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Ausgabe N°20 • Januar / Februar 2012 • Jahrgang 3 • trafficnewstogo.de

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S.6 Zeitgeschehen

So schön wird 2012! 2011, das war das Krisenjahr schlechthin. Und 2012 soll genauso schlimm werden? Nee, da machen wir nicht mit. Fünf gute Gründe, warum 2012 bessere Menschen aus uns machen kann. „It´s the economy, stupid!“ Damit hat Bill Clinton 1992 seinen ersten Präsidentschaftswahlkampf gewonnen. Verstanden wird der Satz erst heute. Dafür brauchte es eine weltweite Finanz- und eine europäische Schulden- und Euro-Krise. Nein, die wird auch Ende 2012 nicht überstanden sein. Aber sie wird uns… von Thorsten Denkler S.22 Fashion

MAISON MARTIN MARGIELA MMM, das von dem belgischen Modedesigner 1988 in Paris gegründete Unternehmen für Damen- und Herren-Mode, ist seit 2002 im Besitz der italienischen DIESEL-Gruppe, und wird seit Ende 2009 ohne Margiela geführt. Margiela war Modernist und Dekonstruktivist: Bereits existente, recycelte Kleidungsstücke werden auseinander genommen und neu zusammen gesetzt, die Nähte nach außen gewendet. Als er in den späten achtziger Jahren damit begann, galt seine Vorgehensweise als spektakulär: MMM macht… von Timo Feldhaus S.26 Fashion

DIE MILLENNIALS Modehäuser, die auch in Zukunft bestehen wollen, müssen ihre Kunden genau kennen. Die Altbekannten werden gerade abgelöst, denn eine neue Generation ist im Anmarsch und hat ungewohnte Bedürfnisse. Die Rede ist von den Millennials, denen das Web 2.0 so vertraut ist, wie ihre eigenen vier Wände. Sie sind in den 80er und 90er Jahren geboren, schlafen mit dem Mobiltelefon neben dem Kopfkissen, haben ein aktives Profil auf Facebook und holen sich ihre Informationen online… von Kathrin Eckhardt

pter XI a h II C S.7 1,2,3 & J’Accuse S. 8 Was bedeutet es, heute HIV-Infiziert zu sein? S. 10 Sport – Douz and Don’ts S. 12 Das Wetter – Paris, New York, Mailand & London S. 13 8-Page Editorial – Playground S. 24 Fashion – Die Menschen die Ich war / To-Go Boutique S. 28 Buch Reviews – Freunde von Freunden Berlin, The Impossible Collection of Fashion & How to be a Man S. 29 Gourmet – Mani Hotel Restaurant and Bar, 3 Minutes sur Mer und Mädchenschule S.30 Arrogant Bastard – Chameleons in the Christmas Mood S. 31 English Appendix


Mythos Monaco – im Jahre 1969 als weltweit erster automatischer und wasserdichter Chronograph in einem quadratischen Gehäuse lanciert, wurde er in dem Film „Le Mans“ am Handgelenk von Steve McQueen legendär. Bitte besuchen Sie uns für weitere Informationen und ein aktuelles Händlerverzeichnis unter www.tagheuer.com


Monaco Calibre 12


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Contributors

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Contributors

Kathrin Eckhardt

Uta Schwarz

SARAH ELBO

Kathrin Eckhardt, 28, lebt und arbeitet als Schreiberin und Stylistin in Zürich. Vor und während ihrem Studium in Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften arbeitete sie bei der NZZ am Sonntag. Heute ist sie Freischaffend und arbeitet für Editorials und die Werbung sowie an eigenen Projekten. Ihre Arbeiten publizierte sie unter anderem in der Annabelle, der NZZ, dem Z-Magazin und dem Kinki Magazin. Wöchentlich schreibt sie auf www.hopehope.ch in ihrer Kolumne „The Curiosity of Fashion“ über die wundersame Welt der Mode.

Uta Schwarz wurde 1975 in Leipzig geboren, wuchs in Berlin auf und machte ihr Abitur in Hamburg. Das Studium der Geschichte, Nordamerikastudien, Politik und Afrikanistik brach sie ab, um Jura mit Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht zu studieren. Sie arbeitete für anderthalb Jahre in Mosambik als Rechtsberater, bevor sie für das Wochenmagazin Vanity Fair vor allem Crime-Stories schrieb. Heute arbeitet sie frei für verschiedene Zeitungen und Magazine und schreibt auf ihren eigenen Blog www.kriminalreporter.de

Die in Dänemark geborene Designerin, die seit 1996 Berlin ihr Zuhause nennen kann, ist schon viel in der Berliner Modeszene rumgekommen. Ihr erstes Label: hartbo & L`wig (die Vorspeise), das darauf folgende: Sarah Heartbo (der Hauptgang) und „last but not least“ das Label Bo van Melskens (das Dessert) machten sie zu dem Deadlinehunter der sie heute ist. Im Augenblick konzentriert sie sich auf Styling und die hohe Kunst der Schuhmacherei. Für diese Ausgabe hat sie die 8-Pages mit ihrer Assistentin Susan Bähr gestylt.

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Zeitgeschehen

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So schön wird 2012 von Thorsten Denkler

Die Euro-Krise – ein Segen! „It’s the economy, stupid!“ Damit hat Bill Clinton 1992 seinen ersten Präsidentschaftswahlkampf gewonnen. Verstanden wird der Satz erst heute. Dafür brauchte es eine weltweite Finanz- und eine europäische Schulden- und Euro-Krise. Nein, die wird auch Ende 2012 nicht überstanden sein. Aber sie wird uns klüger und wachsamer gemacht haben. Plötzlich wollen die Menschen mehr über Wirtschaft wissen, als die Aktienkurse in ihrem Portfolio. Plötzlich fragen Menschen nach, was genau eigentlich mit ihrer kapitalgedeckten Rentensicherung passiert. Sie vertrauen Bankern und Finanzmanagern nicht mehr. Und das ist gut so. Märkte reagieren empfindlich, wenn die Kunden abspringen. Der beste Schutz gegen die nächste Finanzkrise, sind deshalb aufgeklärte Kunden. Nach dieser Krise werden immer weniger Menschen ihr Geld achtlos anlegen. Wulff bleibt im Amt – sehr gut! Zurücktreten und Schwamm drüber. Das wäre wohl zu einfach gewesen. Nein, Wulff soll im

2011, das war das Krisenjahr schlechthin. Und 2012 soll genauso schlimm werden? Nee, da machen wir nicht mit. Fünf gute Gründe, warum 2012 bessere Menschen aus uns machen kann. Amt bleiben. Als ein Amtsträger gewordenes Mahnmal dafür, wie es nicht geht. Als solches kann er dem Land noch gute Dienste leisten. Wulff wird keinen öffentlichen Auftritt mehr absolvieren können, ohne dass der 500.000Euro-Kredit oder seine peinliche Mailbox Ansprache auf dem Handy von Bild Chef Kai Dieckmann mitschwingt und ein gewisses Unbehagen auslöst. Dass es dieses Unbehagen gibt, ist das Gute daran, wenn Wulff im Amt bleibt. Es wird durch seine pure Präsenz ausgelöst und zeigt, dass die Sensoren für richtig und falsch noch funktionieren. Das Amt des Bundespräsidenten hat Vorbildfunktion. Wulff hat sie verloren. Wenn ein unvorbildhafter Mann ein vorbildhaftes Amt bekleidet, dann mahnt das jeden, so auf keinen Fall enden zu wollen. In Ägypten gewinnen religiöse Parteien – eine gute Nachricht. Manchen treibt es ja die Sorgenfalten auf die Stirn. In Ägypten und anderen Ländern des arabischen Frühlings bekommen jetzt religiöse

Parteien viel Zulauf. Islamisten sollen es in der Regel sein. Aber bitte, warum denn nicht? Zum ersten Mal seit Jahrzehnten können in diesen Ländern die Menschen frei wählen wer sie führen soll. Solange garantiert bleibt, dass eine Regierung auch wieder abgewählt werden kann, solange geschieht Volkes Wille. Das ist Demokratie. Die Amerikaner haben George Bush gewählt. Die Italiener Silvio Berlusconi. Niemand muss in ihnen ehrbare Persönlichkeiten sehen. Aber demokratisch legitimiert waren beide. Demokratie muss erst gelernt werden. Das ist die große Chance in den Ländern des arabischen Frühlings. Die Menschen werden sie nutzen. Sonst wäre alles umsonst gewesen. Karl-Theodor zu Guttenberg startet sein Comeback – soll er doch! Besser als mit einem echten Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg könnte das Jahr 2012 gar nicht starten. Denn eines ist ja sicher: Er wird wieder scheitern. Guttenberg

ist jetzt schon der Lothar Matthäus der Politik: Eine nationale Lachnummer, die sich selbst aber vor allem eines fühlt: im Recht. Er soll ruhig versuchen, in der Politik wieder Fuß zu fassen. Mit der überheblichen Attitüde, mit der er das tun wird, wird er für all jene ein abschreckendes Beispiel sein, die ähnlich hochtrabend auf eine Karriere gehofft haben. Und er wird den Deutschen vor Augen führen, was passiert, wenn sie sich von einem wie Guttenberg blenden lassen. Die FDP sackt unter ein Prozent. GroSSartig! Wer mag sich vorstellen, dass die FDP mit ihrer Politik heute genauso viel Zustimmung bekommt wie bei der Bundestagwahl 2009? Niemand? Gut so! Wenn die FDP demnächst die Ein-Prozent-Hürde reißt, wird sich endlich auch ihre Politik dem Bedeutungsverlust anpassen. Also: Einfach mal nix tun. Die einzige Gefahr: Das könnte einige Wähler in Versuchung führen, es der FDP zu danken. Bitte, nein. Das käme postmortalen Wiederbelebungsversuchen gleich. Erkenntnis am Ende des Jahres: Ohne FDP ist alles besser. zeitgeschehen@trafficnewstogo.de


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Zeitgeschehen

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der betreffenden New Yorker Filiale. Der nahm sie in Schutz: „Sie ist noch so jung. Sie weiß gar nicht, dass sich das nicht gehört“, sagt er einer Zeitung und fügte mit der Weisheit des Älteren hinzu: „Wenn ich sie jetzt feuere, wird sie es niemals besser wissen. Wenn ich sie bei mir behalte, kann ich ihr helfen.“

Minority Report

Minority Report III

barkeit gealterten Arbeitsmarktdinosaurier Ü40 fänden in der Selbständigkeit endlich die Freiheit, die sie in ihrer besseren Lebenshälfte vergeblich gesucht haben. Es fällt das Wort Unruhestand. Andere Studien in anderen Artikeln berichten noch viel Zauberhafteres in Sachen Neubeginn: Laut einer Untersuchung des Bundeswirtschaftsministeriums wurde im Jahr 2009 jedes dritte Unternehmen von einem Ausländer gegründet. Und dabei handele es sich nicht um vietnamesische Gemüsestände und türkische Dönerbuden. Nein, nein. Polen, Russen und Rumänen führen die Statistik an. Sie müssen sich selbstständig erklären, um hier für Hungerlöhne auf deutschen Baustellen arbeiten zu dürfen. Vizekanzler Philipp Rösler sprach von „neuem Schwung“ und „guten Zeichen“.

