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SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie Herausgegeben von Südwesttextil

www.suedwesttextil.de

Juni 2013 | Nr. 69

Themen Verband + Industrie

Wahlprüfsteine 2013 Seite 5 Bildung + Soziales

Fahrplan Qualifizierung Seite 6

Techtextil

Recht + Steuern

Innovationen, die begeistern

Straftaten und andere grobe Pflichtverletzungen

Seite 3

Seite 8

Aktuelle Steuer-Nachrichten

Das muss aufs Etikett

Seite 9

Kompetenznetzwerk Textilkennzeichnung erfolgreich gestartet

Foto: © Torsten Lorenz – Fotolia.com

Seit Mitte Juni bietet das Kompetenznetzwerk Textilkennzeichnung von Südwesttextil und Gesamtmasche allen Mitgliedsfirmen eine

Austauschplattform und umfassende Informationen rund ums Etikett. Die Pflichtangabe zu Rohstoffen ist oft ein komplexes Unterfangen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert teure Abmahnungen. Dazu kommen die gesetzlich vorgeschriebene Herstellerkennzeichnung sowie freiwillige Angaben zu Pflege, Konfektionsgrößen oder zum Ursprungsland. Richtig kompliziert wird es bei der Ausfuhr. Bereits die Sprachenvielfalt in Europa bereitet manchem

Exporteur Kopfzerbrechen. Destinationen außerhalb der EU erfordern Kenntnisse der nationalen Anforderungen – und die können in Ländern wie China, Russland oder den USA erheblich anders aussehen als zuhause. Bisher hat Südwesttextil über Workshops, Veröffentlichungen und Gespräche über das Thema informiert. Das Kompetenznetzwerk Textilkennzeichnung ergänzt diese Kommunikationswege in moderner und praxisnaher Weise. Fortsetzung Seite 2

Textiler Mittelstand unter Strom Die Bundesregierung plant eine neue Stromnetz- die mittelstandsfeindliche Regelung durchaus spüren. Entgelt-Verordnung (StromNEV). Diese befreit be- Angesichts stabiler, aktuell sogar sinkender Kosten sonders stromintensive Unternehmen weitgehend von für Erzeugung, Transport und Vertrieb ist ein neuer den Netzentgelten. Finanziert wird das durch eine Preistreiber auf der Stromrechnung kaum vertretUmlage auf den Strompreis von 0,329 Cent/kWh. bar. Die Bundesregierung hat die Regelung bereits Wer mehr als 100 000 abgesegnet, doch es kWh verbraucht, zahlt eine fehlt das grüne Licht »Zusätzliche Belastungen abgesenkte Umlage von der Länder. Bleibt drücken dem industriellen 0,05 Cent. Diese Grenze zu hoffen, dass der soll nun auf 1 Mio. kWh Mittelstand auf die Stimmung.« Bundesrat im Sinne steigen. Die Folge wäre der mittelständischen Dr. Hans-Eberhard Koch, Präsident des LVI eine Mehrbelastung für Industrie entscheidet einen durchschnittlichen mittelständischen Textilbe- und weitere Belastungen verhindert. trieb von ca. 2 500 Euro pro Jahr. Das mutet zunächst überschaubar an, doch gerade kleinere Firmen werden Silvia Jungbauer

Zahl des Monats Zum 15. Mal untermauerte die Messe Techtextil in Frankfurt ihre Position als internationaler Premiumtermin der technischen Textilien und Vliesstoffe. Und das mit einem Rekordergebnis: Rund 40 000 Besucher aus 113 Ländern informierten sich auf der Techtextil und Texprocess über die Innovationen und Trends der Branchen. Das sind 15 Prozent mehr als vor zwei Jahren.

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Aktuell Save the Date: Am 3. September findet zum dritten Mal der Textil- und Modedialog im M,O,C, Veranstaltungscenter in München statt. Die Partner der gemeinsamen Veranstaltung – Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie, Dialog Textil-Bekleidung, Gesamtmasche und Südwesttextil – laden anlässlich der Munich Fabric Start nach Messeschluss zum entspannten Netzwerken ein. Auf dem Programm steht ein Vortrag mit anschließend moderiertem Austausch sowie in eine Modenschau des Design-Nachwuchses der Deutschen Meisterschule für Mode. Die Einladungen werden in Kürze verschickt.


2  Verband + Industrie

Südwesttext

Juni 2013 I Nr. 69

Fortsetzung von Seite 1

Das muss aufs Etikett Im Online-Forum können Mitglieder Fragen diskutieren, Hinweise geben und anderen Teilnehmern interessante Downloads zur Verfügung stellen. Gebündelt an einem Ort findet sich alles Wichtige und Neue zum Thema. Das Kompetenznetzwerk ist eine moderierte Plattform: Die bereitgestellten Informationen werden auf ihre Qualität geprüft. Neben dem Diskussionsforum bietet das Netzwerk einen Nachrichtenbereich, in den verbandsseitig neue Meldungen zu Kennzeichnungsfragen platziert werden. Im Downloadbereich fin-

den sich zahlreiche Dokumente und Gesetzestexte zur Kennzeichnung international. Mitgliedsfirmen können über ihr Passwort für den geschlossenen Bereich der Südwesttextil-Homepage auf das Kompetenznetzwerk zugreifen. Der exklusive Service ist Verbandsmitgliedern vorbehalten. Wer möchte, kann im sich dort als „Teilnehmer“ registrieren und ein Profil anlegen. Damit die Teilnehmer keinen Eintrag verpassen, werden in regelmäßigen Abständen Benachrichtigungsmails versendet. Regelmäßige Checks schützen die

In Kürze

Plattform vor Missbrauch durch unbefugte Dritte und Freifahrer. Südwesttextil und Gesamtmasche wollen das Konzept des Kompetenznetzwerks auf weitere Bereiche anwenden und ausbauen. Denkbar sind alle Themen, zu denen die Mitgliedsfirmen Informations- und Diskussionsbedarf haben. Das Netzwerk ist dabei viel mehr als eine virtuelle Lösung: Der persönliche Austausch der Experten und regelmäßige „reale“ Veranstaltungen garantieren die nötige Bodenhaftung. Silvia Jungbauer

Hanns A. Pielenz, langjähriger Alleingesellschafter und Geschäftsführer von Amann & Söhne, ist am 13. Juni in Vero Beach in Florida gestorben. Er wurde 73 Jahre alt. Im Juli 2009 wurde der Unternehmer mit strategischem Weitblick als erster für sein Lebenswerk mit der OttoMecheels-Medaille für besondere Verdienste in Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft ausgezeichnet. Pielenz hat in vierter Generation von 1964 bis 2004 die Nähseidenfabrik „Amann und Söhne“ geleitet und zu einer weltweit agierenden Firma geführt, bevor er das Unternehmen 2004 in eine gemeinnützige karitative Stiftung einbrachte. Neben seinem verantwortungsvollen unternehmerischen Wirken hatte er unter anderem 25 Jahre lang als Vorstandsmitglied von Südwesttextil Einfluss auf die industrie- und tarifpolitischen Geschehnisse der Branche genommen. Außerdem fördert die Hanns-Pielenz-Stiftung Projekte in den Bereichen Forschung, Kunst und Wissenschaft. Mitte Juni wurde Jan Alt zum zweiten neuen Geschäftsführer der Gertex Textil GmbH und der Zoeppritex Verbundstoffe GmbH & Co. KG bestellt. „Ab sofort werden mein Neffe und ich uns die operative Verantwortung und alle Geschäftsführungsaufgaben der beiden Unternehmen, die sich seit 1872 in Familienhand befinden, als gemeinsame Geschäftsführer teilen“, so Dr. Ulrich Zwissler.

