SÜDWESTTEXT Nr. 51
THEMEN Ochs und Maus in Maulburg Verband + Industrie, Seite 5
Des Bäckers neue Kleider Bildung + Soziales, Seite 7
Fruchtbarer Gedankenaustausch Recht + Steuern, Seite 8
Auf der Suche nach neuen Biomaterialien Technik + Umwelt, Seite 11
Service Aktuelle Steuer-Nachrichten
Recht + Steuern, Seite 9
Aktuell Die gemeinsame Jahresversammlung von Südwesttextil und Gesamtmasche findet am 24. April 2012 statt. Hierzu treffen sich die Unternehmerinnen und Unternehmer sowie zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik dieses Mal im Meilenwerk in Böblingen – das Zentrum für Oldtimer und Liebhaberfahrzeuge. Südwesttextil wird wie gewohnt für einen interessanten Festredner sorgen.
Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie
Dezember 2011
Ökonomen sehen in die Glaskugel Es könnte auch viel besser kommen – Wider die Verunsicherung „Es war ganz ordentlich“, antwortete kürzlich ein Textilunternehmer von der Alb auf die Frage nach dem Geschäftsverlauf im zu Ende gehenden Jahr. Nicht ohne zu ergänzen, dass er im „schwäbischen Superlativ“ gesprochen habe. Ähnlich zufrieden wie der zitierte Hersteller von Maschenwaren äußern sich die meisten Mitgliedsunternehmen von Südwesttextil und Gesamtmasche. Die Branche hat das Jahr unerwartet gut hinter sich gebracht. Mit dem Jahreswechsel aber konzentrieren sich die Blicke auf die Zukunft. Und die ist – jedenfalls darin sind sich die Ökonomen einig – nur schwer vorherzusagen. Die Prognosen über den Konjunkturverlauf in
„Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“ Victor Hugo. Foto: © pixarno – Fotolia.com
den nächsten 12 Monaten erinnern dabei stark an den berühmten Blick in die Glaskugel: Es kann so kommen, muss aber nicht. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose für die
Bundesregierung haben führende Wirtschaftsforschungsinstitute schon im Herbst tapfer vorhergesagt: In Deutschland kommt es nicht zur Rezession. Vielmehr dürfte
die Konjunktur im zweiten Quartal 2012 wieder an Fahrt aufnehmen. Anders die Ratingagentur Standard & Poor’s: Fortsetzung Seite 2
Stationär oder online? Kaufanreize durch „Kanalintegration“ – Ein Vortragsabend bei t+m „Hey, what’s going on?“ Mit dieser lässig-lasziv von hübschen Boys und Girls dahingehauchten Frage werden die Kunden bei Abercrombie & Fitch am Eingang eines jeden Stores begrüßt. Das amerikanische Modelabel mit dem Vintage-Look schafft Einkaufsatmosphäre – cool, discogleich und duftend. Das zieht vor allem die junge Kundschaft in die Läden. So auch im jüngsten Shop auf der Kö in Düsseldorf. Während alle Welt vom OnlineHandel spricht, steht die Kundschaft auf der Straße Schlange. Die Frage drängt
sich auf: Ist E-Commerce eine Beraterblase? Wollen clevere Marketing- und Computerexperten die Textilhersteller nur zu neuen Internet-Investitionen verführen, ohne dass der Abverkauf an Fahrt gewinnt?
Die Devise heißt: Innovatives MultiChanneling Ein Vortragsabend beim Gesamtverband textil+mode Ende November in Berlin brachte
www.suedwesttextil.de
hierzu manch Erhellendes. Auch wenn die spröde Sprache von Experten erst übersetzt werden muss: „Die Zukunft im Handel wird durch Kanalintegration und die Dynamisierung der Kundeninteraktion geprägt.“ Will sagen: verbinde beides, stationären mit dem Online-Handel. Denn die Kunden wechseln beim Einkauf heute flexibel zwischen den Kanälen. Der Filialkauf, so die Beobachtung, wird zu 70 Prozent durch OnlineRecherche vorbereitet. Und umgekehrt steigen die Umsätze, bei denen zuerst im Laden geguckt
wird, um dann online zu bestellen. Also heißt die Devise neudeutsch: Innovatives Multi-Channeling. Innovativ deshalb, weil auch die sozialen Netzwerke in die Markenkommunikation einbezogen werden müssen. Denn – ob man will oder nicht – hier spricht der Kunde über meine Ware. Und da sollte der Hersteller am besten selbst mitreden. Doch damit nicht genug: Als nächstes geht es um die Schaffung eines „integrierten Kundenerlebnisses“. Fortsetzung Seite 4
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Verband + Industrie
Dezember 2011
Fortsetzung von Seite 1
In Kürze
Ökonomen sehen in die Glaskugel Ihre Drohung mit der Bonitätsabwertung Deutschlands begründete sie am Nikolaustag auch damit, dass die Rezessionsrisiken „relevant und erheblich“ sind. Doch keine Prognose ohne Vorbehalt: Die führenden Wirtschaftsinstitute treffen ihre optimistische Aussage ausdrücklich unter der Annahme, dass die Unsicherheit im Euroraum wieder zurückgeht. Deshalb rechnen sie für 2012 mit einer Zunahme des Bruttoinlandsproduktes um 0,8 Prozent. Kaum größeren prognostischen Mut wagt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirt-
schaftlichen Entwicklung. In seinem Anfang November vorgelegten Gutachten geht er für 2012 von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent aus. Aber: es könne auch ganz anders kommen. Im ungünstigsten Fall werde die Wirtschafsleistung sogar leicht rückläufig sein. In diese Richtung tendieren bereits die Analysten der Bayern LB. Sie rechnen nur noch mit 0,5 Prozent und korrigieren ihre eigene Prognose des Vormonats bereits nach unten. Solch unsichere Aussagen sind für die Planungen der Unternehmen wenig hilfreich. Aber vielleicht landet