Rösler selbst galt ja auch mal als schwungvoll und gut, obwohl – Achtung, gefährlich – er Schlitzaugen hat. So etwas darf man natürlich nicht sagen, man darf es auch nicht mit den Fingern an den Augen andeuten. Vor allem aber darf man es nicht auf Kassenbons schreiben. Genau das hat eine Teenagerin in New York getan, die bei der Pizzakette Papa John's an der Registrierkasse arbeitete. Als die gebürtige Koreanerin Minhee Cho dort ihre Bestellung mit Kreditkarte bezahlte, sah sie auf der Abrechnung „Lady Chinky Eyes“ stehen. Das twitterte die Journalistin – und löste eine weltweite Sturmflut der Empörung aus. Papa John's entschuldigte sich sofort und veranlasste die Kündigung der Mitarbeiterin. Das schien allen das einzig Richtige – bis auf den Leiter

Vielleicht hat sich das auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer gedacht als sie sich neben den BündnisGrünen auch die FDP als Koalitionspartner erwählte: „Wenn ich mit ihnen regiere, hören sie vielleicht auf von einer Betrugsaffäre in die andere zu schlittern.“ Taten sie aber nicht. Im Gegenteil. Drei Fraktionsvorsitzende der SaarFDP räumten den Stuhl, weil sie sich von Intrigen, Strafanzeigen und Dienstwagen-Affären verfolgt sahen. Kramp-Karrenbauer ließ die Jamaika-Koalition platzen – und verkündete das just in dem Moment, als Philipp Rösler beim Dreikönigstreffen der FDP im Stuttgarter Staatstheater seine Mutmacher-Rede hielt. Im barocken Ambiente stand der Parteivorsitzende Rösler mit feiner bordeauxfarbener Krawatte und stilsicherem Anzug am Rednerpult, entschlossenen die Liberalen aus dem unwirtlichen Tal der hoffnungslosen zwei Prozent zu führen. Aber kann er das überhaupt? Dazu äußerte sich einige Tage zuvor der Altliberale Gerhart Baum. Der fast Achtzigjährige erklärte im Bayrischen Rundfunk, dass die „Boygroup aus Rösler, Lindner und Bahr“ es irgendwie nicht so richtig gebracht habe und „der Neuanfang vom Mai letzten Jahres kein Neuanfang war.“ Um wieder Zauber in die Bude zu bringen, bräuchte es einen Anfang, der von der ganzen Partei getragen wird. Rösler könnte dafür schon der richtige Mann sein. Nächstes Jahr wird er schließlich endlich 40.

irakische Terroristen zu internieren und durch ihre Befragung geheimdienstliche Informationen zu gewinnen. Den Insassen wurden jegliche Rechte als Kriegsgefangene oder ein anders gearteter Rechtsbeistand verweigert, indem sie als so genannte feindliche Kombattanten bezeichnet wurden. Ein Terminus, den das Völkerrecht nicht anerkennt. Im Klartext: Die USA haben mit Guantanamo ein Lager erschaffen, in das sie willkürlich ausländische Gefangene bringen können. Ohne Anklage, ohne Aussicht auf Prozess, ohne Zukunft. Wenn über die Ungerechtigkeit Guantanamos berichtet wird, dann werden vor allem die so genannten Unschuldigen ins Visier genommen. Beispielsweise die Uiguren, eine chinesische Volksgruppe, die in China wegen ihres muslimischen Glaubens verfolgt wurden und deshalb Schutz in Afghanistan suchten. Nach unserem Rechtsverständnis gilt die Unschuldsvermutung, das heißt man ist solange unschuldig, bis man verurteilt ist. Von den 775 Personen, die seit 2002 in das Lager gebracht wurden, haben gerade einmal drei einen Prozess erhalten.

Etwa 2005 wurde bekannt, dass die Insassen zu Verhörzwecken gefoltert wurden. Die Gefangenen durften nicht schlafen, sie wurden in kalten oder offenen Zellen, die eher Käfigen ähnelten gehalten. Die bekannteste Foltermethode war das „Waterboarding“, bei dem der Gefangene glaubt, er müsse ertrinken. Auch die orangefarbenen Anzüge, das endlose Verharren unter einer schwarzen Kapuze gehören hierhin. Mittlerweile sind diese Dinge verboten, Guantanamo gleicht inzwischen eher einem normalen Gefängnis. Es gibt einen Fitnessraum, eine Bücherei und größere Zellen. Doch die eigentliche Folter für die 171 verbliebenen Insassen ist geblieben: Die Unsicherheit, was mit ihnen geschieht. Als Barack Obama Präsident wurde, versprach er den Gefangenen auf Guantanamo eine Zukunft. Innerhalb eines Jahres werde das Lager geschlossen, verkündete er. Das war 2008. Das einzige, das Obama unternommen hat, um sein Versprechen zu halten, war der Versuch die Gefangenen weiterzuvermitteln. Entweder in US-Gefängnisse oder in andere Länder. Für den Transfer der Gefangenen in US-Gefängnisse

verweigerte der Kongress die Mittel. Mit dem Ergebnis, dass für diese Gefangenen die Zeit in Guantanamo zuende ist, doch keiner ihre Reisekosten übernehmen will. Ähnlich ergeht es denjenigen, die kein Land aufnehmen wollte, beispielsweise den 71 Jemeniten. Die werden wahrscheinlich solange in Guantanamo bleiben, bis Jemen seinen Präsidenten Assad losgeworden ist. Obama hat relativ unbeachtet von der Öffentlichkeit am 31.12.2011 ein Gesetz unterschrieben, den National Defense Authorization Act. Dieses Gesetz zementiert Guantanamo anstatt es aufzulösen. Es erlaubt der US-Regierung Terrorverdächtige ohne Gerichtsverfahren festzusetzen, Nicht-US-Bürger, die mutmaßliche Al-Qaida-Kader sind, in Militärgewahrsam zu nehmen und gibt dem US-Militär das Recht Terrorverdächtige innerhalb und außerhalb der USA festzunehmen, zu verhören und ohne zeitliche Beschränkung festzuhalten. Und als wäre ein Guantanamo nicht genug, besagt ein Abschnitt des Gesetzes, dass das US-Militär Gefangenenlager im Ausland errichten darf. Guantanamo ist noch lange nicht vorbei, scheint es.

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Der Januar in drei Akten von Greta Taubert, Leipzig Minority-Report I Dass angeblich jedem Anfang ein Zauber innewohnt, ist ja zu einer weitverbreiteten, würgreiz-verursachenden Binse geworden. Das liegt daran, dass es genügend Studien gibt, die Journalisten dazu veranlassen, über die Zauberhaftigkeit von Neuanfängen zu berichten. Die Zeit entdeckte beispielsweise in einer Studie einer Personalberatungsfirma – die passenderweise Heidricks & Struggles heißt –, dass immer mehr Alte zu Unternehmensgründern werden. Zwei Drittel seien bereits über 40! „Von wegen Heavy Metall“, heißt es im Artikel. „Silber im Haar, Gold in den Zähnen und Blei in den Knochen.“ Die bis zur Unvermittel-

J'accuse von Uta Schwarz Zehn Jahre gibt es das Lager in Guantanamo Bay nun schon. Am 11. Januar 2002 wurden die ersten 20 Gefangenen auf die amerikanische Militärbasis auf Kuba gebracht. Einige von ihnen sind immer noch dort. Amerikanische Bürgerrechtler sagen, einige Insassen werden das Lager nie mehr verlassen, „es sei denn im Sarg“. Doch wo bleibt der Aufschrei? Können wir es uns als Weltgemeinschaft wirklich erlauben, ein solches Lager ein Jahrzehnt und länger einfach so hinzunehmen? Wie es aussieht, bleibt der Aufschrei aus. Und das ist eine Schande für uns alle, denn Guantanamo mag am anderen Ende der Welt liegen, doch was dort vor sich geht, sollte uns allen präsent sein. George W. Bush richtete das Gefängnis ein, um zunächst afghanische, später zunehmend

Minority Report II

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R.S.V.P. Papier in Mitte


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Feuilleton

Durch Dick und Dünn von Dr. Inge Schwenger-Holst, Medizinerin, Unternehmerin und Vorsitzende des Vereins call a doc. Sie werden gebremst, gezählt, gespart und verbrannt. Kalorien scheinen der Staatsfeind Nummer eins zu sein, zumindest in den übergewichtigen Ländern, während weltweit jeder 7. Mensch (ca. 1 Milliarde) nach Kalorien hungert. Der verzweifelte, auf die zum Jahresende angewachsene Speckrollen gerichtete Wohlstandsblick ist hierbei die luxuriöse Variante der überziehenden Essstörung Epidemie. Es ist letztlich dieselbe Medaille mit einer mageren und einer fettleibigen Seite. Fehlernährung, ob durch Sterben der Basisernährung produzierenden Kleinbauern oder die marketinggesteuerte Einbahnstraße weg vom gesunden Lebensmittel in den Großstädten, ist ein Milliardengeschäft. Widmen wir uns aber der ganz persönlichen Kalorie, die sich ungebeten in das Bindegewebe eingeschlichen hat – obwohl sie ja inzwischen Kilojoule heißt! – und die da wieder weg soll. Ein Blick auf die Tisch-Nachbar(in), die bei einer Größe von 1.75m, und 60kg Gewicht sich pausenlos Pasta und Sahnetörtchen einverleibt, danach keinen zweifachen Marathon läuft und sich die Mahlzeiten auch postprandial nicht mit dem Gänsekiel wieder herausholt, lässt an der Richtigkeit der 1-Salatblatt-Diät zweifeln. Kalorie scheint doch nicht Kalorie zu sein. Denn ob ihr Körper daraus Fett bastelt oder ein ausscheidungsreifes Produkt hängt von vielen individuellen Faktoren ab: Geschlecht, Alter, Genetik und vor allem dem Hormon- insbesondere dem Insulinstoffwechsel. Hier hat der französische Manager Michel Montignac einiges Wissenswertes gesagt, auch wenn seine Webseite www.montignac.com/de inzwischen an eine Art „Du darfst” Kaufhaus der besseren Art erinnert. Die Grundlagen seiner Theorie aber sind einleuchtend, leicht nachzuvollziehen und bei der Umsetzung erfolgreich. Natürlich können Sie sich den Kühlschrank mit teuren, schlecht schmeckenden und vor allem Wasser enthaltenden Diätkäsen und –Jogurts füllen oder irgendwelche Pulver, Tabletten oder Kapseln in Hunderterpackungen erstehen und zur neuen Basisernährung küren, während Ihre Aktentasche Kalorientabellen, -rechner und Beichtbüchlein enthält. Bleiben Sie bei sich und einem aus guten Produkten bestehenden wohlschmeckenden Essen. Genießen Sie das Leben und das Jahr 2012! Von den call a doc Ärzten ist die Naturheilpraxis Fahrali/Müller-Eckhardt eine gute Adresse: www.praxis-fahrali-muellereckhardt.de

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Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind in den 30 Jahren seit der Entdeckung des HIV-Virus mehr als 30 Millionen Menschen an AIDS gestorben. An AIDS erkrankt zu sein, heißt heute jedoch in vielen Fällen nicht mehr, ständige Blutinfusionen, Chemotherapie oder künstliche Ernährung über sich ergehen zu lassen, sondern dank hochentwickelter Medikamente und erfahrener Ärzte ein halbwegs normales Leben zu führen – soweit das Umfeld mitspielt. Kurz nach Jahresanfang unterhielt sich unsere Kolumnistin Inge Schwenger-Holst im Soho House mit Heiko Jessen, Kathrin Hahn und Mustafa Porsch-Özçürümez – drei erfahrenen Diagnostikern, Forscher und Therapeuten – über die Krankheit und was sie für die Betroffenen bedeutet.

