SÜDWESTTEXT Nr. 57
THEMEN Bademoden-Fieber Verband + Industrie, Seite 3
Bildung ohne Grenzen Bildung + Soziales, Seite 6
Auch wer fragt, bleibt manchmal dumm Recht + Steuern, Seite 8
Garn wird teuer Technik + Umwelt, Seite 11
Service Aktuelle Steuer-Nachrichten
Recht + Steuern, Seite 9
Aktuell Am 6. Mai 2013 findet der fünfte Jungtextiler Kongress im Textilund Industriemuseum in Augsburg statt. Der internationale Jungtextiler Kongress ist ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt des Schweizer Textilverbands, der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Südwesttextil und des bayerischen Verbands der Textil- und Bekleidungsindustrie. Weitere Informationen unter www.jungtextiler.eu
Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie
Juni 2012
Gute Zeit für Preisgespräche Energiekosten überraschend gesunken – EEG-Umlage wird aber weiter steigen Die aktuelle Entwicklung der Strom- und Erdgaspreise könnte ein guter Zeitpunkt für neue Preisverhandlungen sein. Davon ist der Großabnehmerverband Energie Baden-Württemberg (gavenergie) überzeugt. In seiner jüngsten Energiepreisanalyse kommt er zu dem Schluss, dass die Strom-Terminmarktpreise sowohl für Grund- als auch für Spitzenlast im Juni auf den tiefsten Stand seit November 2010 gesunken seien. Seit dem zwischenzeitlichen Hoch mit dem Kernenergieausstieg im März 2011 hätten sich die Börsenpreise kontinuierlich nach unten bewegt (siehe Grafiken Seite 2). Diese Entwicklung sei von den wenigsten Fachleuten in der vorliegenden Grö-
Die Strom-Terminmarktpreise sowohl für Grund- als auch für Spitzenlast sind im Juni auf den tiefsten Stand seit November 2010 gesunken. Foto: © arahan - Fotolia.com
ßenordnung prognostiziert worden, so der gav-energie. Mögliche Gründe sind die zurückhaltende Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung und die in den verschie-
denen Energiewende- und Klimaschutz-Konzepten festgelegten relativ hohen Energie-Reduktionsziele. Dies gelte gleichermaßen für den Energieträger Strom.
Auch die Erdgaspreise befinden sich laut gavenergie seit Mitte April wieder in einer Abwärtsbewegung. Fortsetzung Seite 2
Blitzaustritt aus Tarifvertrag zulässig BAG bestätigt OT-Mitgliedschaft – Textiltarifrunde beginnt im Oktober Unternehmen können während laufender Tarifverhandlungen durch einen kurzfristigen Wechsel in die OT-Mitgliedschaft („Blitzaustritt“) vor befürchteten Lohnsteigerungen flüchten. Das hat das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 19. Juni entschieden. Gewerkschaften können in diesem Fall ihre Forderungen nicht mit Hilfe eines Warnstreiks durchsetzen. Andernfalls werden sie dem Arbeitgeber schadensersatzpflichtig. Voraussetzung ist aber, dass der Wechsel des Arbeitgebers vom ta-
rifgebundenen Mitglied in eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung für die Gewerkschaft „hinreichend transparent“ ist. Im entschiedenen Fall wurde die
Wechsel muss für die Gewerkschaft hinreichend transparent sein Gewerkschaft 10 Tage vor ihrem Arbeitskampfaufruf informiert. So hätte sie ohne Schwierigkeiten das Unternehmen von den Warnstreiks für den
www.suedwesttextil.de
Flächentarifvertrag aussparen können. Unbenommen bleibt der Gewerkschaft die Möglichkeit, von einem Unternehmen, das in die OT-Mitgliedschaft wechselt, den Abschluss eines Firmentarifvertrags zu verlangen. Hier darf sie auch zu Warnstreiks aufrufen. Zunächst muss sie ihre Forderungen aber unmittelbar gegenüber dem Unternehmen geltend machen. Außerdem könnte sie in dem betroffenen Unternehmen Sympathiestreiks durchführen. Deshalb schützt der Blitzaustritt aus der
Bindung an den Flächentarifvertrag nicht zwingend und dauerhaft vor Lohnsteigerungen. In der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie laufen die Entgelttarifverträge zum 30. September dieses Jahres aus. Es wird damit gerechnet, dass die Forderungen der IG Metall den Verbänden erst nach der Sommerpause überreicht werden. Die Tarifverhandlungen werden voraussichtlich im Oktober aufgenommen.
Markus H. Ostrop
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Verband + Industrie
Juni 2012
Südwesttext
Fortsetzung von Seite 1
In Kürze
Gute Zeit für Preisgespräche Strom-Börsenpreisentwicklung an der EEX
EUR/MWh
Stand: 18.06.2012
75,00
70,00
Base 2013
Base 2014
Base 2015
Peak 2013
Peak 2014
Peak 2015
65,00
60,00
55,00
50,00
Quellen: EEX, GAV 45,00
GAV-Ruch
Erdgas-Börsenpreise OTC-Handel an der TTF
EUR/MWh
Stand: 18.06.2012
30,00 Preis TTF CAL 2013
29,00
Preis TTF CAL 2014 Preis TTF CAL 2015
28,00
Preis TTF Winter 2012
27,00
26,00
25,00
24,00
Quellen: Energate, GAV
ohne Gewähr
22,00
GAV-Ruch
wortlich. Bundesumweltminister Altmaier dringt unterdessen auf schnelle Gegenmaßnahmen, um Wirtschaft und Verbrau-
cher nicht zu überfordern. Allerdings lehnt auch er nach einem Bericht der FAZ weitere Ausnahmen für energieintensive Un-
Quelle: GAV-Ruch
ternehmen ab, „weil der Strom sonst für alle anderen noch teurer wird.“ Markus H. Ostrop
th e Sa ve
Textil- und Modedialog in entspannter Atmosphäre am 4. September auf der Munich Fabric Start, München Order Center M,O,C.
Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie
Dipl.-Betriebswirtin Donata Apelt-Ihling, Vizepräsidentin von Südwesttextil und Gesellschafterin der Alfred Apelt GmbH in Oberkirch, ist erneut in den Vorstand der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände gewählt worden. Wiedergewählt wurde auch Präsident Prof. Dr. Dieter Hundt. Auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Unternehmertag der Arbeitgeber am 21. Juni in Stuttgart kritisierte Hundt in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann das geplante Gesetz für fünf zusätzliche bezahlte Urlaubstage für Weiterbildung. Dieses sei „teuer und wirtschaftsfeindlich“. Er forderte Kretschmann dazu auf, den Dialog mit den Arbeitgeberverbänden zu intensivieren und das Vorhaben nicht Gesetz werden zu lassen. „Dies wäre ein Erfolg für unser Land – und ein ganz persönlicher für Sie.“
23,00
D at e
Dies sei Teil mehrerer Zyklen, die seit über einem Jahr mit einer Volatilität von 3 bis 4 EUR/MWh die Gaspreise an den Terminmärkten bestimmten. Die Terminmarktpreise der niederländischen Erdgasbörse sind für die Kalenderjahre 2013 und 2014 auf 25,55 EUR/MWh gesunken. Das Winterhalbjahr 2013 notiert bei 26,40 EUR/ MWh. „Für Unternehmen, deren Verträge Ende September auslaufen, besteht dringender Handlungsbedarf, die Verträge neu zu verhandeln,“ schreibt der Großabnehmerverband. Ähnliches gelte für Lieferungen ab dem 1. Januar 2013. Die folgenden Sommerwochen böten eine ausgezeichnete Gelegenheit für Erdgasausschreibungen. Unterdessen droht der EEG-Zuschlag kräftig zu steigen. Das sagen sowohl Prognosen der Bundesregierung als auch der Opposition. Nach Einschätzung der Grünen wird sich die EEG-Umlage in absehbarer Frist um die Hälfte erhöhen. Auf einer Konferenz zur Energiewende Mitte Juni in Berlin verteidigte aber der ehemalige Umweltminister Trittin das Gesetz. Für die Mehrkosten machte er hingegen die Ausnahmeregelungen für die Industrie verant-
Gesamtmasche
Dialog Textil-Bekleidung
Südwesttextil
Seit 1. Juni ist Michael Engelhardt für das Referat Energie & Umwelt beim Gesamtverband textil+mode in Berlin verantwortlich. Der Volljurist bringt eine lange Erfahrung in der politischen Interessenvertretung in Berlin und Brüssel mit. Nach Tätigkeiten als Leiter des RWE Konzernbüros Berlin und selbständiger Politikberater war der 46-jährige zuletzt als Referent für Energie und Klimapolitik beim Bundesverband der Glasindustrie in Berlin beschäftigt. Er folgt Christina Meßner.
