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unikum

66 U1 z/13 de

magazin der studentinnenschaft der universit채t bern

wasted

einfall, ausfall, abfall

Wegwerfdiplome 5-6 Sieben Tage M체ll sammeln 12-13 Krise im Studi-Parlament? 16-17 Mike M체ller im Interview 18-19


editorial

inhalt

akzent

Liebe Leserinnen, liebe Leser Man steht am Morgen auf, setzt den Kolben mit dem frisch gemahlenen Kaffee für den ersten Koffeinschub ein und nach einem Knopfdruck kann man einen aromatischen Kaffee geniessen. Doch so einfach die Zubereitung sein mag, die Entsorgung hat es in sich. Kommt der Kaffeesatz nun in den grünen oder in den schwarzen Eimer und wenn grün, was macht man mit dem eigenhändig angebauten, noch nicht gereiften Kompost? Auch am Bahnhof hat man seit kurzem vier verschiedene Möglichkeiten, seinen Abfall zu entsorgen. Doch die Vorteile überwiegen und die begrenzten Ressourcen können so optimal und nachhaltig genutzt werden. Es geht so weit, dass es sogar Uni-bekannte Randständige gibt, welche sich von den Resten der Tablare in der Mensa ernähren und sich so mit Hilfe unseres Überflusses durchs Leben kämpfen. Aber nicht in allen Bereichen lässt sich aus Abfall Gold machen. Eine in Kürze zusammengewürfelte Arbeit lässt sich beim besten Willen von niemandem wiederverwerten, geschweige denn ein Seminar damit abschliessen. Doch auch von Seiten der Universität könnte man versuchen, weniger Abfall zu produzieren. Ab Seite 7 zeigt uns Helga Weber auf, wie sich Studierende mit dem Thema Recycling an der Universität beschäftigen und was dabei entsteht. Auf Seite 10 zieht David Egger ein Resümee zum neu eingeführten KSL-System und anschliessend verdeutlicht Jonathan Stauffer die Bedeutung gewisser Aussagen. Lea Stuber berichtet über ihren Selbstversuch möglichst wenig Abfall zu produzieren (S. 12f) und Nicolas Weber recherchierte für einen längst überfälligen Artikel über den StudentInnenrat (S. 16f). Gebt der 166. unikum-Ausgabe eine Chance, bevor sie im Abfall landet! Matthias Boss unikum-Koordinator

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Der Mülltest

unisphäre

unikum

Was hast du heute schon weggeworfen? Das unikum wollte es genau wissen und hatmagazin eine Woche lang Ghüdertagebuch geführt.

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der

«Brain waste» – Diplome zum wegwerfen

Was sind heute Diplome und Abschlüsse noch wert? Eine Analyse. 7-8

Das ungestörte Parlament

Niedrige Wahlbeteiligung, politische Grabenkämpfe und studentinnenschaft der–universität starke personelle Fluktuation der StudentInnenrat (SR) der Uni Bern sieht sich mit den gleichen Problemen konfrontiert wie die meisten Studi-Parlamente an Schweizer Universitäten. Liegt das nun an Bologna, desinteressierten Studis oder gar am SR selbst?

Ran an die Quelle: nachfüllen statt wegwerfen

Eine Welt ohne unnötigen Abfall – das sind Zukunftsvisionen. Das Problem mit Recycling besteht schon jetzt. 10

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Der Nachteil des Neuen 3 000 Fragen zum Kernsystem Lehre. Das unikum hat ein paar Antworten.

titelbild: maja riegler

Kafka? Goethe? Maurer!

Willst auch du für eine Ausgabe das

Eine Hommage an einen der grössten Visionäre unserer Zeit oder auch nicht...

Titelbild des unikums gestalten? Dann melde dich beim unikum-Layout (unikumlayout@sub.unibe.ch).

rubriken

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Umfrage

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Apropos...

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Die fünf

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Eben noch da und plötzlich weg?

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Grünabfuhr

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...Trouvaillen im Studi-Ghüder

Pinnwand 15 KulturpartnerInnen 18- 19 Auf ein Wort

Herr Müller

20 21 21 22 23

Serviceverzeichnis Carte Blanche Impressum Zitat vom StudentInnenrat Reinziehn Rätsel Entdecken

Der Messie in und neben uns

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umfrage

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bilder: livia middendorp

«vor allem so gefühlte 400 schirme» Eben noch da und plötzlich weg? Ob Alltägliches wie Schirme und Handys oder doch etwas persönlich Wertvolles – in den Fundbüros türmen sich die verschiedensten besitzerInnenlosen Gegenstände. Dafür findet man vielleicht auch mal was Hübsches auf der Strasse? Ein paar Geschichten von Verlorenem und Gefundenem. livia middendorp 1 Lorenzo Lago

BWL, 21 «Am Flughafen in Gran Canaria haben zwei meiner Kollegen mal 800 Franken gefunden. Einfach so in bar, am Boden zwischen den Wartesesseln. Wenn es ein Portemonnaie mit Ausweis und so gewesen wäre, hätten sie es vermutlich abgegeben. Da man aber eh nicht wissen konnte, wem das Geld gehört, brachten sie es ins Hotel und wir teilten es unter uns auf, was dann so 200 Franken Feriengeld für jeden machte. Das war eigentlich mein spektakulärster Fund. Verloren habe ich dafür auch schon manches, vor allem so gefühlte 400 Schirme.»

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2 David Bigler BWL, 21 «Ich war auch dabei bei diesen 800 Franken, die wir in Gran Canaria gefunden haben. Dafür wurden mir ein anderes Mal 200 Franken gestohlen. Das war an einem Openair. Ich hatte plötzlich mein Portemonnaie nicht mehr und wusste nicht, ob es gestohlen wurde oder ob ich es verloren hatte. Auf alle Fälle wurde es abgegeben, aber eben ohne Geld. Einmal wurde auch mein Velosattel gestohlen; und später dann noch das ganze Velo. Sonst habe ich natürlich auch ein paar Schirme verloren; der Klassiker. Die sind jeweils plötzlich weg und man hat keine Ahnung warum.» 3 Michael Wüthrich Geschichte, 22 «Ich verliere vieles, vor allem Handys. Insgesamt habe ich zwei Handys dreimal verloren. Dazu habe ich noch drei Handys kaputt gemacht. Einmal verlor ich mein Smartphone in Basel. Ich hatte es übrigens erst seit einer Woche; das vorherige landete in der Waschmaschine. Jedenfalls fuhr ich drei Tage später extra nochmals nach Basel, um mein Smartphone auf dem Fundbüro abzuholen. Nach zwei Tagen habe ich es schon wieder verloren. Diesmal definitiv. Aber wie gesagt: Handys sind bei mir eh nicht so sicher. Das Sony Ericsson, das ich danach hatte, habe ich zerstört, weil ich beweisen wollte, dass es unzerstörbar ist.»

4 Stefanie Schnell BWL, 26 «Seit etwa zehn Jahren finde ich einen Goldring von meiner Grossmutter nicht mehr. Der war hübsch: So ganz fein mit einem Steinchen. Meine Grossmutter hatte den Ring einmal selbst getragen. Als ich etwa 15 war, hat sie ihn mir weitergegeben. Ich hatte ein unheimlich schlechtes Gewissen, als ich den Goldring verlor. Keine Ahnung, wie's passiert ist, er war plötzlich nicht mehr da. Das geht aber auch schnell: Einmal Händewaschen und weg sind die Dinger. Gott sei Dank hat mich meine Grossmutter nie darauf angesprochen. Aber jetzt mal ehrlich: Ist doch auch blöd, einer 15-Jährigen einen derart kostbaren Ring zu schenken, oder?» 5 Nathalie Schüürmann Germanistik, 22 «Mein Velo habe ich kürzlich verloren. Genau gesagt wurde es am Bahnhof gestohlen. Schlimm war das aber überhaupt nicht. Im Gegenteil: Da ich das Velo noch keine zwei Jahre hatte, musste ich keinen Selbstbehalt zahlen. So konnte ich mir vor einer Woche ein schönes neues Velo kaufen, gleicher Preis und gleiche Qualität. Eigentlich hatte ich Glück, denn beim alten haben die Bremsen nicht mehr recht funktioniert. Die Reparatur wäre vermutlich auch noch relativ teuer gekommen. Mein neues Velo hat jetzt übrigens eine unauffälligere Farbe: Ein schlichtes Grau.» 6 Corina Rainer Psychologie, 22 «Mit dem Thema bist du völlig richtig bei mir: Ich verliere immer alles. Einmal habe ich in der Nähe von Zuhause meinen Schlüssel verloren. Ich habe dort, wo ich glaubte ihn verloren zu haben, etwa drei Mal erfolglos gesucht. Und auf einmal lag an exakt dieser Stelle ein Schlüssel, der genau gleich aussah wie der, den ich verloren hatte: gleicher Anhänger und so. Nur war es leider nicht meiner. Das meiste, das ich verliere, taucht dann aber irgendwann wieder auf. Ich muss dazu ausserdem noch sagen, dass ich Dinge, die mir wirklich wichtig sind, eigentlich nie verliere. Zudem sollte man ja eh nicht allzu sehr an materiellen Sachen hängen, das ist dann jeweils mein Trost.»


akzent

«brain waste» – diplome zum wegwerfen? Was haben eine Ausländerin mit einem Hochschulabschluss und ein Schweizer mit einem High-School-Diplom gemeinsam? Beide Abschlüsse werden in der Schweiz nicht anerkannt. Eine Analyse der Anerkennung von Diplomen und wie die Universität Bern damit umgeht. jasmin stampfli Als ich sieben Jahre alt war, erhielt ich mein erstes Diplom – ich wurde ausgezeichnet, als ich die Schulolympiade gewann. Mit 20 Jahren machte ich einen Sprachkurs und erhielt für den «General-English»-Kurs ebenfalls ein Diplom. Letztes Jahr nahm ich am Grand Prix von Bern teil und obwohl ich nicht gerade mit einer Bestzeit glänzte, wurde mir, wie allen anderen Teilnehmenden auch, ein Diplom zu geschickt. Was bedeutet das Wort «Diplom» eigentlich? Gemäss einem im Internet rege benutzten Nachschlagewerk ist ein Diplom «eine Urkunde über Auszeichnungen, ausserordentliche Leistungen und Prüfungen an akademischen und nichtakademischen Bildungseinrichtungen». So weit, so gut. Doch was bedeutet dies genau? Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen stellten sich die Schweizer Hochschulen auf die zunehmende Internationalisierung des Bildungswesens ein. Das Hochschuldiplom wurde vom Bachelorabschluss als Basis-Studienabschluss ersetzt. Hat das Diplom an Wert verloren? Kann ein Ausländer mit einem Hochschuldiplom in der Schweiz ohne Weiteres studieren oder arbeiten? Fragen über Fragen, die sich mir stellten, als ich mich mit der Thematik der Diplome, Abschlüsse und Zulassungsbedingungen auseinandersetzte. Hochqualifizierte MigrantInnen auf Stellensuche Aufgrund eines Artikels im NZZ Campus Magazin wurde ich auf Nuria* aufmerksam. Nuria ist Tunesierin und lebt seit fünf Jahren der Liebe wegen in der Schweiz. Sie verfügt über einen Abschluss in Journalismus und Medienwissenschaften und hat in Tunesien über zehn Jahre lang als Lehrerin gearbeitet. Als sie in der Schweiz eine Ausbildung im pädagogischen Bereich aufnehmen wollte, wurden ihre unterrichteten Stunden nicht als Praxiserfahrung anerkannt. Wie kann es sein, dass Nuria, die neben ihrer Muttersprache zusätzlich zwei unserer Landessprachen spricht, seit Jahren vergeblich auf der Suche nach einer Anstellung ist, die ihrer Qualifikation entspricht?