Was bedeutet es, heute HIV-Infiziert zu sein? Bei der Therapie bekommt ein HIV-negativer Mensch eine Tablette, die ihn schützen kann oder wenn es zu einem Unfall gekommen ist, eine Ansteckung verhindern kann.

Dr. Schwenger-Holst: Mit der Kampagne „Gib Aids keine Chance” wurde die Glanzzeit des Kondoms in Deutschland eingeläutet. Nicht nur als Möglichkeit der Empfängnisverhütung sondern vor allem als gegenwärtiges Instrument um eine HIV Infektion zu verhindern. Gibt es denn inzwischen Alternativen zu Kondomen?

Dr. Heiko Jessen: Wir haben 30 Jahre Kondom Propaganda hinter uns, aber es gibt Männer die damit einfach nicht zu Recht kommen. Da hilft keine Moral sondern man muss das als Realität anerkennen und sich, grade für die Zukunft überlegen, wie wir Prävention betreiben? Dazu gibt es viel versprechende Studien, man kann Infizierte gut behandeln um nicht Infizierte zu schützen. Dr. Schwenger-Holst: Es gibt ja auch die Möglichkeit sich auf HIV testen zu lassen, um einen möglichen neuen Partner Sicherheit zu schenken. Wie sieht es da bei neuen Erkenntnissen aus? Dr. Mustafa Porsch Özçürümez: Wir haben, leider viel zu selten, aber doch zum Teil in regelmäßigen Abständen bestimmte Personen, die bei jedem Partnerwechsel einen HIV Test durchführen lassen. Der Fachausdruck dafür ist sero-sorting und ich denke, dass dies im

Kontext mit allen anderen Möglichkeiten, sicherlich noch weiter dazu beitragen könnte ein Infektionsrisiko zu minimieren. Es ist sehr bedauerlich, dass unser Gesundheitssystem HIV Tests zum Teil nur im Rahmen von individuellen Gesundheitsleistungen ermöglicht. Die Folgekosten nach einer HIV Infektion stehen in keiner Relation zu dem was man investiert, wenn man HIV Tests, unabhängig von einer Indikation eines Arztes, verfügbar macht. HIV Tests sollten bezahlbar und jederzeit verfügbar sein. Grade in solchen Situation wo es einen präventiven Charakter hat und als Kassenleistung anerkannt werden kann. Dr. Schwenger-Holst: Ich erinnere mich an die erste Welle AIDS Panik in den 80er Jahren. Inzwischen gibt es recht gute Behandlungsmöglichkeiten. AIDS ist zu einer chronischen aber nicht mehr unbedingt tödlichen Erkrankung geworden. Man hört heutzutage von einer allgemeinen Nachlässigkeit im Umfang mit Safe Sex, ist das so? Und was bedeutet es, sich heute mit HIV zu infizieren im Vergleich zu den Menschen die Anfang bis Mitte der 80er Jahre erkrankt sind? Dr. Heiko Jessen: Es ist richtig, dass sich immer noch Menschen anstecken, auch junge Men-

schen, aber die neusten Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen das die Ansteckungsrate doch leicht zurück geht. Sich heute anzustecken, bedeutet kein sicheres Todesurteil mehr, sondern eine chronische aber behandelbare Krankheit, zumindest hier in den reichen Ländern. Jedoch sterben immer noch ein Großteil aller HIV Betroffenen, weltweit betrachtet, weil sie keine Behandlungsmöglichkeiten haben. Wichtig ist aber auch, dass Kampagnen mit Kondompropaganda, so wichtig sie war, so wichtig wie sie auch immer noch ist, ein bisschen an der Realität vorbei gehen. Es gibt einfach zu viele Männer die, egal ob heterosexuelle oder homosexuell, mit Kondomen nicht gut umgehen können. Darauf müssen sich die Aufklärungsinstitutionen einstellen. Eine aktuelle Studie hat rausgefunden das eine anti-retro-virale Therapie, auch präexpositionsprophylaxe genannt, statistisch besser als ein Kondom schützen kann. Bei der Therapie bekommt ein HIV-negativer Mensch eine Tablette, die ihn schützen kann oder wenn es zu einem Unfall gekommen ist, eine Ansteckung verhindern kann. Ich denke, wir werden uns damit in der Zukunft sehr viel beschäftigen. Das Ergebnis wird in der Regel nicht nur taggleich sondern innerhalb einer Stunde dem Patienten mitgeteilt.


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Feuilleton

verursacht dort Störungen. Was für Symptome kennt man aus diesem Formkreis und was können die Patienten tun?

Dr. Heiko Jessen: Es ist ganz wichtig, einen Patienten oder Betroffenen darauf hinzuweisen was die Grenzen der Diagnostik sind. Direkt im Anschluss an einen Unfall dieser Art ist es natürlich primär sinnvoll eine Basisdiagnostik zu machen, aber man muss eben ganz deutlich darüber aufklären, dass ein negatives Ergebnis in diesem Fall keine Entwarnung bedeutet und das dieser Patient in kompetente Hände weitervermittelt wird. Die Aufklärung ist in diesen Fällen das Entscheidende. Die Diagnostik ist auf sehr hohem Standard aber selbst mit den modernen Methoden ist es unter Umständen sehr wahrscheinlich, dass sie am Morgen danach noch kein positives Ergebnis bekommen. Dr. Mustafa Porsch Özçürümez: Wir gehen davon aus, dass das Angehen einer Infektion 72 Stunden dauert, dass ist das Zeitfenster um eine so genannte postexpositionsprophylaxe durchzuführen, die „Pille danach”. Die ganze Aktion dauert leider vier Wochen und ist sehr teuer, wird aber von den Krankenkassen übernommen. Dann können Sie sich fast sicher sein, dass Sie sich nicht angesteckt haben. Ein Kontrolltest wird dann vier Wochen nach Abschluss durchgeführt. Dr. Schwenger-Holst: Herr Jessen, wie groß ist heutzutage das Risiko für heterosexuelle Jugendliche sich mit AIDS zu infizieren im Verhältnis zu Homosexuellen oder Frauen deren Männer ins Bordell gehen? Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zielt mit ihrer Kampagne Liebesorte ja nicht grade auf Risikogruppen, z.b. Homosexuelle oder Freier. Wie hoch ist das Risiko sich bei einer Bluttransfusion anzustecken?

© Jeremy Brooks

Dr. Schwenger-Holst: Herr Özçürümez, Sie leiten ein großes Labor und haben sich unter anderem ja auch mit der Labordiagnostik von AIDS / HIV beschäftigt. Wenn dieses Interview veröffentlicht wird, ist in Berlin gerade die Fashion Week. Angenommen nach einer Party kommt es eben zu einem von Herrn Jessen angesprochenen „Unfall”. Sprich: irgendwie hat das mit dem Safer Sex in der Nacht nicht so geklappt und am anderen Morgen kommt die böse Erkenntnis. Was können Sie diesen Leuten raten? Dr. Mustafa Porsch Özçürümez: In Berlin existiert sicherlich eine besondere Situation die grade solche Fragestellung fast schon zur Routine werden lässt. In unserem Labor haben wir versucht, dem dadurch gerecht zu werden, dass wir trotz unserer Größe ein Höchstmaß an Flexibilität in der Betreuung und im Anbieten von „Dienstleistungen” vorhalten. In der Labormedizin ist grundsätzlich sehr wichtig, dass eine enge Beziehung zwischen Diagnostik und dem Kliniker besteht. Es ist ganz sicherlich nur der zweitbeste Weg einen Patienten in dieser Situation nur auf das Labor zu beschränken. Es gehört immer die Kooperation mit einem Kliniker dazu. In Berlin haben wir die gute Situation, dass es Praxen gibt die rund um die Uhr für solche Patienten da sind. Das heißt in dieser konkreten Situation hätte ein Betroffener zum einen natürlich die Möglichkeit in unserem Labor direkt eine Blutentnahme durchführen zu lassen. Das Ergebnis wird in der Regel nicht nur taggleich sondern innerhalb einer Stunde dem Patienten mitgeteilt und es erfolgt ein Beratungsgespräch im Anschluss. Damit ist es aber nicht getan, denn wie allgemein bekannt ist, ist der einmalige negative Nachweis einer HIV Infektion ja nicht das Entscheidende. Hier ist die Nachbetreuung grade das Wichtige. Das betrifft den Fall eines negativen Ergebnisses, als auch einen vermeintlichen positiven, welches natürlich weiter bestätigt werden muss.

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Patienten, die HIV-positiv sind, bekommen eine Impfung die das eigene Immunsystem stimuliert gegen dieses Virus im Körper anzugehen. Das könnte man quasi eine funktionelle Heilung nennen. Dr. Heiko Jessen: Bluttransfusionen sind in Deutschland inzwischen sehr sicher weil der Virus Direktnachweis durchgeführt wird, womit man feststellen kann ob das Blutvolumen infiziert ist oder nicht. Natürlich gibt es ein ganz geringes Restrisiko, aber sicherer geht es im Moment nicht. Die Drogengebraucher/ innen in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut aufgeklärt, die Infektionsrate ist drastisch abgesunken. Die Hauptrisikogruppen sind die so genannten MSM (Männer die Sex mit Männern haben). Ihre Frage ist sehr gut weil genau diese Zielgruppe, die ja die Hauptrisiko Gruppe bei uns ist, nicht ausreichend von den Institutionen der Bundeszentrale berücksichtigt wird. Ich vermute, dass die Infektionswahrscheinlichkeit in dieser Gruppe ca. 10 bis 100 mal größer ist als in der „Normalbevölkerung”. Sodass man unbedingt gezieltere Aufklärungsangebote und Aktionen machen sollte.

