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Selbsthilfe

G e s u n d h ei t

Prävention Infos · Angebote · Adressen · Veranstaltungen · Projekte

JENA

CHANCE


UNVERBOGEN? MITEINANDER ZWANGSFREI WILLKOMMEN BEZIEHUNGSREICH UNTERSTÜTZEND ÜBERRASCHEND INTERDISZIPLINÄR KOMPAKT GEFUNDEN AMBULANT LOHNENSWERT VERBUNDEN UNTERSTÜTZEND INFORMIERT VORGESTELLT SÜDENGLISCH ANTISCHRÄG WE CAN WERTSCHÄTZEND ERLEICHTERND SIMULIERT ERINNERT GESUCHT ÄNGSTE NEHMEN RESPEKTVOLL KINOTIPP MALSPIELEND UNANTASTBAR BEGLEITET ANGEKOMMEN KOOPERIEREND BEWEGT PRÄVENTIV GEGRÜNDET KOMPAKT ERMUTIGEND VERSTÄNDNISVOLL ENTLASTEND GESTARTET! LEISTUNGSFÄHIG GETRÄUMT INFORMATIV BEFREIEND MEDIZINISCH DARMGESUND GUT VERSORGT

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CHANCE - Jenaer Selbsthilfezeitung

Editorial der IKOS 20 Jahre Jenaer Selbsthilfegruppe Aphasiker & Schlaganfall 1999 - 2019 Anonyme Sexsüchtige EMOTIONS ANONYMOUS (EA) – Selbsthilfegruppe für emotionale und seelische Gesundheit Neue Gesprächsgruppe für Männer – „Mann in Beziehung“ Arbeitsläden in Jena Blaues Kreuz – „Essen mit Freunden“ Gedächtniszentrum – Universitätsklinikum Jena Gesundheitsnachrichten Elterngruppe CHARGE-SYNDROM ESMERALDA – Beratung für Menschen mit Essstörungen, Angehörige und andere Bezugspersonen Al-Anon Familiengruppen – SHG für Angehörige und Freunde von Alkoholkranken Neu: Quartalstreffen zum Vernetzen von SHGn - Leiter*innen von Gruppen im Austausch Elternkreis für suchtgefährdete und suchtkranke Töchter und Söhne Datenschutz in der Selbsthilfe Frauen- und Gleichstellungsstelle der Stadt Jena Familiensommer in Südengland #mehralsStuhlkreisKaffeetrinkenundHändchenhalten Junge Selbsthilfe Jena – Isabel und Pepe erzählen Heim oder daheim? – „Betreutes Wohnen in Familien“ Erfahrungsaustausch für Angehörige von Menschen mit Demenz Demenzparcour im Pflegestützpunkt erlebbar Der Toten gedenken – die Lebenden schützen Zum Aufbau neuer Selbsthilfegruppen werden Interessierte gesucht Diagnose Polyneuropathie Bertrand Stern über Würde und Respekt und zum Frei-sich-bilden-Können Der fiktionale Kinofilm CaRabA zeigt eine Welt ohne Schulen Ein Malort für Jena – Im Malspiel spielend der eigenen Spur folgen Voller Würde… Hospiz Jena Tagesklinik für Gerontopsychiatrie und Alterspsychotherapie am neuen Ort Psychosoziale Beratung für LSBTIQ* – anonym + kostenlos + vertraulich Ein Drahtzieher unseres Wohlbefindens: das Gehen ESMERALDA – Prävention, Aufklärung und Bildungsarbeit zum Thema Essstörungen Tabuthema Schwangerschaftsabbruch Gesundheitsnachrichten Lebertransplantation – Kontaktgruppe Jena Von der Diagnose Parkinson zur Selbsthilfegruppe wellcome in Jena Interview mit einem Mitglied der neu gegründeten Selbsthilfegruppe „Erwachsene mit ADHS“ Projektstart "ADHS im Berufsleben“ – Wir bitten um Unterstützung! Puppenspiel – „Teilen schafft Zukunft“ Für Ihre Gesundheit. Das Patientenportal der KV Thüringen Ausmisten für die Seele SHG für Menschen mit Cannabisnutzung als Medizin – Cannabis Patientenhilfe Mittelthüringen Entscheiden Bakterien über unser Gewicht? – Gesundes von der AWOCARENET Der neue Wohnpark LebensWeGe der AWO in Lobeda-Ost

IMPRESSUM Herausgeber: IKOS Jena - Beratungszentrum für Selbsthilfe Träger: AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen e. V.

Redaktionsteam: Bettina Brenning Gabriele Wiesner Layout & DTP: Studio eljott Lothar Jähnichen Dornburg/Saale Umschlagfotos: Marlene Wiesner (U1) Gabriele Wiesner (U4) Auflage: 4.000 Stück Redaktionsschluss: 16. Dezember 2019 Der Inhalt der Beiträge entspricht nicht unbedingt der Meinung des Herausgebers.

Mit freundlicher Unterstützung durch Ihre AOK PLUS.

© IKOS Jena

JENA

INHALT


(UN)ANGEPASST? Editorial der IKOS

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eden Tag ein klein wenig freundlicher und authentischer… Drei Menschen, drei Meinungen, oder vier?

Nie gab es in Deutschland so viele kontroverse Diskussionen: Nord gegen Süd, Ost gegen West, Warm gegen Kalt, Oben gegen Unten, Jung gegen Älter, Reich gegen Arm, Links gegen Rechts… Es scheint nur noch Entweder - Oder zu geben, kein Sowohl - Als auch und wenig Annäherung und echte Dialogbereitschaft. Unser Land scheint zerrissen – in Deutschland herrscht ein kultureller Bürgerkrieg, hat es ein Autor der ZEIT kürzlich umschrieben. Die Generationen in den Familien sprechen offensichtlich unterschiedliche Sprachen und verstehen einander nicht mehr wirklich gut. Scheinbar unüberwindbare Barrieren tun sich auf. Allerdings eben nur scheinbare. Wir sollten gemeinsam an unserer Rhetorik arbeiten, um aus diesem Babel wieder herauszufinden. Zum Beispiel: Ein von einem Fraktionsvize im Bundestag geprägter Ausdruck ist „Anti-WindkraftTaliban“. Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu Windkraftanlagen wohnen, denen diese im Dunkeln drohend blinkenden Riesen zu nah in ihren Lebensbereich gerückt sind und die sich dagegen wehren mit Taliban gleichzusetzen… welcher Missgriff in die uns zur Verfügung stehenden sprachlichen Mittel. Die Entscheidungsträger zum Bau vieler Anlagen oder die Besitzer sind häufig recht weit entfernt beheimatet und wohnen eventuell in Großstädten wie z. B. Berlin, das als Stadtstaat über ganze FÜNF Windräder verfügt… Menschen, deren Handlungen häufig unserem staatlichen Rechtswesen zuwiderlaufen, die Dinge zerstören oder verunzieren, die sie aus ihrer Sicht ablehnen, werden im Gegenzug als Aktivisten bezeichnet. Wir sollten auch gemeinsam an unserer Wortwahl arbeiten. Hier bauen sich Extreme auf allen Seiten auf. Wie gehen wir mit einer öffentlichen Meinung um, die inzwischen u. a. auch Körperverletzung als jugendtypisches Delikt ansieht? Die ältere Menschen durch einen von Erwachsenen betreuten Kinderchor einfach so als „Umweltsau“ bezeichnen darf und diesen mit öffentlichen Geldern finanzierten Spot

dann aufgrund umfangreicher Kritik wieder löscht, allerdings nicht, weil er schlichtweg taktlos ist, Ältere verhöhnt, sie vermeintlich bloßstellt und ihnen ihre Würde nimmt, sondern weil sich der Sender dem Vorwurf der Instrumentalisierung von Kindern ausgesetzt sieht und sich davon befreien möchte? Wir sollten gemeinsam an unserer Rhetorik, unserer Wortwahl, gegenseitigem Respekt und dem Umgang miteinander arbeiten. Wem steht es zu, seine Sichtweise als die einzig richtige gelten zu lassen? Wenn es um unsere Umwelt und deren Schutz geht, dann sollte es uns gelingen, keine Zigarettenkippen mehr achtlos in die Landschaft zu werfen oder Fastfood-Abfalltüten, nicht mit irgendwelchen „to-go-Artikeln“ essend und trinkend durch die Gegend zu laufen, keine „Wegwerf-Zelte“ oder halbe Wohnungseinrichtungen auf großen Musikfestivals mal eben stehen zu lassen…, die Aufzählung ließe sich über Vielfliegerei, Müllexport… bis zu hochgetunten Fahrzeugen unendlich weiterführen. Die Alternativen wie UnverpacktLäden und Mittagsanbieter, zu denen ich meine eigenen Gefäße mitbringe, Möglichkeiten zum Teilen und gemeinsamen Nutzen oder Abgeben von nicht mehr Benötigtem entwickeln sich langsam oder sind schon da im Kleinen, aber sie entwickeln sich. Hier sind uns die jungen Leute Vorbild, denen es leichter fallen mag, sich von alten oder noch nicht so ausgeprägten Lebensmustern zu trennen, und wir können ihnen mit unseren Erfahrungen zur Seite stehen. Bestenfalls beiderseits ohne erhobenen Zeigefinger. Sobald wir alle akzeptieren, noch lange nicht perfekt zu sein, kommen wir in einen sinnvollen Austausch. Jeden Tag ein klein wenig freundlicher und ein bisschen mehr vom gesammelten Wissen des Gegenübers lernend. Albert Einstein formulierte es treffend: Wissen ist Erfahrung, alles andere ist nur Information.

CHANCE JENA

Und was hat das nun alles mit Selbsthilfe, Gesundheit und Prävention zu tun, den drei großen Themengebieten aus unserer Überschrift auf dem Cover dieser CHANCE? Alles hängt mit allem zusammen. In der Selbsthilfe geht Erfahrungswissen ohne Besserwisserei von Mensch zu Mensch, steht man sich bei und stärkt sich den Rücken beim Umgang mit Erkrankungen oder besonderen Lebenssituationen. Das Gegenüber wird geachtet und so angenommen, wie es ist. Und da sind wir auch beim Thema Würde angelangt, das wir mit „voller Würde“ als Motto für die Woche der Seelischen Gesundheit 2019 gewählt hatten. In dieser CHANCE finden Sie einige Gedanken zu Gerald Hüthers Buch „Würde – was uns stark macht als Einzelne und als Gesellschaft“, zum Projekt „WürdeMenschen“ von Jörg Amonat, zum Grundgesetz mit seinen Menschenrechten, zu Bertrand Sterns Ausführungen über uns als kreative, selbstbestimmte Menschen, als Subjekte, die laut NEIN sagen dürfen zu reglementierenden und die Persönlichkeitsrechte einengenden Lebensumständen. Auf dass wir nicht bei der Erkenntnis landen, und hier zitiere ich einen Kollegen: „Es fügt sich alles, wenn man sich fügt.“ Wir haben eine neue Mischung aus Selbsthilfethemen, Gesundheitsinformationen und Präventionstipps gesammelt und wünschen Ihnen gute Gedanken beim Lesen. Das WÜRDEthema zieht sich durch die CHANCE und bietet sich uns als gestaltbar an, immer beginnend bei uns selbst. Mit einem Zitat nach Jörg Amonat entlassen wir Sie in dieses neue Heft: „Die WÜRDE ist nicht das Glück der größten Zahl, sie besitzt allerdings ein Happy-End-Potential.“ Wir stehen Ihnen gern mit unseren Räumlichkeiten und unserem Wissen zur Verfügung und freuen uns auf persönliche Begegnungen mit Ihnen. Ihre Gabriele Wiesner vom IKOS-Team

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CHANCE JENA Zurück zu Unbeschwertheit und Lebensfreude trotz Erkrankung ...

MITEINANDER

20 Jahre Jenaer Selbsthilfegruppe Aphasiker & Schlaganfall · 1999 - 2019

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s macht sehr viel Spaß, diese Selbsthilfegruppe mitzugestalten und die Veranstaltungen zu organisieren. Jedes Jahr im Januar stellen wir den Jahresplan für das laufende Jahr zusammen. Da sind Ideen gefragt. Wir treffen uns einmal im Monat. Zweimal im Jahr besucht uns eine Logopädin. Unsere Gruppe lädt Referenten ein, die Diavorträge halten und Fachleute, z. B. Neurologen, Polizisten, Apotheker, Mitarbeiter von orthopädischer Technik und der Stadtverwaltung, die uns über ihre Arbeit berichten. Wir haben regen Erfahrungsaustausch mit anderen SHGn aus Thüringen und unternehmen Fahrten rund um Thüringen. Mitglieder unserer Gruppe nehmen jährlich am „Thüringer Aktionstag Aphasie & Schlaganfall“ in Erfurt teil und auch am „Familienseminar für Aphasiker“ in Bad Liebenstein, die von Anfang an dabei ist, ist unsere Gruppenleiterin, Heike Thurm. Sie ist selbst Aphasikerin. Sie kümmert sich sehr um uns, macht Krankenbesuche, hat immer ein offenes Ohr für uns. Sie weiß um das Krankheitsbild der Aphasie, musste auch das Sprechen neu erlernen. Sie lernte mit den Finanzen umzugehen, hat die Jahresplanung und die Organisation immer fest im Griff.

Mit steigender Zahl der Teilnehmer wachsen die Aufgaben, und die Verantwortung wird geteilt. Das stärkt das Miteinander. Von einem kleinen Haufen zu Beginn ist jetzt die Gruppenstärke im Jahre 2019 auf inzwischen 27 Teilnehmer gestiegen. Nicht zuletzt hilft uns unsere Selbsthilfegruppe, unsere Unbeschwertheit und Lebensfreude wiederzuerlangen. Freundschaften sind entstanden. Unsere Selbsthilfegruppe hilft uns, unsere Behinderungen anzunehmen. Der Spaß an unseren Unternehmungen und die Gemeinschaft mit anderen Betroffenen sind wichtig! Regina Krczizek Mitglied der SHG Aphasiker & Schlaganfall Jena

Die Gruppentreffen finden in der Regel jeden 1. Mittwoch des Monats um 15:00 Uhr statt. Den Ort des Treffens erfahren Sie über unsere Gruppenleiterin Heike Thurm.

Kontakt:

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Heike Thurm Tel.: 03641 534696 E-Mail: h-thurm@gmx.de

Rezept: Zucchininudelsalat

für 2 Portionen als Hauptspeise oder 4 Portionen als Vorspeise Zutaten 35 g Pinienkerne ½ TL Knoblauchpulver, optional 10 g Nährhefe 2 mittelgroße Zucchini, geputzt 4-5 Zweige Thymian 90 g Himbeeren 150 g gemischte, junge Salatblätter Pinienkerne, Knoblauchpulver und Nährhefe mit ½ TL Meersalz in der Küchenmaschine verarbeiten, bis eine parmesanähnliche Konsistenz erreicht ist. In ein Gefäß füllen und luftdicht verschließen. Die Zucchini mit einem Gemüsehobel, einem Spiralschneider oder einem Gemüseschäler in lange dünne Streifen schneiden. Für das Dressing die Thymianblätter abzupfen. 30 g Himbeeren mit einer Gabel zerdrücken und mit 4 EL nativem Olivenöl mischen. Thymian hinzufügen und mit einer Prise Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer würzen. Die Salatblätter waschen. Zusammen mit den Zucchininudeln mit dem Dressing mischen. 4-5 EL Pinienkern-„Parmesan“ darüberstreuen und mit den restlichen Himbeeren servieren. Quelle: eve, 04/2019, S. 74

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CHANCE JENA

ZWANGFREI

Das ist meine Lebensversicherung ...

Auf dem Weg zu seelischer Gesundung und einem ausgeglichenen Gefühlsleben ...

WILLKOMMEN

Anonyme Sexsüchtige

EMOTIONS ANONYMOUS (EA) Selbsthilfegruppe für emotionale und seelische Gesundheit

Szerstörerisch ind Dein sexuelles Denken und Verhalten geworden? Ist es unmöglich

aufzuhören? Wir können helfen! Wir sind gemischte Gruppen von Frauen und Männern, die erfahren, dass die Zwölf Schritte uns aus der Isolation unserer Sexsucht führen. Unsere Treffen und die Arbeit im AS-Programm stellen unsere natürliche Fähigkeit zur wahren Verbindung wieder her – zu unseren Mitmenschen und zu einer Kraft, größer als wir selbst, die wir lange gesucht haben.

„Täglich musste ich ausagieren. Ich war besessen davon und fühlte mich gefangen – und immer verzweifelter. Da erzählte plötzlich eine Freundin von AS. Heute bin ich frei von meinem Zwang – das hätte ich nie für möglich gehalten.“

„Ich wollte nicht mehr leben. Wenn das so weiterginge, würde ich im Gefängnis oder auf dem Friedhof landen. Ich schämte mich unendlich für mein Doppelleben. Bei AS erzählte ich endlich ehrlich von meiner Qual... Es war unglaublich: Ich war nicht allein.“ „Ich fühle mich endlich einer lebendigen genesenden Gemeinschaft zugehörig - und sicher. AS ist meine Lebensversicherung.“ Sexsucht zeichnet sich dadurch aus, dass sie fortschreitet. Menschen sind nicht (mehr) zu echten Beziehungen fähig. Im Extremfall kann sie zur Zerstörung der körperlichen und psychischen Gesundheit führen, verbunden mit einer Zerstörung der Familie und der wirtschaftlichen Existenz. Dies wissen wir aus unseren eigenen Erfahrungen. Unsere Gemeinschaft basiert auf den Prinzipien der Anonymen Alkoholiker. Von dort durften wir alle Prinzipien übernehmen, um sie auf das Problem der Sexsucht anzuwenden. Unsere Trockenheitsdefinition lautet: „Keine Sexualität mit sich selbst oder mit Anderen, außer mit dem Ehepartner.“ Diese Definition ist das Fundament unserer Genesung. Die einzige Bedingung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, die Lüsternheit aufzugeben und sexuell nüchtern zu werden. https://anonyme-sexsuechtige.de/

Kontakt: Tel.: 0175 5729869 E-Mail: as.jena@posteo.de

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as Thema unserer Selbsthilfegruppe ist die Verbesserung der persönlichen, emotionalen und seelischen Gesundheit. Unsere Mitglieder leiden z. B. an Selbstzweifeln, Depressionen, Ängsten, Panik, Trauer, Beziehungsproblemen, Wut u. v. m. Jeder, der das Bedürfnis nach seelischer Gesundung und einem ausgeglichenen Gefühlsleben hat, ist bei uns willkommen. Wir treffen uns zweimal monatlich, um in gegenseitiger Wertschätzung, unter Wahrung voller Anonymität und auf der Grundlage des 12-Schritte-Programms eigenverantwortlich an unserer persönlichen Weiterentwicklung zu arbeiten. Dabei teilen wir gegenseitig unsere Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung und schöpfen Kraft und Hoffnung aus den Genesungsprozessen anderer Mitglieder. EA ist Anfang der siebziger Jahre in den USA und Deutschland entstanden und heute eine weltweit vertretene Selbsthilfegemeinschaft. Das 12Schritte-Programm ist ein Konzept, das ursprünglich von den Gründern der Anonymen Alkoholiker (AA) entwickelt und heute als erfolgreichstes Selbsthilfekonzept überhaupt gilt. Millionen von Menschen haben in den zurückliegenden Jahren in den verschiedensten „Anonymen Gruppen“ mit diesem Konzept Hilfe und Genesung gefunden. Wenn du dich angesprochen fühlst, probiere aus, ob unser Konzept bzw. unsere Arbeitsweise dir helfen können. Wir heißen dich herzlich willkommen. Meeting: 1. und 3. Montag im Monat (außer Feiertag), 18:30 Uhr bis 20:00 Uhr, AWO Zentrum Lobeda, Kastanienstraße 11, IKOS, 1. Etage, Raum 2

Kontakt: ea-jena@web.de

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CHANCE JENA Männer und ihre Erfahrungen und Probleme in engen sozialen Beziehungen...

BEZIEHUNGSREICH Neue Gesprächsgruppe für Männer – „Mann in Beziehung“

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„ ann in Beziehung“ ist die neue Gesprächsgruppe für Männer in Jena und Umgebung. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe von der Thüringer Männerberatung des PROJEKT A4. Seit Ende Oktober 2019 sind Männer alle zwei Wochen eingeladen, sich in einem geschützten Rahmen mit ihrer Beziehungsfähigkeit in Partnerschaft, Familie und Freundschaft auseinanderzusetzen. Ein Besuch der Gruppe ist kostenlos.

Das PROJEKT A4 Die Männergruppe wird ausgerichtet vom PROJEKT A4. Das Projekt ist ein thüringenweites Beratungs- und Informationsangebot für Männer und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gewaltbetroffenheit von Männern in engen sozialen Beziehungen. Zudem leistet das Projekt Informations- und Aufklärungsarbeit in Thüringen zum Thema. Für Institutionen, Vereine und Behörden bietet das PROJEKT A4 informative Workshops und Seminare an. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Kontakt: David Reum Tel.: 0151 28815618

Der Sozialpädagoge David Reum begleitet die Gruppe. Aus seiner Arbeit als Männerberater im PROJEKT A4 weiß er, mit welchen täglichen Herausforderungen, Klischees und Ansprüchen Männer heute konfrontiert sind. „Mit der Männergruppe möchten wir Männern die Möglichkeit geben, frei von der Leber weg über ihre Erfahrungen und Probleme in Beziehungsthemen zu reden und zwar mit Männern, die oft ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben.“ so Reum. Interessierte können sich gern anmelden unter E-Mail: info@projekt-a4.de Tel.: 0151 28815618 Termine werden parallel auf der Projekthomepage unter https://maennerberatung-thueringen.de/maennerberatung/maennergruppe/ veröffentlicht. Die Gruppe trifft sich seit Ende Oktober 2019 dienstags 14-tägig von 17:00 bis 19:00 Uhr in den Räumlichkeiten des PROJEKT A4 in der August-Bebel-Straße 10, 07743 Jena.

Wir sind Männer! So wie Du, so wie Dein Vater. So wie dein Großvater… Wir sind stolze Männer, gebrochene Männer. Traurige Männer, lustige Männer. Wunderbare Männer, verwundete Männer. Stille Männer, laute Männer. Müde Männer, muntere Männer. Verlassene Männer. Gemeinsam Männer. Wir sind lustvoll. Wir sind Wütende. Wir sind perfekte Männer – nicht! So wie Du, so wie Dein Vater, Dein Großvater… Wir sind männliche Menschen! 20.09.2010, eine Männer-Selbsthilfegruppe in Jena

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Buchempfehlung: Würde Was uns stark macht - als Einzelne und als Gesellschaft von Gerald Hüther Gerald Hüther, der bekannte Neurobiologe, hat ein Buch geschrieben: „Würde – Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“. Seine Hoffnung für das 21. Jahrhundert gilt der Beachtung der Würde, die in jedem von uns verankert ist. Auch wenn wir sie nicht leben oder sie verletzt wird, kann sie immer wieder empfunden, aktiv gelebt werden. Würde hat viel mit Freiheit zu tun, mit Selbstbestimmung. Sich von autoritären Strukturen zu lösen, in denen wir noch vielfach verhaftet sind, ist unsere Aufgabe. Und Würde hat viel mit Verantwortung zu tun. Sich der Verantwortung stellen, die uns im Leben vielfach begegnet, ihr nicht ausweichen, dazu fordert uns Gerald Hüther auf. Das gibt unserem Leben Sinn und Stärke. Der wichtigen Frage „Wie wäre es, in Würde zu leben, bevor wir in Würde sterben?“ hat er ein ganzes Kapitel gewidmet. Uns unserer eigenen Würde bewusst zu sein, darüber nachzudenken, was für mich würde-voll oder würde-los erscheint und darauf im täglichen Zusammenleben achtsam zu schauen sind anregende Gedanken in seinem Buch. Wie möchte ich selbst mit Würde behandelt werden, und gelingt es mir immer gut, ein würdevolles Miteinander mit anderen Menschen auszuleben? Pantheon Verlag 2019, 192 Seiten, 20 Euro ISBN: 978-3-570-55393-0

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UNTERSTÜTZEND Freiwillig und individuell ...

Arbeitsläden in Jena

E ine offene Tür für alle Bewohner*innen der Stadtteile Lobeda und Winzerla und darüber hinaus … In den Arbeitsläden bietet das Team der Sozialberatung (AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen e. V.) verschiedene Möglichkeiten, interessierten Anwohner*innen bei der Aufnahme einer Beschäftigung unterstützend zur Seite zu stehen. Ziele: • bedarfsgerechte, individuelle und ganzheitliche Beratung als niedrigschwellige Ergänzung der Regelangebote des Jobcenters • ressourcenorientierte Suche nach einem nachhaltigen Beschäftigungsverhältnis • Wahrung eines barriere- und diskriminierungsfreien Raums Zielgruppen: Unsere Türen stehen allen offen, die sich zu den Themen Arbeit und Weiterbildung beraten lassen möchten. Im Speziellen richten sich unsere Angebote an die Bewohner*innen über 27 Jahre der beiden Stadtteile, denen z. B. • Schul-, Ausbildungsabschlüsse oder Sprachkenntnisse fehlen, • gesundheitliche Einschränkungen die Arbeitssuche erschweren oder • deren Kinderbetreuung und/oder Pflege von Angehörigen nicht gesichert ist. Angebote: • Beratung zu den Themen Arbeit und Weiterbildung • Angebote zur Verbesserung der Beschäftigungschancen/-situation • Begleitung bei der Arbeitsplatzsuche, Arbeitsaufnahme und damit verbundenen Fragen Parallel zur Sozialberatung in den Arbeitsläden wird durch gezielte Ansprache und Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen in den Gebieten die lokale Ökonomie durch die Beraterinnen der JenaWirtschaft unterstützt. Zweck dieses ganzheitlichen Ansatzes ist die Unterstützung der Sozialräume Lobedas und Winzerlas sowie die Stärkung des Zusammenhaltes innerhalb der Stadtteile. Als Teil des Projektes „Teilhabe am Wachstum in Jena“ bieten wir im Rahmen des ESF-Bundesprogramms „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ (BIWAQ) durch die Kooperationspartner des AWO Regionalverbandes Mitte-West-Thüringen e. V., der Stadt Jena sowie JenaWirtschaft und Behling Consult Anlaufstellen für eine nachhaltige Beschäftigungsintegration.

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Das Team des Arbeitsladens v.l.n.r.: Wesley Preßler (Sozialberatung/AWO), Susanne Gerhardt (Wirtschaftsförderung/JenaWirtschaft), Tina Lange (Gebietskoordinatorin/Stadt Jena), Julia Krötzsch (Sozialberatung/AWO), Olivia Busch (Wirtschaftsförderung/JenaWirtschaft) und Mathias Möser (Sozialberatung/AWO)

Kontakt: E-Mail: kontakt@arbeitsladen-jena.de Arbeitsladen Lobeda Salvador-Allende-Platz 17, 07747 Jena Montag 13:00 bis 16:00 Uhr Dienstag 9:00 bis 13:00 Uhr Mittwoch nach Terminvergabe Donnerstag 13:00 bis 17:00 Uhr Freitag 9:00 bis 13:00 Uhr und nach Terminvergabe Tel.: 03641 3102920 Arbeitsladen Winzerla Anna-Siemsen-Straße 27, 07745 Jena Dienstag 13:00 bis 17:00 Uhr Mittwoch nach Terminvergabe Donnerstag 9:00 bis 13:00 Uhr und nach Terminvergabe Tel.: 03641 3107359 Das Projekt „Teilhabe am Wachstum in Jena“ wird im Rahmen des ESF Bundesprogramm „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier BIWAQ“ durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und den Europäischen Sozialfonds gefördert.


CHANCE JENA Ganz spannend war die Mischung Jung und Alt ...

ÜBERRASCHEND Blaues Kreuz „Essen mit Freunden“

Wir sind gute Freunde geworden und werden das gemeinsame Essen sicher noch oft wiederholen. Sehr zum Nachmachen geeignet. Probieren Sie es doch einfach mal aus, oder entwickeln daraus noch ganz neue andere Ideen. Harald Falke, Blaues Kreuz Jena

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iebe Freundinnen und Freunde, eine Idee, um sich besser in der Gruppe kennenzulernen, habe ich in der Gemeinde („geklaut“) gefunden - ich hoffe man wird mir verzeihen. Die Aktion, die in der Gemeinde gestartet wurde, nannte sich „Essen verbindet“. Ich möchte daraus machen:„ Essen mit Freunden“. Potentielle Gastgeber und mögliche Gäste meldeten sich zur Beteiligung bei diesem neuen Miteinander an. Neugier und das Interesse am Kennenlernen von anderen Menschen beim gemeinsamen Essen waren Grundvoraussetzungen fürs Mitmachen. Es fühlte sich gut an. Alle waren gespannt, wer sich als Gastgeber und Gast eintragen würde. Ein Mischverfahren brachte dann die Gastgeber und Gäste zusammen. Ganz spannend war die Mischung Alt und Jung. Es war auch beabsichtigt, nach Möglichkeit keine Verwandten oder gute Bekannte zusammenzubringen. Es wurde spannend, und man merkte eine gewisse Aufregung. Da sich beim ersten Ausschreiben nicht allzu viele meldeten und es mehr Gäste als Gastgeber gab, wurde die Aktion ein zweites Mal angestoßen. Es vergingen sechs bis acht Wochen, bis von der Jury die ersten Gastgeber und Gäste benachrichtigt wurden. Meine Gastgeber waren ein junges unverheiratetes Paar, das uns zum Kaffee eingeladen hatte. Wir kamen ins Gespräch über alle möglichen Dinge und verbrachten einen wunderbaren Nachmittag miteinander. Wir erfuhren, dass beide unmittelbar vor dem Umzug und der Hochzeit standen. Ich fand es toll, dass sie sich trotz all des Stresses die Zeit nahmen, diesen Nachmittag zu gestalten. Zum Abschluss erklärten wir ihnen, dass wir das Ganze bei uns wiederholen möchten. Die Urlaubszeit rückte näher, und der Termin für einen Gegenbesuch schob sich immer weiter hinaus. Doch wir wollten es nicht zu spät machen, da das Wetter nicht besser wurde. Es war so weit, zwei Wochen nach unserem Urlaub luden wir unsere Gastgeber zu einem Gegenbesuch ein. Mit einen Grillabend und vielen Gesprächen über die Hochzeit und die neue Wohnung verging die Zeit schnell.

Kontakt: Tel.: 036648 22060

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CHANCE JENA Wenn das Gedächtnis auffallend häufig aussetzt ...

INTERDISZIPLINÄR Gedächtniszentrum – Universitätsklinikum Jena

D en Termin beim Arzt vergessen, im Gespräch den Faden verlieren und schon wieder das Schlüsselbund suchen - wenn das Gedächtnis auffällig häufig aussetzt und die Konzentrationsfähigkeit nachlässt, machen sich Betroffene oder Angehörige oft Sorgen. Liegt das einfach an zu viel Stress, sind das noch normale Alterserscheinungen oder besteht ein geistiger Leistungsabbau durch eine neurologische Erkrankung?