So wie ihr geht es vielen MigrantInnen, insbesondere jenen aus Drittstaaten, also Ländern ausserhalb der EU und der EFTA (europäische Freihandelsassoziation; dazu gehören Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz). Für die Schweiz jedoch ist die Migration von zentraler Bedeutung, wie Ganga Jey Aratnam – er arbeitet und lehrt am Institut für Soziologie der Universität Basel – in seiner Untersuchung über Hochqualifizierte mit Migrationshintergrund herausgefunden hat: Bei den Neuzugewanderten aus europäischen Hocheinkommensländern sind es über 60 Prozent, die über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen. Mehr als die Hälfte aller an schweizerischen Universitäten Habilitierten haben keinen Schweizerpass. Auch auf Stufe Doktorat machen AusländerInnen fast 50 Prozent aus. Der Hochschul- und Forschungsbereich lebt also von und mit Menschen mit Migrationshintergrund. Wie integrieren sich zugewanderte Hochqualifizierte in den Schweizer Arbeitsmarkt? Arbeitssuchende aus EU- und EFTA-Ländern sind auf dem Schweizer Arbeitsmarkt den Schweizern dank dem bilateralen Personenfreizügigkeitsabkommen von 2002 gleichgestellt. Personen aus Drittstaaten dagegen werden in diesem dualen Zulassungssystem gesetzlich benachteiligt. Es besteht also ein Spannungsfeld zwischen den Wünschen von Wirtschaft und Hochqualifizierten und dem politischen Ruf nach Zuwanderungsbegrenzung. Die Untersuchung von Ganga Jey Aratnam zeigt, dass die «Hirnverschwendung» für beide Seiten ein Verlust ist: Die Schweiz kann nicht vom Know-how der MigrantInnen profitieren und für die Betroffenen selbst ist die Situation frustrierend und wirkt sich negativ auf ihr Einkommen aus. Nuria entschied sich, an der Universität Genf nochmals Kommunikations- und Medienwissenschaften zu studieren, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Ohne Abschluss – Keine Stelle Die Erfahrung, dass man ohne einen anerkannten Abschluss in der Schweiz nicht weit kommt, machen nicht nur AusländerInnen: Matthias** ging während dem Gymnasium für ein Austauschjahr in die USA. Aus einem Jahr wurden zwei und es folgte der Wunsch, in den USA einen Abschluss zu machen. Er erhält das HighSchool-Diplom mit Bestnoten und mit einer Auszeichnung für den besten englischen Aufsatz und bewarb sich danach erfolgreich an der University of Seattle, um dort Wirtschaft zu studieren. Nach einem Jahr Studium verschlägt es Matthias zurück in die Schweiz, persönliche Gründe und eine berufliche Perspektivlosigkeit veranlassen ihn zu diesem Schritt. In der Schweiz stellt sich ihm die Frage: Was nun? Das High-School-Diplom ist zwar mit einem Mittelschulabschluss in der Schweiz vergleichbar, wird jedoch nicht gleich gewertet. Ein Studium an einer Universität kommt somit nicht in Frage, weil er die Zusatzbestimmungen nicht erfüllt, die für eine Anerkennung als Matura notwendig sind. Für Matthias beginnt eine Odyssee: Nach oft tagelangen Abklärungen erhält er von den angefragten Bildungsinstitutionen jeweils dieselbe Antwort: Der Abschluss genüge nicht. «Ohne anerkannten Abschluss ist es in der Schweiz schwierig, nicht abgestempelt zu werden», sagt Matthias. Deshalb entschied er sich, die Fachmittelschuunikum 166

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le nachzuholen. Die zwei Jahre am Gymnasium kann er sich wenigstens dort anrechnen lassen und so wird er nächsten Sommer, mit 25 Jahren, stolzer Besitzer eines anerkannten Schweizerdiploms sein. Jeder Fall für sich Für die Bewertung von schweizerischen und ausländischen Vorbildungs- und Studienausweisen für das Studium an der Universität Bern existiert eine 43-seitige Broschüre über die Zulassungsbedingungen, welche jeweils für ein akademisches Jahr gelten. Darin befindet sich eine Länderliste, die Aufschluss darüber gibt, welche Reifezeugnisse und Vorbildungsausweise unter welchen Bedingungen zur Zulassung berechtigen. Laut Lore Gautschi von der Abteilung Zulassung, Immatrikulation und Beratung der Universität Bern komme es ab und zu vor, dass Bewerbungen von InhaberInnen ausländischer Reifezeugnisse oder ausländischer Hochschuldiplome abgewiesen werden müssen. «Eine Statistik wird darüber aber nicht geführt, weil wir diese Daten nicht publizieren wollen», sagt Gautschi. Sie fügt an, dass man grundsätzlich aufgrund der Bezeichnung eines Diploms trotz Bologna nicht davon ausgehen kann, dass der Inhalt dem gleichen Studiengang an der Universität Bern entspricht. Die Beurteilung der Gleichwertigkeit ausländischer Diplome und die Anrechung bereits erbrachter Studienleistungen liegen indes in der Kompetenz der Fakultäten. Barbara Lewis, Dekanatsleiterin der Philosophisch-humanwissenschaftlichen Fakultät, versichert:

Beratungsstelle der Berner Hochschulen Beratung / Coaching

Studiengestaltung (Studienplanung, Studienfachwechsel und Fächerkombination, Alternativen zum Studium, Koordination von Studium und Erwerbsarbeit, Studium und Familie, Studienfinanzierung), Arbeits- und Lerntechniken und Bewältigung von Prüfungen, Laufbahnplanung und Berufseinstieg, Konflikte in persönlichen und studienbezogenen Beziehungen, Schwierigkeiten, Krisen und persönliche Entwicklung Mailberatung für Studierende zu Informationsfragen und bei persönlichen Anliegen unter www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch Unsere Angebote sind unentgeltlich und vertraulich. Telefonische oder persönliche Anmeldungen nimmt das Sekretariat entgegen.

Information

Online-Angebot unter www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch: Studienführer der drei Berner Hochschulen, Beratungstexte mit didaktischen Materialien zu Schlüsselkompetenzen des Studierens, Wegweiser Studienfinanzierung, Linkportal mit rund 500 kommentierten Links zum Studium, Berufseinstieg und zu Berufsfeldern u.a. Bibliothek: Informationen über Fachrichtungen an Schweizer Hochschulen, zu Bewerbungen, Berufsfeldern und zur Laufbahnplanung; Medien zur Planung und Strukturierung des Studiums, zu Lern- und Arbeitstechniken, Stressbewältigung und Motivation; Fachliteratur zu psychologischen Themen wie persönliche Entwicklung, Beziehungen, Depression, Ängste, zur Teamentwicklung, zu Konflikten und Methoden der Erwachsenenbildung.

Workshops

Wir leiten Workshops zu Themen wie: Lern- und Arbeitstechnik, Referatskompetenz, wissenschaftliches Schreiben, Prüfungssituation, Stressbewältigung, persönliche Entwicklung und Sozialkompetenz, Berufseinstieg, Laufbahnplanung, Mentoring (Programm auf unserer Website).

Beratungsstelle der Berner Hochschulen Erlachstrasse 17, 3012 Bern Tel. 031 635 24 35 E-Mail: bstsecre@bst.bernerhochschulen.ch Website: www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch Montag bis Freitag 8.00 - 12.00 und 13.30 - 17.00 Uhr (Freitag bis 16.30 Uhr) Die Bibliothek ist am Mittwoch Vormittag geschlossen. Die Beratungsstelle ist auch während der Semesterferien geöffnet. 12.06.2013 bst/RM

«Jeder Fall wird einzeln beurteilt.» Um für einen Masterstudiengang eingestuft zu werden, wird beispielsweise geschaut, welche Anforderungen an den ausgestellten, ausländischen Bachelor gestellt wurden und ob diese mit den hiesigen übereinstimmen. Falls nicht, müssen gewisse Leistungen nachgeholt werden. Die Frage, wie viel Wert ein Diplom heute noch hat, lässt sich also weder generell beantworten noch beurteilen – es kommt, wie fast immer, auf den Einzelfall an. Obschon es für Nuria und Matthias schwierig ist, ohne anerkannten Abschluss in der Schweiz Fuss zu fassen, sind Zulassungsbedingungen wichtig, um die Qualität einer Universität oder sonst einer Bildungsinstitution zu wahren – zu unterschiedlich sind nach wie vor die Anforderungen, welche an die Auszeichnung eines Diploms geknüpft sind. Ich jedenfalls werfe meine Diplome nicht in den Müll. Wer weiss, vielleicht kann ich mein GrandPrix-Diplom beim nächsten Laufevent vorweisen – meiner Konkurrez wäre ich bestimmt schon einen Schritt voraus. Weitere Infos und eine Zusammenfassung der Studie zu Hochqualifizierten mit Migrationshintergrund findet ihr in der Stellungnahme der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus unter: www.ekr.admin.ch. * Name der Redaktion von NZZ Campus bekannt ** Name der Redaktion bekannt


akzent

ran an die quelle: nachfüllen statt wegwerfen

Es kann auch ohne unnötige Verpackungen so einfach sein. bild: refiller

Ist Verpackung gleich Abfall gleich Müll? Nicht zwingend! Doch die Frage lautet eigentlich, ob dieser Verpackungsmüll überhaupt entstehen muss. Müsste er nicht. helga weber Es gab das Seminar, die Idee und dann ging es los: Informationen sammeln, Bedarf analysieren, Geschäftsmodell entwerfen und externe ExpertInnen befragen. Vor mir sitzen Elke, Claudia, Sandra, Nicola und Mirjam. Sie sind die GründerInnen von «PETaway» und haben das Projekt die letzten drei Monate im Rahmen des Seminars «Innovative Ideen für eine nachhaltige Zukunft» entwickelt. Keine zwei Meter vor dem Seminarraum, in dem wir uns befinden, steht ein Abfalleimer mit der Aufschrift «kein Abfall – nur PET-Flaschen». Extra Sammelstellen für PET-Flaschen gibt es seit längerem an der Universität, an Bahnhöfen und in weiteren öffentlichen Räumen. Denn die Voraussetzung für eine gute Ökobilanz der PET-Flaschen sei eine hohe Recyclingsrate, so das Bundesamt für Umwelt (BAFU). In der Schweiz wird viel PET recycelt, doch wo liegt das Problem? Nachhaltiges Ressourcenmanagement Es liege in der PET-Flasche selbst, sagen die Gruppenmitglieder von «PETaway». Laut dem BAFU wird die Umweltbelastung bei Recycling von PET-Flaschen gegenüber der Neuproduktion zwar um die Hälfte reduziert. Trotzdem benötigt die Herstellung von einem Kilogramm PET dennoch fast zwei Kilogramm Rohöl. Der tägliche PET-Verschleiss an der Uni sei immens, so Nicola. PET-Flaschen seien überall erhältlich, man verbrauche jedes Mal eine neue Flasche und der Ressourcenverbrauch sei dementsprechend sehr hoch, erzählt er weiter.