Dr. Kathrin Hahn: HIV Patienten werden aufgrund der antiviralen Therapie immer älter, das heißt wir haben es zunehmend mit einer chronischen Erkrankung zu tun und damit natürlich auch mit den Komplikationen die damit assoziiert sind. Aus neurologischer Sicht sind es im wesentlichen zwei Schwerpunkte, das ist zum einen die HIV assoziierte Polyneuropathie, also eine Schädigung der peripheren Nerven direkt durch das HIV Virus. Eine Sonderform dieser Neuropathie ist die von Ihnen angesprochene small-fibre Neuropathie, bei der nur die ganz dünnen Nervenfasern betroffen sind. Genau diese Nervenfasern sorgen für die Schmerz- und Temperaturempfindung, das heißt Patienten die an einer solchen Neuropathie leiden, ca. 50% der Patienten, klagen über ausgeprägte Schmerzen welche zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und vor allem sekundär auch zur Schlafstörung führen kann.

Dr. Schwenger-Holst: Frau Hahn, Sie forschen über so genannte small-fibre Neuropathien und haben dazu auch eine spezielle Sprechstunde. Was ist Ihrer Meinung nach im Augenblick wichtig, wenn es um diese neurologischen Symptome bei AIDS erkrankten Menschen geht?

Patienten stehen häufig im Berufsleben und bemerken dass das so genannte Multitasking ihnen deutlich schwerer fällt. Dr. Schwenger-Holst: Der HIV Virus macht sich in Richtung Nervenzellen auf den Weg und

Dr. Kathrin Hahn: Der HIV Virus tritt relativ kurz nach der Primärinfektion in das so genannte zentrale Kompartiment, das Gehirn. Es benutzt dazu so genannte Fresszellen, Makrophagen, um die andere Seite – nämlich das Gehirn – zu erreichen und infiziert dort verschiedene Zellen neben den Makrophagen, das sind die so genannten Microglia, die Stützzellen. Diese ständige Produktion von Viruspartikeln führt zu Entzündungsprozessen im Gehirn, die wir noch nicht ganzen verstehen. Zahlreiche Studien fokussieren derzeitig darauf die Mechanismen besser kennenzulernen. Früher haben Patienten das Vollbild einer so genannten HIV Demenz entwickelt. Sie litten an schwersten Einschränkungen der Konzentration, Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses so wie Störungen der Motorik. Sie konnten nicht mehr gut laufen, hatten ausgeprägte Gangunsicherheit und Störungen der koordinativen Fähigkeiten. Dieses Vollbild sehen wir Dank der guten Behandlung mit der antiviralen Therapie heute deutlich seltener. Was wir aber immer noch relativ häufig sehen, wo die HAART (hochaktive antivirale Therapie) nicht zu einem kompletten Auslöschen geführt hat, sind Patienten die über leichte kognitive Störung klagen. Die können sehr diffiziler Art sein. Patienten stehen häufig im Berufsleben und bemerken dass das so genannte Multitasking ihnen deutlich schwerer fällt. Was begleitend häufig hinzukommt sind depressive Verstimmungen, die tatsächlich zahlreiche Ursachen haben aber durchaus Ausdruck einer Mitbeteiligung des Gehirns durch HIV sein können. Als Neurologen ist es uns wichtig, dass man diese Form der Störung auch in einem sehr frühem Stadium erfasst, weil es mit einer geeigneten antiviralen Therapie möglich ist einen Teil der Beschwerden rückgängig zu machen oder zumindest auf einem stabilen Niveau zu halten. Dr. Schwenger-Holst: AIDS gilt im Moment nicht wirklich als geheilt, obwohl der Traum der Impfung stark ist. Es ging vor 2-3 Jahren ein Patient durch die Medien, der angeblich geheilt worden ist. Wie sieht es aber bei den üblichen Patienten aus, die Krankheit im Alltag zu managen? Dr. Heiko Jessen: Es gibt vielleicht so etwas wie eine funktionelle Heilung, dazu gibt es zwei Patienten. Der Erste kommt aus unserer Praxis. Der Zweite wurde in der Charité betreut. Dieser hatte, weil er unglücklicherweise noch eine Leukämie entwickelt hat, eine Kochenmarktransplantation bekommen, dessen Stammzellen resistent gegen HIV waren und es scheint bislang funktioniert zu haben. Ansonsten gibt es Impfungen, die allerdings nicht das Anstecken verhindern, sondern therapeutische Impfungen sind. Patienten, die HIV-positiv sind, bekommen eine Impfung die das eigene Immunsystem stimuliert gegen dieses Virus im Körper anzugehen. Das könnte man quasi eine funktionelle Heilung nennen. Soweit sind wir noch nicht ganz, aber es gibt gute Ansätze. Diese Patienten müssten dann auch nicht mehr dauerhaft Tabletten nehmen. HIV Patienten heute zu behandeln, heißt eben nicht mehr, bis auf die schwerstkranken Patienten, ständige Blutinfusionen, Chemotherapie oder künstlicher Ernährung sondern sie bekommen hochdifferenzierte antiretrovirale Therapie verschrieben. Dr. Heiko Jessen betreut seit zwanzig Jahren HIVPatienten in seiner Praxis Berlin-Schöneberg. Dr. Kathrin Hahn forscht an der Charité über small-fibre Neuropathien. PD Dr.med. Mustafa Kemal Porsch-Özçürümez ist Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Ärztlicher Leiter des Berliner Bioscientia Instituts für Medizinische Diagnostik.


Sport

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Douz and Don’ts Finde die Liebe in den Fußspuren der Kamele

von Conor Creighton Übersetzt aus dem Englischen (S.31) von Lilian-Astrid Geese Letztlich geht es immer um Liebe. Bei Allem. Egal ob es Kunst, Sport, Politik oder Shoppen ist. Vielleicht musst Du etwas tiefer graben. Tue es, und Du wirst feststellen, dass vom Anbeginn der Welt die Dinge geschehen, weil jemand dort draußen nach Liebe sucht. Frag die Kamele. Jeden Winter, meist Ende Dezember, versammeln sich Nomaden aus ganz Nordafrika an einem kleinen tunesischen Außenposten namens Douz. Nach langen Tagen der Reise treffen sie aus weit entfernten Orten dort ein. Sie kommen aus Marokko an der Westküste und aus Somalia im Osten. Hoch auf ihren Kamelen tronend folgen sie den Pfaden durch Gebüsch und Wüstensand. Pfade, auf denen ihre Familien bereits zogen, als Ishmael noch in den Windeln lag, um das jährliche Kamelfestival nicht zu verpassen. Das Highlight des Festivals von Douz sind die Kamelrennen. Auf einer Piste im Zentralstadion

Früher setzte man gern Kinder als Jockeys ein. Sie sind leichter und überdies machen sie dann keine Dummheiten. jagen sich nomadische Reiter, um schneller zu sein als ihre Konkurrenten. Gänsehaut! Kamele, die gern als Wüstenschiffe bezeichnet werden, können sich schnell wie Rennwagen bewegen. Lass die Peitsche knallen, press die Hacken in die Flanken deines hässlichen Pferdes und Du erreichst Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 65km/h. Männer lassen bei diesen Rennen ihr Leben. Kamele auch. Kamelrennen sind wie Pferderennen, doch ohne Hindernis und Helm. Früher setzte man gern Kinder als Jockeys ein. Sie sind leichter und überdies machen sie dann keine Dummheiten. Heute geht das nicht mehr, es ist gesetzlich verboten. Vermutlich machen die Kinder jetzt wieder Dummheiten. Hier beim Kamelfestival sind es jedoch immer schon erwachsene Männer

gewesen, die um die Wette ritten. Männer, denen es vor allem um Eines geht: Sie wollen gesehen werden. Zwar gibt es (bares) Geld zu gewinnen. Aber wie Sie und ich, und die Beatles, wissen: „Money can’t buy you love“. Insofern kommen die Nomaden vielleicht wegen der Kamelrennen nach Douz. Doch sie bleiben wegen der Frauen. Denn das Kamelfestival ist auch eine wichtige Partnerbörse. Die ganze Nacht lang bieten Bälle, Lesungen und Volksküchen den verwegenen Jockeys die Chance, ihren Charme bei den Mädchen und Frauen vor Ort spielen zu lassen. Das ist wichtig. Denn die nomadischen Reiter mit ihrer gegerbten Haut finden eher einen Quadratmeter Schatten in der Wüste als eine Partnerin. Es ist doch so: Single sein, wenn man lieber zu

zweit wäre, ist Asche. Aber als Städter-in gehst Du einfach vor die Tür, und schon triffst Du Hunderte potenzieller Partner-innen. Falls es regnerisch und grau ist, kannst Du auch online unterwegs sein. Drei Klicks und eine Suche „Auf gut Glück“ später landest Du bei jemandem, die/der nicht nur fotogen ist, sondern die gleichen Interessen hat wie Du. Nomaden haben kein Internet. Und auch keine Tür, vor die sie gehen könnten. Sie haben nur diesen einzigartigen Sport, der ihnen einmal im Jahr die Möglichkeit gibt, Frauen zu treffen. Das ist Druck. Stell Dir vor, Du wärst Nomade. Stell Dir vor, wie es wäre, wenn Du den Rest Deines Lebens mit der Person verbringen müsstest, die Du auf einem Festival abgeschleppt hast. Katastrophe! Zum Glück – für die Zukunft der Familien in der Sahara und den Kamelsport im Allgemeinen – trinken Nomaden keinen Alkohol. Insofern küssen sie am Ende nur selten jemanden, den sie lieber nicht geküsst hätten. sport@trafficnewstogo.de


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Das Wetter

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das wetter wetter@trafficnewstogo.de

von Sabine Weier, Bremen

New York

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Wirbelwind 48° 512' N, 2° 212' O

Leichte Brise 40° 43' N, 74° 0' W40

Wer sich ein Sofa auf den Bauch tätowieren lässt, ist nicht normal. Und das ist auch gut so. Wäre Marc Jacobs ein gewöhnlicher Kreativer, würde er als New Yorker nicht Paris aufmischen, Louis Vuitton zu Höhenflügen im Prêtà-Porter-Universum verhelfen, nebenbei sein eigenes Label regieren und könnte Dior keinen Korb geben. Er war nämlich Wunschnachfolger von Ex-Creative Director John Galliano. Seine enorme kreative Energie offenbart sich in hinreißenden Kollektionen, aber auch in der Kommunikation dafür. Marc Jacobs-Kampagnen fallen im glattpolierten Hochglanzeinheitsbrei auf, etwa wenn mal wieder Jürgen Teller im Spiel war, der die Modewelt mit seinen Fotografien ästhetisch gegen den Strich bürstet. Er lichtete übrigens auch schon Vivienne Westwood ab – nackt und mit gespreizten Beinen auf einem urig gepolsterten Sofa.

Manche Kleidungsstücke kommen nie aus der Mode, im Grunde völlig paradox, in einer derart von Flüchtigkeit geprägten Sphäre. Diane von Fürstenbergs Wickelkleid ist ein solcher Fall. 1972 brachte sie ihr „Wrapdress“ auf den Markt, wo es heute noch reißenden Absatz findet und in immer neuen Farb- und Mustervariationen aufgelegt wird. Das Stück stand einst für ein neues feminines Selbstbewusstsein, heute steht es vor allem für Retro Chique, denn die extrovertierten Prints retten die visuelle Experimentierfreude der 1970er Jahre in die Gegenwart und sind längst ebenfalls zum Markenzeichen der Mode-Diva geworden. Natürlich reicht ihr Repertoire weit über das Wickelkleid hinaus. Im kommenden Sommer umspielen auch lässige Blusen, schlichte Bermuda-Shorts und strenge Blazer die weiblichen Formen.

