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Südwesttext März 2013

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SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie Herausgegeben von Südwesttextil

www.suedwesttextil.de

März 2013 | Nr. 66

Themen Verband + Industrie

Kritische Freunde Seite 5 Bildung + Soziales

Abbruch vermeiden Seite 6

Design Center Stuttgart

Textiles aus der Region Seite 3

Parlamentarischer Abend im Zeichen der Energiepolitik

Markus Ferber im Gespräch

Am 13. März kamen auf Einladung des Gesamtverbandes textil+mode EU-Abgeordnete und

Beendigung einer betrieblichen Übung Seite 8

„Wir brauchen mehr Europa“ Vertreter der Branche zum alljährlichen Parlamentariergespräch in Straßburg zusammen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die europäische Energiepolitik und die zunehmende Bürokratie in Europa unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes. Mit Blick auf die verfahrene Situation in der deutschen Energiepolitik forderte Peter Schwartze, Präsident von textil+mode, die Europäisierung der Energiewende. „Die EU hat sich zwar mit ihrem

Recht + Steuern

Klima- und Energiepakt vor fünf Jahren ehrgeizige Ziele gesetzt, ein einheitliches Vorgehen ist aber nicht zu erkennen.“ Markus Ferber, Chef der CSU-Gruppe im europäischen Parlament, befürwortet die Idee eines europäischen Energie-Mix. Um auch in Zukunft eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten, müsse sowohl auf konventionelle als auch auf erneuerbare Energien gesetzt werden.

Aktuelle Steuer-Nachrichten Seite 9

Zahl des Monats In drei Jahren steigerte Go Textile! seine Besucherzahlen auf www. go-textile.de um das Dreifache. Ganz in diesem Trend produzierte die Nachwuchskampagne ihren dritten Ausbildungsberufsfilm. Passend zum dritten Monat des Jahres, dem des Weltfrauentags, konnte Go Textile! ein Film mit Textillaborantin Ramona realisieren. Mit einem Drittel ist so der Frauenanteil der gewerblichen Ausbildungsberufe in der Textil- und Bekleidungsindustrie gesichert.

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Fortsetzung Seite 2

Keine Maut-Zurück-Garantie Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts die Bundesregierung jetzt Nichtzulassungsbeschwerin Münster vom Oktober letzten Jahres über die Un- de eingelegt hat. Allerdings rechnet auch Bundesverwirksamkeit der Lkw-Maut wird über die Folgen für kehrsminister Peter Ramsauer nicht damit, dass sich die Wirtschaft munter spekuliert. Rund 6 000 Anträge an dem Urteil noch etwas ändert. Das Geld wird für auf Rückerstattung der womöglich zu Unrecht erho- die Verkehrsinfrastruktur dringend gebraucht. Gäbe es benen Maut sind angebetwas zurück, müsste es an »Ansprüche sichern.« lich beim Bundesamt für die verladende Wirtschaft Güterverkehr (BAG) beweitergereicht werden, zuDr. Markus H. Ostrop, Hauptgeschäftsführer der Verbände reits eingegangen. Etliche mal dann, wenn die LkwGerichtsklagen kommen hinzu. Der Deutsche Spe- Maut als eigene Position in der Transportrechnung ditions- und Logistikverband (DSLV) hat seinen Mit- ausgewiesen worden ist. Deshalb sollten die Textilgliedern geraten, mit einem Schreiben an das BAG und Bekleidungsunternehmen ihre Spediteure vorsorgvorsorglich die Verjährung zu hemmen, um sich damit lich auffordern, etwaige Erstattungsansprüche für sie eventuelle Erstattungsansprüche zu sichern. Gegen beim BAG geltend zu machen. das Urteil wurde keine Revision zugelassen, weshalb Markus H. Ostrop

Aktuell Der Förderverein der Gatex und der Verein Deutscher Textilveredlungsfachleute VDTF Regionalgruppe Südbaden laden am Donnerstag, den 18. April 2013 um 19.00 Uhr zur Vortragsveranstaltung in die Gatex Bad Säckingen ein. Dr. Timo Hammer wissenschaftlicher Leiter im Hohenstein Institut für Textilinnovation, berichtet über die Wechselwirkung von Textilien mit biologischen Systemen. Zum Thema „Vom Polymer bis zur Ausrüstung – Auf dem Weg zu nachhaltigen Produkten“ referiert Nicole Nedelev, Product Development Sympatex Technologies GmbH.


2  Verband + Industrie

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Fortsetzung von Seite 1

„Wir brauchen mehr Europa“ „Deutschland muss sich im Bereich der Energiebeschaffung diversifizieren, um unabhängig bleiben zu können.“ „Ein einfaches ‚Weiter so‘ wäre der komplett falsche Ansatz“, meint auch der CDU-Europaabgeordnete Dr. Dieter-Lebrecht Koch. Für den Parlamentarier aus Thüringen gehören auch Kernenergie oder Schiefergas zu einem nachhaltigen Mix, wenn die notwendigen umweltpolitischen Vorgaben erfüllt sind. Neben der Energiepolitik sorgten die wiederauferstandenen Forderungen nach einer verpflichtenden „Made in“-Kennzeichnung für Diskussionsstoff. Nachdem die Zwangskennzeichnung erst kürzlich vom Brüsseler Verhandlungstisch verschwunden war, versteckt sie sich nun in einem neuen Verordnungsvorschlag zur Sicherheit von Verbraucherprodukten. „Das Herkunftsland sagt nichts über die Produktsicherheit aus“, betont Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, Hauptgeschäftsführer von textil+mode. „Hier geht es nicht um den Verbraucher, sondern schlichtweg um Protektionismus.“ Wie zukunftsträchtig Textilien aus Deutschland sind, erläuterte Dr. Klaus Jansen vom Forschungskuratorium textil+mode an beeindruckenden Beispielen, die von elektrolumineszenten Textilien bis zur futuristischen Architektur reichten. „Für globale Zukunftstrends

In Kürze Seit fast 50 Jahren führt Dr. Ulrich Zwissler sein Unternehmen. Von der väterlichen Weberei hat er es zur erfolgreichen Holding geformt. Am 22. Februar erhielt der Unternehmer die baden-württembergische Wirtschaftsmedaille.

Henry Wurm, Johnson Controls Interiors, und Hans-Peter Mauch, W. Zimmermann, nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit dem CDU-Europaabgeordneten Dr. DieterLebrecht Koch (o.v.l.n.r.). Beim Erfahrungsaustausch: Dr. Klaus Jansen, Forschungskuratorium textil+mode, und Anni Riedesser, Johnson Controls Interiors.

wie Funktionalität, Leichtbau und Mobilität bieten wir nachhaltige Lösungen.“ Damit die deutsche Top-Position bei der Entwicklung intelligenter textiler Anwendungen und Lösungen erhalten bleibe, brauche die Industrie ein innovati-

onsfreundliches Umfeld. Und so resümierte t+m-Präsident Schwarze: „Wir brauchen mehr Europa und nicht weniger!“

Silvia Jungbauer

Termin vormerken

Anfahrt)

Foto: © olly – Fotolia.com

).

Personalleiterkreis 11. April 2013, Forum am Schlosspark Ludwigsburg

Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, dick@suedwesttextil.de oder +49 711 21050  - 11

Überreicht wurde die Medaille vom Mittelstandsbeauftragten der Landesregierung, Peter Hofelich, der lobend feststellte: „Trotz umfangreicher unternehmerischer Tätigkeit fand Dr. Zwissler stets die Zeit, sich auch ehrenamtlich für die Belange der regionalen Wirtschaft zu engagieren. Durch dieses außerordentliche Engagement hat er zur positiven Entwicklung der ostwürttembergischen Wirtschaft beigetragen.” Unter anderem ist Dr. Zwissler seit 2000 Vizepräsident von Gesamtmasche. Go Textile! entsendet zum größten internationalen Berufsbildungsevent, den WorldSkills Berufsweltmeisterschaften, eine Kandidatin in der Wettbewerbsdisziplin Mode Design. Vom 2. bis 7. Juli zeigt Sofie Kellner in Leipzig neben 22 weiteren internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf diesem Gebiet ihr Können. Die 21-Jährige ist Auszubildende bei der Strenesse AG und freut sich auf die Herausforderung. Die Berufsweltmeisterschaften fanden 1947 in Spanien ihren Anfang – heute nehmen bis zu 65 Länder und Regionen teil. 2013 wird es die größte WM der Berufe sein, die jemals stattgefunden hat. Mehr Infos unter www.worldskillsleipzig2013.com. Mit klarem Aufbau und kompakter Information präsentiert sich die neue Website der Vereinigte Filzfabriken AG in Giengen (VFG). Alles zum Thema „Werstoff Filz" gibt es unter www.vfg.de.


