SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie Herausgegeben von Südwesttextil
www.suedwesttextil.de
Dezember 2013 | Nr. 75
Themen Verband + Industrie Sippenhaft für Angoraindustrie Seite 5 Bildung + Soziales
Lebenslanges Lernen Seite 6
Wareneingangsprüfung
Recht + Steuern
Notwendiges Übel
Gewerkschaftstätigkeit in Betrieben beschränkt
Seite 3
Seite 8
Gut, besser, exzellent AFBW erhält Cluster-Label
Peter Hofelich MdL, Mittelstandsbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung,
verlieh der Allianz Faserbasierten Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW) Anfang Dezember als erstem landesweiten Netzwerk das Qualitätslabel „Cluster-Exzellenz Baden-Württemberg“. Während der Preisverleihung würdigte er die Professionalität des Technologienetzwerks, das die Faser mit ihren vielseitigen Anwendungen und innovativen Ideen neu in Szene setzt. AFBW-Vorsitzender Christoph Larsén-Mattes, Geschäftsführer von Mattes & Ammann, nahm ge-
meinsam mit Netzwerkmanagerin Ulrike Möller die Urkunde entgegen und kommentierte das Ereignis: „Es erfüllt uns mit Stolz, dass unser noch recht junges Netzwerk, das im Wesentlichen von der Wirtschaft getragen wird, auch politisch Anerkennung findet. Für die faserbasierte Wirtschaft ist die AFBW von besonderer Bedeutung.“ Das Cluster-Qualitätslabel wurde eingeführt, um herausragende Leistungen sichtbar zu machen. Fortsetzung Seite 2
Präsidium beschließt Strategiemaßnahmen Nach umfangreichen Vorarbeiten hat das Präsidium von Südwesttextil auf seiner Sitzung am 9. Dezember den von der Geschäftsführung erstellten „Businessplan 2020“ verabschiedet. Darin ist vorgesehen, die textile Verbandsgruppe Stuttgart, zu der neben Südwesttextil auch Gesamtmasche, die Gatex und die tiv-Service GmbH zählen, weiter in Richtung eines modernen Dienstleisters zu entwickeln, der für die Mitgliedsunternehmen einen konkreten Mehrwert bietet. Hierzu gehört die verstärkte Organisation von Kompetenznetzwerken, um für die Unternehmen besonders relevante Schwerpunktthemen voranzutreiben. Als Leuchtturmprojekt für solche branchenübergreifenden Zusammenschlüsse gilt die von Südwesttextil mit ins Leben gerufene AFBW, aber auch das Kompetenznetzwerk
Textilkennzeichnung ist ein Beispiel für gewinnbringende Zusammenarbeit. Weitere Kompetenznetzwerke sind in Vorbereitung. Außerdem will sich Südwesttextil personell verstärken, um das Beratungsangebot seiner Mitgliedsunternehmen auszuweiten. Als ersten Schritt soll für den Bereich der Umweltberatung gemeinsam mit dem Bayerischen Textil- und Bekleidungsverband ein erfahrener Experte engagiert werden. Weitere Maßnahmen sind zunächst auf den Gebieten der Rechtsberatung und des E-Commerce geplant. „Wir sind bereit, zum Nutzen unserer Mitglieder deutlich mehr in die Verbandsarbeit zu investieren“, so Präsident Georg Saint-Denis zur Begründung der Entscheidung. Markus H. Ostrop
Zahl des Monats Losglück für alle Fußballfans von Südwesttextil: Bei der Auslosung zur kommenden Fußballweltmeisterschaft spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen die USA ausgerechnet am frühen Abend des 26. Juni 2014. An diesem Tag findet auf Einladung des prominenten Mitgliedsunternehmens Paul Hartmann in Heidenheim auch die Jahresversammlung von Südwesttextil statt. Klar, dass im Anschluss an das attraktive Tagungsprogramm für Public Viewing mit Verpflegung in sportlich legerer Atmosphäre gesorgt wird. Damit entfällt für die Teilnehmer das Risiko, das sie in der Regel zuhause beim Gang zum Kühlschrank ereilt: Bei Südwesttextil wird kein Tor verpasst.
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Aktuell Bodo Bölzle, Vizepräsident von Südwesttextil, wurde auf der Mitgliederversammlung des Gesamtverbands textil+mode am 26. November in Berlin zum Vizepräsidenten gewählt. Als weitere Mitglieder des Präsidiums wurden Martina Bandte, Präsidentin von Gesamtmasche, und Dr. Wilfried Holtgrave, Präsident des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie gewählt. FranzJürgen Kümpers, neuer Vorsitzender des Forschungskuratoriums Textil, wurde ins Präsidium kooptiert.
2 Verband + Industrie
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Fortsetzung von Seite 1 In Kürze
Gut, besser, exzellent Es ist ein Gütesiegel für Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Institutionen, die sich in Clustern und Netzwerken engagieren wollen. In einem mehrstufigen Zertifizierungsprozess muss das Management nachweisen, dass es europäischen Standards entspricht und baden-württembergspezifische Anforderungen erfüllt. Die AFBW ist das erste landesweite Netzwerk unter insgesamt sechs ausgezeichneten Initiativen im Südwesten. Sie wurde vor drei Jahren mit der Absicht aus der Taufe gehoben, Unternehmen verschiedener Branchen mit wirtschaftsnahen Forschungsinstituten zusammenzubringen. Ihr Ziel: die Kooperation von Partnern zu fördern, die ohne Mithilfe vielleicht nicht so schnell zueinander gefunden hätten. Vielfach ist noch nicht bekannt, wie innovativ und vielseitig die Textil- und Bekleidungsindustrie im Land ist. Tatsächlich arbeitet die Branche in Anwendungsfeldern wie beispielsweise dem Automobilbau, der Luft- und Raumfahrttechnik, der Bauindustrie, im Medizinbereich oder der Energietechnik. Der Erfolg der Clusterinitiative wird nicht nur allein durch die Zahl der Mitglieder deutlich – über 100 konnte die Allianz mittlerweile gewinnen. Beeindruckend sind die zahlreichen Forschungsprojekte,
die aus den Arbeitsgruppen des Netzwerks entstanden sind. Die AFBW ist nach kurzer Zeit ein unverzichtbarer Treiber für branchenübergreifenden Technologietransfer
Die AFBW bietet branchenspezifische Veranstaltungen zur Information und Vernetzung für Unternehmer, Wissenschaftler und Dienstleister an. Dabei steht sie
Freuten sich über die Auszeichnung: Prof. Dr.-Ing. Heinrich Planck, Ulrike Möller, Peter Hofelich, Christoph Larsén-Mattes, Dr.-Ing. Götz T. Gresser und Dr. Markus H. Ostrop (v. l. n. r.) Foto: AFBW
und Innovation. Gemeinsam mit Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten zeigt sie neue Lösungen auf und unterstützt so die „Renaissance der Faser“. Der Verband Südwesttextil ist neben dem Landesverband der Industrie und den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung sowie den Hohenstein Institute Initiator und Gründungsmitglied dieser „exzellenten“ Allianz.
allen Interessenten offen, die in irgendeiner Weise auf dem Gebiet faserbasierter Werkstoffe tätig sind. Darüber hinaus unterstützt sie die Clusterpartner beim Aufbau eines technologisch getriebenen Innovationsmanagements. Weitere Informationen zum landesweiten Netzwerk finden sich unter www.afbw.eu. Christine Schneider
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Termin vormerken
Betriebsratswahlen 2014 22. Januar 2014, Filharmonie Filderstadt
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Der Vorstand der IG Metall hat Roman Zitzelsberger zum neuen Bezirksleiter des IG MetallBezirks Baden-Württemberg bestellt. Der bisherige Vorsitzende der IG-Metall-Verwaltungsstelle in Gaggenau (Kreis Rastatt) tritt die Nachfolge von Jörg Hofmann an, der Ende November zum zweiten Vorsitzendenden der Bundes-IGMetall gewählt worden war. Als eines der ersten großen Projekte will der 47-Jährige das Thema Altersteilzeit angehen. Ab 1. Januar heißt der neue Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Gesamtverbands textil+mode Dr. Hartmut Spiesecke. Der 48-Jährige bringt umfangreiche Erfahrungen aus der politischen und der Verbandskommunikation mit: Er verantwortete in den letzten Jahren die Kommunikation des Arbeitgeberverbandes Diakonie. Zuvor war er Kommu-
Dr. Hartmut Spiesecke
nikationschef der Verbände der deutschen Musikwirtschaft und Sprecher eines Bremer Senators. Spiesecke ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. „Ich freue mich auf die neuen Aufgaben bei t+m. Eine intensivere Darstellung der Leistungen der Branche gegenüber Politik, Medien und Öffentlichkeit sowie eine Intensivierung der verbandsinternen Kommunikation werden meine nächsten Schwerpunkte sein.“ Der Mittelstandsbeauftragte der Landesregierung Peter Hofelich hat Ende November den Mittelstandsbeirat des Landes einberufen. Der Beirat soll Empfehlungen für eine zukunftsorientierte Mittelstandspolitik erarbeiten und Ansatzpunkte für landespolitische Aktivitäten oder Landesinitiativen im Bundesrat oder auf europäischer Ebene aufzeigen.