die Ökonomenzunft ja bei der prognostizierten Inflation einen Treffer: Per Saldo wird in der Gemeinschaftsdiagnose ein Anstieg der Verbraucherpreise um 1,8 Prozent für 2012 prognostiziert. Die Bayern LB erwartet 1,6 Prozent. Nur die Deutsche Bank bleibt vage und rechnet mit „unter 2,5 Prozent“. Ein genügend großes Landefeld, mit dem sie wohl nicht gänzlich falsch liegen kann. Was aber, wenn die Realität der Vorhersage enteilt? Auch hier wissen sich Ökonomen zu behelfen und greifen zum „Prognose-Update“: die flinke Anpassung der
Voraus-Kenntnis an die Wirklichkeit. So tut man gut daran, sich durch all die Glaskugelgucker, Kaffeesatzleser und Bleigießer nicht verunsichern zu lassen. Und sucht sich nur die schönsten Sätze der Ökonomen heraus. Etwa diesen aus der Gemeinschaftsdiagnose der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute: „Es bestehen allerdings auch Chancen, dass sich die Konjunktur in den kommenden Monaten besser entwickelt.“ In diesem Sinne wünscht Südwesttextil viel Glück für 2012! Markus H. Ostrop
Kopflose Energiewende Industrie fordert klare und bezahlbare Konzepte In mehreren Stellungnahmen haben die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft die Bundesregierung aufgefordert, sich bei der deutschen Energiewende kritisch den Erkenntnissen der Gegenwart zu stellen. So weist der Bundesverband der Industrie (BDI) die Politik auf ihr Versprechen hin, bei der Energiewende für wettbewerbsfähige Preise zu sorgen. Das aber gerate angesichts des Kostendrucks durch den Verzicht auf die Kernenergie in Vergessenheit. So beträgt die
Förderumlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien derzeit 3,53 Cent pro Kilowattstunde. Eigentlich, so BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber, solle die Umlage 3,5 Cent nicht überschreiten. Doch bereits für 2013 sähen die Netzbetreiber die Umlage auf bis zu 4,74 Cent pro Kilowattstunde steigen – 35 Prozent über der definierten Deckelung. „Zeigt dies nicht, dass die Förderkosten aus dem Ruder laufen?“ fragt Kerber. Wolle die Bundesregierung ihre Zusage einhalten, müssten diese Kosten
Südwesttext
sehr schnell begrenzt werden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) pflichtet dem bei und mahnt, die Regierung müsse angesichts der erwarteten Steigerung der Abgaben für Ökoenergie mehr tun, „um preistreibende staatliche Abgaben zu senken.“ Er denkt dabei nicht nur an die Förderabgaben für Kraft-Wärme-Koppelung und regenerativen Strom, sondern auch an die Stromsteuer und Konzessionsabgaben. Die Energiewende, so der BDI, müsse als
ein großes und langfristig angelegtes Gesellschaftsprojekt begriffen werden. Hierzu sei eine klare, in die Zukunft wirkende Projektsteuerung mit eindeutigen Verantwortlichkeiten notwendig. Die Spitzenverbände kritisieren in diesem Zusammenhang die Rangelei zwischen den Bundesministern Rösler und Röttgen um ihre Zuständigkeiten und fordern eine klare Kompetenzverteilung.
Seit 1. Dezember gehört die 1832 gegründete Arlen Spinnerei zur Nexis Natural Fibres GmbH mit Firmensitz in Mainleus. Dr. Candida ten Brink und Angela Krieg sind aus der Geschäftsleitung ausgeschieden. Die beiden neuen Geschäftsführer, Dr. Marco Marchetti und Jürgen Knecht, sehen in diesem Zusammenschluss große Synergieeffekte. Das operative Geschäft der Arlen Spinnerei wird unverändert weitergeführt. Der Gesamtverband textil+mode bleibt Mitglied bei Euratex. Dazu hat sich der deutsche Spitzenverband Mitte Dezember entschieden, nachdem seiner Forderung nach einem Reformprozess in Brüssel nachgegeben wurde. Seine Kündigung vom Frühjahr hält t+m damit nicht mehr aufrecht. In den nächsten fünf Monaten sollen in sieben Arbeitsgruppen Vorschläge für eine Organisations- und Strukturreform erdacht werden, um dem europäischen Dachverband wieder zu einer vernehmbaren und einflussreichen Stimme innerhalb der Europapolitik zu verhelfen. Franz-Peter Falke, Klaus Huneke und Peter Schwartze sollen für den Gesamtverband im Euratex Board vertreten sein.
Markus H. Ostrop
Am 30. November wählte die Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes textil+mode Peter Schwartze zum neuen Präsidenten. Er übernimmt das Amt von Heinz Horn, der sich nicht mehr zur Wahl stellte, dem Verband als Präsidiumsmitglied aber weiterhin zur Verfügung steht. Außerdem wurden aus dem Südwesttextilpräsidium Donata Apelt-Ihling, Hans Digel sowie Armin Knauer für drei weitere Jahre in ihrem Amt im Präsidium von t+m bestätigt, ebenso Südwesttextil-Vorstandsmitglied Gerorg Saint-Denis. Bei der Mitgliederversammlung wurde auch die Spitze des Arbeitgeberverbundes (AGV) gewählt. Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführender Gesellschafter der bugatti Holding Brinkmann Group und Vizepräsident t+m, wurde für drei weitere Jahre als Vorsitzender bestätigt. Ebenso wiedergewählt wurden die beiden Vorstandsmitglieder Klaus Huneke, Geschäftsführer der Heimbach GmbH und Co. KG sowie Vizepräsident t+m, und Stephan Schulz, CFO der Paul Hartmann AG und Südwesttextil-Schatzmeister.
Peter Schwartze
Das Jahrbuch des Gesamtverbands textil und mode „textil+modewelt 2011+12“ ist erschienen und kann im Archiv der Verbandsinternetseite unter www.textil-mode.de heruntergeladen werden.