Gemeinsam zu mehr Kompetenz: Machen Sie mit und tragen Sie sich in die Teilnehmerliste des Kompetenznetzwerks Textilkennzeichnung ein! Wer noch keine Zugangsdaten hat, kann diese bei Christine Schneider, schneider@suedwesttextil.de, anfordern.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat Lauffenmühle, Hersteller hochwertiger Garne und Gewebe für klassische Arbeitskleidung, Schutzkleidung und Corporate Wear, in seine Standorte Lauchringen und Lörrach-Brombach im vergangenen Jahr 2,8 Millionen Euro investiert. „Durch die Umrüstung der Spinnerei mit neuen Maschinen sparen wir bei der Garnherstellung 18 Prozent Strom und steigern dabei die Produktivität,“ so Volker Steidel, geschäftsführender Gesellschafter. Erfolgreich sei das Unternehmen mit der Flammschutzlinie für Schutzbekleidung und der neuen aus Holz hergestellten technischen Faser Tec Cell.


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Verband + Industrie  3 

Hofelich: Bin beeindruckt und stolz Mittelstandsbeauftragter der Landesregierung besucht Techtextil Auf Einladung der Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW) und des Verbands Südwesttextil besuchte der Mittelstandsbeauftragte der badenwürttembergischen Landesregierung, Peter Hofelich, am 11. Juni zahlreiche Textilunternehmen auf der Messe Techtextil in Frankfurt. Dabei informierte er sich über neue Entwicklungen wie ausgeklügelte Dämmmaterialien für den Schallschutz im Fahrzeuginnenraum oder besonders schonende textile Wundauflagen für großflächige Hautverbrennungen. „Wir können stolz sein auf solch innovative Unternehmen in unserem Land“, resümierte der Vertreter der Landesregierung. Er unterstrich das Anliegen der grün-roten Regierungsarbeit, die technologische Breite des Landes weiter stimulieren zu wollen. Südwesttextil-Präsident Georg Saint-Denis bedankte sich für das Interesse der Politik an der Textilbranche, das durch den Besuch des Mittelstandsbeauftragten zum Ausdruck komme. Gleichzeitig äußerte er sich besorgt über die Steuerpläne von SPD und GRÜNE, die zu unerträglichen Belastungen der kleinen und mittelständischen Betriebe sowie deren Facharbei-

Peter Hofelich erhielt bei seinem Messerundgang in ausführlichen informativen Gesprächen einen kompakten Überblick der Potenziale technischer Textilien: (von oben) bei Amann & Söhne mit Bodo Th. Bölzle, beim Vliesstoffspezialisten J.H. Ziegler mit Clemens Haas, Matthias Eschler erklärte ihm die Besonderheiten textiler Wundauflagen und Ulrike Möller die Einsatzmöglichkeiten faserbasierter Werkstoffe.

ter führen würden. Der Fokus der Politik müsse auf der Erhaltung und Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie liegen. „Ich fürchte, dass in der Politik manchmal in Vergessenheit gerät, wer die

Finanziers der sozialen Sicherung in Deutschland sind“, mahnte Saint-Denis. In seiner Erwiderung bekräftigte Hofelich, dass die Sorgen der Wirtschaft vor einer zu hohen

Beim Messetalk auf dem Stand der Global Safety Textiles: (v.li.n.re.) Peter Hofelich, Georg Saint-Denis, Dr. Markus H. Ostrop, Sylvia Dommer-Kroneberg, Anita Vogel, Ulrike Möller, Thomas Diels, Christoph Larsén/Mattes, Ursula Hickl, Prof. Petra Schneider, Ditmar Schultschick, Klaus Gudat.

Steuerlast ernst genommen würden. Investitionen in den Standort, in Forschung und Arbeitsplätze dürften nicht gefährdet werden. Gegenwärtig werde aber „viel mit Schrot geschossen“, versuchte er zu beruhigen. „Mir ist es lieber, wenn die Steuern sprudeln, weil wir Wachstum haben, nicht, weil wir die Tarife erhöhen“, bekannte er. Auf der größten Leitmesse für technische Textilien und Vliesstoffe stellen 1 250 Unternehmen aus. Rund 20 Prozent der deutschen Aussteller kommen aus BadenWürttemberg. Unter anderem besuchte der Mittelstandsbeauftragte die Unternehmen Amman Group, weltweiter Näh- und Stickgarnspezialist für technische Anwendungen in Arbeitsschutz und Automobilindustrie aus Bönnigheim, den Vliesstoffspezialisten J.H. Ziegler aus Achern, die Eschler Textil GmbH für innovative Wirkwaren aus Balingen, den Airbaghersteller Global Safety Textiles aus Maulburg sowie den Nähgarnspezialisten Gütermann aus Gutach bei Freiburg.

Simone Diebold


4  Verband + Industrie

Südwesttext

Ökosteuerspitzenausgleich Das Bundeswirtschaftsministerium hat den lange erwarteten Verordnungsentwurf zum Spitzenausgleich präsentiert. Unter gewissen Voraussetzungen können ihn auch Firmen erhalten, die noch kein normgemäßes Energiemanagementsystem bzw. EMAS haben. Der Verordnungsentwurf formuliert die Anforderungen, unter denen der Ökosteuerpitzenausgleich in Anspruch genommen werden kann, auch wenn kein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem EMAS vorliegt. Die „Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung – SpaEfV“ enthält folgende zentralen Punkte: 1. Die KMU-Alternative besteht in einem Energieaudit nach DIN EN 16247-1, für das ein Auditbericht anzufertigen ist, dessen Inhalt in Anlage 1 zum Vorschlag niedergelegt ist. Die Anforderungen an alternative Systeme sind in Anlage 2 dargestellt. 2. Der Beginn der Einführung eines EMS kann durch Teilzertifizierung des Energieverbrauchs nachgewiesen werden, wobei der zertifizierte Anteil von 2013 auf 2014 steigt. Dieser vertikale Ansatz dürfte vor allem für Unternehmen interessant sein, die mehrere Standorte haben.

3. Die meisten Unternehmen werden einen horizontalen Ansatz wählen. Die Verordnung definiert, was in 2013 und was in 2014 erfüllt sein muss, um das Merkmal „Beginn der Einführung“ zu erfüllen und Spitzenausgleich zu kassieren. Dazu zählen organisatorische Maßnahmen, die Erfassung von Verbräuchen und die Analyse von Anlagen. Details sind Seite 7 unter Ziffer 3 zu entnehmen. 4. Alle Maßnahmen, auch solche während der Einführung, sind jeweils extern durch TÜV & Co bestätigen zu lassen. Der Entwurf erscheint im Großen und Ganzen zufriedenstellend. Allerdings ist er noch nicht innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, möglicherweise aufgrund von Differenzen mit dem Finanzministerium. Die Wirtschaft hat die Möglichkeit, bis zum 21. Juni 2013 Kommentare beim BMWi einzureichen. Silvia Jungbauer

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Gute Demografie-Praxis – Teilnahme an der Onlinebefragung Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) wurde vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft BadenWürttemberg mit der Durchführung der Studie „Alternsgerechtes Foto: © Photo-K – Fotolia.com Arbeiten“ beauftragt. Mit dem Projekt, das im Zuge der Arbeiten der Fachkräfteallianz vergeben wurde, sollen beispielhafte Ansätze für den Umgang mit einer älter werdenden Belegschaft identifiziert und bekannt gemacht werden. Dabei geht es um Fragen der Arbeitsorganisation und der Gesundheitsprävention, der Personalentwicklung, der Weiterbildung und des Wissensmanagements. Das IAO sucht gute Beispiele sowie deren Erfolgsfaktoren. Diese werden in der Studie so aufbereitet, dass sie als „Beispiele guter Praxis“ auch in andere mittelständische Betriebe übertragbar sind und diese davon lernen können. Hierzu gehört im ersten Schritt eine breitere Untersuchung, welche Aktivitäten die Unternehmen bereits verwirklichen und wo sie ihren Schwerpunkt legen. Diese Untersuchung erfolgt im Rahmen eines Online-Assessments, d. h. einer online-gestützten Abfrage, bei der die Unternehmen ihre eigenen Aktivitäten einordnen lassen können. Was haben die Unternehmen davon? Sie erhalten ein SofortFeedback nach Absenden des Fragebogens zu ihrer unternehmensindividuellen Situation und bekommen mögliche Ansatzpunkte für eine demografiefeste Unternehmensentwicklung. Zusätzlich lässt das IAO allen Teilnehmern im kommenden Jahr den aufbereiten Studienreport „Gute Demografie-Praxis“ zukommen. Dadurch erhält man eine Übersicht über den Umsetzungsstatus in anderen Unternehmen und bekommt anschaulich praxisnahe, gute Beispiele für den Mittelstand vorgestellt. Für die Antworten werden insgesamt etwa 20-30 Minuten benötigen – je nach Anzahl der verfolgten Maßnahmen. Der Link zur Umfrage: www.ost.iao.fraunhofer.de/gdp. Die detaillierten Informationen zum Gesamtprojekt finden sich unter: www.gdp.iao. fraunhofer.de.

