidenek Peter

Polytec Holding AG

11.

(-)

37,86

Kapsch Georg*

Kapsch Trafficom AG

12.

(17.)

37,86

Mittendorfer Gernot*

Erste Group Bank AG

13.

(5.)

36,43

Grüll Martin

Raiffeisen Bank International AG

14.

(20.)

36,15

Hofer Markus

Miba AG

15.

(23.)

35,71

Kollmann Peter

Verbund AG

16.

(-)

34,29

Obendrauf Thomas

Lenzing AG

17.

(12.)

33,08

Kaml Christoph

Palfinger AG

18.

(18.)

32,86

Harder Christian

Strabag SE

19.

(-)

31,43

Florey Reinhard

OMV AG

20.

(-)

30,77

Roithner Friedrich

KTM Industries AG

21.

(-)

30,00

Segal Andreas

Buwog AG

22.

(34.)

29,23

Vejdovszky Ernst

S Immo AG

23.

(-)

28,57

Mayringer Gotthard

Mayr-Melnhof Karton AG

24.

(21.)

27,86

Simhandl Martin

Vienna Insurance Group AG

25.

(6.)

25,71

Schmidt-Schultes Johannes**

Semperit AG Holding

26.

(31.)

25,38

Mayrhofer Siegfried

Telekom Austria AG

27.

(-)

25,00

Volckens Hans Volkert

CA Immobilien Anlagen AG

28.

(-)

23,85

Schönauer Stefan

Immofinanz AG

29.

(-)

22,86

Grünbichler Andreas*

Wüstenrot Versicherung AG

30.

(37.)

22,86

Szyszkowitz Stefan*

EVN AG

31.

(41.)

22,14

Doll Thomas*

Conwert Immobilen Invest SE

32.

(-)

22,14

Emrich Silvia*

Zürich Versicherungs AG

33.

(35.)

22,14

Asamer Karl*

AT&S AG

34.

(-)

21,54

Winkler Thomas

UBM Development AG

35.

(30.)

21,43

Sonnenmoser Karin

Zumtobel Group AG

36.

(38.)

20,00

Folian Georg

Warimpex AG

37.

(-)

19,29

Abuzaakouk Anas*

Bawag PSK AG

38.

(-)

19,29

Mader Klaus*

Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG

39.

(49.)

19,29

Pfneiszl Andreas*

Rath AG

40.

(-)

17,86

Büttner Stephan

Agrana Beteiligungs AG

41.

(-)

17,69

Mendez de Vigo Cristobal

C-Quadrat Investment AG

42.

(-)

17,14

Hofstätter-Pobst Gregor*

Unicredit Bank Austria AG

43.

(29.)

17,14

Hahn Albin*

Manner AG

44.

(-)

16,43

Svoboda Kurt*

Uniqa Insurance Group AG

45.

(25.)

16,43

Zeindlinger Otmar*

Linz Textil Holding AG

46.

(-)

16,43

Starek Ales*

FACC AG

47.

(-)

15,71

Franz Christina*

Allianz Gruppe Österreich

48.

(-)

15,71

Lee Ryan*

Atrium European Real Estate

49.

(39.)

15,38

Kogler Harald

Hirsch Servo AG

50.

(48.)

15,00

Kandera Reinhard

Valneva SE *BEI PUNKTEGLEICHHEIT ZÄHLT DIE HÖCHSTE EINZELBEWERTUNG, **NICHT MEHR IM UNTERNEHMEN TÄTIG

67


SEITENBLICKE

nämlich seit 1987. Leitner konnte wie Ottel seinen Platz auf dem Stockerl mit Beständigkeit verteidigen. RHI-Finanzchefin Barbara Potisk-Eibensteiner (Platz 5 / 50,71 Punkte) ist einmal mehr die beste Frau im Ranking, sie arbeitete sich dazu noch einige Plätze nach oben. Einen veritablen Satz nach vorn machte Christian Maier (Platz 4 / 51,43 Punkte), der seit Februar 2012 über die Finanzen der Porr AG wacht.

Auf- und Absteiger Nur Peter Haidenek (Platz 10 / 38,57 Punkte) von der Polytec Holding AG konnte noch mehr Plätze gutmachen. Zu den Aufsteigern zählt auch S-Immo-AG-Vorstandschef Ernst Vejdovszky (Platz 22 / 29,23

DIE ABSTEIGER PLATZ

ZULETZT

NAME

UNTERNEHMEN

45.

(25.)

Zeindlinger Otmar

Linz Textil Holding AG

25.

(6.)

Schmidt-Schultes J.

Semperit Holding AG

43.

(29.)

Hahn Albin

Manner AG

49.

(39.)

Kogler Harald

Hirsch Servo AG

13.

(5.)

Grüll Martin

Raiffeisen Bank International AG

Punkte), der wie einige seiner Kollegen zusätzlich die Finanzen innehat. Der beste Neueinsteiger ist Thomas Obendrauf (34,29 Punkte) auf Platz 16, seit März 2016 Finanzvorstand der Lenzing AG, davor viele Jahre Finanzchef bei der AT&S AG. OMV-Finanzchef Reinhard Florey (Platz 19 / 31,43 Punkte) konnte den Sieg seines Vorgängers Davies zwar nicht wiederholen, ist aber zweitbester Neueinsteiger im Ranking.

Finanzvorstände sind großzügiger Insgesamt gab es diesmal 23 Neueinsteiger, darunter auch erstmals Finanzvorstände von den größten Versicherungen Österreichs. Diese wurden nominiert, da durch einige Börsenabgänge die Anzahl der börsennotierten Unternehmen in Österreich zurückgegangen ist. Andreas Grünbichler (22,86 Punkte) von der Wüstenrot Versicherung AG reiht sich als bester Finanzchef eines nichtbörsennotierten Unternehmens auf Platz 29 ein. Durch die vielen Neueinstiege gab es nur einige wenige Absteiger im Ranking. Die meisten Plätze büßte dabei Otmar Zeindlinger (Platz 45 / 16,43 Punkte) von der Linz Textil AG ein. RBI-Finanzchef Martin Grüll (36,43 Punkte) flog aus den besten zehn auf Platz 13.

68


SEITENBLICKE

Insgesamt wurde 15-mal die Höchstpunktezahl zehn vergeben, neun davon sicherten sich die drei Erstplatzierten. Im Vergleich zum ersten CFO-Ranking bewerteten sich die Finanzvorstände gegenseitig besser, es gab also unter dem Strich mehr Punkte.

DIE BEWERTUNGSKRITERIEN

Das Ranking wird nach qualitativen Methoden in einem einstufigen Scoring-­ Modell (Peergroup-Bewertung) ermittelt. Die nominierten Kandidaten konnten sich gegenseitig bewerten. Das Ergebnis des Rankings wurde mit dem Mittelwert aller Bewertungen berechnet und in Prozent umgewandelt. Eine Person kann maximal eine Bewertung von 100 Prozent erreichen. Bei Punktegleichheit zweier oder mehrerer Personen entscheidet die höchste Einzelbewertung. Die Kandidaten konnten keine Bewertung für sich selbst oder Konzernkollegen abgeben.


BILDUNG

Österreichs Kinder, Jugendliche und Erwachsene kennen sich in Sachen Geld nicht aus. Die Politik räumt dem Thema „Financial Literacy“ nur wenig Raum ein. Dafür nehmen Organisationen, Banken und Unternehmen das Heft in die Hand. TEXT ROBERT WINTER

Initiative. Der F ­ inancial Life Park wurde am 18. Oktober 2016 auf dem Erste-Campus in Wien eröffnet. Besucher können Budgets berechnen und sich über die Börse informieren.

FINANZWISSEN: ZIEMLICH BLANK

Z

wei mal drei macht vier, widde-

manchmal gezählt.“ Dass Kinder und

Namen Kleiner Onkel in einer Villa Kun-

widdewitt und drei macht neu-

junge Erwachsene damit völlig auf dem

terbunt. Und auch bezüglich Geldsor-

ne.“ So weit zu den Rechen-

Holzweg sind, ist klar.

gen hat es Pippi einfacher als die Schü-

künsten der beliebten Kinderbuch- und

Ob es den Mädchen und Buben nun

ler von heute. Pippi hat zwar kein eige-

TV-Figur Pippi Langstrumpf. Dass ein

gefällt oder nicht, wenn es ums Geld

nes Einkommen, aber einen Koffer voll

solches kreatives Einmaleins auch im

geht, gelten in der wirklichen Welt an-

mit Goldstücken, der ihr die ökonomi-

wirklichen Leben gar nicht selten vor-

dere Gesetze. Schließlich leben die

sche Unabhängigkeit sichert. Auch das

kommt, bestätigt Martin Taborsky, Lei-

Sechs- bis 15-Jährigen auch nicht wie

spielt es für die jetzt Heranwachsenden

ter der Gruppe Finanzbildung der Oes-

die neunjährige Pippi Langstrumpf ge-

nicht. Für sie führt um einen vernünf-

terreichischen Nationalbank (OeNB).

meinsam mit einem Äffchen namens

tigen Umgang mit Geld über kurz oder

Taborsky: „Eins, zwei, viel. So wird

Herr Nilsson und einem Pferd mit dem

lang kein Weg herum.

70


FINANZPLATZ

Wirtschaftspädagogik

sianer lässt die Pressestelle verlauten:

an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU

„Wir haben zum aktuellen Zeitpunkt

Wien): „Das Finanzwissen ist einfach

kein eigenes Schulfach ‚Finanzbildung‘

schlecht. Vielen ist nicht einmal bewusst,

geplant. Mit den bereits beschriebe-

dass sie Teil des Wirtschaftslebens sind.“

nen Maßnahmen wird Finanzbildung

Daher nutzt es auch wenig, wenn Ös-

altersadäquat in den Unterricht einge-

terreichs Gesamtbevölkerung in Ran-

bunden. Zudem gibt es zahlreiche Un-

kings der OECD relativ gut wegkommt.

terstützungsmaterialien für den Unter-

OeNB-Experte Taborsky: „Auf welchen

richt.“ Damit wird sich am System, dass

Platz ein Land in solchen Vergleichen

Finanzwissen nicht in den Lehrplänen

kommt, ist egal, weil in allen Staaten

oder in Schulbüchern berücksichtigt

enormer Aufholbedarf herrscht.“ Es las-

wird, in nächster Zeit nichts ändern.

Professorin

für

sen sich aber Vorbilder ausmachen. WU-

Aber wie ist es um finanzielle Bildung,

© HANS PUNZ / APA / PICTUREDESK

um die Vorbereitung der Jungen für das

Professorin Fuhrmann: „Bezüglich Fi-

Vorbild Entenhausen

nancial Literacy gibt es keine Benchmark

Somit sind andere Initiativen gefragt,

an sich. Aber es gibt Länder, die auf dem

um den Wissenstransfer zu verbessern.