London

Mailand

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Aufwind 51° 31´ N, 0° 05´ W

Kräftige Böen 45° 28´, N 9° 12´ O

Anzug ist Anzug? Nicht bei Ozwald Boateng. In seinen Kollektionen verschmelzen traditionelle britische Schneider-Kunst und waghalsig progressives Design. Das zugrundeliegende ästhetische Konzept gießt der 44-Jährige auch in Kurzfilme, mit denen er unter anderem seine Schauen einleitet. Warum auch mit einer Disziplin begnügen? Derzeit revolutioniert Boateng die Männermode von seinem Flagship-Store in der Savile Row aus. Die Straße im Zentrum Londons ist für ihre legendären Herrenausstatter berühmt. Maß nimmt die Zunft dort nah „BespokeArt“, das heißt, jedes Stück wird mit dem Kunden individuell besprochen. Das erledigt allerdings Boatengs Team, er selbst hat nämlich zu tun: In den kommenden Jahren will er mit seinem Stil die Welt erobern und bis zu 100 neue Stores eröffnen.

Missonis mögen es wild. Das 1953 vom Ehepaar Ottavio und Rosita Missoni gegründete Label steht für einen gnadenlosen Material-, Farb- und Mustermix – radikale Stiltreue lohnt sich offensichtlich, genauso wie der richtige Riecher fürs Geschäft. Das Imperium geht regelmäßig lukrative Kooperation ein, etwa mit Italiens beliebtestem Sprudelwasser San Pellegrino oder dem Kultschuh-Hersteller Converse. Der aktuelle Coup sind Missoni-Hotels in Schottland und Kuweit, weitere öffnen in nächster Zeit im Oman, in Brasilien, in der Türkei und auf Mauritius. Bunt gemusterte Sofas, Sonnenschirme und andere Textilien tauchen die Räume in Missoni-Flair, ein echtes ästhetisches Statement in einer Ära der sauber reduzierten Interieurs. Da lohnt sich der Handtuch-Klau.

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Paris

© Sharsidd Zenfolio

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Chapter XIII

Photographers Sonja Gutschera & Leif Henrik Osthoff www.gutschera-osthoff.com Assistent Hee-Seong Han Stylist Sarah Elbo Stylistassistent Susan Bähr Hair & Make Up Diana Galante @ close up agency Make Up von Chanel www.closeup-agency.de Assistent Katrin Vucak Models Ulrike Theusner, Karolin Wolter @ m4 models

Play

ground Kleid Kaviar Gauche Ketten Stylist‘s own


Hut Stylist’s own Oberteil mit Lederschultern Augustin Teboul

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Die Maison Martin Margiela ist gerahmt durch ein sehr starkes Gerüst aus avantgardistischen Regeln, die sie selbst erschaffen hat. Wie wirkt sich die Geschichte des Hauses auf die tägliche Arbeit aus? Die Arbeit und die Geschichte der Maison Martin Margiela war und ist weiterhin eine Quelle der Inspiration und ein wichtiger Rahmen für die aktuelle Arbeit. Der Wunsch ein Kleidungsstück zu reinterpretieren, zu transformieren und dabei die herkömmlichen Regeln der Mode zu durchbrechen, ist und bleibt die DNA des Hauses. Die von Ihnen angesprochenen „Regeln“ und Werte ermöglichen uns aber erst die Priorität, ein ansprechendes und tragbares Produkt zu entwerfen. Ein Grund, warum die Maison auch nach dem Weggang von Martin Margiela nicht als Designer, sondern als gesichtsloses Team agieren, ist, dass das Produkt der Star ist, und nicht die Vision eines einzigen Mannes oder einer Frau, die als Designer daran arbeitet. Fast jeder andere Designer sagt von sich, dass er Schönheit erschaffen möchte. Wenn ich an MMM denke, scheint es mehr um Konzepte zu gehen und darum, die Welt in Form von Kleidern zu befragen. Wie würde die Maison ihre Ambition beschreiben? Ist nicht jeder Stein der Avantgarde bereits zwei Mal umgedreht? Es gerät für die Maison niemals aus der Mode, sich Gedanken zu machen und zu erregen, wie man eventuell einen anderen Weg findet, Kleider und Accessoires zu tragen. Am Ende geht es aber schlichtweg darum, ein Produkt zu entwerfen, das durch seine innewohnenden Qualitäten Bedeutung erlangt und nicht dadurch was es repräsentiert. Was bedeutet Schönheit für die Maison Martin Margiela? Schönheit bedeutet, sich gut zu fühlen. MMM ist mit seinen 23 verschiedenen Kollektionen nicht nur um Mode und Accessoires bemüht, sondern steht auch für Interior Design, die Artisanal Kollektion ist zwischen Haute Couture und Kunst gelegen und viele Dinge werden vor allem aus dem Archiv erschlossen. Was ist die verbindende Sprache des Hauses? Die wesentliche Verbindung ist wohl eine bestimmte Form des Humors. Mit dem Interior Design verfolgen wir das Ziel, das richtige Umfeld und eine gute Atmosphäre, etwa Showrooms und Shops betreffend, für die Maison-Kollektionen zu schaffen. Auch wenn wir es in andere Felder erweitern, den Anlass und Abdruck gibt immer das Produkt bzw. die Kollektion. Was sind die ungewöhnlichsten Dinge, die gerade im Studio der Maison Martin Margiela stehen? Ein softes, komfortables Federbett, das in einen sehr tragbaren und warmen Pea Coat verwandelt wurde.

MAISON MARTIN MARGIELA „Es gerät niemals aus der Mode, sich Gedanken zu machen“ Interview von Timo Feldhaus Maison Martin Margiela, das von dem belgischen Modedesigner 1988 in Paris gegründete Unternehmen für Damen- und Herren-Mode, ist seit 2002 im Besitz der italienischen DIESEL-Gruppe, und wird seit Ende 2009 ohne Margiela geführt. Margiela war Modernist und Dekonstruktivist: Bereits existente, recycelte Kleidungsstücke werden auseinander genommen und neu zusammen gesetzt, die Nähte nach außen gewendet. Als er in den späten acht-

ziger Jahren damit begann, galt seine Vorgehensweise als spektakulär: MMM macht sichtbar, was in der Mode bisher verborgen geblieben war – ihr Konstruktionscharakter. Auch nach dem Weggang der großen aber nie öffentlich auftretenden Mode Persönlichkeit Martin Margiela macht das Team auf seinen Spuren weiter. Im E-Mail-Interview kommuniziert man nicht mit einer einzigen Person, sondern mit dem Team, sodass alle Fragen zu persönlichen Präferenzen oder individuellen Inspiration direkt weg fallen.

Die Präsentation der SS 2012 Frauenkollektion war besonders durch den Einsatz von Teppichen geprägt, auf denen die Models liefen und in denen sie auch scheinbar umherliefen. Zumindest hatte es den Anschein, als wären einige Kleidungsstücke aus indischen Orient-Teppichen hergestellt. Können Sie dazu etwas sagen? Ein wichtiger Bezugspunkt der Kollektion war Spontaneität ... die Frau schnappt sich einfach, was sie gerade in ihrer Umgebung findet und macht es zu ihrem Dress - auf eine ganz direkt Art und Weise. Die Mode der Maison Martin Margiela wird gerne als intellektuell bezeichnet. Was kann das eigentlich bedeuten, intellektuelle Mode? Mode kann gleichzeitig eine visuelle sowie konzeptreiche Identität haben, jedenfalls zielt die Maison gerade darauf hin solche Objekte zu kreieren. Und wenn am Ende etwas ikonoklastisches und neues dabei herauskommt, macht das noch mehr Sinn für uns. Allerdings wird das Erforschen und die Dekonstruktion und Rekonstruktion der Mode auf der anderen Seite nie nur um seiner selbst Willen produziert, sondern um schöne Kleidungsstücke herzustellen.


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The Fundamental Scent Unterholz ’82 The functionality and essentials of designing a natural galbanum fragrance combined with the sensational scent of an autumn bonfire conjures up reverence of suburban childlike memories. Berlin based scent designer Dilia Baille and architect-designers Stephen Molloy and Gunnar Rönsch introduced this new invigorating yet subtle rudimentary scent for interior and exterior purposes. Available at Soto,Torstraße 72, 10119 Berlin 200ml, Burn time: 40 hrs. www.thefundamentalshop.bigcartel.com Vladimit Kareleev © Petrov Ahner

Shusta Tenaciously the two Stuttgart gentlemen maintained their positions as experts of taste by curating a fine array of Italian, German, Danish and South American designers since 2009. From men’s to women’s shoes, there’s something there for everyone. Falke’s casual men’s suits and their new collection of leather bags will replenish their racks along with casual women’s wear. Shusta Store Rosenthaler Straße 72, 10119 Berlin. www.shusta.de

Johanna Kühl & Alexandra Fischer-Roehler von Kaviar Gauche

Interviews von Timo Feldhaus

The Invisible Shoe Graduated in 2010, Brazilian born shoe innovator Andreia Chaves constructed a laser-cut- mirroredfaçade-shoe that is non perceptible to the eye. Seemingly, the sole function of the reflective finish is to geometrize a deceptive optical effect to apperceive the weight of the body. Although invisible as your foundation, your appearance becomes stronger. www.andreiachaves.com

To-Go Boutique

Kaviar Gauche

Vladimir Karaleev

Sie haben gerade eine Vintage Boutique auf der Berliner Brunnenstraße eröffnet, was hat es damit auf sich? Dort werden Show-Pieces, Unikate und Highlights aus älteren Kollektionen verkauft.

Ihre Mode wird gerne als intellektuell bezeichnet. Was bedeutet das eigentlich, intellektuelle Mode? Ich finde Intellektualität hat nichts mit der Tätigkeit eines Gestaltenden zu tun. Der Begriff wird zumeist synonym mit „konzeptuell“ verwendet, jedoch arbeitet jeder, der eine Modekollektion entwirft zwingend bis zu einem gewissen Grad konzeptuell. Was meiner Mode allerdings nachgesagt werden kann, ist, dass ich in ihr kontinuierlich bestimmte gestalterische Prinzipien gedanklich und handwerklich verfolge und weiterzuentwickeln versuche und dass ich mit ihrer Hilfe mein Verständnis von textiler Ästhetik transportiere.

Wenn man Berlin zu anderen Städten vergleicht, was findet man hier was man vielleicht sonst nirgends wo anders findet? Nach wie vor ein hohes Mass an Experimentierfreudigkeit aus Vintage und High Fashion. Welches Kleidungsstück hat Ihr Leben verändert? Kann ein Kleidungsstück das überhaupt? Ein Seiden-Kleid zu tragen, nichts im Leben fühlt sich leichter an. „Gauche Kaviar" nannte man einst den französischen JetSet, der mit der 68er-Revolution kokettierte. Sie nennen sich nun genau anders herum. Wieso eigentlich? Wir verstehen unter Kaviar Gauche ganz simpel und einfach, modernen Luxus.