Neues Mitglied in der EU

Modemarkt Japan

Kroatien tritt zum 1. Juli der Europäischen Union bei. Ab diesem Datum gilt der freie Warenverkehr des Binnenmarktes. Mit dem Beitritt entfallen alle Zollverfahren. Laufende Zollverfahren sollten bis zum 30. Juni beendet werden. Falls VeredelungsFoto: © nadalinna – Fotolia.com verkehre oder Versandverfahren zum Beitrittsdatum nicht abgeschlossen sind, sind diese nach den Regeln zu beenden, die vor dem Beitritt galten. Der zollrechtliche Status von Präferenzwaren kann durch vor dem 1. Juli ausgestellte Warenverkehrsbescheinigungen EUR.1 oder Ursprungserklärungen nachgewiesen werden. Bei Waren ohne Präferenzursprung Kroatien oder EU lässt sich der Status durch T2L-Vermerke nachweisen. Bis zum EU-Beitritt ist eine statistische Erfassung der entsprechenden Warenbewegungen durch die vorgeschriebene Zollbehandlung sichergestellt. Ab dem Berichtsmonat Juli müssen alle Eingänge und Versendungen im Rahmen der Intrahandelsstatistik angemeldet werden.

Im Rahmen EU-Japan Gateway Programms ist eine Studie zum japanischen Modemarkt erschienen. Die Studie gibt einen aktuellen Überblick über den japanischen Markt, über das Konsumverhalten, die Vertriebsstruktur und die Marktsegmentierung. Die Studie steht im Mitgliederbereich der Homepage zum Download bereit. Das EU-Japan Gateway Programme organisiert vom 24. bis zum 28. März 2014 eine geförderte „Interior Design Business Mission” nach Japan. Die Delegationsteilnehmer haben die Möglichkeit, ihre Produkte einem handverlesenen japanischen Publikum zu präsentieren, darunter Vertreter von Kaufhäusern, Innenausstattungsspezialisten und Importeure. Interessensbekundungen werden ab sofort entgegengenommen. Nähere Informationen sind unter www. eu-gateway.eu/interior-design-japan erhältlich. Foto: © chaoss – Fotolia.com


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Verband + Industrie  5 

Wahlprüfsteine 2013 Anlässlich der Wahl des 18. Bundestags am 22. September hat die Textil- und Modeindustrie ihre Kernthemen in einer Broschüre „Wahlprüfsteine 2013“ zusammengefasst und an die entsprechenden Bundesminister, an die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen sowie an die Vorsitzenden der relevanten Bundestagsausschüsse und an die relevanten Sprecher der BT-Fraktionen gesendet. Den Mitgliedsunternehmen von Südwesttextil steht die vollständige Broschüre für Gespräche mit ihren Abgeordneten vor Ort im Mitgliederbereich von www.suedwesttextil.de zum Download bereit. 1. Energie In den letzten Jahren ist das Strompreisniveau in Deutschland drastisch angestiegen und hat eine Höhe erreicht, die für viele Unternehmen nicht mehr tragbar ist. Haupttreiber ist das EEG. 2013 werden etwa 20 Mrd. Euro für die Förderung der EEG-Anlagen ausgegeben. Bis 2020 soll der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 35 Prozent steigen. Heute liegt dieser Anteil bei etwa 25 Prozent. Mit Beginn des Jahres 2013 stieg die EEG-Umlage von 3,5 ct/kWh um fast 50 Prozent auf 5,3 ct/kWh. Für 2014 wird sogar mit einem Anstieg auf 6 - 7 ct/kWh gerechnet. Bei einem durchschnittlichen Industriestrompreis in Deutschland von

ca. 14 ct/kWh im Jahr 2012 wird deutlich, welche Dimension die EEG-Umlage für die Industrie in

Deutschland mittlerweile erreicht hat. Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch in ihrer Dimension vergleichbar mit der deutschen Einheit ist. Sie sollte nicht länger durch eine Sonderabgabe nach dem EEG, sondern überwiegend aus Haushaltsmitteln finanziert werden. 2. Vermögensteuer Die Opposition (SPD und GRÜNE) sowie Teile der Öffentlichkeit (Initiative „Vermögensteuer jetzt!“) fordern die (Wieder-)Einführung einer Vermögensteuer/-abgabe. Die SPD schlägt im Wesentlichen die 1997 aufgrund von Verfassungsbedenken abgeschaffte Vermögensteuer von 1 Prozent jährlich vor. Die GRÜNEN streben eine einmalige Vermögensabgabe von 15 Prozent,

streckbar auf 10 Jahre an. Gegen die Einführung gibt es gewichtige Argumente: Beide Modelle

sind verfassungsrechtlich in dieser Form wohl nicht haltbar. Dies würde eine Substanzbesteuerung bedeuten, und dies umso mehr in Zeiten von niedrigen Zinsen und Inflation. Der Erhebungsaufwand ist immens, steht in keinem Verhältnis zum Aufkommen (das etwa dem des Soli entsprechen würde) und ist von den Finanzbehörden kaum zu bewältigen. 3. Erbschaftsteuer Das aktuelle ErbStG wird nach derzeitiger allgemeiner Meinung in dieser Form keinen Bestand haben. Der BFH hält das gesamte ErbStG für verfassungswidrig. Die anhängige Verfassungsklage sollte in Ruhe abgewartet werden, bevor das gerade erst neu gestaltete ErbStG wieder geändert und die

Foto: © AllebaziB – Fotolia.com

Termin vormerken

Planbarkeit weitreichender Entscheidungen verhindert wird. Es ist richtig und gesellschaftlich wünschenswert, dass Betriebsvermögen in Deutschland langfristig produktiv eingesetzt wird und daher begünstigt werden darf. Auch die Wirtschaft plädiert selbstverständlich dafür, dass nicht gewünschte Umgehungen ausgeschlossen und Missbrauch verhindert wird. Entsprechende Gesetzesinitiativen sind auf dem Weg. 4. Forschung Gefördert durch die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) gleichen KMU ihr Defizit fehlender eigener Forschungskapazitäten durch die Mitarbeit in vorwettbewerblichen Projekten an Forschungseinrichtungen aus. In besonderen Fällen ermöglicht eine Transferförderung im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des BMWi die Minderung des wirtschaftlichen Risikos. Dieses Innovationsnetzwerk und das Förderinstrument IGF sind über Jahrzehnte gewachsen und nachweislich erfolgreich. Der Fortbestand von IGF und ZIM ist für die mittelständische Industrie in Deutschland essenziel, aber keinesfalls sichergestellt. Hier ist ein klares Signal der Politik zur Stärkung dieser Fördermaßnahmen gefordert. Simone Diebold

Nachwuchsförderung

Gewerblicher Rechtsschutz 9. Juli 2013, CongressCentrum Böblingen

Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, dick@suedwesttextil.de oder +49 711 21050  - 11

Die Wilhelm-Lorch-Stiftung schreibt den Förderpreis 2014 aus. Die Stiftung hat das Ziel, den qualifizierten Branchennachwuchs zu fördern. Bewerben können sich in der Branche Tätige, Auszubildende und Studenten. Einsendeschluss ist Donnerstag, 31. Oktober. Bewerbungen und Studienabschlussarbeiten dürfen nur in Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Bewerbungen per E-Mail werden nicht akzeptiert. Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren unter www. wilhelm-lorch-stiftung.de.