Weg schon weiter sind.“ Dazu zählt laut

Wie Schüler für Geldfragen zu begeis-

Fuhrmann Großbritannien, das Finan­

tern sind, hat etwa der deutsche Ehapa-

cial Education verpflichtend in das „na-

Verlag vorgemacht. Bereits 2012 wurden

tional curriculum“, also den Stunden-

Ausgaben des „Micky Maus“-Magazins

plan, integriert hat. Dazu zählt auch das

erstellt, in denen der über die deut-

deutsche Bundesland Baden-Württem-

schen Landesgrenzen hinweg als „Mr.

berg, wo Wirtschaft als Pflichtfach an al-

Dax“ bekannte Dirk Müller als Testimo-

len Gymnasien eingeführt wurde. In der

nial vorkommt. Marko Andric, leiten-

Schweiz wurde in den vergangenen Jah-

der Redakteur des „Micky Maus“-Ma-

ren Wirtschaftsbildung an allen Schulen

gazins: „Dirk Müller ist ein Micky-Fan

stark forciert. Fuhrmann: „Weltweit ha-

und lieferte die Idee, spezielle Ausgaben

ben rund 50 Länder eine nationale Stra-

des Hefts zu machen. Hintergrund war,

tegie zur Förderung der Finanzbildung

Kinder auf den Umgang mit Geld und auf

der Bevölkerung entwickelt und teilwei-

die Finanzwelt vorzubereiten. Das Kon-

se auch schon umgesetzt. Für Österreich

zept dazu wurde von einem unabhängi-

gibt es also noch Luft nach oben.“

gen pädagogischen Rat abgesegnet.“

Geldleben im Erwachsenenalter in Ös-

Dessen ist sich auch Erste-Group-

Und die Bemühungen haben bereits

terreich bestellt? Warum bekommen

Chef Andreas Treichl bewusst. Anläss-

mit dem ersten Heft namens „Micky

Experten Kopfschmerzen, wenn es um

lich der Eröffnung des Financial Life Park

Maus macht Schule“ gefruchtet. And-

die Wissensbildung in Geld- und Wirt-

„FLiP“ auf dem Erste-Campus nahe dem

ric: „Die Kinder waren begeistert.“ Die

schaftsfragen geht? Und welche Initia-

Wiener Hauptbahnhof fand der Banker

Folge war, dass das Comic in deutschen

tiven gibt es, um das Finanzwissen von

Ende Oktober 2016 harte Worte. Treichl

Schulen bis heute als Unterrichtsmate-

jungen oder auch älteren Österreichern

bezeichnete die Finanzausbildung an

rial verwendet wird. Das bestätigt auch,

zu stärken?

Österreichs Schulen schlicht und ein-

dass Schüler mit Themen wie „Was ist

fach als „Katastrophe“. Die im Schulun-

ein Bankkonto“, „Der Finanzplaner“

Schlechtes Zeugnis

terricht verwendete Fächerkombination

oder „Dagoberts Geld-Tipps“ bis hin zu

In puncto Finanzwissen sind Österreichs

von Geografie und Wirtschaftskunde galt

Erklärungen bezüglich Aktien, dem We-

Heranwachsende ziemlich blank. Das

für den Experten als eine Beleidigung für

sen der Börse oder zu Krediten durchaus

belegen einschlägige Studien (Seite 73).

das Finanzwesen. Die Begründung: Man

etwas anfangen können.

Edith Franc, Financial-Literacy-Expertin

habe ja auch kein Schulfach, das Leibes-

der Wiener Börse: „Untersuchungen zei-

übungen und Atomphysik vermischt.

Das hat auch die OeNB erkannt. Ehapa-Redakteur Andric: „2015 wurde für

gen, dass das Finanzwissen der Österrei-

Stichwort Schulfach: Im Bildungs-

die OeNB eine adaptierte Version des

cher gering ist. Das hält viele davon ab,

ministerium wird nicht daran gedacht,

‚Micky Maus Spezial‘ erstellt.“ OeNB-

selbst als Anleger aktiv zu werden.“ Ins

am bestehenden Curriculum etwas zu

Experte Taborsky: „Nach Workshops an

gleiche Horn stößt Bettina Fuhrmann,

verändern. Auf Anfrage von Der Bör­

den Pflichtschulen, an denen der größte

71


FINANZPLATZ

„Bildung ist der beste ­ nlegerschutz.“ A EDITH FRANC

in der Praxis wegen großer Wissenslücken nicht der Fall. Ich halte ein eigenes Schulfach ‚Wirtschaft und Finanz‘ für sehr wünschenswert. Ein solches fehlt in den AHS ebenso wie bei jenen, die über die neunte Schulstufe nicht hi-

„Österreich hat noch Luft nach oben.“ BETTINA FURHMANN

nauskommen.“ Und obwohl die Bank im Gegensatz zu großen Instituten nur Bedarf für Finanzbildung besteht, wer-

einen begrenzten Adressatenkreis hat,

schen Finanzbildung auch internatio-

den die Hefte neben zusätzlichem di-

lässt Stockbauer nicht locker. „Wir bie-

nales Know-how nicht zu kurz kommt.

daktischem Material an Schüler ver-

ten auch Lehrern Ferialpraktika an, hal-

Ziel der gebündelten Kräfte ist die Ent-

teilt.“

ten Vorträge an Schulen und für Eltern

wicklung einer nationalen Strategie, wie

oder versorgen Interessenten mit Pub-

sie im Übrigen von der OECD gefordert

likationen bezüglich Wissensthemen.“

wird, voranzutreiben. Dass man dabei

Flucht nach vorn Aber es gibt auch andere Wege, dem

Jahrelang sorgten Anlegerskandale

mit der Zeit geht, lässt sich an der Voll-

Wissenstransfer auf die Sprünge zu hel-

wie die Malaise um Fehlberatungen des

mitgliedschaft der OeNB am Interna­

fen. Einen davon beschreitet die Erste

ehemaligen Strukturvertriebs AWD, die

tional Network on Financial Education,

Group Bank AG mit dem Erste Finan­cial

Causa Meinl European Land oder auch

kurz INFE, ablesen.

Life Park „FLiP“. Und dafür hat die Bank

das Ausmaß der an Private vergebenen

viel Geld in die Hand genommen. Phi-

Fremdwährungskredite

Aufruhr.

notierter Unternehmen in Sachen Fi-

lip List, Leiter des „FLiP“: „Am Konzept

Wie sich in nachfolgenden Verfahren

nanzbildung ist groß. Die S Immo AG

wurde sieben Jahre gearbeitet. Es wur-

zeigte, erlagen viele der Geschädigten

übernimmt dabei Verantwortung in

den weltweite Benchmarks herangezo-

den unrealistischen Versprechen der

puncto Wissensvermittlung. „Wir ver-

gen.“ Laut den Besucherzahlen geht die

Anbieter. Mit etwas mehr Finanzwissen

öffentlichen Blogbeiträge über Finan-

Rechnung auf. List: „Im Vorjahr nah-

wären wohl viele Investoren und Kredit-

zen und Co, organisieren Podiumsdis-

men rund 4.500 Besucher, vornehmlich

nehmer vorsichtiger gewesen und hät-

kussionen und werden wieder ein On-

14- bis 17-jährige Schüler, an den von

ten sich damit viel Ungemach erspart.

linespiel, die „Aktien Trophy“, ver-

für

Das Engagement einzelner börsen-

anstalten. Ein Großteil der Bevölke-

sogenannten Wissensvermittlern geleiteten zweistündigen Führungen teil.“

Nationale Strategie

rung weist Defizite auf dem Gebiet

Bezüglich der vermittelten Inhalte sind

Das hat auch die Wiener Börse auf den

der Finanzbildung auf. Das ist einer

die Grenzen weit gefasst. FLiP-Leiter

Plan gerufen. Financial-Literacy-Ex-

der Gründe für das leider sehr gerin-

List: „Der rote Faden reicht von der Er-

pertin Franc: „Bildung ist der beste An-

stellung eines Haushaltsbudgets bis hin

legerschutz. Die Wiener Börse AG ver-

zu internationaler Wertschöpfung, glo-

anstaltet mehr als 500 Schulungen und

baler Wirtschaft oder auch Details über

Kurse pro Jahr.“ Dabei setzt die Wiener

Börse und Aktien. Das Angebot wird gut

Börse bereits bei Schülern und Lehrern

angenommen. Bis Ende des Schuljah-

an, um das Thema Börse und Wertpa-

res sind wir fast ausgebucht. Eine eige-

piere im Allgemeinwissen der Österrei-

ne Crowdfundingplattform für Schulen

cher zu verankern. Franc: „Die Aktivitä-

rundet das Financial-Literacy-Angebot

ten richten sich schwerpunktmäßig an

von FLiP ab.“

Schüler zwischen 16 und 19 Jahren der

Dass auch regional tätige Banken Fi-

Oberstufen der AHS und BHS sowie an

nanzbildung ernst nehmen, zeigt sich

Lehrer der Geografie und Wirtschafts-

wiederum an der von Herta Stockbau-

kunde an AHS und der Wirtschaftsfä-

er geleiteten BKS Bank AG. Bank-Che-

cher an den BHS. Seit Beginn der Initia-

fin Stockbauer: „Finanzwissen sollte

tive Kapitalmarkt-Wissen wurden 5.000

zur Allgemeinbildung zählen. Aber die

Vortragseinheiten mit mehr als 85.000

Wissensvermittlung erfolgt nicht sys-

Teilnehmern durchgeführt.“

tematisch. Entscheidend ist, zumindest

Darüber hinaus soll eine Kooperati-

die Kenntnisse zu haben, die für die Be-

on zwischen der WU Wien und der OeNB

wältigung des Alltags nötig sind. Das ist

dafür sorgen, dass bei der österreichi-

72

nd Alles ru ld um‘s Ge Von A bis Z k t ie inse n Wa s .. :

d Ge ld u ube r w is m us s s e n t!

r Cooler t: R e po

Vo M r si ac ch h t, de F Ch n E alsc ec ch hg k! th el ei d! ts -

d Ge ld So w ir te llt! he rges

Bildung. Die OeNB punktet mit Comic-Initiativen. Cover_oenb2015.indd 1

31.03.15 16:26


FINANZPLATZ

ge Interesse am Kapitalmarkt“, sagt S-­ Immo-AG-Vorstand Friedrich Wachernig. Die Raiffeisen-Bankengruppe ist wiederum über ihr Onlinebörsenspiel „School-Investor“ engagiert, Wertpapiere und den Kapitalmarkt zu erklä-