Jahresrückblick 2011
Dezember 2011
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Textilland Türkei
Zukunftskonferenz
Textilland Türkei 25. Oktober 2011, Haus der Wirtschaft Stuttgart
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Verband + Industrie
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Südwesttext
Fortsetzung von Seite 1
Stationär oder online? Einkaufen im Netz soll Freude machen, und neue „Functions und Features“ helfen dabei. Visuelle Produktsuche, assoziatives Online-Stöbern, virtuelles Anprobieren am personalisierten Avatar – der Fortschritt ist gewaltig. Und auch auf den Rat der Freundin muss beim Einkauf ohne Ladenschluss nicht mehr verzichtet werden. Denn mit „Social Shopping-Tools“ gibt es die Möglichkeit, dass Freundinnen sich online treffen und beraten können. Bleibt nur noch offen, wer beim Eintritt in den Online-Store die Eingangsfrage stellt. Die digitale Welt wird auch dafür kaufanreizende Lösungen liefern
Virtuelle Anprobe: OTTO startet Augmented Reality-Shop auf Facebook Mit der Einbindung eines Augmented Reality-Shops auf seiner Facebook-Fanpage testet OTTO die virtuelle Anprobe. Ab sofort können Nutzer ausgewählte Styles online anziehen, kombinieren und Freunde in Kaufentscheidungen mit einbeziehen. Mit der neuen App „Virtuelle Anprobe“ auf Facebook bietet der Onlinehändler OTTO seinen Fans ein neues Feature und einen besonderen Mehrwert: Vor der eigenen Webcam können Nutzer ausgewählte Kleidungsstücke aus dem OTTO-Sortiment interaktiv anprobieren, sich dabei fotografieren und die Styles mit ihren Facebook-Freunden teilen. „Mit der Augmented Reality-Technologie auf Facebook bieten wir unseren Fans ein spielerisches und emotionales Shoppingerlebnis“, erklärt Dirk Ploss, Bereichsleiter Markenführung und Kommunikation bei OTTO. „Durch regelmäßige Updates und das Hinzufügen neuer Trends werden wir den AR-Shop fortlaufend weiterentwickeln“, so Ploss weiter. Ein Feedback-Bereich im Shop lädt die Nutzer ein, Fragen und Kommentare zur neuen App zu veröffentlichen. Bei entsprechender Resonanz will OTTO prüfen, ob sich die Anwendung weiter ausbauen lässt.
www.otto.com
Markus H. Ostrop
Termin vormerken! Zum Jahresauftakt möchte die Clusterinitiative Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW) gemeinsam mit Südwesttextil die wichtigsten wirtschaftspolitischen Herausforderungen der nächsten Monate näher beleuchten. Für die Wirtschaft ist dabei die Zukunft des Euro essentiell. Mit welchen Auswirkungen der Finanzmarktkrise und der Euro-Rettungsversuche müssen Unternehmen rechnen? Auch die künftige Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen, insbesondere in den Feldern Wissenschaft und Forschung in Baden-Württemberg, beeinflusst die unternehmerischen Entscheidungen in hohem Maße. Was dürfen die technologiegetriebenen Unternehmen und Forschungseinrichtungen von der Landesregierung erwarten? Diesen und vielen weiteren Fragen widmet sich der erste Talk im Turm der Clusterinitiative mit herausragenden kompetenten Referenten. Hierzu laden wir Sie, gerne auch mit weiteren Interessenten aus Ihrem Umfeld, herzlich ein! Begrüßung Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
26. Januar 2012, Fernsehturm Stuttgart Foto: © pp77 – Fotolia.com
Zukunft des Euro-Raums Dr. h. c. Rudolf Böhmler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank
Talk im Turm
Anmeldung unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen oder unter +49 711 21050 - 11
Südwesttext
Verband + Industrie
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Ochs und Maus in Maulburg Freundliche Übernahme des Airbag-Herstellers GST Arbeiten wie ein Ochse und essen wie eine Maus – das ist das koreanische Motto für den Weg zum Wohlstand. Wenn auch die neuen Eigentümer der Südwesttextil-Mitgliedsfirma GST in Maulburg das beherzigen, dürfte dem Airbag-Hersteller vom Hochrhein weiterhin eine prosperierende Zukunft bevorstehen. Ende November verkündete das 1836 gegründete Unternehmen die Übernahme durch die südkoreanische HyosungGruppe. Und die Freude war groß. „Eine ideale Gelegenheit,“ so Georg Saint-Denis, Chief Executive Officer von GST und Mitglied im Südwesttextil-Vorstand. Der ostasiatische Mischkonzern mit einem Jahresumsatz von rund 10 Milliarden Dollar ist bereits im Textilgewerbe mit der Produktion von Garnen tätig. So wird aus der Verbindung mit den Deutschen eine ideale Symbiose: Hyosung erweitert seine Sparte „Car
Industrial Material“ um deutsche Airbags und GST bekommt direkten Zugriff auf das Garn für seine Luftkissen. Und obendrein erleichterten Zugang zum asiatischen Markt.
Belegschaft und der Presse besonders betonten. Selbst die örtliche IG Metall ist von der Strategie des koreanischen Unternehmens überzeugt: „Die Beschäftigten sind ihnen wichtig. Das kann eine tol-
Georg Saint-Denis
Zwölf Millionen Euro sollen nach der Akquisition nun in den Standort am Hochrhein investiert werden, so Saint-Denis. Er selbst wird – mit zusätzlichen internationalen Aufgaben betraut – auch weiterhin für das Unternehmen im Südschwarzwald Verantwortung tragen. Wachstum und Nachhaltigkeit sind die Hoffnung gebenden Begriffe, die beide Partner bei der Bekanntgabe der Übernahme vor der
le Sache werden“, wird ein Gewerkschaftsvertreter in der Lokalpresse zitiert. Global Safety Textiles, für das die drei Buchstaben GST stehen, soll seinen Namen voraussichtlich behalten. Denn zu häufig schon wechselte dieser in den zurückliegenden Jahren und sorgte für Verwirrung (siehe Kasten). Die Firma unterhält neben Maulburg weitere deutsche Standorte in Bad Säckingen und Murg mit insgesamt 370 Mitarbeitern. Dazu kom-
men europäische Produktionsstätten in Polen, Tschechien und Rumänien sowie in den USA, Mexiko, China und Südafrika. In 2011 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 265 Millionen Dollar. Besonders engagiert ist GST in der Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter und gehört dabei zu den größten Kunden der Gatex, die das Schulungsangebot in der Gemeinschaftsausbildungsstätte Textil in Bad
Säckingen in Anspruch nehmen. „Deutschland ist Heimathafen für Innovation, Knowhow und Impulse“, sagt Georg Saint-Denis, weshalb ihm die Qualifizierung der Beschäftigten gerade in Zeiten der Globalisierung besonders wichtig ist. Sein persönliches Motto dabei lautet: „Immer hungrig bleiben.“ Klingt durchaus kompatibel mit dem koreanischen Weg zum Wohlstand. Markus H. Ostrop
Vor 175 Jahren, im Jahr 1836, liefen in Bad Säckingen die ersten Webmaschinen des Unternehmens Bally und Söhne an. Produziert wurden hochwertige Seidenbänder, die die Schwarzwälder Trachten schmückten. Fünf Jahre später erweiterte das Unternehmen sein Sortiment um elastische Hosenträger und Strumpfbänder. Eine Namensänderung gab es 1933 in Seiba. Ab 1952 wurden dann Stoffe für Blusen und Damenkleider gewebt. Die Entwicklung des ersten Airbags begann 1987, nach dem sich der neue Name Berger Safety Textiles (BST) richtete. 2007 übernahm das US-Unternehmen ITG das Unternehmen, ging allerdings 2009 Pleite. Seit 2010 wurde GST unter Georg Saint-Denis reorganisiert, ein Bankkonsortium stellte das nötige Eigenkapital zur Verfügung. (Quelle: Südkurier vom 18.11.2011)
