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SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie HERAUSGEGEBEN VON SÜDWESTTEXTIL

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NOVEMBER 2013 | NR. 74

Themen Verband + Industrie Südwesttextil und DesignerVerband kooperieren Seite 5 Bildung + Soziales

Brücken bauen

Cyber-Attacke

Nichts ist unmöglich

Recht + Steuern

Seite 3

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Wachwechsel in Berlin

Gesamtverband textil+mode erhält eine neue Führungsspitze

Foto: © FX Berlin - Fotolia.com

Zum ersten Mal führt eine Frau den Gesamtverband textil+mode: Auf der Mitgliederversammlung

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am 26. November in Berlin wurde Ingeborg Neumann einstimmig zur Präsidentin der Spitzenorganisation der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie gewählt. Sie tritt damit die Nachfolge von Peter Schwartze an, der sich aus Altersgründen von der Verbandsspitze zurückzieht. Ingeborg Neumann gründete 1997 die Peppermint Holding GmbH – eine mittelständische Industriegruppe mit Sitz in Berlin. Die Peppermint Gruppe entwickelt

und produziert hochwertige, innovative Textilien für die Bereiche Fashion, Heimtextilien und Technische Textilien und erwirtschaftet mit über 600 Mitarbeitern einen weltweiten Jahresumsatz von ca. 90 Mio. Euro. Gleichzeitig ist sie Mitgründerin und Geschäftsführerin der Peppermint VenturePartners GmbH und Managing Partner des Charité Biomedical Fund. Darüber hinaus ist Ingeborg Neumann Vizepräsidentin und Schatzmeisterin Fortsetzung Seite 2

Go for the original Der Handel mit gefälschten Waren beläuft sich der- verlieren. Tatsächlich ist Produkt- und Markenpiratezeit auf über 200 Mrd. Euro pro Jahr, Tendenz weiter rie eine einträgliche Einnahmequelle für das organisteigend. Die Modebranche gehört zu den Hauptbe- sierte Verbrechen. Das Geschäft mit den Fälschungen troffenen. Oft erweisen sich entspricht wertmäßig die vermeintlich günstigen »Verbraucher und Steuerzahler dem Umsatz mit illegaSchnäppchen als teure len Drogen. Fälschungen stehen als Verlierer da.« Wahl: Qualitäts- und Sischaden nicht nur den EU-Kommissar für Industrie und Unternehmen Antonio Tajani cherheitsmängel sind bei Original-Herstellern, sie können auch ein Risiko Fakes an der Tagesordnung. Die EU-Kommission will nun mit einer breit ange- für Sicherheit und Gesundheit sein. Schnell wird so legten Kampagne und der Broschüre „Der Preis ge- aus dem Schnäppchenkauf ein Verlustgeschäft, das fälschter Waren“ das Bewusstsein der Konsumenten der Steuerzahler mitbezahlt. Denn Fälscher sind in der schärfen. Sie belässt es nicht bei moralischen Appel- Regel keine braven Steuerbürger. Durch den unfairen len, sondern rechnet vor, wie viel Geld europäische Wettbewerb gefährden sie zahlreiche Arbeitsplätze. Steuerzahler und Verbraucher durch die Fälschermafia Silvia Jungbauer

Bildung und Gesundheit

Zahl des Monats Er galt schon als „ewiger“ Arbeitgeberpräsident. Kein anderer vor ihm hat dieses Ehrenamt so nachhaltig ausgefüllt und geprägt. Immer wenn es darauf ankam, meldete sich die „Stimme der Wirtschaft“ zu Wort. Nach 17 Jahren an der Verbandsspitze hat Dieter Hundt jetzt aber doch abgedankt. Das macht stutzig. Denn nach 17 Jahren, wir erinnern uns, wird das Leben erst richtig reizvoll. Man steckt mitten drin, ein bisschen jung noch, aber schon ein bisschen erwachsen. Genießen sollte man diese Zeit, in vollen Zügen aufsaugen, eins sein mit sich selbst. Ein Alter, in dem so viele Veränderungen passieren. 17 Jahr, langes Haar, ob blond oder ergraut, egal. All die Lebensfreude gilt es auszukosten. Aber Dieter Hundt hat womöglich daran gedacht, dass nach 17 Jahren zwangsläufig auch eine neue Lebensphase beginnt: die Zeit der Abnabelung. Das ist ihm gelungen.

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Aktuell Bis zum 2. März gibt es im Kunstmuseum Wolfsburg die Ausstellung „Kunst & Textil – Stoff als Material und Idee in der Moderne von Klimt bis heute“: multimedial und interdisziplinär mit hochkarätigen Gemälden von Gustav Klimt, Vincent van Gogh, Edgar Degas, Henri Matisse, Paul Klee und Jackson Pollock.


2  Verband + Industrie

Südwesttext

November 2013 I Nr. 74

Fortsetzung von Seite 1 In Kürze

Wachwechsel in Berlin beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und Mitglied des Vorstands des Mittelstandsausschusses. Der scheidende Präsident Peter Schwartze wurde im Dezember 2005 erstmals zum Präsidenten gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2009 inne, bevor er sich nochmals von Ende 2011 bis jetzt in die Pflicht nehmen ließ. In seine Amtszeit fiel der Umzug des Verbandes von Eschborn nach Berlin. Er trieb die Internationalisierung des Verbandes

Ingeborg Neumann

voran und knüpfte Kontakte zu Partnerverbänden in Europa und Asien. Darüber hinaus engagierte er sich im Board des europäischen

Dachverbands Euratex und half dabei, die Organisation zukunftsfest neu auszurichten. Zeitgleich mit der neuen Präsidentin nimmt auch Dr. Uwe Mazura als Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes seine Tätigkeit auf. Er wird Nachfolger von Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, der ebenfalls aus Altersgründen aus den Diensten des Verbandes ausscheidet (siehe hierzu Südwesttext vom Oktober 2013, Seite 2). Markus H. Ostrop

Ende einer Ära Arbeitgeberverbände wählen Ingo Kramer zum Nachfolger von Dieter Hundt

Ingo Kramer – Foto: BDA

Ingo Kramer ist zum Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gewählt worden. Die Mitgliederversammlung der BDA sprach ihm am 18. November in Berlin in geheimer Wahl für eine zweijährige Amtszeit einstimmig das Vertrauen aus. Ingo Kramer folgt auf Dr. Dieter Hundt,

der seit dem 12. Dezember 1996 Präsident der BDA war. Ingo Kramer ist seit 2003 Mitglied des BDA-Präsidiums und war seit 2011 Vizepräsident der BDA. Er ist Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Nordmetall und hat von 2001 bis 2011 als Verhandlungsführer die Tarifpolitik in der norddeutschen Metallund Elektroindustrie federführend verantwortet. Er ist Präsident der Landesvereinigung der Arbeitgeber- und Unternehmensverbände in Bremen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung der Deutschen Wirtschaft sowie Präsident der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven.

Diplom-Wirtschaftsingenieur Ingo Kramer, Jahrgang 1953, ist seit mehr als 30 Jahren Geschäftsführender Gesellschafter der Firmengruppe J. Heinr. Kramer. Er führt das Familienunternehmen in Bremerhaven mit rund 260 Mitarbeitern in dritter Generation. Das Unternehmen hat sich auf den Anlagenbau spezialisiert und ist weltweit tätig. Zu den Kunden der Firmengruppe zählen Unternehmen der Schiffsbetriebstechnik, Offshore-Industrie, Chemischen und Petrochemischen Industrie, Energiewirtschaft und Lebensmittelindustrie. BDA

Foto: © kbuntu – Fotolia.com

Termin vormerken

Update Lieferantenerklärung 15. Januar 2014, Albstadt-Lautlingen

Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, dick@suedwesttextil.de oder +49 711 21050  - 11

Seit November verstärkt Nicole Wiesner die Rechtsabteilung von Südwesttextil. Im Sekretariat des Referats erledigt sie die anfallenden

Nicole Wiesner

Arbeiten und entlastet die Rechtsanwälte von organisatorischen Aufgaben. Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitete zuletzt in einer Rechtsanwaltskanzlei in Karlsruhe. Anfang September haben der Vorstandsvorsitzende der Paul Hartmann AG, Andreas Joehle, und CFO und Arbeitsdirektor Stephan Schulz sowie die DHBW Heidenheim, vertreten durch Prof. Manfred Träger, Rektor, und Prof. Dr. Andreas Mahr, Prorektor, die Kooperationsurkunde zur Stiftungsprofessur unterschrieben. Damit finanziert die Paul Hartmann AG in den nächsten fünf Jahren an der DHBW Heidenheim eine Professur im Studienfeld Gesundheit. Ziel der Professur ist es, das medizinisch qualifizierte Lehrangebot in allen Gesundheitsstudiengängen weiter auszubauen und die künftigen Fach- und Führungskräfte in diesem Bereich optimal auszubilden. Ende September feierte das Südwesttextilmitglied Technische Textilien Lörrach (TTL) sein 175-jähriges Firmenjubiläum im Dreiländermuseum in Lörrach. Rund 100 Gäste kamen zu diesem besonderen Fest. In ihren Reden gingen die Geschäftsführer Roland Jaehn und Thomas Lais auf die lange Geschichte, die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven des Unternehmens unter den nationalen und internationalen Rahmenbedingungen ein. Beide sind zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte weitergeht und in 25 Jahren ein ganz großes Jubiläum folgt.