Welches Kleidungsstück hat Ihr Leben verändert? Kann ein Kleidungsstück das überhaupt? Jedes Kleidungsstück trägt seine eigene Geschichte. Und ja, ich finde Kleidungsstücke können das Leben verändern: Sie machen den Träger glücklicher, das ist doch eine starke Veränderung des Gemützustandes. Oder traurig, etwa wenn man sie sich nicht leisten kann; oder sogar neidisch ist. Mich machen sie glücklicher.


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DIE MENSCHEN, DIE ICH WAR von Dahlia Schweitzer, Los Angeles Übersetzt aus dem Englischen (S.31) von Lilian-Astrid Geese Ich bin gerade 35 geworden. Und neben der Krise des Älterwerdens erlebe ich im Geiste noch einmal die letzten zwanzig Jahre meines Lebens – als eine Art Facelifting eines Fernsehfilms im Nachtprogramm. Allein der Versuch, all die Menschen zu erinnern, die ich war. Verschwommene Gesichter im Nebel der Vergangenheit. Wer war dieses Mädchen an der Junior High School, mit den neonorangen Leggings? Wer war diese düstere Gestalt mit schwarzem Lippenstift und Kampfstiefeln? Und die wichtigste Frage von allen: Wer bin ich heute? Meine Zeit an der Junior High: Jahre, in denen ich unbedingt die Klamotten haben wollte, die andere Mädchen trugen. Labels, nicht die Kleidung selbst, bestimmten gesellschaftlichen Status. Also wollte ich eine Swatch. Und ein Benetton Top. Denn dies waren die Tickets, mit denen ich Zugang zur Welt bekam, in der diejenigen lebten, mit denen ich leben wollte. Ich weiß noch wie es sich anfühlte, als ich mein erstes Benetton Shirt kaufte. Wie ich dachte, dass ich jetzt zum Club gehöre. Endlich! Vielleicht saß ich beim Mittagessen nicht am gleichen Tisch wie die cool Kids, aber wenigstens trugen wir die gleiche Marke. Mit dem College kamen neue Labels – und andere cool Kids. Jetzt stand ich auf Bauhaus, Siouxsie und The Cure. Ich versuchte nicht länger, mich den Mädels in meinem Umfeld anzupassen. Ich begann zu akzeptieren, dass ich irgendwie anders war. Mein Clubausweis war nicht länger das Logo vorn auf meinem T-Shirt sondern die Plastikhüllen um meine ständig wachsende Plattensammlung. Ich gehörte jetzt einem anderen Club an: Er hieß Roxy, und mittwochabends war Goth Night. Ich kaufte Secondhand und in Army Stores. Außer einem Paar abgetragenen Boots besaß ich keine Schuhe. Ich trug schwarz. Und grau. Schwarze Samtjacken und schwarze Samtröcke und T-Shirts von verschiedenen Konzerten. Meine Lieblingsbands trug ich stolz auf der Brust. (Irgendwann während meiner High-School-Zeit kaufte mir meine Mutter einen hellgelben Pulli. Es war vermutlich ein no-

bler Versuch, ihre Tochter in Richtung einer etwas bunteren, fröhlicheren Mode zu schubsen. Geklappt hat es nicht. Ich färbte den Pulli grau und arbeitete mich weiter vor, hin zu mehr Joy Division und KMFDM.) Mein zweites Jahr am College in Zusammenfassung: kahlköpfig, dann pink als meine Haare wieder wuchsen, Baggy-Army-CargoShorts eines Freundes, die ich als Dauerleihgabe behielt. Ein weißes Tank-Top und immer noch die gleichen alten Stiefel. Fugazi, Riot Grrl, Bikini Kill und Team Dresch waren meine Marken, Warsaw in der Version von Joy Division meine Musik. Manchmal trug ich ein Hundehalsband. Manchmal auch zwei. Ich spürte das richtige Maß an Wut und Attitüde. Ich war die perfekte Verdrossenheit in Person. Ich begann, meine Haare zu bleichen. Die folgenden College-Jahre waren ein Mix aus diesem und jenem. Jeden Monat hatte ich eine andere Haarfarbe, was ich in einer Serie von Polaroids sorgfältig dokumentierte. Meine Kunstprojekt hieß Identität. Mit jeder neuen Kollektion von Accessoires oder einem anderen Modelabel wurde ich zu einer anderen Person. Ich war begeistert. Marken bestimmten mich nicht länger, aber ich probierte sie gerne an, um zu wissen, ob sie passten. Ich würde es irgendwann herausfinden, dachte ich. Im dritten Jahr am College gab es für mich weder Kohärenz noch Konsistenz. Mal trug ich Stay-ups und Hundehalsbänder, dann war ich Lesbe mit Cargo Shorts, dann wieder poppermäßig aufgebrezelt. Und nichts davon fühlte sich falsch an. Ich fühlte mich echt und real, und gleichzeitig war ich mir ganz und gar fremd. Vielleicht wusste ich nicht, wer ich war. Zumindest jedoch hatte ich aufgehört, anderen zu imitieren oder sie einholen zu wollen. Ich verließ das College und zog nach New York. Was nicht unbedingt mehr Gleichgewicht in mein Leben brachte. Business Outfit tagsüber: Ich arbeitete in einem Unternehmen. Ich kaufte Anzüge und Kostüme in Filene’s Basement und besuchte Sample Sales. Lebendig fühlte ich mich aber nur in den Klamotten die ich in meiner Freizeit trug. Mit meiner Punkband kehrte ich zu meinen Goth-

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Gibt uns der Blick in den Kleiderschrank Antworten über uns selbst? Dahlia Schweitzer, Schriftstellerin, Künstlerin, Fotografin, reist über New York, Tel Aviv, Berlin und Los Angeles durch die letzten 20 Jahre ihres Lebens und erzählt, was sie fand. Eine Geschichte über Kleidung, Labels, Musik und sich selbst.

und Punk-Wurzeln zurück. Ich spielte mit S&M Gewändern. Ich kramte die Ketten und Hundehalsbänder hervor, die hohen Stiefel und die Overknees. Ich war Aventgarde. Mein Goth-Ich der High-School-Zeit fusionierte mit meinem Punk-Ich vom College, bestäubt mit einem zarten-edlen-Hauch New York. Ich strebte nach Auflösung. Manchmal erkannte ich mich selbst im Spiegel nicht. Mit Mitte zwanzig zog ich nach Berlin. Berlin war vor allem Avantgarde und S&M. Ich wollte mich neu erfinden. Also musste ich etwas Neues tragen. Das Spiel ging weiter. Dies war Berlin. Das heißt: maximaler Impakt. Electro-Cabaret mit Perücke, Highlights und Sprayfarbe auf meiner Kleidung waren meins. Ich setzte auf so viel erinnerungswürdiges Drama wir irgend möglich. Selbst wenn es nur eine Performance war. Nach so vielen Jahren des Spektakels und der Extreme kommt es mir jetzt mit 35 etwas seltsam vor, dass ich heute Joga-Hosen und (manchmal) Ralph Lauren trage. Dass mir Zara und Eddie Bauer und Mark Jacobs gefallen (obwohl ich immer noch Secondhand kaufe). Ich bin gleichzeitig faul und fein geworden. Ich trage Perlenohrringe, Levis und reine Baumwolltops. Meine Schuhe haben nur selten hohe Absätze. Ich habe einen Schrank voller Blazer. „Wer ist das?“, frage ich mich. Zu wem werde ich, wenn ich erwachsen bin? Werde ich einen Kombi fahren? 35 werden ist bizarr. Älter werden ist seltsam. Das Schwierigste ist jedoch, herauszufinden, wer Du bist. Wir verbringen mehr Zeit mit uns selbst, als mit irgendjemand anderem. Man sollte also annehmen, dass wir alle Antworten kennen. Jedenfalls mit 35. Aber ich kenne die Antworten nicht. Ich blicke nach wie vor in meinen Kleiderschrank und frage mich, wer ich heute sein werde. Wenn ich Dark Electro höre und die Lichter lösche, tue ich so, als sei ich immer noch dieser Feger mit Anfang zwanzig, und ich überlege, ob ich ausgehen, tanzen sollte. Und dann schaue ich auf die Uhr und erinnere mich daran, dass um zehn Uhr Bettzeit ist. Wahrscheinlich siehst Du mich morgen in Kordhosen. Aber niemals, niemals fahr ich einen Kombi!


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Sehnsucht nach Beständigkeit Millennials – die Konsumenten der Zukunft

von Kathrin Eckhardt, Zürich Modehäuser, die auch in Zukunft bestehen wollen, müssen ihre Kunden genau kennen. Die Altbekannten werden gerade abgelöst, denn eine neue Generation ist im Anmarsch und hat ungewohnte Bedürfnisse. Die Rede ist von den Millennials, denen das Web 2.0 so vertraut ist, wie ihre eigenen vier Wände. Sie sind in den 80er und 90er Jahren geboren, schlafen mit dem Mobiltelefon neben dem Kopfkissen, haben ein aktives Profil auf Facebook und holen sich ihre Informationen online und über Twitter. Ihr Netzwerk ist so groß, wie das keiner Generation zuvor – den virtuellen Möglichkeiten sei Dank. Zudem sind sie Meister der Selbstvermarktung – und Inszenierung. Social Media helfen ihnen zu zeigen wer sie sind oder wer sie sein möchten – gepostet wird nur, was zum Selbstbild passt. Und sie sind Konsumenten, die sich ihrer Sache sicher sind, denn die Informationbeschaffung ist so einfach wie nie zuvor. Bevor sie Geld ausgeben, vergleichen und diskutieren sie virtuell. Zudem sind die Millennials gebildet, nur Jobs finden sie trotzdem keine, denn die Wirtschaftslage ist böse, sehr böse sogar. Die noch junge Generation gewinnt in den nächsten Jahren an Einfluss, aus ihr entwickeln sich die Konsumenten der Zukunft. Und ich bin eine von ihnen. Wollen etablierte Modelabels weiterhin Erfolg haben, müssen sie unseren Bedürfnissen gerecht werden. Doch was für Produkte möchten die Millennials? Wir sind mit Natur- und Umweltkatastrophen wie Tsunamis oder Fukushima aufgewachsen und haben gelernt, dass der Natur Sorge getragen werden muss. Deshalb setzen wir auf Nachhaltigkeit statt schnellem Konsum. Für den übermässigen Konsum unserer Eltern fühlen wir uns sogar schuldig. Auch Statussymbole verlieren an Reiz, sie werden