Das Projekt «PETaway» will früher ansetzen. Nicht erst, wenn der Müll entstanden ist, sondern an der Quelle. «Es geht uns um ganzheitliche Nachhaltigkeit», erklärt Elke. Das Ziel der Gruppe ist deshalb Einweg-PET-Flaschen durch Mehrwegflaschen zu ersetzen: In zwei Jahren soll jeder Studierende an der Uni eine Mehrwegflasche haben. Die Gruppenmitglieder haben ehrgeizige Visionen, aber auch konkrete Pläne für die Umsetzung. Unterstützt werden sie dabei im Rahmen des Seminars von euforia. Eine Non-Profit-Organisation von und für junge Leute, die zeigt, dass Engagement nicht nur möglich, sondern notwendig ist. Dieses Semester bietet euforia erstmals an der Uni Bern in Zusammenarbeit mit dem Center for Development und Environment (CDE) ein umfangreiches Projekt- und Coachingseminar an, in dem die Studierenden in inter- und transdisziplinären Teams konkrete Projektideen entwickeln können (wir berichteten im unikum-Online). Biosäfte aus der Region Um ihre Ziele zu erreichen, wollen die Gruppenmitglieder von «PETaway» an der Uni Bern einen neuen Getränkeautomaten aufstellen, der die Mehrwegflaschen der Studierenden füllt. Die sogenannte Nature-Box soll mit Leitungswasser mit/ohne Kohlensäure und Biosäften gefüllt sein. Durch die Regionalität der Produkte fallen Transportwege und die Abfallproduktion von den Einwegflaschen weg. Der positive Beitrag zur nachhaltigen Ressourcennutzung ist somit gewährleistet. Für Werbezwecke, aber vor allem um die Benutzer zu sensibilisieren und die Bildung im Nachhaltigkeitsbereich zu fördern, soll die Nature-Box ein Display erhalten. Professor Gunter Stephan gefällt die Philosophie des Projektes «PETaway» auf den ersten Blick sehr gut: Es beinhalte regionale Strukturen und Produktionssysteme. Der Ökonomieprofessor mit Schwerpunkt Umwelt-, Ressourcen- und Klimaökonomie sagt, dass häufig grosse unikum 166

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akzent

Probleme bei den Lösungen in den Folgeeffekten liegen würden: Die Energie- und Materialbilanz des NatureBox-Getränkeautomaten müsse beispielsweise berücksichtigt werden. Die Nature-Box überzeugt auch in dieser Hinsicht. Alles richtig gemacht. «Oft ist Recycling keine echte Lösung» Einer Studie der OECD zufolge ist die Schweiz das OECDLand mit der zweithöchsten Menge an Siedlungsabfällen pro Kopf. Rund ein Drittel hiervon ist Verpackungsabfall. Laut dem BAFU werden von den 690 Kilogramm Abfall pro Jahr und Einwohner rund die Hälfte verwertet und die andere Hälfte verbrannt. Die Tendenz der Abfallmenge ist steigend. Professor Stephan erklärt: Während die Wirtschaft das Recyclingpotenzial erkannt habe, sei vor allem der Hausmüll gestiegen. Letzteres werde von den hohen Recyclingkapazitäten und gesteigerten Verbrennungskapazitäten in der Schweiz aufgefangen. Allerdings biete gerade das keinen Anreiz die Abfallvermeidung voranzutreiben. Betriebswirtschaftlich würden die Müllverbrennungsanlagen sonst zu schlecht dastehen, so Stephan. «Oft ist Recycling keine echte Lösung», erzählt der Ökonom, da der heutige Produktkreislauf zusätzliche Belastungen zum Beispiel für Wasser, Böden und Luft habe. Es werde eine Verlagerung des Problems produziert. Bussgeld für Littering Der derzeitige Lifestyle spielt bei der Müllproduktion eine wichtige Rolle. Waren mit langen Transportwegen benötigen mehr Verpackung als solche aus der Region. Es entsteht ein Verpackungsproblem. Ein weiteres Beispiel für den veränderten Lifestyle ist der Konsum bei Takeaways, die es mittlerweile an fast jeder Ecke gibt. Im Gegensatz zu einem klassischen Restaurant habe ein Takeaway einen deutlichen Kostenvorteil, erklärt Professor Stephan. Es habe keine Sitzplätze, müsse kein Geschirr spülen et cetera. Vor allem komme es aber nicht für die Recyclingkosten auf, die es verursache. Das sei im Grunde ein Marktversagen und ein Grund zur Intervention, denn die Kosten für die Abfallentsorgung bezahle der Steuerzahler, betont der Ökonom. Vor kurzem hat das BAFU eine Studie veröffentlich, in der die jährlichen Kosten für Littering 200 Millionen Franken betragen. Ein Grossteil hiervon sind laut dem BAFU Getränke- und Take-away-Verpackungen. Während man in St. Gallen bei liegengelassenen Picknickabfällen mittlerweile mit 200 Franken Bussgeld zur Verantwortung gezogen werden kann, sind die Kosten im Kanton Bern mit 40 Franken eher gering. Doch sollte das die Lösung sein? Nein, sagt Professor Stephan. Es müsse erstens von Seiten der Wirtschaft effizienter produziert und verteilt werden. Zweitens müsse die ErstverursacherInnenbranche zur Kasse gebeten werden und drittens müsse sich die BenutzerInnen- hin zur NutzerInnenphilosophie ändern. Würden sich beispielsweise in einem Haus mehrere Parteien eine Bohrmaschine teilen, würde der Durchlauf von Rohstoffen durch den Wirtschaftskreislauf reduziert werden. Rund 30 Prozent des Gekauften würde im Müll landen. Würde man nur noch das kaufen, was man brauchen würde, wäre man schon einen Schritt weiter. «Der beste Abfall ist schliesslich der, der gar nicht entsteht», sagt Stephan. 8

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Nachfüllen an der Universität Bern? «refiller» ist dieser NutzerInnenphilosophie auf der Spur. Im Gegensatz zu «PETaway» ist das Projekt der ehemaligen Studis schon umgesetzt. Auch sie haben sich bei einer Veranstaltung von euforia kennen gelernt. Mit der Zeit sind sie einen Schritt weitergegangen und haben eine eigene Non-Profit-Organisation gegründet. Unter dem Motto «Reduce, Reuse, Refill» wollen auch sie Abfälle aus Wegwerfverpackungen vermeiden und mit einem Netzwerk von Take-aways die Möglichkeit zum Nachfüllen anbieten. Man nimmt seinen eigenen Becher mit, lässt ihn nachfüllen, macht sich auf den Weg und geniesst: Nachfüllen mit dem Mehrwegbecher anstelle von Umweltbelastungen durch Einwegbecher. Die Refiller-Community besteht derzeit aus 33 Take-aways. João Almeida, Gründer und Geschäftsleiter von «refiller», hofft auf ein Umdenken, von der jetzigen Tendenz immer mehr Abfall zu produzieren hin zu einem ökologischeren und weniger ressourcenintensiven Konsum. Seine Vision ist eine Welt ohne unnötigen Abfall. Der Weg dahin ist noch lang. Der nächste Schritt aber schon in Sicht. Wahrscheinlich wird es demnächst ein Kooperationsprojekt zwischen «refiller» und «PETaway» geben, denn «refiller» hat an der Uni Basel bereits ein ähnliches Projekt gestartet, wie «PETaway» es an der Universität Bern vorhat. Vielleicht kann ich ja in Kürze meine rote Sigg-Flasche an der Nature-Box an der Uni Bern füllen und meinen Beitrag leisten.

Fünf weitere Tipps zur Abfallvermeidung von «refiller» 1. Leitungswasser nachfüllen: Die Qualität aus dem Wasserhahn erfüllt die höchsten Standards und mit wiederverwendbaren Flaschen wird unnötiger Abfall aus Plastikflaschen vermieden. 2. Eigene Lunchbox mitnehmen: Die eigene Lunchbox zum Take-Away mitbringen anstatt Einweg-Essensbehälter zu benutzen. 3. Mehrweg bevorzugen: Ob bei Milch oder Bier, die Mehrwegflaschen werden nach dem Gebrauch gewaschen und wieder verwendet. Das spart Abfall und ist viel ökologischer. 4. Eigene Tragetaschen mitnehmen: Das spart beim Einkaufen Einwegplastiksäckchen. Gemüse oder Früchte brauchen keine zusätzliche Verpackung. 5. Think Big! Kaufe Putz- und Waschmittel oder lang haltbare Lebensmittel in grossen Verpackungen und spare unnötiges Verpackungsmaterial oder sonstige Einwegmaterialien. Weitere Informationen: petaway@hotmail.com, www. refiller.ch, www.euforia.ch, www.cde.unibe.ch/Pages/ Bachelor-Minor-NE.aspx


apropos ...

Grünabfuhr Oh, wie ihr mich besingt – bevor ihr mich in Stücke hackt! Ihr stellt mich in eure warme Stube, schmückt mich, setzt mir Lichtlein auf. Ihr geht um mich herum, zupft dies und das zurecht. Alles soll am rechten Platze sein. Dabei wisst ihr schon ganz genau, dass ich bald der Dorn in eurem Auge bin. Aber alles zu seiner Zeit. Zuerst präsentiert ihr mich mit Stolz, fotografiert mich. Ich bin der Hüter eurer Geschenke, der potente Stängel der Natur in einer von Menschen gemachten Umgebung. Ich bin – für einige Tage – der Mittelpunkt eurer Wohnung, verleihe ihr Glanz und Glamour in der sonst so trüben Zeit. Dann, wenn ihr das neue Jahr einläutet, habe ich ausgedient. Eben war ich noch das Symbol eurer Festerei, schon bin ich bedeutungslos. Mehr als das: Ich bin ein Störfaktor. Jedesmal, wenn ihr mich passiert, werft ihr mir verächtliche Blicke zu. Irgendwann rafft ihr euch zusammen, reisst mir den Schmuck vom Leib und steckt ihn in Kisten. Am Abend werft ihr mich auf die Strasse, freut euch, dass ihr mich endlich los seid. Ihr lasst mich auf dem Asphalt liegen und frieren, lasst zu, dass ein Nachttier sein Geschäft auf mir verrichtet. Dann werde ich abgeholt. Es gibt kein Entrinnen. Eure gewetzten Messer warten schon auf mich. Eben habt ihr mich noch besungen, schon schlachtet ihr mich. Ihr habt doch nicht mehr alle Nadeln an der Tanne! jonathan stauffer Und weil dies das letzte unikum vor Weihnachten ist, hier ein Weihnachtsgedicht: Es war ein Fuchs, der hatte drei Eh nein, es waren doch nur zwei Zwei Ohren und auch einen Mund Ah nein, es war ein Hund B.W.

