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#1/2020

„Social Media ist so mächtig“ Demy de Zeeuw, BALR.

The Future. Wer das Warum beantworten kann, hat schon gewonnen. Mit allen Sinnen. Lang lebe der (hybride) stationäre Handel! Beyond Season. Warum Trends tot sind und Stil lebt. Businessmodelle überdenken. Kleidung zu verkaufen, ist kein Dogma.

€ 15,00


WE ARE ALL EXPLORERS DIE NEUE URBAN A P PA R E L KO L L E KT I O N VO N N AT I O N A L G E O G R A P H I C

PREMIUM BERLIN 1 4 . -1 6 . J A N U A R 2 0 2 0 H A L L E 3 , S TA N D H 3 - D 0 6 S H OW RO OM D Ü S S E L D O R F KAISTRASSE 2 40221 DÜSSELDORF C O N TAC T: I N F O @T H E C O R E M .C O M W W W.T H E C O R E M .C O M © 2020 National Geographic Partners, LLC. All rights reserved.


ND HANDWERK

KULTUR UND HANDWERK

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Tradition since 1683 Our products are engineered in Germany and handcrafted in Europe. The chamois tanned leather comes from wild red deer, respectfully hunted in the European Alps. This leather is, now more than ever, a material that deserves trust and respect. For centuries it has proven its value, reliability and highly emotional affect. Therefore it is our aim to share our passion for this unique product with you. Markus Meindl VISIT US: Pitti Immagine Uomo H/13 - Firenze, Italy IWA Outdoor Classics 4-307 - NĂźrnberg, Germany To make an appointment, please contact our head of sales:

uwe.vogt@meindl.de +49 8685 985 158 www.meindl-fashion.de

www.facebook.com/meindl.fashion www.instagram.com/meindl_fashion

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EDITORIAL

Morgen hat schon gestern begonnen Liebe Leserinnen und Leser, wer erinnert sich eigentlich noch, wie die Prä-Google-Welt war? Das Internet schon geboren, aber im Grunde war es wie ein Lexikon im Netz. Wer nicht genau wusste, wo er nachsehen musste, blieb ahnungslos. Schlaue Seiten merkte man sich, nicht wenige hatten ein kleines Notizbuch mit allen relevanten www-Adressen. Eine kleine Anekdote aus der Zeit, als im Internet noch die Dinosaurier grasten, die aber für den aktuellen Wandel sehr bezeichnend ist. In sehr absehbarer Zeit werden wir uns fragen, wie das eigentlich damals war. Wir werden darüber lachen, dass das gesamte System einer Branche darauf beruhte, dass wenige Auserwählte mit zwölf und mehr Monaten Vorlauf eine Kollektion designten und produzierten, von der noch niemand wusste, ob sie sich denn verkauft und ob sie den Geschmack des Kunden trifft. Dass wir mit Demy de Zeeuw im Longview (ab Seite 068) ausgerechnet einen Fußballspieler präsentieren, der das neue System inhaliert, wenn nicht sogar mit geboren hat, mag verwundern. Doch was er und seine Geschäftspartner mit BALR. und der Fußballcommunity-Site 433 geschaffen haben, ist in vielerlei Hinsicht zukunftsweisend. Mehr noch: Es ist das zukünftige Modell. Und wer heute schon danach arbeitet, hat ganz eindeutig gewonnen. Im Handel sind das erstaunlich viele, wie Stefanie Buchacher und Nicoletta Schaper herausgefunden haben. Für ihre Story #inspirational shopping sprechen sie mit Händlern, die bis zu einer halben Million Follower hinter sich wissen. Gelebte Zukunft auf Markenseite bestimmt ebenfalls unsere aktuelle Ausgabe: Ob Traditionsmarken wie Meindl (ab Seite 118), Tretorn (ab Seite 199) oder Alberto (ab Seite 120) oder Disruptoren („Einfach anders“, ab Seite 092) wie AlphaTauri, Les Deux oder Stefan Brandt. Wie viel Kreativität und Intellekt die aktuelle Wandlung des Marktes freisetzt, lässt uns immer wieder staunen. Technologie auf der einen Seite – wir widmen den Herausforderungen im E-Commerce ein kompaktes Special im Special –, Herzenswärme auf der anderen Seite – „Brandlove“ titelt ein Artikel von Isabel Faiss, Martina Müllner-Seybold und Nicoletta Schaper, der von der Liebe zur eigenen Marke erzählt. Der Reigen an inspirierenden Gesprächspartnern ist in dieser Ausgabe lang: Susanne Tide-Frater gibt spannende Einblicke in die Zukunft des Handels, Johnnie Boden erzählt, warum es nicht reicht, einen roten Bus auf ein T-Shirt zu machen, und Julia Körner bespricht mit Petrina Engelke, warum Individualfertigung nur mehr eine Frage der Zeit ist. Ein vollgepackter Vor-Ort-Teil präsentiert Händler, von denen wir überzeugt sind, dass sie in naher und ferner Zukunft immer noch beispielgebend sein werden. Viel Vergnügen beim Lesen, Ihr Team von style in progress

Coverfoto: Daan Zahradnik

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style in progress


INHALT

THE FUT URE 1 WHO? THE FUT URE 2 WHERE? THE FUT URE 3 WHY?

076

068 006 EDITORIAL

Morgen hat schon gestern begonnen

016 JETZT 050 FINDEN WIR GUT THE LONGVIEW 068 „Wir wollen noch viel mehr als Mode“ BALR. ist ein Phänomen: Über den raschen Aufstieg der Marke spricht Mitgründer Demy de Zeeuw.

SO LÄUFT’S 076 THE FUTURE 078 Es gibt (keine einfachen) Anworten! Warum das Warum so wichtig ist – ein Kommentar von Stephan Huber. 080 THE FUTURE:

WHO?

082 Individualisierung als Chance? Haben Massenprodukte eigentlich eine Zukunft? Wir haben bei Branchenexperten nachgefragt. 086 „Mode ist Architektur im kleinsten Maßstab“ Julia Körner ist eine Pionierin im 3D-Druck und echter Individualisierung.

108 Ort der Faszination. Zukunftsfähige Kundenbeziehungen bei Sport Schuster und Bonprix. 110 Brandlove. Die neue Monogamie: Was Marken durch ihren eigenen Retail lernen. 118 „Das ist doch bitte keine Saisonware“ Für Markus Meindl sind seine Authentic Luxury Stores im Brandbuilding Gold wert. 120 „Die Hose hat Macht“ Marco Lanowy über das vielleicht wichtigste Kleidungsstück der Garderobe. 122 „Am Anfang war der Stoff“ Steiner1888 investiert massiv in die Kollektion. 124 THE FUTURE:

WHERE?

125 David vs Goliath? Nein, nur Digitalökonomie. Ist das Märchen vom demokratischen Internet ausgeträumt? 126 „Es braucht nicht nur Kapital, sondern auch Können“ Der t3n-Chefredakteur Stephan Dörner über Plattformeffekte und verpasste Chancen.

090 On Demand. Die Anti-Overproduction-Brands.

128 „Klare Differenzierung schaffen“ Marc O’Polos Director E-Commerce Vanessa Platz über die Internationali­ sierungsstrategie.

093 Innovation als Antrieb. AlphaTauri hat die Feuertaufe im Multibrandhandel erfolgreich gemeistert.

130 „Der Wettbewerb war immer verzerrt“ Wie myclassico. com mit einem klaren Profil online für Unverwechselbarkeit sorgt.

094 Die Superlative als Ziel. Besessen vom perfekten T-Shirt: Stefan Brandt.

132 „Man muss rechnen können“ Smec-Gründer Jan Radantisch über Skalierungseffekte im Onlinemarketing.

096 Made in Skivalley. Original + hat Custom made Ski entwickelt und produziert in Salzburg.

134 „Mode, wie wir sie kennen, ist tot“ Die Retail-Visionärin Susanne Tide-Frater erklärt, warum Mode aus der Mode ist.

098 Die Zukunft ist jetzt. Ein hoher Anteil Straight-to-­ Market-Ware zeichnet Les Deux aus.

138 #Inspirational Shopping. Wie führende Multibrandhändler mit Instagram ihr Geschäft ankurbeln.

100 Wenn das Gute wächst. Save the Duck präsentiert sich zunehmend spitzer und technologie­getrieben.

142 Digitale Effizienz. Die Premium Group und Joor machen gemeinsame Sache.

102 „400 Prozent Mehrverkauf und halb so viele Reduzierungen“ Speed! Tiyo hat langen Leadzeiten und Daumen-mal-Pi Absatzplanung den Kampf angesagt.

144 THE FUTURE:

104 „Wir sind die Stimme der Kunden“. Was Net-a-Porter und Mr. Porter unter exklusivem Kunden­service verstehen, erklärt Lupe Puerta. 008

106 „Was hilft den Menschen am PoS am meisten?“ Clara Becker von Humino und Melanie Dähler-Goldener im Gespräch.

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WHY?