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Verband + Industrie 3

Nichts ist unmöglich Cyber-Attacken live beim Hacking-Seminar von Südwesttextil Man kann erahnen, dass Menschen wie Sebastian Schreiber mit ein paar Mausklicks Unternehmen in den Bankrott stürzen können, wenn man die Veranstaltung von Südwesttextil und Gesamtmasche zum Thema Live Hacking Mitte November in Reutlingen besucht hat. Der Informatiker aus Tübingen hat mit der Suche nach der Sicherheitslücke in Computersystemen vor 15 Jahren die Syss GmbH gegründet. Die Geschäftsidee kam ihm schon während seines Studiums und der Ausgangspunkt für die Frage, wie man Systeme manipulieren kann, hatte er beim Spielen mit dem Comodore 64. Ein nicht zu erreichender Highscore motivierte. Heute heißt die Bedrohung, die sich aus solchen Veränderungen ergeben, „never trust client data“. Der User muss immer befürchten, dass das, was er liest oder auf dem Desktop erkennt, nicht der Wahrheit entspricht. In seinem Vortrag zeigte er, wie ein Virenscanner mit dem bekannten und leicht erhältlichen Trojaner „Meterpreter“ überwunden werden kann, Passwörter geknackt werden und wie man sich mit einer SQL-Injection in Barcodes freien Zugriff auf sensible Firmendaten verschafft. Um dahin zu kommen, brauche man „vor allem Erfahrung, Fantasie und vielleicht auch einen gewissen Spieltrieb“, erklärte der Berufshacker. Dabei werde das System mit zahllosen kommerziellen und von Hackern hergestellten Angriffswerkzeugen bearbeitet: „Wir haben ein großes Waffenarsenal.“ Das Knacken solcher Seiten sei für Spezialisten wie ihn keine Herausforderung. Hauptsächlich Webapplikationen und mobile Geräte wie Smartphones stellten heute ein großes Risiko dar – egal, wie gut man sich absichere. „Wir haben instabile Betriebssysteme, unsichere Web-Browser und die Protokolle, mit denen wir im Internet arbeiten, sind teilweise dreißig Jahre alt und nicht dafür ausgelegt, eine sichere, zuverlässige, vertrauliche Verbindung zu erstellen.“ In so einem gefährlichen Daten-Dschungel sei Angriff die beste Verteidigung, glaubt Schreiber: „Man kann Systeme nur ordentlich

Kontakt SySS GmbH Sebastian Schreiber Wohlboldstraße 8 72072 Tübingen Tel.: +49 7071-407856-0 E-Mail: sebastian.schreiber@syss.de www.syss.de Profihackerwerkzeug aus Moskau zum Handy knacken: Flasherbox und Hackerzange

gegen Angriffe verteidigen, wenn man sehr genau über die Beschaffenheit und Wirkungsweise von Angriffen Bescheid weiß“. Das sei auch das Ziel dieses Seminars – die Perspektive zu wechseln und für einen bewussteren Umgang mit sensiblen Daten anzuregen. Nicht das Programm sei wichtig, sondern seine Einstellungen. Daten sollten immer verschlüsselt und Passwörter nicht kürzer als 10 Zeichen sein. Ein regelmäßiger Wechsel der Passwörter sollte nicht als notwendiges Übel angesehen werden, sondern als sportliche Herausforderung. „Das ist Gehirnjogging mit wahrem Nutzen.“ Wie Daten am sinnvollsten geschützt werden könnten, sei stark von der jeweiligen Situation der Firma abhängig. So wäre ein gelber Post-it mit dem Zugangspasswort für den PC am Bildschirm ein sehr guter Schutz vor Angriffen von Hackern, die in Punjab sitzen, aber vielleicht nicht unbedingt vor Kollegen im Büro, riet Schreiber mit einem Augenzwinkern. Am Ende der eindrucksvollen Demonstration des unerschöpflichen Angriffspotenzials im Netz nahmen die Teilnehmer die Botschaft mit: „ Bewegen Sie sich mit offenen Augen im Netz, erachten Sie Ihre Daten als wertvoll und seien Sie vorsichtig im Umgang mit nicht-sicheren Datenquellen.“ Christine Schneider

SQL-Angriff mit einem gefälschten Barcode, manipulierte Highscorelisten, gefakte Handynachrichten – wem kann man trauen? Sebastian Schreiber empfiehlt zur Vorbereitung einer besseren Gefahrenabwehr den Artikel „Der Tag an dem ich schwul wurde“, erschienen im Magazin Der Spiegel 42/2013 oder online unter www.spiegel.de.


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Verband + Industrie

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Demografieverhandlungen abgebrochen Mit dem Tarifabschluss vom 7. November 2012 haben die Tarifparteien die letzte Entgeltrunde mit zwei Erhöhungsstufen von 3 Prozent zum 1. Mai 2013 und weiteren 2 Prozent zum 1. Juni 2014 abgeschlossen und verbindlich geregelt. Schon dieses Ergebnis war für die unter starkem Kostendruck stehenden Unternehmen in der Fläche nur mit Vereinbarung entsprechender Stellschrauben und unter dem Blickwinkel einer langen Planungssicherheit zu rechtfertigen. Die Demografiethemen wie Arbeitszeitfragen, Abbau von Senioritätsprivilegien, Altersteilzeit oder Übernahme Ausgebildeter – so war man sich einig – sollten in Ruhe im Anschluss der Entgeltrun-

neuen Arbeitnehmer attraktiv zu bleiben. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in der Textil- und Bekleidungsindustrie räumt den Ar-

enden Altersteilzeit aufgebracht werden, die die Betriebe mit Aufstockungsbeträgen, zusätzlichen Beiträgen zur Rentenversicherung und Rückstellungsverpflichtungen

Das Tarifpaket der Arbeitgeber ist geschnürt.

Personalkostenerhöhung durch die Hintertür? de verhandelt und gelöst werden. Dass das Thema Demografie auch für die Textil- und Bekleidungsindustrie und ihren Beschäftigten von besonderer Bedeutung ist, steht außer Frage. Ebenso sind auch die Tarifvertragsparteien bei diesem Thema unbestreitbar in der Pflicht, die Unternehmen bei der Lösung der auf sie zukommenden Probleme zu unterstützen, um für die Beschäftigten und potenziellen

beitgebern keine weiteren neuen finanziellen Spielräume ein. Ganz im Gegenteil: Nach Umsatzrückgängen im Halbjahresvergleich zum Vorjahr von 3,3 Prozent im Durchschnitt bleibt die Lage weiter angespannt. Die Unternehmensvertreter haben deshalb von Beginn an auf Kostenneutralität, Freiwilligkeit und Kompensationsmöglichkeiten möglicher Regelungen verwiesen und auf dieser Grundlage zu allen Forderungen der IG Metall Lösungsvorschläge unterbreitet. Wenig Verständnis kann vor diesem Hintergrund für die Forderung der IG Metall nach einer verpflicht-

ganz erheblich zusätzlich finanziell belastet. Dies scheint bei den Verhandlungen aber der Dreh- und Angelpunkt zu sein. Damit würde durch die Hintertüre ein über die bereits verhandelte Entgeltangleichung hinausgehender weiterer Personalkostenblock zur Unzeit auf die Firmen zu kommen. Zu Recht stellen einige Unternehmer die Frage, ob das veraltete Modell einer Altersteilzeit in Zeiten des Fachkräftemangels überhaupt eine Antwort auf die demografischen Probleme sein kann. Ein für die Arbeitnehmer wünschenswertes Modell eines früheren Ausschei-

dens setzt außer der finanziellen Möglichkeit des Unternehmens, die erhöhte Kostentragung zu stemmen, auch die Absicherung der Nachfolge des Arbeitnehmers im Betrieb voraus. Scheiden in den nächsten Jahren ohnehin aufgrund des hohen Altersdurchschnitts in den Betrieben viele Mitarbeiter aus, verschärft sich die Situation durch Altersteilzeitregelungen zusätzlich. Jeder Betrieb muss deshalb für sich prüfen dürfen, ob Altersteilzeit aufgrund der regionalen und betrieblichen Gegebenheiten als personalpolitisches Instrument eingeführt werden kann, ohne den Betrieb zu gefährden. Insoweit ist es Aufgabe der Tarifvertragsparteien, die entsprechenden Rahmenregelungen unter Berücksichtigung der Belange in der Industrie zu gestalten und für die Firmen, die sich hier eine ausgewogene Regelung wünschen auch eine Lösung bereitzustellen. Gleiches gilt für Langzeitkonten. Auch hier sollten die Tarifvertragsparteien Regelungen gestalten, damit die Unternehmen, die mit diesem kostenintensiven personalpolitischen Instrument arbeiten wollen, auf eine ausgewogene und arbeitnehmerschützende Konzeption zugreifen können. Tarifliche Regelungen zur Altersteilzeit und zu Langzeitkonten müssen deshalb nicht verpflichtend sein, um im Betrieb anzukommen Kai-Uwe Götz