die fünf

fünf trouvaillen im studi-ghüder Manchmal beschleicht den geneigten Betrachter universitären Abfalls das Gefühl, der gezielte Wurf in den Eimer sei als stilles Statement zu verstehen. Oder ist Müll langweilig? Entscheidet selbst. david egger 1 Kornkreisforschung In Büchern über Kornkreise werden gelungene Bilder aus der Luft mit interdisziplinären Forschungsversuchen, gewagten Legenden und MandalaMalvorlagen vermischt. So lange, bis der lesenden Person die ganzheitliche Kraft der Kornkreise aufgeht oder sie das Druckerzeugnis kurzerhand und mit süffisanter Verachtung entsorgt – zum Amüsement nachfolgender Händewaschender. So geschehen vor wenigen Wochen auf dem kleineren der beiden Männerklos im Untergeschoss der Unitobler. Der Papierkorb dieses wissenschaftlichen Aborts ist stets einen Blick wert. Dazu später mehr. 2 Die heimatlose Aludose Ob Wachmacher, Cola oder Bier: Sie alle werden nicht selten aus einem Aluminiumbehälter getrunken. Ist die Dose leer, will sie möglichst schnell zu den 90 Prozent ihrer Artgenossen, die rezykliert werden. Während sie schon davon träumt, mit ihrer nächsten Reinkarnation eine etwas buntere Beschriftung zu erlangen, schauen die Studierenden ratlos umher. Überall steht, wo die Entsorgung der zahlenmässig überlegenen PET-Behälter verboten ist und wo nicht. Alueimer? Fehlanzeige! Da haben es auf ihren Hormonhaushalt bedachte Hipster mit konsumfeindlich klimpernden Glasflaschen wesentlich einfacher.

illustration: romy troxler

kompostierbar. Auf den KaffeebecherKomposthaufen warten die Studierenden aber immer noch vergeblich. Auf der nährstoffreichen Erde könnten Kräuter angebaut und damit das Mensaessen aufgepeppt werden. 4 Fleischesverhüllungen Einige Abfalleimer bieten tiefe Einblicke in die kulinarische Welt mancher Studis. Stehen sie am Ort akademischer Notdurft, werfen sie zuweilen Fragen auf. Hat jemand seinen Snack auf dem Klosett geknabbert? Oder will sich ein anonymer Karnivore in Ruhe seines Abfalls entledigen? In besagtem Toilettenraum wurden in den letzten Wochen Verpackungen von Fleischbällchen und Beef Jerky entdeckt. Ä Guete! 5 Papier, Papier, Papier Am meisten Papier wird vermutlich beim Händetrocknen an der Unitobler verbraucht. Papier sei dreimal ökologischer als Stoff, heisst es. Na, und? Im Hauptgebäude wird Stoff verwendet. Im vonRoll bläst der Airblade-Händetrockner den Marsch. Am ökologischsten handelt, wer die Hände an seiner Kleidung trocknet. Damit sind wir wieder beim Stoff, obwohls um Papier geht. So ein Müll!

3 Kompostierbare Kaffeebecher Wer den schwarzen Trunk nicht aus weissen Automatenplastikbechern trinken will, ist froh um die Einweg-Kaffeebecher der Mensa. Die sind aus nachwachsendem Material und erst noch unikum 166

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der nachteil des neuen Nach zehn Jahren landet die Studierendenverwaltung ePUB auf dem Müll. Momentan wird hart daran gearbeitet, dass das Nachfolgesystem KSL nicht das gleiche Schicksal ereilt. Wo drückt der Schuh beim 1,7-Millionen-Projekt? david egger Es ist eine undankbare Sisyphusarbeit – auch wenn das die Verantwortlichen nicht so sehen. Bis zu 70 Supportanfragen täglich erhält die Abteilung Verwaltungssystem Lehre (VSL). Für die AbsenderInnen dieser Anfragen präsentiert sich das neue Kernsystem Lehre (KSL) des Öfteren als bürokratische Kernschmelze. Besonders hart traf der ePUB-Nachfolger die GeographieStudentin Mara G.* Um mit dem laufenden Semester das Master-Studium in Zürich antreten zu können, brauchte sie ihr Berner Bachelor-Diplom per 30. September 2013. «Leider habe ich die Rechnung ohne KSL gemacht», seufzt die 24-Jährige. Wegen eines Systemfehlers konnte das Institutssekretariat die Note der Bachelorarbeit nicht eintragen. Danach war sie falsch verbucht. Der in ePUB bereits abgeschlossene Minor verlor seinen Status im KSL. Später erschien der Major plötzlich doppelt. Jede Problemlösung brachte neuen Ärger. «Als besonders mühsam empfand ich, dass trotz neuen Systems eine Zusammenarbeit zwischen den Instituten immer noch unmöglich scheint», konstatiert Mara G., die ihren Spiessrutenlauf mit unzähligen Mails an KSL-Support, Instituts- und Dekanatssekretariate erfolgreich abgeschlossen hat. Urban Rüegg ist VSL-Leiter und signalisiert Verständnis für den Ärger einiger Studis. «Insgesamt verhalten sich die Studierenden sehr anständig und kooperativ. Dafür sind wir dankbar», so Rüegg. Seine Leute haben bis heute rund 3 000 Supportanfragen erhalten. Das Einführungsvideo, in dem eine Stimme aus dem Off Selbstverständliches erklärt, hat auf YouTube weniger als 300 Views. «Die Einführung ist mangelnd», findet Lukas Z.*, Geographie-Student im siebten Semester. 700 000 Datensätze migriert Ihn stört, dass die Abteilung für Zulassung, Immatrikulation und Beratung (ZIB) selbst nichts tun kann, obwohl die Immatrikulationsdatenbank mit KSL verbunden ist. Momentan beeinträchtigt die Komplexität das Funktionieren des Systems. Aus Vorlesungsverzeichnis, Raumverwaltung und Studierendenverwaltung wurde eins. Diese Verschmelzung zum Kernsystem erforderte die Migration von fast 700 000 Datensätzen. «Die Schnittstellenprobleme bei der Datenmigration gaben sehr viel zu tun. Das war für alle Beteiligten nicht immer einfach», meint Urban Rüegg dazu. Anfangs hätten er und sein Team die Betreuungsintensität unterschätzt. Nun würden alle auftauchenden Probleme innert einem bis zwei Arbeitstagen bearbeitet. 10

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Länger dauert es bei Datenkorrekturen. Dezentrale Stellen der jeweiligen Studienfächer müssen diese überprüfen. Die Darstellung fällt durch Was meinen Veranstaltungsverantwortliche und Dozierende? Therese Sommer vom zivilistischen Seminar bemängelt: «Das Erfassen von Spezialfällen ist zum Teil schwierig bis unmöglich und kann nur mittels zusätzlicher Bemerkungen gemacht werden.» Wenn gleiche Vorlesungen an verschiedenen Tagen in anderen Hörräumen stattfinden, ist das für KSL ein Spezialfall. Zum Layout meint sie: «Der Text selber ist etwas klein geraten neben all dem leeren Platz.» Claus Beisbart, Professor am Institut für Philosophie, stellt ebenfalls fest, dass KSL keine ästhetischen Reize bietet: «Ich denke, es wäre wichtig, dass das Online-Veranstaltungsverzeichnis der Uni Bern attraktiver aussieht. Es soll doch Spass machen, nach Veranstaltungen zu suchen!» Die Studis sehen das ähnlich. «Die Darstellung ist überhaupt nicht übersichtlich. Die Semester müssten besser gegliedert werden», sagt Lukas Z. KSL trifft auf hohe Anforderungen. Dies habe nicht zuletzt damit zu tun, dass das Studium an der Uni Bern mit einer in der Schweiz einmaligen Flexibilität und fächerübergreifenden Angeboten glänze, heisst es aus der Abteilung VSL. «Dass es neu ist», sei der grösste Nachteil von KSL, das nach der Einführungsphase mit einem Komfortgewinn brillieren soll. *Namen der Redaktion bekannt

Ein Klick, 16 000 Adressen deg. Während die KSL-Daten auf Servern der Informatikdienste (ID) hinter zusätzlichen Firewalls «im sichersten Teil des Uninetzes» ihrem Dasein frönen, ist der Datenschutz beim neuen Groupmail-System ein grosses Manko. Wer beim Schreiben einer Mail auf «An» drückt, sieht eine Liste mit den Mail-Adressen 16 000 Studierender. Die ID betonen die «substantiellen Vorteile» des Adressbuchs und verweisen auf die Zürcher ETH, wo «die Publikation des Adressbuchs ebenso gehandhabt wird».

Opt-Out-Formular ab Ende Jahr

Die StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) akzeptierte die heutige Lösung – mit dem Wunsch, dass eine Opt-Out-Möglichkeit zur Verfügung gestellt wird. «Wer von der Opt-Out-Funktion Gebrauch machen will, kann sich direkt bei den ID melden», nimmt Christian Heim Stellung. Der Abteilungsleiter der ID enthüllt zudem, dass bis spätestens Ende 2013 eine Formularbasierte Web-Funktion in Betrieb sei, mit der man sich aus dem globalen Adressbuch löschen könne.


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kafka? goethe? maurer! Es gibt Visionäre, deren Genie zu Lebzeiten verkannt wird. Einer der wohl vielseitigsten, vielschichtigsten und (gar mit Einwortsätzen) vielsagendsten Künstler unserer Zeit sei hier vorgestellt. jonathan stauffer Milo ist ein menschgewordener Affe bei E. T. A. Hoffmann, der sich auf kulturelle Höhen schwingt. Ob beim Schreiben, Malen oder Musizieren: Er wird zum Kunstvirtuosen per se und braucht dazu nichts weiter als seinen, dem Affen eigenen, Nachahmungstrieb – zweifellos eine Parodie des Kunstbetriebs und der kulturellen Welt. Der kulturelle Mensch als gelehriger Affe. Ins gleiche Horn bläst Rotpeter, Kafkas menschgewordener Affe, der gar die hohen Herren der Akademie, einwandfreie Repräsentanten der kulturellen Welt, auf ihr vergangenes Affentum aufmerksam macht – eine evolutionistische Anspielung. Ausgehend davon, dass die Herren der Akademie ein Affentum hinter sich haben, aufgrund dessen sie erst zu dem wurden, was sie sind, kommt man zum gleichen Schluss: der kulturelle Mensch als gelehriger Affe. Nun gibt es da ja diesen rechtspopulistischen Schweizer Politiker und sein – es sei hier Äffli-Gate genannt. Hat er denn nicht ganz im Sinn Kafkas und Hoffmanns gehandelt, als er den Journalisten, der ihm zu arg auf die Pelle rückte, mit «Aff» betitelte? Obwohl bezweifelt werden darf, dass Ueli Maurer die beiden Affen-Texte einer hermeneutisch-komparatistischen Lektüre unterzogen hat, muss man ihm doch ein gewisses Feingefühl attestieren, was den Umgang mit Kulturschaffenden betrifft, ja geradezu ein ausgezeichnetes Gespür für die Betrachtung der kulturellen Welt aus der Warte der Metaebene. Und es liesse sich doch mit Leichtigkeit antizipieren, wie Maurers «Aff» posthum in den Hörsälen der Universitäten rauf und runter läuft und auf die Bezüge zu Hoffmann und Kafka aufmerksam gemacht wird, und wie es der Herr doch verstanden habe, mit nur einem einzigen Wort eine tiefe und eindringliche, gnadenlose Kritik der Kultur zu liefern, was ja – weiter gedacht – auch eine Diagnose zeitgenössischer Kultur beinhalte, die zudem äusserst scharf und präzise sei und in dieser Form nur von einem wahren Meister konstruiert werden könne. «Kä Luscht!» Und wahre Meister liefern selten Produkte in Eintagsfliegen-Manier ab. Wie vor ihm nur Da Vinci und vielleicht noch Goethe ist Maurer ein Genius universalis – ein Universalgelehrter. Es bedürfte keiner grossen Suche, wollte man in einigen hundert Jahren weitere Geniestreiche des zu Lebzeiten so unterschätzten Herrn finden. Man denke nur an die 400 vom VBS verlorenen Panzer. Ist das nicht Sinnbild für die Absage an den Materialismus? Eine gekonnt eingefädelte, subtile Botschaft, die zugleich

illustration: alice fankhauser

mit aller Eindringlichkeit auf das Paradox von Gesellschaft und Krieg aufmerksam macht? Schon dass es ausgerechnet 400 sind, lässt aufhorchen. Dividiert man 400 nämlich durch die für Maurer so wichtige Zahl 8 (das Jahr, als er in den Bundesrat gewählt wurde), erhält man 50. Eine Allegorie für die fünfzig Staaten der USA? Eine prophetische Verschlüsselung Maurers in NostradumsArt, die auf den Niedergang der Vereinigten Staaten referiert? Oder auf einen nie endenden Budget-Streit? Oder man gedenke Maurers spitzmäulig vorgetragenem «Kä Luscht!», das wohl nur aus einer Sekundärquelle (Giacobbo) erschlossen werden kann. Ist das nicht das Leitmotiv einer ganzen Generation oder gar einer Epoche, die sich primär auf Work-Life-Balance und Selbstverwirklichung versteht? Ein Plädoyer für die Individualisierung und damit für eine Gesellschaft jenseits von Stand und Klasse? Gekonnt reduziert Maurer doch den Zeitgeist auf zwei Worte und präzisiert ihn mit ihnen zugleich. Und wie sieht es eigentlich mit diesem Artikel aus? Beinhaltet er eine mutige, differenzierte Auseinandersetzung mit Aussagen, deren intersubjektive Geltungsbereiche in der Zukunft liegen? Eine qualifizierte Interpretation eines grossartigen Künstlers? Oder doch nur mit elitärem Jargon aufgeblähten Müll?