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Verband + Industrie  3

Design zählt Baden-württembergische Unternehmen präsentieren die Vielfalt der textilen Welt Rund 300 Gäste trafen sich Anfang März auf Einladung des Design Center in Stuttgart, um sich über die vielfältigen Facetten der textilen Welt in Baden-Württemberg zu informieren. Diese werden von regionalen Unternehmen, Forschungsinstituten und Ausbildungsstätten in der Ausstellung „Design zählt – Textil.Mode. Design“ noch bis Mitte April im Haus der Wirtschaft gezeigt. „Die Textilindustrie hat eine lange Tradition in Baden-Württemberg, auch wenn sie sich in den letzten Jahrzehnten durch die weltweite Veränderung der Produktionsprozesse stark verändert hat, „sagte Peter Hofelich, Beauftragter der Landesregierung für Mittelstand und Handwerk in seinem Grußwort. Baden-Württemberg könne sehr stolz darauf sein, dass es hier nach wie vor Textilbetriebe gebe, die im Land produzierten und damit Arbeitsplätze sicherten. Er freue sich, dass das Land sowohl in der Ausbildung für Textilund Modedesign als auch in Bezug auf Forschung und Entwicklung sehr gut aufgestellt sei. Festredner des Abends war Professor Dr. Michael Doser, stellvertretender Leiter des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) Denkendorf. Er gab in seinem Vortrag einen Überblick über die beeindruckenden Forschungsbereiche seines Instituts

Professor Dr. Michael Doser präsentierte die vielfältige Forschungsarbeit des ITV Denkendorf. Die Ausstellung begeisterte die Teilnehmer. Fotos: Joe Miletzki

und die unglaubliche Bandbreite der kundenorientierten Anwendungsmöglichkeiten, wie beispielsweise leuchtende Textilien, die stimmungsvoll Lounge-Bereiche in Szene setzen, Textilien mit integrierter Sensorik wie z. B. ein drucksensorischer Strumpf

für Diabetiker oder Textilien in der Medizin für die Implantation z. B. zur Behandlung von Aneurysmen. Drei Mitgliedsunternehmen von Südwesttextil, Partner des Projekts, zeigen in der Ausstellung, dass nicht nur weltweit bekannte Mode-Labels aus Baden-Württ-

emberg stammen. Das bedeutendste Stoffdruckunternehmen Europas, die KBC, hat seit 1753 ihren Sitz in Lörrach und gibt farblosem Gewebe durch ausgeklügelte Drucktechnik Charakter: Edel, klassisch, schrill, alles ist möglich. Modische Trends in textile Wohnkultur umzusetzen, das gelingt seit über 60 Jahren dem oberbadischen Familienunternehmen Alfred Apelt aus Oberkirch. Für Kunden in Europa, Russland und den USA entwickeln sie mit traditioneller Webkunst ganzheitliche Konzepte zur behaglichen Gestaltung von Räumen. Im Bereich Technische Textilien treffen bei der Firma Ettlin aus Ettlingen 175 Jahre Tradition auf Innovation. Die Gesellschaft für Spinnerei und Weberei AG, gegründet als erste deutsche Aktiengesellschaft der Textilindustrie, wurde 2012 für die Entwicklung eines lichttechnischen Gewebes ausgezeichnet, das aus LED-Licht dreidimensionale Lichtstrukturen erzeugen kann. Die Ausstellung „Design zählt – Textil.Mode.Design.“ ist vom 28. Februar bis 14. April im Steinbeis-Saal des Hauses der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Str. 19, Stuttgart zu sehen.

Simone Diebold

Kunstvoll bedruckte Stoffe von KBC, modische Trends textiler Wohnkultur von Alfred Apelt und dreidimensionale Lichtstrukturen aus LED-Licht von Ettlin. Fotos: Südwesttextil


4  Verband + Industrie

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Kritische Freunde Vertreter aus den Gremien des Landesverbands der baden-württembergischen Industrie (LVI) trafen sich unter Leitung von LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch Ende Februar zu einem Gedankenaustausch mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Zentrale Themen waren die aktuelle Novellierung des Landeshochschulgesetzes, die Qualitätssicherung an Hochschulen sowie die Themen Fachkräftesicherung und Fragestellungen der Innovationspolitik. Zunächst berichtete die baden-württembergische Wissenschaftsministerin über das neue Eckpunktepapier der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Leitungsstrukturen der Hochschulen, insbesondere des Hochschulrats, welches vom Kabinett beschlossen wurde. „Der Hochschulrat soll sich dabei auf seine Rolle als kritischer Freund der Hochschulen konzentrieren und die wichtige Brücke zwischen Hochschulen und Gesellschaft schlagen", sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Sie unterstrich: „Erklärtes Ziel ist eine Stärkung und klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten der Leitungsgremien an den Hochschulen."

Zu diesem Zweck solle der Hochschulrat von Detailfragen des akademischen Betriebs entlastet werden, erklärte Bauer. Gleichzeitig lege die Landesregierung

nicht an die Zahl der Absolventen. Die Landesregierung wolle deshalb korrigierend einwirken. Statistische Untersuchungen zeigen eine nachlassende Innovationsdynamik im Land. Ministerin Bauer erkundigte sich bei den Unternehmen nach den Gründen und deren Einschätzung. Die Anwesenden Industrievertreter machten dafür statistische Ungenauigkeiten verantwortlich, denn viele Innovationen fänden in kleinen und mittelständischen Betrieben statt. Sie forderten außerdem die

Ministerin Bauer im Gespräch mit der Industrie. Foto: LVI

Wert auf eine Stärkung des Senats in seiner Zuständigkeit für die akademische Selbstbestimmung. In dem Eckpunktepapier werde zudem eine deutlichere Abgrenzung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Gremien sowie

Neuerscheinung Noch immer dauert der Transfer zwischen Wissenschaft und Industrie in Deutschland zu lange. Dass es auch anders geht, zeigen Textilforschung und mittelständische Innovationsunternehmen aus der Textilbranche in neun Fällen in der neu erschienenen Broschüre „Sprungbrett IGF & ZIM“. Herausgeber sind das Forschungskuratorium Textil und die AiF Projekt GmbH, verantwortlich im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) für das Modul Kooperationsforschung. Das Heft zeigt auf 40 Seiten Facetten und Beispiele erfolgreicher IGF- und ZIM-Verzahnung zwischen Forschungsinstituten und Unternehmen bei der Entwicklung neuartiger technischer Textilien und der Technologien dahinter – finanziert Broschüre zum Download unter mit öffentlichen Mitteln. www.textilforschung.de

die Erhöhung der Transparenz und die Ermöglichung stärkerer Partizipation befürwortet, sagte die Wissenschaftsministerin weiter. Im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst werde gerade das Programm „Hochschule 2012“ vorbereitet. Dafür werden regionale Workshops eingerichtet, zu denen die Ministerin die Industrievertreter herzlich einlud. Mit dem Programm „Hochschule 2012“ wurde der Ausbau der Bachelorstudienplätze vollzogen, nun soll der Masterausbau folgen, um

den besten Absolventen eine weiterführende berufliche Perspektive zu geben. Rund 70 Prozent der Masterplätze sollen an den Universitäten entstehen und die geringeren Anteile an den Dualen Hochschulen und den ehemaligen Fachhochschulen. Der Anteil an naturwissenschaftlichen Fächern werde sicherlich höher sein als in den Sozial- bzw. Geisteswissenschaften. Mit einem klaren Bekenntnis zum Bolgona-Prozess machte Bauer auch deutlich, dass hier eine Nachbesserung erforderlich sei. Gleichzeitig solle auch die Entwicklung von berufsbegleitenden bzw. Weiterbildungsmasterstudiengängen forciert werden. Auf die Frage nach der nach wie vor hohen Anzahl von Studienabbrüchen, vornehmlich im naturwissenschaftlichen Bereich, verwies die Ministerin auch auf falsche finanzielle Anreize, die der Bund Hochschulpakt für die Universitäten und Hochschulen gesetzt habe. Hier werde die Finanzierung der Hochschulen an die Studienanfänger gekoppelt und