145 Neuer Konsum, neue Konzepte? Welche neuen Konzepte den Handel zukunftsfähig machen: Expertenstimmen. 150 Neue Geschäftsmodelle. Neue Mode ≠ Neuware, Geschäft ≠ verkaufen

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ICONIC PA N T S

alberto-pants.com

STAND 5.13


INHALT

„Fashions fade, style is eternal“ Große Worte von dem unvergessenen Yves Saint Laurent. Und gerade wieder so aktuell wie nie. Vor allem die Frauenmode besinnt sich auf ihre Wurzeln, auf Konfektion und dekorierte Designs. Neben dem übermächtigen Trend zu Casual Wear wird es wieder angezogener, eleganter und verspielter. Epizentrum dieser Entwicklung ist der Blazer, der auch in der Menswear sein großes Repertoire verschiedener Facetten ausspielt. Während der Markt noch nach den Antworten auf die neuen Bedürfnisse der Kunden sucht, hat man auf Produktebene bereits hochkarätige Antworten parat. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Marken

212 212

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152 Bye, bye Besitzerstolz. Nachhaltig und so unglaublich sinnvoll: Businessmodelle jenseits des Kleidungskaufs.

202 Zurück in die Heimat. Holubar hat sich radikal entwickelt und internationalisiert.

154 „Die Akzeptanz wächst täglich“ Volle Kleiderschränke sind die Jagdgründe der Reverse Retail GmbH.

203 Vom Mut, anders zu sein. Airfield schreitet in seiner Profilierung konsequent voran.

156 What’s your Purpose? Diese Gründer haben eine Mission.

204 Lauter werden. Eine saubere Marke, die Wachstums­ potenzial hat: Gant.

160 Der Store von heute hat morgen erst geöffnet. Zukunftsvisionen für den Modefachhandel? Haben wir! 174 Das Ernten tief hängender Früchte. International renommierte Shoparchitekten teilen Ihre Vision der Zukunft des Handels. 178 Better Self. Wie Beauty und Holistic Lifestylemarken den Modehandel beleben. 180 Das schöne Geschäft. Mode und Beauty? A perfect match, finden die Gesprächspartner unseres Fashiondiskurses. 186 Finden wir gut – Better Self. Fashionaffine Beauty­ produkte: ausgewählte spannende Marken. 188 „Man muss für Smartphone-Bildschirme designen“ Der Selfmade-Man Johnnie Boden im Interview mit Stephan Huber. 192 Weniger ist mehr. Standard Project ist die Antwort auf neue Konsumbedürfnisse. 193 „Es geht um die Leidenschaft für Rennsport“ Sacha Prost tritt in die großen Fußstapfen seines Vaters Alain Prost – allerdings nur modisch. 194 Von der Achtsamkeit. Bei Frauenschuh wird bedacht der Generationswechsel eingeläutet.

205 Masterplan Nachhaltigkeit. Mel und Dirk Nienaber über ihre grünen Pläne für die Marlino Group. 206 Seit 25 Jahren mit voller Kraft voraus. RRD hat ambitionierte Ziele ausgegeben. 207 Next Level Outdoor Fashion. Wolfskin Tech Lab ist eine starke Ansage in Sachen Style und Nachhaltigkeit. 208 „Wir stehen für aufrichtige Werte“ National Geographic ist eine Bekleidungsmarke mit einem riesigen Schatz. 210 Alle auf Kurs. Bei North Sails greifen Produkt, Marketing und Vertrieb nahtlos ineinander. 211 Nische erkannt und besetzt. Die Weste ist Millimeterarbeit, weiß man bei Dornschild.

MODE 212 „Fashions Fade, Style is Eternal“ Auf dem Weg in die Saisonlosigkeit – die Trends.

VOR ORT 225 Phantasiewelt im Glockenbachviertel. Phasenreich/München

196 Fully made in Italy. Ein Hidden Champion der italienischen Outerwear: Sealup.

226 Die Stiloase. Comptoir 102/Dubai

197 Die Profis. Die Brüder Emanuel und David Dufour verantworten die Marke DU4.

229 Komm Raus. Deru/München

198 Perfekt sitzende Hosen aus 100 Prozent Naturfasern. Die italienische Hosenmarke Myths will in den deutsch­ sprachigen Ländern wachsen. 199 Inspiration Wildnis. Vom Gummistiefel zur nachhaltigen Outerwear: Tretorn. 200 Zeichen auf Wachstum. Ulli Ehrlich will es wissen: Die Sportalm Kitzbühel Eigentümerin hat Weichen gestellt. 010

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228 Hanf im Trend. 53cc/Stuttgart 230 Einzigartig in aller Konsequenz. Boys Don’t Cry/Paris

232 EDITOR’S LETTER Maschinen träumen nicht!

232 IMPRESSUM


WINTER 2021


EXPERIENCE THE FUTURE OF FASHION

14 14 –15 –15 JANUARY JANUARY 2020 2020 FASHIONTECH BERLIN AT ALETTO HOTEL FASHIONTECH BERLIN AT ALETTO HOTEL LUCKENWALDER STRASSE 12-14, 10963 BERLIN LUCKENWALDER STRASSE 12-14, 10963 BERLIN

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FASHIONTECH BERLIN Andrea Baldo

Ana Andjelic

CEO 14 JAN/12:10 - 12:30

CMO 14 JAN/16:20 - 16:45

David Fischer

Philipp Westermeyer

Founder 15 JAN/14:00 - 15:40

Founder 15 JAN/11:00 - 12:00

FASHIONTECH STUDIO Der Logo-Schutzraum ist definiert als 2x die Hรถhe des Dreiecks der Sprechblase (x). Dieser dient als Mindestabstand zu allen Seiten.

Ismail Boulaghmal

Tony Tonnaer

Owner & CEO Clubkind Marketing 15 JAN/15:00 - 15:20

Founder CEO 14 JAN/14:15 - 15:15

1x 1x

x

= Hรถhe des Dreiecks der Sprechblase (x)

Derek Morrison

Steve Lidbury

StockX 15 JAN/12:00 - 12:20

Principal Eight Inc 15 JAN/13:30 - 13:50

AND MANY MORE...

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JETZT

The Nim

Strategischer Umzug

Meisterin des Networkings: Anita Tillmann, Managing-Partner der Premium Group, will während der drei Tage Premium Menschen, Marken und Wissen zusammenführen.

Premium

„Wir kuratieren heute Potenziale und Kontakte“ Warum sind Messen heute relevant? Anita Tillmann Managing-Partner Premium Group: Die Branche verändert sich radikal und in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit. Getrieben von der Digitalisierung entwickeln sich Trends unvorhersehbar. Social Currency wird immer wichtiger, Brand Loyalty basiert auf neuen Parametern und ist nicht planbar. Doch als Unternehmerin sehe ich darin nie da gewesene Möglichkeiten. Denn der persönliche Austausch wird sich durch nichts ersetzen lassen. Wir kuratieren heute vor allem Potenziale und Kontakte. Der Erfahrungs- und Informationsaustausch ist wichtiger denn je. Wir bieten dafür die Plattform und vernetzen die Protagonisten und Experten. Wie wurde die Premium dafür als Marke neu aufgestellt? Gemeinsam mit der Hamburger Kreativagentur Karl Anders haben wir eine neue CI und die starke ICON-Kampagne entwickelt. In den Hallen installierte Büsten, die als Sinnbild für Ikonen stehen, dienen als interaktive Social-Media-Spots. Die Ikone selbst ist lebenslanger Anziehungspunkt und Ausstellungsstück, trägt sich durch verschiedene Epochen und wird immer neu interpretiert. Was bedeutet das für die drei Veranstaltungstage? Wir geben viele Impulse und Antworten zu geschäftsrelevanten Fragen. Zum Beispiel: Welche neuen Trends gibt es? Welche neuen Brands gibt es? Wie verhält sich Gen Z? Was machen Ihre Bestandskunden? Wie sieht die Zukunft der Modebranche aus? Wer sind die Player? Ziel ist es, mit unseren neuen Content-Formaten in Form von Live-Panels, Interviews und Talks eine starke Community aufzubauen, die den Herausforderungen der Zeit gewachsen ist und gemeinsam als starkes Netzwerk eine erfolgreiche Zukunft gestalten kann.

016

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Passend zum Start in die neue Saison zog die Denimkollektion The Nim neu in den Heritage Showroom in München ein. Ein Agenturumzug, der in völligem Einvernehmen ablief und eine wertvolle Bereicherung für das Sortiment darstellt. „Wir bauen mit The Nim auf tolle Strukturen auf“, sagt Malte Kötteritz über die bisherigen Erfolge und die Kundenbasis von The Nim. „Die aktuelle Distribution ist qualitativ sensationell.“ Malte Kötteritz und Michael Brockmann verbindet eine jahrelange Bekanntschaft mit Claudio Parolini, dem Inhaber von The Nim, der nun auch zum strategischen Agenturwechsel geführt hat. Gemeinsam geht es nun darum, die beiderseitigen Kompetenzen noch weiter auszubauen.

