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Initiative Erfolgsperspektive Deutschland

Einstiegs-Report Beitr채ge, Statements & Kommentare


Erfolgsperspektive Deutschland

Andreas Schwegler, CEO Cellent AG & Mentor der Initiative

Grusswort Die „Erfolgsperspektive Deutschland“ ist eine wichtige Initiative, da es angesichts der aktuellen Entwicklungen und tiefgreifenden Veränderungen notwendig ist, neue Orientierungspunkte zu finden und neue Sichtweisen zu entwickeln. Diese Ambition begleiten wir gerne und wünschen dem Projekt viel Erfolg.


Erfolgsperspektive Deutschland

Oliver W. Schwarzmann, Zukunftspublizist, Vorstand Vordenker-Medien Bley und Schwarzmann AG und Initiator der Erfolgsperspektive Deutschland

Vorwort Unsicherheit und Orientierungslosigkeit sind das Ergebnis eines Mangels an Perspektiven – deshalb haben wir uns entschlossen, die Initiative „Erfolgsperspektive Deutschland“ ins Leben zu rufen. Diesem Aufruf, Perspektiven für die Zukunft unseres Landes zu formulieren, sind ausgewählte Verbände und Unternehmen mit der Formulierung von Einschätzungen gefolgt. Ihre Statements werden wir in verschiedenen Formaten veröffentlichen. Die Initiative „Erfolgsperspektive Deutschland“ soll ein Meinungs- und Zukunftsspiegel sein aus Sicht von Unternehmen, Verbänden und Forschungsinstituten. Unser Engagement ist weder politisch noch wirtschaftlich motiviert, sondern liegt im Versuch, eine Art „Perspektivenraum“ zu schaffen – mit der Veröffentlichung von Einschätzungen, Thesen und Meinungen. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen sehr herzlich bedanken, die dieser Initiative ihre Aufmerksamkeit gewidmet, uns ermuntert und motiviert haben und insbesondere sei den Personen, Verbänden und Unternehmen gedankt, die sich mit ihrer Einschätzung aktiv beteiligt haben.


Die Initiative ist mit der Erstveröffentlichung der vorliegenden Beträge nicht beendet, sondern findet darin ihren Anfang. Wir werden über die Webseite www.erfolgsperspektive-deutschland“ weitere Eindrücke einfangen und sie dort zur öffentlichen Lesung stellen. Mögen die Beiträge Impuls und Anregung sein. Verlautbarungen über die Krise gibt es reichlich, über ihre Ursachen und Effekte hören wir täglich, und viele Kommentatoren wussten schon unmittelbar nach ihrem Eintritt, wie die Misere zu vermeiden gewesen wäre. Diese Erkenntnisse nutzen uns nur, wenn wir sie nicht als rückwärtsgewandte Schuldzuweisungen formulieren, sondern vorwärts in unsere Zukunftsgestaltung einbringen. Ich trete dafür ein, die Krise als Impuls für einen Wandel zu verstehen. Für einen Wandel, bei dem es nicht darum geht, in einer Revolution Systeme und Methoden zu ändern. Nein, ich plädiere dafür, ihre Inhalte zu ändern. In den letzten VORDENKER-Publikationen („Die Zukunft des Wohlstands“, „Die neuen ZukunftsCodes“, „Kraft der Nähe“) habe ich Sichtweisen und Perspektiven dazu beschrieben, angeführt von zwei Grundsatzfragen, die mich als Autor antreiben: Was ist uns die Zukunft wert? Und was sind wir bereit, für diesen Wert zu tun? Zweifellos, die Krise offenbart unsere ökonomischen wie gesellschaftlichen Schwachpunkte, zeigt, dass es immer gefährlicher wird, die Zukunft aus der Vergangenheit hochrechnen zu wollen. Krisen entstehen nicht über Nacht, sondern verstärken schon lange in Gang gekommene Veränderungsprozesse. Die Welt befindet sich grundsätzlich in einem laufenden Prozess der Transformation. Heute, in einer eng vernetzten Welt, spielen sich diese Veränderungen nicht mehr isoliert ab, weder zeitlich noch regional. Sondern sie wechselwirken weltweit miteinander, und das immer intensiver und dynamischer, selbst unterschiedlichste Entwicklungen laufen nunmehr gleichzeitig ab. Die Urbanisierung dieser Komplexität ist eine zentrale Herausforderung unserer Zukunft. Und dabei wird es nicht darum gehen, diese Vielschichtigkeit durch Simplifizierung, Rationalisierung, Konzentration oder Institutionalisierung zu begrenzen, sondern Komplexität als Ressource und Wachstumsmotor zu erkennen. Nur in dynamischen und vielseitigen Märkten entstehen immer wieder neue Möglichkeiten der Entfaltung.


Diese Komplexität verändert die Rahmenbedingungen unserer Wirtschaftswelt, insbesondere das Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung lässt sich nicht mehr eindeutig erkennen. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir unsere Vorstellungen über die Mechanismen des Wirtschaftswachstums verändern müssen: Der Einsatz von Leistung und Kapital bringt nicht mehr zwingend Ergebnisse gleichen Umfangs. Die Zeit der Prinzipien von Investition und Akkumulation ist zu Ende. An deren Stelle tritt eine offene Kreativität in die Ökonomie, die statt auf die Ideologie der Vergrößerung und Vermehrung vielmehr auf Prozesse der Evolution und Kultivierung setzt. Warum dieser Wandel? Nun, das etablierte Kosten-Nutzen-Denken ist solange erfolgreich, wie es evolutionär angelegt ist, will heißen: solange es Innovation und eine ganzheitliche Entwicklung fördert. Fordern wir – Konsumenten und Unternehmen – allerdings Höchstrabatte beim Einkauf und zugleich Superrenditen an den Finanzmärkten wird die Wirtschaftswelt an den daraus entstehenden Disparitäten auseinanderbrechen. Wollen wir den erreichten Zustand weltweiter wirtschaftlicher Ungleichheit abmildern und dessen Ausweitung verhindern, werden wir lernen müssen, ganzheitlich und nachhaltig zu wirtschaften. Doch - was heißt das? Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit sind derzeit häufig bemühte Schlagworte – aber was sagen sie uns wirklich? Ganzheitlichkeit ist für mich grundsätzlich mit der Verantwortung für das eigene Handeln verbunden, also auch mit dem Weitblick für die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Nachhaltigkeit steht für mich nicht einfach 1:1 für Langfristigkeit, sondern für einen „Geist der substanziellen Verbesserung“. Diese Denkhaltung ist wichtiger, als die Dehnung von Zeitspannen. Die Dynamik der Welt lässt sich nicht einfach anhalten. Die negativen Folgen wären größer als die positiven Effekte. Wir müssen auch zukünftig unmittelbar handeln, aber eben im soeben beschriebenen Geist. Das wird die Qualität kurzfristiger Entscheidungen verändern. Im Angesicht dieser Ausführungen glaube ich, dass Weitblick, Kreativität, Offenheit, ganzheitliches Denken und die Fähigkeit zur Improvisation sowie für die Übernahme persönlicher Verant-


wortung zu den gefragten Attributen einer neuen, zukunftsweisenden Managementkultur gehören werden. Warten, bis die Krise irgendwie zu ihrem Ende kommt, um dann weiterzumachen wie bisher, scheint allerdings die eigentliche, geheime und weitverbreitete Maxime vieler Unternehmen zu sein. Wird das funktionieren? Schaffen wir damit die Basis für die angesprochene, ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung? Ich denke: Wir haben schon lange die Phase der Wirtschaftskonjunktur zugunsten einer Unternehmenskonjunktur verlassen und stehen nun in einer Ära der persönlichen Konjunktur. Bedeutet: Es gibt keine einheitliche Wirtschaftsentwicklung, keine großen, für alle Branchen und Gesellschaftsschichten gültigen Lösungen mehr; es gibt ebenso kein Massenwachstum und keine Dynamik mehr, die alle gleichermaßen mitreißt und wie von selbst in die Höhe trägt. Mitschwimmen, mitlaufen, sich im Windschatten mitziehen zu lassen, in der Masse unterzugehen oder sich in der Verwaltung großer Unternehmen unsichtbar zu machen, ist keine Zukunftsstrategie. Jeder Einzelne wird in den kommenden Jahren spüren, dass die Konjunktur nicht mehr an Institutionen zu delegieren ist. Mehr denn je stehen wir mit dem Beginn dieser Phase einer Zeit neuer Verantwortungen gegenüber. Das Denken in Ideologien, Institutionen und Bürokratien ist vorbei, vielmehr gilt: So wie der Einzelne mit der Wirtschaft umgeht, so wird diese mit ihm umgehen. Wie schon gesagt: Wer Tiefstpreise beim Einkauf und Superrenditen an den Finanzmärkten fordert, muss wissen, dass die Welt an den daraus entstehenden Ungleichheiten zerbrechen wird. Das Wirtschaftssystem bildet letztlich ab, was wir gestalten. Dabei ist der Wirtschaftskosmos in den letzten dreißig Jahren zu einer Papierwelt geworden. Während sich in dieser Zeitspanne die Gütermenge vervierfacht hat, wuchs die Geldmenge um das Vierzigfache, ganz abgesehen von der Entwicklung der Buchwerte. Gedruckte Versprechungen sehen zwar aus wie Füllhörner, sind aber keine Wundertüten. Irgendwann müssen alle gedruckten Versprechen real eingelöst werden. Ein wesentlicher Schritt in ein neues Wachstumszeitalter wird sein, eine substanzielle Balance zwischen virtuellen und realen Werten herzustellen.


Und - die Beziehung zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung darf nicht mehr nur über rigorose Preis- oder Spekulationsspiralen zerstört werden – aus Sicht eines falsch verstandenen, ökonomischen Wettbewerbs. Wettbewerb will Vielfalt, keine Rivalität. Die Beziehung zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung entsteht allerdings nicht von alleine, sondern muss – wie alle Verbindungen – gepflegt und ständig erneuert werden. Hierbei sind die Unternehmen gefragt: Nur wer eine einzigartige Wertschöpfung bietet, wird eine ebenso einzigartige Wertschätzung erzielen. Momentan fordert die Krise die moralische Reinigung von Märkten und ihrer Führung; für die Zukunft gilt es, sich auf die angesprochenen, komplexen Fragestellungen einzulassen. Dabei steht die Transformation unserer bisherigen Ansprüche auf Kontrolle und Macht in eine neue Offenheit und Kooperationsfähigkeit gleichermaßen auf der Agenda wie die Maßgabe, neue, einzigartige Märkte zu erfinden. Die Zukunft des Wachstums liegt nicht mehr im Rationalisierungspotenzial von Unternehmensstrukturen, sondern in dem Wunsch des Kunden, dem Besonderen zu begegnen. Heißt: Der Begriff der Innovation reflektiert sich nicht mehr nur im Synonym für technischen Fortschritt, sondern repräsentiert vielmehr die angesprochene Qualität unserer Weiterentwicklung. Und es geht um Glaubwürdigkeit. Nichts erzeugt mehr Transparenz in einer informationsüberlasteten Welt als der Umstand, jemandem oder an etwas glauben zu können. Nicht im religiösen Sinne. Sondern im Fokus der Souveränität, Integrität, des Zutrauens und der Zuverlässigkeit. In diesem Kontext höre ich viele Manager und Politiker von der notwendigen Rückkehr der Werte reden. Welche Werte sind gemeint? Moral, Ethik, Ehrlichkeit, Redlichkeit? Was verstehen wir darunter? Was versteht der Einzelne darunter? Unsere Welt ist komplex, vielschichtig, individualistisch und facettenreich geworden. Kann es da noch massentaugliche Werte geben? Und wenn ja, wer soll die Werte-Instanz der Zukunft sein? Die Politik? Der Staat? Die Wissenschaft? Kirchen? Religionen? Kulturkreise? Traditionen?


Werte sind gesellschaftliche Verabredungen. Und erst diese Verabredungen machen Regeln wirksam. Doch je stärker der Massenkern der Gesellschaft – nach wie vor als Mitte politisch mythologisiert – in Splittergruppen zerfällt, desto mehr Wertevorstellungen und Interessen suchen nach Akzeptanz und Einfluss. Umso wichtiger sind dann die gesellschaftlichen Verabredungen, die untereinander in den weitverzweigten Communitys, aber auch über sie hinaus zu vereinbaren sind. Und sie müssen – angesichts der sich schnell verändernden Welt – immer wieder neu getroffen werden. Orientieren werden sich diese Verabredungen an neuen Werte-Instanzen, die aus den historischen Institutionen hervorgehen – so könnten wir im Jahr 2069 einer weltumspannenden Hyper-Politik, einem kooperativen Staat, einer interdisziplinär und ganzheitlich angelegten Wissenschaft, kosmopolitischen Kirchen und symbiotischen Religionen sowie interregionalen Kulturkreisen und trans-virtuellen Traditionen begegnen. Wird es so kommen? Ich weiß es nicht. Nur eine bereits feststehende Zukunft ist eine prognostizierbare Zukunft. Und eine prognostizierbare Zukunft wäre eine Zukunft ohne freien Willen. Wollen wir eine solche Zukunft? Da die Frage, ob die Zukunft offen oder vorherbestimmt ist, unentscheidbar bleibt, verlangt sie nach einer persönlichen Wahl. Ich habe mich für das Bild einer offenen und gestaltbaren Zukunft entschieden. Wir werden also die Zukunft erleben, die wir uns gestalten. Hierfür sollen die „Erfolgsperspektive Deutschland“ und meine Ausführungen Anregungen sein. Ihr Oliver W. Schwarzmann Publizist Vorstand Vordenker-Medien Bley und Schwarzmann AG


Initiative Erfolgsperspektive Deutschland

Einstiegs-Report Beitr채ge, Statements & Kommentare


Michael Schwartz, Pressesprecher des Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Die Ingenieurbranche steht vor Herausforderungen... Wie wird es weitergehen? Die Ingenieurbranche steht vor Herausforderungen. Wenn wir einen Blick auf den Ingenieurarbeitsmarkt werfen, stellen wir schnell fest, dass die Krise ihre Spuren hinterlässt. Die zurzeit 64.000 offenen Stellen im April 2009 bedeuten einen Rückgang von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch ist dies nach wie vor ein sehr hohes Niveau. Die Ingenieurlücke liegt bei 40.000. Die meisten unbesetzten Stellen finden wir mit 24.264 im Maschinenbau/Fahrzeugbau, danach mit 13.528 bei den Elektroingenieuren. Wir gehen davon aus, dass es gerade in diesen Fachrichtungen in den kommenden Jahren zu wenig Ingenieure geben wird. Trotz Krise bedeutet dies für die deutsche Wirtschaft auch 2009 einen enormen Wertschöpfungsverlust aufgrund entgangener Aufträge. Hinzu kommt in Deutschland der sogenannte „Demografiefaktor“: Jedes fünfte Unternehmen muss in den kommenden fünf Jahren Ingenieure ersetzen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die Zahl der Ingenieurabsolventen wird bestenfalls reichen, um den entstehenden Ersatzbedarf zu decken. Diesem Wettbewerbsnachteil gilt es jetzt entgegenzuwirken. Auf was wird es zukünftig ankommen? Die Krise darf uns nicht zu sehr vereinnahmen. Es kommt darauf an, dass wir in die Zukunft schauen. Allerdings stimmen uns die im Februar 2009 vom Institut der deutschen Wirtschaft


Köln (IW) befragten 3.900 Unternehmen positiv: Sie erwarten trotz aktueller Wirtschaftskrise in den kommenden fünf Jahren eine stabile Ingenieurbeschäftigung. Demnach plant lediglich jedes 14. Unternehmen Ingenieurstellen abzubauen. Zwei Drittel wollen die Ingenieurbeschäftigung konstant halten und sogar jedes vierte Unternehmen beabsichtigt aufzustocken. Das ist wichtig. Gerade in der Ingenieurbranche müssen wir unser Know-How halten. Wer nach der Krise die Auftragseingänge auf Grund fehlender Spezialisten nicht bedient, wird der Konkurrenz nicht standhalten können und deutliche Wettbewerbsnachteile haben. Langfristig lässt sich der steigende Bedarf an Fachkräften aber nur durch die verstärkte und verbesserte Aus- und Weiterbildung – auch älterer arbeitsloser Ingenieure – sowie die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen decken. Zusätzlich müssen vor allem junge Menschen für Technik und technische Berufe begeistert werden. Außerdem wird es darauf ankommen, in Fortschritt und Innovationen zu investieren. F&E-Ausgaben jetzt einzusparen, ist problematisch. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Wenn wir zusätzlich die vor kurzem erschienenen Zahlen zur Fachkräfteabwanderung hören, kommt es in Zukunft auch darauf an, Integrationshemmnisse abzubauen und insgesamt ein besseres Standortmarketing zu betreiben. Wo liegen neue Wachstumsressourcen? Wachstumsressourcen liegen vor allem in zukunftsträchtigen Technologien und dem Ausbau der jeweiligen Branchen. Beispielsweise in der Energietechnik: Sowohl in der Windkraft als auch in der Solartechnik sind deutsche Hersteller führend – Hightech „Made in Germany“, die über 150.000 Menschen Arbeit gibt. Die Investitionen in diesen Branchen werden wachsen. Hier liegt ein riesiges Exportpotenzial für deutsche Unternehmen und ein großes Arbeitsplatzpotenzial. Zukunftstechnologien sind zudem die Optischen Technologien, die Medizintechnik oder Querschnittstechnologien wie die Nanotechnik. Eine zentrale Rolle wird auch weiterhin der Maschinenbau spielen – trotz aktueller Auftragseinbrüche. Allein 2008 investierten die Unternehmen über fünf Milliarden Euro in Forschung & Entwicklung. Daneben sind für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland die Humanressourcen bedeutend. Investitionen in die Förderung des Nachwuchses, gerade im naturwissenschaftlichtechnischen Bereich sind essenziell, um aus Ideen Innovationen und marktfähige Produkte werden zu lassen.


Welche Erfolgstrends gibt es in Ihrer Branche? Wettbewerbsvorteile erzielt man in den technischen Branchen vor allem durch schnelle Ideen und ihre Umsetzungen. Um hier am Puls der Zeit zu bleiben, ist der reibungslose Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft unabdingbar. Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen werden vermehrt angestrebt und bilden häufig eine fruchtbare Partnerschaft, was sowohl die Übermittlung technischer Themen als auch von Personal angeht. Im Bereich der technischen Nachwuchsförderung gibt es zahlreiche gute Ansätze. Begeisterung für Technik wird bereits im Kindergarten transportiert. NRW hat Technikinnovationszentren eingerichtet, an denen technisches Wissen an Schülerinnen und Schüler vermittelt wird. Förderprogramme werden Studierenden geboten, die dadurch bereits früh den Kontakt zu Unternehmen finden. In den Ingenieurwissenschaften steigen erfreulicher Weise sowohl die Studienanfänger- als auch Absolventenzahlen wieder. Was muss für die Erfolgsperspektive Deutschland getan werden? Die Weichen müssen jetzt gestellt, das heißt Investitionen in Bildung und Innovation getätigt werden. Eine gezielte Wissensverbesserung muss das Ziel sein und nicht die Verbesserung der Infrastruktur wie dies im Konjunkturpaket II gefordert wurde. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht Deutschland auch ein fortschrittliches und vor allem leistungsgerechtes Zuwanderungssystem. Angesichts der rund 6,6 Milliarden Euro, die der Mangel an Ingenieuren die deutsche Volkswirtschaft im Jahr 2008 gekostet hat, sind hier schnelle und praktikable Lösungen dringend erforderlich.


Vita Michael Schwartz, Pressesprecher des Verein Deutscher Ingenieure e.V. •

geboren am 11. Oktober 1969

Studium zum Diplom-Volkswirt in Freiburg i. Br.

1997 - 2000 Volontariat/Pressesprecher bei der ProSiebenSat1 Media AG

2000 - 2001 Unternehmenssprecher guideguide AG

seit 2001 Pressesprecher des VDI und Mitglied der Geschäftsführung im VDI

seit April 2009 Bereichsleiter Strategie und Kommunikation im VDI

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure ist mit 137.000 Mitgliedern der größte technischwissenschaftliche Verein Europas. Er gilt als Sprecher der Ingenieure und der Technik. Als gemeinnützige, von wirtschaftlichen und parteipolitischen Interessen unabhängige Organisation vertritt er die berufs- und gesellschaftspolitischen Interessen der Ingenieurinnen und Ingenieure. Der 1856 gegründete Verein pflegt und entwickelt ein lebendiges Netzwerk auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Die Regionalstruktur des VDI umfasst heute 45 Bezirksvereine und 15 Landesverbände.


Dr. Sinan York Temelli, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Union Investment

Die Finanzkrise hat die Weltmärkte bereits stärker verändert, als die meisten Menschen wahrnehmen. Wie wird es weitergehen? Die Finanzkrise hat die Weltmärkte bereits stärker verändert, als die meisten Menschen wahrnehmen. Fondsmanager leben in einem neuen Zeitalter und wissen: Sie haben künftig große Herausforderungen zu lösen, um nachhaltige Renditen für ihre Anleger zu erzielen. Konjunkturelle Auf- und Abschwünge werden nicht mehr so extrem ausfallen wie in den vergangenen Jahrzehnten, und sie werden sich in Zukunft schneller abwechseln als früher. Aber warum werden die Zyklen flacher und kürzer? Tiefgreifende Umbrüche verändern die Wirtschaft. Allen voran ist der 2007 begonnene, massive Abbau von Fremdkapital bei Banken zu nennen, das sogenannte Deleveraging. Senken Banken ihren Fremdkapitalanteil, führt dies zu geringerer Kreditvergabe, und die noch zu vergebenden Darlehen werden für die Unternehmen teurer. Die Konsequenz ist ein langsameres Wachstum. Prognosen zufolge wird das weltweite Wirtschaftswachstum langfristig um ein Viertel niedriger ausfallen. Ein weiterer Trend ist die globale Vernetzung der Wirtschaft. Die Hoffnung, dass sich einzelne Regionen von der Konjunktur der USA absetzen könnten, hat getrogen: Die Subprimekrise hat sich in Kürze zu einer globalen Finanz- und nunmehr Wirtschaftskrise ausgewachsen. Auch die


zunehmende Rohstoffknappheit wird sich stark auswirken. Momentan sieht es wegen der Krise zwar so aus, als könnte die Nachfrage gedeckt werden. Doch spätestens bei einem neuen Aufschwung wird klar: Es gibt von allem zu wenig – das Wirtschaftswachstumstempo der Vergangenheit lässt sich nicht halten. Alle diese Trends führen dazu, dass höhere Renditen an den Finanzmärkten zukünftig schwerer zu erzielen sind. Die Preise von Aktien, Immobilien, Rohstoffen und anderen Vermögenswerten werden stärker schwanken als bisher, und die Risikoaversion der Investoren wird zunehmen. Das klassische „Kaufen und Halten“ allein wird deshalb nicht mehr für den Anlageerfolg ausreichen. Für Fondsmanager bedeutet dies, dass sich der Stellenwert aktiver Allokationsentscheidungen deutlich erhöhen wird. Gefragt ist aktives Fondsmanagement. Auf was wird es zukünftig ankommen? Die Finanzbranche arbeitet bereits intensiv daran, das Anlegervertrauen wieder herzustellen. Die Fondsanbieter sehen sich hier ebenfalls in der Pflicht, wobei sie eher Betroffene als Verursacher der Finanzkrise sind. Nur wenn die Menschen dem Kapitalmarkt zutrauen, dass sich ihr Vermögen hier langfristig vermehren lässt, werden sie investieren. Und nur dadurch werden sie die Aussicht haben, die Renditen von herkömmlichen Sparprodukten langfristig zu übertreffen. Fonds ermöglichen einen leichten Zugang zum Kapitalmarkt – und haben das Vertrauen der Anleger verdient. Denn sie bieten Transparenz und Einfachheit, Renditepotenzial und Einlagensicherung. Eigenschaften, die gerade in unsicheren Zeiten wieder stark gefragt sind. Ausgehend von dieser Basis werden die Fondsanbieter ihre Produktpalette weiterentwickeln – und dabei insbesondere auf die steigende Risikoaversion eingehen. Die Krise hat den Wunsch der Anleger verstärkt, Verluste zu vermeiden und jährlich ein Plus erzielen – selbst wenn dieses nur klein ausfällt. Dies verändert die Arbeit der Asset Manager: Benchmarks wie Aktienindizes rücken als Maßstab für ihre Anlageentscheidungen mehr in den Hintergrund. Denn eine relative Outperformance gegenüber einem Index kann für einen Anleger in Extremsituationen nutzlos sein. Stattdessen steht zunehmend das Vermeiden absoluter Wertverluste durch Absicherungsstrategien im Fokus: Die maximale Verlustakzeptanz des Investors wird zum zentralen Kriterium für die Steuerung von Portfolios.


Wo liegen neue Wachstumsressourcen? Wer sich künftig von seinen Wettbewerbern abheben und neue Wachstumsquellen erschließen möchte, braucht Kundenbeziehungen mit Tiefgang. Qualifizierte (Lebens-)Beratung ist dabei das Stichwort. Es geht darum, die Kunden auf ihrem gesamten Lebensweg und in allen finanziellen Fragen zu begleiten. Die Qualifizierung der Finanzberater hat daher oberste Priorität, gefolgt von der Bereitstellung von Wissen und Serviceleistungen für diejenigen Kunden, die im direkten Kontakt zur Fondsgesellschaft stehen. Die Asset Manager müssen sich ihren Kunden künftig noch stärker zuwenden. Dazu gehört, genau hinzuhören, was die Anleger bewegt. Neben ihren Bedürfnissen sollten sie auch Sorgen und Ängste ernst nehmen – besonders in Krisenzeiten. Die Kommunikation muss dabei immer einfach und verständlich sein. Wichtig ist, immer wieder die grundsätzlichen Zusammenhänge der Geldanlage zu erklären: Warum ist eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen nötig? Und wie unterscheiden sich ihre Renditepotenziale und Risiken? In Kombination mit aktuellen Nachrichten über Märkte und Investmentchancen qualifizieren sich Fondsgesellschaften als Informationschampions und können so erfolgreich ihre Kunden binden. Weiteres Wachstumspotenzial liegt darin, den demographischen Wandel zu nutzen und sich vermehrt auch auf ältere Anleger zu konzentrieren. Aufgrund ihrer langen Lebenserwartung haben viele Deutsche bei Renteneintritt immer noch einen Anlagehorizont von drei Jahrzehnten. Die Fondsbranche sollte dies als Chance begreifen und ihre Angebotspalette mit altersgruppenspezifischen Produkten weiter ausbauen. Welche Erfolgstrends gibt es? Nur mit einem klaren und deutlichen Profil hinterlässt man Spuren. Für die Fondsbranche bedeutet das, dass Durchschnittsangebote keine erfolgreiche Zukunft versprechen. Um unterscheidbar und attraktiv zu sein, müssen Anbieter künftig auf einen der beiden Großtrends setzen: Marke oder Discount. Starke Marken versprechen viel – und halten viel. Ihre Anbieter müssen für ihre Kunden stets ansprechbar sein und über Rendite hinaus einen Mehrwert bieten. Dieser lässt sich zum Beispiel über Zusatzleistungen wie Informationsportale, Multimediaangebote, Bonusprogramme, Events und vieles mehr erzielen. Die Anbieter können zudem Kooperationspartner einbeziehen, die den Kunden auch in anderen als finanziellen Fragen zur Seite stehen. Fondsanbieter werden damit


vor allem anspruchsvolle Verbraucher für sich gewinnen, die eine hohe Servicequalität erwarten und bereit sind, diese zu honorieren. Marktanteile hinzugewinnen werden auch Anbieter mit Discountstrategien. Dabei geht es darum, einfache, klare und transparente Angebote zu schnüren. Diese ziehen vor allem preisbewusste Selbstentscheider an, die sich mit weniger Betreuung zufrieden geben. Zwischen den beiden Polen Marke und Discount wird nur wenig Raum für Nischenanbieter bleiben. Die größten Zugewinne bei den Marktanteilen werden Anbieter jedoch über Qualitäts- oder über Preisführerschaft erzielen. Auch hinter den Kulissen, also innerhalb der Unternehmen, werden die Weichen für künftige Erfolge gestellt: Wer seine IT-Prozesse am effektivsten gestaltet, sichert sich Wettbewerbsvorteile. Die Industrialisierung der Finanzdienstleistungsbranche wird sich künftig eher noch beschleunigen als verlangsamen. Was muss für die Erfolgsperspektive Deutschland getan werden? Wir brauchen mehr Mut zum Investieren. Wenn sich die Deutschen auf dem Kapitalmarkt engagieren, profitieren alle. Die Anleger haben die Aussicht auf höhere Renditen, können sich mehr leisten und sichern ihren Lebensstandard im Alter. Und die Wirtschaft erhält den Schmierstoff, der den Wachstumsmotor gut laufen lässt. Um dies zu erreichen, müssen sich jedoch Bürger, Staat und Finanzbranche bewegen. Die Bürger sollten ihre finanzielle Planung aktiver angehen –zusammen mit einem Berater oder in Eigenregie. Wichtig ist, dass sie ihre Finanzen nicht dem Zufall überlassen und nicht einseitig mit niedrig verzinsten Geldanlagen sparen. Stattdessen sollten sie ihre Rücklagen gemäß ihrer Ziele, ihrer Risikoneigung und ihrer Renditeerwartungen vernünftig auf verschiedene Anlageklassen verteilen. Der Staat sorgt bisher zu wenig für finanzielle Allgemeinbildung. Wirtschafts- und speziell Kapitalmarktwissen gehört in die Lehrpläne aller Schulen. Außerdem muss die öffentliche Hand das Investieren attraktiver machen. Die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer, durch die Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer belastet werden, setzt hierzulande in ihrer Ausgestaltung ein falsches Signal. Der Staat muss zudem das Bankgeheimnis schützen, die Unschuldsvermutung beibehalten und das Bedürfnis nach Diskretion der Bürger ernst nehmen – doch er unternimmt eher das Gegenteil.


Auch Fondsgesellschaften k旦nnen einen Beitrag leisten, damit mehr investiert wird. Ihre Aufgabe ist es, die Rechte und Interessen ihrer Kunden durchzusetzen: Sie m端ssen den Aktiengesellschaften, denen sie Anlegergelder anvertrauen, mehr auf die Finger schauen und f端r eine gute Unternehmensf端hrung (Corporate Governance) eintreten.


Vita Dr. Sinan York Temelli Jahrgang 1966; geboren in Düsseldorf Dr. Sinan York Temelli studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der Philipps-Universität Marburg. Nach Abschluss des Studiums als Diplom-Politologe mit anschließender Promotion zum Dr. phil. war er von 1998 bis 2000 als Projektleiter bei der Carl-DuisbergGesellschaft e.V. und beim Bremer Landesamt für Entwicklungszusammenarbeit tätig. Von 2001-2003 arbeitete er bei der Fidelity Investment Services GmbH als Fachberater für unabhängige Finanzberater sowie ab 2003 als Pressesprecher. Zuletzt leitete er dort die Unternehmenskommunikation. Seit Juni 2008 ist er Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von Union Investment. Dr. Sinan York Temelli ist verheiratet, hat ein Kind und lebt heute im Untertaunus.

