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SÜDWESTTEXT Nr. 42

THEMEN

Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie

März 2011

Faire Polyesterpreise Trevira erklärt gegenüber Südwesttextil seine künftige Strategie

Die Textile Kette rückt zusammen Verband + Industrie, Seite 3

Plaudern mit Go Textile! Bildung + Soziales, Seite 7

Mutmaßlich überführt Recht + Steuern, Seite 8

Wie Kleidung unsere Arbeit beeinflusst Technik + Umwelt, Seite 11

Service Aktuelle Steuer-Nachrichten

„Faire und wettbewerbsfähige Preise trotz steigender Rohstoffkosten“, das hat Trevira-Geschäftsführer Klaus Holz gegenüber SüdwesttextilPräsident Armin Knauer in einem Gespräch am 11. März in Bobingen versprochen. Dazu werde der Hersteller textiler Polyesterprodukte in die weitere Verbesserung der eigenen Prozesse investieren. „Wir werden das Geschäft sowohl bei Fasern als auch bei Filamentgarnen auf die Erweiterung des Spezialitätenanteils ausrichten“, erklärte der 46-Jährige, der seit Jahresbeginn die Geschicke des Unternehmens leitet. Dazu gehöre wie schon bisher auch die Entwicklung kundenspezi¿scher Problemlösungen. Mit der im Februar an-

Trevira will den Spezialitätenanteil bei Fasern und Filamentgarnen erweitern.

gekündigten Übernahme durch das Eigentümerkonsortium aus Sinterama (Italien) und Indorama (Thailand) werde Trevira Rückhalt durch einen ¿nanzstarken glo-

bal operierenden Konzern bekommen. Außerdem werde man von der Verbindung mit einem in der europäischen Textilindustrie verwurzelten Garnspezialisten profitieren,

Foto: Trevira

der die Situation und die Bedürfnisse der hier operierenden Hersteller sehr genau kenne.

Fortsetzung Seite 2

Strom muss bezahlbar bleiben Recht + Steuern, Seite 9

Aktuell Am 14. April 2011 findet die gemeinsame Jahresversammlung von Südwesttextil und Gesamtmasche im neuen Technologie- und Entwicklungszentrum von Groz-Beckert in Albstadt statt. Festredner Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der FraunhoferGesellschaft, spricht zum Thema „Aufbruch im Umbruch – Was erfolgreiche Innovatoren verbindet“. Anmeldung unter www.suedwesttextil.de/jv2011.

Förderung Erneuerbaren Energien darf Wettbewerbsfähigkeit nicht beeinträchtigen Die jüngste Sitzung des BDI-Energieausschusses Mitte März war kein leichtes Unterfangen. Der atomare Störfall in Japan überschattet und erschwert die Meinungs¿ndung, die ohnehin durch große Interessenunterschiede der verschiedenen Branchen geprägt ist. Diejenigen, die vom Ausbau der Solar- und Windenergie durch Lieferung entsprechender Anlagen und Komponenten pro¿tieren, setzen sich für dafür ein, die Erneuerbaren unbegrenzt weiter zu fördern. Das ist aus deren Sicht verständlich, führt aber zu

einer völlig untragbaren Kostenbelastung energieintensiver Industrien, die keine Umsätze durch Lieferungen in subventionierte Bereiche machen können. Über die Lösung der zentralen Fragen ist sich die Industrie nach wie vor uneins. Mitte April soll die Position zur Kostenbegrenzung und Finanzierung des weiteren Zubaus endlich festgezurrt werden. Die klare Forderung des Gesamtverbandes textil+mode, dass Strom bezahlbar bleiben muss, wird von vielen anderen Branchen geteilt. In sei-

www.suedwesttextil.de

nem Positionspapier zur EEG-Novelle verweist der Dachverband auf die enormen ¿nanziellen Lasten: Bei unverändertem Fortgang würde die

Untragbare Kostenbelastung energieintensiver Industrien EEG-Umlage von 12,5 Mrd. Euro im Jahr 2010 bis 2015 auf gut 20 Mrd. Euro ansteigen. Die Umlage von 3,53 Cent pro Kilowattstunde könnte sich durch den weiteren Zubau im nächsten Jahr auf bis

zu 5 Cent erhöhen. Zum Vergleich: Industriestrom an der Börse kostet aktuell 5 bis 6 Cent. Die Förderung der Solarenergie fällt dabei besonders ins Gewicht: Auf sie entfallen 55 Prozent der EEGKosten. Zur Strommenge aus erneuerbaren Energien trägt die Photovoltaik aber nur 7 Prozent bei. Der überwiegende Teil der Solarpaneele kommt dabei aus Asien. Die deutsche Textilund Bekleidungsindustrie benötigt pro Jahr ca. 2,4 Mio. Megawattstunden Strom. Fortsetzung Seite 4


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Verband + Industrie

März 2011

Fortsetzung von Seite 1

In Kürze

Faire Polyesterpreise „Unsere Kunden werden wir durch das globale Netzwerk von Sinterama, Indorama und Trevira mit einem noch breiteren Angebot an Polyesterprodukten versorgen können“, so Holz. Beide Partner des Konsortiums sähen Trevira als langfristige Investition, als Ergänzung ihres eigenen

Geschäfts und als Investition in den Ausbau und die Stärkung ihrer Marktposition in Europa und der Welt. Nach Auskunft von Geschäftsführer Klaus Holz sind die Vorbereitungen zur Übernahme noch in vollem Gange. Die rechtlichen Formalitäten wie die Prüfung

durch die verschiedenen Kartellbehörden werden voraussichtlich bis Ende April abgeschlossen sein. Südwesttextil-Präsident Knauer, der auch während des Insolvenzverfahrens immer einen engen Kontakt zum Management von Trevira gehalten hat, zeigte sich nach seinem Besuch in Bobin-

gen erleichtert. Man habe ihm versichert, dass Trevira weiter eigenständig am Markt agieren werde. Das sei für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Textilindustrie mit dem Unternehmen besonders wichtig.

Markus H. Ostrop

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Dialog

„Unternehmen 2020“ Zukunftskonferenz Textil 30. Juni und 1. Juli 2011 in Stuttgart

Proazubi200 plus geht ins achte Jahr SWT-Vorstand verlängert Ausbildungsförderung Die beachtliche Zahl von 317 zusätzlich geschaffenen Ausbildungsplätzen beeindruckte den Vorstand von Südwesttextil, so dass er auf seiner Sitzung Mitte März in Stuttgart mit breiter Mehrheit die Verlängerung der Ausbildungsinitiative beschloss. Vom kommenden Herbst an sollen wieder mit proazubi200 plus für die gesamte Ausbildungsdauer bis zu 80 zusätzliche Stellen ¿nanziell gefördert werden. Der Zuschuss wird sowohl für die Schaffung neuer Ausbildungsplätze im gewerblich-