The Nim steht für feinsten italienischen Denim, nach der erfolgreichen Herrenlinie setzt die Marke nun gemeinsam mit dem Heritage Showroom auf den Ausbau der Damenkollektion.

Lucky de Luca

Warum nicht gleich so?

Ab sofort per Onlineorder mit Stoffmuster: die Kollektion Lucky de Luca.

Wer Valentino de Luca kennt, weiß, dass ihn offene Fragen nerven. So lange, bis er sie beantworten kann. Eine dieser Antworten: Mit voller Überzeugung von den positiven Effekten hinsichtlich Nachhaltigkeit und Flexibilität setzt er mit Lucky de Luca und Barb’one schon ab kommender Saison auf eine eigene B2B-Onlineorder-Plattform. „Statt Messeauftritten, die immer weniger internationale Kunden ansprechen und kaum noch Order vor Ort generieren, senden wir unseren Kunden digital unsere Kollektionsinformationen und Ordersheets zu. Als besonderen Service schicken wir alle Stoffmuster mit dazu. So können die Kunden ganz entspannt und zeitlich flexibel von zu Hause aus ordern oder einen unserer Showrooms besuchen und die Kollektionen ansehen, wenn es ihnen zeitlich am besten passt.“ Die fokussierte, pointierte und direkte Ansprache der Kunden ohne Messerummel und Termindruck sieht Valentino de Luca als Lösung vieler aktueller Probleme. Daher wird er auf den kommenden Messen in Berlin nicht vertreten sein. www.luckydeluca.com


ALPHATAURI.COM


JETZT

Head Sportswear

Performance und Transparenz Ethische Werte sind für Roman Stepek keine leeren Worte. „Wir öffnen unsere Fabriken für mehr Transparenz“, so der Vice President von Head Sportswear. „Unsere Partnerbetriebe in Thailand, Vietnam und Griechenland sind top. Die Menschen, die unsere Ware produzieren, stehen im Vordergrund. Wir wollen zeigen, dass uns soziale Nachhaltigkeit wichtig ist.“ Das geschieht in Form von Videos der Fabriken, die den Händlern zur Auslieferung ab Herbst 2020 vorgestellt werden und ab Winter 2020 den Konsumenten via Social Media zugänglich sind. Seit 2016 hat Roman Stepek Head Sportswear einem umfassenden Relaunch unterzogen – mit einigem Erfolg. „Wir haben eine mittlere Preisklasse etabliert, aber auf hohem Qualitätsniveau“, betont Stepek. „Unsere Skijacken, die im Schwerpunkt 350 bis 750 Euro kosten, sind so gut, dass sie problemlos mit Marken höherer Preisklassen mithalten können.“ Ab der Wintersaison 2020/21 ist die Abfahrtsolympiasiegerin Lindsay Vonn neue Markenbotschafterin für die Skiwear von Head, was der österreichischen Marke auch bei der Etablierung im US-Markt zugute kommen wird. „Ich schätze die Werte des Unternehmens sehr“, sagt Lindsay Vonn. „Außerdem begeistert mich der Look der Legacy Line, die meine Vision von modischer und technischer Skibekleidung widerspiegelt.“ www.head.com

Head Sportswear setzt auf soziale Nachhaltigkeit und Transparenz, was das Unternehmen mit Videos aus den Fabriken unter Beweis stellt.

Die Skiläuferin Lindsay Vonn ist neue Markenbotschafterin von Head Sportswear.

RRD

In Motion „Unser Ziel ist es, Kleidung anzubieten, die eine Hymne an die extreme Bewegungsfreiheit des Körpers darstellt“, subsumiert Roberto Ricci die Visionen seines Labels RRD. Roberto Ricci Designs steht für ganzheitliche Technologien und kombiniert diese in einer neuen Generation von Stoffen: von wasserfesten Membranen bis Boiled Wool. Kürzlich eröffnete das Unternehmen seinen ersten Showroom in Mailand. „Der neue Showroom in der Via Tortona wird ein wichtiges Schaufenster in Bezug auf Sichtbarkeit und Image sein. Hier können Kunden unsere Kollektionen sichten und die Philosophie der Marken kennen lernen.“ Diese Philosophie spiegelt sich auch in der Einrichtung. „Wir sind auf der Suche nach dem wahren Wesen der Dinge.“ Kontraste wie Treibholz mit Industriemetallen, transparentes und opakes Glas geben daher den Ton an. Der Showroom ist 500 Quadratmeter groß. www.robertoriccidesigns.com

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In Mailands Via Tortona hat RRD seinen Monobrandshowroom eröffnet.


JETZT

Neonyt

Full House Die Neonyt bietet im Hangar 4 des ehemaligen Flughafen Tempelhof ein internationales Line-up und ein spannendes Rahmenprogramm mit Vorträgen und Panel-Talks auf der Konferenz Fashionsustain. Viele Aussteller sind zum ersten Mal beim globalen Hub für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation mit dabei, darunter Armedangels, Blutsgeschwister, Dawn Denim, Fisherman Out of Ireland, Funktionsschnitt, Got Bag, Leit & Held, Lemon Jelly, Melvin and Hamilton, Phyne, Wolfskin Tech Lab und Zerum. Die im letzten Jahr vorgestellte Conscious Fashion Campaign, eine Initiative des United Nations Office for Partnerships zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN, wird künftig im Texpertise Network und damit jährlich auf mehr als 50 Textilveranstaltungen der Messe Frankfurt stattfinden. So erreicht sie 22.000 Unternehmen und über eine halbe Million Fachbesucher, um die Thematisierung des Klimawandels, die Sicherung von Umweltschutz oder Förderung der Kreislaufwirtschaft und Schaffung fairer Arbeitsbedingungen voranzutreiben. 14. bis 16. Jänner 2020, www.neonyt.com

Messe und Informationsplattform gleichermaßen – die Neonyt findet im Hangar 4 des Flughafen Tempelhof statt.

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Holger Petermann ist Marken- und Kommunikationsexperte, sein Wissen wendet er zunehmend interdisziplinär an.

Think. Inc

„Es braucht ein nach­haltiges Marken­ verständnis“ Holger, funktionieren Produkte ohne den Zauber einer Marke? Holger Petermann, Mitinhaber Think. Inc Communications und Standard Project: Am Anfang steht „Product is the Key“ und dann natürlich das Umfeld und die Story darum. Warum, liegt auf der Hand: Nur da, wo Konkurrenz ist, ist auch Geschäft. Und Konkurrenten arbeiten immer mit ähnlichen Produkten. Also muss das Produkt den Ansprüchen genügen und optimalerweise eine Idee haben. Da setzen wir als Kommunikationsspezialisten an. Ich formuliere es so: Story is the door and statement the universe. Der Zauber ist das Zusammenspiel von Produkt, Story und Statement. Storys sind das große Ding? Für mich ist das Statement oder die Haltung einer Marke viel wichtiger. Die Haltung des Unternehmens, der Marke und dann letztendlich widerspiegelnd im Produkt ist das, was den Menschen beeindruckt, begeistert und letztendlich treu werden lässt. Die Haltung ist das menschlichste einer Marke und das hat dann auch viel mit Nachhaltigkeit und Ethik zu tun und letztendlich mit Glaubhaftigkeit. Diese Denkanstöße vermitteln wir nicht nur Marken, sondern auch Vertriebsorganisationen. Die Antwort nach der Frage, welche Haltung denn eine Marke einnimmt, wird oft belächelnd übergangen. Kann der Handel Haltung vermitteln? In Zukunft noch viel mehr, weil die Geschichten, die wir über Marken erzählen, nicht mehr so viel Reibungsverlust erleben. Der Kunde informiert sich ja direkt bei der Marke, die Marke ist der Storyteller. Das wird auch am PoS gelten, egal ob Mono- oder Multibrand. Und am liebsten gehe ich in ein Geschäft, in dem Menschen arbeiten, die ich mag, deren Haltung ich erkenne und die das verkörpern, was das Geschäft ausdrückt und welche Marken und Produkte es führt. Ein perfekter Match.


Pitti Uomo Florence January 07-10 2020 Stand D/14 Fortezza da Basso Padiglione Centrale

Selvedge Run & Zeitgeist Berlin January 14–16 2020 Hangar 5 Airport Tempelhof

Who‘s Next Paris January 17–20 2020

IWA Outdoor Classics Nuremberg March 06–09 2020 Hall 4-148


JETZT

Supreme Women & Men

„Wir agieren als Impulsgeber“

Ruhe bewahren und sich auf verloren gegangene Werte besinnen, rät Aline Müller-Schade von der Munichfashion Company für das Jahr 2020.

