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Südwesttext September 2010

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SÜDWESTTEXT Nr. 36

THEMEN Innovationspreis textil+mode 2010 Verband + Industrie, Seite 3

Go Textile! gut vernetzt Bildung + Soziales, Seite 7

Auch Geschäftsführer sind Verbraucher Recht + Steuern, Seite 8

Sonnenschutz für einen Arbeitstag Technik + Umwelt, Seite 11

Service Aktuelle Steuer-Nachrichten

Recht + Steuern, Seite 9

Aktuell Die Planungen für die große „Zukunftskonferenz Textil 2011“ schreiten voran. Das gemeinsam von Südwesttextil, dem Gesamtverband textil+mode sowie von Bund und Land veranstaltete Forum findet am 30. Juni und 1. Juli 2011 in Stuttgart statt. Begleitet wird die mit hochkarätigen Referenten besetzte Tagung von einer umfangreichen Fachausstellung von Forschungsinstituten und Unternehmen.

Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie

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Ein „fliegendes“ Segelboot aus Textil Denkendorfer Forscher gewinnen Innovationspreis Raphael Geiger und Florian Fritz vom ITV Denkendorf sind Gewinner des Innovationspreises textil+mode 2010, der am 20. September in Düsseldorf zum dritten Mal verliehen wurde. In der Kategorie „Technische Textilien“ waren die beiden 27 und 29 Jahre alten Diplom-Ingenieur-Studenten mit ihrer Entwicklung eines faserbasierten Hydrofoil-Segelboots erfolgreich. Der mit 10 000 Euro und diversen Sachleistungen dotierte Preis wird für Projekte junger Entwickler vergeben, die durch ihren Innovationsgrad, ihre Markttauglichkeit und die Umsetzbarkeit der Idee überzeugen. Ihren Traum von einem schnelleren Segeln setzten die beiden Preisträ-

So sehen Sieger aus: Florian Fritz und Raphael Geiger (v. l.)

ger im Rahmen ihrer Diplomarbeiten am ITV Denkendorf um: Durch den Einsatz intelligenter textiler Materialien und unter Anwendung bionischer

Prinzipien entwickelten sie ein High-Tech-Boot mit ausgezeichneten funktionalen Eigenschaften. Primäre Anforderungen waren eine strömungs-

Fotos: t+m

günstige Form, extremer Leichtbau und ein gutes Segelverhalten. So konstruierten sie ein Ein-Mann-Segelboot, das Fortsetzung Seite 2

AFBW erhält Fördermittel Wirtschaftsminister Ernst Pfister attestiert hohes Innovationspotenzial Zum Aufbau des von Südwesttextil angeregten landesweiten Netzwerkes hat das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg jetzt dem Verein Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW) einen Zuschuss in Höhe von rund 194 000 Euro bewilligt. Die Mittel stammen aus dem Europäischen Strukturfonds für regionale Entwicklung (EFRE). Dies teilte Wirtschaftsminister Ernst Pfister Mitte September in Stuttgart den Projektpartnern mit. Im Netzwerk AFBW sind elf Partner über tra-

ditionelle Industriezweige und Branchengrenzen hinweg vernetzt und relevante Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft integriert. Der Verein erhielt im Januar 2009 den Zuschlag im Rahmen eines Wettbewerbs, den das Wirtschaftsministerium zur Vergabe der EFREMittel für die besten Ideen zum Aufbau eines Netzwerks im Bereich der Querschnittstechnologie der faserbasierten Werkstoffe ausgeschrieben hatte. „Der Technologiebereich der faserbasierten

www.suedwesttextil.de

Werkstoffe wie beispielsweise Verbundmaterialien, Membrane, Vliese oder funktionalisierte Fasern wurde aufgrund seines besonders hohen Innovationspotenzials im Rahmen der Netzwerkstrategie ausgewählt“, so Ernst Pfister. Diese Hightech-Materialien bilden wegen der erzielbaren Materialeigenschaften und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten beispielsweise in der Medizin- und Umwelttechnik, im Fahrzeugbau und im Bauwesen die Basis für Lösungen von Problemstellungen der Zukunft.

„Ziel des Vorhabens des AFBW ist es, mit Hilfe eines professionellen Netzwerkmanagements und durch die Umsetzung eines umfassenden Maßnahmenkatalogs die Innovationspotenziale dieser Querschnittstechnologie entlang der Wertschöpfungskette zu nutzen und weiterzuentwickeln“, schreibt der Wirtschaftsminister. Durch die Netzwerkarbeit würden Innovationen in verschiedenen Technologiebereichen wie Mobilität, Gesundheit und Umwelt angestoßen. Christine Schneider


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Verband + Industrie

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Fortsetzung von Seite 1

In Kürze

Ein „fliegendes“ Segelboot aus Textil bei höheren Geschwindigkeiten über dem Wasser „fliegt“. Der Rumpf hebt sich dabei bis zu 50 cm aus dem Wasser und wird von den sogenannten „Hydrofoils“ – unter Schwert und Ruder angebrachte Tragflächen – getragen. Dies ermöglicht ein mehr als doppelt so hohes Fahrtempo wie bei gewöhnlichen Segelbooten dieser Größe. Da absoluter Leichtbau maximalen Auftrieb der Hydrofoils garantiert, wurde das gesamte Boot in KohlenstofffaserverbundSandwich-Bauweise gefertigt – eine anspruchsvolle Aufgabe für die schwäbischen Tüftler. Der leichte Rohrrahmen, auf dem der Segler sitzt, wurde aus Kohlenstofffasern geflochten und gehärtet. Das Segelboot der beiden Studenten ist extrem leicht und belastbar. Es liegt optimal im Wasser und ist unsinkbar. Durch seine strömungsoptimierte, aerodynamische Form und eine verbesserte Längssteifigkeit können höhere Segelgeschwindigkeiten und eine präzisere Segelsteuerung erzielt werden. Gelungen ist dieses herausragende Ergebnis durch die inno-

Das Hydrofoil-Ein-Mann-Segelboot – eine innovative Kombination unterschiedlicher Textiltechnologien verbunden mit einem funktionellen Design.

vative, zielgerichtete Kombination unterschiedlicher Textiltechnologien verbunden mit einem neuen Design des Bootsrumpfes. Für den Bootsrumpf setzten die beiden statt eines Kohlenstofffasergewebes, wie konventionell üblich, ein biaxiales Gelege ein. Dadurch liegen die Fasern gestreckt – ideal um Lasten aufzunehmen. Das bietet bei gleichem Gewicht eine höhere Festigkeit. Mit einem Faserstrang über die komplette Bootslänge in der Mitte wurde das Boot gezielt verstärkt. So werden präzisere Segeleigenschaften erreicht. Zusätzlich wurde die stark beanspruchte Position der Schwertaufnahme durch gezieltes Aufbringen von Fasersträngen in Kraftrichtung gesichert. Zum Schutz der Bootsunterseite gegenüber Kontakt mit Sand und Steinen wurde diese längs des Mittelstevens durch ein AramidGewebeband verstärkt. Durch die regelmäßigen Fadenverkreuzungen im Gewebe wird eine hohe Bruchzähigkeit erreicht. Die Vision der beiden Jungingenieure: Start bei Weltmeisterschaften und die Selbstständigkeit. Simone Diebold

Industrieland Deutschland stärken BDI wirbt bei Politik für entschlosseneres Handeln Als einen „Angriff auf die Wertschöpfungsketten“ betrachtet BDI-Präsident Hans-Peter Keitel die jüngsten Steuerbeschlüsse der Bundesregierung, insbesondere im Bereich der Energie- und Stromsteuern. Beim Tag der Deutschen Industrie am 28. September in Berlin verwies er darauf, dass Deutschland das einzige Land sei, das seine Unternehmen im jungen Aufschwung zusätzlich belaste.