Einführung der steuerlichen Forschungsförderung. Ministerin Bauer unterstützte die Forderung und verwies auf eine Abstimmung im Bundesrat, bei der sich Baden-Württemberg und Bayern dieser Forderung angeschlossen haben, sich aber nicht durchsetzen konnten. LVI-Präsident Hans-Eberhard Koch plädierte abschließend für die Wiedereinführung des Innovationsrats, um wichtige Herausforderungen und zukünftige Fragestellungen für den Innovations- und Technologiestandort Baden-Württemberg gemeinsam mit der Landesregierung zu diskutieren. Die Politikerin nahm auch diesen Vorschlag wohlwollend auf und verwies in diesem Zusammenhang jedoch auf die Zuständigkeit des Ministerpräsidenten. Beide Seiten bekräftigten, dass der offene und sachorientierte Gedankenaustausch fortgesetzt werden solle.

Christine Schneider


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Verband + Industrie  5

Echte Models lassen die Kasse des Händlers klingeln Untersuchung zum Kaufverhalten bei Mode der Hochschule Reutlingen Die Hochschule Reutlingen hat die Ergebnisse der Untersuchung „Produktdarstellung und Einkaufsverhalten“ veröffentlicht.

Testgruppe wurde mit einem echten Model konfrontiert, die zweite Testgruppe mit einer Schaufensterpuppe mit Kopf und eine dritte

Heatmap aus der Untersuchungsreihe. Foto: Hochschule Reutlingen

Unter der Leitung von Prof. Dr. Jochen Strähle, International Fashion Retail, wurde in Zusammenarbeit mit Breuninger im Rahmen von Tests das Einkaufsverhalten von 45 Kundinnen untersucht. In der durchgeführten Untersuchung wurden Testpersonen im hochschuleigenen Retail Labor Bildfolgen von Kleidungsstücken gezeigt. Die Testgruppen unterschieden sich ausschließlich in der Art der Produktdarstellung. Eine

Gruppe mit einer Schaufensterpuppe ohne Kopf. Dabei wurden die Blickbewegungen aufgezeichnet. Anschließend wurden die Testgruppen befragt und die Ergebnisse mit den Daten aus der Blickanalyse abgeglichen. Die Testreihe ist Teil des Forschungsprojektes Online Neuromarketing. Bei einem realen Model bewerteten die Kundinnen den Modegrad höher und waren bereit, für das Kleidungsstück mehr zu

bezahlen. Auch identische Kleidungsstücke schätzten die Testpersonen in Abhängigkeit der Darstellung unterschiedlich ein. „Das echte Model führt dabei zu einer positiveren Einschätzung des Modegrads“, so Strähle. „Die Verbraucher werden von dem Gesicht eines Models beeinflusst und nehmen die Kleidung nicht mehr so intensiv war. Unser Gehirn arbeitet dann nicht mehr rational.“ Kundinnen schauten deutlich geringer auf die eigentliche Ware und empfanden die Produkte als hochwertiger und attraktiver. Knapp die Hälfte der Zeit waren die Testpersonen mit dem Gesicht beschäftigt wo gegen bei den künstlichen Puppen über 80 Prozent der Zeit der Fokus auf den Produkten lag. Bei kopflosen Puppen empfanden 9 Prozent den Modegrad als hoch, bei einem echten Model hingegen knapp 20 Prozent. Darüber hinaus war die Zahlungsbereitschaft für die Produkte hier ebenfalls höher. Der Anteil für die höchste Preiskategorie war teilweise doppelt so hoch wie bei künstlichen Puppen. Damit zahlt sich für Unternehmen der Einsatz teurer Models aus, da Kunden das entsprechend honorieren. In den Tests konnte überdies gezeigt werden, dass die Wahrnehmungsverläufe festen Mustern folgen. Demnach orientiert sich die Kundin zunächst am Gesicht und geht dann sukzessive von

Kopf bis Fuß. „Diese Abläufe sind unbewusst und vom Verbraucher nicht steuerbar. Geht man davon aus, dass Händler nur Sekunden Zeit haben, Kunden von ihren Produkten zu überzeugen, dann ist dieses Wissen Gold wert“, sagt Strähle. Die Testergebnisse haben Auswirkungen auf die Darstellung von Produkten im Stationärhandel ebenso wie im Onlinehandel. Im klassischen Handel kann die Frage nach der Platzierung und Produktvisualisierung durch unterschiedliche Schaufensterpuppen und Promotiondisplays am Laufweg des Kunden im Laden die Attraktivität gezielt erhöht werden. Dies ist auch übertragbar auf den Onlinehandel. „Hier kann aber insbesondere bei der Darstellung von Eigenmarken auch die Preisfrage eines Produktes neu gestellt werden“, sagt Strähle. Pricing sei häufig ausschließlich eine Frage der internen Kalkulation und weniger der Zahlungsbereitschaft des Kunden. Die Studienergebnisse können in englischer Sprache im Bereich International Fashion Retail angefordert werden.

www.reutlingen-university.de

Investition in die Zukunft Mit einem feierlichen Spatenstich hat die Konrad Hornschuch AG Ende Februar den Bau eines neuen Logistic Centers begonnen. Der Oberflächenspezialist wird mit dieser Investition seine Leistungsfähigkeit im Bereich Logistik deutlich erhöhen. Künftig sind Wareneingang der Rohstoffe und Ausgang der produzierten Ware an einem Ort und der überwiegende Teil der Produkte kann so direkt vom Standort Weißbach aus verschickt werden. Das Projekt ist der Beginn eines strategisch ausgerichteten Investitionsprogramms, das in den kommenden vier Jahren ein Volumen von 40 Millionen Euro umfasst.

Offizieller Spatenstich in Weißbach. Foto: Hornschuch

Ausgangspunkt für das neue Logistic Center auf dem Hornschuch-Gelände ist eine bestehende Lagerhalle mit einer Fläche

von 4 000 qm², die nun energetisch saniert wird. Im Anschluss an die Halle wird mit einer überdachten Fläche von 2 000 qm² der neue

Warenausgang entstehen. So kann die kommissionierte Ware witterungsunabhängig direkt verladen werden. Auf der südlichen Seite des Kommissionierlagers wird in den nächsten Monaten der Neubaukomplex entstehen, bestehend aus einer Vorzone, dem Hochregallager sowie einem angegliederten Büround Sozialtrakt. Der umbaute Raum beziffert sich auf eine Fläche von rund 5 000 qm². Die Eröffnung ist für Spätsommer 2013 geplant.

