SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie Herausgegeben von Südwesttextil
www.suedwesttextil.de
Dezember 2012 | Nr. 63
Themen Verband + Industrie
Go Textile! bewegt Seite 5 Bildung + Soziales
Studienbesuch in Lyon Seite 6
Im Gespräch mit der ILO
Recht + Steuern
Die Tücken des Fehlzeitenmanagements
Frischer Wind in Genf
Seite 8
Seite 3
„Lasst uns Luft zum Atmen“ Industrie im Land mahnt Grün-Rot vor Steuererhöhungen
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„Der Haushalt muss zuerst über die Ausgabenseite konsolidiert werden.“ Mit diesem Plädoyer
für größere Sparanstrengungen mahnte Dr. Hans-Eberhard Koch, Präsident des Landesverbands der baden-württembergischen Industrie (LVI) am 10. Dezember Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD). Auf der Mitgliederversammlung des Verbandes in Stuttgart meinte Koch, es sei wohlfeil, über immer neue und ertragreichere Einnahmequellen nachzudenken, weil man die Mühsal des Sparens scheue – noch dazu vor dem Hintergrund immer neu-
er Rekordeinnahmen. Politische Überlegungen zu Vermögensabgaben und Vermögenssteuern oder höhere Einkommensteuern seien nicht nur kontraproduktiv, sondern bedrohten den Fortbestand des baden-württembergischen Mittelstands und seiner Familienunternehmen in seiner jetzigen Form. Der Industrie-Präsident regte einen Steuergipfel im Land an, weil er fürchtet, dass das Versprechen der Regierung, Betriebsvermögen zu Fortsetzung Seite 2
Energiewende effizient und wirtschaftlich weiterführen Baden-Württembergs Umweltminister Franz Unter- tilindustrie wie auch andere bedeutende Wirtschaftssteller spricht sich für eine Revision des Erneuerbare- zweige in der Bundesrepublik in einem intensiven und Energien-Gesetzes (EEG ) aus. In einem Antwort- harten internationalen Wettbewerb stehen. „Es ist mir schreiben an den Gesamtverband textil+mode weist darüber hinaus auch bewusst, dass für einige dieser er darauf hin, dass mit zuIndustriezweige die Energienehmendem Anteil der er»Die Verteilung der Kosten und Stromkosten einen sehr neuerbaren Energieträger an bedeutenden Kostenfaktor muss gerechter werden.« darstellen und hier weitere der Energieversorgung auch Franz Untersteller Umweltminister Baden-Württemberg dieses „bewährte FörderinsSteigerungen nicht oder nur trument einer grundsätzschwer verkraftbar sind“, so lichen Überprüfung und Anpassung“ unterzogen wer- der Grünen-Minister. Aus diesem Grund sollten die den müsse. Der Fördermechanismus sei zwar „bisher Befreiungsmöglichkeiten von der EEG-Umlage keisehr erfolgreich“ gewesen, doch dürfe das EEG nicht nesfalls generell gestrichen oder reduziert werden. „unbesehen und unbegrenzt“ fortgeführt werden. Eine strengere Prüfung sei aber dringend nötig. Untersteller ist sich bewusst, dass die deutsche Tex- Markus H. Ostrop
Aktuelle Steuer-Nachrichten Seite 9
Zahl des Monats „Wir stehen zu „Stuttgart 21“, wir werden diesen Bahnhof bauen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutsch Bahn AG, Rüdiger Grube im F.A.Z.-Interview. Die Stuttgarter Bürger sehen das genauso. Doch wie sehen es die Mayas? Laut ihrem Kalender ist es am 21. Dezember 2012 mit allem vorbei. Nun stellt sich die Frage: Wer behält Recht? Lassen wir uns überraschen.
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Aktuell Bekleidung und Schuhe haben sich im November überdurchschnittlich verteuert. Während sich die allgemeine Teuerungsrate auf 1,9 Prozent leicht abgeschwächt hat, stiegen die Preise für Bekleidung im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent, für Schuhe um 2,2 Prozent. Im Vergleich zu Oktober verbilligten sich Bekleidung und Schuhe hingegen um 0,3 bzw. 0,5 Prozent. Den leichten Rückgang der Inflationsrate erklärt das Statistische Bundesamt vor allem mit der Preisentwicklung für Energie. Zunehmend werde die Teuerungsrate durch den Preisanstieg für Nahrungsmittel bestimmt. Sie erhöhten sich binnen Jahresfrist um 4,2 Prozent.
2 Verband + Industrie
Südwesttext
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Fortsetzung von Seite 1
„Lasst uns Luft zum Atmen“ schonen, nicht eingehalten werden könne. Die Industrie bilde das wirtschaftliche Fundament in Baden-Württemberg. Umso wichtiger sei es, „dem Zugpferd Industrie die Luft zum Atmen zu lassen.“ Minister Schmid zeigte sich gesprächsbereit. „Ich will die Steuerpolitik im Dialog mit der Wirtschaft gestalten“, sagte er. Allerdings verwies er darauf, dass der Landeshaushalt nicht nur über Ausgabenkürzungen, sondern gleichzeitig durch höhere Einnahmen konsolidiert werden müsse. Als Beispiel nannte er die künftige Ausgestaltung der Substanzbesteuerung bei Vermögen- oder Erbschaftsteuer.
In Kürze Förderprogramm sozialer Arbeitsmarkt / Passiv-Aktiv-Transfer Die Landesregierung hat das Arbeitsmarktprogramm „Gute und sichere Arbeit“ auf den Weg gebracht. Ein wesentlicher Baustein dieses Programms ist die Eingliederung von langzeitarbeitslosen Menschen mit „multiplen Vermittlungshemmnissen“ in den ersten Arbeitsmarkt. Dabei sollen passive Leistungen in Form von Regelbedarfen und Unterkunftskosten zugunsten von Beschäftigung aktiviert und Arbeitgeber unterstützt werden, die Betroffenen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglichen. Unternehmen, die sich am Passiv-Aktiv-Transfer beteiligen, erhalten einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt von bis zu 75 Prozent (Minderleistungsausgleich §16e SGB II). Zudem erhalten sie eine monatliche Förderprämie von 400 Euro, die sich aus den ersparten Kosten zur Unterkunft (§22 SGB II) der Jobcenter ergeben. Weiterhin stellt das Land gemeinsam mit den Stadt- und Landkreisen eine sozialpädagogische Fachkraft zur Verfügung, die zur Betreuung und Beratung der Beschäftigten und als Ansprechpartner für die Unternehmen dient. Weitere Informationen zum Förderprogramm finden sich unter www. suedwesttextil.de oder auf der Homepage des Sozialministeriums unter www.sozialministerium-bw.de.