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Verband + Industrie 3
Notwendiges Übel Verzicht auf Wareneingangsprüfung – geht das? – Gastbeitrag von Gert Stapelfeldt
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Wareneingangsprüfung für Fertigteile in der Bekleidungsindustrie wird von vielen Unternehmen als notwendiges Übel angesehen. Sie erfolgt eigentlich zu spät, verursacht hohe Kosten, stört die Abläufe und ergibt, sofern man nicht nach AQL prüft, keine vernünftige statistische Aussage. Trotzdem wird in den meisten Unternehmen eine entsprechende Prüfung durchgeführt. Man möchte „Gewissheit“ über den Qualitätsausfall bekommen und die Lieferanten kontrollieren, um ihnen damit das Bewusstsein zu geben, dass fehlerhafte Ware durchaus erkannt wird. Viele Unternehmen argumentieren dabei, dass die Reklamationsquote der Endkunden gering ist und daher eine aufwändigere Kontrolle nicht erforderlich sei. In einem europäischen Bekleidungsunternehmen waren diese Zusammenhänge bekannt. Im Rahmen einer anstehenden Optimierung der Prozesse in der Supply Chain sollte auch die Wareneingangsprüfung neu strukturiert werden. Es wurde daher intern ein Projekt unter der Überschrift „Verzicht auf Wareneingangsprüfung – geht das?“ mit externer Unterstützung gestartet. Bei Projektstart wurde sehr schnell klar, dass es, um das Ziel des Projektes zu erreichen, erforderlich war, eine Qualitätseinstufung für I.- und II.-Wahl-Teile in den Produktionsbetrieben zu realisieren, die einer entsprechenden Qualitätsbeurteilung durch das Bekleidungsunternehmen uneingeschränkt entsprechen musste. Zunächst wurden drei Pro-
duktionsbetriebe ausgewählt, in und mit denen das Projekt pilothaft durchgeführt und umgesetzt werden sollte. Natürlich waren zunächst Analysen erforderlich. Dabei wurden Mengengerüste, derzeitige Prozesse, Qualitätsvorgaben, Fehlerkataloge, Wege und Hilfsmittel bei der Erfassung, Verarbeitung und Kommunikation von Qualitätsinformationen, Qualitätskostenstrukturen sowie Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten im Bekleidungsunternehmen und den einbezogenen Produktionsunternehmen erfasst. Unterschätzt wurde bei Projektbeginn der Aufwand für die Gespräche und Workshops mit den Betroffenen sowohl im Management als auch bei den Mitarbeitern. Denn es galt, im Bekleidungsunternehmen und in den Produktionsbetrieben, Verständnis für das Ziel und die Notwendigkeit des Projektes zu schaffen, um Widerstände abzubauen und so eine erfolgreiche Implementierung sicherzustellen. Nach den Analysen und der Erarbeitung von Stärken und Schwächen wurden die Leitlinien für das Konzept mit dem Management im Bekleidungsunternehmen und in den Produktionsbetrieben festgelegt. Wesentliche Eckpunkte waren dabei: 100-Prozent-Prüfung aller Teile in der Endabnahme in den Produktionsbetrieben, DV-gestützte Prüfdokumentation und -auswertung sowie Übermittlung der Prüfdaten und -dokumentation an das Bekleidungsunternehmen, um einen genauen Einblick in die Qualitätssituation bei den Teilen, aber auch im Produktionsunternehmen zu erhal-
ten. Weiterhin einzelteilbezogener Zugriff auf im Bekleidungsunternehmen eingehende Fertigteile und Lieferungen in Abhängigkeit z. B. von Oberstoff, Schwierigkeitsgrad des Modells, Produktionsbetrieb oder Rohwarenlieferant. Es sollte auch möglich sein, auf Fertigteilbzw. Fehlerebene zu überprüfen, ob die Qualitätseinstufung durch den Produktionsbetrieb der Qualitätsbeurteilung des Bekleidungsunternehmens entspricht. Um diese Eckpunkte des Konzepts zu realisieren, war es erforderlich, sich intensiv mit den Themen „Gleiche Voraussetzungen“, „Organisation“, „Kommunikation“, „Prüfdokumentation und -auswertung“ sowie „Schulung und Training“ zu beschäftigen, erforderliche Maßnahmen zu entwickeln und diese umzusetzen. Gleiche Voraussetzungen wurden zunächst durch eine identische Prüfplatzgestaltung sowie durch eine einheitliche Prüfsystematik in der Verarbeitungsprüfung und bei statistischen Vorgaben für Maßprüfungen und Anproben im Bekleidungsunternehmen und in den Produktionsbetrieben geschaffen. Erforderlich war dabei auch eine jeweils identische Struktur der verwendeten Fehlerkataloge. Ihre neue Systematik ermöglichte eine einfache Handhabung und eine codierte Eingabe von Fehlern in das DV-System. Großer Wert wurde auch auf die Festlegung und das gleiche Verständnis von Fehlerstandards und Abweichungen gelegt. Die Änderungen in der Organisation bezogen sich primär auf den
Materialfluss in der Endabnahme in den Produktionsbetrieben, die Gestaltung von Prozessen und Aufgaben in der Wareneingangsprüfung, die Aufgabeninhalte der Reisetechniker, die Verant-wortlichkeiten an der Schnittstelle zwischen Bekleidungsunternehmen und Produktionsbetrieben sowie auf die Methodik zur Abstellung aufgetretener Fehler und Probleme. Das Thema Kommunikation war im Wesentlichen auf die Schnittstellen zwischen dem Bekleidungsunternehmen und den Produktionsbetrieben ausgerichtet. Die Anforderungen an die Prüfdokumentation und -auswertung wurden durch ein DVunterstütztes System realisiert, bei dem über Bildschirm die Daten an den einzelnen Prüfplätzen erfasst und zentral im Produktionsbetrieb ausgewertet wurden, wobei ein direkter Zugriff auf Daten und Ergebnisse durch das Bekleidungsunternehmen sichergestellt war. Schulung und Training wurde im Schwerpunkt für die Mitarbeiter in der Endabnahme in den Produktionsbetrieben, aber auch für das Supervisionspersonal durchgeführt. In der Pilotphase des Projektes zeigte sich, dass nach erfolgreicher Implementierung des Konzeptes ein weitgehender Verzicht auf Wareneingangsprüfung möglich ist. „Weitgehend“ heißt: situationsbezoge Prüfungen vornehmen und dabei die eigene Qualitätsbeurteilung mit denen der Produktionsbetriebe vergleichen zu können. Nach der Pilotphase wurde das Konzept mit Erfolg auf nahezu alle Produktionsbetriebe übertragen.