Stand: Mai 2009


Monika Brücklmeier Pressesprecherin Siemens AG

Es wird auch wieder aufwärts gehen... Wie wird es weitergehen? Auch wenn wir derzeit eine Phase des Abschwungs durchlaufen, eines ist gewiss: Es wird auch wieder aufwärts gehen. Natürlich müssen wir weiterhin unsere Hausaufgaben machen, aber dazu gehört auch, nach vorne zu blicken und die Zukunft aktiv zu gestalten. Das tun wir, wir sehen uns dafür hervorragend positioniert. Gerade hat der deutsche Bundespräsident, Horst Köhler, in seiner vierten Berliner Rede Ende März eine ökologische industrielle Revolution gefordert. Technische Revolutionen waren schon immer das Feld von Siemens. Deshalb ist zum Anführen der grünen Revolution niemand besser gerüstet als wir. Die grüne Revolution ist aber nicht nur ein Thema in den Medien, sie ist bereits ausgerufen. Im Abschlusskommunique der Konferenz der G-20-Staaten Anfang April haben sich die Teilnehmer zu einer nachhaltigen und ökologisch orientierten Weltwirtschaft verpflichtet. Ihre Forderung nach sauberen, innovativen Ressourcen schonenden und klimafreundlichen Technologien und Infrastrukturen haben sie mit einer eindrucksvollen Förderung solcher Projekte verbunden. In den kommenden Jahren werden im Rahmen der staatlichen Investitionsprogramme weltweit rund 430 Milliarden US-Dollar in effizientere und klimafreundlichere Infrastrukturen investiert. Als globale Nummer 1 bei Umwelttechnologien sind wir dafür in einer hervorragenden Ausgangsposition. Schon heute umfasst unser Umweltportfolio Technologien ein Geschäftsvolumen von mehreren Milliarden Euro. Un-


sere Stellung als führender grüner Infrastrukturgigant bauen wir stetig aus, und wir entwickeln diesen Schwerpunkt im Dialog mit unseren Kunden gezielt weiter. So haben wir im März in einer Studie am Beispiel Münchens nachhaltige und energieeffiziente Infrastrukturlösungen für eine weitgehend CO2-freie Zukunft von Großstädten vorgestellt. Derzeit erarbeiten wir gemeinsam mit dem russischen Energieministerium ein ähnliches Projekt zur umfassenden Steigerung der Energieeffizienz für die Stadt Jekaterinburg. Auf was wird es zukünftig ankommen? Wer im Wettbewerb bestehen will und in diesen Zeiten weiter wachsen will, braucht Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit. Eine davon ist der Klimawandel. Worauf es ankommt ist es daher, Technologien zu entwickeln und einzusetzen, die helfen, diesem Klimawandel zu begegnen und unsere Umwelt zu schützen. Siemens hat diese Technologien bereits jetzt im Portfolio und wird seine Innovationskraft stetig weiter ausbauen und die Produkte zum Nutzen der Kunden weltweit exportieren. Ein Beispiel: Wir produzieren die effizienteste Gasturbine der Welt, die wir gemeinsam mit E.ON testen. Daraus ergeben sich nicht nur ökonomische Vorteile für unseren Kunden, sondern auch weniger CO2-Emissionen. Die Verbesserung zum Wirkungsgrad einer herkömmlichen Turbine ist vergleichbar mit 10.000 Fahrzeugen vom Typ Seat Leon, die jeweils 20.000 Kilometer im Jahr zurücklegen. Nach dem erfolgreichen Test in der Praxis mit unserem Kunden werden wir den Wirkungsgradweltmeister weltweit vertreiben. Von dieser Innovation profitieren Siemens, die Kunden und auch die Umwelt noch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Um bei solchen Innovationen den Spitzenplatz zu erreichen, haben wir bereits vor Jahren auf die Entwicklung grüner Technologien gesetzt. Allein im Jahr 2008 haben wir mehr als eine Milliarde Euro in die Forschung und Entwicklung umweltfreundlicher Technologien gesteckt. Das ist rund ein Viertel unseres gesamten F&E-Budgets. Heute verfügt kein anderes Unternehmen auf der Welt über so viele Innovationen wie Siemens. Damit sehen wir uns gut aufgestellt für die Herausforderungen der Zukunft. Wo liegen neue Wachstumsressourcen? Innovative energieeffiziente Technologien bieten neben dem ökologischen Nutzen auch eine sehr große ökonomische Chance. Alleine im Energiesektor sehen Studien bereits im Jahr 2020 einen Markt mit einem weltweiten Volumen von über zwei Billionen EUR. Angesichts der über-


durchschnittlich wachsenden Absatzmärkte für grüne Technologien hat die Umwelttechnik das Potenzial zu der Deutschen Leitindustrie des 21. Jahrhunderts zu werden. Eine Studie von Roland Berger geht davon aus, dass Umwelttechnik im Jahr 2030 den Maschinen- und Fahrzeugabbau als wichtigste Branche ablöst. Wir wachsen hier stärker als in anderen Bereichen. Das heißt: Siemens ist schon grün und wir werden noch grüner. Wir wollen im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 25 Milliarden von derzeit 19 Milliarden Euro kommen, auch wenn es durch die Krise etwas schwieriger wird, dieses Ziel zu erreichen. Wir bieten bei der grünen Energie unseren Kunden die vollständigsten Lösungen und das umfangreichste Produktportfolio an. Das ist unser Vorteil. Wir haben die Lösungen für all die von den Regierungen weltweit ausgerufenen Konjunkturprogramme. Diese Programme setzen großteils auf Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Technologien. Das gibt dem Markt für umweltfreundliche Produkte und Lösungen einen zusätzlichen Wachstumsschub. Und ist eine fantastische Wachstumschance für ein Unternehmen wie Siemens. Welche Erfolgstrends in Ihrer Branche/Sparte gibt es? Wir sehen klare Trends in der heutigen Gesellschaft: „Demographischer Wandel“, „Urbanisierung“, und „Klimawandel“. Wir wollen uns nicht nur auf den Klimaschutz sondern auf alle diese Trends geschäftlich konzentrieren. Denn Siemens ist in all diesen Feldern stark und wir sehen in all diesen Feldern Wachstumschancen. Heutzutage leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Urbane Ballungsgebiete leisten einen überproportional hohen Beitrag zur Wirtschaft. Durch den demographischen Wandel hat die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit von 46,6 (1950) auf 72 Jahre (2025) zugenommen. Die Bevölkerung soll auf acht Milliarden bis 2025 wachsen. Dabei finden 95 % des globalen Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern statt. Die Generation 65+ wird sich weltweit bis 2030 fast verdoppeln (von 7 % auf 12 %). Die durchschnittliche Temperatur der Erdoberfläche hat sich seit dem 18. Jahrhundert um 0,76° C erhöht. Elf der zwölf wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen fielen in den Zeitraum von 1994 bis 2005. Die Treibhausgasemissionen haben sich seit der Industrialisierung massiv erhöht. Heute erleben wir die größte CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit 350.000 Jahren. Von 1950 bis 2004 hat das globale Handelsvolumen um das 27,5-fache zugenommen. Die Zahl der multinationalen Unternehmen stieg seit 1980 von 17.000 auf über 70.000. Hinter all diesen


Zahlen stecken Anforderungen an die Industrie. Beispielsweise brauchen mehr Menschen auch mehr Energie, mehr sauberes Trinkwasser und mehr öffentliche Verkehrsmittel. Zudem wächst der Bedarf an medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser und Industrieautomatisierung. Unsere Innovationen und bereits heute verfügbaren Produkte und Lösungen setzen genau hier an. Und sie setzen Maßstäbe in diesen Zukunftsmärkten. Und - was muss für die Erfolgsperspektive Deutschland getan werden? Krisen bieten immer auch Chancen. Das gilt für jedes Land. Wichtig ist dass man sie frühzeitig erkennt und sich schnell darauf einstellt. Konkret heißt das, sich auf die künftigen Wachstumsfelder und auf eigene Stärken zu konzentrieren. Deutschland wird auch langfristig ein Hochkostenstandort sein. Ein Land mit hohem Lebensstandard kann Deutschland nur bleiben, wenn es bei zukunftsrelevanten Innovationen weiterhin stark ist. Genau darauf setzen wir. Wir haben uns konsequent auf die Geschäftsfelder ausgerichtet, von denen wir uns ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum versprechen und dort unsere Gelder für Forschung und Entwicklung investiert. Mit unserem bewusst gestrafften Produktportfolio profitieren wir direkt davon. Das bietet uns als Siemens große Chancen. Und auch dem Standort Deutschland. Denn Aufträge für grüne Infrastruktur beispielsweise in Asien schaffen auch Arbeit in Deutschland. Ich nenne nur das Beispiel Gasturbine. Diese wurde in Deutschland erfunden, wird in Berlin gefertigt und demnächst weltweit ausgeliefert. Dafür bauen wir schon jetzt Arbeitsplätze in unserem Werk in Berlin auf.


Jürgen Dawo, Town & Country Unternehmensgruppe und Vorstand Deutscher Franchiseverband

In Europa und Nordamerika ist die Talsohle in Sichtweite Wie wird es weitergehen? Aus meiner persönlichen Sicht gibt es deutliche Hinweise darauf, dass in Europa und Nordamerika die Talsohle wenn auch noch nicht durchschritten, so doch zumindest in Sichtweite ist. Vor allem die deutsche Volkswirtschaft kann wohl davon ausgehen, dass der ganz große Einbruch an ihr vorübergehen wird. Die Leistung der deutschen Wirtschaft ist auf ein Niveau von zu Beginn dieses Jahrtausends gesunken. Das war nicht schlecht. Allerdings lag die Arbeitslosenzahl deutlich über der von heute. Diese relativ günstige Einschätzung bedeutet jedoch nicht, dass wir Deutschen uns nun gelassen zurücklehnen könnten und mit der trügerischen Einschätzung mit einem blauen Auge davongekommen zu sein mit einem kräftigen „Weiter so Deutschland“ in alte Gewohnheiten zurückfallen. In bestimmten Bereichen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens müssen sich grundlegende Veränderungen vollziehen. Die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger müssen sich grundlegend ändern. Leistung muss sich lohnen und Leistung muss eingefordert werden! Wenn uns grundlegende Änderungen nicht gelingen werden wir die künftigen Krisen, die in einer globalisierten und vernetzten Welt in immer schnellerer Abfolge ein-


treten werden, über kurz oder lang auch für Deutschland und Europa zum totalen Crash führen. Jeder Einzelne kann für sich die Auswirkungen solcher Abschwünge minimieren, wenn er auf solide Sachwerte setzt: Die eigen genutzte Immobilie steht dabei ganz oben auf der Liste. Auf was wird es zukünftig ankommen? Erfolgreich in die Zukunft werden solche Unternehmen schauen können, die auf eine konsequente Kundenorientierung setzen! Nicht das technisch machbare, innovative wird Markterfolg haben, sondern das Produkt, die Dienstleistung, die sich streng an den Bedürfnissen des Kunden orientiert. Eigentlich ist das keine neue Erkenntnis; Schon in der Vergangenheit waren Trends, die nicht den Kundennutzen im Focus hatten, auf Dauer nicht erfolgreich. Ich erinnere an die so genannte Internetblase gegen Ende des vergangenen Jahrtausends. Wir bei Town & Country haben von Beginn an eine klar definierte Zielgruppe in den Mittelpunkt gestellt, deren Bedürfnisse analysiert und unsere Produkte und Dienstleistungen darauf zugeschnitten. Diese Fokussierung ist das Geheimnis unseres Erfolgs. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass sich Kundenbedürfnisse im Zeitablauf verändern. Eine stetige Beobachtung und Analyse der Bedürfnisse der Zielgruppe ist vor diesem Hintergrund zwingend notwendig, um längerfristig im Markt erfolgreich zu sein. Wo liegen neue Wachstumsressourcen? Die deutsche Wirtschaft wird mittelfristig im internationalen Maßstab nur dann erfolgreich sein können, wenn sie sich dem zunehmenden internationalen Wettbewerb, der Globalisierung und der Beschleunigung aller Prozesse des Wirtschaftslebens u. a. aufgrund der weiter voranschreitenden Vernetzung stellt! Um dies erfolgreich umsetzen zu können, müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um das Niveau der „Basisbildung“ sehr deutlich anzuheben. Der Anteil der Bevölkerung, der dem beschriebenen Wettbewerb aufgrund unzureichender Bildung und Ausbildung nicht gewachsen zu sein scheint, ist zu groß und scheint weiter zu wachsen. Das kann sich dieses Land auf Dauer nicht leisten! Daher sind große Investitionen in eine signifikante Verbesserung des allgemeinen Bildungsniveaus zu erreichen. Aber auch die Unternehmen müssen ihren Beitrag dazu leisten. Auch die berufliche Bildung und Ausbildung muss stetig verbessert und verbreitert werden. Die Forderung nach „lebenslangem Lernen“ ist keine leere Worthülse, sondern betriebliche Notwendig-


keit für die Zukunftssicherung des Unternehmens. Um dies erreichen zu können, muss es gelingen, die emotionale Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen zu stärken. Mitarbeitermotivation durch Anreize zur Fortbildung ist ein Weg. Dieser muss ergänzt werden durch die Einführung neuer Managementmethoden, verstärkter Projektarbeit

und

damit

einhergehend

die

eigenverantwortliche

Umsetzung

von

Maß-

nahmen durch den einzelnen Mitarbeiter. Nur so wird es gelingen, die Kundenorientierung auch in den Köpfen jedes Einzelnen im Unternehmen zu verankern und zu einer stärkeren Bindung an das Unternehmen beizutragen. Wer von seinem eigenen Unternehmen überzeugt ist, kann dies auch überzeugend gegenüber dem Kunden vertreten. Welche Erfolgstrends in Ihrer Branche/Sparte gibt es? Beim Bau von an den Bedürfnissen des Kunden orientierten Einfamilienhäusern gehört Town & Country zu den Marktführern in Deutschland. Die Position wird das Unternehmen dadurch ausbauen, dass es konsequent auf zwei Entwicklungen setzt: a. Zunehmende Nachfrage nach energieeffizienten Einfamilienhäusern b. Zunehmende Nachfrage nach flexiblen Wohnkonzepten Im ersten Fall setzt Town & Country systematisch auf den wirtschaftlichen Einsatz regenerativer Energien für die Energieversorgung der angebotenen Häuser und auf eine nachhaltige Reduzierung des Energiebedarfs durch innovative bauliche Maßnahmen und Gebäudekonzepte. Auf weitere Erhöhung der Lebenserwartung und die weiter anhaltende Veränderung der Lebensstile und auch der Lebenszyklen stellt Town & Country sich mit dem Angebot flexibler Wohnkonzepte in den Häusern ein. So wird sich das Kleinkind gerechte Town & Country Haus zukünftig ohne größeren Aufwand über ein Haus für ein kinderloses Paar in den „besten Jahren“ bis hin zu einem Alten gerechten Eigenheim der jeweiligen Lebensphase anpassen lassen. 5. Was muss für die Erfolgsperspektive Deutschland getan werden? Notwendig sind strenge Konsequenzen aus den Erfahrungen der aktuellen Finanzmarktkrise. Dazu gehört eine Verschärfung der staatlichen Aufsicht über den Kapitalmarkt einschließlich einer internationalen Vereinheitlichung dieser Kontrollen und eine Austrocknung des so genannten grauen Kapitalmarktes: Finanzmarktprodukte, deren Wirkweise nur der verstanden hat, der sie entwickelt hat, müssen der Vergangenheit angehören.


Diese Verstärkung staatlicher Kontrollen muss jedoch auf eng definierte Bereiche des Kapitalmarktes beschränkt bleiben. Eine Ausweitung staatlicher Einmischung in „klassische“

Branchen

muss

unterbunden

werden:

Der

Staat

setzt

die

Rahmenbedin-

gungen für die Märkte von Produkten und Dienstleistungen, auf dem Unternehmen und Unternehmer sowohl eigen- als auch sozialverantwortlich agieren. Notwendig ist in diesem Zusammenhang auch der Beginn einer Diskussion über die Kernaufgaben des dingt

Staates

und

übernehmen

seiner und

Bediensteten: wozu

benötigt

Welche er

Aufgaben

verbeamtete

muss

der

Staat

Mitarbeiterinnen

und

unbeMit-

arbeiter? Kurz, was sind die Kernaufgaben des Staates? Der Staat muss finanziell handlungsfähig bleiben! Dazu ist es erforderlich, dass die überbordende öffentliche Verschuldung nicht nur eingedämmt sondern auch deutlich zurückgeführt wird. Das wird nur mit einer schweren Ausgabendisziplin gelingen! In diesem Zusammenhang muss auch das Problem der stark anwachsenden Pensionsverpflichtungen der öffentlichen Haushalte für Beamte im Ruhestand gelöst werden.


Vita Name, Alter:

Jürgen Dawo, 49

Wohnort:

seit 1991 Hütscheroda, vorher Esslingen

Familienstand: verheiratet, 3 Kinder (7, 24 und 30 Jahre alt) Beruflicher Werdegang 1978 - 80

Finanzamt Esslingen

1980 - 82

Wohnbau-Genossenschaft Plochingen

seit 1982

selbstständig als Immobilienmakler mit Ehefrau Gabriele

1990

Gründung des Franchisesystems KULSA (Immobilien)

1997

Gründung des Franchisesystems Town & Country

Preise:

Strategiepreis 2009

F&C Gold – Award 2009 Impulse Platz 4 - 2008 Impulse Platz 3 - 2007

Wissensmanager 2006 Top 3 Wachstumsstars Franchise-Nehmer des Jahres 2006

Strategiepreis 2004

Franchise-Geber 2003

© Town & Country Franchise International GmbH – 05/2009

Sales-Award 2005


Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Das Stiftungswesen ist ein Wachstumsbereich und wird dies auch bleiben. Das Stiftungswesen ist ein Wachstumsbereich und wird dies auch bleiben. Die erfolgreiche Zukunft des Stiftungssektors basiert zum einen auf seiner Nachhaltigkeit. Stiftungen, mitunter fast 1000-jährig, sind bestimmten, gemeinnützigen Zwecken auf Dauer gewidmet. Die dauerhafte Ausrichtung auf die Zukunft, auf Beständigkeit und am Gemeinwohl gehören zum Wesenskern von Stiftungen. Daraus erwächst eine geradezu einzigartige Stabilität. Und es macht die Stiftungen für Menschen, die sich engagieren wollen, attraktiv; darum kommen immer mehr neue Stiftungen hinzu, ohne dass in nennenswertem Umfang Stiftungen von der Bildfläche verschwinden. Stiftungen sind Ausdruck gelebten Bürgersinns. Bürgerschaftliches Engagement gedeiht, wo es nicht erstickt wird. Und der Trend ist eindeutig: immer mehr Menschen sehen, dass Staat und Wirtschaft allein die aktuellen und künftigen Herausforderungen bewältigen können. Je mehr Stiftungen es gibt, umso mehr wird mit ihren Projekten auch deutlich, dass und wie zivilgesellschaftliche Lösungen einen wertvollen Beitrag leisten. Zudem sind in Europa, gerade auch in Deutschland, die Rahmenbedingungen für das Stiften und Stiftungen in den letzten Jahren erheblich verbessert worden. Das hat das Stiftungenwachstum beflügelt, und das wird fortwirken auch in turbulenten Jahren.


Gleichwohl sind Stiftungen selbst in dreierlei Hinsicht durch die Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen: die Vermögen sind teilweise zumindest im Buchwert und zumindest vorübergehend gesunken, insgesamt wohl um etwa 10 Prozent; die Vermögenserträge sind derzeit um rund 10 bis 15 Prozent niedriger, vor allem wegen des niedrigen Zinsniveaus; und bei der Gründungsdynamik sehen wir eine Abschwächung. So erwartet der Bundesverband Deutscher Stiftungen nicht, dass die Zahl der neu gegründeten Stiftungen – wie in den vergangenen beiden Jahren geschehen – im Jahr 2009 wieder die 1.000er Marke überschreiten wird; die Zahl wird aber voraussichtlich deutlich über den Zahlen von vor zwanzig Jahren liegen. Vor diesem Hintergrund wird es darauf ankommen, die Suche nach effizienteren und effektiveren Wegen der Zweckerfüllung zu intensivieren: Kooperationen zum Beispiel sind ein Weg, um Synergieeffekte zu generieren. Das andere Stichwort heißt: unternehmerisches Handeln im NonProfit-Bereich. Es weht ein neuer Geist durch das moderne Stiftungswesen: das Management von Stiftungen als professionelle Dienstleistungsunternehmungen gewinnt an Popularität. Good Governance lautet ein anderes Gebot der Stunde. Die Bereitschaft, die Arbeit und Organisation von Stiftungen stärker nach „Grundsätzen Guter Stiftungspraxis“ auszurichten, wie sie von den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen verabschiedet wurden, nimmt zu. Zum Wachstum der Zahl der Stiftungen trägt der demografische Wandel bei. Die besonders stiftungsaffine „Alterskohorte“ der Menschen über 50 wächst, und ein immer größerer Teil dieser Menschen ist kinderlos. Ein weiterer Trend, den wir beobachten, weist den Weg zum gemeinschaftlichen Stiften. Mit der Gemeinschaftsstiftung wird das Stiften eine Option auch für die, die nicht allein aus eigener Kraft genügend Mittel für eine Stiftungserrichtung aufbringen können. Bürgerstiftungen sind eine Form von Gemeinschaftsstiftungen. Über 200 Bürgerstiftungen wurden in den letzten zehn Jahren errichtet. Dies deutet darauf hin, dass immer häufiger regionale Belange und der Wille „Gemeinsam Gutes anzustiften“ im Vordergrund bürgerschaftlichen Engagements stehen.


Viele, für die eine Stiftung eine gute Lösung ist, zögern aber oder haben falsche Vorstellungen. Darum ist eine zweite Wachstumsressource die weitere Verbesserung der Informiertheit über Stiftungen und des stiftungsfreundlichen Klimas. Das Stiften hat noch Popularisierungspotential. Für die Erfolgsperspektive Deutschland in Hinblick auf das Stiftungswesen geht es vor allem künftig darum, die rechtlichen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern und das Stiften weiter zu popularisieren. Stiften macht glücklicher und bringt bessere Erträge als das Spekulieren an der Börse – das muss sich bei insbesondere bei vermögenden Menschen hierzulande noch mehr herumsprechen.


Vita Dr. Hans Fleisch (Jg. 1958) ist seit dem 1. Januar 2005 Generalsektretär beim Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin. Er ist zudem Geschäftsführer der Deutschen StiftungsAkademie. Als Rechtsanwalt und Stiftungsexperte hat Dr. Fleisch zahlreiche Stiftungsgründungen beraten. Er engagiert sich ehrenamtlich in Stiftungen und Vereinen, so seit 2000 im Vorstand der CinemaxX-Stiftung. Im August 2000 hat er die Stiftung Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mitgegründet und war bis November 2006 dort Vorstandsvorsitzender. In zahlreichen weiteren Ämtern und Funktionen vertritt er den Bundesverband Deutscher Stiftungen: als Kuratoriumsmitglied bei Berlin Partner, im Beirat der Veranstaltungsreihe „Hamburger Tage des Stiftungs- und Non-Profit-Rechts“, im Koordinierungsausschuss Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, im Deutschen Kulturrat, im Kunstrat. Und als geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied des Förderfonds Stiftungswesen. Im August 2007 wurde er von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zum Beauftragten „ZivilEngagement“ berufen. Bekannt wurde Dr. Fleisch besonders durch seine langjährige Tätigkeit bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung mit Sitz in Hannover. Er hat diese Stiftung, die von Dirk Rossmann 1992 ins Leben gerufen wurde, seit der Gründung bis 2003 als Geschäftsführer aufgebaut und geleitet. Im März 2003 wechselte er als Geschäftsführer zur SUPPLY Initiative nach Brüssel/ Washington. Bevor Dr. Fleisch mit der Geschäftsführung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen beauftragt wurde, war er 2004 Abteilungsleiter für Finanzen und Administration bei der VolkswagenStiftung. Nach dem Studium Generale am Leibniz Kolleg Tübingen absolvierte Hans Fleisch das Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen und Göttingen. Er begann seine Laufbahn 1983 bis 1985 als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Universität Göttingen. Anschließend arbeitete er bis 1986 als wissenschaftlicher Assistent der Medienkommission der Bundesländer. Das Referendariat absolvierte er 1986 bis 1988 am Oberlandesgericht in Celle. Im Jahr 1987 promovierte er zum Dr. jur. im Verfassungsrecht. 1988 wurde er Vorstandsassistent bei der Allianz Lebensversicherungs AG, bei der er 1990 bis 1992 die Abteilung Firmenkunden leitete. Dr. Hans Fleisch wurde am 9. April 1958 in Celle geboren. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.


Ingo Schloo, Geschäftsführer. Schimmel Media

Die Branche befindet sich schon seit vielen Jahren im strukturellen Umbruch Aus Sicht des Groß- und Einzelhandels, mit Aspekten der Medienwirtschaft in Deutschland. Trends, Herausforderungen und Perspektiven von Groß- und Einzelhandel im Konsumgütermarkt und deren medialer Umgebung. › Wie wird es weitergehen? Die Weltwirtschaftskrise ist im deutschen Einzelhandel im Sommer 2009 noch nicht angekommen. Natürlich sind die Kauflaunen im Bereich Luxus und Trendartikeln gedämpft und in vielen Bereichen leichte Rückgänge zu verzeichnen. Die Branche befindet sich allerdings schon seit vielen Jahren im strukturellen Umbruch und ist Veränderungen gewöhnt. Spektakuläre Insolvenzen wie Arcandor und Woolworth sind eher die Folgen von Marktverschiebungen ins Internet und der Sortimentsausweitung der Discounter als der Weltwirtschaftskrise. Die veränderten Finanzierungsbedingungen beschleunigen aber die Prozesse und bestrafen die Managementfehler der Vergangenheit heute schneller und konsequenter. Wer heute allerdings glaubt der Handel und Konsum könnten unbeschadet die Krise meistern, übersieht die Wahrscheinlichkeiten für eine ganze Reihe von drohenden Nebenwirkungen. Was heute den Maschinenbau trifft und im Import / Export, auch von Konsumgütern, sichtbar ist, lässt sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch für den Einzelhandel und in Folge auch für den Großhandel erwarten.


Ein Anstieg der Massenarbeitslosigkeit, Lohneinbußen, Staatsverschuldung, ansteigende Inflation und damit früher oder später auch steigende Zinsen, werden die Konsumneigung in den Jahren 2010 bis 2012 wahrscheinlich stark beeinträchtigen. Verschiebungen im Warensortiment mal unberücksichtigt, treffen nennenswerte Umsatzeinbrüche im Einzelhandel vor allem die Beschäftigten, den innerstädtischen Immobilienmarkt, die lokale Werbewirtschaft und die Zwischenhandelsstrukturen. › Auf was wird es zukünftig ankommen? Basis des Überlebens im Handel bleibt mehr denn je die Ertragskraft und Finanzstärke der Unternehmen. Mit wachsender Branchenkrise erhöht sich der Druck auf beide Paramenter. Handelsunternehmen müssen daher so schnell wie möglich versuchen, entweder Kosten zu senken oder profitables Wachstum zu generieren um die Eigenfinanzierung zu erhöhen oder zu sichern. Das Internet ist nicht nur eine der Hauptursachen für strukturelle Verschiebungen im Handel, sondern auch einer der wenigen Gewinner und effektiven Strukturkostenbremser, den der dem Handel dabei zur Verfügung steht. Der Verbrauchertrend ist klar. Bestellabwicklung und PreBuy-Information konzentrieren sich schon heute stark auf das Internet. Dies wird selbst im breiten Einzelhandel noch von viel zu wenigen Anbietern adaptiert und kreativ genutzt und ist im Großhandel mit einigen Ausnahmen nicht vorhanden. Neu wird deshalb der Druck auf Strukturanpassungen in den Großhandelsstufen sein. Zwischen Herstellkosten und Verkaufspreis im Einzelhandel liegen noch immer bis zu 90% der Wertschöpfung. Das heißt im Großhandelsprozess lässt sich aus Sicht des Endabnehmers und des Einzelhandels jede Menge Geld sparen. Hier ist ein enormer Marktdruck zu erwarten und die Hersteller und Importeure stehen vor der Frage, zu versuchen alte Strukturen zu bewahren oder den Weg des Zwischenhandels am Ende über das Internet zu verkürzen. Die Margen für regionale Großhandelsstrukturen, Distributoren und selbst nationale Vertriebsstrukturen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft werden kleiner und deren Existenz ist im Zeitalter von Internet und hochtechnisierter Logistik- und Versandsystemen auch im Zwischenhandel gefährdet. Am Ende können weder Großhandel und Hersteller die Zeit aufhalten und werden dem Entwicklungsmuster der Reise, Luftfahrt oder Einzelhandelsbranche folgen. Innovatoren wie Amazon


oder Ryanair nutzen das Internetprinzip und erobern als Newcomer große Marktanteile. Adaptionsfreudige Anbieter wie Otto oder Lufthansa erkennen und nutzen den Trend rechtzeitig und verlagern schrittweise ihr Geschäftsvolumen ins Internet. Andere wie Arcandor, AUA, Alitalia oder Swiss reagierten zu spät und scheiden als eigenständige Unternehmen aus. Wenn man sich dabei die handelsnahen Medienmärkte anschaut ergeben sich ähnlich konsequente Verwerfungen. Alle konventionellen Medien verlieren, das Internet gewinnt. Besonders getroffen sind die lokalen Medien. Nach dem Verlust vieler Rubrikmärkte droht der Verlust lokaler Handelswerbung, und das ohne der Sichtweite auf kommerziell erfolgreiche lokale Internetkonzepte. › Wo liegen neue Wachstumsressourcen? Die internetbedingten Strukturveränderungen und die Spätfolgen der laufenden Wirtschaftkrise treffen den Groß- und Einzelhandel doppelt und hart. Wachstum findet nur über erfolgreiche Verdrängungskonzepte statt. Im klassischen Einzelhandel über klare Positionierung, entweder als Flächen- oder Fachdiscounter oder dem Gegenpol des kleinen beratungsintensivem Fachgeschäftes mit engem Sortiment. Im sonstigen Einzel- und Großhandel im Wesentlichen über innovative und mutige Konzepte im Internetgeschäft in Verbindung mit dem Ausbau der eigenen Kundenmärkte auf nationale oder europäische Ebenen. Alle Wege sind gangbar und bieten Einzelnen die schnell, konsequent und erfolgreich handeln sehr gute Perspektiven. Der Umstrukturierungsprozess wird aber viele Opfer kosten. Insbesondere Großhandel und Hersteller hinken hier den Endverbrauchermärkten noch weit hinterher und haben im absehbar schwierigem Geschäftsumfeld einen noch härteren Anpassungsprozess vor sich. So paradox es klingt, aber in den Zeiten von Umbrüchen und Krisen erhöhen sich die Chancen des Einzelnen, während die Branche und Allgemeinheit vor großen Einbrüchen steht. In einem klaren Zukunftsszenario lassen sich relativ einfache Strategien entwickeln die gepaart mit konsequentem unternehmerischem Handeln zu hohen Erfolgspotentialen führen.


› Welche Erfolgstrends in Ihrer Branche/Sparte gibt es? Kosten runter – Umsatz rauf, klingt unmöglich, wird aber mit der Marktdurchdringung des Internets in Groß- und Einzelhandel für den qualifizierten Einzelnen Realität. Das Internet als zusätzlicher Absatzkanal hebt das Marktpotential aus den regionalen Grenzen und bietet eine relativ günstige Betriebskostenstruktur und neue Services für den Kunden. Das Internet als Einkaufsplattform hat das Potential die Kosten und Stufen des Zwischenhandels massiv zu senken, um so höhere Margen oder bessere Preise für den Einzelhandel zu ermöglichen. Die optimale Sortimentsbreite bleibt dabei wohl eher produktabhängig. Grundsätzlich gelten „beratungsintensive“ Warengruppen eher als Fachhandelsgeignet. Selbst bei Marken- oder Luxusartikel zählt im Vergleich der Quellen letztendlich der aktuelle Angebotspreis. Niedrige Preise lassen sich im Handel aber auf Sicht nur über breite Sortimente im Flächenhandel oder den günstigeren Onlinehandel wirtschaftlich rechtfertigen. Speziell der Trend zu Online-Sourcing und Online-Sellings schafft Spielraum zur Demokratisierung des Handels zu Lasten der großen integrierten Handelskonzerne. Transparente Einkaufsmärkte, effektive Handelsplattformen, höhere Zwischenhandelsspannen und geringere Investitionskosten bieten dem innovativen Groß- und Einzelhändler neue Marktchancen und macht die Handelskonzerne mit hohen Fixkosten und Finanzbedarf krisenanfällig. Zusätzliche Chancen und Potentiale entstehen für den regionalen mittelständischen Handel über den steigenden Dienstleistungsanteil in den Verbraucherausgaben. Waren- und Dienstleistungsangebot zu verknüpfen und als „lokale“ Marke zu positionieren gehört zu den wenigen Wachstumsperspektiven des lokal und regional agierenden Händlers. › Und - was muss für die Erfolgsperspektive Deutschland getan werden? Der Handel wird als Wachstums- und Beschäftigungsmotor in den nächsten Jahren mit Sicherheit ausfallen und ggf. sogar sein stabilisierendes Element verlieren. Die Vermittlung von Warenverfügbarkeit und Information ist durch internetbasierte Kommunikation und Transaktion im Zusammenspiel mit hochentwickelten logistische Systeme keine Basis mehr um die hohen volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsanteile zu rechtfertigen. Deutschland ist mit seiner hochentwickelten Industrie und Forschung, der guten Infrastruktur und internationalen Vernetzung sicher besser aufgestellt als viele andere Nationen. Der Leidensdruck in


der aktuellen Krise ist aber hoch. Zur langfristigen Sicherung und zum Ausbau deutscher Vorteile dürfen die notwendigen Investitionen nicht vernachlässigt werden. Die breite, aber insbesondere auch die elitäre Bildung müssen stärker gefördert werden. Die Forschung muss wertfrei mit Themen und Gebieten umgehen dürfen, anstelle von politischen Diskussionen und Beschränkungen geächtet zu werden. Das Thema Energieversorgung muss in einem Hochtechnologieland langfristig und vor allem wirtschaftlich gesichert sein. Und zum Schluss dürfen wir auch ein mediales Thema nicht vernachlässigen. Deutschland hat es als weltweit führendes „Messeland“ geschafft sich einen Standortvorteil in der Vermarktung von Hochtechnologie zu sichern. Leider sind diese Strukturen noch nicht in der Internetwelt angekommen bzw. sogar gefährdet. Wer heute einen asiatischen Hersteller oder Lieferanten sucht findet mit globalsources.com, alibaba.com oder hktdc.com (Hong Trade Development Council) hochentwickelte und marktabbildende Internetplattformen. Die Deutsche Wirtschaft, ganz zu schweigen von der Europäischen, ist im Informations- und Sourcing-Medium der Zukunft bei weitem noch nicht angekommen – und läuft Gefahr – ähnlich einzelner genannter Branchenunternehmen – den Trend der Zeit zu verpassen und den Kontakt zu den Kunden und Märkten der Zukunft zu verlieren.