Tacheles in Tagesschau „Donata Apelt-Ihling, Textilunternehmerin“ – so lautete die Einblendung während eines Kurzinterviews mit der SüdwesttextilVizepräsidentin in der Tagesschau. Ein ARD-Kamerateam hatte auf dem Deutschen Arbeitgebertag am 19. November in Berlin Bild und Stimme der Unternehmerin aus Oberkirch eingefangen, um ihre Meinung zu den laufenden Koalitionsverhandlungen zu hören. Prägnant und eloquent kritisierte Frau Apelt-Ihling die Pläne zum flächendeckenden Mindestlohn. Wenn er kommt, wandern einfache Arbeiten ins Ausland. Das passiert schleichend. Und ist deshalb gefährlich. Auch die Energiekosten, die Schwarz-Rot offenbar nicht in den Griff bekommen, kritisierte sie kurz und knapp. Ein erfrischender Auftritt.


Verband + Industrie 5

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Südwesttextil und Designer-Verband kooperieren Trendinformationen für Mitgliedsunternehmen zu Sonderkonditionen Südwesttextil und Gesamtmasche kooperieren fortan mit dem Verband der deutschen Mode- und Textildesigner VDMD. „Zusammen können wir viel mehr erreichen“, dahin sind sich Mara Michel, Geschäftsführerin des VDMD, und Silvia Jungbauer, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmasche einig. „Wir setzen um, wofür es längst an der Zeit ist – mit ganz konkreten Vorteilen für beide Seiten“. Die Mitglieder der Industrieverbände profitieren von professionellen, hochaktuellen Trendinformationen zu attraktiven Konditionen. Der VDMD sucht seinerseits eine stärkere Vernetzung mit den Unternehmen, gerade auch im Rahmen der Auftragsvergabe an Freelancer. Nicht in allen Bereichen herrscht eitel Sonnenschein – doch das empfinden die Partner als ganz normal. „Natürlich gibt es bei Themen wie der Künstlersozialversicherung oder bei der Ausge-

staltung von Designer-Verträgen unterschiedliche Auffassungen“, sagt Mara Michel. Wichtig sei es, sich an einen Tisch zu setzen und Kompromisse auszuloten. Sogar gemeinsame Musterverträge sind schon im Gespräch. Auch in den Bereichen Kommunikation und Lobbying wollen die Verbände stärker zusammenarbeiten. Die von der Politik viel zitierte Stärkung der Kreativwirtschaft müsse im Textil- und Modebereich endlich in Angriff genommen werden, fordern die Kooperationspartner. Schließlich stehe die Branche wie kaum eine andere für ständige Innovation – von textilen Hightech-Anwendungen bis zu avantgardistischen Kreationen auf dem Laufsteg. Dafür will sich die Koalition aus Industrie und Designern in Berlin und Brüssel einsetzen.

VDMD Trendinformationen Zu jeder Saison erarbeitet das VDMD_TrendResearchTeam neue Trend Forecasts – zu den Megatrends genauso wie zu den Sparten DOB, HAKA, KIKO, Sports oder Accessoires. In Kürze kommt ein Special STRICK dazu. Neu erschienen sind das VDMD Color_Book und die VDMD color_card für den Sommer 2015. Mitgliedsfirmen von Südwesttextil und Gesamtmasche können die Trend-Informationen des VDMD zum VDMD-Mitgliederpreis erwerben. Das bedeutet bis zu 50 Prozent Rabatt. Online-Shop: vdmd. fashion123.de. Die VDMD-Trendtage bieten Unternehmen und Designern die Gelegenheit, sich frühzeitig – rund zwei Jahre im Voraus – über Megatrends und deren Umsetzung zu informieren. Rechtzeitig zur kommenden Saison wird ein Trendseminar speziell für die Mitglieder von Südwesttextil und Gesamtmasche angeboten – Termininfo folgt.

Silvia Jungbauer

Online-Handel: Gute Produktbeschreibungen sind das A und O Die jüngste Untersuchung der Hochschule Reutlingen zum Thema „Fashion Online Produktbeschreibungen“ unter Leitung von Prof. Dr. Jochen Strähle, International Fashion Retail, ergab: Mehr Produktinformationen in Online-Shops helfen den Kunden, die angebotenen Produkte besser einzuschätzen. In einem Test wurden Websites von Asos, Bershka, H&M, Mango und Zara jeweils mit viel und wenig Produktbeschreibungen versehen und miteinander verglichen. Die Einschätzung hinsichtlich der Qualität eines Produkts durch mehr Informationen steigerte sich um drei Prozent, bei Modernität und Emotionalität waren die Werte sogar um bis zu acht Prozent höher. „Dies ist insofern erstaunlich, da Emotionalität im Webmarketing häufig mit Bildsprache gleichgesetzt wird“, sagt Strähle. „Damit laufen Unternehmen Gefahr, die Bedeutungskraft einer ausgefeilten Produktbeschreibungen zu unterschätzen“, so der Handelsexperte weiter. In den Tests führt die Kom-

bination umfassender Produktbeschreibungen mit ansprechenden Bildern zu einer besseren Bewer-

sonen an umfassenden Informationen interessiert sind. Kunden, die nur wenige Produktbeschreibungen

sind ausführliche Produktbeschreibungen. Jüngste Studien zeigen jedoch, dass viele Fashion Websites gerade hier ein Defizit haben, da Unternehmen organisatorisch für die Erstellung der Texte wenige Ressourcen zur Verfügung haben. Die Testreihe, durchgeführt im hochschuleigenen Retail Labor, ist Teil des Forschungsprojektes Online Neuromarketing. Die Studienergebnisse können in englischer Sprache im Bereich International Fashion Retail angefordert werden. Simone Diebold

Schlüssellochanalyse aus der Untersuchungsreihe Foto: Hochschule Reutlingen

Kontakt

tung. Grund hierfür ist die Dauer der Aufmerksamkeit auf ein Produkt: Bei ausreichender Zeitdauer können sowohl Produktbild als auch Text vom Kunden erfasst werden, was in Kombination eine positive Einschätzung zur Folge hat. In der Studie konnte ebenfalls gezeigt werden, dass die Testper-

zur Verfügung hatten, fühlten sich wesentlich schlechter informiert und somit weniger kaufbereit. 46,2 Prozent der Kunden konstatierten, dass sie zu wenig Produktdetails hätten − bei vielen Informationen waren es gerade einmal 8,3 Prozent. Die Konsequenz: Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Onlineshops

Prof. Dr. Jochen Strähle, Hochschule Reutlingen, Fakultät Textil & Design, Studiengang International Fashion Retail Tel.: +49 7121 271-8073 E-Mail: jochen.straehle@reutlingenuniversity.de


6  Bildung + Soziales

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Brücken bauen Eckpunkte zur Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf in Baden-Württemberg Anfang November haben die Partner des Ausbildungsbündnisses Baden-Württemberg unter Leitung von Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid ein Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Übergangs von der Schule in den Beruf in Baden-Württemberg vorgelegt. Ziel ist es, die Zahl direkter Übergänge von der Schule in eine Berufsausbildung zu erhöhen. Vier Aspekte wurden dabei besonders herausgearbeitet: Berufliche Orientierung an allgemeinbildenden Schulen Mit Einführung des Leitprinzips „Berufliche Orientierung“ und dem neuem Schulfach „Wirtschaft/ Berufs- und Studienorientierung“ im Rahmen der Bildungsplanreform 2015 wird Berufsorientierung systematisch an allgemeinbildenden Schulen verankert. Die allgemeinbildende Schule ermöglicht den bestmöglichen Abschluss und steht in der Verantwortung für einen erfolgreichen Übergang in die berufliche Ausbildung. Sie steuert den Prozess der Berufsorientierung in Partnerschaft mit weiteren Akteuren. Ein verantwortlicher „Kümmerer“ unterstützt Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. Außerdem wird „Berufliche Orientierung“ stärker in die Lehreraus- und -fortbildung einfließen.