Dr.-Ing. Gert Stapelfeldt StU – Dr. Stapelfeldt Unternehmensberatung, Aachen Tel.: +49-2408-2747 E-Mail: StapelfeldtUB@t-online.de
4 Verband + Industrie
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Reduzierung der Stromkosten Zum ersten Quartal des kommenden Jahres besteht für Unternehmen, die bestimmte Produkte herstellen, erstmalig die Möglichkeit eine teilweise Rückerstattung (Beihilfebetrag) der im Strompreis enthaltenden Emissionsrechtekosten zu erhalten, die sogenannte Strompreiskompensation. Für Produkte, die unter bestimmte NACE-Codes fallen, kann die Strompreiskompensation beantragt werden: z. B. für die Baumwollaufbereitung und -spinnerei mit der NACE-Bezeichnung 1711 sowie für die Herstellung von Chemiefasern mit der NACE-Bezeichnung 2470. Dabei sind für die Antragsberechtigung die hergestellten Produkte maßgeblich, nicht die
Für NACE-Codes-Produkte kann Strompreiskompensation beantragt werden Zuordnung eines Unternehmens zu einem bestimmten Wirtschaftszweig. Nur für Produkte, die einem der oben genannten Sektoren oder Teilsektoren zugeordnet sind, kann
eine Beihilfe beantragt werden, nicht hingegen für die Weiterverarbeitung zu nicht beihilfefähigen Produkten.
duktspezifischer Stromeffizienzbenchmark vorgegeben ist oder nicht. Welche Produkte darunter fallen, findet sich in einem pdf-
Foto: © K.-U. Häßler - Fotolia.com
Hierzu ein erläuterndes Beispiel der Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt (DEHSt): Falls beispielsweise Papier (NACE-Code 2112) zu Briefumschlägen (NACE-Code 2123) weiterverarbeitet wird, kann hierfür keine Beihilfe beantragt werden, für die Papiererzeugung hingegen schon. Der Beihilfebetrag errechnet sich in Abhängigkeit davon, ob für das aufgeführte Produkt ein pro-
Download unter www.suedwesttextil.de. Grundsätzlich werden vom Gesamtbeihilfebetrag eines Unternehmens die CO2-Kosten des Strombezugs von 1 GWh pro Jahr und zugerechneter Anlage abgezogen. Für das Antragsjahr 2013 beträgt dieser Selbstbehalt pro Anlage 6 034,40 Euro. Neben der Anforderung an die NACE-Klassifizierung sieht die Förderrichtlinie vor, dass der
Stromvertrag CO2-Kosten enthalten muss. Wie dieser Nachweis erbracht werden kann, ist derzeit noch offen. Darüber hinaus muss der Antrag eine Wirtschaftsprüferbescheinigung enthalten. Auch die Anforderungen an diese sind von der DEHSt bisher noch nicht spezifiziert. Die Antragstellung für das Vorjahr – erstmals im Jahr 2014 für das Jahr 2013 – ist innerhalb des ersten Quartals möglich und hat über das Formularmanagementsystem (FMS) der DEHSt zu erfolgen. Für Unternehmen, die nicht am Emissionshandel teilnehmen, ist hierfür die Einrichtung einer virtuellen Poststelle (VPS) erforderlich. Nähere Informationen hierzu finden sich ebenfalls auf der Internetseite von Südwesttextil. Alle Unternehmen, die einen EEG-Härtefall-Antrag stellen, beachten bitte, dass der Beihilfebetrag der Strompreiskompensation reduzierend auf die Stromkosten wirkt und damit der Erreichung des 14-Prozent-Kriteriums im Sinne des EEG-Härtefalls unter Umständen entgegenstehen kann. Christine Schneider
Sauber, sicher, bezahlbar Finanz- und Wirtschaftsministers Dr. Nils Schmid sprach auf der Mitgliederversammlung des LVI
Dr. Nils Schmid
„Andere Länder verbessern die Rahmenbedingungen für Investitionen, wir verschlechtern sie.“ Auch der Koalitionsvertrag auf Bundesebene atme den „Geist staatlicher Reglementierung und nicht von marktwirtschaftlicher Dynamik“. Mit diesem Worten begrüßte Dr. Hans-Eberhard Koch, Präsident des LVI, den baden-württembergischen Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid auf der Mitgliederversammlung des Verbands Anfang Dezember in Stuttgart.
Daraufhin empfahl Schmid in seiner Rede mehr Gelassenheit bei der Kommentierung der zukünftigen Großen Koalition. Auch diese Regierung, die ihre Arbeit noch nicht aufgenommen hat, habe mindestens eine 100-Tages-Frist verdient. Der Wirtschaftsminister ist überzeugt, dass der Vertrag deutliche Weichenstellungen für den Industriestandort Deutschland und insbesondere für Baden-Württemberg aufweist. Als Beispiele nannte er die Absicht, die sehr erfolgreiche Fachkräfte-Allianz auf Landesebene auch auf Bundesebene zu implementieren sowie die Nennung der Leitmärkte im Koalitionsvertrag. In den Verhandlungen hatte der Minister die steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben gefordert. Als Gegenfinanzierung wollte er dafür den
ermäßigten Mehrwertsteuersatz für das Hotellerie Gewerbe wieder abschaffen. Diesem Vorschlag wurde von den zukünftigen Koalitionären jedoch nicht zugestimmt. Auf die Forderung, dass mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur fließen müssten, konterte Schmid: „Wer Steuermehreinnahmen kategorisch ablehnt, muss eben auch wissen, dass die Spielräume für solche Investitionen unter dieser Maßgabe begrenzt sind.“ Allerdings habe das Land seine Gelder hierfür nochmals erhöht. Abschließend ging er auf die Notwendigkeit einer sicheren Stromversorgung ein. Hier müsse der Dreiklang „sauber, sicher, bezahlbar“ das Handeln der Akteure bestimmen. Er versprach eine zügige Entscheidung für die konventionellen Kraftwerke, die derzeit nicht mehr wirtschaftlich betrieben
werden könnten. Durch ihre Systemrelevanz könnten sie aber auch nicht abgeschaltet werden. Gerade diese Problematik sei für den Südwesten entscheidend. Christine Schneider
Auf der Mitgliederversammlung des Landesverbands der BadenWürttembergischen Wirtschaft (LVI) Anfang Dezember in Stuttgart wurde der amtierende Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Witzenmann GmbH, für drei weitere Jahre einstimmig wiedergewählt. Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurde Georg Saint-Denis, Präsident von Südwesttextil, in den Vorstand des Landesverbands.
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Verband + Industrie 5
Sippenhaft für Angoraindustrie Südwesttextil-Mitgliedsunternehmen Naturfasern michael dal grande wehrt sich gegen PETA-Vorwürfe Mitte November veröffentlichte die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ein Video, das das brutale Scheren und Rupfen von Kaninchen in verschiedenen chinesischen Angora-Farmen zeigt. Große Bekleidungsketten wie H&M und C&A reagierten sofort und nahmen ihre Produkte mit Angorawolle aus den Sortimenten. Die deutsche Textil- und Modeindustrie distanzierte sich von solch tierquälerischen Methoden. Der Gesamtverband Textil und Mode teilte in einer Presseerklärung mit: „Die Gewinnung von Angora aus Kaninchenhaaren geschieht in Deutschland auf schonende Weise. Die Tiere werden sorgsam geschoren; sie müssen aus pflegerischen Gründen vier bis fünf Mal im Jahr geschoren werden, da das Fell sonst verfilzt und die Tiere sich nicht mehr sauber halten können. Pfleglich behandelte Tiere geben eine qualitätvolle Wolle. Dies wird von Herstellern in Deutschland garantiert, die ihre Lieferanten und deren Situation persönlich kennen.“ Das Südwesttextil-Mitgliedsunternehmen Naturfasern michael dal grande aus Lörrach handelt mit Tierhaaren und ist der größte Importeur von Angorahaaren in Europa. Das Unternehmen wehrt sich mit einer Pressemeldung gegen diese „in der Sache falsch und stark verkürzt respektive einseitig wiedergegebene“ Darstellung.