Gedächtnisaussetzer, Konzentrationsstörungen und Wortfindungsprobleme sind für viele ältere Menschen mit der Angst vor einer beginnenden Demenzerkrankung verbunden. Tatsächlich gibt es viele mögliche Ursachen für diese kognitiven Probleme. Neben den klassischen Demenzerkrankungen können sie auch im Rahmen anderer Erkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns, Bluthochdruck, Morbus Parkinson u. a. auftreten. Viele dieser Erkrankungen sind behandelbar, und eine Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit ist nach einer entsprechenden Diagnostik oftmals möglich. Im Falle einer Demenzerkrankung können moderne Medikamente ein rasches Fortschreiten der Erkrankung oft bremsen. Schwerpunkt unseres Gedächtniszentrums ist die leitliniengerechte, auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Diagnostik und Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen. Das Gedächtniszentrum befindet sich im Klinikum für Neurologie des Universitätsklinikums Jena in Jena-Lobeda und wird in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie betrieben. Die Diagnosefindung erfolgt in einem interdisziplinären Team, das entscheidende Expertise aus den Bereichen Neurologie, Psychiatrie, Neuropsychologie, Ergotherapie und Sozialarbeit zusammenbringt. Neben den Möglichkeiten modernster apparativer Diagnostik nutzen wir ein breites Spektrum von Verfahren zur Untersuchung kognitiver Fähigkeiten. Dabei legen wir Wert auf die individuelle Erstellung eines ganzheitlichen Leistungsprofils, das nicht nur Defizite, sondern auch Potentiale abbildet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ergotherapeutischen Behandlung. Dort werden die besonders alltagsrelevanten Defizite identifiziert und ganz gezielt therapiert. Bei Interesse kann Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen ein computer-

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Alle Fotos dieses Beitrages: Michael Szabo

gestütztes kognitives Training angeboten werden, mit dem sie zu Hause üben können. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse erarbeiten wir weitere diagnostische oder therapeutische Maßnahmen und besprechen diese ausführlich mit den Pateinten und Angehörigen. Die Beratung und Behandlung umfassen psychosoziale Beratung und auch Gespräche mit Patienten und ggf. ihren Angehörigen, medikamentöse sowie nicht-medikamentöse Therapieempfehlungen. In unserer Angehörigenschulung werden Informationen zu Demenzerkrankungen, zum Umgang mit dem Betroffenen, zur psychischen Gesundheit des Angehörigen und zum Erkennen der Bedürfnisse des Betroffenen vermittelt. In einer tagesklinischen Erstsichtung erfolgen im Gedächtniszentrum zunächst eine initiale ärztliche und neuropsychologische Untersuchung sowie eine Blutuntersuchung. Sollten die initialen Untersuchungen Auffälligkeiten ergeben, die auf eine dementielle Entwicklung hindeuten, kann eine genauere Abklärung im Rahmen einer Gedächtniswoche erfolgen. Diese besteht in einem mehrtägigen, tagesklinischen Aufenthalt. Es erfolgen, individuell abgestimmt • umfangreiche medizinische Untersuchungen (MRT, Lumbalpunktion, Riechtest, Doppler-Sonographie) • umfassende neuropsychologische Untersuchungen der Kognition • ergotherapeutische Behandlung und Beurteilung • Einleitung einer leitliniengerechten Therapie • bei Interesse und Eignung Aufnahme in Studien zur Wirksamkeit computergestützter kognitiver Trainingsprogramme • sozialmedizinische Beratung von Patienten und Angehörigen • Angehörigenschulung Anmeldung Telefonische Anmeldungen sind von Montag bis Freitag zwischen 8:00 Uhr und 15:00 Uhr unter der Telefonnummer 03641 9325790 möglich.


CHANCE JENA

Was müssen Sie mitbringen? Die Aufnahme ins Gedächtniszentrum erfolgt auf tagesklinischer Basis, d. h., Sie werden tagsüber behandelt, übernachten aber zu Hause. Zu einem Termin sollten Sie in Begleitung eines Angehörigen kommen sowie benötigte Hilfsmittel wie Lesebrille und Hörgerät, die Chipkarte der Krankenkasse, den Medikamentenplan sowie einen Einweisungsschein zum teilstationären Aufenthalt von Ihrem Hausarzt bzw. Facharzt mitbringen. Gern können Sie uns auch eine E-Mail mit Ihrem Anliegen und Ihren Kontaktdaten schreiben: gedaechtniszentrum@med.uni-jena.de oder informieren Sie sich auf unserer Homepage: http://www.neuro.uniklinikum-jena.de/Zentren/Gedächtniszentrum.html

Kontakt: Allgemeine Hinweise Universitätsklinikum Jena Hans-Berger-Klinik für Neurologie Am Klinikum 1 07747 Jena Gedächtniszentrum Ärztliche Leitung PD Dr. med. Stefan Brodoehl Facharzt für Neurologie & Geriatrie

Psychologische Leitung PD Dr. phil. Kathrin Finke Neuropsychologin

I n der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.

Dalai Lama

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Rezept: Regenbogen-Salat mit OrangenTahin-Dressing 3-4 Portionen Für das Dressing: 1 kleine Knoblauchzehe, 5 g Ingwer, 2 EL Orangensaft, 2 TL Zitronensaft, 4 TL Tahin (Sesammus), 2 TL Apfelessig, 2 TL Reissirup, 2 TL Dijonsenf, Meersalz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer Für den Salat: 1 schwarzer Rettich, 3 Möhren, 200 g Rosenkohl, 200 g Rotkohl, 2 Äpfel, 1 Bund glatte Petersilie, 1 Handvoll Petersilie Für das Dressing Knoblauch und Ingwer schälen und fein hacken. Alle Dressingzutaten in ein Schraubglas füllen, es gut verschließen und kräftig schütteln. Rettich und Möhren schälen und raspeln oder in dünne Stifte schneiden. Kohl von welken Blättern befreien und fein schneiden oder hobeln. Äpfel in Spalten schneiden. Petersilienblätter abzupfen, hacken. Kürbiskerne in der Pfanne rösten, bis sie duften. Alles mit dem Dressing vermischen und mit den Kernen bestreuen. Quelle: flow Achtsamkeit, Nummer 1, S. 124

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CHANCE JENA

G ESUNDHEITSNACHRICHTEN kompakt

Mitmachaktion gegen Werbelügen

Onlinekurs gegen Depressionen

Ob als gesund angepriesene Babynahrung mit viel Zucker oder als immunstärkend beworbenes Farbstoffwasser - die Regale der Supermärkte sind voll mit irreführenden Produkten. Zwar verbietet das EU-Lebensmittelrecht eigentlich derartige Täuschungsmanöver, doch viele Hersteller schummeln nach wie vor bei den Verpackungsangaben. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat daher nun eine Plattform gegen den Etikettenschwindel gestartet. Unter www.schummelmelder.de können Verbraucher all jene Lebensmittel melden, von denen sie sich getäuscht oder betrogen fühlen. Hierzu können Sie einfach ein Foto des entsprechenden Produkts hochladen und einen erklärenden Kommentar dazu verfassen. Mit dem Schummelmelder will Foodwatch nicht nur den Druck auf die Lebensmittelindustrie erhöhen, sondern vor allem auch die Politik zum Handeln bewegen.

Moodgym - so nennt sich ein Onlineprogramm gegen Depressionen, das zeitlich flexibel, kostenfrei und anonym genutzt werden kann. Es wurde von australischen Wissenschaftlern entwickelt und von Forschern der Universität Leipzig ins Deutsche übersetzt. Das Selbsthilfeprogramm basiert auf Theorien und Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie. Es besteht aus fünf Modulen zu den Themen Gefühle, Gedanken, alternative Gedanken, Stress und Beziehungen. Das Programm kann etwa während der Wartezeit auf einen Therapieplatz hilfreich sein - eine Behandlung ersetzt es jedoch nicht. Sie finden weitere Informationen unter www.moodgym.de Quelle: Psychologie heute, April 2019, S. 91

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Quelle: Natur & Heilen, 1/2019, S. 59

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Geschirrspülreiniger selber machen

- uns jeden Tag an der Schönheit, Weisheit und Kreativität der Natur erfreuen - Körper, Geist und Seele als Einheit verstehen und dadurch körperlich, geistig und seelisch beweglich und lernfähig bleiben - uns öffnen für die uns umgebende geistige Welt - die Liebe zu uns selbst, zu unseren Nächsten, zu allen Lebewesen und Gott als Voraussetzung erkennen - am Zeitgeschehen interessiert bleiben - keine Angst vor Veränderung haben - in jeder Altersstufe ein Ja zur neuen Zeit finden - lernen, auf unsere Träume zu achten: Damit setzen wir einen dynamischen Prozess der Selbsterkenntnis in Gang, gelassen mit der Endlichkeit des Lebens umzugehen. Persönliche Erfahrungen und praktische Tipps von Franz Alt für eine positive Zukunft

Handelsübliche Tabs für die Spülmaschine enthalten oft Bleichmittel, Tenside und andere gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe. Zwar ist seit Januar 2017 der Einsatz von Phosphor in Geschirrspülmitteln durch eine EU-Verordnung beschränkt, wenn man jedoch sicher sein möchte, dass sich keinerlei giftige Rückstände auf dem Geschirr ablagern, kann man ohne großen Aufwand ein ganz natürliches Maschinenspülmittel selbst herstellen. Dies ist nicht nur völlig ungiftig, es reinigt auch prima, spart Verpackungsmüll und schont ganz nebenbei auch den Geldbeutel. Zur Herstellung braucht man lediglich einen Becher Salz, einen Becher Zitronensäure und vier Becher Waschsoda aus dem Drogeriemarkt. Für einen frischen Geruch kann man ein paar Tropfen reines ätherisches Öl - etwa Zitrone oder Orange - hinzufügen und hat somit gleichzeitig einen antibakteriellen und stimmungsaufhellenden Effekt. Nach dem Abmessen vermischt man das Pulver gut und füllt es in ein Schraubglas, damit es trocken bleibt und nicht klumpt. Je nach Beladung der Spülmaschine und Verschmutzungsgrad des Geschirrs verwendet man einen Tee- bis Esslöffel dieser Mischung. Ein weiterer Vorteil des selbst gemachten Geschirrspülreinigers: Sollte er einmal versehentlich in Kinderhände gelangen, ist keine Vergiftung zu befürchten.

aus Natur & Heilen 2/2019, S. 27

Quelle. Natur & Heilen, 5/2019, S. 53

Wenn Leben gelingen soll, sollten wir:

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CHANCE JENA Ein Traubentag für die Gesundheit

Heißer Kakao für guten Schlaf

Wer während der Herbstwochen, in denen Weintrauben Saison haben, wöchentlich einen einzelnen Traubentag einlegt, tut schon viel Gutes für seine Gesundheit und rüstet sich bestens für den bevorstehenden Winter. Das Immunsystem wird durch die vitalen Stoffe und Mineralien angekurbelt, die Kur gibt wegen des hohen Eisengehalts neue Energie, und der Stoffwechsel kommt auf Trab. Und so geht’s: Zur Vorbereitung sollte bereits die Vorabendmahlzeit aus 500 g Trauben bestehen. Am eigentlichen Kurtag isst man dann morgens 750 g Trauben, als Zwischenmalzeit 500 g oder trinkt alternativ ½ l ungesüßten Traubensaft. Die Mittagsmahlzeit besteht aus 750 g Beeren, nachmittags gibt es wieder 500 g Früchte oder ½ l Saft, abends sind 500 g Trauben vorgesehen. Diese Mengen können nach eigenem Befinden reduziert oder erhöht werden. An Getränken erlaubt ist 1 Tasse Kaffee oder Tee am Morgen. Ansonsten sollte man mindestens 2 l Wasser oder dünnen Tee über den Tag verteilt trinken.

L-Tryptophan-haltige Lebensmittel - wie etwa Milchprodukte und Eier - können beim Einschlafen helfen. Die Aminosäure Tryptophan wird im menschlichen Gehirn zur Produktion von Serotonin, unserem Glückshormon, benötigt. Dieses reguliert überdies den Schlaf-Wach-Rhythmus. Ein hoher Serotoninspiegel ist also gleichbedeutend mit Entspannung und Gelassenheit - und folglich auch mit gutem Schlaf. Ein tryptophanhaltiges Lebensmittel liefert zwar große Mengen an Tryptophan, gleichzeitig jedoch auch noch viele andere Aminosäuren, die alle ins Gehirn reisen wollen. Teilweise blockieren sich diese gegenseitig, sodass letztendlich nur wenig Tryptophan dort ankommt. Besser geeignet sind neben Süßwasseralgen (Chlorella und Spirulina) Lebensmittel wie beispielweise Hafer, Sesam, Cashewkerne - oder Kakao. Sein Tryptophangehalt ist so hoch wie jener von Hafer, auch enthält er Stoffe, die offenbar den Blutdruck regulieren können. Kakao wirkt also mindestens zweifach schlaffördernd: entspannend und blutdruckregulierend. Ein Schlummertrunk in Form einer heißen Schokolade ist also eine sanfte „Schlaftablette“. Statt Kuhmilch kann auch Cashew- oder Mandelmilch getrunken werden, denn die Mandel gehört ebenfalls zu den tryptophanhaltigen Lebensmitteln und beinhaltet nur wenige der übrigen konkurrierenden Aminosäuren. In die pflanzliche Milch wird ein Löffel reiner, ungesüßter Kakao gegeben - und fertig ist das entspannende Nachtgetränk.

Quelle: Natur & Heilen, 10/2019, S. 50

* Frühstück beugt Diabetes vor Das Müsli oder Vollkornbrötchen am Morgen lieber ausfallen lassen, um Kalorien oder Zeit zu sparen? Keine gute Idee. Das ergab eine Untersuchung, an der auch das Deutsche Diabetes-Zentrum beteiligt war. Darin wurden Daten von 96.000 Teilnehmern ausgewertet, außerdem fragten die Wissenschaftler die Probanden nach ihren Ernährungsgewohnheiten. Wie sich herausstellte, erhöhte sich das Diabetikerrisiko entsprechend der Anzahl der Tage, an denen die Personen nicht frühstückten. Gab jemand an, fünf Tage pro Woche morgens nichts zu essen, so hatte er ein um 55 Prozent höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken, als andere, die täglich frühstückten. „Ein regelmäßiges ausgewogenes Frühstück ist der beste Start in den Tag. Denn die erste Mahlzeit liefert den Treibstoff fürs Gehirn“, betont Harald Seitz, Ernährungswissenschaftler vom Berufszentrum für Ernährung. Gute Energielieferanten sind Vollkornbrot, geschnittenes Obst oder Vollkornmüsli. Wem es schwerfalle, etwas zu essen, der solle auf ein Glas frisch gepressten Fruchtsaft oder einen Smoothie ausweichen, so der Experte. Quelle: Natur & Heilen, 4/2019, S. 9

Quelle: Natur & Heilen, 2/2019, S. 53

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Safran vielversprechend bei ADHS Kindern und Jugendlichen, die sich schlecht konzentrieren können und durch ihre Unruhe auffallen, verschreiben Ärzte schnell Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat, etwa „Ritalin“. Die Nebenwirkungen können allerdings erheblich sein, von Übelkeit und Erbrechen über Schlafstörungen bis hin zu Wachstumsverzögerungen. Nun haben Forscher der Universität Teheran herausgefunden, dass Safran eine vergleichbare Wirkung zeigt wie Methylphenidat. Sie beobachteten 6 Wochen lang 54 Kinder und Jugendliche, von denen eine Gruppe je nach Gewicht Safrankapseln mit 20-30 Milligramm bekam, die andere Methylphenidat. In der Wirkung stellten Lehrer und Eltern keine nennenswerten Unterschiede fest. Safran könnte damit eine vielversprechende Alternative zu den schulmedizinischen Präparaten darstellen. Quelle: Natur & Heilen, 5/2019, S.9

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CHANCE JENA Wir wollen ein Netzwerk für gleichbetroffene Familien aufbauen ...

GEFUNDEN

Elterngruppe CHARGE-Syndrom

ICHARGE-Syndrom. m November 2019 traf sich zum ersten Mal die kleine Elterngruppe Eingeladen waren Familien aus ganz Thüringen, deren kleine und große Kinder mit Verdacht oder gesicherter Diagnose CHARGE betroffen sind. Ein erstes Kennenlernen, Austausch und ein gutes Miteinander prägten diesen Tag. Trotz der unterschiedlichen Anliegen der Kinder und den sehr verschiedenen Bedürfnissen der Eltern fanden sich dennoch schnell vor allem Gemeinsamkeiten. Wünsche, Erfahrungen, Kontaktadressen, Ideen und Bedürfnisse der Kinder ließen uns bald als Gemeinschaft fühlen. Wir sind auf der Suche nach gleichbetroffenen Familien, um unser kleines Netzwerk auszubauen. Kliniken, Pädagogen und Therapeuten, Pflegedienste und Unterstützer suchen immer wieder nach Kontakt, um Wissen weiterzugeben und Erfahrungen zu teilen und für unsere Kinder möglichst vielfältig und zielsicher da sein zu können. Als Ansprechpartner hat sich zunächst das Frühförderzentrum Hören und Kommunikation in Erfurt im Herbert Feuchte Stiftungsverbund zur Verfügung gestellt. Von dort aus werden einige unserer Kinder betreut und wir Familien ein Stück weit begleitet. Kontaktadressen sind dort hinterlegt, nach denen Sie gern fragen können. Auch der Bundesverband CHARGESyndrom steht beratend und begleitend zur Verfügung.

Craniale (Hirn-)Nerven: Störungen der 12 Hirnnerven, dadurch u. a. gestörte Mimik der Gesichtsmuskeln, mangelhafter Geruchs- und Geschmackssinn und Schluckstörungen, häufig mit langjähriger Sondenernährung. Charakteristische CHARGE-Ohren: Ungewöhnlich geformte Ohren, insgesamt kurz und weich und mit einer verminderten Furchung. Diagnosebestätigend ist ein CT-Nachweis der fehlgebildeten Bogengänge im Innenohr, die mit ursächlich für die ausgeprägten Gleichgewichtsstörungen sind. Weiterhin besteht eine Hörbehinderung im unterschiedlichen Ausmaß. Nebenmerkmale, die für die Diagnose allein jedoch nicht ausreichend sind: Herzfehler, z. T. sehr komplex mit großen operativen Herausforderungen, Kiefer-Lippen-Gaumenspalten, Atresien bzw. Fistelbildungen an Luft- und Speiseröhre, genitale Fehlbildungen und/oder Nierenprobleme, charakteristisches Gesicht und eine spezifische Handfurche. Weitere Besonderheiten können u. a. vermindertes Längenwachstum, hypotoner Schultergürtel, Schlafstörungen und typische Verhaltensauffälligkeiten (autistisches und/oder zwanghaftes Verhalten) sein.

Kontakt: Kontakt I: Frühförder- und Beratungszentrum Hören und Kommunikation Alfred-Delp-Ring 22 99087 Erfurt Tel.: 0361 3460230 E-Mail: ffbz-erfurt@stiftungsverbund.de Kontakt II: CHARGE Syndrom e. V. – Elternkreis betroffener Kinder Borbath 29 91448 Emskirchen

Die seltene Erkrankung CHARGE-Syndrom ist ein sehr komplexes Muster angeborener Fehlbildungen und tritt bei rund einer von 10.000 Geburten auf, d. h. in Deutschland werden im Jahr rund 70 Kinder mit CHARGE-Syndrom geboren. Diese genetische Fehlentwicklung wird meistens durch eine neu aufgetretene Veränderung (Mutation) im Erbgut ausgelöst und findet sich meistens auf dem Gen CHD7, das auf dem Chromosom Nr. 8 liegt. Hauptmerkmale sind: Colobome: Spaltbildungen im Auge, z. B. an Pupille(n), Iris und/oder Netzhaut und/oder Sehnerv/en, verbunden mit Lichtempfindlichkeit und einer starken Sehverminderung bis hin zur Blindheit. Choanale Atresie oder Stenose: Verschluss oder Verengung des Nasen–Rachen-Übergangs, verbunden mit Atemproblemen und/oder kompletter Hinderung, durch die Nase zu atmen.

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Tel.: 09104 826345 Fax: 09104 826345 E-Mail: info@charge-syndrom.de Internet: www.charge-syndrom.de

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ie mit Abstand beste Nerven-HeilAnstalt ist die freie Natur. Ernst Ferstl


CHANCE JENA

AMBULANT

Kompetente und multiprofessionelle Hilfen ...

ESMERALDA Beratung für Menschen mit Essstörungen, Angehörige und andere Bezugspersonen

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chwere Erkrankungen wie Magersucht (Anorexie), Ess-Brechsucht (Bulimie) und Esssucht (Binge-Eating) nehmen in unserer Gesellschaft stark zu. Essstörungen äußern sich durch ein gestörtes Verhältnis zu Nahrungsmitteln und Ernährung, zur Esskultur und zum eigenen Körper. Dies führt häufig auch zu sozialer Isolation, Kontrollverlust, Zwangshandlungen, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.

stützung von Erkrankten umfassen, als auch von Angehörigen und Bezugspersonen. Die Beratungsstelle unterstützt gegebenenfalls bei der Suche und Vermittlung eines geeigneten Therapieplatzes in ambulanter oder stationärer Ausrichtung.

Jede Art der Essstörung stellt eine große Belastung für die Betroffenen und deren Familien und Freunde dar. Für eine erfolgreiche Behandlung der Erkrankung und eine förderliche Begleitung der Angehörigen und Bezugspersonen bedarf es einer kompetenten und multiprofessionellen Hilfe, welche die medizinischen, therapeutischen und sozialpädagogischen Aspekte beachtet.

Wann: Montag 14:00 - 18:00 Uhr; Mittwoch 08:00 - 12:00 Uhr

Mit den ambulanten Beratungsangeboten der „WG Spitzweidenweg“ haben Betroffene und/oder deren Angehörige/Bezugspersonen die Möglichkeit, professionelle Hilfe bei der Krankheitsbewältigung einer Essstörung in Anspruch zu nehmen. Dies kann sowohl die Beratung und Unter-

Das Beratungsangebot richtet sich an Menschen jeden Alters, die von einer Essstörung betroffen sind und ambulante Hilfe bei der Krankheitsbewältigung benötigen. Auch Eltern, Partner, Freunde und andere Angehörige von Betroffenen können hier Informationen und Antworten zu Fragen des Umgangs mit der Krankheit sowie Beratung und Aufklärung zu Unterstützungsmöglichkeiten erhalten.

Angebote • Einzelberatung von Betroffenen, Angehörigen und Bezugspersonen • Beratung über ambulante und stationäre Therapiemöglichkeiten • Vermittlung in unterschiedliche Wohnformen • Nachsorge nach stationären Behandlungen und betreuten Wohnformen • Ernährungsberatung • angeleitete Eltern- und Angehörigengruppe

Kontakt: Wohngruppe für Essstörungen „WG Spitzweidenweg“ Spitzweidenweg 8 07743 Jena Tel.: 03641 561032 E-Mail: esmeralda.beratung@stiftunghaar.de

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CHANCE JENA Wenn das Thema Alkohol zur Belastung wird ...

LOHNENSWERT Al-Anon Familiengruppen Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern

Kontakt: Al-Anon Familiengruppen e. V. Zentrales Dienstbüro Tel.: 033878 907440 E-Mail: zdb@al-anon.de www.al-anon.de

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„ weifelst du an deinem Verstand? Fühlst du dich durch das Trinken eines anderen Menschen schlecht und hast du das Bedürfnis, ihn vom Trinken abzubringen bzw. ihm zu 'HELFEN'?“

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Alkoholismus ist eine Familienkrankheit. In den Al-Anon Selbsthilfegruppen können sich Angehörige von Alkoholikern Wissen über die Krankheit Alkoholismus aneignen und Hilfe für sich selbst finden. Der Austausch von persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit ist zentrales Thema der Gruppentreffen. Zu hören, wie andere Mitglieder es schafften, aus dem Karussell des Leugnens auszusteigen und wieder Freude am Leben fanden, kann Kraft und neue Hoffnung vermitteln. Handwerkszeug ist das 12-Schritte-Programm, das von den Anonymen Alkoholikern übernommen wurde. Zudem wird konferenzgeprüfte Literatur eingesetzt, um an der eigenen Genesung zu arbeiten. Den Alkoholiker in Liebe loszulassen, ihm die Verantwortung für sein eigenes Leben zu geben und die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – das mag befremdlich klingen. Es ist jedoch für viele Angehörige ein hilfreicher und lohnenswerter Weg. Wenn Sie für Ihre eigene Genesung Unterstützung suchen, z. B. in unserer Selbsthilfegruppe, kann das der Impuls für den Alkoholiker werden, für sich selbst Hilfe aus der Krankheit zu suchen. Alles, was in den Meetings gesagt wird, wird vertraulich behandelt. Die Identität jedes Einzelnen bleibt geschützt. Al-Anon ist eine weltweite Gemeinschaft. In Deutschland bestehen die Gruppen seit mehr als 50 Jahren. Wenn Sie das Trinken eines anderen Menschen belastet und Sie selbst davon krank geworden sind, kann Al-Anon Ihnen helfen.

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Meeting: Die Gruppe trifft sich jeden Freitag von 19:00 - 20:30 Uhr in 07743 Jena, Wagnergasse 28, 1. Etage, Jugendraum der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Von der Natur fürs Leben lernen

Von der Sonne lernen zu wärmen, Von den Wolken lernen, leicht zu schweben, Von dem Wind lernen, Anstöße zu geben, Von den Vögeln lernen, Höhe zu gewinnen, Von den Bäumen lernen, standhaft zu sein, Von den Blumen das Leuchten lernen, Von den Steinen das Bleiben lernen, Von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen, Von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen, Vom Sturm die Leidenschaft lernen, Vom Regen lernen, sich zu verströmen, Von der Erde lernen, mütterlich zu sein, Vom Mond lernen, sich zu verändern, Von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein, Von den Jahreszeiten lernen, dass das Leben immer an jedem Tag von Neuem beginnt. Ute Latendorf. Aus Natur & Heilen, 8/19, S. 7


CHANCE JENA Über den Tellerrand der eigenen Gruppe hinaus ...

VERBUNDEN

Neu: Quartalstreffen zum Vernetzen von Selbsthilfegruppen Leiter*innen von Selbsthilfegruppen tauschen sich am Runden Tisch aus

2ges019Interesse hat IKOS ein neues Angebot gestartet, das bereits regefunden hat: Regelmäßige Rundtischgespräche für

Selbsthilfegruppenleiter*innen. Die viermal im Jahr stattfindenden Treffen geben Sprecher*innen von Selbsthilfegruppen die Möglichkeit, sich auch „über den Tellerrand“ ihrer eigenen Gruppe hinaus, mit anderen Gruppenleiter*innen auszutauschen und zu vernetzen. In überschaubarer Runde von maximal zwölf Personen können alle Fragen und Probleme rund um das Leiten der Gruppe besprochen sowie Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden. Diese Quartalstreffen werden von Dipl.Psych. Anna-Maria Steyer moderiert, die mit ihrer langjährigen Erfahrung bei der Unterstützung der Jenaer Selbsthilfe zusätzlich hilfreiche Tipps geben kann.

Da die Teilnahme offen ist, können die zweistündigen Quartalstreffen jedes Mal anders zusammengesetzt sein und gerade auch dadurch vielfältige Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten bieten. Die zu besprechenden Themen bringen die Teilnehmenden ein, zum Beispiel Fragen wie diese: • Wie kann ich Anderen mit ihren Problemen eine Hilfe sein, ohne mitzuleiden? • Wie kann ich mich abgrenzen? Wie kann ich NEIN sagen? • Wie werden wir attraktiver für neue Mitglieder? • Wie könnten wir unsere Gruppe „verjüngen“? • Wie integrieren wir neue Mitglieder am geschicktesten? Was hat sich bewährt? • Wie kann man Gruppentreffen noch lebendiger gestalten und mal was Neues machen? • Wie kann ich über das Kaffeetrinken hinaus gute Gespräche anregen? • Was kann ich tun, wenn Mitglieder mit Problemen kommen, die wir nicht lösen können? • Wie motiviere ich die Mitglieder, selbst aktiver zu werden? Die vier Quartalstreffen wurden 2019 von den Leiter*innen der Selbsthilfegruppen sehr gut angenommen, und alle waren sich einig, dass sie dieses Format gern weiterführen möchten. Bei den Treffen konnten sie neue Leute kennenlernen, Kontakte knüpfen, und viele ihrer Fragen konnten in dieser Runde beantwortet werden. Zudem herrsche eine lockere und fröhliche Stimmung. Das Team der IKOS freut sich, dass wir in Zusammenarbeit mit Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer diese offenen Treffen auch 2020 anbieten können. Folgende Termine stehen fest: Beginn jeweils 17:30 Uhr in der IKOS, Gruppenraum 1. Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Montag, 20. Januar 2020 Mittwoch, 29. April 2020 Montag, 13. Juli 2020 Mittwoch, 18. November 2020

Kontakt: und weitere Informationen: IKOS Jena - Beratungszentrum für Selbsthilfe Kastanienstraße 11 07747 Jena Tel.: 03641 8741160 E-Mail: ikos@awo-mittewest-thueringen.de www.selbsthilfe-in-jena.de

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CHANCE JENA

UNTERSTÜTZEND

Eine Hilfe zum Starksein ...

Elternkreis für suchtgefährdete und suchtkranke Töchter und Söhne

A(u. a.ngehörige mit einer Suchterkrankung stellen für Familienangehörige Eltern, Ehepartner) eine große Belastung dar. Meist besteht die Abhängigkeit über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte, und die betroffenen Familienmitglieder geraten oft an ihre Grenzen. Sie schwanken zwischen Verständnis, Mitleid aber auch Wut, Verzweiflung und völliger Hilflosigkeit. Hinzu kommen heftige Gefühle der Scham, des Versagens und Andersseins. Viele Vorwürfe machen sich breit: „Was war falsch, was haben wir übersehen, wann ging es los und warum gerade wir?“ Sehr wichtig ist, dass man sich aus diesem Teufelskreis herausbegibt, Hilfe annimmt und vor allem die Schuld nicht (nur) bei sich selber sucht. Ich habe es als eine große Hilfe empfunden, mich mit betroffenen Eltern auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen, zu trösten oder einfach nur einander zuzuhören.

Wir sind Eltern, deren Töchter und Söhne Suchtmittel missbrauchen.

Wir alle müssen den Menschen über-

winden, der wir gestern waren. unbekannt

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Verzweiflung Ohnmacht

Schamgefühl Isolation

Betroffene und interessierte Eltern sind herzlich willkommen.

über IKOS Tel.: 03641 8741160 E-Mail: ikos@awo-mittewest-thueringen.de

Hilflosigkeit

Schuld

Unser Elternkreis trifft sich jeden 3. Mittwoch im Monat ab 18:30 Uhr in den Räumen der IKOS, AWO Zentrum Lobeda, Kastanienstraße 11.

Kontakt:

Angst

Wut

Dieser Elternkreis wird sicherlich nicht unsere Probleme vollständig lösen und unsere Kinder heilen. Aber er hilft uns, stark zu sein bzw. zu werden, nicht aufzugeben und trotz dieser schwerwiegenden Erkrankung in der Familie ein lebenswertes Leben zu führen.

Im Namen des Elternkreises Karin R.

umzugehen mit:

Wir wissen: Reden hilft! Wissen hilft! Austausch hilft! Hilfe natürlich anonym


CHANCE JENA Wie wir mit personenbezogenen Daten umgehen ...

INFORMIERT

Datenschutz in der Selbsthilfe

Iregelung m Mai 2018 trat in allen EU-Mitgliedstaaten eine neue Datenschutzin Kraft – die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung

(DSGVO). Das Datenschutzrecht wird durch die DSGVO EU-weit vereinheitlicht. Die DSGVO regelt die Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten in allen Kontexten – außer dem rein privaten Rahmen. Daher gilt sie auch für die Selbsthilfe – für Selbsthilfekontaktstellen, für Selbsthilfevereinigungen mit Vereinsstatus sowie für Selbsthilfegruppen ohne Vereinsstatus.