Dualisierung schulischer Ausbildungsvorbereitung Die Ausbildungsvorbereitung in dualer Form (AV dual) ist ein neu zu entwickelnder ganztagsschulischer, dualer, einjähriger Ausbil-

Berufsschulpflichtige Jugendliche, die beruflich orientiert und ausbildungsfähig sind und sich nachweislich mehrfach erfolglos für einen Ausbildungsplatz beworben haben, erhalten im Sinne

Foto: © Syda Productions – Fotolia.com

dungsgang an beruflichen Schulen, der die bisherigen Bildungsgänge Berufsvorbereitungsjahr (BVJ/ VAB) und das Berufseinstiegsjahr (BEJ) integriert. Außerdem dient es als Alternative für Schüler, die aufgrund des Wegfalls der Notenhürde bisher in die zweijährige Berufsfachschule einmünden. Die Wirtschaft stellt für AV dual eine hinreichende Zahl von Praktikumsplätzen zur Verfügung, um eine duale Ausgestaltung möglich zu machen. Konditionierte Qualifizierungsgarantie für Berufsschulpflichtige Jugendliche

einer staatlichen Ausbildungsgarantie ein ganztägiges Angebot an beruflichen Schulen für das erste Jahr einer Berufsausbildung mit betrieblichen Anteilen, das sich an der einjährigen Berufsfachschule orientiert (BQ dual). BQ dual bildet in einem ausbildungsmarktrelevanten Beruf aus. Die Auswahl der Berufe erfolgt landesweit unter Berücksichtigung regionaler Erfordernisse vom Landesausschuss für Berufsbildung (LAB) und wird in regelmäßigen Abständen überprüft. Sollte nach dem ersten Jahr ein Übergang in eine duale betriebliche Ausbildung nicht gelingen, haben die Jugendlichen einen staatlich

Azubi-Broschüre für Büro und Verwaltung

www.bgetem.de (Webcode 12201321)

Erfolgreich sein, Spaß am Beruf und am Leben haben, das wünscht sich jeder. Wie wichtig dabei die eigene Gesundheit ist, wird oft nicht bedacht. Die neue Azubi-Broschüre für Büro und Verwaltung möchte Berufsstartern von Anfang an das sichere Rüstzeug für unfallfreies Arbeiten an die Hand geben – vom Basiswissen zur Ersten Hilfe über den Umgang mit elektrischen Geräten bis hin zum ergonomischen Arbeiten im Büro und Bewegungstipps. Sie bietet außerdem Hintergrundinformationen, wie z. B. zu den Rechten und Pflichten, die für Auszubildende im Betrieb gelten. Die Broschüre steht unter www.bgetem.de (Webcode 12201321) als PDF zur Verfügung oder kann dort bestellt werden. Einfach im Medienshop auf den Bereich „Aufgepasst - Broschüren für Auszubildende“ klicken und Broschüre auswählen. Weitere Bestellmöglichkeiten: E-Mail: versand@bgetem. de, Telefon: 0221 3778-1020, oder Telefax: 0221 3778-1021. Die Bestellnummer lautet: AB 016. Der Preis beträgt 1,50 Euro für Mitgliedsbetriebe der BG ETEM (andere Besteller zahlen 3,00 Euro zzgl. Versandkostenpauschale).

garantierten Anspruch auf Weiterführung der Ausbildung im zweiten und dritten Ausbildungsjahr bei einem Bildungsträger. Regionales Übergangsmanagement Mit dem Aufbau eines regionalen Übergangsmanagements soll im Rahmen von regionaler Moderation und Koordination in den Stadt- und Landkreisen eine breite lokale Verantwortungsgemeinschaft für gelingende Übergänge in Ausbildung und Beruf aufgebaut werden. Außerdem soll eine rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit für Schüler mit Problemlagen zur abgestimmten individuellen Unterstützung erreicht werden. Hierzu kann auf Erfahrungen aus bestehenden Netzwerken zurückgegriffen werden. Es wird ein Abstimmungs- und Aushandlungsprozess zwischen Land und regionaler Ebene initiiert. Die Bündnispartner schlagen vor, einen Modellversuch in einzelnen Regionen Baden-Württembergs ab dem Schuljahr 2014/15 zu erproben und bei positivem Verlauf landesweit weiterzuentwickeln. Die Modellregionen werden in den nächsten Wochen festgelegt.

Christine Schneider

Stellen­gesuch Ein Sales Manager italienischer Herkunft sucht mit 47 Jahren eine neue Herausforderung. Er verfügt über hervorragende Chinesisch-Kenntnisse und über eine langjährige berufliche Erfahrung in China. Nach seinem postgradualen Studium in Chinesisch und Ökonomie an der renommierten University of California in Berkley arbeitete er in verschiedenen Ländern. Seine Vita kann bei Interesse unverbindlich bei Südwesttextil angefordert werden (schneider@ suedwesttextil.de)


Bildung + Soziales  7 

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Textile Weiterbildung Gatex-Seminarprogramm 2014 verfügbar Auch 2014 möchte die Gatex mit ihrem umfangreichen Aus- und Weiterbildungsangebot Auszubildende, Fachkräfte, Führungskräfte und den Führungsnachwuchs zum Lernen animieren. Gestartet wird vom 17. bis 21. März mit dem stark nachgefragten Seminar „Textiles Grundwissen für Kaufleute bzw. Auszubildende“. Dieses 5-tägige Seminar richtet sich an Mitarbeiter in der Textil- und Bekleidungsindustrie, die nicht in der Produktion tätig sind, die aber für ihren Arbeitsbereich über ein textiles Grundwissen verfügen müssen. Und wer nach Ab-

schluss dieses Kurses noch mehr wissen möchte, kann vom 18. bis 20. November das 3-tägige Aufbauseminar „Vertiefung Textiles

G AT E X

Seminarkalender

2014

März Textiles Grundwissen für Kaufleute und Auszubildende Termin 17. – 21. März 2014

Mai Verantwortung von Führungskräften – Haftung für Personal und Produktion

Textile Prüfungen Termin 1. Modul 6. – 7. Mai 2014

Juni

Termin 14. Mai 2014

Juli

September

Textile Prüfungen

Textile Prüfungen

Termin 2. Modul 3. – 4. Juni 2014

Termin 3. Modul 15. – 16. Juli 2014

Textiles Grundwissen für Kaufleute und Auszubildende Termin 8. – 12. September 2014

Oktober Textiles Grundwissen für Kaufleute und Auszubildende

Gewebeanalyse Termin 8. – 9. Oktober 2014

Termin 27. – 31. Oktober 2014

November

Seminarprogramm

2014

Workflow from Fiber to Garment

Fibers

Vertiefung Textiles Grundwissen

Termin 4. November 2014 (in englischer Sprache)

Termin 5. November 2014 (in englischer Sprache)

Termin 18. – 20. November 2014

Auf Anfrage Fachwirt für die Textilund Bekleidungswirtschaft iTex-Seminar

Grundwissen“ besuchen. Darüber hinaus bietet die Gatex u. a. Workshops zum Thema „Textile Prüfungen“ und zur „Gewebeanalyse“ sowie englischsprachige Seminare zu Funktionseigenschaften von Faserstoffen und Darstellung der gesamten textilen Produktionsprozesse. Auch individuelle Firmenseminare – die „iTex-Seminare“ – können gebucht werden. Das Seminarprogramm sowie ein übersichtlicher Seminarkalender gibt es zum Download unter www.die-gatex.de.

Industriemeister Textilwirtschaft

Nähere Informationen zu den einzelnen Seminaren finden sich im Seminarprogramm oder auf

www.die-gatex.de

Christine Schneider

Fakultät Textil & Design beruft zwei Technologie-Experten Zum laufenden Wintersemester holt sich Reutlingen zwei Experten ins Boot: Prof. Dr. Volker Jehle und Prof. Dr. Klaus Meier. Dr. Klaus Meier kann auf eine jahrelange Forschungserfahrung zurückblicken. Knapp 18 Patentanmeldungen tragen seinen Namen. Zuletzt war er als Forschungsleiter bei dem Textilunternehmen Kunert tätig. Die Wahl zum Studiendekan Textiltechnologie/Textilmanagement bestätigt seinen erfolgreichen Start an der Hochschule. Zu seinem Lehrgebiet zählt Advanced Textile Materials. Dr. Volker Jehle ist die Nachfolge von Prof. Dr. Anton Schenek angetreten. Schenek war im Bereich der Garntechnologie 24 Jahre für die Textilingenieur-Ausbildung zuständig und hat sich dieses Jahr in den Ruhestand verabschiedet. Jehle verantwortete zuvor bei der Textilmaschinenfabrik Rieter die Forschung und Entwicklung. Schwerpunkte in der Lehre sind Textile Faserstoffe, Technologie der Garnerzeugung, Faserverarbeitung und Vliesstofftechnologie, Textile Rohstoffprüfung, Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Garnerzeugung.