Vita Ingo Schloo (43 Jahre) ist Geschäftsführer des Schimmel Media Verlags sowie Gründer und Geschäftsführers des zentrada-networks, mit 120.000 gewerblichen Mitgliedern das führenden internetbasierten Handels- und Einkäufernetzwerk für Konsumgüter in Deutschland und Europa. Der Diplom-Kaufmann (Schwerpunkte Marketing und Wirtschaftsinformatik) ist seit vielen Jahren als Geschäftsführer und Gesellschafter im Medienunternehmen tätig und hat dort eine Reihe von Business-Magazinen und Internetplattformen entwickelt und erfolgreich im Markt etabliert.


Steffen T. Müller, Vorstand Bank- & Börsenverein Universität Hohenheim Stuttgart

Schlimmer kann es wohl kaum noch kommen... Wie wird es weitergehen? Schlimmer kann es wohl kaum noch kommen. Erst der Exporteinbruch, dann steigende Arbeitslosenzahlen und sinkende Unternehmensgewinne bzw. steigende Verluste großer Firmen. Meiner Einschätzung nach spielen die expansive Geldpolitik der EZB und die stabilisierenden Maßnahmen der deutschen Bundesrepublik eine große Rolle zur Bekämpfung der Krise. Ich sehe jedoch zwei Probleme auftauchen. Erstens spülen die Notenbanker mit ihrer Geldpolitik massiv Kapital in die Märkte, dies wird die Risiken einer einhergehenden Inflation verstärken. Sollte die Wirtschaft sich wieder erholen und schwungvoll starten, können die Kapazitäten, die gerade abgebaut werden, nicht so schnell wieder hochgefahren werden und die steigende Nachfrage wird in einem steigenden Preisniveau enden. Das zweite Problem sehe ich in den Staatsgarantien, die dem Staat zwar Einsicht und Mitspracherecht bieten, jedoch sind die Risiken eines Missmanagements sehr hoch. Ähnlich wie bei der IKB weiß man nicht, ob der Staat über genügend gut ausgebildete Ökonomen verfügt, um diese Eingriffe zu rechtfertigen. Meiner Einschätzung nach wird gerade aufgrund einer stärker werdenden Nachfrage aus Asien gegen Ende diesen Jahres wieder aufwärts gehen. Der Konsum in Deutschland ist auch aufgrund der Abwrackprämie recht gut, jedoch wird sich dies im Laufe des Jahres verringern,


sobald die Krise, die Haushalte wirklich trifft. Generell bin ich recht optimistisch, jedoch ist das Rückschlagpotential unabsehbar. Auf was wird es zukünftig ankommen? Wichtig werden wird auf jeden Fall die Kontrolle der Banken, das Funktionieren eines reibungslosen Kredit bzw. Interbankenmarktes, so daß gerade dem Mittelstand Deutschlands genügend Kapital zur Verfügung steht. Des weiteren denke ich wird die Bundesregierung noch mehr investieren und sich weiter verschulden. Die Abwrackprämie ist zwar ein gutes und als einzigstes wirklich erfolgszeigendes Modell, jedoch profitieren ausländische Hersteller fast stärker als die Deutschen selbst. Hier sollte man sich vielleicht dem Protektionismus der USA bzw. Frankreich etwas anpassen und verstärkt deutsche Produkte nachfragen. Verstärkt Rechnung getragen werden sollte auf jeden Fall an einem einheitlichen Bilanzierungssystem weltweit, so daß früher erkannt werden kann, welcher Bank welche Risiken birgt und früher gehandelt werden kann. Dies obliegt der Bankenaufsicht und den Ratingagenturen, die meiner Einschätzung nach eine Totalüberholung nötig haben. Wo liegen neue Wachstumsressourcen Die Wirtschaftskrise hat die aufkommende Diskussion über eine saubere Welt etwas verdrängt, jedoch wird das Thema Umweltschutz, erneuerbare Energien und Recycling immer wichtiger. Wenn man die Werbung bzw. Produkte aller großer Firmen vergleicht, tauchen immer wieder neue Beispiele auf: Apple, Daimler… . Deshalb ist gerade in diesen Branchen noch relativ viel Potential vorhanden und da die Wachstumsraten noch enorm hoch sind, werden sich die Banken nicht mit Krediten zurückhalten. Neue Wachstumsressourcen liegen meiner Ansicht nach auch im Bereich der Finanzdienstleister. Gerade Selbstständige, kleine Agenturen und Makler, werden aufgrund der Verunsicherung von Privatanlegern stärker nachgefragt werden. Die Kundenbindung, die sich im letzten Jahrzehnt schon stark verändert hat, wird sich weiter verändern. Welche Erfolgstrends gibt es? Zweifelsohne weiterhin die IT-Branche mit sozialen Netzwerken. Sei es für das soziale Leben wie Facebook oder StudiVz, oder berufsabhängige wie XING. Diese Netzwerke die auch im Bereich


Lebenspartner weiter verstärkt nachgefragt wird, wird sich weiter halten und verjüngen. Gerade in Zeiten von wirtschaftlichem Desaster werden soziale Kontakte, Freunde und ein intaktes Berufsnetzwerk immer wichtiger. Daher denke ich das wir in diesem Bereich noch viel mehr Möglichkeiten haben. Was muss für die Erfolgsgeschichte Deutschlands getan werden? Der Erfolg eines Landes bemisst sich zu großen Teilen aus der Bildung seiner Fachkräfte. Gerade Deutschland, das Land der Dichter und Denker muss achtgeben, das sich keine Zweiklassengesellschaft entwickelt. In meinem Studium lerne ich immer mehr Kommilitonen kennen, denen es finanziell fast unmöglich ist zu studieren. Hier sollte der Staat weitere Möglichkeiten einer kostengünstigeren Bildung weiterführen. Gerade schlechter ausgebildete sind es auch die ihren Job als erstes verlieren. Hier herrscht noch einiger Nachholbedarf.


Vita Steffen T. Müller

»

Bankfachwirt (SBW)

»

zwei Semester Betriebswirtschaftslehre

an der Verwaltungs- und

Wirtschaftsakademie Stuttgart

»

Studium der Wirtschaftswissenschaften an der

Universität Hohenheim / Bachelor of Science (Bsc.)

Praktikum: DZ Bank International S.A. Luxemburg/

»

Portfoliomanagement

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Stv. Vorsitzender des kreditwirtschaftlichen Colloquium Hohenheim e.V.


Matthias Wissmann Präsident des VDA

FuE-Investitionen bleiben hoch – Premium von strategischer Bedeutung Wissmann: Mit innovativen Produkten fahren wir aus der Krise

„Der Weg aus der Krise wird nur über innovative und attraktive Produkte möglich sein. Wer die Krise zum Anlass nehmen würde, nun auf ‚billig, billig, billig‘ zu setzen, würde einen fatalen Fehler begehen. Die Kunden haben weiterhin hohe Ansprüche an das Automobil - und die Umweltstandards der EU bleiben auch künftig anspruchsvoll. Gleiches gilt für die Sicherheitsstandards, bei denen gerade die deutschen Hersteller weltweit den Maßstab setzen“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem 20. Automobil-Forum in Stuttgart. Die Herausforderungen, die die Automobilindustrie zu stemmen habe, seien immens: „Wir müssen die Investitionen in Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau halten, während die Absatzzahlen in diesem und wohl auch noch im kommenden Jahr schwach bleiben werden. Das führt tendenziell zu höheren Stückkosten. Die Unternehmen müssen daher nicht nur ihre Innovationsführerschaft weiter verteidigen, sondern gleichzeitig auch ihre Kostenstrukturen optimieren,


um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Dadurch nimmt der Druck in der Industrie weiter zu“, unterstrich Wissmann. „Die Antwort darauf heißt in Produktion und Entwicklung: Standardisierung, Modularisierung und Baukastensystem. Dies gilt für den gesamten Antriebsstrang ebenso wie für viele andere Bereiche im Automobil. Intelligente Lösungen sind gefragt, die sowohl den Kundennutzen erhöhen als auch die Kosten reduzieren. So geht es bei der Standardisierung vor allem um Bauteile und Systeme, die keine Relevanz bei der Markendifferenzierung beim Kunden haben. Die Entwicklungsleiter der Hersteller und Zulieferer ziehen beim Thema Standardisierung im Rahmen von Arbeitskreisen im VDA an einem Strang“, erläuterte der VDA-Präsident. Eine weitere Auffächerung der Modellpalette - wie von vielen Herstellern geplant - werde verknüpft durch modulare Komponenten, die den Aufwand deutlich unterproportional gegenüber der höheren Zahl der Modelle steigen lassen. Der entscheidende Schwerpunkt der Innovationsanstrengungen deutscher Automobilunternehmen und -zulieferer sei das Ziel der nachhaltigen Mobilität. Wissmann: „Wir haben bereits in den vergangenen Jahren die Emissionen der ‚klassischen Schadstoffe‘ so reduziert, dass man heute nur noch von ‚homöopathischen Dosen‘ sprechen kann, die den Abgasstrang des Fahrzeugs verlassen.“ Und wie ernst die deutsche Automobilindustrie den Klimaschutz nehme, werde an den enormen Fortschritten deutlich, die bei der Reduzierung der CO2-Emissionen bereits erreicht wurden. Schon heute bieten deutsche Marken rund 90 Modelle an, die weniger als 5 l/100 km Kraftstoff benötigen. Und die Unternehmen kommen bei der Reduzierung der CO2Emissionen immer schneller voran: Nachdem 2007 der durchschnittliche CO2-Wert aller neu zugelassenen Pkw in Deutschland bereits um 1,7 Prozent zurückging, konnten die CO2-Werte im vergangenen Jahr insgesamt um 2,9 Prozent gesenkt werden. Im ersten Quartal 2009 lag die Reduktion bereits bei 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der durchschnittliche CO2-Wert der in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge lag damit mit 154,9 g/km deutlich unter 160 g/km CO2. Wissmann betonte: „Hierzu leisten die deutschen Marken einen entscheidenden Anteil. Trotz ihres Schwerpunktes auf Mittelklasse- und Premium-Fahrzeugen liegen sie nur noch 2,5 Prozentpunkte über dem Durchschnittswert.“


Der VDA-Präsident wies auf die gesamtwirtschaftlichen positiven Wirkungen hin, die mit der Neuordnung der Kfz-Steuer und der Umweltprämie ausgelöst wurden: „Diese Strategie ist wirtschaftspolitisch ein Erfolg, der nicht nur den Beschäftigten in der Automobilindustrie, sondern auch den tausenden von Mitarbeitern in all den Branchen zugute kommt, die mit ihren Vorprodukten unsere Industrie beliefern. Sie stabilisiert den Inlandsmarkt, was angesichts der weiterhin schwachen Exportmärkte besonders wichtig ist. Sie zieht Kunden in die Schauräume, die bislang keine Neuwagen gekauft haben. Auch das Geschäft mit Jahreswagen wird dadurch erheblich angekurbelt. Zudem ist die ökologische Wirkung unverkennbar, wie die rückläufigen CO2-Emissionen bei den Neuzulassungen zeigen.“ „Jeder, der die Marktentwicklung in den europäischen Nachbarstaaten verfolgt, kann sich unschwer vorstellen, wie kritisch die Lage am Inlandsmarkt - und damit zusätzlich auch am Arbeitsmarkt - wäre, wenn die Politik sich nicht schnell und entschlossen für diese wirkungsvollen Instrumente der Nachfragebelebung entschieden hätte“, sagte Wissmann. Der VDA-Präsident erwartet, dass die nunmehr in vielen anderen europäischen Ländern aufgelegten Incentive-Programme ebenfalls greifen und eine weitere Abwärtsbewegung zumindest gebremst wird, „damit sich die Exportbedingungen wieder verbessern“. Eine nachhaltige Belebung des Weltautomobilmarktes werde allerdings erst dann eintreten, wenn der nach wie vor wichtige US-Markt wieder anziehe. Wissmann hob die Bedeutung des Premiumsegmentes für den Automobilstandort Deutschland - und insbesondere für Baden-Württemberg - hervor. Der Anteil der Premiummarken an der Inlandsproduktion sei in den letzten zehn Jahren von 40 auf 50 Prozent gestiegen, das Exportvolumen habe im gleichen Zeitraum ebenfalls um 10 Prozentpunkte auf 50 Prozent zugelegt. Wissmann: „Damit zählt jedes zweite Auto, das in Deutschland produziert oder exportiert ist, zum Premiumsegment.“ Der Umsatz mit Premiumprodukten habe sich in den letzten zehn Jahren sogar auf 90 Mrd. Euro verdoppelt. Knapp zwei Drittel des Umsatzes dieser Schlüsselindustrie entfalle damit auf Premium. Der Ausfuhrwert sei mit über 140 Prozent sogar noch stärker gestiegen.


Insbesondere für die Beschäftigung am Standort Deutschland sei das Premiumsegment von strategisch wichtiger Bedeutung. Während in den letzten zehn Jahren die Beschäftigung bei den Herstellern insgesamt leicht rückläufig war (-2 Prozent), legte der Premiumbereich um 12 Prozent zu. Wissmann: „Sechs von zehn Mitarbeitern, die am Standort Deutschland bei den Herstellern beschäftigt sind, hängen direkt am Premium, vor zehn Jahren war es gut jeder zweite.“ Gerade bei Premiumprodukten seien in letzter Zeit die größten CO2-Einsparungen erzielt worden. So habe das neue Mercedes-Benz E-Klasse Coupé einen Verbrauch von lediglich 5,1 l/100 km - ein Wert, der bislang in diesem Segment nicht erreicht wurde. „Und wenn zudem die Leistung sogar noch gesteigert werden kann, obwohl man einen 4-Zylinder-Motor - mit geringerem Verbrauch anstelle eines bisherigen 6-Zylinders einsetzt, so unterstreicht dies erneut die Innovationsstärke unserer Industrie“, sagte Wissmann. Der Fortschritt beschränke sich dabei nicht auf eine Marke oder einen Hersteller, entsprechende Beispiele gebe es auch bei Audi, BMW oder Porsche. Ebenso wichtig sei Premium beim Thema Sicherheit. „Von ABS über Bremsassistent, Seitenairbag, Keramikbremse, Abstands-Tempomat, Knie-Airbag, Aktives Kurvenlicht und InfrarotNachtsichtsysteme - stets wurden diese Innovationen zunächst in Premiumfahrzeugen eingebaut, bevor sie ihren Weg in die Volumenmodelle fanden“, unterstrich der VDA-Präsident. Wissmann betonte: „So schwierig die Zeiten auch sind, diese Industrie wird stärker als andere aus dieser Krise herausfahren. Davon bin ich überzeugt. Denn wir halten - trotz heftigen Gegenwinds - Kurs und verfolgen konsequent unsere Innovationsstrategie. Bei Forschung und Entwicklung wird es keine Abstriche geben. Und eines ist auch klar: Wenn die internationalen Märkte wieder anspringen, werden die deutschen Hersteller beim Aufschwung ganz vorn dabei sein, weil sie so global aufgestellt sind wie kein anderer.“

Quelle: Verband der Automobilindustrie / © Portraitbild: VDA


Dr. Manfred Wittenstein Präsident des VDMA

VDMA: Produktionsforschung entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie

Wie kann Deutschland zum Produktionsstandort Nummer 1 ausgebaut werden? Juni 2009 – „Jeder dritte Arbeitsplatz in Deutschland hängt von der Produktion ab. Auch vor diesem Hintergrund reichen die 72 Millionen Euro für die Produktionsforschung im Bundesforschungsministerium bei weitem nicht aus“, erklärte Dr. Ing. E.h. Manfred Wittenstein, Präsident des VDMA, anlässlich des zweitägigen Kongresses „Intelligenter Produzieren“. „Überdies muss die breitenwirksame Industrielle Gemeinschaftsforschung gestärkt werden. Und die steuerliche Forschungsförderung muss endlich auch in Deutschland kommen“, so Wittenstein. Im Vergleich der Jahre 1981 und 2006 zeige sich, dass der Wirtschaftssektor seine Forschungsaufwendungen um 367 Prozent gesteigerte habe, der Staat aber lediglich um 89 Prozent. Im selben Zeitraum sei der Finanzierungsanteil des Staates an der unternehmerischen Forschung und Entwicklung drastisch zurückgefahren worden und zwar von 16,9 auf 4,5 Prozent. Wettbewerbsländer wie die USA liegen hier bei über 10 Prozent.


Harte Zeiten für Maschinenbauer „Wir befinden uns mitten in der Rezession, und eine Erholung ist für uns gegenwärtig noch nicht absehbar“, sagte Wittenstein zur aktuellen konjunkturellen Situation der Branche. „Darüber dürfen auch nicht die wieder anziehenden Frühindikatoren hinwegtäuschen. Erste noch vage positive Signale kommen allerdings aus China.“ Die aktuelle Kapazitätsauslastung liege bei 72 Prozent - ein historisches Tief für die Maschinenbauer. Die Zahl der Beschäftigten im Maschinenbau ging - Stand April - seit Jahresanfang um 13.000 Personen zurück. Weitere 158.000 Mitarbeiter befanden sich im März in Kurzarbeit. Maschinenbau bietet Perspektive und Zukunft Die drängendste Frage der Unternehmen ist, auf welche Produktions- und Umsatzniveaus sie sich mittelfristig einstellen müssen und welche Konsequenzen das für ihre Produktionskapazitäten haben wird. Vor dem Hintergrund hat der VDMA Anfang Juni eine Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt. 390 Unternehmen haben teilgenommen. Drittel der Unternehmen will die Krise zur strategischen Neueinstellung von Spezialisten nutzen. In mittelständischen Unternehmen mit 100 bis 250 Beschäftigten und Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind es sogar 40 Prozent. „16 Prozent der Unternehmen gehen in den nächsten Monaten sogar von einer Zunahme des Ingenieurbestandes im eigenen Unternehmen aus. Mehr als drei Viertel rechnen damit, dass die Zahl der Ingenieure sich im eigenen Unternehmen nicht verändern wird. Nur acht Prozent glauben, dass der Ingenieurbestand im eigenen Unternehmen in den kommenden Monaten abnehmen wird“, sagte der VDMA Präsident. Fast die Hälfte der Unternehmen (41 Prozent) will die meisten ausgelernten Auszubildenden übernehmen, ein Fünftel sogar alle. Und in fast drei Viertel (73 Prozent) der Unternehmen wird das Lehrstellenangebot im kommenden Ausbildungsjahr konstant bleiben.


Gut die Hälfte der Maschinenbauunternehmen (54 Prozent) erwartet allerdings Einschnitte auch bei der Stammbelegschaft. „Davon müssen wir leider ausgehen. Denn wenn die Personalkapazitäten langfristig nicht ausgelastet werden, geht es ums Überleben“, betonte Wittenstein. Maschinenbau sieht riesige Chancen im Bereich „Green Production Technologies“ „Unsere Technologien sind es, die nachhaltiges Wachstum möglich machen“, sagte Wittenstein. Noch sei es allerdings fraglich, „ob wir in Deutschland auch beim Thema Elektromobilität bis zum Kern der Wertschöpfung durchkommen und damit hunderttausende Arbeitsplätze sichern. Wir müssen Lithium-Ionen-Batterien nicht nur erforschen, sondern vor allem kostengünstig produzieren können“, forderte Wittenstein. „Wir müssen Technologien für das Produzieren aufbauen, von Elektrofahrzeugen, von mobilen Maschinen, von System-komponenten. Das Schaffen des guten Neuen im Bewusstsein des guten Alten - das ist für mich exakt die intelligente Produktion. Damit könnten wir weltbester Produktionsstandort bleiben“, betonte der VDMA Präsident.

Quelle: Verband Deutscher Maschinenbau / © Portraitbild: VDMA


Dr. Werner Schnappauf Hauptgeschäftsführer des BDI

BDI zur Konjunktur: Talsohle erreicht, Aufstieg wird lang und schwer · BDI mahnt zu Realismus – Bodenbildung ist noch kein Aufschwung · Kreditversorgung darf nicht zum Engpass werden · Programm für Innovation und Wachstum gefordert: Industrieland Deutschland stärken 82/2009 / Juli 2009 „Die Anzeichen für eine Bodenbildung mehren sich. Das ist positiv. Eine Bodenbildung ist aber noch längst kein wirtschaftlicher Aufschwung.“ Dies erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf anlässlich der Vorstellung des BDI-Konjunktur-Reports in Berlin. „Bei aller Erleichterung über die jüngsten Zahlen müssen wir realistisch bleiben. Der Aufschwung kommt nicht von selbst. Die nachhaltige Erholung wird ein eher längerfristiger Prozess“, sagte Schnappauf. Verglichen mit dem Vorjahr bleibe die Lage angespannt. Der Auftragsrückgang betrug im Mai 2009 im Vergleich zum Vorjahr mehr als 30 Prozent. „Entscheidend für die deutsche Industrie, deren Anteil am BIP rund 25 Prozent beträgt, ist die Entwicklung des Exports“, sagte Schnappauf. Derzeit spreche wenig dafür, dass die Weltwirtschaft zügig wieder in Gang kommt. „Das führt unvermeidlich zu Kapazitätsanpassungen. Nicht nur die Beschäftigung, auch der Bedarf an Investitionen wird zurückgehen“, so Schnappauf.


Als aktuell größte Herausforderung für die Realwirtschaft bezeichnete der BDI-Hauptgeschäftsführer die Liquiditätssicherung. „Die Finanzierungssituation hat sich eindeutig verschärft und könnte sich in den nächsten Monaten drastisch verschlechtern“, sagte Schnappauf. „Es geht um viele kleine Schritte zur Lösung der Liquiditätsprobleme der Realwirtschaft, damit nicht durch fehlende Kredite an sich gesunde Unternehmen wegbrechen. Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass erste zaghafte Wachstumstriebe durch fehlende Liquidität abgewürgt werden“, unterstrich Schnappauf. Die Nachbesserungen beim Finanzmarktstabilisierungsgesetz und die Erleichterungen bei der Neubewertungsrücklage würden zwar helfen, jedoch werde die Eigenkapitalbasis der Banken aufgrund der Basel II-Regelung stärker beansprucht. Diese Regel wirke prozyklisch und damit krisenverschärfend. Sie müsse deshalb rasch modifiziert werden. „Neben dem akuten Krisenmanagement brauchen wir mittelfristig ein Programm für Innovation und Wachstum“, betonte Schnappauf. „Die Industrie ist zentral für mehr Wachstum. Ziel muss es sein, das Industrieland Deutschland zu stärken. Deshalb müssen alle Maßnahmen ergriffen werden, die aus der Krise heraus auf einen höheren Wachstumspfad führen“, sagte Schnappauf. „Es geht nicht um Wachstum nur um des Wachstums willen. Immer mehr vom Gleichen ist nicht das, was wir unter Wachstum verstehen“, erläuterte Schnappauf. „Es geht um Innovationen, um neue Technologien. Es geht darum, Antworten zu geben und Lösungen zu finden für die großen Herausforderungen der Welt: Klimawandel, Demografie und Urbanisierung. Erfolgreiche Innovationen bringen automatisch Wachstum – und Wachstum schafft Arbeitsplätze.“


Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann Vorstand des DIW Berlin

Freier Fall gestoppt Vor langem Marsch durch die Talsohle ohne absehbares Ende

Die deutsche Wirtschaft wird im laufenden Jahr um 6,4 Prozent schrumpfen. „Die Produktion hat nach einen freien Fall wieder Boden unter den Füßen“, sagte DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann. „Allerdings droht ein langer Marsch durch eine konjunkturelle Talsohle ohne absehbares Ende, der bestenfalls die Aussicht zum Aufstieg auf kleine Hügel bietet.“ Der Konjunktureinbruch geht vor allem auf die gesunkene Exportnachfrage zurück. Da sich die Ausfuhren derzeit nur verhalten erholen, fällt auch die Wachstumsperspektive für 2010 mit 0,5 Prozent eher gering aus. Die trügerische Ruhe auf dem Arbeitsmarkt wird bald vorbei sein und die Erwerbslosenzahl im nächsten Jahr im Schnitt wieder deutlich über der 4,5-Millionen-Marke liegen. Dies sind die zentralen Ergebnisse der heute veröffentlichten Sommergrundlinien des DIW Berlin. Das DIW Berlin hält weitere kurzfristige Konjunkturhilfen nicht für Erfolg versprechend und empfiehlt stattdessen ein mittelfristiges Investitions- und Wachstumsprogramm. Dazu müssten die staatlichen Investitionen nachhaltig auf ein höheres Niveau steigen.

Konjunkturverlauf wieder etwas überschaubarer Im Frühjahr hatte das DIW Berlin noch auf eine quantitative Prognose für das Wirtschaftswachstum 2010 verzichtet. Damals liefen die veröffentlichten Prognosen der tatsächlichen Entwicklung hinterher und mussten in sehr kurzen Zeitabständen immer wieder nach unten revidiert werden.


„Mittlerweile ist der Konjunkturverlauf wieder etwas überschaubarer geworden“, sagte DIW-Präsident Zimmermann. „Daher legen wir wieder eine Prognose für das kommende Jahr vor.“ Zu den am stärksten betroffenen Bereichen der deutschen Wirtschaft zählen der Maschinenund Fahrzeugbau, die Elektroindustrie sowie die Metallverarbeitung, aber auch die unternehmensnahen Dienstleistungen. Die Finanzkrise wird die Produktionsmöglichkeiten in Deutschland beeinträchtigen Die deutsche Volkswirtschaft bleibt über den Prognosezeitraum hinaus weit unter ihren Produktionsmöglichkeiten. Die Produktionslücke öffnet sich sogar noch weiter. Das DIW Berlin beziffert den Produktionsverlust infolge der Finanzkrise auf insgesamt 4 Prozent nach fünf Jahren. „Dies ist vorsichtig gerechnet und kann auch noch deutlich pessimistischer ausfallen“, sagte DIWKonjunkturchef Christian Dreger. Auch bei der Schätzung des Produktionspotenzials ist die Entwicklung der Exportmärkte entscheidend. Deutschland erholt sich langsamer Trotz der jüngsten Anzeichen für eine leichte konjunkturelle Entspannung dürfte sich Deutschland langsamer von der Krise erholen als andere Regionen der Weltwirtschaft. So kommt der Euroraum nur schleppend auf die Beine, weil die Arbeitslosigkeit noch steigen wird. Des Weiteren stecken besonders die mittel- und osteuropäischen Länder und Russland noch tief in der Krise. Damit dürfte sich die Nachfrage in den Hauptabsatzregionen für deutsche Exporte nur schwach entwickeln. Darüber hinaus ist die Finanzkrise noch längst nicht ausgestanden. So werden bei den europäischen Banken noch enorme Kreditausfallrisiken vermutet. In der Prognose wird unterstellt, dass es den Entscheidungsträgern durch geeignete Maßnahmen gelingt, die Bankbilanzen von den toxischen Beständen zu reinigen. Dies ist eine durchaus kritische Annahme. DIW Berlin warnt vor Protektionismus Angesichts der historischen Rezession der Weltwirtschaft warnt das DIW Berlin vor protektionistischen Maßnahmen. Bereits in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre hatten diese die Krise drastisch verschärft. Trotz der negativen Erfahrungen versuchen einige Staaten, die inländische Produktion zu Lasten der Einfuhren zu fördern. Damit sollen vermeintlich Arbeits-


plätze gesichert werden. „Besonders für exportorientierte Volkswirtschaften birgt ein zunehmender Protektionismus erhebliche Risiken, weil die Gefahr eines Flächenbrandes besteht“, sagte DIW-Präsident Zimmermann. Die aktuelle Prognose unterstellt, dass es gelingt, einer möglichen Ausbreitung des Protektionismus entgegenzuwirken. Privater Konsum stabilisiert Bei einer sehr niedrigen Inflation von 0,2 Prozent in diesem und 0,4 Prozent im nächsten Jahr erweisen sich die Ausgaben für den privaten Konsum als stabilisierender Faktor für die deutsche Wirtschaft. Das Anspringen der automatischen Stabilisatoren und – wichtiger noch – die Pufferfunktion der Unternehmensgewinne schirmen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte weitgehend von den gesamtwirtschaftlichen Einkommenseinbußen ab. Insgesamt können durch den relativ stabilen privaten Verbrauch die Nachfrageausfälle aus dem Exportgeschäft allerdings in keiner Weise kompensiert werden. Im nächsten Jahr dürfte angesichts kräftig steigender Arbeitslosenzahlen das Vorsichtssparmotiv an Bedeutung gewinnen, was dann einer stärkeren Belebung der privaten Konsumnachfrage im Wege steht. Arbeitsmarkt: Kurzarbeit gerät an ihre Grenzen In nahezu allen Wirtschaftszweigen ist 2009 die Produktivität drastisch gesunken. Obwohl die Talsohle der wirtschaftlichen Entwicklung inzwischen erreicht ist, wird sich die Auftragslage der Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte nur wenig verbessern. Die Unternehmen werden deshalb zunehmend Beschäftigte entlassen. „Die Kurzarbeit gerät an ihre Grenzen. Wegen der schlechten Ertragslage wird es zu Entlassungen und sogar zu Insolvenzen kommen“, sagte Zimmermann. „Im nächsten Jahr wird die Arbeitslosenquote wohl zweistellige Werte erreichen und die Erwerbslosenzahl im Jahresdurchschnitt auf 4,7 Millionen steigen. Dies trifft vor allem die exportorientierten und wirtschaftlich starken Bundesländer.“ Mittelfristiges Investitions- und Wachstumsprogramm auflegen Der Rückgang der Steuereinnahmen bei gleichzeitigem Anstieg der Ausgaben aufgrund der automatischen Stabilisatoren und der Kosten für die beiden Konjunkturpakete führt zu einem staatlichen Defizit in Rekordhöhe. Die Defizitquote wird in diesem Jahr -3,7 und im nächsten Jahr -6,4 Prozent erreichen. Angesichts der sich weiter öffnenden Produktionslücke empfiehlt das


DIW Berlin einen mittelfristigen Investitionsplan für Bund, Länder und Kommunen über mehrere Jahre, der nicht nur in einer konjunkturellen Schwächephase die Investitionen punktuell erhöht. Damit baut man längerfristige Kapazitäten auf und stabilisiert die Erwartungen der Unternehmen. Zudem werden auch künftige Wachstumsbremsen wie Infrastrukturengpässe in bestimmten Regionen behoben. Weiterhin berichten die Geschäftsbanken von einer restriktiven Kreditvergabe, wovon besonders Unternehmenskredite betroffen sind. Grund hierfür ist neben der schlechten Konjunkturlage auch die stark geschrumpfte Eigenkapitaldecke der Banken. Daher würde eine weitere Eigenkapitalaufstockung die Kreditvergabe erleichtern. Notfalls muss der Staat den Banken frisches Eigenkapital zuführen, sollte es tatsächlich zu einer Kreditklemme kommen. Hintergrundinformation Produktionspotenzial: Das Produktionspotenzial ist die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft bei einer „normalen“ – das heißt gleichgewichtigen - Auslastung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital auf dem gegebenen Stand der Technologie erstellen kann. Die Differenz zwischen dem Produktionspotenzial und der tatsächlichen Leistung einer Volkswirtschaft ist die Produktionslücke. Ein konjunktureller Abschwung kann wegen der damit verbundenen Abnahme der Investitionen und Zunahme der Arbeitslosigkeit das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft deutlich verringern. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Abschwung durch eine Banken- oder Finanzkrise ausgelöst wurde.

Quelle: DIW Berlin / © Portraitbild: DIW


Prof. Dr. Michael Hüther Direktor des IW Köln

Agenda 20D Masterplan für den nächsten Aufschwung Die Herausforderung könnte größer kaum sein: Nach dem historischen Wirtschaftseinbruch sollte Deutschland mehr Wachstum und Verteilungseffizienz erreichen. Wie das gelingen kann, zeigt die Agenda 20D des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Nötig sind vor allem ein besserer Zugang zu Bildung und Arbeit, eine investive Haushaltspolitik und die Wiederbelebung eines schwer angeschlagenen Wachstumsfaktors – des Vertrauens. Jeder hat das Recht, etwas falsch zu machen – aber bitte nicht immer das Gleiche. Wenn Deutschland also im kommenden Aufschwung die Fehler der Vergangenheit vermeiden will, muss es diese erst einmal identifizieren. Rückblende: Vor sechs Jahren stand die Bundesrepublik schon einmal vor großen Problemen. Ein wachstumspolitisch verlorenes Jahrzehnt hinterließ mehr als fünf Millionen Arbeitslose, und bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten betrugen die Wachstumsaussichten kaum 1 Prozent pro Jahr. Zwar schaffte das Land dank einer unternehmerischen Fitnesskur und der Agenda 2010 eine Trendwende – bis 2008 stieg dieses Potenzialwachstum auf 1,6 Prozent.