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der mülltest

Fazit aus sieben Tagen Ghüder sammeln: Der Berg hätte grösser sein können. bild: lea stuber

Wir werfen weg - ununterbrochen und meist ohne darüber nachzudenken. Unsere Autorin hat eine Woche lang beinahe nichts anderes gemacht, als wegzuwerfen und darüber nachzudenken. Ein Selbstversuch. lea stuber Ab heute ist mein Ghüder eine Verheissung. Noch leer, dafür sehr dekorativ steht er im Flur und ermahnt Vorübergehende daran, ihn zu füllen. Mit leeren Milchflaschen, Zündhölzern, zerknitterten Kaugummipackungen – egal was. Sieben Tage lang wird er dort seinen Platz haben und am Ende hoffentlich überquellen vor aufschlussreichem Inhalt. Im Jahr 2011 hat im Schnitt jede und jeder von uns 689 Kilogramm Siedlungsabfall produziert, sagen die AbfallstatistikerInnen des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Das macht in der Woche 13,25 Kilogramm. 13,25 Kilogramm? Wie kommt diese Menge zustande? Ein Blick zurück zeigt: 1990 waren es pro Woche noch 11,6 Kilogramm pro Kopf; damit jährlich 86 weniger als heute. Doch wo es mehr Menschen gibt und immer mehr Güter konsumiert werden, fällt mehr Ghüder an. Hinzu kommt: Seit Jahren verläuft die Gesamtmenge der Siedlungsabfälle in der Schweiz proportional zum Bruttoinlandprodukt. Wächst die Wirtschaft, produzieren wir mehr Abfall. 12

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Immerhin: Ein immer grösserer Teil des Abfalls wird recycelt. Laut dem BAFU kann die Zunahme der Abfallmenge dadurch sogar aufgefangen werden. Mehr noch: Dank hohen Entsorgungsstandards und technischen Verbesserungen wird heute für das Verbrennen von Abfall in Kehrichtverbrennungsanlagen weniger Energie verbraucht als früher und kaum noch Schadstoffe ausgestossen. So viel zu den guten Nachrichten. Der billige Müll Doch auch wenn Abfall effizienter verbrannt wird und ein Teil wiederverwertet werden kann: Wer alle paar Monate sein Telefon wechselt oder regelmässig ranzige Joghurts in den Müll wirft, verbraucht viele Ressourcen – zu viele. Wir Kinder der Wegwerfgesellschaft kennen es nicht anders. Es kostet uns schliesslich verschwindend wenig, Abfall zu entsorgen: 1 Franken und 50 Rappen für einen blauen 35-Liter-Ghüdersack der Stadt Bern. Das tut nicht einmal Studis richtig weh. Mein Ghüder ist noch leer an diesem Dienstagmorgen, dem Starttag meines Experiments. Der alte 35-Liter-Sack steht gefüllt unten auf der Strasse; heute ist Müllabfuhr. Nebst gewöhnlichem Abfall sammle ich folgendes separat: Papier und Karton auf einem Stapel; Kompost in einem grünen Kessel; Glas, Aluminiumdosen, Petflaschen in einem Papiersack. Weitere Kategorien, die in dieser Woche aber nicht anfallen: Stahlblechverpackungen, Textilien, Batterien und Elektronikschrott.


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Der schwere Ghüdersack Und dann geht es los: Als erstes landet eine nicht recyclebare Kaffeekapsel in meinem Ghüder. Im Lauf des Tages kommt eine weitere hinzu, im Lauf der Woche nochmals sieben. Zwei Kaffeepappbecher werfe ich an der Uni in den Müll und beginne so Abfallspuren zu hinterlassen. Zum Zmorge esse ich ein Müesli mit Milch – kein Abfall. Zum Zmittag ein Sandwich – im Abfalleimer landet die Frischhaltefolie, zu Hause habe ich das dazugehörige Brotpapier weggeworfen. Nachmittags mal ein Mandarindli – die Haut kommt in den Kompost; später ein Joghurt – der Becher in den Ghüder, der Karton auf den Altpapierhaufen. Vorbildliche Mülltrennung. Mein Drucker spuckt vier Seiten falsch aus – der Altpapierstapel beginnt zu wachsen. Fazit nach einem Tag Müllsammeln: Gopf! Da kommt ja nichts zusammen, fast ein wenig enttäuschend. Sechs Tage später hieve ich den – inzwischen vollen – Ghüdersack auf die Waage: 2,5 Kilogramm, beigetragen haben auch meine beiden Mitbewohnerinnen. Hinzu kommen: 2,4 Kilogramm Altpapier, 1,1  Kilogramm Kompost, 1 Kilogramm Glas, Pet und Alu. Macht insgesamt 7 Kilogramm. Doch ein beachtliches Gewicht, angesichts meines Eindrucks, beinahe nichts weggeworfen zu haben. Hinzu kommt der Abfall, den ich nicht in meine eigene Mülltonne geworfen habe. Selbst wenn

man also «bewusst» Abfall produziert, resultiert ziemlich viel davon. Den grössten Teil machen die Nahrungsmittelverpackungen aus: Salatverpackung, Joghurtbecher, Brotpapier. Sieben versus 13,25 Kilogramm Abfall Weder einen zerbrochenen Spiegel, noch einen in die Jahre gekommenen Computer oder zerkratzte Skis habe ich in den Abfall geworfen. Dies ist wohl der Grund dafür, dass ich deutlich unter den 13,25 Durchschnittskilogramm bleibe mit meinen 7 Kilogramm Abfall (plus Ghüderspur unterwegs). Wie langweilig! Ich hätte erwartet, nach diesen sieben Tagen bestürzt und beschämt auf einen badewannenfüllenden Haufen Müll zu schauen. Zum Schluss bündle ich das Altpapier, bringe den Kompost in den Garten und laufe mit dem Glas und den Petflaschen zur Sammelstelle. Auf Wiedersehen, Abfall! Und bis bald.

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tätig zu sein, lernst die verschiedenen Bereiche (Personelles,

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Haben wir Dein Interesse geweckt? Dann freuen wir uns auf Sprechstunden: Dienstag und Donnerstag 10 bis 13 Uhr oder nach Vereinbarung Hochschulstrasse 4, 3. OG Ost, 3012 Bern

Deine schriftliche oder elektronische Bewerbung an: Studentische Buchgenossenschaft, z.H. Paul-Otto Lutz, Hochschulstrasse 4, 3012 Bern bzw. bugeno@bugeno-unibe.ch.

Bei Fragen: paul-otto.lutz@bugeno-unibe.ch (Paul-Otto Lutz, Verwaltungsmitglied) Bern 1. November 2013


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Neue Ausstellung «Rituale.

Ein Reiseführer zum Leben»

Jassturnier

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Am Familientisch und am Arbeitsplatz, im Sportstadion und in der Kirche, beim Staatsempfang und im Jugendtreff, am Schwingfest und am Rockkonzert

Voraussichtlich am Sonntag, 8. Dezember ab 11 Uhr wird in

ihnen wissen wir, wie wir uns wo richtig verhalten.

die JassmeisterInnen des Herbstsemesters 2013. Wir spielen

– Rituale begleiten uns in allen Lebenslagen. Dank

Ist Zähne putzen ein Ritual oder eine Gewohnheit? Wann wird ein Ritual zum Zwang? Können wir

Rituale beliebig neu kreieren? Seit dem 8. November lässt sich im Museum für Kommunikation das Thema der Rituale erkunden.

der Gertrud-Woker-Mensa am Bühlplatz gejasst: Wir suchen Schieber.

Melde dich unter subkultur@sub.unibe.ch mit Teamnamen

und den Namen der beiden Teilnehmenden an. Die Teilnahmegebühr beträgt sieben Franken, Brunch inklusive.

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Unibox –

Das Studentenradio

Samstag, 7. Dezember, 21 Uhr,

Freitag, 6. Dezember, 17 Uhr

im Dackstock mit Verstärkung von Iwan Petrowitsch

Die Unibox ist die Berner Radiosendung von Studis für Studis. 

Einmal monatlich präsentieren

sie euch auf RaBe knackige News

Hip-Hop mit Blasorchester und Brass. ART OF CHANGE

zu spannenden und aktuellen

Es erwarten euch Infos zu den

Schmutzlis aus aller Welt, Erinnerungen an den Samichlaus,

Neuigkeiten vom Märlitram und vieles mehr.

Schaltet ein auf  95,6 MHz.

Freitag, 6. Dezember, 9 - 17 Uhr Kornhausforum Bern

Forum zum Abschluss des Swiss Cultural

Programme in South Eastern Europe (SCP). ExpertInnen, KünstlerInnen und KulturvermittlerInnen aus Albanien, Bosnien und

Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien und der Schweiz sowie die Programmverantwortlichen der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und der Pro

Helvetia stellen ihre Absichten, Erfahrungen, Erfolge und Grenzen öffentlich zur Diskussion. Kurzfilme, Musik-, Tanz- und Kunstvideoclips sowie eine Ausstellung ergänzen die Gesprächsrunden (englisch-deutsch).

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schen Instrumente!

Sieben Bläser - zwei Drummer - ein MC - überall einsatzbereit - brachial laut - heimlich leise!

Themen, passend zur Uni und zum Leben.

Keine fertigen Beats, keine Samples, keine elektri-


kulturpartnerInnen

«internationales trifft lokales» Jan Kerckhofs and Friends, Tom Vanstiphout, Liz Lawrence und Moddi – «PlayLIVE#Bern» holt internationale MusikerInnen in die Berner Altstadt. Seit Neuestem gibt es für jeden Musikevent zwei freie Eintritte für SUB-Mitglieder. helga weber Das junge Berner Eventlabel «PlayLIVE#Bern» hat sich in weniger als einem Jahr einen Namen gemacht. Marcel Hunziker, der Gründer von «PlayLIVE#Bern», hat das umgesetzt, wovon er geträumt hat: Ein eigenes Eventlabel, das das städtische Angebot erweitert. Unter dem Motto «Bär trifft Welt» bringt «PlayLIVE#Bern» internationale MusikerInnen in die Berner Altstadt: «Internationales kommt nach Bern und Lokales wird gezeigt», beschreibt Marcel die Idee.