„Eins, zwei, viel. So wird manchmal gezählt.“ MARTIN TABORSKY

der WU Wien, OeNB, der Wiener Börse AG, Banken oder börsennotierter Unternehmen wird aber noch eine Menge Wasser die Donau hinunterfließen, bis Finanzbildung in den Köpfen der Österreicher angekommen ist. WU-Pro-

ren. Angesagt sind auch Werksbesichti-

fessorin Fuhrmann bleibt trotzdem zu-

gungen, bei denen die Voestalpine AG in

versichtlich: „Es klingt zwar banal. Aber

Linz sicherlich eine Vorreiterrolle über-

klassen das ganze Jahr über stark fre-

je früher man das Thema angeht, desto

nimmt. Die Stahlwelt wird von Schul-

quentiert. Trotz all der Bemühungen

größer sind die Erfolgschancen.“ n

STUDIENERGEBNIS

VIER VON FÜNF VERSAGEN

S

tudien belegen, dass „Financi-

teracy. Damals wurden 423 Österreicher

oder WU-Studenten von fundiertem Fi-

al Literacy“ in der Alpenrepublik

im Alter von 20 Jahren befragt. 102 da-

nanzwissen ausgehen können sollte,

unterentwickelt ist. Bei einschlä-

von waren HAK-Absolventen, 312 stu-

alarmierend.

gigen Pisa-Tests wird auf die ­Teilnahme

dierten an der WU Wien. Eine der Auf-

Wie es mit der Finanzbildung der Ge-

verzichtet. Die Zielfunktion ist bekannt:

gabenstellungen lautete: „Berechnen

samtbevölkerung aussieht, lässt sich an

Man sollte sich in vielen Belangen aus-

Sie den Zinsertrag einer Spareinlage von

einer OeNB-Umfrage von 2015 festma-

kennen, bevor man für verschiedenste

2.000 Euro und einer Verzinsung von

chen. 29 Prozent der Teilnehmer wuss-

Zwecke Geld in die Hand nimmt. Aber

zwei Prozent, den Sie genau nach einem

ten mit dem Begriff Inflation nichts an-

davon kann in der Praxis kaum die Rede

Jahr abzüglich der von der Bank einbe-

zufangen, der Terminus Zinseszins war

sein. Das zeigt sich an der 2012 erstell-

haltenen KESt erhalten.“

für 44 Prozent ein spanisches Dorf. Auf

ten „ING International Survey on Fi-

Bereits an dieser simplen Frage

Fragen nach dem Zusammenhang von

nancial Competence“, die mittels On-

scheiterten rund elf Prozent der Befrag-

Anleihen und Zinsen gaben 40 Prozent

linebefragung in elf europä­ischen Län-

ten. Sie fanden trotz ihrer wirtschaftli-

der Teilnehmer eine falsche Antwort.

dern, darunter auch Österreich, durch-

chen Ausbildung keine Antwort. Über 27

Und da nutzt es auch nur wenig, dass

geführt wurde. Im Zuge der Erhebung

Prozent der Teilnehmer konnten keinen

die Bewohner der Alpenrepublik im Al-

wurden fünf einfache Fragen hinsicht-

richtigen Rechenansatz entwickeln. 26

ter zwischen 18 und 79 Jahren in ein-

lich Zinsrechnung, Inflation und Kauf-

Prozent ermittelten zwar den richtigen

schlägigen OECD-Studien auf den ers-

kraft, Zinsniveau und Anleihenprei-

Zinsertrag, wussten aber mit der Kapi-

ten Blick gut wegkommen. Laut der 2016

se, Kreditraten sowie Risiko und Ertrag

talertragssteuer (KESt) nichts anzufan-

publizierten Untersuchung OEFD/INFE

gestellt. Das ernüchternde Ergebnis:

gen. 35 Prozent der Befragten konnten

International Survey of Adult Finan­cial

Nur sechs Prozent der österreichischen

das einfache Beispiel aber doch lösen.

Literacy Competencies erreichten die

Teilnehmer fanden auf alle fünf Fragen

befragten Österreicher im Schnitt 14,2

die richtige Antwort. 20 Prozent lagen in

Alamierende Ergebnisse

von 21 möglichen Punkten. Das reichte

vier der fünf Fälle richtig, 31 Prozent der

Bei einer ähnlich einfach gestrickten

zwar für Platz neun unter 30 Staaten. In

Befragten wussten die Lösung zu drei

Frage bezüglich Kapitalanlage erziel-

Summe bestand laut OECD aber „noch

Fragen. Nur zwei richtige Antworten

ten 79 Prozent der jungen Erwachsenen

ausreichend Platz für Verbesserungen“.

gaben 26 Prozent der befragten Öster-

zwischen null und 0,5 von drei mög-

Übrigens: 2012 wurde in den im Dreijah-

reicher ab. Immerhin elf Prozent fanden

lichen Punkten. Damit klaffte auch in

restakt durchgeführten Pisa-Tests erst-

die Lösung auf eine Frage. Sechs Prozent

diesem Fall eine weite Lücke zwischen

mals auch ein optionales Modul zur Er-

waren völlig blank und konnten bei kei-

Wunsch und Wirklichkeit. Hatten doch

hebung von „Financial Literacy“ auf-

ner der fünf Fragen punkten.

knapp 54 Prozent der Befragten das ei-

genommen. Damals zog es Österreich

brachte

gene Finanzwissen als sehr gut oder

vor, dieses Modul nicht zu verwenden.

auch eine 2014 von Plattner und Kolm

gut eingestuft. Das ist vor dem Hinter-

Das Spiel wiederholte sich im Zuge der

erstellte Studie bezüglich Financial Li-

grund, dass man bei HAK-Absolventen

jüngsten Pisa-Tests von 2015.

Ernüchternde

Ergebnisse

73


MANAGEMENT

WOLFGANG RUTTENSTORFER

STIMMT DAS ­MANAGEMENT, STIMMT DER AKTIENKURS! Die Meinung, auf dem Wiener ­Börsenparkett würden die Kurse nicht den wahren Wert der Unternehmen wider­spiegeln, teilt Mehrfachaufsichtsrat Wolfgang Ruttenstorfer nicht. Dabei seien weder eine Ver­ mögenszuwachs- noch eine Finanztransaktionssteuer ­hinderlich. TEXT JULIA KISTNER FOTO STEFAN BURGHART

Vielarbeiter. Wolfgang Ruttenstorfer ist zwar schon leiser getreten, die Arbeit in diversen ­Aufsichtsräten macht ihm aber Spaß.


FINANZPLATZ

→ VITA WOLFGANG RUTTENSTORFER AUFSICHTSRATSVORSITZENDER TELEKOM AUSTRIA AG Der bekennende Sozialdemokrat (66) ist ein Arbeitstier. Seine Unternehmens­ beteiligungen sowie diverse Aufsichtsratstätigkeiten sieht er als seine Berufung. Bis 2011 war der promovierte Handelswissenschaftler Generaldirektor der OMV AG. Vom Vorwurf des Insiderhandels wurde er 2012 freigesprochen. Politische Ambitionen hat er ad acta gelegt. Energie holt sich der Wiener in der Fitnesskammer.

K

aum jemand kennt die Gewässer

Wie können Sie bei so vielen Funktionen

lität ist. Beim Flughafen ist es momen-

und Tiefen der Wiener Börse so-

am Ball bleiben? – Ich bin im letzten Jahr

tan unglaublich spannend, wie trotz der

wie den Kurs ihrer großen Flagg-

schon leiser getreten. Ich habe ich mich

Sanktionen die Passagierzahlen von und

schiffe so gut wie Wolfgang Ruttenstor-

aus den Aufsichtsräten des steirischen

nach Russland steigen. Die Russen kau-

fer. Nicht nur, dass der Sozialdemokrat

Solar-Start-ups Neovoltaic und der CA

fen wieder bei uns ein.

von 1997 bis 1999 als Finanzstaatsse-

Immobilien Anlagen AG zurückgezogen

kretär wesentlich die Kapitalmarktre-

und auch bei der Jubiläumsstiftung der

Das Aufsichtsratssalär ist es nicht, das reizt,

form mitgestaltete und zum Wegfall

Wirtschaftsuniversität Wien. Meine in-

oder? Da setzt man sich besser in deutsche

der Börsenumsatzsteuer beitrug. Rut-

terimistische Vorstandstätigkeit bei der

Gremien. – Ich finde Österreichs Auf-

tenstorfer steuerte zehn Jahre das Wie-

sichtsräte werden in Relation zu den

ner Börsenschwergewicht OMV AG. Der

Vorständen vernünftig bezahlt. Wenn

Vielarbeiter sitzt in diversen Aufsichts-

ein Vorstand 500.000 Euro verdient und

räten großer Wiener Werte wie Telekom

dafür 200 Tage arbeitet und ein einfa-

Austria AG, RHI AG und Flughafen Wien

ches Aufsichtsratsmitglied mit fünf Sit-

AG. Er ist Vorstand der Volkstheater-

zungen im Jahr zehn Tage beschäftigt

Privatstiftung, Gesellschafter der Amic Energy Holding und Geschäftsführer der Dorea Consulting. Auch als Aktionär der Neovoltaic AG ist er aktiv. Im November 2010 machte er wegen Verdachts auf Insiderhandel mit der Finanzmarktaufsicht FMA Bekanntschaft. Ruttenstorfer hatte im März 2009 im Rahmen ei-

„Denke, dass ich die HV der Telekom Austria überstehe.“ WOLFGANG RUTTENSTORFER

ist, ist ein Gehalt von fünf Prozent oder 25.000 Euro fair. In Deutschland verdienen die Vorstände nun einmal mehr, da auch ihre Unternehmen und Aufgaben ganz andere Dimensionen haben. Ich bin bei Aufsichtsräten jedenfalls für fixe Vergütungen. Auch bei Vorständen? Ein Aktienver­

nes Vergütungsprogramms um 632.000 Euro OMV-Aktien erworben. Der private

RHI AG habe ich abgeschlossen. Jetzt

gütungsprogramm bei der OMV AG brach-

Aktienkauf fiel zeitlich mit dem Verkauf

sitze ich nur noch in den Aufsichtsrä-

te Ihnen ein Strafverfahren ein. – Bei Vor-

der OMV-Anteile am ungarischen Mi-

ten der RHI AG, Telekom AG und Flug-

ständen bin ich schon dafür, dass Vor-

neralölkonzern MOL zusammen. 2012

hafen AG.

standsgehälter aus fixen und variablen

wurde der Ex-OMV-Chef in zweiter Ins-

Komponenten bestehen. Bei langfristiWarum tut man sich einen Aufsichtsrats-

gen Anreizen sollte sehr wohl auch der

posten eigentlich an, und davon gleich

Aktienkurs miteinfließen. Allerdings

Herr Ruttenstorfer, die Vorbereitungen auf

mehrere? – Weil es Spaß macht. Man be-

nur als Recheneinheit. Vorstände soll-

unser Gespräch brachten mich selbst am

kommt an vorderster Front mit, ob das,

ten dafür nicht selbst in Aktien inves-

kältesten Tag des Jahres zum Schwitzen.

was in der Zeitung steht, auch die Rea-

tieren müssen.

tanz freigesprochen.