Südwesttext

technischen als auch im der Unternehmen jedoch besonders gefordert, kaufmännischen Bereich wieder groß, zusätzliche Tuali¿zierte junge Leute gewährt. Leistungen er- Auszubildende einzustel- zu bekommen. Kreative halten auch Berufskolle- len. Dies hat die Initiative Ideen sind hier gefragt. giaten und Studenten der von Go Textile! gezeigt, die So haben z. B. die AuszuDualen Hochschule. Süd- seit Anfang des Jahres den bildenden der Textilverwesttextil unterstützt die Mitgliedsunternehmen die edlung an der Wiese und Mitgliedsunternehmen Möglichkeit bietet, offene der Gerhard Rösch GmbH mit einem Zuschuss zu Ausblidungsplätze auf der Werbespots für ihre Azuden Ausbildungskosten Plattform zu bewerben. bisuche gedreht, die auf von 300 Euro im Monat Zahlreiche Unternehmen Go Textile! sowie in den je zusätzlichen Auszubil- haben davon Gebrauch regionalen Kinos der Undenden. gemacht, um sich ihren ternehmen gezeigt werKnapp 80 Unterneh- Fachkräftenachwuchs zu den. Die Nachwuchskammen haben seither von sichern. pagne Go Textile!, die von der Zuwendung pro¿tiert. Angesichts sinkender den textilen Verbänden In den letzten zwei Jahren Schülerzahlen und des initiierte Werbeplattform, war die Zurückhaltung der branchenübergreifenden unterstützt die UnternehAnmeldung unter Wettbewerbs um www.zukunft-textil.de junge men bei der Verlinkung in Unternehmen spürbar. Für das Ausbildungsjahr Fachkräfte sind die Un- die virtuelle Welt. 2011 ist die Bereitschaft ternehmen der Branche Christine Schneider

Südwesttextil und die IHK Region Stuttgart werden im Bereich Außenwirtschaft künftig enger zusammenarbeiten. Auf Initiative von Südwesttextil-Präsident Armin Knauer sind Südwesttextil und Gesamtmasche ab sofort durch Silvia Jungbauer im Außenwirtschaftsausschuss der IHK vertreten. Die Einbindung der Verbände in die Gremienstruktur der Kammer stellt ein Novum dar. Die IHK Region Stuttgart ist bundesweit die zweitgrößte Kammer und vertritt in ihrem Bezirk 154 000 PÀichtmitglieder. Der Rieter-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2010 eine markante Verbesserung aller wichtigen Kennzahlen und kehrte früher als ursprünglich prognostiziert in die Gewinnzone zurück. So steigerte er im letzten Jahr seinen Bestellungseingang um 64 Prozent (in Lokalwährungen um 68 Prozent) auf 3 170.0 Mio. CHF (Vorjahr 1 935.1 Mio. CHF). Der markante Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf die äußerst starke Nachfrage bei Textile Systems zurückzuführen. Die baden-württembergischen IHKs haben mit der aktuellen Umfrage zur Technologiepolitik die Unternehmen wie bereits 2006 um die Bewertung von FuERahmenbedingungen und technologiepolitischen Maßnahmen der Landesregierung in Baden-Württemberg gebeten. Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass die Unternehmen gute FuERahmenbedingungen als die beste Technologiepolitik ansehen. Die Studie gibt es unter www.suedwesttextil.de


Verband + Industrie

Südwesttext

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Die Textile Kette rückt zusammen Kompetenznetzwerk startet mit Brainstorming zum Thema Beschaffungskosten Am 18. März traf sich ein kleiner Kreis von Mitglieds¿rmen der Verbände Gesamtmasche und Südwesttextil in Stuttgart zu einem Brainstorming zum Thema Beschaffungskosten, um sich über die aktuelle Situation und ihre Auswirkungen auf Finanzierung und Preise auszutauschen. Seit einem Jahr weist der Preistrend auf den Weltfasermärkten steil nach oben. Kaum, dass sich nach scharfen krisenbedingten Einbrüchen die Aufträge wieder erholten, wurden Rohstoffe teuer und Vormaterialien knapp. Längst hat der Kostendruck durch hohe Faserpreise, aber auch durch die verteuerte Asien-Beschaffung oder hohe Energiesteuern alle Stufen der textilen Kette erfasst und sich bereits in höheren Einzelhandelspreisen niedergeschlagen. Das weltweite Bevölkerungswachstum, höhere Pro-Kopf-Einkommen und die Nutzungskonkurrenz sowohl bei AgrarÀächen als auch bei erdölbasierten Produkten verspricht langfristig keine Entspannung der Lage. Doch wie geht es heute in den Firmen weiter? Vollständig umlegen lassen sich die Kostensteigerungen schwerlich, ohne Absatzeinbrüche zu

riskieren. In bestimmten Sparten wie im Bereich Automobil lassen sich Preiserhöhungen zudem

schöpfungsketten und das Thema Nachhaltigkeit. Mit den Firmen Karl Conzelmann, Faiss-Textil,

nen Dezember eingeladen hatten: Die Bereitstellung Àexibler Plattformen und stärkere Interaktion zwi-

schen den Mitglieds¿rmen zum gegenseitigen Nutzen. Silvia Jungbauer

Unternehmer in neuer Runde: Auftaktveranstaltung des Kompetenznetzwerks Beschaffungskosten.

nur äußerst schwer bis gar nicht durchsetzen. Neben der Bedeutung von Eckpreislagen diskutierten die Teilnehmer daher auch mögliche Strategien in den Bereichen Einkauf und Produktion sowie über Veränderungen am Produkt selbst. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, Baumwolle ganz oder teilweise durch andere Fasern zu substituieren, aber auch die Stärkung regionaler Wert-

Engangiert dabei: Hans-Peter Grosch, Triumph.

Mey, Lenzing, Triumph und TVU war die textile Expertise von der Faser bis zum Retail um einen Tisch versammelt. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass angesichts der aktuellen Schwierigkeiten die Langfristigkeit von Lieferbeziehungen und der intensive Kontakt zu Kunden wie Lieferanten unverzichtbar sind. Der Austausch über die textilen Produktionsstufen hinweg führte sogar zu der konkreten Anregung, mit verbandlicher Unterstützung verstärkt den gemeinsamen Auftritt der Wertschöpfungskette nach außen zu suchen. In den nächsten Monaten soll das Kompetenznetzwerk, das durch das Brainstorming entstanden ist, sukzessive ausgebaut werden. Damit wird auch dem wichtigen Ergebnis des StrategieWorkshops Rechnung getragen, zu dem die Verbände im vergange-

Matthias Conzelmann, Nina von C, und Michael Bandel, TVU

Wolfram Daubek-Puza, Lenzing, Dr. Markus H. Ostrop und Florian Mey


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Verband + Industrie

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Südwesttext

Fortsetzung von Seite 1

Strom muss bezahlbar bleiben Daraus ergibt sich ein branchenweiter Umlagebetrag von 70 Mio. Euro. Von der Härtefallklausel für große Verbraucher pro¿tieren die wenigsten – bundesweit nur etwa jedes tausendste Unternehmen. Der Gesamtverband textil+mode fordert daher

die Festschreibung der jährlichen Gesamtumlage sowie das Einfrieren der Summe auf dem Niveau von 2010. Eine darüber hinausgehende Förderung müsste dann im Sinne einer gesamtstaatlichen Aufgabe aus Steuermitteln ¿nanziert werden.

Für mehr Kostenef¿zienz wäre außerdem der Zubau von geförderten Photovoltaikanlagen unbedingt zu begrenzen. An einem Ausbau der Erneuerbaren Energien führt kein Weg vorbei. Ef¿zienter Klimaschutz und nachhaltige Strom-

erzeugung liegen auch im Interesse der Textil- und Bekleidungsindustrie. Sie will hierzu einen Beitrag leisten. Die dadurch entstehende Belastung muss aber wirtschaftlich verkraftbar bleiben. Mehr als 2 Cent Umlage pro Kilowattstunde sind deshalb

nicht drin. Daneben muss die bislang mittelstandsfeindliche und starre Härtefallklausel dringend reformiert werden.