Südwesttext
Verband + Industrie
Juni 2012
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Bademoden-Fieber Maryan Beachwear erobert Europas Strände mit vier starken Marken Der Sommer wird heiß! Wer das noch nicht glaubt, dem hilft schon ein kurzer Blick auf die Kollektionen der Maryan Beachwear Group. Als wohltuender Kontrapunkt zur konjunkturellen Rolle rückwärts in Europa geht es farbenfroh zu an Europas Pools und Stränden. Das soll auch 2013 so bleiben. Begeistert präsentiert Stéphanie Supper die Preview für den nächsten Badesommer. Die langjährige Vertriebsleiterin ist stolz auf die Markenwelt ihres Hauses, angefangen von der eleganten Kernmarke Maryan Mehlhorn über die sportlich moderne Marke Lidea mit „Focus on Cups“ über Shapewear-Spezialitäten von Charmline bis zum jungen Beachwear-Label watercult. Bei allen Unterschieden haben die Marken eines gemein: Den hohen Qualitätsanspruch an die perfekte Passform, den optimalen Tragekomfort und die hochwertigsten Materialien. Das Familienunternehmen mit über 60 Jahren Tradition hat sich aus kleinen Anfängen mit viel Kompetenz in Mode und Funktion zum in-
ternational agierenden Bademoden-Spezialisten entwickelt. Im idyllischen Städtchen Murg liegt nur wenige Autominuten von
Dreiviertel des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland. Der hohe Exportanteil ist nicht nur logistisch eine Heraus-
gehen täglich zur Hauptauslieferungszeit ca. 500 Pakete in alle Welt. Maryan Mehlhorn übernahm 1976 die Lei-
Die Seele des traditionsreichen Familienunternehmens: Maryan Mehlhorn und Tochter Maya.
der Schweiz entfernt das moderne Headquarter. Dort sind etwa 130 der rund 375 Mitarbeiter tätig. Bis zu 1 000 verschiedene Modelle kreieren die Bademodenprofis pro Jahr. Produziert wird in eigenen Fertigungsstätten sowie in zertifizierten Vertragsstätten in Europa und Asien unter ständiger technischer Qualitätskontrolle.
forderung, denn jedes Land hat seine individuellen Vorschriften, gerade auch zur Produktkennzeichnung. Die wichtigsten Auslandsmärkte liegen in den klassischen Urlaubszielen Italien, Frankreich und Spanien. Doch daneben gibt es über 50 weitere Exportländer. Im Logistikzentrum in Laufenburg lagern bis zu 400 000 Bademoden-Teile. Von dort
tung der väterlichen Firma, die Mieder und Bademoden produzierte. Als Unternehmerin, Chefdesignerin und Mutter dreier Kinder führte sie sie gemeinsam mit ihrem Mann zum heutigen Erfolg. Seit 2007 hält mit Tochter Maya die dritte Generation Einzug ins Unternehmen. Sie ist mit ihrem internationalen Erfahrungsschatz – Stu-
Kreationen aus dem Hause Mehlhorn (v. l.): Maryan Mehlhorn, Lidea, Charmline und watercult.
dium in England und Berufserfahrung in Hongkong – für den Bereich Produktentwicklung und Einkauf verantwortlich. Ihre Feuertaufe hat sie mit ihren ersten großen Projekten schon bestanden: Die Neupositionierung der Marke watercult, das innovative Mix&Match-Programm mit einem umfangreichen NOS-Angebot sowie der B2B-Webshop mit Nachordermöglichkeit sind Erfolgsmodelle. Seit Januar dieses Jahres ist sie Mitglied der Geschäftsleitung. Der Bademodenspezialist versteht sich als wichtiger Partner des Handels. Mit dem Franchise-Konzept Body&Beach haben die Südbadener ein partnerschaftliches Multibrand-Konzept für den Wäschefachhandel entwickelt: Gut eingeführte Fachhandelsgeschäfte, die aus altersbedingten Gründen aufgegeben werden, werden von der Maryan Beachwear Group übernommen, mit dem Body & Beach-Konzept umgestaltet und als Franchiseunternehmen in neue Inhaberhände weitergegeben. Simone Diebold
Fotos: Maryan Beachwear Group
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Verband + Industrie
Juni 2012
Südwesttext
Türkei lockert Safeguards Trotz Lichtblicks für europäische Produkte bleiben die Zusatzzölle ein Problem Nach langem Tauziehen will die Türkei Produkte aus Europa und dem Mittelmeerraum endlich von den umstrittenen Schutzzöllen ausnehmen, die das Land auf zahlreiche Textilwaren verhängt hat. Anfang Juni wurde im türkischen Amtsblatt eine entsprechende Entscheidung zu Gütern veröffentlicht, die im Rahmen der Zollunion EU-Türkei mit einer Freiverkehrsbescheinigung A.TR verbracht werden. Den Ursprungsnachweis muss der türkische Importeur führen. Zu der Zone gehören neben EU und EFTA die Mittelmeeranrainer in Nordafrika und Nahost, mit denen die
Türkei Freihandelsabkommen unterzeichnet hat. Grundsätzlich soll die Lösung auch für Ware aus den Westbalkan-Ländern gelten. Doch auch wenn für Produkte mit Ursprung in der „Paneuropäischen Kumulierungszone“ tatsächlich keine Schutzzölle mehr zu entrichten sind, ist das Problem längst nicht gelöst: Ware aus anderen Ländern wird weiter belastet. Für EUExporteure, die Ware mit Ursprung in Drittstaaten wie beispielsweise China oder Indien in die Türkei verkaufen, bleibt die Zollunion weiterhin ausgehebelt. Der europäische Handelsverband FTA
und einige nationale Verbände der Branche – so auch der Gesamtverband textil+mode − erwägen daher einen Antrag auf ein „Trade Barrier Regulation“-Verfahren bei der EU gegen den türkischen Importschutz. Die EU-Kommission kann mit einem solchen TBRVerfahren formell gegen WTO-widrige Handelshemmnisse in Drittstaaten vorgehen. Schon seit Juli 2011 erhebt die Türkei auf zahlreiche Textil- und Bekleidungsprodukte Schutzzölle von bis zu 30 Prozent. Der Warenkreis wurde Ende 2012 nochmals erheblich erweitert. Für Entwicklungsländer
waren ermäßigte Zollsätze vorgesehen, Freihandelspartner sollten ungeschoren davonkommen. Doch bisher siegte die Bürokratie: Zwar ist es ein Leichtes, über Ursprungszeugnisse und Lieferantenerklärungen nachzuweisen, woher ein Produkt
stammt. Weil aber kein einschlägiges Nachweispapier in den SafeguardBestimmungen verankert wurde, unterlag bisher, je nach Laune der Zollbeamten, auch Ware mit Ursprung in Partnerstaaten den Zöllen Silvia Jungbauer
Die Trade Barriers Regulation (TBR) der EU regelt seit 1995 die handelspolitischen Verfahren zur Sicherung der EU-Rechte im Bereich der internationalen Handelsregeln, insbesondere der WTO-Regeln. Unternehmen, die in Exportmärkten auf WTO-widrige Handelshemmnisse stoßen, können durch das TBRInstrument eine offizielle Untersuchung und Verhandlungen der EU-Kommission mit dem betreffenden Staat erreichen. Unternehmen, die sich für ein TBRVerfahren gegen die türkischen Schutzzölle interessieren, sollten sich umgehend bei Südwesttextil melden (jungbauer@suedwesttextil.de).