durch innovative Produkte ersetzt. Zeit Online schreibt: „Millennials glauben an Marken, die ihnen immer wieder neue Ideen präsentieren, eine neue Technologie, ein frischer Blick auf das Jetzt, einen neuen Blick auf Morgen“. Zudem wollen wir unterhalten werden, durch ein Produkt mit Geschichte. Das perfekte Kleidungsstück sei wie ein Talisman, sagt die Branchenkennerin Margit J. Mayer. Es begleitet uns in guten wie in schlechten Zeiten. Und natürlich muss die Mode zu unserer Selbstvermarktung passen. Verkauft werden in Zukunft also Produkte die Nachhaltigkeit, Qualität, Unterhaltung und Integrität bieten. Einige Modelabels machen bereits heute vieles richtig, egal ob sie zum Luxussegment oder zu den erschwinglichen Marken gehören. Bei Hermès stehen die Millennials Schlange, weil sie seit Jahrzehnten unvergleichliche Lederqualitäten bieten und unaufhörlich Geschichten liefern. Prada und Balenciaga gehören laut Trendforscher und Anthropologe Rony Rodrigues zu den „coolen“ Marken, welche die Millennials besonders mögen. Denn sie bleiben stets am Puls der Zeit, sind innovativ und eigenständig. Und Marken wie COS, Maje oder Sandro vermitteln den Käufern das Gefühl, bei einem Insider der Branche einzukaufen. Billigketten, die immer mehr zu noch tieferen Preisen verkaufen wollen, sind den Millennials zuwider. Der Rest der Modewelt rätselt, wie sie die Aufmerksamkeit der neuen Generation gewinnen kann. Einige versuchen nun selbst zu Millennials zu werden, ihr Denken und Handeln zu übernehmen. Sie schleusen sich auf Facebook und Twitter ein und entwickeln iPhone-Apps. Das englische Traditionshaus Burberry ist einer der Vorreiter des Umdenkens. Unter der Leitung des ChefDesigners Christopher Bailey, hat Burberry eine Website ganz nach dem Geschmack der neuen Konsumenten erschaffen. Zu finden sind auf Burberry.com Musik-Playlists, Kurzfilme und

Videos der letzten Burberry-Modeshows. Unter „Art of the Trench“ veröffentlichen bekannte Blogger wie Scott Schuman von „The Satorialist“ ihre Street-Style Fotos mit Trench Coats tragenden Menschen. Die User können dort selbst ein Foto von sich mit dem genannten Stück auf die Seite laden und wenn sie auserwählt werden, bekommt ihr Foto ein Platz auf der Plattform. Burberry bietet Online-Unterhaltung, neuste Technologie, die Möglichkeit zur Selbstvermarktung und Geschichten an. Mit der Rubrik „Foundation“ wird auch der Gedanke der Nachhaltigkeit gepflegt. Das englische Traditionshaus bedient alles, was für die Lebensweise der Millennials wichtig zu sein scheint. Ob wir darauf ansprechen, ist fragwürdig. Sicher ist, was Raf Simons, der belgische Designer des gleichnamigen Labels und von Jil Sander sagte: „Die radikalste Änderung in der Modewelt ist, dass wir uns früher als Elite definierten. Heute hat jeder sofort Zugang zu allen Informationen. Das Erfahrene kann im selben Moment wieder zunichte gemacht werden.“ Millennials klicken von einer Seite zur nächsten, konsumieren eine Unterhaltung nach der anderen und vergessen dabei, was eben erfahren wurde. Im realen Leben verlangen sie deshalb nach Beständigkeit. So ergeht es auch mir. Es wächst das Verlangen nach Ursprünglichem und Realem neben dem virtuellen Getöse. Der Charakter der Mode, seine Materialität selbst beinhaltet die Eigenschaft des Beständigen bereits. Die Umstände für die Modehäuser sind also gerade günstig.


Frame: MYKITA NO2 SUN GRANT & FERRIS | Photography: Mark Borthwick

MYKITA SHOP BERLIN Rosa-Luxemburg-Strasse 6, 10178 Berlin, Germany, + 49 (0)30 67308715 MYKITA SHOP VIENNA Neuer Markt 14, 1010 Vienna, Austria, + 43 (0)1 5128852 MYKITA SHOP ZURICH Langstrasse 187, 8005 Zurich, Switzerland, + 41 (0)43 8182730 MYKITA SHOP PARIS 2 Rue du Pas de la Mule, 75003 Paris, France, + 33 (0)1 42714819 MYKITA SHOP TOKYO 5-11-6 Jingumae, Shibuya-ku Tokyo 150 0001, Japan, + 81 3 6427 5232 MYKITA SHOP MONTERREY Jose Vasconcelos 150 PB-6D, 66257 San pedro Garza Garcia NL, Mexico, + 52 (0) 818 378 2547


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Reviews

Ausgabe N°20 • Januar / Februar 2012 • Jahrgang 3 • trafficnewstogo.de

Ein Jahrhundert in Kleidern von Sabine Weier, Bremen

Und wie wohnst Du? von Sabine Weier, Bremen Interviews haben eine intime Dimension, für den Fragenden, den Antwortenden und den Leser. Zwischen den Zeilen dringt er in die Welt des Interviewten ein, liest Stimmungen heraus, entdeckt Charakterzüge und frönt einer Art Seelen-Voyeurismus. Der Interview-Blog „Freunde von Freunden“ macht sich diese Intimität zunutze und setzt noch einen drauf: mit ausgiebigen Fotostrecken der Wohnräume und Ateliers von Künstlern, Kreativen und Kulturschaffenden. Es ist fast so, als würde man unerlaubt in eine Wohnung eindringen, unbehelligt herumschnüffeln, Büchertitel lesen, in Kleiderschränken wühlen und an den Blumen auf dem Tisch riechen. Das macht Spaß und inspiriert, denn so lassen sich Designermöbel und Vintage-Stücke mal in einem authentischen Umfeld zwischen persönlichen Details beäugen. Was hätte schiefgehen und zur ewigen Schleife der HipsterSelbstbeweihräucherung werden können, wurde spannend und zum Erfolg, auch wenn die Interieurs der Szene tatsächlich erstaunlich gleichförmig anmuten. Mittlerweile lässt der in Berlin geborene Blog auch in Paris, London, New York und Sao Paulo hinter die Türen linsen – damit ist dann doch noch eine berauschende visuelle Vielfalt entstanden. Das erste Buch zeigt ausschließlich Berliner Gemache. „Freunde von Freunden – Berlin“, Distanz-Verlag, 336 Seiten, 39,90 EUR, Deutsch

Im Jahr 2000 stehen inmitten eines Laufstegs von Hussein Chalayan vier Sessel und ein Couchtisch aus Holz. Das Model Natalia Semanowa steigt am Ende der Schau in ein Loch in der Mitte des Tisches, zieht ihn hoch, befestigt ihn an der Hüfte und präsentiert ihn vor einem ekstatisch jubelnden Publikum. Chalayan bearbeitete mit der Kollektion seine Entwurzelung: Der türkische Zypriot kam im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern nach England und musste wie viele politische Flüchtlinge Hab und Gut zurücklassen. Wie wäre es, wenn man Erinnerungsstücke einfach wie Kleidung am Körper tragen und mitnehmen könnte? Sein Tischrock ist die Krönung eines Mode Jahrhunderts, an dessen Ende die Grenzen zwischen Mode, Kunst, Politik und Leben unscharf geworden sind. „The Impossible Collection of Fashion“ erzählt das 20. Jahrhundert in 100 Kleidern, lässt fulminante Höhepunkte Revue passieren und erinnert an die entscheidenden Weichen der Stilgeschichte. Neben Chalayans Tischrock zeigt Valerie Steele, Direktorin und Kuratorin am Museum des New Yorker Fashion Institute of Technology, Stücke von Superstars wie Alexander McQueen, Rei Kawakubo oder Christian Dior. „The Impossible Collection of Fashion“ Assouline-Verlag, 144 Seiten, 682,94 EUR, Englisch Erhältlich in Assouline Boutiquen weltweit, sowie auf www.assouline.com

Artgerechte Haltung von Ralf Diesel Mann sein ist eine Frage der Haltung. (Julee Cruise hat das schon für die Frau mit „The art of being a Girl“ zelebriert.) The one and only Glenn O’Brien setzt dem Gewese um das selbsternannte Vorzeigemodell der Krone der Schöpfung die stilistische Krone auf. Alles eine Frage der Form: Kleidung, Benehmen – und Schreiben. Dem Gentleman wird der adäquate rhetorische Stil zur Badehose gleich mitgeliefert. Verbale Finesse, treffsicheres Auftreten und Bildung begegnen sich im Mann, auch in dem der globalen Krisen. Einem solchen Mann begegnet man nicht allzu oft? Schade! Ein Mangel an Ratgebern kann nicht der Grund sein. Es kniggt an allen Ecken und Kanten. „How to be a Man“ ist nicht der erste Versuch zur Rettung. Nicht der letzte. It’s simply the best. Und das macht es zu einem Buch von einem Gentleman an einen Gentleman. Quasi von Mann zu Mann. Unter uns: Seien Sie mal ehrlich, brauchen Sie das? Aber seien Sie bitte ganz ehrlich! Seien Sie ein Mann! Sie dürfen auch mal nachlesen. Im O’Brien. Glenn O’Brien „How to be a Man“ Rizzoli Verlag, 2011 304 Seiten, 16,95 EUR Englisch


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A Brave New World of Restaurant Openings by Alex Kelly

3 minutes sur Mer

Torstraße 167, 10115 Berlin Mitte +49 30 76302052

3 minutes sur Mer is a French bistro in its beginning. The look is very reduced, but as anyone who’s moved into a new apartment and lost sight of the corners after just two weeks knows, it’s hard to stay uncluttered forever. 3 minutes is Bandol sur Mer's little brother and having a brother as big and popular as Bandol means 3 minutes is not the kinda place you want to pick on. And it’s hard to pick on anyway as it’s already a good restaurant. The cuisine is the same beloved French food that they do in Bandol but reduced and simplified for deli standards. You’ll get a beef shoulder or fresh oysters for under 20 Euro, but you can also eat lunch for as little as 7 Euro. Being three minutes from the sea means you can expect a heavy fish menu and that’s true of 3 minutes. The crowd is very Torstraße, and if you are too you’ll feel right at home.

Mani Restaurant

Torstraße 136, 10119 Berlin Mitte +49 30 80 94 15 0 www.hotel-amano.com Mani Restaurant opened their doors just before Christmas and so far they’ve put enough personality into the premises, staff and food that making yourself bored there would be a challenge for even the most jaded of critics. The look of the place is dark and slick. Long tables, ideal for friendly get-togethers, face an open-sided kitchen and a feature that can only be described as a fish tank full of fire. It’s big and impressive looking. Mani, as you might have guessed from the abbreviation, is the sister hotel to the Amano. The Amano has already got such a great reputation that we’re sure it won’t be long before this place is pulling in the plaudits too.