Sowohl das Buch als auch die Broschüre können im Online-Shop www.agspak-buecher.de bestellt oder bei der IKOS ausgeliehen werden. Anmerkung der Redaktion: Kurz vor Redaktionsschluss erhielten wir von Frau Renate Mitleger-Lehner die Information, dass die 3. erweiterte und aktualisierte Auflage der Broschüre „Recht für Selbsthilfegruppen“ erschienen ist. Diese ist um 50 Seiten stärker als die zweite Auflage und vor allem der Datenschutz-Grundverordnung gewidmet. Sie hat viel Platz und Arbeit in Anspruch genommen. Auch wenn der Datenschutz bei den Gruppen nicht mehr so im Vordergrund steht, spielt er dennoch eine Rolle. Auch diese Broschüre kann im Online-Shop www.agspak-buecher.de bestellt werden. Bettina Brenning, IKOS

Wenn in der Selbsthilfe personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, müssen die Vorgaben der DSGVO umgesetzt werden. Selbsthilfevereinigungen und Selbsthilfekontaktstellen sind dann verpflichtet, sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen zu ergreifen, um einen angemessenen Schutz dieser Daten zu gewährleisten. Viele Selbsthilfegruppen sind mit dem Umsetzen der Verordnung gefordert und stellen noch immer viele Fragen. Da es sich bei den erhobenen Daten um sehr sensible Informationen handelt, ist der verantwortungsvolle Umgang besonders wichtig. Für die engagierten Aktiven ist nicht immer ersichtlich, welche Maßnahmen für die jeweilige Selbsthilfegruppe notwendig und welche praktischen Schritte durchzuführen sind. Aus diesem Grund hat die SEKO Bayern e. V. gemeinsam mit der Rechtsanwältin Renate Mitleger-Lehner, Autorin des Buches „Recht für Selbsthilfegruppen“, einen Leitfaden erstellt, der sich speziell an Selbsthilfegruppen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich richtet. In ihm werden alle wesentlichen Bausteine des Gesetzes erklärt, und er hilft bei der Umsetzung der DSGVO unter dem Selbsthilfe-Blickwinkel. Ziel der Broschüre ist es, den ehrenamtlichen Selbsthilfe-Aktiven Mut zu machen, den Datenschutz Schritt für Schritt weiter in ihrer Gruppe anzuwenden. Fragen wie: „Wer eröffnet ein Bankkonto, und auf welchen Namen? Wer haftet bei Fehlern und Versäumnissen? Sind Tipps und Ratschläge anlässlich einer Beratung rechtsverbindlich?“ werden ebenso beantwortet wie „Dürfen wir weiterhin Geburtstagskarten an unsere Mitglieder verschicken?“ Im "Praxisleitfaden: Datenschutz in der Selbsthilfe", einer 32-seitigen Broschüre, wird über Grundlagen und Umsetzung der DatenschutzGrundverordnung informiert. Autorin dieser Broschüre ist auch Rechtsanwältin Renate Mitleger-Lehner, die schon mehrere Publikationen zu Rechtsfragen in der Selbsthilfe veröffentlicht hat.

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CHANCE JENA

VORGESTELLT

Frauen gehört die halbe Welt ...

Frauen- und Gleichstellungsstelle der Stadt Jena

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chriebe Kerstin Haupt eine Autobiografie, wäre der Titel „Wieder was Neues“ in Erwägung zu ziehen. Tatsächlich hat die promovierte Chemikerin einige sehr unterschiedliche Stationen hinter sich auf ihrem Berufsweg, der sie Ende vorigen Jahres in das Amt der Jenaer Gleichstellungsbeauftragten geführt hat. Die gebürtige Berlinerin, die seit Jahrzehnten in Jena lebt, war zuletzt 14 Jahre lang Fallmanagerin im Jobcenter jenarbeit. Zu DDR-Zeiten bei Zeiss in der Werkstoff-Forschung beschäftigt, avancierte sie nach der Wende zur Chefin des Ressorts Controlling in einer Umwelttechnik-Firma. Finanzen und Arbeitsverträge – all dies habe sie da auf dem Tisch gehabt. Das habe ihr den Anstoß gegeben zum Zusatzstudium für Finanzcontrolling und Steuerrecht. Und doch: Das noch größere Maß an Arbeit mit den Menschen im Jobcenter habe ihr Freude bereitet. „Das hat mir Riesenspaß gemacht“, sagt die 59-Jährige. Kerstin Haupt räumt ein: In drei Berufen ihrer Karriere habe sie sich auf drei Denkmethoden einstellen müssen. Dass im Sozialen und in der Juristerei das klare Ja und das klare Nein oft nicht zu haben sind - diese „Unschärfe“ also - das sei für sie als Naturwissenschaftlerin eine Herausforderung gewesen. Jetzt setze sie auf „kontinuierliche Arbeit“. Als Netzwerk-Arbeiterin wolle sie in allen Gremien „zuhören und pragmatisch unterstützen“. „Gleichstellung“: Kerstin Haupt stellt bei diesem Begriff also gern klar, dass der Blick nicht allein auf Frauen fixiert ist. Nicht von ungefähr fordere das Gleichstellungsgesetz Förderung der „Minderheit“. Sie gelte als solche in gesellschaftlichen Gruppen, wo sie zu einem Anteil von weniger als 40 Prozent vertreten ist. „Also kümmere ich mich zum Beispiel um Kindergärtner und setze mich dort für Männer ein.“ Gleichstellung ist also viel weiter zu fassen. Dennoch stellen Frauen derzeit im gesellschaftlichen Leben „die größte Minderheit“. Jeder zweite Mensch auf der Erde ist eine Frau – da ist halbe-halbe nur fair. Das sagt die Bundeskanzlerin. Parität, sagt die Physikerin Angela Merkel, erscheine ihr „einfach logisch“. Frauen gehört die halbe Welt. Warum auch nicht? Natürlich ist das bloße Theorie. Im wahren Leben gehört den Frauen hierzulande keineswegs die Hälfte von allem, sondern nicht mal ein Drittel der Bundestags- und

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CHANCE JENA Landtagsmandate. Ihnen gehören acht Prozent der Vorstandsposten, ein Fünftel der Regiesessel beim Film und ein Viertel der Professuren. Dafür stellen sie aber 80% der Teilzeitbeschäftigten, erledigen 65% der Hausarbeit und Kinderbetreuung und sind zu 100% Adressatinnen der Frage: „Kinder und Vollzeit - wie schaffst Du das nur?“ Eine Welt, in der jeder zweite Sessel in den Plenarsälen einer Frau zustünde, wäre eine deutlich andere. Zum ersten Mal wäre der Bundestag, zumindest was die Geschlechter angeht, ein Abbild der Gesellschaft. Dass es Frauen schon heute nicht verboten ist, in Parteien einzutreten und für den Bundestag zu kandidieren, taugt nicht als Gegenargument. Es ist Frauen nicht verboten, Maschinenbau zu studieren und danach Vorstandsvorsitzende zu werden – doch es ist für sie viel schwieriger, diesen Weg zu gehen als für Männer. Hinzu kommt: Frauen machen nicht automatisch Politik für Frauen. Es gibt also noch viel zu tun. Frauen wollen nicht länger „die bessere Hälfte“ genannt werden – sie wollen sie besitzen. Dies erfordert viele kleine Schritte: In Parteien eintreten, die Spielregeln mitbestimmen, den Stil verändern. Die Hälfte der Macht? Noch erscheint das als ungeheuerlicher Gedanke – ein ungehöriger ist es nicht.

Kontakt:

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Buchvorstellung: „Wahnsinn um drei Ecken - Eine Familiengeschichte.“

Buch von Kerstin und Friederike Samstag Kerstin Samstag arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin in München mit traumatisierten Menschen. Sie als Mutter und ihre Tochter beschreiben in diesem berührenden Buch, wie eine Erkrankung das gesamte Familienleben erschüttert hat.

"In unserem eigenen Prozess in der Krise hat weniger die Krankheit im Vordergrund gestanden als vielmehr unsere Beziehungen, unsere Liebe und unsere Kämpfe mit- und gegeneinander." Mutter (Kerstin) und Friederike (Schwester) fanden aus der scheinbaren Ausweglosigkeit, in die die psychische Krankheit des Sohnes/Bruders die Familie gestürzt hatte, durch Schreiben heraus. Erst schrieb jede für sich, ausbrechend aus einer Sprachlosigkeit, dann bezogen sie ihre Texte aufeinander. Neben diesem möglichen Weg der Bewältigung wird im Buch von den ungeheuren Schwierigkeiten erzählt, die auf alle auf ganz unterschiedliche Weise zukamen. "Seine Selbstmordgedanken, sein Erleben, sein Rückzug und die Konfrontation mit der Psychiatrie (einer fremden Welt) lösten bei uns eine heftige Krise aus." Die „persönliche Erfahrung zu beschreiben, als Angehörige mit einer psychischen Krankheit konfrontiert zu sein“, ist ihr Anliegen. Ein literarischer, ehrlicher Einblick in das seelische Erleben von Angehörigen psychisch kranker Menschen. BALANCE Buch + Medien Verlag 2017 176 Seiten, 16 Euro ISBN: 978-3-86739-171-9

Dr. Kerstin Haupt Stadtverwaltung Jena, Frauen- und Gleichstellungsstelle Löbdergraben 12, 07743 Jena Videolink: https://rathaus.jena.de/de/frauen-und-gleichstellungsbeauftragte

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CHANCE JENA Kaum tauche ich mit meinem E-Scooter auf, wird mir schon Hilfe angeboten ...

SÜDENGLISCH Familiensommer in Südengland

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ommerzeit – Urlaubszeit. Und jedes Jahr steht die Frage wieder: welche der interessanten Ecken dieser Welt sehen wir uns dieses Mal an? Irgendwie sind die Jahre gezählt und wir haben noch so viele Wünsche… Aber jetzt ist erst einmal der Wunsch unserer Tochter dran. Anke und Mario, unser Schwiegersohn, wollen mit uns gemeinsam Südengland erkunden. Mit Hund Maja und zwei Wohnmobilen geht die Reise los. Ab Calais wollen wir mit der Fähre den Ärmelkanal überqueren. Doch erst einmal müssen wir durch die Kontrollen. Wir werden (gefühlt) mehrere Kilometer bis zur Grenzkontrolle entlang einer beidseitigen Stacheldrahtabsperrung geleitet. Ausweiskontrolle und Sichtkontrolle im Wohnmobil sind selbstverständlich – über diese Grenze kommt niemand ohne Dokumente! Die Überfahrt ist etwas stürmisch. Die massive Kreideformation, auf die wir zusteuern, ist gewaltig. Bei der Einfahrt in den Hafen von Dover ist der Abend schon angebrochen. Direkt am Wasser finden wir zwei Stellplätze für unsere Wohnmobile. Langsam fällt der Reisestress von uns ab. Der abendblaue Himmel, das ruhige Meer und die beleuchteten Schiffe zaubern eine märchenhafte unwirkliche Stimmung hervor, der wir uns gerne hingeben. In den White Cliffs von Dover

Kathedrale von Canterbury

Am nächsten Morgen weckt uns strahlender Sonnenschein. Nach einem gemeinsamen Frühstück starten wir, um die White Cliffs von Dover zu erkunden. Ein kleiner Wanderweg führt vom Besucherzentrum entlang der Klippen in Richtung Leuchtturm. Natürlich ist er nicht für Rollstühle angelegt. Die Durchfahrten durch die Tierschutzgatter sind so eng, dass mein E-Scooter nicht um die Kurve kommt. Ich bin heilfroh, dass mein Mann und unsere Kinder mir mit starken Armen helfen. Damit Rudolf, mein Mann, das Gerät hochkant durch das Gatter manövrieren kann, muss ich absteigen und mit den Stützen durchlaufen. Ich beschließe, mich nicht über die Hindernisse zu ärgern und stattdessen die traumhafte Umgebung zu genießen. Das Meer glitzert in der Sonne, auf den Felsen blühen die interessantesten Pflanzen um die Wette. Die Farben strahlen wesentlich intensiver als in unseren Breiten. In der Ferne liegt grau und trutzig das Castel von Dover, und unter uns können wir das geschäftige Treiben im Hafen beobachten. Rechts und links des Weges hat der Wind interessante Baum- und Buschplastiken geformt. Hier könnte ich noch viel länger verweilen, aber wir haben heute noch ein großes Programm vor. Am Nachmittag steht das kleine Städtchen Canterbury mit seiner wunderschönen Kathedrale auf dem Plan. Der Ort ist ein Kleinod, dem die Jahrhunderte nichts von seinem Charme genommen haben. Wunderschöne alte Hausfassaden, windschiefe Häuser, verwinkelte Gässchen zaubern uns in eine vergangene Zeit. Die Straßen sind voller Leben. Schulklassen, Touristen und Einheimische tummeln sich. Stadtführer in ihren fantasievollen Kostümen hoffen auf Kundschaft. Wir lassen uns treiben. Nach einem kleinen Imbiss sind wir gestärkt für den Besuch der Kathedrale. Leider ist sie wegen Bauarbeiten zum Teil eingerüstet, und manche Eingänge sind für mich nicht befahrbar. Aber kaum tauche ich mit meinem Scooter auf, kommen auch schon Mitarbeiter auf mich zu und zeigen mir die Ausweichrouten. Ich fahre in das Kirchenschiff, ein Schauer der Erfurcht erfasst mich. Riesige Säulen scheinen in den Himmel zu streben. Eine Fülle von Licht durchstrahlt den Raum. Das Gewölbe mit seinen filigranen Rippenstrukturen scheint aus Spitze zu bestehen. Ich fühle mich klein aber auch gleichzeitig stolz, dass Menschen solche Wunder geschaf-

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CHANCE JENA Auf der Grange Farm

Abendstimmung an der Küste von Folkestone

fen haben. Die Krypta und ein Teil des Kreuzganges sind noch romanisch, trutzig und Sicherheit verheißend. Der kleine Klostergarten schmiegt sich an die romanische Ruine eines Seitengebäudes. Interessant sind auch die Fassaden. Flintknollen, die man hier in den Kreidefelsen massenhaft findet, wurden aufgeschlagen und als Putzoberfläche mit ins Mauerwerk eingebunden. In Margate als südöstlichstem Punkt unserer Route übernachten wir am Castel of Deal. Ein wunderschöner Sonnenuntergang und eine ruhige Nacht beenden den Tag. Durch strömenden Regen werden wir am Morgen geweckt. Wir lassen es uns nicht verdrießen und treffen uns zum Sektfrühstück bei unseren Kindern, es ist ihr 14. Hochzeitstag. Das schlechte Wetter nutzend, steuern wir am Nachmittag unser nächstes Ziel, den Clubcampingplatz in Folkestone, an. Er ist wunderschön gelegen zwischen Kreideklippen und Meer. Die Mitarbeiter sind sehr nett und aufmerksam. Für die Behindertentoilette bekommen wir gleich einen extra Schlüssel ausgehändigt. Der Regen hat nachgelassen und wir genießen die Ruhe und die zauberhafte Stimmung am Meer. Der nächste Tag soll der englischen Gartenkunst gehören. Sissinghorst Castel Garden wird in allen Reiseführern gelobt und empfohlen. Aber noch während der Fahrt schlägt das Wetter wieder um, ein kalter Wind kommt auf und treibt die Regenwolken vor sich her. Bei der Kälte und Nässe auf dem E-Scooter in Regenzeug durch den Garten fahren und dafür noch einen horrenden Eintritt zu zahlen, war nicht ganz das erträumte Urlaubserlebnis. Leider hat der Wettergott kein Erbarmen, es regnet und stürmt weiter. Binnen kurzem bin ich so durchgefroren, dass ich für die schönsten Pflanzen keinen Blick mehr habe. Wir beschließen, weiter zu fahren und das nächste Ziel anzusteuern. In St. Marys Beach finden wir einen Stellplatz zwischen dem Meer und einem Golfplatz. Hinter dem Deich können wir uns vor dem kalten Wind einkuscheln. Am Abend hört der Regen auf und der kalte Wind lässt etwas nach. Das Meer lockt, und mit einer kleinen Spazierfahrt auf dem Damm geht der Tag zu Ende.

Familienmitglied Maja ist immer dabei

Reiseskizzen sind wichtig

Am nächsten Morgen holt uns die Sonne aus den Betten und lockt ins Freie. Schade, zum Frühstück am Meer ist es noch zu kühl, aber nach einem schnellen Morgenkaffee nehmen wir uns Zeit für eine ausgedehnte Strandwanderung. Es ist gerade Ebbe, die verbliebenen Wasserrinnen zaubern in der Sonne abstrakte Muster in den Strand. Direkt zum Wasser komme ich nicht, mein Scooter mahlt sich sofort im lockeren Kies ein. Also fahre ich auf dem Deichdamm und lasse die Sonne und das Rauschen des Meeres auf mich wirken. Auf dem kargen Strand blühen wilde Malven, Natternkopf und Strandmohn. Ab und an bringen mir mein Mann oder unsere Kinder einen interessanten Stein oder eine schöne Muschelschale. Maja, unsere Hündin, kommt auch zwischendurch mal vorbei und holt sich ihre Streicheleinheiten. Auf dem Damm bin ich nicht die einzige Scooterfahrerin. Mir fällt auf, dass ich sowohl in den Städten als auch an touristischen Brennpunkten wesentlich mehr E-Scooter als Elektrorollstühle sehe. In den Einkaufsmeilen stehen sie und können ohne Probleme ausgeliehen werden. Wie schön wäre das, wenn es in Deutschland auch so gehandhabt würde.

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CHANCE JENA

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Sonnenuntergang auf der Isla of White

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Sektfrühstück in der Sonne, so lässt sich das Leben aushalten

Von der ganzen, fast hysterischen Stigmatisierung der E-Scooter, wie sie bei uns insbesondere durch die Nahverkehrsbetriebe erfolgte, ist hier nichts zu spüren. Entlang der Küste führt unsere Route weiter durch herrliche alte Seebäder. Die Bäderarchitektur Ende des 19. Jahrhunderts zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Unser südlichster Punkt führt uns zum Beach Head Lighthouse. Ist das schön! Über weite grüne Hochflächen wandert unser Blick aufs Meer, in der Ferne sehen wir weiße Klippen und den Leuchtturm. Eine kleine Bank lädt zum Rasten ein. Spontan entschließen wir uns, den Nachmittag hier zu verbringen. Jetzt gibt es Arbeitsteilung. Unser Schwiegersohn kocht, Anke geht mit dem Hund „Gassi“, Rudolf auf Fotosafari und ich beschäftige mich mit einer Landschaftsskizze. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Nachdem wir Marios Kochkünste gebührend bewundert und sein Werk bis auf den letzten Krümel verzehrt haben, heißt es Abschied nehmen von diesem traumhaften Fleckchen Erde. Auf uns wartet die Isle of White, eine der Kreideinseln im Ärmelkanal.

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The Needles

Sie empfängt uns mit Sonnenschein. Auf der Grange Farm haben wir Stellplätze direkt an der Steilküste gebucht. Es ist einfach traumhaft, über uns spannt sich ein tiefblauer Himmel, unter uns tobt das Meer, noch aufgewühlt vom nächtlichen Sturm. Wir fühlen uns hier sofort wohl und wollen ein paar Nächte bleiben. Die Farmer haben sich ein zusätzliches Standbein geschaffen, indem sie ungenutztes Weideland in Campingplätze umfunktionierten. Auf der Grange Farm gibt es dazu noch einen Hofladen, in dem farmeigene Produkte verkauft werden und einen kleinen Streichelzoo. Die Tiere freuen sich über unsere Zuwendung und reißen mir das Futter aus der Hand. Der Tag vergeht wie im Fluge, und der Abend endet mit einem wunderschönen Sonnenuntergang. Am Morgen lockt uns die Sonne aus den Betten. Herrlich, wir können draußen frühstücken mit Blick auf das Meer! Die Needles, von Wind und Wetter geformte Kreideskulpturen vor der Küste, sind eine Attraktion der Insel. Natürlich wollen wir uns diese nicht entgehen lassen. Damit die Besucher gute Sicht auf die kegligen Felsen haben, gibt es eine kleine Seilbahn dorthin. Leider ist die Benutzung für Hunde und Rollstuhlfahrer nicht gestattet - hm! Wir fotografieren durch den Maschendrahtzaun des Parkplatzes und nehmen so schnell wie möglich Reißaus. Das Ganze ist ein einziger Rummel, Disneyland lässt grüßen. Nach ein paar Ruhetagen sind unsere Batterien wieder aufgeladen. Wir wenden uns dem nächsten Ziel zu, Dartmoor. Über Exeter mit seiner wunderschönen Kathedrale fahren wir auf kleinen und kleinsten Straßen nach Lustleigh, dem Tor ins Moor. Der Ort und die Stimmung passen zu den vielen Geschichten, die man über diese Landschaft lesen und hören kann, düster, geheimnisvoll und ein bisschen unheimlich. Ich komme mit einem alten Herrn ins Gespräch, er war der Müller des Ortes und lebt allein in der großen düsteren Mühle. - Nein, ich habe keine Zeit mitzukommen und mir das Gebäude anzusehen. Aber meine Fantasie ist geweckt und tobt sich aus. Zum Glück kommt meine Familie um die Ecke, und wir müssen wirklich weiter zum nächsten Stellplatz. Die Nacht ist auch ein bisschen unheimlich. Ganz allein stehen wir an dem Flüsschen Dart. Nebelfetzen wabern um uns herum und lösen Fantasien aus. Ich vermute, wir haben in unserer Jugend zu viele Edgar-Wallace-Filme gesehen.


CHANCE JENA Lustleigh im Dartmoor

Enger geht es nicht

Vorbei an einsamen Gehöften und naturbelassenen Bächen mit sogenannten Klapperbrücken fahren wir heute auf die Hochfläche. Durch meine jahrzehntelange Arbeit in der Binnengewässerforschung habe ich Moore kennen und lieben gelernt und auch meine Familie mit dieser Vorliebe infiziert. Jetzt mit dem Rollstuhl komme ich zwar nicht mehr so gut in die Kerngebiete, aber als ich noch laufen konnte, war vor uns kein Moor sicher. Es ist schön, dass wir wenigstens einen Bruchteil dieser berühmten Landschaft, die zum Weltnaturerbe gehört, erleben können. Die Stimmung passt, es ist düster, regnerisch und der Wind jagt schwere dunkle Wolken über das kahle Land. Schwer zu glauben, dass sich in diesem scheinbar lebensfeindlichen Gebiet schon in grauer Vorzeit Menschen angesiedelt haben. Aber Reste von bronzezeitlichen Siedlungen, Steinkreise und Menhire zeugen davon. Das Heidemoor zeigt sich unwirtlich und einsam, nur belebt von den berühmten wilden Dartmoorponys mit ihren Fohlen, vielen Schafen und natürlich von Touristen. Wanderer kommen in diesen endlosen Weiten voll auf ihre Kosten. Während meine Familie mit Hund am Bennets Cross ebenfalls eine kleine Wanderung macht, spaziere ich mit meinem Stift über das Papier und halte in einer kleinen Skizze das Erlebnis fest. Über Princetown mit seinem großen Gefängnis, das auch heute noch mit mehreren hundert Insassen in Betrieb ist, und dem sich sogar ein kleines Museum anschließt, verfolgen wir unsere Route weiter in Richtung Landsend. Auch dort haben wir wieder einen Platz an der Steilküste gebucht. Strahlende Sonne entschädigt uns für das Schlackerwetter der letzten Tage. Vor uns liegt der weite, weite Ozean. Und ganz, ganz viel später kommt Amerika. Wir gönnen uns noch ein paar Tage Ruhe, machen kleinere Fahrrad- bzw. Scootertouren. Die Zeit reicht sogar, ein kleines Bild in Pastellkreide zu malen. Cornwall, der südwestlichste Landesteil Englands, ist auch einer der schönsten und geschichtsträchtigsten. Natur und Historie sind hier miteinander verschmolzen. Schon seit der Steinzeit ist er besiedelt, und an vielen Stellen wird auch die Erinnerung an die keltische Vergangenheit wachgehalten. Wer sich für König Arthur interessiert oder für Merlin den Zauberer oder auch für Morgane die Fee, der kann in dieser Grafschaft ihren Spuren folgen. Tintagel soll der Geburtsort des sagenumwobenen Königs sein. Ein steil absteigender Weg führt aus dem Ort durch das Schiefergestein zum Tintagel Castle. Leider ist mein E-Scooter für solche Merlin mit seiner Priesterin?

Ein Bild der Freiheit – wilde Dartmoorponnys


CHANCE JENA

Die alte Post in Tintagel

Im Dartmoor Glastonbury Abbey

Steigungen nicht ausgelegt. Ich gebe auf und widme mich dem kleinen gepflegten Städtchen. Es ist total auf Tourismus ausgerichtet. Überall sieht man keltische Symbole oder Abbildungen des edlen Ritters. In fast jedem Laden könnte ich esoterische Sachen kaufen, von Tarotkarten bis zum heiligen Schwert Excalibur. Mit einer Verkäuferin komme ich ins Gespräch. Sie freut sich, dass ich mich als deutsche Touristin für Arthur interessiere. War er doch der Herrscher, der die britannischen Stämme geeint hat im Kampf gegen die Überfälle der Sachsen. Ja, in Zeiten des Brexit denkt sicher so mancher Brite mit Wehmut an ihn. Würde er es heute schaffen, die verschiedenen Strömungen zu einen? Auf dem Weg zu den berühmtesten Steinkreisen der Welt besuchen wir noch Glastonbury Abbey. Die altehrwürdige Abtei ist ein wichtiger Ort in der Historie der Kirche von England. Sie soll nach der Überlieferung bereits durch Joseph von Aramäa gegründet worden sein. Im 12. Jahrhundert haben Mönche auf dem Gelände die Gräber von König Arthur und seiner Frau Genevieve entdeckt. Obwohl von dem ganzen Gebäudekomplex nur einige eindrucksvolle Ruinen die Säuberungsaktionen Heinrichs des Achten und die Unbilden der Zeiten überstanden haben, und obwohl es gar nicht sicher ist, wer hier wirklich bestattet wurde, spüre ich einen „historischen Schauer“ als ich an den beiden Gräbern stehe. Es ist der Abend des 21.6., Mittsommer, die kürzeste Nacht des Jahres. Wir haben uns entschlossen, den Steinkreis von Avebury aufzusuchen. Er ist älter, größer und nicht so kommerzialisiert wie der von Stonehenge. Wegen des großen Andranges ist es allerdings etwas problematisch, einen Parkplatz zu finden. Ein Ordner bedeutet uns, dass unser Wohnmobil für den Behindertenparkplatz zu lang ist. Anke findet einen Ausweg, sie spricht mit dem Gastwirt des Ortes. Mit dem Versprechen, bei ihm Abendbrot zu essen und nicht zu übernachten, dürfen wir vor seinem Pub stehen bleiben. Fantasievoll gekleidete Festgäste ziehen mit Kind und Kegel zum Steinkreis. Körbe voll Getränke, Essen und Decken schleppen sie mit.

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CHANCE JENA

Stonehenge Wildblumen an der Steilküste

Steinkreis von Avebury

Wir schließen uns dem Sog an. Die Gruppen lagern an den Steinen. Ganz schnell kommen wir ins Gespräch und erfahren, dass die meisten von ihnen bis zum Sonnenaufgang am nächsten Morgen bleiben. Aber erst einmal neigt sich die Sonne zum Horizont. Alles wird in ein magisches goldenes Licht getaucht. Eine geheimnisvolle aber auch freudige Stimmung liegt über der Szene. Wir denken an die Erbauer. Welch starke spirituelle Kraft hat die Menschen zu dieser Leistung getrieben! Bis der letzte rosa Schimmer am Himmel verblasst ist, bleiben wir. Dann kommen wir unseren Verpflichtungen in der Gaststätte nach – Fish and Chips und dazu Guinness – was sonst. Eine Stippvisite in Stonehenge am nächsten Tag bestätigt uns, wir hatten die bessere Wahl getroffen. Hier herrscht der Kommerz, und jede innere Sammlung bleibt auf der Strecke. Ich habe mir noch eine Besichtigung gewünscht. Als begeisterte und treue Leserin von Ken Follett möchte ich natürlich die Salisbury Cathedral sehen. Sie diente als Vorbild zu seinem Roman „Die Säulen der Erde“. Es ist eine atemberaubende Architektur, die uns umfängt. Der Großteil der frühgotischen Kathedrale soll in 38 Jahren entstanden sein, es ist unglaublich, was die Baumeister und Arbeiter mit den damaligen technischen Möglichkeiten geleistet haben. Soviel Schönheit in Stein macht uns andächtig.

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CHANCE JENA Wir helfen dir beim Tragen deiner Last und haben ein offenes Ohr für dich! ...

ANTISCHRÄG

#mehralsStuhlkreisKaffeetrinkenund Händchenhalten

J…richtet unge Selbsthilfe Jena sich an alle Selbsthilfeinteressierten zwischen 18 und

Mitte 30 und hat kein spezifisches Thema - jede/r ist willkommen!

Sommersonnenwende im Steinkreis von Avebury

Unsere Reise nähert sich dem Ende. Wir haben gemeinsam viel erlebt. Es gäbe noch so viel zu erzählen, vom Klima, von der üppigen, zum Teil subtropischen Vegetation, von den engen heckenbegrenzten Straßen, die so schmal sind, dass man gar nicht links fahren kann. Wir könnten von kleinen Dorfkirchen mit ihren romantischen Friedhöfen und auch von den Menschen, die wir kennengelernt haben, berichten. Doch das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Eines aber steht fest, Südengland bietet für jeden Geschmack etwas und ist mehr als eine Reise wert. Ursula Schäfer Polio-Selbsthilfegruppe Jena Klapperbrücke im Dartmoor

Was machen wir, und was ist unser Ziel? In unseren Treffen geht es um einen Austausch unter jungen Leuten, in dem • jede/r die eigenen Anliegen und Probleme äußern kann, ohne dafür schräg angeschaut zu werden • keine Erwartungen erfüllt werden müssen • weitere soziale Kontakte geknüpft werden können • du dich selbst einbringen und anderen mit deiner Lebenserfahrung weiterhelfen kannst • du einfach du selbst sein kannst! Jede/r hat sein Päckchen zu tragen - nur hat nicht jede/r genug Rückhalt! Deshalb möchten wir nach dem Selbsthilfe-Prinzip füreinander da sein und einander stärken. Die Gruppe ist nicht professionell geleitet und ersetzt keine Therapie! Sie ist unterstützend, präventiv und zur nachhaltigen Stabilisierung gedacht, z. B. nach Therapieende. Oder um einfach nur nette Leute kennenzulernen und mal was anderes zu machen als oberflächliche Gespräche zu führen ;) Alle Informationen zum Ort und zu den Terminen erfahrt ihr über die Gruppen-E-Mail: JSH-Jena@web.de oder über IKOS: ikos@awo-mittewest-thueringen.de Tel.: 03641 8741160 Über den Barcode kommst du direkt und einfach auf unsere Info-Seite:

Kontakt: Tel.: 03641 607108

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Falls dir diese Beschreibung der Gruppe noch zu schwammig ist oder du Lust hast, mehr zu erfahren, kannst du gern einfach weiterlesen. Isabel und Pepe haben sich bereiterklärt, über ihr persönliches Schicksal zu berichten und zu erzählen, wie die Junge Selbsthilfe Jena sie in ihrem Alltag unterstützen kann.


CHANCE JENA ich Unterstützung. Es wurden mir auch Strategien gezeigt, um die starken Anspannungen, die dabei entstehen, auszuhalten. Beispielsweise soll ich Dinge, die mir Freude bereiten, als persönliche Ressourcen zur Unterstützung betrachten. Meine Erkrankung und der Umgang damit stellen mich bis heute noch vor große Herausforderungen im Alltag und in meinem gesamten Leben. Einschränkungen gibt es bisher noch, aber ich habe gelernt, diese besser zu verstehen und zu akzeptieren. Weiterhin arbeite ich an Strategien für mich, denn ich habe gelernt, nie meinen Mut zu verlieren.