Dabei sorge die Wirtschaft durch ihr Wachstum in diesem Jahr dafür, „dass die Steuern um mindestens 15 Milliarden Euro höher ausfallen als gedacht. Damit leisten wir einen größeren Beitrag für die Staatsfinanzen als das ganze Konsolidierungspaket“, so der BDI-Präsident. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte er entschlosseneres Handeln von der Bundesregierung. Dies

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gelte gleichermaßen in der Energie-, Gesundheitsund Haushaltspolitik. Im Finanzbereich drängt der BDI vor allem auf eine Steuervereinfachung. Von 170 Posten auf einer BDI-Mängelliste des Steuerrechts würden 158 den Fiskus praktisch nichts kosten. Daneben plädiert Keitel bei finanziellen Spielräumen prioritär für die Straffung des Mittelstandsbauchs im Einkommensteuertarif.

Der Schwerpunkt des BDI-Tags, an dem auch die Verbände Südwesttextil, Gesamtmasche und textil+mode vertreten waren, lag auf Innovation und Internationalisierung als Erfolgsfaktoren für die deutsche Industrie und ihren Mittelstand. Den Organisatoren gelang es, ein sichtbares Zeichen für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Industrie zu setzen. Simone Diebold

Die Geschäftslage der Trevira entwickelt sich nach eigenen Angaben weiterhin positiv. Im Juli hatte der Polyesterspezialist für das erste Halbjahr 2010 einen Umsatz von rund 120 Mio. Euro bekannt gegeben, der um 10 Prozent deutlich über den Planzahlen lag. Die positive Entwicklung lag vor allem an Zuwächsen im Spezialitätengeschäft des Faserherstellers und ist auch auf ein verbessertes wirtschaftliches Umfeld zurückzuführen. Für das zweite Halbjahr erwartet man bei Trevira ein solides Geschäft mit sich weiter stabilisierenden Umsätzen. Für 2011 geht das Unternehmen von einer moderaten Fortsetzung der guten Konjunktur aus. Bürgschaftsbank BadenWürttemberg GmbH und MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH verbinden jetzt ihre Stärken in einem gemeinsamen Programm. Mit dem neuen KombiProgramm aus einer Bürgschaft für Förderkredite der L-Bank plus einer stillen Beteiligung bieten sie kleinen und mittleren Unternehmen im Land das ideale Instrument, um den Aufschwung zu meistern. Näheres unter www.buergschaftsbank.de Der europäische Markt für Faserverbund-Werkstoffe hat sich nach zwei wirtschaftlich schwierigen Jahren wieder deutlich erholt. Die Belebung der Absatzmärkte führte bereits in diesem Jahr zu einem Ausbau der CompositesProduktion um bis zu 25 Prozent und zur Erschließung weiterer, neuer Märkte für Faserverbundwerkstoffe. Diese Impulse hat auch die Fachmesse Composites Europe 2010 in Essen widergespiegelt.


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Verband + Industrie

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Innovationspreis textil+mode 2010 Die Gewinner präsentierten einen bunten Strauß textiler Einsatzmöglichkeiten Rund 470 Gäste aus Industrie, Design und Handel der Mode- und Textilbranche kamen am

Innovationen hervorbringt. Die Preisverleihung verlief kurzweilig zwi-

rin in der Kategorie Textildesign, Almut Warttinger aus Berlin, Musik auf Textil sichtbar zu

Zufrieden mit der Veranstaltung: Preisträger, Jury und Organisationsteam

20. September zur spannenden Preisverleihung des dritten Innovationspreises textil+mode ins K21 nach Düsseldorf. Das Entertainment startete im eigens für den Anlass aufgebauten weißen Zelt vor dem Gebäude. Hier konnten die Gäste bei einem Wellness Drink und Begrüßungsgesprächen die nominierten Arbeiten begutachten. Anschließend führte Dunja Hayali, ZDFNachrichtensprecherin und neue Leiterin des Morgenmagazins souverän durch das Programm und war überrascht, was die Textilbranche an

Die Klangteppichdesignerin Almut Warttinger.

schen den Gängen eines ausgezeichneten GalaDinners und unterhaltsamen, auf Textil abgestimmten Showacts.

Fotos: t+m

machen, bezeichnete die Laudatorin Dr. Dorothee Achenbach als einmalig. Auf Basis einer Partitur erstellt die 29-Jährige

Heinz Horn und Rolf Königs erklärten Dunja Hayali den vielfältigen Einsatz von Textil (v. l.).

Emotional und begeistert nahmen die jungen kreativen Entwickler ihre Preise entgegen (1. Platz 10 000 Euro sowie diverse Sachleistungen, 2. Platz 2 500 Euro und 3. Platz 1 000 Euro), die der Gesamtverband stellvertretend für die Branche an den Nachwuchs für herausragende und eigenständige Leistungen vergibt. Voll des Lobes für die Gewinner waren auch die Laudatoren und Mitglieder der Jury. Die Arbeit „Imago Sonus“ der 1. Preisträge-

musikalische Baupläne in Diagrammform für den Einsatz der Instrumente, Rhythmen, Lautstärken und prägnanten Melodien – Grundgerüst für handgemalte Aquarelle, die in großformatige Digitaldrucke umgewandelt werden. Den 2. Preis erhielt Anne Trautwein für ihre Strickarbeit mit Tyvek, einem aus Polyethylenfasern gepressten Spinnvlies. Der 3. Preis ging an Teresa Gaschler für ihre Webentwürfe aus Crinol. Laudatorin Claudia van Bonn, Chefredak-

teurin der Textilzeitung Melliand, zeigte sich begeistert über die textile Materialentwicklung des bionischen Hydrofoil-Segelboots in KohlenstoffFaserverband-Bauweise der Gewinner in der Kategorie Technische Textilien Raphael Geiger und Florian Fritz (siehe Artikel Seite 1). Den 2. Platz belegte Katharina Gnewuch mit dem Therapiehandschuh für Schlaganfallpatienten und Stephanie Hornig den 3. Platz für ihre Arbeit Canvas – die Besonderheit von LED’s sich in andere Materialien zu integrieren. Nach einer überzeugenden Modenschau mit den Kollektionen der drei Preisträger in der Kategorie Modedesign würdigte Laudator Rolf Königs den außergewöhnlichen Stil des Siegers Sebastian Dahlmans, der in Opulenz schwelgt, aber dennoch den Zeitgeist von heute einfließen lässt. Seine Kreationen aus kostbaren Materialien wie Duchess-Seide, Crepe-Satin, Kaschmir und Kalbsleder stehen für Dekadenz, Stil und Etikette der Familie Romanow. „Was der erst 23 Jahre alte Sebastian Dahlmans mit seiner Kollektion auf die Beine gestellt hat, ist enorm“, lobte Königs. Die Jury sei sich beim Platz 1 sofort einig gewesen, denn die Kollektion des EsmodAbsolventen sei, was Idee, Konzept und Umsetzung angeht, herausragend. Aber auch die Kollektionen der beiden Duos Margiotta-Plaskova und Burkhard-Möllmann wurden sehr positiv beurteilt. Immerhin hatten sie sich gegen mehr als 100 Einsendungen durchgesetzt. Für 2011 kündigt der Gesamtverband eine Erweiterung des Bewertungsspektrums an. So wird der Partner Messe

Opulente Kreation des Modedesigners Sebastian Dahlmans.

Frankfurt, der bereits seit 2008 zu den Sponsoren von textil+mode Innovationspreis zählt, einen Sonderpreis zum Thema Nachhaltigkeit einbringen. Simone Diebold

Die Verwandlungskünstlerin des Duos „Quick Change“.


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Verband + Industrie

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„Produktion in Deutschland wird bestraft“ Horn schreibt Brandbrief an die Kanzlerin Die Entwicklung der Energie- und insbesondere der Strompreise hat GesamtverbandsPräsident Heinz Horn dazu veranlasst, einen dringenden Appell an die Bundesregierung zu richten. In seinem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel bezeichnet er den fehlenden Wettbewerb und die staatlichen Belastungen als zunehmend bedrohlich. „Wenn Deutschland nicht de-industrialisiert werden soll, muss etwas geschehen“, so Horn. Ab dem nächsten Jahr rolle eine Welle von zusätzlichen finanziellen Belastungen auf die Unternehmen zu, „die in Deutschland produzieren und den Menschen Arbeit geben“. Die Abgaben stiegen, unabhängig davon, ob ein Unternehmen Gewinn oder Verlust mache. „Produktion in Deutschland wird bestraft“, schreibt der Verbandspräsident in seinem Brandbrief.