Dritte industrielle Revolution Rede des Ministerpräsidenten auf der Mitgliederversammlung des LVI Politik sollte nicht auf Kosten der Ressourcen gemacht werden, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Beginn seiner Rede auf der Mitgliederversammlung des Landesverbands der Baden-Württembergischen Industrie Anfang Dezember in Ehningen bei Stuttgart. Für ihn sei Politik nur mit den Unternehmen und mit den Bürgern zu verwirklichen. Jedoch müsse die Wirtschaft zur Kenntnis nehmen, dass er dem mündigen Bürger für sein Tun und Handeln Rechenschaft abzulegen habe, ebenso wie die Poli-
tik. Diese Rechenschaftspflicht sei aber als Chance zu begreifen. So habe man aus Stuttgart 21 gelernt, dass Großprojekte in Zukunft neue Formate der Beteiligung erforderlich machen, um so das Vertrauen der Bürger zu gewinnen. Gerade Infrastrukturprojekte bedürften in einem so dicht besiedelten Land wie Baden-Württemberg einer guten Begründung. Die schnelle Umsetzung sei allerdings ebenso eine Aufgabe, die sich der Grüne Politiker notiert habe. Der Ministerpräsident bescheinigte der
Wirtschaft in den letzten 60 Jahren einen großen Innovationsgeist. Er sehe bei den Unternehmen in Baden-Württemberg eine „gesunde Unternehmensphilosophie“. Diese erfolgreiche Symbiose, der wirtschaftlichen und sozialen Prosperität möchte er um die ökologische Komponente erweitern und fortsetzen. „Green Tec“ in Baden-Württemberg, nachhaltiges Wirtschaften und Entwickeln – so das Leitbild des Landesvaters. Diese dritte industrielle Revolution sei auch für die Unternehmen eine wichtige Grundlage, denn
Energie- und Ressourcenschonung stellten schon heute wichtige Kosteneinsparmöglichkeiten dar. Seine Idee verdeutlichte er am Beispiel der energieeffizienten Mobilität. Hier denke die Landesregierung „technologieoffen“. Sie möchte nicht nur Fördermittel in die Entwicklung der Antriebstechnologie leiten. Man müsse grundsätzlich über neue Mobilitätskonzepte nachdenken, wie z.B. das Projekt „Car´s to go“ oder intelligente Software für die Verkehrssteuerung. Noch seien die Rahmenbedingungen teilwei-
se unklar. Kretschmann habe deshalb hohen Respekt vor Unternehmensentscheidungen in dieser Phase. Prinzipiell möchte die Landesregierung aber die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie die Unternehmen stimulieren und nicht strangulieren. Konsolidieren und Investieren sei das Ziel. Dies würde man 2011 erreichen ohne neue Schulden zu machen. Das sei auch der Plan für 2012. Rigides Sparen zu Lasten der bestehenden Infrastruktur sei dabei allerdings zu überdenken. Christine Schneider
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Bildung + Soziales
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Südwesttext
Zahl der Lehrverträge steigt Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid zieht Zwischenbilanz des Ausbildungsbündnisses „2011 konnte die Zahl der neuen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden und hat damit den Stand von vor der Krise fast wieder erreicht“, sagte Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid Anfang Dezember in Stuttgart im Anschluss an das Spitzengespräch zur Ausbildungssituation in Baden-Württemberg. „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich zwar entspannt, ist aber noch nicht ausgeglichen“, so Schmid. „Wir haben auf der einen Seite über 4 000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Auf der anderen Seite gibt es noch mehr als 9 000 Bewerber, die zwar in schulischen oder an-
deren Maßnahmen sind, aber ihren Wunsch nach einem Ausbildungsplatz aufrecht erhalten.“
bildungsverträge mehr abgeschlossen als im Vorjahr (plus 6,9 Prozent). Damit steht das Ergebnis
2011: 10 743 neue Lehrstellen und 4 602 neue Ausbildungsbetriebe Foto: © Doc RaBe - Fotolia.com
In Industrie, Handel, Handwerk und den Freien Berufen wurden zum 30. September in BadenWürttemberg mit 72 142 knapp 4 700 neue Aus-
für rund 95 Prozent aller Ausbildungsverträge fest. Der Anteil der sogenannten Altbewerber ist um 9 Prozent weiter deutlich zurückgegangen.
Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist von 2 639 im Jahr 2010 auf 4 626 gestiegen. Im Rahmen des Spitzengesprächs wurde die Zwischenbilanz 2011 des „Bündnisses zur Stärkung der beruflichen Ausbildung und des Fachkräftenachwuchs in BadenWürttemberg 2010 – 2014“ vorgelegt. Partner des Bündnisses sind das Land, die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kammern und Verbände der Wirtschaft, die Gewerkschaften sowie die kommunalen Landesverbände. „Die von der Wirtschaft zugesagte Zahl von jährlich 7 600 neuen
Ausbildungsplätzen wurde ebenso übertroffen wie das Ziel von 3 800 neuen Ausbildungsbetrieben. So sind es in diesem Jahr 10 743 neue Lehrstellen und 4 602 neue Ausbildungsbetriebe“, erklärte Schmid. „Grund für die erfreuliche Entwicklung ist neben der guten Konjunktur auch das Ausbildungsbündnis. In Zukunft wird es noch stärker darum gehen, schwächeren Jugendlichen eine Chance auf Ausbildung zu geben“, konstatierte Eva Strobel, die Vorsitzende der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Christine Schneider
Umsetzung prozessorientierter Ausbildung Abschlussbericht des BiBB liegt vor Wie kann das Leitprinzip der Prozessorientierung in der Ausbildung und in Prüfungen umgesetzt werden? Und kann durch die prozessorientierte Berufsausbildung die Selbstlernfähigkeit und berufliche Handlungskompetenz der Auszubildenden auf nachhaltig Weise gefördert werden? Eine Antwort auf diese Fragen suchte eine Studie am Beispiel prozessorien-
tierte Ausbildungsberufe in der Textilwirtschaft. Um die an der Ausbildung Beteiligten bei der Umsetzung der prozessorientierten Berufsausbildung zu unterstützen, wurden Konzepte und Instrumente entwickelt und erprobt: Zum einen wurden beispielhafte Ausbildungseinheiten bzw. Lernaufgaben für die betriebliche Ausbildung und den Berufsschulunterricht
und zum anderen entsprechende Prüfungsaufgaben für die Zwischenund Abschlussprüfung erstellt. Zusätzlich wurden Mustervorlagen und Handreichungen für ihre Anwendung sowie zwei Qualifikationsbausteine für Ausbilder und Prüfer entwickelt. Die vorliegende Studie erläutert die Basistheorien, die Annahmen und die Methoden, die
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bei der Erstellung der Ausbildungseinheiten und Prüfungsaufgaben zum Tragen kamen. Die entwickelten Konzepte und Instrumente sind auf alle Branchen anwendbar und stellen eine wertvolle Unterstüzung für die Arbeit von Ausbildern, ausbildenden betrieblichen Fachkräften, Berufsschullehrern und Prüfern dar. Das wissenschaftliche Diskussionspapier,
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welches auf den Ergebnissen des Abschlussberichts basiert, ist ein Projekt des Bundesinstiuts für Berufsbildung in Zusammenarbeit mit der TU Kaiserslautern. Der Bericht kann in elektronischer Form unter www.suedwesttextil. de eingesehen werden.