Markus H. Ostrop
textil+mode lädt in Deutsche Bank Südwesttextilpräsident Georg Saint-Denis ins Vizepräsidium kooptiert Am 4. und 5. Dezember hatte t+m zur Mitgliederversammlung in die Deutsche Bank nach Berlin eingeladen. Als Hausherr begrüßte Thomas Buschmann, Geschäftsleiter Deutsche Bank Düsseldorf, die Anwesenden, bevor er das Wort an t+m-Präsident Peter Schwartze übergab. Er gratulierte t+m Vizepräsidentin Ingeborg Neumann, die kurz zuvor zur Schatzmeisterin und Vizepräsidentin des BDI gewählt worden war. Gastredner des Abends war BDI-Präsident Hans-Peter Keitel. Er griff in seiner Rede die beiden zentralen Themen Eurokrise und Energiewende auf. Bei der am nächsten Tag stattfindenden Mitgliederversammlung begrüßte Schwartze zunächst den neuen Südwesttexil-Präsidenten, Georg Saint-Denis, im Vizepräsidium des Gesamtverbandes textil+mode. Dem sich aus den Gremien zurückziehenden ehemaligen Präsidenten von Südwesttextil, Armin Knauer, dankte er für sein Engagement. Anschließend erläuter te Schwartze einige Themen, die 2012 im Mittelpunkt der Arbeit des Gesamtverbandes textil+mode
Gäste bei t+m: Hans-Peter Keitel und Prof. Michael Hüther
standen. Unter anderem betonte er die Relevanz der Erschließung ausländischer Märkte für die Textil- und Bekleidungsbranche. Dabei hob er besonders die erfolgreichen Markterkundungsreisen nach Seoul, Brasilien und USA hervor, die er mit t+m im vergangenen Jahr durchgeführt hatte. Auch die High-Tex from Germany, an der in Moskau mehr als 60 deutsche Aussteller teilgenommen hatten, sei ein hervorragender Türöffner gewesen. Schwartze berichtete außerdem über die Erfolge des Gesamtverbandes textil+mode hinsichtlich einer Änderung des EEG. Durch z. B. die von t+m initiierten Klagen
dreier Textilunternehmen, Pressekonferenzen sowie die Veröffentlichung einer beim Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Auftrag gegebenen Studie zu alternativen Finanzierungsmethoden für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, hat sich die Branche ein erhebliches Gehör in Politik und Medien verschafft. Den guten Kontakt nutzend, hatte t+m Prof. Michael Hüther, Direktor des IW Köln, zum Vortrag eingeladen. Er referierte vor der Mitgliederversammlung zum Thema „Konjunktur im Zeichen der Eurokrise – Perspektiven für das Industrieland Deutschland“. Gesamtverband t+m
Die Mitgliederversammlung des BDI wählte Ende November Ingeborg Neumann einstimmig in den Kreis der Vizepräsidenten und zur Schatzmeisterin. Bereits seit mehreren Jahren ist die Vizepräsidentin des Gesamtverbandes textil+mode Mitglied des BDIPräsidiums und des Vorstandes des BDI-Mittelstandsausschusses und vertritt hier die Interessen der deutschen Textil- und Modeindustrie. Neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit als Inhaberin und Geschäftsführende Gesellschafterin der Peppermint Holding GmbH in Berlin, ist sie außerdem im Aufsichtsrat mehrerer Unternehmen. Die Gruschwitz Gruppe aus Leutkirch im Allgäu, einer der europaweit führenden Hersteller von technischen Zwirnen und Garnen, gehört einer aktuellen Untersuchung der Munich Strategy Group (MSG) zufolge zu den 100 wachstumsstärksten und profitabelsten Mittelständlern Deutschlands. „Wir haben die Leistungsfähigkeit der 2 000 Unternehmen, die an der Untersuchung teilgenommen haben, nach ihrer durchschnittlichen Ertragsquote und nach ihrem Umsatzwachstum in den Jahren 2006 bis 2011 beurteilt“, sagt MSG-Geschäftsführer Sebastian Theopold. „Gruschwitz konnte sich dabei wie bereits 2011 mit nachhaltigem Wachstum bei stabilen Erträgen erneut platzieren.“ Das Unternehmen verbesserte sich sogar um 16 Plätze und erreichte Platz 66. Der Oerlikon Konzern verkauft sein Naturfaser- und Textilkomponentengeschäft an die chinesische Jinsheng Gruppe. „Die Transaktion stellt einen weiteren Meilenstein zu einem balancierten Portfolio dar. Sie reduziert deutlich unsere Abhängigkeit von der Textilindustrie, erlaubt die Konzentration auf das margenstarke, weniger zyklische Chemiefasergeschäft und schafft nachhaltige Vorteile für unsere Aktionäre, Kunden sowie Mitarbeiter“, erklärte Oerlikon CEO Michael Buscher. Der Verkauf basiert auf einem Unternehmenswert von rund CHF 650 Mio. und wird im dritten Quartal 2013 abgeschlossen sein.
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Verband + Industrie 3
Frischer Wind in Genf
Arbeitgeber-Landesvereinigung diskutiert mit dem charismatischen ILO-Generaldirektor Guy Ryder Auch in Europa sind die Arbeitsbedingungen nach Ansicht von Guy Ryder, dem neuen Generaldirektor der International Labor Organisation (ILO), nicht in Ordnung. So gäbe es in Griechenland keinen Dialog zwischen den Tarifparteien mehr und in Spanien liege die Jugendarbeitslosigkeit über 50 Prozent. Mit diesen Zuständen will sich der seit 1. Oktober amtierende charismatische Brite nicht abfinden. Deshalb sieht er auch Westeuropa als ein wichtiges Betätigungsfeld der von ihm geleiteten Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Im Gespräch mit der Arbeitgeber-Landesvereinigung BadenWürttemberg Ende November in Genf machte Ryder deutlich, dass er die Aufgabe der ILO künftig nicht nur darin sehe, internationale Arbeitsstandards zu entwickeln, die es als Konventionen oder Empfehlungen nur schwer hätten, Wirkung zu entfalten. Vielmehr wolle er konkret daran mitwirken, dass Unternehmen und Regierungen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen sorgten. Südwesttextil-Vizepräsidentin Donata Apelt-Ihling ermunterte den Generaldirektor, sein Augenmerk vor allem auf die Arbeitsbedingungen in unterentwickelten Ländern zu richten. Unter Hinweis auf das jüngste Unglück in einer Textilfabrik in Dhaka machte sie deutlich, dass „Belgien nicht Bangladesch“ sei und deshalb vordringlich die Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land verbessert werden müssten. Redegewandt und durchaus überzeugend nahm der 56-jährige ehemalige Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes den Ball auf und
Die Arbeitgeber-Landesvereinigung Baden-Württemberg zu Besuch in Genf.
verwies darauf, dass die von der ILO propagierten Arbeitsstandards universal seien und gleichermaßen von entwickelten und unterentwickelten Ländern eingehalten werden könnten. Er forderte von den Arbeitgebern, sich offensiver in die Arbeit der ILO einzubringen. „Wir müssen von der Wirtschaft lernen“, räumte Guy Ryder ein, dazu müsse sich seine Arbeitsorganisation stärker mit den Unternehmern verbinden. Deshalb dürften diese nicht länger „wie 10 Torhüter mit nur einem Feldspieler“ auflaufen, sondern sollten sich gemeinsam mit ihm für internationale Arbeitsstandards engagieren. Die deutschen Arbeitgeber, vertreten durch die BDA, beeinflussen die Arbeit der ILO durch ihre Mitarbeit im Verwaltungsrat und bei der jährlich stattfindenden internationalen Arbeitskonferenz. Allerdings hat die Organisation in der Vergangenheit immer neue
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie wurde im Jahr 1919 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Genf. Die ILO verfügt über eine dreigliedrige Struktur, die im UN-System einzigartig ist: Die 185 Mitgliedsstaaten sind durch Repräsentanten sowohl von Regierungen, als auch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Organen der ILO vertreten. Schwerpunkte der Arbeit der ILO sind die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen, insbesondere der Kernarbeitsnormen, die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit als einer zentralen Voraussetzung für die Armutsbekämpfung. www.ilo.org
Guy Ryder in Gesprächen mit Prof. Dr. Dieter Hundt, Donata Apelt-Ihling und Dr. Markus H. Ostrop.
nicht ratifizierte Übereinkommen produziert und damit aus Sicht der Arbeitgeber an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Dieses Defizit hat Generaldirektor Ryder im Gespräch mit den baden-württembergischen Arbeitgebern selbstkritisch eingeräumt. Die ILO wolle eine steuernde Rolle dabei spielen, dass alle gesellschaftlichen Akteure die soziale Dimension der Globalisierung bei ihren Aktivitäten
berücksichtigten und mitgestalten. Hierzu habe die Organisation aufgrund ihrer dreigliedrigen Struktur (Regierungen, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen haben Stimmrecht) die Möglichkeit, praxisnahe Politik zu entwickeln, die zur Schaffung von menschenwürdiger Arbeit vor Ort beitrage.