Heinz Horn appelliert an die Bundesregierung, an den geltenden Entlastungen bei den Energie- und Stromsteuern festzuhalten.

Als Beleg führt er das Beispiel einer baden-württembergischen Spinnerei an, deren Mehrbelastung durch EEG-Umlage und Stromsteuererhöhung im nächsten Jahr 106 Prozent betrage. Das entspräche zwei Prozent des Umsatzes, wobei die

indirekten Belastungen durch den Emissionshandel noch nicht einmal berücksichtigt seien. Die gesamten Auswirkungen der geplanten Strom- und Energiesteuererhöhung sowie die zu erwartende Verdoppelung der EEG-Umlage würden viele Unterneh-

men in ihrer Existenz gefährden. Deshalb bittet Horn Kanzlerin Merkel, an den geltenden Entlastungen bei den Energie- und Stromsteuern festzuhalten und lediglich die Missbrauchstatbestände zu begrenzen. Mittelfristig müsse die Förderung der erneuerbaren Energie überdacht werden. Dies gelte zum einen für die Höhe der Förderung, die noch stärker abgeschmolzen werden müsse, als im Sommer beschlossen. Zum anderen sei die Förderung regenerativer Energien eine gesamtstaatliche Aufgabe, weshalb eigentlich eine Finanzierung aus Steuermitteln der systematisch richtige Weg sei. Bleibe es aber im aktuellen Finanzierungssystem, müsse dieses wenigstens „mittelstandsfreundlich“ ausgestaltet werden. Die aktuelle Härtefallregel sei untauglich, da sie nur wenigen Großunternehmen nütze. Stattdessen fordert

Horn eine Deckelung der EEG-Umlage für das produzierende Gewerbe. Der Brief steht unter www.suedwesttextil. de zum Download bereit. Markus H. Ostrop

Reformvorschlag fürs EEG Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) plädiert dafür, die Fördersätze für den Ausbau erneuerbarer Energien an das Marktpreisniveau heranzuführen. Seit dem Jahr 2000 hätten die Stromkunden fast 61 Milliarden Euro als Einspeisevergütung für erneuerbaren Strom bezahlt, in den kommenden fünf Jahren werde der Betrag auf 153 Milliarden Euro steigen. Das IW riet deshalb auch mit Blick auf die im Jahr 2012 anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu einer Korridorlösung, bei der steigende Ausbauraten mit einer stärkeren Absenkung der Fördersätze einhergehen.

Hinweis

Der Förderverein der Gatex lädt ein zur Vortragsveranstaltung am 10. November 2010, 19.00 Uhr Digitales Colormanagement aus der Sicht eines Retailers Jochen Adler, Triumph China – Wer kommt nach dem Boom? Dr. Henrique Schneider, schweizerischer Gewerbeverband

Anmeldung: www.suedwesttextil.de/veranstaltungen


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Verband + Industrie

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Kunden werden das nicht bezahlen Ministerin Gönner zeigt Verständnis für Klage über Stromverteuerung Baden-Württembergs Umwelt- und Verkehrsministerin ist eine gefragte Frau. Gerade in diesen Tagen eilt Tanja Gönner von einem Termin zum anderen, gibt Interviews, führt Fernsehdiskussionen und streitet sich mit Andersdenkenden. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 scheint sie voll in Beschlag genommen zu haben. Umso bemerkenswerter ist es, dass sie sich zwischen all den Terminen Zeit für die Textilindustrie nimmt. Im Ministerium am Stuttgarter Kernerplatz empfängt sie an einem Freitagnachmittag Anfang September Südwesttextil-Präsident Armin Knauer und Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop zum Gedankenaustausch. Hauptthema: die Belastungen durch die jüngst vom Bundeskabinett beschlossenen Erhöhungen der Energie- und Stromsteuern. Am Beispiel seiner eigenen Spinnerei und Tex-

tilveredlung macht Präsident Knauer deutlich: die Steuererhöhungen treffen die energieinten-

Knauer, „denn unsere Kunden werden das nicht bezahlen.“ Die deutschen Energiepreise zählten

vermeidbar seien. Die Umlage richte sich nach der Differenz der für den EEG-Strom gezahlten

Umweltministerin Tanja Gönner im Gespräch mit Südwesttextilpräsident Armin Knauer.

sive Industrie dramatisch. Teilweise mehr als das Dreifache der bisherigen Zahlungen an Stromund Energiesteuern werden im nächsten und im übernächsten Jahr fällig. „Das ist für viele Betriebe und damit für die textile Wertschöpfungskette existenzbedrohend“, so

aufgrund der nationalen Sonderregeln bereits heute mit zu den höchsten in Europa. Tanja Gönner zeigte sich verständnisvoll. „Sie stoßen bei uns nicht auf taube Ohren“, meinte sie, machte aber zugleich deutlich, dass die Kostensteigerungen nicht

Verwertungserträge und der damit verbundenen Aufwendungen. Insbesondere der Ausbau von Photovoltaik führe deshalb zu einem Anstieg der EEG-Umlage, weil Mehrkosten für erneuerbare Energien auf die Strompreise aller Verbraucher verteilt würden.

In einigen Jahren werde die Umlage wieder zurückgehen, sagte die Umweltministerin. Sie räumte aber ein, dass das für die gegenwärtig belastete Textilindustrie kein Trost sein könne. In seinem Bemühen, die Fortschrittlichkeit der heutigen Textil- und Bekleidungsindustrie auch bei der Politik bekannter zu machen, lud der Südwesttextil-Präsident die Ministerin zu einem Besuch der baden-württembergischen textilen Forschungsinstitute ein. Frau Gönner, die aus Sigmaringen stammt und mit großem Verständnis für die Textil-industrie aufgewachsen sei, zeigte sich an einem Besuch überaus interessiert. Allerdings lasse ihr das Bahnprojekt sicher bis zum Jahresende keine Zeit. „Und dann ist Wahlkampf – und danach sehen wir mal weiter.“

Markus H. Ostrop

Österreichs Textilbranche schafft die Trendwende Besonders Spinner und Weber legen zu Nach massiven Einbrüchen von bis zu 20 Prozent im vergangenen Jahr geht es in Österreichs Textilbranche wieder aufwärts. „Die Textil- und Schuhindustrie schaffen die Trendwende und steuern in ein ruhigeres Fahrwasser, die Bekleidungsindustrie ist weiter auf Kurs“, erklärt Reinhard Backhausen, Präsident des neuen Fachverbands Textil-, Bekleidung-, Schuh und Lederindustrie (TBSL). Der Umsatz der Textilindustrie ist im ersten Halbjahr um acht Prozent auf 1,1 Mrd. Euro gewachsen.

Die Exporte stiegen um sieben Prozent auf 714 Mill. Euro. Die Ausfuhren nach Deutschland erhöhten sich um 11,2 Prozent, die Einfuhren um rund 18 Prozent.

reien mit plus 19 Prozent. „Für Auftragszuwächse sorgten die im vergangenen Jahr geleerten Lager der Kunden, die nun wieder aufgefüllt wurden“, so Backhausen.

Niedriglohnländern hätten zur Rückführung von Produktionen nach Europa geführt. Die Bekleidungsindustrie steigerte ihre Erlöse in der ersten Jahreshälfte

Besonders kräftige Umsatzzuwächse gab es bei den Spinnereien mit einem Plus von 12,7 Prozent und bei den Webe-

Auch die Unsicherheit durch steigende Lohnkosten in China und Turbulenzen bei den Arbeitsverhältnissen in

um 3,4 Prozent auf 550 Mill. Euro. „Wir erwarten, dass die Umsätze im Bekleidungshandel in wichtigen Märkten

wie Deutschland und Österreich eine weiter steigende Nachfrage nach sich ziehen werden“, erklärt Franz J. Pitnik, Geschäftsführer des TBSL. Von Januar bis Ende Juni verkauften die Konfektionäre 4,7 Prozent mehr an die deutschen Nachbarn und importierten von ihnen 11,2 Prozent mehr. Der neu organisierte Verband repräsentiert 550 Unternehmen mit 24 000 Beschäftigten und rund 4 Mrd. Euro Umsatz.