Wie viel Persönlichkeit hat und braucht eine Messe? Aline Müller-Schade, Mitgründerin der Munichfashion Company GmbH: Eine Messe ist stark von den Persönlichkeiten, die dahinterstecken, abhängig. Ich habe sehr viel Energie in den vergangenen Jahren eingebracht. Der Markt verändert sich und auch wir verändern uns. Wir agieren als Impulsgeber und geben unser Empfinden von Saison zu Saison weiter. Aline, was erfüllt dich mit Stolz, wenn du über die Messe gehst? Ich habe mir das Vertrauen hart erkämpft und ich habe mir in den letzten Jahren viel Respekt in der Branche erarbeitet und das erfüllt mich mit Stolz. Wir waren und sind immer ehrlich und offen gegenüber unseren Kunden. Das zahlt sich letztendlich aus. Was rätst du Ausstellern für das herausfordernde Jahr 2020? Generell erst einmal: Ruhe bewahren! Wir sollten uns auf die Werte besinnen, die teilweise verloren gegangen sind. Vor allem Vertrauen und Empathie gegenüber den Partnern und Leidenschaft für unser Produkt. Das handhaben wir ebenso. Und das verlangt auch letztendlich der Endverbraucher. Supreme Women & Men, Düsseldorf: 24. bis 27. Jänner 2020, München: 8. bis 11. Februar 2020, www.thesupremegroup.de

Andrea Baldo, CEO von Ganni, spricht darüber, wie man die Omnichannel-Kommunikation mit Konsumenten der Gen Z aufbaut und warum echte Experience im Laden beweist, dass der Handel nicht tot ist.

Matthias Nebus, Mitgründer von MyBudapester.com, erörtert, wie man mit innovativen Kooperationen Markenwert kreiert.

Fil Noir

Transformation Konsequent geht Fil Noir den Weg in Richtung Nachhaltigkeit. Im ersten Schritt werden die Hemden statt im Polybeutel in hochwertig recycelten Paperbags verpackt, das gilt ab Frühjahr/Sommer für Fil Noir Uomo und ab der kommenden Herbst-/ Winter-Saison auch für Fil Noir Donna. Der zweite Schritt ist eine GOTS-zertifizierte Kapsel namens Fil Noir Re spect, zu Verkaufspreisen zwischen 89 und 119 Euro. „Nachhaltigkeit und faire Produktion werden wichtiger für die Kaufentscheidung“, weiß Heiko Storz, Gründer der italienischen Marke. „Wir wollen mit Fil Noir eine Option für eine bewusste Käufergruppe sein, glaubwürdig und mit gutem Gewissen.“ Von Beginn an arbeitet der Spezialist für feine Hemden mit kleinen, mittelständischen Partnerbetrieben ausschließlich aus Europa wegen der kurzen Transportwege. „Jetzt verfolgen wir das Ziel, die GOTS-Zertifizierung so schnell wie möglich für alle Fil Noir Linien umzusetzen. Deshalb übernehmen wir die Verantwortung für die Einhaltung der höchsten Nachhaltigkeitsstandards nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Lieferanten und Produktionsstätten.“ Um den GOTS-Standards zu entsprechen, muss ein Produkt zu 100 Prozent organic sein. „Es ist die einzige, aussagekräftige Zertifizierung, der der Endverbraucher wirklich trauen kann“, so Heiko Storz. „Wir können nicht die Welt retten, aber wir wollen innerhalb unserer Möglichkeiten einen Beitrag leisten. Jeder Tropfen auf dem mittlerweile überhitzten Stein zählt.“ www.filnoir.com

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Philip Westermeier, Onlinemarketing-Rockstars, veranstaltet einen Live-Podcast mit Interviews zu Marketingtrends.

Fashiontech

Neue Laufzeit und Location

Fil Noir bringt erstmals eine GOTS-zertifizierte Kapsel heraus. Das Ziel: die komplette Kollektion fair, umwelt- und ressourcenschonend herzustellen.

Die Fashiontech Konferenz findet in Zukunft wieder in unmittelbarer Nähe der Premium, direkt gegenüber vom Haupteingang der Station Berlin im neuen Aletto Hotel statt. Auf der Ausstellungsfläche werden drei Tage lang E-Commerce und Retail Solutions u. a. von Telekom Fashion Fusion, About You Cloud, Mode Handel Tracker und DHL zu sehen sein. Für Aussteller und Einkäufer ist der Eintritt kostenlos. Das Hauptprogramm am Dienstag und Mittwoch beinhaltet Vorträge zu den Themen Retail Experience, Insights und Responsible Future. 14. bis 16. Jänner 2020, www.fashiontech.berlin


JETZT

Pitti Uomo

Hochkarätiges Line-up

Carl Tillessen kann sich bei seinem DMI-Vortrag aufmerksamer Zuhörer sicher sein.

DMI

Kick-off Am 23. Jänner 2020 lädt das Deutsche Modeinstitut wieder in die Rheinterrasse Düsseldorfs ein, um der Modefachwelt Analysen und Trendprognosen für den Sommer 2021 vorzustellen. Der Titel: Detox your mind, für positive Impulse und lösungsorientiertes Handeln. Christel Wickerath wertet Marktdaten aus, Carl Tillessen referiert über den Zeitgeist. Niels Holger Wien und Winfried Rollmann sprechen über Farben und Materialien. Im Anschluss zeigen Thomas Hill und Petra Schröer die wichtigsten Styles. Internationale Partner des DMI sind die Première Vision und das Sinus Institut, das eine Studie zur Zielgruppe der heute unter 25- und unter 18-Jährigen vorstellt. www.deutschesmodeinstitut.de

Gastdesigner des Pitti Uomo 97 waren Lucie und Luke Meier. Die beiden Kreativdirektoren von Jil Sander zeigten in Florenz ihre Männerkollektion. Als Special Guest präsentierte Stefano Pilati sein Label Random Identities und das Special Project dieser Saison war die Unisexmarke Telfar aus New York. Groß gefeiert wurde der 75. Geburtstag von Brioni, das 190-jährige Bestehen von Woolrich, 40 Jahre Chevignon und 20 Jahre Blauer USA. Mit Think Green widmete sich der Pitti zum ersten Mal dem Thema Nachhaltigkeit und zeigte auf dem von Architekt Andrea Caputo gestalteten Forum Denkanstöße für nachhaltige Retailflächen. Die Ausstellung „A Tribute to Karl: The White Shirt Project“ unter der Leitung von Carine Roitfeld, Style Advisor für Lagerfeld, zeigte Arbeiten von Cara Delevingne, Lewis Hamilton, Tommy Hilfiger, Sebastien Jon­ deau, Kate Moss und Takashi Murakami. 7. bis 10. Jänner 2020, www.pittimmagine.com

Früher war mehr Kronleuchter: Brionis erste Fashionshow 1952 im Palazzo Pitti.

The Prince’s Foundation X Yoox Net-a-Porter Group

Royale Nachhaltigkeit

Sie haben gut lachen: HRH Prinz Charles und Federico Marchetti von YNAP lancieren ein gemeinsames Nachwuchsprojekt.

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The Modern Artisan nennt sich eine wahrhaft royale Kooperation von Net-a-Porter und The Prince’s Foundation, die zum Ziel hat, Nachhaltigkeit zu fördern. Designstudenten des Mailänder Politecnico di Milano und von britischen Ausbildungsstätten werden von der Yoox Net-a-Porter Group unterstützt und erhalten durch Prinz Charles Prince’s Foundation Zugang zu typisch britischem Kulturerbe. In einem viermonatigen Training lernen die Teilnehmer, traditionelle und nachhaltig produzierte Stoffe aus Wolle, Cashmere und Seide in einen modernen Kontext zu setzen. Im Anschluss wird die Kollektion in Dumfries House produziert und auf der Homo Faber – Ausstellung europäischer Handwerkskunst – in Venedig präsentiert.


JETZT

Mey Story

Zusammenarbeit Gemeinsam mit der Münchner Illustratorin Kera Till hat Mey Story eine nachhaltig produzierte T-Shirt-Kapsel für Damen herausgebracht. Die T-Shirts werden in Deutschland aus handgepflückter Pima-Baumwolle aus Peru gefertigt und zeigen feminine Strichzeichnungen als Frontprint. Für die Qualität der Shirts bürgt der hochwertige Zwirn, für den die langstapeligen Baumwollgarne miteinander verarbeitet wurden. Die Shirts sind besonders weich und leicht und sind mit der Frühjahr-/Sommer-Saison 2020 bei Panta Rhei in Zürich, Grüner in Klagenfurt, Schnitzler in Münster und Ausoni in Lausanne zu VK-Preisen von 99,90 Euro erhältlich. www.meystory.com

Armargentum steht für Fashion mit zeitlosem und nachhaltigem Anspruch.

Barbara Meier ist Nachhaltigkeit wichtig. Zur Bambi-Verleihung machte sie im Kleid von Armargentum Furore, besetzt mit Steinen von Swarovski.

Das steht ihm gut: Werner Schreyer in Mey Story. Mey Story hat eine Kapsel gemeinsam mit der Illustratorin Kera Till herausgebracht.