Markus H. Ostrop
4 Verband + Industrie
Südwesttext
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Von der Clusterinitiative bis zur EEG-Umlage Vorstandssitzung von Südwesttextil „Mittlerweile verfügt das Netzwerk der AFBW über 78 aktive Mitglieder“, berichtete Ulrike Möller, Netzwerkmanagerin der AFBW Ende November auf der Vorstandsitzung von Südwesttextil. Sie gab den Teilnehmern einen Überblick über die verschiedenen Bereiche wie z. B. Automotive, Luft- und Raumfahrt, Bau und Medizin, in denen zukünftig faserbasierte Werkstoffe eine große Rolle spielen werden. Besonders hob sie hervor, dass sich Baden-Württemberg im Bereich der Forschung sehr stark aufstelle. So gehöre Stuttgart zu den Gewinnern der Förderinitiative „Forschungscampus“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und werde in den nächsten 15 Jahren Fördermittel von bis zu zwei Mio. Euro pro Jahr erhalten. Zum anderen habe das Land selber mit der Leicht-
bau-Agentur ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, das ein Verbundforschungsprogramm Leichtbau beinhalte. Neben diesen zukünftigen Projekten präsentierte
Möller. Es sei beachtlich, was sie in diesen zwei Jahren auf die Beine gestellt habe. Als weiterer Gast stellte Textilund Sicherheitsingenieur Gerhard
Ulrike Möller und Gerhard Sperling waren die diesjährigen Gäste bei der Vorstandssitzung von Südwesttextil.
sie Aktuelles und den Veranstaltungskalender 2013. Südwesttextil-Präsident Georg Saint-Denis lobte das Engagement von Frau
Sperling vom Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie die Neuregelung des Ökosteuerspitzenausgleichs vor sowie den Stand
der EEG-Umlage. Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung verwies er auf ein Gutachten von Prof. Dr. Erdmann von der TU Berlin. Dieser sehe die Entwicklung der Umlage im Jahr 2020 bereits bei 8 Cent/kWh. Dabei machte er auf die Musterverfahren aufmerksam, die derzeit, mit Unterstützung vom Gesamtverband textil+mode von drei Textilunternehmen geführt werden. Bis jetzt sei erst in einem Verfahren eine erstinstanzliche negative Entscheidung ergangen. Es werde noch zwei bis drei Jahre dauern, bis sich das Bundesverfassungsgericht mit dem Sachverhalt befassen könne. Sperling empfahl den anwesenden Unternehmern, weiterhin die EEG-Umlage nur unter Vorbehalt zu zahlen. Weitere Punkte der Vorstandssitzung waren die Tarifeinigung sowie verschiedene Bildungsthemen. Simone Diebold
Bestnoten für Verbandsseminare Südwesttextil und Gesamtmasche haben im Jahr 2012 insgesamt 12 Seminare durchgeführt. In Summe wurden 364 Teilnehmer über ihre Zufriedenheit befragt. Die Rücklaufquote der Seminarbewertungen lag bei 66,2 Prozent.
Wie vermittelten die Referenten den Inhalt? (230 Rückmeldungen)
Wie bewerten Sie die Seminarunterlagen? (228 Rückmeldungen)
schlecht
schlecht
weniger gut
weniger gut
gut
gut
sehr anschaulich
sehr anschaulich 0%
20%
40%
60%
0%
Wurden Ihre Erwartungen erfüllt? (241 Rückmeldungen)
26
übertroffen
20%
40%
60%
199 erfüllt
Wie ist der Nutzen für die tägliche Praxis? (240 Rückmeldungen) 18%
Wie war der dargebotene Inhalt des Seminars? (240 Rückmeldungen) 4%
82%
zu gebrauchen zum Teil verwendbar nicht verwendbar
1%
16
95%
angemessen zu viel zu wenig
0
nicht erfüllt
zum Teil erfüllt
Südwesttext
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Verband + Industrie 5
Go Textile! bewegt Lebendiger Kurzfilm informiert über Ausbildungsberuf Produktveredler Textil
Bilder sagen mehr als tausend Worte. Deshalb möchte die Nachwuchskampagne Go Textile! die Ausbildungsberufe der Textil- und Bekleidungsindustrie mit lebendigen Kurzfilmen anschaulicher gestalten. Sie sollen die Jugendlichen
unterstützen, nach dem Schulabschluss die richtige Berufswahl zu treffen. Dazu geht ein Kamerateam in Unternehmen und filmt die Jugendlichen direkt an ihrem Arbeitsplatz. Diese beschreiben auf frische Art ihre Tätigkeiten und berichten
über ihre persönlichen Erfahrungen im Beruf. Die Filme werden mit dynamisch, frechen Kameraeinstellungen und Schnitten produziert, die Lust auf mehr machen. Der erste Dreh fand bei der van Clewe Textilveredlung in
HamminkelnDingden statt. Go Textile! interviewte Moritz, einen jungen angehenden Produktveredler Textil. In dem Clip schildert der Azubi motiviert und sehr realitätsnah die Vielseitigkeit seiner Ausbildung und ihrer Karrieremöglichkeiten. Zu sehen ist der Azubifilm auf dem YouTube-Kanal von Go Textile! unter www.youtube.com/ gotextile und unter www.go-textile.de. Ziel von Go Textile! ist es, im nächsten Jahr alle Berufe der Branche zu verfilmen. Hierzu ist die Nachwuchskampagne auf die Unterstützung und Mitwirkung der Unternehmen und Fortbildungsstätten angewiesen.
Simone Diebold
Margarete Steiff – Kunstmedaille für die Erfinderin Mit einem vierteiligen Medaillensatz aus Feingold, Feinsilber, Bronze und Kupfernickel wurde in diesem Jahr der Erfinderin des ersten Kuscheltieres für Kinder, Margarete Steiff, geehrt. Seit 2007 vergibt die Staatlichen Münzen Baden-Württemberg einmal pro Jahr diese hochwertige Medaille an einen würdigen Erfinder und Tüftler aus Baden-Württemberg.