Simone Diebold


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Bildung + Soziales

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Stärken und Schwächen der deutschen Bildung Die neue OECD-Studie erörtert die Herausforderungen und gibt Handlungsempfehlungen Aktuell hat die OECD ihre Studie „Lernen für die Arbeitswelt – OECDStudien zur Berufsbildung“ für Deutschland vorgelegt. Sie erörtert die wichtigsten Herausforderungen vor denen das deutsche Berufsbildungssystem aus ihrer Sicht steht und gibt entsprechende Handlungsempfehlungen für die Politik. Die OECD sieht im deutschen Berufsbildungssystem zahlreiche Stärken: Die Berufsbildung genieße ein hohes Ansehen, umfasse ein breites Spektrum an Berufen und passe sich flexibel an sich wandelnde Arbeitsmarkterfordernisse an. Darüber hinaus seien die Strukturen des dualen Systems auch auf Berufe übertragen worden, die in anderen Ländern zu einer Ausbildung im Tertiärbereich gehören. Das duale System verbinde besonders gut das Ler-

Die OECD lobt in Deutschland das hohe Maß an aktivem Engagement der Arbeitgeber bei der Ausbildung.

nen im Betrieb mit dem Lernen in der Schule und schaffe so einen erfolgreichen Übergang in die Beschäftigung. Die positive Folge: Deutschland zeichnet sich durch eine im internationalen Vergleich geringe Jugendarbeitslosigkeit aus. Eine der größten Stärken ist laut OECD

Play Business – Wirtschaftsplanspiel für Azubis in Baden-Württemberg Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge kann man lernen, indem man ein Lehrbuch liest – man kann sie aber auch erleben, indem man einfach selbst ein Unternehmen steuert. Playbizz, das Wirtschaftsplanspiel in Baden-Württemberg, bietet den Auszubildenden die Möglichkeit, als Manager ein Unternehmen zu führen und dabei die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre spielerisch zu erleben. Wie in einem richtigen Unternehmen sind in den betrieblichen Funktionsbereichen Beschaffung, Produktion und Vertrieb sowie Personal- und Finanzwesen Planungen vorzunehmen und Entscheidungen zu treffen. Schlüsselqualifikationen wie Selbstorganisation, analytisches Denken, strukturiertes Arbeiten, Team-, Kommunikationsund Konfliktfähigkeit werden durch die gemeinsame Entscheidungsfindung in der Gruppe trainiert. Mit diesem Nachfolgeprojekt von S.P.E.E.D. wird den Auszubildenden zusätzlich über die Internetseite www.playbizz.de zahlreiche Hilfestellungen an die Hand gegeben. Hier können beispielsweise typische Planungsrechnungen als Demo getestet werden. Anmeldeschluss ist der 15. Oktober. Mehr Informationen und eine Produktdemo findet sich unter www.playbizz.de.

das hohe Maß an aktivem Engagement der Arbeitgeber, die gerade auch während der Wirtschaftskrise das betriebliche Ausbildungsengagement aufrechterhalten haben. Herausforderungen sieht die OECD insbesondere im Übergangssystem, das unter Fragmentierung und feh-

lender Transparenz leide. Trotz umfangreicher Mittel und Maßnahmen verfügten zahlreiche Schulabgänger nur über unzureichende Basiskompetenzen, so dass ihnen der Übergang in eine reguläre Ausbildung nicht oder nur selten gelinge. Dem Berufsbildungssystem fehlten die

Möglichkeiten, diese Defizite zu erkennen bzw. sie zu beheben. Zu Recht markiert die Studie hier die unzureichenden Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen vieler Hauptschulabsolventen als Haupthindernis beim erfolgreichen Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. Dieses Defizit kann aber nicht, wie die Studie empfiehlt, erst durch mehr allgemein bildenden Unterricht in der Berufsschule auf Kosten der fachpraktischen Ausbildung im Betrieb gelöst werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die neuen Möglichkeiten, um von beruflichen Bildungsgängen in die Tertiärbildung überzuwechseln, noch nur unzureichend genutzt würden. Die Studie kann auf der Internetseite von Südwesttextil heruntergeladen werden. Christine Schneider

Praxisorientierte Bewerber Infobroschüre zur Einstellung von Bachelorabsolventen Die Broschüre „Bachelor und Master – Einstieg“ liegt nun in einer aktualisierten Fassung vor.

große Herausforderung dar. Es bewerben sich in den Betrieben junge Hochschulabsolventen,

Bachelor und Master – der Einstieg.

Die neuen Studiengänge, als ein Ergebnis des sogenannten Bologna-Prozesses, stellen für Studierende, Hochschulen und Arbeitgeber eine

die im Idealfall praxisorientierter, mit anderen bzw. teilweise neuen thematischen Schwerpunkten und einer stärkeren internationalen Ausrich-

tung ausgebildet worden sind. Die Unternehmen treffen somit auf einen anderen Bewerbertyp. Hierauf sollten sie mit besonderen Rekrutierungsinstrumenten der Personalentwicklung und Einstellungsprozessen reagieren. In der Broschüre werden die wichtigsten strukturellen und inhaltlichen Änderungen übersichtlich erläutert und zahlreiche Informationsangebote in Form einer Linksammlung aufgeführt. Die Informationsbroschüre kann unter www. suedwesttextil.de heruntergeladen werden. Christine Schneider


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Go Textile! gut vernetzt Das Ausbildungsportal der Textil- und Bekleidungsindustrie ist gefragt Seit dem Start der Kampagne im September letzten Jahres haben 30 132 Besuchern auf die Internetseite Go Textile! zugegriffen und dabei 160 122 Seiten aufgerufen. Durchschnittlich schauten sich die Besucher 5,31 Seiten an. Auch die Events und Initiativen rund um die Nachwuchskampagne zeigen ihre Auswirkungen auf der Plattform: So stiegen die Zugriffszahlen im Mai, nach der Schaltung der Anzeige in der bundesweit vertriebenen Schülerzeitung YAEZ inklusive einem Gewinnspiel, im Vergleich zum Vormonat um 23 Prozent an. Nach dem SlacklineEvent auf der OutdoorMesse in Friedrichshafen im August stiegen die Zugriffszahlen um 19 Prozent. Die Vernetzung der Seite entwickelt sich positiv. Das macht sich u.a. in den wachsenden Zugriffszahlen und dem erfreulich guten Google PageRank bemerkbar. Dieser weist Go Textile! inzwischen einen Wert

von 5 zu, das bedeutet im Ranking „sehr gut“.

Links auf eine Seite verweisen, desto höher ist

Wie findet man den PageRank einer Seite? Nach nur einem Jahr Nachwuchskampagne ist PageRank 5 bei Google ist ein sehr guter Wert.