Silvia Jungbauer

Hämmerle und Streich dankbar verabschiedet Veränderungen im Südwesttextil-Vorstand Roland Hämmerle, zuletzt Generalbevollmächtigter für das Asset Management der Gütermann SE, ist nach 15 Jahren aus dem Vorstand von Südwesttextil ausgeschieden. Auf der Vorstandssitzung am 17. März im Airport Stuttgart dankte ihm Präsident Armin Knauer für sein engagiertes ehrenamtliches Mitwirken zugunsten der Textilindustrie. Südwesttextil habe nicht nur durch die Sichtweise eines erfahrenen Produktionsfachmanns eines namhaften Markenartiklers pro¿tiert, sondern auch von seiner internationalen Erfahrung und seines Knowhows in der Führung von Mitarbeitern. Nicht zuletzt ihm sei es zu verdanken, dass

die Firma Gütermann immer ein wichtiger „Kunde“ der Gatex gewesen sei

Hämmerle von allen sehr geschätzt, und das nicht nur, weil „Sie unsere Be-

Armin Knauer überreicht Wolfgang Streich das obligatorische Südwesttextil-Handtuch. Rechts Roland Hämmerle.

und ihre Auszubildenden dort beschulen lasse. Auch persönlich werde

gegnungen mit Ihrem unverkennbar österreichischen Charme immer

auf eine sympathische Ebene gehoben haben“, so Knauer. Auch Wolfgang Streich, Seniorchef der Streich Bekleidungswerk GmbH & Co. KG in Balingen, möchte sein Ehrenamt mit der diesjährigen Mitgliederversammlung niederlegen. Das bedauerte Präsident Knauer deshalb besonders, weil Wolfgang Streich zu dem „personi¿zierten Mehrwert“ gehöre, den die Fusion der beiden Verbände Textil und Bekleidung im Jahre 2003 zu Südwesttextil gebracht habe. „Sie standen diesem Zusammenschluss von Anfang an aufgeschlossen gegenüber und haben tatkräftig zu seinem Gelingen beigetragen“,

lobte Armin Knauer. Der Unternehmer, in dessen ganzer Familie die Leidenschaft für Mode liege, habe sich auch nicht gescheut, selbst in kontroversen Diskussionen im Vorstand klare Position zu beziehen. Aufgrund seiner fairen und sympathischen Art sei es ihm immer wieder gelungen, Entscheidungen positiv zu beeinÀussen. Für die beiden ausscheidenden Vorstandsmitglieder werden auf der Mitgliederversammlung am 14. April Thomas Diels (CFO der Gütermann Group) sowie Oliver Streich (Juniorchef des Balinger Damenmodeherstellers) als Nachfolger kandidieren.

mitkommen können. „Wir haben das ElternKind-Arbeitszimmer eingerichtet, um es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erleichtern, Beruf und Familie zu vereinbaren“, sagt Stephan Schulz, Vorstandsmitglied Bereich Personal. Das Eltern-Kind-Arbeitszimmer be¿ndet sich im gleichen Gebäude, in dem auch die Pforte untergebracht ist. Es ist sowohl

mit einem Computerarbeitsplatz als auch mit einer Spielecke ausgestattet. Außerdem sind ein Wickeltisch für die Kleinen und ein Schreibtisch für Schulkinder vorhanden, zum Beispiel für das Erledigen von Hausaufgaben. Ein separat ausgeschilderter Parkplatz steht direkt hinter der Pforte zur Verfügung.

Markus H. Ostrop

Mit Mami oder Papi zur Arbeit Hartmann richtet Eltern-Kind-Arbeitszimmer ein Die Paul Hartmann AG bietet seinen Mitarbeitern einen besonderen Service am Standort Heidenheim und Herbrechtingen: ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer für den kurzfristigen Kinderbetreuungsbedarf. Konkret bedeutet das, dass in Notsituationen, in denen die Betreuungsperson, zum Beispiel die Tagesmutter oder die Oma, kurzfristig ausfällt, die Kinder an den Arbeitsplatz ihrer Eltern

Mitarbeiterin Erika Fink hat ihren Arbeitgeber bei der Einrichtung beraten und das Zimmer mit ihren Kindern getestet. Foto: Hartmann

Simone Diebold


Verband + Industrie

Südwesttext

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Kauf und Verkauf von Unternehmen Georg Saint-Denis berichtete über seine Erfahrungen bei Unternehmensakquisitionen Unter dem Titel „Unternehmer im Dialog“ startete am 17. März im Anschluss an die Vorstandssitzung von Südwesttextil die neue Südwesttextil-Reihe, in der Unternehmer aus Mitgliedsunternehmen ihre Erfahrungen mit bedeutenden betrieblichen Themen vorstellen und austauschen. Auf lebhafte und unterhaltsame Weise berichtete Georg SaintDenis, Vorsitzender der Geschäftsführung der Global Safety Textiles GmbH, Maulburg, über seine langjährigen Erfahrungen beim Kauf und Verkauf von mittelständischen Unternehmen. „Der Ausgangspunkt jeglicher Verkaufsüberlegungen ist eine saubere Bestandsanalyse“, erklärte Saint-Denis den interessierten Zuhörern. Wichtig sei eine ehrliche,

Georg Saint-Denis: „Ausgangspunkt jeglicher Verkaufsüberlegungen ist eine saubere Bestandsanalyse und eine überzeugende Story“.

detaillierte und nachvollziehbare Standortbestimmung des Unternehmens – wo liegen die Stärken und wo die Schwächen. Daraus, so der Referent, sei eine „glaubwürdige“ Equity Story zu entwickeln, die während des ganzen Prozesses nicht an Glaubwürdigkeit ver-

lieren dürfe. Denn die Stärken und Schwächen des Unternehmens würden während der DueDiligence-Prüfung einem Härtetest unterzogen und müssten deshalb absolut hieb und stichfest sein. Die Aufgabe des Managements sei es, besondere Sorgfalt bei der

Beantwortung der drei Kernfragen zum Wachstum walten zu lassen: Wie sind die Wachstumschancen des Unternehmens? Wie ist das Wachstum abgesichert? Und Was macht das Wachstum pro¿tabel? Danach folgten die Bewertung des Unternehmens und der Business-

plan. Zu empfehlen sei der Einsatz eines M&ABeraters, so Saint-Denis. „Die ManagementPräsentation ist das Kernelement des Transaktionsprozesses. Hier gilt es, die Kau¿nteressenten zu überzeugen.“ Vorherige „Theaterproben“ seien deshalb unabdingbar. Nach einer überstandenen Due-DiligencePrüfung starteten dann die Preis- und Vertragsverhandlungen. „Besonders wichtig ist ein sauber ausgearbeitetes Kommunikationskonzept, das bereits in der Frühphase der Transaktion zum Einsatz kommt“, riet Saint-Denis zum Abschluss seines Vortrags den Teilnehmern. Die Präsentation steht im Mitgliederbreich von www.suedwesttextil.de zum Download bereit. Simone Diebold

Kurznachrichten in exponierter Lage Update bei www.suedwesttextil.de Die Aufmachung von „Südwesttextil Kompakt“, die Kurznachrichten des Verbandes, wurden moderner gestaltet. Die Einführungssequenz wurde überarbeitet und die Gra¿ken im Video in ihrer Größe angepasst. Prominent auf der Startseite gibt Südwesttextil mit dieser Kurznachrichtensendung seit Juni 2010 monatlich einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Themen der Branche. Gemeinsam mit den Nachrichten und Veranstaltungshinweisen wird so ein umfassendes Informationsangebot in Film, Ton, Bild und Text geboten. Damit dieses Highlight zukünftig noch besser zur Geltung kommt, erhält „Südwesttextil Kompakt“

Noch übersichtlicher gestaltet: www.suedwesttextil.de informiert benutzerfreundlich.

seinen eigenen Platz im rechten Bereich der Internetseite. Durch diese exponierte Positionierung gibt es auf der Eingangsseite mehr Platz für Nachrichten.