75


FINANZPLATZ

Welche persönliche Konsequenzen ha-

Sorgt ein neuer Vorstand automatisch für

ben Sie aus Ihrem Verfahren wegen Insi-

neuen Schwung an der Börse? – Er muss

derhandels mit OMV-Aktien, das mit Frei-

fest im Sattel sitzen und eine klare Stra-

spruch endete, gezogen? - Ich achte noch

tegie verfolgen. Ein weiteres Beispiel

akribischer auf die Compliance und in-

ist die Telekom Austria AG, deren Ak-

vestiere nicht mehr in Unternehmen,

tie 2016 zweistellig gestiegen ist. Seit

bei denen ich eine Funktion habe.

Sommer ist der Vorstand nicht mehr umstritten. Der Konzern verfolgt eine

Lohnt es sich überhaupt, in rot-weiß-ro-

nachvollziehbare Strategie, nämlich die

te Aktien zu investieren? Spiegeln sie den

europäische Wachstumsplattform für

wahren Wert der Unternehmen wider? –

den America-Movil-Konzern von Car-

Ich teile nicht die Meinung, auf die Sie

los Slim zu sein.

„Sehe kein Potenzial für weitere Privatisierungen.“ WOLFGANG RUTTENSTORFER

anspielen. Ich finde nicht, dass die Unternehmen an der Wiener Börse chronisch unterbewertet sind. Ganz abge-

WO DAS RECHT AUFSICHTSRÄTE FORDERT

dex ATX im Vorjahr mit einem Plus von zehn Prozent im europäischen Spitzenfeld lag. Wenn sich ein Unternehmen klar positioniert, eine gute Strategie und eine starke Führung hat, dann wird das auch auf dem Finanzplatz Wien goutiert. Ein gutes Beispiel ist die RHI AG. Deren Aktienkurs legte im Sommer des Vorjahres stark zu, nachdem unrentable Werke in Norwegen abgeschrieben und weitere Konsolidierungsschritte eingeleitet wurden. Seit Oktober bewegt sich der Kurs seitwärts, was auch verständlich ist. Die Anleger warten ab, wie sich die Kostenreduk­ tionsprogramme auswirken. Ist das eine Empfehlung? – Die will und darf ich aus Compliancegründen nicht geben. Bei der RHI bin ich doch zuversichtlich, dass die Konsolidierung klappt. Ein anderes Beispiel ist die Flughafen Wien AG. Der Kurs lag vor vier Jahren bei 30 Euro. Ohne erfolgten Aktiensplit würde er heute bei 100 Euro liegen! Ein neuer, geschlossener Vorstand hat die Altlasten erfolgreich abgebaut, sich auf die drei Standorte Schwechat, Malta und Kosice konzentriert, statt überall dabei zu sein. Genauso hat die OMV schwierige Zeiten hinter sich. Doch der neue Vorstand und eine erkennbare neue Strategie wurden in den letzten drei Monaten von der Bör-

Apropos fest im Sattel. Bei der Telekom Austria AG haben Sie weder VP-Finanzminister

sehen davon, dass der Wiener LeitinDer Börsianer hat bei der Kanzlei Schönherr nachgefragt, auf welche rechtlichen Fallstricke Aufsichtsräte achten müssen.

Hans Jörg Schelling noch die Gewerkschaft

1. A  uswahl des Vorstands. Vor allem bei regulierten Sektoren gibt es Vorgaben, etwa hinsichtlich Vergütung laut Eigenkapitalricht­linie CRD III im Finanzsektor und Stellenausschreibungsgesetz im öffentlichen Sektor. 2. Haftung bei strategischen Entscheidungen. Bei Käufen oder Verkäufen von Beteiligungen gilt seit Anfang 2016 die „Business Judgment Rule“. Es gibt keine Haftung von Organmitgliedern bei Einhaltung bestimmter Regeln, sagt Florian Kusznier, Partner von Schönherr. 3. D&O-Versicherung. Ein „Fallstrick“ kann die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs werden, wonach im Zivilverfahren Bindung an verurteilende Straferkenntnisse besteht. Besteht kein Strafrechtsschutz in der D&O-Versicherung, müsste der Aufsichtsrat das gesamte (Straf-)Verfahren auf eigene Kosten bestreiten, um sich bestmöglich auch für den (zivilrechtlichen) Schadenersatzprozess zu schützen. 4. Verhältnis zu Arbeitnehmer- und Kapitalvertretern. Die Teamarbeit ist im Aufsichtsrat zu fördern. Gleichzeitig sollten die Vertraulichkeitsinteressen der Gesellschaft bestmöglich geschützt werden. 5. Die eigene Vergütung: Die mediane Vergütung eines Aufsichtsratsmitglieds einer ATX-Gesellschaft betrug 2015 39.000 Euro, der Vorsitzende bekam 70.000 Euro. In Deutschland lagen die Beträge bei 140.000 Euro und 365.000 Euro. Historisch praktizierte „Ausgleichsmöglichkeiten“ für eine moderate Vergütung wie Aufträge an dem Aufsichtsratsmitglied nahestehende Unternehmen sind problematisch.

eine GmbH starkmachen. Damit könnte der

se honoriert.

auf Ihrer Seite. Man nimmt Ihnen krumm, dass Sie sich für die Umwandlung der A1 in mexikanische Mehrheitseigentümer America Movil mehr durchgreifen. Überleben Sie die Hauptversammlung am 8. Juni? – Ich denke doch, dass ich die HV überstehe. Ich bin bis 2020 als Aufsichtsratsvorsitzender bestellt. Aber man wird sehen, was die Zukunft bringt. Bei all Ihrem Optimismus für den Finanzplatz Österreich: Die Marktkapitalisierung in Wien lässt sich nicht schönreden. Der Börsenwert aller notierten heimischen Aktien liegt mit 38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts somit fast auf dem Niveau von Griechenland. – Da bin ich optimistisch, dass sie wieder deutlich zunimmt, sobald die Zinsen wieder ansteigen. Dann können die Unternehmen nicht mehr so supergünstig Fremdkapital bei den Banken aufnehmen und holen sich wieder mehr Eigenkapital an der Börse. Wir haben 2016 auffällig viele Börsenabgänge in Wien gesehen. Liegt es an besonders strengen Publizitätsvorschriften, die unsere Unternehmen verschrecken? – Nein. Wer an die Börse will, muss auch die Regeln beachten. Die Zeit des Gold-Plating, also einer besonders strengen Auslegung von EU-Richtlinien, ist in Österreich längst vorbei. Warum wir so eine geringe

76


FINANZPLATZ

Steuern. Wolfgang Ruttenstorfer ist der Finanztransaktionssteuer gegenüber nicht abgeneigt.

Marktkapitalisierung haben, liegt natür-

Wertpapiererträge mit 27,5 Prozent be-

lich auch daran, dass wir wenige großka-

steuern sollte. – Ja, da haben Sie recht.

pitalisierte Unternehmen haben. 2018 soll noch die FinanztransaktionsWas halten Sie von weiteren Privatisierun-

steuer dazukommen. – Man wird se-

gen? – Gar nichts! Da sehe ich kein Po-

hen. Grundsätzlich bin ich für die Fi-

tenzial. Da kämen ja nur noch die Post

nanztransaktionssteuer, solange da-

AG, die OMV AG und ein paar Assets der

von möglichst auch alle außerbörsli-

Länder infrage. Wir brauchen aber für

chen Transaktionen erfasst werden.

unseren Wirtschaftsstandort interna­

Dann gefährdet sie den Kapitalmarkt

tionale Konzerne mit starken österrei-

nicht. Um den Kapitalmarkt zu stärken,

chischen Kernaktionären.

muss man bei den Investitionen an-

70.000 Euro betrug 2015 die ­Vergütung ­eines Aufsichts­ratsvorsitzenden im Schnitt. In Deutschland waren es 365.000 Euro. SCHÖNHERR

setzen. Da bin ich zuversichtlich, dass Als Staatssekretär machten Sie Ende der

Mitterlehner und Kern mit ihrem Pro-

1990er-Jahre der Wiener Börsenumsatz-

gramm das auch tun. Auch vertraue ich

nen Euro begeben, das lockt institutio-

steuer den Garaus. – Sie brachte wenig,

auf den neuen dynamischen Börsen-

nelle Anleger.

der Verwaltungsaufwand war hoch.

vorstand Christoph Boschan, dass er für Start-ups in der Wachstums- und

Was möchten Sie beruflich noch erreichen?

Wäre es nicht an der Zeit, die Vermögenszu-

Interna­ tionalisierungsphase ein inte-

Chef der staatlichen Beteiligungsgesellschaft

wachssteuer abzuschaffen? – Vermögens­

ressantes Segment schafft. Vor allem

ÖBIB? – Nein, dafür habe ich mich einmal

zuwächse werden als Einkommensgrund­

aber sollte der Zusammenschluss von

2011 beworben. Kein Wunsch anymore.

lage immer wichtiger. Ich bin der Mei-

CA Immo AG und Immofinanz AG zu ei-

nung, Einkommensarten sollten gleich

nem ­ europäischen Immobilienriesen

OMV-Aufsichtsrat? – Auch das nicht. Im

besteuert werden, Kapital wie Arbeit.

der Wiener Börse zu neuem Wachstum

Nachhinein ist es gut so, dass es sich

verhelfen. Ein solcher Immobilienrie-

nicht ergeben hat. Peter Löscher macht

Gleich würde aber auch bedeuten, dass

se kann zur Projektfinanzierung Anlei-

seinen Job als OMV-Aufsichtsratspräsi-

man Spareinlagen nicht mit 25 Prozent,

hen in Standardgrößen von 500 Millio-

dent sehr gut. n

77


REPORTING


FINANZPLATZ

NACHHALTIG ­ BERICHTEN, ABER WIE? Große Unternehmen müssen jetzt nichtfinanzielle Kennzahlen zu ihren Nachhaltigkeitsstrategien ausweisen – inklusive Informationen über Zulieferer und Dienstleister. Der Börsianer hat sich in der Branche umgehört. TEXT BARBARA OTTAWA

D

er Name ist Programm, aber sehr

stehen und deshalb ebenfalls Informa-

lang: Seit Jahresbeginn gilt in

tionen zusammenstellen müssen,“ so

Österreich das Nachhaltigkeits-

Eckel weiter. „Sonst drohen sie aus der

Diversitätsverbesserungsgesetz,

Lieferkette zu fallen.“ Katharina Schö-

kurz: NaDiVeG. Damit wurde hierzulan-

nauer, Manager Advisory bei der KPMG

de zum spätmöglichsten Zeitpunkt die

Austria, ergänzt: „Diese Lieferkette um-

Richtlinie der Europäischen Union zur

fasst auch Investitionstätigkeiten und

Offenlegung nichtfinanzieller Informa-

Veranlagung von Finanzdienstleistern.“

und

tionen (NFI) aus dem Jahr 2014 umgesetzt. Wer ab dem Geschäftsbericht 2017 was ausweisen muss, hat Der Börsianer hier in sechs Fragen zusammengefasst:

?