Foto: Staatlichen Münzen Baden‐Württemberg
Die schon früh an Kinderlähmung erkrankte Margarete Steiff ließ sich trotz Schmerzen und Lähmung in der rechten Hand nicht davon abhalten, eine Nähmaschine zu bedienen und schloss im Alter von 17 Jahren eine Schneiderlehre ab. Mit der Gründung ihres Filzwarenkonfektionsgeschäfts 1877 setzte sie den Meilenstein für die Produktion kindgerechten Spielzeugs. Ihr erstes Filztier, das „Elefäntle“, war ursprünglich als Nadelkissen konzipiert. Der große Erfolg als Kinderspielzeug eröffnete jedoch neue Märkte. Folglich wurden weitere Tiere entworfen und produziert. Die Erfindung des ersten Plüschbären mit beweglichen Armen und Beinen ließ nicht lange auf sich warten. Margarete Steiffs unermüdlicher Erfindergeist und ihr Qualitätsbewusstsein prägten den Firmenleitsatz: „Für Kinder ist nur das Beste gut genug!“
Mit der Margarete Steiff Medaille reiht sich die weltbekannte Firmengründerin aus Giengen als erste Frau in die Kunstmedaillenserie, die sich bis dato aus den baden-württembergischen Berühmtheiten Artur Fischer (2007), Graf Ferdinand von Zeppelin (2008), Karl Maybach (2009), Karl Drais (2010) sowie Carl Benz und Gottlieb Daimler (2011) zusammenstellt.
6 Bildung + Soziales
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Studienbesuch in Lyon Im Februar haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Präsident der Region Rhône-Alpes, Jean-Jack Queryanne, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, in der sich die beiden Länder für eine Förderung der Mobilität von Auszubildenden einsetzen. Im November besuchte eine Delegation des Wirtschaftsministeriums die Region um Lyon, die sich zusammensetzte aus Vertretern der unterschiedlichen überbetrieblichen Ausbildungsstätten der Industrie sowie des Handwerks. Mit dabei war auch die Gatex – Gemeinschaftsausbildungsstätte Textil in Bad Säckingen. Besucht wurden unterschiedliche Centre de Formation d‘Apprentis (CFA) – das Pendant zu den Berufsschulen in Deutschland - um mögliche gemeinsame Mobilitätsprogramme zu entwickeln. In der Berufsbildung haben die Regionen auch inhaltlich seit 1983 ein Mitspracherecht, und hier hat sich die Region RhôneAlpes besonders stark engagiert. Da die in Frankreich sonst übliche Vollzeit-Berufsschule (lycée professionnel) die berufliche Eingliederung nach der Ausbildung
duale Ausbildung kann ebenfalls bis zu einem Bachelorabschluss führen. Dabei sind auf dem Weg der dualen Berufsausbildung folgende aufeinander aufbauende Qualifikationen erreichbar: die Berufsbefähigung (certificat d‘aptitude professionnelle), die berufliche Hochschulreife (baccalauréat professionnel), das Höhere Technikerdiplom (Brevet de technicien supérieur) und dann der Bachelorabschluss. Bei allen vier besichtigten CFA´s ist die sehr gute Ausstattung der Werkstätten aufgefallen. Deutlich wurde auch, dass Frankreich und die Regionen sehr viel Mittel in die duale Aus- und Weiterbildung investieren. Die meisten Berufsschulen werden ausgebaut und erweitert. Auffallend war auch die stärkere Modularisierung der Ausbildungsberufe. Dies zeigte sich beim
Die Delegation aus Baden-Württemberg schaute über den Tellerrand und informierte sich über die Berufsausbildung im Nachbarland Frankreich.
erschwert, unterhält die Region ein breit angelegtes Programm zur Förderung dualer Aus- und Weiterbildungsgänge für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren. Hier alterniert die zwei- bis dreijährige Lehrlingsausbildung in einem Betrieb mit dem Schulunterricht, der in einem Centre de Formation d‘Apprentis (CFA) stattfindet. Das erinnert an das in Deutschland vorherrschende duale System. Die
Besuch der überbetrieblichen Ausbildungsstätte der Möbelindustrie in Frankreich. Dort konnte ein ausgebildeter Klavierbauer bei den Azubis zum Möbelschreiner das Modul Oberflächenveredlung belegen und sich darin eine Zusatzqualifikation erwerben. Die finanziellen Mittel für die berufliche Bildung werden in Frankreich durch zwei Abgaben erzielt. Alle Unternehmen in
Frankreich und die Regionen investieren sehr viel Mittel in die duale Aus- und Weiterbildung, deshalb sind die Werkstätten allgemein sehr gut ausgestattet.
Frankreich, gleichgültig welchen Geschäftsgegenstand sie ausüben, sind der Ausbildungsabgabe unterworfen. Der Abgabensatz liegt bei 0,56 Prozent der gesamten Lohn- und Gehaltssumme. Diese Abgaben fließen zu etwa zwei Drittel in die Ausbildungszentren. Darüber hinaus haben alle Unternehmen auch eine Fortbildungsabgabe (participation – formation continue) zu entrichten.
Der Prozentsatz liegt bei 1,6 Prozent der Lohn- und Gehaltssumme. Dies entspricht etwa dem System des Tarifvertrags zur Aus- und Weiterbildung in der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie.
Christine Schneider
Bildung + Soziales 7
Südwesttext
Dezember 2012 I Nr. 63
Das neue Seminarprogramm der Gatex
G AT E X
Seminarkalender
Seminarprogramm
2013
Auch 2013 möchte die Gatex mit ihrem umfangreichen Aus- und Weiterbildungsangebot Auszubildende, Fachkräfte, Führungskräfte und den Führungsnachwuchs zum Lernen animieren.
Gestartet wird vom 4. bis 8. März mit dem stark nachgefragten Seminar „Textiles Grundwissen für Kaufleute bzw. Auszubildende“. Dieses 5-tägige Seminar richtet sich an Mitarbeiter in der Textil- und Bekleidungsindustrie, die nicht in der Produktion tätig sind, die aber für ihren Arbeitsbereich über ein textiles Grundwissen verfügen müssen. Und wer nach Abschluss dieses Kurses noch mehr wissen möchte, kann vom 19. bis 21. November das 3-tägige Aufbauseminar „Vertiefung Textiles Grundwissen“ besuchen. Darüberhinaus bietet die Gatex Workshops zum Thema „Textile Prüfungen“ und zur „Gewebeanalyse“ sowie englischsprachige Seminare zu Funktionseigenschaften von Faserstoffen und Darstellung der gesamten textilen Produktionsprozesse. Auch individuelle Firmenseminare mit dem Namen „iTex-Seminar“ können gebucht werden. Das Programm und der Seminarkalender 2013 stehen zum Download unter www.die-gatex.de.