Simone Diebold


6  Bildung + Soziales

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Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten Neue Projekte zur Förderung und Qualitätssicherung der Berufsausbildung Im vergangenen Jahr wurde jedes fünfte Ausbildungsverhältnis (über 17 000 Ausbildungsverträge) in Baden-Württemberg frühzeitig aufgelöst. Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen finden zwar nach einer vorzeitigen Lösung des Ausbildungsvertrages eine weitere schulische oder betriebliche Ausbildungsperspektive, jedoch bleiben rund 30 Prozent ohne Ausbildung. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, gibt es derzeit zur Förderung und Qualitätssicherung der Berufsausbildung zwei neue Projekte: „Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten“ und „Bleib dran – Ausbildungsabbrüche vermeiden“. Sie sind beide weitestgehend gleich aufgebaut, unterscheiden sich aber in der Finanzierungsstruktur. Ziel dieser vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg angestoßenen Maßnahmen ist die Verringerung der Anzahl der Ausbildungsabbrüche. Sie werden landesweit angeboten und von verschiedenen Insti-

rtschaft.de

Ft ist ein Zusammenschluss haFt mit ihren arbeitskreisen.

rlin

aße 29 lin (0) 30/20 33-15 10 (0) 30/20 33-15 05 schaft@arbeitgeber.de

Im Projekt „Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten“ wird BBQ gemäß dem Auftrag in den

Häufigste Ursache für einen Ausbildungsabbruch sind aus der Sicht der Azubis Probleme im Betrieb, vor allem Konflikte mit Ausbildern und Unternehmensleitung.

embergischen Wirtschaft wurde in verschiedenen Regionen mit der Durchführung beauftragt. Sie arbeitet dabei eng mit der Landesvereinigung zusammen, die diese Vorhaben unterstützt und begleitet.

Branchen Industrie, Handel, Hotel und Gaststätten sowie freie Berufe aktiv. Im Projekt „Bleib dran – Ausbildungsabbrüche vermeiden“ kommt zusätzlich noch das Handwerk hinzu. Konkret be-

deutet dies, dass bei gravierenden Problemen mit einem möglichweise drohenden Ausbildungsabbruch sowohl der Betrieb als auch der Auszubildende sich an die vor Ort zuständigen Projektleiter wenden können. Als neutrale und vermittelnde Personen stehen diese unterstützend zur Seite, analysieren die Problemsituation und zeigen Lösungsstrategien auf. Falls die Situation bereits zu verfahren ist und es nicht gelingt, das Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren, werden die Auszubildenden bei der Realisierung einer geeigneten beruflichen Anschlussperspektive unterstützt. Neben dieser fallbezogenen Arbeit soll auch präventiv gearbeitet werden. Dazu sollen Beratungs- und Fortbildungsangebote für Ausbilder entwickelt werden. Für Rückfragen steht Heinz Schwager als zentraler Projektkoordinator, Tel. 07433 99747-10, hschwager@bbq-online.de zur Verfügung. Christine Schneider

Checklisten Schülerbetriebspraktikum

Hugo Boss Fashion Award 2013

Das Schülerbetriebspraktikum ist eines der wichtigsten Instrumente der Berufsorientierung. Es bietet Schülern eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln und ihre beruflichen Vorstellungen zu konkretisieren. Denn der Blick in die Praxis kann die Zukunft entscheiden. Damit ein Praktikum für alle beteiligten Akteure einen großen Nutzen entfalten kann, haben Praktiker aus dem Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT die "Checklisten Schülerbetriebspraktikum" entwickelt. Sie ist als praktische Hilfe für Betriebe, Schüler, Schulen und Eltern zur Umsetzung von Schülerbetriebspraktika mit Qualität gedacht. Neben den Checklisten für die jeweilige Zielgruppe finden sich darin auch die wichtigsten Qualitätskriterien zur Umsetzung guter Schülerbetriebspraktika. Die Checklisten stellen eine Handlungsempfehlung dar, die aufgrund regionaler und spezifischer Besonderheiten angepasst werden kann. Sie können auf der Homepage von Südwesttextil heruntergeladen werden. Die Online-Version enthält zusätzlich einen Glossar mit CheCklisten sChülerbetriebspraktikum rechtlichen und formalen Aspekten und Literaturhinweise zur Vertiefung des Themas.

Die drei besten Kollektionen des diesjährigen Hugo Boss Fashion Award zeichnete Kevin Lobo, Brand & Creative Director, Menswear, Ende Februar im Design Center Stuttgart aus. Kathrin Balzer aus Weingarten hat mit ihrer Entwurfsmappe „Conquerable stitch“ den ersten Preis gewonnen und erhielt 1 500 Euro und ein zwölfmonatiges Praktikum bei Hugo Boss. Die Zweitplatzierte Franziska Rochner aus München wurde für die Arbeit „Save the Planet!“ mit 1 000 Euro sowie einem sechsmonatigem Praktikum (v. l.) Franziska Rochner, Lili Theresa Grübel und Kathrin Balzer ausgezeichnet. Den 3. Platz mit Foto: Modeschule Stuttgart 500 Euro und einem viermonatigen Praktikum belegte Lili Theresa Grübel aus Konstanz mit ihrer Kollektion zum Thema „Tradition – Funktion – Fashion“. Insgesamt 18 Studierende der Staatlichen Modeschule Stuttgart beteiligten sich an dieser Semesterarbeit, die jeder für sich in einer ca. 3 - 4 wöchigen Phase parallel zum Unterricht realisierte. Die Kleinkollektionen sind bis zum 14. April in Auszügen im Design Center Stuttgart, Haus der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Str. 19, Stuttgart zu sehen.

Von der Praxis – für die Praxis

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tutionen und Trägern durchgeführt. Die Tochtergesellschaft BBQ des Bildungswerks der baden-württ-

www.schulewirtschaft.de


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Jung, sympathisch, informativ Produktionsmechaniker Textil und Textillaborant – Neue Azubifilme für Go Textile! Audiovisuell aufbereitete Informationen spielen für Jugendliche im Internet eine immer wichtigere Rolle. Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom zum Internetverhalten von 10- bis 18-Jährigen stellte bereits im Jahr 2011 fest, dass Jugendliche das Internet „gleichermaßen als Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsmedium“ nutzen. „Die am weitesten verbreiteten Tätigkeiten im Internet sind die Suche nach Informationen für die Schule oder Ausbildung (insgesamt 76 Prozent zumindest

ab und zu), das Anschauen von Filmen und Videos (73 Prozent), das Chatten mit Freunden (65 Prozent) und das Hören von Musik (63 Prozent)." Mit dem ersten Kurzfilm über den Ausbildungsberuf Produktveredler Textil bei der Van Clewe Textilveredlung in HamminkelnDingden startete Go Textile! Ende 2012 die Produktion von attraktiven Kurzvideos, in denen junge Azubis auf authentische und frische Art über ihre Tätigkeiten und persönlichen Erfahrungen im Beruf berichten.

Im Februar sind nun zwei weitere Ausbildungsberufe verfilmt worden: Der Produktionsmechaniker Textil wurde mit Max, einem Azubi im ersten Lehrjahr bei der Sandler AG in Schwarzenbach/ Saale, gedreht. Und Ramona, Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Wilhelm Kneitz AG in Wirsberg, gibt einen spannenden Einblick in ihre Ausbildung zur Textillaborantin. Zu sehen sind die Videos unter www.youtube.com/gotextile und unter www.go-textile.de/ausbildung.

Mit Textil experimentieren Am Anfang stand die Idee eines Koffers, gefüllt mit innovativen Produkten der Textil- und Beklei-

dungsindustrie. Dieser sollte in Schulen eingesetzt werden, um zu zeigen, welches Potenzial die Branche – auch als Arbeitgeber – hat. Entstanden ist daraus ein Projekt zur Entwicklung eines Experimentierkastensystems für einen Unterricht mit textilem Kontext in der Sekundarstufe I: der TEXperten-Box. Dieses Dissertationsprojekt wird von der Pädagogischen Hochschule Freiburg unter der Leitung von Professorin Dr. Anne-Marie Grundmeier durchgeführt und von der Stiftung

der Deutschen Wirtschaft sowie vom Gesamtverband textil+mode gefördert.