Der PageRank-Algorithmus dient der Suchmaschine Google als Grundlage für die Bewertung von Seiten und ist eine spezielle Methode, die Linkpopularität einer Seite bzw. eines Dokuments festzulegen. Das Prinzip lautet: Je mehr

das Gewicht dieser Seite. Je höher wiederum das Gewicht der verweisenden Seiten ist, umso größer ist der Effekt. Das Ziel des Verfahrens ist es, die Links dem Gewicht entsprechend zu sortieren. So kann bei einer Suchabfrage eine Ergeb-

Einjährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer

Global Safety Textile (GST) die Qualifizierung zum Maschinen- und Anlagenführer. Ein Jahr lang werden die neuen Azubis immer dienstags in 316 Fachunterrichtsstunden und 60 Stunden Wirtschafts- und Sozialkunde sowie einer Einführung in das Lernen an

Diese sollen eigene Profile bei Go Textile! erstellen und ihre Internetseiten mit der Plattform verlinken. Außerdem werden im Rahmen der Kampagne kurze Filme der Ausbildungsberufe in den YouTube-Kanal von Go Textile! eingestellt. Die Video-Plattform wird zunehmend als Suchmaschine genutzt. Die Zugriffszahlen dort scheinen ebenfalls eine Auswirkung auf die Einbindung bei Google zu haben. Christine Schneider

Dienstags in der Gatex Mitte September startete in der Gatex für 25 Mitarbeiter des SüdwesttextilMitgliedsunternehmen

nisreihenfolge hergestellt werden. Der PageRank

ihr Ziel herangeführt: die Abschlussprüfung bei der IHK. Einen Großteil der Kosten für diese Weiterbildung wird durch die Arbeitsagentur für Arbeit übernommen. Das Schulbankdrücken wird eine Umstellung für die neuen Auszubildenden, die schon seit mehreren Jahren in der Textilindustrie arbeiten. Hauptsächlich die ersten Wochen verlangen Stehvermögen. Aber es lohnt sich: Diese verkürzte Ausbildung für an- und ungelernte Mitarbeiter,

die schon mehrere Jahre in der Branche arbeiten, ist ein hervorragendes Instrument, um dem Fachkräftemangel in der Textilindustrie zu begegnen. Für Ende des Jahres ist im Rahmen der Wegebau-Förderung eine weitere Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer in der Gatex geplant. Bei Interesse erfolgt die Kontaktaufnahme über Südwesttextil (Christine Schneider, Telefon +49 711 21050-25). Christine Schneider

liefert allerdings keinen Beitrag zur qualitativen Messung von Websites. Die Vernetzung von www.go-textile.de soll in Zukunft noch mehr forciert werden. Ein erster Schritt ist die Einbeziehung der Hochschulen und Fortbildungsstätten.

Wenn man die Google Toolbar installiert hat, so findet man ihn dort oder über eine der zahlreichen Internetseiten wie z.B. www.seitwert.de. Der Wert geht von 1 bis 10, 5 ist sehr gut, 6 bis 7 ist hervorragend, 8 bis 9 exzellent und 10 ist der Überflieger.

Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil Lohnpfändung Termin: 8. November 2010 Ort: Haus Reutlingen Persönlichkeitstraining Termin: 17. bis 18. November 2010 Ort: Haus Reutlingen Erfolgsfaktoren internationaler Teams identifizieren und nutzen (VPI®-Modell) Termin: 29. bis 30. November 2010 Ort: Haus Steinheim Weitere Informationen unter www.biwe.de


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Recht + Steuern

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Auch Geschäftsführer sind Verbraucher BAG: Neubewertung üblicher Vertragsklauseln erforderlich Regelungen in Formulararbeitsverträgen, die für eine Vielzahl von (Arbeits-) Verträgen vorformuliert sind, unterliegen seit der Schuldrechtsreform im Jahr 2002 der gesetzlichen AGB- Kontrolle der §§ 305 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Viele in der Vergangenheit durchaus gängige Formulierungen in Arbeitsverträgen wurden von der Rechtsprechung in der Folge für unangemessen befunden. Für die Wirksamkeit einer Arbeitsvertragsregelung ist seither nicht mehr nur der jeweilige in Streit geratene Einzelfall entscheidend. Vielmehr ist der Wortlaut der Klausel auf alle theoretisch denkbaren Fallkonstellationen zu untersuchen. Soweit eine Fallkonstellation denkbar ist, die zu einer unangemessenen Benachteiligung des Arbeitnehmers führen kann, ist die Klausel meist insgesamt unwirksam.

Arbeitsverträge sind Verbraucherverträge. Seit 2005 vertritt das Bundesarbeitsgericht (BAG) zudem in ständiger Rechtsprechung die Auffassung, dass Arbeitsverträge auch „Verbraucherverträge“ sind. War zuvor die strenge AGB-Kontrolle nur dann zu befürchten, wenn die Arbeitsvertragsbedingungen für eine Vielzahl von Verträgen vorformuliert wurden, unterliegen Arbeitnehmer nun auch dem strengen Verbraucherschutz. Eine AGBKontrolle ist seitdem immer dann durchzuführen, wenn der Arbeitnehmer auf den Inhalt des

Arbeitsvertrages keinen Einfluss nehmen konnte. Dies gilt unabhängig davon, wie oft der Arbeitgeber diesen Vertrag im Unternehmen verwendet hat. Dem kann der Arbeitgeber nur entgehen, wenn

im Unternehmen unter die gesetzliche Definition des Verbrauchers fällt. In einer aktuellen Entscheidung hat das BAG festgestellt, dass ein Geschäftsführeranstellungsvertrag für einen Fremdge-

naten schriftlich geltend zu machen und diese bei Ablehnung innerhalb weiterer drei Monate gerichtlich zu verfolgen. Der Geschäftsführer hatte nach Ausspruch einer Kündigung lediglich

jeweiligen Vergütungsansprüche kann nur durch entsprechende Klage erfolgen. Anderes gilt aber nach ständiger Rechtsprechung, wenn eine solche Ausschlussklausel einer AGB-Kontrolle unterliegt: Von einem rechtsunkundigen Arbeitnehmer könne bei Verwendung der Klausel nämlich nicht erwartet werden, dass er die Notwendigkeit erkenne, neben der Erhebung der Kündigungsschutzklage zur Wahrung der Ausschlussfrist auch noch eine Entgeltklage einreichen zu müssen. Dies gilt nach Ansicht des BAG

Empfehlung: Verträge prüfen.

Rechtsanwalt Kai-Uwe Götz: „Es empfiehlt sich, Klauseln in bestehenden Geschäftsführerverträgen auf ihre Rechtswirksamkeit hin zu überprüfen.

er darlegen und beweisen kann, dass er gerade die streitige Regelung dem Arbeitnehmer erkennbar zur Disposition gestellt hat und die vertragliche Regelung deshalb keine allgemeine Geschäftsbedingung, sondern eine individuell ausgehandelte Regelung darstellt. Ob dies auch für die Klauseln in einem Geschäftsführervertrag gilt, war bislang höchstrichterlich nicht entschieden. Problematisch in diesem Zusammenhang war, dass die in einem Geschäftsführervertrag vorformulierten Vertragsbedingungen meist nicht für eine Vielzahl von Verträgen, sondern eben nur für den einen Geschäftsführervertrag ausgearbeitet werden. Daneben stellte sich die Frage, ob ein Geschäftsführer im Hinblick auf seine Stellung

schäftsführer weder eine gewerbliche noch eine selbständige berufliche Tätigkeit darstellt und er deshalb insoweit als Verbraucher eingeordnet werden muss. Es reicht nun auch die einmalige Verwendung eines vorformulierten Geschäftsführervertrages aus, um ihn einer AGB-Kontrolle zu unterziehen. Nur ein Geschäftsführer, der zugleich Gesellschafter ist und zumindest über eine Sperrminorität verfügt, wird weiterhin nicht als Verbraucher zu charakterisieren sein. Im konkreten Fall ging es um die Auslegung einer sogenannten zweistufigen Ausschlussfrist. Nach den vertraglichen Regelungen war der Geschäftsführer gehalten, sämtliche Ansprüche aus dem Dienstvertrag innerhalb von drei Mo-

Kündigungsschutzklage erhoben. Nach ständiger Rechtsprechung des BAG zu nicht der AGBKontrolle unterliegenden entsprechenden tarifvertraglichen Regelungen werden mit Erhebung einer Kündigungsschutzklage zwar auch Ansprüche aus Annahmeverzug, beispielsweise weitere Gehaltszahlungen, inzident schriftlich geltend gemacht. Allerdings ist eine Kündigungsschutz-

Komplizierter Klageweg wird vereinfacht. klage nicht geeignet, auch die gerichtliche Geltendmachung von Gehaltsverzugsansprüchen darzustellen. Die gerichtliche Verfolgung der

(Urteil vom 19.05.2010 – 5 AZR 253/09) auch für einen Geschäftsführer. Dieser habe typischerweise keine vertieften arbeitsrechtlichen und prozessualen Kenntnisse. Im Ergebnis kann damit die gesamte bislang ergangene arbeitsvertragliche Rechtsprechung auch auf die Klauseln in Geschäftsführerverträgen übertragen werden. Es empfiehlt sich, Klauseln in bestehenden Geschäftsführerverträgen auf ihre Rechtswirksamkeit hin zu überprüfen. Auch wenn das BAG eigentlich für Geschäftsführerverträge nicht zuständig ist und im vorliegenden Fall lediglich aufgrund einer Rechtswegvereinbarung zuständig wurde, ist nicht zu erwarten, dass der normalerweise zuständige Bundesgerichtshof in der Sache anders entscheiden wird.