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Armargentum

Clevere Faser Wie kann Kleidung der Zukunft aussehen? Das Label Armargentum bietet auf die Frage eine mögliche Antwort, mit für alle Jahreszeiten geeigneten Blusen und Kleidern, die Ökotex-zertifiziert sind und denen antiallergene und vor allem hautverschönernde Eigenschaften zugesprochen werden. „Wir sehen hier einen großen Anspruch, zum Beispiel von Frauen, die viel im Job sind und von ihrer Kleidung mehr als nur gutes Aussehen erwarten“, sagt Geschäftsführerin Sophia Bitter. „Dieser Bedarf wächst stetig.“ Als Tochterunternehmen von Airfield ist Armargentum seit vier Monaten auf dem Markt. „Mit einem Onlineshop sind wir gestartet und haben gesehen, dass es einen Bedarf für unser Produkt gibt“, erklärt Geschäftsführer und Airfield-Inhaber Walter Moser. „Jetzt wählen wir Agenturen für den Vertrieb aus, im D-A-CH-Markt und international.“ www.armargentum.com


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JETZT

Den Hutmacher zieht es in die Hansestadt: der neue Stetson Flagshipstore in Hamburg.

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Nummer fünf Das Team hinter Joop Women: Brand Director Anke Ratzsch und Managing Brand Director Thorsten Stiebing.

Joop

Die 360-GradLifestylemarke Im Jänner fand der Launch von Joop Women statt. An die erste Kollektion sind große Erwartungen geknüpft. Wie wollen Sie diese übertreffen? Thorsten Stiebing, Managing Brand Director Joop: Mit der von uns angestrebten Positionierung in der Verbindung zwischen Premium und Contemporary bedienen wir mit Joop Women das gehobene mittlere Preissegment mit einer sehr modischen Kollektion. Und das darüber hinaus mit einem Markenbekanntheitsgrad von 94 Prozent. Joop war und ist schon immer eine Marke mit einem hohen Anteil an Kundinnen. Womit wollen sie diese in der Kollektion ansprechen? Anke Ratzsch, Brand Direktor Joop Women: Die Kollektionen bewegen sich souverän zwischen den Welten der Premium-Quality und der Contemporary Fashion. Joop Women und Joop Jeans präsentieren sich im Herbst/Winter modern, zeitgemäß und anspruchsvoll, aber nicht abgehoben. Joop Women begleitet die stil- und designaffine Frau zu jedem Anlass mit Urban Basics, über cool-wärmende Outerwear bis zu extravaganten Party-Outfits. Ist die Womenswear vorerst der Höhepunkt der Neuausrichtung? Thorsten Stiebing: Die Neupositionierung von Joop Women ist für uns einfach der nächste logische Schritt auf dem Weg zur internationalen 360-Grad-Lifestylemarke. Seit wir Joop als Fashion- und Lifestylemarke vor mehr als drei Jahren von Grund auf neu aufgestellt haben, sind wir kontinuierlich auf Erfolgskurs. Somit war es einfach der richtige Zeitpunkt, diese Dynamik der Marke zu nutzen, um nun auch unsere DOB-Linie neu zu beleben. www.joop.com

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style in progress

Nach den erfolgreichen Geschäftseröffnungen von Stetson in Berlin, Frankfurt, Perugia in Italien und auf Sylt hat der Spezialist für Hüte, Handschuhe, Caps und Mützen nun auch einen Laden in Hamburg eröffnet. Direkt am Rathaus in der Herrmannstraße gelegen, wird der 50 Quadratmeter große Store von Marvin Rathje und seinem Team geführt. In warmen Holzelementen aus leicht rötlichem Rüster in Kombination mit industriellen Stahlprofilen in modernen Grautönen wird die Produktwelt von Stetson präsentiert. Alle Holzelemente sind aus demselben Baumstamm gefertigt. Die offene, einsehbare Galerie des Ladens dient als großzügige Lagerfläche. Bei den Stetson Stores handelt es sich nicht um Franchise-Geschäfte im klassischen Sinn. „Es gibt kein starres Konzept. Es geht darum, gemeinsam mit bestehenden Partnern das Produkt und die Marke auf das nächste Level zu heben. Ein Stetson Store, wie wir ihn uns vorstellen, wird erst durch die Menschen im Laden komplett“, so Klaus Kirschner, Stetson Europe CEO von FWS Hats. www.stetson.eu

Mey

Cosy Suit yourself lautet der Claim von Mey für die Herbst-/Winter-Saison 2020. Die Grenzen zwischen Nachtwäsche, Loungewear und Oberbekleidung lösen sich zunehmend auf, was sich bei Mey auch in der aktuellen Damenkollektion zeigt. Die Loungewear überzeugt beispielsweise mit Blusen und Tuniken, Kimonos und Culottes. Key-Outfit ist eine Marlenehose aus glänzendem, breitgeripptem Stoff, kombiniert mit einem bronzefarbenen Halbarm-Rippenshirt. Feminine Camisoles mit Spitzeneinsätzen passen zum Cardigan mit Loungepants. Sweater oder Anzüge mit Colourblocking fühlen sich dank gebürsteter Sweatware sehr weich an. Mey legt verstärkt Wert auf Materialien, die in der eigenen Strickerei in Deutschland entstehen. Das machen auch die aktuellen Kampagnenfotos deutlich, die unter anderem in der eigenen Produktion in Albstadt gemacht worden sind. www.mey.com

Die neue Kollektion von Mey setzt auf moderne Natürlichkeit und Harmonie in Materialien wie in Farben.


STRENESSE.COM


JETZT

Panorama Berlin

Innovation und Wandel

Mehrstöckige oder großflächige Designcontainer als Lounges, Pop-up-Stores oder Cafés bestimmen das Bild auf der Panorama.

Mit der Fashion Pop-up Konzept Brand Avenue stellt die Panorama Berlin eine saisonübergreifende Idee vor, die eine starke Verzahnung von Handel, Industrie und Konsumenten zum Ziel hat. Auf etwa 10.000 Quadratmeter des überdachten Vorfeldes wird die Viewbox Company aus Luxemburg, zu deren Kunden u. a. BMW, Porsche, Berlinale, Fendi und Cartier zählen, mit modularen Pavillons innovative Markenpräsentation auf 15 bis 100 Quadratmeter umsetzen. Messechef Jörg Wichmann: „Mit einem Partner wie Viewbox an unserer Seite, verleihen wir in einer der schönsten Locations Europas Modemessen einen neuen starken Charakter. Das begeistert unsere Aussteller. Sie können mit einem völlig neuen Set-up auf dem Airfield ihre Besucher wirklich inspirieren und viele Impulse geben. Die modularen Designcontainer sind an Gestaltungsmöglichkeiten nicht zu übertreffen. Produktpräsentation und lifestylige Inszenierung verbinden sich hier perfekt.“ Im Sommer soll das Konzept als mobiles Fashion-Pop-up-Event zu Kooperationspartnern aus dem Handel auf B2C-Tour gehen. 14. bis 16. Jänner 2020, www.panorama-berlin.com

Ecoalf

Act now! Die spanische Marke Ecoalf ist weiter auf Expansionskurs. Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit gibt es die erste „From Studio to Street“ Yoga Capsule-­ Kollektion. Gefertigt werden die nahtlosen Hosen und Oberteile aus recyceltem PET, Tencel und Q-Nova, einem umweltverträglichen, recycelten Nylon. Das Material ist ultraleicht und besonders dehnbar, feuchtigkeitsregulierend und schnelltrocknend. Zunächst wird die Kollektion nur über die eigenen Stores in Madrid, Barcelona oder Berlin und über die Website verkauft. „Jetzt und in den kommenden Saisons werden wir uns der globalen Herausforderung stellen, unbedingt den achtlosen Verbrauch von natürlichen Ressourcen zu stoppen. Vor zehn Jahren haben wir damit begonnen, Produkte aus recycelten Materialien zu fertigen, die genau so gut designt sind und die gleichen technischen Eigenschaften wie herkömmliche Produkte haben. Bis heute hat unser R+D Team über 400 innovative Stoffe entwickelt, die es uns ermöglichen, bei der Herstellung die Auswirkungen auf die Umwelt deutlich zu minimieren“, erklärt Javier Goyeneche, Gründer und President von Ecoalf. Highlights der neuen Kollektion sind die High-Performance-Jackenmodelle Glacier und Everest, die trotz herausragender Wetterschutzeigenschaften aus umweltverträglichem Material gefertigt werden. Die erweiterte Taschenkollektion mit neuen Rucksäcken und dem Montana Weekender mit dem Slogan „Because There Is No Planet B“ und zahlreiche neue Sneaker aus Ananasleder, Sohlen aus Algenextrakten oder recyceltem Gummi tragen mit #ActNow Prints die Ecoalf Botschaft in die Welt: Minimiere deinen Fußbadruck und maximiere deinen Komfort jeden Tag. www.ecoalf.com

„Good for you, good for the planet“, lautet der Claim der neuen Ecoalf Yoga-Kollektion.