6  Bildung + Soziales

Südwesttext

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Fahrplan Qualifizierung ESF-Projekt mit der IG Metall Mit dem Tarifvertrag zur Aus-, Fort- und Weiterbildung aus dem Jahr 1997 haben sich die Sozialpartner schon früh zur betrieblichen Weiterbildung bekannt. Gut 15 Jahre später ist die Initiative „weiter bilden“ für Südwesttextil und IG Metall Baden-Württemberg ein Anlass, die betriebliche Qualifizierungspraxis zu erfassen und daraus bewährte Praktiken als Basis für branchenbezogene Handlungsempfehlungen zu nehmen. Gemeinsam mit dem IMU Institut Stuttgart wurde im Sommer 2012 begonnen, mit dem Qualifizierungsprojekt Unternehmen bei der betrieblichen Weiterbildung zu unterstützen. Neue Trends in der Branche, aktuelle Diskussionen um die Bedeutung des lebenslan-

IMU

Institut

Fahrplan Qualifizierung Handlungsempfehlungen für Unternehmen der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie

Die Broschüre gibt es zum Download unter www.suedwesttextil.de

Was lange währt …

antwortlichen und Betriebsräten erfolgte eine Bestandsaufnahme zu Abläufen und Instrumenten der betrieblichen Qualifizierung in Form einer gemeinsam erarbeiteten Mindmap, die gleichzeitig durch die betrieblichen Experten bewertet wurde. Auf dieser Grundlage wurde eine Broschüre erarbeitet, die bei Branchenveranstaltungen und vertiefenden Seminaren eingesetzt werden kann. Die Broschüre kann unter www.suedwesttextil.de heruntergeladen werden.

Christine Schneider

Wer sucht, der findet!

Deutscher Qualifikationsrahmen Mit der Unterzeichnung des gemeinsamen Beschlusses zum Deutschen Qualifikationsrahmen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die Kultusministerkonferenz und die Wirtschaftsministerkonferenz wird der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) nach einer mehr als sechsjährigen Entwicklungsphase eingeführt. Ziel des DQR ist es, als bildungsbereichsübergreifender Referenzrahmen die Gleichwertigkeiten und Unterschiede von Qualifikationen transparenter zu machen. Dadurch soll die innereuropäische Mobilität von Lernenden und Beschäftigten gefördert und die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen verbessert werden. Die Zuordnung von Qualifikationen zu den DQR-Niveaus ersetzt jedoch weder das bestehende System der Zugangsberechtigungen noch hat sie tarif- und besoldungsrechtliche Auswirkungen. Die Erarbeitung des DQR erfolgte unter Mitwirkung der BDA und weiterer Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Mit der Veröffentlichung des Gemein-

gen Lernens für alternsgerechtes Arbeiten bieten aktuelle Anlässe, um die Qualifizierungspraxis der Branche in Gesprächen mit Unternehmensvertretern, Betriebsräten und Branchenfachleuten zu erfassen, gute Ansätze und Schwierigkeiten aufzunehmen und daraus Handlungsempfehlungen für betriebliche Akteure abzuleiten. Dazu wurden im Rahmen des Projekts mit 12 Branchenfachleuten Expertengespräche zu Branchentrends und deren Konsequenzen für Themen und -formen der betrieblichen Weiterbildung geführt, sowie vom Sommer 2012 bis ins Frühjahr 2013 in elf Unternehmen betriebliche Fallstudien zur Qualifizierungspraxis erarbeitet: In Expertengesprächen mit Personalver-

samen Beschlusses und einer Übersicht der Qualifikationen des formalen Bereichs wurde die Grundlage für die schrittweise Einführung des DQR geschaffen. Eine dreijährige berufliche Erstausbildung wird auf Niveau 4 zugeordnet, ein Abschluss als Bachelor, Meister oder Techniker entspricht Niveau 6. Von dieser Zuordnung profitieren Lernende, Berufstätige, Unternehmen und Bildungseinrichtungen gleichermaßen, denn die Wertigkeit ihrer Bildungsabschlüsse wird im europäischen Vergleich sichtbar. Bewerbungen und Jobwechsel innerhalb der Europäischen Union sollen dadurch erheblich vereinfacht werden. Es sind jedoch noch längst nicht alle Einzelheiten der Umsetzung geklärt. So müssen für die künftige Ausweisung des DQR-Niveaus auf neuen Qualifikationsbescheinigungen noch die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. In Kürze wird ein DQRHandbuch veröffentlicht sowie die überarbeitete Version der Website www.deutscherqualifikationsrahmen.de online gehen.

Wer suchet, der findet. Dieser alte Rat aus der Bibel hat auch im Alltag des 21. Jahrhunderts nicht an Aktualität verloren – nur die Werkzeuge haben sich geändert. Laut der BITKOM-Studie „Bildung 2.0 – Digitale Medien in Schulen“ haben bereit 95 Prozent der Schüler im Alter von 14 bis 19 Jahren einen Computer im Unterricht verwendet. Der häufigste Einsatzzweck: die Recherche im Internet. Sie kommt noch vor der Nutzung des Computers für Präsentationen. In der heutigen Informationsgesellschaft hat jeder Einzelne die Möglichkeit, an Informationen zu kommen, die ihm noch vor wenigen Jahren nicht ohne weiteres zugänglich gewesen wären. Suchmaschinen im Internet helfen, sich im großen World Wide Web zu orientieren. Allein bei der Suchmaschine Google werden jedes Jahr weltweit insgesamt rund 1,05 Billiarden Suchanfragen gestellt. Doch wie die so genannten Rankings der Suchergebnisse zustande kommen und wie die gefundenen Inhalte bewertet werden können, bleibt oft unklar. Zum richtigen und kompetenten Umgang mit Suchmaschinen hat die EU-Initiative „klicksafe“ ein neues umfassendes Unterrichtsmodul veröffentlicht. Das Unterrichtsmaterial wurde in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e.V.), der Kindersuchmaschine fragFINN.de und Google Deutschland erarbeitet. Wie finde ich, Es eignet sich nicht nur für was ich suche? Kinder sondern ist auch für Suchmaschinen kompetent nutzen Auszubildende und Erwachsene interessant. Zusatzmodul

U1+U4_KS_Suchm_KLicksafe.fh 20.11.2012 16:11 Uhr Seite 1

Christine Schneider

Probedruck

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ist Partner im deutschen Safer lnternet Centre der Europäischen Union. klicksafe sind:

Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz – www.lmk-online.de

Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) – www.lfm-nrw.de Diese Broschüre wurde erstellt in Zusammenarbeit mit: Google Germany GmbH – www.google.de

Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) – www.fsm.de fragFlNN e.V. – www.fragfinn.de

zu Knowhow für junge User

Unter http://www.klicksafe. de/suchmaschinen/ kann das Unterrichtsmaterial heruntergeladen werden.

Materialien für den Unterricht

nziert d kofina Union fe wir klicksa Europäischen von der

klicksafe-Büros

c /o Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz

c/o Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM)

Turmstraße 10 67059 Ludwigshafen E-Mail: info@klicksafe.de Internet: www.klicksafe.de

Zollhof 2 40221 Düsseldorf E-Mail: klicksafe@lfm-nrw.de Internet: www.klicksafe.de

Mehr Sicherheit im lnternet durch Medienkompetenz


Bildung + Soziales  7 

Südwesttext

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Vom Bachelor zum Master Neue textile Lehr- und Studiengänge Die Schweizer Textilfachschule bietet seit kurzem den Studiengang „Master Product Management Fashion & Textile“ an. Dieser ist sowohl für Textiltechniker als auch für Textilmanager die optimale Vertiefung ihres Wissens. In den drei berufsbegleitenden Semestern sind je nach beruflicher Herkunft ergänzende Module mit Schwerpunkten wie z. B. Innovations- und Changemanagement, Textile- und Fashion Technology oder Ethik und Nachhaltigkeit zu wählen. Der Titel zum Master of Science ist international anerkannt und der Studiengang von der University of West London validiert. Einzelheiten finden sich unter www.textilfachschule.ch. Die Kunstuniversität Linz bietet in Kooperation mit dem Textilen Zentrum Haslach einen neuen, einjährigen Universitätslehrgang im Fachbereich Weberei an. Die neue Ausbildungsform trägt den Titel „SHUTTLE. Lehrgang für innovative Webkultur“.