Zur Halbzeit des drei Jahre dauernden Projektes wurden nun die ersten Ergebnisse präsentiert und getestet. Dazu trafen sich dreizehn angehende Gymnasial- und Realschullehrer aus der ganzen Republik in Freiburg. Im Rahmen eines Seminars wurde das Konzept der TEXperten-Box vorgestellt. Die Teilnehmer konnten Experimentiersets zu verschiedenen Themen, z. B. Fasererkennung, Funktionstextilien, Fleckentfernung usw. ausprobieren und mit den Materialien selbstständig experimentieren. Alle waren

sich einig – auf diese Art lernt man die textile Welt spielerisch in ihrer Funktion und Beschaffenheit kennen und erfährt ihre Vielseitigkeit. Aus der Arbeit an der TEXperten-Box haben sich bereits zwei weitere Konzepte entwickelt, die ebenfalls vorgestellt wurden: ein textiler Experimentierkoffer für die Grundschule und ein Koffer für Berufslotsen der vornehmlich bei der Berufsorientierung für die Textil- und Modebranche zum Einsatz kommen soll. Abgerundet wurde das Programm für die Teilnehmer mit einer Führung durch die Produktion der Firma Gütermann in Gutach. Christine Schneider

Unternehmen haben die Möglichkeit, die TEXperten-Box mit ihren textilen Produkten oder Materialien zu bereichern und so die Jugend für sich zu gewinnen. Interessierte bitte bei Südwesttextil (schneider@ suedwesttextil.de oder Telefon +49 711 21050-25) melden.

Ziel von Go Textile! ist es, in diesem Jahr alle textilen Ausbildungsberufe der Branche zu verfilmen und so informative Einblicke in eine moderne, leistungs- und zukunftsfähige Branche- zu geben. Unternehmen, die in ihrer Produktion mit einem Azubi ein Video gedreht haben möchten, können sich gerne mit Simone Diebold (diebold@suedwesttextil.de) in Verbindung setzen. Simone Diebold

Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil.

Souverän in Konfliktsituationen 18. bis 19. April 2013, Haus Reutlingen Auf den Punkt gebracht … Ideen kreieren, strukturieren und zielgerichtet umsetzen 22. April 2013, Haus Reutlingen Wettbewerbsfaktor: Kompetenzmanagement 29. und 31. April 2013, Haus Steinheim

www.biwe-akademie.de


8  Recht + Steuern

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Beendigung einer betrieblichen Übung Wenn freiwillige Leistungen zu Verpflichtungen werden Nichts ist ärgerlicher für einen Arbeitgeber, als wenn freiwillige Leistungen gewährt werden und die einzelnen Arbeitnehmer aufgrund einer betrieblichen Übung auf einmal einen Anspruch auf diese Leistungen in der Zukunft haben. Schließlich entsteht die betriebliche Übung alleine durch die gleichartige, wiederholte Handlung des Arbeitgebers, ohne dass es dabei auf einen Verpflichtungswillen des Arbeitgebers ankommt. Maßgeblich ist allein, wie der Arbeitnehmer als Erklärungsempfänger das Verhalten des Arbeitgebers nach Treu und Glauben verstehen durfte. Ausschließen kann ein Arbeitgeber das Entstehen einer betrieblichen Übung bei Sonderzahlungen

Freiwilligkeitsvorbehalt in Arbeitsverträge aufnehmen durch einen Freiwilligkeitsvorbehalt in den Arbeitsverträgen der Mitarbeiter. Bringt der Arbeitgeber zum Ausdruck, dass kein Rechtsanspruch für die Zukunft bestehen soll, dann steht dieser einer betrieblichen Übung entgegen. Ebenfalls entsteht keine betriebliche Übung, wenn der Arbeitgeber meint, irrtümlich zu einer Leistung verpflichtet zu sein. Erbringt ein Arbeitgeber

eine besondere übertarifliche Leistung aufgrund einer bestehenden Anspruchsgrundlage, kann eine betriebliche Übung nicht entstehen. Ist diese Anspruchsgrundlage jedoch nicht einschlägig, kann ein

Vorsicht ist für Bereiche geboten, für die keine betriebliche Übung naheliegt wie z. B. beim jährlichen Betriebsausflug. Foto: © DOC RABE Media - Fotolia.com

Arbeitgeber trotzdem einwenden, dass er irrtümlich glaubte, die betreffende Leistung in Erfüllung tarifvertraglicher oder sonstiger Pflichten erbringen zu müssen. Hierzu hat nunmehr das BAG am 29. August 2012 entschieden, dass dem tatsächlichen Verhalten des Arbeitgebers aus Sicht des Arbeitnehmers der Wille zugrunde liegen müsse, eine bestimmte übertarifliche Leistung zu erbringen. In dieser Entscheidung wurde als besonders relevant ausgeführt, dass es überraschenderweise nicht auf den

Recht kompakt Arbeitsentgelt – Minderleistung Frage: Darf einem Low Performer das Entgelt gekürzt werden? Antwort: Während im Kaufvertragsrecht bei mangelhafter Leistung eine Minderung des Kaufpreises vorgesehen und möglich ist, ist dies im Arbeitsrecht nicht der Fall. Lediglich § 10 Ziff. 15 des Manteltarifvertrages der gewerblichen Textilarbeitnehmer eröffnet eine Entgeltanpassung entsprechend dem Grad der Minderleistung in Vereinbarung mit dem Betriebsrat. Soweit es sich allerdings um eine vom Arbeitnehmer verschuldete Schlechtleistung handelt, kann der Arbeitgeber gegebenenfalls mit einem Schadensersatzanspruch gegen den Vergütungsanspruch des Arbeitnehmers aufrechnen. Die Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung sind allerdings zu berücksichtigen. Die relevanten Gesetzestexte finden sich im Mitgliederbereich unter www.sudwesttextil.de

Irrtum des Arbeitgebers ankommt. Maßgebend sei vielmehr, ob der Irrtum für den Arbeitnehmer erkennbar war und die Zahlung aus seiner Sicht zur Erfüllung tarifvertraglicher bzw. anderer kollek-

tivrechtlicher Vereinbarungen erfolgte. Diese Darlegung muss der Arbeitnehmer im Prozess allerdings erbringen, ansonsten genügt er seiner Vortragslast nicht. Wenn eine betriebliche Übung trotzdem einmal begründet worden ist, entsteht dieser Anspruch grundsätzlich nur gegenüber den Arbeitnehmern, mit denen unter der Geltung der Übung ein Arbeitsverhältnis begründet wird. Gegenüber neu eintretenden Arbeitnehmern kann eine betriebliche Übung durch eine eindeutige Erklärung des Arbeitgebers beseitigt werden. Ansonsten gilt sie allerdings für andere Arbeitnehmer ebenso. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Arbeitnehmer, die von dieser betrieblichen Übung aufgrund eines späteren Eintritts ausgenommen worden sind, einen Anspruch auf Gewährung nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz haben können. Die sogenannte negative betriebliche Übung kann hingegen kaum noch als Gegenargument herangezogen werden. War es früher noch möglich, durch mehrfache Nichtgewährung einer Leistung eine betriebliche Übung sozusagen durch eine gegenteilige Verhaltensweise wieder aufzuheben, so ist diese Möglichkeit nach der neuen AGB-Rechtsprechung des Bun-

desarbeitsberichts weitestgehend ausgeschlossen. Somit ist die Lösung von einer betrieblichen Übung kaum möglich. Es handelt sich um individualrechtliche Ansprüche der einzelnen Arbeitnehmer. Diese einzelvertraglichen Ansprüche können grundsätzlich nicht durch eine verschlechternde Betriebsvereinbarung abgeändert werden. Schließlich gilt zwischen einem Arbeitsvertrag und einer Betriebsvereinbarung das Günstigkeitsprinzip. Die einzige rechtssichere Möglichkeit, sich von dieser unerwünschten Anspruchsgrundlage zu lösen, ist somit der Abschluss individualvertraglicher Regelungen mit den einzelnen Mitarbeitern. Diese werden erfahrungsgemäß nicht sonderlich erfreut sein, auf zusätzliche Ansprüche zu verzichten. Dabei darf die Bedeutung der betrieblichen Übung nicht unterschätzt werden, weil in vielen Bereichen, bei denen nicht ohne weiteres eine betriebliche Übung