Diese Methode würde in China für einen Haartyp, das „Spiky Angora“ angewendet. Dies ist eine Qua-
exportiert oder in China für den Inlandsmarkt verarbeitet. In Frankreich sei das Auskämmen der ab-
Informationen zur Angoraproduktion unter www.angora-rabbits.de.
lität mit besonders vielen groben Grannenhaaren. Das Haar dieser Kaninchensorte lockere sich nach ca. 95 bis 120 Tagen in der Haut und könne entweder ausgekämmt oder epiliert werden. In China gäbe es bedauerlicherweise Züchter, die diesen Zeitraum nicht abwarten. Dann käme es zu einer frühen Epilation, die schmerzhaft und als Tierquälerei zu verurteilen sei. Die Jahresproduktion dieses Typs betrage circa 400 bis 500 Tonnen und entspräche lediglich 10 Prozent der weltweiten AngoraJahresproduktion. Diese gelange jedoch kaum auf den europäischen Markt, sondern werde nach Korea
gestorbenen Haare die traditionelle Angoragewinnung. Diese Sorte werde überwiegend für Handstrickgarn in Europa verwendet. Ungefähr 4,5 Millionen kg jährlich würden vom weltweit
größten Angoraproduzenten China auf herkömmliche, schonende Art und Weise mit Schere oder Schurmaschine gewonnen. Dieses Angorahaar werde für die meisten Textilien, Unterwäsche wie Oberbekleidung, eingesetzt. Großzuchten, wie im PETAVideo gezeigt, gäbe es in China wenige. Das Angorakaninchen würde überwiegend von Kleinbauern gehalten und der Verkauf der Haare bedeute einen erheblichen Beitrag zu deren Einkommen. Da die Tiere sehr empfindlich und für chinesische Verhältnisse teuer seien, sei eine artgerechte Haltung im ureigenen Interesse eines jeden Züchters. „Von einer Qualität (Spiky Angora), welche zudem noch nicht einmal in westlichen Produkten Verwendung findet, auf die gesamte Angoraproduktion zu schließen und die Angoraindustrie insgesamt in Sippenhaft zu nehmen, ist manipulativ, verleumderisch und grob fahrlässig“, heißt es in der Meldung. Simone Diebold
Stiftung Warentest Für die Stiftung-Warentest-Ausgabe 12/2013 wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) 46 Tier- und Umweltschutzorganisationen untersucht, wie sie ihre Spendengelder verwenden, ob sie wirtschaftlich arbeiten, transparent und solide organisiert sind. Peta Deutschland, mit Einnahmen von 3,5 Mio Euro, bekam schlechte Noten: Ein „Ungenügend“ in Transparenz, Organisation und Kontrolle. Des Weiteren ergab die Untersuchung, dass die Tierschutzorganisation unwirtschaftlich arbeitet.
Zwirne und Garne aus Carbon
Neues EU-Forschungsprogramm „Horizont 2020“
Die im Open Market der Frankfurter Wertpapierbörse notierte, auf technische Zwirne und Garne spezialisierte Gruschwitz-Gruppe und die im M-DAX notierte SGL Group – The Carbon Company, sind eine umfangreiche strategische Partnerschaft eingegangen. Ziel des Ende November unterzeichneten Kooperationsvertrages ist die Entwicklung neuer Carbon-Nähfäden und Zwirnkonstruktionen – sowohl als eigenständige Produktpalette wie auch im Auftrag der Kunden, mit denen gemeinsam kundenspezifische Lösungen erarbeitet werden sollen. Beide Partner bringen ihr jeweiliges Knowhow ein: Die SGL Group beherrscht als Materialspezialist die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff über die Carbonfasern bis hin zu Carbonfaserverbundwerkstoffen. Gruschwitz, ein führender Anbieter für Hochleistungsgarne, konzentriert sich auf den Vertrieb von Spezialgarnen, technischen Zwirnen und Nähfäden in der Automobil-, Medizin- und weiteren Industrien.
Im Januar 2014 startet das neue EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Budget von ca. 70 Milliarden Euro. Es bündelt bisher getrennte Förderaktivitäten rund um Forschung und Innovation. In der Weiterentwicklung des Programms „Forschung für KMU“ zeichnet sich in Horizont 2020 eine neue Förderlogik ab. Statt der wissenschaftlichen Ausrichtung und obligatorischen Beteiligung von Forschungsdienstleistern sollen „Business Cases“ entlang der Bedürfnisse und Möglichkeiten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) definiert werden, um eine Förderung zu erhalten. Daher sind in diesem Programmteil auch nur KMU antragsberechtigt. Sie dürfen, müssen aber nicht, wissenschaftliche Partner durch Aufträge einbinden. Am 5. Februar 2014 laden das Steinbeis-Europa-Zentrum und der Landesverband der baden-württembergischen Industrie zu einem Informationstag nach Ostfildern ein. Infos unter www.steinbeis-europa.de.
6 Bildung + Soziales
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Lebenslanges Lernen braucht lebenslange Beratung 2. Hochschullehrerforum textil+mode in Berlin Ende November fand in Berlin die zweite Tagung des Hochschullehrerforums des Gesamtverbands textil+mode statt. In verschiedenen Vorträgen wurden die Herausforderungen des lebenslangen Lernens für Hochschulen und die Wirtschaft verdeutlicht. Lebenslanges Lernen als Chance und Herausforderung von Hochschulen und Studieninteressierten war das Thema von Dr. Walburga Katharina Freitag, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Sie berichtete, dass die Europäische Union mit dem Qualifikationsrahmen einen idealtypischen Kontext für das lebenslange Lernen geschafften hätte. Damit könnten sich die Arbeitnehmer zur Arbeits-
würde damit als Ziel vorgegeben. Doch wie sieht der Status quo in Deutschland aus? Einer Studie des DZHW zufolge steige die Anzahl der Studienanfänger mit einer ab-
sich Dr. Bernhard Jenschke, Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung e. V. (nfb). „Lebenslanges Lernen braucht lebenslange Beratung“, war seine
Foto: © Syda Productions – Fotolia.com
Der Qualifikationsrahmen schafft Bildungsmobilität suche oder Berufsausbildung in den Ländern der EU aufhalten. Die räumliche Bildungsmobilität und die transnationale sowie transinstitutionelle Anerkennung von Lernergebnissen und Qualifikationen würden so aufs Engste miteinander verknüpft. Anrechnung und Anerkennung von Abschlüssen, Zertifikaten u. ä. würden so zum „Drehund Angelpunkt“. Eine stärkere Durchlässigkeit der Bildungswege
geschlossenen Berufsausbildung an. Die Zahl der Studienanfänger, die über den sogenannten dritten Bildungsweg an die Hochschulen kämen, d.h. ohne Abitur oder Hochschulreife, läge derzeit nur bei fünf Prozent. Insgesamt würden die privaten Hochschulen bessere Angebote für diese Gruppe machen. In Zukunft würden sich jedoch immer mehr Hochschulen auf Bedarfe an berufsbegleitenden Studiengängen einstellen müssen. Nicht zuletzt fordere das Lebenslange Lernen ein Mentoringsystem an den Hochschulen, so die Referentin. Mit diesem Thema befasste
Forderung. Dies müsse dazu führen, dass sich die Teilnahmequote an Bildungsgängen erhöht und eine Senkung der Abbruchquote erzielt werden kann. Außerdem hätte Beratung einen Beitrag zur Chancengleichheit zu leisten und solle dazu beitragen, dass der Lernende seine eigene Laufbahnentwicklung (Career-Management) gestalten kann. Ziel müsse es seiner Meinung nach sein, eine lebensbegleitende Beratung umzusetzen. Dr. Michael Baer, Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw), zeigte in seinem Beitrag das Engagement der Wirtschaft für Bildung. Die
Stiftung der deutschen Wirtschaft biete Stipendien und Förderprogramme für 1 700 leistungsstarke Studierende und Promovierende mit Unternehmergeist und Gemeinsinn an. Der „Elternkompass“ sei das Informations- und Beratungsangebot für Stipendien und mit „Universum Wirtschaft“ biete die Stiftung eine ökonomische Grundbildung für Lehramtsstudierende. An der Pädagogischen Hochschule Freiburg wird derzeit ein textiles Experimentierkastensystem als Lehr- und Lernmaterial entwickelt, mit dem Schülern z. B. die Funktionsweise und die Beschaffenheit textiler Objekte im naturwissenschaftlichen Unterricht und in fächerübergreifenden Unterrichtsprojekten erklärt werden kann. Im Rahmen der Veranstaltung wurde das Konzept der TEXperten-Box und des TEXpertenKoffers vorgestellt. Die Teilnehmer konnten Experimentiermaterialien zu verschiedenen Themen, z. B. Bekleidungsphysiologie, Warenkunde, Funktionstextilien und Bionik etc. ausprobieren und mit den Materialien selbstständig experimentieren. Mit Hilfe der Materialien und Experimente können künftig den Schülern im Unterricht die Textil- und Modeberufe näher gebracht werden. Das unterstützt sie bei der Berufsorientierung. Die Vorträge gibt es im Mitgliederbereich zum Download. Christine Schneider
Weiterbildung wird weiterhin bundesweit gefördert Seit Dezember 2008 fördert das Bundesbildungsministerium mit der Bildungsprämie individuelle berufliche Weiterbildung. Kofinanziert wird das Bundesprogramm durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Die Bildungsprämie unterstützt die Finanzierung von individueller, beruflicher Weiterbildung. Sie besteht derzeit aus zwei Komponenten, dem Prämiengutschein und dem Weiterbildungssparen, die auch miteinander kombiniert werden können. Vom Prämiengutschein können Arbeitnehmer profitieren, die mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sind und ein Einkommen von jährlich 20 000 Euro nicht überschreiten. Weiterbildungsinteressierte bekommen nach einer verbindlichen Beratung bei Erfüllen der Förderbedingungen den Prämiengutschein ausgestellt. Mit dem Prämiengutschein können 50 Prozent der Kursgebühren – maximal aber 500 Euro – finanziert werden. Beim Weiterbildungssparen wird der Spargutschein ebenfalls nach einem Beratungsgespräch ausgegeben. Mit ihm ist nach dem Vermögensbildungsgesetz eine vorzeitige Entnahme von angespartem Guthaben für berufsbezogene Weiterbildungszwecke möglich, ohne dass damit die Arbeitnehmersparzulage verloren geht. Voraussetzung für den Spargutschein ist ausschließlich ein entsprechendes Ansparguthaben. Die Ausgabe von Gutscheinen in der aktuell laufenden zweiten Förderphase wurde im Oktober um sieben Monate bis zum 30. Juni 2014 verlängert. Direkt im Anschluss ist eine dritte Förderphase geplant. Weiterführende Informationen finden Interessierte unter www.bildungspraemie.info.