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Seek

Hier und jetzt Mit den Fokusthemen Responsible Future und Retail Experience startet die neupositionierte Seek selbstbewusst und fokussiert in die kommende Saison. „Das Seek-Team legt großen Wert auf den persönlichen Kontakt mit Kunden, steckt viel Liebe ins Detail und in die ehrliche Zusammenarbeit mit allen Protagonisten. Ohne uns selbst auf die Schulter klopfen zu wollen, wissen wir, dass unser Service einmalig ist. Das kommt bei der Community extrem gut an“, sagt Seek Director Maren Wiebus. Sie erklärt: „Um zu überraschen, braucht man Mut und Kreativität und neue Ideen. Für uns ist es wichtig, das Hier und Jetzt abzubilden und durch unseren Markenmix die Sortimente in den Läden mitzugestalten. Gemeinsam mit den Protagonisten unserer Fokusthemen für das Seek Studio, dem Ableger der Fashiontech, haben wir für Dienstag und Mittwoch neue Formate entwickelt, um Expertenwissen und Geschichten für die Fläche für alle zugänglich zu machen.“ 14. bis 16. Jänner 2020, www.seekexhibitions.com


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Warm Me

Partnerschaftlich

Am Black Weekend sehr gute Umsätze mit regulären Produkten machen? Warm Me und Lodenfrey beweisen, dass das geht.

Das dritte Jahr in Folge und so erfolgreich wie nie zuvor: Dem Pop-up von Warm Me bei Lodenfrey konnte nicht mal der Black Friday etwas anhaben. „Die Frequenz war hervorragend, wir haben sehr gut verkauft und nicht ein Gespräch über Rabatte mit den Kunden geführt. Das hat mich wirklich motiviert“, sagt Brand Director von Warm Me Theresa Steinbacher. „Das Beispiel Lodenfrey zeigt uns, dass die Präsenz und Sichtbarkeit der Marke gut tun. So geballt und prominent präsentiert, wirken die Produkte umso stärker.“ Insbesondere, als Warm Me mit seiner um Schals, Pullis und Cardigans erweiterten Kollektion die Fläche auch wirklich bespielen kann. „Damit ist unsere Mission für 2020 schon gesteckt: Unserer Marke am PoS Sichtbarkeit zu gönnen“, so Theresa Steinbacher. www.warm-me.com

59 inches

Ausgesucht Wayo-settchu bedeutet die Verschmelzung japanischer Tradition mit westlichen Elementen. Entsprechend kommt die Inspiration für 59 inches aus Japan, mit hohem Anspruch und handwerklicher Qualität. Die Herbst-/Winter-Kollektion 2020 umfasst 28 Teile mit T-Shirts, Sweatshirts und Hemden. Die Materialien stammen aus Italien und Japan, das aufwändige Finishing unterstreicht ebenso wie sorgsam platzierte Handstickereien den Luxusgedanken. „59 inches richtet sich eindeutig an den gehobenen Einzelhandel“, sagt CEO der Mutterfirma von 59 inches, Swiss Hest, Heiko Storz: „Wir definieren Luxus betont leger neu und achten auf jedes noch so kleine Detail.“ Für Individualität steht auch das Logo, das als original Hanko-Stempel im Innern eines jeden Teils zu finden ist. Die Farben der Premiumsportswear bleiben traditionell, für klassische Unis, Checks und Stripes auf Flanell oder 2-Ply-Popelin. Die Vertriebsagenturen Schwarte in München und T Style in Hamburg betreuen den deutschen Markt, während Enzo Cagol für die Schweiz und Freemountain für Österreich zuständig sind. Bislang zählt 59 inches 40 Kunden im D-A-CH-Markt, darunter Flebbe in Hamburg, Die Form in Oldenburg und Uli Knecht in Stuttgart. www.59inches.com

Luxuriöse Sportswear: 59 inches.

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Von ikonisch über recyclingfähig bis hochmodisch: Blauer USA punktet mit seiner Kollektion.

Blauer USA

Top Performance Der Jackenspezialist Blauer USA hat seine Nische gefunden und kräftig ausgebaut. Das liegt in der Stärke der Kollektion begründet. Diese bietet zum einen modische Neuinterpretationen der Wurzeln der Marke, den Uniformen von Polizisten und anderen Staatsdienern. Ikonische Produkte in der Linie werden immer wieder neu interpretiert und bieten so Saison für Saison Kaufanreize. Zum anderen ist die Entwicklung, die Blauer USA jenseits seiner Heritage-Teile nimmt, spannend: Da sind Modelust und Nachhaltigkeit die beiden großen Treiber. Starke Farben und mutige Designs treffen auf einen steigenden Anteil recycelter Materialien und, was fast noch entscheidender ist, recyclingfähiger neuer Produkte. Paddings können tierfrei gewählt werden. Neben den Jacken hat auch die Bekleidungskollektion der italienischen Marke große Fans im Handel. „Es ist insgesamt ein stimmiges Angebot, das überzeugt“, sagt Niklas Rill, der bei Komet und Helden für den Vertieb in Deutschland zuständig ist. www.blauer.it


HERITAGE Showroom / Lodenfrey Park / München / +49 89 32668063 / info@heritage-showroom.de MYTHS.IT


JETZT

360 Cashmere

Brama Group übernimmt die EuropaDistribution

Seit kurzem mit eigenem Showroom im Lodenfrey Park: Die italienische Marke Fracomina schätzt die Vorzüge des deutschen Marktes.

„Auf diese Zusammenarbeit habe ich lange hingearbeitet, ich bewundere Bruce, den Gründer von 360 Cashmere sehr. Für mich ist die Marke einer der globalen Leader, wenn es um Cashmere-Strick geht“, sagt Renzo Braglia, Inhaber der Brama Group. Ab sofort ist die in ganz Europa und dem Mittleren Osten tätige Distributions- und Vertriebsagentur für die Geschäfte der Marke diesseits des Atlantiks zuständig. Mit dem bewährten Brama-Service, dass Kunden auf ein sehr umfangreiches europäisches Lager zugreifen können. „Wir schätzen Claudia Flessas Aufbauarbeit in Deutschland, wir werden weiter mit ihr zusammenarbeiten“, sagt Renzo Braglia. So, ist sich der Unternehmer sicher, werden alle profitieren: Marke, Vertrieb und Kunden.

Im Vertrauen auf das professionelle Backing der Brama Group: die US-Cashmeremarke 360 Cashmere. Die Agentur Flessa bleibt in Deutschland Ansprechpartner.

Fracomina

Deutschland­ zentrale im Lodenfrey Park Hinter der 2004 gestarteten Marke Fracomina steht das 1931 von Gerardo Prisco gegründete Textilunternehmen PFCMNA. Jetzt macht die italienische Marke, die bereits 15 Monostores in der Heimat betreibt, Ernst in Deutschland. Im Lodenfrey Park wurden Niederlassung und Showroom angesiedelt. Zwei Mitarbeiter, ein Geschäftsführer und drei Vertreter stellen die Betreuung vor Ort sicher. Generell orientiert sich die Mode von Fracomina am Bedarf der Kunden. Mit einer breit aufgestellten Produktpalette soll das Gleichgewicht zwischen Preis und Qualität gewahrt werden. Essenziell dafür ist die Symbiose aus italienischer Handwerkskunst und internationalen Einflüssen. Davon profitiert auch die umfassende Auswahl an Five Pockets Jeans. Die Schnitte reichen von Bootcut über Cropped und Slim Fit bis Highwaist. Neben Jeans bietet Fracomina aber auch feminine Tops, Jacken, Mäntel und elegante Abendgarderobe. Mit vier Verkaufsund Lieferterminen pro Jahr kann das italienische Unternehmen den Bedarf des deutschen Marktes abdecken. Genau zu diesem Zweck wurde auch das NOS-Programm Bella eingeführt, das die Nachfrage nach den wichtigsten Denims bedient. www.fracomina.it

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Das Keyhouse bietet als innovativer Thinktank zukunftsorientierte Impulse und Technologielösungen für die Textilindustrie.

Munich Fabric Start

#Thrivability Mit ihrem Nachhaltigkeitstopos bildet die globale Bewegung Thrivability das Leitthema für die Frühjahr-/Sommer-Ausgabe 2021 der Munich Fabric Start. Die Leitmesse zeigt in sieben Hallen die aktuellsten Materialentwicklungen und Tech-Innovationen. Insgesamt 1.000 internationale Stoff-, Zutaten-, Denim-, Print- und Sourcing-Anbieter präsentieren ihre aktuellsten Materialentwicklungen und Innovationen für die wichtigsten Segmente. Neu ist das Icon-Leitsystem für transparente Stoffkennzeichnung. Es ermöglicht Messebesuchern, die zusätzlichen Merkmale und Funktionen der in den Trendforen vorgestellten Stoffe und Zutaten schnell zu erkennen. Am ersten Messetag findet im Keyhouse das Experten-Panel zu „Future of the Textile Value Chain“ statt. Auch Trendforscherin Li Edelkoort ist in München zu Gast. In einem exklusiven Seminar stellt sie bislang unveröffentlichtes Material vor. Internationale Denimhersteller präsentieren in der Bluezone ihre neuesten Entwicklungen. 4. bis 6. Februar 2020, www.munichfabricstart.com


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Phil Petter

Ein Riesenschritt in Sachen Nachhaltigkeit Mit seiner Herbst-/Winter-Kollektion 2020/21 ist die Vorarlberger Strickmanufaktur Phil Petter in Sachen Nachhaltigkeit einen großen Schritt vorangekommen. „Für uns war es immer schon selbstverständlich, dass alle Rohstoffe aus der Nähe zu unserem Produktionsstandort Österreich kommen“, sagt Anja Petter-Grabherr. Bei Merinowolle und Winterstrick aus Biobaumwolle kann die Marke jetzt durchgängig Zertifizierungen der Garne garantieren. Auch in der Kollektion hat sich viel getan, insbesondere die Vielzahl der Sakkos fällt auf. Sie werden in Form gestrickt oder aus feinen Wolljerseys geschnitten, sind super soft, dehnbar und sehr leicht. Ein Highlight ist das Wolljersey-Sakko in tonaler Tweedoptik oder mit dezentem Kreidestreifen. Innovativ sind die Jacken und Sakkos aus reinem Merinowalk sowie die neue Qualität namens Cloud. Eine superleichte Qualität mit ganz volumiger Oberflächenstruktur bei geringem Gewicht. An der modischen Speerspitze stehen Overshirt Jackets aus Strick, die es in verschiedenen Varianten gibt. www.philpetter.com

Ein recycelter Cashmere-Pulli spart 95 Prozent CO2-Emissionen – Daniele Fiesoli präsentiert die Upcycled Cashmere Kollektion.