Steuerbürokratie auf Eis Die umstrittene „Gelangensbestätigung“ für innergemeinschaftliche Lieferungen wird bis auf weiteres nicht angewandt. Einschlägige Gesetze sollen verändert werden – hoffentlich zum Guten. Neue Nachweispflichten für die Steuerfreiheit von Ausfuhren in die EU-Nachbarländer sorgen seit Monaten für Aufregung bei den betroffenen Unternehmen. Das Bundesministerium der Finanzen hat nach scharfen Protesten der Wirtschaft erkannt, dass die Neuerungen in der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung kaum praktikabel sind. Die Behörde hat daher die Schonfrist „bis zum Inkrafttreten einer erneuten Änderung des § 17a UStDV“ verlängert. Die bisherige Belegpraxis kann also weitergeführt werden, bis die UStDV im Rahmen einer Mantelverordnung angepasst wird. Dies dürfte zum Jahreswechsel der Fall sein. Wie die Änderungen konkret aussehen werden, bleibt aber abzuwarten. Die Spitzenverbände der Wirtschaft pochen vehement auf eine praktikablere Nachweisführung durch alternative Belege auch ohne Unterschrift des Abnehmers. Insbesondere zählt dazu die Anerkennung der Speditionsbescheinigung.
Freihandel mit den Westbalkanländern Letzte Abkommenslücke in der SAP-Kumulierungszone geschlossen Über die Freihandelsabkommen zwischen der EU, den WestbalkanStaaten und der Türkei sind jetzt auch zollfreie Dreiecksverkehre zwischen der EU, Kroatien und der Türkei möglich. Mit der Vereinbarung zwischen Kroatien und der Türkei wurde die letzte Abkommenslücke in der so genannten SAP-Kumulierungszone geschlossen (SAP = Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess). Neben der EU, Kroatien und der Türkei gehören Albanien, Bosnien und Herzegowi-
Foto: © Ruslan Olinchuk - Fotolia.com
na, Mazedonien, Montenegro und Serbien der Zone an. Deutschland ist unter den EU-Staaten der mit Abstand stärkste Nutzer der Freihandelsbeziehungen zum Westbalkan. Insbesondere die Textilund Bekleidungsindustrie profitiert bei Lohnveredelungsverkehren von den Zollvergünstigungen. Die Länder der Kumulierungszone behandeln Arbeitsschritte, die in den Partnerstaaten erfolgt sind, als ob sie im Inland stattgefunden hätten. Dadurch wird es
für die Wirtschaftsbeteiligten einfacher, für ihre Produkte den präferenziellen Warenursprung zu erreichen und die damit verbundenen Zollvorteile zu nutzen. So kann beispielsweise türkisches Garn in Serbien oder Kroatien verstrickt und anschließend zollfrei in alle Länder der SAP-Zone versendet werden. Die aktualisierte SAPMatrix wurde im EUAmtsblatt vom 31. Mai veröffentlicht. Die Kumulierung ist rückwirkend ab dem 1. Mai anwendbar. Silvia Jungbauer
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Verband + Industrie
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Ziehen an einem Strang Lenzing Plastics und Gruschwitz Tech-Twists vereinbaren Vertriebs- und Entwicklungskooperation Zu einer engen Zusammenarbeit haben sich der deutsche Zwirnspezialist Gruschwitz und die österreichische Lenzing Plastics GmbH entschlossen. Gemeinsam möchten die beiden Firmen neue Märkte erschließen und bestehenden Kunden umfangreiche Services anbieten. Die im Mai unterzeichnete Vereinbarung betrifft die Lenzing-Sparte PTFE Fasern und Garne, die unter dem Namen „Lenzing Profilen″ vertrieben wird. Ihre Produkte finden ihren Einsatz in unterschiedlichen Bereichen: in der
Industrie und Architektur sowie bei Sportartikeln
und medizinischen Textilien. Die Kernkompetenz
Die Gruschwitz-Geschäftsführung Klaus Gudat und Ditmar Schultschik mit den Lenzing-Partnern Geschäftsführer Johann Huber und Volker Biladt Marketing and Sales Director (v. l.) Foto: Gruschwitz
des Südwesttextilmitglieds Gruschwitz Tech-Twist aus Leutkirch ist die Entwicklung und die Herstellung von Hightechfasern für unterschiedliche Branchen. „Die Kunden beider Unternehmen profitieren von der Entwicklungsund Vertriebskooperation“, erklärt Johann Huber, Geschäftsführer von Lenzing Plastics. Es gehe um verbesserte Unterstützung bei der Produktentwicklung und um erweiterte Möglichkeiten bei der Aufmachung und Konfektion von Profilen-Garnen.
Auch die Vertriebswege von Gruschwitz seien eine gute Ergänzung. Gruschwitz-Geschäftsführer Ditmar Schultschik verspricht sich von der Kooperation mehr Wachstum. „Kunden, Produkte und Technologie von Lenzing Plastics bilden eine ausgezeichnete Ergänzung zu unserem Produkt- und Dienstleistungsportfolio. Mit Kooperationen wie dieser wollen wir die Zusammenarbeit mit führenden Faserherstellern weiter intensivieren.“ Simone Diebold
Familienbewusste Personalpolitik Hartmann und Rösch erhalten Auszeichnung Immer mehr Arbeitgeber setzen auf eine strategische Auseinandersetzung mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und erarbeiten für ihre Mitarbeiter moderne Lösungen. Die berufundfamilie gGmbH – eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung – unterstützt die Unternehmen hierbei durch ein Audit und vergibt ein Zertifikat für familienbewusste Personalpolitik. Untersucht werden die Unternehmen u. a. in den Handlungsfeldern Arbeitszeit, Arbeitsort, Arbeitsorganisation, Informations- und Kommunikationspolitik, Personalentwicklung sowie Service für Familien.
Gleich zwei Mitgliedsfirmen von Südwesttextil, die Wäschefirma Gerhard Rösch und der Medizinproduktherstel-
gebern. Eine beachtliche Leistung, denn angetreten sind 202 Unternehmen, 120 Institutionen und 49 Hochschulen. Am 11. Juni
Die Mitglieder der Hartmann-Projektgruppe (v. l.): Die Auditorin Andrea Wagner und die Mitarbeiter Raimund Koch, Gabriele Müller, Achim Vogel und Cornelia Laquai. Foto: berufundfamilie gGmbH
ler Paul Hartmann, sind in diesem Jahr unter den ausgezeichneten Arbeit-
durften die Gewinner in Berlin das Zertifikat in Empfang nehmen.
Die Wäschespezialisten aus Tübingen haben schon Audit-Routine – für sie war es die vierte Auszeichnung in Folge. Weitere im Auditierungsverfahren verbindlich festgelegte Zielvereinbarungen werden dafür sorgen, dass sich das Familienbewusstsein in der Unternehmenskultur noch stärker verankert. Besonders stolz auf ihre Zertifizierung sind die „Hartmänner“. Die Heidenheimer Paul Hartmann AG erhielt die Auszeichnung für ihre zahlreichen Betreuungsund Serviceangebote zum ersten Mal. Das Unternehmen unterstützt seine Mitarbeiter mit einem Eltern-Kind-Arbeitszimmer,
flexiblen Arbeitszeiten und Home-Office-Regelungen sowie dem Essen zum Mitnehmen aus der bio-zertifizierten Kantine, damit sie Beruf und Familie besser vereinbaren können. Zudem wird es ab September weitere Krippen- und Ganztageskindergartenplätze für Kinder von Mitarbeitern im ortsansässigen Bildungshaus geben. Weitere Informationen des unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder und Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler durchgeführten Audits, finden sich unter www. beruf-und-familie.de/ Simone Diebold
Stellengesuch Eine angehende Textilingenieurin möchte ihre Karriere in der Textilindustrie im Bereich der Technischen Textilien beginnen. Im Sommer wird sie ihr Studium an der Hochschule Reutlingen abschließen. Bis dahin wird auch die Abschlussarbeit zum Thema „Optimierung und Festlegung der Ölprüfung für Kunstledersitzbezüge“ bei der Daimler AG fertig sein. Derzeit arbeitet sie als Werkstudentin im Bereich Forschung & Entwicklung der Daimler AG, Sindelfingen für das Team „Sitze und Komfortsysteme“. Bei Interesse erfolgt die Kontaktaufnahme über Südwesttextil (Christine Schneider, Telefon +49 711 21050-25).