Was muss berichtet werden? „Zusätzlich zur wirtschaftlichen

Bilanz soll nun auch zum ersten Mal die soziale und ökologische Performance

Wer ist betroffen?

des Unternehmens dargestellt werden,“

Für die Bestimmung der betrof-

fasst Peter Linzner, Geschäftsführer der

fenen Unternehmen hat der Gesetzge-

Denkstatt, zusammen. Berichtet wer-

ber die Definition „Große Unterneh-

den muss über folgende Themen: Um-

men“ herangezogen, also ab 20 Millio-

welt, Sozial- und Arbeitnehmerbelange

nen Euro Bilanzsumme oder 40 Millio-

wie Fluktuation, Einkommensentwick-

nen Euro Umsatz. Für die Umsetzung der

lung, Menschenrechte, die Bekämpfung

NFI-Richtlinie wurde die Mindestmitar-

von Korruption und Bestechung sowie

beiterzahl auf 500 über die letzten zwei

Diversität. „Aber nur solange die Infor-

Jahre festgesetzt. „Und außerdem der

mation nicht zu einem Schaden für das

Zusatz von öffentlichem Interesse“, er-

Unternehmen führt, also im Wesentli-

läutert Martin Eckel, Partner bei Taylor

chen unter das Betriebsgeheimnis fällt

Wessing. „Das heißt, dass neben bör-

oder das Unternehmen in einem lau-

sennotierten Unternehmen auch Kre-

fenden Verfahren belastet“, bestätigt

ditinstitute und Versicherungsunter-

Eckel. In Sachen Diversität müssen gro-

nehmen betroffen sind, nicht aber sol-

ße Unternehmen eine Strategie vorle-

che im Staatseigentum.“ Er schätzt,

gen, und zwar nicht nur in Sachen Ge-

dass knapp über 200 Unternehmen in

schlecht, sondern auch Alter, Bildung,

Österreich unmittelbar berichten müs-

Migrationshintergrund – und das auch

sen. „Aber dann gibt es noch viele, die in

für Gremien wie Vorstand und Auf-

der Lieferkette größerer Unternehmen

sichtsrat. „Für alle Bestimmungen des

© TREND MICHAEL RAUSCH - SCHOTT / VERLAGSGRUPPE NEWS / PICTUREDESK

?

EVN-Chef. Peter Layr ist genauso wie die Palfinger AG im Gegensatz zu ­vielen anderen Unternehmen gut auf die Berichtspflichten vorbereitet.

79


FINANZPLATZ

„Verbesserung bei Diversitäts­ konzepten nötig.“ DANIELA WERDECKER

„Berichtspflicht nur, wenn kein Schaden für ­Unternehmen.“

„­Wertschöpfung aus dem ­Blickwinkel der Nachhaltigkeit.“

MARTIN ECKEL

PETER LINZNER

NaDiVeG gilt ‚Comply or Explain‘“, be-

Verpflichtung gibt, zu ihrer Nachhaltig-

portingtool entwickelt, um quantitative

tont Eckel.

keitsstrategie Stellung zu nehmen. An-

Werte belegbar zu machen. „Dann wer-

dere börsennotierte Unternehmen hat-

den diese Zahlen und Daten mit der Kon-

ten schon seit 2008 eine theoretische Be-

zernstrategie verbunden und anschlie-

richtspflicht, die jedoch rein qualitativ

ßend in einen Bericht gegossen“ (siehe

Schönauer bestätigt, dass jene Un-

ausgelegt war und wenig beachtet wurde.

Grafik).

ternehmen, die sich in ihrer Nachhaltig-

Die zusätzlichen Kosten seien schwer zu

keitsberichterstattung bereits jetzt an die

beziffern und je nach Unternehmen sehr

Standards der Global Reporting Initiative

verschieden, sind sich alle Experten einig.

Welche Nachteile beziehungsweise Vorteile gibt es?

Wie ist zu berichten?

Nichterfüllung in Österreich wesent-

Wie viel Mehraufwand bedeutet die Umstellung?

?

(GRI) halten, „nur wenige Anpassungen vornehmen müssen“. Linzner ergänzt:

?

Laut Eckel sind die Strafen für die

„Die Offenlegung ist mit dem La-

lich geringer als in Deutschland. Eine

gebericht zu verknüpfen,“ erläutert

Bilanzstraftat sieht er in diesem Zu-

zu tun, denn das Gesetz verlangt eindeu-

Schönauer. „Ein ganz wichtiger Punkt ist

sammenhang nicht zum Tragen kom-

tig eine Hinterlegung der Angaben mit

die Wesentlichkeit der Information. So

men. Schmerzhafter könnten Reputa­

Key Performance Indicators (KPI).“

sind beispielsweise die Energiekennzah-

tionsrisiken sein: „Aktionäre, Stakehol-

„Wer bislang nur auf qualitative Kriterien geachtet hat, ist jetzt aufgefordert, mehr

?

Somit sagt etwa die EVN AG, die in ih-

len für ein produzierendes Unternehmen

der und Analysten werden die Daten si-

rem integrierten Geschäftsbericht den

viel aussagekräftiger als für ein Dienst-

cher kritischer hinterfragen,“ so Eckel.

GRI entspricht, dass das Unternehmen

leistungsunternehmen.“

Linzner empfiehlt, die neue Verpflich-

„inhaltlich bereits gut auf die neuen Be-

Die Informationen müssen im Bericht

tung als Chance zu sehen: „Berücksich-

richtspflichten vorbereitet“ ist. Ähnli-

als „NFI-Erläuterungen“ ausgewiesen

tigt man die gewonnenen Erkenntnisse

ches gilt für die Palfinger AG: „Die neuen

oder ganz gesondert, aber zeitgleich be-

in der Unternehmensstrategie und -po-

gesetzlichen Regeln machen relativ we-

richtet werden. Der Lagebericht mit der

sitionierung, stellen diese einen wesent-

nig Unterschied für uns, weil wir seit 13

NaDiVeG-gemäßen

Berichterstattung

lichen Mehrwert dar und helfen bei einer

Jahren Nachhaltigkeitsmanagement be-

muss nach neun Monaten vorliegen. „Die

längerfristigen Ausrichtung und Steu-

treiben und seit 2005 ein sehr ausgewei-

NFI-Informationen sind dem Aufsichts-

erung. Darüber hinaus können sie auch

tetes Kennzahlensystem haben“, erläu-

rat vorzulegen, und der Abschlussprü-

für andere Abteilungen von Nutzen sein

tert Daniela Werdecker, Head of Sustaina­

fer muss das Vorhandensein bestätigen,“

im Bereich ‚Employer Branding‘ oder in

bility Management bei der Palfinger AG.

erläutert Eckel. „Eine inhaltliche Prüfung

der Innovationsentwicklung“, ergänzt

„Das einzige Thema, wo sich Palfinger

erfolgt hingegen nicht. Danach ist der Be-

Linzner.

noch verbessern kann, ist bei der Aus-

richt beim Firmenbuch einzureichen.“

arbeitung von Diversitätskonzepten, die strategisch gefordert werden“, gibt Werdecker zu. Auch für die Telekom Austria Group AG werde sich „wenig ändern“,

Auch die EVN AG sieht die neue gesetzliche Lage als Chance: „Aktuell klä-

Wo anfangen?

?

ren wir Detailfragen zur konkreten Um-

Mit neuen Kunden sieht sich Denk-

setzung und prüfen dabei, wie wir das Na-

statt zunächst diverse Felder wie

DiVeG für eine weitere Verbesserung un-

so ein Sprecher. „Das Ziel der Richtlinie

Umwelt, Kundenmanagement, Liefer-

serer

sollte ja sein, dass Unternehmen ange-

kette, Ethik, Mitarbeiter und gesell-

nutzen können“, bestätigte ein Sprecher.

Nachhaltigkeitsberichterstattung

halten sind, etwas zu tun, und dann dar-

schaftliches Engagement an, um zu se-

„Für Palfinger ist es durch die langjähri-

über berichten und sich nicht umgekehrt

hen, welche Daten bereits vorhanden

ge Vorarbeit ein Vorteil, wenn sich auch

irgendwelche Maßnahmen nur für den

sind: „Wir analysieren die Wertschöp-

andere mit nichtfinanziellen Kennzahlen

Bericht einfallen lassen.“

fung aus dem Blickwinkel der Nachhal-

beschäftigen müssen und auf dieser Basis

Aufwendiger ist die Umstellung für Fi-

tigkeit“, betont Linzner. Daraus wer-

dann vergleichbarer werden“, ist Werde-

nanzdienstleister, für die es erstmals eine

den Indikatoren abgeleitet und ein Re-

cker überzeugt. n

80


GASTKOMMENTAR

MEINUNGEN

ERSTER ENTWURF ZU BASEL IV

→ VITA GEORG OGRINZ PARTNER PWC ÖSTERREICH Der Weitgereiste (46) ist seit mehr als 17 Jahren in der ­Beratung aktiv. PWC Österreich verstärkt der Hobbyskifahrer seit fünf Jahren. Zu seinen inter­ na­tionalen Stationen zählen ­Rumänien, Schweiz, Luxemburg und Cote d'Ivoire.