Daniele Fiesoli

Zum 20. Gründungstag gibt’s Upcycled Cashmere In seinem Jubiläumsjahr 2020 zeigt Daniele Fiesoli mit einer zu 100 Prozent recycelten Kollektion, dass Produktion in Italien und Nachhaltigkeit perfekt zusammenpassen. Der Gründer und CEO des toskanischen Knitwear-Labels arbeitet an einer Entschleunigung in der Fashionwelt. Es müsse wieder gelernt werden, zu reparieren, zu recyceln, aus Alt Neu zu machen, ohne den Anspruch an Design und Schönheit zu verlieren. Denn nachhaltig und fair soll nicht mehr mit mittelmäßiger Qualität und schlechtem Style assoziiert werden, sondern richtig gut und hochwertig aussehen. Diesen Beweis tritt Daniele Fiesoli mit seiner neuen Kollektion Upcycled Cashmere an. Die Kollektion wurde nur aus recycelten Materialien und ausschließlich in Italien hergestellt und wurde im Rahmen des Pitti Uomo präsentiert. Die Teile bleiben dem Design und Look von Daniele Fiesoli treu, sind aber aus alten Pullovern hergestellt. Insgesamt wurden für die Kollektion 22.000 Tonnen Textilmüll verwertet. Für die Verarbeitung der Textilien werden nur mechanische Verfahren eingesetzt. Während ein neuer Pullover eine CO2-Bilanz von ca. 6,5 Kilogramm hat, sorgt ein recycelter Cashmere-Pullover von Daniele Fiesoli für einen Ausstoß von nur 300 Gramm, das sind insgesamt 95 Prozent weniger. www.danielefiesoli.com

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Innovativ in der Kollektion und konsequent in Sachen Nachhaltigkeit: Phil Petter.


JETZT ag e n t u r e n

Agentur Schwarte

Komet und Helden

Unvergleichlich

Power und Kult

Was ist das Wichtigste vorab? Matthias Schwarte, Geschäftsführer Agentur Schwarte: Erstmals gibt es eine vollständige Damenkollektion von Weber + Weber. Bereits die Herrenkollektion, die Schnitzler, Braun und Lodenfrey zu den Kunden zählt, erzielt Granatenabverkäufe! Ein wunderbares Produkt, das richtig Spaß macht. Auch von Balr gibt es jetzt eine Damenkollektion, mit Sweats, Joggpants und Sneaker. Modisch oversized, für Junge und jung Gebliebene. Was tut sich bei der Nachhaltigkeit? Daniele Fiesoli zählt zu den Vorreitern und hat jetzt die Bio-Cashmere-Teile zur eigenständigen Kollektion ausgebaut und weiter verfeinert. Außerdem präsentiert Fil Noir eine GOTS-zertifizierte Kapselkollektion. Was ist wichtig, um gut zu verkaufen? Sich zu fokussieren. Wir wollen nicht zwingend Neues aufnehmen, sondern das, was wir machen, gut machen. Produkte verkaufen, die möglichst unvergleichlich sind. Ohnehin können wir als Agentur nur das Besondere verkaufen, was uns verbunden mit unserem Service erfolgreich macht.

Florian, was habt ihr für die kommende Saison im Gepäck? Florian Ranft, Geschäftsführer Agentur Komet und Helden: Das sind neben unseren Key-Marken einige Neuzugänge, an die wir sehr stark glauben: Paige ist eins der coolsten Premiumdenimlabels auf dem Markt. Vier Kollektionen im Jahr bieten eine breite Auswahl an Carry-overs, ergänzt von saisonalen Favoriten. Brandneu ist das Label Halfboy aus Italien, mit Collegejacken aus Lammfell und oversized Bikerstyles. Die Macher hinter Halfboy kommen aus der Streetwear und haben schon Marken wie Off-White groß gemacht. Was kommt hinzu? Aniven, ein frisches Denimlabel aus Italien, das für extrem innovative Waschungen und Treatments steht. Hochmodisch, mit perfektem Sitz und mit hohen Qualitätsansprüchen, wofür man sich eine der innovativsten Wäschereien und einen der besten Denimlieferanten Italiens ins Boot geholt hat. Die Preisspanne: 169 bis maximal 229 Euro/VK. Zu guter Letzt sind wir sehr glücklich darüber, eine Kultmarke wie Dickies hinzuzugewinnen – eine der wichtigsten Streetwear- und Skatermarken weltweit.

Marken: Emporio Armani, Armani Exchange, EA7, 59 inches, AT.P.CO, Balr, Collezione 01, Daniele Fiesoli, Fil Noir, Mason Garments, Parajumpers, People of Shibuya, Saucony, S.T.R.A., Sundek, Weber + Weber Agentur Schwarte, München/Deutschland, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de

Kreativität, Liebe zum Detail und California Vibes machen die Marke Paige aus.

Marken: 7 for all mankind, AG, Aniven, Atelier & Repairs, Baracuta, Barena Venezia, Blauer USA, Deus Ex Machina, Dickies, Diemme, Halfboy, Hartford, Le Bonnet, Ottod’Ame, Paige, Save The Duck, White Sand Komet und Helden, München, Düsseldorf/ Deutschland, www.kometundhelden.de

Die Hinterhofagentur

Plattformen sind wichtig

Weber + Weber präsentiert erstmals eine komplette Damenkollektion.

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Fragt man Dominik Meuer von der Hinterhofagentur, auf welchen der viel diskutierten Berliner Messen man ihn im Jänner antreffen wird, ist die Antwort: „Auf der Premium. Plattformen wie die in Berlin sind und bleiben wichtig. Wer das Prinzip Messe jetzt herunter redet, wird sich wundern, wenn er anschließend von einem Showroom zum nächsten tingeln muss.“ Gleichzeitig werde der Messeauftritt aber auch von den Lieferanten stärker hinterfragt. In seinem eigenen Showroom in München gibt es seit Jahreswechsel zwei neue Marken. Mit der Lodenschuhkollektion von Monaco Duck setzt die Hinterhofagentur auf ein innovatives, lokales Produkt und gleichzeitig auf eine Ergänzung zu den Schuhkollektionen Hamlet und Prime Shoes. Der zweite Neuzugang ist die italienische DOB-Kollektion Goodmatch. Mit ihrem stilistischen Twist aus Konfektion und innovativen, technischen Stoffen steht sie für einen femininen und wertigen italienischen Look, der die Einstiegspreislagen im Premiumsegment bildet. Für Dominik Meuer ist ein wichtiges Entscheidungskriterium, dass hinter Goodmatch ein traditionsreiches Familienunternehmen mit eigener Produktion in der Region Parma steht Marken: AdHoc, Bob, Code ltd., Des Petits Hauts, Goodmatch, Hamlet, Koike, Leon & Harper, Lightning Bolt, Manuel Ritz, Monaco Duck, Original Vintage Style, Portofiori, Prime Shoes, Taylor Tweed, The Jacksons, Wool & Co Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, info@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de

Die italienische Kollektion Goodmatch ist neben Monaco Duck Neuzugang der Saison bei der Hinterhofagentur.


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Purple Fashion Agency

Coaching

Wie sprecht ihr eure Handelskunden an? Tina Windscheid,Geschäftsführerin Purple Fashion Agency: Indem wir ihnen das Besondere bieten. Unsere Kollektionen stehen im Einklang mit der Natur, mit Mensch und Tier. Wir arbeiten ausschließlich mit Kollektionen made in Italy. 80 Prozent unserer Lieferanten sind Familienunternehmen. Dass wir mit ihnen im engen Austausch stehen, sorgt auch dafür, dass Kundenwünsche schnell umgesetzt werden können. Was zeichnet euch als Agentur aus? Menschlichkeit. Wir sind ein buntes Team aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Italien. Vielleicht bestärkt uns das darin, dass wir immer offen für Neues sind, ohne den Fokus auf das Bestehende zu verlieren. Als Agentur sehen wir uns in der Rolle des Coaches und unterstützen unsere Kunden, was in herausfordernden Zeiten enorm wichtig ist. Marken: 19andrea’s47, Antonelli, Bruno Manetti, Her Shirt, Jacob Cohën, Lardini, Orciani, Paul & Shark, Piacenza Purple Fashion Agency, Herrliberg/Schweiz, info@purplefashionagency.ch, www.purplefashionagency.ch

Paul & Shark präsentiert sich neu bei der Purple Fashion Agency.