Christine Schneider
Südwesttext
Bildung + Soziales
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Des Bäckers neue Kleider Lindenfarb prämiert Berufsbekleidung der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd Am Anfang stand die Idee: Die Textilklassen der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd wollten zum Tag der offenen Tür pfiffige Berufsbekleidung für Ernährungsberufe in einer professionell gestalteten Modenschau präsentieren. Aus dieser Idee wurde ein Projekt – und das Ergebnis mit dem 2. Preis der Team Spirit Trophy der Firma Lindenfarb belohnt: 250 Euro bekamen die Schüler für ihr Engagement, und auch die betreuenden Lehrer freuten sich über den Erfolg. Das Ziel der Schüler war es, eine moderne, mo-
dische und von den Auszubildenden akzeptierte Bekleidung zu kreieren, die das Erscheinungsbild der Ernährungsberufe auffrischen sollte. Dazu analysierten sie zuerst den „Ist“-Zustand: Fragebögen wurden erstellt und in den Klassen für Bäckereifachverkäufer sowie Fleischereifachverkäufer verteilt. Danach wurden das umfangreiche Datenmaterial ausgewertet, erste Entwurfszeichnungen erstellt, Favoriten ausgewählt und gemeinsam optimiert. In weiteren Schritten wurden diese Modelle den
Lehrern, den Schülern der Fachklassen und der Schulleitung vorgestellt. Am Ende stand je ein Modell für die Berufsgruppen Bäckereifachverkäufer, Fleischereifachverkäufer und Catering fest. Diese wurden von der Vorstufe (Schnittentwicklung) bis zum Kleidungsstück, unterstützt durch die
Ausbildungsbetriebe der einzelnen Textilklassen, produziert. Der Höhepunkt des Projekts war die Modenschau vor großem Publikum. Umfangreiche Vorbereitungen waren dazu notwendig: Einüben der Moderation, Lauftraining, Choreographie, Musikauswahl und
Pfiffige Berufsbekleidung für Ernährungsberufe von Schülern der Textilklassen selbst entworfen, produziert und präsentiert.
Girls´Day 2012 Am 26. April findet der zwölfte bundesweite Girls´Day statt. Ziel des MädchenZukunftstags ist es Schülerinnen für mädchenuntypische, insbesondere technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Bereiche zu begeistern. Im Verlauf der vergangenen 11 Jahre haben sich am Girls´Day insgesamt über eine Million Mädchen bei mehr als 60 000 Veranstaltungen informiert. Das Projekt „Girls´Day – Mädchen-Zukunftstag“ wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Einen Aktionsleitfaden für Unternehmen und Organisationen – insbesondere für kleine und mittlere Betriebe – sowie weitere Informationen gibt es im Downloadcenter unter www.girls-day.de.
Abstimmung des flashanimierten Bühnenbilds. Ausschlaggebend für den Erfolg und die hohe Motivation war das Miteinander von Schülern, Betrieben und Lehrern. Mit der Entwicklung eines Produktions- und Vertriebskonzepts wird das Projekt fortgesetzt. Christine Schneider
Fotos: Gewerbliche Schule Schwäbisch Gmünd
Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil Assistenz im internationalen Business Termin: 5. bis 6. März 2012 Ort: Haus Bleibach Pfändung von Arbeitseinkommen Termin: 19. März 2012 Ort: Haus Reutlingen BWL für Nicht-Kaufleute Termin: 26. bis 27. März 2012 Ort: Haus Reutlingen Weitere Informationen unter www.biwe.de
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Südwesttext
Fruchtbarer Gedankenaustausch Die fokussierten Personalleiterkreise von Südwesttextil haben sich etabliert „Eine Veranstaltung, die einen angenehmen und interessanten Rahmen bietet und aus der man tatsächlich umsetzbare Anregungen für die tägliche Praxis mitnimmt.“ Mit diesen Worten kommentierte eine Teilnehmerin die im November abgehaltenen Personalleiterkreise für die Mitgliedsunternehmen von Südwesttextil. Auch in diesem Jahr hat sich der Trend fortgesetzt, wonach kleinere Gesprächskreise zu engeren Kontakten und damit zu fruchtbarerem Austausch zwischen den Teilnehmern führt. Für den inspirierenden Rahmen sorgten auch in diesem Jahr wieder drei Mitgliedsunternehmen, die mit bewundernswerter Offenheit und Gastfreundschaft die Personalleiter in ihrem Betrieb willkommen hießen. Spannende Einblicke in die hochmoderne Garnproduktion bei der Firma Gütermann in GutachBreisgau, beeindruckende Dimensionen von freitragenden Großzelten der Firma Losberger in Bad Rappenau oder das architektonische Schmankerl eines vollständig in Unterwäschespitze gewandeten, hochtechnisierten Lagers der Firma Susa in Heubach – bereits die Besichtigung der gastgebenden Unternehmen war für alle Teilnehmer die Reise wert und stellte das interessante Rahmenprogramm zur inhaltlichen Arbeit dar. Nachdem im letzten Jahr das Thema Arbeitszeit von allen Seiten beleuchtet worden war, stand in diesem Jahr die Flexibilisierung von Vergütungsmodellen unter dem Stichwort der Mitarbeitermotivation im Fokus der Personalleiter-
Thomas Diels, CFO Gütermann Group, gibt den Teilnehmern einen Einblick in die Gütermann-Praxis.