2013
März Textiles Grundwissen für Kaufleute
Textiles Grundwissen für Auszubildende
Termin 4. – 8. März 2013
Termin 4. – 8. März 2013
Mai Textile Prüfungen
Verantwortung von Führungskräften – Haftung für Personal und Produktion
Termin 1. Modul 14. – 15. Mai 2013
Termin 14. Mai 2013
Juni
Juli
September
Textile Prüfungen
Textile Prüfungen
Termin 2. Modul 18. – 19. Juni 2013
Termin 3. Modul 17. – 18. Juli 2013
Textiles Grundwissen für Kaufleute und Auszubildende Termin 2. – 6. September 2013
Oktober Gewebeanalyse
Textiles Grundwissen für Kaufleute
Termin 8. – 9. Oktober 2013
Termin 21. – 25. Oktober 2013
November Workflow from Fiber to Garment
Faserstoffe
Vertiefung Textiles Grundwissen
Termin 5. November 2013 (in englischer Sprache)
Termin 6. November 2013 (in englischer Sprache)
Termin 19. – 21. November 2013
Dezember Faserstoffe Termin 4. Dezember 2013 (in deutscher Sprache)
Nähere Informationen zu den einzelnen Seminaren finden sich im Seminarprogramm oder auf
Auf Anfrage Fachwirt für die Textilund Bekleidungswirtschaft iTex-Seminar Industriemeister Textilwirtschaft
www.die-gatex.de
Gut ausgebildete Texillehrer gesucht Pädagogische Hochschule Freiburg untersucht die Lehrkräftesituation der Branche in Deutschland Für eine zukunftsfähige Ausbildung der Jugendlichen in den verschiedenen Berufsfeldern der Textil- und Modeindustrie wird eine entsprechende Anzahl gut ausgebildeter Lehrkräfte benötigt. Diese Notwendigkeit sowie die Tatsache, dass derzeit nur noch an einer Hochschule in Deutschland die berufliche Fachrichtung Textil- und Bekleidungstechnik für das Lehramt an berufsbildenden Schulen studiert werden kann, motivierte die Pädagogische Hochschule Freiburg eine Studie zur Erhebung des Lehrerbedarfs im Berufsfeld durchzuführen. Unterstützt wurde die Studie von Südwesttextil. Im März dieses Jahres startete Professorin Anne-Marie Grundmeier die Untersuchung mit 40 Interviews von Schul- und Abteilungsleitungen deutschlandweit, deren Ergebnisse jetzt vorliegen: Insgesamt besteht ein kleiner, kontinuierlicher Bedarf an Lehrkräften im Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung. An den Textilschulen werden Fachkräfte aus der textilen Welt mit pädagogischem Knowhow gesucht, die aufgrund des erwarteten Profils schwer zu finden sind. Der Personalbedarf an beruflichen Schulen mit Schwerpunkt „Modeberufe“ ergibt sich vor allem durch den nach wie vor
großen Schülerandrang. In den alten Bundesländern resultiert somit ein kontinuierlicher Lehrerbedarf, wenn auch auf geringerem Niveau. Es gibt auch im Textilsektor berufliche Bereiche, die einen Zuwachs haben wie z. B. Hersteller technischer Textilien, die am Standort Deutschland bleiben und somit Maschinen- und Anlagenführer Textil ausbilden.
Profunde wissenschaftliche Ausbildung fehlt Die ehemaligen Textil- und Bekleidungsstandorte in den neuen Bundesländern verzeichnen insgesamt einen starken Rückgang der Ausbildungszahlen. Grund hierfür sind die Schrumpfung der Textilindustrie und der demografische Wandel. In Sachsen sind derzeit etwa 60 Lehrstellen im Textilbereich unbesetzt Es gibt jedoch auch gegenläufige Entwicklungen wie beispielsweise in Thüringen. Es bleibt festzuhalten, dass im Bereich der Lehramtsbildung die Situation im Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung ungenügend ist, da der – wenn auch bundesweit geringe – Bedarf an Lehrkräften derzeit nicht über profund wissen-
schaftlich ausgebildetes Lehrpersonal abgedeckt werden kann. Dafür spricht bereits heute, dass etwa zwei Drittel der Lehrpersonen in diesem Berufsfeld keine umfassend ausgebildeten Lehrkräfte sind. Die Ingenieurausbildung mit didaktischer Zusatzqualifikation, so wie sie entsprechend dem Bedarf in den verschiedenen Bundesländern praktiziert wird, erlaubt keine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fachdidaktik in diesem Berufsfeld. Aus dem Strukturwandel und den diesbezüglichen Zielvorstellungen und Zukunftsstrategien der Textilund Bekleidungsbranche entstehen jedoch veränderte Qualifikationsanforderungen an Auszubildende und Beschäftigte, die in der Lehrerbildung, angefangen vom beruflichen Lehramtsstudium bis hin zur Weiterbildung von Lehrkräften in beruflichen Schulen, im Sinne eines lebenslangen Lernens verankert werden müssen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist offen, ob der einzige noch verbliebene Standort der Lehramtsausbildung seinen Output nach einer Umorientierung auf Bachelor- und Masterstrukturen in der Weise erhöhen kann, um die deutschlandweite Lehrernachfrage für das Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung mit seinen Schwerpunktsetzungen
Textil oder Mode befriedigen zu können. Die Studie kann unter www. suedwesttextil.de heruntergeladen werden. Christine Schneider
Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil.
Reisekosten 6. Februar 2013, Haus Steinheim Verkauf 2.0 – vom Produkterklärer zum Kundenversteher 19. bis 20 Februar 2013, Haus Steinheim Workshops leiten und moderieren 21. bis 22. Februar 2013, Haus Steinheim www.biwe-akademie.de
8 Recht + Steuern
Südwesttext
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Die Tücken des Fehlzeitenmanagements Personalleiterkreise bringen regen und fruchtbaren Austausch Eine überdurchschnittliche Fehlzeitenquote wird in Zeiten unsicherer wirtschaftlicher Entwicklungen schnell als vermeintlich unkompliziertes Einsparpotenzial identifiziert. Doch stellt der Umgang mit Fehlzeiten in Unternehmen höchst anspruchsvolle und komplexe Anforderungen an die Personalverantwortlichen. Vor allem gilt es zu bedenken, dass ein zu strikt ausgestaltetes Fehlzeitenmanagement demotivierend und damit kontraproduktiv auf Mitarbeiter wirkt, die sich mit ihrer Tätigkeit identifizieren. Einen äußerst fruchtbaren Austausch zu den Vor- und Nachteilen dieses komplexen Themas brachten die diesjährigen kleinen Personalleiterkreise unter der Anleitung der Verbandsjuristen von Südwesttextil. Im Ergebnis waren sich die teilnehmenden Personalverantwort-
Langfristig angelegtes Fehlzeitenmanagement erforderlich lichen einig: Eine nachhaltige Veränderung der Fehlzeitenquote kann nur über ein langfristig angelegtes Fehlzeitenmanagement erreicht werden. Um den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten und keine zusätzlichen Fallstricke für etwa notwendige krankheitsbedingte Kündigungen aufzubauen,
sei dabei eine klare und übersichtliche Struktur die oberste Prämisse. Besonders rege wurde an den drei Veranstaltungstagen die Frage diskutiert, ob ein schematisches Fehlzeitenmanagement unter zwingender Mitbestimmung des Betriebsrats oder doch eher die am Einzelfall ausgerichtete individuelle Reaktion auf Fehlzeiten, das Mittel der Wahl ist. Diese Frage kann nicht generell beantwortet werden. Es ist in jedem Betrieb anhand der Gegebenheiten, wie beispielsweise Größe der Belegschaft, Höhe der Fehlzeitenquote sowie unterschiedliche Struktur der Fehlzeitenbegründungen, zu ermitteln, ob die flexible Lösung im Einzelfall oder die festgelegte Struktur die besten Ergebnisse verspricht. Genügend Zündstoff für lebhafte Diskussionen unter den insgesamt knapp 50 Teilnehmern boten auch die weiteren Programmthemen, wie der Umgang mit Alkohol und Sucht im Betrieb sowie die aktuellen tariflichen Entwicklungen. Einen persönlichen Rahmen bekamen die Personalleiterkreise durch das große Engagement der drei gastgebenden Unternehmen, dem Berufsbekleidungsspezialisten Kübler in Plüderhausen, dem bedeutenden Stoffdruckunternehmen KBC in Lörrach sowie dem Hersteller von technischen Spezialtextilien Strähle + Hess in Alt-
Recht kompakt Teilzeitbeschäftigung – Urlaub Frage: Wie berechnet sich der Urlaub von teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmern? Antwort: Grundsätzlich wie bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern. Arbeiten teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer aber regelmäßig an weniger Arbeitstagen einer Woche als vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, so ist der Urlaubsanspruch im gleichen Verhältnis zu kürzen. Arbeiten Teilzeitbeschäftigte an einigen Tagen voll, an anderen Tagen nur halbtags, darf der Urlaub trotzdem nicht stundenweise berechnet werden. Begehrt ein Arbeitnehmer dann immer nur für seine „langen“ Tage Urlaub, kann der Arbeitgeber im Rahmen der Urlaubserteilung dringende betriebliche Belange entgegen halten. Die relevanten Gesetzestexte hierzu finden sich im Mitgliederbereich unter www.sudwesttextil.de
Gut besuchte Personalleiterkreise zu Gast bei P. H. Kübler Bekleidungswerke in Plüderhausen, KBC in Lörrach und Strähle + Hess in Althengstett.