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Bildung + Soziales 7
Landeslehrpreis für Henning Eichinger Reutlinger Professor wird für seine innovative Lehre und das Projekt „Skypetrait“ ausgezeichnet Der Landeslehrpreis 2013 im Bereich der Hochschulen für angewandte Wissenschaften ging in diesem Jahr an Professor Henning Eichinger von der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer überreichte dem 54-Jährigen Anfang Dezember in Stuttgart die Urkunde. Einmal jährlich verleiht das Land Baden-Württemberg für besondere Leistungen in der Lehre pro Hochschulart diesen Preis. Die Preissumme beträgt je Preisträger und Hochschule 50 000 Euro. „Mit innovativen Lehrmethoden und -inhalten gelingt es Prof. Eichinger, nicht nur den Studiengang Textil- und Modedesign und den Schwerpunkt Künstlerische Konzeption zeitgemäß weiterzuentwickeln, sondern insbesondere die Studierenden im Hinblick auf ihre künftige berufliche Praxis zu qualifizieren“, heißt es in der Begründung der Jury. Exemplarisch für seine Lehre steht das übergreifende Semesterprojekt „Skypetrait: Transcontinen-
tal Faces“ – die Nutzung der Kommunikationsplattform „Skype“ zur Erstellung von Portraits. Während sich in der klassischen Portraitsit-
trätiert. Entstanden sind in 18 Monaten Projektlaufzeit unzählige Kunstwerke – Zeichnungen, Fotos, Filmaufnahmen. Ausgestellt wur-
Prof. Eichinger mit Studentinnen, die sich via Skype mit Kollegen aus Down Under portätierten. Foto: Hochschule Reutlingen
zung der Maler und der Portraitierte real gegenüber sitzen, liegen bei „Skypetrait“ 16 311 Kilometer zwischen den Akteuren. Als Partner dieses Lehr- und Forschungsvorhabens konnte Eichinger das Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT University) in Australien gewinnen: Je sechs Studierende aus Reutlingen und Melbourne via Skype haben sich gegenseitig por-
den die Werke der jungen Künstler sowohl in Melbourne als auch in Reutlingen. Zusätzlich gab es zahlreiche Veröffentlichungen in klassischen und digitalen Medien. „Mit Skypetrait: Transcontinental Faces ist es uns gelungen, ein zeitgemäßes Lehrprojekt in einer internationalen Kooperation erfolgreich durchzuführen. Dadurch konnten wir wichtige neue Erkennt-
Hat ja jeder so sein Ding AUFGEPASST
nisse über die Auswirkungen von digitalen Werkzeugen und sozialen Netzwerken auf Kunst und Design gewinnen und unsere Forschungs-
Sascha ist Azubi im 2. Lehrjahr zum Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik bei der Aunde Achter & Ebels GmbH in Mönchengladbach und der Held des neuen Go Textile!-Ausbildungsvideos. Zu sehen ist dies unter www. youtube.com/gotextile und unter www.go-textile.de/ ausbildung. Gerade für die Zielgruppe von Go Textile! ist es besonders attraktiv, Berufsinformationen kurz und prägnant in Wort und Bild zu bekommen. Deshalb hat Go Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik Textile! Ende 2012 begonnen, flotte Kurzvideos über die Ausbildungsberufe in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu erstellen. Junge Azubis berichten hier auf authentische und W W W. G O - T E X T I L E . D E frische Art über ihre Tätigkeiten und persönlichen Erfahrungen im Beruf. Inzwischen sind sechs Videos abgedreht – weitere folgen.
ergebnisse direkt in die Lehre an der Hochschule übertragen“, so der Preisträger. Prof. Eichinger lehrt seit 1997 Zeichnerische Darstellung und Künstlerisches Gestalten an der Hochschule Reutlingen. Er hat an der Fachhochschule Dortmund studiert und ist seit 1985 als bildender Künstler tätig. Christine Schneider
Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil. Internationale Mitarbeitereinsätze: arbeits-, lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtliche Aspekte 26. Februar 2014, Haus Steinheim „Lohnpfändung“ – Update 27. Februar 2014, Haus Reutlingen Projektmanagement: Basiswissen für Einsteiger 19. bis 21. März 2014, Haus Bleibach www.biwe-akademie.de
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Gewerkschaftstätigkeit in Betrieben beschränkt Streikaufruf im Intranet ist unzulässig Sobald sich eine Streikbereitschaft abzeichnet, versucht die Gewerkschaft regelmäßig möglichst viele Mitarbeiter zur Teilnahme am Streik zu mobilisieren. Häufig wird dazu auch das Intranet des Arbeitgebers benutzt. Diese Möglichkeit zu einem Streikaufruf wurde nun gerichtlich durch eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) eingeschränkt. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass ein stellvertretender Betriebsratsvorsitzender einen Streikaufruf der Gewerkschaft an die Arbeitnehmer als Anlage zu einer E-Mail von seinem dienstlichen E-Mail-Account weiterleitete. Diese E-Mail enthielt den Namen des Betriebsratsvorsitzenden sowie die Durchwahlnummer im Betriebsratsbüro und die Handynummer des Betriebsratsvorsitzenden. Hier stellen sich zwei Probleme: Zunächst muss sich der Betriebsrat grundsätzlich bei Arbeitskämpfen neutral verhalten. Maßnahmen des Arbeitskampfes
Betriebsrat muss sich bei Arbeitskämpfen neutral verhalten zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat sind unzulässig. Allerdings ist es auch einem Betriebsrat gestattet, als Arbeitnehmer gewerkschaftliche Funktionen zu übernehmen.
Dabei braucht sich ein Betriebsratsmitglied auch keine besondere Zurückhaltung aufzuerlegen und mit schizophren gespaltenem Bewusstsein sein Amt verleugnen.