AUFGEPASST

GO TEXTILE! IM KINO „Nacktbaden“ und „Leibwache“ aus der „Tiny People“ Reihe. W W W. G O - T E X T I L E . D E

Im Dezember, rechtzeitig zum Start des zweiten Teils von „Der Hobbit“, bewirbt Go Textile! in den größten Kinosälen der textilen Hochburgen Lörrach, Hof und Bocholt mit jeweils zwei zwanzig Sekunden Kurzclips die Nachwuchskampagne Go Textile!. Ausgewählt wurden die zwei Clips „Nacktbaden“ und „Leibwache“ aus der „Tiny People“ Reihe. Diese werden im Rahmen der Kinowerbung kurz nacheinander vor dem Hauptfilm ausgestrahlt. Es wurden bewusst nur zwei Clips ausgewählt, um auf diese Weise einen nachhaltigen Erinnerungseffekt zu erzielen. Wer sich also den Hobbit anschaut – das Go Texile!Team freut sich über ein Feedback.

leibwache

Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil. Azubis einstellen ohne Schulnoten – (wie) geht das? 11. Dezember 2013, Haus Steinheim Aktuelle Fragen zum Lohnsteuerrecht 2014 22. Januar 2014, Haus Steinheim Steuerliche Beurteilung von Reisekosten 5. Februar 2014, Haus Steinheim

nacktbaden?

www.biwe-akademie.de


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Recht + Steuern

NOVEMBER 2013 I NR. 74

Bildung und Gesundheit

Personalleiterkreise bringen fruchtbaren Austausch Im Zentrum der von Südwesttextil im November veranstalteten Personalleiterkreise standen Fragen zum richtigen Umgang mit gesundheitlichen eingeschränkten Mitarbeitern sowie Bildungsthemen. Die insgesamt 42 Teilnehmer waren sich einig: Der richtige Umgang mit Mitarbeitern, die sich eigentlich für arbeitsfähig halten, aber gewisse Tätigkeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausführen können, stellt den Arbeitgeber bisweilen vor schier unlösbare Aufgaben. Angelehnt an die gesetzliche Regelung für Schwerbehinderte billigt das Bundesarbeitsgericht mittlerweile auch nichtbehinderten Arbeitnehmern sehr weitgehende Ansprüche auf leidensgerechte Beschäftigung zu. Ist ein solcher Arbeitsplatz frei, so ist der Arbeitgeber regelmäßig gehalten, diesen zur Verfügung zu stellen. Schwierig wird die Situation jedoch dann, wenn ein leidensgerechter Arbeitsplatz durch andere Mitarbeiter besetzt ist. Im Spannungsfeld zwischen Fürsorgepflicht gegenüber den eingeschränkten Mitarbeitern und der notwendigen Rücksicht gegenüber den eigentlich unbeteiligten anderen Mitarbeitern ist es für die Personalverantwortlichen häufig schwierig, allen Interessen gerecht zu werden. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Grenze der Verpflichtung zur leidensgerechten Beschäftigung jedenfalls dort beginnt, wo

berechtigte Interessen Dritter unangemessen benachteiligt werden. Vom BAG ist deshalb zum einen klargestellt worden, dass der Ar-

des fehlenden Bedarfs für diese Tätigkeit unzumutbar erscheint. Ähnlich hoch schätzten die Teilnehmer das bestehende Kon-

Die gastgebenden Unternehmen gewährten interessante Einblicke.

beitgeber einen Arbeitsplatz nicht freikündigen muss. Zum anderen ist auch die Versetzung eines Dritten dem Arbeitgeber nur dann zumutbar, wenn dies nicht gegen den ausdrücklichen Willen des Dritten geschieht und der Betriebsrat seine Zustimmung zur Versetzung nicht verweigert. Die Zuweisung eines leidensgerechten Arbeitsplatzes kann auch verweigert werden, wenn eine solche aufgrund wirtschaftlicher Belastungen bzw. aufgrund

Recht kompakt Sozialversicherungsrecht- Unfallversicherung Frage: Über welchen Träger sind Studenten eines dualen Studiums unfallversichert? Antwort: Für die Studienzeiten im praxisintegrierten dualen Studium an einer (Fach-) Hochschule besteht Versicherungsschutz über die entsprechende (Landes-) Unfallkasse. Die berufspraktischen Phasen der dualen Studiengänge sind dagegen grundsätzlich als Beschäftigungsverhältnis zu beurteilen. Hierbei kommt es auf die Bezeichnung des dualen Studienganges (praxisintegriert bzw. ausbildungsintegriert) nicht an. Es besteht damit Versicherungsschutz über den für den Praktikumsbetrieb zuständigen Unfallversicherungsträger. Hierbei wird darauf abgestellt, dass die Studierenden beim Ableisten der Praktika zu arbeitnehmertypischen Leistungen verpflichtet sind, sie in den Betrieb eingegliedert werden und weisungsgebunden sind.

fliktpotenzial im Rahmen einer vom Arbeitnehmer bzw. vom behandelnden Arzt verlangten stufenweisen Wiedereingliederung ein. Die Tatsache, dass diese im Einzelfall ein brauchbares Mittel zur Hilfestellung für gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeiter sein kann, blieb zwischen den Personalern jedoch unbestritten. Da jedoch die Ansichten der hinter der Wiedereingliederung stehenden Krankenkasse und des Arbeitgebers in Bezug auf deren Umsetzbarkeit bzw. ihrer Erfolgsaussichten teilweise weit auseinander gehen, stellt sich die Frage nach den rechtlichen Rahmenbedingungen. Klargestellt wurde von den Juristen von Südwesttextil, dass eine rechtliche Verpflichtung zur Durchführung einer stufenweisen Wiedereingliederung nur bei schwerbehinderten Mitarbeitern besteht. Im Übrigen kann eine solche zwar angezeigt sein, der Arbeitgeber kann hierzu jedoch nicht gezwungen werden. Dementsprechend kann jedenfalls bei nichtbehinderten Mitarbeitern eine begonnene Wiedereingliederung jederzeit wieder formlos abgebrochen werden. Spezielle Gründe müssen hierfür nicht vorliegen. Insbesondere liegt

ein Abbruch, auch zum Wohle des Mitarbeiters, dann nahe, wenn sich zeigt, dass er den Anforderungen weiterhin nicht gewachsen ist. Auf dem Sektor der beruflichen Bildung tauschten sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen mit Dualen Hochschulstudenten aus. Bezüglich der Beschäftigungsbedingungen war es für sie wichtig, zu erfahren, dass es sich bei dem Vertragsverhältnis zwischen dem Unternehmen und den Studenten nicht um einen Ausbildungsvertrag nach dem Berufsbildungsgesetz handelt. Die strengen gesetzlichen Regelungen, die von Azubis bekannt sind, finden auf Duale Hochschüler deshalb grundsätzlich keine Anwendung. Auf dem Umweg über die AGB Prüfung sind jedoch manche Wertungen wie z. B., dass Verträge mit Studenten nach Ablauf der Probezeit lediglich aus wichtigem Grund gekündigt werden können, auch auf diese Vertragsverhältnisse übertragbar. Kontrovers diskutiert wurden die von Südwesttextil vorgestellten Visionen zum möglichen Abschluss eines Tarifvertrags zum Förderjahr. Zwar sind sich die Personalverantwortlichen bewusst, dass die als nicht ausbildungsfähig eingestuften Jugendlichen aus dem Bewerberpool der Agenturen für Arbeit ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit verlangen. Der unbestrittene Mangel an Fachkräftenachwuchs legt es jedoch nahe, dieses bislang eher unangetastete Nachwuchspotenzial stärker in den Fokus zu nehmen. Die unangefochtenen Highlights der drei Personalleiterkreise waren die spannenden Einblicke in die gastgebenden Unternehmen. Sowohl die Betriebsführungen bei der Konrad Hornschuch AG und der Coats GmbH als auch die von der Felina GmbH organisierte Modenschau begeisterten die Teilnehmer und stellten leuchtende Beispiele für eine lebendige, erfolgreiche und sympathische Branche dar. Die Unterlagen der Personalleiterkreise stehen im Mitgliederbereich von www.suedwesttextil. de zum Download zur Verfügung. Boris Behringer


