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Der Darm-Herz-Achse auf der Spur

Eine Studie soll zeigen, ob die Optimierung des Mikrobioms Patient:innen hilft, die unter verkalkten Herzkranzgefässen leiden.

Text: Claudio Jörg

Bild: Saskia Venema

Herz­Kreislauf­Erkrankungen sind die häufigste Todesursache und der dritthäufigste Grund für Hospitalisierungen. Expert:innen gehen davon aus, dass sich die Situation verschlimmert, weil die Bevölkerung immer älter wird und Übergewicht und Diabetes auf dem Vormarsch sind. Kardiologen und Gastroenterologen des USZ planen eine Studie, die dazu beitragen könnte, das Problem zu entschärfen. «Unsere Untersuchung soll zeigen, ob sich die Funktion des Herzens bei Patient:innen mit koronarer Herzkrankheit positiv entwickelt, wenn das Mikrobiom von gesunden Menschen in deren Darm eingebracht wird», sagt Barbara Stähli, Leitende Ärztin an der Klinik für Kardiologie. Der Einfluss einer Veränderung des Mikrobioms auf das Herz sei bis anhin noch nie klinisch untersucht worden. Aus der Forschung gäbe es aber Hinweise darauf, dass diese Strategie vielversprechend sein könnte.

Bakterien gegen Verkalkung

«Man weiss heute, dass Patientinnen und Patienten mit bestimmten Erkrankungen eine andere Zusammensetzung des Mikrobioms haben als gesunde Menschen», erklärt Michael Scharl, Leitender Arzt in der Gastroenterologie und Leiter der MikrobiomSprechstunde. Bei Kranken sei die Diversität der Darmbakterienarten im Mikrobiom reduziert. Die Zusammensetzung der Anteile bestimmter Gruppen von Mikroorganismen an der Gesamtmenge unterscheide sich zum Beispiel bei Patienten mit Rheuma, Hautkrebs oder Multipler Sklerose. «Darüber, welche Funktion bestimmte Darmbakterien bei bestimmten Krankheiten genau erfüllen, wissen wir noch kaum etwas.»

Mikrobiota­Transplantation», kurz FMT genannt. Dabei wird via Darmspiegelung eine verdünnte und filtrierte Stuhlprobe eines Spenders mit einem gesunden Mikrobiom in den Dickdarm einer Patientin eingebracht. Schon nach einer einmaligen Spende können sich die Mikroorganismen bei den Empfängern etablieren und lassen sich noch nach Jahren nachweisen. Die andere Hälfte der Studienteilnehmenden erhält ein Placebo.

Hoffnung auf einfache Therapie

Bei der ersten Visite werden die Ärzte die Stuhltransplantation vornehmen und die Herz­ und Gefässfunktion untersuchen, und für die Laboranalyse werden Blut, Gewebe und Stuhl gesammelt. Nach sechs Monaten untersuchen die Ärzte das Herz von Neuem. Der Vergleich wird zeigen, ob und inwiefern die Therapie wirksam war. Von den molekularbiologischen Untersuchungen verspricht man sich zudem neue Erkenntnisse über die Funktion der Darmbakterien im menschlichen Körper.

Bei der Stuhltransplantation wird die Stuhlprobe via Endoskop in den Dickdarm eingebracht.

In die Studie sollen 38 Patient:innen mit Typ ­2­Diabetes und typischen Risikofaktoren für Herzerkrankungen eingeschlossen werden. Die Hälfte der Teilnehmenden erhält eine «Fäkale

Die Studie ist derzeit in der Vorbereitungsphase, und ein Start ist noch in diesem Jahr geplant. Sollten die Resultate die Hypothese bestätigen, würde eine grössere multizentrische Studie in Angriff genommen. Barbara Stähli: «Wir hoffen, mit unserer Forschung einen innovativen, hochwirksamen und kostengünstigen Therapieansatz für Patienten mit koronarer Herzkrankheit entwickeln zu können.»