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Bildung + Soziales
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Südwesttext
Bildung ohne Grenzen Erste internationale Konferenz tagt in Friedrichshafen „Textile Bildung neu denken“ lautete das Motto der ersten internationalen Bildungskonferenz der Textilverbände. In der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen trafen sich dazu Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um sich grenzüberschreitend mit diesem Thema zu befassen. Fachkräftemangel, demografische Entwicklung und Kampf um Talente sind dabei nur einige Schlagwörter, denen sich die Textilindustrie heute aber auch zukünftig stellen muss. Die Kooperation der fünf Textilverbände TVS Textilverband Schweiz, Fachverband der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie Wirtschaftskammer Österreich, Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie, Südwesttextil, VBT Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie ist dabei ein wichtiger Schritt, um auch in Zukunft gemeinsame Synergien nutzen zu können. Die Konferenz richtete sich vor allem an
Akteure der beruflichen Bildung der Branche und bot durch zahlreiche Impulsreferate einen Über-
abzielen, individuelle Leistungsvoraussetzungen der nächsten Generation zu entdecken, und
dent des österreichischen Textil und Bekleidungsfachverbandes TBSL. Dabei seien grenzüberschrei-
– Ziele die sich die erste Internationale Bildungskonferenz in Friedrichshafen gesetzt hat und
Moderatorin Helene Neuhaus führte durch das Programm und interviewte die Verbandsvertreter aus Österreich, Schweiz und Deutschland.
blick über den derzeitigen Stand. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Bildungslandschaft flossen mit ein, denn auch die Schulen müssen sich neuen Herausforderungen stellen und sich fit für die Zukunft machen. Dabei sollte vor allem die Individualität eines jeden Einzelnen und die Flexibilität der Schüler gefördert werden. „Es gibt grundsätzlich einen Ansatz, den man immer nennen muss, und das ist die Ausbildung der Pädagogen. Diese muss darauf
nicht das Ziel haben, den Durchschnitt der Klasse anzuheben“, sagte Prof. Markus Hengstschläger von der Medizinischen Universität Wien. Die Bedeutung der Fachkräfte wird in der Textil- und Bekleidungsindustrie sehr groß geschrieben. Sie sind der Grundstein, auf dem die Unternehmen ihren Erfolg aufbauen. Entscheide man sich für eine Ausbildung in diesem Bereich, seien die Jobaussichten sehr gut, berichtete Reinhard Backhausen, Präsi-
tende Betrachtungen in einem vereinten Europa unverzichtbar. Auch die internationale Bildungskonferenz in Friedrichshafen brachte zum Vorschein, wie wichtig der Austausch zwischen den Ländern ist. Nach wie vor ist der Eintritt in die Textil- und Bekleidungsindustrie für viele junge Menschen ein attraktiver Weg in die Zukunft. Bessere Zusammenarbeit, mehr Austausch und Kooperationen, um für die Zukunft fit zu sein
auch in Zukunft verfolgen wird. Als Grundlage dafür dienen die Ergebnisse der Mini-Open-SpaceKonferenz, die am zweiten Tag der Veranstaltung satt fand. Die Teilnehmer bestimmten ihre eigenen Themen und arbeiteten Ziele und Ideen in kleinen Gruppen aus. Nach einer gemeinsamen Auswertung in den nächsten Wochen werden die wichtigsten Ergebnisse umgesetzt. Christine Schneider
Gib Gummi Neuordnung des Ausbildungsberufs zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik Im Jahr 2006 wurde der Ausbildungsberuf zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik zum letzten Mal novelliert. Ab 1. August tritt die neue Ausbildungsverordnung in Kraft. Augenfälligstes Kennzeichen ist die neue Struktur der Berufsausbildung. Sie spiegelt die Veränderung der Arbeitswelt in der Branche Metall- und Chemieindustrie wider. Anstelle der bisherigen Gliederung in Schwer-
punkte tritt die stärker ausgeprägte Differenzierung in sieben Fachrichtungen, darunter auch die Fachrichtung Faserverbundtechnologie. Dies macht sie möglicherweise auch für das eine oder andere Textilunternehmen interessant. Die Fachrichtungen sind, anders als die Schwerpunkte, Teil der Berufsbezeichnung. Sie werden in der Klassifikation der Berufe gesondert ausgewiesen.
Verbunden mit der neuen Struktur erfolgen eine Neubestimmung gemeinsamer sowie spezifischer Inhalte, eine Veränderung der zeitlichen Gliederung der Ausbildung sowie die Einführung einer neuen Prüfungsform. Die Berufsausbildung gliedert sich in gemeinsame Ausbildungsinhalte und – im zeitlichen Umfang von 52 Wochen – in die Ausbildung in einer der Fachrichtungen.
Das mechanische Bearbeiten von polymeren Werkstoffen sowie das Herstellen von Bauteilen und Baugruppen wird in den gemeinsamen Qualifikationen inhaltlich und zeitlich auf das für alle Fachrichtungen notwendige Maß zurückgeführt; darüber hinausgehende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sind vor allem in den Fachrichtungen Bauteile, Faserverbundtechnologie und Kunststofffenster zu ver-
mitteln. Mit der Neuordnung wird die getreckte Abschlussprüfung eingeführt. Sie besteht aus den beiden zeitlich auseinanderfallenden Teilen 1 und 2. Teil 1 der Abschlussprüfung ist für alle Fachrichtungen einheitlich gestaltet, Teil 2 fachrichtungsspezifisch. Die Ausbildungsverordnung sowie der Ausbildungsrahmenplan können unter www.suedwesttextil. de abgerufen werden. Christine Schneider
Bildung + Soziales
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Textiler Nachwuchs im Fokus Ausbilderaussprache in der Gatex Gut besucht wie immer war die diesjährige textile Ausbilderaussprache, die die Gatex und Südwesttextil gemeinsam am 20. Juni veranstalteten. Zahlreiche Vertreter aus Unternehmen, Berufsschulen und der IHK trafen sich im südbadischen Bad Säckingen, um sich über anstehende Ausbildungsthemen auszutauschen. Einleitend gab Ausbildungsleiter Ingo Kiefer einen Überblick über die Ausbildungssituation und die personellen Veränderungen in der Gatex: Er begrüßte im Ausbilderkreis Matthias Rentschler, der seit April als Spinnereifachmann das Ausbilderteam verstärkt. Weiter berichtete er, dass Dank großzügiger Maschinenspenden aus der Industrie die Erweiterung des Technikums in die Tat umgesetzt werden konnte. Die von Global Safety Textiles gespendete Kämmmaschine sowie die Spul- und Fachmaschine von Lauffenmühle und
WeGeBAU-Kurse
Die Gelegenheit zu einem Austausch wird von den Ausbildern aus der Industrie rege genutzt.
die Zwirnmaschine der Firma Volkmann seien bereits aufgestellt und hätten ihre ersten Bewährungsproben bestanden. Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer die weiteren Projekte, die die Gatex und Südwesttextil in der nächsten Zeit umsetzen werden. So
wurde die Initiative, einen Dualen Studiengang Textiltechnik in Lörrach einzurichten, begrüßt. Die Unternehmen vom Hochrhein werden diese Fördermöglichkeit für ihren Fachkräftenachwuchs auf alle Fälle nutzen. Ebenfalls als interessantes Vorhaben wurde
die Kooperation der Gatex mit einer Schule in der Region Rhône-Alpe Frankreich gesehen. Hierbei geht es um den Austausch von Auszubildenden, den die Unternehmen gerne unterstützen werden.