Mehrfache Nichtgewährung ist keine Lösung naheliegt, derartige Ansprüche entstehen können. Zu nennen sind hier zum Beispiel Essenszuschüsse, eine Regelung über den jährlichen Betriebsausflug, die Nichtanrechnung von Tariflohnerhöhungen auf Zulagen, bezahlte Freizeit an Rosenmontagen oder die Übertragung von Urlaub über die gesetzlichen bzw. tarifvertraglichen Grenzen hinaus. Somit verbleiben durchaus Ansatzmöglichkeiten, um eine betriebliche Übung auszuhebeln, insbesondere soweit eine irrtümliche Leistung aufgrund einer vermeintlich tarifvertraglichen Regelung vorgebracht werden kann. Allerdings ist aufgrund der beschriebenen Schwierigkeiten stets zu empfehlen, im Vorfeld z. B. durch entsprechende Freiwilligkeitsklauseln, das Entstehen einer betrieblichen Übung auszuschließen. Nathan Binkowski


Schwerbehindertenanzeige Arbeitgeber darf fragen, wenn der Arbeitsvertrag mindestens sechs Monate bestand Bis zum 31. März müssen wieder alle Arbeitgeber, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, nach dem Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) der zuständigen Agentur für Arbeit die Daten anzeigen, die für die Berechnung des Umfanges der Beschäftigungspflicht, zur Überwachung ihrer Erfüllung und der Ausgleichsabgabe notwendig sind. Die Arbeitgeber sind verpflichtet auf mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Soweit Arbeitgeber dieser Vorgabe nicht nachkommen, müssen sie abhängig von ihrer Beschäftigungsquote eine so genannte Ausgleichsabgabe zahlen. In diesem Zusammenhang gilt es die neue Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 16. Februar 2012 - 6 AZR 553/10 zu berücksichtigen. Mittlerweile

ist die Frage des Arbeitgebers nach einer Schwerbehinderung in einem bestehenden Arbeitsverhältnis jedenfalls dann zulässig, wenn der

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Antrag im bestehenden Arbeitsverhältnis fragen, um sich rechtstreu zu verhalten. Dies gilt insbesondere auch im Zusammenhang mit

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Arbeitsvertrag mindestens sechs Monate bestand, d. h. nach Erwerb des Schwerbehindertenschutzes gemäß §§ 85 ff. SGB IX. Der Arbeitgeber darf dann nach einer Schwerbehinderung, Gleichstellung oder einem diesbezüglich gestellten

seinen Pflichten zur behinderungsgerechten Beschäftigung bzw. Zahlung der Ausgleichsabgabe. Arbeitnehmer sollten die Frage nach der Schwerbehinderung oder Gleichstellung wahrheitsgemäß beantworten, da sie sich ansonsten

Schadensersatzansprüchen aussetzen. Soweit der Arbeitgeber wegen falscher Angaben des Arbeitnehmers höhere Kosten im Rahmen der Ausgleichsabgabe zahlen muss, kann er diesen Betrag als Schaden vom Arbeitnehmer zurückfordern. Den Arbeitgebern ist deshalb zu empfehlen, in regelmäßigen Abständen vor Mitteilung der Beschäftigungsdaten an die Agentur für Arbeit den aktuellen Stand der Beschäftigung Schwerbehinderter und Gleichgestellter Arbeitnehmer im Unternehmen unter Hinweis auf das aktuelle BAG-Urteil abzufragen. Zur Erstellung der Anzeige steht den Arbeitgebern das elektronische Programm REHADAT-Elan 2012 zur Verfügung. Kostenloses Download unter www.rehadatelan.de. Kai-Uwe Götz

Ausgleichsvereinigung textil+mode

hgeführt über die mode e. V.

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Recht + Steuern  9

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Verwaltungsaufwand verringern Bürokratiekosten senken Rechtssicherheit erlangen

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Nun ist es wieder soweit: Die Künstlersozialkasse bittet bis 31. März um Abgabe des Meldebogens für das Jahr 2012. Unternehmen müssen der Kasse die Summe der Entgelte melden, die sie für künstlerische oder publizistische Leistungen selbständiger Künstler entrichtet haben. Diese Meldung ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden: Abgaberelevante Rechnungen müssen identifiziert, die einzelnen Rechnungen gesichtet und geprüft und nicht abgabepflichtige Rechnungsposten wie Umsatzsteuer und Reisekosten des Künstler abgezogen werden. Laut einer Studie der IW Consult GmbH Köln entsprechen die Kosten für diesen bürokratischen Aufwand insbesondere bei kleineren und mittleren Unternehmen nahezu der Höhe der Abgabe selbst. Die Ausgleichsvereinigung textil+mode übernimmt diese Arbeit für ihre Mitglieder. Die nächste Möglichkeit Mitglied zu werden, ist der 1. Januar 2014. Dazu ist es erforderlich, sich bei der Ausgleichsvereinigung bis zum 28. Juni anzumelden und bestimmte, zur Teilnahme erforderliche Daten mitzuteilen.

Praxisleitfaden Branchenzuschläge Nachdem bereits Mitte 2012 Branchenzuschläge für die Metall- und Elektro- und die Chemieindustrie vereinbart wurden, einigten sich Ende Oktober IGZ / BAP und die IG Metall auf einen Tarifvertrag über Branchenzuschläge für Arbeitnehmerüberlassung in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Da der Tarifvertrag nicht zwischen den Sozialpartnern der Textil- und Bekleidungsindustrie vereinbart wurde, ist die Tarifbindung des Einsatzunternehmens irrelevant: Die Zuschläge werden bei Einsätzen von Zeitarbeitnehmern in allen Textil- und Bekleidungsunternehmen fällig. Der Tarifvertag tritt am 1. April in Kraft. Der Gesamtverband textil+mode hat einen Praxisleitfaden erstellt, der kurz, prägnant und übersichtlich in den betrieblichen Umgang mit dem neuen Tarifvertrag einführt. Im Mitgliederbereich von Südwesttextil kann der „Praxisleitfaden Branchenzuschläge“ unter der Rubrik Schriftenreihe Arbeitsrecht heruntergeladen werden.

Aktuelle Steuer-Nachrichten Das Finanzgericht München ließ den teilweisen Sofortabzug von Sanierungskosten für ein auf einem privaten Schuppen befindliches Dach zu, auf dem anschließend eine Photovoltaikanlage zur Erzielung gewerblicher Einkünfte genutzt wurde. Die Aufwendungen wegen der installationsbedingten Verstärkung des Daches seien voll betrieblich veranlasst. Die übrigen Aufwendungen teilte das Finanzgericht nach dem Verhältnis der fiktiven Vermietungsentgelte für das Gebäude und die Dachfläche in teils privat und teils betrieblich veranlasste Aufwendungen. Darüber hinaus finden sich in der Märzausgabe der aktuellen Steuernachrichten Erläuterungen zu Entscheidungen zur Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten und der Abgrenzung zwischen Kinderbetreuungskosten und nicht abziehbaren Unterrichtsaufwendungen. Die aktuelle Ausgabe kann als pdf-Datei im Mitgliederbereich von Südwesttextil heruntergeladen werden.