Unten auf der Seite be¿ndet sich die Rubrik ÃNetzwerkeµ. Hier ¿ndet man die Links zu realen Netzwerken bzw. Serviceangeboten von Südwesttextil. Neu hinzu kommt

jetzt unter dem Titel ‚Social‘ die Verlinkungen zu den virtuellen Netzwerken wie Facebook, Twitter, YouTube und Issuu. Die Facebooknachfrage ist noch nicht auf dem ge-

wünschten Niveau – hier konnten bisher nur 19 Personen zu einer Meinungsäußerung gewonnen werden. Personen die regelmäßig auf der Fanseite in Facebook vorbeischauen sind aber deutlich mehr. Bei Twitter hat Südwesttextil mittlerweile 116 Followers. Die Filme in YouTube schauen im Durchschnitt 40 Personen an, wobei die Schwankungen groß sind. Sehr erfolgreich sind die Klicks in Issuu. Hier stellt der Verband seine monatliche Zeitung „Südwesttext“ ein. Auf dieser Plattform haben seit letzten Oktober knapp 1 200 Personen die Verbandspublikation angeschaut. Christine Schneider


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Bildung + Soziales

Südwesttext

Was ist eigentlich Textil? Neuer Branchenfilm erzählt beeindruckende Geschichten Der im September erschiene zweite Band der Broschüre „Textile Revolutionen“ inspirierte Go Textile! und das Forschungskuratorium Textil dazu, einen Film zu erstellen, der verdeutlicht, welche Rolle Textil in unserem Leben spielt. Das Ergebnis ist eine breite Darstellung von textilen Einsatzgebieten, die durch Animation und Vergleiche ein eindrucksvolles Bild der Branche wiedergeben. Gezeigt werden spannende Beispiele aus der Luft- und Raumfahrttechnik, der Umwelttechnik, der Medizin sowie des Transport- und Bauwesens, die einfach und verständlich von einer weiblichen und einer männlichen Stimme

Der Airbus A 380 wiegt 560 Tonnen, so viel wie 170 Elefanten.

im Wechsel erklärt werden. So beeindruckenden Geschichten wie die des resorbierbaren, tempo-

rären Hautersatzes, der vom Institut für Textilund Verfahrenstechnik Denkendort zusammen

mit dem Hersteller PolyMedics Innovation entwickelt wurde. Die Botschaft des

Films ist klar: Textil ist mehr als Du denkst. Der Film steht allen Unternehmen zur Verfügung und kann auf Messen oder anderen Veranstaltungen gezeigt werden. Auch die Einbindung auf die ¿rmeneigene Homepage ist jederzeit möglich. Zunächst wurde ein vierminütiger Film produziert. In einem nächsten Schritt werden daraus kleine, maximal eine Minute dauernde Spots entstehen. Der Film ist in den Youtube-Kanal von Go Textile! eingestellt, kann aber auch bei Südwesttextil auf DVD angefordert werden.

Christine Schneider

Stellengesuch Die deutsche Geschäftsführerin des südafrikanischen Modeverbandes CTFC sucht eine neue berufliche Herausforderung in der Bekleidungsbranche, vorzugsweise in den Bereichen Marketing und Projektmanagement. Nach sechs Jahren im Ausland möchte die DiplomKauffrau wieder in Deutschland arbeiten und dabei ihre internationale Expertise einbringen. Sie spricht sehr gut Englisch und Spanisch. Der Lebenslauf kann bei Christine Schneider, schneider@suedwesttextil.de, angefordert werden.

Nachhaltig lohnend Reutlinger Studentinnen untersuchen Nachhaltigkeitskonzepte der Branche Drei Studentinnen des Master-Studienganges Textilmanagement an der Hochschule Reutlingen wollen sich in diesem Sommersemester intensiv mit der Materie „Nachhaltigkeit als BusinessKonzept in der Textil und Bekleidungsindustrie“ auseinandersetzen. Alle drei haben bereits erfolgreich den Reutlinger Bachelor-Studiengang Textiltechnologie-Textilmanagement absolviert. Bis Ende Juni beleuchten Katharina Mayer, Anna-Lena Messmer und Linda Müller-Spanka in einer Mischung aus

Anna-Lena Messmer, Katharina Mayer, Linda Müller-Spanka (v. l.)

theoretischer Arbeit und praktischen Beispielen verschiedene Strategien, die unter dem Begriff Nachhaltigkeit zusam-

mengefasst werden können. Vorgeschlagen wurde das Projektthema von Gesamtmasche und Südwesttextil in Abstimmung

mit Prof. Dr. Peter Bug, dem Studiendekan der Fakultät Textil & Design an der Hochschule Reutlingen. Umweltschonende Produktion, soziales Engagement, familienfreundliche Personalpolitik oder die regionale Herkunft von Textilien sind dabei nur einige Stichworte. Letztlich soll es darum gehen, inwieweit durch Nachhaltigkeitsstrategien Produkte einen „Mehr-Wert“ erhalten und Branding erfolgreicher gemacht werden kann. Schon 2009 hat das Institut Français de la Mode herausgefunden,

dass die Hälfte der Konsumenten Preiserhöhungen für gerechtfertigt hält, um Kosten für nachhaltigere Produkte zu decken. Ein Fünftel der Befragten ¿ndet höhere Preise sogar ganz natürlich. Ein Jahr später ist die Kundschaft noch stärker sensibilisiert – durch Medienberichte zur Ressourcenknappheit und zu Risiken unkontrollierbarer Wertschöpfungsketten, insbesondere im Lebensmittelbereich. Dieser Bewusstseinswandel bietet langfristige Chancen. Silvia Jungbauer


Südwesttext

Bildung + Soziales

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Plaudern mit Go Textile! Neues von der Nachwuchskampagne der Textilverbände Nach nur eineinhalb Jahren hat sich Go Textile! als Marke und Plattform für die Aus- und Weiterbildung in der Textil- und Bekleidungsindustrie etabliert. Die Verdoppelung der Zugriffszahlen innerhalb nur eines Jahres zeigt den großen Erfolg dieser Kampagne. Um auf dieser Erfolgsspur und vor allem ständig im Gespräch zu bleiben, sind in der nächsten Zeit wieder zahlreiche Aktionen und Verbesserungen geplant. Bereits im April kommt die Kampagne mit einem ganz besonderen Service: einem monatlichen Live Chat rund um das Thema Aus- und Weiterbildung in der Branche. Die Bildungsreferenten der Landesverbände und von textil+mode werden über www.gotextile.de erreichbar sein und für zwei Stunden interessierten Besuchern Rede und Antwort stehen. Starten wird Karin Terdenge (textil+mode) am 15. April von 14 bis 16 Uhr. Folgen

werden im Mai Christine Schneider (Südwesttextil) und im Juni So¿e Mündel

staltet er von 10 bis 22 Uhr eine virtuelle Party, bei der es mit vielen Spielen und

Hier im Go Textile!-Live-Chat wird kompetent über Textil geplaudert.

(VTB – Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie). Am 8. April unterstützt Go Textile! die fetteste Party des Jahres: die Blogparty des EnglischBlogs. Unter www.derenglisch-blog.de veran-

“Quizzes” über 50 Preise im Gesamtwert von 2 222 Euro zu gewinnen gibt. So z. B. bei der Schnitzel-

Vibinet in neuem Look Wachsende Nachfrage – Steigende Nutzerzahlen Anfang März wurde die im Dezember begonnene nutzerfreundliche Layoutüberarbeitung der Themenportale im virtuellen Bildungsnetz der Textilund Bekleidungsindustrie (Vibinet) abgeschlossen. Dies war der vorerst letzte Teil der zahlreichen Veränderungen, die das Vibinet in den letzten Monaten erfahren hat: angefangen mit der Umstellung auf die neue Version der Mediawiki-Software, gefolgt von dem Umzug auf einen leistungsstärkeren Server, was zu spürbaren Geschwindigkeitssteigerungen geführt hat.