Eine gereichte Hand kann dir so manch schönes Lächeln ins Gesicht zaubern, denn du weißt, du gehst den Weg nicht allein.

Eines habe ich für mich überwunden: die Vergangenheit aufzuarbeiten und diese zu akzeptieren. Das hat es mir möglich gemacht, mein Selbstwertgefühl zu steigern, mich selbst zu lieben wie ich bin und daran weiterhin mit möglichen Strategien zu arbeiten. Einiges konnte ich schon für mich anwenden, wie zum Beispiel meine eigene Meinung zu äußern und zu vertreten, mich in einer Gruppe kommunikativ einzubringen und einen sinnvollen Umgang mit Kritik zu finden. Ich möchte offen mit der Erkrankung umgehen, da sie ein Teil von mir ist.

Ich heiße Isabel und bin 34 Jahre alt. Aufgewachsen bin ich im ländlichen Raum, wo ich meine Kindheit in einem instabilen Elternhaus bis zum 18. Lebensjahr verbrachte. Die Schule besuchte ich neun Jahre und beendete sie mit dem Hauptschulabschluss. Im Anschluss absolvierte ich eine Ausbildung zur Konditorin. Bis zum 18. Lebensjahr war ich Mobbing, Gewalt und ständiger Angst sowie Unsicherheiten ausgesetzt. Daraus sind eine Angst- und Zwangsstörung, eine instabile Persönlichkeit und depressive Episoden entstanden, die sich in einem geringen Selbstwertgefühl und in Zwangsverhalten äußern. Die Zwangserkrankung entwickelte sich in meiner Kindheit zusammen mit einer Angsterkrankung. Diese wirkte sich im Umgang mit sozialen Kontakten aus, unter anderem konnte ich Sätze und Wörter kaum fließend aussprechen. Diagnostiziert wurde meine Erkrankung erstmals 2010, bis 2018 habe ich mich in psychologischer Behandlung befunden. Es war für mich ein langer Weg, den ich mit viel Unterstützung bestritten habe. Das eigentliche Ziel war dabei für mich, einen besseren Umgang mit dieser belastenden Erkrankung zu finden. Dabei hat es mir geholfen, dass mir die Zusammenhänge und Probleme aufgezeigt wurden. Dadurch konnte ich sie besser verstehen und einen möglichen Umgang damit finden. In verschiedenen Therapien wurde mir gezeigt, dass ich mich mit der Zwangssymptomatik auseinandersetzen muss. Zur bewussten Konfrontation in Situationen, in denen sich mein Zwangsverhalten äußert, benötige

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Da ich in verschiedenen Therapien einen Austausch mit anderen Betroffenen erfahren habe, war ich auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe. Dort komme ich in Kontakt mit Menschen, die ebenfalls eine psychische Beeinträchtigung haben. Hier erlebe ich, dass man sich in der Gruppe gegenseitig Respekt, Vertrauen, Zugehörigkeit, Halt, Mut und Verständnis entgegenbringt. Alle haben ihre persönlichen Meinungen und Erfahrungen dabei. Der Austausch mit Betroffenen hilft mir sehr, denn es geht vielmehr darum, sich selbst zu disziplinieren, um Wege zu öffnen. Ich kann jetzt sagen, dass ich einen großen Schritt in die richtige Richtung eingeschlagen habe. Denn mein Lebensmotto ist:

„Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt.“ (Buddha) Selbsthilfe bedeutet für mich, dass ich erlerntes Wissen selbst anwenden und dieses bei meinen Problemstellungen umsetzen kann. Da es viel Mut, Kraft und Ausdauer erfordert, erhoffe ich mir auch Bestärkung durch den Austausch in der Gruppe. Isabel, Junge Selbsthilfe

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CHANCE JENA

I CAN´T

Ich bin Pepe, mittlerweile 34 Jahre alt, und dieses „Ich kann nicht“ oder anders „Ich bin nicht gut genug, nicht schlau genug, nicht hübsch genug“ zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Die Geschichte meiner psychischen Probleme beginnt schon in meiner Kindheit. Ich war nie „normal“, sondern immer anders, ohne aber zu wissen inwiefern und warum. Heute weiß ich, dass es Depression, diverse Phobien (u. a. Sozialphobie) und eine vermeidende Persönlichkeitsstörung waren, die ich begann zu entwickeln. Nachdem ich 2010 mein Erststudium abgebrochen habe und 2014 im Begriff war, auch das zweite Studium in den Sand zu setzen, hatte ich einen Zusammenbruch, der mich wachrüttelte, sodass ich mich in Behandlung begeben habe. Nach stationärer und anschließender teilstationärer Therapie habe ich mein Studium wieder aufgenommen. Durch gute Ärzte, verständnisvolle Mitarbeiter des Prüfungsamtes und nette Dozenten habe ich dieses erfolgreich abschließen können. Danach arbeitete ich stationär an meiner Sozialphobie. Wie man sieht, bin ich recht therapieerfahren. Doch während stationäre oder teilstationäre Therapien für viele Menschen sehr hilfreich sind, habe ich persönlich nur kurzzeitig davon profitiert. Danach fehlte einfach die Struktur im Tagesablauf, oder es gab wieder negative Erlebnisse in meinem Leben, sodass ich wieder in die alten Verhaltensmuster zurückgefallen bin. So konnte, nein, so sollte es nicht weiter gehen.


CHANCE JENA Bis an das (damals: hoffentlich frühes) Ende meiner Tage zu Hause verstecken, war keine Option mehr. Denn trotz der Niedergeschlagenheit, der Angst, dass andere Menschen mich nicht mögen, weil ich, wie ich damals glaubte, nicht gut genug für sie bin, hatte ich ja Ziele und Träume. Diese sind recht „normal“ oder sogar spießig. Denn trotz Sozialphobie wünsche ich mir den Kontakt zu anderen Menschen, einen Freundeskreis, eine Frau und Familie und natürlich einen Job, der meinen Fähigkeiten entspricht und mich ausfüllt. Darum habe ich eine ambulante Therapie angefangen. Die Therapeutin, die mich seit fast zwei Jahren behandelt, ist sehr gut. Ohne sie wäre ich heute sicher nicht da, wo ich bin. Sie war beispielsweise die erste Therapeutin, die den Anamnesebogen mit mir besprochen hat und darauf aufbauend mit mir zu arbeiten begann. Vor über einem Jahr haben wir ausgemacht, dass ich versuchen werde, auf andere zuzugehen. Dafür hatte ich mir via Facebook eine Gruppe von Menschen gesucht, die sich regelmäßig treffen. Die Angst, dass die „Normalos“ mich nicht mögen würden, war so groß, dass ich es über Wochen einfach nicht geschafft habe, dahin zu gehen. Meine Therapeutin schlug dann vor, dass ich es doch mit einer Selbsthilfegruppe versuchen könnte. Also war meine Wochenaufgabe, mir eine Gruppe zu suchen. Im Internet kam ich recht schnell auf die Seite der IKOS. Die Menge an Gruppen und Möglichkeiten war mir zu viel, also wollte ich mit jemandem reden, der mir sagen sollte, wo ich am besten aufgehoben bin. Mal bei der IKOS vorbei gehen und nachfragen, klingt einfach? War es aber nicht! Am Tag, an dem am Nachmittag meine Therapiestunde war, habe ich mich gezwungen, zur IKOS zu gehen, schließlich wollte ich nicht schon wieder eine vereinbarte Wochenaufgabe nicht erledigt haben. Klitschnass geschwitzt und zitternd saß ich wie ein Häufchen, ok sehr großer Haufen, Elend vor Frau Wiesner und Frau Brenning. Sie hörten sich meine „Baustellen“ an und suchten mir die Kontaktdaten zu drei Gruppen heraus, die für mich geeignet wären. Eine Woche später saß ich genauso nass und zitternd beim Gruppentreffen der Jungen Selbsthilfe Jena, die sich auch erst das zweite Mal traf, sodass die Anwesenden auch noch recht neu dabei waren. Ob es daran lag, oder an den bekannten Erzählungen der Anderen oder an der Unvoreingenommenheit der Anwesenden, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat dieses Treffen sehr gut getan. Je öfter ich hinging, desto leichter fiel es mir. Ich fing sogar an, mich auf die Treffen zu freuen. Der Kontakt und der Austausch mit den Anderen haben mir so viel Mut und Kraft gegeben, dass ich auch in der Therapie besser vorankam. Im Herbst fragte die Gründerin der Gruppe, ob jemand die Junge Selbsthilfe Jena beim Tag der Selbsthilfe im Jenaer Uniklinikum vertreten möchte. Nach außen treten? Sich öffentlich hinstellen und mit anderen, fremden Menschen reden? Noch ein paar Wochen davor wäre es undenkbar gewesen, zu diesem Zeitpunkt aber die ideale Möglichkeit, das zu versuchen und gleichzeitig der Gruppe etwas zurückzugeben.

bisweilen kommt. Selbsthilfe heißt für mich, Hilfe in Form von Beistand und Tipps bekommen, aber eben auch geben. Mit der Zeit war ich dann so weit, dass ich mehr geben konnte. Daher übernahm ich die Aufgabe, mich um den E-Mail-Account zu kümmern und die Interessenten über unsere Gruppe zu informieren, sowie eventuell benötigte Vorgespräche zu organisieren. Bei Veranstaltungen, bei denen die Gruppe sich öffentlich präsentiert, bin ich als Ansprechpartner dabei. Auch die Gruppentreffen werden des Öfteren von mir geleitet. Um den Aufgaben besser gerecht werden zu können, absolvierte ich dieses Jahr den Zertifikatskurs für Ansprechpartner*innen von Selbsthilfegruppen.

Diese Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Problemen, trotz unterschiedlicher oder sogar ohne Diagnose, schätze ich an der Jungen Selbsthilfe Jena. Ich bekam und bekomme sehr viel Input von anderen Blickwinkeln, aber eben nicht von oben herab, wie es von „Normalos“

I CAN´T !

Aus dem „Ich kann nicht“ wurde durch die Hilfe der Therapeutin, der Selbsthilfegruppe und harter Arbeit meinerseits, das deutlich bessere „Ich kann nicht alles sofort können, aber ICH KANN ALLES VERSUCHEN, LERNEN UND BESSER WERDEN, ALS ICH GESTERN WAR.“. Oder kurz gefasst:

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Pepe, Junge Selbsthilfe

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CHANCE JENA Das Leben zukünftig selbstständig bewältigen können ...

WERTSCHÄTZEND Heim oder daheim? „Betreutes Wohnen in Familien“

S

eit Herr Schmidt bei Familie Walther lebt, hat sich vieles in seinem Leben zum Positiven verändert. Er verfügt wieder über einen geregelten Tagesablauf und bereitet sich mit Unterstützung seiner Gasteltern darauf vor, zukünftig sein Leben selbstständig bewältigen zu können. Das Wichtigste für ihn: die individuelle Zuwendung und Wertschätzung, die er durch Familie Walther erfährt. Für sie gehört er zur Familie. Herr Schmidt ist seelisch beeinträchtigt. Wie er leben gegenwärtig ca. 40 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 72 Jahren in einer Gastfamilie in Thüringen. Das Team vom „Betreuten Wohnen in Familien“ des Vereins Aktion Wandlungswelten Jena e. V. begleitet das Zusammenleben von Gastbewohnern und Gastfamilien, gibt Hilfestellung bei der Bewältigung großer und kleiner Probleme im Alltag sowie in Konflikt- und Krisensituationen.

Die Nachfrage nach Gastfamilien, die Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen in ihr häusliches Umfeld aufnehmen, ist in ganz Thüringen anhaltend groß. Wichtiger als die Zusammensetzung der Gastfamilie – ob ledig, verheiratet, alleinstehend, mit oder ohne Kinder – sind ein tolerantes und offenes Menschenbild, Zeit für den Gast und ausreichend Wohnraum. Eine fachliche Ausbildung ist nicht erforderlich. Die Familien erhalten eine monatliche steuerfreie Betreuungspauschale sowie Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Vielleicht fühlen Sie sich angesprochen und möchten mehr erfahren? Wir informieren Sie gern.

Kontakt: Aktion Wandlungswelten Jena e. V. Betreutes Wohnen in Familien Schenkstraße 21, 07749 Jena Tel.: 03641 3102350 (mit AB) oder 01520 3751402 E-Mail: bwf@aww-jena.de www.wandlungswelten.de

D

er Weg des Sehers Lausche den verborgenen Lauten mit deinen anderen Ohren. Sieh das Himmlische mit deinen anderen Augen. Nimm wahr, was die gewöhnlichen Sinne nicht ermessen. Alberto Villoldo

Aus „One Spirit Medizin“ in Natur & Heilen, 10/19, S. 7

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CHANCE JENA

SIMULIERT

Wir teilen unsere Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung ...

Wie mag es sich anfühlen ...

ERLEICHTERND

Demenzparcours – kognitive Einschränkungen nachempfinden und sich in die Situation der Betroffenen versetzen

Erfahrungsaustausch für Angehörige von Menschen mit Demenz

D

er Pflegestützpunkt Jena und das Seniorenbüro bieten Angehörigen von Menschen mit Demenz die Möglichkeit, sich in lockerer Runde auszutauschen. Das Treffen findet jeden 3. Montag im Monat um 14:00 Uhr im Pflegestützpunkt in der Goethe Galerie (Büroaufgang B, 2. Etage) statt. Das Angebot ist ein offener Treff für den Erfahrungsaustausch und steht pflegenden Angehörigen sowie Interessierten frei. Eine Teilnahme ist jederzeit möglich. Die Angehörigen sind unter sich und können die Treffen nach ihren Wünschen gestalten. Bei Bedarf werden Fachvorträge vermittelt. Beratung zum Thema Pflege und Betreuung kann während der Sprechzeit im Pflegestützpunkt in Anspruch genommen werden. Zur Anpassung der Wohnung, um die Pflege zu erleichtern, kann die Wohnberatung aufgesucht werden. Sie berät auch zu einem Umzug. Im Pflegestützpunkt können sich aber nicht nur Angehörige melden, sondern auch Betroffene, die sich gern mit anderen Erkrankten austauschen möchten.

M

enschen mit einer Demenz stoßen im Alltag immer wieder auf Hindernisse, die sie aufgrund ihrer Erkrankung nur schwer oder gar nicht überwinden können. Das äußert sich mitunter in Hilfslosigkeit, Angst oder auch Aggression, weil scheinbar einfache Alltagssituationen nicht gelingen, zum Beispiel aufgrund örtlich-zeitlicher Desorientierung. Viele Nicht-Betroffene begegnen verwirrten, älteren Menschen oft mit Unverständnis, weil sie die Auswirkungen einer Demenz nicht kennen und sich nicht in den Erkrankten hineinversetzen können. Der Demenzparcours „Hands-on Dementia“ besteht aus 13 Alltagssituationen, bei denen die kognitiven Auswirkungen einer Demenz simuliert werden. Einige Stationen bestehen aus zusammenklappbaren Holzboxen, in denen zum Beispiel Gegenstände spiegelverkehrt angeordnet werden müssen. Der Benutzer verliert unter den erschwerten Bedingungen schnell die Orientierung und braucht oft lange für die simpel erscheinenden Aufgaben. Menschen ohne Demenz können interaktiv nachempfinden, wie es sich anfühlt, scheinbar einfache Aufgaben unter erschwerten Bedingungen zu lösen oder sogar daran zu scheitern. Der Pflegestützpunkt Jena bietet Gruppen auf Anfrage die Möglichkeit, den Parcours in den Räumen der Kommunalen Beratungsstellen in der Goethestraße 3b (2. OG) unter fachlicher Anleitung auszuprobieren.

Kontakt: Pflegestützpunkt Jena Tel.: 03641 507660 E-Mail: kontakt@pflegestuetzpunkt-jena.de

P

hantasie ist wichtiger als Wissen. Albert Einstein

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CHANCE JENA Auf dem Weg zu einem neuen Leben ohne Drogen ...

ERINNERT Gedenken

D er diesjährige internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am 21. Juli wurde von den Initiatoren aus der Suchtund Drogenhilfe in Jena zum Anlass genommen, auf die aktuelle Situation von Drogengebraucher*innen in Jena und Thüringen aufmerksam zu machen.

Am 21. Juli, dem Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen, erinnern Eltern und Angehörige, Partner*innen, Freunde und solidarische Mitbürger*innen an die „Drogentoten“. An diesem Tag 1994 starb in Gladbeck der junge Drogengebraucher Ingo Marten. Seiner Mutter gelang es unter Mithilfe der Stadt, eine Gedenkstätte für ihren Sohn und andere Drogengebraucher*innen zu installieren. Dieser Gedenkstätte folgten in vielen anderen Städten öffentliche Orte der Mahnung und Erinnerung. In den vergangenen 25 Jahren hat sich dieser Gedenktag zu einem international beachteten Aktions- und Trauertag entwickelt.

In diesem Jahr haben die Hilfe zur Selbsthilfe - Begegnung Jena e. V., die Suchtberatung Jena SiT gGmbH, die AIDS- und Drogenhilfe Jena, die Selbsthilfegruppe „Chill Out“ und der Elternkreis Jena dies zum Anlass genommen, auf die regionale Problematik von Drogengebraucher*innen aufmerksam zu machen. 2018 verstarben in Thüringen offiziell 17 Menschen infolge Konsum illegalisierter Drogen, darunter zwei Personen aus Jena.

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Die Behandlungszahlen aus den Thüringer Krankenhäusern für 2017 zeigen, dass bei einer Anzahl von 2.708 Patienten*innen, die aufgrund einer psychischen Störung oder einer Verhaltensstörung durch psychoaktive Substanzen (außer Alkohol und Tabak) behandelt wurden, das Thema Drogenkonsum auch in unserer Region beachtet werden muss. Die Weiterentwicklung von Angeboten zur Risikominimierung und Aufklärung, sowie die Erweiterung von Unterstützungsangeboten bei der Bewältigung von Abhängigkeitserkrankungen sollten im Vordergrund stehen. Drogengebraucher*innen benötigen verschiedenste Unterstützungsangebote, die sich an den unterschiedlichsten Lebenssituationen orientieren und somit eine annehmbare Hilfe ermöglichen. Unter dem Motto: „Den Toten gedenken – die Lebenden schützen“ wurden in mehreren Gemeinden der Stadt Jena an diesem Tag Gedenkminuten durchgeführt und auf diese Thematik aufmerksam gemacht. In der Kirche der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Winzerla wurde ein Gottesdienst mit Vikarin Jette Förster abgehalten, zu dem sie eine Kerze anzündete, die für die zwei letztes Jahr verstorbenen Drogengebraucher*innen stehen, so die Vikarin. Hier verstummt auch das letzte Gemurmel in der Kirche. In ihrer Predigt spricht sie über die Schwierigkeiten von Veränderungen im Leben und die Herausforderungen, denen sich Drogengebraucher*innen, die sich mit ihrem Konsum kritisch auseinandersetzen und etwas verändern wollen, stellen.


CHANCE JENA Im Anschluss ergreift Heidi, eine ehemalige Drogenkonsumentin, das Wort. Sie wirkt aufgeregt und berichtet den Anwesenden von ihrer Lebensgeschichte: Vom Konsum und ihrem alten Leben, dem radikalen Wechsel zu einem neuen Leben ohne Drogen, ihren Schuldgefühlen den eigenen Kindern gegenüber und ihrer selbst gegründeten Selbsthilfegruppe “ChillOut”. Sie bittet die Anwesenden um mehr offene Augen, Verständnis und Akzeptanz Konsumierenden gegenüber. Sie berichtet über ihre Dankbarkeit gegenüber den helfenden Händen, die mit ihr ihr Leben neu strukturiert haben. Sie weist gleichzeitig darauf hin, dass noch mehr getan werden kann. Nach dem Gottesdienst steht Heidi im Mittelpunkt zahlreicher Gespräche. Viele bedanken sich bei ihr für ihren Mut und ihre Offenheit gegenüber den Anwesenden.

„Wo Leben ist, da ist Hoffnung – und unser erstes Ziel in der Drogenpolitik sollte darin bestehen, diese Hoffnung am Leben zu erhalten, indem wir die Abhängigen am Leben halten!“ Heather Brook, Australien

Kontakt: Kontaktcafé Jena (Lobeda-West) Hilfe zur Selbsthilfe Begegnung Jena e. V., Werner-Seelenbinder-Straße 26 Tel.: 03641 4748833 Montag - Freitag 10:00 - 16:00 Uhr Begegnungsstätte (Winzerla) Hilfe zur Selbsthilfe - Begegnung Jena e. V., Buchaer Straße 6 Tel.: 03641 618988 Montag - Freitag 8:00 - 18:00 Uhr Samstag, Sonntag, feiertags 11:00 - 17:00 Uhr Selbsthilfegruppe „ChillOut“ donnerstags 16:00 Uhr, in den Räumen des Kontaktcafés Elternkreis Jena (über die IKOS) Tel.: 03641 8741160 Suchtberatung Jena SiT gGmbH Tel.: 03641 449322

Worte sind die mächtigste Droge,

welche die Menschheit benutzt. Rudyard Kippling

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Gesundheitstipp: Richtig trinken - Pluspunkte für Leitungswasser Bei der Hitze, die auch in diesem Sommer viele Menschen plagt, fragen sich viele: Was und wieviel soll ich trinken?... über eine aktuelle Auswertung der Stiftung Warentest zu Wasser in Flaschen möchten wir an dieser Stelle unbedingt berichten. Es geht um einen Test mit 32 „stillen“ Mineralwässern. Viele Menschen kaufen diese Produkte in Glas- oder Kunststoffflaschen in der Annahme, dass die Qualität besser ist als das Trinkwasser aus dem Hahn oder Kran – wie man je nach Region sagt. Doch Gemach: Leitungswasser ist frischer, wird gut und systematisch kontrolliert – und ist preiswert! Auch muss es nicht tausende von Kilometern transportiert werden wie das Wasser aus Thessaloniki beim „Griechen“ um die Ecke, aus Norditalien beim „Italiener“ ein paar Straßen weiter oder das gehypte Wasser aus den Vulkanlandschaften Frankreichs. Vor allem produziert Leitungswasser nicht Unmengen Abfall in Form von Glas- oder Plastikflaschen, deren Recycelbarkeit begrenzt ist. Zurück zur Qualität: die Testläufe mit 31 stillen Wässern ergaben, dass etwa die Hälfte mit „Keimen oder nennenswert mit kritischen Stoffen belastet oder mit Spuren aus der Landwirtschaft und Industrie verunreinigt“ ist.3 Wenn der Verbraucher oder die Verbraucherin erwartet, dass teures Mineral- oder Tafelwasser besser ist als Leitungswasser, findet er oder sie hier jedenfalls keine Bestätigung. Zudem entdeckte die Stiftung Warentest, dass Baby-Mineralwässer nicht zuverlässig halten, was sie versprechen, und es darum sicherer ist, Leitungswasser für Babynahrung abzukochen. Besonders schlecht schnitten im Test mehrere als Bio gekennzeichneten Wässer ab: Von den sechs geprüften war nur eines gut, zwei waren befriedigend, eins gerademal ausreichend, aber zwei waren definitiv mangelhaft – und zwar wegen der gefundenen Keime oder schlechter mikrobiologischer Qualität. Mehr dazu und was der Begriff „Bio“ bei Wässern alles bedeuten kann, finden Sie in der aktuellen Publikation der Stiftung Warentest. Aber vielleicht noch das: Der Zusatz von Kohlensäure hemmt das Keimwachstum, darum dürften bei der Keimbelastung sprudelnde Wässer eher besser abschneiden als die stillen. Auf einen entsprechenden Test warten wir gespannt und trinken derweil weiter Leitungswasser. 3Test, 2019, Nr. 7, S.14-20

Quelle: Gute Pillen – Schlechte Pillen, Nr. 5, S. 14f

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NEUE GRUPPEN zum Aufbau folgender Selbsthilfegruppen werden Interessierte gesucht:

Junge Sel geht bsthilfe Wir w es? ollen re e Woru m

in off s Tre dem ffen ins L enes und lockeDu D eben ein ru Them en m e Gedank fen, bei it An kanns en un d t d tuelle und Antweren austa u Frage o r t en au schen tivisch n bek fe o geme gibt es au mmst. Pe veninsam rs ch die Wenn etwas Mögli pekmelde Du Lust u zu untern chkeit, n e Du ka Dich einfa d Interesse hmen. c nnst gern h bei uns. hast, komm spont en! an vo Bitte rbeierfrag e die telefo n ä c nisch h oder sten Termin per e

Mail.

Stottern

Gruppengründung Erwachsene mit AD(H)S

Bist du auch schon immer ein

chtgefährElternkreis su htkranker deter und suc öhne Töchter und S rn, deren Kinder

pe: Elte Unsere Zielgrup ese sind) illegale und di (gleich wie alt nsumieren. ko legale Drogen genseitig n ist es, uns ge finden ge lie Unser An zu ng Unterstützu aufzurichten, hen. Wir sc au ut sz gen au lbst und Erfahrun se st ir uns zuer Stütze für wissen, dass w ne ei ch au um helfen müssen, . sein die Kinder zu luten Anorung der abso ah W e di ch ur D sere Proben wir über un ntlichkeit nymität könn ffe Ö r , die in de leme sprechen ark tabuisiert werden. st zu ch leider no mmen. jederzeit willko nd si rn te Neue El

Polyneur o

pathie –

Stottern führt zu Einsamkeit und Isolation. Es kostet Dich einen Kurz ,,PN ,, P Teil Deines schönen Lebens. Neben Therapien beim Logopäden Erkranku genannt ist eine ngen, die Gruppe v o d betreffen hilft die Teilhabe an einer Selbsthilfegruppe. Die Stotterer. Diese en ie peripheren Nerv n th s en e a n lt s ible un en mo Selbsthilfe ist in Deutschland breit aufgestellt. Mit vielfältigen die das R d vegetative Nerv torische, ü e Seminaren und Veranstaltungen durch den Bundes- und die den Sehn ckenmark mit den nfasern, en M Landesverbände kann jeder seine Einstellung zum Stottern und den innere , den Gelenken, K uskeln, n Bei deren n Organen verbin ochen und Symptome verändern. Werde auch ein Teil dieser großen Familie den. krankhaft e e s dements r Schädig und finde Freunde, denen es ebenso geht. Ein erster Schritt kann ung kan prechen die Gründung einer Selbsthilfegruppe in Jena sein. Das Gespräch Empfindungsstöru d zu Lähmungen, n ngen und Störunge vegetativ n komme und der Erfahrungsaustausch, zum Beispiel über Therapien, n. en Wir suche n können sehr bereichernd sein. seitig Hil Menschen, die Krankheitfestellung im Umgsich gegenStottern ist nicht heilbar, aber positiv veränderbar. an PNP gebe n wollen. g mit der Mach den ersten Schritt und melde Dich.

Kontakt für alle:

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nig anders gewesen als die breite Masse und hast gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt? Mögliche rweise hast du auch Probleme mit der Konzentration, und es fällt dir schwer, dein Leben und deine Au fgaben zu organisieren? Hast du auch die Diagn ose AD(H)S bekommen? Kommst du heute als Erwachsener gut dami t zurecht? Wir sind eine Gruppe vo n Erwachsenen, die sich zu diesem Thema austauschen möchte, um ihre Erfahrungen miteinander zu teilen.

PNP

Selbsthilfegruppe für Menschen mit Cannabisnutzung als Medizin – Cannabis Patientenhilfe Mittelthüringen

Die „Cannabis-Patientenhilfe Mittelthüringen“ fokussiert sich ausschließlich auf den medizinischen Nutzen von Cannabis, ist parteilos und befasst sichnicht mit politischen Themen jenseits der medizini schen Nutzung von Cannabis und Cannabinoiden. Sie steht für wissenschaftlichen Austausch, Informationsweitergabe und konkrete Hilfe für betroffene Menschen und deren Familien. Wir möchten regelmäßige Treffen organisieren, die einen Austausch von Erfahrungswerten zum Thema Cannabis als Medizin gewährleisten und zu Mög- ), lichkeiten der Therapie (Tabletten, Spray, Inhalation . möglichen Nebenwirkungen, Risiken etc. informieren Falls Sie Interesse an diesem Thema haben sollten oder auch jemanden kennen, der sich informieren n oder beteiligen möchte, sind Sie herzlich willkomme und können diese Info gern weitergeben.

IKOS Jena - Beratungszentrum für Selbsthilfe Wir sichern Ihnen völlige Anonymität zu. AWO Zentrum Lobeda · Kastanienstraße 11 · 07747 Jena Bei uns gibt es geschützte GruppenTel.: 03641 8741161 · E-Mail: ikos@awo-mittewest-thueringen.de räume für die Treffen.


CHANCE JENA Gemeinsam fällt es uns leichter, die Krankheit anzunehmen ...

ÄNGSTE NEHMEN

Diagnose Polyneuropathie

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aben Sie häufig Missempfindungen an Beinen, Füßen und Händen? Kennen Sie Taubheits- oder Kribbelgefühle nur zu gut? Spüren Sie manchmal ein Prickeln oder Kälte, obwohl es gar nicht kalt ist? Als ob Ameisen über Sie krabbeln würden? Ihr Gang ist häufig unsicher, Ihr Gleichgewichtsinn scheint gestört. Ihre Blase, die Verdauung und vielleicht auch die Sexualfunktion brauchen mehr Aufmerksamkeit. Sie fühlen sich von chronischen Schmerzen verfolgt. Wenn mehrere dieser angeführten Symptome und Beschwerden auf Sie zutreffend sind, wäre Polyneuropathie eine mögliche Diagnose. Für dieses Krankheitsbild gibt es eine Vielzahl von Ursachen, allerdings nicht die eindeutige eine. Deshalb ist auch die sichere Diagnose für die Fachärzte herausfordernd.

Polyneuropathien können entstehen durch: • Stoffwechselstörungen – Diabetes mellitus, Gicht, Schilddrüsenüber-/-unterfunktion, Leber- und Nierenerkrankungen, Vitaminmangel • Infektionen – Borreliose, Diphterie, HIV-Infektion • Äußere Faktoren – Medikamente, Blei, Arsen, Alkohol, Thallium, Schwefelkohlenstoff • Gefäßveränderungen – Kollagenosen, Arteriosklerose • Genetisch bedingte Polyneuropathie (Quelle: Husstedt et. al., Schmerztherapie interdisziplinär, Schattauer Verlag 2002)

In unserer Gruppe unterstützen wir uns gegenseitig beim besseren Umgang mit der Krankheit. Wir tauschen unsere Erfahrungen und neue Informationen zum Thema aus und können auch Fachleute einladen. Gemeinsam fällt es uns leichter, die Krankheit anzunehmen und uns so gut wie möglich damit zu arrangieren. Wenn Sie neugierig geworden sind und Polyneuropathie Ihr Thema ist oder sein könnte, dann melden Sie sich bei der IKOS und kommen einfach mal bei uns vorbei.

Kontakt: IKOS Jena Tel.: 03641 8741160 E-Mail: ikos@awo-mittewest-thueringen.de

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ir alle denken, dass wir überall gleichzeitig sein müssen, und am Ende sind wir nirgends ganz. Justin Sullivan, New Model Army

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CHANCE JENA Eine Verfassung nur zur Dekoration, so wie eine Vase mit schönen Blumen? ...