Für Dezember plant die Gatex wieder zwei WeGeBAU-Kurse zur verkürzten Ausbildung zum Maschinenund Anlagenführer Textil für an- und ungelernte Mitarbeiter. Beide Kurse dauern ein Jahr. Der eine wird wie gewohnt einmal in der Woche donnerstags stattfinden, der andere wird in Wochenblöcken über das Jahr verteilt organisiert werden. Grundvoraussetzung für das Zustandekommen der WeGeBAUgeförderten Kurse ist eine Mindestteilnehmerzahl von acht Personen. Bei Interesse bitte an Christine Schneider (schneider@suedwesttextil.de, Telefon +49 711 210-25) wenden.
Christine Schneider
Seminare Bildungswerk
G AT E X
Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil Business-Knigge – sicher und souverän auftreten Termin: 16. und 17. Juli 2012 Ort: Haus Steinheim
Sommerakademie 3. – 7. September 2012
Textiles Grundwissen für Kaufleute und Auszubildende Das einwöchige Seminar in den Sommerferien richtet sich an Mitarbeiter und Auszubildende der kaufmännischen Abteilungen von Unternehmen der Textil- und Bekleidungsbranche, des Textilmaschinenbaus, der Zulieferindustrie und des Einzelhandels. Anmeldung unter www.die-gatex.de
Assistenz im internationalen Business Termin: 11. und 12. September 2012 Ort: Haus Reutlingen Basistraining Verhandlungsführung Termin: 17. bis 18. September 2012 Ort: Haus Bleibach Weitere Informationen unter www.biwe-akademie.de
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Recht + Steuern
Südwesttext
Auch wer fragt, bleibt manchmal dumm Persönlichkeitsrechte des Bewerbers stehen dem Informationsinteresse des Arbeitgebers entgegen Die Erkenntnisquellen des Arbeitgebers über einen Stellenbewerber im Einstellungsverfahren sind stark limitiert. Jeder Unternehmer wird deshalb bestrebt sein, möglichst viel über einen zukünftigen Arbeitnehmer im Einstellungsgespräch in Erfahrung zu bringen. Dem Informationsbedürfnis des Arbeitgebers steht jedoch die Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Einzelnen entgegen. Es sind deshalb nur Fragen erlaubt, an deren Beantwortung ein berechtigtes und schützenswertes Interesse besteht, welches die Persönlichkeitsrechte des Bewerbers überwiegt. Besonders interessant sind für den Arbeitgeber Fragen nach einer bestehenden Schwerbehinderung sowie nach einer Schwangerschaft. Beides zieht im Arbeitsverhältnis erhebliche Rechte und Pflichten für die Vertragsparteien nach sich.
Interessant: Schwangerschaft und Schwerbehinderung Die Kündigung eines schwerbehinderten Menschen bzw. Gleichgestellten bedarf der vorherigen Zustimmung des Integrationsamtes. Ein Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet von sich aus den Arbeitgeber über eine Schwerbehinderteneigenschaft oder einen Antrag auf Gleichstellung zu informieren. Es kommt deshalb häufig zu der Situation, dass der Arbeitgeber in Unkenntnis von der Schwerbehinderung eine Kündigung ohne Beteiligung des Integrationsamtes ausspricht. Eine solche Kündigung ist
unwirksam und bedeutet für den Arbeitgeber einen lästigen Zeitverlust und Zusatzkosten, da er nun das Integrationsamt beteiligen muss und erst
Zustimmung des Integrationsamtes einzuholen, existieren verschiedene Sonderregelungen für Schwerbehinderte im Arbeitsverhältnis. Der
auf seine Schwerbehinderteneigenschaft und die fehlende Zustimmung des Integrationsamtes berufen. Das Gericht schränkt seine Entscheidung le-
Die Frage nach der Schwerbehinderung ist nach Vertragsabschluss zulässig. Foto: © Doris Heinrichs - Fotolia.com
danach eine erneute Kündigung aussprechen kann. Mittlerweile ist in der Rechtsprechung einhellig anerkannt, dass vor Abschluss des Arbeitsvertrages eine Frage des Arbeitgebers nach einer Schwerbehinderteneigenschaft grundsätzlich unzulässig ist. Der Arbeitnehmer muss deshalb nicht darauf antworten und darf sogar lügen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) kommt nun dem Arbeitgeber zu Hilfe und hat in einer Entscheidung vom 16. Februar (6 AZR 5053/10) festgestellt, dass die Frage zwar vor Abschluss des Vertrages unzulässig ist, im laufenden Arbeitsverhältnis aber gerechtfertigt ist. Begründet wird dies damit, dass es dem Arbeitgeber ermöglicht werden müsse, sich rechtstreu zu verhalten. Neben der Verpflichtung, die
Arbeitgeber ist zur behindertengerechten Beschäftigung oder zur Zahlung einer Ausgleichsabgabe verpflichtet. Außerdem besteht ein Anspruch von Schwerbehinderten und Gleichgestellten auf Zusatzurlaub. Nur wenn der Arbeitgeber die Behinderteneigenschaft kennt, kann er sich hier gesetzeskonform verhalten.
Unterscheidung vor und nach Vertragsabschluss Die Entscheidung hat zur Folge, dass der Arbeitnehmer die während des laufenden Arbeitsverhältnisses gestellte Frage wahrheitsgemäß beantworten muss. Tut er dies nicht, kann er sich in einem Kündigungsschutzprozess nicht mehr
diglich dahingehend ein, dass eine Frage nach der Schwerbehinderung erst nach Ablauf einer 6-monatigen Betriebszugehörigkeit zulässig sei, da die Sonderregelungen für Schwerbehinderte erst ab diesem Zeitpunkt Wirkung entfalten. Für die Zukunft ist zu raten, jedenfalls bei einer geplanten Kündigung und einem entsprechenden Verdacht einer möglicherweise vorliegenden Schwerbehinderung oder Gleichstellung vorher eine schriftliche Auskunft vom Arbeitnehmer zu verlangen. Es kann sich anbieten, im Rahmen einer betriebsbedingten Kündigung alle Personen einer Vergleichsgruppe zu befragen, da die Schwerbehinderteneigenschaft im Rahmen der Sozialauswahl zu werten ist. In Bezug auf die Frage nach einer bestehenden
Schwangerschaft ist im Zuge der europäischen Rechtsprechung mittlerweile davon auszugehen, dass die Frage vor Abschluss eines Arbeitsvertrages ebenfalls unzulässig ist. Dies gilt selbst für den Fall, dass aufgrund eines Beschäftigungsverbots der Schwangeren gar nicht erst mit der Arbeitsaufnahme zu rechnen ist. Die gesetzlichen Regelungen zum Mutterschutz sehen gerade vor, dass die Arbeitnehmerin für längere Zeit nicht zur Arbeitsleistung herangezogen werden darf, ob dies gleich am Anfang oder erst später im Arbeitsverhältnis der Fall ist, spielt insofern keine Rolle. Die einzige Ausnahme wird dann angenommen, wenn ein befristetes Arbeitsverhältnis abgeschlossen werden soll und eine Schwangerschaft dazu führen würde, dass während der gesamten Befristungsdauer nicht mit einer Arbeitstätigkeit zu rechnen wäre.