Livemusik in familiärer Atmosphäre Die Erfolge der ersten Konzerte in diesem Jahr sprechen für das Konzept. Entgegen dem kommerziellen Musikgeschäft wird den KünstlerInnenn in Bern eine familiäre Atmosphäre geboten. Sie wohnen in der Altstadt und haben nur wenige Fussschritte bis zum Veranstaltungsort. Vor dem Konzert würden die KünstlerInnen, TechnikerInnen, der Photograph und weitere Teammitglieder zum Nachtessen gehen, erzählt Marcel. Es werde eine Plattform geboten, die Wertigkeit schätze, hohe Qualität und hohe Ansprüche habe. Anschliessend verbringen die MusikerInnen einen Tag gratis im Recording Studio. Bei den KünstlerInnen scheint es gut anzukommen. «PlayLIVE#Bern» spricht sich herum. «Low Budget mit Stil» Trotz oder gerade wegen des derzeitigen «Low Budgets» des jungen Labels entstehen durch kreative Ideen und Promotionen aller Art Konzerte mit Stil. Um das umzusetzen wird Marcel von Freunden

unterstützt und arbeitet mit lokalen UnternehmerInnen zusammen, denen seine Idee gefällt und die sich in vielfältiger Weise als SponsorInnen betätigen. Die Konzerte finden an wechselnden Orten statt, so zum Beispiel in der Marta Bar oder dem Einsteinkaffee. Durch die unterschiedlichen Promotionen und Sponsoren hat jedes Konzert etwas Besonderes. Moddi im Marta Die Auswahl der KünstlerInnen trifft Marcel nach persönlichem Gefallen und Bauchgefühl. Besonders reizvoll sei es, KünstlerInnen in die Berner Altstadt zu bekommen, bei denen man denkt, man habe keine Chance, so Marcel. Einer von ihnen ist Moddi. Am 22. Januar 2014 tritt der norwegische Künstler in der Marta Bar mit dem Support Act Sion Russel Jones auf. Weitere Informationen unter: www.facebook.com/playlivebern

die bar mit viel herz für bern Das Lokal «Driisg Euf», neu unter den KulturpartnerInnen der SUB, ermöglicht Jung und Alt gemütliches Beisammensein bis zu später Stunde, wie auch gemeinsames Feiern am Wochenende. anice grossenbacher, max suter* Seit Beginn dieses Jahres besitzt das mondbeglänzte Berner Nachtleben eine neue Trinkbar. Dank langen Öffnungszeiten und talentierten Barkeepern trocknet keine durstige Kehle in der Nähe vom Bahnhof Bern mehr aus. Die Wände, voll mit beleuchteten Fotografien des alten Berns, sorgen für eine heimelige Atmosphäre an der Genfergasse 10. Der gute Blues und Rock zaubert dann auch den Nicht-BernerInnen ein Lächeln auf die Lippen. Die tiefergelegte Bar ermöglicht auch RollstuhlfahrerInnen das gemütliche Beisammensein an der Theke. Wer sich zu später Stunde noch etwas sportlich betätigen möchte, kann

sich am «Töggelichaschte» austoben. Im «Driisg Euf» bist du richtig, egal ob du 20 oder 50 bist; hier sind alle willkommen, die gut gelaunt einen zufriedenen Abend anstreben. Egal ob Plattentaufe, Livekonzert oder DJs – hier finden alle etwas. Das Programm ist immer vielversprechend und sicher einen Besuch wert. Ausgewähltes Angebot Die vielseitige Getränkekarte überzeugt mit einer grossen und gezielt gewählten Auswahl. Egal, ob ein guter Whisky, ein kalt gezapftes Bier oder ein guter Cocktail – hier werden alle Wünsche erfüllt. Eine Spezialität heisst «Rainbow» und besteht aus zirka einem Dutzend Shotgläsern, welche in den Regenbogenfarben daherkommen. Jedes Glas hat eine andere Geschmacksnote. Für jeden Geschmack, jede Gelegenheit und mit Empfehlung der Barkeeper findet sich hier das Richtige zu jeder Zeit.

disco|very|party im «Driisg Euf» Die Bar mit viel Herz für Bern ermöglicht gemütliches Trinken am Abend und Parties am Wochenende. Seit diesem Semester findet die disco|very|party im «Driisg Euf» statt. Eine neue Partyreihe von der Eventorganisation «fraktal» für StudentInnen und auch Nicht-StudentInnen. Dreimal im Semester können alle LiebhaberInnen von elektronischen Beats das Tanzbein schwingen und den Unialltag für eine Nacht vergessen. Auch im nächsten Semester werden wieder Events von «fraktal» organisiert. Weitere Informationen unter: www.facebook.com/fraktal.events. * Teammitglieder von «Driisg Euf»

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das ungestörte parlament tion kann sich nur auf wenige Semester beschränken. Da braucht es die richtigen Strukturen, um das abzufedern. Die Erfahrung einzelner darf nicht unverzichtbar werden und das Wissen muss schnell an die Nachfolgenden vermittelt werden können. Im SR ist es Sache der Fraktionen, für Nachwuchs zu sorgen.»

Sitzung des StudentInnenrates in der Unitobler. bild: nicolas weber

Die tiefe Wahlbeteiligung der letzten SR-Wahlen wirft die Frage auf, wie es um die studentische Partizipation steht. Doch auch der StudentInnenrat selbst beschäftigt sich häufiger als ihm lieb ist mit sich selbst und läuft dabei Gefahr, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren: Die Interessen der Studierenden. nicolas weber Es ist ein seltsames Mandat, das die Mitglieder des StudentInnenrates (SR) im März von den Mitgliedern der StudentInnenschaft (SUB) erhalten haben: Von 11 252 Stimmberechtigten gingen lediglich 1102 – also neun Prozent – an die digitale Urne und wählten ihre Vertretung im SR. War das nun eine Wahl oder lediglich eine repräsentative Umfrage? Ist das Schweigen von 91 Prozent demonstratives Desinteresse oder stillschweigender Vertrauensbeweis? Denn auch wenn sie sich ihrer Stimme enthalten haben, zahlen diese 91 Prozent weiterhin ihren Mitgliedsbeitrag an die SUB. Als Legislative der SUB sieht sich der StudentInnenrat nun mit der Aufgabe konfrontiert, die Interessen von Studierenden zu vertreten, von denen sich ein Grossteil weder aktiv einbringt, noch aktiv austritt. Eine ungewöhnliche Ausgangslage, um Politik zu machen. Selbst wenn es sich dabei «nur» um Hochschulpolitik handelt. 16

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Kurzlebige Partizipation Mit gut fünf Jahren SUB-Engagement ist Clau Dermont, Mitglied des Sozialdemokratischen Forum (sf), inzwischen das dienstälteste Ratsmitglied im SR. Diese halbe Dekade ist in der Welt der Unipolitik bereits lange genug, um von «früher» erzählen zu können. Als er angefangen habe, sei es normal gewesen, dass man über mehrere Jahre im SR und SUB-Vorstand tätig war – einzelne gar ein ganzes Jahrzehnt. Das sei heute anders, stellt er mit einer Spur Wehmut fest. Auch die Diskussionskultur im SR habe sich in den letzten Jahren verändert: «Damals war der Rat noch politischer. Man hat sich viel mehr damit beschäftigt, was in der Hochschulpolitik abläuft. Heute ist es so, dass sich der Rat sehr gerne mit sich selbst und den eigenen Reglementen herumschlägt.» Sucht man nach einer Ursache für diese Entwicklung, landet man – wie so oft – schnell bei Bologna: Im Jahr 2013 sind die Langzeit-Liz-Studis langsam aber sicher zu einem Relikt vergangener Zeiten geworden. «Es wäre wahrscheinlich zu einfach, die Schuld alleine bei Bologna zu suchen. Aber ich denke schon, dass durch die Bachelorund Master-Zyklen das Denken der Leute kurzfristiger wird», vermutet Clau Dermont. Für Maurice Lindgren ist die aktuelle Legislatur erst die zweite im SR. Als Ratsmitglied der Grünliberalen (glp), der jüngsten und inzwischen zweitgrössten Fraktion, kennt er die Welt der Unipolitik nur in ihrer kurzlebigen Ausführung: «Es ist eine Realität, dass an der Uni alles schnelllebig ist. Studentische Partizipa-

Wer in den SR will, kommt auch rein Und Nachwuchs benötigt der SR permanent: Innerhalb der zweijährigen Legislaturperiode rutschten in allen Fraktionen so viele Personen nach, dass am Ende der Legislatur kaum noch Wartende auf den Listen übrig sind. Wer in den SR will, komme über kurz oder lang auch rein. Es käme jedoch selten vor, dass sich Leute von sich aus bei ihm meldeten, meint Maurice Lindgren. Meistens laufe es darauf hinaus, dass man versuche, Leute aus dem eigenen Umfeld für vakante Sitze oder die Fraktionsliste zu gewinnen. «Bei manchen springt das Feuer für das Politische dann so richtig über, andere engagieren sich weniger stark oder verbleiben nur relativ kurz im SR», so Maurice. Im Vergleich zu anderen Schweizer Universitäten ist der SR ein sehr formales Studi-Parlament, das mit seinen Strukturen und Abläufen an Parlamente auf kantonaler oder nationaler Ebene erinnert: Motionen, Postulate, Beschlussfähigkeit, Redezeitbeschränkung – wer politische Ambitionen über die Hochschulpolitik hinaus hat, findet im SR ein ideales Übungsgelände vor. Auf andere wiederum dürften diese formalen Strukturen eher eine abschreckende Wirkung haben. Maurice Lindgren und Clau Dermont gehören beide zu dieser Minderheit im Rat, deren politisches Engagement sich nicht auf die Hochschulpolitik beschränkt. Und ob man nun als Grünliberaler oder als Juso leidenschaftlich gerne politisiert – beide sind sich einig, dass man in dieser Hinsicht im SR wertvolle Erfahrungen machen kann. Es erstaunt daher wenig, dass sich gerade diese zwei Ratsmitglieder nicht lange bitten lassen, wenn sich an SR-Sitzungen die Gelegenheit für einen verbalen Schlagabtausch bietet. Vor allem in emotional angereicherten Debatten ist es im SR oft so, dass man die RednerInnenliste bereitwillig dem Viertel der Ratsmitglieder überlässt, die sich auf dieser von Natur aus wohl fühlen. «Ja, ich rede im Rat viel», gesteht Clau Dermont ein.