Kai-Uwe Götz


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Verträge mit Bedacht befristen Bei Einstellung von Ersatzkräften Begründung erforderlich Sind Stammkräfte aufgrund von Elternzeit oder länger andauernder Arbeitsunfähigkeit an der Arbeitsleistung gehindert, steht der Arbeitgeber vor dem Problem, Vertretungskräfte einstellen zu müssen und sich gleichzeitig für den Zeitpunkt der Rückkehr des abwesenden Arbeitnehmers gegen Personalüberhang abzusichern. Stand die Ersatzkraft bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitgeber oder dauert die Abwesenheit der Stammkraft länger

als zwei Jahre, besteht nur die Möglichkeit, mit der Ersatzkraft einen befristeten Arbeitsvertrag mit Sachgrund abzuschließen. Es entspricht mittlerweile gefestigter Rechtsprechung, dass der befristet eingestellte Mitarbeiter die vorübergehend ausfallende Stammkraft nicht unmittelbar vertreten muss. Er muss somit auch nicht die von ihr bislang ausgeübten Tätigkeiten erledigen. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) lässt die befristete Beschäftigung zur Vertre-

tung die Versetzungs- und Umsetzungsbefugnisse des Arbeitgebers unberührt. Der Vertreter kann daher auch mit anderen Aufgaben betraut werden. In einer neuen Entscheidung vom 14. April 2010 hat das BAG nun bestätigt, dass ein Kausalzusammenhang zwischen dem Ausfall der Stammarbeitskraft und der Vertretung durch die befristet eingestellte Arbeitskraft bestehen müsse. Werden dem Vertreter Aufgaben zugewiesen, die die Stammkraft zu keinem Zeitpunkt ausgeübt hat,

bestehe der erforderliche Kausalzusammenhang dann, wenn der Arbeitgeber rechtlich und tatsächlich in der Lage wäre, der vorübergehend ausgefallenen Stammkraft die Aufgaben des Vertreters zuzuweisen. Unschädlich sei hierbei, wenn die Stammkraft dafür einer gewissen Einarbeitungszeit bedarf. Die Dauer der Einarbeitung dürfe allerdings die Dauer der Befristung nicht erreichen. Daneben sei es zur Darlegung des Kausalzusammenhangs zwischen der zeitweiligen Arbeits-

verhinderung der Stammkraft und der Einstellung des Vertreters erforderlich, dass der Arbeitgeber bei Vertragsschluss mit dem Vertreter dessen Aufgaben einem oder mehreren vorübergehend abwesenden Beschäftigten erkennbar gedanklich zuordnet. Dies sei laut BAG jedoch bereits durch eine entsprechende Bezugnahme auf einen abwesenden Mitarbeiter im Arbeitsvertrag erfüllt.

werden. Hierzu könnte der Anschlag an einem schwarzen Brett oder eine Anlage zur September-/OktoberVerdienstbescheinigung genutzt werden. Allerdings sollte sich dann die Information auf die grundsätzliche Änderung des Verfahrens beschränken. Hinsichtlich weiterer

Fragen sollten die Arbeitnehmer an das zuständige Finanzamt verwiesen werden. Weitergehende Informationen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden voraussichtlich gegen Ende September 2010 auf dem Elster-Onlineportal bereitstehen.

Boris Behringer

Elektronik auf dem Vormarsch Die alte Lohnsteuerkarte hat ihren Dienst getan Von 2012 an soll die bisherige Lohnsteuerkarte und das damit verbundene Verfahren vollständig

durch ein elektronisches Verfahren ersetzt werden. Bereits in diesem Jahr entfällt die Zusendung der Lohnsteuerkarte für den Veranlagungszeitraum 2011. Stattdessen behalten die Lohnsteuerkarten des Jahres 2010 ihre Gültigkeit. Der Arbeitgeber hat daher die Lohnsteuerkarte 2010 aufzubewahren und die dort enthaltenen Eintragungen, unabhängig vom Gültigkeitsbeginn, einmalig auch für den Lohnsteuerabzug im Jahre 2011 zugrunde zu legen. Wird im Jahre 2011 erstmalig eine Lohnsteu-

erkarte benötigt, stellt das zuständige Finanzamt auf Antrag eine Ersatzbescheinigung aus. Ausge-

nommen hiervon sind ledige Arbeitnehmer, die ab dem Jahr 2011 ein Ausbildungsverhältnis als erstes Dienstverhältnis beginnen. Hier kann der Arbeitgeber die Steuerklasse I unterstellen, wenn der Arbeitnehmer seine steuerliche Identifikationsnummer, sein Geburtsdatum sowie die Religionszugehörigkeit mitteilt und gleichzeitig schriftlich bestätigt, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt. Der Arbeitgeber hat die Erklärung des Arbeitnehmers bis zum Ablauf des Kalenderjahres als Beleg

zum Lohnkonto aufzubewahren. Nach dieser Übergangsphase steht dem Arbeitgeber die sogenannte ELStAM (Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale) seiner Arbeitnehmer in der Elsterdatenbank der Finanzverwaltung zum elektronischen Abruf bereit. Allerdings wird der genaue Starttermin für den Abruf erst noch vom Bundesfinanzministerium bekannt gegeben. Besitzt der Arbeitnehmer einen Steuerberater und erfolgt der Abruf über dessen Registrierung, ist in diesen Fällen eine Registrierung des Arbeitgebers nicht erforderlich. In der Übergangsphase ist mit vermehrten Fragen der Arbeitnehmer zum neuen Verfahren bei den Arbeitgebern zu rechnen. Schließlich erwarten die Arbeitnehmer die gewohnte Zusendung der bisherigen Lohnsteuerkarten. Aufgrund dessen ist zu empfehlen, dass die Arbeitnehmer ab Ende September 2010 über diese Veränderung informiert

Nathan Binkowski

Aktuelle Steuer-Nachrichten Für in einem Wirtschaftsjahr gezahlte Kfz-Steuer ist ein Rechnungsabgrenzungsposten zu aktivieren, soweit die Steuer auf die voraussichtliche Zulassungszeit des Fahrzeugs im nachfolgenden Wirtschaftsjahr entfällt, so ein Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) vom Mai diesen Jahres. Mit dieser Entscheidung bestätigt der BFH die bisher gängige Bilanzierungspraxis, die erstmals durch die jetzt aufgehobene Vorentscheidung des Finanzgerichts in Frage gestellt wurde. Außerdem findet sich in der September-Ausgabe der Steuernachrichten alles über die Neuregelung der steuerlichen Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers. Die bisherige Regelung wurde vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig angesehen. Die Steuernachrichten können als pdf-Datei im geschlossenen Mitgliederbereich der Internetseite von Südwesttextil heruntergeladen werden.