Zu einer ehrlichen Bilanz des vergangenen Aufschwungs gehört aber auch die Einsicht, dass dessen Qualität zumindest in der Wahrnehmung der Bevölkerung nicht richtig angekommen ist. Die rot-grüne Reform der Grundsicherung schwächte das Sicherheitsempfinden der Menschen, und die Erhöhung der Mehrwertsteuer durch die Große Koalition schmälerte zusammen mit hohen Inflationsraten die Massenkaufkraft. Hinzu kam eine Lohnpolitik, die sich auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze konzentrierte. Das begrenzte den Verdienstzuwachs großer Bevölkerungskreise bis in das Jahr 2008 hinein und stand zudem in starkem Kontrast zu den deutlich steigenden Gewinneinkommen. Kurzum: Der vergangene Aufschwung hatte eine verteilungspolitische Schieflage – so sehen es zumindest viele Bundesbürger. Ob das stimmt, hat das IW Köln anhand einer empirischen Analyse untersucht. Deren Ergebnisse zeigen, dass es beides gegeben hat – Verlierer, aber auch Gewinner: > Arbeitsplätze. Der zurückliegende Konjunkturboom kam vor allem jenen Menschen zugute, die wieder einen Arbeitsplatz gefunden haben. In Kombination mit den Arbeitsmarktreformen sind zwischen 2003 und 2008 mehr als 1,6 Millionen neue Stellen entstanden. > Markteinkommen. Zwischen 1995 und 2003 hatte die Ungleichheit in der Verteilung der Haushalts-Markteinkommen deutlich zugenommen. Danach ist aber der Abstand gesunken und lag 2006 sogar wieder unter dem Niveau von 1995. Bezieht man dann noch die staatliche Umverteilung über Transfers und Abgaben mit ein, schmilzt die Lücke weiter: Die Nettoeinkommen der Haushalte lagen 2006 sogar dichter beieinander als Mitte der neunziger Jahre. Armut > Armutsindikatoren. Bei einem internationalen Vergleich verschiedener Armutsindikatoren erreicht Deutschland im EU-Vergleich stets mittlere bis gute Platzierungen (Grafik). Dieser Befund gilt allerdings nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen. Wie seit langem bekannt, hängt das Armutsrisiko vor allem von zwei ineinandergreifenden Faktoren ab: Bildung und Erwerbstätigkeit. Je niedriger das Bildungsniveau, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, nur einen schlecht bezahlten Job zu bekommen oder immer wieder arbeitslos zu werden. Dieser Zusammenhang ist in Deutschland insbesondere bei Einwanderern und deren Nachkommen festzustellen.


Von den geringqualifizierten Migranten waren im Jahr 2007 fast 28 Prozent armutsgefährdet – eine annähernd doppelt so hohe Quote wie unter den Einheimischen mit vergleichbarem Bildungsstand. Die Fehler und Fehlentwicklungen im Aufschwung 2003 bis 2008 sind damit benannt; jetzt gilt es, daraus die Lehren zu ziehen und einen stringenten Wachstumskurs einzuhalten. Das IW Köln fordert in seiner Agenda 20D Folgendes: Den Zugang zu Arbeit erleichtern. Die Armutsindikatoren zeigen es: Jede Form von Arbeit ist besser als der Bezug staatlicher Hilfen. Voraussetzungen für mehr Arbeit sind folglich nicht nur eine produktivitätsorientierte Lohnpolitik, eine ausreichende Lohndifferenzierung nach Qualifikation, eine größere Rechtssicherheit beim Kündigungsschutz – etwa durch Abfindungsmodelle – und der Verzicht auf gesetzliche Mindestlöhne. Nötig ist vielmehr auch, die Arbeitsmarktpolitik ganz darauf zu konzentrieren, Erwerbsarbeit zu schaffen und zu fördern. Einkommensarmut: Dies gilt vor allem für die Ausgestaltung der „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ (Arbeitslosengeld II). Hier muss zum Beispiel die Anrechnung von Hinzuverdiensten linear verlaufen, und nicht wie heute sprunghaft – mit der Folge, dass sich Arbeit für viele gar nicht lohnt. Der präventive Ansatz, mit den Geldern der Arbeitsmarktpolitik auch die Verbesserung der Ausbildungsreife und Berufsorientierung zu finanzieren, ist gut und ließe sich systematisieren, indem die derzeitigen Programme auf den Feldern Berufsorientierung, Berufsvorbereitung, Ausbildungsförderung und Integrationshilfen gebündelt werden. Das Bildungsniveau erhöhen. Bildung wirkt wie eine Versicherung gegen sozialen Abstieg und erhöht gleichzeitig die Chancen auf besser bezahlte Jobs. Migranten und Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau sollten deshalb bereits im Kindergarten und in der Ganztagsschule individuell gefördert werden, um so eventuellen späteren Defiziten vorzubeugen.


Um den Bildungsstand der Bevölkerung insgesamt zu erhöhen, müssen auch Reformen im Bildungssystem selbst erfolgen. An den Schulen zum Beispiel könnte die am Dienstalter ausgerichtete Vergütung der Lehrer in ein ziel- und leistungsorientiertes Vergütungssystem überführt werden. Wichtige Bausteine sind auch mehr Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsgängen und ein erleichterter Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte. Insbesondere für Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten können Dauer und Kosten des Studiums dem Gang an die Hochschule entgegenstehen. Deshalb braucht vor allem diese Gruppe ausreichende Angebote zur Studienfinanzierung. Das Wachstum hängt mehr denn je davon ab, ob es Deutschland gelingt, seine niedrigen Absolventenzahlen in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu erhöhen. Dazu müssen mehr Lehrkräfte eingestellt und die Studienbedingungen an den Hochschulen verbessert werden. Den Staatshaushalt investiv sanieren. Die ausufernde Verschuldung der öffentlichen Haushalte durch die neu geschaffene Schuldenbremse im Zaum zu halten, ist gut – trotzdem wird sich der Konsolidierungsdruck in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Der nötige Schuldenabbau darf aber nicht über Steuererhöhungen erfolgen, denn das würde die Wachstumsbedingungen verschlechtern. Der bessere Weg führt über konsequentes Sparen auf der Ausgabenseite, was sogar Spielräume für Steuersenkungen erschließen kann. Zum steuerpolitischen Minimalprogramm für die nächsten Jahre gehört die Abschaffung der kalten Progression in der Einkommensbesteuerung. Vertrauen schaffen. Die Finanzkrise hat gelehrt, dass nachhaltiges Wachstum ohne Vertrauen nicht möglich ist – zusammen mit sozialen Bindungen, Werten und Normen bildet es das Sozialkapital einer Gesellschaft. Der Staat kann Vertrauen durch gute Ordnungspolitik fördern; dazu gehören sichere Eigentumsrechte, verlässliche Rahmenbedingungen sowie transparente und nachvollziehbare Regeln. Was den Finanzmarkt angeht, braucht Deutschland eine unabhängige Bankenaufsicht, die ihrerseits durch eine ebenfalls unabhängige


wissenschaftliche Kommission kontrolliert wird. Und unabhängig heißt in letzterem Fall: unabhängig von der Bankenaufsicht, der Politik und der Wirtschaft.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln / © Portraitbild: IW Köln


Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein Präsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Statement anlässlich der Pressekonferenz am 11. Mai 2009 in Berlin

Konjunkturprognosen sind in diesen unsicheren Zeiten ... ... nicht mit der gewünschten Treffsicherheit zu erstellen. Nicht umsonst hat das DIW Berlin in diesem Jahr auf eine eigene Prognose ganz verzichtet. Dennoch wollen wir unsere Einschätzung zur weiteren Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft abgeben. Direkt zur Sache: Zu Beginn des Jahres waren wir noch so optimistisch, der Baubranche, Dank des erwarteten Schubes aus den Konjunkturpaketen, einen geringen Umsatzzuwachs von 1,2 % für das Jahr 2009 in Aussicht zu stellen. Nach den nunmehr vorliegenden Zahlen müssen wir die Prognose deutlich revidieren und unsere Einschätzung der Entwicklung des bauwirtschaftlichen Umsatzes auf minus 2,0 % senken. Zur Begründung dieser Aussage im Einzelnen: Unsere größte Sorge gilt weiterhin der Entwicklung im Wohnungsbau. Mit nur noch 185.315 neu fertig gestellten Wohnungen wurde in 2007 erstmals die Grenze von 200.000 Wohnungen unterschritten. In 2008 wird dieser Wert bei nur noch knapp 170.000 Wohneinheiten liegen, so dass


wir auch unter Einbeziehungen der Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden auf weniger als 200.000 Wohnungen kommen werden. Auch die Genehmigungszahlen für Wohnungen blieben im Jahr 2008 auf Talfahrt. Sie verfehlten zum zweiten Mal seit der Wiedervereinigung die 200.000-Marke und erreichten nach 2007 mit 182.771 Wohneinheiten im vergangenen Jahr nur noch 174.595 (= - 4,5 %). Dieser Trend scheint sich auch in diesem Jahr fortzusetzen: Denn bereits in den ersten beiden Monaten wurden noch einmal 5.000 Wohnungen weniger genehmigt als im Vergleichszeitraum des schon schlechten Vorjahres. Die bereits jetzt fehlenden Baugenehmigungen führen zu niedrigeren Umsätzen in Höhe von 460 Mio. Euro (= - 11%). Offenkundig schlägt die Verunsicherung der Verbraucher stärker auf den Wohnungsmarkt durch als die durchaus vorhandenen positiven Faktoren, wie z. B. die niedrigen Hypothekenzinsen sowie die bestehenden Fördermöglichkeiten, etwa durch Wohn-Riester. Auch die Auftragseingänge sind im Wohnungsbau in den ersten beiden Monaten wertmäßig so niedrig wie nie in den letzten 10 Jahren: minus 18 % zum Vorjahr. Auf der Grundlage dieser Daten erwarten wir einen Rückgang des Umsatzes im Wohnungsbau um knapp eine Mrd. Euro (= - 3,5 %). Entlastungen aus der Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen sind dabei bereits berücksichtigt. Insbesondere die erwartete negative Entwicklung am Arbeitsmarkt wirkt sich auf den Wohnungsneubau im Jahresverlauf hemmend aus. Daher wird das bereits per Februar bestehende Umsatzdelta zum Vorjahr in Höhe von 700 Mio. Euro nicht zu kompensieren sein. Auch die Entwicklung im Wirtschaftsbau läuft schlechter, als wir das noch vor drei Monaten erwartet hatten: Hier waren wir zu Beginn des Jahres von einem Minus von 5 % ausgegangen. Die Wirtschaftsweisen sehen den Wirtschaftsbau in ihrem Frühjahrsgutachten im Strudel der Wirtschaftskrise und prognostizieren die diesbezüglichen Bauinvestitionen bei real minus 10 %.


Die Baugenehmigungen bei den nichtöffentlichen Bauherren liegen in den ersten beiden Monaten mit 7,5 % im Minus. Im Hinblick auf die Auftragseingänge ist der Wirtschaftsbau aber auf das Niveau von 2006 zurückgefallen: In den ersten beiden Monaten fehlen bereits fast 30 % der Aufträge mit einem Volumen von 900 Mio. Euro. Auch hier trifft der Rückgang, ähnlich wie beim Wohnungsbau, vor allem die alten Länder. Der Wirtschaftsbau wird vom Leistungsträger zur „Lame duck“ mutieren: 8,6 % weniger Umsatz werden spürbare Auswirkungen auf die Baukonjunktur haben. Kommen wir zum öffentlichen Bau, auf dem unsere Hoffnungen ruhen: Wir hatten bei unserer ersten Prognose unterstellt, dass von den erwarteten gut 20 Mrd. Euro aus den Konjunkturpaketen, die die öffentliche Hand insgesamt zusätzlich investieren möchte, ca. 3 Mrd. Euro bereits in diesem Jahr zugunsten des Bauhauptgewerbes auf den Markt kommen würden. Bedenkt man, dass nach politischem Willen 50 % des Konjunkturpaketes II in 2009 an den Markt gehen sollten, waren 3 Mrd. Euro für das Bauhauptgewerbe schon zurückhaltend geplant. Gleichwohl müssen wir auch hier unsere Erwartungen weiter nach unten schrauben: Zwar liegen die Baugenehmigungen per Februar 2009 mit 55 % und einem Volumen von 470 Mio. Euro deutlich im Plus. Die Auftragseingänge dagegen, die für uns wesentlich wichtiger sind, liegen mit 6 % bzw. 140 Mio. Euro im Minus. Im Umsatz liegen wir hier per Februar – sicher auch witterungsbedingt - um mehr als eine halbe Mrd. Euro zum Vorjahr zurück. Meine Damen und Herren, wir werden im Herbst ein Phänomen erleben, vor dem wir seit Jahrzehnten auch in normalen Zeiten immer wieder warnen - auch weil es immer wieder erhebliche aber vermeidbare volkswirtschaftliche Schäden anrichtet:


Im Herbst werden für einige Wochen so viele Aufträge auf dann endlich einmal ausgelastete Betriebe zukommen, dass tatsächlich Engpässe entstehen werden, Engpässe sowohl bei der ausführenden Wirtschaft insbesondere jedoch bei den Zulieferern. Heute, wo die Unternehmen Kapazitäten frei haben, müssen wir ein immer noch sehr zurückhaltendes Vergabeverhalten der öffentlichen Hand konstatieren, was u. a. auch zu Kurzarbeit in den Baubetrieben führt. Betrachtet man die Maßnahmenpakete im Einzelnen, so wären bei einer 50%igen Umsetzung des Maßnahmenpaketes II und der geplanten Verwendung des Paketes I ca. 3,9 Mrd. Euro zusätzlich im Bauhauptgewerbe in 2009 marktwirksam geworden. Dazu zählen die Investitionen des Bundes in die Verkehrsinfrastruktur mit einem Volumen von 2 Mrd. Euro, wovon knapp 90 %, also 1,7 Mrd. Euro, dem Bauhauptgewerbe zugute gekommen wären. Dazu zählen auch die Investitionen des Bundes in die Sanierung von Gebäuden mit einem Volumen von 1,4 Mrd. Euro. Hiervon würden 464 Mio. auf Maßnahmen des Bauhauptgewerbes entfallen. Aus den zusätzlichen Maßnahmen der Länder und der Kommunen im Paket II mit einem Gesamtvolumen von 13,3 Mrd. Euro wären in 2009 nur 1,7 Mrd. Euro auf das Bauhauptgewerbe entfallen. Die übrigen Gelder gehen in Ausrüstungsinvestitionen sowie in das Ausbaugewerbe. Nach Lage der Dinge wird die 50 %-Marke von den öffentlichen Auftraggebern in 2009 nicht annähernd erreicht. Viele Aussagen aus Ländern und Kommunen weisen daraufhin, dass bis zum Herbst nur 40 % der erwarteten Maßnahmen vergeben – d. h. aber noch lange nicht umsatz- und kassenwirksam - sein werden. Wahrscheinlich werden aus verschiedenen Gründen nur 20 % marktwirksam werden, d. h. wir rechnen nur noch mit 2,1 Mrd. Euro zusätzlichen Investitionen im öffentlichen Bau, die auf das Bauhauptgewerbe entfallen. Zusammengefasst heißt das: Wir erwarten einen Umsatzrückgang von 2,0 %, von 85,6 Mrd. Euro in 2008 auf 83,9 Mrd. Euro in 2009. Davon entfallen auf den Wohnungsbau 25,0 Mrd. Euro (= - 3,5 %), den Wirtschaftsbau 31,0 Mrd. Euro (= - 8,6 %) und den öffentlichen Bau 27,9 Mrd. Euro (= + 8,1 %).


Unterm Strich reicht der Umsatzzuwachs im öffentlichen Bau von 2,1 Mrd. Euro nicht aus, um die Rückgänge im Wohnungsbau von 0,9 Mrd. Euro und im Wirtschaftsbau von 2,9 Mrd. Euro auszugleichen. Das bedeutet ein Umsatzminus von 1,7 Mrd. Euro, wogegen wir im Februar noch ein geringes Umsatzplus von 1 Mrd. Euro erwartet hatten. Könnte das Bauhauptgewerbe das Jahr 2009 tatsächlich mit rund 84 Mrd. Euro Umsatz beenden, läge dieser allerdings immer noch über den Umsätzen von 2006 und 2007. Noch einen Satz zur Beschäftigtenentwicklung: Bereits im Januar und Februar hatten wir durchschnittlich 10.000 Beschäftigte weniger als in den Vorjahresmonaten, obwohl die Arbeitsleistung um 30 % unter der des Vorjahres lag, was vor allem dem harten Winter geschuldet ist. Offenkundig hat die Saison-KUG-Regelung, die nun den dritten Winter im Einsatz war, größere Entlassungen verhindert. Dennoch werden wir in diesem Jahr die Beschäftigtenzahl des vergangenen Jahres von 705.289 nicht halten können und erstmalig jahresdurchschnittlich unter 700.000 Beschäftigte verzeichnen. Dafür ist der prognostizierte Rückgang im beschäftigungsintensiven Wohnungsbau maßgeblich, aber auch die unzureichende Kompensation zwischen Wirtschaftsbau und öffentlichem Bau. Wir erwarten für dieses Jahr einen Verlust von 10.000 Arbeitsplätze (= - 1,5 %), was 695.000 Beschäftigten jahresdurchschnittlich im Bauhauptgewerbe entspricht. Meine Damen und Herren, diese Zahlen zeigen, dass auch die Bauwirtschaft im Jahr 2009 nicht von der Krise verschont bleibt. Es wird also Zeit, dass die Bundesregierung über weitere Konjunkturimpulse nachdenkt, was wir im Übrigen bereits im Februar gefordert hatten. Die derzeitige Entwicklung bestätigt unsere Auffassung, dass die Wirkung der beiden Maßnah-


menpakete nicht ausreichen wird, da ein gewichtiger Teil des Bauens – nämlich der Wohnungsbau - vernachlässigt bleibt. Wir hatten bereits im vergangenen Jahr gefordert, den Wohnungsbau in ein Maßnahmenpaket zur Überwindung der Finanzkrise einzubeziehen, weil dadurch private Investitionen in Milliardenhöhe ausgelöst würden. Das Beispiel der Abwrackprämie macht deutlich, wie schnell der Staat mit einfachen Mitteln die Verbraucher zu privaten Investitionen veranlassen kann. Dieses Verhalten sollte Anreiz sein, ähnliche Instrumente auch im Bereich des Wohnungsbaus einzusetzen. Zwar wurden die KfW-Förderprogramme zur energetischen Gebäudesanierung aufgestockt und in vielen Einzelpunkten auch deutlich verbessert, viele Haus- und Wohnungseigentümer, die für ihre Sanierungsmaßnahmen entweder keinen Kredit benötigen oder erhalten, nehmen offensichtlich derzeit weiterhin eine abwartende Haltung ein. Wir schlagen daher erneut die Einführung einer Energiesparprämie vor. Diese soll 25 % von max. 20.000 Euro nachgewiesener Arbeitskosten auf energetische Sanierungsmaßnahmen betragen. Damit könnten die selbst nutzenden Eigentümer ihre Steuerschuld um max. 5.000 Euro reduzieren. Auch im Bereich des Wohnungsneubaus muss der Staat klare Signale für höhere Investitionen setzen. Dazu müssen die Abschreibungssätze im Mietwohnungsbau deutlich erhöht, z. B. verdoppelt werden. Die konsequente Fortsetzung des Riester-Ansatzes für das private Wohneigentum stellt zudem einen vorteilhaften Weg zu einer Neuordnung der Wohnungsbauförderung in der kommenden Legislaturperiode dar. Weiterhin gilt es, die Liquidität und den Ertrag bei den Betrieben zu stärken. Dazu gehört für uns eine gezielte Korrektur der Umsatzsteuer. Gerade um Kleinbetriebe zu entlasten, sollte die Ist-Versteuerungsgrenze bundeseinheitlich auf 1 Mio. Euro angehoben werden. Weitere Erleichterungen würden Korrekturen bei der Unternehmensbesteuerung bringen. Die Betriebe dürfen nicht weiter durch eine Besteuerung von Mieten, Pachten und Zinsen belastet werden. Damit der Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht, muss die Politik zu strukturellen Reformen zurückfinden. Durch Reformen der Einkommensteuer und der sozialen


Sicherungssystem müssen die Einkommen der Arbeitnehmer und der Faktor Arbeit entlastet werden. Wir werden die Wahlkämpfe in diesem Super-Wahljahr 2009 nutzen, um auf allen Ebenen für unsere Vorschläge zu werben und erwarten, bei denen, die unser Land zukünftig regieren wollen, auf offene Ohren zu stoßen. Bleibt die Frage, wie es weitergehen wird: Kurzfristig werden wir uns auf ein schwieriges Jahr 2009 einstellen müssen. Mittelfristig – und darauf setzen wir – wird sich die Gesamtkonjunktur aber wieder stabilisieren und damit vor allem auch der Wirtschaftsbau. Auch der Wohnungsbau könnte von einer Stabilisierung der Konjunktur Impulse erfahren. Angesichts der notwendigen Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und des Auslaufens der Konjunkturpakete im Jahr 2011 droht allerdings ein Einbruch beim öffentlichen Bau. Wir appellieren jetzt an die öffentlichen Auftraggeber, ein Niveau an Bauinvestitionen zu erreichen und zu halten, das sich an den langfristigen Erfordernissen orientiert. Umfangreiche Bauaufgaben gibt es in großer Zahl: Ob es die energetische Gebäudesanierung ist, der altersgerechte Umbau der Wohngebäude und Wohnumfelder, die uns noch viele Jahre beschäftigen werden, ob es Ausbau, Umbau und Sanierung der öffentlichen Infrastruktur sind. All dies ist durch zurückliegende Versäumnisse schon jetzt dringend nötig und die Öffentlichkeit wird dies zunehmend er- und anerkennen. Wenn dann die erforderlichen Mittel bereitgestellt sind und endlich dafür eingesetzt werden, kann an guten Perspektiven des Baugewerbes nicht gezweifelt werden.

Quelle: Zentralverband des Deutschen Baugewerbes / © Portraitbild: ZDB


Günther Hieber BDS Präsident

Sonntagsreden helfen dem Mittelstand nicht Steigende Arbeitslosigkeit nicht unterschätzen

„Die steigende Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Jahren zu einem großen Problem werden. Da nutzt es wenig, wenn sich die Politik auf die Rettung von Großbetrieben konzentriert. Der Mittelstand stellt fast 80 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland. Wenn ein großer Konzern insolvent wird, ist das bedauerlich. Gehen zehntausende Kleinbetriebe pleite, ist das eine Katastrophe. Die Zeit für Sonntagsreden über den Mittelstand ist vorbei - jetzt heißt es handeln“, sagte heute der Präsident des Bundesverbandes der Selbständigen, Günther Hieber. Er betonte, dass die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Betriebe nicht stimmen. Das zeige sich nun in der Krise umso deutlicher. Zu hohe Belastungen durch Steuern und Sozialabgaben erdrücken vor allem die Leistungsträger, die Mittelschicht. Die Bürokratie in fast allen Bereichen - vom komplexen Arbeitsrecht bis zu simplen Genehmigungen - hemmen unternehmerisches Engagement. Mangelnde Kreditversorgung bedroht ganz akut tausende Kleinbetriebe in ihrer Existenz, so der Verbandschef.


„Es knirscht derzeit gewaltig im Gebälk. Nur ein Beispiel: Deutsche Mittelständler haben zu wenig Eigenkapital. Das ist vor allem Ergebnis einer verfehlten Steuerpolitik der letzten Jahrzehnte. Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, sollten steuerfrei sein, bis sie ausgeschüttet werden. So war es bis Ende der 50er Jahre. Dadurch entsteht eine hohe Eigenkapitalquote, die in schwierigen Zeiten wie jetzt die Finanzierung enorm erleichtert“, so Hieber. „Deutschland kann diese Krise meistern - mit starken kleinen und großen Unternehmen. Es ist allerdings fünf vor zwölf. Auf dringend nötige Reformen können wir nicht mehr lange warten“, so Hieber abschließend.

Quelle: Bundesverband der Selbständigen / © Portraitbild: BDS


Erste Lichtblicke für 2010 Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland für 2009/2010 vom März vor allem wegen der schlechter als erwarteten Entwicklung zu Jahresbeginn nach unten revidiert. Im Winterhalbjahr 2008/2009 ist das reale Bruttoinlandsprodukt auf Jahresbasis hochgerechnet um 12 % gesunken und auf das Niveau von 2005 zurückgefallen. Die deutsche Wirtschaft befindet sich damit in der schwersten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Obwohl eine Reihe von Frühindikatoren eine Bodenbildung signalisiert, bleibt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung groß. Die in den meisten Ländern ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen scheinen allmählich zu wirken. Bei der erwarteten „Seitwärtsentwicklung“ der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wird das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt 2009 um knapp 6 % niedriger als 2008 sein. Die Perspektiven für 2010 sind nicht nur wegen mangelnder Erfahrungen mit solchen Krisensituationen mit hoher Unsicherheit behaftet, sondern hängen in entscheidender Weise auch vom wirtschaftspolitischen Handeln ab. Aufgrund der erforderlichen Anpassungsprozesse wird die deutsche Wirtschaft im Laufe des kommenden Jahres allenfalls geringfügig wachsen, im Jahresdurchschnitt etwa unverändert bleiben. Die Arbeitslosigkeit wird bei dieser Entwicklung deutlich zunehmen. Für Preiserhöhungen wird im Prognosezeitraum kaum Spielraum sein.


Erläuterungen: Deutschland ist aufgrund seiner ausgeprägten Exportorientierung besonders hart von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Die Ausfuhren sind binnen eines Jahres um fast 30 % eingebrochen. Bei der Binnennachfrage schlugen vor allem die Investitionskürzungen der Unternehmen durch; die Ausrüstungsinvestitionen wurden allein im Winterhalbjahr 2008/2009 um 20 % verringert. Der private Konsum blieb, nicht zuletzt wegen der geringen Teuerung und der dank der Abwrackprämie stark gestiegenen Nachfrage nach PKWs, bislang recht robust.


Obwohl einige Frühindikatoren eine Bodenbildung signalisieren, bleibt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung groß; das Rückschlagspotential ist erheblich. Die in den meisten Ländern ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen beginnen nunmehr zu wirken. Ein großer Unsicherheitsfaktor ist die künftige Entwicklung am Arbeitsmarkt. Bislang haben die Unternehmen die Unterauslastung mehr durch Kurzarbeit als durch Entlassungen zu überbrücken versucht, wodurch die Einkommen und damit der private Konsum relativ stabil gehalten wurden. Mit Andauern der Flaute ist jedoch mit einer zunehmenden Anpassung der Beschäftigung an das gedrückte Produktionsniveau zu rechnet. In den kommenden Monaten werden die Stützungsmaßnahmen die rezessiven Einflüsse überlagern. Das sollte die Wirtschaft stabilisieren. Mit einer durchgreifenden Wende zum Besseren ist jedoch nicht zu rechnen. Der Einbruch der Auslandsnachfrage wird die Exporte weiter dämpfen. Und auch die Unternehmen werden ihre Investitionen angesichts der verschlechterten Absatzund Ertragslage sowie der gedrückten Auslastung noch kürzen. Der private Konsum wird in der nächsten Zeit durch die stabilen Preise, höhere Sozialtransfers, Abgabenentlastungen und die Autonachfrage bis zum Jahresende noch durch die Abwrackprämie gestützt. Deutlich ausgeweitet werden die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur. Bei dieser Entwicklung wird das reale Bruttoinlandsprodukt 2009 um knapp 6 % niedriger als 2008 sein. Die Beschäftigung wird merklich sinken; die Zahl der Arbeitslosen wird Ende 2009 um knapp eine Million höher sein als ein Jahr zuvor. Die schwache Nachfrage dämpft die Preisentwicklung; in den kommenden Monaten wird die Inflationsrate auch wegen des „Basiseffekts“ aufgrund der vor einem Jahr extrem gestiegenen Energiepreise sogar im negativen Bereich liegen. Die Perspektiven für 2010 sind nicht nur wegen mangelnder Erfahrungen mit solchen Krisensituationen mit hoher Unsicherheit behaftet, sondern hängen auch vom wirtschaftspolitischen Handeln ab. Auf der einen Seite wird die Wirtschaft auch im kommenden Jahr geld- und finanzpolitischer Unterstützung bedürfen. Auf der anderen Seite sind Geld- und Finanzpolitik mittelfristig gefordert, die zuletzt extrem expansiven Kurse wieder, sei es aus Stabilitäts- bzw. Konsolidierungsgründen, „zurückzufahren“. Das wird eine konjunkturelle Erholung tendenziell dämpfen. Mit der – unterstellten – moderaten Belebung der Weltwirtschaft dürfte sich der Export aber wieder festigen. Auch werden weiterhin die öffentlichen Bauinvestitionen durch die Konjunkturprogramme angetrieben. Der private Verbrauch dürfte aber insbesondere zu Jahresbeginn durch den Wegfall der Abwrackprämie und die sinkende Beschäftigung gedrückt werden. Die Unter-


nehmensinvestitionen werden angesichts der hohen Unterauslastung schwach bleiben. Aufgrund der erforderlichen Anpassungsprozesse wird die deutsche Wirtschaft im Laufe des kommenden Jahres allenfalls geringfügig wachsen, im Jahresdurchschnitt etwa unverändert bleiben. Die Arbeitslosigkeit wird bei dieser Entwicklung weiter deutlich zunehmen. Das HWWI ist eine unabhängige Forschungseinrichtung, die Grundlagen- und angewandte Forschung nutzt, um wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Beratungsdienstleistungen zu erbringen. Darüber hinaus engagiert sich das Institut in der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre sowie in der weiterführenden Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Gesellschafter des 2005 gegründeten HWWI sind die Handelskammer Hamburg und die Universität Hamburg.


Der Absturz in Deutschland ist gestoppt Die deutsche Wirtschaft hat das Rezessionstal schneller als erwartet durchschritten. Im zweiten Quartal hat sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland überraschend stark belebt. Anlass zur Euphorie besteht allerdings nicht, da die Nachhaltigkeit der jüngsten Entwicklung noch mit vielen Fragezeichen versehen ist. Dies zeigt sich in den jüngsten Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt von Instituten und Banken für dieses und nächstes Jahr. Konjunkturelle Frühindikatoren hatten seit einigen Monaten darauf hingedeutet, doch die Zahlen, die das Statistische Bundesamt zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2009 veröffentlichte, haben selbst die größten Optimisten unter den Konjunkturprognostikern überrascht. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im zweiten Quartal 2009 gegenüber dem Vorquartal mit einer Rate von 0,3 v.H. gewachsen. Mehrheitlich hatten Volkswirte hingegen eine weitere Schrumpfung erwartet. Aus dem Vorjahresvergleich wird allerdings erneut deutlich, wie außergewöhnlich stark die gesamtwirtschaftliche Produktionsleistung seit Ausbruch der internationalen Wirtschaftskrise eingebrochen ist. Das Niveau des preisbereinigten BIP lag zuletzt um 7,1 v.H. unterhalb des Vorjahresniveaus.