Die EU-Kommission veröffentlicht einen ersten Entwurf zu Basel IV. Georg Ogrinz, Partner Financial Services ­Consulting bei PWC Österreich, analysiert die ­Auswirkungen für die ­heimischen Banken.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat in den zurückliegenden Monaten eine Reihe von Konsultations­ papieren veröffentlicht, die weitrei-

„Investoren werden eine plausible Strategie der ­Banken erwarten.“

chende Änderungen in der Ermittlung

GEORG OGRINZ

den Basel-IV-Reformen betroffen sein. Marktstudien zeigen eine mögliche aggregierte Erhöhung der „Risk Weighted Assets“ (RWA) von 40 bis 65 Prozent aus Basel IV, auf Basis der bisherigen Vorschläge – vor möglichen Anpassungen.

der risikogewichteten Aktiva vorsehen.

Das Kreditrisiko ist hierbei aufgrund seines Anteils in den

Hierdurch kommen zahlreiche neue Anforderungen auf Banken zu, unabhängig von der betrachteten Risikoart – Kreditri-

Bankenportfolien und der Wirkung der geplanten Änderun-

siko, Marktrisiko, operationelle Risiken – und den genutzten

gen der Haupttreiber. Dabei wird erwartet, dass Banken mit

Verfahren wie Standardansätzen oder internen Modellen. Das

internen Modellen und relativ niedrigen Risikogewichten am

inoffizielle Schlagwort „Basel IV“ ist bereits in aller Munde,

oberen Ende der Auswirkungsbandbreite liegen werden. Aber

auch wenn offiziell von der „Finalisierung von Basel III“ ge-

auch Banken, die Standardansätze nutzen, sind potenziell

sprochen wird.

durch gestiegene Kapitalanforderungen in einzelnen Bereichen wie Spezialfinanzierungen oder Beteiligungen und durch

Die übergeordneten Ziele der Reformen sind insbesondere

die höhere Komplexität der Ansätze betroffen.

Einheitlichkeit und Transparenz der RWA-Ermittlung, höhere Risikosensitivität der Standardansätze und gesteigerte An-

In Summe führen die neuen Regelungen dazu, dass Banken

gemessenheit von internen Modellen. Somit sind umfassende

wesentlich mehr Eigenkapital vorhalten müssen und sich mit

Änderungen in der Art, in der Banken ihre unterschiedlichen

großen Herausforderungen bei der Umsetzung der komplexen

Risiken messen und quantifizieren, zu erwarten.

Regelwerke konfrontiert sehen werden. Damit einhergehend

Die Wegbereitung der Basel-IV-Reformen hat bereits am

kommen die Eigenkapitalrentabilitäten der Banken weiter

23. November 2016 begonnen: mit der Veröffentlichung des

unter Druck, Investoren und Kapitalmärkte werden eine plau-

ersten Entwurfs der EU-Kommission für eine Überarbeitung

sible Strategie der Banken erwarten, spätestens wenn die fi-

bankaufsichtsrechtlicher Regelungen bezüglich der Themen

nalen Anforderungen vorliegen.

Kapitalanforderungen (CRD V und CRR II) sowie Sanierung

Aus diesem Grunde sollten sich Banken frühzeitig mit den

und Abwicklung (BRRD). So beinhaltet dieser neben der Fina-

Auswirkungen der Basel-IV-Reformen auseinandersetzen.

lisierung bestehender Vorgaben, bezeichnet als Basel III, be-

Bedeutend ist hierbei nicht nur das Verständnis der einzelnen

reits Teile der Basel-IV-Regelungen, insbesondere zur Mes-

Elemente und der Konsequenzen, sondern deren Wechselwir-

sung und Begrenzung der Risiken aus Derivaten und Markt-

kungen mit anderen Anforderungen wie zum Beispiel „Leve-

preisrisiken aus der Handelstätigkeit von Banken. Das In-

rage Ratio“, „Net Stable Funding Ratio“ (NSFR), „Minimum

krafttreten ist für die Jahre ab 2019 vorgesehen. Die Finalisie-

Requirement for Eligible Liabilities“ (MREL) und allen wei-

rung der weiteren Basel-IV-Reformen, vor allem hinsichtlich

teren Risikoarten. Auf dieser Basis sollte eine Identifizierung

Kreditrisiken und operationeller Risiken, durch den Baseler

der strategischen Auswirkungen für Geschäftsfelder und Pro-

Ausschuss steht noch aus. Eine entsprechende Umsetzung in

dukte erfolgen, mit dem Ziel der Optimierung von Geschäfts-

EU-Rechtsvorschriften wird höchstwahrscheinlich ab Ende

aktivitäten, Produktmix und Portfolien. Außerdem notwen-

2019 durch ein weiteres „CRD VI / CRR III“-Paket erfolgen.

dig: eine Aktualisierung der Modelle sowie die Verbesserung der Infrastruktur, Datengranularität, Prozesse und Kontrollen

Die europäischen Banken werden je nach Geschäftsmodell

zur Umsetzung der neuen Anforderungen. n

und Zusammensetzung der Portfolien unterschiedlich von

81


Aufsicht. Die Rolle der Finanzmarktaufsicht soll in Ă–sterreich Ăźberdacht werden. Die Zentrale der FMA liegt am Otto-Wagner-Platz in Wien.

82


SEITENBLICKE

FINANZMARKTAUFSICHT: DAS SCHRECKGESPENST DER WIRTSCHAFT? Der Börsianer wollte von den Parlamentsparteien wissen, ob Österreich eine Neuordnung der Finanzmarktaufsicht braucht. TEXT FLORIAN GARTLER

© FMA

D

ie Finanzmarktaufsicht (FMA)

führung der Bankenaufsicht, also jene

wird schon seit Jahren heftig kri-

der FMA und der Oester­reichischen Na-

tisiert. Unternehmen beschwe-

tionalbank (OeNB). Es stellt sich die Fra-

ren sich über überbordende Bürokratie

ge: Braucht es eine Reform der Aufsicht?

und knallharte Bescheide, die juristisch

Ist die intensive Regulierung ein Hemm-

letzten Endes oft nicht halten. So wur-

schuh für die heimische Wirtschaft? Und

de unter anderem eine verhängte Stra-

soll die Politik wieder mehr Verantwor-

fe in Millionenhöhe gegen die Hypo Noe

tung bei der Regulierung übernehmen?

Gruppe Bank AG vom Verwaltungsge-

Grund genug für Der Börsianer, um bei

richtshof aufgehoben. Nicht zuletzt wird

den Parlaments­ parteien nachzufragen,

kritisiert, dass die FMA ihre Strukturen

wie eine Neuordnung der FMA ausse-

nicht entschlackte, obwohl sie große Tei-

hen sollte. OVP, FPÖ und Team Stronach

le ihrer Agenden an die Europäische Zen-

sprechen sich für eine Zusammenfüh-

tralbank abgeben musste. Es ist also we-

rung der Aufsicht in einer Behörde aus.

nig verwunderlich, dass Finanzminister

Während die Grünen ebenfalls Schnitt-

Hans Jörg Schelling kaum ein gutes Haar

stellenprobleme wahrnehmen, teilt die

an der FMA lässt. Schon im Jahr 2014 for-

SPÖ die Kritik des Finanzministers nicht.

derte dieser, dass sich die FMA neu auf-

Neos sprechen sich für eine stärkere par-

stellen solle. Zuletzt betonte Schelling, er

lamentarische Kontrolle der Aufsicht

wolle eine kleinere und schlagkräftigere

aus. Weitere Hürden für kleine Bankin­

Behörde. Auch der Rechnungshof teilt

stitute und eine erschwerte Kreditverga-

die ­Kritik in seinen Berichten. Schon seit

be für Unternehmen werden einstimmig

langem empfiehlt er eine Zusammen-

abgelehnt.

83


SEITENBLICKE

SO DENKT DIE POLITIK

SPÖ

ÖVP

FPÖ

Kai Jan Krainer Finanzsprecher

Werner Groiß Bundesfinanzsprecher

Hubert Fuchs Finanzsprecher

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat zu-

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat

zuletzt Kritik an der Finanzmarktauf-

letzt Kritik an der Finanzmarktaufsicht ge-

zuletzt Kritik an der Finanzmarktaufsicht

sicht geübt, teilen Sie diese Kritik? – Nein.

übt, teilen Sie diese Kritik? - Trotz der neu-

geübt, teilen Sie diese Kritik? - Eine Auf-

Der

„Banken“-Untersuchungsaus-

en europäischen Aufsichtsstruktur wur-

teilung der Kompetenzen und Zustän-

schuss 2007 hat gezeigt, dass die FMA

de nirgends eingespart. Zudem führt die

digkeiten zwischen zwei nationalen Be-

nicht funktioniert hat. Deswegen wur-

Aufteilung der Bankenaufsicht auf zwei

hörden im Aufsichtsbereich hat sich im-

de sie 2008 reformiert. Beim gerade ab-

Institutionen zu ineffizienten Doppel-

mer wieder als problematisch, ineffizi-

geschlossenen

Hypo-Untersuchungs-

gleisigkeiten. Die Politik muss eine Lö-

ent und kostspielig erwiesen. So sind die

ausschuss wurden die eklatanten Män-

sung dafür finden, dass derzeit jene, die

Personalkosten der FMA von 9,6 Millio-

gel von der Zeit vor der Reform bestä-

prüfen, sich auch selbst die Regeln geben.

nen Euro im Jahr 2002 auf 37,8 Millionen

tigt. Für die Zeit nach der Reform wur-

Euro im Jahr 2015 angestiegen. Wenn

de nicht eine einzige Auskunftsperson

Wie soll die Bankenaufsicht in Österreich in

man die steigenden Kosten stets auf die

­geladen, weil sich aus den Akten kei-

Zukunft geregelt werden? - Die Reform der

Bankinstitute und letztlich auf die Kun-

nerlei Kritik ergab.

Bankenaufsicht, an der ein Expertenrat

den abwälzen kann, ist der Druck zur Ef-

arbeitet, muss die geänderten Rahmen-

fizienzsteigerung und Kostenreduktion

Wie soll die Bankenaufsicht in Österreich in

bedingungen berücksichtigen. Es darf

nicht wirklich gegeben.

Zukunft geregelt werden? - Ich denke wir

keine Vermischung von Regulierung und

haben eine funktionierende Aufsicht.