kreise. Angeregt wurde die Diskussion zunächst durch erfrischend offene und mit wertvollen Praxiserfahrungen versehene Einblicke, die die jeweiligen gastgebenden Unternehmen in die bei
Gedankenaustausch über Flexibilisierungsmöglichkeiten, wie Zielvereinbarungen, Bonussysteme oder Anwesenheitsprämien. Insbesondere auch im Tarifvertrag der Textilindustrie vorgesehenen
der Umsetzung. Insbesondere zeigte sich, dass die Durchführung der Bewertung im Rahmen von Beurteilungsgesprächen für einige direkte Vorgesetzte im gewerblichen Bereich ein hohes Maß an
Fruchtbarer Gedankenaustausch: Ulrich Dahlhues, Personalleiter des Gastgebers Losberger (v. l.)
ihnen gelebte Praxis mit flexiblen Entgeltsystemen gewährten. Daraus entwickelte sich ein von Südwesttextil mit rechtlichen Hintergrundinformationen angereicherter
Bewertungssystem zur zehnprozentigen Leistungszulage für gewerbliche Arbeitnehmer schieden sich die Geister. Einzelne Teilnehmer schilderten Probleme in
Verantwortung darstellt. Es gab jedoch auch einige Stimmen unter den Teilnehmern, die seit vielen Jahren sehr gute Erfolge mit der flexiblen Leistungszulage erreichen.
Susa-Geschäftsführer Andreas Höschele (v. r.) erklärt den interessierten Teilnehmern die Logistik von Wäsche.
Auch in Bezug auf Anwesenheitsprämien stellten sich die Erfahrungen der Personalverantwortlichen durchaus unterschiedlich dar. Die Palette reichte hier von einer deutlichen Reduzierung der Krankheitsquote bis zu Befürchtungen in Bezug auf regelrechte Ansteckungswellen durch Arbeitnehmer, die sich aufgrund der Zulage trotz Krankheit zur Arbeitsstelle begeben. Abgerundet wurde das diesjährige Programm durch Praxisinformationen zur Abgrenzung von selbstständiger Tätigkeit und sozialversicherungspflichtiger abhängiger Beschäftigung. Die Einschätzung der Referenten von Südwesttextil, wonach dieses Thema momentan von den Aufsichtsbehörden als „willkommenes Spielfeld“ angesehen wird, spiegelte sich in den praktischen Erfahrungen, die Teilnehmer mit unangekündigten Überprüfungen durch die Zollbehörde gemacht haben, wieder. Die vom Verband entwickelte Checkliste zur möglichst frühzeitigen Identifikation von Risikofaktoren für Scheinselbstständigkeit und illegale Arbeitnehmerüberlassung fand deshalb allseits guten Anklang. Traditionsgemäß wurden die Personalleiterkreise mit einem Überblick über ausgesuchte Urteile der aktuellen Rechtsprechung geschlossen. Am Ende freuten sich alle Beteiligten über gelungene und informative Veranstaltungen. Sehr herzlich fiel deshalb auch der Dank an die gastgebenden Unternehmen aus, die mit ihrem Einsatz das Gelingen der Veranstaltungen erst ermöglicht haben. Boris Behringer
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Das neue Familienpflegezeitgesetz Variable Modalitäten, aber kein Anspruch Zum 1. Januar 2012 tritt das neue Familienpflegezeitgesetz in Kraft. Durch dieses Gesetz soll es Berufstätigen erleichtert werden, ihre Familienangehörige langfristig selbst zu pflegen und gleichzeitig weiterhin zu arbeiten. Diese Regelung ergänzt somit das am 1. Juli 2008 in Kraft getretene Pflegezeitgesetz, welches den kurzfristigeren Pflegebedarf bis zu einem halben Jahr abdeckt. Das Familienpflegezeitgesetz sieht konkret vor, dass der Beschäftigte bei einem Pflegefall seine Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann. Während dieser Familienpflegezeit be-
zahlt der Arbeitgeber als Vorleistung einen Aufstockungsbetrag. Wird also zum Beispiel die Arbeitszeit in der Pflegephase auf 50 Prozent reduziert, erhält der Mitarbeiter weiterhin 75 Prozent des letzten Bruttoeinkom-
Foto: © Torbz - Fotolia.com
mens. Im Gegenzug muss der Arbeitnehmer später wieder voll arbeiten, und bekommt trotzdem nur 75 Prozent des Bruttoeinkommens. Es wurde also eine Lösung gewählt, die der Altersteilzeit sehr ähnlich ist.
Zur Finanzierung der unternehmensseitigen Vorleistung gewährt das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben dem Arbeitgeber auf Antrag ein zinsloses Darlehen. Wichtiger als die Modalitäten der konkreten Ausführung der Familienpflegezeit dürfte aber sein, dass ein Anspruch auf Familienpflegezeit nicht besteht. Im Gesetzgebungsverfahren hat sich nämlich die Vereinbarungslösung durchgesetzt. Ohne die Zustimmung des Arbeitgebers kann der Mitarbeiter also nicht auf der Familienpflegezeit beharren. Es wurde also zumindest bei diesem Gesetz eine arbeitgeberfreundliche Lösung gefunden.
Ob ein Arbeitgeber allerdings ein allzu großes Interesse an dieser freiwilligen Gestaltungsmöglichkeit haben dürfte, kann bezweifelt werden. Zunächst entsteht ein Verwaltungsaufwand für die betroffenen Unternehmen. Vor allem aber darf dem Mitarbeiter während der Inanspruchnahme der Familienpflegezeit und auch in der so genannten Nachpflegephase, also der Zeit bis die Darlehensschuld bei dem Arbeitgeber abgetragen worden ist, grundsätzlich nicht gekündigt werden. Somit dürfte davon auszugehen sein, dass es sich bei dem Familienpflegezeitgesetz um einen zahnlosen Papiertiger handelt. Nathan Binkowski
Seminarprogramm 2012 für Betriebsräte und JAV-Vertreter Die Akademie im Bildungswerk der baden-württembergischen Wirtschaft veranstaltet seit Jahren Seminare für Betriebsräte und JAV-Mitglieder. Sie informieren über rechtliche Grundlagen im Unternehmen und vermitteln Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge. Besonders hingewiesen sei auf das Seminar „Heute schon an morgen denken – Mitgestaltungsmöglichkeiten des demografischen Wandels durch den Betriebsrat“. Das Seminarprogramm kann unter www.biwe-akademie.de heruntergeladen werden.