Schwangerschaft immer noch ein Tabuthema Ob die Frage nach der Schwangerschaft nach Vertragsschluss zulässig ist, ist bislang vom BAG noch nicht entschieden. In Ansehung der Entscheidung zur Schwerbehinderung liegt jedoch die Zulässigkeit der Frage nahe. Auch hier bestehen Schutzrechte, wie beispielsweise Kündigungsschutz und Beschäftigungsverbote, an die sich der Arbeitgeber nur bei Kenntnis von einer Schwangerschaft halten kann. Boris Behringer
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Recht + Steuern
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Annahmeverzug vermeiden Das böswillige Unterlassen anderweitigen Erwerbs Bei Klagen des Arbeitnehmers gegen Kündigungen ist der Arbeitgeber bereits in der ersten Instanz um eine Einigung bemüht. Dabei steht meist nicht das Interesse an einer schnellen Lösung, sondern die Vermeidung des Risikos, eine Annahmeverzugsvergütung zu bezahlen, im Vordergrund. Gewinnt ein Arbeitnehmer ein Kündigungsschutzverfahren, ist der Arbeitgeber nicht nur verpflichtet, den Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen. Er muss dem Arbeitnehmer auch noch das Entgelt vom Ende der Kündigungsfrist bis zur rechtskräftigen Entscheidung – auch ohne eine Arbeitsleistung des Arbeitnehmers in diesem Zeitraum – nachzahlen. Grund dafür ist, dass der Arbeitgeber sich nach Ablauf der Kündigungsfrist im Annahmeverzug mit der vom Arbeitnehmer angebotenen Arbeitsleistung befindet und ihm auch ohne dessen
Leistung die regelmäßige Vergütung schuldet. Allerdings muss sich der Arbeitnehmer den Verdienst anrechnen lassen, den er durch anderweitige
bieten. Dies sollte je nach Kündigungsgrund auch geprüft werden. Die Beschäftigungsmöglichkeit muss für den Arbeitnehmer lediglich „zumutbar“
Prozessbeschäftigungen können das Entgeltrisiko mindern. Foto: © johannesspreter - Fotolia.com
Tätigkeit erzielt hat bzw. den er zu erwerben böswillig unterlassen hat. Auch der Arbeitgeber selber, der sich mit der Annahme der Dienste in Verzug befindet, kann zur Verminderung seines Annahmeverzugsrisikos eine Prozessbeschäftigung an-
sein. Statusverschlechterungen der Gestalt, dass ein Arbeitnehmer vormaligen Kollegen oder sogar Untergebenen seinerseits unterstellt wird, dürfte dabei regelmäßig nicht zumutbar sein. Der Anspruch auf eine bestimmte Beschäftigung
Arbeitsschutzunterweisung Gefährdungsbeurteilung ist Voraussetzung Der Arbeitgeber ist gemäß § 12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, die Beschäftigten über Sicherheits- und Gesundheitsschutz bei der Arbeit während ihrer Arbeitszeit ausreichend und angemessen zu unterweisen. Der Betriebsrat hat nach § 87 Abs 1. Nr. 7 Betriebsverfassungsgesetz bei betrieblichen Regelungen über den Gesundheitsschutz mitzubestimmen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in einem Beschluss vom 8. November 2011 – 1 ABR 42/10 festgestellt, dass eine Unterweisung über Sicherheits- und Gesund-
heitsschutz bei der Arbeit regelmäßig nur nach vorher erfolgter Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 ArbSchG erfolgen kann.
Da sich eine Unterweisung nicht in allgemeinen Fragestellungen des Arbeitsschutzes erschöpfen dürfe, sondern gerade die konkreten Gefährdungen zum Gegenstand haben müsse, welchen die Arbeitnehmer an den
jeweiligen Arbeitsplätzen im Einzelnen ausgesetzt seien, sei im Vorfeld eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Erst aufgrund der Beurteilung der Arbeitsbedingungen lasse sich erkennen, welche Schutzmaßnahmen und welche Unterweisungen erforderlich seien. Arbeitgebern ist demnach zu raten, die Gefährdungsbeurteilung – deren Vorliegen regelmäßig durch Arbeitsschutzbehörden und Berufsgenossenschaften überprüft wird – vor der Unterweisung der Beschäftigten durchzuführen. Kai-Uwe Götz
im bestehenden Arbeitsverhältnis bedingt als solcher nicht die Unzumutbarkeit einer vertragswidrigen Beschäftigung. Dies hat das Bundesarbeitsgericht (BAG)zuletzt mit Urteil vom 7. November 2011 – 5 AZR 564/10 festgestellt. In dem entschiedenen Fall hat sich ein Hausmeister nach Ablauf der Kündigungsfrist geweigert, in der Abteilung Wohnumfeldpflege seine Arbeitsleistung zu erbringen. Zwischen den Parteien unstreitig war, dass diese Beschäftigung zwar arbeitsvertragswidrig, aber zumutbar sei. Bei einer vertragswidrigen Beschäftigung vor Ablauf der Kündigungsfrist, d. h. im (noch) bestehenden Arbeitsverhältnis, muss der Arbeitgeber dringende Gründe für eine Änderung der Tätigkeit darlegen, um bei Weigerung des Arbeitnehmers zur Erbringung der Arbeitsleistung eine Anrechnung wegen böswilligen
Unterlassens anderweitigen Erwerbs vornehmen zu können. Nach Ablauf der Kündigungsfrist ergibt sich ein anderes Bild: Für eine Anrechnung ist dann ausreichend, dass der Arbeitgeber das Angebot einer grundsätzlich zumutbaren, wenn auch objektiv vertragswidrigen Beschäftigung, unterbreitet hat. Im entschiedenen Fall unterlag der Arbeitgeber zwar im Kündigungsschutzverfahren, konnte aber im Rahmen der Klage auf Zahlung des Annahmeverzugslohns für den Zeitraum nach Ablauf der Kündigungsfrist den böswillig unterlassenen Zwischenverdienst in der Wohnumfeldpflege voll gegenrechnen. Da dieser bis auf eine Bereitschaftszulage identisch war, war der Arbeitgeber letztlich nur zur Zahlung dieser Zulage im Rahmen des Annahmeverzugs verpflichtet. Kai-Uwe Götz
Aktuelle Steuer-Nachrichten Im Streitfall klagte ein Landwirt, der für die Versicherungsentschädigung für eine abgebrannte Scheune im Wirtschaftsjahr 1996/97 eine Ersatzbeschaffungsrücklage bildete. Weil nach der Einstellung der Instandsetzungsarbeiten im Spätsommer 1998 bis zum Einholen eines ersten Angebots für die ersatzweise Errichtung einer Stahlhalle im April 2002 mehr als 42 Monate verstrichen waren, sei nach Ansicht des Finanzamtes eine ernsthafte Absicht der Ersatzbeschaffung am Bilanzstichtag 30.06.2002 nicht mehr erkennbar gewesen. Das Finanzamt löste daher die Rücklage gewinnerhöhend auf. Dem widersprach der Bundesfinanzhof und urteilte, dass nach Bildung einer solchen Rücklage die Reinvestition grundsätzlich innerhalb von vier Wirtschaftsjahren, bei der beabsichtigten Herstellung eines neuen funktionsgleichen Gebäudes allerdings innerhalb von sechs Wirtschaftsjahren zu erfolgen habe. Diese und weiter Entscheidung zur Einkommensteuer finden sich in der aktuelle Ausgabe der Steuernachrichten. Die Juniausgabe befindet sich im geschlossenen Mitgliederbereich der Internetseite von Südwesttextil und kann dort als pdf-Datei heruntergeladen werden.