Eine unzulässige Verquickung zwischen Amtstätigkeit und Gewerkschaftätigkeit ist hingegen gegeben, wenn ein Betriebsrat im Rahmen der Sprechstunde für die
eine tarifzuständige Gewerkschaft zu Werbezwecken genutzt wird. Dies gilt sogar dann, wenn auch der Gebrauch von E-Mail-Adressen zu privaten Zwecken verboten wurde. Zulässig ist die Verteilung einer Gewerkschaftszeitung im Betrieb oder die Plakatwerbung. Allerdings ist ein wildes Plakatieren unzulässig. Hier kann eine Zuweisung erfolgen, dass ausschließlich an dem schwarzen Brett eine Werbung aushängen darf. Dabei ist eine gewerkschaftliche Werbung während der Arbeitszeit als zulässig anzusehen. Sogar die Lektüre gewerkschaftlicher E-Mails mit Werbe- und
Gewerkschaftliche Werbung ist zulässig Bei Streikbereitschaft versucht die Gewerkschaft regelmäßig möglichst viele Mitarbeiter zur Teilnahme am Streik zu mobilisieren. Foto: © Robert Kneschke – Fotolia.com
Allerdings sahen die ersten zwei Instanzen in der vorstehenden Konstellation durchaus schon eine Verletzung des Neutralitätsgebotes, weil die Telefonnummer des Betriebsratsbüros angegeben und eine dienstliche E-Mail-Adresse verwendet wurde. Dieser Auffassung hat sich das BAG nicht angeschlossen und kein Verstoß gesehen. Es ging davon aus, dass aus der E-Mail noch hinreichend klar hervorgeht, dass der Betreffende nicht als Betriebsrat gehandelt hat.
Recht kompakt Arbeitsrecht – Entgeltfortzahlung Frage: Kann die Entgeltfortzahlung bei einer verschuldeten Verletzung verweigert werden? Antwort: Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung nicht, wenn die Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Verschuldens des Arbeitnehmers eingetreten ist. Allerdings ist hier ein grobes Verschulden oder Vorsatz erforderlich. Eine leichte oder mittlere Fahrlässigkeit genügt nicht. Auch eine gebrochene Hand nach einem Wutanfall und mehreren Schlägen auf ein Verkaufsschild wurde nach eine Entscheidung des LAG Hessen vom 23. Juli 2013 nicht als grobes Verschulden gesehen. Die relevanten Gesetzestexte finden sich im Mitgliederbereich unter www.suedwesttextil.de.
Gewerkschaft wirbt oder einen Mitarbeiter in seiner Funktion als Betriebsrat aufsucht und im Rahmen dieses Gespräches die Gewerkschaftszugehörigkeit in leuchtenden Farben beschreibt. Die zweite Problematik betraf die Frage, ob denn der Arbeitgeber als Eigentümer des Intranets dulden muss, dass ein Streikaufruf über sein eigenes Intranet und somit mit seinem eigenen Eigentum erfolgt. Hier hat das BAG klar festgestellt, dass ein derartiges Verhalten nicht zu dulden ist. Schließlich könne von dem Arbeitgeber nicht verlangt werden, durch eigene Betriebsmittel die gewerkschaftliche Betätigung eines Arbeitnehmers in einem gegen ihn gerichteten Arbeitskampf zu unterstützen. Werden Betriebsmittel wie das Intranet genutzt, um einen Streikaufruf zu verbreiten, dann steht dem Arbeitgeber ein Unterlassungsanspruch zu. Dies ist unabhängig davon, ob der Mitarbeiter auch Betriebsrat ist oder nicht. Diese Begrenzung der Nutzung von Arbeitgebereigentum bezieht sich jedoch nur auf die Vorbereitung eines Arbeitskampfes. Nach wie vor zulässig ist, dass die E-MailAccounts des Arbeitgebers durch
Informationsinhalten während der Arbeitszeit ist zulässig. Allerdings kann dies nur gelten, wenn es sich um eine kurze Unterbrechung der Arbeit im Betrieb handelt und diese auch üblich ist, weil zum Beispiel Zigarettenpausen eigenständig genommen werden dürfen. Auch darf eine negative Beeinflussung des Arbeitsergebnisses nicht vorliegen. Unzulässig ist hingegen die Nutzung von überlassenen Arbeitsmitteln zu Werbezwecken. Dies wurde für die Verwendung von Aufklebern auf überlassenen Schutzhelmen entschieden. Dieser Gebrauch als Werbeträger sowie der damit gleichzeitig eingriffsweise „erworbene“ geldwerte Vorteil in Form ersparter eigener Aufwendungen braucht von einem Arbeitgeber nicht geduldet werden. Werbung kann außerdem unzulässig sein, wenn eine Störung des Arbeitsablaufes oder des Betriebsfriedens festzustellen ist. Unzulässig sind Werbemaßnahmen sind z.B., wenn der Arbeitgeber beleidigt wird oder konkurrierende Gewerkschaften unter grober Entstellung der Wahrheit verunglimpft werden. Bei Werbung muss also ein großzügiger Maßstab als bei Streikmaßnahmen angelegt werden. Nathan Binkowski
Recht + Steuern 9
SÜDWESTTEXT
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Kündigung in der Wartezeit BAG konkretisiert Anforderungen an Anhörung bei Wartezeitentlassungen Arbeitnehmer unterstehen dem Schutz des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG) erst nach einer Betriebszugehörigkeit von sechs Monaten. Bei Kündigungen innerhalb dieser Wartezeit ist an den Kündigungsgrund nicht der strenge Maßstab anzulegen, wonach nur personenbedingte, betriebsbedingte sowie verhaltensbedingte Gründe eine Kündigung sozial rechtfertigen können. Gemessen wird die Kündigung innerhalb der Wartezeit vor allem daran, dass sie nicht willkürlich einen Arbeitnehmer benachteiligen darf. Den größten Stolperstein für Arbeitgeber in der Wartezeit stellt die Betriebsratsanhörung dar. Eine solche ist nach dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) vor jeder Kündigung und damit auch während der Wartezeit durchzuführen. Für den zur Kündigung entschlossenen Arbeitgeber stellt sich hier dann die Frage, welche Gründe dem Betriebsrat für die Wartezeitkündigung mitgeteilt werden. Nach dem Grundsatz der subjektiven Determination muss der Arbeitgeber dem Betriebsrat alle Umstände mitteilen, aus denen er subjektiv seinen Kündigungsentschluss herleitet.