hengstett. An allen drei Veranstaltungstagen wurden die jeweiligen Teilnehmer mit offenen Armen empfangen und die Programme durch spannende Betriebsführungen abgerundet. Wie in den letzten Jahren, zeigten auch diese von Südwesttextil organisierten Treffen, dass entgegen aller sonstigen schwarzseherischen Vorurteile, eine Viel-
zahl innovativer und zukunftsorientierter Unternehmen ein lebendiges Netzwerk gebildet haben. Die Unterlagen der Personalleiterkreise stehen im Mitgliederbereich unter www.suedwesttextil. de zum Abruf bereit.
Boris Behringer
Dezember 2012 I Nr. 63
Recht + Steuern 9
Südwesttext
Wer weniger schafft, braucht weniger Erholung EuGH ebnet Weg für Urlaubskürzung bei Kurzarbeit Mit Interesse wurde von den Südwesttextil-Mitgliedsfirmen ein neues Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 8. November aufgenommen. Darin stellt der EuGH fest, dass sich der bezahlte Jahresurlaub durch die Vereinbarung von Kurzarbeit verringern kann. Kurzarbeiter sind nach Ansicht des EuGH als „vorübergehend teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer“ anzusehen, da sich ihre
Arbeitnehmer der Arbeitsausfall vorhersehbar sei und er sich dann entweder ausruhen oder Freizeitaktivitäten nachgehen könne. Im
wird nun voraussichtlich die entsprechende Kürzung des jährlichen Urlaubsanspruchs bei Transferkurzarbeit bestätigen.
Urlaubsanspruch kann pro rata temporis angepasst werden Arbeitszeit verkürzt. Demzufolge könne auch der Urlaubsanspruch der Kurzarbeiter pro rata temporis angepasst werden, ohne dass dies gegen europäisches Recht verstoßen würde. Die Rechtsprechung des EuGH zu Urlaub und Erkrankungen stehe dem nicht entgegen. Bei Kurzarbeit sei es vielmehr so, dass für den jeweiligen
Der Jahresurlaub kann im gleichen Verhältnis wie die Reduzierung der Arbeitstage zur regelmäßigen Vollbeschäftigung gekürzt werden. Foto: © Creatix - Fotolia.com
zu entscheidenden Fall waren die Arbeitnehmer in einer Transfergesellschaft mit Kurzarbeit Null beschäftigt gewesen, in welcher keine Arbeitsleistung abgerufen wurde. Das Arbeitsgericht Passau
Da anderweitige deutsche Rechtsprechung zum Thema bislang nicht ergangen ist, betritt das Arbeitsgericht Passau hier Neuland. Die weitere Entwicklung der Rechtsprechung zum Thema bleibt
abzuwarten. In der Praxis könnte es auch bei konjunktureller Kurzarbeit zu Kürzungen kommen, soweit durch Kurzarbeit ganze Tage in einem größeren Umfang entfallen. Der Jahresurlaub kann dann im gleichen Verhältnis wie die Reduzierung der Arbeitstage zur regelmäßigen Vollbeschäftigung gekürzt werden. Arbeitet ein Arbeitnehmer also nur noch an vier fünftel der regelmäßigen Arbeitstage eines Vollzeitarbeitnehmers, besteht auch der Urlaubsanspruch nur in Höhe von vier fünftel. Bei sonst 30 Urlaubstagen im Jahr stehen ihm also nur noch 24 zu. Die Tarifverträge stehen einer solchen Kürzung nicht entgegen, da sie keine andere Regelung für teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter vorsehen. Bei der Einführung von Kurzarbeit Null über einen längeren Zeitraum ist eine gleichzeitige Regelung zur Urlaubskürzung zu empfehlen.
Kai-Uwe Götz
Neue Verdienstgrenze für Minijobs Zum 1. Januar 2013 tritt voraussichtlich eine Neuregelung für geringfügig Beschäftige in Kraft. Nachdem der Gesetzesentwurf bereits den Bundestag und den Bundesrat passiert hat, fehlt derzeit nur noch die Unterschrift des Bundespräsidenten.
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Zukünftig steigt die Verdienstgrenze von 400 Euro auf 450 Euro. Diese Anpassung der Verdienstgrenze war der Lohnentwicklung geschuldet. Schließlich wurde diese Grenze das letzte Mal im Jahre 2003 angepasst. Neben der Verdienstgrenze ändert sich auch der Status in der Rentenversicherung. Zukünftig sind Minijobber rentenversicherungspflichtig. Der
Arbeitgeber zahlt hierzu weiterhin den Pauschalbetrag in Höhe von 15 Prozent. Neu ist hingegen, dass der Arbeitnehmer ebenfalls einen Beitrag von 3,9 Prozent, also die Differenz zwischen Pauschalbeitrag und Regelbeitrag, tragen muss. Allerdings kann ein Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gestellt werden. Hierfür muss der Beschäftigte dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen, dass er die Befreiung von der Versicherungspflicht wünscht. Bisher konnte der geringfügig Beschäftigte diesen Betrag lediglich freiwillig aufstocken, indem er ausdrücklich auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet hat. Diese Neuregelung zur Rentenversicherungspflicht gilt allerdings nicht für die geringfügig Beschäftigen, die bereits vor dem 1. Januar 2013 in einem entsprechenden Beschäftigungsverhältnis standen. Für diese bleibt es zunächst bei der Altregelung. Ein Beitrag wird somit nur geschuldet, wenn auf die Ren-
tenversicherungsfreiheit verzichtet worden ist. Wird jedoch bei einem begonnenen Beschäftigungsverhältnis vor dem 1. Januar die neue Verdienstgrenze bis 450 Euro ausgeschöpft, dann gilt auch für diese Beschäf-
tigten die neue Rentenversicherungspflicht. Der Leitfaden der BDA „Änderungen für Mini- und Midijobs zum 1. Januar 2013“ kann unter www. suedwesttextil.de abgerufen werden. Nathan Binkowski
Aktuelle Steuer-Nachrichten Die Bundesregierung hat am 10. Oktober eine Verordnung zum Erlass und zur Änderung steuerlicher Verordnungen (sog. Mantelverordnung) beschlossen, mit der eine Reihe von bestehenden Verordnungen geändert und zwei Verordnungen neu erlassen bzw. neu gefasst werden. Ausführlich erläutert finden sich die einzelnen Regelungen in der Dezemberausgabe der Steuernachrichten. Außerdem wird auf Wegfall der getrennten Veranlagung und der besonderen Veranlagung ab dem VZ 2013 eingegangen. Durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 wurden die bislang sieben möglichen Veranlagungs- und Tarifvarianten für Eheleute auf vier reduziert. Ab dem VZ 2013 fallen die getrennte Veranlagung mit Grundtarif und die besondere Veranlagung mit Grundtarif oder Witwensplittung weg. Die aktuelle Ausgabe findet sich im geschlossenen Mitgliederbereich der Internetseite von Südwesttextil und kann dort als pdf-Datei heruntergeladen werden.