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«Viele reden aber auch gar nicht mit und die Beteiligung der Ratsmitglieder in den Arbeitsgruppen der SUB lässt sehr zu wünschen übrig.» Die zwei grossen Baustellen im SR In zwei grundsätzlichen Punkten ist man sich allerdings fraktionsübergreifend einig: Die Wahlbeteiligung ist bedenklich tief und der SR muss effizienter werden; sich weniger mit sich selbst beschäftigen. Eine höhere Wahlbeteiligung gäbe der SUB vor allem nach aussen mehr Legitimität und würde ihr bei der Vertretung studentischer Interessen – zum Beispiel im Grossen Rat – den Rücken stärken. 25 Prozent will man bei den Wahlen 2015 erreichen. Ein ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt, dass die Wahlbeteiligung 2009 bei 21 Prozent lag und seither stetig gesunken ist. «Es mag zwar immer noch nach wenig klingen, aber schon mit 20 Prozent Wahlbeteiligung wären wir gleichauf mit der Wahlbeteiligung, die in dieser Altersgruppe bei nationalen Wahlen erreicht wird», relativiert Clau Dermont diese Zahlen. Doch alleine mit dem Argument, dass eine hohe Wahlbeteiligung hübsch aussieht und die Lobbyarbeit der SUB vereinfacht, werden sich die wenigsten NichtwählerInnen zu einem Urnengang bewegen lassen. Die SUB hat prinzipiell ein Problem damit, ihre Mitglieder zu erreichen und zu mobilisieren, sobald es um Hochschulpolitik geht. In der Wahrnehmung der Studierenden ist sie inzwischen vor allem als Dienstleisterin verankert. Da liegt es nahe, dass man als Studi auch noch die Auseinandersetzung mit dem Unipolitischen – bewusst oder unbewusst – an die SUB delegiert, anstatt die SUB als Plattform zu sehen, die die Stimmen vieler bündelt. Den SR überlassen die Studierenden in Bern zunehmend sich selbst. Vielleicht liegt es auch an diesem Mangel an Interesse und der Abwesenheit kritischer Blicke von aussen, dass der StudentInnenrat genug Zeit hat, um sich in endlosen, selbstreferentiellen Debatten zu verlieren. «Wenn es ganz allgemein um die Interessen der Studierenden geht, herrscht im Rat eigentlich ein Konsens. Da gibt es im Grunde keine Differenzen zwischen links und rechts. Das reduziert sich auf ideologisch angehauchte Themen, die häufig mit dem Rat selbst zu tun haben. Es ist schade, wie viel Zeit da verbuttert wird», sagt Maurice Lindgren.

Mehr Zeit für die wesentlichen Fragen Doch auch wenn Einigkeit darüber herrscht, dass der Rat sich wieder mehr auf sein «Kerngeschäft», die Interessen der Studierenden, besinnen sollte, scheiden sich die Geister spätestens bei der Frage, wie dies zu bewerkstelligen sei. Clau Dermont vom sf wünscht sich, dass der Vorstand – also die Exekutive der SUB – politisch wieder heterogener wird. Aktuell seien nur zwei Fraktionen im Vorstand vertreten: Das sf und die Grünen. Dem bürgerlichen Teil des Rates wirft er vor, dass dieser gerne Opposition spiele. Dabei vergesse er, sich auch an der Arbeit im Vorstand zu beteiligen und so Verantwortung für die SUB zu übernehmen. Vor allem die Grünliberalen als zweitgrösste Fraktion will er in dieser Hinsicht in die Pflicht nehmen. Eine andere Art von Outsourcing schwebt Maurice Lindgren von der glp vor: Er würde gerne mehr Kompetenzen und Wahlen in die Kommissionen und Gremien des Rates auslagern, damit weniger im Plenum entschieden werden muss. «Das längerfristige Ziel ist, dass wir mehr über das Studileben diskutieren können. Dafür brauchen wir allerdings Zeit. Zeit, die

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mit

wir momentan nicht haben.» Ein grosser, da unsanfter, Ansporn für den SR, strukturelle Veränderungen voranzutreiben und mehr Platz für das Wesentliche zu schaffen, könnte Druck von aussen sein; in diesem Fall von Studierenden, die ihrer Vertretung etwas genauer auf die Finger schauen. Eine Handvoll interessierter Studis, die den SR-Sitzungen beiwohnen, die vielleicht sogar von ihrem Diskussionsrecht Gebrauch machen, das sie als SUB-Mitglieder im SR geniessen – viel studentische Partizipation in dieser eifrigsten Form bräuchte es nicht, um den Rat unter Zugzwang zu setzten: «Dann wäre subito fertig. Wenn auch nur ein SUB-Mitglied in den Sitzungen aktiv mitdiskutieren wollte, ginge im Rat bald gar nichts mehr. Wir schaffen es ja sowieso schon an keiner Sitzung, alle Traktanden zu behandeln. Längerfristig hätte das allerdings einen positiven Effekt, denn wir müssten zwangsläufig die Abläufe vereinfachen. Aber im ersten Moment wäre es ein heilloses Chaos», prophezeit Maurice Lindgren. «Wir sind darauf absolut nicht eingestellt.»

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auf ein wort

«ich gebe zu, ich bin ein fauler hund»

Mike Müller: Der Schauspieler in Action bei seinem aktuellen Projekt «Truppenbesuch». bild: www.mike-mueller.ch

In der Late-Night-Show «Giacobbo/Müller» tritt er im Doppelpack auf, doch auch auf eigene Faust ist Mike Müller in der Schweizer Schauspielwelt gut vertreten. Seit zwanzig Jahren ist das Theater seine Welt und auch Film und Fernsehen hat der umtriebige Künstler im Sturm erobert. Für das unikum plaudert er per E-Mail aus dem Nähkästchen. maria gerber Herr Müller, können Sie uns sagen, von wem dieses Zitat stammt? «Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.» Ich hätte keine Ahnung, wenn ich nicht erst alle Fragen gelesen hätte. So mache ich das als Minimalist seit der Schule. Es ist eine Art minimalistischer hermeneutischer Zirkel. So muss das Zitat wohl von Sokrates sein.

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Sie haben Philosophie studiert, daher die Frage. Warum gerade dieses Fach? Es war das einzige Fach, das mich mit zwanzig interessierte. Heute könnte ich mir noch ein, zwei andere Fächer vorstellen: Geschichte oder Jura. Philosophie ist schwierig am Anfang, aber das Fach entblättert sich im Laufe des Studiums zu einer reich gedeckten Tafel. Man hat zwar hinterher keinen Beruf, aber das gilt für alle Phil-I-Fächer, und für Jura und Naturwissenschaften genauso. Um noch mal auf Sokrates zu kommen: Mit einem Philosophie-Studium weiss man wenigstens, dass man nichts weiss. Wie schlugen und schlagen Sie den Bogen von Ihrem Studium zum Theater? Hat das eine überhaupt mit dem anderen zu tun? Schwierige Frage. Mir ist sicher entgegengekommen, dass im Theater in den letzten dreissig Jahren eine Vermischung von freier Szene und Stadttheater stattfand. Da waren plötzlich auch Quereinsteiger gefragt. Aber ich hatte nie die Vorstellung, dass ich jetzt Kants Kritik der reinen Vernunft als Einakter auf die Bühne bringen muss. Wenn man ein bisschen akademisches Arbeiten lernt, schadet das bei einer Recherche für einen Theaterabend überhaupt nicht.

War Schauspielerei schon immer ein Thema für Sie? Wollten Sie niemals einen anderen Weg einschlagen? Ich habe in der Schule angefangen Theater zu spielen, gründete mit zwanzig zusammen mit meinen engsten Freunden selber eine Truppe und wir produzierten jahrelang in der freien Szene. Ich wurde also nicht von einem auf den anderen Tag Schauspieler. Es war dann halt irgendeinmal ökonomisch möglich, nur noch zu spielen und zu schreiben. So gesehen lief bei mir alles recht zufällig und auch langsam. Ihr aktuelles Projekt «Truppenbesuch» ist zugleich Reportage und Theater. Sie stellen wahre Gespräche und Aussagen auf der Bühne dar. Was steckt dahinter? Ist das vielleicht ein Versuch, das Theater realitätsnaher, ja vielleicht weniger philosophisch zu gestalten? Philosophisch und realitätsnah sind nicht bipolare Begriffe. Ich sage auch nicht: Diese Texte sind alle wahr. Sie sind bloss in den Interviews, die ich mit Beteiligten oder Betroffenen führte, genau so gesagt worden, inklusive Versprecher. Wir verstehen diese Aussagen als eine Textoberfläche, und ich unterfüttere sie nicht mit einem psychologischen


auf ein wort

Unterbau, das soll und kann sich der Zuschauer selber vorstellen. Ist ein Sprecher immer ein souveränes Subjekt? Diesen Ansatz können Sie realitätsnah oder philosophisch nennen. Für Ihr anderes Theaterprojekt «Elternabend» sind Sie den Schweizer Kindern auf den Grund gegangen. Würden Sie nach dieser Erfahrung die obige Aussage von Sokrates unterschreiben? Na ja, es gab ja mal eine Studie, die aufzeigte, dass jede Generation die nachfolgende für unerzogener und schlechter gebildet hält als sich selber. Das ist offenbar seit zweitausend Jahren so. Ich wäre dann also Mitglied der zweitunerzogensten Generation überhaupt. Der Fokus von «Elternabend» liegt auf einer Schule im Zürcher Kreis 3 mit einem 95-prozentigen migrantischen Hintergrund. Wir wollten mit jenen reden, die unter dem Begriff «Integration» objektiviert werden. Gefunden haben wir Jugendliche, Eltern, Lehrer, die sich in einer Welt der Interkultur zurechtfinden müssen. Das ist nicht immer einfach, aber es funktioniert. Und zu den Jugendlichen zitiere ich immer wieder gerne den famosen Hauswart des Schulhaus Ämtler: «Sie erfüllet ihren Job als Jugendlichi.» Das finde ich zum Beispiel einen philosophischen und realitätsnahen Satz. Sie sind ein sehr vielseitiger Künstler; Film, Theater, Serie, Satire... Trotz allem kennt die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer Sie wahrscheinlich durch «Giacobbo/Müller», welche sozusagen eine Institution im SRF geworden ist (Quotenzahlen hin oder her). Finden Sie das positiv oder eher schade? Über Quoten wird viel Stuss geschrieben und es wird kaum recherchiert. Late Night ist eigentlich ein Nischenprodukt und unsere Quote ist dafür eigentlich viel zu hoch. Wenn man Fernsehen macht, wird man bekannt. Wenn man Theater spielt, wird man nicht so bekannt. Das ist eine simple Tatsache, und was soll mich daran stören? Entscheidender ist eigentlich, kann man in den verschiedenen Genres das machen, was man will, und funktionieren die Institutionen gut, sind sie innovativ, gehen sie gut mit Druck um, und nicht zuletzt auch: Haben sie eine ökonomische Basis, die freies Arbeiten erlaubt – oder erstickt man in Strukturen?

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Wie viel Müller steckt in «Giacobbo/Müller»? Wir machen diese Sendung mit einem sehr kleinen Team, der Sender macht uns keine Vorgaben und zensiert uns nicht, die SRG ist wahrscheinlich das grosszügigste Medienhaus in der Schweiz. Viktor, unser Headwriter Domenico Blass und ich generieren einen Grossteil selber (die Sketche stammen immer aus unserer Hand), und wir arbeiten mit tollen Pointenschreibern zusammen. Insofern steckt viel von mir in dieser Sendung. Wenn wir schlecht sind, liegt es an uns und nicht an irgendeinem Chef, der uns in die Suppe gespuckt hat.