In einer aktuellen Entscheidung hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) nunmehr die Anforderungen an die Betriebsratsanhörung in der Warte-
ratsanhörung mitteilen. Anders als im Anwendungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes kann der Arbeitgeber eine Kündigung vor
sei. In einem solchen Fall hat das Gericht nunmehr ausdrücklich klargestellt, dass der Arbeitgeber auch in der Betriebsratsanhörung nicht verpflichtet ist, die Tatsachen dem Betriebsrat mitzuteilen, aufgrund derer der Vorgesetzte zu dem sub-
Subjektive Werturteile reichen für Kündigung
Sinn der Wartezeit ist es, dass sich der Arbeitgeber im ersten halben Jahr ein persönliches Bild vom Arbeitnehmer machen kann. Foto: © lassedesignen – Fotolia.com
zeit konkretisiert. Es ist zwischen Kündigungen zu differenzieren, die auf substantiierbare Tatsachen gestützt werden und Kündigungen, die aufgrund personenbezogener Werturteile ausgesprochen werden. Stützt der Arbeitgeber die Wartezeitkündigung auf objektive Tatsachen, so muss er diese in vollem Umfang und nachvollziehbar dem Betriebsrat auch in der Betriebs-
Ablauf der Sechs-Monatsfrist jedoch auch lediglich auf subjektive Werturteile stützen. Beispielsweise wurde vom Gericht für zulässig erachtet, dass der Arbeitgeber eine Kündigung mit dem Argument begründet, der Vorgesetzte sei zu der subjektiven Einschätzung gelangt, dass sich der Mitarbeiter nicht bewährt habe oder nicht für die Stelle geeignet
jektiven Werturteil gelangt ist. Es ist gerade Sinn der Wartezeit, dass sich der Arbeitgeber innerhalb der ersten sechs Monate der Beschäftigung ein persönliches Bild vom Arbeitnehmer machen kann. Kommt er subjektiv zum Ergebnis, dass der Arbeitnehmer aus irgendeinem Grund, die an ihn gestellten Anforderungen nicht erfüllen kann, soll er sich vom Arbeitsverhältnis wieder lösen können. Aus praktischer Sicht ist dem Arbeitgeber zu raten, sich auf subjektive Werturteile der Vorgesetzten zu beziehen, um nicht in die Gefahr zu geraten, über das tatsächliche Vorliegen von objektiven Tatsachen streiten zu müssen. Boris Behringer
Stichtagsregelung Arbeitnehmer können Anspruch auf eine gezwölftelte Jahressonderzahlung haben, selbst wenn der Anspruch eigentlich ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Stichtag voraussetzt und der Arbeitnehmer vor diesem ausscheidet. Dies gilt nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom November immer dann, wenn eine Jahressonderzahlung nicht ausschließlich Entgelt für Betriebstreue darstellt. Im zugrunde liegenden Fall erhielten die Arbeitnehmer nach den Richtlinien der Firma eine Sonderzahlung in Höhe eines Bruttomonatsgehalts, soweit das Arbeitsverhältnis zum Stichtag 31. Dezember eines jeweiligen Jahres ungekündigt bestand. Arbeitnehmer, die erst im Laufe des Jahres eintraten oder eine unbezahlte Arbeitsbefreiung aufwiesen, erhielten die Jahres-
sonderzahlung entsprechend gezwölftelt. Damit stufte das Gericht die Sonderzahlung nicht mehr als ausschließliche Leistung für Betriebstreue, sondern auch als eine Gegenleistung für schon erbrachte Arbeitsleistung ein. Ein bereits verdientes Entgelt könne aber nicht noch zusätzlich einer Stichtagsklausel unterliegen. Entgegen der Vorinstanzen entschied das BAG deshalb, dass die Stichtagsregelung unangemessen und damit unwirksam sei. Es ist darauf hinzuweisen, dass das Urteil nur Regelungen auf rein arbeitsvertraglicher Ebene betrifft. Stichtagsregelungen in Tarifverträgen – wie insbesondere im Tarifvertrag über Jahressonderzahlungen der Textil- und Bekleidungsindustrie – sind von der Rechtsprechung nicht betroffen. Kai-Uwe Götz
Aktuelle Steuer-Nachrichten Überlässt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer mehr als ein Kraftfahrzeug zur privaten Nutzung, so ist der geldwerte Vorteil nach Auffassung des VI. Senats des Bundesfinanzhofs für jedes Fahrzeug nach der 1-Prozent-Regelung zu berechnen. Außerdem enthalten die Steuernachrichten auch eine Anpassung des Umsatzsteueranwendererlasses durch das Bundesfinanzministeriums aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Mit Urteil aus dem letzten Jahr, hat der EuGH u.a. entschieden, dass die Steuerbefreiung für die Vermietung und Verpachtung von Grundstücken auch die Verpachtung eines Hausboots sowie der dazugehörenden Liegefläche und Steganlage umfasst. Dazu muss das Hausboot mit einer nicht leicht zu lösenden Befestigung, die am Ufer oder auf dem Grund eines Gewässers angebracht ist, ortsfest gehalten werden. Außerdem muss das Hausboot an einem für die Dauer des Pachtvertrages abgegrenzten und identifizierbaren Liegeplatz im Gewässer liegen. Diese Verpachtung stellt nach Ansicht des EuGH insgesamt eine einheitliche steuerfreie Leistung dar. Die aktuelle Ausgabe der Steuernachrichten kann als pdf-Datei im Mitgliederbereich von Südwesttextil heruntergeladen werden.
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SÜDWESTTEXT
Markenschutz für Textilien Schäden durch Produktpiraterie sind längst ein weltweites und volkswirtschaftliches Problem. Allein in Deutschland haben die wirtschaftlichen Einbußen durch gefälschte Produkte laut VDMAStudie von 2012 einen Wert von 7,9 Mrd. Euro. Die jüngste Zollstatistik der EU-Kommission weist für die Sparten ‚Bekleidung / Accessoires‘ und ‚Sonstige Textilien‘ zusammen einen Schaden von mehr als 170 Mio. Euro für Markenfälschungen aus. Bei den Herkunftsländern textiler Fälschungen führt China mit 80 Prozent der Waren, gefolgt von der Türkei mit 6 Prozent. Dass der textile Bereich so stark betroffen ist, liegt auch daran, dass es bisher keine brauchbaren Verfahren gibt, die den Markenschutz technisch gewährleisten. Die Notwendigkeit solcher Schutzmechanismen erschließt sich nicht nur aus den genannten wirtschaftlichen Nachteilen, sondern auch aus Sicherheitsaspekten: Sicherheitsrelevante Produkte, oft aus technischen Textilien hergestellt, können bei Verwendung minderwertiger gefälschter Ware ein hohes Risiko für den Verbraucher darstellen. Und nicht zuletzt kann solch minderwertige Ware zu einem, wenn auch unberechtigten, Imageverlust des Herstellers führen. Vor diesem Hintergrund besteht unter den etablierten Firmen des Textilbereiches großes Interesse an der Entwicklung eines Verfahrens zur Markierung von textilen Materialien hinsichtlich eines sicheren Markenschutzes.
Hier schließt ein aktuelles Forschungsvorhaben des Instituts für Textilchemie und Chemiefasern (ITCF) in Denkendorf und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart an. Gemeinschaft-
Termine
und Sicherheit sowohl für Bekleidungstextilien als auch Technische Textilien in einem Druckvorgang in bester Qualität herstellen. Nutzen ist aber auch in anderen Bereichen wie der Automobilindustrie zu sehen, zum Beispiel bei
Messanordnung IR-Lampe und Kamera Foto: ITCF Denkendorf
lich werden transparente Markierungstinten entwickelt, die mittels des Inkjet-Verfahrens zur großflächigen Sicherheitsmarkierung auf textilen Substraten verwendet werden. Der für das bloße Auge nicht sichtbare Sicherheitscode kann mittels Infrarotlicht unter Verwendung eines abgestimmten Infrarotsensors detektiert und in eine sichtbare Sicherheitscodierung umgewandelt werden. Die neuen Sicherheitstinten können mit dekorativen InkjetTextilfarben kombiniert und auf verschiedenen Inkjet-Druckern führender Hersteller verwendet werden. So lassen sich Design
der unsichtbaren Markierung von Sicherheits- und/oder qualitätsrelevanten Zulieferteilen wie Sicherheitsgurten oder Kunststoffanbauteilen. In der Praxis wird letztlich die einfache Handhabung des Messverfahrens in der routinemäßigen Anwendung von Bedeutung sein. Wenn das neue Verfahren z.B. den Zollstellen ermöglicht, verdächtiges Material zuverlässig mit einem einfachen Infrarotsensor auf seine Echtheit überprüfen zu können, dann wird sich diesem Verfahren ein breiter Markt erschließen. ITCF Denkendorf
Kümpers neuer Vorsitzender des FKT Textilforschung mit neuem Kuratoriumsvorsitzenden
Das Forschungskuratorium Textil (FKT) hat mit Franz-Jürgen Kümpers einen neuen Vorsitzenden.