10 Technik + Umwelt
Südwesttext
Dezember 2012 I Nr. 63
Ökosteuerspitzenausgleich 2013
Termine
Unternehmen müssen Energiemanagementsystem einführen Ein Tag nach dem Energieseminar von Südwesttextil sind im Bundesgesetzblatt die Änderungen des Strom- und Energiesteuergesetzes erschienen, mit denen der Ökosteuerspitzenausgleich ab 2013 verlängert wird. Das Inkrafttreten ist für den 1. Januar geplant. Unternehmen sind künftig verpflichtet ein Energiemanagementsystem (EMS) einzuführen. Bei der Spitzenausgleichsregelung werden die Strom- und Energiesteuer nach §10 StromStG und §55 EnergieStG mit den Arbeitgeber-Beiträgen zur Rentenversicherung verrechnet. Der sinkende Beitrag zur Rentenversicherung (von 19,9 auf 18,9 Prozent) führt zu einer geringeren
Entlastung über den Ökospitzensteuerausgleich. Für die Rückerstattung der Steuer muss das Unternehmen in 2013 nachweisen können, dass es mit der Einführung eines EMS begonnen hat. Wichtig für die meisten Unternehmen ist die KMU-Regelung. Klein und mittlere Unternehmen benötigen kein zertifiziertes EMS im Gegensatz zu den großen. Neben den Ausführungen zur aktuellen Gesetzesänderung machte Jörg Scheyhing von der ECG, dem langjährigen Partner von Südwesttextil beim Strom- und Gaseinkaufsring, auch deutlich wie sich die Strompreise in den letzten Jahren entwickelt haben. Dabei zeigt
er, dass die Belastung nicht durch die „Ware Strom“ an sich zustande kam, sondern durch die zahlreichen Belastungen, die der Gesetzesgeber draufschlägt. Die neuste Abgabe wird die sogenannte Offshore-Haftungsumlage sein. Dr. Jürgen Seibold vom Zentrum für Management Research am DITF Denkendorf ging dann auf die Umsetzung eines Energieeffizenzsystems bei der Firma Marc Cain im Rahmen eines Europäischen Forschungsprojektes ein. Die Präsentationen, sowie weitere Unterlagen zu Energiemanagementsystemen finden sich im Mitgliederbereich von Südwesttextil. Christine Schneider
Stromkostenbestandteile 2013 (vorläufig)
Schwerpunkt Recycling Am 22. Januar findet am ITV Denkendorf die Sitzung der AFBW Arbeitsgruppe „Materialien, Garne, Textilien“ mit dem Schwerpunkt Recycling statt. Neue Hightech Materialien sind extrem leistungsfähig, aber auch kostenintensiv. Rohstoffe müssen daher effizienter genutzt und besser recycelt werden. Unter der fachlichen Leitung von HansDieter Meinert, Minda Schenk Plastic Solutions GmbH, und Dr. Markus Milwich, ITV Denkendorf, sollen die Problemstellungen isoliert und zu einem gemeinsamen Antrag für die kommende BMBF Ausschreibung innerhalb des „Forschungsprogramms zur Rohstoffgewinnung“ generiert werden. Mehrere Impulsvorträge bilden die Grundlage für die Diskussion. Anmeldung per E-Mail (ulrike.moeller@afbw.eu).
Stromkostenbestandteile 2013 (vorläufig)
Stromsteuer
2,05 ct/kWh (Regelsatz)
EEG-Umlage aktueller Strompreis ~ 15-20 ct/kWh (Industrie; ohne Steuerrückerstattungen)
jährlich neu veröffentlicht: 5,277 ct/kWh
Konzessionsabgabe
gesetzlich reguliert; 0,11 ct/kWh für Sondervertragskunden
KWKG-Umlage
jährlich neu veröffentlicht Verbrauch < 100.000 kWh: 0,126 ct/kWh; Verbrauch > 100.000 kWh/a: 0,06 ct/kWh
Offshore-Haftungsumlage
jährlich neu veröffentlicht Verbrauch bis 1 Mio. kWh/a: 0,25 ct/kWh; Verbrauch > 1 Mio. kWh: 0,05 ct/kWh
Umlage nach § 19 Abs. 2 StromNEV
jährlich neu veröffentlicht Verbrauch < 100.000 kWh: 0,329 ct/kWh; Verbrauch >100.000 kWh/a: 0,05 ct/kWh
Netznutzungsentgelt
gesetzlich reguliert und jährlich neu veröffentlicht abhängig von Netzebene, Abnahmestruktur und Verteilnetzbetreiber
Energiepreis
unterliegt Wettbewerb abhängig von Abnahmestruktur, Beschaffungszeitpunkt, Beschaffungsmodell, etc.
Sondertatbestände Stromkosten 2013 Sondertatbestände Stromkosten 2013
10
10.12.2012
Infoveranstaltung Spitzenausgleich, Energiemanagementsysteme
Stromsteuer
Teilweise Rückerstattung; produzierendes Gewerbe (§ 9b StromStG) Befreiung; bestimmte Prozesse und Verfahren (§ 9a StromStG) Teilweise Rückerstattung; Spitzenausgleich (§ 10 StromStG)
aktueller Strompreis ~ 15-20 ct/kWh (Industrie; ohne Steuerrückerstattungen)
EEG-Umlage
Härtefallregelung (§ 41 EEG); Stromkosten > 14% Bruttowertschöpfung, > 1 Mio. kWh Grünstromprivileg (§ 39 EEG)
Konzessionsabgabe
Befreiung; Strompreis < Grenzpreis (Veröffentlichung Stat. Bundesamt)
KWKG-Umlage
Härtefallregelung (> 100.000 kWh); Stromkosten > 4% Umsatz
Offshore-Haftungsumlage
Härtefallregelung (> 1 Mio. kWh); Stromkosten > 4% Umsatz
Umlage nach § 19 Abs. 2 StromNEV
Härtefallregelung (> 100.000 kWh); Stromkosten > 4% Umsatz
Netznutzungsentgelt
Singuläre Netznutzung (§ 19 Abs. 3 StromNEV) Intensive Netznutzung (§19 Abs. 2 Satz 2 StromNEV) Atypische Netznutzung (§19 Abs. 2 Satz 1 StromNEV)
Energiepreis
Quelle: ECG 11
10.12.2012
Infoveranstaltung Spitzenausgleich, Energiemanagementsysteme
Anwenderforum Smart Textiles Am 25. und 26. Februar 2013 organisiert das TITV Greiz, die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH Berlin und das Forschungskuratorium Textil e. V. in Leipzig das Anwenderforum „Smart Textiles“. Diese Veranstaltung bieten Wissenschaft und Wirtschaft die Möglichkeit, die erfolgreiche Umsetzung der Smart-Textiles-Entwicklungen und ihre Anwendungen zu diskutieren und weiter zu forcieren. Am 25. Februar besteht die Möglichkeit einer Werksführung im BMW Werk Leipzig. Weitere Informationen unter www.titv-greiz.de. 2. Fachkongress Composite Simulation Am 28. Februar 2013 veranstalten das Virtual Dimension Center Fellbach (VDC) und die Allianz Faserbasierte Werkstoffe BadenWürttemberg (AFBW) den 2. Fachkongress Composite Simulation (FCS) in der Schwabenlandhalle in Fellbach. Die Veranstaltung gibt erneut einen Einblick in die technologischen Herausforderungen und Methoden der Simulation von Faserverbundwerkstoffen. Experten aus Forschung und Praxis beantworten Fragen rund um die Themen Material-, Prozess und Struktursimulation sowie Crash. Programm und Anmeldung unter www.composite-simulation.de.