RESPEKTVOLL

Die Würde des Menschen ist (un)antastbar

B ekanntlich haben wir am 23. Mai 2019 den 70. Geburts-

tag unseres Grundgesetzes gefeiert. In den aus diesem Anlaß zu vernehmenden imposanten Reden wurde stets die hervorgehobene Bedeutung unserer Verfassung gelobt. Ja, gewiß ist – nach dem nationalsozialistischen Terrorsystem – die freiheitlich demokratische Grundordnung ein Meilenstein auf dem Weg hin zum Respekt vor dem Menschen... Dennoch stellt sich – nicht nur mir – die Bertrand Stern Frage angesichts einer oftmals ekelerregend freiheits- und demokratiewidrigen Lebenspraxis, ob die Verfassung nur zur Dekoration, so wie eine Vase mit schönen Blumen, da ist: Soll sie bloßes Füllmaterial für politische Fensterreden und zugleich das Alibi für gutes Gewissen sein? Aufgrund der in unserer Verfassung postulierten Grund- und Menschenrechte, denen ein verbindlicher Stellenwert zukommt, dürften wir hierzulande uns alle aufgerufen fühlen, die Errungenschaften unseres Grundgesetzes zu verteidigen: einerseits vor den ideologischen oder religiösen oder anderen profitorientierten Rattenfängern, welche die verspürte Krisenstimmung (aus)nutzen, um mit extremistischen Parolen ihre Scheinlösungen – manchmal sogar mit aller Gewalt – aufzudrängen; andererseits vor einer übergriffigen Staatsmacht und ihrer behördlichen Gewalt, die verfassungswidrig so manche Menschenrechte unterhöhlen. Vorab möge bedacht werden: • Die Grund- und Menschenrechte sind kein politisches Programm zur Verwirklichung einer bestimmten Lebensform, sind auch keine bloßen Wünsche („Desiderate“); vielmehr stellen sie, wenn ihr Charakter, ihre Stärke beachtet werden, ein Abwehrrecht des Menschen dar, um sich insbesondere vor (Macht-)Willkür und übergriffiger Gewalt zu schützen. Niemand soll in seiner Persönlichkeit beleidigt, behindert werden. Und woran läßt sich dies messen? Selbstverständlich an jenen, die einen juristischen Schutz am Nötigsten haben, weil sie sonst Gefahr liefen, unter die Räder zu kommen. • Bekanntlich lautet der erste Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Welch ein programmatischer Satz: „des“

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steht für jeden Menschen im Singular! Der Sinn einer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist also der Schutz des Menschen in der Einzahl, womit der Idee eines normativen Kollektivs widersprochen wird, welches Kennzeichen totalitärer Systeme wäre! Zumal aus schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit Vorsicht vor normativen Annahmen geboten ist, die womöglich total verrückt (oder manipuliert?) sein könnten. Daher: des Menschen! • Des Weiteren: was qualifiziert die Freiheit? Für mich bedingt sie zuvörderst das Recht, sich dem zu entziehen, sich dem zu verweigern, was mir nicht gut bekommt, also: das Recht, „nein!“ zu sagen, im Bewußtsein, daß dieses klare „Nein!“ akzeptiert und respektiert wird. Das Grundgesetz als bloße Dekoration, als Wunschtraum? Angesichts des krassen Widerspruchs zwischen einerseits den – auch juristischen – Erkenntnissen; und andererseits der – auch juristischen und politischen – Praxis könnte in der Tat dieser Eindruck entstehen. Ist es kein zum Himmel schreiender Skandal, daß in zahlreichen Fällen selbst die Justiz sich kaltschnäuzig über Verfassungsgebote hinwegsetzt, um Menschen zu verurteilen, die nichts anderes taten, als auf Grund ihrer ethisch und grundgesetzlich verankerten Rechte sich einer Maßnahme zu verweigern, die ihnen offensichtlich nicht gut bekam, die ihnen sogar schadete? *** Unter den Menschen, die hierzulande verfassungsmäßig geschützt werden sollten, möchte ich unsere Töchter und Söhne nennen: Weil sie hierzulande üblicherweise in die künstliche Rolle und Funktion gedrängt werden, die als „Kind“ bezeichnet wird (wohlgemerkt: das Kind), gelten sie nicht als Menschen, als Subjekte, sondern sollen das Objekt elterlicher, pädagogischer, staatlicher Zwangsbeglückung sein. Die hierfür eingesetzte, sehr subtile Methode: diese Töchter und Söhne zu Schutzbedürftigen zu erklären, zu beleidigen; just dieses Vorurteil kommt der heute praktizierten pauschalen Vorverurteilung gleich, indem ihre Minderjährigkeit für Minderwertigkeit steht, wodurch ihnen ja pauschal Kompetenz und Einsicht abgesprochen werden. Ein Beispiel für diesen „Schutz“ bietet etwa die Praxis, dieses „Kind“ zu zwingen, sich mehrere Stunden am Tag


CHANCE JENA auf Unversehrtheit, auf Gesundheit, halte ich das Grundrecht, frei sich zu bilden, für fundamental, um den Respekt vor dem Menschen und da insbesondere vor seiner Selbstbestimmtheit und Würde zu dokumentieren und mit konkretem Leben zu artikulieren. ***

über viele Jahre in einer Institution aufzuhalten, die an- oder vorgeblich seinem Wohl dient, obwohl längst bewiesen ist, daß dieser Anspruch für viele der betroffenen Menschen nicht mehr stimmt: Nein, Krippe, Kindergarten, Schule, Hort und Weiteres sind nicht die einzig mögliche und sinnvolle Gestaltung des Lebens junger Menschen! Daher kann Schutz niemals bedeuten, Menschen, sogar gegen ihren ausdrücklichen Willen und trotz ihrem offensichtlichen Widerstand, aus der Mitte des Lebens aller herauszunehmen und in Reservate zu stecken; Schutz bedeutet vielmehr: (junge) Menschen können sich selbstverständlich darauf verlassen, daß eine neutrale Instanz ihnen zur Seite steht, um ihre legitimen Interessen zu schützen; um zu garantieren, daß sie nicht zum Spielball von allerlei, etwa pädagogischen, ideologischen, religiösen oder merkantilen Interessen gemacht oder zu etwas gezwungen werden, das sie eindeutig ablehnen. Weshalb wird dieser naheliegende Gedanke in der Praxis nicht so angewandt?

Nun verbinde ich mit Jena – und mit Thüringen insgesamt – viele schöne Momente, doch zwei dieses Thema unmittelbar betreffende und sich völlig widersprechende Momente möchte ich hier besonders erwähnen. Als erstes das Positive: An der Universität Jena wurde – erst- und bisher einmalig in Deutschland – auf Initiative der damaligen thüringischen Landesschulministerin ein „Bildungsplan“ entworfen und vorgelegt, der für Menschen vom 6. bis zum 18. Lebensjahr ausdrücklich das Recht auf eine informelle Bildung einräumt und gewährleistet. Was bedeutet die in diesem Bildungsplan postulierte „informelle Bildung“? Es bedeutet, daß jedem Menschen selbstverständlich das Recht zusteht, für seine Bildung auch Wege außerhalb der kanonisierten schulischen Wege zu wählen. Grundlage dieses Postulats mögen die vielerorts gewonnenen Erkenntnisse sein, wonach Bildung keine Ware ist, die programm- oder lehrplanmäßig verabreicht wird, um den erwarteten Erfolg zu verzeichnen; sondern ein höchst individueller, allerdings in einen soziokulturellen Kontext eingebetteter Prozeß ist. Das beste Beispiel zur Verdeutlichung ist die Sprache: eine jede Person entdeckt sie auf ihre Art und Weise, doch ist die jeweilige Ausprägung logischerweise an das Umfeld gebunden, weshalb zunächst ein Inuit kein Suaheli und eine Deutsche kein Koreanisch spricht, indes in manchen Gegenden die Menschen selbstverständlich mehrsprachig aufwachsen und leben... Was hat es zu bedeuten, daß dieser Meilenstein in der deutschen Bildungsgeschichte, trotz einer allgemeinen Bekanntmachung, nicht die ihm gebührende praktische Umsetzung erfuhr?

Im Leben mag es zwischen unterschiedlichen Parteien allenthalben Konflikte geben, doch der hier angesprochene Konflikt ist besonders peinlich, peinvoll, weil er eine Kernfrage unseres demokratischen Selbstverständnisses berührt: Die pädagogischen Institutionen insbesondere die Schule, werden staatlich regiert, organisiert, durchgeführt und sanktioniert; die Staatsmacht, deren Auftrag zuvörderst darin zu bestehen hätte, Menschen vor Gewalt zu schützen, betreibt nun selbst diese Gewalt, um die anerkanntermaßen obsolete und sinnwidrige Norm eines absoluten Schulanwesenheitszwangs durchzusetzen. Wer sich der staatlich-normativen Zwangsbeglückung widersetzt, wird je nach Fall kriminalisiert, psychiatrisiert oder medikalisiert. Zudem ein recht kostspieliges Drama: So ähnlich wie eine Zunahme an Medizin nicht mit einer Steigerung der Gesundheit einhergeht, so bedingt die Erhöhung der Ausgaben für die Schule leider nicht, daß mehr Menschen gebildet sind – das Gegenteil ist der Fall! Statt also der in die Sackgasse führenden Devise „mehr desselben!“ zu folgen, wäre es angebracht, prospektiv, menschlich und verfassungsgemäß, einen grundlegenden Wandel einzuläuten und einzuleiten: vom Objekt hin zum Subjekt. Hier: von der Institution Schule hin zum Recht des Menschen, frei sich zu bilden. Neben dem Recht auf Leben,

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CHANCE JENA betroffenen Frauen war naheliegend, nur genügte hierfür das aus der Vereinigung von Gebärenden und Hebammen entstandene Geburtshaus? Die einzig mögliche Antwort auf das entmündigende System von Kreißsaal samt Kaiserschnitt konnte und kann doch nur die Hinwendung zum gesunden Menschen sein: hier zur Schwangeren ebenso wie zum Neugeborenen. Im Gegensatz zu allerlei Ängsten und Panik, die heute der Gebärenden vermittelt werden und jede medizinische Niederkunft überlagern und belasten, gründet der Rückbezug auf das eigentliche Leben auf dem Vertrauen und der Kompetenz, woraus eine Geburt als naturgemäßer Prozeß zu sehen und zu respektieren ist. Wie der „thüringische Bildungsplan“ ist das „Geburtshaus“ eine reaktive Antwort und Brücke auf Mögliches; doch das Eigentliche und Notwendige ist die Hinwendung zum Leben, zum Menschen als Subjekt. Welch vielfältige Parallelen können gezogen werden zwischen „frei-geborenen“ und „frei sich bildenden“ Menschen! *** Dies sollte nicht als Plädoyer für einen Rückzug der Öffentlichen Hand aus dem Bildungswesen und für die Privatisierung der Bildung verstanden werden: In mehrfacher Hinsicht besteht eine Verpflichtung des Gemeinwesens dem Menschen gegenüber, dessen klar zu erfüllende Aufgaben entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip beschrieben werden können: Gewiß hat die Öffentliche Hand zu gewährleisten, daß jedes Subjekt frei sich bilden kann, daß es niemals davon abgehalten wird; auch hat sie die erforderlichen Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen, wozu auch gehört, daß Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenkommen können: als Lehrende, als Erfahrende, als Tauschende. Der Wandel ist keine Lizenz dafür, aus womöglich religiösen, ideologischen oder pädagogischen Gründen die offenen Bildungsprozesse vorzuenthalten oder diese zu privatisieren: etwa in Gestalt der häuslichen Beschulung. Geht vielleicht meine Beschreibung des „frei sich Bildens“ weit über das hinaus, was der „thüringische Bildungsplan“ ursprünglich vorsah? Dies würde darauf hindeuten, daß aus einer in universitären Kreisen konzipierten, womöglich fachbezogenen und eindimensionalen Reaktion auf die festgestellte Sackgasse der normalisierten, staatlich durchgesetzten Zwangsbeschulung nicht nur ein Gegenentwurf in Gestalt der Idee der „informellen Bildung“ ausreicht; sondern die sowohl ethisch begründete wie verfassungsmäßig verankerte Hinwendung zum Subjekt und seinem frei-sich-Bilden eine logische Schlußfolgerung und Herausforderung darstellt: unbedingt, bedingungslos, unabdingbar. Zum besseren Verständnis ein Vergleich: Irgendwann in der Geschichte der Zivilisation wurden Schwangerschaft und Geburt pathologisiert und, vom Kreißsaal über allerlei Maßnahmen hin zum Kaiserschnitt, zu Bereichen der Medizin. Für die ach wie lebensgefährliche Entbindung war nicht mehr die schwangere Frau, auch kaum mehr die Hebamme zuständig; vielmehr beanspruchte das komplexe System der Geburtsmedizin das Monopol der Gebärens. Welch ein Hohn, aus einer Selbstverständlichkeit, aus dem „Ruf des Lebens nach sich selbst“ eine Pathologie durchsetzen zu wollen. Der hiergegen aufkommende Widerstand von Seiten mancher

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Die zweite mit Jena verbundene Erfahrung scheint der ersten diametral entgegengesetzt: Die Mutter einer Tochter, die sich ihrer weiteren, ihr offensichtlich nicht gut bekommenden Beschulung widersetzte, wurde mit Bußgeldern überhäuft, da sie, so die übliche Begründung, „nicht für den ordentlichen Schulbesuch der minderjährigen XX gesorgt“ habe. Davon abgesehen, daß der Vorwurf nachweislich unzutreffend ist, weil die Mutter im Gegenteil sich sehr wohl um die Beschulung ihrer Tochter gesorgt, doch zugleich deren Unwohlsein gesehen und deren kategorisches „Nein!“ respektiert habe, geht es hier um einen weitergehenden Aspekt: Ist die Tochter ein Subjekt, ein Mensch, dem folglich Grundrechte zustehen? Oder lediglich ein Objekt der elterlichen Vorstellungen, der schulischen Ambitionen und der staatlichen Zwangsbeglückung? Das erste amtsgerichtliche Verfahren, dem ich in Jena beiwohnte, endete mit einer Einstellung, da die Richterin den Vorwurf nicht akzeptieren konnte. Dem folgte alsbald ein zweites Verfahren, bei welchem der Richter weder durch Fakten noch durch Grundrechte noch durch ethische Selbstverständlichkeiten sich leiten ließ, sondern einzig und allein durch den von ihm beanspruchten „tatrichterlichen Sachverstand“: Diese Vokabel ist sozusagen ein Euphemismus für Willkür und Gewalt, subtil verheimlicht durch den Anspruch des Richters, sich über Gesetze hinwegsetzen und nach eigenen Normen be- und verurteilen zu können. Auf Grund dieses juristischen Freibriefs außerhalb unserer Verfassung wurde die Mutter zu einem hohen Bußgeld verurteilt, dessen Rechtskraft es allerdings zu beanstanden galt. Wer weiß, ob solch willkürliche weil verfassungswidrige Urteile nicht einmal zum erhofften höchstinstanzlichen Beschluß führen, welcher dem schleichenden Elend ein für alle Mal ein Ende bereitet? Wohlgemerkt spielt bei dieser ganzen Dramatik die Frage der Beschulung keine zentrale Rolle; das, worum es im Grunde geht, ist ohne Zweifel die Frage um das subjekthafte Menschsein, um seine Selbstbestimmtheit, um seine Würde: Kann, darf, muß der Mensch als Subjekt erwarten, daß seine Persönlichkeit unbedingt und bedingungslos respektiert wird? Angesichts der tragischen historischen Erfahrungen und der spürbaren Sackgassen dieses unseres zivilisatorischen Systems ist mit Fug und Recht davon auszugehen, daß die zentrale ethische Frage, ob der Mensch ein Subjekt ist


CHANCE JENA Kinotipp:

oder ob er – verfassungswidrig und unter welchem Vorwand auch immer – zum Objekt erniedrigt, gemacht wird, für das Fortbestehen des Lebens auf unserem Planeten von größerer schicksalhafter Bedeutung ist, als es viele annehmen. Doch wer seine Tochter oder seinen Sohn, seine Enkel wirklich liebt, wird an ihnen erkennen, welch positive, prospektive Botschaft ihrem „Nein!“ innewohnt. Wenn dieses klare „Nein!“ zu einem obsoleten System in Wirklichkeit ein „Ja!“ zum potenten Leben darstellt und darüber hinaus auch mit den Grund- und Menschenrechten übereinstimmt, sind alle Ingredienzen für den fälligen Wandel gegeben.

Gewiß ist die freiheitlich demokratische Grundordnung 70 Jahre alt; ist jedoch die Verwirklichung ihrer Postulate nicht die zuvörderst uns aufgetragene Aufgabe? Bertrand Stern Herbst 2019

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ehler sind Leben Fehler zu machen bedeutet, dass immer noch etwas „fehlt“ – und genau dieses fehlende Element ist der Motor unseres menschlichen Lebens, unserer Entwicklung und Reifung. Wenn nichts mehr „fehlt“, werden wir nicht mehr hier sein. Akzeptiere dein Lernen und du findest Frieden. www.klauskoeppe.com

Der fiktionale Kinofilm CaRabA zeigt eine Welt ohne Schulen. Fünf junge Menschen finden in dieser neuen Bildungslandschaft ihren ganz eigenen Weg. Phantasievoll untersucht der Coming-of-Age Film, wie das Leben selbst zum fortwährenden Bildungserlebnis wird. Der erste Spielfilm zur Zukunft der Bildung regt an, gemeinsam Visionen zu entwickeln. Die Ausgangsfrage ist: Wann und wo geschieht Bildung eigentlich? Was würden junge Menschen tun, wenn sie ihren eigenen Interessen folgen könnten? In dem Episodenfilm CaRabA forscht SASKIA (24) an einem Schlafmittel und ringt um dessen Anerkennung; der entwaffnend-naive NURI (8) begleitet seinen Vater beim Taxifahren und interviewt die Fahrgäste; der verträumte LOVIS (14) spielt Tischtennis im Park, arbeitet an der Zeit und verliebt sich; MAX (15) malt Waschmaschinen beim Schleudern und entdeckt Gott in Dürer (oder umgekehrt); während bei der erst ziellosen JANNE (15) das Schicksal zum temporären Auszug von zuhause und zur Feldforschung über Familie führt. CaRabA erzählt von Vertrauen – in sich selbst und in die Menschen um einen herum. Quelle: https://www.caraba.de

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CHANCE JENA Niemand wundert sich, bewertet oder deutet ...

MALSPIELEND

Ein Malort für Jena – Im Malspiel spielend der eigenen Spur folgen

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pricht man von Malerei, so denken die meisten an Kunst, an Meisterschaft und unerreichbare Leistungen anderer. Häufig hört man: „Ich kann ja sowieso nicht malen“ – und damit ist das Thema zumeist beendet. Was bleibt, ist der geheime Wunsch, es doch irgendwie und irgendwann einmal zu tun. Diese oft verdrängte Sehnsucht ist verständlich, denn im Menschen ruht ein Bedürfnis, sich malend oder zeichnend auszudrücken, nur für sich selbst eine „Spur“ zu ziehen. Jedoch wird dieses Bedürfnis schon früh im Leben zur Kunst hingelenkt, und Kunst möchte anderen etwas zeigen. In der Schule dann werden meist Themen vorgegeben und die Werke in der Regel im Anschluss benotet und ausgewertet. Spielt hingegen ein Kind auf dem Papier mit eigenen, geschöpften Formen, genügt es sich selbst und spielt nur für sich und für niemanden sonst. Dies könnte unendlich so weitergehen, sich entwickeln und wachsen, doch wird dieser Prozess sehr bald unterbrochen, und die Quelle der natürlichen Schöpfung versiegt. Doch der Entwickler des Malortes, Arno Stern, machte vor über 70 Jahren eine Entdeckung, die dazu führte, dass auch Erwachsene wieder ihre ganz eigene Spur aufnehmen können. Anfänge im Kinderheim bei Paris, 1945

Im Malort Arno Stern, Paris

Arno Stern, jüdischer Herkunft, musste schon als Kind mit seiner Familie nach Frankreich fliehen, verbrachte seine Jugend in der Schweiz in einem Arbeitslager. Er ging nicht zur Schule und wuchs auf mit dem, was er vorfand. Vermutlich war das eine der Voraussetzungen, warum er ganz frei und im bildungstechnischen Sinne unverbogen auf das schauen konnte, was er beobachtete, als er 1945 als 17jähriger seine erste Stelle bekam. Er wurde gebeten, Waisenkinder in der unterrichtsfreien Zeit zu beschäftigen. Er ließ sie malen, und zwar mit dem, was er vorfand: erst mit Bleistiftstummeln auf Zeitungsresten, dann mit den bald erhältlichen Farben und Pinseln. Hierbei erkannte er, dass diese Kinder nicht etwa ihre gewiss traumatischen Erlebnisse „verarbeiteten“, sondern das zu Papier brachten, was andere Kinder auch tun: Sie malten Himmel und Erde, Bäume, Blumen, Häuser, Menschen, Tiere usw., also Dinge, die im täglichen Leben vorkommen und einfach nur hervorgebracht werden wollen. Dieses ‚freie’ Malen außerhalb der Pflichtstunden gefiel den Kindern sehr gut, und so kamen immer mehr Kinder, die bei ihm malen wollten. Arno Stern passte die räumlichen Bedingungen immer mehr den Bedürfnissen der Kinder und dieses freien Malspiels an: Blätter wurden aneinandergelegt, damit eine größere Malfläche zur Verfügung stand, dann wurden diese vielen Blätter an die Wand gepinnt, die Tische verschwanden, und die Farben wurden in der Mitte des Raumes platziert und von einem der Kinder so angeordnet, wie es heute noch im jetzigen Malort in Paris zu finden ist. Seit dem spielen Kinder im Malort, und seit 1949 auch Erwachsene, als Arno Stern seinen Malort in Paris eröffnete. Arno Stern fand nach langer Forschung heraus, dass Menschen auf der ganzen Welt beim Malen einem inneren Programm folgen, was die Reihenfolge der Anwendung von Formen betrifft. Dieses ursprüngliche Formen-Vokabular nannte Arno Stern die „Formulation“. Aus diesen universellen „Erstfiguren“ entwickeln sich bildliche Dinge

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CHANCE JENA im selbstgenügsamen Spiel, die die Erlebnisse, Träume und Wünsche der Kinder einbeziehen. Seine Beobachtungen deckten auf, dass es etwas gibt, was uns alle auf der ganzen Welt miteinander verbindet, eine „Sprache der Menschheit“.

Er heftet die großen weißen Bögen an die Wand, holt Schemel und Leitern, füllt Farben auf, beseitigt einen Tropfen und versetzt Reißnägel, bevor sie die Malenden im Malfluss behindern. Er gibt keine Themen vor, er regt nichts an. Niemand wundert sich, bewertet oder deutet.

Bei älteren Malspielenden bedarf es einige Zeit, um die angelernten Vorbilder abzulegen, die Selbstzensur wieder zu „verlernen“. Die Kostbarkeit des Malspiels liegt darin, dass hier über die Zeit und die Regelmäßigkeit der Ausübung die Quelle der Kreativität wieder in Fluss kommt. In diesem Spiel, das jedem leichtfällt, dem Großen wie dem Kleinen, entwickeln sich dann außergewöhnliches Können und das Bewusstsein ungeahnter Fähigkeiten, die über das Malspiel hinaus im täglichen Leben wirksam sind.

Jeder ist fähig, im Malort zu spielen, jeder ist fähig, das Malen zu praktizieren; man braucht kein Talent dafür. Man spielt und erfreut sich seiner Spur. Wenn ein Junge zwei Jahre lang an einem Segelschiff malt, wird das ebenso wenig kommentiert, wie wenn ein Mädchen viertelstündlich nach einem neuen Blatt verlangt, um rote Kreise zu ziehen. Ein Mann beispielsweise kommt seit 40 Jahren jeden Sonntagmorgen in den Malort Paris. Erwachsene, die als Kind bei Arno Stern gemalt haben, erzählen, dass dies die glücklichsten Stunden ihrer Kindheit waren.

Und das Malspiel ist einfach: Einmal pro Woche kommen 12 bis 15 Personen jeden Alters und malen im Malort – 90 Minuten lang. Dieser schützende Raum mit seinen vier Wänden und dem in der Mitte stehenden Palettentisch mit 18 Farben gibt Geborgenheit, Sicherheit und Abgeschiedenheit von äußeren Einflüssen. Der Malspiel-Dienende gibt lediglich technische Hilfe: Malort Paris, 60er Jahre

Seit April 2018 gibt es ihn auch hier, diesen Ort jenseits von richtig und falsch, in Großschwabhausen bei Jena. Inhaber und Malspiel-Dienender ist Stephan Wengler, der bei Arno Stern in Paris seine Ausbildung gemacht hat. Malort Paris

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CHANCE JENA

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Buchvorstellung: Die revolutionäre Kraft des Fühlens Wie unsere Emotionen uns befreien Maria Sanchez Wir alle kennen das, wenn der Verstand aussetzt und die Emotionen übernehmen. Dann essen wir zu viel, kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, oder werden uns selbst zum größten Feind. Doch warum fühlen wir uns unseren Emotionen in solchen Momenten so ausgeliefert? Und könnten wir unsere Gefühle nicht sogar zu unserer größten Stärke machen, wenn wir sie nur besser verstehen würden? Maria Sanchez zeigt ihren Leserinnen und Lesern, wie sich Emotionen als Schlüssel zur Heilung von Köpern und Geist einsetzen lassen. Dabei geht es ihr nicht darum, ein weiteres psychologisches Make-up aufzutragen. Vielmehr unterstützt sie Menschen darin, Experten ihrer selbst zu werden. Ein revolutionärer Ansatz, der aufzeigt, wie unsere Emotionen uns befreien und den Weg zu einem selbstbestimmten, echten Leben ebnen. Quelle: Bucheinband

Formulation - Afghanistan, Peru, Paris

Auf der ganzen Welt gibt es inzwischen Malorte, und auch in Jena soll es einen geben für all jene, die nicht ins nahegelegene Großschwabhausen kommen können. Dafür werden allerdings noch Räumlichkeiten und die finanziellen Mittel gesucht. Wer also diese Idee weiter voranbringen möchte, kann sich an Stephan Wengler wenden.

GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH; 2. Auflage 2019, 208 Seiten, 19,99 Euro ISBN: 978-3-8338-6644-9

Schon jetzt steht der Malort in Großschwabhausen Großen und Kleinen zur Verfügung – Kurszeiten und Hinweise auf Vorträge zum Thema finden sich auf der Homepage www.malspiel-jena.de, bei Fragen auch gern telefonisch: 036454 490454. Weitere Informationen über das Malspiel und die „Formulation“ auf www.malspiel-jena.de sowie www.arnostern.com Buchempfehlungen Arno Stern: • Wie man Kinderbilder nicht betrachten soll • Das Malspiel und die natürliche Spur • Der Malort Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Arno Stern.

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s ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können. George Eliot


CHANCE JENA Würdevoll und selbstbestimmt leben, sterben und trauern können ...

UNANTASTBAR? Voller Würde ...

so war die Woche der seelischen Gesundheit 2019 in Jena überschrieben. Ein liebevoll und informativ gestaltetes Begleitheft gab Auskunft über Vorbereitung und geplante Durchführung von Vorträgen, Filmen, Workshops, Theater, Ausstellungen, Wanderung, Tagen der offenen Tür u. v. a. Gerade für psychisch kranke Menschen, die oft in Schüben immer wieder betroffen sind, ist die Frage nach ihrer Würde wichtig. Besonders für sie gilt der Paragraph 1 unserer Verfassung, die dieses Jahr 70 Jahre alt geworden ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. So fragt auch unser Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche in seiner Einführung zum Heft: „Was ist ein würdevoller Umgang mit seelischen Krisen?“ aber auch „Welche Auswirkungen haben seelische Erkrankungen auf die Würde von Angehörigen und Menschen, die professionell mit den Erkrankungen umgehen?“ Um die Fragen zu beantworten, muss jeder für sich klären, was für ihn würdevoll und würdelos ist. Dabei können Philosophen, Künstler aber auch Alltagsmenschen helfen. Und vom 21.-27. Oktober 2019 die Woche der seelischen Gesundheit.

Jörg Amonat, rechts

Klaus Wegener, Saxophon

Möchel, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes, betrat Klaus Wegener mit seinem Saxophon den Raum, und jeder fühlte sich gestört, als statt Musik zu hören, jemand aus dem Publikum aufstand und eine wesentliche Frage zur Würde stellte. Und noch jemand und wieder jemand fragte, bis wir begriffen: wir waren mitten im Projekt WürdeMenschen von Jörg Amonat. Nun improvisierte Klaus Wegener, und eine junge Frau von der „Freien Bühne Jena“ las eindrucksvoll aus einem Manuskript, das ein Ergebnis vieler Interviews der Jenaer WürdeMenschen war, ausgewählt von Jörg Amonat. Mit den Inhalten aus den Gesprächen gestaltete er Tafeln, die in der Rathausdiele und an vielen anderen Orten Jenas zugänglich ausgestellt wurden. Besonders eindringlich war mir die Erzählung einer Hebamme, die ihre Ausbildung in einer Klinik absolvieren musste und von den vielen Dammschnitten berichtete, die der Zeitersparnis wegen bei den Geburten vorzunehmen waren. Sie wollte die Geburt als einen besonders würdevollen Akt verstehen und suchte sich erfolgreich einen Ort, an dem sie das konnte. Oder schon ein Elfjähriger ließ sich von den Johannitern ausbilden, Leben zu retten. Nur einmal in der Woche spürte er den Kontakt mit seiner persönlichen Würde. Er wollte aber mehr. Da Jörg Amonat in verschiedene Einrichtungen wie z. B. Seniorenheim, Hospiz, Café 13 gegangen war, besteht nun die Ausstellung aus mehreren Teilen, die vor Ort zu sehen sind. Ausstellung in der Rathausdiele

Schon am Jahresanfang kam der Berliner Bildhauer Jörg Amonat nach Jena mit dem Ziel, ein partizipatives Kunstprojekt über ein Jahr auf den Weg zu bringen. Jena hatte er ausgewählt, weil er einst den Aufsatz von Friedrich Schiller „Über Anmuth und Würde“, geschrieben 1793 in Jena, las und sich intensiv Gedanken dazu machte. Es sollte ein Beitrag werden, sich nicht allein über würdeloses Verhalten den Kopf zu zerbrechen, sondern ebenso über ein würdevolles Leben. Mit Jenaer Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Initiativen arbeitete er, indem er ihnen Aufmerksamkeit, Zeit und Gestaltung schenkte. Ein Höhepunkt dieses Projektes war die Eröffnung der Woche am 21.Oktober in der Ratshausdiele. Nach den Begrüßungsworten vom Sozialdezernenten Eberhard Hertzsch und Gudrun

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CHANCE JENA Wiederherstellung verlorener familiärer Verbindungen und zum dritten zur Weitergabe von Erfahrungen. Die Autorinnen, Kerstin und Friederike Samstag, waren Mutter und Tochter eines psychisch kranken Sohnes bzw. Bruders. Aber vor allem ging es auch um die Würde eines jeden der Beteiligten, was dankbar vom Publikum aufgenommen wurde. Christine Theml

Gudrun Möchel und Bertrand Stern

Es waren spannende zwei Stunden, die wir in der Rathausdiele verbrachten und in denen wir eine würdevolle Eröffnung erleben durften. Spannend war es auch einen Tag später, als der Philosoph Bertrand Stern unter dem Thema „Meine Krankheit gehört mir – meine Gesundheit auch! – von der genesenden Energie der Würde“ unsere Gesellschaft infrage stellte, die den Menschen oft zum Objekt macht, was im Gesundheitswesen besonders verheerend ist. Als Beispiel sprach er von einer Patientin, die eine Odyssee wegen Rückenschmerzen über sich ergehen ließ, bis endlich ihr Leben in den Blick genommen wurde, was dann auch wirklich half. Die Pharmaindustrie wurde von Kritik nicht verschont. Bertrand Stern ermunterte seine Zuhörer, Subjekt zu sein, selbstbestimmt zu leben. Das Bonmot verdeutlicht es: Kommt ein Patient zum Arzt und sagt: „Ich habe eine Grippe bekommen.“ Der Arzt fragt: „Warum haben Sie sie genommen?!“ Die sehr kontroverse Diskussion, moderiert von Gudrun Möchel, bereicherte diesen Abend. Drei das Thema füllende Filme wurden im Schillerkino gezeigt, ein Thema war das selbstbestimmte Sterben, das noch mehrfach in Veranstaltungen Gegenstand war, u. a. bei einem Vortrag von Frau Lindner über „Nutzen und Risiken von Vorsorgevollmachten“. Aber auch Suizidprävention und Trauerarbeit waren Themen dieser Woche. Eine Lesung aus dem Buch „Wahnsinn um drei Ecken“ demonstrierte, wie hilfreich das Schreiben in fast aussichtslosen Situationen sein kann, einmal zur eigenen Verständigung und Sortierung, zum anderen zur

Arlett Findeis-Nowak vom „Zentrum für seelische Gesundheit“ besuchte die Veranstaltung des neuerbauten stationären Hospizes, das Einblicke in die Trauerbegleitung und den stationären Alltag gewährte. Hier ihre Gedanken: In kleiner Runde und angenehmer Atmosphäre erklärte die Pflegedienstleiterin Monika Hirche, wie der Alltag in einem Hospiz aussieht und wie sowohl das professionelle Team als auch die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer dazu beitragen, „würdevolles Sterben“ zu ermöglichen. Eindrucksvoll wurde beschrieben, wie wichtig ein individueller Umgang mit sterbenden Menschen und deren Angehörigen ist und wie es gelingen kann „den letzten Tagen mehr Leben zu geben, nicht dem Leben mehr Tage“ (Leitsatz von Cicely Saunders, 1918-2005, der Begründerin der modernen Hospiz- und Palliativbewegung). Dabei stehen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein enger Austausch mit den Angehörigen und die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen zu begleitenden Menschen im Vordergrund. Frau Hirche erwähnte in dem Zusammenhang, dass bei der Arbeit im Hospiz die Aufmerksamkeit vor allem auf den sinnlichen Wahrnehmungen liegt und man so die Menschen am Ende des Lebens darüber erreichen und ihnen schöne Erlebnisse verschaffen kann. Dies geschieht beispielsweise über Aromatherapie, Musik und auch den Geschmackssinn. Es wurde gezeigt, wie wichtig ein würdevolles Abschiednehmen für jeden Menschen ist. Sei es für die zu pflegenden Menschen der Abschied vom Leben, als auch von den Angehörigen der Abschied von einem geliebten Menschen und die dazugehörige Trauerbegleitung. Seit Januar 2019 befindet sich das Hospiz Jena in der Paul-SchneiderStraße 5. Alle Angebote der Woche der seelischen Gesundheit 2019 wurden gut angenommen. Gerade der intensive Austausch mit wenigen Teilnehmern brachte oft wichtige eigene Erkenntnisse, die das Leben begleiten mögen. Arlett Findeis-Nowak

Theatergruppe der Ernst-AbbeHochschule Jena mit ihrem Programm "Würdevoll (gerne) leben?!" in der LEONARDO-Schule

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CHANCE JENA Menschen am Lebensabend umfassend versorgen und begleiten ...