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10  Technik + Umwelt

Südwesttext

Untersuchung zu Seltenen Erden Für die Unternehmen in BadenWürttemberg hat eine größere Transparenz bei der Verwendung von Permanentmagneten im industriellen Einsatz einen strategisch hohen Stellenwert. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) lässt vor diesem Hintergrund zurzeit eine Untersuchung zu Seltenen Erden durchführen, in die auch der Landesverband der baden-württembergischen Industrie (LVI) eingebunden ist. Das auf ein Jahr angelegte Projekt mit dem Titel „Untersuchung zu Seltenen Erden - Permanentmagnete im industriellen Einsatz in Baden-Württemberg“ wird im Auftrag des Umweltministeriums vom Öko-Institut durchgeführt. Im Zentrum steht eine detaillierte Erhebung und Analyse der Rohstoffe für Neodym-Eisen-Bor-Permanentmagnete (wichtigste Seltene Erden hier Neodym, Praseodym und Dysprosium) und ihre Anwendungen in der Industrie Baden-

Württembergs. Ziel des Projektes ist es, für die Unternehmen im Land gesicherte Grundlagen bereit

Foto: © Blackosaka - Fotolia.com

zu stellen und Handlungsoptionen für die Politik der Landesregierung abzuleiten. Zum Projekt gehört auch ein Fragebogen, der anonymisiert ausgewertet wird und so zu dem notwendigen Erkenntnisgewinn führen soll. Vor allem geht es um die Frage, wie viele Tonnen dieser

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Termine

Magnete und Seltenen Erden im industriellen Anwendungsbereich benötigt werden, welche Sektoren der Industrie und welche technischen Anwendungen besonders relevant sind und wie hoch die heutigen und zukünftigen Recyclingpotenziale gesehen werden. Es ist darüber hinaus vorgesehen - soweit möglich - Interviews mit mehreren Unternehmen zu führen. Der ausgefüllte Fragebogen kann direkt an das Öko-Institut (Projektleiter Dr. Matthias Buchert: m.buchert@oeko.de) gesandt werden. Neben der Abgabe des Fragebogens besteht auch die Möglichkeit, im Rahmen von Interviews mit dem Öko-Institut die Fragen direkt zu beantworten. Weitere Details können Projektinformationen entnommen werden, die unter www.suedwesttextil.de heruntergeladen werden können.

Christine Schneider

Ideen sind gefragt Bundesumweltministerium und BDI suchen die besten Innovationen für Klima und Umwelt, die mit dem IKU-Innovationspreis geehrt werden sollen. Der Wettbewerb 2013 hat begonnen und bis zum 27. Mai können Wettbewerbsunterlagen eingereicht werden. Die Sieger in den fünf Kategorien erhalten ein Preisgeld von je 25 000 Euro und können das IKU-Logo zu Marketingzwecken nutzen. Damit können Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit und die Umweltfreundlichkeit ihrer Produkte herausstellen. Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren unter www.iku-innovationspreis.de

Termin vormerken

Neue Technologien im Textilbasierten Faserverbund-Leichtbau Tagung am 18. April 2013 DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Stuttgart

Stornieen/eingungs-

Anmeldung bis zum 15. April per Fax an +49 (0)711 - 32 73 25 69 oder E-Mail an ulrike.moeller@afbw.eu

Tagung Abluftreinigung Zum ersten Mal wird vom Sächsischen Textilforschungsinstitut eine Tagung zum Thema Abluftreinigung durchgeführt. Am 10. April treffen sich in Chemnitz Vertreter aus Forschung, Unternehmen und Behörden, um unterschiedliche Strategien zur Abluftreinigung, rechtliche Rahmenaspekte und prozesstechnische Grundlagen zu diskutieren. Programm und Anmeldung unter www.stif.de/ abluft.html. Gatex Am 14. Mai veranstaltet die Gatex in Bad Säckingen das Seminar „Verantwortung von Führungskräften – Haftung für Personal und Produktion“. Behandelt werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen sich Führungskräfte in Betrieben heute bewegen. Anhand von Beispielen werden die Konsequenzen aus Rechtsverstößen besprochen. Das Seminar richtet sich an Meister, Teamleiter und Führungskräfte aller Bereiche sowie an Beauftragte im Arbeits- und Umweltschutz, die zusätzlich Führungsverantwortung tragen. Programm und Anmeldung unter www.die-gatex.de. Denkendorfer Symposium Am 8. Mai veranstaltet das ITV Denkendorf in Kooperation mit der AFBW und dem Kompetenznetz Biomimetik Baden-Württemberg das Symposium „Bionik und faserbasierte Werkstoffe“. Das „HighTech Labor der Natur“ mit seinen bestens erprobten Problemlösungen und Konstruktionsprinzipien ist eine Fundgrube für technische Innovationen. Die systematische Übertragung dieses Potenzials biologischer Kreativität in technische Anwendungen bei faserbasierten Werkstoffen ist Thema dieser Veranstaltung. Programm und Anmeldung unter www.itvdenkendorf.de. Denkendorfer Innovationstag Aus organisatiorischen Gründen musste der für den 22. März vorgesehene Innovationstag verlegt werden. Der neue Termin wird voraussichtlich im Herbst stattfinden und schnellst möglich bekannt gegeben.


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Technik + Umwelt  11

Fasern in der Medizin Die AFBW tagte in Bönnigheim Fasern sind aus dem Medizin- und Gesundheitswesen nicht wegzudenken. Die Tagung „Fasern in der Medizin“, organisiert von der Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW) und ihren zehn Kooperationspartnern, darunter auch Südwesttextil, war mit mehr als 85 Teilnehmern sehr gut besucht. Die Themen der Veranstaltung reichten von der Wundbehandlung über bioresorbierbare Vliesstoffe bis hin zu Hohlfasern und nanoskalige Fasern für medizinische Anwendungen. Die Gesundheit, ein gesellschaftlicher Megatrend der Gegenwart und Zukunft, lässt die Medizintechnik zu einem der interessantesten Wachstumsmärkte werden. Mit rund 40 000 Beschäftigten ist Baden-Württemberg bundesweit der beschäftigungsstärkste Standort in diesem Bereich. Auch deswegen lege die Landesregierung ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung von textilbasierten Hightech-Werkstoffen für medizintechnische Produkte, unterstrich Ministerialdirektor Rolf Schumacher, Wirtschafts- und Finanzministerium Baden-Württemberg, in seiner Begrüßungsrede. In seinem Eröffnungsvortrag ging Chefarzt Dr. med. Wolf-Rüdiger Klare, Gesundheitsverbund HBH-Klinken, auf die Grundzüge moderner Wundbehandlung ein. Der Spezialist für die Behandlung

Die Referenten freuten sich über das rege Interesse. Prof. Dirk Höfer, Hohenstein Institut für Textilinnovation, präsentierte die neuen Entwicklungen faserbasierter Medizintextilien.

offener Beine bei Diabetes vertritt die Auffassung, dass die richtige Wundbehandlung mit den passenden Materialien den Heilungs-

prozess maßgeblich beeinflusst. Prof. Dr. Michael Doser, ITV Denkendorf, präsentierte die neuen Ansätze bei funktionalisierten und regenerativen Materialien. Einen interessanten Ausblick in die Zukunft der biofunktionalisierten Werkstoffoberflächen bot Prof. Dr. Martin Scholz, Leukocare AG. Er machte allerdings auch die Schwierigkeiten bei der Zulassung von Medizinprodukten für kleine und mittelständische Unternehmen sehr deutlich. Dr. Guiseppino Fortunato, Empa Swiss Federal Laboratories for Material Science and Technology, zeigte was von nano- und mikroskaligen Fasern für medizinische Anwendungen zu erwarten ist. Bioresorbierbare Vliesstoffe und deren Herstellung durch die Scaffolene Technology standen im Fokus beim Vortrag

von Dr. Schlesselmann, Freudenberg New Technologies. Diese Technologie, die in Anlehnung an die Herstellung von Zuckerwatte entwickelt wurde, wird von Freudenberg überwiegend in B2B eingesetzt. Neue Erkenntnisse bei der Entwicklung von faserbasierten Medizintextilien zeigte Prof. Dirk Höfer, Hohenstein Institut für Textilinnovation. Einen Einblick in die großtechnische Hohlfasermembranproduktion und klinische Anwendungsbeispiele gab Dr. Adriana Boschetti, Gambro Dialysatoren. Das Hechinger Unternehmen ist führend in der Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von Produkten und Therapien für die Nieren- und Leberdialyse. „Hohlfasern, die für den Patienten atmen: von der Herzoperation zur Lungenunterstützung“ war das Thema von Dr. med. Georg Matheis, Novalung. Über „tissue engineering“ sprach Prof. Dr. Hugo Hämmerle, NMI - Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen. Abschließend stellte Annahit Arshi, Karl Otto Braun, interessante Entwicklungen im Bereich der Verbandsstoffe und Binden vor. Eine Begleitausstellung bot zusätzliche Informations- und Austauschmöglichkeiten. Christine Schneider

Energiesteuern: Leitfaden für die unternehmerische Praxis

Mitmachen lohnt sich

Nach weniger als zwei Jahren ist es aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen wieder erforderlich geworden, den Leitfadens „Energiesteuer“ zu überarbeiten. Der vom Gesamtverband textil+mode erstellte und aktualisierte Leitfaden steht nun in den vierten Auflage im Mitgliederbereich Foto: © Photo-K - Fotolia.com von Südwesttextil zur Verfügung. Ausgeweitet wurden die Erläuterungen zu den Entlastungsmöglichkeiten, die nicht auf dem Energiesteuergesetz oder dem Stromsteuergesetz beruhen, sondern sich auf andere Gesetze verteilen. Insbesondere die Härtefallregelung des EEG ist seit Anfang 2013 auch für einen größeren Kreis von Mittelständlern aus der Textilindustrie nutzbar.