Das Vibinet begeistert aktuell über 1 552 Nutzer (Stand Mitte März). Verglichen mit der letzten Betrachtung vom Mai letzten Jahres ist dies eine Steigerung von 37 Prozent.

Nach wie vor schwierig bleibt das aktive Engagement. Nur ein Bruchteil der Nutzer arbeitet selbst mit und stellt eigene Inhalte in das textile Wiki ein.

Die beliebtesten Seiten der Nutzer sind nach wie vor die digitalisierten Lehrbücher. Genutzt wird das Vibinet hauptsächlich zur Unterstützung bei der Erstellung von Semesterbzw. Bachelor- und Masterarbeiten, aber auch der Einsatz in der Ausbildung hat in den letzten Monaten zugenommen. Jeder Textilinteressierte kann unter www. vibinet.de einen Zugang beantragen und aktiv mitarbeiten.

jagd auf www.go-textile. de. Hier werden Bilder zu einem bestimmten Thema versteckt, die die Spieler ¿nden müssen. Die erste richtige Antwort, die auf den Englisch-Blog gepostet wird, hat gewonnen. Dabei werden alle Kommunikationskanäle mit einbezogen – neben der Internetseite auch Facebook und Twitter. Wie sollen Webseiten zum Thema Ausbildung aussehen? Unter diesem Titel hat Go Textil! einen “Sponsored Post” (bezahlter Artikel in einem Blog) in den Blog Basic Thinking – www.basicthinking.de – gestellt. Dieser Blog befasst sich vor allem mit den aktuellen Trends im Netz, Technik und Software. Er gehört mittlerweile zu den bekanntesten und „meistverlinktesten“ Blogs im deutschsprachigen Internet. Willkommen und

hilfreich sind dabei die zahlreichen Anregungen, die die Leser bereits heute schon an Go Textile! gerichtet haben. Aber nicht nur virtuell ist die Kampagne tätig. Im Mai zieht Go Textile! Mönchengladbach an: Die alle zwei Jahre statt¿ndende Nachwuchsmesse „MG ZIEHT AN“ ist eine der größten Recruiting Messen. Am 5. und 6. Mai trifft sich die Textilbranche bereits zum siebten Mal in den Räumen der Hochschule Niederrhein. An zwei Tagen können Studierende und Interessierte mit namhaften Unternehmen aus der Textilund Bekleidungsbranche ins Gespräch kommen. Auch Go Textile! wird an verschiedenen Plätzen der Messe präsent sein u. a. mit einem SlacklineEvent. Christine Schneider

Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil Korrespondenztraining für die Assistenz Termin: 14. bis 15. April 2011 Ort: Haus Bleibach Personalarbeit im Web 2.0-Zeitalter Termin: 11. Mai 2011 Ort: Haus Reutlingen Leistungssteigerung im Vertrieb durch innovative Vergütung Termin: 23. Mai 2011 Ort: Haus Steinheim Weitere Informationen unter www.biwe.de

Christine Schneider


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Recht + Steuern

Südwesttext

Mutmaßlich überführt Praxisrelevante Unterscheidung zwischen Verdachts- und Tatkündigung Schon der Verdacht einer Straftat oder schweren Pflichtverletzung kann eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Denn ein solcher Verdacht kann das Arbeitsverhältnis und die hierfür erforderliche Vertrauensgrundlage so stark belasten, dass dem Arbeitgeber eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zumutbar ist. Dabei kommen nicht nur Eigentumsdelikte und Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit in Betracht, sondern nahezu sämtliches Verhalten mit strafrechtlicher Relevanz. Bei der Verdachtskündigung ist es allein der Verdacht, der das zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses notwendige Vertrauen zerstört. Im Gegensatz hierzu ist bei der Tatkündigung für den Kündigungsentschluss maßgebend, dass der Arbeitnehmer nach der Überzeugung des Arbeitgebers eine strafbare Handlung tatsächlich begangen hat und dem Arbeitgeber aus diesem Grund die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar ist.

Verdacht zerstört das Vertauen der Zusammenarbeit. Will der Arbeitgeber die Kündigung ausschließlich oder zumindest hilfsweise auf den Verdacht einer PÀichtverletzung oder Straftat stützen, so ist die ausdrückliche Bezeichnung als Verdachtskündigung nicht erforderlich. Es ist ausreichend, wenn die Verdachtskündigung im Laufe des Kündigungsschutzprozesses als solche

begründet wird. Der Verdacht eines strafbaren bzw. vertragswidrigen Verhaltens ist ein eigenständiger Kündigungsgrund. Er ist nicht denknotwendig in

fehlende Vorgehen in der Praxis. Soweit der Arbeitgeber zum Zeitpunkt des Kündigungsentschlusses Zweifel daran hat, ob tatsächlich ausreichend Beweise für die Tatbege-

dacht nicht ausgeräumt werden konnte, ist eine Verdachtskündigung möglich. Aus diesem Grund ist der Arbeitgeber verpflichtet, zügig Ermittlungen einzuleiten

Bei der Verdachtskündigung ist es allein der Verdacht, der das zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses notwendige Vertrauen zerstört. Foto: fotolia

dem Tatvorwurf einer als sicher hingestellten Vertragsverletzung enthalten. Sollte der Arbeitgeber im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses eine Kündigung ausschließlich damit begründet haben, dass der Arbeitnehmer eine Straftat tatsächlich begangen hat, so ist er darauf angewiesen, die Tatbegehung restlos zur Überzeugung des Gerichts zu beweisen. Stellt sich im Rahmen der Beweisaufnahme heraus, dass die Tat nicht abschließend bewiesen werden kann, so kann die ausschließlich als Tatkündigung begründete Kündigung nicht als Verdachtskündigung ausgelegt werden. Diese Rechtslage hat Auswirkungen auf das zu emp-

hung vorgebracht werden können, ist zu empfehlen, eine Kündigung zumindest hilfsweise auch auf den Verdacht der Tatbegehung zu stützen. Hier muss besonders darauf geachtet werden, dass sich dies auch in der vorher notwendigen Betriebsratsanhörung niederschlägt. Da es sich um zwei rechtlich unterschiedliche Kündigungen handelt, muss der Betriebsrat auch zur hilfsweise ausgesprochenen Verdachtskündigung angehört werden. Eine Verdachtskündigung darf nur ausgesprochen werden, wenn der Arbeitgeber alles zur Aufklärung des Sachverhalts Erforderliche und ihm Zumutbare getan hat. Erst wenn der Ver-

und durchzuführen. In diesem Zusammenhang ist der Arbeitgeber gehalten, den Arbeitnehmer vor Ausspruch einer Verdachtskündigung anzuhören und über die Verdachtsmomente, die sich aus Sicht des Arbeitgebers ergeben haben, aufzuklären.