Sie ist berufsbegleitend auf Modulbasis zu absolvieren und richtet sich an Personen mit Erstausbildung im Textilbereich, die ihre Kenntnisse erweitern und Zusatzqualifikation erwerben möchten. Ziel des Lehrgangs ist, die Schnittstelle zwischen maschineller Fertigung und Gestaltung zu stärken. Es sind somit gleichermaßen Personen mit künstlerischer Vorbildung angesprochen, wie auch Personen mit textiltechnischer Ausbildung bzw. langjähriger Berufserfahrung. Der Unterricht wird in den Räumlichkeiten des Textilen Zentrums Haslach, 45 km nördlich von Linz stattfinden, wo diverse Webmaschinen und technisches Equipment für die Ausbildung zur Verfügung stehen. Der erste Durchgang des Lehrgangs SHUTTLE beginnt im Oktober 2013. Weitere Informationen finden sich unter www.textiles-zentrum-haslach.at

AUFGEPASST

Modenäherin/Modeschneiderin online W W W. G O - T E X T I L E . D E

Christine Schneider

Bildungsreise Helsinki Der Gesamtverband textil+mode führt vom 10. bis 13. September eine Bildungsreise nach Helsinki durch. Wie sieht die demografische Entwicklung in Finnland aus und welche Auswirkungen hat dies auf die dortige Textil- und Modeindustrie? Haben die finnischen Unternehmen der Branche auch einen Fachkräftemangel und wie sieht überhaupt die finnische Ausbildung aus? Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt der Reise. Die Antworten sollen die Teilnehmer zu neuen Ideen und Anregungen führen. Programm und Reisedetails unter www.suedwesttextil.de

Kreativität gefällt mir Getreu dem Veranstaltungsmotto „Textil ohne Grenzen!“ entwarfen die Teilnehmer des diesjährigen Jungtextilerkongresses in einem Workshop innovative textile Produkte der Zukunft. Entstanden sind 10 Kreationen, die in Facebook präsentiert und bewertet wurden. Die Gruppe mit den meisten "Gefällt mir!-Klicks" bekommt nun eine kleine Überraschung, aber auch die Zweitplatzierten dürfen sich noch über einen Preis freuen. Nach einem bis zum Schluss spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sich die Gruppe „See How You Feel“ an die Spitze. Ihr T-Shirt passt sich der Laune des Trägers an. Auf dem zweiten Platz landete die Idee „Landscarf“. Hier verwandelt sich der Schal durch GPS, Solar- und Windstrom in eine Landkarte.

Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil.

Projektmanagement für den Mittelstand! 11. bis 12. Juli 2013, Haus Steinheim Charisma: Wie Sie überzeugen können! 15. bis 16. Juli 2013, Haus Steinheim Global working – how to work and communicate with global partners 15. bis 16. Juli 2013, Haus Reutlingen www.biwe-akademie.de

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!


8  Recht + Steuern

Südwesttext

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Straftaten und andere grobe Pflichtverletzungen Interessenabwägung und das Erfordernis einer vorherigen Abmahnung erschweren Kündigung Nach der bekannten Emmely-Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 6. Oktober 2010 − das Unterschlagen geringwertiger Gegenstände hat dem BAG bei einer langjährigen Betriebszugehörigkeit von 30 Jahren nicht als Kündigungsgrund ausgereicht − war eine gewisse Unsicherheit entstanden. Zum Teil wurde die Auffassung geäußert, selbst Diebstahl oder Unterschlagung zum Nachteil des Arbeitgebers würden nicht mehr als Kündigungsgrund ausreichen. Nach mehreren höchstrichterlichen Entscheidungen des BAG bleibt es aber dabei, dass Straftaten, die das Eigentum des Arbeitgebers gefährden, grundsätzlich als Kündigungsgrund anerkannt sind. Allerdings ist auch in diesen Fällen zu prüfen, ob eine Abmahnung das gerügte Verhalten „erledigt“.

Abmahnung nur ausnahmsweise entbehrlich Das BAG hat in mehreren Entscheidungen im vergangenen Jahr festgehalten, dass auch bei schwerwiegenden Pflichtverstößen der Ausspruch einer Abmahnung grundsätzlich notwendig ist. So hat das BAG die Kündigung eines Chefarztes für unwirksam gehalten, der sein privates Mobiltelefon mit in den OP-Saal genommen hatte

und dort die entsprechenden Anrufe durch ein Mitglied des Operationsteams annehmen ließ. Im genannten Fall hatte die Arbeitgeberin fristlos

Mail Schriftwechsel mit sexuellem Inhalt geführt sowie in geringem Umfang E-Mails über den Ankauf und Verkauf einiger Gegenstände

Rechtsanwalt Emil Schelb: „Straftat zum Nachteil des Arbeitgebers ist grundsätzlich Kündigungsgrund, allerdings muss der Arbeitgeber bei jeder Kündigung die Möglichkeit einer Abmahnung prüfen.“ Foto: © DOC RABE Media – Fotolia.com

hilfsweise fristgerecht gekündigt. Das BAG ist dem nicht gefolgt und hat ausgeführt, dass die Kündigung mangels vorausgegangener Abmahnung unverhältnismäßig sei. Einer weiteren Entscheidung des genannten Gerichts lag die Nutzung des Internets mit Verbotenen Inhalten zugrunde. Ein Mitarbeiter hatte über einen Zeitraum von sechs Jahren zwei Dateien mit pornografischen Bildern an Arbeitskollegen weitergeleitet und zweimal mit betriebsfremden Personen einen E-

Recht kompakt Arbeitsrecht – Teilzeit Frage: Bis wann kann der Arbeitnehmer einen Teilzeitwunsch noch abändern? Antwort: Der Arbeitnehmer darf seinen Verringerungs- und Verteilungswunsch mit Abschluss des Konsensverfahrens nach § 8 Teilzeitund Befristungsgesetz (TzBfG) nicht mehr abändern. Hat ein Arbeitgeber das Angebot auf Verringerung und Verteilung der Arbeitszeit berechtigt abgelehnt, so ist das Konsensverfahren abgeschlossen. Eine anderweitige Verringerung und Verteilung der Arbeitszeit kann erst nach Ablauf der zweijährigen Sperrfrist gemäß § 8 Abs. 6 TzBfG erfolgen. Die relevanten Gesetzestexte finden sich im Mitgliederbereich unter www.sudwesttextil.de

verschickt. Das Gericht hielt die Kündigung für unwirksam, da der Mitarbeiter zuvor nicht einschlägig abgemahnt worden war und das Arbeitsverhältnis im Übrigen beanstandungsfrei war. Nur ausnahmsweise kann eine vorherige Abmahnung bei Fehlverhalten entbehrlich sein. So hat das BAG beispielsweise bei einer privaten Internetnutzung während der Arbeitszeit im Umfang von 90 bis 130 Minuten über mehrere Tage hin, keine vorherige Abmahnung verlangt. Mit einer ebenfalls zum Ende des vergangenen Jahres ergangenen Entscheidung hat das BAG weiterhin festgestellt, dass grobe Beleidigungen gegenüber dem Arbeitgeber grundsätzlich geeignet sind, eine außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen. Es kommt nicht selten vor, dass zunächst nur der Verdacht besteht, dass bestimmte Straftaten begangen worden sind und später die entsprechende Gewissheit eintritt. So war es in einem vom BAG im November 2012 entschiedenen Fall: Nachdem die Veruntreuungen des Klägers bekannt wurden, erstattete die Arbeitgeberin Strafanzeige und kündigte das Arbeitsverhältnis