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Technik + Umwelt

Reduzierung der Gasmarktgebiete Inkrafttreten der neuen Netzzugangsverordnungen Das Bundeskabinett hat Mitte August die neue Gasnetzzugangsverordnung beschlossen. Mit den Regelungen werden die Bedingungen für flächendeckenden Wettbewerb auf dem Gasmarkt verbessert, die sich in der Vergangenheit häufig als „Hemmschuh“ für Wettbewerbsangebote erwiesen haben. Insbesondere der Zu-

gang zum Gasnetz stellt für Wettbewerber bisher eine Hürde für den Markteintritt dar. Die neue Gasnetzzugangsverordnung setzt im Wesentlichen auf drei Instrumente: zum einen ist das die Reduzierung der Zahl der Gebiete, innerhalb derer sich Gaslieferanten frei bewegen können. Die so genannten Marktgebiete werden von derzeit

sechs auf höchstens zwei bis zum Jahr 2013 zusammengefasst. Dies macht insbesondere bundesweite Lieferangebote für neue Lieferanten wirtschaftlich attraktiver. Zum anderen führt die Verordnung zur Erleichterung des Zugangs zu knappen Transportkapazitäten, indem Kapazitäten künftig diskriminierungsfrei versteigert

werden. Auch dies beseitigt eine wesentliche Hürde für den Markteintritt von Wettbewerbern. Ein drittes entscheidendes Instrument ist, den Betreibern von Gaskraftwerken das Recht einzuräumen, Kapazitäten gegen angemessene Gebühr für maximal drei Jahre zu reservieren. Christine Schneider

Wasserpfennig neu geregelt Neufassung des Wasserentnahmeentgelts in Baden-Württemberg Das Gesetz zur Änderung der Vorschriften über das Wasserentnahmeentgelt in Baden-Württemberg ist mittlerweile vom Landtag beschlossen, in Kraft getreten und im Gesetzblatt für Baden-Württemberg veröffentlicht. Das Gesetz sieht eine Reihe von Ermäßigungstatbeständen vor. Die bisher in der Vergangenheit zum Teil noch gewährten pauschalen Ermäßigungen von 50 Prozent oder in Einzelfällen von 90 Prozent sind allerdings entfallen. Die Ermäßigungstatbestände unterscheiden sich je nachdem ob Grundwasser oder oberirdisches Gewässer verwendet wird. Bei der Verwendung von Grundwasser kann eine Ermäßigung von 25 Prozent des geschuldeten Entgelts entrichtet werden, wenn der Entgeltpflichtige ein EMASoder ISO 14001-Umweltmanagementsystem einsetzt und einen haushalterischen, sparsamen sowie rationellen Einsatz des verwendeten Grundwassers gewährleistet. Im Gegensatz zu der Intention des Gesetzgebers, das Verwaltungsverfahren zu vereinfachen, bestehen bei der Verwen-

dung von oberirdischen Gewässern eine Reihe von

kompliziert ausgestalteten Ermäßigungstatbeständen. Voraussetzung ist jeweils eine Investition durch den Entgeltpflichtigen. Die Kosten der Investition können mit dem Wasserentnahmegelt verrechnet werden. Eine vollständige Verrechnung der Investiti-

onen sieht das Gesetz aber nicht vor. Es besteht eine

Deckelung in zweifacher Hinsicht. Je nach Investition können einmal 75 Prozent und das andere Mal nur 25 Prozent verrechnet werden. Darüber hinaus kann lediglich ein Anteil von 25 Prozent des jährlich geschuldeten Wasserentnahmeentgelts verrech-

net werden. Der Verrechnungszeitraum beträgt für Neueinrichtung oder Umrüstung hocheffizienter KWK-Anlagen 15 Kalenderjahre, für alle anderen Maßnahmen fünf Kalenderjahre. In besonderen Härtefällen kann auf Antrag das Entgelt ermäßigt oder von der Festsetzung abgesehen werden, insbesondere wenn die Festsetzung des Entgelts in voller Höhe zu einer außergewöhnlichen Belastung oder atypischen Belastung führen würde. Die Zuständigkeit verbleibt bei den Landratsämtern.

Christine Schneider

Ermäßigungstatbestände 1. Maßnahmen an Produktions- oder Kühlanlagen, die eine Reduzierung der Wärmefrachten in einem Abwasserstrom um mindestens fünf Prozent bezogen auf die Gesamtstromfracht oder um 10 Prozent bezogen auf eine Teilfracht im Verhältnis zum Mittelwert der beiden letzten Jahre vor Inbetriebnahme der Maßnahme bewirken. 2. Neuerrichtung einer hocheffizienten KWK-Anlage oder Umrüstung einer vorhandenen in eine hocheffiziente KWK-Anlage, sofern die hocheffiziente KWK-Anlage nach Inkrafttreten des Gesetzes in Dauerbetrieb genommen wird. 3. Maßnahmen zur Herstellung der gewässerökologischen Funktionsfähigkeit von oberirdischen Gewässern, zu deren Durchführung der Entgeltpflichtige nicht durch behördliche Anordnung verpflichtet ist und nicht als vorgezogene Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen in Ökokonten gebucht wurden. 4. Maßnahmen an Produktions- oder Kühlanlagen, die zu einem Umstieg in der Gewässerbenutzung von der Verwendung von Grundwasser auf Wasser aus oberirdischen Gewässern führen.

Südwesttext

Termine Bessere Raumluft Das Institut für Textilund Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV) veranstaltet gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung ein Forum unter dem Titel „Lösungen für eine bessere Raumluft“. Die Veranstaltung lädt am 26. Oktober in das Haus der Architekten in Stuttgart ein und informiert über neue Materialien, Verfahren und Innovationen zur Verbesserung des Raumklimas. Themenschwerpunkte sind Luftfiltration und Feuchteausgleich. Ergänzend werden textile Lösungen präsentiert. Weiter Informationen finden sich unter www.suedwesttextil.de. Fachkongress für Composites Am 20. und 21. Oktober findet der 6. Internationaler Fachkongress für Composites in der Neuen Messe in München statt. Top-Referenten bieten einen umfassenden Überblick über die neuesten Technologien, Verfahren, Forschungsergebnisse, Zukunftsaussichten und Marktchancen im Bereich der faserverstärkten Verbundwerkstoffe. Weitere Informationen finden sich unter www.compositeskongress.de. Tagung für Ausbildungsbetriebe Unter dem Titel „Ausbildungsmarketing – roter Teppich für Azubis?“ zeigt die Veranstaltung am 12. November im Haus der Wirtschaft in Stuttgart Möglichkeiten auf, wie Betriebe sich und ihre angebotenen Ausbildungsberufe attraktiv darstellen können. Im Mittelpunkt stehen Betriebsbeispiele für ein innovatives Ausbildungsmarketing. Der Programmflyer zur Tagung des Wirtschaftsministerium findet sich unter www. suedwesttextil.de.


Südwesttext

Technik + Umwelt

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Sonnenschutz für einen Arbeitstag Forschungsprojekt zu optimierter Berufskleidung Sonnencreme war gestern, UV-Schutzkleidung ist heute – aus medizinischer Sicht bietet die richtige Kleidung umfassenderen Schutz vor den Gefahren der Sonne als Cremes. Dennoch scheuen viele Menschen, die sich berufsbedingt stundenlang im Freien aufhalten, wie Bauarbeiter, Gärtner, Landwirte, Ordnungskräfte, Gebäudereiniger oder Kellner, die Nutzung spezieller UV-Schutzkleidung. „Arbeitskleidung mit UV-Schutz muss vielfach wiederaufbereitbar sein – aus diesem Grund gab es diese bisher nur aus robustem Gewebe, worin man sich gerade bei körperlicher Anstrengung schnell unwohl fühlt“, so Dr. Boris Bauer. Als Projektleiter an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim beschäftigt er sich derzeit mit der Entwicklung von Arbeitskleidung, die ausreichenden UV-Schutz für einen gesamten Arbeitstag bietet und gleichzeitig physiologisch optimiert ist. Sie soll besonders atmungsaktiv

sein und sich wie leichte Freizeitkleidung tragen. Dass jede Kleidung ausreichend Sonnenschutz bietet, ist ein weit

Funktionalitäten wie den hohen UV-Schutz und guten Tragekomfort bietet. Erst wenn alle diese Aspekte miteinander vereint

UV-Schutzfaktor (UPF) von 80 in besonders exponierten Bereichen wie den Schultern auf. Das dort verarbeitete Gewebe

Funktionsmuster: UV-Schutz und Strapazierfähigkeit an den Schultern, UV-Schutz und Elastizität im Rücken und Ärmelbereich sowie Atmungsaktivität im Achsel- und Bauchbereich. Foto: Hohenstein Institute

verbreiteter Irrtum. Je nach Faserart, Dicke, Oberfläche, Struktur und Farbe des Textils fällt der UV-Schutzfaktor sehr unterschiedlich aus. „Unser Ziel ist es Arbeitskleidung zu entwickeln, die sich optisch und funktionell an gängiger Arbeits- oder auch Freizeitkleidung orientiert, aber zusätzliche

sind, werden auch mehr Menschen diese Kleidung in ihren Arbeitsalltag integrieren und sich damit vor den negativen Folgen der UV-Strahlung schützen“, erklärt Boris Bauer. Diesem Ziel haben sich die Forscher mit den ersten Funktionsmustern bereits sehr angenähert: die Langarm-Shirts weisen einen

bietet aber nicht nur hohen UV-Schutz, sondern ist extrem strapazierfähig. Das im Rücken- und Ärmelbereich eingesetzte Gestrick ermöglicht aufgrund seiner elastischen Eigenschaften ein komfortables An- und Ausziehen des Shirts und bietet gleichzeitig ebenfalls einen UV-Schutzfaktor (UPF) von 80.