BEGLEITET Hospiz Jena

D as Hospiz in Jena vereint zwei Bereiche der Begleitung

am Lebensende unter einem Dach. Hier finden Sie den ambulanten Hospizdienst mit seinen fünf hauptamtlichen Koordinator*innen und den ca. 140 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen. Ziel unseres ambulanten Dienstes ist es, mit der Unterstützung durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen ein Sterben im häuslichen Bereich zu ermöglichen. Wir sind eine mögliche Unterstützungsstruktur im Prozess der Begleitung am Lebensende. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen verstehen sich als Menschen, die das anbieten, was auch ein guter Nachbar tun würde und schenken vor allem Zeit. Zudem bieten wir unsere Unterstützung auch im Pflegeheim oder im Krankenhaus an und sind dort für Menschen am Lebensende und ihre Angehörigen da. Im ambulanten Hospizdienst begleiten wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie deren Familien. Bei uns erhalten Sie Informationen zu vorsorgenden Verfügungen und werden zu dem Thema Begleitung am Lebensende umfassend beraten. Auch trauernde Menschen können sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten an uns wenden. Wir haben unterschiedliche Angebote zur Begleitung in der Trauer, von Einzelbegleitungen bis hin zu verschiedenen Gruppenangeboten.

Der zweite große Bereich unter dem Dach des Hospiz Jena ist unser seit Februar 2019 eröffnetes Stationäres Hospiz. Hier können schwerkranke, sterbende Menschen eine „Herberge“ finden. Es gibt Raum für zwölf Gäste und ihre Angehörigen. Ein hervorragend qualifiziertes Team ist für die Begleitung und Versorgung der Menschen am Lebensende da. Unser Wunsch ist es, dass Sie sich die Zeit in unserem Haus nach Ihren Wünschen und Bedürfnissen gestalten. Alle Gästezimmer sind Einzelzimmer. Wir haben einen großen Wohn- und Aufenthaltsbereich. Es wird frisch gekocht, so dass auch für das leibliche Wohl gesorgt ist. Unser Haus in der Paul-Schneider-Straße 5 ist für alle Menschen offen. Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen.

Kontakt: Tel.: 03641 4743310 (ambulant), 03641 4743320 (stationär) E-Mail: kontakt@hospiz-jena.de Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Homepage www.hospiz-jena.de.

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er sich zwischen den Sternen bewegt, kann nur noch lächeln über die kostbaren Fußböden der Reichen. Seneca

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CHANCE JENA Altern heißt, sich über sich selbst klar werden ...

ANGEKOMMEN Eröffnung am neuen Standort – wir sind angekommen

D ie Tagesklinik für Gerontopsychiatrie und Alterspsychotherapie ist umgezogen und hat sich fachlich erweitert. Von Montag bis Freitag finden psychisch kranke, ältere Menschen (ab dem 55. Lebensjahr) tagsüber in unserer Tagesklinik diagnostische und psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten, können allerdings abends immer wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren. Wenn also ambulante Hilfsangebote nicht mehr ausreichen, eine vollstationäre Aufnahme aber (noch) nicht erforderlich ist, bietet sich ein Aufenthalt in unserer Tagesklinik an. Wir verfügen über 25 Behandlungsplätze und behandeln Depressionen, Angsterkrankungen, Gedächtnisstörungen oder andere psychische Belastungen mit unterschiedlicher Ursache.

Unser Team in der Tagesklinik ist breit aufgestellt und besteht aus Ärzten, Psychologen, Krankenschwestern, Ergotherapeuten, Motopäden und Sozialarbeitern. Und hier finden Sie uns: Tagesklinik für Gerontopsychiatrie und Alterspsychotherapie in Kooperation mit Aktion Wandlungswelten Tagesklinik gGmbH Kochstraße 2a 07745 Jena Tel.: 03641 597333 Fax: 03641 597335 E-Mail: tk-geronto@aww-jena.de

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Rezept: Wassermelonensalat mit Fetakäse und Minze 3 EL Kürbiskerne 1 EL Sonnenblumenkerne 1 EL BIO-Olivenöl Salz und Pfeffer Chilipulver ½ Wassermelone 150 g Fetakäse 1 kleines Bund frische Minze 3 geputzte in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln 1 Limette 4 EL BIO-Olivenöl und Balsamico Kürbis- und Sonnenblumenkerne mit einer Prise Salz und Pfeffer, einer Prise Chilipulver und etwas Olivenöl in einer Pfanne kurz anrösten. Wassermelone schälen und in Würfel schneiden. Den Käse in ähnlich große Brocken teilen. Frühlingszwiebeln zusammen mit Melonenstücken und den Minzblättern in eine große Schüssel geben. Mit Limettensaft, Olivenöl und Balsamico übergießen, mit Salz und Pfeffer würzen und alles gut vermischen. Den Käse darauf verteilen und den Salat mit den gerösteten Kernen bestreuen. Quelle: eve, April 2019

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CHANCE JENA Eine inhaltliche Vielfalt der Beratungsanfragen ...

KOOPERIEREND

Psychosoziale Beratung für LSBTIQ* anonym + kostenlos + vertraulich

Das Beratungsangebot kann hier zum einen dazu beitragen, solche Belastungen aufzubrechen und zum anderen die Aufrechterhaltung selbstdiskriminierender Strukturen abzubauen. Das Erstgespräch dient dazu, dass Sie Ihr Anliegen für die Beratung konkretisieren können. Ebenso wird besprochen, welche Intention Sie verfolgen und inwiefern wir Sie dabei unterstützen können. Ziel der Beratung ist es, auf Ihre Problemlage individuell und angemessen einzugehen und Ihnen dabei zu helfen, Ihre Situation selbstständig zu meistern.

D ie Beratung richtet sich an Personen im Kontext LSBTIQ*, die im Rahmen der Bewältigung psychischer Probleme und akuter Krisen psycho-

Durch die enge Kooperation des NeSTs mit dem Verein Vielfalt Leben – QueerWeg und speziell der LSBTIQ*Koordinierungsstelle für Thüringen ist es uns gelungen, der inhaltlichen Vielfalt der Beratungsanfragen gerecht zu werden.

soziale Unterstützung suchen. Darunter zählen auch suizidale Gedanken oder Personen, die bereits Suizidversuche hinter sich haben und bei der Bewältigung ihres Alltags sowie bei spezifischen Problemstellungen Hilfe benötigen. Ebenso können sich Angehörige und Kontaktpersonen an uns wenden. Die Beratung ist kostenlos und kann anonym in Anspruch genommen werden. Es besteht Schweigepflicht.

Für Personen aus dem Bereich LSBTIQ* ist eine deutliche Erhöhung psychosozialer Belastung und resultierender Suizidgefährdung belegt. Hierfür gibt es verschiedene Erklärungsmöglichkeiten. Neben den allgemeinen alltäglichen Stressoren sind LSBTIQ*-Personen besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt. Diese setzen sich v. a. aus Diskriminierungserfahrungen, sozioökonomischen Belastungen und familiären Konflikten sowie weiterer spezifischer Faktoren zusammen. Dies verlangt von den Betroffenen eine dauerhafte Auseinandersetzung und besondere Bewältigungsfähigkeiten. Darüberhinaus werden gesellschaftliche Stereotype von den betreffenden Personen häufig übernommen und das oft negative Fremdbild als Selbstbild angenommen.

Offene Sprechzeit ist an jedem letzten Mittwoch im Monat von 10:00 bis 15:00 Uhr im Frauenzentrum in Weimar, Schopenhauerstraße 21, 99423 Weimar. Individuelle Beratungstermine sind möglich - diese bitte per E-Mail oder telefonisch vereinbaren.

Kontakt: Tel.: 03641 9390465 E-Mail: lsbtiq@nest-thueringen.de

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enn du immer versuchst, normal zu sein, wirst du nie erfahren, wie besonders du sein kannst. Maya Angelou

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CHANCE JENA Das Gehen ist Aufbruch und Veränderung ...

BEWEGT

Ein Drahtzieher unseres Wohlbefindens: das Gehen

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st es wert, über das Gehen zu schreiben und zu lesen? Ja, selbstverständlich. Das Gehen als solches und an sich ist zum einen derart alltäglich, dass es nicht beachtet wird, und andererseits fast verschwunden. Gehen ist eine artgerechte Beanspruchung des Körpers und Geistes und natürliche Fortbewegungsform des Menschen, der Mensch ist ein homo viator. Alle Körperfunktionen sind darauf abgestimmt und haben ihre beste Funktion und Lebensdauer, wenn man sehr viel geht, Treppen steigt, usw. Alle Gefäßsysteme, Muskeln, die Verdauung, alle Bindegewebe und bewusste und unbewusste Tätigkeiten des Gehirns unterstützen sich gegenseitig (Hormone, Intellekt, Emotion, Gedanke, Tat, usf.). Die Zahlen aus der Forschung klingen unisono: Ungefähr 20-25% der Kosten aller Krankheiten können auf mangelnde Bewegung zurückgeführt werden. In der EU gibt es pro Jahr ca. 1 Mio. Todesfälle aufgrund Bewegungsmangel. Es summiere sich, heißt es, ein Verlust von ca. 8,3 Mio. behinderungsbereinigten Lebensjahren. Krankheiten kommen in Form von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, oder Atemwegserkrankungen. Als das „neue Rauchen“, heißt es auch, sei das Sitzen anzusehen. In dem Ton geht es überall weiter.

Das Gehen ist kulturgeschichtlich mit Gefühlen des Aufbruchs und der Veränderung verbunden: Unterwegssein, Fortschritt, Entgehen, Neuanfang, ‚neue Welt‘, Unaufhaltsamkeit. Diese kulturell genutzten Ausdrücke beschreiben dabei körperliche Erfahrungen: zum Verändern und Vorwärtskommen bedarf es des Losgehens. Zur Verbindung von Lebenstätigkeiten und dem Gehen kennt jede*r dutzende Beispiele aus der Sprache. Daher helfen das Gehen und Bewegen auch überall: in Pädagogik, Erwachsenenbildung, Biographieforschung, Psychotherapie, für emotionale Entwicklungsvorgänge und die Bewältigung vieler bedrückender Erfahrungsräume. Man braucht es auch bei Trennungen, beim Sterben von Angehörigen, bei Angst, usw. Das Gehen als Form des Wanderns oder Spazierens funktioniert auch deswegen gut, weil man unbewusst weiß, dass man ins Heimische wiederkehrt. Vom Gang in die Natur kehrt der heutige Mensch zurück, Natur bedeutet Abschalten und ist dem Alltag entgegengesetzt. Außer man arbeitet ständig draußen, dann ist der Effekt leider geringer. Wenn man einmal losgegangen ist, um sich im Naturraum Umweltausschnitte anzusehen, kann man in einen Zustand der Liminalität geraten. So wird ein Schwellenzustand oder Zwischenraum bezeichnet, in dem man das Vergangene noch nicht richtig verlassen und das Neue noch nicht ganz betreten hat. Konkret heißt das: man tritt aus dem Alltag heraus, ist dann „mal weg“. Da ein natürlicher Raum – die Natur – nicht die Vorgaben des Alltags und der künstlichen Welt enthält, erfährt man Erholung. Man ist plötzlich von einer Welt umgeben, die keine aus dem eigenen Alltag bekannten Zwecke erfüllt und keine Forderungen erhebt. Nichts ist hier ergonomisch oder einer Arbeitshandlung zweckdienlich konstruiert, es gibt unendliche Formen- und Farbenvielfalt. Im Unbewussten können wir frei wählen, was wir ästhetisch finden, und unser Blick darf frei wählen, worauf er verweilen mag. Dies wird absichtslose oder unwillkürliche Auf-


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merksamkeit genannt. Unangestrengt kann man sich und seine Beziehungen zur Welt und ihren Begebenheiten durchdenken, sie verstehen und sich positionieren. Daher ist Draußensein nicht immer schön, wird es aber immer, wenn man draußen bleibt. Die Positiveffekte erscheinen spätestens nach zwei Stunden, meist ist man aber schon eher im Raum des Draußen angekommen. Das Gehen und Bewegen im Naturraum ist ein Drahtzieher unseres Wohlbefindens. Viel mehr als andere Elemente des Erholens – Fernsehen, Filme, Computer, Alkohol usw. – sorgt es für dauerhafte Lebenszufriedenheit. Es steigert unser psychisches Grundgefühl, es fördert bessere Selbstkonzepte und erhöht die empfundene Selbstwirksamkeit. Wenn wir gehen, fördern wir jede Faser von Körper und Seele zum Positiven hin. Deswegen homo viator: der Mensch ist ein Gehender, ein sich Bewegender, von Natur aus. Und deswegen lohnt es sich, darüber nachzudenken und einmal mehr rauszugehen. Lars Polten

Kontakt: Tel.: 0176 97648239 www.polten-wanderwelten.de

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ie Würde und Reifung von uns Menschen besteht im Durchleben der Konsequenzen unserer eigenen Entscheidungen. Immer wenn du einem anderen Menschen diese Konsequenzen abnehmen oder abmildern willst, nimmst du ihm oder ihr die Würde. www.klauskoeppe.com

Rezept: Schnelle Asia-Fischfrikadellen Für 4 Frikadellen, fertig in 22 Minuten 1 Stängel Zitronengras 1 Stück frischer Ingwer, 6 cm ½ Bund Koriandergrün 500 g Lachfilet ohne Haut, entgrätet 4 TL Chilikonfitüre Olivenöl

Das Zitronengras auf der Arbeitsfläche weich klopfen und von der harten äußeren Blattschicht befreien. Den Ingwer schälen und mit dem Zitronengras und dem Großteil des Korianders samt Stielen fein hacken. Ein paar schöne Korianderblätter in eine Schüssel mit kaltem Wasser legen. Das Lachsfilet in die Ingwermischung auf das Brett legen und in 1 cm große Stücke schneiden. Die Hälfte an den Rand schieben und den Rest weiter zerhacken, bis alles ganz fein ist, fast wie eine Paste. Anschließend die gröberen Stücke wieder untermengen und alles mit Meersalz und schwarzem Pfeffer würzen. Die Masse zu vier Frikadellen formen, etwa 2 cm dick. In einer großen beschichteten Pfanne 1 EL Olivenöl bei mittlerer bis hoher Temperatur erhitzen. Die Frikadellen hineinlegen, von jeder Seite 2 min braten, bis sie schön gebräunt sind. Die Chilikonfitüre über die Frikadellen löffeln und einen Schuss Wasser in die Pfanne gießen. Die Pfanne vom Herd nehmen und sanft schwenken und kreisen lassen, um die Chilisauce über die Frikadellen zu ziehen. Die Frikadellen auf einer Platte anrichten, mit den restlichen Korianderblättern garnieren und mit ein paar Tropfen nativem Olivenöl extra servieren. Quelle: FLOW - Das große Buch vom Weniger, S. 109

Das Rezept stammt aus dem Buch „Jamies 5 Zutaten Küche“. Quick and Easy (Dorling Kindersley). Der Brite Jamie Oliver hat dort 130 einfache Gerichte aufgeschrieben (mit Gemüse, Fisch, Fleisch), die schnell gehen und für die man immer nur fünf Zutaten braucht.

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PRÄVENTIV

Wir geben fachliche Unterstützung ...

Der Weisheit des Baumes

Sei wie ein Baum. Bleibe im Traum verwurzelt, der dich hierher geatmet hat. Gib dich voll und ganz den Jahreszeiten hin, lasse Veränderungen zu, den starken Wind, der den Himmel von dunkel zu hell und wieder zurück beschleunigt. Lass die Stürme kommen und gehen. Es kommt die Zeit, zu wachsen und zu erblühen. Die Zeit, loszulassen und zu ruhen. aus natur & heilen, 11/2018, S. 7

Lauren de Boer

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.

Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden. Erich Kästner

ESMERALDA Prävention, Aufklärung und Bildungsarbeit zum Thema Essstörungen

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ür Einrichtungen, Institutionen und Schulen wird fachliche Unterstützung bei ihrer Präventions-, Aufklärungs-, und Bildungsarbeit geleistet. Zusätzlich können Informationsveranstaltungen zu den Ursachen und Ausprägungen von Essstörungen angeboten werden. Neben der einzelfallbezogenen Arbeit mit den Betroffenen und deren Angehörigen stehen wir Schulen, Einrichtungen und Institutionen mit Informationsgesprächen, Vorträgen, Fallbesprechungen und Schulungen zur Verfügung. Angebote • Präventionsarbeit in Form von Seminaren, Projekten und Workshops (z. B. an Schulen) • Informations- und Fortbildungsveranstaltungen • Beratung für Mitarbeiter*innen aus psychosozialen Einrichtungen und Diensten • Zusammenarbeit mit Medien • Fachliche Beratung zur Präventions- und Elternarbeit Wann: nach Vereinbarung

aus natur & heilen, 11/2018, S. 14

Kontakt: Wohngruppe für Essstörungen „WG Spitzweidenweg“ Spitzweidenweg 8 07743 Jena Tel.: 03641 561032 E-Mail: esmeralda.beratung@stiftunghaar.de

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GEGRÜNDET

Zum Reden, Reflektieren und Fühlen einladen ...

Tabuthema Schwangerschaftsabbruch

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ut finden, über ein gesellschaftliches Tabu zu sprechen untereinander. Nach meinem Schwangerschaftsabbruch im Januar 2019 sehnte ich mich nach Austausch. Nicht mit Freunden oder meinem Partner, denn was ich und mein Körper erlebt haben, kann man zwar in Worte fassen und erklären, doch greifbar machen kann man diese Erfahrung für Außenstehende nicht. Ich hatte das Gefühl, dass nur Frauen, die diese Entscheidung auch getroffen haben, wissen, wovon ich wirklich spreche und was in mir vorgeht. Da es noch keine Austauschgruppe in Jena gab, entschloss ich mich kurzerhand, anonym Zettel in ThULB, Uni und FH zu verteilen, um Gleichgesinnte zu finden. Nach kurzer Zeit meldeten sich einige Frauen per E-Mail, und wir vereinbarten ein erstes Treffen im Mai 2019. Seitdem treffen wir uns einmal im Monat, um über unsere Erfahrungen und gegenwärtigen Gefühle bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs zu sprechen. Themen sind u. a. „Triggermomente“, wie wir von Ärzt*innen behandelt wurden, was die Entscheidung mit unseren Partnerschaften (falls vorhanden) gemacht hat oder welche Rückmeldungen wir im Freundeskreis bzw. der Familie erfahren haben. Jedes Treffen ist anders, es gibt keine vorgefertigten Themen, und so kann kommen, was kommen will. Oft gibt es Tee, und wir sitzen in gemütlicher Runde zusammen. Manche Abbrüche sind schon zehn Jahre her, andere nur ein Jahr. Ganz egal, wann eine Frau sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden hat - der Prozess der Verarbeitung dauert oft lange Zeit an und kann belastend sein, wenn sie alles mit sich selbst ausmacht. Dieser Last möchte die Austauschgruppe entgegenwirken und zum Reden, Reflektieren und Fühlen einladen. Alles, was wir besprechen, wird vertraulich behandelt und bleibt unter uns. Es gibt Teilnehmerinnen, die seit dem ersten Treffen dabei sind und einige, die nur einmal dabei waren. Es gibt keine Anwesenheitspflicht. Uns ist es wichtig, die Gruppe offen für den Bedarf und die Bedürfnisse aller Frauen zu halten. Am Herzen liegt es uns, Frauen allen Alters, aller Herkunft und aus verschiedenen Lebenskontexten zusammenzuführen. Die Gruppe ist nicht nur auf Studentinnen ausgelegt, und jede Frau ist bei uns willkommen – egal, wann der Abbruch stattgefunden hat. Schon nach den ersten Treffen habe ich gemerkt, wie gut mir das Reden und Verstanden-Werden tun. In meinem Bekanntenkreis kenne ich keine Frau, die so eine Erfahrung gemacht hat. Ich habe durch die Gruppe verstanden, dass ich nicht allein bin und es trotz der Individualität jeder Geschichte Parallelen gibt.

Ich wünsche mir, dass die Gruppe wächst und im Leben der einzelnen Frauen etwas bewegen kann. Ich wünsche mir, dass die Gruppe neben Studentinnen auch ältere Frauen im Berufsleben oder mit Familie erreicht. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen den Mut finden, über diesen Teil ihrer Geschichte zu sprechen - und wenn es erstmal nur untereinander ist. Melde dich für Nachfragen oder Infos zum nächsten Treffen per E-Mail. Wir freuen uns auf dich!

Kontakt: E-Mail: austauschjena@gmail.com

Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus, proportional zum eigenen Mut. Anais Nin

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G ESUNDHEITSNACHRICHTEN kompakt

Selbst gemachte sanfte Gesichtspeelings Wöchentliche Peelings helfen, kleine Hautschuppen an der Ober-

fläche zu entfernen und lassen die Haut wieder strahlen. Handelsübliche Peelings enthalten leider meist Mikroplastik und sind oft überteuert. Mit ein paar natürlichen Zutaten lassen sie sich aber auch wunderbar selbst herstellen. Basiszutaten für ein sanftes Gesichtspeeling sind Zucker und Olivenöl (statt Zucker können auch Kaffee und Reismehl verwendet werden). Zunächst vermischt man den Zucker mit dem Öl, bis eine etwas dickere Paste entsteht. Wer möchte, gibt noch etwas gehackten frischen Rosmarin dazu. Das fördert die Durchblutung und wirkt entspannend. Nun mit dieser Mischung das Gesicht mit kreisenden Bewegungen sanft massieren und danach abspülen. Das Peeling ist auch gut geeignet, um Hornhaut, etwa an den Fersen, zu entfernen. Einen Anti-Aging-Effekt bekommt das Peeling, wenn man es mit Grüntee kombiniert - aufgrund seines Gehalts an Vitamin C sowie Zink ein ideales Mittel gegen Hautalterung. Dazu wird ein Teelöffel getrocknete und gemahlene Grünteeblätter mit einem Esslöffel Honig und einem Teelöffel Olivenöl verrührt, ein Esslöffel Zucker hinzugefügt und das Ganze mit drei Esslöffeln abgekühltem gekochtem Grüntee vermischt. Anschließend auf Gesicht und Dekolleté auftragen und nach fünf Minuten mit lauwarmen Wasser abspülen. Quelle: Natur & Heilen 6/2019, S. 52

* Vom richtigen Umgang mit Sprays und Aerosolen Als Alternative zum Gurgeln kommen bei Halsschmerzen, laufender Nase und Hustenanfällen häufig Aerosole und Sprays zum Einsatz. Um Treibgas zu vermeiden, sollten Pumpsprays bevorzugt werden. Hier einige Anwendungstipps: Das Nasenspray wird senkrecht und der Kopf gerade gehalten. Gleichzeitiges Einatmen durch die Nase lässt den Wirkstoff besser auf die Nasenschleimhaut gelangen. Bei Halssprays zeigt die Öffnung der Sprayflasche nach schräg oben auf das Zäpfchen. Das Einatmen des Sprühnebels sollte verhindert werden, damit der Wirkstoff auch tatsächlich im Rachenraum anhaften kann. Auf keinen Fall mit Wasser nachspülen! Dosier-Aerosole werden vor allem von Asthmapatienten genutzt. Das Spray wird nach kräftigem Schütteln kopfüber gehalten und der Wirkstoff mit dem Sprühstoß tief eingeatmet. Die Luft für fünf bis zehn Sekunden anhalten und langsam durch die Nase ausatmen.

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Sogenannte Spacer (Zwischenstücke mit großem Volumen) erleichtern die Handhabung. Sie müssen allerdings regelmäßig gereinigt werden, da sie aus Kunststoff bestehen und sich bei häufigem Gebrauch elektrostatisch aufladen. Dadurch bleibt das Aerosol an der Wand hängen, statt in die Lungen zu gelangen. Die Handhabung ist einfach: den Spacer auseinanderschrauben, mit Spülmittel reinigen und anschließend mit klarem Wasser ausspülen und an der Luft trocknen lassen. Danach ist das Gerät wieder einsatzbereit. Quelle: Natur & Heilen 1/2019, S. 53

* Ohrenschmalz richtig entfernen Für viele Menschen ist das Reinigen der Ohren mit Wattestäbchen tägliche Routine wie das Zähneputzen. Was oft nicht bekannt ist: Durch diese Prozedur wird das Ohrenschmalz noch tiefer in den Gehörgang geschoben, was zu Schmerzen, Entzündungen oder gar einer schlechteren Hörleistung führen kann. Doch was ist die Alternative? Experten raten, auf die Wattestäbchen zu verzichten, zumal die Ohren über einen gut funktionierenden Selbstreinigungsmechanismus verfügen. Außerdem ist das Ohrenschmalz sogar notwendig: Es sorgt dafür, dass Staub- und Schmutzpartikel nicht bis zum Trommelfell gelangen. Mit seinem Lysozym - einem antibakteriellen Enzym - wirkt es der Vermehrung von Bakterien und Pilzen entgegen. Trotz dieser positiven Eigenschaften trägt Ohrenschmalz natürlich nicht zu einem gepflegten Erscheinungsbild bei. Was kann man also tun? Zur täglichen Pflege ist es ausreichend, unter der Dusche oder mit einem feuchten Tuch die Ohrmuschel vorsichtig zu reinigen. Wird eine große Menge Schmalz produziert - wie es bei engen Gehörgängen oder beim Tragen von Ohrstöpseln, Kopfhörern oder Hörgeräten der Fall sein kann - kommt es leicht zur Pfropfenbildung. Hier kann ein pflegendes Ohrenspray aus der Apotheke gute Dienste erweisen. Auch Mandelöl ist gut geeignet, um festes Ohrenschmalz wieder weicher zu machen. Hierzu ein paar Tropfen Öl in das Ohr träufeln und fünf Minuten einwirken lassen. Anschließend mit einer Spritze lauwarmes Wasser in das Ohr bringen, um das gelöste Ohrenschmalz auszuspülen. Auch Ohrkerzen können einen Ohrpfropf wieder lösen. Sollte sich der äußere Gehörgang entzündet haben, sorgt ein Spray aus Isopropylalkohol für rasche Besserung. Quelle: Natur & Heilen, 4/2019, S. 53


CHANCE JENA Medizinische Apps - Vorsicht tut Not Sie sind so praktisch, diese Smartphone-Applikationen – kurz Apps – zum Messen von Herzfrequenz, Schritten oder Schlafgewohnheiten. Manche sind bereits auf dem Gerät installiert, andere lädt man sich aus dem Web herunter. Sogenannte Gesundheits-Apps zielen eher auf den optimierten Lebensstil ab, MedizinApps richten sich an Patienten und Angehörige, sollen ihr Wissen um eine Krankheit verbessern und etwa die „Selbstbefähigung“ chronisch Kranker fördern. Außerdem gibt es Apps, die sich direkt an Ärzte, Pflegekräfte und andere Heilberufe wenden. So weit, so gut. Oder doch nicht? Die Zeitschrift „Arzneiverordnung in der Praxis“ warnt: „Wir möchten auf die Gefahr hinweisen, dass finanzielle Interessen z. B. von pharmazeutischen Unternehmen und Herstellern von Medizinprodukten Apps beeinflussen und Vorschläge zum Umgang mit diesem Problem machen.“5 Und weiter: „Die Apps dürften überwiegend … mit der Absicht der direkten oder indirekten Gewinnerzielung entwickelt werden.“ Beispiele gefällig? Zum ersten: Nutzer zahlen nicht (nur) mit Geld für eine App, sondern mit ihren persönlichen Daten, die weiter verkauft werden. Etwa so: In Australien konnten Patienten per App einen Arzttermin buchen. Dazu mussten sie ein paar Angaben machen und den allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen. Die Folge: Bei Verletzungen am Arbeitsplatz oder durch einen Verkehrsunfall landeten ihre Daten bei einer Rechtsanwaltskanzlei, die für Schadensersatzansprüche Mandanten suchte, damit gute Geschäfte machte und sich für die Vermittlung durch die App sicher erkenntlich zeigte. Zum zweiten: Wenn es um Diagnose und Therapie geht, können die Anbieter bestimmte Verfahren oder Arzneistoffe hochloben. Auf diese Weise bekam ein neuer Blutgerinnungshemmer mehr Pluspunkte, als ihm zustanden. Und wer stand hinter der App? Der Pharmahersteller! Darum lohnt es zu prüfen, wer eine App gemacht oder finanziert hat, und wer dort Werbung geschaltet hat. Gesundheits-Apps und medizinische Apps werden in Risikogruppen eingeteilt und wie Medizinprodukte geregelt. Bei Atemübungen sind die Kontrollmechanismen lockerer als bei einer App mit therapeutischen Vorschlägen. Doch im Web herrscht Wildwuchs, und Institutionen wie die Verbraucherzentralen fordern generell mehr Transparenz bei den Angeboten: Wer finanziert die App? Haben Autoren Interessenkonflikte? Durch welche Quellen sind die Aussagen belegt? Steht an prominenter Stelle, dass Daten weitergegeben werden? Und nicht zuletzt: Sind die Aussagen durch gute Studien belegt? Also bleiben Sie aufmerksam, wenn Sie eine medizinische App herunterladen. Dahinter stecken selten reine Wohltäter. 5 Arzneiverordnung in der Praxis (2019) 46, S. 92

Quelle: Gute Pillen - Schlechte Pillen, Nr. 3, 2019, S. 15

Bioaktive Stoffe in Obst und Gemüse mindern Magenkrebs In Brasilien haben Forscher intensiv nach bioaktiven Substanzen gesucht, die Magenkrebs effektiv behandeln oder dem Tumor sogar vorbeugen können. Fündig wurden die Wissenschaftler der Federal University of Sao Paulo bei dem orange-gelben Farbstoff der Gelbwurz (Curcuma longa), dem Curcumin. Das Curcumin soll die Tumorzellen in ihrem Wachstum hemmen und deren vorzeitigen Zelltod mitbewirken. Eine antikarzinogene Wirkung weisen auch das Polyphenol Resveratrol, das in blauen Weintrauben oder Pflaumen vorkommt, und das Flavonoid Quercetin auf, das wir z. B. mit Äpfeln, Zwiebeln, Kirschen, Johannisbeeren und Brokkoli zu uns nehmen. Auch Cholecalciferol (Vitamin D3) und die Substanz Garcinol aus dem Indischen Butterbaum sowie Natriumbutyrat, das vom Mikrobiom im Darm gebildet wird, besitzen einen tumorhemmenden Effekt. Aus Natur & Heilen, 10/19, S. 9

* Johanniskraut: so wirksam wie ein Antidepressivum - aber verträglicher Der hoch dosierte Johanniskraut-Extrakt „Laif 900“ überzeugt als wirksames Mittel bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen. So hat eine randomisierte kontrollierte Studie mit 388 Patienten, die an mittelschweren depressiven Episoden leiden, gezeigt, dass „Laif 900“ im Vergleich zu einem synthetischen Antidepressivum wesentlich verträglicher ist, bei gleicher antidepressiver Wirkung. Schon zuvor hatten immer wieder Studien ergeben, dass das Mittel gut wirkt, wichtig ist jedoch eine ausreichend hohe Dosierung, nämlich 900 mg am Tag. Wie Armin Rösl von der Deutschen DepressionsLiga erklärt, seien Patienten hoch dosiertem Johanniskraut gegenüber aufgeschlossen und wünschten sich mehr Aufklärung durch den behandelnden Arzt hierzu. Eine verdiente Würdigung hat nun das pflanzliche Antidepressivum vom Naturheilverein Theophrastus bekommen, der Johanniskraut zur „Heilpflanze des Jahres 2019“ gekürt hat. Quelle: Natur & Heilen, 10/2019, S. 8

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CHANCE JENA „...