Binnennachfrage stützt Konjunkturentwicklung Die Detailrechnung zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zeigt, dass positive Beiträge sowohl von der Binnennachfrage als auch vom Außenbeitrag kamen. Die privaten und staatlichen Konsumausgaben waren um 0,7 v.H. beziehungsweise um 0,4 v.H. höher als im ersten Quartal. Wesentliche Ursache für das bisher stabile Verhalten des Konsums ist, dass die Krise noch nicht mit voller Wucht auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist. Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Beschäftigungssicherung, allen voran die erhebliche Ausweitung der Kurzarbeiterregelung, haben maßgeblich dazu beigetragen. Dadurch ist das Gesamtarbeitseinkommen – also das Produkt aus Arbeitsplätzen mal geleisteten Arbeitsstunden mal durchschnittlichen Stundenlohn – bisher noch nicht stark gefallen. Zudem wirkt die stagnierende Preisentwicklung als Stütze der realen Einkommen und damit der Nachfrage nach Konsumgütern. Der Außenbeitrag war im zweiten Quartal nur deshalb positiv, weil die preisbereinigten Importe mit -5,1 v.H. wesentlich stärker rückläufig waren als die Exporte (-1,2 v.H.). Ein tragender Konjunkturschub aus dem Ausland verbirgt sich hinter dieser Saldenrechnung folglich nicht. Positive Impulse kamen im zweiten Quartal außerdem von den Bauinvestitionen, welche im Vergleich zum ersten Quartal


um 1,4 v.H. gestiegen sind. In dieser Entwicklung dürften sich allerdings weniger die staatlichen Ausgabenstimuli im Rahmen der Konjunkturpakete widerspiegeln, als vielmehr die witterungsbedingte Nachholung von Bauvorhaben. Der Großteil der Investitionsmaßnahmen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, der Sanierung von Schulen etc. wird erst nächstes Jahr wirken. Laut Bundesregierung sind bereits 6 Mrd. Euro des Konjunkturpakets II genehmigt, abgerufen wurden bisher allerdings deutlich geringere Beträge. Einen negativen Beitrag in Höhe von 1,9 Prozentpunkten lieferte der Abbau von Lagerbeständen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den Monaten April bis Juni, während sich die Ausrüstungsinvestitionen mit einem Rückgang um 0,5 v.H. im Vergleich zum Vorquartal stabilisiert haben. Ausblick Steigende Auftragseingänge, ein Abbau von Lagerbeständen und eine sich erholende Produktion bei immer noch sehr geringer Kapazitätsauslastung — eine typische Konstellation für einen konjunkturellen Wendepunkt — sind gegenwärtig kennzeichnend für die Situation in Deutschland. Es stellt sich nun die Frage nach dem Profil der weiteren Erholung. Einiges spricht dafür, dass der sich abzeichnende Aufschwung eher verhalten ausfallen dürfte. Zunächst zeigen empirische Studien, dass Krisen, die mit einer Banken- und Immobilienkrise verbunden sind, in der Regel länger dauern als Rezessionen ohne diese Merkmale. Darüber hinaus gehen die aktuell sichtbaren Impulse zu einem wesentlichen Teil auf die global aufgelegten staatlichen Konjunkturprogramme zurück, welche größtenteils keine nachhaltigen Wirkungen entfalten dürften. In Deutschland hat die im Windhundverfahren erteilte Abwrackprämie für Altautos einen Kaufboom ausgelöst, der bald auslaufen wird. Die ausländischen Nachfrageimpulse, insbesondere aus Ostasien, gehen in erheblichem Umfang auf staatlich angestoßene Investitionsprojekte zurück. Dahinter verbirgt sich jedoch kein selbstragender Aufschwung. Außerdem ist die Krise im Finanzsektor noch nicht ausgestanden. Die Bundesbank hat jüngst darauf hingewiesen, dass nach der ersten Runde von Verwerfungen in den Bankbilanzen durch strukturierte Finanzprodukte nun Belastungen vom inländischen Kreditgeschäft, etwa durch eine Zunahme der Insolvenzen von Firmen und Privatleuten, drohen. Zudem hat in Deutschland der Arbeitsmarkt die eigentliche Bewährungsprobe noch vor sich. Wenn die Unternehmen


bei anhaltender Absatzschwäche gezwungen sind, ihre Produktionskosten zu senken, werden sie Mitarbeiter freisetzen, die sie gern über die Krise hinaus gehalten hätten. Die Kurzarbeiterregelung dürfte dann ihre Pufferwirkung verlieren. Prognosen gehen von einer Zunahme der Arbeitslosenquote auf 8,5 v.H. für 2009 und 10,3 v.H. im Folgejahr aus. Wenn die Unternehmen im Herbst also doch noch umfangreichere Entlassungen vornehmen, wird sich dies auf den privaten Konsum auswirken. Dann wird die internationale Wirtschaftkrise endgültig zum Binnenproblem, da Branchen, die bisher noch relativ glimpflich davon gekommen sind, wie beispielsweise der Einzelhandel, ebenfalls von der Krise erfasst werden. Summa summarum lassen sich gegenwärtig wenig Anzeichen finden, die auf eine rasche Erholung der Konjunktur in Deutschland schließen lassen. Entsprechend sehen das auch die Konjunkturprognostiker von Instituten und Banken in Deutschland. Im Median wird erwartet, dass das BIP in diesem Jahr mit einer Jahresveränderungsrate von -5,5 v.H. schrumpfen wird. Im nächsten Jahr könnte die deutsche Wirtschaft wieder zaghaft expandieren, wobei von einem Wert von 0,5 v.H. ausgegangen wird. von Dr. Marcus Kappler, ZEW Mannheim Konjunkturanalysen


Kommentar

Oliver W. Schwarzmann, Zukunftspublizist, Vorstand Vordenker-Medien Bley und Schwarzmann AG und Initiator der Erfolgsperspektive Deutschland

Auf der Suche nach der richtigen Zukunft – die Bundestagswahl Nun steht sie unmittelbar bevor, die große Entscheidung – die Bundestagswahl. Und es geht – wie immer – um nichts Geringeres, als um die Zukunft unseres Landes. Wir haben nicht nur die Kraft, sondern die Macht des Votums, für wenige Augenblicke zumindest, für die Zeit in der Wahlkabine. Was dort wirklich passieren wird, wissen wir nicht. Auch die Wahlforscher nicht, weshalb das Orakeln um den möglichen Wahlausgang auf Hochtouren läuft. Nach den gängigen Prognosen ergibt sich ein klarer Trend: CDU/CSU rangieren bei einem Wert um 35%, die SPD kommt auf rd. 20% – 25%, FDP und Grüne liegen bei jeweils 12% – 14%, die Links-Partei könnte sogar über 10% erreichen und der Rest entfällt auf die üblichen Sonstigen. Bei aller Ungewissheit von Vorhersagen wird sich eine Entwicklung bestätigen: Die großen Volksparteien verlieren, die kleinen Parteien legen zu, es kommt zu keinen klaren Mehrheitsverhältnissen, Koalitionen und Kompromisse sind die Folge.


Ein Jammer, werden die Parteistrategen anschließend sagen, hat man sich doch eben um Masse bzw. um die Mitte der Wähler hinreichend bemüht. Doch das Ende der eindeutigen Mehrheiten ist ein Zeichen der Zeit. Und kein Signum fehlender politischer Stärke. Dass Parteien heute überhaupt massentauglich sein können, liegt nicht mehr an ihrem scharfen Profil. Nein – das Gegenteil ist der Fall: Eine differenzierte Gesellschaft (wie die unsere) zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass es keine eindeutigen Mehrheiten mehr gibt, sondern eine hohe Komplexitätsschicht aus heterogenen Interessen und unterschiedlichen Strömungen. Heißt für die Politik: Keine Partei ist in der Lage, die Differenzierung der Gesellschaft in einem kompakten, einheitlichen Profil abzubilden. Bedeutet für die Parteien: Wollen sie möglichst viele Wähler ansprechen, müssen sie sich ent-profilieren. Das tun sie eigentlich bereits, zumindest CDU und SPD machen das, auch die Grünen, während sich die FDP bemüht, sich selbst ein Stück weit treu zu bleiben. Die Regierungsparteien geben sich dieser Entwicklung nicht gerne hin, sondern handeln aus Koalitionszwang und politischem Pragmatismus. Lieber wäre ihnen, Kante zu zeigen – aus einem historischen, aber überholten Prestigeverständnis. Wer hingegen mit der EntProfilierung liebäugelt, nutzt sie noch falsch: Man will niemandem wehtun und jedem gefallen – Ent-Profilierung wird so wiederum zum Profil und funktioniert nicht. Ob die Parteien wollen oder nicht, die Ent-Profilierung ist bereits überall wirksam: Wahlprogramme sind zwar noch das, was sie immer waren - Idealvorstellungen. Aber sie repräsentieren mittlerweile keine Profilierungsbelege mehr – die Ähnlichkeit zwischen den Konzepten ist zu groß geworden. Und soviel Ent-Profilierung ist schon Realität: Es geht den Parteien heute vielmehr darum, möglichst breit angelegte Zukunftsappelle zu formulieren, statt sich mit klaren Ideologien abzugrenzen. Wie schon angedeutet: Abgrenzung bedeutet in einer differenzierten Welt auch mögliche Ausgrenzung. Dieses Risiko will keine Partei eingehen. Außer vielleicht der Links-Partei, die mit ihrer inszenierten Ausgrenzung mittels der Beschwörung sozialromantischer Utopien, sich auf einem inselartigen, staatsparadiesischen Gegenstatus zum politischen Establishment domiziliert hat. Aber, wie gesagt, wir brauchen keine Angst zu haben: Das Fehlen klarer Profile ist kein Ausdruck herrschender Themenverarmung, wie es viele Politbeobachter befürchten. Sondern wir erleben lediglich die Indizien eines strukturellen Wandels der parteipolitischen Imagebildung. Die Ent-


Profilierung wird zwar nach wie vor vordergründig bekämpft, ist aber bereits voll im Gang - und Parteien liegen damit (bewusst oder unbewusst) genau im Trend, auch wenn man das kaum glauben mag. Wonach sollen sich Wähler dann richten? Tja, das ist das Dilemma mit der Differenzierung – jeder Einzelne sucht in der Parteienlandschaft nach der Reflexion seiner momentanen, individuellen Interessen und hat das Gefühl, nicht wirklich fündig zu werden. Was er auch nicht kann, denn einfache und klare Richtungen kommen in einer komplexen, vielschichtigen Welt nicht mehr vor. Und keiner Partei ist es in einem so hoch unterschiedlichen Umfeld möglich, einen ideologischen oder wie auch immer gearteten Massengeschmack zu treffen - es gibt ihn nicht. Vielleicht nur noch im Gewand eines kurzen Skandals. Doch Blitzaufreger, wie Dienstwagen oder Party im Kanzleramt, sind schnell wieder vergessen. Heißt das nun, dass wir Bürger nach gut Dünken wählen und dass irgendeine zusammengewürfelte, heißt: beliebige Regierung dann das anfallende Tagesgeschäft bürokratisch abarbeitet? So einfach ist es allerdings nicht – weder für die Parteien noch für uns Wähler. Die Parteien brauchen andere Alleinstellungsmerkmale als Ideologien, soviel ist klar in einer offenen, hypervernetzten und zugleich superdifferenzierten Welt. Und wir Bürger müssen akzeptieren, dass es zunächst an uns selbst liegt, wenn keine klaren Mehrheiten zustande kommen. Es ist einer der Preise, die wir für Individualität bezahlen. Und wir müssen darüber hinaus lernen, dass es in einer komplexen Welt keinen „einzig richtigen Weg zur Zukunft“ gibt. Nein, die Wege zur Zukunft sind extrem vielschichtig geworden – was uns alle zu mehr Flexibilität, Offenheit und Vielseitigkeit auffordert. Die Zukunft liegt in einer neuen Form des Konsenses – es geht nicht mehr darum, den kleinsten, gemeinsamen (Interessens-)Nenner auszuhandeln, sondern das Verbindende zu suchen. Damit entstehen neue Mehrheiten und etwas, was wir alle in der Politik suchen – Verbindlichkeit. Wer also Mehrheiten sucht, wird sie nur finden, wenn es gelingt, eine besondere Form der emotionalen Verbundenheit auszulösen. Das gilt für Parteien wie für Unternehmen gleichermaßen. Nicht nur das: In der künftigen Tagespolitik wird es ohnehin darum gehen, in einer schnellen Welt auf rasch eintretende Situationen unmittelbar reagieren zu können. Was nicht mit blindem


Aktionismus zu bewerkstelligen ist. Im Gegenteil: Je kurzfristiger unser Globus sich entwickelt, desto weitsichtiger müssen gesellschaftliche Visionen angelegt sein. Tja, Visionen – das wären vielleicht die anderen, neuen Alleinstellungsmerkmale für Parteien. Visionen, die eine politische, will sagen: mentale Vorstellung einer möglichen Zukunft vermitteln. Damit erreichten wir eine neue Qualität von Perspektiven. Und in die wäre besser investiert, als in den permanenten Versuch, Zukunftsängste mit möglichst breiten Profilierungskonzepten, will heißen: vollmundigen Versprechungen, betäuben zu wollen. Ja, mit Visionen könnte man auch der herrschenden Orientierungslosigkeit begegnen. Denn Unsicherheit ist das Ergebnis eines Mangels an Perspektiven. Und Visionen könnten die angesprochene, emotionale Verbundenheit auslösen – gäbe es doch so etwas wie ein kollektives Ziel. Freilich, diese Visionen müssten ideologiefrei daherkommen. Dann wären sie Markenzeichen. Markenzeichen? Lieber Herr Schwarzmann, wir wollen Parteien doch nicht zu kommerziellen Marken machen, entgegnete mir ein Diskussionspartner auf einem Forum zur Zukunft der Politik. Nein, erwiderte ich, Marken sind für mich keine kommerziellen Symbole mehr, sondern Botschaften an die Zukunft. Und bitte: Unternehmen und Parteien haben eines gemeinsam – es geht nicht mehr um Gewinne und Siege, sondern ihr Engagement gilt der Verbesserung, Kultivierung und Weiterentwicklung der Gesellschaft. Wer also die aktuellen Wahlprogramme wirklich substanziell prüfen möchte, sollte nicht nach irgendwelchen, verwässerten Profilen suchen, sondern nach ideologiefreien Visionen und nachhaltigen Perspektiven forschen. Das wäre schon ein Anfang für eine Neuorientierung. Eines sollten wir uns an dieser Stelle allerdings nochmals bewusst machen – auch die Umsetzung von global ausgerichteten, ganzheitlich angelegten und ethisch orientierten, sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Visionen würde in unserem komplexen Zeitalter evolutionär und vielschichtig verlaufen, will heißen: Schritt für Schritt, weder einfach noch eindeutig, nicht geradlinig und kontinuierlich. Die Architektur der Zukunft ist zu vergleichen mit einem unendlich offenen, 4-D-Puzzle, das nicht nur unvollendet, sondern zudem permanent in Bewegung ist. Jeder hat in seiner Zeit die Chance, ein Stück daran zu bauen. Wir sollten dabei erkennen, dass der Bau jeden angeht, dass jeder


seinen individuellen Blickwinkel besitzt und doch mit jedem anderen in Verbindung steht. Dass wir gemeinsam und nicht isoliert an einem ebenso universalen wie einzigartigen Werk arbeiten. Schon alleine deshalb sollten wir zur Wahl gehen. Damit ein vielschichtiges Ergebnis dabei herauskommt. Und kein beliebiges.


Institut für Weltwirtschaft, Kiel

Weltwirtschaft: Tiefpunkt der Produktion erreicht Nach dem massiven Einbruch im Herbst 2008 schrumpfte die Weltproduktion im ersten Quartal 2009 nochmals sehr kräftig. Sowohl in den Industrieländern als auch in den meisten Schwellenländern setzte sich die Talfahrt in ungebremstem Tempo fort. Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur im Sommerhalbjahr 2009 fängt. Allerdings erwarten wir für den Prognosezeitraum angesichts weiterhin bestehender Belastungsfaktoren eine nur allmähliche Erholung der Weltkonjunktur. Das globale Bruttoinlandsprodukt dürfte mit einer Rate von 2,3 Prozent im kommenden Jahr abermals deutlich schwächer zulegen als im mittelfristigen Trend. Während wir unsere Prognose für den Zuwachs der Weltproduktion im Jahr 2010 damit im Vergleich zu unserer Frühjahrsprognose (2,1 Prozent) leicht aufwärts revidiert haben, hat sich der Ausblick für den Produktionsanstieg im laufenden Jahr nochmals deutlich verschlechtert. Wir erwarten nunmehr einen Rückgang der weltwirtschaftlichen Aktivität von 1,5 Prozent (Märzprognose: –0,8 Prozent). Nach dem massiven Einbruch der weltwirtschaftlichen Aktivität, zu dem es im Gefolge der dramatischen Zuspitzung der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 gekommen war, schrumpfte die Weltproduktion im ersten Quartal 2009 nochmals sehr kräftig. Sowohl in den Industrieländern als auch in den meisten Schwellenländern setzte sich die Talfahrt in ungebremstem Tempo fort. Im Vorjahresgleich dürfte sich der Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 1,8 Prozent belaufen haben. In den G7-Ländern schrumpfte


das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2009 mit einer laufenden Jahresrate von 8,3 Prozent sogar noch etwas stärker als im Schlussquartal des Jahres 2008. Getrieben wurde der Produktionseinbruch vor allem von drastischen Rückgängen bei den Investitionen und Exporten, die aufs Jahr hochgerechnet nahezu überall mit hohen zweistelligen Raten schrumpften. Die schwere Rezession macht sich auf dem Arbeitsmarkt in den Industrieländern inzwischen überall deutlich bemerkbar. Gleichwohl gibt es hinsichtlich der Entwicklung am Arbeitsmarkt zwischen den einzelnen Ländern und Regionen deutliche Unterschiede. Dabei hängt das Ausmaß der Verschlechterung am Arbeitsmarkt nicht nur von der Tiefe der Rezession ab, sondern auch davon, welche Sektoren besonders betroffen sind. Sehr ausgeprägt sind Arbeitsplatzabbau und Anstieg der Erwerbslosigkeit dort, wo arbeitsintensiv produzierende Bereiche wie die Bauwirtschaft stark schrumpfen, etwa in den Vereinigten Staaten, in Spanien und Irland. Hingegen blieben die Auswirkungen am Arbeitsmarkt in den Ländern, in denen sich der Produktionsrückgang auf die Industrie konzentriert, beispielsweise in Japan oder Deutschland, bislang moderat, obwohl das reale Bruttoinlandsprodukt sogar besonders stark schrumpfte. Anzeichen für ein Ende der globalen Rezession mehren sich Eine Reihe von Indikatoren deutet inzwischen darauf hin, dass sich der Rückgang der weltwirtschaftlichen Aktivität in den vergangenen Monaten merklich verlangsamt hat. So hat sich der Welthandel nach dem dramatischen Einbruch, der in den Monaten November bis Januar verzeichnet wurde, kaum noch verringert; in den Entwicklungs- und Schwellenländern war der Außenhandel sogar in der Tendenz bereits wieder leicht aufwärts gerichtet. Gleichzeitig haben die Rohstoffpreise begonnen, sich von ihren Tiefs zu erholen. Die Industrieproduktion ging zwar in der Tendenz bis zuletzt weiter zurück, das Tempo der Abnahme hat sich jedoch seit Februar spürbar vermindert. Stimmungsindikatoren wie das Geschäftsklima und das Konsumklima haben sich gleichzeitig zumeist verbessert, wenngleich ihr Niveau nach wie vor sehr niedrig ist. Dies zeigt sich auch beim vom Institut für Weltwirtschaft ermittelten Indikator für die weltwirtschaftliche Aktivität, der für das zweite Quartal einen Anstieg ausweist.


Ausblick: Konjunkturelle Talfahrt geht zu Ende, ein kräftiger Aufschwung ist aber nicht in Sicht Die kräftigen wirtschaftspolitischen Impulse und die allmähliche Stabilisierung an den Finanzmärkten sprechen dafür, dass sich die Weltkonjunktur im Sommerhalbjahr 2009 allmählich fängt, auch wenn die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Quartal in vielen Ländern nochmals gesunken sein dürfte. Häufig war in der Vergangenheit nach Rezessionen eine kräftige Erholung zu beobachten. Da die derzeitige Rezession mit einer Finanzkrise verbunden ist, ist jedoch damit zu rechnen, dass die Rezession länger dauert und schwächer ausfällt als gewöhnlich. Ein sogenannter Aufholeffekt – also eine sehr rasche Erholung nach besonders starken Produktionseinbußen – ist bei Vorliegen von Banken- und Immobilienkrisen nach den Ergebnissen einer im Rahmen dieser Prognose vorgelegten ökonometrischen Analyse unwahrscheinlich. So erwarten wir eine nur allmähliche Erholung der Weltkonjunktur. In den Industrieländern wird sich eine spürbare Zunahme der Produktion wohl sogar erst gegen Ende dieses Jahres einstellen. Der private Konsum wird gedämpft durch die sinkende Beschäftigung wohl vorerst nicht expandieren, zumal die Impulse durch den Energiepreisrückgang auslaufen. Die Unternehmensinvestitionen dürften angesichts der extrem niedrigen Kapazitätsauslastung und schwierigen Finanzierungsbedingungen vorerst sogar noch weiter deutlich eingeschränkt werden. Verbessert haben sich die Aussichten für einen baldigen Produktionsanstieg dadurch, dass die Lagerhaltung in den vergangenen Quartalen deutlich reduziert worden ist. Ein Umschwung bei den Lagerdispositionen könnte kurzfristig die Produktion merklich beleben und dafür sorgen, dass die konjunkturelle Erholung deutlicher ausfällt als hier erwartet. Auf der anderen Seite bestehen aber nach wie vor gravierende Abwärtsrisiken, die vor allem aus der Entwicklung an den Finanzmärkten resultieren. Für die Industrieländer insgesamt erwarten wir einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion im laufenden Jahr um 3,7 Prozent. Für das kommende Jahr ist mit einem Anstieg um 0,6 Prozent zu rechen (Tabelle 1). Dabei fällt die Entwicklung in den Vereinigten Staaten mit einer Abnahme von 2,5 Prozent in diesem und einem Anstieg von 1 Prozent im nächsten Jahr noch relativ günstig aus, auch weil hier der Außenbeitrag stützend wirkt. Deutlich stärker ist der Ein-


bruch der Produktion mit voraussichtlich 7,1 Prozent in Japan; im kommenden Jahr wird hier wohl kaum schon ein nennenswerter Produktionszuwachs zu verzeichnen sein. Dramatisch sind in diesem Jahr auch die Produktionseinbußen in der EU. Das reale Bruttoinlandsprodukt geht insgesamt um 4 Prozent zurück, im Euroraum fällt der Rückgang sogar noch geringfügig höher aus. Dies ist freilich vor allem dem besonders starken Einbruch in Deutschland geschuldet; im Euroraum ohne Deutschland schrumpft die Produktion 2009 voraussichtlich „lediglich“ um 3,7 Prozent. Für das kommende Jahr erwarten wir einen geringfügigen Anstieg der Produktion. Die Arbeitslosigkeit steigt im laufenden Jahr in allen Industrieländern deutlich, und sie nimmt auch im nächsten Jahr im Jahresdurchschnitt noch zu. In den Schwellenländern dürfte die konjunkturelle Erholung eine vergleichsweise hohe Dynamik entfalten, wenngleich die Zuwachsraten der Produktion auch hier im Vergleich mit denen im vorangegangenen Aufschwung gering ausfallen werden. Insgesamt dürfte das globale Bruttoinlandsprodukt mit einer Rate von 2,3 Prozent im kommenden Jahr nochmals deutlich schwächer zulegen als im mittelfristigen Trend. Für das laufende Jahr erwarten wir einen Rückgang der Weltproduktion um 1,5 Prozent. Die nur mäßige Dynamik der Weltkonjunktur spiegelt sich auch in der Entwicklung des Welthandels, der nach dem Einbruch in diesem Jahr (–14 Prozent) im Jahr 2010 zwar wieder zulegen wird, jedoch ebenfalls mit einer im historischen Vergleich schwachen Rate von 3 Prozent. Angesichts einer weiter sinkenden Auslastung der weltweiten Produktionskapazitäten dürfte die Inflation 2010 trotz wieder höherer Rohstoffpreise kaum steigen.

Quelle: IfW - Kiel


Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, © BMWi

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie

Minister zu Guttenberg:

„Wachstumsfördernde Maßnahmen der Bundesregierung zeigen Wirkung – aber kein Anlass zur Euphorie.“ Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im zweiten Quartal 2009 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dieser preis-, kalender- und saisonbereinigte Wert ergibt sich aus der heute veröffentlichten Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes. Gegenüber dem Vorjahr lag das BIP um real 7,1 Prozent, kalenderbereinigt um 5,9 Prozent niedriger - dies ist auf den Einbruch im Winterhalbjahr zurückzuführen. So dürfte die Umweltprämie den privaten Konsum gestützt haben; im Baugewerbe wirkten neben der Frühjahrsbelebung die anlaufenden konjunkturellen Maßnahmen ebenfalls positiv. Rund 25 000 Personen waren im zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr weniger erwerbstätig. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Karl Theodor zu Guttenberg: „Die Stabilisierung der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal ist noch etwas günstiger ausgefallen, als


wir erwartet haben. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind in den letzten drei Monaten insgesamt nicht mehr zurückgegangen. Diese Zahlen sollten uns ermutigen. Sie belegen, dass der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung hinter uns liegen dürfte. Dies ist auch auf unser schnelles und beherztes Handeln zurückzuführen: Mit den Konjunkturpaketen haben wir wirtschaftspolitisch die Weichen richtig gestellt, so dass sich aus der Stabilisierung im zweiten Quartal eine nachhaltige konjunkturelle Erholung entwickeln könnte. Allerdings gibt es keinen Anlass zur Euphorie, denn es ist noch ein weiter Weg bis unsere Wirtschaft das Vorjahresniveau erreicht.“ Die in die Zukunft weisenden Erwartungs- und Klimaindikatoren signalisieren immer deutlicher, dass sich die positive wirtschaftliche Entwicklung im dritten Quartal fortsetzen könnte. Auch „harte“ Indikatoren wie Auftrags-, Produktions- und Exportentwicklung haben ihre Tiefstände in den letzten Monaten überwunden.


Hauptverband des Deutschen Einzelhandels

Einzelhandel: Bescheidene Erwartungen

Auf der Herbst-Konjunktur-Pressekonferenz des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Düsseldorf erklärte heute HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: Konjunktur: Im ersten Quartal setzten die Einzelhandelsunternehmen nominal 2,9 Prozent weniger um als im Vorjahr. Das zweite Quartal sah mit einem Minus von 0,9 Prozent etwas besser aus. In den ersten sieben Monaten des Jahres sank der Umsatz des klassischen Einzelhandels (ohne Kfz, Brennstoffe, Apotheken) um nominal 1,7 Prozent. Damit gaben die Verbraucher von Januar bis Juli 3,8 Milliarden Euro weniger im Einzelhandel aus als im Vorjahreszeitraum. Aufgelaufen liegt der Umsatz des Einzelhandels in den ersten sieben Monaten bei 221,7 Milliarden Euro. Die Zahlen der amtlichen Statistik decken sich mit den Ergebnissen der aktuellen HDE-Konjunkturumfrage. Ein knappes Drittel der befragten Unternehmen konnte im ersten Halbjahr ein Umsatzplus erzielen. 42 Prozent mussten Einbußen hinnehmen. Vergleichsweise gut verlief die Entwicklung im Einzelhandel mit Mode und Schuhen, Möbeln sowie Kosmetik und Körperpflegemitteln. Unternehmen im Bereich Bau- und Heimwerksartikel verzeichneten hingegen häufiger Umsatzrückgänge.


Der HDE geht daher weiterhin davon aus, dass der Einzelhandel 2009 einen Umsatzrückgang von nominal minus zwei Prozent verkraften muss. Laut der Konjunkturumfrage gehen lediglich sechs Prozent der Unternehmen aktuell davon aus, dass der Tiefpunkt der Krise bereits vorbei ist. 40 Prozent rechnen damit, dass erst 2010 die Talsohle erreicht wird. Die Umsatzerwartungen für das zweite Halbjahr 2009 sind entsprechend bescheiden. Lediglich ein Viertel der befragten Betriebe erwartet ein Umsatzplus, gut ein Drittel rechnet mit Umsatzrückgängen zum Vorjahr. Vergleichsweise optimistisch blickt der Handel mit Lebensmitteln und elektronischen Erzeugnissen auf die zweite Jahreshälfte.

Bundestagswahl: Für den Handel kommt es entscheidend darauf an, welche Signale von der neuen Bundesregierung ausgehen. Steuer- und Abgabenerhöhungen wären das letzte, was der Einzelhandel gebrauchen kann. Von der künftigen Bundesregierung fordert der Einzelhandel, trotz leerer Kassen und gigantischer Schuldenberge jeden auch noch so geringen Spielraum zur Steuer- und Abgabensenkung zu nutzen. Nur so lassen sich dauerhaft Wachstum und mehr Arbeitsplätze generieren. Oberste Priorität für die neue Bundesregierung muss die Stärkung des privaten Verbrauchs haben. Am einfachsten und effektivsten ginge dies, indem die kalte Progression beseitigt wird. Das würde vor allem die Bezieher von mittleren Einkommen entlasten, die einen besonders hohen Teil ihres Verdienstes im Einzelhandel ausgeben. Ebenso dringend sind Korrekturen bei der Besteuerung von Kosten wie zum Beispiel Ladenmieten im Rahmen der Unternehmensteuerreform. Die neue Bundesregierung muss schnell handeln und diese Belastung zumindest deutlich abmildern.


Franz J. Grömping Geschäftsführer der AGEV e. V.

Heiße Luft und Klimawandel Schnell zurück zum business-as-usual. Vielleicht ist die Krise beim Bürger ja nur bis zum Stammtisch gekommen. Die Kurzarbeit mildert die sichtbaren Folgen des wirtschaftlichen Rückgangs, das Misstrauen gegen die Banken reduziert sich wieder, und die Börsen haussieren. Irgendwie ist ja wieder alles gut gegangen. Alle haben ja schon immer gewusst, dass es mit dem Wachstum nicht so weitergehen konnte, sodass der Dämpfer ganz gut tat. Aber jetzt ist auch genug, das Rad dreht sich wieder. Oder? Die Erde wird heiß und alle stecken den Kopf in den reichlich vorhandenen Sand. Die Wahrscheinlichkeit, den Anstieg der Temperatur auf 2 Grad und damit in einem vielleicht beherrschbaren Ausmaß zu halten, liegt nach Aussage von Deutschlands Klimaforscher Nr. 1, Prof. Schellnhuber, bei 1 %. Ursache für den Klimawandel ist mit höchster Sicherheit der Mensch. Aber selbst wenn nicht, die Folgen trägt er unausweichlich. Wir werden uns noch in diesem Jahrhundert mit extremer Wasserknappheit, versteppenden Landschaften, gewaltigen Stürmen, massenhaft aussterbender Flora und Fauna und der Migration von Hunderten von Millionen Menschen in lebensfreundlichere Gegenden auseinandersetzen müssen. Vielleicht ist die Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember schon die letzte Chance, den Klimawandel zu stoppen.


Das politische Problem ist, dass wir nicht irgendwann handeln müssen, wenn die Zeit der jetzt Agierenden ab- und die Pensionen angelaufen sind, sondern jetzt. Sonntagsreden mit „heißer Luft“ funktionieren also nicht. Allerdings riskiert der jetzt handelnde Politiker, nicht wiedergewählt zu werden. Das kulturelle Problem ist, dass der Mensch zu antriebsschwach und zu egoistisch ist, um den Schalter umzulegen und ab sofort klimaneutral zu leben. Selbst wenn man die Einsicht in die Notwendigkeit voraussetzt, die nur bei einem Teil der Bevölkerung vorhanden ist, fehlt die intrinsische Motivation. Der Erfolg der fragwürdigen Auto-Abwracksubventionen in vielen Ländern birgt jedoch den Lösungsansatz: Der Mensch ist leicht zu steuern, wenn er Chancen oder Risiken für seinen Geldbeutel wittert. Eine intelligente, jährlich steigende Besteuerung fossiler Brennstoffe nach ihrem CO2-Ausstoß zeigt ihm den Weg. Als Entlastung könnten in Deutschland z. B. die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und die Anhebung von Sozialrenten und Kindergeld elegant zu einer win-win-Situation führen. Ausgerechnet der ökologischer Bestrebungen unverdächtige französische Staatspräsident Sarkozy setzt aktuell mit der Einführung einer nationalen Ökosteuer die Idee medienwirksam um. Der internationale Emissionshandel beschreitet diesen Weg zwar noch grundsätzlicher und effizienter, allerdings aufgrund der überschüssigen Zertifikate viel zu langsam. Zeit ist der Engpass in der Bekämpfung des Klimawandels. Politische Führung ist gefragt. Das bedeutet vor allem Entscheiden und nicht Lavieren. Sind die Weichen mittels CO2-Steuer einmal gestellt, wird Deutschland vor Ideen sprühen, Produkte zu erzeugen und Dienstleistungen zu erbringen, die klimaneutral sind. Denn die urdeutschen Rohstoffe Bildung und Ingenieursgeist, gekoppelt mit der Exportvizeweltmeisterschaft und der Weltmarktführerschaft in Umwelttechnologie, bilden die ideale Grundlage dafür. Europa und die USA müssen ganz eigennützig Vorreiter beim Klimaschutz sein, um die Schwellen- und Entwicklungsländer im Kampf gegen steigende CO2-Emissionen mitnehmen zu kön-


nen, ohne dass diese mit dem Finger auf die Versäumnisse der entwickelten Staaten zeigen und Wachstum über Umweltschutz stellen. Nach dem Regierungswechsel in Japan und dem Umdenken in China ergeben sich im Vorfeld von Kopenhagen ganz ungewohnte, positive Klimaallianzen, die auch den schwächelnden amerikanischen Präsident in der Überzeugungsarbeit gegen seinen Kongress wieder Mut finden lassen sollten. Informationstechnik und Kommunikation (ITK) sind Bestandteile oder Katalysator fast aller Innovationsprozesse. Die ITK-Branche selbst ist damit auch verantwortlich für einen ständig ansteigenden CO2-Ausstoß, der bald größer als der des Luftverkehrs sein wird, ist aber in der einzigartigen Lage, mit ihren branchenübergreifenden Innovationen diesen Effekt überkompensieren zu können. Daher kommt ihr eine überragende Rolle bei der Schaffung ökologisch verträglichen, intelligenten Wachstums zu.

Die

AGEV

Arbeitgebervereinigung

für

Unternehmen

aus

dem

Bereich

EDV

und

Kommunikationstechnologie e. V. vertritt 72.000 kleine und mittelständische Unternehmen. Aktuelle Tätigkeitsschwerpunkte sind mobile Kommunikation im Unternehmen, grüne Technologien („Greentech“) sowie die Entbürokratisierung und steuerliche Entlastung des Mittelstandes.