fristlos. Die damals bekannten Verdachtsgründe haben den Arbeitsgerichten allerdings nicht ausgereicht und der Klage ist stattgegeben worden. Nachdem das für den Arbeitgeber nachteilige Kündigungsschutzverfahren rechtskräftig durch Entscheidung abgeschlossen war, fand die Hauptverhandlung gegen den Kläger vor dem Amtsgericht statt. Das Amtsgericht hat die vorliegenden Beweise geprüft und den Kläger zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Daraufhin kündigte der Arbeitgeber erneut fristlos. Die Arbeitsgerichte bis hin zum BAG sind dieser Kündigung gefolgt und haben die entsprechende Klage des Arbeitnehmers abgewiesen. Das BAG hat eindeutig festgestellt, dass es dem Arbeitgeber unbenommen bleibt, weitere Kündigungen auszusprechen, insbesondere dann, wenn sich der ursprüngliche Verdacht erhärtet. Die Unwirksamkeit der ersten Kündigung spielt dann keine Rolle mehr. Außerordentliche Kündigung können nur innerhalb von zwei Wochen ab Kenntnis des Sachverhalts wirksam ausgesprochen werden. Entscheidend ist der Kenntnisstand des Arbeitgebers. Nicht entscheidend ist, wann ein Vorgesetzter oder ein Kollege des Klägers von den maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt. Die Zwei-Wochen-Frist fängt erst dann an zu laufen, wenn der Kündigungsberechtigte, also der Arbeitgeber selbst oder dessen Personalleiter von den für die Kündigung maßgeblichen Tatsachen Kenntnis erlangt. Wenn es um ein strafbares Verhalten des Arbeitnehmers geht, kann der Arbeitnehmer zunächst – ohne den Ablauf der Zwei-WochenFrist fürchten zu müssen – den Ausgang eines Ermittlungs- und Strafverfahrens abwarten. Zwingend ist dies jedoch nicht. Der Arbeitgeber kann bereits vor Abschluss eines Verfahrens kündigen, wenn Tatsachen feststehen, zum Beispiel die Beweisaufnahme das strafbare Verhalten ergibt.

Emil Schelb


Recht + Steuern  9 

Südwesttext

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Leiharbeitsverhältnis keine Vorbeschäftigung Kündigung in der Wartezeit nicht beschränkt Soll ein Leiharbeitnehmer übernommen werden, stellt sich derzeit die Frage, ob das Arbeitsverhältnis innerhalb der ersten sechs Monate ohne Berücksichtigung einer sozialen Rechtfertigung gekündigt werden kann. In der letzten Zeit hat sich eine klare Tendenz des Bundesarbeitsgerichts gezeigt, Leiharbeitnehmer den Stammarbeitnehmern gleichzustellen. Insbesondere zählen nunmehr die Leiharbeitnehmer bei der Anzahl der Beschäftigten nach dem Betriebsverfassungsgesetz. In der Vergangenheit konnte gut vertreten werden, dass ein Leiharbeitsverhältnis keine Vorbeschäftigung war und dass eine Kündigung innerhalb der Wartezeit ohne eine Berücksichtigung der strengen Gründe des Kündigungsschutzgesetzes möglich ist. Aufgrund der Tendenzen zur Gleichstellung der Leiharbeitnehmer besteht nunmehr jedoch eine Rechtsunsicherheit, ob dies auch weiterhin so gesehen werden kann. Hierzu hat das LAG Niedersachsen am 5. April entschieden, dass die Beschäftigungszeit als Leiharbeitnehmer nicht als Vorbeschäftigung zur Wartezeit zählt. Eindeutig wurde ausgeführt,

dass die Dauer der Bindung an den jeweiligen Vertragsarbeitgeber anknüpft. Die Zusammenrechnung

digung mitzuteilen sind. Dabei ist es jedoch ausreichend und vor dem Hintergrund der Beweisbarkeit auch zu empfehlen, dem Betriebsrat subjektive Gründe mitzuteilen, z.B. das der Mitarbeiter nicht ins Team passt.

Nathan Binkowski

SEPA

Die Beschäftigungszeit als Leiharbeitnehmer zählt nicht als Vorbeschäftigung zur Wartezeit. Foto: © JiSIGN - Fotolia.com

mehrerer Arbeitsverhältnisse, zwischen denen ein enger sachlicher Zusammenhang besteht, komme immer nur dann in Betracht, wenn diese Arbeitsverhältnisse mit demselben Vertragsarbeitgeber bestanden haben. Somit kann weiterhin davon ausgegangen werden, dass ein Leiharbeitnehmer nach der Über-

Neue Pfändungsfreigrenzen Ab dem 1. Juli erhöhen sich die Pfändungsfreigrenzen für Arbeitseinkommen. Erhöht werden die geschützten Beträge nach § 850 c ZPO, die bei einer Zwangsvollstreckung in Forderungen nicht gepfändet werden dürfen: Der unpfändbare Betrag des monatlichen Arbeitseinkommens eines Schuldners ohne Unterhaltsverpflichtung beträgt dann 1 045,04 Euro (bisher 1 028,89 Euro). Diese neuen Pfändungsfreigrenzen gelten für alle zu diesem Zeitpunkt laufenden Pfändungen und für alle ab diesem Zeitpunkt zur Auszahlung gelangenden Arbeitseinkommen. Die künftig geltende Pfändungstabelle findet sich im Mitgliederbereich von Südwesttextil (Downloads – Recht – 10. Sonstige Muster für die Personalarbeit).

nahme innerhalb der ersten sechs Monate ohne Beschränkungen der sozialen Rechtfertigung gekün-

Wenn sich in Pfändungs- und Überweisungsbeschlüssen nicht der pauschale Hinweis auf die Pfändungstabelle nach § 850 c Abs. 3 ZPO befindet, sondern das Vollstreckungsgericht den unpfändbaren Betrag im Einzelfall selbst bestimmt hat, z.B. bei einer Pfändung wegen Unterhaltsansprüchen gem. § 850 d ZPO, hat die Anhebung der Pfändungsfreigrenzen keine unmittelbare Wirkung. Für die Änderung des Pfändungsfreibetrages bedarf es in diesem Fall eines Abänderungsbeschlusses durch das Vollstreckungsgericht. So lange dieser nicht erfolgt, ist der Arbeitgeber (Drittschuldner) an den im Pfändungs- und Überweisungsbeschluss genannten unpfändbaren Betrag gebunden. Boris Behringer

digt werden kann. Entspricht der Mitarbeiter in dieser Zeit nicht den Vorstellungen, dann kann weiterhin eine relativ freie Kündigung des Arbeitsverhältnisses ausgesprochen werden. Trotzdem muss beachtet werden, dass bei einem bestehenden Betriebsrat dieser angehört werden muss und diesem auch die Gründe der Kün-

Am 1. Februar 2014 wird die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf SEPA (Single Euro Payments Area) vollzogen. Um die Einführung von SEPA zu erleichtern gibt es diverse Internetseiten und Broschüren. Hier eine Übersicht: • Deutsche Bundesbank

www.sepadeutschland.de • Bankenverband

www.bankenverband.de/ unternehmen

Aktuelle Steuer-Nachrichten Die Juniausgabe der aktuellen Steuernachrichten geht ausführlich auf den Stand der aktuellen Steuergesetzgebungsverfahren ein. Dabei werden im Einzelnen das Jahressteuergesetz 2013, das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz, das Gesetz zur Verkürzung der Aufbewahrungsfristen, das Gesetz zur Stärkung des Ehrenamts sowie das Gesetz zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge beleuchtet. Daneben finden sich auch wieder Entscheidungen, wie z. B. das Urteil des Finanzgerichts München zur Lohnsteuerpauschalierung bei einer Tombola im Rahmen einer Betriebsveranstaltung. Dabei hatte der Kläger im Rahmen einer Betriebsfeier an jeden seiner anwesenden Arbeitnehmer Reisegutscheine im Wert von 11 000 DM bis 52 000 DM verlost, wobei die Tombola weder Nieten noch Trostpreise enthielt. Die Zuwendungen unterwarf der Kläger der Pauschalbesteuerung von 25 Prozent. Nach Ansicht des Finanzamtes lagen die Voraussetzungen der Pauschalbesteuerung nicht vor. Dem entsprach das Finanzgericht München. Die aktuelle Ausgabe kann als pdf-Datei im Mitgliederbereich von Südwesttextil heruntergeladen werden.