Duale Studiengänge
Aktuelle Steuer-Nachrichten
Sozialversicherungspflicht wird vereinheitlicht Die Tage der Versicherungsfreiheit der Teilnehmer an praxisintegrierten dualen Studiengängen sind gezählt. Erst im Jahr 2010 hatten die Sozialversicherungsträger aufgrund eines Urteils des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2009 die Teilnehmer an praxisintegrierten dualen Studiengängen als versicherungsfrei eingestuft. Dies führte in der Praxis dazu, dass nach ausbildungsintegrierten, berufsintegrierten und praxisintegrierten dualen Studiengängen zu unterscheiden war, um jeweils die Versicherungspflicht bzw. -freiheit in
der Sozialversicherung festzustellen. Nachdem die Arbeitgeber sich in die Abgrenzungen eingearbeitet und die Abrechnungen entsprechend umgestellt hatten, hat der Gesetzgeber doch noch einen Handlungsbedarf erkannt. Im Rahmen des 4. SGB IVÄnderungsgesetzes werden – wie zuvor – auch die Teilnehmer an praxisintegrierten dualen Studiengängen wieder als versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung eingestuft. Das Gesetz wurde bereits vom Bundestag verabschiedet.
Am 16. Dezember wird es aller Voraussicht nach auch den Bundesrat passieren. Die Änderung der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung wird dann schon zum 1. Januar 2012 in Kraft treten. Verlautbarungen der Sozialversicherungsträger zum Thema werden vor dem Umstellungszeitpunkt wohl nicht mehr erfolgen. Es ist aber davon auszugehen, dass auch Teilnehmer von zum Umstellungszeitpunkt laufenden praxisintegrierten dualen Studiengängen ab diesem Zeitpunkt wieder versicherungspflichtig sind. Kai-Uwe Götz
Die Dezemberausgabe der Steuernachrichten geht auf die geplante Beseitigung der kalten Progression durch die Bundesregierung ein. Laut einem Positionspapier der Bundesministerien für Finanzen und für Wirtschaft und Technologie ist eine Einkommensteuertarifkorrektur zum 1. Januar 2013 geplant. Dabei sollen zum einen der Grundfreibetrag und zum anderen die Tarifeckwerte im Einkommensteuertarif nach Maßgabe des Anstiegs der Verbraucherpreise zwischen 2010 bis 2012 angehoben werden. Die Tarifanpassung soll zu Steuermindereinnahmen von max. sechs bis sieben Mrd. Euro führen. Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der Höhe der Abzugsfähigkeit von Kosten für einen Laptop. Wird ein für die Erledigung dienstlicher Aufgaben angeschaffter Laptop zu mehr als 10 Prozent auch privat genutzt, sind die Kosten nach Auffassung des Finanzgerichts BadenWürttemberg jedenfalls dann hälftig aufzuteilen, wenn das Verhältnis der Nutzungsanteile nicht nachgewiesen wird. Die aktuelle Ausgabe befindet sich im geschlossenen Mitgliederbereich der Internetseite von Südwesttextil. Außerdem kann dort auch die Kontrolltabelle für 2012 als pdf-Datei heruntergeladen werden.
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Technik + Umwelt
Dezember 2011
Exzellente Energie
Termine
Umweltpreis für Unternehmen Neue Ideen und Ansätze für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens will das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in BadenWürttemberg prämieren. Hierzu hat es zum 15. Mal den Umweltpreis für Unternehmen ausgeschrieben, der in 2012 wieder verliehen werden soll. Der in zweijährigem Turnus stattfindende Wettbewerb ist mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 50 000 Euro dotiert. Die Preisgelder müssen für betriebliche
Umweltschutzmaßnahmen eingesetzt werden. Über 150 Unternehmen, darunter auch Mitgliedsunternehmen von Südwesttextil, wurden seither
Südwesttext
mit einem Preis oder einer Anerkennung ausgezeichnet. Erstmals wird ein Jurypreis „Energieexzellenz“ verliehen. Dieser ist für ein
Unternehmen vorgesehen, das durch regenerative Energiegewinnung, konsequente Energiesparmaßnahmen und innovative Ideen zur Steigerung der Energieeffizienz besonders vorbildlich ist. Die Bewerbungsunterlagen sowie weitere Informationen zum Wettbewerb sind im Internet unter www.umweltpreis. baden-wuerttemberg.de verfügbar. Die Berwebungsfrist endet am 30. März 2012.
Simone Diebold
AFBW plant Gemeinschaftsstand-Leichtbau zur Hannover Messe 2012 Leichtbau zählt zu den nachgefragtesten Technologien der Hannover Messe. Da im kommenden Jahr zum Messetermin − 23. bis 27. April − der Leichtbau ein Themenschwerpunkt innerhalb der Leitmesse Industrial Supply sein wird, plant die AFBW gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Leichtbau und Baden-Württemberg International (bw-i) für diesen Bereich einen Landes-Gemeinschaftsstand. Ein gemeinsames Auftreten bietet attraktive Ausstellungspreise, koordinierte Marketing-Aktivitäten sowie eine gemeinschaftliche Öffentlichkeitsarbeit und führt zu einer größeren Sichtbarkeit bei einem breit gefächerten, internationalen Publikum. Geplant ist ein Besuch von MD Daniel Rousta, Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, sowie die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen vor Ort. Bei Interesse an einer Beteiligung und weiteren Informationen bitte Kontakt mit: Anja Walter, Koordinierungsstelle Leichtbau, e-mobil BW GmbH Tel.: +49 711 892385 18, E-Mail: anja.walter@e-mobilbw.de
Foto: © mumi – Fotolia.com
Hinweis
InnoWater – Wassertechnologie in der Textilindustrie 27. Januar 2012, ITV Denkendorf
Anmeldung: www.suedwesttextil.de/veranstaltungen
Infotag der Modeschule Stuttgart Die Staatliche Modeschule Stuttgart öffnet am 2. März von 10 bis 19 Uhr ihre Türen und gibt Einblicke in die Studieninhalte des Produktentwicklers (Mode). Dabei stellen Studierende ihre aktuellen Arbeiten vor und zeigen Arbeitsabläufe und Prozesse. Außerdem präsentieren junge ModeLabels ihre Kollektionen. Vorträge aus der Praxis runden das Programm ab. Weitere Einzelheiten finden sich unter www. modeschule-stuttgart.de. Fiber Society Die Frühjahrstagung der „Fiber Society“ findet 2012 zum zweiten Mal nach 2005 in der Empa, St. Gallen, Schweiz statt. Vom 23. bis 25. Mai bietet die Konferenz mit dem Titel „Fiber Research for Tomorrow´s Applications“ einen Überblick über die neusten wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der Fasern und Polymere. Ziel der Forscher und Wissenschaftler aus der ganzen Welt ist der Austausch mit der Industrie um Forschungsprojekte umzusetzen und neue anzustoßen. Weitere Informationen unter http://fs2012.empa.ch/. Gatex Am 26. März findet in der Gatex, Bad Säckingen, das Seminar „Textiles Grundwissen für Kaufleute“ statt. Der fünftägige Grundlagen-Kurs richtet sich an die kaufmännischen Mitarbeiter der Textil- und Bekleidungsindustrie, des Textilmaschinenbaus sowie an die Zulieferindustrie. Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über die Entstehung von Textilien und können so deren Qualität besser bewerten. Mehr unter www.diegatex.de.