Arbeitnehmer muss sich verteidigen können. Dies gilt selbstverständlich ebenfalls bei einer neben einer Tatkündigung ausgesprochenen hilfsweisen Verdachtskündigung. Im Rahmen der Anhörung muss dem Arbeitnehmer ausrei-

chend Gelegenheit gegeben werden, sich zum Tatvorwurf zu äußern und zu verteidigen. Aus diesem Grund darf der Arbeitgeber dem Betroffenen keine wesentlichen Erkenntnisse vorenthalten, die er im Anhörungszeitpunkt bereits besitzt. Weigert sich der Arbeitnehmer zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, kann dem Arbeitgeber nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts (BAG) keine schuldhafte Verletzung der AnhörungspÀicht vorgeworfen werden, wenn die Anhörung unter zumutbaren Umständen erfolgt ist. Unzumutbarkeit liegt beispielsweise vor, wenn sich der Arbeitnehmer telefonisch zu dem Vorwurf einer Kassenmanipulation äußern soll, wenn sich das Telefon im Ladenlokal be¿ndet und unbeteiligte Dritte anwesend sind. Im Rahmen der Betriebsratsanhörung zur Verdachtskündigung hat der Arbeitgeber die ihm bekannten Verdachtsmomente, seine vergeblichen Bemühungen zur Wahrheitsfindung und die Umstände darzulegen, warum aufgrund eines Verdachtes die Weiterbeschäftigung des Betroffenen Mitarbeiters unzumutbar ist. Der Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat kann es auch gebieten, dem Betriebsrat maßgebliche Umstände mitzuteilen, die gegen den Ausspruch einer Verdachtskündigung sprechen. Maßgebliche Umstände im vorgenannten Sinne sind beispielsweise die tatsächlichen Umstände, die der Arbeitnehmer im Rahmen der Anhörung zu seiner Entschuldigung bzw. Rechtfertigung anführt. Boris Behringer


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Ein Detektiv bringt Licht ins Dunkel Wann hat der Arbeitnehmer die Kosten seiner eigenen Überwachung zu tragen? Werden Anhaltspunkte für eine Erwerbstätigkeit eines Arbeitnehmers während der gemeldeten Arbeitsunfähigkeit oder strafbare Handlungen gegenüber dem Arbeitgeber erkannt, dann be¿ndet sich der Entscheidungsträger zumeist in einem Dilemma. Einerseits können diese Sachverhalte z.B. einen Entgeltfortzahlungsbetrug und somit in der Regel eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Andererseits bestehen häu¿g Schwierigkeiten, die konkreten Verdachtsmomente nachzuweisen. Hier kann die Beauftragung eines Detektivs Abhilfe schaffen. Allerdings stellt sich dann stets die Frage, wer die Kosten für dessen Einsatz tragen muss. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) kann ein Arbeitgeber die durch das Tätigwerden eines Detektivs entstandenen notwendigen Kosten ersetzt

verlangen, wenn er den Detektiv anlässlich eines konkreten Tatverdachts

gekosten. Diese gehören nicht zu dem adäquat verursachten Schaden.

Für eine Überwachung müssen konkrete Tatsachen vorliegen.

mit der Überwachung des Arbeitnehmers beauftragt hat und der Arbeitnehmer dann einer vorsätzlichen VertragspÀichtverletzung überführt wird. Zu unterscheiden von diesen einzelfallbezogenen Detektivkosten sind betriebliche Vorsor-

Derartige Kosten entstehen unabhängig vom konkreten schadenstiftenden Ereignis als ständige Betriebsausgaben. Deshalb sind auch die Personalkosten eines fest angestellten Detektivs nicht als Schadensfolge einzelner Unterschlagungen oder

Beratungsservice im arbeitswissenschaftlichen Bereich in Zeiten des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung. Südwesttextil bietet seinen Mitglieds¿rmen nunmehr auch im Bereich Arbeitswissenschaft in Kooperation mit dem Verband Südwestmetall eine kostenlose Erstberatung an. Mitglieds¿rmen erhalten die Möglichkeit sich zusammen mit einem Verbandsingenieur von Südwestmetall und einem Juristen von Südwesttextil vor Ort über eine kostengünstige und zweckmäßige Gestaltung der Arbeits-

Foto: fotolia

Für den erforderlichen Tatverdacht reicht nicht aus, dass nur unspezifische Anhaltspunkte gegeben sind. Es müssen konkrete Tatsachen vorliegen, welche im Einzelfall einen Verdacht rechtfertigen. Außerdem muss bei vernünftiger,

wirtschaftlicher Betrachtung die Einschaltung eines Detektivs erforderlich sein. Vor der Beauftragung ist also stets zu prüfen, ob ausreichende Verdachtsmomente vorliegen und eine Erforderlichkeit gegeben ist. Zusätzlich muss nach einem neuen Urteil des BAG vom 28. Oktober 2010 berücksichtigt werden, dass die Detektivkosten auch dann nicht erstattungsfähig sind, wenn aufgrund der vorliegenden Tatsachen bereits feststeht, dass die vorsätzliche Verletzung der Vertragspflichten bereits feststeht. Ohne einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn ist die Beauftragung nicht erforderlich. Aufgrund dieser im Einzelfall nicht ganz einfachen Abgrenzung, ist vor der Beauftragung eine rechtliche Beratung zu empfehlen.

Nathan Binkowski

Aktuelle Steuer-Nachrichten

Südwesttextil baut Leistungen weiter aus Nicht zuletzt explodierende Rohstoff- und Energiepreise, ein sich verschärfender Wettbewerb und die fehlende Möglichkeit, Preissteigerungen am Markt weitergeben zu können, machen die Suche nach weiteren Kostenoptimierungen im Betrieb notwendig. Deshalb müssen die Gestaltung von Arbeitsprozessen, Schichtmodellen und Flexibilisierungssystemen regelmäßig auf den Prüfstand. Zudem gewinnen Themen wie beispielsweise die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen oder der Abbau von Belastungen

Diebstähle anzusehen. Hier bedarf es einer Beauftragung im Einzelfall.

systeme und -prozesse auszutauschen. Ziel ist es, mögliche Handlungsfelder zu ermitteln und festzulegen. In weiteren Schritten können zur Umsetzung von Maßnahmen externe Fachberater, die Inanspruchnahme von öffentlichen Fördermitteln, sowie eine entsprechende Koordination vermittelt werden. Bei Interesse an einem Beratungstermin, bitten wir unsere Mitglieder den Kontakt zur Rechtsabteilung aufzunehmen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit drei Urteilen anlässlich der Frage der einkommensteuerrechtlichen Behandlung von Tankkarten (VI R 27/09) Tankgutscheinen (VI R 41/10) und Geschenkgutscheinen (VI R 21/09) erstmals Grundsätze zu der Unterscheidung von Barlohn und einem bis zur Höhe von monatlich 44 Euro steuerfreiem Sachlohn aufgestellt. In den Streitfällen hatten die Arbeitgeber die Zuwendungen jeweils als Sachlohn beurteilt und angesichts der Freigrenze keine Lohnsteuer einbehalten. Dies bestätigte der BFH. Die Frage, ob Barlöhne oder Sachbezüge vorliegen, entscheide sich auf Grundlage der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen. Neben der Betrachtung dieser Entscheidung geht die Märzausgabe der aktuellen Steuernachrichten ausführlich auf den Entwurf eines Steuervereinfachungsgesetz 2011, welches die Bundesregierung am 2. Februar verabschiedet hat. Die Steuernachrichten können als pdf-Datei im geschlossenen Mitgliederbereich der Internetseite von Südwesttextil heruntergeladen werden.