Mädchenschule

Jüdische Mädchenschule Auguststraße 11-13, 10117 Berlin www.maedchenschule.org February sees the opening of a new restaurant in Mitte. Deep in the Jewish district the Mädchenschule on Auguststraße has long been one of the most sought after locations in the city. The building itself was designed by Alexander Beer and is now a listed block of stones. But back to the restaurant. It’s located inside the old Sporthalle of the school and involves the people behind Grill Royal. The restaurant will be split into sections. Pauly-Saal run by chef Siegfried Danler will feature regional and seasonal German dishes. The Kosher Classroom will feature – as you might have guessed – fully kosher cuisine and on Friday a traditional sabbath meal. The third section will be a deli featuring typically kosher meats like pastrami and other products from Pauly-Saal. The whole building will be a fusion of art and gastronomy and we can’t wait to try it out.

Gourmet

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English Appendix

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ARROGANT BASTARD

by Adrian Stanley Thomas, New York City CHAMELEONS IN THE CHRISTMAS MOOD

Siemon Allen, The Land of Black Gold, 2004 (detail) Paper and correction fluid mounted on foamcore, 248.9 x 510.5 x 1 cm Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Purchased with funds contributed by the Young Collectors Council 2004.88 © Siemon Allen, courtesy of Goodman Gallery, South Africa

It’s been a few weeks now since Christmas. Are you happy with your gifts? As the holiday festivities started to bloom this year, the same passivism that’s been building for years wasted no time in revealing itself as I passed a display window reminding me of the savings I could receive in the coming days. Savings; well you would think that any announcement about savings would make a person a bit excited. The gifts that I could buy for people I don’t see very often or close friends that would feel closer to me after I presented them with a piece of clothing bought at a discount. As I thought about it, maybe a person shouldn’t be so pleased about a gift that was bought on sale during a holiday, let alone as a token for the remembrance of someone who was sacrificed for our sins. Shouldn’t that make you sad? You do know that’s what the gift symbolizes right? But that really wasn’t the topic of conversation at your Christmas party now was it? Part of me wanted to embrace the season, why not just think about how you couldn’t sleep the night before as a child be-

cause you were so excited about Santa and all those presents. What was holding me back? Has evil just completely taken over me? Do I not have the decency to “go along to get along” for once? I started looking for the evidence of my feelings. First, there’s the obvious, I checked myself for a trio of 6’s that may have been put on my body during sleep, but to no avail. But I did notice that a grey hair can show up on any part of your body, and I do mean any part of your body. I really tried to make an attempt to investigate my internal issues this year. Why is it such a struggle for me to simply be an actor for goodness sake? Acting is fun! All a person needs to do is pretend that they are enjoying the holiday. In support of this effort, I went to St. Patrick’s Cathedral with my girlfriend and a friend on Christmas Eve. If you’re not willing to spread joy there, then you should probably just forget it. It looks like a palace! The entire time we’re standing there, my brain just kept thinking about all of the opulence and grandeur that was surrounding me. But the strange thing is, as I compared what I was seeing with the image in my head of a manger, breaking bread with prostitutes, or healing the sick, somehow it just didn’t compare. It didn’t seem genuine. Is that appropriate to say? As the priest was reading, I honestly think most people didn’t even hear it.

Well, some people were holding bags of gifts. I understand. They’ve been shopping all day. When the service was over, the large doors opened and bright lights, Christmas decorations and a chill greeted us as a reminder of what our real priorities should be during this time of glee. We have developed into chameleons of a mood. The ability to transform from spiritual exercises to the consumption of material excess in a blink of an eye is a special skill that has value. It must. Perhaps my perfunctory participation with gifts and holidays is a place for analysis. A shrink could help me look at my childhood for the reasons that my angst clouds participation with you folks that have succumbed to the allure of the pleasure principle. After all is said and done, liberty and freedom does afford you the right to live the way you choose; to a point. If capitalism and excess bothers me so much, then I should find a place that can be conducive to my own priorities and beliefs. Where is this place? Are there taxes? Could I have my own space? It’s not communal living is it? I must have my own bathroom. If you see a country that meets my requirements, please let me know. One more thing, I would like a French Chef on call, is that being too materialistic?

FOUND IN TRANSLATION

28.1. — 9.4. UNTER DEN LINDEN �����, ����� BERLIN, DEUTSCHE�GUGGENHEIM.DE DAILY, �� A.M. � � P.M.; MONDAYS, ADMISSION FREE

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English Appendix

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Douz and Don’ts

online and three clicks and an ‘I’m feeling lucky’ search later, you’ll be presented with someone who not only photographs well but also shares your interests. The nomads don’t have the internet and they don’t have front doors either. What they do have is a unique sport which gives them the chance to meet girls one time a year. It’s pressure. Put yourself in a nomad’s shoes. Imagine what a catastrophe it would be if you had to spend the rest of your life with the person you hooked up with at a festival? But thankfully, for the sake of future Saharan families, and the sake of camel sports in general, the nomads don’t drink and so rarely end up kissing someone they’d rather not have.

by Conor Creighton German version on page 10 Finding Love in the Footprints of Camels Everything comes back to love. Art, sports, politics, shopping, you name it; it might take some rummaging and searching but do so and you’ll discover the reason anything’s ever been done since the world ever began is because someone out there was looking for love. Just ask the camels. Every winter, late December generally, nomads from right across North Africa gather in the small Tunisian outpost called Douz. They travel days from as far away as Morocco on the west coast and Somalia on the east. Sat high upon camels, following paths through the scrub and the sand. Paths that their families have been trekking since Ishmael was in nappies in order to get to an annual sporting event called the Camel Festival. The festival has camel races at its heart. Nomad riders race each other round a track in the central stadium. It’s hair-raising. They may call camels the ships of the desert but they move like race cars. Crack a whip and dig your heels in and these ugly horses can get up to 65km/h. Men die racing their camels and the camels die too. The races are just like horse races but without jumps or helmets. In olden days they were inclined to use children as jockeys. They’re lighter and it keeps them out of mischief. But that practice has since been outlawed and I suppose the kids are back to their usual mischief again. But here at the Camel Festival it’s the men who’ve always ridden the animals, because the men, above all else, want to be seen. At stake are cash prizes but as you, I and the Beatles all know, money can’t buy you love. The nomads may come to Douz for the races but they stay for the ladies. You see the Camel Festival is a match-making event. Throughout the night, dances, poetry readings and communal kitchens open up the opportunity for dashing camel jockeys to sweet talk the local girls. This is no small deal. For these tough-skinned nomad riders, partners are harder to come by than a square metre of shade. It’s like this. Being single when you’d rather not be is a ballache. But for an urban person, all you got to do is step outside your door and you come in contact with hundreds of potential mates. If outside your door looks wet and gloomy you can even just search

35 Years in Fashion Labels

by Dahlia Schweitzer, Los Angeles German version on page 24 I just turned 35. Amidst the crisis of getting older, the last twenty years run through my head like a makeover montage from a late night TV movie. Sometimes it is a blur just trying to remember all the people I have been. Who was that person in junior high with the bright orange leggings? Who was that sullen girl with black lipstick and combat boots? And the biggest question of them all - who am I now? Junior high was personified with a longing for the clothes other girls were wearing. Labels, more than garments themselves, determined social status. So I coveted that first Swatch watch. I insisted upon that first Benetton top. Because they were the membership cards necessary to living how, and being next to whom, I wanted. I still remember the first Benetton shirt I ever bought, and how I felt like I was finally part of the club. I may not have been able to sit at the same lunch table as the cool kids, but at least we were wearing the same brand. Sophomore year brought a new set of labels - and a different set of cool kids. My new labels were Bauhaus, Siouxsie and the Cure. I stopped trying to fit in with the girls around me and started accepting that I was the odd one out. My membership card shifted from the front of my shirt to the plastic sleeves around my steadily growing record collection. I attached myself to a different sort of club. It was called the Roxy and Wednesday night was Goth night. I started shopping at thrift stores and army surplus stores. My only shoes were a pair of well-worn combat boots. I wore black. And black. And grey. I wore black velvet jackets and black velvet skirts and lots of concert t-

shirts. My favorite bands were on my chest. (My mother bought me a pale yellow sweater at some point during high school, in what may have been a noble effort to push her daughter towards more cheerful fashion choices. It didn't work. I dyed it grey and forged ahead, to more Joy Division and KMFDM.) Sophomore year of college could best be summarized by a shaved head, which later became bright pink as the hair grew in, baggy army cargo shorts taken from a boyfriend on indefinite loan, a white tank top and those same combat boots. The labels now were Fugazi, Riot Grrl, Bikini Kill and Team Dresch. I preferred The Warsaw version of Joy Division. Occasionally, I wore a dog collar. Sometimes two. I felt the appropriate rage and attitude. I perfected being sullen. I started bleaching my hair. The later college years were a mélange of the above. My hair changed every month, documented painstakingly in a range of Polaroids. My identity was my art project. I became someone else with a new collection of accessories or a different fashion label and I loved it. Labels did not define me, but I enjoyed trying them on for size. Eventually, I thought I would figure it out. By junior year of college, there was no coherence or consistency. Sometimes I wore thigh highs and dog collars, sometimes I wore cargo shorts and went dyke. Other times, I cleaned up and went preppy. Nothing felt fake; it all felt real. It felt like me and yet nothing like me at the same time. At least, I was not trying to keep up with anyone else anymore. Even if I did not know who I was. When I left college and moved to New York City, the disparity did not dissipate. I worked my corporate day job in corporate attire. I bought suits at Filene's Basement and went to sample sales. But it was what I wore outside of work that made me feel alive. With my punk band, I reveled in my goth and punk roots. I played with S&M apparel. I brought out the chains and dog collars, the knee high boots and thigh highs. I went avant garde. It was the goth me of high school, mixed with the punk me of college, with a splash of the sophisticated me of New York. I searched for resolution. Sometimes I didn't recognize myself in the mirror. When I moved to Berlin in my mid-twenties, the avant garde and S&M took center stage. I was trying to be someone new, so I had to wear something new. I had to up my game. It was Berlin, so I maximized impact. I went electro-cabaret with wigs and colored lights and spray painted my clothes. I went for as much memorable drama as I could muster, even if it was all a performance. After so many years of spectacle and extremes, it feels a little strange to me now, at 35, that I have become someone who wears yoga pants and (sometimes) Ralph Lauren. That I love Zara and Eddie Bauer and Marc Jacobs (even if I buy it secondhand). I've gone lazy and preppy at the same time. I wear pearl earrings, Levis' and all organic cotton tops. I rarely wear heels. I have a closet full of blazers. “Who is this person?” I ask myself. Who am I growing up to be? Will I drive a Minivan? Turning 35 is weird. Getting older is strange. But figuring out who you are is the hardest question of them all. We spend more time with ourselves than anyone else, so you would think that we should have the answers by now. At least by 35. But I do not. I still look at my clothes and wonder who I am going to be today. When I put on the dark electro music and turn off the lights, I pretend that I am still that person again, that early twenties firecracker and I consider going out to lose myself on the dance floor. And then I look at the time, and remember that, these days, 10pm is bedtime. Tomorrow I will probably wear corduroys. But I will never drive a Minivan.

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GLOSSYBOX Style

DEIN

PERSÖNLICHER

Style

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TRAFFIC News to-go #20  

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