Dr. Martin Wansleben DIHK-Hauptgeschäftsführer

„Innovationsverhalten deutscher Unternehmen in der Krise – erstaunlich offensiv“ Insbesondere der deutsche Mittelstand investiert derzeit vermehrt in die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen – trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage. Das zeigt die aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zum Innovationsverhalten der Unternehmen in der Krise. 30 Prozent der deutschen Mittelständler reagieren mit mehr Innovationen auf die Krise. Lediglich 20 Prozent reduzieren oder verschieben ihre Innovationsprojekte, deutlich weniger als dies bei der verschlechterten Geschäftslage zu erwarten gewesen wäre. Schwieriger ist die Situation bei den Großunternehmen, die den größten Teil der gesamtwirtschaftlichen FuE-Ausgaben tätigen. Angesichts deren hoher Umsatzeinbrüche verschieben oder streichen 33 Prozent ihre Innovationsvorhaben. Allerdings berichten auch hier immerhin 17 Prozent der Unternehmen von steigenden Innovationsaktivitäten. Es ist zu erwarten, dass im Zuge der sich derzeit abzeichnenden verbesserten Geschäftsaussichten auch die Großunternehmen wieder innovationsaktiver werden. Darauf deutet auch die große Anzahl der nur verschobenen Innovationsprojekte bei den Unternehmensantworten hin. Dass die Krise auch als Chance be-


griffen wird, zeigt ein anderes Ergebnis der aktuellen Umfrage: 72 Prozent der Betriebe geben an, dass die Krise auch „positive Begleiterscheinungen“ mit Blick auf das eigene Innovationsverhalten mit sich gebracht hat. Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen hat die Krise neue Innovationsprozesse angestoßen. Not macht also auch erfinderisch. Trotz aller krisenbedingten Rückschläge und Schwierigkeiten setzen die Unternehmen auf Innovationen. Das ist ein wichtiges Fundament für mittelfristig wieder höheres Wachstum und Beschäftigung bzw. dafür, dass wir möglichst schnell die Krise hinter uns lassen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die Politik die Innovationsbemühungen der Unternehmen unterstützt. So ist aus Sicht von 58 Prozent der Betriebe der Abbau von innovationshemmender Bürokratie (z. B. Zulassungs- und Genehmigungsverfahren) von höchster Priorität. Ein anderes, akutes Problem für die Unternehmen ist die schwieriger werdende Situation bei der Kreditfinanzierung. Alarmierend ist, dass 16 Prozent aller Betriebe bereits derzeit keine Finanzierung für ihre Innovationsprojekte erhalten können und weitere 14 Prozent von verschlechterten Finanzierungsbedingungen berichten. Mit den absehbar schlechten Bilanzkennzahlen 2009 dürfte sich das Problem im nächsten Jahr noch verschärfen. Für den Technologiestandort Deutschland ist das nicht akzeptabel und stellt eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit und damit den mittelfristigen Wachstumspfad Deutschlands dar.


IW-Konjunkturprognose 2010

Wirtschaft rappelt sich langsam auf Die Unterkühlung ist nicht mehr lebensbedrohlich, doch auf eine normale Temperatur hat sich das Konjunkturthermometer in Deutschland noch längst nicht wieder eingependelt. Zu diesem Befund kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in seiner Prognose für 2010. Halbwegs erfreuliche Nachrichten liefert demnach lediglich der Außenhandel, der im kommenden Jahr leicht ins Plus drehen dürfte. Der Arbeitsmarkt, die Investitionen, der private Konsum sowie die Staatsfinanzen zeigen hingegen noch deutliche Krisensymptome. Wäre die deutsche Wirtschaft ein Patient, so befände sie sich nach ein paar Monaten auf der Intensivstation jetzt in der heiklen ersten Phase der Rekonvaleszenz: Es geht ihr zwar schon besser, doch von der Topverfassung, in der sich die Konjunktur Anfang 2008 zeigte, ist das Land weit entfernt. Die Krise hat der konjunkturellen Entwicklung in der Bundesrepublik vor allem in den Monaten rund um den Jahreswechsel 2008/2009 arge Blessuren zugefügt. Erfreulicherweise hat sich die industrielle Produktion jedoch schneller stabilisiert als erwartet. Das hilft auch der Gesamtwirtschaft auf die Beine, die bereits seit dem zweiten Quartal 2009 wieder Anzeichen von Auftrieb zeigt. Das IW Köln schätzt die Entwicklung daher wie folgt ein:


Während das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 41/2 Prozent sinkt, steigt es im kommenden Jahr um voraussichtlich 11/2 Prozent. Der Weg der konjunkturellen Erholung ist allerdings noch lang – und wird nicht ohne Rückschläge bleiben. Ein Blick auf die Krankenakte zeigt, wo es im Einzelnen hakt: Außenhandel Dass die deutsche Wirtschaft innerhalb eines Jahres in eine so schlechte Verfassung geriet, lag vor allem am stark rückläufigen internationalen Handel. Drei Viertel des Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Leistung lassen sich auf den einbrechenden Außenbeitrag zurückführen. Der Export als Schrittmacher der heimischen Konjunktur gab im ersten Halbjahr 2009 um 19 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert nach; auch die Importe gingen in diesem Zeitraum um 10 Prozent zurück. Seit dem Frühjahr haben sich die deutschen Auslandsaktivitäten jedoch ein klein wenig berappelt. Der Warenhandel zieht leicht an und auch die Auftragseingänge der Industrie aus dem Ausland senden Signale einer Wiederbelebung. Daraus folgt: Dieses Jahr werden die deutschen Exporte um 15 Prozent einbrechen, die Importe um 91/2 Prozent. Im Jahr 2010 dürften die Waren- und Dienstleistungsausfuhren ein Plus von 5 Prozent verbuchen und die Einfuhren um 3 Prozent zulegen. Der grenzüberschreitende Handel kann damit im kommenden Jahr wieder einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Investitionen Die Ausrüstungsinvestitionen wurden seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise gewaltig zurückgefahren. Seit ihrem Höhepunkt im dritten Quartal 2008 sind sie in einem bisher ungekannten Ausmaß abgestürzt, wobei sich die Betriebe auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres mit Ausgaben für Maschinen und Produktionsanlagen sehr zurückhielten. Im zweiten Halbjahr 2009 sind die Unternehmen nicht mehr ganz so verzagt, wobei die Investitionstätigkeit aber immer noch leicht rückläufig ist. Die Prognose fällt daher folgendermaßen aus: Die Ausrüstungsinvestitionen schrumpfen in diesem Jahr gegenüber 2008 real um 22 Prozent. Für 2010 ist allenfalls ein winziges Plus zu erwarten.


Dieses Szenario ist allerdings nur dann zu erwarten, wenn es in Deutschland nicht zu einer Kreditklemme kommt. Etwas besser fällt die Diagnose für die Bauinvestitionen aus. Sie werden – nicht zuletzt aufgrund der Konjunkturprogramme, die vor allem den öffentlichen Bau stimulieren – 2009 nur leicht nachgeben und im kommenden Jahr ein Plus von fast 2 Prozent erreichen. Im zweiten Halbjahr 2010 dürfte sich die Bautätigkeit allerdings schon wieder leicht abschwächen. Arbeitsmarkt Während in der öffentlichen Wahrnehmung die Finanz- und Wirtschaftskrise teils schon als überwunden gilt, ist sie auf dem Arbeitsmarkt noch gar nicht richtig angekommen: Trotz Konjunktureinbruch waren zur Jahresmitte „nur“ rund 250.000 mehr Personen arbeitslos als ein Jahr zuvor. Hauptgrund für diesen moderaten Anstieg ist der weit verbreitete Einsatz der Kurzarbeit. Insgesamt erhielten im Sommer 2009 etwa 1,4 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld. Rein rechnerisch konnten auf diesem Weg rund 450.000 volle Stellen erhalten werden – denn so viel Arbeitszeit haben in der Summe alle Kurzarbeiter zum genannten Zeitpunkt weniger in ihren Betrieben geleistet. Die Arbeitsmarktaussichten sind allerdings alles andere als günstig. Die Erwerbslosigkeit in Deutschland steigt im kommenden Jahr deutlich – nicht nur, weil die reale Wirtschaftsleistung noch einige Jahre unter dem Niveau von 2008 bleiben dürfte, sondern auch, weil das Auslaufen der Kurzarbeit Kündigungen nach sich zieht: Im Jahr 2010 dürften weitere 700.000 Personen ihren Job verlieren und die Arbeitslosenzahl dürfte die 4,2-Millionen-Marke überschreiten. Die Arbeitslosenquote klettert damit voraussichtlich von derzeit 8 auf 91/2 Prozent. Die Wirtschaftskrise wirft den deutschen Arbeitsmarkt somit um einige Jahre zurück. Allerdings fällt der Stellenabbau nicht so dramatisch aus wie zwischen 2003 und 2005. Privater Konsum Selbst von der tiefen Export-, Investitions- und Produktionskrise lassen sich die Bundesbürger die Kauflaune nicht gänzlich verderben: Der reale private Verbrauch in Deutschland liegt 2009 immerhin rund ein halbes Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Das ist zu einem guten Teil auf die Abwrackprämie zurückzuführen. Einen solchen stützenden Sondereffekt wird es im kommenden Jahr nicht geben. Zusätzlich bewirkt die schlechtere Lage auf dem Arbeitsmarkt, dass die Menschen ihre Portemonnaies häufiger verschlossen halten. Die realen Konsumausgaben dürften deshalb 2010 ein halbes Prozent niedriger sein als in diesem Jahr.


Staatsfinanzen Die gegenwärtige Rezession belastet die öffentlichen Haushalte in enormem Maße. Das gesunkene Steueraufkommen sowie die Kosten für die Konjunkturpakete und andere fiskalpolitische Maßnahmen wie die Ausweitung der Kurzarbeit führen dazu, dass der Staat in diesem Jahr ein Defizit von 87 Milliarden Euro verbuchen muss – das sind rund 31/2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im kommenden Jahr fällt die Finanzierungslücke noch größer aus – dann geben Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen voraussichtlich 136 Milliarden Euro mehr aus, als sie einnehmen. Das entspricht 51/2 Prozent der nominalen Wirtschaftsleistung und liegt damit deutlich über der Höchstgrenze von 3 Prozent, die der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt als zulässig ansieht.


Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Sinn Präsident

ifo Geschäftsklima leicht verbessert und die ifo Konjunkturperspektiven Das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im September weiter aufgehellt. Lage und Erwartungen haben sich verbessert. Dabei schätzt die weitaus überwiegende Zahl der befragten Unternehmen die Lage noch immer als schlecht ein. Nur bei den Erwartungen für die weitere Entwicklung in den nächsten sechs Monaten gibt es mittlerweile fast einen Gleichstand zwischen Pessimisten und Optimisten. Gemessen an der katastrophalen Entwicklung der vergangenen zwölf Monate sind dies gute Nachrichten. Im verarbeitenden Gewerbe hat sich der Geschäftsklimaindikator etwas erholt. Ihre momentane Geschäftssituation sehen die Industrieunternehmen nicht mehr ganz so negativ wie im Vormonat. Zudem erwarten sie einen etwas günstigeren Geschäftsverlauf im nächsten halben Jahr. Hinsichtlich des Auslandsgeschäfts ist ihre Skepsis gewichen. Wieder mehr Unternehmen planen allerdings ihre Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Im Großhandel und im Einzelhandel ist der Geschäftsklimaindex gestiegen. In beiden Handelsstufen blicken die Befragungsteilnehmer weniger kritisch auf die Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr. Mit ihrer augenblicklichen Geschäftssituation sind die Großhändler aber nahezu genauso unzufrieden wie im Vormonat. Die Einzelhändler stufen ihre derzeitige Geschäftslage dagegen geringfügig günstiger ein als im August und bewerten sie als nahezu zufriedenstellend.


Wieder etwas eingetrübt hat sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe. Zwar beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage ähnlich wie im Vormonat, hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr sind sie jedoch zurückhaltender. Hans-Werner Sinn - Präsident

ifo Konjunkturtest September 2009 Industrie: Stabilisierung erwartet Im verarbeitenden Gewerbe (einschließlich Ernährungsgewerbe) hat sich das Geschäftsklima weiter aufgehellt. Zum vierten Mal in Folge nahmen die negativen Stimmen zur momentanen Geschäftslage ab. Während die Nachfragedynamik wieder etwas nachließ, klagte die Mehrheit der Firmen über zu kleine Auftragsbestände, auch wenn diese kaum noch sanken. Obwohl der Lagerdruck weiter abnahm, war die Produktion geringfügigen Einschränkungen unterworfen. In Bezug auf die zukünftige Entwicklung rechneten die Unternehmen mit einer stabilen Geschäftslage, ähnlich wie im Exportgeschäft. Die Produktionspläne waren jedoch wieder etwas stärker auf Kürzungen ausgerichtet und bei den Preisen sahen sich die Unternehmen nach wie vor zu Abschlägen gezwungen. Die Unternehmen planten vermehrt Reduzierungen ihres Personalbestands. Bauwirtschaft: Geschäftsklima wieder etwas eingetrübt Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe hat sich nach den Ergebnissen des ifo Konjunkturtests im September wieder etwas eingetrübt. Zwar beurteilten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage ähnlich wie im Vormonat, hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr waren sie jedoch zurückhaltender. Die Gerätekapazitäten wurden etwas schlechter ausgelastet als im Vormonat; mit 68% (saison- und witterungsbereinigt) lag der Auslastungsgrad auch unter dem Wert des Vorjahres (69%). Die Reichweite der Auftragsbestände blieb im Durchschnitt der Bausparten konstant; sie war mit 2,4 Monaten (saison- und witterungsbereinigt) nur unwesentlich kleiner als in der vergleichbaren Zeit des Vorjahres (2,5 Monate). Per saldo waren weiterhin 40% der Testteilnehmer mit der Auftragssituation unzufrieden. Nach den Angaben der Firmen zu schließen, sahen sich die Befragten häufiger zu Preiszugeständnissen


gezwungen; für die nächsten Monate wurde allerdings mit einer Abschwächung des Preisdrucks gerechnet. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen beabsichtigte in den kommenden Monaten den Personalbestand zu verkleinern. Großhandel: Aufgehellte Perspektiven Die Großhändler waren mit der Geschäftslage im September ähnlich unzufrieden wie im August. Damit setzte sich die seit Jahresmitte bestehende Aufwärtsbewegung nicht fort. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung hat der Pessimismus allerdings erneut nachgelassen. Trotz verringerten Lagerdrucks blieben die Unternehmen in ihren Bestellplänen restriktiv. Auch die Beschäftigtenpläne waren auf Einschränkungen ausgerichtet, wenn auch nicht mehr so häufig wie in den vorangegangenen Monaten. Die Verkaufspreise werden nach Ansicht der Firmen in den nächsten Monaten eher sinken. Einzelhandel: Weiterhin zufriedenstellende Geschäftslage Das Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich im September erneut verbessert. Die Unternehmen empfanden ihre aktuelle Geschäftslage im Durchschnitt weiterhin als „befriedigend“. Zudem blickten sie abermals weniger kritisch auf die Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr. Die Umsätze erreichten den Meldungen der Umfrageteilnehmer zufolge in etwa das Vorjahresniveau. Der ungewollte Lageraufbau setzte sich allerdings auch im September fort, so dass die Einzelhändler ihre Bestellungen wieder vermehrt einschränken wollten. Noch häufiger als im Vormonat reduzierten sie die Preise. Auch für die nächsten Monate wurden in moderatem Umfang Preissenkungen angekündigt. Nur ein sehr geringer Teil der befragten Firmen plante, Personal abzubauen. Dienstleistungen: Geschäftserwartungen positiver Der ifo Geschäftsklimaindikator für das Dienstleistungsgewerbe (ohne Handel, Kreditgewerbe, Leasing, Versicherungen und ohne Staat) ist im September erneut gestiegen.1 Die momentane Geschäftslage hat sich den Unternehmensmeldungen zufolge gegenüber dem Vormonat nicht verändert. Die Dienstleister erwarteten für die nahe Zukunft vermehrt Umsatzsteigerungen und auch eine günstigere Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten. In ihren Personalplanungen waren die Unternehmen jedoch zurückhaltender als im August.

© / Quelle: ifo-institut


Die deutsche Bauindustrie Stabilisierender Faktor in der Krise und gerüstet für die Zukunft Die Anders als die Automobilindustrie, die Banken und der Maschinenbau wird die Bauindustrievon Meinungsbildnern, von Politikern und Journalisten in der derzeitigen wirtschaftlichen Krisenphase nicht als besonders krisengefährdet gesehen. Im Gegenteil, die große Mehrheit (62 Prozent) konstatiert, dass die Bauwirtschaft im Moment in starkem Maße von den staatlichen Konjunkturprogrammen profitiert. Entlassungswellen werden von den Meinungsbildnern vor allem in der Automobilindustrie (85 Prozent) und im Maschinenbau (70 Prozent) erwartet. Nur 29 Prozent prognostizieren, dass es in der Bauwirtschaft zu zahlreichen Entlassungen kommt. Insgesamt gehen 40 Prozent der Meinungsbildner davon aus, dass die Bauindustrie besser als andere Branchen gerüstet ist, die derzeitige Krise durchzustehen. Lediglich 11 Prozent halten sie für schlechter gerüstet, 36 Prozent für genauso gut wie andere Branchen. Die Bauwirtschaft gilt mit deutlichem Abstand als eine Branche, bei der staatliche Stützungsmaßnahmen am ehesten Wirkung zeigen. 72 Prozent der Meinungsbildner sind überzeugt, dass staatliche Unterstützungsprogramme in der Bauindustrie unmittelbare Wirkung zeigen und nicht verpuffen. Mit großem Abstand folgen die Automobilindustrie (52 Prozent) und die Banken (36 Prozent). Dagegen verspricht sich die überwältigende Mehrheit der Meinungsbildner kaum Effekte von staatlichen Stützungsprogrammen für den Maschinenbau, die chemische Industrie oder andere Branchen:


Erhebliche Investitionspläne in den Kommunen Welche Impulse von dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung ausgehen, zeigen die Angaben der befragten Kommunalpolitiker. 54 Prozent geben zu Protokoll, dass ihre Stadt, ihre Gemeinde vom Konjunkturprogramm der Bundesregierung erheblich profitiert, weitere 36 Prozent sehen zumindest einen begrenzten Nutzen für die eigene Kommune. Entsprechend sind in der überwältigenden Mehrzahl dieser größeren Kommunen mit mindestens 40.000 Einwohnern deutlich höhere Investitionen in Bauprojekte geplant. 60 Prozent der befragten Kommunalpolitiker berichten, dass ihre Gemeinde in diesem Jahr deutlich mehr in Bauvorhaben investieren wird, weitere 21 Prozent berichten von einer begrenzten Ausweitung. Lediglich in jeder zehnten Kommune ist geplant, die Bauinvestitionen etwas oder sogar deutlich zurückzuschrauben (siehe nachfolgende Grafik) Die geplanten Investitionen betreffen vor allem energetische Sanierungen von Schulen, Kindergärten, kulturellen Einrichtungen und Verwaltungsgebäuden sowie Neubauten im Bereich der Verkehrsinfrastruktur sowie von Schulen und Kindergärten.


Wirtschaftliche Bedeutung des Klimaschutzes Die überwältigende Mehrzahl der Meinungsbildner zählt die Bauindustrie auch zu den Branchen, die vor allem dazu beitragen können, dass der Klimaschutz Fortschritte macht. 84 Prozent sehen hier vor allem die Energiewirtschaft gefragt, 79 Prozent die Automobilindustrie, 73 Prozent die Bauwirtschaft. Mit einigem Abstand folgt die chemische Industrie, die von weniger als jedem zweiten Meinungsbildner genannt wird: Dass das Thema Klimaschutz für die Bauwirtschaft erhebliche wirtschaftliche Potentiale bietet, steht für die überwältigende Mehrheit der Meinungsbildner außer Frage. Knapp jeder zweite Meinungsbildner hält das wirtschaftliche Potential für die Bauindustrie auf diesem Feld für sehr groß, weitere 42 Prozent für groß. Besonders Politiker der Landes- und Bundesebene sind überzeugt, dass die Umsetzung der Klimaschutzziele der Bauwirtschaft erhebliche Impulse verleihen wird.


Die Auffassung, dass die Bauwirtschaft ihren Zenit überschritten hat, da „die Republik weitgehend gebaut ist“, ist unter Meinungsbildnern eine Minderheitenmeinung. Nur jeder Dritte stimmt zu, während die Mehrheit überzeugt ist, dass die Bauwirtschaft auch in Zukunft vor Herausforderungen steht, die weit über Renovierungsarbeiten hinausgehen. Die Untersuchung stützt sich auf knapp 300 Interviews mit Politikern der Bundes-, Landes und kommunalen Ebene sowie Journalisten, die sich schwerpunktmäßig mit den Themen Wirtschaft und Bauen beschäftigen. Die Interviews wurden im April 2009 durchgeführt.

Quelle: ifd Institut für Demoskopie Allensbach


Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung

RWI:

Konjunktur auf dem Wege der Besserung Die deutsche Konjunktur belebt sich nur langsam. Das RWI prognostiziert einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,0% für 2009 und erhöht damit seine Prognose vom Juni 2009 um 1,4 Prozentpunkte. Für 2010 erwartet das RWI ein BIP-Wachstum von 1,2%. Zudem rechnet das Institut für den Prognosezeitraum mit einer wieder anziehenden Teuerung und einem schwächeren Arbeitsmarkt. Auch die Weltwirtschaft dürfte sich allmählich erholen. Während die Belebung in den meisten Schwellenländern deutlich ausfallen dürfte, wird die Expansion in den Industrieländern voraussichtlich nicht sehr schwungvoll sein. Das Weltsozialprodukt dürfte in diesem Jahr um 2,5% zurückgehen, im nächsten Jahr um 1,0% wachsen. Risiken drohen dem weltwirtschaftlichen Aufschwung vor allem durch möglichen neuen Abschreibungsbedarf im Finanzsektor aufgrund zunehmender Insolvenzen von Unternehmen sowie durch eine Zunahme protektionistischer Maßnahmen. Die Konjunktur in Deutschland erholt sich nur langsam. Zwar hat die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3% zugenommen, nachdem sie zuvor vier Quartale in Folge gesunken war. Gleichwohl ist die Wirtschaftsleistung um 7,1% niedriger als vor einem Jahr, so dass man lediglich von einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau sprechen kann. Zugenommen haben insbesondere die privaten und staatlichen Konsumausgaben sowie die Bauinvestitionen. Die vorlaufenden Indikatoren deuten auf eine moderate Belebung der Konjunktur im zweiten Halbjahr 2009 hin, Impulse kommen vor allem von der Welt-


wirtschaft und dem kommunalen Investitionsprogramm, während der private Konsum rückläufig sein dürfte. Die Teuerung dürfte anziehen und die Verbraucherpreise in diesem Jahr um 0,4%, im kommenden Jahr um 1,3% ansteigen. Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI für das Jahr 2009 einen Rückgang des realen BIP von 5,0%, während es im Juni noch von einem Minus von 6,4% ausgegangen war. Der Unterschied mag auf den ersten Blick groß erscheinen, doch weisen beide Prognosen ein ähnliches Profil der konjunkturellen Entwicklung auf, sie gehen von einem deutlichen Einbruch im ersten Quartal und einer allmählichen Stabilisierung im weiteren Verlauf des Jahres aus. Die Tiefe des Einbruchs wurde jedoch damals gravierender eingeschätzt, die Erholung etwas später datiert. Zudem hatte das Statistische Bundesamt zunächst für das erste Quartal -3,8% gemeldet, mittlerweile hat es diese Zahl auf -3,5% revidiert. Das immer noch kräftige Minus unserer aktuellen Prognose wird vor allem von dem statistischen Unterhang und einem kräftigen Rückgang im ersten Quartal verursacht. Für den gesamten Prognosezeitraum ist eine zögerliche Erholung zu erwarten. Für den Jahresdurchschnitt 2010 hält das RWI ein Wirtschaftswachstum von 1,2% für wahrscheinlich. Damit erhöht es seine Prognose für 2010 gegenüber dem Juni dieses Jahres um einen Prozentpunkt. Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt dürfte sich noch für einige Zeit verschlechtern. Bisher verhinderten Kurzarbeit und andere Anpassungen auf betrieblicher Ebene, dass die Beschäftigung an die niedrigere Produktion angeglichen wurde. Dadurch sanken die Produktivität und die Arbeitszeit der Arbeitnehmer kräftig, die Lohnstückkosten stiegen. Die Unternehmen werden allerdings bestrebt sein, die Kosten zu senken, so dass die Arbeitslosigkeit auf 3,7 Millionen Personen am Ende dieses und auf 4,4 Millionen am Ende kommenden Jahres steigen dürfte. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt entsprechend von 8,3% auf 9,8% steigen. Die Lage der öffentlichen Haushalte hat sich aufgrund konjunkturbedingter Mindereinnahmen und Mehrausgaben sowie durch die Maßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur bereits deutlich verschlechtert. Wir erwarten, dass diese Entwicklung sich fortsetzt und das gesamtstaatliche Budgetdefizit in diesem Jahr auf 3,0% in Relation zum BIP steigen wird, 2010 auf 5%. Die Schuldenstandsquote (staatlicher Schuldenstand im Verhältnis zum nominalen BIP) dürfte damit Ende kommenden Jahres über 75% liegen. Angesichts der aktuellen Situation steht die Wirtschaftspolitik vor großen Aufgaben. Die EZB hat, um die Funktionsfähigkeit des Geldmarkts zu gewährleisten, die Liquiditätsversorgung drastisch


ausgeweitet und sollte die geldpolitischen Zügel jetzt behutsam straffen. Die Finanzpolitik sollte Wege aufzeigen, um die gestiegene Verschuldung zu reduzieren. Eine glaubwürdige Strategie sollte nach unserer Einschätzung das Ausgabenwachstum begrenzen und das Budget zu Gunsten von Ausgaben, die das Wachstum fördern, umschichten. Auch die Weltwirtschaft erholt sich Nach dem außerordentlich kräftigen Abschwung zu Beginn dieses Jahres ist die Weltwirtschaft in den Sommermonaten allmählich wieder in Tritt gekommen. Insbesondere einige Schwellenländer verzeichneten kräftige Zuwächse, in den Industrieländern scheint zumindest der Boden erreicht zu sein. Der Welthandel erholt sich langsam von seinem ungewöhnlich scharfen Einbruch, wohl auch, weil sich die Finanzmärkte beruhigt haben und dadurch die Handelsfinanzierung wieder leichter fällt. Zudem sind die Rohstoffpreise gesunken. Das RWI erwartet, dass sich die Erholung im Prognosezeitraum weiter festigen wird, zumal die Wirtschaftspolitik zunächst expansiv ausgerichtet bleibt. Allerdings lassen die Impulse seitens der Finanzpolitik nach, weil die Konjunkturprogramme in vielen Ländern im kommenden Jahr auslaufen. Auch dürfte die Geldpolitik, sofern sich die Konjunktur stabilisiert, wieder restriktiver werden. Deutlich dürfte die Belebung in den meisten Schwellenländern ausfallen. Sie litten besonders stark unter dem Einbruch des Welthandels, und dürften entsprechend von dessen Erholung stärker profitieren. In den Industrieländern wird die Expansion voraussichtlich nicht sehr schwungvoll sein. Die Konjunkturprogramme vieler Länder laufen aus, die Kaufkraft wird nicht mehr durch rückläufige Rohstoffpreise gestützt und, auf dem Arbeitsmarkt dürften vielfach noch größere Anpassungen bevorstehen. Hinzu kommt, dass sich die Finanzierungsbedingungen trotz allmählicher Stabilisierung des Finanzsektors nicht wesentlich verbessern dürften, da die Bonität vieler Schuldner durch die Rezession gelitten hat. Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI, dass das Weltsozialprodukt in diesem Jahr um 2,5% sinken und im nächsten Jahr um 1,0% wachsen wird. Der Welthandel dürfte 2009 um 13,5% zurückgehen und 2010 um 6% steigen. Dem Aufschwung drohen jedoch Risiken von mehreren Seiten: Im Finanzsektor kann neuer Abschreibungsbedarf entstehen, wenn aufgrund der Rezession die Zahl der Insolvenzen steigt. Auch scheint die Neigung zu protektionistischen Maßnahmen zugenommen zu haben, was die Expansion des Welthandels dämpfen könnte. Schließlich haben die Zentralbanken in beträchtlichem Umfang Liquidität in die Märkte gepumpt und könn-


ten sich, um der Inflation vorzubeugen, gezwungen sehen, früher und stärker zu reagieren als hier unterstellt. Es bestehen aber auch „Aufwärtsrisiken“. So war in der Vergangenheit nach tiefen Einbrüchen auch oft eine starke Erholung zu beobachten.


Rückgang der Nachfrage ist häufigste Folge der Wirtschaftskrise Die Wirtschaftskrise hat Anfang des Jahres 2009 auch die Dienstleister der Informationsgesellschaft erreicht. Etwa 88 Prozent aller Unternehmen des Wirtschaftzweigs, zu dem die wissensintensiven und die IKT-Dienstleister gehören, geben an, von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen zu sein. Dabei reicht die Betroffenheit von geringfügig bis sehr stark. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage bei den Dienstleistern der Informationsgesellschaft, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform, Neuss, im September 2009 durchgeführt hat. „Am stärksten trifft die Wirtschaftskrise die Unternehmen durch den Rückgang der Nachfrage“, sagt Miruna Sarbu, Wissenschaftlerin am ZEW. „Zahlungsschwierigkeiten der Kunden werden von den betroffenen Unternehmen als zweithäufigste Folge der Wirtschaftskrise benannt. Immerhin noch knapp die Hälfte der Firmen, die die Krise spüren, berichten von Investitionsschwierigkeiten, die sich unter anderem aufgrund von Problemen bei der Beschaffung von Kapital ergeben“, sagt Miruna Sarbu. Eine Ausnahme bei diesem Ranking der Krisenfolgen stellen die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer dar. In dieser Branche nennen die von der Wirtschaftskrise betroffenen Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten ihrer Kunden als häufigste Krisenerscheinung. Unter Nachfragerückgängen und Investitionsschwierigkeiten leiden diese Unternehmen dagegen weniger. Die IKT-Dienstleister, hierzu gehören Softwareunternehmen, IT-Dienste, IKT-Händler und Telekommuni-kationsdienstleister, sowie die wissensintensiven Dienstleister, also Unternehmen der


Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung und Werbung, nutzen diverse Strategien, um die Folgen der Wirtschaftskrise abzumildern. Knapp 80 Prozent von ihnen versuchen die Krisenfolgen durch effizientere Arbeitsabläufe zu bewältigen. Als weitere Strategie zur Krisenbewältigung setzt eine Mehrheit der Unternehmen auf die Entwicklung und das Angebot neuer Dienstleistungen, auf die Umstrukturierung zum Zwecke der Kostensenkung und auf die Nutzung von Beziehungen. Dagegen greifen die von der Krise betroffenen Unternehmen zur Bekämpfung der Krisenfolgen eher selten auf Kurzarbeit, Personalabbau oder verstärkte Internationalisierung zurück.


Dr. Werner Schnappauf Hauptgeschäftsführer des BDI

Absturz zu Ende, nachhaltiger Aufschwung noch nicht in Sicht „Die deutsche Industrie warnt davor, den Aufschwung als Selbstläufer zu sehen.“ „Um den Wiederaufstieg zu beschleunigen, dringen wir darauf, noch in diesem Jahr Krisen verschärfende Regeln abzuschaffen und alles daran zu setzen, die Wachstumskräfte in Deutschland zu stärken.“ Das erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen BDI-Konjunkturreports am Montag in Berlin. „Die Bundesregierung muss die wachstumsorientierten Bestandteile des Koalitionsvertrags zügig umsetzen“, verlangte der BDI-Hauptgeschäftsführer. Dazu zählten insbesondere kurzfristige Veränderungen bei der Unternehmensteuer. Entscheidend hänge der Aufschwung von der Versorgung der Realwirtschaft mit Liquidität durch den Finanzsektor ab. Schnappauf: „Die Banken stehen in der Pflicht: Sie müssen Wege aufzeigen, wie eine flächendeckende Kreditklemme abgewendet werden kann.“ Laut BDI-Konjunkturreport sind Auftragseingänge und Produktion wieder aufwärts gerichtet. Jedoch liege die Kapazitätsauslastung der Industrie bei extrem niedrigen 71 Prozent. „Das ist ein historisch tiefer Einschnitt“, mahnte Schnappauf. Im langfristigen Durchschnitt waren die Kapazitäten in der deutschen Industrie zu 84 Prozent ausgelastet.


Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung

Versicherungswirtschaft begrüßt Ziele der neuen Bundesregierung Zum Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP erklärt der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des GDV, Jörg von Fürstenwerth: „Die neue Bundesregierung stellt die Bewältigung der Wirtschaftskrise in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Das begrüßt die deutsche Versicherungswirtschaft ausdrücklich. Der Koalitionsvertrag zieht notwendige Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise und setzt neue Akzente für die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums. Die Versicherungswirtschaft wird die Bundesregierung bei der Umsetzung dieser herausfordernden Ziele nachhaltig unterstützen. Im Einzelnen begrüßen die deutschen Versicherer: *

im Zuge der Umsetzung der europäischen Versicherungsaufsicht Solvency II. *

das Bekenntnis zur Stärkung des deutschen Versicherungsmarktes

die Rücknahme von krisenverschärfenden Regelungen bei der Unternehmensbesteuerung zum 1.1.2010.


*

das Bekenntnis zur Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Positiv

hervorzuheben ist hier auch die geplante Anhebung des Schonvermögens

von Hartz IV-Beziehern auf 750 Euro pro Lebensjahr. Begrüßenswert ist zudem,

dass die Aufnahme Selbstständiger in die geförderte Riester-Rente ebenso

wie eine Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes im Laufe der

Legislaturperiode geprüft werden sollen. *

die Zielsetzung, dass die Lohnzusatzkosten unter 40 Prozent bleiben sollen.