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Technik + Umwelt
Juni 2012
Südwesttext
1:0 für Textil
Termine
Vortragsabend in der Gatex Trotz Terminkollision mit dem Fußball-EM-Viertelfinalspiel Tschechien gegen Portugal fanden am 21. Juni über 50 Teilnehmer den Weg in die Gatex zur Vortragsveranstaltung des Fördervereins der Gatex und des Vereins Deutscher Textilveredlungsfachleute VDTF Regionalgruppe Südbaden. Unter ihnen waren nicht nur Vertreter aus der Industrie, sondern auch zehn Studenten der Fachhochschule Kaiserslautern mit ihrem Professor Klaus Nieder. Zum Thema „Echtheitsfaktoren bei der Veredlung von Arbeitsbekleidung“ berichtete Bertram Seuthe, Global Business Development Manager
der DyStar Colours Distribution GmbH. Da Arbeitsbekleidung aus dem Bereich Leasing-Wäsche
eine Farbechtheit zu gewährleisten, werden in der Veredlung meist Dispersion- und Küpenfarb-
Markus Rindle berichtete über die Entwicklung von PSA-Produkten.
durch Nutzung und Reinigung in der Industriewäsche hochbeansprucht wird, bestehen für die Materialen in der Ausrüstung hohe Anforderungen. Um
stoffe verwendet. Seuthe stellte die verschiedenen Farbstoffklassen unter Berücksichtigung der am Weltmarkt üblichen chlorhaltigen Wäschen gegen-
über und präsentierte neu entwickelte Dispersionsfarbstoffe, die diesen Anforderungen gerecht werden. Im zweiten Vortrag erläuterte Markus Rindle, Head of Product & Development der Tempex GmbH, wie groß der Arbeits- und Zeitaufwand bei der Entwicklung neuer PSA-Produkte ist. Nach einem kurzen Einblick in die Geschichte der Schutzbekleidung zeigte er anhand von Beispielen die einzelnen Entwicklungsstufen. Und der Trick – Fußball gab es mit einem Imbiss dann im Anschluss. Der nächste Vortragsabend ist für den Herbst geplant. Fußballfrei. Simone Diebold
Online-Broschüre „Textil, Mensch & Umwelt“ Der Gesamtverband textil+mode hat gemeinsam mit dem Fachverband der Österreichischen Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (WKO) und dem TVS Textilverband Schweiz die Online-Broschüre „Textil, Mensch & Umwelt – Zusammenhänge und Fakten rund um ein sensibles Beziehungsgeflecht“ herausgegeben. Die Broschüre beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit folgenden Themen: Schutz der Verbraucher und Mitarbeiter in der Herstellungskette, Schonung von Ressourcen, Konformität mit der Natur, Material- und Energieeffizienz im Produktionszyklus, Bestmögliche Wiederverwertung und fachgerechte Entsorgung von Alttextilien. Die Onlineversion der Broschüre gibt es unter www.textil-mode.de/data/textilmensch-umwelt/index.htm.
Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg 2013 Die Ausschreibung für den Artur Fischer Erfinderpreis 2013 hat begonnen. Am Wettbewerb für private Erfinder können alle Personen mit Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Baden-Württemberg, die nach dem 30. Juni 2010 ein Patent oder Gebrauchsmuster angemeldet haben, teilnehmen. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury. Sie bewertet die Bewerbungen nach folgenden Gesichtspunkten: Innovation ist der Schlüsselbegriff für den Erfolg in
Baden-Württemberg. Arm an natürlichen Rohstoffen hat sich Baden-Württemberg reich an Ideen an die
Spitze getüftelt. An dem Spruch „Not macht erfinderisch“ muss also etwas Wahres dran sein, denn das
Ergebnis kann sich sehen lassen: Heute ist „Made in
Baden-Württemberg“ weltweit ein echtes Qualitäts-
nehmer par excellence, und die Baden-Württemberg
Stiftung zur Aufgabe gemacht, das Innovationspotenzial unseres Landes herauszuheben und ans Licht der
Öffentlichkeit zu bringen. Der gemeinsam ausgelobte Preis wird in diesem Jahr bereits zum siebten Mal ausgeschrieben.
merkmal.
Für sein besonderes Engagement im Rahmen dieses
Lange bevor sich irgendjemand hätte träumen lassen,
dem Erfinder von Produkten wie Spreizdübel, Kinder-
den Begriff „Innovation“ jemals in den Mund zu
nehmen, wurde in Baden-Württemberg erfunden und
von ihm gestifteten Preises danke ich Artur Fischer, spielzeug und Fotoblitz herzlich. Der Artur Fischer
Erfinderpreis gilt zwischenzeitlich als ein herausragen-
getüftelt. Ob Dübel oder Bohrmaschine, Fahrrad oder
des Symbol der Innovationskultur und des Innovati-
von klugen Köpfen aus dem Südwesten entwickelt.
Preis aufgezeigt, wie wichtig Erfindergeist und Mut zur
Auto, Zündkerze oder Zündholz – allesamt wurden sie
Am Erfindergeist der Baden-Württemberger hat sich bis heute nichts geändert. Nirgendwo sonst werden
Jahr für Jahr so viele Patente angemeldet wie in BadenWürttemberg, dem Erfinderland Nummer eins in
Deutschland. Und in keiner anderen Region innerhalb der Europäischen Union ist die Innovationskraft so
onspotenzials unseres Landes. Zugleich wird mit dem Innovation für unser Land sind.
Ich wünsche dem Artur Fischer Erfinderpreis BadenWürttemberg eine rege Beteiligung und allen Wett-
bewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmern gute und innovative Ideen sowie viel Erfolg beim Wettbewerb.
hoch wie bei uns. Baden-Württemberg zählt mit zu
• • •
Innovationspotential der Erfindung Nutzen für die Allgemeinheit Initiative bei der Umsetzung
der Spitzen-Gruppe der Innovationsführer in Europa. Um diesen Spitzenplatz auch in Zukunft halten zu
können, ist es eines der obersten Ziele der Technolo-
Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg 2013
gie- und Industriepolitik der Landesregierung, den
Technologiestandort Baden-Württemberg nachhaltig
zu stärken und die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovationen in Baden-Württemberg nachhaltig zu verbessern.
Mit dem Artur Fischer Erfinderpreis haben es sich Artur Fischer, einer der erfolgreichsten deutschen Erfinder
der Gegenwart und baden-württembergischer Unter-
Dr. Nils Schmid MdL
Professor Artur Fischer
Stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Finanzen und Wirtschaft
Ausschreibung des Wettbewerbs für private Erfinderinnen und Erfinder
des Landes Baden-Württemberg
Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie
Die Bewerbungen müssen bis zum 31. März 2013 beim Regierungspräsidium Stuttgart, Informationszentrum Patente, Kennwort: Erfinderpreis, Ruppmannstr. 21, 70565 Stuttgart, eingereicht werden. ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.
Baden-Württemberg Stiftung gGmbH Im Kaisemer 1 • 70191 Stuttgart Fon +49.711.248 476-0 Fax +49.711.248 476-50
Ausschreibung und Bewerbungsbogen gibt es unter www.erfinderpreis-bw.de.