Aufsicht geben, die Kontrollbehörden

Wie soll die Bankenaufsicht in Österreich in

Ja, die Regulierung und Aufsicht ist teu-

sollen sich auf ihre Kernaufgaben kon-

Zukunft geregelt werden? - Eine rein or-

rer als vor der Finanzkrise; aber das hat-

zentrieren. Außerdem soll die Banken-

ganisatorische Neuaufstellung wird die

te schon einen Sinn. Ich kann mir prin-

aufsicht in einer Institution beheimatet

Probleme nicht lösen. Vielmehr muss

zipiell auch eine Aufsicht unter einem

sein. In Summe soll die Bankenaufsicht

es zu einer Reform der Struktur und Ar-

Dach vorstellen, aber diese müsste gut

effizienter werden.

beitsweise der Aufsicht auf nationaler und auf EU-Ebene kommen. Es bedarf

überlegt und vorbereitet sein; denn eine Aufsicht kann auch wesentlich schlech-

Ist der Finanzsektor überreguliert, können

auch einer echten Kostentransparenz

ter funktionieren mit wesentlich höhe-

Sie sich eine vereinzelte Deregulierung vor-

der Aufsicht.

ren Kosten!

stellen? - Insgesamt sind zur Regulierung der Finanzindustrie in den letzten Jahren

Ist der Finanzsektor überreguliert, kön-

Ist der Finanzsektor überreguliert, kön-

mehr als 1.800 Rechtsnormen neu dazu-

nen Sie sich eine vereinzelte Deregulierung

nen Sie sich eine vereinzelte Deregulie-

gekommen. Entscheidend ist hierbei die

vorstellen? - Wer Wachstum und Arbeits-

rung vorstellen? - Im Wesentlichen passt

richtige Balance zwischen dem Bestreben

plätze schaffen will, muss es den Banken

die Regulierung für sehr große Banken

nach mehr Marktstabilität und der Wah-

auch ermöglichen, Kredite zu vergeben.

oder Versicherungen. Kleine und mittle-

rung des Kerngeschäfts der Finanzbran-

Regularien, die versuchen, das Bank-

re Banken empfinden die Regulierung si-

che, der leistbaren Zurverfügungstel-

geschäft völlig zu vereinheitlichen und

cher als überschießend. Aber: Die Finanz-

lung von Kapital an die Realwirtschaft.

keinen Spielraum mehr für individuelle

marktregulierung passiert zu 99 Prozent

Der notwendige Kreditfluss an Klein- und

Entscheidungen zur Finanzierung zulas-

in Brüssel. Österreichs Vertreter dort ist

Mittelbetriebe ist besonders zu berück-

sen, würgen die Wirtschaft ab und müs-

Finanzminister Hans Jörg Schelling.

sichtigen.

sen beseitigt werden.

84


SEITENBLICKE

GRÜNE

TEAM STRONACH

NEOS

Werner Kogler Finanzsprecher

Robert Lugar Klubobmann

Rainer Hable Finanzsprecher

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat zu-

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat zu-

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat zu-

letzt Kritik an der Finanzmarktaufsicht ge-

letzt Kritik an der Finanzmarktaufsicht ge-

letzt Kritik an der Finanzmarktaufsicht ge-

übt, teilen Sie diese Kritik? - Der Hypo-U-

übt, teilen Sie diese Kritik? - Ja, das derzei-

übt, teilen Sie diese Kritik? - Bis dato lie-

Ausschuss hat klar gezeigt: Das dama-

tige System des Aufsichtssplitting zwi-

gen uns keine konkreten Änderungsvor-

lige Kompetenzwirrwarr und Verant-

schen Oesterreichischer Nationalbank,

schläge durch Finanzminister Schelling

wortungskarussell im Bermuda­ dreieck

Finanzmarktaufsicht und EZB erfordert

vor, daher wäre eine Bewertung zum jet-

Oester­reichische Nationalbank, Finanz-

hohen zeitlichen, kommunikativen und

zigen Zeitpunkt unseriös. Grundsätzlich

marktaufsicht und BMF war ein zen­

kostenmäßigen Aufwand. Das System

muss festgehalten werden, dass in der

traler Grund für das Versagen der staat-

ist aufgrund komplizierter Kommuni-

europäischen Debatte eine Zusammen-

lichen Bankenaufsicht im Fall Hypo.

kationsabläufe reaktionsträge.

führung von Bankenaufsicht und Geldpolitik unter dem Dach einer Zentralbank

Auch nach der Reform 2007/08 bestehen immer noch Schnittstellenproble-

Wie soll die Bankenaufsicht in Österreich in

me. Kompetenzänderungen sollten je-

Zukunft geregelt werden? - Ja, alle Aufga-

denfalls nicht wieder durch parteipoli-

ben wie Meldewesen, Analyse, Prüfung,

Wie soll die Bankenaufsicht in Österreich in

tisches Kalkül geprägt sein.

Behörde und internationale Koopera­

Zukunft geregelt werden? - Das notwen-

tion sind bei einer Stelle zu konzentrie-

dige rechtliche Instrumentarium war

Wie soll die Bankenaufsicht in Österreich

ren und um Kundenschutz zu erweitern.

auch schon vor der letzten großen Auf-

in Zukunft geregelt werden? - Bevor re-

Bisher ist die FMA nur Meldestelle, aber

sichtsnovelle vorhanden, es wurde halt

formiert wird, sollte der aktuelle Stand

nicht Entscheidungsstelle. Entschei-

aus politischen Gründen nicht zur An-

der staatlichen Bankenaufsicht kritisch

dungen können nur Gerichte fällen.

wendung gebracht. Es sollte daher in der

evaluiert werden. Der fertigzustellen-

Bislang hat die FMA keine Eingriffs-

ganzen Reformdiskussion vielmehr über

de RH-Bericht wird eine zentrale Rol-

möglichkeiten in zivilrechtliche Verträ-

eine stärkere parlamentarische Kontrol-

le spielen. Die vom BMF bestellten und

ge zwischen Kunden und Banken. Die

le der Aufsichtsbehörden nachgedacht

von der FMA oft ignorierten Staatskom-

Rechte der Staatskommissäre sind auf

werden.

missäre könnten bei Haftung der Wirt-

echte Prüftätigkeit auszuweiten. Der-

schafts- und Bankprüfer wegfallen.

zeit sind die Staatskommissäre nur teil-

Ist der Finanzsektor überreguliert, können

nehmende Beobachter.

Sie sich eine vereinzelte Deregulierung vor-

vermehrt kritisch gesehen wird.

stellen? - Die Debatte zur stärkeren Re-

Ist der Finanzsektor überreguliert, können Sie sich eine vereinzelte Deregulierung vor-

Ist der Finanzsektor überreguliert, können

gulierung des Finanzsektors ist durchaus

stellen? - Es gibt Hinweise, dass sich im

Sie sich eine vereinzelte Deregulierung vor-

nachvollziehbar, jedoch sollte sie objek-

Finanzsektor manch gutgemeinte Re-

stellen? - Nein, nicht das Aufsichtswe-

tiv geführt werden. Eine Politik der Über-

gelung überschießend auswirkt – ten-

sen und auch nicht Bankgeschäfte mit

regulierung kann dazu führen, dass klei-

denziell zur Benachteiligung der kleine-

hohen Spekulationskomponenten sind

nere Institute unter dem Druck aus Grün-

ren Finanzinstitute. Kleine Banken soll-

zu deregulieren, sondern die Kreditver-

den der Kosteneffizienz zu immer größe-

ten daher gegenüber großen Instituten

gabe für die Realwirtschaft, insbeson-

ren Einheiten zusammengefasst wer-

in einzelnen Aspekten der Regulierung

dere Investitionen und Finanzierungen

den. Eine drohende Marktkonzentration

bevorzugt werden, etwa bei der Kredit-

für Betriebsmittel, inklusive Gebäude

bringt durch neue systemrelevante In­

vergabe an Klein- und Mittelbetriebe.

und Kfz, ist zu deregulieren.

stitute noch stärkere Risiken.

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BÖRSENTALK

TRUMP & CO

Trump habe es in sich, meinten Oliver Schumy (Immofinanz AG), Gerald Grohmann (Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG), Eduard Berger (Wiener Privatbank SE), Dominik Hojas (Der Bör­ sianer), Roland Schmidt (Carmignac) und Michael Haker (Morningstar).

DER BÖRSIANER Q-CHECK-ROADSHOW 24. JÄNNER 2017 HOTEL IMPERIAL, WIEN

Genossen ein Gläschen: Raimund Enengl (Raiffeisen Private Banking) und Beraterin Erika Karitnig.

Der Marmorsaal im Hotel Imperial hatte sich für die Q-Check-Roadshow herausgeputzt.

Angelika Kramer („Trend“) und Julia Resch (Wiener Börse AG) unterhielten sich prächtig.

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Ist Donald Trump verrückt oder alles gar nicht so schlimm? Bei der Frage schieden sich die Geister der Anlageexperten und Unternehmensvorstände bei der Q-CheckRoadshow in Wien. Die meisten trauen Trump keine neuen Höhen an der US-Börse zu. Die anwesende Finanzcommunity erschien in Rekordzahl. So richtig Stellung beziehen zu Trump wollte allerdings kaum einer. Bester Tipp: abwarten!

Dieter Wimmer (Comgest), Journalistin Eva Benisch und Anneliese Proissl („Trend“) hatten jede Menge Spaß.


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EXZELLENTE AUFPASSER BOARD SEARCH UND KPMG

Die Arex-Preisträger 2016 unter sich (v. l.): Christian Köck (Köck Privatstiftung), Gerhild Deutinger (WWF), Heinrich Spängler (Spängler Bank AG), ­Renate Graber („Der Standard“) und Josef Krenner (Amag). BEWERTUNG

Location Publikum Inhalt/Redner Börsenfaktor

2. AUFSICHTSRATSGALA 10. NOVEMBER 2016 THE RITZ CARLTON, WIEN

Innovativ, flexibel, höchste Kompetenz sowie transparentes Arbeiten sind die Anforderungen an Aufsichtsräte. Das gehört ausgezeichnet. Die besten Köpfe wurden deshalb bei der zum zweiten Mal stattfindenden Arex-Aufsichtsratsgala im Ritz Carlton am 10. November in Wien geehrt. 300 Gäste aus Österreich, Deutschland und der Schweiz ließen sich die Veranstaltung nicht entgehen. Insgesamt wurde der Arex in fünf Kategorien vergeben. Bei den börsennotierten Unternehmen sicherte sich Amag-Aufsichtsratschef Josef Krenner den Sieg.

Für die prominenten Interviewten gab es Diamanten (v. l.): Alexander Goebel (Künstler), Friedrich Rödler (Erste Group Bank AG), Peter Ulm (6B47 Real Estate Investors AG), Tatjana Oppitz (IBM), Volker Wiedmeyer (NIBC Bank Deutschland AG), Rainer Hassler (KPMG), Michael Kutschera (Binder Grösswang) und Jana Dünkeloh (CHUBB).