Kai-Uwe Götz


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Technik + Umwelt

März 2011

Vernetzungen schaffen

Termine

Der AFBW positioniert sich als gute Adresse in der Clusterlandschaft Als kompetenter Partner hat die Allianz Faserbasierte Werkstoffe (AFBW) am Spitzenclusterantrag „Systemeffizienter Hybrider Leichtbau“ und dem Technologie-Transfer-Zentrum Leichtbau mitgewirkt. Gemeinsam mit Partnern, wie dem Fraunhofer ICT, dem Karlsruher Institute of Technology und dem Netzwerk automotive bw beteiligt sich die AFBW am Spitzenclusterwettbewerb des Bundes. Warum das Thema Leichtbau? Wesentliche

Impulse kommen aus dem Einsatz neuer Werkstoffe: Faserverbundwerkstoffe, hochfeste Kunststoffe, leichte Hochleistungslegierungen auf Aluminium- oder Magnesiumbasis sowie dßnnwandige hochund ultrahochfeste Stähle bieten MÜglichkeiten zu deutlichen Gewichtseinsparungen und zur Funktionsintegration. Werkstoffsubstitution alleine ist jedoch nicht zielfßhrend. Um die Potenziale des Leichtbaus voll ausschÜpfen zu kÜnnen, ist die intel-

ligente Kombination unterschiedlicher Werkstoffe zu Hybridstrukturen erforderlich. Sie ermĂśglicht die optimierte Gestaltung komplexer technischer Systeme. FĂźr die Antragsstellung wurden in den beteiligten Branchen Workshops durchgefĂźhrt. Und so kamen Mitte März Ăźber 30 Teilnehmer zum Workshop „Technische Textilien“ zum ITV nach Denkendorf. Am 19. Oktober veranstaltet die AFBW einen

gemeinsamen Kongress mit Carbon Composites zum Thema Chancen der Faserverbundtechnologie fĂźr die kleine und mittelständische Industrie. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Wirtschaftsministeriums Baden-WĂźrttemberg. AuĂ&#x;erdem wird die AFBW einen Gemeinschaftsstand bei der Composite Europe in Stuttgart organisieren sowie regionale, thematisch spezialisierte „Business Brunch“ veranstalten. Christine Schneider

Vortragsveranstaltungen des ITCF Denkendorf t.BJVN6IS 4FNJOBSSBVN%FOLFOEPSG „Keramische Verbundwerkstoffe – Herstellung, Einsatz und Perspektiven“, Prof. Dr. Walter Krenkel, Universität Bayreuth t.BJVN6IS 4FNJOBSSBVN%FOLFOEPSG „Synthesis, Processing and Application of Kermel Fibres“, Dr. Francois Pinaud, Firma Kermel t.BJVN6IS 6OJWFSTJUĂŠU4UVUUHBSU „Funktionalisierte Graphene – neue Bausteine fĂźr polymere Werkstoffe und Katalyse“, Prof. Dr. Rolf MĂźlhaupt, Universität Freiburg

Pilotprojekt zur Abluftreinigung Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja GĂśnner zu Besuch bei Lindenfarb Seit April 2010 wird bei der Firma Lindenfarb ein Pilotprojekt zur Abluftreinigung durchgefĂźhrt. Dieses Projekt wird vom Umwelt- und Verkehrsministerium BadenWĂźrttemberg mit 50 Prozent der Kosten gefĂśrdert. Um sich Ăźber den Stand des Projekts und die damit zusammenhängende Abluftreinigungstechnik zu informieren, besuchte die Umwelt- und Verkehrsministerin, Tanja GĂśnner, die Firma Lindenfarb in Unterkochen. Nach der BegrĂźĂ&#x;ung durch GeschäftsfĂźhrer Dr. Axel Nickel, dem Technischen Leiter Andreas Niess und Dr. Ronald Eiser, Leiter Umweltschutz, stellte Dr. Nickel die

Hauptgeschäftsfelder des Unternehmens, die aktuellen umweltrelevanten Schwerpunkte sowie die bislang vorliegenden

on Teile der Produktion sowie die Pilotanlage. Begleitet wurde die Umwelt- und Verkehrsministerin von der Er-

dem Bundestagsabgeordneten, Roderich Kiesewetter, dem Landtagsabgeordneten, Winfried Mack und dem OberbĂźr-

Bei der Besichtigung der Pilotanlage: Roderich Kiesewetter, Martin Gerlach, Andreas Niess, Tanja GĂśnner, Dr. Axel Nickel, Dr. Ronald Eiser, Gabriele Seefried und Winfried Mack (v. l.) Foto: Lindenfarb

Messergebnisse des Projekts vor. Im Anschluss besichtigte die Delegati-

sten Landesbeamtin des Landratsamtes Ostalbkreis, Gabriele Seefried,

SĂźdwesttext

germeister der Stadt Aalen, Martin Gerlach. Simone Diebold

Gatex Am 5. Mai Âżndet in der Gatex, Bad Säckingen, das Seminar „Verantwortung von FĂźhrungskräften – Haftung fĂźr Personal und Produktion“ statt. Es beschäftigt sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, weckt Bewusstsein fĂźr die eigene Rechtsposition, beschreibt die besondere Verantwortung im Personalbereich und klärt Ăźber die PĂ€ichten im Umwelt- und Arbeitsschutz auf. Mehr unter www.diegatex.de

Denkendorfer Symposium Wie funktionieren natĂźrliche Energie-Systeme? Welche Energie-Strategien nutzt die Natur? Was kann die Menschheit von den Energie-Konzepten der Natur lernen und in intelligente Verfahren und Technologien umsetzen? Antworten auf diese Fragen gibt das am 12. Mai stattÂżndende Denkendorfer Symposium Energie und Bionik. Anmeldung und weitere Infos unter www.itv-denkendorf.de. Spitzenfrauen – Wege ganz nach oben Rund 400 Frauen in und auf dem Weg in FĂźhrungspositionen erwartet das Wirtschaftsministerium Baden-WĂźrttemberg zum zweiten Wirtschaftskongress „Spitzenfrauen – Wege ganz nach oben“. Der Kongress Âżndet am 13. Mai im Haus der Wirtschaft in Stuttgart statt. Ziel ist es, Frauen Ăźber aktuelle Zukunftstrends in der Wirtschaft zu informieren, ihnen eine Plattform zur Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch zu bieten und mit praxisorientierten Weiterbildungsangeboten den Aufstieg auf der Karriereleiter zu unterstĂźtzen. Weitere Informationen zum Kongress und zur Anmeldung unter www.spitzenfrauen-bw.de


Südwesttext

Technik + Umwelt

März 2011

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Wie Kleidung unsere Arbeit beeinflusst Forscher weisen Wirkung von Bekleidung auf die geistige Leistungsfähigkeit nach An vielen Arbeitsplätzen der westlichen Welt ist heutzutage ein hohes Maß an Konzentration gefordert. Dies gilt insbesondere wenn am Arbeitsplatz spezielle Berufsbekleidung oder gar persönliche Schutzausrüstung getragen werden muss. Während dabei der körperliche Personen- oder Produktschutz häu¿g im Vordergrund steht, ist bislang völlig ungeklärt, welchen Einfluss die Kleidung auf die geistige Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und damit auf ihr Arbeitsergebnis hat. Dieser wichtigen Frage sind Forscher der Hohenstein Institute in Bönnigheim nun im Rahmen einer Auftragsforschung nachgegangen. In Zusammenarbeit mit einem Pilotkunden, der DASTEX Reinraumzubehör GmbH in Muggensturm, wurde die Konzentrationsfähigkeit von Probanden unter Reinraumbedingungen über einen längeren Zeitraum hinweg

getestet. In einer speziell entwickelten „Stressbox“ mussten sie zunächst mit hoher Konzentration eine anspruchsvolle Aufgabe

einem neuen SoftwareTestsystem an den Hohenstein Institute geprüft, welches internationale Standards der Arbeits-

Probanden in der Stress-Box mit Einwegkleidung. Foto: Hohenstein Institute

erfüllen. Dabei trugen die Testpersonen unterschiedliche Qualitäten von Reinraumkleidung, wie sie heutzutage in der Pharma- und Halbleiterindustrie eingesetzt werden. Im Anschluss an die Stressphase wurde die mentale Leistungsfähigkeit der Probanden mit

psychologie beinhaltet. Getestet wurde sowohl die ungeteilte Konzentration als auch die Fähigkeit der Testpersonen zum Multitasking. Die Ergebnisse der Hohenstein Studie belegen, dass bei konstanten Umgebungsbedingungen die mit hochwertiger