Die Menschen brauchen finanziellen Spielraum, um privat vorsorgen zu können.

Nur finanzierbare Renten sind sichere Renten. *

der Durchbruch hin zu einer sicheren und verlässlichen, elektronischen Kommunikation

im Geschäftsverkehr mittels eines neuen elektronischen Personalausweises und

einer sicheren E-Mail-Infrastruktur (D-Mail).


Rainer Brüderle, © BMWi

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie

Minister Brüderle:

„Wirtschaftliche Erholung schreitet weiter voran.“ Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im dritten Quartal 2009 um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dieser preis-, kalender- und saisonbereinigte Wert ergibt sich aus der heute veröffentlichten Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes. Gegenüber dem Vorjahr lag das BIP um real 4,7 Prozent, kalenderbereinigt um 4,8 Prozent niedriger. Insgesamt dürften die konjunkturellen Maßnahmen auch im dritten Vierteljahr eine positive Wirkung entfaltet haben. Im dritten Quartal 2009 waren im Vergleich zum Vorjahr rund 81 000 Personen weniger erwerbstätig. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle: „Die fortschreitende Erholung der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal entspricht unseren Erwartungen und ist eine gleichermaßen erfreuliche wie ermutigende Entwicklung. Allerdings kann angesichts der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise noch keine Entwarnung gegeben werden. Deshalb müssen wir mit Weitsicht und Engagement an ihrer Überwindung arbeiten, das heißt: weg von der akuten Krisenbewältigung hin zu einer Politik, die das Wachstum nachhaltig stärkt.


Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Steuerpolitik. Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz entlasten wir Bürger und Unternehmen, stärken so Motivation und Leistungsbereitschaft und setzen zusätzliche Wachstumsimpulse.“


Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz, ZEW-Präsident

ZEW-Konjunkturerwartungen Erholung verlangsamt sich etwas Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im Januar um 3,2 Punkte gefallen und liegen nun bei 47,2 Punkten nach 50,4 Punkten im Vormonat. Mit diesem Wert liegen sie weiterhin über ihrem historischen Mittelwert von 27,1 Punkten. Damit erwarten die befragten Finanzmarktexperten, dass sich die deutsche Konjunktur in den kommenden sechs Monaten mit geringer Dynamik erholen wird. Den Experten zufolge dürften sich die Fahrzeugbranche sowie Konsum und Handel im kommenden halben Jahr rückläufig entwickeln. Deutlich verbessert haben sich ihrer Ansicht nach die Geschäftsaussichten für den deutschen Maschinenbau. „Die Einschätzung der Finanzmarktexperten bestätigt, dass wir im Jahr 2010 bestenfalls eine Erholung aber noch keinen Aufschwung bekommen. Der Weg aus dem tiefen Rezessionstal ist beschwerlich und lang,“ kommentiert ZEW-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland fällt im Januar besser aus als im Vormonat. Der entsprechende Indikator steigt um 4,0 Punkte auf minus 56,6 Punkte. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone sind im Januar um 1,6 Punkte gegenüber dem Vormonat gesunken und liegen nun bei 46,4 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verbessert sich um 5,1 auf minus 62,7 Punkte.


Prof. Dr. Michael Hüther Direktor des IW Köln

IW-Direktor zur Wirtschaftspolitik

Über die Krise hinausblicken Die Wirtschaftspolitik in Deutschland sollte sich im neuen Jahr „neben der passiven Konjunkturunterstützung durch die Hinnahme konjunkturbedingter Defizite im Staatshaushalt auf das Kernproblem konzentrieren: die gefährdete Liquiditätslage der Unternehmen, besonders der industriellen Branchen“. Dies unterstreicht Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, in seinem Ausblick auf das Jahr 2010. Entsprechend fordert er, die Verringerung substanzbesteuernder Elemente in den Unternehmenssteuern konsequenter zu vollziehen. Der IW-Direktor betont zudem die Notwendigkeit, über die Krise hinauszublicken. Dabei sollte sich die Wirtschaftspolitik einer neuen Problemstellung bewusst sein: Je länger sich die Investitionsschwäche hinzieht, desto mehr schwindet ein Hinderungsgrund gegen Standortverlagerungen – das Argument der irreversiblen Kosten. Deshalb komme es beim nächsten Investitionszyklus sehr darauf an, den Unternehmen überzeugende Gründe dafür zu bieten, weiterhin in Deutschland zu investieren, so Hüther. Die Bundesregierung sollte deshalb ihr Bemühen um gute Standortbedingungen schnell glaubwürdig werden lassen. Dazu gehört auch, dass aus der Politik für Krisenzeiten sukzessive wieder eine Politik für die Normalität wird. Eine solche Normalisierung ist einerseits bei der Geldpolitik geboten, andererseits bei der Finanzpolitik – dort muss es insbesondere gelingen, einen überzeugenden Konsolidierungspfad ab 2011 zu definieren.


Auftragseingang November 2009

Dünner Silberstreif am Horizont Der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag im November 2009 um real zwölf Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt mit. Das Inlandsgeschäft sank um acht Prozent. Bei der Auslandsnachfrage gab es ein Minus von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich September bis November 2009 ergibt sich insgesamt ein Minus von 25 Prozent im Vorjahresvergleich, bei den Inlands- und Auslandsaufträgen ebenfalls je ein Minus von 25 Prozent. „Mit dem Auftragseingang vom November bestätigt sich abermals unsere Einschätzung, dass der heftige Rückgang der Maschinenbestellungen zu einem Ende gekommen ist. Mehrere Fachzweige konnten im November im Vorjahresvergleich sogar Plusraten verbuchen. Im Durchschnitt des Maschinenbaus ist das Ergebnis nur noch knapp zweistellig im Minus. Auch wenn diese Entwicklung dem Basiseffekt eines schon sehr schwachen November 2008 geschuldet ist, so nährt sie doch die Hoffnung, dass sich nach 13 Monaten tiefen Falls jetzt endlich eine wenn auch zaghafte Besserung einstellt. Bis sich diese flächendeckend im Umsatz niederschlägt, ist wegen der technisch bedingten Durchlaufzeiten aber noch Geduld gefragt“, kommentierte VDMA Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers das Ergebnis.


Bankenverband zum Jahreswirtschaftsbericht:

Bundesregierung stimmt auf schwieriges Jahr ein „Die Wachstumsprognose der Bundesregierung zeigt, dass 2010 für Deutschland ein schwieriges Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise wird“, erklärt Prof. Dr. Manfred Weber, Geschäftsführender Vorstand des Bankenverbandes, anlässlich der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts. Die Wirkung der Konjunkturprogramme lasse nach, damit stehe der Arbeitsmarkt vor großen Herausforderungen. „Auch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz wird daran nur wenig ändern.“ Dass die wirtschaftliche Erholung erneut vom Export getragen werden müsse, sei angesichts der starken internationalen Verflechtung der deutschen Wirtschaft nur logisch. Weber warnt allerdings davor, zu große Erwartungen auf die asiatischen Schwellenländer zu setzen. „Schon wegen seiner starken Exportorientierung kann Asien nicht für die ausfallenden US-Konsumnachfrage in die Bresche springen“ sagte Weber. Um die wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit auch für die Zukunft zu sichern, muss nach Meinung von Weber die Haushaltskonsolidierung Vorrang vor Steuerentlastungen haben. Das im Bericht explizit erwähnte Bekenntnis zum Finanzierungsvorbehalt sei daher zu begrüßen. Die Rückkehr auf einen nachhaltigen Konsolidierungspfad sei eng mit dem notwendigen Ausstieg aus fiskalischen Stabilisierungsmaßnahmen verbunden. Weber: „Wir unterstützen daher den Plan der Bundesregierung, staatliche Eingriffe in den Marktmechanismus geordnet zurückzufahren.“ Der Bankenverband teilt die Einschätzung der Bundesregierung, dass derzeit nicht von einer Kreditklemme gesprochen werden könne. Denn die rückläufige Kreditvergabe sei vorrangig auf eine sinkende Kreditnachfrage zurückzuführen. Allerdings: Sollten sich mit sinkender Bonität der Unternehmen deren Finanzierungsmöglichkeiten weiter verschlechtern, könne dies die Kraft einer konjunkturellen Erholung möglicherweise bremsen.


Anders als von der Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht vorgeschlagen, steht für Weber hier aber nicht die Weiterentwicklung des Kredit- und Bürgschaftsprogramms oder die Hilfe eines Kreditmediators im Vordergrund. Weber: „Wir müssen die Gesundung des Bankensektors weiter zügig vorantreiben, damit diese ihren Job machen können – die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.“ Dazu sollten unter anderem auch die Verbriefungsmärkte wiederbelebt werden. Weber betont aber, „hier sehen sich die privaten Banken zunächst selbst in der Pflicht und arbeiten mit Hochdruck an einem tragfähigen Konzept.“


Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

Statement von Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des DIHKs, zur Pressekonferenz am 11. März 2010

Vermeidung einer Kreditklemme „Herausforderung für uns alle“ Nach den Treffen im April und im September letzten Jahres war dies heute das dritte Spitzengespräch zur Unternehmensfinanzierung. Es ist ein ermutigendes Zeichen gerade für die Kredit suchenden Unternehmen, dass wir auch bei diesem Treffen mit konkreten Ergebnissen aufwarten können. Herr Minister Brüderle, der Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums und Herr Haasis werden Ihnen gleich Einzelheiten darstellen. Von mir deshalb hier nur drei Stichworte: 1. Wir haben heute gemeinsam die Situation eingehend analysiert. Es bestand Einigkeit, dass bislang eine flächendeckende Kreditklemme verhindert werden konnte. Damit haben wir das Hauptziel, das wir uns nach unserer letzten gemeinsamen Runde am 1. September 2009 gesetzt haben, erreicht. Für eine Entwarnung ist es allerdings noch zu früh. Mit anziehender Konjunktur brauchen die Unternehmen frisches Geld für die Vorfinanzierung neuer Aufträge und für Investitionen. Dass es gerade hier hakt, zeigt die aktuelle DIHK-Umfrage: Selbst von den Unternehmen, die aktuell von besseren Exporten ausgehen und sich zutrauen, ihre Investitionen anzuheben, befürchten 28 % Finanzierungsengpässe. – Eine Halb-Acht-Stellung ist deshalb notwendig: bei der Politik, in der Kreditwirtschaft und auch in der Realwirtschaft


2. Bundesregierung und Kreditwirtschaft haben sich abermals zu konkreten Maßnahmen bereit erklärt. Im Zentrum stehen die klare Betonung der Zukunftsperspektiven eines Unternehmens im Rahmen des Ratings, der Ausbau der Beteiligungsfinanzierung – also die Versorgung der Unternehmen mit Eigenkapital – sowie 3. damit komme ich schon zu meinem dritten Punkt: die gemeinsame Verpflichtung von Kreditwirtschaft, Kammern und Verbänden der Realwirtschaft, die Arbeit des Kreditmediators zu unterstützen. Unsere Zielsetzung ist es, im Zweifel auch im Einzelfall alle miteinander – also auch einschließlich KfW, Landesförderinstituten und Bürgschaftsbanken – nach zusätzlichen Möglichkeiten zu suchen, eine Kreditvergabe doch noch zu ermöglichen.


Matthias Wissmann Präsident des VDA

Bei effizienter Logistik ist auch die Politik gefordert Berlin/Leipzig, Februar 2010. „Eine wachsende Wirtschaft braucht effiziente Logistik. Güterverkehr und individuelle Mobilität sind auf eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Bei der Optimierung des Logistikstandortes Deutschland ist auch die Politik gefordert – sie muss die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem 9. VDA-Logistikkongress in Leipzig. Er wies darauf hin, dass nach einer Prognose des Bundesverkehrsministeriums der Straßengüterverkehr – nach dem Krisenjahr 2009 – im laufenden Jahr wieder um 4,5 Prozent wachsen werde. Für die weltweite Pkw-Produktion werde ein Anstieg um mindestens 4 Prozent auf 52 Mio. Fahrzeuge erwartet. Damit die Logistik ihrer Dienstleistungsfunktion auch für die deutsche Automobilindustrie in vollem Umfang entsprechen könne, sollten die Investitionen in eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur auch in den kommenden Jahren verstetigt werden, so Wissmann. Eine Entlastung des stark beanspruchten Fernstraßennetzes sei mit Hilfe innovativer Nutzfahrzeugkonzepte möglich. So ließen sich über verbesserte Aerodynamik bei Lkw erhebliche Einsparpotenziale beim Kraftstoffverbrauch und damit bei den CO2-Emissionen realisieren - trotz weiter steigenden Transportbedarfs. Der VDA-Präsident unterstrich: „Wir begrüßen daher die Pläne der Bundesregierung für einen bundesweiten Feldversuch mit innovativen Nutzfahrzeugkonzepten.“ Eine optimierte


Logistik trage auch zu einer Entlastung der Umwelt und zum Klimaschutz bei. Wissmann forderte zudem erneut ein „Belastungsmoratorium“ für das Speditionsgewerbe, das durch die Krise unter enormen Druck geraten sei. Die Entscheidung, den 9. VDA-Logistikkongress in Leipzig auszurichten, sei bewusst getroffen worden: „Diese Region wird für die deutsche Automobilindustrie immer wichtiger. Das Land Sachsen ist Traditionsstandort der deutschen Automobilindustrie – und Leipzig ist der jüngste und damit modernste deutsche Fertigungsstandort.“ Innerhalb von nur zehn Jahren habe sich die Beschäftigtenzahl in der sächsischen Automobilindustrie auf 70.000 Mitarbeiter verdoppelt, der Umsatz sei in gleicher Größenordnung auf 12 Mrd. Euro gewachsen. Als aktuelles Beispiel für die Standortstärke von Leipzig nannte Wissmann die Entscheidung des Hauses BMW, hier mit der Serienfertigung eines Elektroautos zu starten: „Das ist ein wichtiger Schritt, damit der Automobilstandort Leipzig auch bei der individuellen Mobilität von morgen ganz vorne mitfährt.“ Die Region verfüge über hochqualifizierte Fachkräfte und eine hohe Zuliefererdichte. Auch für den Ausbau der Elektromobilität in Deutschland sei die Kompetenz der zahlreichen mittelständischen Zulieferfirmen von großer Bedeutung. Der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Sven Morlok (FDP), lobte die Stärke der deutschen Unternehmen und appellierte zugleich: „Die Akteure der Logistikwirtschaft behaupten sich in einem harten Marktumfeld und gegen hohen Kostendruck. So wird beispielsweise der Kostenfaktor Energie für Logistiker wie auch Hersteller immer bedeutender. Wege sparen, Synergien nutzen und Ressourcen schonen – so wird aus ökologischem ökonomisches Handeln. Hier können deutsche Unternehmen zum Beispiel schon heute punkten. Das beweisen im Autoland Sachsen die Zusammenarbeit von Logistikdienstleistern und Automobilherstellern und auch Daimlers Beteiligung an dem Unternehmen Litec oder die geplante Produktion des E-BMW in Leipzig.“ Zum Kongress selbst ergänzte der Minister: „Produzenten, Zulieferer und Logistiker müssen jetzt an neuen Ideen arbeiten und vorausschauende Unternehmensentscheidungen treffen, um möglichst gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Der Logistikkongress trägt dazu bei, auf Erfolgsstrategien in bewegten Zeiten aufmerksam zu machen.“


Dr. Hannes Hesse Hauptgeschäftsführer des VDMA © VDMA

Maschinenbau blickt nach vorn – Branche erwartet „schwarze Null“ für 2010 „Wir sehen keinen Anlass, unsere Anfang Februar bestätigte Prognose zu ändern und erwarten eine ‚schwarze Null’ für 2010“, so VDMA Hauptgeschäftsführer Dr. Hannes Hesse zur aktuellen Lage des deutschen Maschinenbaus auf der Hannover Messe Pressekonferenz des Verbandes am Montag in Hannover. „Wie nachhaltig diese Aufwärtsentwicklung sein wird, muss sich noch beweisen. Das Auslaufen der Konjunkturprogramme sowie der positiven lagerzyklischen Effekte, die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte, die künftige Zinspolitik der Notenbanken, die anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten einschließlich der weltweit erschwerten Kreditvergabe setzen Fragezeichen“, so Hesse. Die Produktion lag in den ersten beiden Monaten des Jahres 11,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Im Januar lag die Kapazitätsauslastung bei 72,3 Prozent, weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 86,4 Prozent. Ende Februar beschäftigte die Branche 909 Tausend Personen, 12 Tausend Personen weniger als im Dezember. Die Zahl der Kurzarbeiter lag im Dezember bei 171 Tausend Personen. Deutscher Maschinenbau bleibt Exportweltmeister


Auch wenn noch nicht alle Jahreswerte des internationalen Außenhandels 2009 vorliegen, bestätigt sich die Vermutung: Anderen ging es auch schlecht. In den USA, Maschinenexporteur Nummer zwei weltweit, betrug der Rückgang der Exporte 19,3 Prozent auf 71,3 Milliarden Euro. Selbst China exportierte 16,6 Prozent weniger, 53,4 Milliarden Euro. „Damit konnten die Deutschen - trotz einem Minus von 23 Prozent - ihren Exportweltmeistertitel mit einem Auslandsumsatz von 110,9 Milliarden Euro erfolgreich verteidigen“, erklärte der VDMA Hauptgeschäftsführer. In China konnten die Deutschen ihre Position sogar mit einem Plus von vier Prozent als zweitgrößter Lieferant leicht ausbauen auf 11,4 Milliarden Euro. Es folgen die Lieferungen in die USA mit 8,4 Milliarden Euro, Frankreich mit 7,4 Milliarden Euro, Italien mit 4,9 Milliarden und Großbritannien mit 4,8 Milliarden Euro Auf Fachzweigebene spiegelt sich die starke Rolle des deutschen Maschinenbaus deutlich wider. In 18 von 30 international vergleichbaren Gruppen sind die deutschen Hersteller Weltmarktführer (Fördertechnik, Antriebstechnik, Werkzeugmaschinen, Landtechnik, Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen etc.). In elf übrigen stehen sie auf Platz zwei und drei. Die chinesischen Hersteller belegen inzwischen allerdings in sechs von 30 Teilbranchen Platz 1 (Allgemeine Lufttechnik, Bekleidungs- und Ledertechnik, Armaturen etc.) Drei Viertel der deutschen Maschinenimporte kommen aus Europa Deutschland ist mit insgesamt 39 Milliarden Euro der bei weitem größte Importeur in Europa. Drei Viertel der Maschinenimporte in Höhe von 29 Milliarden Euro kommen aus Europa, nur 6 Milliarden aus Asien und 3,2 Milliarden aus Nord-Amerika. Italien hatte mit 4,2 Milliarden Euro den größten Anteil (10,7 Prozent), gefolgt von der Schweiz mit 3,9 Milliarden Euro (10,1 Prozent), Frankreich mit 3,2 Milliarden Euro (8,1 Prozent), USA mit 3 Milliarden (7,7 Prozent) und Österreich mit 2,6 Milliarden (6,6 Prozent). Italien - größter ausländischer Anbieter in Deutschland und viertwichtigster Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer


Nach China, den USA und Frankreich ist Italien der viertstärkste Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer, mit einem Volumen von knapp fünf Milliarden Euro. Deutschland ist wichtigster ausländischer Anbieter in Italien. Fast ein Drittel der importierten Maschinen kommen aus Deutschland, insbesondere Produkte der Antriebstechnik, der Fördertechnik und der Allgemeinen Lufttechnik. Auf dem deutschen Markt sind die Italiener mit einem Importanteil von 4,2 Milliarden Euro (10,7 Prozent) größter Anbieter. Deutsche Maschinenproduzenten weltweit Nummer 3 2009 wurden nahezu alle bedeutenden Maschinenbaunationen mit zweistelligen Umsatzrückgängen konfrontiert. Allein die VR China konnte dank massiver staatlicher Investitionsprogramme weiter wachsen und ihren ersten Platz im Ranking der weltgrößten Maschinenbauproduzenten erfolgreich verteidigen. Ein Viertel der weltweit produzierten Maschinen werden nun in China gefertigt (2008: 17 Prozent). Asien ist damit größte Fertigungsregion im Maschinen- und Anlagenbau. Mit einem Umsatzvolumen von 178 Milliarden Euro belegten die deutschen Maschinenbauer 2009 im Ranking abermals Platz 3. Die USA behaupteten sich mit 199 Milliarden Euro auf Platz 2. Weltweit wurden 2009 nach Schätzungen der VDMA Volkswirte Maschinen und Anlagen für 1,38 Billionen Euro hergestellt (2008: 1,6 Billionen Euro). Nach aktuellem Kenntnisstand geht der VDMA davon aus, dass der Welt-Maschinenumsatz 2010 um rund neun Prozent zulegen wird, durch ein weiteres Umsatzplus am Standort China sowie Wachstum in den USA und Japan. Für Westeuropa wird - wie für Deutschland - eine Stagnation erwartet. Produktpiraterie hat weiter zugenommen „Wir schätzen den Umsatzschaden, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2009 durch Produktpiraterie entstanden ist, auf 6,4 Milliarden Euro“, so das Ergebnis einer im März


2010 durchgeführten repräsentativen Umfrage unter den VDMA Mitgliedsunternehmen. „Das ist eine Steigerung um acht Prozent gegenüber der letzten Umfrage 2008, sagte Hesse. „Ein Umsatz in dieser Schadenhöhe würde der Branche knapp 40.000 Arbeitsplätze sichern.“ Plagiate werden inzwischen vor allem von Komponenten - 58 Prozent - hergestellt, gefolgt von ganzen Maschinen mit 45 Prozent, und Ersatzteilen mit 36 Prozent. China ist weiterhin unangefochten „Plagiatweltmeister“. Das Land wurde von 80 Prozent der betroffenen Unternehmen als Ursprungsland der Nachbauten genannt. Zwei Drittel der Unternehmen gaben an, bereits in technische Schutzmaßnahmen zu investieren. Das geschätzte Gesamtinvestitionsvolumen lag bei knapp zwei Milliarden Euro 2009. Mehr als vierzig Prozent der Unternehmen planen weitere Investitionen in Produktschutzmaßnahmen. Auf der Hannover Messe zeigen die Maschinenbauer den weltweit ersten WerkzeugmaschinenPrototpyen, der bereits vorhandene Kommunikationsschnittstellen nutzt, um die Maschine als Gesamtsystem zu schützen. Neue Weltleitmesse MobiliTec schafft Innovationsplattform für E-Mobilität „Deutschland muss weltweit der „Leitanbieter“ für eine marktfähige Elektromobilität werden“, betonte Hesse. Für Deutschland sei es existentiell, dass dies hierzulande entwickelt und hergestellt werde. „Das wird aber nur gehen, wenn wir die Produktionstechnik beherrschen.“ Und zwar für Batterien, Elektromotoren und Getriebe, genauso wie für Leichtbaukomponenten oder die Leistungselektronik. „Nicht nur einzelne Komponenten müssen kosten- und funktionsoptimiert hergestellt werden, sondern ganze Systeme und Produktionsarchitekturen“, erklärte der VDMAHauptgeschäftsführer. „Die Elektromobilität wird erst ins Rollen kommen, wenn sie bezahlbar ist. Kurzum: Gewinne an der Front der Schlüsseltechnologien und zuallererst bei der Produktionstechnik werden das globale Wettrennen entscheiden.“ Die Devise für die Innovationspolitik der Regierung müsse daher lauten: „‘Research for Germany‘ und sicher nicht ‚Research for Library‘ oder ‚Research for Asia‘“, so der VDMA Hauptgeschäftsführer.


Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel Präsident des BDI © Fotograf: Christian Kruppa

„Zwei Prozent Wachstum 2010 wahrscheinlich“ Der BDI ist mit seinen Konjunkturerwartungen optimistischer als Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute. Er hält aufgrund von aktuellen Branchendaten und Exporterwartungen ein Wachstum von zwei Prozent im laufenden Jahr nach wie vor für wahrscheinlich: „Eine Zwei Prozent vor dem Komma ist machbar – wenn es keine Rückschläge in der Weltwirtschaft gibt, wenn Energie- und Rohstoffpreise im kalkulierbaren Rahmen bleiben und wenn eine flächendeckende Kreditklemme ausbleibt.“ Dies erklärte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel am Montag auf der BDI-Pressekonferenz zur Hannover Messe. „Entscheidend für die Weltwirtschaft sind rasche Erfolge bei der internationalen Finanzmarktregulierung“, unterstrich Keitel. Angesichts der Handels- und Wettbewerbsverzerrungen auf Rohstoffmärkten sollte die Politik sich dieser Themen nicht nur in der EU, sondern auf allen international zur Verfügung stehenden Ebenen annehmen, etwa im Rahmen der G20. Die Gefahr einer Kreditklemme habe abgenommen, sei aber noch nicht vom Tisch. Die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland seien trotz weiter bestehender Risiken gut, sagte Keitel. Die deutsche Wirtschaft profitiert nach seiner Einschätzung zuneh-


mend vom Anziehen des Welthandels. „Die konjunkturelle Erholung wird wie auch in früheren Zyklen über die Wachstumsmaschine Export laufen“, sagte Keitel. „Das ist keine Entscheidung irgendeiner zentralen Export-Agentur, sondern Ausdruck der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie auf den Weltmärkten.“ Kritische Stimmen aus dem Ausland an deutschen Exportüberschüssen wies der BDI-Präsident zurück. „Zumindest die vorgeschlagenen Rezepte, etwa Lohnerhöhungen, sind der falsche Weg, um Ungleichgewichte zu beseitigen. Vielmehr muss Deutschland durch bessere Standortbedingungen die Investitionstätigkeit stärken. Das ist der Beitrag, den die Politik für nachhaltiges Wachstum leisten kann und muss.“ Keitel hob hervor, dass die Politik mit einer nachhaltigen Wachstumspolitik sogar dauerhaft zwei Prozent erreichen könne. Ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda der Bundesregierung müsse jetzt die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte stehen. „Bislang fehlt die erforderliche Stringenz in der Rückführung der Verschuldung. Wir brauchen eine klare Exit-Strategie“, betonte der BDI-Präsident. „Konsolidierung und Wachstum bedingen sich gegenseitig.“ „Zwei Prozent Wachstum bringen etwa zwölf Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen pro Jahr – nicht zuletzt durch etwa 120.000 zusätzliche Jobs“, sagte Keitel. Dies erfordere eine kluge Wirtschaftspolitik. Ein Beispiel sei die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für alle Unternehmen.


Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann Präsident des DIW © Detlef Güthenke/DIW Berlin

„Kurzarbeit ist ein Kriseninstrument und kein Allheilmittel“ Das DIW Berlin spricht sich in einer jetzt veröffentlichten Studie deutlich gegen eine Verlängerung der bestehenden Kurzarbeitsregelungen aus. „Kurzarbeit hat in der Krise maßgeblich dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit in Grenzen zu halten. Das ist ein politischer Erfolg.“ sagt DIWPräsident Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann. „Man sollte das Instrument aber nicht überdehnen, denn dann könnten notwendige Strukturanpassungen unterbleiben.“ Längst ist die Rede vom „deutschen Jobwunder“: Trotz der Krise ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland nur geringfügig gestiegen. Grund dafür war auch die Ausweitung der Kurzarbeit: „Ohne die Kurzarbeit hätten wir sicher 300.000 oder 400.000 Arbeitslose mehr gehabt“, sagt Klaus F. Zimmermann. Ab Ende 2008 stieg die Zahl der Kurzarbeiter auf über 1,5 Millionen an. Mehr als 60.000 Betriebe hatten zeitweilig konjunkturbedingt die Arbeitszeit verkürzt. „Abgesehen von der Wiedervereinigung haben wir seit Kriegsende noch nie ein derartiges Ausmaß an Kurzarbeit erlebt“, so DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Dafür waren offensichtlich auch rechtliche Veränderungen verantwortlich, die Kurzarbeit für die Unternehmen attraktiver machten. Zahl der Kurzarbeiter geht deutlich zurück, aber es zeigt sich ein Sockel an Langzeit-Kurzarbeitern


Besonders in Teilen der Exportindustrie, im Maschinen- und Metallbau, der Kraftfahrzeugherstellung, aber auch im Textilgewerbe lag der Anteil der Kurzarbeiter an der Gesamtzahl der Beschäftigten bei über zehn Prozent. Jeder sechste Großbetrieb hatte Ende letzten Jahres die Arbeitszeit verringert. Mittlerweile zeichnet sich aber auch in diesen Branchen ein deutlicher Rückgang der Kurzarbeit ab. „Kleinere Betriebe setzen eher noch auf Kurzarbeit“, sagt Karl Brenke Insgesamt liegt die Zahl der Kurzarbeiter nur noch bei etwa 800.000, Tendenz sinkend. Bedenklich ist nach Expertenmeinung allerdings, dass unter den in Kurzarbeit verbliebenen Arbeitnehmern ein wachsender Anteil länger als ein Jahr die Arbeitszeit reduzieren musste. Die Hälfte davon ist in der Automobilbranche und im Maschinenbau angestellt. „Kurzarbeit soll eigentlich zur Überbrückung kurzfristiger konjunkturbedingter Produktionsausfälle dienen“, so Klaus F. Zimmermann. „Wie bei allen Subventionen muss man über den Ausstieg nachdenken – rechtzeitig“ Das Bundeskabinett will jetzt eine Verlängerung spezieller Regelungen der Kurzarbeit beschließen. Es geht dabei um die Sozialbeiträge bei Kurzarbeit. Nach Vorschlägen der Bundesregierung sollen sie bis März 2012 durch die Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Aus Sicht des DIW Berlin ist es sinnvoll, wenn in der Auslaufphase der Kurzarbeit die Lasten mehr und mehr von den Tarifparteien getragen werden – wie es der Tarifvertrag in der Metallindustrie vorsieht. Eine Zeit lang kann ein solches Modell durch die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge durch den Staat unterstützt werden. Aber bis März 2012 sollte eine solche Hilfestellung nicht dauern. „Wer noch in knapp zwei Jahren Kurzarbeit einsetzt, wird das wohl kaum noch glaubhaft mit der jüngsten Krise begründen können“, so DIW-Präsident Zimmermann. Es bestehe die Gefahr, dass bei einer zu langen Gewährung von Unterstützungsleistungen notwendige Anstrengungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Ausrichtung der Unternehmen an neue Marktgegebenheiten, die auch Anpassungen bei Struktur und Umfang des Personalstandes erfordern, unterbleiben. „Aber vielleicht löst sich das Problem rasch von selbst“, so Zimmermann weiter, „da sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt beruhigt hat, und auch Kurzarbeit in den Betrieben immer weniger nötig wird.“


Wachstumskräfte gewinnen die Oberhand Kaum hat die deutsche Wirtschaft die tiefe Rezession des vergangenen Jahres überwunden, da malen einige Beobachter angesichts der Turbulenzen in der Europäischen Währungsunion schon den nächsten Krisenteufel an die Wand. Da aber in vielen Regionen der Welt die Zeichen wieder auf Aufschwung stehen, sieht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln auch die Konjunktur hierzulande auf Erholungskurs. Im Jahr 2010 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach um 13/4 Prozent wachsen, 2011 sogar um gut 2 Prozent. Die Sorgen um den Euro haben in letzter Zeit die Schlagzeilen dominiert. Trotz der internationalen Unterstützungsaktionen birgt die Haushaltskrise einiger Eurostaaten weiterhin Risiken für die Finanzmärkte – und damit auch für die deutsche Wirtschaft. Zudem steht hierzulande ebenfalls eine Konsolidierung der Staatsfinanzen an, die den wirtschaftspolitischen Spielraum einschränkt. IW-Prognose für 2010 und 2011Dennoch sind die Konjunkturaussichten insgesamt recht positiv, wie die Frühjahrsprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. Vor allem profitieren die für den globalen Wettbewerb gut aufgestellten deutschen Unternehmen von der wieder größeren Dynamik in den aufstrebenden Volkswirtschaften, aber auch in den USA. Die globale Wirtschaftsleistung wird 2010 und 2011 jeweils um 4 Prozent steigen – und Deutschland wächst mit (Tableau): In diesem Jahr legt das deutsche Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 13/4 Prozent zu. Für 2011 ist ein Plus von gut 2 Prozent zu erwarten.