Recht + Steuern  9 

Südwesttext

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Haft als Kündigungsgrund Personenbedingte Kündigung setzt vorherige Anhörung voraus Wenn ein Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit erscheint, weil er sich in Untersuchungshaft befindet, dann ist das verständliche Interesse des Arbeitgebers vorhanden, sich von dem Mitarbeiter zu trennen. Schließlich setzt die Untersuchungshaft in der Regel eine erhebliche Straftat voraus, die mit einer hohen Freiheitstrafe verbunden ist.

rausgebildet, dass eine personenbedingte Kündigung jedenfalls dann ausgesprochen werden kann, wenn der Arbeitgeber mit einer

Da das strafrechtliche Verfahren oft langwierig ist, ist der Arbeitgeber durchaus berechtigt, aufgrund einer anzustellenden

Zunächst gilt die Unschuldsvermutung Allerdings ist die personenbedingte Kündigung vor einer rechtskräftigen Verurteilung nicht ganz einfach. Schließlich ist die Abwesenheit des Arbeitnehmers zunächst für den Arbeitgeber mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden, wenn einmal außer Acht gelassen wird, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung nicht erfüllen kann. Außerdem soll für den Angeklagten auch zunächst die Unschuldsvermutung gelten. Um diese Problematik zu lösen, hat die Rechtsprechung he-

Eine Kündigung kann ausgesprochen werden, wenn der Arbeitgeber mit einer mehr als zweijährigen Freiheitsstrafe des Arbeitnehmers rechnen muss. Foto: © rangizzz – Fotolia.com

mehr als zweijährigen Freiheitsstrafe des Arbeitnehmers rechnen muss. Dann begründet die Ungewissheit über die Rückkehr eine erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen.

Prognose zu kündigen, wenn ausreichende objektive Anhaltspunkte für eine Verurteilung und eine mehrjährige Haftstrafe vorliegen. Solche liegen bei Kenntnis des Tatvorwurfs sowie bei geständiger

Einlassung des Angeklagten zu der Tat vor. Hierzu hat nunmehr das Bundesarbeitsgericht (BAG) im Mai dieses Jahres ergänzend entschieden, dass alle zumutbaren Anstrengungen zur Aufklärung des Sachverhaltes unternommen werden müssen und dem Arbeitnehmer vor Ausspruch der Kündigung Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben ist. Wurde eine dementsprechend belegte Prognose gebildet, dann bleibt die Kündigung in der Regel wirksam, selbst wenn der Mitarbeiter später nicht strafrechtlich verurteilt wird. Deswegen ist es zumutbar, vor Ausspruch der Kündigung eine Stellungnahme einzuholen. Sollten keine Anhaltspunkte für eine entsprechende Prognose vorliegen, besteht noch die Möglichkeit, die Beeinträchtigung betrieblicher Interessen durch konkrete Störungen des Produktionsablaufes zu belegen. Somit setzt der Ausspruch einer personenbedingten Kündigung aufgrund einer Untersuchungshaft jedenfalls vor der Verurteilung in der Regel eine vorherige Anhörung voraus. Nathan Binkowski

Erfordernis einer Abmahnung Zu den Voraussetzungen einer ordnungsgemäßen Abmahnung gehört neben der Rüge eines genau zu bezeichnenden Fehlverhaltens (Rügefunktion) der Hinweis auf die Bestands- oder Inhaltsgefährdung des Arbeitsverhältnisses für den Wiederholungsfall (kündigungsrechtliche Warnfunktion). In einer Abmahnung lediglich „arbeitsrechtliche Konsequenzen“ anzudrohen ist auch nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 19. April 2012 – 2 AZR 258/11 zumindest gefährlich. Es ist zwar beruhigend, dass das BAG in seiner Entscheidung ausdrücklich feststellt, mit der Formulierung „arbeitsrechtliche Konsequenzen“ könne ein Arbeitnehmer regelmäßig erkennen, dass der Arbeitgeber werde im Wiederholungsfall möglicherweise auch mit einer Kündigung reagieren

werde, was ausreichend sei. Aber mal ehrlich: Wer will seine Hand dafür ins Feuer legen, dass der jeweilig abgemahnte Arbeitnehmer überhaupt das Fremdwort „Konsequenzen“ versteht? Wie oft musste man im Gerichtssaal nicht schon feststellen, dass ein Arbeitnehmer zumindest der deutschen Sprache plötzlich nur noch bruchstückhaft mächtig war und mündlich geführte Gespräche gar nicht verstanden haben soll? Da kein Arbeitgeber darüber streiten will, ob ein Arbeitnehmer nunmehr hat erkennen können, ob im Wiederholungsfall mit einer Kündigung zu rechnen sei oder nicht, sollte in einer Abmahnung im Rahmen der Warnfunktion weiterhin immer mit einer Kündigung bzw. Bestandsgefährdung des Arbeitsverhältnisses ausdrücklich gedroht werden. Kai-Uwe Götz

Aktuelle Steuer-Nachrichten Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses einen Pkw, so liegt aus umsatzsteuerlicher Sicht eine entgeltliche Leistung durch den Arbeitgeber vor. Sofern der Arbeitnehmer den Dienstwagen auch zur privaten Nutzung nutzen darf, ist diese Nutzung im Rahmen des sogenannten geldwerten Vorteils zu besteuern. Die Umsatzbesteuerung der Privatnutzung nimmt der Arbeitgeber im Rahmen seiner Umsatzsteuer-Voranmeldungen vor. Mit Schreiben vom 12. September 2013 reagierte die deutsche Finanzverwaltung auf die Neuregelung bei der langfristigen Vermietung von Beförderungsmitteln und stellte klar, dass auch die Dienstwagenüberlassung zur privaten Nutzung an einen Arbeitnehmer als langfristige Vermietung eines Beförderungsmittels anzusehen ist. Die Vermietung ist folglich an dem Ort zu besteuern, an dem der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz hat. Erhalten also in Deutschland tätige Arbeitnehmer, die im grenznahen EU-Ausland ihren Wohnsitz haben, einen Dienstwagen auch für die private Nutzung, so hat der deutsche Arbeitgeber künftig ausländische Umsatzsteuer abzuführen. Die aktuelle Ausgabe der Steuernachrichten kann als pdf-Datei im Mitgliederbereich von Südwesttextil heruntergeladen werden.


10  Technik + Umwelt

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Virtuelle Realitäten Ein großer Teil der Produktfotos, die uns heute aus Anzeigen, Katalogen oder von Plakaten entgegen lachen, sind in Wirklichkeit gar keine Fotografien. Es sind fotorealistische Bilder, die am Computer erzeugt wurden. Um Fantasiegestalten handelt es sich trotzdem selten, denn erstellt werden sie meist auf Basis von Konstruktionsdaten für reale Objekte. Längst wird die Computer Generated Imagery (CGI) nicht mehr nur in Kinofilmen oder Games eingesetzt, sondern auch in der Industrie, und zwar in der gesamten Wertschöpfungskette – vom Design übers Engineering bis hin zu Marketing und Vertrieb. 3D-Daten, die sich als Basis für derlei Visualisierungen anbieten, liegen heute für sehr viele industriell gefertigte Produkte vor. Sie entstehen nicht nur bei der Konstruktion von Autos und Maschinen, sondern zum Beispiel auch beim Design von Hosen und Sakkos. Durch die zunehmende Digitalisierung der Entwicklungsund Produktionsprozesse auf der Daten-Input-Seite, sinkende Kosten für Hard- und Software sowie veränderte Erwartungen auf Kundenseite werden datenbasierte

Visualisierungen nun auch für Vertriebs- und Marketingabteilungen jenseits von Technologiekonzernen immer attraktiver. Zudem profitiert die Disziplin von der Leistungssteigerung der Hardware, die nicht zuletzt durch die Anforderungen der Gaming-Industrie vorangetrieben wird. Die Vorteile der „virtuellen Fotografie“ liegen auf der Hand. Unternehmen können viel früher im Entwicklungsprozess beginnen, an Werbemotiven zu arbeiten, können Produkte darstellen, die es noch gar nicht gibt. Auch lässt sich ein digitales Objekt mühelos in verschiedenen Szenerien platzieren, ob in der Wüste von Australien oder auf einer Klippe an der Nordsee. Höchst praktisch ist diese Variabilität fürs Customizing, die Vermarktung von Produkten, die der Kunde seinen Vorlieben anpassen kann – sei es im technischen Vertrieb oder beim Verkauf von Designprodukten. So hat beispielsweise ein junges Stuttgarter Softwarehaus jetzt Lösungen zur Bildproduktion mit virtuellen Models und Outfits vorgestellt. Da die Bildproduktion im Modebereich aufgrund schneller und schneller wechselnder Sor-

