SchiessenSchweiz 06/2013

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Rückblende

Früher zählte Leistung, heute die Kameradschaft Autrefois des performances, aujourd’hui la camaraderie In einem schmucken Haus im aargauischen Erlinsbach ist die Schützenlegende Hans Sinniger mit seiner Frau zu Hause. Das Schiessen ist für ihn ein grosser Teil seines Lebens. Als weitere grosse Leidenschaft widmet er sich dem Langlaufsport und ausgedehnten Wanderungen im Engadin. von rené birri Der am 9. Juli 1929 geborene Hans Sinniger ist in Bezug auf den Schiesssport erblich vorbelastet. Schon sein Vater war ein guter Schütze, der nichts dem Zufall überliess und in der Freizeit im Baumgarten Zielübungen absolvierte. Die ersten Schiessübungen absolvierte der Schüler Sinniger mit dem Kleinkaliber-Langgewehr in der Bezirksschule Niedergösgen. Bei seinem ersten Wettkampf im Kleinkaliberstand wurden die erzielten 93 Punkte nur von einem routinierten Matchschützen mit einem Stutzer überboten. Dieses Glanzresultat war das Produkt einer ausgezeichneten Grundschule, die Sinniger in einem Kleinkaliber-Jungschützenkurs vermittelt erhielt. «Das war noch was, als man als junger Schütze mit den Besten mithalten konnte», sagt Sinniger zu diesen ersten Erfolgen. Später absolvierte er den militärischen Jungschützenkurs auf die Distanz von 300m.

66 mal Feldschiessen besucht Seit dem 18. Lebensjahr besuchte er regelmässig das Eidgenössische Feldschiessen. «Ich kam von 66 Feldschiessen nie ohne Kranz nach Hause, und hoffe, dass dies noch so bleibt», berichtete er nicht ohne Stolz. Mit 26 Jahren begann der Speuzer (das ist der Spottname von Erlinsbach) mit dem Dreistellungsschiessen mit dem Karabiner. Nach etlichen Silber- und Bronzemedaillen gelang 1964 der langersehnte Durchbruch. Er wurde an der Lausanner Expo zum ersten Male Schweizermeister. «Das war mein grösstes

Hans Sinniger in Aktion an der Gruppenmeisterschaft im Jahre 1964. Erlebnis, an das ich mich noch gerne zurückerinnere», schwärmt Sinniger und zeigt mit Stolz den Erinnerungspreis. 1965 folgt ein weiterer Titel mit der Kleinkaliberwaffe in der Liedendstellung, ein Schweizer Rekord im Olympischen Liegendmatch und die Selektion für die Europameisterschaften in Bukarest. 1966 erhielt er die Fahrkarte nach Wiesbaden zu den Weltmeisterschaften. 1967 wurde Sinniger Schützenkönig am Eidg. Kleinkaliberschützenfest in Neuhausen. Die Sportschützen von Gretzenbach – bei denen ist er immer noch Aktivmitglied – konnten auch noch den Gruppen- und Sektionssieg feiern. Nach diesem Anlass wurden Sinniger und seine Kollegen gefeiert und Autogramme mussten gegeben werden.

Zuviel für die Anderen gemacht Früher gab es noch nicht viele Möglichkeiten, um sich international messen zu können. So war es eine grosse Ehre, wenn man zum Beispiel am Weltfernmatch teilnehmen konnte. Für die Teilnahme an den Wettkämpfen mussten Ferien und Überzeit geopfert werden. Die Trainingsmunition wurde zur Verfügung gestellt, und die Reisekosten übernahm der Verband. «Ohne

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eine geduldige Frau hätte ich nicht alle Wettkämpfe und Trainings besuchen können», sagt er dankend zu seiner Gemahlin. Auch das B-Nationalkader hat Sinniger ins Leben gerufen. Pierre-Alain Dufaux. Max Hürzeler, Emile Kohler, René Ditzler und Heinz Bolliger sind nur einige der guten Schützen, die aus Sinnigers Kaderschmiede kamen. «Du bist ein verdammt harter Trainer, aber es geht nur so»: Das waren Worte von Dufaux zu Sinniger, die alles sagen. Unter der Leitung des Erlinsbachers wurde auch Sport betrieben, so etwa Langlauf. Vermutlich kam er dadurch zu seiner zweiten Sportart. Als dann die B-Mannschaft besser schoss als das A-Kader, wurde ihm der Trainerposten der A-Mannschaft angeboten. Infolge beruflicher Belastung lehnte er jedoch ab.

Fürs Standardgewehr gekämpft «Bei den heutigen Jungen sind die altmodischen Waffen wie Karabiner und Sturmgewehr nicht mehr beliebt für die Wettkämpfe, lasst doch die Standardgewehre zu», argumentierte er vor 24 Jahren bei der Technischen Kommission. Doch deren Mitglieder hatten dafür taube Ohren. Dass Ausgabe 6 // Juni 2013


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