Nur eines quält mich: daß ich allein so viel

Schönheit genießen soll. Ich möchte laut über die Mauer hinausrufen: O bitte beachten Sie doch diesen herrlichen Tag! Vergessen Sie nicht, wenn Sie noch so beschäftigt sind, wenn Sie auch nur in dringendem Tagwerk über den Hof eilen, vergessen Sie nicht, schnell den Kopf zu heben und einen Blick auf diese riesigen silbernen Wolken zu werfen und auf den stillen blauen Ozean, in dem sie schwimmen. Beachten Sie doch die Luft, die von leidenschaftlichem Atem der letzten Lindenblüten schwer ist, und den Glanz und die Herrlichkeit, die auf diesem Tage liegen, denn dieser Tag kommt nie, nie wieder! Er ist Ihnen geschenkt wie eine vollaufgeblühte Rose, die zu ihren Füßen liegt und darauf wartet, dass Sie sie aufheben und an Ihre Lippen drücken.“ Rosa Luxemburg in einem Brief an Hans Diefenbach vom 6. Juli 1917 aus der Festungshaft Wronke. Quelle: Rosa Luxemburg Stiftung, www.rosalux.de

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Buchempfehlung: Daniela Krien

Die Liebe im Ernstfall Sie heißen Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Sie kennen sich, weil das Schicksal ihre Lebenslinien überkreuzte. Als Kinder und Jugendliche erlebten sie den Fall der Mauer, und wo vorher Grenzen und Beschränkungen waren, ist nun die Freiheit. Doch Freiheit, müssen sie erkennen, ist nur eine andere Form von Zwang: der Zwang zu wählen. Fünf Frauen, die das Leben aus dem Vollen schöpfen. Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht. Der Spiegel Nr. 27/ 2019 stellte Daniela Kriens Buch als eines der erfolgreichsten Bücher des Frühsommers vor. Dass sich so viele Leserinnen in Kriens Buch wiederfinden, hat womöglich auch damit zu tun, dass es in Romanen über Frauen sonst sehr oft um deren Beziehung zu einem Mann geht. Natürlich tauchen auch in Kriens Buch Männer auf. Anrührend liebevolle, großartige Väter, betrügende Ehemänner, ein Anästhesist mit abschreckenden sexuellen Vorlieben. Aber die männlichen Figuren sind längst nicht so zentral, wie sie es in den meisten anderen Romanen über Frauen sind. „So geht es um die Innenwelt meiner Protagonisten. Da sind die Männer nicht unwichtig, aber die Frauen stehen im Vordergrund“, so Daniela Krien. Stattdessen handeln die Geschichten viel von der Beziehung zwischen Frauen und ihren Kindern – denen, die schon gestorben sind oder zu denen es nie gekommen ist, denen, die abgetrieben wurden, denen, die aus einem Seitensprung entstanden sind. Und auch Kriens eigenes Leben, so sagt sie es, wird zu mindestens 80 Prozent von ihrer Tochter bestimmt. „Die Pflege meines Kindes ist mein Hauptjob und wird es noch sehr lange sein“, sagt die Autorin. Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall, Diogenes; 288 Seiten, 22 Euro ISBN: 978-3-257-07053-8 Quelle: Der Spiegel Nr. 27/29.06.2019, S. 120

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CHANCE JENA Hier bekommen Sie Unterstützung bei Ihren Alltagssorgen ...

ERMUTIGEND Lebertransplantation Kontaktgruppe Jena

M enschen, die von einer Lebertransplantation betroffen sind, wünschen sich

oft vor oder nach der Operation den Kontakt und das Gespräch mit bereits Transplantierten. Zu unseren Treffen kommen Patienten mit Leberproblemen, Wartelistenpatienten, Transplantierte, aber auch Angehörige, die sich im Gespräch und Erfahrungsaustausch informieren wollen. Jeden zweiten Monat kommen wir in einer gemütlichen Kaffeerunde zusammen. Wir wollen Mut machen und gegenseitige Unterstützung bei Problemen im Alltag geben.

Wenn Sie selbst betroffen oder ein Angehöriger sind und Interesse haben, wenden Sie sich an unsere Ansprechpartner. Sie sind herzlich willkommen. Bitte erfragen Sie die nächsten Termine telefonisch oder per Mail. Wir freuen uns auf Ihren Anruf, Ihre Nachricht, Ihren Besuch!

Kontakt: Christine Wehling Tel.: 0176 85748127 E-Mail: christine.wehling@lebertransplantation.de Heidemarie Prast Tel.: 03641 392388; Mobil: 0160 93438836 E-Mail: heidemarie.prast@lebertransplantation.de Volker Leich Tel.: 036425 50401; Mobil: 0152 28112851 E-Mail: volker.leich@lebertransplantation.de

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Gesundheitstipp: Körper & Seele Gute Ernährung statt Kapseln „Ernüchternd“ nennt Ulrich Hegerl das Fazit einer neuen internationalen Studie, an der er mit seinem Team mitgewirkt hat: Mit Nahrungsergänzungsmitteln „lässt sich das Risiko einer Depression nicht vermindern“, so der Direktor der Psychiatrieklinik an der Universität Leipzig. Stoffe, wie Selen, Vitamin D, Folsäure, Calcium und Omega-3-Fettsäuren wirken demnach weder antidepressiv noch vorbeugend. Der junge Forschungsbereich der Ernährungspsychiatrie hatte zuletzt Hoffnungen geweckt. In diesem Zuge unterstütze die Europäische Union die MooDFOODStudie, an der mehr als 1.000 übergewichtige oder dickleibige Menschen aus Deutschland, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden teilnahmen. Menschen mit Gewichtsproblemen wurden deshalb ausgewählt, weil sie ein erhöhtes Risiko für eine Depression haben. Die Studienteilnehmer waren allerdings (noch) nicht daran erkrankt. Die Hälfte von ihnen bekam täglich Nahrungsergänzungsmittel, die anderen erhielten Placebopräparate. Zusätzlich wurden manche der Teilnehmer darin beraten, wie sie mit Stimmungstiefs umgehen und ihre Essgewohnheiten ändern können: mehr Gemüse, Obst und Fisch statt Schokolade, Chips und zu viel Fleisch. Nach einem Jahr stellte sich heraus: Die Supplemente hatten keinen stärkeren Effekt als das Placebo. Hingegen konnte die Ernährungs- und Stimmungsberatung die Depressionsgefahr leicht reduzieren. Tatsächlich heben gesündere Ernährungsgewohnheiten, Fettreduktion und Gewichtsabnahme die Stimmung übergewichtiger Menschen - und senken ihr Depressionsrisiko. Das hat ein internationales Forschungsteam bei einer statistischen Analyse von 16 Studien mit 46.000 Probanden ermittelt. Für die Stimmungsaufhellung „braucht es gar keine hochspezifischen Diäten“, erläutert Erstautor Joseph Firth. Eine Kost, die reich an Gemüse und Ballaststoffen ist und Fast Food und Zuckerprodukte minimiert, wirkt demnach Depressionsrisiken entgegen - besonders bei Frauen. Klaus Wilhelm

Quelle: Psychologie Heute, Juni 2019, S. 52

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CHANCE JENA Mit einem anderen Betroffenen zu sprechen und auch mit ihm zu lachen ...

VERSTÄNDNISVOLL Von der Diagnose Parkinson zur Selbsthilfegruppe

Amaßlsderich Erkrankung die Diagnose Parkinson erhielt, konnte ich nicht gleich das Auserkennen. Ich hatte oft das Gefühl, mit der Krankheit

allein zu sein. Es tauchte in mir die Frage auf, wie geht es Anderen mit so einem schweren Schicksalsschlag? Wie verkraften sie es? Wie gehen sie damit um? Ängste kommen und verstärken sich, wenn ich an die Zukunft denke. Welche Gedanken bewegen meine Angehörigen? Das Wissen, die Krankheit, die ich habe, ist noch nicht heilbar, ihr Verlauf schreitet immer weiter voran. Die Angst bewältigen und verdrängen zu können, und das Leben mit der Krankheit neu zu gestalten - das musste ich erst einmal lernen. Die nächsten Schritte waren bei mir: versuchen, nicht zu jammern, sich nicht zurückzuziehen und in Depressionen zu fallen.

Ich möchte nicht daran denken, was alles noch kommt. Wie und wann werde ich ein Pflegefall, wann sitze ich im Rollstuhl oder liege nur noch im Bett, werde eine Belastung für mein Umfeld? Ich muss mir sagen, jetzt kann ich noch vieles selber machen. Daran muss ich denken und nicht an das, was ich nicht mehr kann. Wie geht es anderen Menschen, die meine Krankheit haben? Wie gehen sie mit der Krankheit um? Welche Wege sind sie gegangen bzw. gehen sie, um ihr Leben neu zu gestalten? Ich möchte mit Gleichbetroffenen darüber sprechen, Erfahrungen austauschen und Informationen erhalten. Im Internet kann ich mich gut informieren, mir Wissen aneignen. Doch das ist nicht das Gleiche, wie einem Betroffenen gegenüberzusitzen, mit ihm zu sprechen und auch mit ihm zu lachen. Das kann ich in einer Selbsthilfegruppe, hier gibt es die Möglichkeit, mich selbst zu informieren und auszutauschen. Wer Angehörige hat, kann sie gern zu den Treffen mitbringen, denn ihnen fällt es auch schwer, die neue Situation zu begreifen und damit fertigzuwerden. Diese Situation betrifft die ganze Familie, und es gilt, neue Wege zu gehen. Verständnis, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme sind gefragt, denn der Familienalltag wird durch die Krankheit stark beeinträchtigt. Ständig taucht die Frage wieder auf, wie es meine Familie verkraftet, wenn es mir immer schlechter geht? Über diese und andere Fragen kann ich mich in einer Selbsthilfegruppe austauschen, hier werde ich verstanden. Bekannte und Verwandte wollen zwar ab und zu wissen, wie es mir geht, hören aber gar nicht richtig zu und stellen andere Fragen, erzählen nur von sich oder ihrer Familie. Ich habe

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CHANCE JENA dann den Eindruck, dass sie gar nicht im Detail wissen möchten, wie es mir geht. Es liegt zum großen Teil auch daran, dass sie die Krankheit nicht kennen und nicht deren Auswirkung erfahren möchten. In einer Selbsthilfegruppe bahnen sich auch neue Freundschaften an. Ich kann auf Verständnis hoffen. Jeder begreift, was der Andere mit seinen Worten sagen will. Ängste und Nöte werden ausgesprochen, und ich kann aufbauende Antworten bekommen. Es hört mir jemand zu, der mich versteht und mir aus eigener Erfahrung Wege der Hilfe anbieten kann. Die Gemeinschaft, der herzliche Umgang miteinander, gemeinsame kulturelle Erlebnisse und Veranstaltungen und das herzliche Klima tragen dazu bei, die Gruppe als wichtigen Teil der Krankheitsbewältigung anzuerkennen. Ohne die Selbsthilfe wären wir alle schon viel kränker. Sie gibt uns Halt, und in ihr fühlen wir uns geborgen. Marlies Grimmer

Kontakt: SHG Parkinson Tel.: 03641 335993

Die Unterstützung durch wellcome findet zeitlich begrenzt für ca. drei Monate innerhalb des ersten Lebensjahres des Kindes statt. Die Ehrenamtlichen kommen an ein bis zwei Tagen in der Woche für einige Stunden nach Hause. Für die Vermittlung einer Ehrenamtlichen berechnen wir eine einmalige Gebühr von zehn Euro und für die anschließende Betreuung bis zu fünf Euro pro Stunde. Doch am Geld darf die Hilfe nicht scheitern. Wir ermäßigen gern individuell. Sprechen Sie uns an, wir finden immer einen Weg!

ENTLASTEND

Eine ganz praktische Unterstützung ...

wellcome in Jena

W ellcome – Praktische Hilfe nach der Geburt ist ein Angebot für alle Familien, die sich im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes Unterstützung wünschen.

Mütter werden heute meist nach wenigen Tagen aus der Klinik entlassen. Zu Hause beginnt – trotz aller Freude über das Baby – der ganz normale Wahnsinn einer Wochenbett-Familie: das Baby schreit, niemand kauft ein, das Geschwisterkind ist eifersüchtig, und der besorgte Vater hat keinen Urlaub mehr. Wer keine Hilfe von Familie, Nachbarn oder Freunden hat, bekommt sie von wellcome. Ehrenamtliche entlasten die Familie im Alltag: • Sie wachen über den Schlaf des Babys, während sich die Mutter erholt. • Sie kümmern sich um das Geschwisterkind. • Sie begleiten die Zwillingsmutter zum Kinderarzt. • Sie unterstützen ganz praktisch und hören zu.

Kontakt: Bürgerstiftung Jena Angela Reichart Unterlauengasse 3, 07743 Jena Tel.: 03641 639290 E-Mail: jena@wellcome-online.de www.buergerstiftung-jena.de www.wellcome-online.de

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CHANCE JENA Richtig wertvoll sind die vielfältigen Erfahrungen der Betroffenen ...

GESTARTET!

Interview mit einem Mitglied der neu gegründeten Selbsthilfegruppe „Erwachsene mit ADHS“

Fin einem elix aus der Selbsthilfegruppe „Erwachsene mit ADHS“ erzählt Interview, wie die Gruppe entstanden ist: Auf welchen Wegen hast Du zur Selbsthilfe gefunden? Mit 22 Jahren hatte ich ursprünglich selbst eine Gruppe des ADHS Deutschland e. V. in Gera geleitet, die sich aber mangels Teilnehmern vor ein paar Jahren auflöste. Letztes Jahr steckte ich in einer Lebenskrise und suchte den Weg in die Selbsthilfe. Durch Recherchen im Internet konnte ich die Kontaktdaten ermitteln und jooaar…… hier bin ich. Als es dann im Sommer 2018 in der IKOS zu den ersten Treffen kam, war ich dabei. Wie ist die Gründung der SHG verlaufen? Im Grunde sehr einfach. Alex hat bei der IKOS nach einem verfügbaren Raum gefragt und dann per E-Mail alle Interessenten angeschrieben, die sich bei ihm oder (so wie Stefan) bei der IKOS gemeldet hatten. Wir haben uns anfänglich 18:30 Uhr alle zwei Wochen getroffen. Ab 2020 werden die Gruppentreffen alle drei Wochen stattfinden, und wir beginnen erst 19:00 Uhr, denn wir haben Mitglieder, die mit dem Zug aus Gotha und anderen Städten anreisen. Alex ist in Sachen ADHS sehr erfahren und konnte uns sehr viele fachliche Hintergründe erläutern, die leider vielen in Thüringen praktizierenden Psychologen fremd sind. Dies stellt oftmals ein großes Problem für betroffene Erwachsene dar. Leider steht uns Alex als Moderator nicht mehr zur Verfügung. Gegenwärtig sind wir auf der Suche nach jemandem, der diese Aufgabe übernehmen kann, denn unsere Stärken liegen nun mal nicht in der Moderation. Worauf legt Ihr in der Gruppe besonders Wert? Vor allem ist es uns wichtig, auf den Schutz der Betroffenen zu achten, die in der Runde hin und wieder sehr persönliche Dinge besprechen. Wir sind von Anfang an beim DU und alles was im Raum 1 besprochen wird, bleibt auch dort. Da man mit ADHS sehr „lebhaft“ und „euphorisch“ diskutiert, ist unsere Redekultur in der Gruppe für Außenstehende vermutlich gewöhnungsbedürftig, doch wir kommen glänzend miteinander klar. Alex hat die Gruppe nach festem Ablauf moderiert und auch auf die Einhaltung von Redezeiten und -regeln geachtet, wie z. B. sich gegenseitig ausreden zu lassen, oder es kann immer nur eine/r sprechen, oder dass niemand „besserwisserische Ratschläge“ gibt. Später übernahm Stefan die Leitung der Runden und hat kleine Sanduhren mit verschiedenen „Rieselzeiten“ angeschafft, um die Monologe und parallel laufende Gespräche nicht ausufern zu lassen.

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Richtig wertvoll sind die vielfältigen Erfahrungen der Betroffenen. Die Wirkung von Medikamenten kann aus der jeweiligen Perspektive besprochen werden. Viele kleine Alltagshilfen der „Schusselträumer“ und „Duracel-Häschen“ werden ausgetauscht und erleichtern auch mir nun das Leben mit dem Syndrom. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Austausch über Erfahrungen mit den wenigen Therapeuten in Thüringen, die sehr gute Kenntnisse auf dem Gebiet der ADHS haben. So kann man vorab ausschließen, an „Fachleute“ zu geraten, die sich nicht an Richtlinien wie „S3“ halten oder einfach kaum Praxiswissen mit ADHS bei Erwachsenen haben. Mir ist auch die Psychoedukation (Vermittlung von Wissen) sehr wichtig. Dass wir den Facharzt oder Psychotherapeuten nicht ersetzen können, ist uns klar. Für viele Betroffene ist es sehr befreiend, zu verstehen, „was da mit einem los ist“. Wir können auch Hinweise geben, wo man sinnvolle Informationen bekommen kann, da im Internet nicht jede Information sehr hilfreich bzw. richtig ist. Was bewirkt die SHG für Dich persönlich? Ich habe endlich eine Gruppe von Menschen gefunden, die mich mit all meinen Macken und Eigenarten versteht, weil sie das Leben ebenso wie ich wahrnehmen. Allen ist gemein, dass sie sich schon in ihrer Kindheit als „Fremdkörper“ empfanden, immer Ärger wegen ihres oft nicht steuerbaren Verhaltens bekamen. Oftmals wurde ihnen Faulheit unterstellt, wenn sie unter den für sie negativen Rahmenbedingungen total versagten. Absolut erstaunlich, wie ähnlich sich unsere Lebenswege sind! Ich nutze die SHG auch, um mich für das Thema ADHS zu engagieren und aufzuklären. Dies tat ich unter anderem auch mit einem Infostand beim „Suizidpräventionstag“ im September dieses Jahres. Wie waren die ersten Treffen in der neuen Gruppe? Wie war es für Dich? Ich fühlte mich verstanden! Zuvor war ich emotional total ausgebrannt und der Verzweiflung nahe. Hier konnte ich endlich aufblühen.


CHANCE JENA Wie habt Ihr Leute für die Gruppe gefunden? Wir finden nicht die Leute…., wir werden gefunden. Das Thema ADHS ist so präsent und allgegenwärtig. Schätzungen (je nach Quelle) gehen davon aus, dass 3,9 bis 10 % der Deutschen ADHSler sind. Ich gehe eher von 6 % aus, wenn man annimmt, dass Jena ca. 100.000 Einwohner hat. Das ist sehr interessant. Am Anfang lief alles von Mund zu Mund, bzw. es haben sich hin und wieder Betroffene bei der IKOS gemeldet. In der Selbsthilfezeitung „Chance 2018“ hatte eines unserer Mitglieder eine Art Lebenslauf veröffentlicht, in dem die vielen traurigen Erlebnisse eines ADHS-Kindes und -Jugendlichen beschrieben wurden. In diesem Bericht erkannten sich Leser der Zeitschrift wieder und haben sich bei uns gemeldet. Die IKOS verfügt über einen Internetauftritt, in dem nach einer Gruppe zum Thema ADHS gefiltert werden kann. So wurden wir ebenfalls gut gefunden. Per 01.04.2019 ist die Gruppe unter „das Gefieder“ des ADHS Deutschland e. V. geschlüpft, und wir haben eine Mini-Webseite bekommen, auf der wir die Gruppe vorstellen. In der Mitgliederzeitung des ADHS Deutschland e. V. „neue AKZENTE“ hat Stefan die neue Gruppe vorgestellt, und so nahm die Zahl der Mitglieder zu, die dort von der Gruppe gelesen haben. Auf der Website des ADHS Deutschland e. V. gibt es auch eine PLZ-Suche. So stoßen Betroffene, die erst als Erwachsene die Diagnose und damit die Erklärung für das bisher sehr „seltsame“ Leben bekamen, zu uns. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der IKOS? Die Zusammenarbeit ist sehr eng. Wir tauschen uns über die Möglichkeiten aus, die Selbsthilfe in der Region bekannter zu machen. Auch bei außerplanmäßigen Terminen, wie dem Gruppenprojekt „ADHS im Berufsleben“ lässt sich unkompliziert ein Raum für die Teilnehmer organisieren. Die Post an die Gruppe und telefonische Anfragen werden ebenfalls von der IKOS in Empfang genommen und an uns weitergegeben, da wir bisher weder eine Ausstattung noch eine eigene Telefonnummer oder einen Briefkasten haben. Sehr interessant sind die offenen Quartalstreffen mit anderen Selbsthilfegruppen der Region, die unter Leitung von Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer viermal im Jahr stattfinden und so einen übergreifenden Dialog ermöglichen. An dieser Stelle möchte ich auch einen Dank an Frau Wiesner und Frau Brenning richten, da die beiden Damen uns auch recht unproblematisch und sehr freundlich zur Seite stehen. Welche Chancen siehst Du für die Gruppe, die nun neu entstanden ist? Die Gruppe zählt nun ca. 20 Erwachsene von ADHS-Betroffenen, die regelmäßig oder auch eher selten kommen. Es handelt sich also um eine große Gruppe interessierter Personen, die den Bedarf sehr verdeutlicht. Sehr wichtig sind die bisher regelmäßigen Treffen alle zwei Wochen, die es unseren Gruppenmitgliedern ermöglichen, bei „brennenden Problemen“ einen Ansprechpartner zur Verfügung zu haben. Stefan und ich teilen sich die Leitung der Gruppentreffen für den Fall, dass einer von uns beiden terminlich verhindert ist. Damit wurde die „Kette“ bisher nur durch Weihnachten 2018 und Neujahr 2019 unterbrochen. Mit dem Start des Projektes „ADHS im Berufsleben“ ist der Bekanntheitsgrad der Gruppe noch einmal entscheidend gestiegen.

Eduhack: Das OER-Hörnchen, von Matthias Andrasch, 18.11.17

Nun kommen die Anfragen aus ganz Deutschland. Fachleute verschiedener Kliniken, ADHS-Coaches, Führungspersonen aus Unternehmen und natürlich viele Betroffene suchen den Kontakt und Möglichkeiten, in dem Projekt mitzuwirken, das der Stigmatisierung von ADHS in der Gesellschaft entgegentreten will. Vor allem geht es um die Darstellung der immensen Potentiale, die in ADHSlern mit ihrer so anderen Denkweise stecken und mit wenigen kleinen Anpassungen des Arbeitsumfeldes bzw. einer fachlich versierten Führung genutzt werden können. Die vielen prominenten ADHSler lassen erahnen, wie hoch der Wert für die Gesellschaft ist. Im Jahr 2020 wird es Workshops mit Fachleuten geben, die auch Personen offen stehen, die nicht zur Gruppe gehören. Zudem werden auch öffentliche Vorträge zur Thematik ADHS-Interessierten in der Region die Möglichkeit geben, das Halbwissen und die Vorurteile mit echtem Fachwissen zu ersetzen.

Vielen Dank an Felix für das Interview!

Kontakt: E-Mail: rg.jena@adhs-deutschland.de

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enn man ein Leben lebt, das nicht zu einem gehört, verkrüppelt irgendwann die Seele. Jeanette Hain

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CHANCE JENA Immenser kreativer Freigeist in der Gruppenarbeit ...

LEISTUNGSFÄHIG Projektstart "ADHS im Berufsleben" – Wir bitten um Unterstützung!

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ie Selbsthilfegruppe “Erwachsene ADHS Jena“ begann am 07.06.2019 ein Projekt, das sich mit der Thematik "ADHS im Berufsleben" beschäftigt. Das Initial wurde durch ein Gruppenmitglied gesetzt, das nach Arbeitslosigkeit wegen der Diagnose ADHS diverse Maßnahmen durchlaufen hat und so für das Thema sensibilisiert wurde. Unermüdlich, wie es für begeisterte ADHSler typisch ist, hat er Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Vertreter der Personalabteilungen und weitere Betroffene informiert und für ein gemeinsames Projekt gewonnen. Seither wächst das Team der Helfer kontinuierlich an. Mit einer Quote von 3-5 % der Bevölkerung hat das Thema eine enorme volkswirtschaftliche Relevanz, die nicht nur die Folgen des Leids einzelner Betroffener und ihrer Angehörigen betrifft, sondern ein großer Faktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist. In Folge nicht angemessener Arbeitsbedingungen belasten krankgeschriebene Betroffene das Gesundheitssystem. Zudem „schaden“, wegen nicht passender Arbeitsatmosphäre in Arbeitslosigkeit, Erwerbsminderung oder sogar Frühverberentung "gestrandete" Betroffene, unverschuldet dem Sozialsystem der Volkswirtschaft, obwohl sie im richtigen Umfeld in der Regel immens leistungsfähig sind. Oftmals sogar weit mehr als ihre nicht betroffenen Kollegen. "Deutschland, das Land der Dichter, Denker und Entdecker.", ein Satz der zu 100 % auf die Eigenschaften von ADHSlern passt, nutzt gerade hier nicht alle Potentiale, um im Weltmarkt seine Position zu festigen und auszubauen.

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Künstler: Immanuel Kraus, Thalbürgel

Mit den gewonnenen Helfern aus dem gesamten Bundesgebiet wird sich das Projekt nun aus der Perspektive der Arbeitgeber, der Führungspersonen, der Headhunter, der Jobvermittler, der Arbeitsmediziner und der Betroffenen als Arbeitnehmer mit der Thematik auseinandersetzen. Eine entscheidende Frage wird sein, wie Menschen mit ADHS entsprechend ihren vielen Neigungen und Vorzügen gezielt auf entsprechende Tätigkeiten angeworben und eingesetzt werden können. Weiterhin wird es darum gehen, wie Arbeitsbedingungen, -inhalte und -umgebung so gestaltet werden können, dass ADHS-Betroffene ihr immenses Potential entfalten können oder zumindest in der Ausübung der aktuellen Tätigkeit nicht behindert werden. Ziel soll es auch sein, das Tätigkeitsspektrum entsprechend der betrieblichen Möglichkeiten zu verändern. Nicht zu vergessen ist hier auch die Stigmatisierung der Betroffenen. Das in der Gesellschaft verankerte Bild ist oft von Vorurteilen geprägt, die inhaltlich aber nur auf einen kleinen Teil der Betroffenen zutreffen und vor allem eine enorme Unkenntnis der Vorteile und positiven Eigenschaften erkennen lässt. Überproportional viele berühmte Sportler, Künstler, Manager, Politiker, Journalisten, Wissenschaftler usw. sind Träger des Syndroms und gleichzeitig große Vorbilder für die gesamte Bevölkerung. Wer sich mit dem Stichwort „berühmte Personen mit ADHS“ auf die Suche macht, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Wer also Erfahrungsberichte, Themen oder die eigene Mitarbeit beisteuern kann oder will, sollte sich über unten stehende Mailadresse melden. Von den beteiligten Fachleuten werden während des Projektes Interviews mit Betroffenen und Arbeitgebern durchgeführt und strukturiert Lösungen erarbeitet. Flyer werden initial um Aufmerksamkeit werben und auf die Broschüren und die Webseite zum Projekt verweisen. Es werden auch ausdrücklich Helfer aus Wirtschaft, Ämtern, Politik, Behörden und dem Personalwesen um Mitarbeit gebeten.


CHANCE JENA

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Alle Informationen zu einzelnen Personen werden vertraulich behandelt und bei Bedarf anonymisiert. Die Mitglieder der Projektgruppe sind in Sachen Datenschutz und Informationssicherheit im beruflichen Umfeld geschult und im Projekt entsprechend sensibilisiert. Die Selbsthilfegruppe „Erwachsene mit ADHS“ in Jena setzt sich, bedingt durch den Wissenschaftsstandort Jena, überproportional aus Personen zusammen, die erst in Abitur, Studium, Promotion oder hohen Positionen in der Wirtschaft ihre Grenzen durch ihre ADHS-Diagnose gesetzt bekamen. Sie erreichten Bildungsgrade und Positionen, die ihnen jedoch erst durch die "Gabe ADHS" möglich waren. Also Chemiker, Biologen, Psychologen, Musiker, Pädagogen, Ingenieure, Manager usw. bringen ein hohes Maß an Fachwissen und analytischen Denkstrukturen aber auch immensen kreativen Freigeist in die Gruppenarbeit ein. Stefan, Leiter der Gruppe

Kontakt: E-Mail: adhs-im-job@adhs-deutschland.de

Rezept: Linguine mit Auberginen Zutaten: 2 Auberginen (500-600 g) Salz, Meersalz 400 g Linguine 2 Zwiebeln 3 Knoblauchzehen 4 Tomaten 2 EL getrocknete Tomaten (in Öl, abgetropft) 3-4 EL Semmelbrösel je 3 Stiele Thymian und Basilikum 2 EL Kapern, Pfeffer 3 EL schwarze Oliven Auberginen waschen, putzen und in 2 bis 3 cm große Würfel schneiden. Auberginen leicht mit Salz würzen, ca. 5 min ziehen lassen. In einem großen Topf reichlich Wasser mit 2 EL Meersalz aufkochen, Linguine zugeben und nach Packungsanweisung bissfest garen. Inzwischen Zwiebeln und Knoblauch in feine Würfel schneiden, dabei den Stielansatz entfernen. Getrocknete Tomaten grob hacken. Auberginen mit Küchenpapier trocken tupfen, 70 ml Öl in einer großen Pfanne erhitzen, Auberginen auf allen Seiten bei mittlerer bis starker Hitze hellbraun anbraten. Zwiebeln und Knoblauch zugeben, 2 min bei mittlerer Hitze mitbraten. Tomatenwürfel und getrocknete Tomaten zugeben, 10 min leicht kochen lassen. Restliches Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Semmelbrösel zugeben. Bei mittlerer Hitze goldbraun rösten. Thymianblätter von den Stielen zupfen, fein schneiden, unter die Brösel rühren und sofort auf einen Teller geben. Nudeln abgießen, dabei ca. 100 ml Nudelwasser auffangen. Nudeln und Nudelwasser zurück in den Topf geben. Basilikumblätter von den Stielen zupfen und grobschneiden. Kapern in einem Sieb abtropfen lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auf Teller verteilen, mit Bröseln und dem restlichen Basilikum bestreut sofort servieren.