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Termine

timente immer aufwändiger und kostenintensiver wird, hat das Unternehmen unter Verwendung moderner HTML5-Technologie ein solches Tool entwickelt. Models werden nur noch einmalig fotografiert, die Produkte ebenso. Dabei ist die Anzahl an Produkten, Models und auch Hintergründen keiner Beschränkung unterlegen. Der Reiz der Software liegt darin, dass die Kleidungsstücke am Model virtuell kombiniert werden. In einer einfach zu bedienenden Oberfläche können die Outfits beliebig zusammen gestellt, das Model gewechselt, Hintergründe getauscht und die Ergebnisse in hochauflösender Bildqualität exportiert werden. Dazu sind neben gutem Geschmack keinerlei Kenntnisse wie etwa Fotografie- oder TechnologieKnowhow nötig. Beim Netzwerk für Virtual Engineering (VDC) hat sich eine Gruppe gebildet, die sich mit virtuellen Techniken in textilen Anwendungen befasst unter anderem auch mit CGI. Es ist ein Whitepaper mit den Anwendungsfeldern und Chancen entstanden, welches im Mitgliederbereich von Südwesttextil heruntergeladen werden kann. Christine Schneider

Nach dem Vorbild der Paradiesvogelblume Für die bionische Fassadenverschattung Flectofin® und die darauf basierenden Weiterentwicklungen erhalten Dr. Markus Milwich, Leiter des Leichtbauzentrums am ITV Denkendorf, Prof. Dr. Jan Knippers vom Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen der Universität Stuttgart und Prof. Dr. Thomas Speck, Direktor des Botanischen Gartens der AlbertLudwigs-Universität Freiburg, sowie ihre Mitarbeiter den erstmals vergebenen Gips-Schüle-Forschungspreis. Die Gips-SchüleStiftung dotiert den Preis mit 40 000 Euro und wird ihn künftig alle zwei Jahre vergeben. Die Gips-Schüle-Stiftung wurde 1965 mit dem Vermögen der Familie Schüle errichtet, die 1870 die Bewegungsmuster der Sitzstange der Paradiesvogelerste Gipsfabrik in Stuttgart gegründet hatte. Ihr Zweck ist die blumenblüte. Foto: © Plant Biomechanics Group Förderung von angewandter, fächerübergreifender Forschung Freiburg & ITKE und Lehre sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mit dem Preis prämiert sie fächerübergreifende Forschungsprojekte mit hohem Innovationspotenzial und nachhaltigem Nutzen für die Gesellschaft. Flectofin® ist eine von der Natur inspirierte, wandelbare Konstruktion für die Architektur. Bei dem stufenlos einstellbaren Klappmechanismus lässt sich die Ausrichtung der Lamellen nach Bedarf verändern. Auf verschleißanfällige und wartungsintensive Gelenke und Scharniere haben die Forscher jedoch verzichtet. Die Flectofin®-Verschattung kann von Einfamilienhäusern bis hin zu großen, 20 bis 30 Meter hohen Fassaden verwendet werden. Vorbild war der Klappmechanismus in der Blüte der Strelitzie. Die Blume wird in ihrer Heimat Südafrika von Vögeln bestäubt, die sich auf einer von der Pflanze gebildeten „Sitzstange“ aus verwachsenen Blütenblättern niederlassen. Durch das Gewicht des Vogels klappen die Blütenblätter auf und die Pflanze gibt Pollen ab, die der Vogel auf die nächste Blüte überträgt.

4. Nano-Forum Am 12. Dezember findet an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim das 4. Nano-Forum in Kooperation mit dem ITV Denkendorf und dem Forschungskuratorium Textil statt. Der breite Einsatz von NanoPartikeln wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Aus diesem Grund stehen in diesem Jahr die Ergebnisse der Forschungsprojekte „Umsicht“ und „Technotox“ zu Umwelt- und Gesundheitsaspekten von mit Nanotechnologie ausgerüsteten Textilien im Mittelpunkt des Forums. Programm und Anmeldung unter www.hohenstein.de. TITV-Konferenz und Anwenderforum „Smart Textiles“ Am 26. und 27. Februar 2014 lädt das TITV Greiz zur TITV-Konferenz 2014 ein. Hier können sich Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft im interdisziplinären Erfahrungsaustausch über aktuelle Trends, Technologien und neue Anwendungen informieren. Neu ist, dass am zweiten Tag das 2. Anwenderforum „Smart Textiles“ stattfindet, welches gemeinsam vom Forschungskuratorium Textil e. V., Berlin, dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf und dem TITV Greiz organisiert wird. Hier kommen verstärkt die Anwender zu Wort, um ihre Erfahrungen und die Anforderungen an derartige Produkte aus der Perspektive der Industrie darzulegen, damit diese mit den Potenzialen der Forschung und Entwicklung verknüpft werden können. Weitere Infos unter www. titv-greiz.de. Gatex-Seminar Vom 17. bis 21. März 2014 veranstaltet die Gatex das Seminar „Textiles Grundwissen für Auszubildende und Kaufleute“. Es richtet sich an Mitarbeiter in den kaufmännischen Abteilungen von Textil- und Bekleidungsunternehmen, im Textilmaschinenbau, in Zuliefer-firmen und im Einzelhandel. Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über die Entstehung von Textilien und können so deren Qualität besser bewerten und bei Bedarf fachkundiger beraten. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.die-gatex.de.


Technik + Umwelt  11 

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Willy Bogner erhält Auszeichnung für sein Lebenswerk Verleihung der Otto-Mecheels-Medaille und Einweihung des neuen Institutesgebäudes Am 28. Oktober gab es an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim gleich doppelten Anlass zur Freude: In Anwesenheit von Franz Untersteller, Minister für Umwelt, Klima & Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, wurde nach gut einjähriger Bauzeit ein zusätzliches rund 2 580 m² großes Institutsgebäude eingeweiht. Und beim anschließenden Festakt mit rund 170 geladenen Gästen wurde der Sportmodeunternehmer, Filmregisseur und -produzent Willy Bogner mit der Otto-Mecheels-Medaille für seine großartige Lebensleistung geehrt. Die Auszeichnung war für den 71-jährigen ehemaligen Spitzensportler eine Reise zurück zu den beruflichen Ursprüngen. Denn in den Jahren 1964 und 1965 war er Student an der damaligen Lehranstalt Hohenstein und bereitete er sich auf den Einstieg in das von seinem Vater 1932 in München gegründete Unternehmen vor. Sein damaliger Lehrer war Prof. Dr.-Ing.

dotierten Otto-Mecheels-Medaille für besondere Verdienste in den Bereichen Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft ausgezeichnet wird. Vor ihm erhielten Hanns A. Pielenz, ehemaliger Geschäftsführender Inhaber der Nähseidenfabrik Amann & Söhne in Bönnigheim, im Jahr 2009 und Dieter Braun,

Willy Bogner und Prof. Stefan Mecheels (v.l.n.r.) Fotos: Hohenstein Institute

Otto Mecheels, dessen Name nicht nur die im zweijährlichen Turnus vergebene Auszeichnung für verdiente Persönlichkeiten aus der Textilwirtschaft trägt, sondern auch des neuen Gebäudes – den „OttoMecheels-Bau“. Er hatte das internationale Textilforschungszentrum im Jahre 1946 gegründet. Sein langjähriger beruflicher und persönlicher Weggefährte Dr. Jürgen Weber, ehemaliger Vorstand

und Aufsichtsratsvorsitzender der Lufthansa AG, hielt die Laudatio und Markus Wasmeier, zweifacher Olympiasieger im Alpinski, und der Bogner-Sport-Chefdesigner Gotthardin Thylmann erläutern den Gästen in einem unterhaltsamen Dialog das Entstehen von stilvoller und komfortabler Funktionssportbekleidung. Willy Bogner ist der dritte Unternehmer, der mit der nicht

Der neue Otto-Mecheels-Bau

Geschäftsführender Gesellschafter der Triumph International Group, im Jahr 2011 die Ehrung. Simone Diebold

Neues aus der Forschung Industrie und Forschung haben zum Thema mikrobieller Herstellung und Verwertung von Biopolymeren eine Forschungsallianz gegründet: Neben dem Biotechnologie-Unternehmen Brain AG aus Zwingenberg, dem Viskose-Spezialfaser Hersteller Kelheim Fibres GmbH aus Kelheim arbeiten das Hohenstein Institut für Textilinnovation gGmbH in Bönnigheim und der Produzent hoch spezialisierter Stoffe für die Medizintechnik rökona Textilwerk GmbH in Tübingen an diesem Projekt. Ziel der Forschungskooperation ist es, unter Etablierung eines nachhaltigen, mikrobiellen BioProzesses, die Herstellung von Spezial-Alginat-Komponenten zu etablieren. Die Biopolymer-Produkte sollen zum einen für die Verwendung in topischen und wundphasenspezifischen Auflagen und zum anderen unter anwendungsspezifischer Modifikation der Matrices in technischen Textilien Anwendung finden. Die Vorteile eines mikrobiellen Produktionsprozesses

liegen – abgesehen von einer hohen Reinheit und einer definierteren Materialbeschaffenheit des Biopolymers – auch in einer verbesserten Ökobilanz der Produkte. Teile des

Foto: © Sergiy Serdyuk – Fotolia.com

Allianzforschungsvorhabens werden unter dem Akronym AlBioTex vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) cofinanziert.