10  Technik + Umwelt

Südwesttext

Sensorik-Shirt zum Messen von Vitalparametern Auf der Pressekonferenz der Messen Techtextil und Texprocess Anfang Juni wurde interdisziplinäre Forschung auf sehr anschauliche Weise erlebbar gemacht: Der Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH, Detlef Braun, trug unter seinem Anzug ein Sensorik-Shirt, das vom ITV Denkendorf entwickelt wurde. Auf einem Screen konnten die Teilnehmer während der Pressekonferenz seine Vitalund Bewegungsparameter live verfolgen. Das Sensorik-Shirt ist eine Weiterentwicklung der sensorischen T-Shirts aus den Forschungsvorhaben Contain und TexVital des medizinischen und AAL-Bereichs (Ambiented Assisted Living) sowie SensProCloth des Sicherheits- und Schutzbereichs. Sie wurden als Verbundvorhaben mit institutionellen und industriellen Partnern vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Bei Contain und TexVital geht es um alltagstaugliches Langzeitmonitoring von Vital- und Aktivitätsparametern zur telemedizinischen Betreuung, Unterstützung im häuslichen Umfeld und Notfallalamierung. Ziel von SensProCloth ist die kontinuierliche Erfassung und der Transfer von Informationen über Vital- und Zustandsparameter, Aktivitäten, Umgebungsbedingungen und Ereignisse sowie die Kommunika-

Die EKG-Signale waren stabil messbar und über eine Bluetooth-Verbindung mit den anderen Daten ausreichend sicher aufzuzeichnen. Foto: ITV Denkendorf

tion und Datenübertragung von Einsatzkräften bei Feuerwehr und Katastrophenschutz mittels der systemintegrierten Schutzbekleidung unter robusten Einsatzbedingungen. Weiterhin sollen die Sensoren Hilfe bei der Ortung der Einsatzkräfte in Gebäuden oder im Gelände geben und im Notfall eine medizinisch situationsgerechte Lagebeurteilung durch die Einsatzkräfte ermöglichen, auf deren Basis Entscheidungsalgorithmen für rechtzeitige und sofortige Hilfsmaßnahmen entwickelt werden können. So soll das Kommunikations- und Monitoringsystem im Einsatz vor Ort die Entscheidungen der mobilen Einsatzleitung unterstützen. Untergebracht ist die komplette Sensorik zur Vitalparametererfassung in einem Unterzieh-T-Shirt. Zu den Vital-

parametern, die erhoben werden können, gehören Herzrate/EKG, Atemfrequenz, Körpertemperatur und Aktivitätsgrad. Als zivile Anwendungsmöglichkeiten gelten nicht nur der medizinische und AAL-Bereich sondern insbesondere auch der Sport- und Freizeitbereich. Für Detlev Braun als ehemaliger Spieler der Tennis-Bundesliga war dies Anreiz genug, das sensorische Shirt während seines Vortrags während der Pressekonferenz live mit der Darstellung der erfassten Signale auf einem zweiten Screen zu testen. Die Pressevertreter konnten deutlich die EKG-Kurven, die Brustkorbhebung beim Atmen sowie die Bewegung über die X-, Yund Z-Bewegungskoordinaten des 3D-Beschleunigungssensors sehen. Simone Diebold

ITV Denkendorf unter neuer Leitung Seit drei Monaten hat das ITV Denkendorf einen neuen Chef: Dr.-Ing. Götz T. Gresser übernahm am 1. April die Leitung des Forschungsinstituts und damit verbunden die Geschäftsführung der angeschlossenen ITV Produktservice GmbH an den DITF. Götz T. Gresser, 1964 in Stuttgart geboren, studierte an der Universität Stuttgart Maschinenbauwesen, Fachrichtung Textiltechnik und Fabrikbetriebslehre. Er erlangte 1991 sein Diplom in Maschinenbauwesen und promovierte 1998, ebenfalls an der Universität Stuttgart. Während dieser Zeit war Gresser über sechs Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITV im Bereich Faser- und Garntechnologien und hielt auch danach über verschiedene Forschungsarbeiten Kontakt mit Denkendorf. Ab 1997 wechselte Gresser in die Industrie zur Maschinenfabrik Rieter AG in Winterthur, Schweiz. Dort hatte er verschiedene leitende Positionen, zuletzt als Leiter der Business Unit Air-Jet-Spinning. Bei Rieter war Gresser u. a. für die Entwicklung, Serienfertigung und Markteinführung zweier neuer Maschinenprodukte – Karde C 60 und Air Jet J 20 – verantwortlich. Im Rahmen dieser Aufgaben koordinierte er die Entwicklungszusammenarbeit mit externen Forschungseinrichtungen und -instituten wie dem ITV Denkendorf, dem ITM Dresden, der UH Zürich und vielen anderen Partnern im In- und Ausland. Der Fokus seiner Arbeit liegt im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation – Beleg dafür sind nicht zuletzt eine Vielzahl von Patenten.

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Termine Arbeitsgruppe Abstandstextilien Am 16. Juli wollen sich die AFBW und der regionale Cluster Technische Textilien Neckar-Alb in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe den unterschiedlichen Facetten von technischen Textilen widmen. Das Treffen mit dem Schwerpunkt Abstandstextilien findet im Forum der IHK Reutlingen statt. Unter der fachlichen Leitung von Dr. Thomas Stegmaier (ITV Denkendorf) ist das Ziel der Sitzung gemeinsame Problemstellungen zu isolieren und Ideen für Verbund- oder Forschungsprojekte auf den Weg zu bringen. Mehrere Impulsvorträge bilden die Grundlage für die Diskussion. Weiter Informationen finden sich unter www.afbw.eu. Gatex Am 17. und 18. Juli findet in der Gatex in Bad Säckingen die letzte Veranstaltung des dreiteiligen Workshops „Textile Prüfungen“ statt. Thema ist die „Fasererkennung“. Die Teilnehmer erhalten insgesamt einen Einblick in die Durchführung und Auswertung von textilen Prüfverfahren und können so Prüfergebnisse und deren Zusammenhang mit Gebrauchseigenschaften besser bewerten. Geeignet ist diese Weiterbildung für Mitarbeiter aus den Bereichen Labor, Qualitätssicherung, Einkauf und Verkauf. Programm und Anmeldung unter www.die-gatex.de. Bildungskongress Am 27. September veranstalten die Arbeitgeber Baden-Württemberg und der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg in Böblingen den Bildungskongress „Berufliche Bildung im Spannungsfeld von Schulreform und regionaler Schulentwicklung“. Neben Grundsatzstatements aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und beruflichen Schulen werden in drei Foren Experten die Themen „Profilbildung in der Region“, „Weiterentwicklung von Berufen und Berufsfeldern unter den Aspekten Technologie und Demografie“ sowie „Kein Abschluss ohne Anschluss – welche Form von Übergangssektor benötigen wir?“ mit den Teilnehmern erörtern. Weitere Informationen unter www.agv-bw.de.


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Technik + Umwelt  11 

Geübter Umgang mit Sicherheitsdatenblättern Verbandsmitglieder tauschen sich zu Umweltthemen aus Die von Südwesttextil in Zusammenarbeit mit dem IVGT veranstaltete Umweltaussprache ist zu einer festen Institution der mit Umweltthemen befassten Experten aus den Mitgliedsunternehmen geworden. Die Teilnehmer eint der gemeinsame Wunsch, Umweltbelastungen möglichst zu vermeiden bzw. zu minimieren. Es zeigt sich jedoch, dass die Unternehmen einen großen Teil ihrer Energie darauf verwenden müssen, gegen unsinnige Vorhaben der Gesetzgebung zu kämpfen oder der an sie gestellten erheblichen bürokratischen Anforderungen Herr zu werden. Es war deshalb den Teilnehmern der diesjährigen Umweltaussprache auch anzumerken, dass sie äußerst dankbar die wertvollen Praxistipps von Dr. Monika Kohla, Geschäftsführerin und Leiterin der Umweltabteilung des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, aufsogen. Sie stellte dar, wie zielorientiert und ressourcenschonend mit den erweiterten Sicherheitsdatenblättern im Zusammenhang mit Reach umgegangen werden kann. Anwender von Chemikalien, die sich nicht zuvor mit dem praktischen Umgang mit dem Deskriptorensystem befasst haben, werden allein aufgrund des bloßen Umfangs der erweiterten Sicherheitsdatenblätter überfordert sein. Die Deskriptoren erleichtern das Lesen der Sicherheitsdatenblätter und sollen helfen, die Frage zu klären, ob die im Sicherheitsdatenblatt enthaltenen Ex-

positionsszenarien die konkrete Art der Verwendung der Chemikalie im Unternehmen abdecken. Besonders hilfreich waren die Praxisbeispiele, die Dr. Kohla für die Teilnehmer im Gepäck hatte. Anhand von echten Sicherheitsdatenblättern wurde das Lesen und Anwenden der Deskriptoren geübt. Im zweiten Teil der Veranstaltung standen aktuelle Fragestellungen in Bezug auf Erzeugnisse