Aufgrund der Schnittführung und verwendeten textilen Materialien verfügen die Funktionsmuster zudem über hohen Tragekomfort. So befinden sich unter den Achseln und im Bauchbereich spezielle Textilzonen, die mit Hinblick auf eine vermehrte Schweißproduktion thermophysiologisch und hautsensorisch optimiert wurden. Eine besondere Herausforderung stellt laut Bauer die Pflegbarkeit der optimierten Arbeitskleidung dar: „Bei Auswahl der kombinierten Materialien und deren Verarbeitung müssen wir darauf achten, dass diese sich nicht nur in der Haushaltswaschmaschine, sondern auch unter den mechanisch und thermisch anspruchsvollen Bedingungen der gewerblichen Wäscherei aufbereiten lassen. An diesem Aspekt arbeiten wir bei unseren Funktionsmustern im Moment noch mit Hochdruck.“

Simone Diebold

Paul-Schlack-Preis 2010 Stefan Schindler vom ITV Denkendorf entwickelt ein wirtschaftliches Herstellungsverfahren Im Rahmen der 49. Chemiefasertagung Dornbirn wurde der renommierte Paul-Schlack-Chemiefaserpreis am 15. September an Dr. Stefan Schindler vom ITV Denkendorf verliehen. Mit dem Preis zeichnet die European Man-Made Fibres Association alljährlich herausragende Arbeiten und Entwicklungen in der Chemiefaserbranche aus. Schindler erhält den mit 5 000 Euro dotierten Preis für seine am ITV Denkendorf von Prof. Dr. Heinrich Planck betreute Dissertation zum

Thema „Entwicklung und Aufbau eines Herstellungsverfahrens für Polyester-Filamentgarne mit unterschiedlichem

Preisträger Dr. Stefan Schindler Foto: ITV Denkendorf

Schrumpf- bzw. Längungsverhalten“. Er entwickelte ein wirtschaftliches Herstellungsverfahren für DifferenzialschrumpfLängungsgarne (DSEGarne) mit hohem Längungspotenzial. Es gelang ihm, auf der Basis von Polyester-POY das Längungspotenzial im Vergleich zu den bisherigen Verfahren um das dreifache auf mindestens 15 Prozent zu erhöhen und die Aufspulgeschwindigkeit auf 600-800m/min zu verdoppeln. Die mit dem paten-

tierten Verfahren hergestellten Garne erlauben eine effiziente, störungsfreie Verarbeitung in der Weberei und bieten nicht nur ein breites Einsatzspektrum sondern auch die Möglichkeit, Funktionalitäten nach Maß zu schaffen. So kann mit Geweben aus DSE-Garnen die Optik, Haptik und der Tragekomfort von Stoffen aus Naturfasern imitiert werden. Wildlederimitationen, samtartige Strukturen sowie Materialien mit innovativen Funktionen sind ebenso realisierbar. Es

ist eine marktreife Entwicklung entstanden, die zwei Garnhersteller bereits aufgegriffen haben. Sie produzieren die vom ITV Denkendorf mit dem Markennamen atmofil® geschützen Garne bereits für den Weltmarkt. Einsatzgebiete von atmofil® sind pflegeleichte, waschbare Businesskleidungen für Damen und Herren wie Hemden, Blusen, Herrenanzüge und -hosen, Damenoberbekleidung, Sportbekleidungen aber auch technische Textilien. Simone Diebold


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Zu guter Letzt

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Südwesttext

Elf Gründe für Fachkräfte, nach Baden-Württemberg zu kommen: 1.

7.

… weil wir für jede Qualifikation den richtigen Job haben. Fast. Eine Ausnahme: Silvia Sommerlath aus Heidelberg ist heute Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden.

2.

… weil hier mit höchster Konzentration gearbeitet wird, so wie es Jogi Löw und Jürgen Klinsmann, zwei Baden-Württemberger, mit der Fußballnationalmannschaft vorgemacht haben.

… weil hier der Erfindergeist wohnt und Sie als kluger Kopf in bester Gesellschaft sind. Nirgendwo werden so viele Patente pro Einwohner angemeldet wie in Baden-Württemberg. Auch zwölf Nobelpreisträger stammen von hier.

… weil sie nicht bis zum nächsten Urlaub warten müssen, um eines der 54 baden-württembergischen Restaurants mit „Michelin-Sternen“ zu besuchen.

8.

3.

9.

… weil Beschäftigung hier Tradition hat. Seit Jahren hat Baden-Württemberg die niedrigste Arbeitslosenquote. Aber auch neben der Arbeit bleibt genug Zeit füreinander: 42 Prozent der Baden-Württemberger engagieren sich ehrenamtlich – Bundesrekord!

… weil wir uns das Leben nicht unnötig schwer machen. Wir haben die niedrigste Kriminalitätsrate und verdienen mit am meisten. Selbstverständlich geben wir davon auch etwas ab: Im letzten Jahr sammelten die Sternsinger in Baden-Württemberg die höchste Spendensumme bundesweit.

4.

10.

… weil Baden-Württemberg nicht nur die meisten Sonnenstunden im Jahr hat, sondern auch das Arbeitsklima entsprechend angenehm ist: Mit nur neun Fehltagen sind die Baden-Württemberger am wenigsten krank.

… weil wir für jeden Musikgeschmack das Passende bieten: Deutschlands erstes „Öko-Open-Air“, die sechsmalige „Oper des Jahres“ in Stuttgart sowie die einzige Popakademie Deutschlands in Mannheim. Dort studieren viele Söhne und Töchter unseres Landes.

5.

11.

… weil bei uns auch die Umwelt gesund ist, da wir ein Drittel weniger CO² in die Luft blasen als der Bundesdurchschnitt. Kein Wunder, dass der höchste Baum Deutschlands in Freiburg wächst.

… weil es am Bodensee, im Schwarzwald wie auch an Rhein und Neckar unendlich viel zu entdecken gibt. Das braucht Zeit. Und weil die Menschen in Baden-Württemberg ausgiebig genießen möchten, leben sie hier einfach am längsten.

6. … weil hier nicht nur Bäume, sondern auch Unternehmen prächtig gedeihen: Baden-Württemberg hat die meisten Wachstumsunternehmen, die niedrigste Quote an Unternehmensinsolvenzen und hier wurden Exportschlager wie das Auto, der Airbag, die Nylonstrumpfhose und der Teddybär erfunden.

Impressum © Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers. Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie – Südwesttextil e.V. Kernerstraße 59 70182 Stuttgart Postfach 10 50 22 70044 Stuttgart Telefon: +49 711 21050-0 Telefax: +49 711 233718 Internet: www.suedwesttextil.de Präsident Armin Knauer Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop Verantwortlich für Inhalt und Layout: Simone Diebold Gestaltung: www.die-wegmeister.com Druck: Gress-Druck GmbH, Fellbach Auflage: 650

Quelle: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, www.fachkraefte-bw.de

Zitat „Die EU macht alles ein bisschen und nichts richtig.“ EU-Kommissar Günther Oettinger am 9. Juli bei der Schwäbischen Gesellschaft in Stuttgart, der alles ein bisschen besser machen will.


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