info@bwstiftung.de • www.bwstiftung.de
Eine Unterstiftung der
Laserschweißen Am 4. September veranstaltet die EMPA in St. Gallen, Schweiz, einen Workshop zum Thema „Hightechnähte aus der Forschung, Laserschweißen von Textilien und Membranen“. Die Veranstaltung stellt mit konkreten Beispielen das Laserschweißen von Textilien und Membranen vor und zeigt, welche Produkte damit entstehen können. Projektpartner berichten außerdem über ihre Erfahrungen. Anmeldung und weitere Infos unter www.empa. ch/laserschweissen. Faserverbundtechnologie Faserverbundwerkstoffe haben gegenüber metallischen Werkstoffen in einigen Bereichen erhebliche Leistungsvorteile und gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Mit einem Kongress zum Thema Faserverbundtechnologie am 16. Oktober im Haus der Wirtschaft in Stuttgart möchten die AFBW und das Leichtbauzentrum Baden-Württemberg die Chancen, die durch Automatisierung in diesem Bereich entstehen, und die sich ergebenden Potenziale für Kostenoptimierung aufzeigen. Weitere Infos unter www.afbw.eu. Gatex-Workshop Gewebeanalyse Am 1. und 2. Oktober findet in der Gatex in Bad Säckingen der Workshop Gewebeanalyse statt. Er richtet sich an Mitarbeiter aus den Bereichen Labor, Qualitätssicherung sowie Einkauf. Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über die Eigenschaften von Geweben und ihre diversen Bindungen und können danach beurteilen, wie sich diese auf die weitere Verarbeitung auswirken. Anmeldung und Programm unter www.gatex.de
Technik + Umwelt
Südwesttext
Juni 2012
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Garn wird teurer Innovation, Nachhaltigkeit und Symbiosen in der Beschaffungskette als Erfolgsfaktoren Die Beschaffung von Garnen und innovative Entwicklungen bei den Garnqualitäten sind für die Textil- und Bekleidungsindustrie entscheidende Erfolgsfaktoren. Doch strukturelle Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten haben die Beschaffungsbasis in Europa geschmälert. Die kontinuierliche Verfügbarkeit vieler Garntypen zu günstigen Preisen ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Preisausschläge des Vorjahres haben das Problem verschärft. Auch wenn die spekulativen Spitzen bei der Baumwolle und den ihr nachziehenden Chemiefasern passé sind: Aufgrund begrenzter Ressourcen und einem steigenden Weltfaserverbrauch pro Kopf verschiebt sich das Preisniveau sowohl bei natürlichen als auch bei chemischen Fasern langfristig nach oben. Dabei entwickeln immer mehr Menschen höhere Ansprüche an Qualität und Funktion. Diese Veränderungen stellen die Textil- und Bekleidungsbranche vor vielfältige Fragen, die weit über das allgegenwärtige Thema Preis hinausgehen. Grund genug für den Technischen Ausschuss von Gesamtmasche, sich bei seiner halbjährlichen Zusammenkunft am 15. Juni unter Vorsitz von Triumph-Gesellschafter Dieter Braun der Problematik anzunehmen. Wie sicher sind Beschaffungsquellen und die Verfügbarkeit spezieller Qualitäten? Welche Bedeutung hat der Einsatz nachwachsender Rohstoffe? Wie sieht es mit der Akzeptanz und den technischen Möglichkeiten der Substitution von Naturfasern aus?
immer teurer, und es gibt Probleme bei der Polymerversorgung.“ Deshalb schätzt er, dass Polyester im Herbst wieder um 3 bis 5 Cent im Preis anziehen könnte, Nylon sogar um 8 bis 15 Cent. Auf langfristig hohe Preise deutet auch der kontinuierlich wachsende Faserverbrauch pro Kopf: Bis 2030 soll er sich verdoppeln, wobei
Und wie kann man dabei steigenden Kundenanforderungen gerecht werden und gleichzeitig effizient bleiben? Gastgeber war passend zum Thema die Zwirnerei Untereggingen: Das Südwesttextilmitglied texturiert und zwirnt seit über 130 Jahren Polyester- und Polyamidgarne. ZUEGeschäftsführer Dietmar Heck, Wolfram DaubekPuza vom Faserhersteller Lenzing, Hans-Peter Grosch von Triumph und Albert Schatz von TWD Fibres lieferten mit ihren Impulsreferaten Stoff für eine angeregte Diskussion. „Innovationen auf der Garnstufe bieten weitreichende Potentiale für die gesamte textile Kette“, meint ZUE-Chef Heck. „Aber der Preis ist oft der Hemmschuh, genauso wie die kleinen Losgrößen.“ Daher und aufgrund gravierender Versorgungsengpässe insbesondere bei Polyamidpolymer
seien in den letzten Jahren viele gute Hersteller von der Bildfläche verschwunden. Gleichzeitig benötigen Hersteller am Ende der Kette mehr Spezialisierung: „Innovationen unserer Lieferanten bedeuten für uns Marketingideen und Verkaufsargumente“, meint Hans-Peter Grosch, der aber gleichzeitig zu bedenken gibt, dass Lebenszyklus und Auftragsgrößen der Serien sinken. Albert Schatz verweist auf die immer weiter auseinanderklaffende Konsumschere zwischen Europa und Asien. TWD setze vor diesem Hintergrund auf „Composites statt Classics“ und Anwendungsgebiete wie z. B. Windräder oder Kunstrasen. Zwei Drittel der Polyamid 6.6-Produktion gingen bereits in den technischen Bereich. „Doch der weltweite Faserverbrauch steigt jedes Jahr deutlich, wenn auch nicht bei uns. Energie wird
„Sich auf kostengünstige Massengarntypen zu konzentrieren, wird uns in Europa nicht weiterbringen“ findet auch Detlev Rauch, Geschäftsführer des Bänderspezialisten Julius Boos, der verstärkt auf technische Anwendungen setzt. Im Garn und in der Garnveredlung steckt eine riesige Innovationskraft – und
Dietmar Heck erklärt die Feinheiten des Zwirnens, Albert Schatz, Wolfram Daubek-Puza und Hans-Peter Grosch lieferten mit ihren Impulsreferaten Stoff für eine angeregte Diskussion (v. o. und l. nach r.).
die Chemiefasern deutlich stärker zulegen als die Naturfasern. „Dazu kommt die Sourcing-Konkurrenz aus dem wachsenden Bereich der Nonwovens“, erklärt Wolfram DaubekPuza. Der nachhaltige Einsatz von Rohstoffen sei daher ein Schlüsselfaktor. Dafür wünscht er sich, dass die Akteure der textilen Wertschöpfungskette wieder enger zusammenrücken: „Unser Verhältnis ist symbiotisch.“
das ist unsere Chance.“ Und darin sind sich die Teilnehmer einig: Dass die Branche und ihre Abnehmer schon viel zu lange nur über Preise statt über Produkteigenschaften verhandeln. „Statt einer Preis- brauchen wir endlich wieder eine Innovationsdiskussion“, fasst Gastgeber Dietmar Heck zusammen.
Silvia Jungbauer
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Juni 2012
Zu guter Letzt
GO TEXTILE! IMMER AUF BALLHÖHE
Südwesttext
„GO TEXTILE!“ IST NEUER PARTNER DES WÜRTTEMBERGISCHEN FUSSBALLVERBANDS (WFV) FÜR DEN B-JUNIORINNENPOKAL Ziel der Partnerschaft ist es, über die Plattform Jugendfußball direkt mit potenziellen Azubis in Kontakt zu treten und die Kampagne für textile Nachwuchskräfte bei Vereinen und Spielern im Südwesten bekannt zu machen. Go Textile! wird damit in der kommenden Pokalrunde der 16 bis 17-jährigen Frauen immer auf Ballhöhe sein. Als einer der mitgliederstärksten Fußball-Landesverbände in Deutschland vereint der wfv rund 1 800 Vereine mit etwa 530 000 Mitgliedern sowie etwa 10 000 Jugendmannschaften und rund 3 000 lizenzierte Trainer unter seinem Dach. Für diese breite Basis bietet der wfv eine große Vielfalt an Wettbewerben und Plattformen, Schulungen und Weiterbildungsangeboten und fungiert als professioneller Dienstleister im Spielbetrieb. Zudem übernimmt der wfv wichtige gesellschaftliche Aufgaben wie Integration, Talentförderung oder „Aktionen für Toleranz und Fairness gegen Gewalt“.
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Fashionshow „SAMPLING, MOVING, STREAMING“ Inspirationen der 80ies und 90ies, postmoderne Einflüsse, geometrische Formen und konstruierte Silhouetten fließen in die Abschlusskollektion der 21 Absolventen der Staatlichen Modeschule Stuttgart. Ihre eigenen Designs präsentieren sie in einer Fashionshow am Donnerstag, den 12. Juli um 19.00 und 21.00 Uhr und am Freitag, den 13. Juli um 16.00, 19.00 und 21.00 Uhr in der L-Bank, Börsenplatz 1, 70174 Stuttgart. An beiden Tagen findet im Anschluss eine After Show Party statt und der Showroom mit den Kollektionen ist geöffnet. Kartenreservierung: Telefon: + 49 711 489095-0, per E-Mail: info@modeschule.kv.bwl.de oder an der Abendkasse.
Zitat „Die nächste Generation auf die Zukunft vorbereiten, die anders sein wird als die Gegenwart, das ist Bildung.“ Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Medizinische Universität Wien, im Vortrag zur Bildungskonferenz „Textile Bildung neu denken“ am 15. Juni in Friedrichshafen