Michael Pöhlig und Dr. Monika Kohla gaben den Teilnehmern der Umweltaussprache wieder wertvolle Praxistipps.

im Vordergrund. Michael Pöhlig, stellvertretender Geschäftsführer des IVGT, stellte für die Textilindustrie fest, dass Restlösemittelgehalte bei bestimmten Fasertypen Probleme aufwerfen können. Mit Blick auf die Reach-Kandidatenliste sind dies derzeit die Kandidatenstoffe N,N-dimethylacetamid (DMAC), Dimethylformamid (DMF) sowie der Kandidatenstoff 1-Methyl-2-pyrrolidon (NMP). Alle drei Stoffe werden als Spinnlösemittel bei der Faserherstellung einzelner meta-Aramid-Typen verwendet. Des Weiteren wird DMAC und DMF als Spinnlöse-

mittel bei der Faserherstellung von Polyacrylnitril und Elastan verwendet. Nach den Vorschriften von Reach muss jeder Lieferant eines Erzeugnisses seinen Abnehmer unaufgefordert informieren, wenn das Erzeugnis einen Stoff der Kandidatenliste in einer Konzentration von mehr als 0,1 Prozent enthält. Da Verstöße gegen diese Vorschrift nunmehr seit 1. Mai straf- bzw. bußgeldbewehrt sind, ist diesbezüglich besondere Vorsicht geboten. Weitere Themen der Umweltaussprache waren die geplante Beschränkung beim Inverkehrbringen und Import von Textilien mit Al-

kykphenolethoxylaten (APEOs). Daneben wurden die drohenden Auswirkungen auf die TA Luft und damit auf die Unternehmen besprochen, die durch die Neueinstufung von Formaldehyd als krebserregend zu erwarten sind. Abschließend stellte Pöhlig dar, wie sich Unternehmen auf die zu erwartenden Umweltinspektionen vorbereiten können. Die Seminarunterlagen stehen im Mitgliederbereich von www. suedwesttextil.de zum Download bereit. Boris Behringer

Neues Produktlabel – Geprüfte Qualität „Hautflora neutral“ Antibakterielle Textilien, z.B. mit Silber dotierte Produkte, sind aufgrund ihrer Anti-Smell-Wirkung sehr gefragt. Besonders direkt auf der Haut getragene Kleidung wie Unterwäsche, Socken oder Sportbekleidung geraten dennoch immer wieder in die Kritik, dass ihre „zu starke antimikrobielle Wirkung“ die gesunde Hautflora des Menschen negativ beeinflussen könnte. Aber nicht jedes Produkt kann vor Markteintritt in wochen- oder monatelangen Feldstudien überprüft werden. Hier fehlte ein Schnelltest. Dieser Problematik haben sich die Hohenstein Forscher angenommen und ein Testsystem entwickelt, bei dem Textilhersteller bereits bei der Produktentwicklung die Auswirkungen antibakterieller Ausrüstungen auf die Hautflora untersuchen lassen können. Die praxisorientierte Prüfung basiert auf einem standardisierten Modell der menschlichen Hautflora, bei dem Keimbesiedlung, Topographie und Milieueigenschaften einer gesunden Haut simuliert werden. Die Prüfergebnisse können mit dem Hohenstein Qualitätslabel „Antibakteriell & Hautflora neutral“ ausgelobt werden. Voraussetzung für die Labelvergabe ist die erfolgreiche Prüfung auf antibakterielle Wirksamkeit nach DIN EN ISO 20743. Durch das Qualitätslabel soll für den Verbraucher beim Kauf zukünftig ersichtlich werden, welches antibakterielle Textil nachweislich die Hautflora unbeeinflusst lässt.


12  Zu guter Letzt

Südwesttext

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Gatex auf der Techtextil Kurz vor sechs Uhr starteten 29 Azubis des zweiten Ausbildungsjahrs der Gatex zu ihrem ersten Messebesuch, der Techtextil in Frankfurt. Nach fünf Stunden Fahrt glücklich am Ziel war natürlich für die Jugendlichen als erstes ganz wichtig: der Besuch der Messestände der eigenen Ausbildungsbetriebe. Und alle ließen sich von der guten Stimmung auf der Messe anstecken. Die Auszubildenden waren überwältigt von der großen Vielfalt an Produkten, Ländern und Präsentationen. Nachdem sie sich in zwei freien Stunden auf der Messe orientieren konnten, stellte Ausbildungsleiter Ingo Kiefer folgende Aufgabe: „Findet zu den zwölf Anwendungsgebieten von technischen Textilien Informationen für ein Referat, mit dem Ihr einen Überblick über die jeweilige Produktgruppe, die Hersteller und die Innovationen gebt.“ Nach stundenlanger, intensiver Recherche und interessanten Gesprächen schmerzten auch den jüngsten Messebesuchern die Füße. Ein Zeichen, sich auf die Heimreise zu machen. Um Mitternacht ging ein ereignisreicher Messebesuch für die Azubis zu Ende. Die Reise wurde, wie auch in den vergangenen Jahren, wie-

Die Gatex-Schüler recherchierten intensiv auf der Techtextil, um genügend Stoff für ihre Referate zu bekommen.

der von der Messe Frankfurt unterstützt: Sie sponserte die Eintrittskarten. Wieder zurück in der

Gatex erstellten die Azubis die Referate und präsentierten sie mit viel Engagement. Weitere Bilder

vom Messebesuch gibt es unter www.die-gatex.de. Simone Diebold

Vidya Award 2013 – Inspired by fashion

Zitat

Die Bekleidungsindustrie befindet sich derzeit vor einem Paradigmenwechsel von einer Produktentwicklung in 2D zu 3D. Mit Vidya werden Stoffqualitäten und Passform anhand der Schnittkontrolle durch das Ankleiden eines Avatars simuliert und visualisiert. Dadurch können klassische Anproben und Passformkontrollen eingespart werden. Das Berufskolleg für Mode und Design der Kerschensteinerschule Stuttgart nutzte den Vidya Award 2013, ein Wettbewerb für Schulen die über Vidya Lizenzen verfügen, um für ihre Schüler ein umfangreiches Projekt zu gestalten. Die Human Solutions Gruppe verlieh den Award für Design und Realisierung von Modellen mit CAD, 3D-Visualisierung und SizeGERMANYBüsten im Rahmen der Fachmesse Texprocess in Frankfurt. Die Gewinnerin Carina Scheifele erhielt für ihr „Kleines Schwarzes“ neben Urkunde und Vidya-Preis einen Scheck im Die Gewinnerinnen der Wert von 1 000 Euro. Der zweite Platz ging Kerschensteinerschule: Carina an Aurelie Harazim. Sie erhielt ein Preisgeld Scheifele (links) und Aurelie von 500 Euro. Harazim.

»Wenn Sie alles, was ich auf Parteitagen sage, auf die Goldwaage legen, wird das gefährlich für die Finanzmärkte.« Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble auf der Mitgliederversamm­lung von Südwestmetall am 12. Juni in Heidelberg.

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Präsident Georg Saint-Denis

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Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop

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Verantwortlich für Inhalt und Layout Simone Diebold

Auflage 1 300 Exemplare

Der Bezug der Südwesttext ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Suedwesttext Juni 2013  

Die monatliche Mitgliederzeitung von Südwesttextil