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.

Quelle: GEO Wissen, Ernährung, Nr. 7, S. 113

Friedrich Wilhelm Nietzsche

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CHANCE JENA

GETRÄUMT

Beim Theaterspiel besser verstehen gelernt ...

Teilen schafft Zukunft und tut nur sehr selten weh. Wir teilen das Wasser, unsere Freude und unser Leid.

K inder und Jugendliche aus Mitteldeutschland, geboren in Syrien, Afghanistan und Russland präsentieren ein kunterbuntes Abendprogramm

mit Tänzen und Liedern rund um das Puppenspiel „Teilen schafft Zukunft“. Die Kinder Max und Asmara sind sich erst fremd und werden dann doch Freunde. Helfen Sie den beiden beim Teilen und machen Sie mit. Die engagierten Eltern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben dieses Projekt zusammen mit dem Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Jena, der Berufsbildenden Schule für Wirtschaft und Soziales in Altenburg, der MEDIENAKADEMIE Thüringen Schauspielschule Meuselwitz in Kooperation mit dem Mitteldeutschen Kinder- und Jugend(T)raum e. V. für Sie vorbereitet. Uraufgeführt wurde das Stück am 8. Dezember 2017 in Werdau/Sachsen.

Seit dem Jahr 2016 setzen sich Mütter und Väter in Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen in unserem Verein dafür ein. Gegründet Am Lehrbetrieb in Meuselwitz im Altenburger Land, also genau in der Mitte Mitteldeutschlands, verstehen wir uns als Bildungsstätte und als Wissensvermittler. Eigene und externe Pädagogen helfen uns dabei. Ein ganz herzliches Dankeschön möchten wir an die Arbeiterwohlfahrt in Jena, die mit uns kooperierenden Berufsbildenden Schulen in Jena und Altenburg, die Schauspielschule in Meuselwitz, die vielen Eltern sowie die Landeselternräte in Dresden, Magdeburg und Erfurt senden. Wittenberg, den 04. September 2019 Der Vorstand und die Mitglieder des Mitteldeutschen Kinder- und Jugend(T)raum e. V.

Kontakt und Buchungen: Tel.: 0175 5973837 E-Mail: sekretariat@jugendraum.net

Das Stück ist für Zuschauer ab fünf Jahren geeignet und dauert ca. 45 Minuten. Die Spielzeit wurde auf den November 2019 bis März 2020 festgelegt. Die Bühnentechnik und das notwendige Equipment werden durch den Mitteldeutschen Kinder- und Jugend(T)raum e. V. und seine Kooperationspartner zur Verfügung gestellt. Der Eintritt ist kostenfrei. Über eine kleine Spende für unsere jugendlichen Darsteller*innen würden wir uns sehr freuen. Der Vereinszweck des Mitteldeutschen Kinder- und Jugend(T)raum e. V. ist die Förderung der Alltagsintegration von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund unter Einbeziehung der Eltern.

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N

… a ja, weißt du, Menschen tun anderen Menschen alles an, was man sich nur vorstellen kann, sogar Sachen, die wir uns nicht vorstellen können … Axel Milberg, aus „Düsternbrook“;

CD 4/Track 13, Osterwold audio


CHANCE JENA Wir wollen uns auf die Quellen verlassen können ...

INFORMATIV Für Ihre Gesundheit

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ermittlung von Gesundheitskompetenz unter Patienten ist etwas, das sich auch die KV Thüringen auf die Fahne geschrieben hat, auch wenn sie in erster Linie Vertreter von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in Thüringen ist. In der Schaffung einer Patientenseite liegt die Hoffnung einer Multiplikatorfunktion verborgen, die nicht nur die Mitglieder als Ärzte und Psychotherapeuten entlasten, sondern langfristig auch die medizinische Versorgung eines jeden verbessern wird. Informationen zu finden, ist im Jahr 2019 nicht nur durch Google und Co. offenbar ein Kinderspiel. Das Zeitalter von Apps geht auch im Gesundheitswesen nicht an uns vorbei. Die Kunst dabei ist, sich auch auf die Quellen verlassen zu können. Die Informationen auf patienten.kvt.de sind unabhängig und werbefrei – das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin oder die Nationalen Versorgungsleitlinien dienen als Quelle. Für Ihre Gesundheit. Das Patientenportal der KV Thüringen. Auf unseren Seiten haben wir für Sie unabhängige und werbefreie Informationen zur ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung in Thüringen zusammengetragen. Wir liefern Ihnen Wissenswertes zu Gesundheitsthemen wie Früherkennung und Vorsorge, Umgang mit Erkrankungen, Impfschutz oder MammografieScreening. Außerdem unterstützen wir Sie mit Serviceleistungen der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, wie dem Patiententelefon oder der Terminservicestelle. Seit dem 30. August 2019 existiert die Kampagne zu den „Elfen, die helfen“, die die 116117 als Nummer für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst noch mehr in den Köpfen der Bevölkerung verankern soll. Hierzu liefern wir Ihnen nützliche Hinweise dazu, wann Sie die Nummer wählen und was passiert, wenn Sie bei der 116117 anrufen. Ihre Versorgung • Wenn die Praxen geöffnet sind • Wenn die Praxen geschlossen sind • Aufenthalt im Krankenhaus Ihre Informationen • Früherkennung und Vorsorge • Umgang mit Erkrankungen • Thüringer Gesundheitsmesse Ihr Service • Patiententelefon • Terminservicestelle

Alles rund um die 116117 • Die Nummer mit den Elfen • Zum neuen Leistungsangebot ab 2020 • Ärztlicher Bereitschaftsdienst • Landesvermittlungszentrale Thüringen Herzstücke • umfangreicher Fragen- und Antworten-Katalog • detaillierte Arzt- und Psychotherapeutensuche Besuchen Sie uns auch in den sozialen Medien:

Twitter: https://twitter.com/ KV_Thueringen

Instagram: https://www.instagram. com/kvthueringen

YouTube: bit.ly/YouTube-KVT

Im Bereich „Fragen und Antworten“ sehen Sie ein Angebot der Hilfe zur Selbsthilfe – Wen frage ich was: Was erfahre ich bei der Krankenkasse? Was erfahre ich beim Arzt? Und wo hilft die KV? Google und Co. werden die Patientenseite der KV Thüringen nicht ablösen können, aber Ziel ist es durchaus, langfristig eine primäre Quelle für Informationen von Patienten zu werden. Die Internetseite finden Sie unter www.patienten.kvt.de.

Der größte Feind der Qualität ist die Eile.

Henry Ford

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CHANCE JENA

S ich von ungenutzten Dingen zu trennen, schafft Platz

und bringt frischen Wind nicht nur in die Wohnung.

Ausmisten bedeutet auch, sich von innerem Ballast zu befreien und Raum für die Seele zu schaffen.

Wie man durch Ausmisten auch inneren Ballast loswerden kann ...

BEFREIEND Ausmisten für die Seele

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berflüssiges ist Ballast für die Seele Alle Dinge, die man nicht gerne hat und daher nicht nutzt, sind Ballast für die Seele. Es sind nicht Sachen gemeint, die vielleicht ohne praktischen Nutzen sind oder sogar irgendwie „schräg“, die man aber nichtsdestotrotz liebt. Es geht vielmehr um das Zeug, das man weder braucht noch mag. Diese Dinge nehmen nicht nur in der Umgebung Platz ein. Sie beschäftigen einen, wenn auch nur unbewusst. Dadurch beanspruchen sie emotionalen Raum. Doch warum hebt man überhaupt etwas auf, das man nicht wirklich haben will? Ein schlichter Grund ist, dass das mit der Zeit eine Angewohnheit geworden ist und nun eine Sogwirkung hat. Alle Gewohnheiten erzeugen ja ein angenehmes, vertrautes Gefühl. Möchte man die betreffende Gewohnheit überwinden, muss man sich erst mal ungemütlichen Gefühlen aussetzen. Diesen Zustand fürchten viele und belassen daher lieber alles beim Alten. Dabei lässt sich so manches Belastende im Leben nicht so leicht entfernen wie Überflüssiges oder Störendes im Haus. Ausmisten als Übung in Selbstwertschätzung Ein weiterer Hinderungsgrund, Unnützes wegzugeben, ist schlechtes Gewissen. Da wären z. B. Geschenke, mit denen man nichts anfangen kann oder Kleidung, die einem nicht (mehr) gefällt. Man behält die Geschenke, weil sie ja „an sich gut gemeint“ waren und die Kleidung, weil sie ja noch „irgendwie gut“ ist. Wirklich Freude bereiten sie einem aber nicht. Dennoch stellt man das eigene Bedürfnis hinten an und hofft damit, das schlechte Gewissen zu beruhigen. Los wird man es dadurch aber nicht, denn der imaginäre erhobene Zeigefinger droht, sobald man diese Sachen wieder erblickt. Wenn man sich immer wieder in dieser Weise gegen sein Bedürfnis entscheidet, schwächt das mit der Zeit das Selbstwertgefühl.

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Oftmals traut man sich auch nicht, etwas auszusortieren, weil man Angst vor einer Fehlentscheidung hat: „Was, wenn ich das später doch mal brauche?“ In Mangelzeiten war es in der Tat sinnvoll, alles aufzuheben. Früher besaßen Menschen auch nur einen Bruchteil dessen, was wir heute im Schnitt besitzen. Dennoch halten viele an solchen Gewohnheiten fest, obwohl sich die meisten Dinge heute leicht beschaffen bzw. ersetzen lassen. So kann Ausmisten ein guter Weg sein, ganz nebenbei seine hinderlichen Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und sich in Selbstwertschätzung zu üben. Eine wunderbare Erfrischung für die Seele ist es allemal. Die ersten zehn Dinge Falls Sie sich bei dem einen oder anderen hier selbst wiedergefunden haben, möchten Sie vielleicht mit dem Aussortieren beginnen? Es geht dabei ja nicht um äußere Kriterien von Ordnung oder Ästhetik, sondern um Sie selbst. Sie könnten damit anfangen, erst mal Dinge ausfindig zu machen, die Sie nicht nutzen oder nicht mögen. Fragen Sie sich bei jedem Gegenstand, ob sie ihn wirklich behalten wollen. Horchen Sie dabei auf Ihre innere, vielleicht noch leise und zaghafte Antwort. Wenn Sie dann zehn Dinge aussortiert haben, machen Sie aus der rein praktischen Frage, wohin nun damit, keine große Sache. Was getrost entsorgt werden kann, werfen Sie gleich weg. Das andere können Sie spenden, verschenken oder verkaufen. Ballast für den einen kann Freude für einen anderen Menschen sein. Genießen Sie dann ausgiebig das befreiende Gefühl und die neue Leichtigkeit in der Seele.

Kontakt: Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer Inspirierende Problemlösungen An der Osterwiese 10 07749 Jena Tel.: 03641 826732 www.steyer-inspiration.de


CHANCE JENA Für viele Menschen eine echte Behandlungsalternative ...

MEDIZINISCH

Selbsthilfegruppe für Menschen mit Cannabisnutzung als Medizin - Cannabis Patientenhilfe Mittelthüringen

Idurchm Jahreine2017 beschloss die Bundesregierung, Cannabis als Medizin Änderung im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) leichter zu-

gänglich zu machen. Am 17.03.2017 trat die Gesetzesänderung in Kraft, und Cannabis wurde von der Anlage 1 in die Anlage 3 des BtMG überführt. Der Hintergrund ist, dass die Bundesregierung den medizinischen Nutzen von Cannabinoiden der Bevölkerung zugänglich machen wollte. Cannabis und darauf basierende Arzneimittel wurden somit für eine Vielzahl von Erkrankungen verschreibungsfähig und können so für viele Menschen eine echte Behandlungsalternative darstellen. Vor der Gesetzänderung hatten über 1.000 Patienten eine Erlaubnis zur Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke. Die Inhaber einer Erlaubnis mussten nachweisen, dass Cannabis das einzige Mittel ist, was ihnen wirklich hilft. Vom Wissen dieser „Experten in eigener Sache“ möchten wir andere Betroffene vor Ort profitieren lassen. Die „CannabisPatientenhilfe Mittelthüringen“ arbeitet eng mit der „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e. V. (ACM e. V.)“ zusammen. Diese setzt sich als gemeinnütziger Verein seit 1997 für die medizinische Nutzung von Cannabis auf wissenschaftlicher Basis ein. Die „Cannabis-Patientenhilfe Mittelthüringen“ fokussiert sich ausschließlich auf den medizinischen Nutzen von Cannabis, ist parteilos und befasst sich nicht mit politischen Themen jenseits der medizinischen Nutzung von Cannabis und Cannabinoiden. Sie steht für wissenschaftlichen Austausch, Informationsweitergabe und konkrete Hilfe für betroffene Menschen und deren Familien.

Ziele der Cannabis Patientenhilfe Mittelthüringen • regelmäßige Treffen organisieren, die einen Austausch von Erfahrungswerten zum Thema Cannabis als Medizin zwischen Patienten gewährleisten • zu Möglichkeiten der Therapie (Tabletten, Spray, Inhalation), möglichen Nebenwirkungen, Risiken etc. informieren • zu praktischen Aspekten einer Behandlung mit Cannabis basierten Medikamenten (z. B. Dosierung, Art der Anwendung) informieren • bezüglich aufkommender rechtlicher Fragestellung (z. B. Anträgen, Reisen, Fahrerlaubnis) beistehen

Es erfolgt keine Rechtsberatung! Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e. V. (ACM) ist ein gemeinnütziger Verein, in dem sich Patienten, Ärzte, Apotheker, Juristen und andere Interessierte aus Deutschland und der Schweiz organisieren. Sie tritt für die medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden ein. Mitglieder der ACM sind automatisch auch Mitglieder der IACM, einer internationalen wissenschaftlichen Gesellschaft.

Kontakt:

Deutschland:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e. V. Bahnhofsallee 9 32839 Steinheim Tel.: 05233 9539213 Mail: info@cannabis-med.org www.cannabis-med.org Cannabis Patientenhilfe Mittelthüringen Ansprechpartner: Matthias Stelzer Mail: matthias.stelzer@acm-patientenhilfe.de Daniel Benthaus Mail: daniel.benthaus@acm-patientenhilfe.de Treffen und Termine nach Vereinbarung Falls Sie Interesse an diesem Thema haben sollten oder auch jemanden kennen, der sich informieren oder beteiligen möchte, sind Sie herzlich willkommen. Die neue Gruppe trifft sich 2020 an jedem zweiten Samstag im Monat, 14:00 - 17:00 Uhr bei IKOS.

Folge deinen Träumen, aber merke dir

den Weg, der dich wieder nach Hause führen wird. Tim McGraw

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CHANCE JENA

DARMGESUND

Dem Darm mehr Beachtung schenken ...

Entscheiden Bakterien über unser Gewicht?

C

a. 100 Billionen Darmbakterien (umgangssprachlich Darmflora bzw. im Fachjargon Mikrobiota genannt) besiedeln unseren Darm. 90 Prozent davon machen nur zwei Bakterienstämme aus, die Großfamilien Firmicutes und Bacteroidetes. Das Verhältnis der beiden Stämme entscheidet mit darüber, ob wir eher dick oder eher schlank sind. Eine Studie an italienischen Kindern, die bevorzugt Pasta, Pizza, Frühstückscerealien, Fleisch, Süßigkeiten und Eis verzehrten, hat gezeigt, dass bei diesen die Firmicutes-Gruppe (dickmachend) dominierte, was bei der Vergleichsgruppe afrikanischer Kinder, die ballaststoffreiches Gemüse, Bohnen, Hirsebrei und gelegentlich Hühnerfleisch zu sich nahm, nicht der Fall war. Die Vielfalt der Mikroorganismen unseres Körpers wird nicht nur durch unser Essen, sondern auch durch Rauchen, Alkohol, Medikamente und Desinfektionsmittel beeinflusst. Nach nur einwöchiger Antibiotikaeinnahme benötigt unsere Darmflora bis zu drei Monate für die Regeneration. Nicht nur Übergewichtige, sondern auch schlanke Menschen, die viel Zucker konsumieren, schaden langfristig ihrem Darm, weil sich das Milieu (pH-Wert steigt) ändert und damit das Wachstum unerwünschter Keime begünstigt. Wenn krankmachende Keime überhand nehmen (Dysbiose) werden Stoffwechselprodukte gebildet, die die Darmschleimhaut „löchrig“ machen, so dass Bakterien in den Blutkreislauf wandern und Entzündungen auslösen. Es gilt, dem Darm mehr Beachtung zu schenken, damit er weiter als Schutzschild wirken kann. Um den Darm zu unterstützen, geben wir folgende Empfehlungen: • Gezielte Aufnahme von Ballaststoffen durch Gemüse, Gewürze und Kräuter sowie sogenannte Präbiotika in Apfelschalen, Chicorée, Tomaten, Hafer, Roggen, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, gemahlenen Flohsamenschalen, Schwarzwurzel

• Probiotika (Lebensmittel mit speziellen Bakterien wie Kefir oder Naturjoghurt) • Keine Fertigprodukte mit Zusatzstoffen • Bewusstere Lebensmittelauswahl mit reichlich Gemüse • Zucker möglichst weglassen • Bitterstoffe (z. B. Artischocke, Löwenzahn) bremsen Heißhunger auf Süßes Ballaststoffe dienen guten Darmbakterien als „Futter“. Sie fördern die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren (z. B. Buttersäure), die für die Erhaltung der Darmbarriere (Schleimhaut) wichtig sind. Die Forschung zum Thema Darmgesundheit bleibt spannend. Evolutionsbiologisch steht schon heute fest, dass unser Darm auf eine industriell stark verarbeitete Kost mit Zusatzstoffen, ein Zuviel an Medikamenten oder Alkohol nicht vorbereitet ist. Auch Süßstoffe sind kontraproduktiv. Das Ziel ist, mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag aufzunehmen. Lebensmittel

Ballaststoffe (g)

25 g Weizenkleie 12 200 g Erbsen

11

150 g Himbeeren 7

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200 g Möhren

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1 Apfel

3

Fleisch, Fisch, Eier, Wurst, Käse

0

Butter, Süßes

0

Kuchen, Schokolade, Zucker

0


CHANCE JENA

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Gehören Sie auch zur Gruppe der Gemüsemuffel? Hier einige Tipps: • Kombinieren Sie Ihr Lieblingsgemüse mit Mozzarella oder Obst z. B. Blaubeeren mit Tomaten, Melone mit Feldsalat, Möhren-Apfel-Rohkost • Pürieren Sie Gemüse für Suppen oder Soßen (z. B. Brokkoli, Lauch, Zwiebeln). • Wenn Ihnen Chicorée zu bitter erscheint, richten Sie ihn als Salat mit einem Honig-Senf-Dressing oder Himbeerdressing an. • Essen Sie vegetarische Gerichte und probieren Sie unsere Gemüsepuffer aus. • Bevorzugen Sie erkaltete Pellkartoffeln, weil diese resistente Stärke enthalten.

Kontakt: Dr. Silvia Steiner Betriebliches Gesundheitsmanagement AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen e. V. Tel.: 03641 8741205 E-Mail: steiner@awo-carenet.de

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edacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht gewollt, gewollt ist nicht gekonnt, gekonnt und gewollt ist nicht getan, und getan ist nicht beibehalten. Paul Watzlawik

Rezept: Herbstliches Linsen-Gemüse-Kokos-Curry

4 Portionen 150 g Linsen 200 g Zwiebeln 4 große Knoblauchzehen 1 große rote Chilischote 40 g Ingwer 700 g festkochende Kartoffeln 400 g Möhren 3 EL Kokosöl 2 leicht gehäufte TL gemahlenes Kurkuma 4 TL Gemüsebrühpulver 1 Dose Kokosmilch à 400ml 600 g Wirsing 1-2 Bio-Limetten Salz, auf Wunsch Cayennepfeffer Linsen in Sieb kalt abbrausen, nach Packungsanleitung garen (s. Tipp), in Sieb abgießen, kalt abbrausen und zur Seite stellen. Inzwischen Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein würfeln. Chili waschen, putzen, längs halbieren, auf Wunsch entkernen und ebenfalls fein würfeln. Ingwer schälen und fein reiben. Kartoffeln schälen und ca. 2 cm groß würfeln. Möhren schälen, längs halbieren und quer in ca. 0,75-1 cm lange Stücke schneiden. Öl in großem Topf erhitzen und Zwiebeln und Knoblauch darin ca. 3 min bei mittlerer Hitze anschwitzen. Chili, Ingwer und Kurkuma zugeben und 1 min mit anschwitzen. Mit 600 ml Wasser ablöschen und Brühpulver und Kokosmilch einrühren. Kartoffeln und Möhren zugeben, aufkochen und ca. 10 min bei niedriger Hitze köcheln lassen, bis die Kartoffeln fast gar sind. Inzwischen Wirsing putzen, vierteln, waschen, Strunk entfernen und Viertel quer in ca. 2 cm breite Streifen schneiden. Wirsing zum restlichen Gemüse geben, aufkochen und im geschlossenen Topf weitere 5-10 min bei niedriger Hitze köcheln lassen. Inzwischen Limetten heiß abwaschen, trocken reiben, 2 TL Schale fein abreiben und 2-3 EL Saft auspressen. Linsen, Schalenabrieb und Saft unterrühren. Curry mit Salz und auf Wunsch mit Cayennepfeffer abschmecken, auf vier Schalen portionieren und servieren. KÜCHEN-TIPP Garen Sie die Linsen nicht zu weich. Sie sollten noch ihre Form behalten und nicht zerfallen Quelle: köstlich vegetarisch, 5/2019, S. 17

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CHANCE JENA So lange wie möglich selbstständig bleiben ...

GUT VERSORGT Wohnpark LebensWeGe

Wohn-, Pflege- und medizinisches Versorgungszentrum in Lobeda-Ost

Sie suchen ein gemütliches Zuhause im Alter? Sie möchten selbstständig bleiben und zeitgleich in Gemeinschaft leben? In Jena-Lobeda entstehen in Kooperation mit jenawohnen zwei SeniorenWGs sowie Service-Wohnungen. Die Eröffnung wird Mitte 2020 erfolgen.

Unser Haus verfügt dann über: • 2 ambulant betreute Wohngemeinschaften für je 12 demenziell Erkrankte • 23 barrierefreie Appartements • demenzsensible Architektur • einen großzügigen, begrünten Innenhof mit Duftgarten • ein hauseigenes Café als Treffpunkt und Genussinsel • eine Arztpraxis und einen ambulanten Pflegedienst im Haus und kurze Wege zu Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken und zum Klinikum! Ausführliche Informationen unter: www.awo-mittewest-thueringen.de

Kontakt: und Ansprechpartner: Frank Burkert Tel.: 0170 7619735 E-Mail: lebenswege@awo-mittewest-thueringen.de

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Buchvorstellung: JOCHEN VOLLMANN

Die Galle auf Zimmer 7 - Welche Medizin wollen wir? Was macht uns wirklich gesund? Jochen Vollmann zeichnet ein ernüchterndes Bild unseres Medizinsystems und warnt vor einer düsteren Zukunft, wenn wir nicht schnell umdenken: Ist alles, was machbar ist und gewünscht wird, auch wünschenswert? Was soll, kann und darf die Medizin, was der Arzt, was unser Gesundheitssystem? Kaum eine Frage birgt mehr Aufregung, geht es doch um etwas Existenzielles, um unsere Gesundheit. Und die ist nicht nur etwas ganz Privates, sondern hat – wie die derzeitigen öffentlichen und politischen Debatten zeigen – durchaus eine große gesellschaftliche Bedeutung. Themen wie Sterbehilfe, medizinische Versorgung im hohen Alter, Kinderwunsch, Organspende und Transplantationsmedizin sind medizinethische und biopolitische Streitpunkte, die sogar zur Aufhebung der Fraktionsdisziplin im Bundestag führen. Jochen Vollmann, selbst Arzt, aber auch renommierter Medizinethiker, tritt einen Schritt zurück, um Entwicklungen zu erklären und immer wieder zu fragen, welche Medizin wir eigentlich wollen: eine von der ökonomischen Machbarkeit bestimmte, eine von ethischen Grundsätzen geleitete, eine vom medizinischen Fortschritt getriebene oder eine, die den Patienten und seine Selbstbestimmung in den Vordergrund stellt. Quelle Thalia Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 2019, 128 Seiten, 16,- Euro ISBN: 978-3-8031-3681-7

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CHANCE JENA

AUFGELISTET

Selbsthilfegruppen und Hilfsangebote im Überblick

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H andicap E inschränkung:

Lungenkrebs Lungensport Behindertensport Morbus Bechterew Blinde und sehbehinderte Menschen Morbus Crohn Erwachsene CI-Träger Mukoviszidose (Gera/Jena) Gehörlose Menschen Multiple Sklerose Kleinwuchs (überregional) Mutismus Körperbehinderung Narkolepsie (überregional) Lippen-Gaumen-Fehlbildungen Neurodermitis Netzhautablösung/-degeneration Neurofibromatose/Morbus Recklinghausen Party People Incl./“Andersgleich“ Osteoporose (junge Menschen mit Einschränkung) Pankreatektomie (überregional) REHA-Fit Parkinson Rollende Bürger*innen Polio Schwerhörigkeit Polyneuropathie Selbstbestimmtes Leben behinderter Prostatakrebs Menschen Rheuma Schilddrüsenerkrankungen (Beratung) Schlaganfall rankheit: Sepsis (überregional) Adipositas/Übergewicht Stomaträger (ILCO) AIDS Angehörige von Menschen mit Demenz - Tinnitus Vestibularis Schwannom Erfahrungsaustausch Vitiligo - Weißfleckenkrankheit Akustikus Neurinom (Wach-) Komapatienten (überregional) Aphasiker Allergie Asthma/COPD ltern inder: Borreliose Autismusspektrumsstörung Brandverletzte Menschen Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche Cannabisnutzung in der Medizin Eltern beraten Eltern - Elternmentoren für Colitis ulcerosa Familien mit Kindern mit Förderbedarf Diabetiker Eltern von Kindern mit Down-Syndrom Dialyse/Nierentransplantierte Eltern von hochbegabten Kindern Endometriose (überregional) Eltern von krebskranken Kindern Epilepsie Eltern von verhaltensauffälligen/seelisch Fibromyalgie erkrankten Kindern Forum Gehirn (überregional) Eltern von Kindern mit Legasthenie oder Frauenselbsthilfe nach Krebs Dyskalkulie Harnblasentumor „Grünes Herz“ - Verein Herzkind (überreg.) Hirnschädigungen Hilfe für das autistische Kind (überregional) IKOS-Chor (versch. Handicaps) INTENSIVkinder (schwerstpflegebedürftig) Jüngere Herzkranke (JEMAH/überregional) neuroKind (mehrfach behinderte Kinder) Junge Menschen mit MS Kehlkopfoperierte (überregional) rauen: Klinefelter Syndrom (überregional) Frauen in Not Kontinenz/Inkontinenz Frauenzentrum Krebserkrankungen Kreativ-Café Leberzirrhose/-transplantation

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P sychiatrische Diagnosen:

Angehörige von psychisch Kranken Angst und Depressionen Beschwerdestelle für Psychiatrie Depressiv erkrankte Menschen Emotions Anonymous/EA Freizeitclub für psychisch Kranke Gruppe Halle – Frauen Junge Selbsthilfe Männerselbsthilfegruppe – Halle Panik-Angst-Depression (PAD) Postpartale Depression/Psychose Psychiatrieerfahrene Menschen Psychisch Kranke – „Lichtblick“ & „Sonnenaufgang“ Soziale Phobie

A bhängigkeitsverhalten:

Al-Anon Familiengruppen Alkoholerkrankte, drogen- und medikamentenabhängige Menschen/auch Angehörige Anonyme Alkoholiker Anonyme Sexaholiker Blaues Kreuz – Alkoholerkrankung Elternselbsthilfe für suchtgefährdete und -abhängige Töchter und Söhne Essstörungen/auch Angehörige „Hilfe zur Selbsthilfe“ Begegnung Jena: Gruppen für Menschen mit Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigkeit Angehörigengruppen Tagesstätte für Suchtkranke Kontaktcafé

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Psychosoziale Themen/

besondere soziale Situationen: ADHS - Kinder und Erwachsene Adoption/Erwachsene Adoptierte

Alleinerziehende Mütter und Väter Ambulanter Kinderhospizdienst Analphabetismus Arbeitslose Menschen Ausstieg aus Rechtsextremismus und Gewalt Begegnung und Bildung in der nachberuflichen Lebensphase Erstbesuchsdienst nach Geburt Flüchtlingshilfe Geburtshaus Grüne Damen und Herren Homosexualität Hospiz: Geschwister kranker Kinder Kinder krebskranker Eltern Kindertrauergruppe Jugendtrauergruppe Trauergruppe für junge Erwachsene Trauercafé Verwaiste Eltern Trauerkreis: Ein Quell in der Wüste Initiative für verwaiste Familien Interkulturelle Öffnung Jugendliche Migrant*innen Junge Selbsthilfe Krisen rund um die Geburt Männergruppe: „Mann in Beziehung“ Menschen ohne bezahlte Beschäftigung Menschen und Asyl miteinAnderS - Aufklärungsprojekt Notfallseelsorge Opfer rechtsextremer Gewalt Pflegestützpunkt Queerparadies – Student*innen und Geschlechtsidentität QueerWeg – schwul-lesbischer Verein Scheidungskinder Senior*innen im Gespräch Spätaussiedler*innen und Kontingentflüchtlinge Sprachverwender – schreibende Menschen Sternenkinder-Café Straßenzeitung „Notausgang“ Tauschringe + Spielegruppe Transsexualität Väteraufbruch für Kinder Weisser Ring – Opferhilfe

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Kontakt: Die Kontaktadressen der Selbsthilfegruppen sind bei IKOS Jena zu erfragen: Kastanienstraße 11, 07747 Jena Telefon: 03641 8741160 oder 8741161

Beratungszentrum für Selbsthilfe


JENA

IKOS

Beratungszentrum für Selbsthilfe Träger: AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen e. V. Kastanienstraße 11 · 07747 Jena Tel.: 03641 8741160 oder 8741161 Mobil: 0171 5331502 Fax: 03641 8741203 E-Mail: ikos@awo-mittewest-thueringen.de Internet: www.selbsthilfe-in-jena.de

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Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag 9:00 Uhr - 13:00 Uhr Dienstag und Mittwoch 14:00 Uhr - 16:00 Uhr Persönliche Beratung nach Vereinbarung.

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© studio eljott 2019

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