Südwesttext
Dezember 2012 I Nr. 63
Integrierte Umwelttechnik Kooperationsprojekt verbindet Ökologie und Ökonomie
Foto: © markus dehlzeit – Fotolia.com
Steigende Energie- und Rohstoffpreise und sich verschärfende Umweltrechtsanforderungen sind auch Risikofaktoren. Aber wie lassen sich Einsparpotenziale systematisch und mit wenig Aufwand identifizieren? Wie lassen sich diese Potenziale bestmöglich nutzen? Und wie lassen sich Erfolge und die Einhaltung von Umweltgesetzen auf Dauer sicherstellen? Mit dem Projekt ÖKOPROFIT (Ökologisches Projekt für integrierte Umwelttechnik) steht ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen, der örtlichen Wirtschaft und weiteren Partnern aus der jeweiligen Region zur Verfügung. ÖKOPROFIT ist ein seit Jahren erprobtes System, das die wirtschaftlichen Unternehmerinteressen mit dem Umweltschutzgedanken verbindet, denn: Was ökologisch sinnvoll ist, bringt meist auch ökonomische Vorteile.
Weitere positive Effekte sind die Erhöhung der Rechtssicherheit und des Arbeitsschutzes, die Verbesserung betrieblicher Abläufe und ein branchenübergreifender Erfahrungsaustausch. Gemeinsame Workshops, einzelbetriebliche Beratungen, Arbeitshefte und eine Prüfung mit Auszeichnung umfassen das Projekt. Betreut vom IWU-Privates Institut für Wirtschaft und Umwelt, analysieren die Betriebe verschiedenste umweltrelevante Themen. Hier geht es um Rohstoffe, Wasser, Energie und Beschaffung, Abfallund Emissionsminderung sowie rechtliche und betriebsorganisatorische Fragen. Teilnehmende Unternehmen können für die Teilnahme am ÖKOPROFIT bis zu 1 500 Euro Förderung erhalten. In den letzten Jahren haben in Süddeutschland über 90 Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen erfolgreich am ÖKOPROFIT teilgenommen. Aktuell sind in den IHK Regionen Ost-Württemberg, Ulm, Bodensee Oberschwaben und der Region Unterallgäu geplant. Weitere Informationen unter www.iwu-institut.de.
Simone Diebold
Technik + Umwelt 11
Investitionskredite für Energieeinsparmaßnahmen in Unternehmen Mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg erhalten zinsverbilligte Darlehen für betriebliche Investitionen, die einen deutlichen Energiespareffekt erzielen. Dabei erhalten kleine und mittlere Unternehmen eine höhere Zinsverbilligung. Die L-Bank und das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft verbilligen dazu die ohnehin günstigen Darlehen der KfW aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm. Die L-Bank fördert sämtliche Maßnahmen, die zu einer deutlich effizienteren Energieerzeugung oder Energieverwendung in Betrieben führen. Dies sind zum Beispiel Investitionen in Betriebsgebäude, Haus- und Energietechnik, Maschinen und Anlagen, Mess-, Regel- und Steuerungstechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik. Der Energiebedarf muss sich bei Ersatzinvestitionen um 20 Prozent gegenüber der Altanlage und bei Neuinvestitionen um 15 Prozent gegenüber dem Branchendurchschnitt verringern. Bei Baumaßnahmen müssen die Standards der EnEV 2009 unterschritten werden. Der Investitionsort muss in Baden-Württemberg liegen. Nähere Informationen als Download unter www.suedwesttextil.de.
Das Land Baden-Württemberg fördert die Textilforschung Die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf erhielten zum Ende des Jahres noch eine erfreuliche Nachricht: Das baden-württembergische Finanzministerium unterstützt sie im nächsten Jahr mit einem Zuschuss in Höhe von 2,8 Millionen Euro. „Die DITF sind ein unverzichtbarer Partner vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, die keine eigenen Forschungskapazitäten vorhalten können“, sagte der Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) in seiner Mitteilung. Diese Förderung wird dringend benötigt, denn sie sichert das Fortbestehen der Textilforschung im Land. Die Institute finanzieren sich sonst vor allem durch öffentliche Forschungsaufträge aus Bund, Ländern und der EU sowie durch die Forschung für die Industrie.
Leseempfehlung Ein Industriezweig denkt bis Übermorgen
Unternehmerreise in die Türkei Die Türkei ist mit seinen rund 75 Mio. Einwohnern inzwischen einer der wichtigsten Exportmärkte Deutschlands. Doch nicht nur als Absatzmarkt sondern auch als Investitionsstandort ist das Land am Bosporus für deutsche Unternehmen immer interessanter. Derzeit befinden sich die deutsch-türkischen Foto: © Rainer Sturm - pixelio.de Wirtschaftsbeziehungen auf einem bisher nie erreichten Höchststand. Auch die technischen Textilien zählen für die Türkei als zukunftsträchtige Anwendungsfelder. Diese Situation nimmt die IHK-Exportakademie Stuttgart zum Anlass und organisiert für Unternehmen aus Baden-Württemberg im Frühjahr 2013 eine Unternehmerreise in die Türkei mit politischer Begleitung. Termin: 19. bis 23. März 2013 Programm und Anmeldung unter www.afbw.eu/node/532
Mitte November hat das Forschungskuratorium Textil die neuen Forschungsleitlinien „Perspektiven 2025“ veröffentlicht. Die Publikation über Zukunftsmethode, -strategien und praxisrelevante Denkanstöße entstand nach über einjähriger Zeitreise des FKT mit Teams aus Forschung, Lehre und Praxis. In enger Zusammenarbeit mit einem „Zukunftslotsen“ haben rund 80 Unternehmensmitarbeiter, Wissenschaftler und Studenten mit Blick auf das Jahr 2025 die neuen Leitthemen für die Textilforschung entwickelt. Themenfelder sind Architektur, Bekleidung, Energie, Ernährung, Gesundheit, Mobilität, Produktion und Logistik, Wohnen sowie Zukunft Stadt. Neben der Druckversion, die beim FKT in Berlin angefordert werden kann, ist das journalistisch verarbeitete und grafisch interessant gestaltete Resümee des Projektes in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsforscher unter dem Link www.textilforschung.de/pdfcat/Techtex2025/ abrufbar.
12 Zu guter Letzt
Südwesttext
Zitat
»Die Währungsunion ist kein Buchclub.« Prof. Michael Hüther, IW Köln, bei der Jahresversammlung von textil+mode am 4. Dezember in Berlin über das Gerede, Griechenland solle aus der gemeinsamen Währung austreten.
Dezember 2012 I Nr. 63
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