Diese Einschätzung wird auch von der aktuellen IW-Konjunkturumfrage gestützt, an der im April und Mai 2010 mehr als 2.000 Unternehmen in West- und Ostdeutschland teilgenommen haben. Die Prognose- und Umfrageergebnisse im Einzelnen: • Produktion. Der wirtschaftliche Aufwärtstrend ist für die Unternehmen längst mehr als nur eine Hoffnung. So sagen 38 Prozent der Betriebe, ihre Geschäftssituation sei besser als im Frühjahr 2009 – nur noch ein Viertel berichtet von einer schlechteren Lage. Und auch die Perspektiven für die weitere Entwicklung haben sich aufgehellt (Grafik): Konjunktur: Investitionskrise überwundenDerzeit gehen 47 Prozent der Unternehmen in Deutschland für 2010 von einer höheren Produktion aus als 2009 – nur 18 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Im vergangenen Herbst hatte das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten noch 34 zu 21 Prozent betragen. Am zuversichtlichsten von allen Wirtschaftsbereichen zeigt sich die Industrie. Dort erwarten 55 Prozent der Betriebe ein Produktionsplus – verglichen mit gut 40 Prozent im vergangenen Herbst. Und nur noch 15 Prozent müssen ihre Fertigung in diesem Jahr voraussichtlich zurückfahren – vor sechs Monaten hatten mehr als 20 Prozent der Unternehmen diese Befürchtung geäußert. • Außenhandel. Auf dem Weg zurück zu alter Stärke – so präsentiert sich der deutsche Exportsektor. Ihm kommt unter anderem zugute, dass der reale Welthandel 2010 um 8 Prozent expandieren wird, vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer wieder verstärkt Investitionsgüter nachfragen und sich die Lohnstückkosten hierzulande moderater entwickeln als zuletzt. Entsprechend gehen 36 Prozent der Betriebe für 2010 von steigenden Exporten aus; nur noch knapp 14 Prozent haben ein schlechteres Auslandsgeschäft als 2009 auf der Rechnung. Im für Deutschland besonders wichtigen Investitionsgütersektor erwartet sogar mehr als die Hälfte der Firmen eine Zunahme der Ausfuhren; lediglich ein Sechstel hält ein Minus für wahrscheinlich. Insgesamt werden die preisbereinigten Waren- und Dienstleistungsexporte 2010 den Vorjahreswert um 71/4 Prozent überschreiten; im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs 6 Prozent betragen. Zwar kauft die deutsche Wirtschaft auch wieder mehr im Ausland ein; dennoch steuert der Außenhandel 2010 und 2011 jeweils etwa die Hälfte zum Wirtschaftswachstum in Deutschland bei.


• Investitionen. Auch wenn die Unternehmen ihre Produktion ausweiten – die Kapazitäten sind noch längst nicht wieder ausgelastet. Dies und die nach wie vor spürbare Unsicherheit, wie robust der Aufschwung ist, lassen viele Betriebe noch zögern, mehr Geld in neue Maschinen und Anlagen zu stecken: Zwar stehen bei gut 28 Prozent der vom IW Köln befragten Firmen in diesem Jahr höhere Investitionsausgaben auf der Planung als 2009. Allerdings gehen mit 26 Prozent fast ebenso viele von einem geringeren Budget aus. Konjunktur: Unternehmen zeigen ZuversichtDennoch ist das tiefe Krisental auch bei den Investitionen durchschritten – im vorigen Herbst lag der Anteil der Betriebe mit negativen Investitionserwartungen noch um knapp 7 Prozentpunkte über dem der optimistischen Unternehmen. Im Frühjahr 2009 hatte der Abstand sogar fast 46 Punkte betragen (Grafik). Vor diesem Hintergrund ist es bereits ein Erfolg, dass die realen Ausrüstungsinvestitionen 2010 in der gesamten Wirtschaft um 3 Prozent wachsen. Im Jahr 2011 werden die Unternehmen ihren Maschinenpark auch wieder stärker modernisieren – dann steht sogar ein Investitionsplus von 8 Prozent in Aussicht. Die Bauinvestitionen treten hingegen vorerst mehr oder weniger auf der Stelle – nicht zuletzt, weil der Bau von Straßen, öffentlichen Gebäuden etc. das Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme zu spüren bekommt. • Arbeitsmarkt. Trotz der Rezession ist der befürchtete Stellen-Kahlschlag ausgeblieben. Inzwischen greifen sogar immer weniger Unternehmen auf die Kurzarbeit zurück. Auch in diesem Jahr droht keine Entlassungswelle. Laut IW-Frühjahrsumfrage meint lediglich jede fünfte Firma, Personal abbauen zu müssen – ebenso viele planen jedoch, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland 2010 dürfte damit im Schnitt nur leicht sinken – und auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit hält sich in engen Grenzen. Dieses Jahr wird nicht einmal die Marke von 3,4 Millionen Arbeitslosen überschritten. Im Jahr 2011 wird die Zahl der Jobsucher dann auf etwas mehr als 3,4 Millionen anwachsen – das bedeutet im Jahresdurchschnitt eine Quote von 73/4 Prozent. Ab Sommer 2011 sorgt die schwungvollere Konjunktur jedoch für einen Rückgang der Erwerbslosigkeit.


Unterm Strich hat die Wirtschaftskrise so nur rund 150.000 Arbeitsplätze gekostet. Zum Vergleich: Während der konjunkturell schwachen Jahre 2001 bis 2005 gingen hierzulande mehr als dreimal so viele Stellen verloren. • Privater Konsum. Trotz der relativ günstigen Arbeitsmarktprognose haben die privaten Haushalte vorerst kaum Spielraum, ihren realen Verbrauch zu steigern. In diesem Jahr können selbst die staatlichen Stützungsmaßnahmen – etwa die niedrigeren Einkommenssteuersätze und das höhere Kindergeld – nicht verhindern, dass der private Konsum um etwa ein halbes Prozent unter den Vorjahreswert fällt. Im Jahr 2011 reicht es immerhin wieder zu einem Anstieg in ähnlicher Größenordnung. • Staatsfinanzen. Die jüngste Wirtschaftskrise reißt ein tiefes Loch in den staatlichen Haushalt – das Defizit beläuft sich voraussichtlich auf gut 120 Milliarden Euro bzw. knapp 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Grund: Während die Steuereinnahmen vor allem wegen des noch verhaltenen Aufschwungs zurückgehen, treiben die Konjunkturprogramme die Ausgaben in die Höhe. Erst 2011 sinkt der Fehlbetrag im öffentlichen Budget auf 4 Prozent der Wirtschaftsleistung, bleibt aber in absoluten Zahlen mit nahezu 110 Milliarden Euro sehr hoch.


Professor Dr. Axel A. Weber Präsident der Deutschen Bundesbank

Stellungnahme

Die Entwicklung an den Märkten ... Professor Dr. Axel A. Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank anlässlich der öffentlichen Anhörung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags zu dem Entwurf für ein Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus Die Entwicklung an den Märkten für Staatsanleihen von einigen Ländern der Währungsunion hatte sich in der ersten Maiwoche zunehmend und in diesem Ausmaß unerwartet zugespitzt. Es drohten gravierende Ansteckungseffekte für andere Mitgliedstaaten des gemeinsamen Währungsraums und darüber hinaus. Dies hätte auch ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft bedeutet. Vor diesem Hintergrund eines dringlichen kurzfristigen Handlungsbedarfs hat der Ecofin-Rat am 10. Mai mit dem Beschluss eines umfangreichen Maßnahmenpakets reagiert. Dies ist in seiner Gesamtheit angesichts der akuten Gefährdungssituation vertretbar. Diese Einschätzung erfolgt unter der besonderen Berücksichtigung der getroffenen Vereinbarungenüber eine umfassende Konsolidierung der Staatsfinanzen und umgehend zu ergreifende Maßnahmen in besonders gefährdeten Ländern. Mit den Beschlüssen wird gleichwohl das institutionelle Fundament der Währungsunion stark belastet. Um den damit verbundenen zusätzlichen Risiken für die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen in den Mitgliedsländern zukünftig wirksam zu


begegnen, ist es unverzichtbar und dringend geboten, das fiskalische Regelwerk zu härten. Dies gilt umso mehr, wenn keine weitreichende, demokratisch legitimierte politische Union angestrebt wird und die Mitgliedstaaten letztlich die Entscheidungsgewaltüber ihre nationale Finanz- und Wirtschaftspolitik behalten sollen. Reformen zur Härtung des Regelwerks müssen auf zahlreichen Feldern ansetzen. Diesbezüglich sind zuletzt zahlreiche Ansatzpunkte in die Diskussion eingebracht worden. Neben einer Stärkung der bereits im geltenden Stabilitäts- und Wachstumspakt enthaltenen Verfahrensschritte wurde beispielsweise die Einführung einer staatlichen Insolvenzordnung als ein wesentliches Element eines reformierten Rahmenwerks vorgeschlagen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Beschlüsse wäre eine Umsetzung dieser Vorschläge ein wichtiger Beitrag, um die Währungsunion als Stabilitätsgemeinschaft auch unter veränderten Rahmenbedingungen zu sichern. Ende April hatte sich die verschlechterte Haushalts- und Wirtschaftslage Griechenlands zu einer Vertrauenskrise ausgewachsen, aus der sich das Land nicht mehr aus eigener Kraft befreien konnte. Vorausgegangen waren viele Jahre, in denen Griechenland massiv und unverantwortlich gegen die europäischen Vereinbarungen und Vorgaben verstoßen hatte. Rückblickend stand die Haushalts- und Wirtschaftspolitik in eklatantem Gegensatz zu den Stabilitätserfordernissen eines gemeinsamen Währungsraums. Als sich das volle Ausmaß dieser Versäumnisse offenbarte, wurde von Finanzmarktteilnehmern die Fähigkeit des griechischen Staates, ohne eine umfassende finanz- und wirtschaftspolitische Kurskorrektur auch künftig seinen Zins- und Tilgungsverpflichtungen nachkommen zu können, grundsätzlich infrage gestellt und daher der Kapitalmarktzugang nahezu abgeschnitten. Ein Zahlungsausfall Griechenlands hätte in der sehr fragilen Lage ein erhebliches Ansteckungsrisiko für andere Mitgliedsländer der Währungsunion darstellen können. Deshalb hatten die Finanzminister des Euroraums an strikte Auflagen gebundene finanzielle Hilfen an Griechenland beschlossen, und die diesbezügliche Umsetzung durch Deutschland wurde am 7. Mai durch den Bundestag gebilligt. Bedenken grundsätzlicher Natur zurückstellend und trotz der hohen Risiken bei der Umsetzung, hielt die Bundesbank in der Stellungnahme zu dem entsprechenden Gesetz eine Beteiligung Deutschlands an dem Hilfspaket in dieser außergewöhnlichen Situation für vertretbar. Noch bevor das Paket endgültig beschlossen worden war, hatte sich die Lage an den Kapitalmärkten indes weiter verschärft. Das Ziel, die von Griechenland drohenden Ansteckungseffekte


zu begrenzen, wurde nicht erreicht. Trotz der erfolgten Beschlüsse drohte zunehmend eine unkontrollierte Eigendynamik, die die Stabilität der Europäischen Währungsunion hätte beeinträchtigen können und zudem mit erheblichen Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft hätte verbunden sein können. Zu dieser Einschätzung kamen am vorletzten Wochenende übereinstimmend zahlreiche internationale Institutionen und die wichtigsten Notenbanken– so auch die Deutsche Bundesbank. Vor diesem Hintergrund einer dringlichen kurzfristigen Gefährdungslage haben die Finanzminister der EU am 10. Mai eine Reihe von Stabilisierungsmaßnahmen beschlossen. Dabei wurde die bereits zuvor vereinbarte Unterstützung für Griechenland finalisiert. Zudem wurde der Wille bekräftigt, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte zu beschleunigen, das fiskalische Regelwerk zu reformieren und einen Europäischen Finanziellen Stabilisierungsmechanismus in Aussicht zu stellen. Letzterer soll erstens die Möglichkeit schaffen, EUMitgliedstaaten finanziellen Beistand der Union zu gewähren, wenn sie durch außergewöhnliche Ereignisse, die sich ihrer Kontrolle entziehen, von gravierenden Schwierigkeiten ernstlich bedroht sind. Zweitens ist für den Fall, dass die hierfür vorgesehenen Mittel nicht ausreichen, die auf drei Jahre befristete Einrichtung eines Hilfsfonds geplant, der Mitgliedsländern der Währungsunion Kredite gewähren kann. Die dazu erforderlichen Mittel werden am Kapitalmarkt aufgenommen und anteilig durch die übrigen Länder der Währungsunion garantiert. Der Europäische Finanzielle Stabilisierungsmechanismus soll durch Kreditlinien des Internationalen Währungsfonds ergänzt werden. In Bezug auf den vorgesehenen Europäischen Stabilisierungsmechanismus ist es wichtig, dass eine etwaige Inanspruchnahme von Krediten an strenge wirtschafts- und finanzpolitische Auflagen geknüpft wird. Deshalb ist die beabsichtigte finanzielle und inhaltliche Beteiligung des Internationalen Währungsfonds an den zu vereinbarenden Hilfsprogrammen wie im Präzedenzfall von Griechenland folgerichtig. Wichtig ist ferner, dass die Gewährung der Hilfsmaßnahmen Einvernehmen mit den Garantiegebern voraussetzt – insbesondere mit Deutschland, das den größten Anteil trägt. Die Zinskonditionen müssen so ausgestaltet werden, dass ein spürbarer Anreiz besteht, das Vertrauen potenzieller Kapitalgeber möglichst schnell zurückzuerlangen und zur Finanzierung über den Kapitalmarkt zurückzukehren. Die Konditionen bei der Unterstützung für Griechenland sind dafür ein geeigneter Anhaltspunkt. Wichtig ist auch, dass der Hilfsfonds, der den zweiten Teil des europäischen Stabilisierungsmechanismus bildet, zeitlich befristet ist. Der erste Teil ist dagegen unbefristet und stellt damit einen - vom Umfang her begrenzten – Einstieg


in einen permanenten Mechanismus dar, der durch eine Kreditaufnahme der EU finanziert wird. Eine solche dauerhafte Auffanglösung für von Zahlungsunfähigkeit bedrohte Staaten strapaziert das Grundprinzip der Währungsunion, dass die Mitgliedstaaten für ihre öffentlichen Finanzen eigenverantwortlich sind; sie ist daher problematischer als die nur unter sehr speziellen Voraussetzungen und fallweise gewährten Hilfen für Griechenland oder der zeitlich befristete Fonds. Damit werden sowohl für die Regierungen als auch für die Gläubiger von Staatsanleihen problematische Anreize gesetzt. Diese können dadurch eingedämmt werden, dass die Inanspruchnahme an enge Voraussetzungen und strikte Auflagen geknüpft wird und der entsprechende Mitgliedstaat bei Missachtung dieser Bedingungen weitreichende Folgen zu tragen hat. So sollte der Mechanismus nur dann aktiviert werden können, wenn die Finanzstabilität im gesamten Euroraum gefährdet ist. Keinesfalls darf es das Ziel sein, fallweise Finanzierungsengpässe eines Mitgliedstaates zu mildern. Im Gegenteil, durch strikte finanz- und wirtschaftspolitische Auflagen ist darauf hinzuwirken, dass der Mitgliedstaat zügig zu einer soliden Haushaltsposition zurückkehrt und sich wiederüber den Kapitalmarkt finanzieren kann. Alles in allem sind die am 10. Mai von den Finanzministern der EU gefassten Beschlüsse angesichts der Risken für die Stabilität der Europäischen Währungsunion und die Entwicklung der Weltwirtschaft vertretbar. Die Beschlüsse strapazieren allerdings die Fundamente der Währungsunion in ganz erheblicher Weise. Es muss deshalb rasch und entschlossen darum gehen, die angegriffenen Grundlagen der Währungsunion zu stabilisieren und zu stärken, damit zukünftig eine ähnliche Zuspitzung vermieden werden kann. Geboten ist in diesem Zusammenhang vor allem die Rettungsmaßnahmen wie vorgesehen mit Ansätzen zur Verbesserung der statistischen Grundlagen und vor allem zur Härtung der bestehenden Fiskalregeln zu verbinden. Von großer Bedeutung ist es, dem Schuldenkriterium zukünftig mehr Gewicht beizumessen. Für Schuldenquoten über 60 % sollte festgelegt werden, wie schnell sie reduziert werden müssen und welche Sanktionen anderenfalls drohen. Das Defizitkriterium kann gestärkt werden, indem mit der Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts gelockerte Ausnahmebestimmungen wieder enger gefasst werden und schon im vorbeugenden Teil des Pakts größerer Druck erzeugt wird, falls die Vorgaben nicht eingehalten werden. Insgesamt bedarf es einer schnelleren Reaktion auf Fehlentwicklungen und damit einer Beschleunigung des bisherigen Verfahrens. Zentral ist es, die bislang oft unzureichende Umsetzung der Regeln zu verbessern, indem beispielsweise das Verhängen


von Sanktionen weniger dem politischen Verhandlungsprozess unterliegt, sondern stärker regelgebunden erfolgt. Auch eine Verpflichtung zur stärkeren Verankerung der europäischen Fiskalregeln – und insbesondere der mittelfristigen Haushaltsziele – im nationalen Haushaltsrecht, wie etwa mit der deutschen Schuldenbremse, sind zielführend. Im Falle offensichtlicher gravierender Fehlentwicklungen ist sicherlich auch eine verstärkte makro-ökonomische Überwachung auf europäischer Ebene erforderlich. Allerdings ist dabei neben der Unabhängigkeit der Geldpolitik im bestehenden Rahmen das Subsidiaritätsprinzip zu beachten, und eine grundsätzliche Tendenz zur Zentralisierung und Feinsteuerung ist durchaus bedenklich. So muss beispielsweise kritisch hinterfragt werden, ob die wenig differenzierte Ausweitung der Defizite und Schulden im Rahmen des „European Economic Recovery Programme“ nicht in einigen Ländern zur Verschärfung der aktuellen Problemlage beigetragen hat. In jüngster Zeit aufgekommene Vorhaltungen, Deutschland müsse eine expansivere Finanzpolitik und Lohnsteigerungen vornehmen, lassen ebenfalls daran zweifeln, dass eine stärkere Koordinierung zwangsläufig dazu führen würde, die tatsächlichen Ursachen der Krise anzugehen. Wenn in Reaktion auf die durch die Schuldenkrise in einigen Mitgliedsländern notwendigen Unterstützungsmaßnahmen perspektivisch keine weitreichende, demokratisch legitimierte politische Union angestrebt wird und die Mitgliedstaaten letztlich die Entscheidungsgewaltüber ihre nationale Finanz- und Wirtschaftspolitik behalten sollen, dann erfordert eine künftige Absicherung der Währungsunion als Stabilitätsgemeinschaft zusätzliche Reformschritte über die Härtung des bestehenden Regelwerks hinaus. Diesbezüglich sind zuletzt zahlreiche Ansatzpunkte in die Diskussion eingebracht worden. Neben einer Stärkung der bereits im geltenden Stabilitätsund Wachstumspakt enthaltenen Verfahrensschritte wurde beispielsweise die Einführung einer staatlichen Insolvenzordnung als ein wesentliches Element eines reformierten Rahmenwerks vorgeschlagen. Darüber hinaus sollten weitergehende Sanktionsmechanismen für den Fall in Erwägung gezogen werden, dass ein Mitgliedsland bei Nutzung eines Unterstützungsprogramms die zur Sicherung der Stabilität notwendigen Maßnahmen nicht umsetzt und dadurch bewusst eine Gefahr für den Bestand der Union in Kauf nimmt. Vor dem Hintergrund der jüngsten Beschlüsse wäre eine Umsetzung dieser Vorschläge ein wichtiger Beitrag, um die Währungsunion als Stabilitätsgemeinschaft auch unter veränderten Rahmenbedingungen zu sichern.


Das Eurosystem wird auch künftig im Rahmen der gemeinsamen Geldpolitik dem Ziel verpflichtet sein, stabile Preise in der Währungsunion zu gewährleisten. Es ist Aufgabe der Finanzpolitik, mit soliden Staatsfinanzen und einem geeigneten institutionellen Rahmenwerk für eine angemessene Flankierung der Geldpolitik in einer auf Stabilität fußenden Währungsunion zu sorgen. Die jüngsten Entwicklungen haben Schwachstellen des bisherigen finanzpolitischen Regelwerks offengelegt und die wirtschaftlichen Konsequenzen langjährig divergierender Wettbewerbspositionen in der Währungsunion zutage treten lassen. Für die langfristige Solidität der Währungsunion wird es entscheidend darauf ankommen, das bestehende schmale Zeitfenster für Reformen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.


Pressemitteilung Initiative Erfolgsperspektive Deutschland:

Neuer Internetauftritt Die im Juni 2009 von der VORDENKER-Medien-Gruppe und dem Zukunftspublizisten Oliver W. Schwarzmann ins Leben gerufene Initiative „Erfolgsperspektive Deutschland“ zeigt sich im neuen digitalen Gewand: Die Internetseite www.erfolgsperspektive-deutschland.de wurde in Design und Inhalt relauncht. So erwarten den Online-Besucher eine Bildergalerie mit Auszügen aus der Publikation „Der VORDENKER – Das Magazin für Zukunftsperspektiven“, Statements von Wirtschafts- und Unternehmenspersönlichkeiten sowie eine Sammlung von Befragungsgrafiken, Perspektiven und Berichten. Die Initiative versteht sich als unabhängiger Meinungsspiegel und Informationsplattform für neue Wirtschaftsperspektiven. Die Internetseite konzentriert sich speziell auf Themen zur konjunkturellen Entwicklung in Deutschland - mit Blick auf die globalen Veränderungen. Zudem werden Kommentare des Initiators sowie Analysen der Researchabteilung der VORDENKER-MedienGruppe in Schaubildern veröffentlicht. „Es ist in einer Zeit der unüberschaubar gewordenen wirtschaftlichen Zusammenhänge und der unsicheren Zukunftsentwicklungen besonders wichtig, Transparenz zu schaffen und neue Perspektiven zu formulieren. Dazu will die Initiative mit ihrer Mischung aus offiziellen Statements, Hintergrundberichten, Analysen und Publikationsauszügen einen Beitrag leisten“, so Initiator Oliver W. Schwarzmann.


Prof. Dr. Michael Hüther Direktor des IW Köln

Warum doch kein böses Ende naht Die Ängste vor der wirtschaftlichen Zukunft sind groß, aber den Unternehmen geht es gut. Das liegt auch am deutschen Ausbildungssystem. Wenn man derzeit bei privaten Einladungen auf wirtschaftlich interessierte Personen trifft, hört man als Ökonom häufig die etwas mitleidige Vermutung, es müsse einem in diesen Tagen doch alles ganz schrecklich vorkommen und fast in die Verzweiflung treiben. Nichts scheine der Wirtschaftspolitik noch zu gelingen, langfristige Perspektiven seien gar nicht mehr vorhanden. Die ausufernden Staatsschulden würden unweigerlich in eine kräftige Inflation münden, der Euro könne das Desaster um Griechenland nicht überleben. Mit ökonomischer Logik habe dieses alles nichts mehr zu tun. Das böse Ende sei nah. Zum Glück ist es nicht ganz so nah. Und das verdanken wir auch unserem dualen Ausbildungssystem. Denn mit der trüben Stimmung kontrastiert die Lage der Unternehmen. Laufend liefern die Wirtschaftsseiten der Tagespresse positive Meldungen. Selbst in den besonders von der Krise gebeutelten Branchen wie dem Maschinenbau und der Elektrotechnik hat sich die Wende zum


Besseren in den ersten Monaten des Jahres deutlich ausgebildet. Wenngleich der Einbruch bei Aufträgen und Produktion noch nicht aufgeholt wurde und dies noch eine Weile dauern wird, so ist die Erholung der letzten zwölf Monate doch eindrucksvoll. Der Maschinenbau berichtet über einen weiter anhaltenden Aufwärtstrend. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es deutlich mehr offene Stellen, und die Arbeitslosigkeit lag im Mai auf dem niedrigsten Stand seit 14 Jahren. Wer die Entwicklung so beschreibt, wird aber eines unverbesserlichen Optimismus geziehen. Viele trauen dem Braten nicht so recht. Verunsicherungen, die sich aus anderen Quellen speisen, werden dafür als Bestätigung angesehen. So hat die Krise der Europäischen Währungsunion die Frage aufgeworfen, ob nun der mitunter schon in Aussicht gestellte zweite Absturz der Konjunktur nahe. Bislang ist ein plausibler Übertragungsmechanismus nicht beschrieben worden. Die Reaktion der Wechselkurse hat vorübergehend eine hohe Dynamik gehabt, doch nicht zu irritierenden Niveaus geführt. Inflation ist unverändert kein Thema. Eine Konjunkturbedrohung kann das EuroThema psychologisch werden, wenn die Zweifel an der Bewältigung der Konsolidierungsaufgabe zunehmen und die Verunsicherung über den Bestand der Währungsunion erneut aufflackert. Das dürfte aber angesichts der erkennbaren budgetpolitischen Reaktionen vieler europäischer Staaten an Plausibilität verlieren. Indem sich der berechtigte Eindruck verbreitet, dass die Regierungen die Botschaft der Griechenlandkrise zumindest teilweise verstanden haben, dürfte sich auch das Risiko von Verwerfungen im Bankensystem mindern. Dort läge - wie die Finanzmarktkrise lehrt - die größte Gefahr. Bleiben Industrie und die sie umrankenden Dienstleistungen frei von Störungen aus dem Bankensystem, dann dominieren dort dieselben Megatrends des Strukturwandels wie vor der Krise. Und die Marktposition der Unternehmen scheint unangefochten. Das hat seine Gründe. „Innovationskraft“ und „Internationalität“ werden zu Recht immer genannt. Doch dieser Erfolg greift in seinen Voraussetzungen tiefer, als es diese Schlagworte erkennen lassen, die auch in die Irre leiten können. So wird für die Sicherung der Innovationskraft die Bedeutung der tertiären Bildung betont, und zwar durchaus berechtigt. Im jährlichen Bericht „Bildung auf einen Blick“ konstatiert die OECD regelmäßig einen Mangel an Hochqualifizierten in Ländern, die wie Deutschland ein duales Berufsbildungssystem haben. Wäre dies wirklich


ein Mangel, dann könnte der Erfolg unserer Industrie schon seit längerem nicht plausibel erklärt werden. Tatsächlich liefert die duale Berufsausbildung mit ihren differenzierten Zugängen zur Arbeitswelt eine wesentliche Erklärung für den Erfolg unserer Industrie. Wertschöpfungsnah wird ausgebildet und zugleich die Basis für eine entsprechende berufsbegleitende Weiterbildung gelegt. Den Erfolg messen wir an der im internationalen Vergleich sehr geringen Jugendarbeitslosigkeit, die unter den OECD-Staaten nur in Deutschland seit Ende des Jahres 2007 rückläufig war. Zugleich landen mehr Weiterbildungsabsolventen auf dem Chefsessel als Fachhochschulabgänger. Um dem Fachkräftemangel angemessen Rechnung zu tragen, müssen wir die duale Berufsausbildung stärken: Durch Praxisorientierung wird die Integration von Problemgruppen in den Arbeitsmarkt noch effektiver gelingen; durch Modularisierung und flexible Kombination kann den Bedürfnissen der Auszubildenden wie der Unternehmen noch besser entsprochen werden; durch eine engere Verzahnung von Berufsausbildung und Studium wird der Einstieg in die Bildungsbiografie des lebenslangen Lernens Realität. Deshalb gilt: Wir haben genauso Anlass zur Zuversicht wie zum Zweifel! Ob das böse Ende naht, bleibt unsere Sache.


ZEW-Umfrage bei Finanzmarktexperten

Social Banking liegt im Trend Banken, die ihre Geschäftsstrategie an sozialen, ethischen und ökologischen Zielen ausrichten, werden ihren Marktanteil in Deutschland weiter steigern. Dies geht vor allem auf das verstärkte Interesse der Öffentlichkeit an sozialen und ökologischen Themen zurück. Ein weiterer Grund ist die Verunsicherung der Bankkunden aufgrund der Bankenkrise und das daraus resultierende Misstrauen gegenüber der Anlagestrategie traditioneller Banken. Zu diesen Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim unter 236 Experten aus dem Finanzsektor im Rahmen des monatlichen ZEW Finanzmarkttests. Bereits in den vergangenen Jahren haben Social Banks hohe Wachstumsraten erzielt und ihren Marktanteil ausgebaut. Nach Ansicht von rund 43 Prozent der vom ZEW befragten Experten ist dieser Trend nachhaltig und wird auch in den kommenden Jahren anhalten. Eine Minderheit von gut einem Drittel der Experten ist dagegen der Meinung, dass Social Banking nur ein kurzfristiges Phänomen darstellt. Weniger als ein Viertel der Experten geben keine Einschätzung zu den Zukunftsaussichten sozialer Banken ab. Der wichtigste Grund für die wachsende Bedeutung des Social Banking ist das erhöhte Misstrauen der Kunden gegenüber den Kreditinstituten. Mehr als 80 Prozent der Experten sind der Meinung, dass soziale Banken davon in den vergangenen Jahren profitiert haben. Sie konnten verunsicherte Kunden anderer Institute anziehen. Auch das verstärkte Interesse der Kunden an


sozialen und ökologischen Themen ist für rund zwei Drittel der befragten Experten ein wichtiger Erfolgsfaktor des Social Banking. Ferner sind die Experten der Ansicht, dass das Vertrauen der Kunden in soziale Banken, die gute Reputation dieser Institute sowie ihre hohe Transparenz die Expansion dieses Geschäftsmodells begünstigen. Nach Dafürhalten der Finanzmarktexperten gehen soziale Banken darüber hinaus geringere Risiken ein, da sie nachhaltiger investieren. Trotz des sichtbaren Erfolgs sozialer Banken sind rund 43 Prozent der Experten skeptisch, dass auch andere Banken in Zukunft ihre Strategie und ihre Produkte stärker an ethisch-ökologischen oder sozialen Zielen ausrichten werden. Dies liegt den Experten zufolge daran, dass ethisch und ökologisch motivierte Produkte häufig eine geringe Rendite abwerfen und unattraktiv für preissensitive Kunden sind. Im Gegensatz dazu halten es 57 Prozent der Experten für wahrscheinlich, dass andere Banken dem Beispiel der Social Banks folgen werden und in der Zukunft ebenfalls ihre Geschäftsmodelle stärker an ethisch-ökologischen oder sozialen Kriterien ausrichten werden.


Rainer Brüderle, © BMWi

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie

Minister Brüderle:

„Haushalt konsolidieren und gezielt in die Zukunft investieren“ „Der heutige Kabinettsbeschluss ist der Beginn einer Zeitenwende. Viele Jahre wurde in Deutschland zu viel ausgegeben. Dann wurde viel über das Sparen geredet. Jetzt fangen wir wirklich an! Wir sparen konsequent, wir sparen intelligent, wir sparen fair. Das nutzt unserem Land und den zukünftigen Generationen. Das Bundeswirtschaftsministerium beteiligt sich mit einem signifikanten Einsparbeitrag am Konsolidierungskurs der Bundesregierung.“ So äußerte sich der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle, zum heutigen Kabinettsbeschluss zum Haushalt. Der Entwurf des Haushalts des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) für das Jahr 2011 beläuft sich auf insgesamt rund 6,056 Mrd. Euro (2010: rund 6,124 Mrd. Euro). Gegenüber dem Soll 2010 sinkt der Haushalt 2011 um rund 67 Mio. Euro. Für gezielte Investitionen in die Erforschung und Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien (FuE) sind für 2011 zusätzliche Mittel von 206 Mio. Euro aus dem 12 Mrd.-Paket der Bundesregierung zur Stärkung von Forschung, Entwicklung und Bildung enthalten. Ohne diesen Aufwuchs für FuE/Bildung wäre das BMWi-Haushaltsvolumen gegenüber dem Vorjahr noch deutlicher (um etwa 4 %) zurückgegangen.


Haushalt wachstumsgerecht konsolidieren Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat zu erheblichen Mindereinnahmen und Mehrausgaben geführt, die den Bundeshaushalt vor allem in den Jahren 2009 und 2010 belasten. Die Erhöhung des Haushaltsdefizits des Bundes war unvermeidlich, um mit zielgerichteten Wachstumsimpulsen den Weg aus der Krise zu ebnen. Inzwischen zeigt sich aber, dass die Wirtschaft wieder Fuß fasst. Die vorübergehenden konjunkturstützenden Maßnahmen sind deshalb mit dem Haushalt 2011 wie geplant behutsam zurück zu fahren, außerdem wird ein erster, substanzieller Schritt zur Umsetzung der neuen Schuldenregelung gemacht. Das Risiko eines „Abwürgens“ des Aufschwungs besteht dabei nicht, weil die im Jahre 2009 ergriffenen fiskalpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung auch 2011 noch stabilisierend wirken werden. Nach Überwindung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise steht nun die Sanierung der öffentlichen Haushalte im Fokus: Solide Staatsfinanzen mit einer wachstumsfreundlichen Ausgaben- und Einnahmenstruktur ermöglichen ein stabiles und nachhaltiges Wachstum und beugen damit künftigen Belastungen vor. Das BMWi führt alte Subventionen zurück. Förderprogramme werden evaluiert und - wenn nötig - umstrukturiert, um die Effizienz bei den Ausgaben zu steigern und die Programme passgenauer auszurichten. In Zukunftstechnologien investieren Bei aller Sparsamkeit erfordert eine nachhaltige Entfaltung der Wirtschaft aber auch gezielte Investitionen in zukunftsträchtige Technologien. Die zusätzlichen Mittel für Forschung und Entwicklung werden deshalb zu einem großen Teil in die Förderung von Innovationen in kleinen und mittelständischen Betrieben gelenkt. Darüber wird mit der Elektromobilität eine zukunftsweisende Technologie unterstützt. Auch in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Schifffahrt und Meerestechnik haben Spitzentechnologien weiterhin hohe Priorität. Damit werden die knappen Mittel auf Zukunftsbereiche konzentriert, um so die Wachstumsgrundlagen nachhaltig zu verbessern.


IMPRESSUM

Verlag und Redaktion: Vordenker-Medien Bley und Schwarzmann AG Im Raisger 29 71336 Waiblingen

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