Technik + Umwelt
Südwesttext
Dezember 2011
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Auf der Suche nach neuen Biomaterialien Kick-off-Meeting der „tbdc“ findet große Resonanz Die „textile bio-based materials design challenge (tbdc)“ ist am 13. Dezember erfolgreich gestartet. Mehr als 90 Forscher, Designer, Produzenten und Anwender mit Bezug zu Faser- und Textilindustrie kamen zum Kick-off-Meeting nach Stuttgart. Ziel der einjährigen Challenge ist, nachhaltige Textilprodukte zu entwickeln sowie biobasierte Materialien an neue Einsatzgebiete anzupassen. Die Auftaktveranstaltung bot allen Teilnehmern einen Überblick über biobasierte Materialien, die bereits im Textilbereich eingesetzt werden oder aber zukünftig Einzug in die Textilbranche halten könnten. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg definierte in seiner Einführungsrede drei Ziele: Den Zugang zu Informationen vereinfachen, neue Produkte aus biobasierten Materialien entwickeln und das Bewusstsein für biobasierte Materialien stärken.
Das vielseitige Vortragsprogramm beleuchtete das Thema „biobasierte Materialien in der
Polymerforschung (IAP) einen Überblick über biobasierte Materialien in textilen Einsatzgebieten
Weitere Referenten gaben interessante Einblicke in ihre Arbeit, wie beispielsweise Prof. Tho-
Erfolgreich: Die Veranstalter, die Landesagentur Biopro Baden-Württemberg, der Cluster Biopolymere / Biowerkstoffe und die AFBW – Allianz Faserbasierte Werkstoffe freuten sich über das große Interesse. Fotos: Biopro
Textilbranche“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So gab Dr. André Lehmann vom Fraunhofer Institut für Angewandte
und Dr. Martin Dauner vom ITV Denkendorf lenkte den Blick auf traditionelle und zukünftige biobasierte Faserwerkstoffe.
mas Scheibel vom Lehrstuhl Biomaterialien der Universität Bayreuth, der die Charakterisierung, Herstellung und Funkti-
onalisierung von Biopolymeren wie Spinnenseide oder Muschelfasern erläuterte. Neben dem vielseitigen Vortragsprogramm gab es auch eine Ausstellung und eine Tischmesse. Hier wurden verschiedene biobasierte Materialien und Produkte vorgestellt. Allen Teilnehmern steht ab Januar eine Online-Partnering-Plattform zur Verfügung, auf der neue Projektideen eingestellt werden können. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sich in themenoffenen und themenspezifischen Partnering-Workshops direkt auszutauschen. Interessierte können sich jederzeit zur Teilnahme an der Challenge registrieren. Südwesttextil ist neben den Forschungsinstituten Hohenstein und ITV sowie der IHK Reutlingen strategischer Partner der tbdc. Weitere Informationen unter: http://www. bio-pro.de/tbdc/ Simone Diebold
Groz-Beckert präsentiert App Fundiertes Wissen entlang der textilen Wertschöpfungskette, jederzeit und mobil abrufbar: Pünktlich zur ITMA Barcelona stellte Groz-Beckert die App „myGrozBeckert“ für das iPad zur Verfügung. Die kostenlose Basis-App kann durch eine kostenpflichtige Erweiterung um zahlreiche praktische Hilfsmittel ergänzt werden. Die Basis-App ist im Wesentlichen eine mobile Version der Internetseite des Unternehmens. Interessant wird das Programm mit der kostenpflichtigen Erweiterung „Toolbox“. Nutzer erhalten damit diverse Werkzeuge und Berechnungshilfen, die den Arbeitsalltag spürbar erleichtern. Beispielsweise lässt sich berechnen, mit wie vielen Nadeln eine Strickmaschine bestückt ist. Garnstärken können umgerechnet sowie prozentuale Garnanteile ermittelt werden. Auch Zylinderdurchmesser, Feinheiten und Teilungen können anforderungsgerecht bestimmt werden. Im Bereich Weben besteht etwa die Möglichkeit, die höchste Reihdichten der Lamellen anzufragen. Beim Nähen erhalten die Anwender Empfehlungen in Bezug auf die passende Nadeldicke. Derzeit steht die App nur iOS zur Verfügung, jedoch noch nicht für Android. Eine Version für das iPhone ist in Planung. „myGrozBeckert“ kann im App Store heruntergeladen werden, die Toolbox ist für 2,39 Euro erhältlich.
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Dezember 2011
Zu guter Letzt
Südwesttext
Sudwesttextil wunscht allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute im neuen Jahr
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Impressum © Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers. Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie – Südwesttextil e.V. Kernerstraße 59 70182 Stuttgart Postfach 10 50 22 70044 Stuttgart Telefon: +49 711 21050-0 Telefax: +49 711 233718 Internet: www.suedwesttextil.de Präsident Dr. Axel Nickel Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop Verantwortlich für Inhalt und Layout: Simone Diebold Gestaltung: www.die-wegmeister.com Druck: Gress-Druck GmbH, Fellbach Auflage: 900
Zitat „Die Freunde von der CDU waren fast 60 Jahre an der Regierung, also wir können die Staus auf den Straßen nicht verursacht haben.“ Winfried Kretschmann in seiner Rede zur Mitgliederversammlung des LVI auf die Forderung der Wirtschaft, den Straßenbau nicht zu vernachlässigen.