Das Land Baden-Württemberg schreibt in diesem Jahr bereits zum 29. Mal den Wettbewerb um den renommierten Innovationspreis des Landes, den Dr.-Rudolf-Eberle-Preis, aus. Ab sofort können sich kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von nicht mehr als 100 Millionen Euro aus Industrie, Handwerk und technologischer Dienstleistung wieder mit beispielhaften Produkten, Verfahren und technologischen Dienstleistungen bewerben. Einsendeschluss ist der 31. Mai. Das Land vergibt in diesem Jahr Preise in Höhe von insgesamt 50 000 Euro. Einen Sonderpreis verleiht die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH in Höhe von 7 500 Euro. Dieser richtet sich an junge Unternehmen aus Baden-Württemberg, die nicht älter als zehn Jahre sind und mit bis zu 100 Beschäftigten einen Umsatz von maximal zehn Millionen Euro erzielen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: http://www.innovationspreis-bw.de.


12  Zu guter Letzt

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Für eine textile Ausbildung ist es nie zu spät Gatex ermöglicht an- und ungelernten Arbeitnehmern einen Berufsabschluss Ihren erfolgreich erlangten Berufsabschluss feierten 17 Maschinen- und Anlagenführer der Fachrichtung Textil Ende Februar in Bad Säckingen: in der Gemeinschaftsausbildungsstätte Gatex der Textilindustrie erhielten sie ihren IHK-Facharbeiterbrief. „Das ist für uns jedes Mal wieder ein besonderes Ereignis“, betont Gatex-Ausbildungsleiter Ingo Kiefer. Denn die Absolventen sind gerade nicht die jungen Auszubildenden, die üblicherweise die Gatex besuchen. Die neuen Facharbeiterinnen und Facharbeiter sind vielmehr ältere an- und ungelernte Arbeitskräfte, die im Rahmen des von der Arbeitsagentur initiierten Sonderprogramms „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen“ (WeGebAU) die Prüfungen für einen qualifizierten Berufsabschluss geschafft haben. Das Anfang 2007 aufgelegte Programm verfolgt einen präventiven Ansatz, indem es Arbeitnehmer fördert, die zwar einen Arbeitsplatz haben, sich aber durch Qualifikation und Weiterbildung vor möglicher Arbeitslosigkeit schützen können. Im Dezember 2011 startete die Ausbildung, während der in wöchentlichen Unterrichtseinheiten insgesamt 370 Fachunterrichtsstunden und 70 Stunden

Wirtschafts- und Sozialkunde besucht werden mussten. Außerdem wurden die Teilnehmer in Lern-

in Sicht. Die frisch gebackenen Facharbeiterinnen und Facharbeiter kommen aus den Textilunter-

Berufsabschluss in der Tasche: Die Siebzehn Absolventen mit Ausbildungsleiter Ingo Kiefer (Erster von links) und dem Leiter der Gewerbe Akademie Schopfheim Arno Baumann (Sechster von rechts). Foto: Jörn Kerckhoff

methoden geschult und so auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Die entsendenden Unternehmen erhielten während dieser Zeit 80 Prozent des Arbeitsentgelts von der Arbeitsagentur erstattet. Die Lehrgangskosten konnten von den Teilnehmern mit einem Bildungsgutschein bezahlt werden, den ihnen die Arbeitsagentur spendierte. Für die Gatex ist es bereits die fünfte WeGebAU-Weiterbildung, die sie in Zusammenarbeit mit der Gewerbeakademie der Handwerkskammer Freiburg ausgerichtet hat. Ein weiteres Projekt ist schon

Oben ohne – Justizminister Rainer Stickelberger will die Krawattenpflicht für Rechtsanwälte abschaffen Zum Artikel „Justizminister tritt auf den Schlips", Stuttgarter Nachrichten (28.02.2013), äußerte sich Südwesttextil in einem Leserbrief: „Die Krawatte macht den Mann": Dieses Axiom vergangener Epochen mag angesichts veränderter Modemaximen an Bedeutung verloren haben. Doch die sich modern gebenden Krawattenverweigerer in deutschen Gerichtssälen seien daran erinnert, dass der Langbinder seinen Rang als besonders ausdrucksvolles Kulturprodukt gerade zurückerobert. Heute trägt Mann – und vor allem der junge – wieder Krawatte. Selbstbewusst und mit Bedacht, typgerecht und anlassbezogen. Und er bekennt sich zu einem betont männlichen Stil. Die Verhandlung vor Gericht ist zweifellos ein Anlass, bei dem die passende Krawatte ihrem Träger gut zu Gesicht steht. Nicht nur aus Respekt vor der dritten Staatsgewalt, sondern auch, um nicht schon äußerlich als Leichtgewicht betrachtet zu werden Dr. Markus H. Ostrop, Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer des Verbands Südwesttextil e. V., Stuttgart

Lauchrigen, Strähle & Hess in Althengstett sowie aus Lörrach von den Firmen Technische Textilien und Textilveredlung an der Wiese. „Wir freuen uns, dass wir in unserem modernen Technikum älteren und geringqualifizierten Arbeitnehmern die Möglichkeit bieten können, Teilqualifikationen zu erwerben oder fehlende Berufsabschlüsse nachzuholen“, erklärt Ausbildungsleiter Ingo Kiefer. Diese Weiterbildungsinitiative der Arbeitsagentur sei ein hervorragendes Instrument, um dem Fachkräftemangel in der Textilindustrie zu begegnen Simone Diebold

nehmen Global Safety Textiles in Maulburg, der Lauffenmühle in

Die Absolventen Global Safety Textiles

Strähle & Hess

Waldemar Kolupaew, Vincenzo Sabatasso, Vincenzo Spallino

Diana Dernbach Technische Textilien Lörrach

Lauffenmühle

Sergej Anselm, Besim Redza

Yasin Adakli, Massimmiliano Donzi, Hüseyin Saglam, Fabio Santangelo, Izbi Sulejmani, Frank Thiel, Özcan Yarici

Textilveredlung an der Wiese Muammer Pinar, Imam Kabakci, Hüseyin Aslan, Daniel Nayante

Zitat

»Anspruchsvolle Rahmenbedingungen sind als Standortvorteil zu sehen.« Ministerin Theresia Bauer beim LVI am 27. Februar auf die Anmerkung, dass manche Umweltgesetze die Konkurrenzfähigkeit behindern.

Impressum © Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers. Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie Südwesttextil e. V. Kernerstraße 59 70182 Stuttgart

Präsident Georg Saint-Denis

Gestaltung www.die-wegmeister.com

Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop

Druck Gress-Druck GmbH, Fellbach

Postfach 10 50 22 70044 Stuttgart Telefon +49 711 21050-0 Telefax +49 711 233718 Internet www.suedwesttextil.de

Verantwortlich für Inhalt und Layout Simone Diebold

Auflage 1 000 Exemplare


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Südwesttext März 2013 by Südwesttextil - Issuu