SUB-Dienstleistungen

Hat «Giacobbo/Müller» Sie zu einem politischeren Menschen gemacht? Nein, man kann sich politisches Interesse nicht einfach hinsichtlich einer Sendung aneignen. In der Komik muss man das machen, was einen interessiert, das ist sehr egoistisch, aber nur das funktioniert. Man kann nicht wie in anderen Genres wie etwa in der Popmusik allzusehr mit Images spielen, was ja durchaus eine künstlerische Leistung ist, aber der Komiker braucht einen Schuss Autismus.

Studijob SUB

Was macht den Künstler Mike Müller aus? Was machen Sie am Liebsten? Keine Ahnung, was mich als Künstler ausmacht. Ich definiere das eher von aussen: Kann ich mit spannenden Leuten zusammenarbeiten? Kann ich das machen, worin ich gut bin? Ich mache halt gerne verschiedene Sachen: Theater, Film, Late Night. Da wird man auch immer wieder ganz anders gefordert. Ich liebe die Abwechslung. Wenn man im beruflichen Leben so viele Rollen spielt, fällt es irgendwann schwer, privat einfach nur «sich selbst» zu sein? Überhaupt nicht. Ich bin nicht ein Method-Actor, das wäre mir auch zu anstrengend. Ich gebe zu: Ich bin ein fauler Hund. Nach einem Dreh in den Zürisee zu springen oder für Freunde zu kochen oder ein Buch lesen fällt mir nicht schwer nach einem Arbeitstag. Es fällt mir sogar verdammt leicht. Wie würde ein guter Freund Sie beschreiben? Hat ein bisschen wenig Zeit für seine Freunde und will dann auch noch ab und zu allein sein. Dafür trinkfest.

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Bist du kreativ und möchtest uns gerne zeigen, was du so drauf hast? Hast du eine Geschichte auf Lager, die wirklich alle hören sollten? Oder möchtest du einfach mal sagen, was Sache ist? Melde dich bei der unikum-Redaktion (unikum@sub.unibe.ch) für eine Carte Blanche und krieg den Platz, den du verdienst. 20

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reinziehen

impressum

Das unikum ist das Organ der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) und erscheint sechsmal jährlich mit einer Auflage von 10 000 Stück. Redaktion: David Egger (deg), Jasmin Stampfli (jas), Jonathan Stauffer (jos), Lea Stuber (ls), Livia Middendorp (lm), Maria Gerber (mg), Helga Weber (hw), Nicolas Weber (nw), Matthias Boss (mb) E-Mail:

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Shangri La

Ulrich Grossenbacher, 2011

1 Jake Bugg Der 19-jährige Jungspund Jake Bugg hat sein zweites Album «Shangri La» am Start. Auch auf den zwölf neuen Songs huldigt er wieder seinen Idolen Don McLean und Bob Dylan. Aufgenommen und produziert von Produzent-Wunderkind Rick Rubin in Kalifornien, ist der Sound des neuen Materials zwar immer noch sehr gradlinig, aber um einiges variantenreicher und zum Teil auch opulenter ausgefallen. Eines der Highlights des Albums bildet zweifelsohne die erste Singleauskopplung «What Doesn't Kill You», eine HochgeschwindigkeitsPophymne, bei der Jake Bugg zu wütend kreischenden E-Gitarren die Dynamik des Stehaufmännchens nach Rückschlägen und Niederlagen zelebriert. «Philosophischer» seien seine Texte geworden, meint der junge Brite, was er mit «Messed Up Kids», einer schunkelnden Moritat mit Mitpfeif-Melodie gleich nochmals unterstreicht. Insgesamt ist «Shangri La» ein sehr variables Album geworden, obwohl die Songs immer wieder an bereits existierende Künstler wie Beatles, Cash oder Dylan erinnern. Noel Gallagher von Oasis war jedenfalls letztes Jahr dermassen begeistert, dass er Bugg gleich mit auf seine Tour nahm. Gallagher bezeichnete Bugg unlängst als die Zukunft der Musik. Gewinne eine von drei CDs! Schicke eine E-Mail mit Betreff «Jake Bugg» an: verlosung@sub.unibe.ch. Einsendeschluss ist der 22. Janaur 2014.

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mb. Der Blick in eine fremde Wohnung reizt. Doch die meisten Türen bleiben für neugierige Augen verschlossen. Ulrich Grossenbacher unternimmt den Versuch, in die Welt von Menschen zu gelangen, welche nur wenige zu Gesicht bekommen. In seinem einfühlsamen Dokumentarfilm begleitet er vier Personen drei Jahre lang auf ihrem Weg, welche am Messie-Syndrom leiden. Das Syndrom zeigt sich in einer Art Zwangsstörung, ratlos sowie rastlos Gegenstände zu sammeln. Teils führen die Betroffenen die Kamera selbst, was ein geeignetes Stilmittel darstellt, das Syndrom praktisch kommentarlos aus der eigenen Perspektive der Betroffenen zu zeigen. Dies, kombiniert mit ausdrucksstarken Bildern und umgewerteten Aussagen, ermöglicht Raum für eigene Überlegungen. Die Vielfalt des Syndroms zeigt sich durch die Verschiedenheit der ProtagonistInnen. Ein Künstler, ein Arbeiter, eine Sammlerin und ein Tüftler, welche Sinn dem scheinbar Sinnlosen geben. Nicht das Syndrom, sondern der Mensch mit dem Leid selbst steht im Mittelpunkt. Ein gelungenes Werk, um jene Menschen besser zu verstehen.

Externe: Paolo Riva, Kim Migliore, Dorothee Dähler, Maja Riegler Layout und Satz: Alice Fankhauser, Muriel Schwaerzler, Romy Troxler Lektorat: David Egger Werbung: Simon Bühler Kontakt: buehler.simon@gmx.ch Adresse: unikum, Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 E-Mail: unikum@sub.unibe.ch www.unikum.unibe.ch Belichtung und Druck: Haller & Jenzer, Burgdorf Nächste Nummer: unikum 167 Redaktionsschluss: 09.02.2014 Inputs und Ideen für Artikel bis: 22.01.2014 Inserate-Annahmeschluss: 22.01.2014 Erscheinungsdatum: 26.02.2014 Adressänderungen bitte wie folgt melden: Studierende: Universität Bern, Immatrikulationsdienste, Hochschulstr. 4, 3012 Bern. Angestellte: Universität Bern, Abteilung Personal, Hochschulstrasse 4, 3012 Bern Doppelzustellungen können vermieden werden, wenn bei der Abteilung Personal und den Immatrikulationsdiensten die gleiche Adresse hinterlegt ist. Rücksendungen bitte an: unikum, Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 Abonnemente: Das unikum kann für Fr. 30.–/Jahr abonniert werden. E-Mail an:

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Zitat vom StudentInnenrat 24.10 2013

Dominik Fitze (SUB- Vorstand): «Chillt doch mal! Wir möchten gerne mit den Leuten reden. Wir sind ja eine professionelle Vereinigung und nicht der Handballclub Romanshorn.»

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finde die acht unterschiede

Schicke die LĂśsung stichwortartig oder als Scan bis am 12. Februar 2014 an

unikumraetsel@sub.unibe.ch. Dir winkt einer von zwei Bugeno-Gutscheinen im Wert von je 40 Franken.

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entdecken

fühlen mit sich trügen. Dieses Chaos spiegle sich dann im Aussen wider – im Büro, in der Wohnung, auf dem gemieteten Pult in der Germanistik-Bibliothek ... Ein Chaos an Gefühlen also, das sich im Aussen widerspiegelt. Sind wir denn nicht alle ein bisschen Messie? Was würde es bedeuten, die Diagnose «Messie» zu erhalten? Das Bild des Syndroms scheint durch die Medien verfälscht zu sein. Eines der bekanntesten Bespiele ist das Schicksal der Collyer-Brüder. Sie überstellten ihr geerbtes Haus mit allerlei Schrott und bahnten sich mit labyrinthartigen Gängen den Weg durch das scheinbare Chaos. Die soziale Isolation mündete darin, dass der eine Bruder von seiner eigens erstellten Falle, welche wohl ungebetene Gäste fernhalten sollte, erschlagen wurde und der andere verhungerte. Dieser Extremfall ist eine Ausnahme, führte jedoch zur Entdeckung und Beachtung des Syndroms. Sogenannte Messies zeigen verschiedenste Verhaltensweisen von zwanghaftem Sammeln, Unordentlichkeit, schlechter Hygiene, Zeitproblemen bis zur Handlungslähmung. Die Grenzen zu Depression, Zwangsneurosen oder Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sind schwammig. Auch kann es in anderen Lebensbereichen gar nicht auffallen, dass die Betroffenen ein Päckchen mit sich tragen. Wie Andy Warhol als prominentes Beispiel zeigt, ist auch Kreativität eng mit dem Syndrom verbunden. So kam es gar dazu, dass seine Keksdosensammlung für eine Viertelmillion Dollar versteigert wurde.

Sieht es bei dir zu Hause so aus? bild: http://commons.wikimedia.org

mess less! Psychische Störungen scheinen in unserer Gesellschaft rapide zuzunehmen. Wer kann schon von sich behaupten, keine Probleme zu haben? Aber bist du auch aus klinischer Sicht betroffen? Das unikum auf der Suche nach Antworten. matthias boss und jonathan stauffer Bist du ständig unter Zeitdruck? Sammeln sich bei dir ungezählte Ausschnitte aus Zeitungen, Heften und Dokumenten? Kannst du dein unikum erst dann zum Altpapier legen, wenn du es ganz durchgeblättert und gelesen hast? Es könnte ja noch ein ungelesener Artikel dabei sein, der später eine wichtige Informationsquelle sein könnte. Vergiss die Bilder von Messie-Wohnungen, die du vom Fernseher kennst. Das sind Extremfälle. Gemäss Atax, der selbsterklärten Messie-Soforthilfe, gibt es Messies in unserer Gesellschaft zuhauf. Zum Messie könnten alle werden, die in ihrer Seele ein Chaos an Ge-

Schon wie die Atax «wi(e)derspiegelt» schreibt, lässt erahnen, dass sie das Phänomen wohl eher nicht wissenschaftlich angeht. Ihr Umgang mit Messies ist eher pragmatischer Natur – sie beschäftigt sich mit dem Aufräumen (was sicher nicht weniger anspruchsvoll ist). Anders handhabt es der Verband «lessmess», der Beratung und Information auf der Etikette stehen hat. Er bietet unter anderem einen Online-Test an, mit dem man seine Messie-Tendenz in der Beantwortung von 24 Fragen überprüfen kann. Mit acht Punkten habe der Schreiberling dieses Satzes wohl ein Problem mit Ordnung, besagt die Testantwort, ein Messie sei er aber noch lange nicht. Ab zwölf Punkten laufe man Gefahr, ein Messie zu werden. Puh, Glück gehabt! Solche Tests haben aber immer so einen Annabelle-Bunte-Charakter. Seriöser ist wohl die telefonische Beratung. Wenn du also wirklich deine Teesorten alphabetisch in den Küchenschrank ordnest, während sich das Geschirr auf der Ablage stapelt, du die Kartons vom letzten Umzug noch zu Hause rumstehen hast, nur weil du es magst, wie sich deine Mutter bei ihren Besuchen darüber aufregt, oder du ein paar verschollene Picassos im Keller stehen hast, sei dir ein Besuch bei «lessmess» ans Herz gelegt.

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www.bugeno-unibe.ch einige bücher soll man schmecken, andere verschlucken und einige wenige kauen und verdauen. Francis Bacon

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UNITOBLER UNI-HAUPTGEBÄUDE FÜR MEDIZIN VONROLL

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