„In der Forschungsallianz wollen wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern ein qualitativ hochwertiges Matrix-System auf biologischer Basis aufbauen und gleichzeitig einen hinsichtlich Ausbeute und Technofunktionalität des Biopolymers nachhaltigen Prozess etablieren“, beschreibt Dr. Guido Meurer, Unit Head Microbial Production Technologies bei der Brain AG, das Vorhaben. „Wir sind als Entwickler innovativer, unterstützend wirkender, bioaktiver Substanzen für den Einsatz in Medizinprodukten bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der Forschung aktiv. Diese Substanzen werden nun in entsprechende biologische Matrices eingebracht und so zu modernen Wundauflagen.“ Primäres Ziel der ist es, in Zusammenarbeit mit den Hohenstein Instituten die Entwicklung von mikrobiellen Produktionsorganismen zur Darstellung industriell relevanter Biopolymer-Quantitäten in entsprechenden Biofermentationsprozessen im industriellen Maßstab

zu erreichen. Diese Forschungsergebnisse fließen in die gemeinschaftlich angestrebte Entwicklung innovativer Nonwoven-Materialien ein. „Die Variation und Optimierung der Materialeigenschaften von Alginat war bislang nicht oder nur unter sehr großem Aufwand möglich. Durch Einsatz der Biotechnologie wird hier erstmals ein differenzierter Einsatz von Alginaten im textilen Spezialitätenbereich ermöglicht,“ freut sich Dr. Timo Hammer, Leiter der Forschung am Fachbereich Hygiene, Umwelt & Medizin der Hohenstein Institute und Koordinator des AlBioTexProjekts. Die Kooperationspartner Kelheim Fibres und rökona Textilwerk partizipieren in der Allianz von dem Zugang zu qualitativ hochwertigem, homogenem Biopolymer. Geplant ist, daraus funktionale Textilien mit neuen Eigenschaften zu entwickeln und in Pilotprozessen darzustellen werden. Simone Diebold


12  Zu guter Letzt

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Textile Perspektiven 2025 2. Euratex Convention in Berlin Am 24. und 25. November traf sich die internationale Textil- und Modeindustrie zur 2. Euratex Convention in Berlin. Der europäische Dachverband Euratex hatte gemeinsam mit dem Gesamtverband textil+mode zu der internationalen Netzwerkveranstaltung in den Räumen der Deutschen Bank Unter den Linden eingeladen.Unter dem Motto „A new industry paradigm driven by innovation“ diskutierte die Branche neue Markt- und Vertriebsstrukturen, Chancen, Herausforderungen und Handlungsempfehlungen. Referenten und Gäste aus Asien, Europa und Amerika bereicherten die Diskussion aus der Perspektive ihrer Länder und deren Zukunftsprognosen für die Branche. Die weltwirtschaftlichen Zentren verschieben sich – so war der Ausblick zur Entwicklung bedeutender Textilnationen ein Muss der Konferenz. Aufgeräumt wurde

unter anderem mit der Mär vom rückläufigen Textilexporttrend Chinas oder auch Südkoreas. Keynote-Speaker Dr. Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des BDI, betonte die Notwendigkeit einer starken industriellen Basis in Europa: „Nur so werden wir uns im internationalen Standortwettbewerb auf Dauer behaupten können. Die europäische Industrie und ihre Wettbewerbsfähigkeit müssen in den Mittelpunkt der EUPolitik rücken.“ Empfehlungen zu entsprechenden Maßnahmen gibt die neuen DB Research Studie „Europe’s reindustrialization: The gulf between aspiration and reality“, die bei der Convention präsentiert wurde. In den folgenden Vorträgen zu den Schwerpunktthemen Mode, Heimtextilien und Technischen Textilien wurde deutlich, wie stark die Branche in Deutschland von

Innovationskraft, technischen Anwendungen und starken Marken abhängt. Zu den Sprechern aus Deutschland zählten unter anderem Franz Peter Falke, William Franke von Aunde, Messe Frankfurt-Geschäftsführer Detlef Braun sowie Thomas Strobel, Zukunftsforscher und Geschäftsführer bei Fenwis, der auch die gesamte Veranstaltung moderierte. Unterhaltsam wie lehrreich präsentierte Nils Müller von Trendone die Mulitchannel-Welt des Jahres 2025. „Der Kunde will keinen Kanal. Er will ein Erlebnis“, unterstrich der Zukunftsforscher und präsentierte die schöne neue Einkaufswelt mit vielfältigen Möglichkeiten für Kunden und Händler, den Kauf zu beeinflussen. Als Plattform für Experten aus internationalen Unternehmen, Verbänden, Forschungsinstituten und Banken bot die Euratex Convention einen hochkarätigen Er-

fahrungsaustausch zu langfristigen Perspektiven der Textil- und Modeindustrie. Die erste Veranstaltung fand im November 2012 in Istanbul statt. Silvia Jungbauer

Alberto Paccanelli, Euratex-Präsident, Xiao Ling, China Chamber of Commerce for Import & Export of Textile & Apparel, China (CCCT), Dr. Markus Kerber, BDI-Hauptgeschäftsführer, Franz Peter Falke, Falke KGaA, Li Lingshen, China Nonwovens and Industrial Textiles Association (CNIT), Nils Müller, Geschäftsführer TrendONE GmbH (v. o. n. u. und v. l. n. r.)

„Yes, Future!“

Zitat

Beobachtungen und Studien von Trendspottern geben wertvolle Hinweise auf die Zukunft. Vincent Grégoire, Lifestyle-Direktor der Trendagentur Nelly Rodi, ist einer. Zu den großen internationalen Konsumtrends für 2015 mit Fokus auf Russland, China und die USA sagt er: „Der große Trend lautet: „Yes, Future!“. Der Verbraucher will Innovation, Originalität, Anreize, Bruch mit Tradition. Technische Innovation genauso wie Innovation in Marketing, Unternehmen und Organisation. Aber er will jedoch Innovation, die verwurzelt ist, bei der er sich auch sicher fühlen kann. International wird 2015 von Hybridstilen geprägt sein, denn der Verbraucher will Retromodernes, und er will auch technisch Ausgefeiltes, das gleichzeitig auf Natürlichkeit setzt. China, Russland und die USA sind Länder mit hohem Konsum und somit sehr interessant. Umfragen in China zeigen eine überraschende Entwicklung des Verbrauchers – er wird anspruchsvoller hinsichtlich Qualität, Verarbeitung und Inszenierung von Produkten. In diesen drei Ländern erkennen wir auch einen Trend zur Rückkehr zur eigenen Identität, jedoch zu einer Identität, die von außen Kommendes in sich aufnimmt. Lässt ein Unternehmen diese Beobachtungen außer Acht, riskiert es, den Anschluss zu verlieren und Produkte anzubieten, die den Entwicklungen dieser Märkte nicht Rechnung tragen.“ Quelle: www.techtera.de/blog

»Es wird viel nachgedacht, quergedacht und umgedacht, aber wenig zu Ende gedacht.« Manfred Rommel (*1928; ges. 2013), 1974-96 Oberbürgermeister Stuttgart (CDU), 1995-99 Koordinator f. d. dt.-frz. Zusammenarbeit

Impressum © Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers. Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie Südwesttextil e. V. Kernerstraße 59 70182 Stuttgart

Präsident Georg Saint-Denis

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Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop

Druck Gress-Druck GmbH, Fellbach

Postfach 10 50 22 70044 Stuttgart Telefon +49 711 21050-0 Telefax +49 711 233718 Internet www.suedwesttextil.de

Verantwortlich für Inhalt und Layout Simone Diebold

Auflage 1 300 Exemplare

Der Bezug der Südwesttext ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Suedwesttext November 2013  

Die monatliche Mitgliederzeitung von Südwesttextil

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