SCHARFES BÖRSEN-CHILI

WIENER BÖRSE AG WIENER-BÖRSE-PUNSCH 2. DEZEMBER 2016 PALAIS CAPRARA-GEYMÜLLER, WIENER BÖRSE, WIEN

Der alljährliche Börse-Punsch im Innenhof der Wiener Börse AG zog diesmal rund 500 Gäste an. Und er wurde genutzt, um den neuen Börsenvorstand Christoph Boschan zu begutachten. Auch Technikvorstand Ludwig Nießen ließ es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich im Palais Caprara-Geymüller zu begrüßen. Der Alkohol floss in Strömen, das scharfe Chili wärmte. Ein netter Abend, auch wenn viele Vorstandschefs der börsennotierten Unternehmen durch Abwesenheit glänzten. BEWERTUNG

Location Publikum Inhalt/Redner Johannes Vetter (OMV AG), Susanne Leiter (Neos), Stephan Scoppetta (Feuereifer) genossen Punsch und Plausch.

Stimmungsvoller Börse-Punsch, 500 Gäste labten sich an scharfem Chili, eigenwilligen Käsespätzle und am ­gewürzten Alkohol.

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Börsenfaktor


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BÖRSENTALK

KEINE ANGST VOR UMBRUCH Salonniere Sabine Mitterbacher (Der Börsianer), Thomas Polak (Uniqa Insurance Group AG), Ingrid Krawarik (Der Börsianer), Dorothee Ritz (Microsoft Österreich), Marie-Helene Ametsreiter (Speedinvest) und Boris Marte (Erste Group Bank AG) sorgten für einen spannenden Austausch rund ums Thema Innovation. DER BÖRSIANER FRAUENFINANZSALON 8. NOVEMBER 2016 MEINL AM GRABEN, WIEN

Boris Marte (Erste Group Bank AG) war kaum vom ­Mikrofon wegzubekommen: Der Erfinder von ­„George“ und Dorothee Ritz (Microsoft) erzählten, wie innovativ sie in ihren Unternehmen sein können.

Maria Raberger (Privat Bank RLB Oberösterreich AG) und Eva Marchart (Unternehmensberaterin) genossen Frühstück, Kaffee und die Atmosphäre beim Salon im Meinl am Graben.

Der Umbruch in der Finanzbranche steht erst am Anfang. Die Veränderungen müsse man aber als Chance nützen, rieten die Experten beim dritten FrauenFinanzSalon zum Thema „Innovation – Die Suche nach dem Heiligen Gral“. Und gaben nützliche Tipps, wie man Vorstand und Geschäftsführung von den neuen Ideen überzeugen kann. Wichtig: furchtlos und hartnäckig sein. Und wissen, für welche Ideen sich der Kampf lohnt.

Karola Gröger , Karl Banyai (Jupiter) und Frank Steffen (BMO) hatten ­einen humorvollen Abend.

ALLES UNTER EINEM DACH

GELD-MAGAZIN DACHFONDS-AWARD 17. NOVEMBER 2016

401 Produkte waren beim Dachfonds-Award nominiert, 39 Dachfonds wurden in 16 Kategorien mit Preisen ausgezeichnet. Die Trophäen wurden bei der traditionellen Galaveranstaltung am 17. November überreicht. Die Branche feierte danach ausgelassen. Insgesamt sind in Österreich 550 Dachfonds zum Vertrieb zugelassen, das verwaltete Volumen betrug 2015 rund 50 Milliarden Euro. BEWERTUNG

Location Publikum Für Harald Holzer (Kathrein Privatbank AG) und ­Martina Meister (LGT Capital Partners) gab es nach der ­Verleihung einiges zu l­ achen.

So sehen die glücklichen Sieger des Österreichischen Dachfonds-Awards 2016 des „Geld-Magazin“ aus.

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Inhalt/Redner Börsenfaktor

© MARTINA DRAPER/4PROFIT VERLAG GMBH

HAUS DER INDUSTRIE, WIEN


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@CAIMMOBILIEN

@LENZINGAG

Hello from Davos! #Lenzing-CEO Stefan Doboczky is excited that Lenzing is part of the World Economic F ­ orum 2017. #wef17

@VOESTALPINE

Die neue Voestalpine-Image- und -Markenkam­ pagne bietet Einblicke in das Leben der #weltweit rund 48.500 Mitarbeiter.

O. Barth, @BNPPRE_DE, sieht am Büroinvestmentmarkt keine Blasengefahr, da die Akteure trotz ­hoher Preise besonnen handeln.

@UNIQAGROUP

@BKSBANK

Herta #Stockbauer begrüßte Kunden & Partner beim traditionellen #Neujahrsempfang in unserer Direktion in #Wien.

QUELLE: TWITTER

MARKTGEZWITSCHER

#UNIQA hosting a class of #finance students in the course of a cooperation with @univienna.

@ERSTEGROUP

@GAZPROMEN Gernot Mittendorfer (Erste Group CFO): CEE is proving to be the best region in Europe: low risk costs, improving asset quality. #emCEEForum

@KERNCHRI

Wie man mit einer Zeichnung tausend Worte ­ersetzen kann ...

#Gazprom and @OMV reach binding Basic Agreement on asset swap.

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PORTRÄT

ZEHN FRAGEN AN JULIA RESCH

IMPRESSUM: Chefredakteur/Herausgeber: Dominik Hojas, d.hojas@derboersianer.com Stv. Chefredakteurin (CvD): Ingrid Krawarik, i.krawarik@derboersianer.com Redaktion: Reginald Benisch, Florian Gartler, Julia Kistner, Raja Korinek, Martin Kwauka, Thomas Müller, Lukas Sustala, Barbara Ottawa, Hans Weitmayr, Robert Winter

→ VITA JULIA RESCH PRESSESPRECHERIN WIENER BÖRSE AG

Leserbeirat: Heike Arbter, Peter Bartos, Mathias Bauer, Edi Berger, Stefan Böck, Stefan Brezovich, Diana Klein, Bernhard Grabmayr, Fritz Mostböck, Wilhelm Rasinger

Für Julia Resch (31) gilt das Motto: Einmal Börse, immer Börse. Seit fast acht Jahren ist die internationale Betriebswirtin in dem U ­ nternehmen beschäftigt und hat alles von der Pike auf gelernt. In der Branche gilt sie als exzellente Netzwerkerin. Mit Cham­pagner kann man die Börsenbegeisterte nicht ködern, wohl aber mit einem Smoothie.

Anzeigenverkauf: Michael Berl (Leitung), m.berl@derboersianer.com; Miriam Haider, m.haider@derboersianer.com; ­Sabine Mitterbacher, s.mitterbacher@der boersianer.com; es gilt die Anzeigenpreisliste 2017!

ST

LESERPO

Verlag/Medieninhaber: Wayne Financial Media GmbH (FN: 399197 f, HG Wien), Bösendorferstraße 4 / 20, A-1010 Wien, Telefon: +43 (0) 1 920 523 4, Fax: +43 (0) 1 954 433 2, E-Mail: office@waynemedia.at, Web: www.waynemedia.at

n@ redaktio m n ia er.co derboers

Welche Eigenschaften haben Sie dort-

so richtig verzockt? - Mein Risikoappe-

hin gebracht, wo Sie heute stehen? - Eine

tit ist eher gering. Ich veranlage bevor-

Mischung aus Fleiß, Neugier, Team-

zugt langfristig, gut gestreut und Stück

geist sowie unternehmerischem und

für Stück.

vernetztem Denken. Welches Vorurteil gegenüber dem KapiWelchen Beruf würden Sie ausüben, wenn

talmarkt ärgert Sie? - Da gibt es leider

Sie nicht in der Finanzbranche tätig wä-

viele. Was kann man dagegen tun? Wir

ren? - In der Kommunikation.

sagen: Bildung ist der beste Anlegerschutz. Als Prophylaxe gegen gängi-

Von welchen Quellen beziehen Sie Ihre

ge Kapitalmarktmythen empfehle ich

Fachinformationen? - Zum Börsenwe-

einen Blick auf den Faktencheck der

sen beziehe ich es von unseren Exper-

Wiener-Börse-Webseite.

ten in der Börse, zu Kommunikation vor allem aus Fachmagazinen, online

Was assoziieren Sie mit Gordon Gekko und

und durch den Austausch mit Kollegen.

dem Film „Wall Street“? - 80er-Jahre

Geschäftsführer: Michael Berl, Dominik Hojas Produktion: Grafik: Martin Jandrisevits, Titanweiß Werbeagentur GmbH; Fotos: Clemens Bednar, Barbara Ster, Unternehmen beigestellt; Lektor: Armin Baumgartner; Kursdaten: TeleTrader Software GmbH, Schlusskurse vom 31. 12. 2016, keine Gewähr für die Richtigkeit der Daten; Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechts­spezifische Formulierungen. Druckerei/Nachhaltigkeit: Das Magazin wurde nach Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens bei der Druckerei Ferdinand Berger und Söhne GmbH (10.000 Stück) auf nachhaltigem Papier (Umschlag: Claro Silk 250 g, Kern: Furiso 100 g) gedruckt.

Hollywood. Welchen Teil lesen Sie in Ihrer Zeitung zuerst? - Das Titelblatt, danach den Wirt-

Dieser Investor ist für mich eine Legende?

schaftsteil, gern in der App auf dem

- Legenden nachzueifern scheint mir

Weg ins Büro.

wenig

erstrebenswert.

Information

Das Österreichische Umweltzeichen für Druckerzeugnisse, UZ 24, UW 686 Ferdinand Berger & Söhne GmbH.

sowie das Verständnis von wirtschaftWenn ich nicht gerade arbeite, verbringe

lichen Zusammenhängen sind das Um

ich meine Zeit am liebsten mit ... - Fami-

und Auf beim Investieren.

lie und Freunden; aber auch gern beim Sport und in der Natur.

Unbenannt-1 1

ge und a 16er-Blech“? - Smoothie und Bei welchem Investment haben Sie sich

07.07.20

Champagner und Austern oder „a EitriVollkornbrot.

90

Die nächste Ausgabe erscheint um den 10. April 2017. Bis dahin täglich: www.derboersianer.com


EIN HERZ für den Finanzplatz weil’s um den Wohlstand der Menschen geht!

Die Wirtschaftswissenschaften belegen, dass ein gesunder Finanzsektor ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum einer Volkswirtschaft ist. Ein handlungsfähiger Kapitalmarkt generiert Einkommen, Beschäftigung und Wohlstand in Österreich.

Eine Initiative von

www.herzfuerbullen.at


Der Börsianer 18. Ausgabe, Q1 2017  

Österreichs Finanzmagazin

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