Der 54-jährige Geschäftsführer der SGL Kümpers GmbH & Co. KG aus Rheine folgt auf Klaus Huneke. In seiner neuen Funktion als Vorsitzender des Dachverbandes der 16 deutschen Textilforschungsinstitute will sich der Maschinenbauingenieur für einen schnelleren Ergebnistransfer der Forschungslösungen in die mittelständische Wirtschaft einsetzen. Huneke hatte sich in den vergangenen sechs Jahren mit Blick auf Forschungsthemen u.a. für ein
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neues Auswahlverfahren stark gemacht, das die Rolle der mittelständischen Industrie betont und die Ergebnisorientierung der Projekte verbessert. Im FKT sind der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie sowie dessen Fach- und Landesverbände zur Förderung und Koordinierung von Gemeinschaftsforschungsprojekten zusammengeschlossen. Forschungskuratorium Textil
Cross Culture Branding #4 Das Design Center Stuttgart veranstaltet am 13. März 2014 im Haus der Wirtschaft Stuttgart die vierte Konferenz zur Design und Markenkommunikation für internationale Märkte „Cross Culture Branding“. Brasilien, Russland, Indien und China gehören zu den Wachstumsmärkten für deutsche Marken. Was diese Märkte verbindet und wo ihre gravierendsten Unterschiede liegen steht im Fokus dieser Veranstaltung. Für kleine und mittelständische Unternehmen gilt es Strategien zu entwickeln zur Markt- und Kundenanalyse, zur Designentwicklung und Preisakzeptanz, die auf den einzelnen Märkten gezielt umgesetzt werden können. Erfahrene Experten – aus Marketing, Produktdesign und Markenkommunikation – geben Einblicke in den Alltag des globalen Geschäfts. Programm und Anmeldung unter www.design-center.de. Beruf und Pflege BW Das Kompetenzzentrum Beruf & Familie Baden-Württemberg der FamilienForschung Baden-Württemberg veranstaltet im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg am 20. Januar 2014 die große Auftaktund Netzwerkveranstaltung „Beruf und Pflege Baden-Württemberg“ im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Arbeitgebern sollen hier Wege aufgezeigt werden, wie sie ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unterstützen können. Gleichzeitig bekommen sie Einblick in die Infrastruktur und bestehenden Angebote im Bereich der Pflege2. Erstmals kommen gezielt Arbeitgeber mit Akteuren aus dem Pflegebereich zusammen, um sich besser zu vernetzen und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln.Näheres unter www. kompetenzzentrum-bw.de. Internationale Baumwolltagung Die 32. Internationale Baumwolltagung findet vom 19. bis zum 21. März 2014 im Bremer Rathaus statt. Experten aus aller Welt stellen aktuelle Trends und Forschungsergebnisse vor. Mehr unter www.baumwollboerse.de.
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Technik + Umwelt 11
SÜDWESTTEXT
Energieeffizienz in der Textilindustrie Seminar präsentierte innovative Lösungen zum optimierten Energieeinsatz Die Optimierung und Einsparung von Energie ist für Unternehmen ein entscheidender Kostenfaktor. Dies zeigte das Seminar „Energieeffizienz in der Textilindustrie“, veranstaltet vom Institut für Textilund Verfahrenstechnik im Rahmen des EU-Projekt OPTIMES in Zusammenarbeit mit dem SteinbeisEuropa-Zentrum, Gesamtmasche und Südwesttextil Ende November in Denkendorf. Praxisbeispiele aus der Textilindustrie und innovative Lösungen aus dem Textilmaschinenbau zeigten, wo und wie der Energieeinsatz optimiert und damit einhergehend die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden kann. Beat Stoll von der Luwa AG stellte verschiedene Systeme zur Wärmerückgewinnung vor, die sich beispielsweise bereits nach einem Jahr amortisieren. Auch mit Systemen zur Abluftreinigung ließen sich gute Ergebnisse erzielen, so der Experte. Eine weitere Variante zum effizienteren Einsatz von Energie
Dr. Jamal Sarsour vom ITV Denkendorf erklärte die Technik des Eisbärhauses.
präsentierte Dr. Ralf Pleva von der Pleva GmbH den Teilnehmern. Der Einsatz von Sensoren und Messsystemen ermögliche bei höchster Qualität, die Energiekosten so gering wie möglich zu halten. Das präzise Überwachen und Regeln von Trocknungs- und Fixierprozessen sei eine Möglichkeit. Die im Trockner eingebauten Warentemperatursensoren würden dabei den Aufheizprozess der Ware berührungslos überwachen. Sie seien
erforderlich für die Verweilzeitregelung bei Fixierprozessen. Mit Luftfeuchtesensoren würde die Abluftmenge geregelt, mit einem Restfeuchtesensor die Trocknung kontrolliert und die Maschinengeschwindigkeit gesteuert. Alle Systeme würden dazu beitragen, die Energiekosten maßgeblich zu senken. Der Schaumauftrag in der Textilveredlung führt ebenfalls zu Energieeinsparung sowie zur Einspa-
rung von Chemikalien. Dies zeigte Albrecht Gebhard von der spgprints Stock Prints BV in seinem Vortrag. Das Wissen um etwaige Fördermöglichkeiten war ein weiterer Baustein des Seminars. Dr. Christian Kühne vom baden-württembergischen Umweltministerium erläuterte das Förderprogramm ReTech BW, das zur Finanzierung energieeffizienzsteigernder Maßnahmen zum Einsatz kommen könnte. Gefördert würden investive Maßnahmen im Unternehmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Das Programm läuft bis zum 31. März 2014. Unternehmen erhalten einen Zuschuss von 50 Prozent bis maximal 50 000 Euro. Es erfolgt keine KMU-Prüfung. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite der Landesagentur Umwelttechnik BW www.umwelttechnik-bw.de/retechbw.html. Christine Schneider
Wer liefert was?
Umweltpreis für Unternehmen 2014
Aktuell beteiligen sich rund 10 000 Unternehmen aus über 90 Ländern und auf allen Stufen der textilen Wertschöpfungskette an der Produktzertifizierung nach Oeko-Tex Standard 100. Produktionsbetrieben, Beschaffungsorganisationen und dem Handel steht bei der Suche nach geeigneten Lieferanten somit ein dichtes Netzwerk an Herstellern rund um den Globus zur Verfügung, die hochwertige Textilien in allen nur denkbaren Qualitäten für unterschiedlichste Einsatzbereiche anbieten – mit dem Zusatznutzen, dass diese Foto: Oeko-Tex nachweislich unbedenklich sind. Mit Hilfe des „Oeko-Tex Einkaufsführers“ unter der Adresse www.oeko-tex.com/produkte können interessierte Unternehmen direkt und kostenfrei auf dieses internationale Firmennetzwerk zugreifen – in Form einer interaktiven Datenbank mit verschiedensten Suchfiltern. Zu den verfügbaren Selektionsmöglichkeiten gehören z. B. die Art der Zertifizierung, die Produktklasse sowie eine Suche nach Weltregionen. Darüber hinaus kann man gezielt nach einzelnen Produktstufen und gewünschten Produktmaterialien suchen. Abhängig von diesen primären Suchkriterien lässt sich die Auswahl durch zusätzliche Filter verfeinern.
Immer mehr Unternehmen in Baden-Württemberg setzen auf betrieblichen Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften und sind so Vorbilder für die Wirtschaft und die Bürger im Land. Diese vorbildlichen Firmen sollen 2014 zum 16. Mal mit dem Umweltpreis ausgezeichnet werden. Bei der Vergabe des Preises steht im Vordergrund, dass das Unternehmen unter den Gesichtspunkten des Umwelt- und Klimaschutzes, der Ressourcenschonung sowie der Energieeffizienz als vorbildlich und wegweisend eingestuft werden kann. Vergeben wird der Umweltpreis 2014 in den Kategorien: • Handel und Dienstleistung • Handwerk • Industrieunternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern sowie • Industrieunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern Zusätzlich wird in diesem Jahr wieder ein Jurypreis „Energieexzellenz“ verliehen, der für ein Unternehmen bestimmt ist, das in besonders vorbildlicher Weise zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Energiesparen beiträgt sowie Energie aus regenerativen Quellen gewinnt. Die Bewerbungsunterlagen gibt es zum Download unter www. umweltpreis.baden-wuerttemberg.de. Bewerbungsschluss ist der 14. März 2014.
12 Zu guter Letzt
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Fröhliche Weihnachten Südwesttextil wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches Jahr 2014.
Zitat
»Was im Leben zählt, ist nicht, dass wir gelebt haben, sondern, wie wir das Leben von anderen verändert haben.« Nelson Mandela (*18. Juli 1918; ges. 5. Dezember 2013), ehemaliger Präsident der Republik Südafrika und führender südafrikanischer Anti-Apartheid-Kämpfer
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