Mehrwegbekleidung bekleideten Probanden insgesamt besser abschnitten, als Testpersonen in wenig atmungsaktiver Einwegkleidung. Dies zeigte sich sowohl in ihrer Reaktionsgeschwindigkeit, als auch in ihrer Fehlerrate. „Die Ergebnisse sind vollkommen eindeutig und zugleich faszinierend, so Prof. Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie an den Hohenstein Instituten, „seit langem beschäftigen wir uns neben der Produktoptimierung mit arbeitsmedizinischen Fragen und dem EinÀuss von Textilien auf den Menschen, in diesem Fall ganzen Bekleidungssystemen auf die Arbeitsleistung“. Neben den typischen Arbeiten unter Reinraumbedingungen sind stundenlanges Operieren unter feinmechanischen Anforderungen, das exakte Mischen von Chemotherapie-Medikamenten unter sterilen

Bedingungen, sowie die Luftverkehrsüberwachung weitere Beispiele für Tätigkeiten, die eine enorme Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz erfordern. Neben einem schnellen Reaktionsvermögen steht dabei vor allem eine möglichst niedrige Fehlerrate im Vordergrund. Diese Fehlerrate können die Forscher nun je nach Arbeitssituation und Kleidung messen. Das neue Testsystem wird zukünftig dabei helfen, arbeitsplatzspezi¿sche Bekleidung auf die mentale Leistungsfähigkeit und das Arbeitsergebnis hin besser auszuwählen oder anzupassen, so dass auch Hersteller von Kleidung für das Gesundheitswesen, das Militär oder den Zivilschutz (Polizei, Feuerwehr) von dem neuen Verfahren pro¿tieren dürften.

Simone Diebold

Hinweis

Neuregelung der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung 3. Mai 2011 - Filharmonie Filderstadt

Anmeldung: www.suedwesttextil.de/veranstaltungen


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Zu guter Letzt

März 2011

Südwesttext

Mein Praktikum bei Südwesttextil Drei Monate lang durfte ich einen Blick hinter die Kulissen des Verbandes werfen Zuerst möchte ich mich kurz selbst vorstellen: Ich heiße Manuel Walter, bin 22 Jahre alt und möchte zum Wintersemester 2011/12 ein Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Stuttgart beginnen. Mein Ziel war es, mit diesem Praktikum einen Einblick in die arbeitsrechtliche Seite der Berufswelt zu bekommen und mir so eine Grundlage in diesem Bereich zu verschaffen. Dieses Fachgebiet wird bei einem Arbeitgeberverband wie Südwesttextil ausgiebig beleuchtet. Nachdem der Kontakt zu Rechtsanwalt Kai-Uwe Götz hergestellt war und dieser sehr offen und freundlich reagiert hatte, stand meinem Praktikum nichts mehr im Wege. Bei einer Vorbesprechung legten wir noch Schwerpunktthemen fest und vereinbarten einen groben Ablaufplan. Am 4. Januar begann ich als Praktikant in der Rechtsabteilung des Verbands. Ich hatte einen ständigen Arbeitsplatz im 2. OG besetzt, an wel-

Impressum © Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers. Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie – Südwesttextil e.V. Kernerstraße 59 70182 Stuttgart Postfach 10 50 22 70044 Stuttgart Telefon: +49 711 21050-0 Telefax: +49 711 233718 Internet: www.suedwesttextil.de Präsident Armin Knauer Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop Verantwortlich für Inhalt und Layout: Simone Diebold Gestaltung: www.die-wegmeister.com Druck: Gress-Druck GmbH, Fellbach Auflage: 900

chem ich ungestört Akten „verschlingen“ konnte. Zuerst wurde mir eine

Insbesondere interessierte ich mich für praktische Fälle und deren

ßentermine, so dass ich die betreuenden Rechtsanwälte begleiten durfte

Südwesttextil-Praktikant Manuel Walter beim Akten „verschlingen“.

grundlegende Einführung ins Arbeitsrecht durch Herrn Götz zuteil. Dies war auch nötig, da ich auf diesem Gebiet bis zu diesem Zeitpunkt geringe bis keine Kenntnisse besaß. Außerdem wurden mir die Themen des Tarifvertrages sowie die Satzung näher gebracht, vor allem im Hinblick auf die anstehenden Tarifverhandlungen im Februar.

rechtlichen Hintergrund. So bekam ich die Möglichkeit, mich in verschiedene Akten einzuarbeiten, um dann diese Fälle mit den jeweiligen Rechtsanwälten zu erörtern. Ich wählte mir die spannendsten aus bzw. die, von denen ich annahm, dass sie sich dementsprechend entwickeln könnten. Anschließend ergaben sich regelmäßig Au-

Hugo Boss Fashion Award 2011 Die drei besten Kollektionen des diesjährigen Hugo Boss Fashion Awards wurden von Jan Kleeberg, Senior Head of Creative Management BOSS Black Sportswear, am 10. März im Design Center Stuttgart ausgezeichnet. Jens Strasser aus Zweibrücken hat den ersten Preis gewonnen und erhielt 1 500 Euro und ein zwölfmonatiges Praktikum bei Hugo Boss. Die Zweitplatzierte Sabine Gerhard aus Würzburg wurde mit 1 000 Euro sowie einem sechsmonatigem Praktikum ausgezeichnet. Den 3. Platz mit 500 Euro und einem viermonatigen Praktikum belegte Tanja Wozke aus Lüdenscheid. Insgesamt 21 Studierende der Staatlichen Modeschule Stuttgart beteiligten sich an dem Contest und stellen ihre Arbeiten nun in Auszügen in Zusammenarbeit mit dem Design Center Stuttgart aus.

und den jeweiligen Fall vor Gericht mitverfolgen konnte. Somit nahm ich an Verhandlungen als interessierter Zuschauer teil. Dabei war die höchste Gerichtsbarkeit, welche ich in meiner Zeit verfolgen konnte, ein Verfahren mit Rechtsanwalt Boris Behringer beim Landesarbeitsgericht in Stuttgart. Ich muss sagen, dass

jeder Fall für sich etwas Besonderes war, egal ob es der zweite, dritte oder vierte Fall einer betriebsbedingten Kündigung war. Auch wenn die rechtlichen Hintergründe manchmal ähnlich gelagert waren, so gab es doch häu¿g betriebliche Gegebenheiten, welche den Fall anders verlaufen ließen. Ein weiterer spannender Termin war eine Fachtagung zum Thema „Arbeitsrecht 2011“, mit dem Referenten Prof. Dr. Bayreuther, zu welchem ich Rechtsanwalt Nathan Binkowski begleiten durfte. Der Vortrag war mir über weite Strecken sehr verständlich, da er sehr praxisbezogen vorgetragen wurde. Ich möchte Südwesttextil nochmals für die Möglichkeit, ein Praktikum in seinem Hause machen zu dürfen danken und kann nur sagen, dass es mir thematisch sowie beim Verband selbst, sehr gut gefallen hat und ich jederzeit gerne wieder ein Praktikum machen würde. Manuel Walter

Zitat „Am seidnen Faden hing ein Schwert, sich auf mein Haupt zu laden. Glaubt ihr, dass mich das Schwert gestört? Mich schreckte nur der Faden.“ Ein von Südwesttextil-Präsident Armin Knauer in diesen Zeiten gern zitiertes Gedicht des Kabarettisten Werner Fink.


Südwesttext März 2011