Mit der Kollektion Myths zieht wieder ein Hosenspezialist in den Heritage Showroom ein.

Room with a view

Drei Neuzugänge Heritage Showroom

In neuem Gewand Bei Malte Kötteritz und Michael Brockmann ändert sich nicht nur das Portfolio, sondern auch das Drumherum: „Wir haben unserer Agentur ein kleines Facelift verpasst, weil wir durch die Erweiterung um Damenkollektionen – eine auch mit Abstand betrachtet richtig gute Idee – auch unseren Namen und unser Konzept der gelebten Praxis angleichen wollten“, sagt Malte Kötteritz. Ihre Wurzeln in der Premium Menswear legen sie damit nicht ad acta, werden mit dem Heritage Showroom mit neuem Logo aber deutlich neutraler in der Aussage. Zeitgleich startet das Team mit zwei neuen Kollektionen: der italienischen Hosenkollektion Myths und den Denims von The Nim. „Wir haben auch getrieben durch das Feedback unserer Referenzkunden im gehobenen Segment einfach gemerkt, dass unsere Kunden Produkte mit moderateren Preislagen nachfragen. Denn die Tatsache, dass auch in entspannteren Preislagen sehr gute Qualitäten zu haben sind, ist beim Konsumenten angekommen und durchdringt den Handel. Als Agentur wollen wir darauf natürlich reagieren und sukzessive alle unsere Produktgruppen dahingehend anpassen.“ Marken: Circolo 1901, Mey Story, Myths, The Nim, Warm Me Heritage Showroom, München/Deutschland, info@heritage-showroom.de, www.heritage-showroom.de

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Alle guten Dinge sind drei. Die Lederund Lammfellkollektion von Anne Delaigle (im Bild), Les Deux und National Geographic sind die Neu­ zugänge für Herbst/Winter 2020.

Les Deux, die Herrenkollekton aus Kopenhagen, wird von Room with a view künftig für Österreich vertrieben und passt sehr gut zum skandinavischen Part im Agenturportfolio mit Marken wie Stand, Arkk und Tomorrow. „Der easy Look, den wir sehr gerne mögen, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die permanente Verfügbarkeit der Kollektion haben Les Deux in den bestehenden Märkten bereits sehr erfolgreich gemacht“, erklärt Christian Obojes. Zweiter Neuzugang ist die in Frankreich sehr erfolgreiche Lammfellspezialistin Anne Delaigle aus Lyon, die ihre Felle und Leder ausschließlich von französischen Gerbereien verarbeiten lässt. „Ihre Jacken, Mäntel und Westen sind cooler und modischer“, sagt Obojes. Last but not least: Die Outdoor- und Lifestylekollektion mit dem großen Namen des vermutlich bekanntesten Wissenschaftsmagazins der Welt, National Geographic. „Weltweit hat die Marke 750 Millionen Kontakte im Monat über TV-Dokumentationen, Filme und Social Media. Das kann man getrost als reichweitenstark bezeichnen.“ Marken: Alto Milan, Anne Delaigle, Arkk Copenhagen, Casall, Devotion Twins, Ecoalf, Happy Socks, Jade Design Plants, Les Deux, Moon Boot, Moose Knuckles, National Geographic, Pomandère, RRD, Stand Stockholm, Steamery, Tomorrow, Veja, Warm Me, White Sand Room with a view, Salzburg/Österreich, office@roomwithaview.at, www.roomwithaview.at


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Ben and

Ein Platz an der Sonne

Italienische Kollektionen sind das Herz der Agentur D-tails. Im Bild: Anita Bilardi.

D-tails

Italienisches Herz Nachdem der Sommer 2020 in einigen Agenturen für lange Gesichter gesorgt hat, versprichst du dir viel von der bevorstehenden Wintersaison? Woher kommt der frische Wind? Patrick Coppolechhia Reinartz, Agentur D-tails: Von Produktinnovationen und modernen Stoffen, wie beispielsweise in der Herrenhosenkollektion Cruna, die neue technische Wollhosen für den urbanen Thirtysomething mit einem coolen, sportiven Look vorstellen. Neben Cruna kommen noch weitere Marken hinzu. An welchem Punkt startest du mit den Kollektionen im deutschsprachigen Markt? Die Taschen von Anita Bilardi haben bereits zehn Referenzkunden im Premiumgenre. Hier bauen wir auf einer sehr guten Kundenbasis auf. Auch bei der Schalkollektion 19andrea’s47, die mit 100 Euro im Einkauf das hochpreisige Segment anspricht, sind wir bei Topkunden gelistet und bauen dies nun aus. Außerdem übernimmt D-tails den Vertrieb von RRD. Welche Ziele habt ihr? Die Marke hat ein enormes Potenzial im deutschsprachigen Markt und dieses wollen wir durch einen umfassenden Markenrelaunch unterstützen. Die Marke ist bereits sehr erfolgreich und gut etabliert. Darauf wollen wir nun aufbauen. Die technische Ausrichtung und das Contemporary Design haben schon viele Fans hierzulande. Marken: 19andrea’s47, Add, Alexander Smith, Anita Bilardi, Barba, Beltepà, Cruna, Fracap, Gallo, Il Bisonte, RRD, Sealup D-tails, München/Deutschland, info@d-tails.de, www.d-tails.de

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Der neue Showroom war gerade erst bezogen, doch wenn die Schwabinger Altbauvilla direkt davor auch noch frei wird? Anfang Herbst letzten Jahres zog Ben Botas mit seiner Agentur in die Georgenstraße 3 in München um und gleich zwei Monate später kam die räumliche Erweiterung. In der Villa präsentiert Ben and nun alle Herrenkollektionen, im anschließenden Ateliergebäude die Damen-, Premium- und Young-Fashion-Marken. Platz genug für Neues: Neben den Kollektionen von Paul X Claire und Hvisk holte sich Ben Botas mit den T-Shirts von Stefan Brandt einen akribischen Innovator und Produktspezialisten ins Haus. Ebenfalls neu sind auch die It-Bags von Núnoo aus Skandinavien. Außerdem konnte Ben Botas die Marke Gina Trikot in erfolgreicher Zusammenarbeit mit dem Brandmanagement dazu bringen, erstmals eine Wholesale-Kollektion zu entwickeln. „Bei Gina Trikot sehen wir enormes Potenzial für den Wholesale, vor allem aufgrund der Preislagen, Bekanntheit und der Retailerfahrung der Brand, mit der wir verstärkt auf Shop-in-Shop-Konzepte mit unseren Referenzkunden setzen wollen. Wir wollen hier ein spannendes Umfeld im Young Fashion Department schaffen.“ Marken: Axel Arigato, Filippa K, Freddy’s, Gina Trikot, Handstich, Hvisk, Limitato, March11, Mason’s, Moose Knuckels, NA-KD, Núnoo, Odd Molly, Paul X Claire, Second Female, Stefan Brandt, Stutterheim, Zoe Ona Ben and, Düsseldorf und München/ Deutschland, agency@ben-and.com, www.ben-and.com

Luxus zum Wohlfühlen: Loro Piana Cashmere-Blazer von Maurizio Baldassari.

Agentur Moormann

Emotion

Was ist euer Credo für die neue Saison? Timo Moormann, Geschäftsführer Agentur Moormann: Vermittelt Emotion! Wir alle müssen intensiv darüber nachdenken, wie wir gemeinsam unsere Kunden über echte Produkte emotional abholen können. Wie wir sie wirklich begeistern können, anstatt uns nur an große Marken zu hängen. Ihr arbeitet nur mit Produktspezialisten. Welche eurer Kollektionen sprechen beispielsweise die Emotion an? Gimo’s, die jede Saison neue Lederqualitäten für Lammfelle suchen und finden. Gewaschen, vintage oder mit selbstgemachtem Strick kombiniert. Oder die Cashmere-Kollektion Malo, die mit einem neuen Designer genau das umsetzt, was man mit Malo verbindet, nämlich wunderbare, reiche Cashmere-Teile. Das ist es, was uns und unsere Kunden an Spezialisten begeistert. Man spürt, dass ihre Kollektionen durchdacht sind, für Menschen, die genau solche Produkte suchen und lieben. Noch ein Beispiel? Aus Loro Piana Cashmere-Garn selbst hergestellter Jersey, der anschließend gefilzt wird, von Maurizio Baldassari. Wer einen solchen Blazer anzieht, will ihn nicht mehr ausziehen.

Glamouröser Neuzugang mit Star-Appeal: die It-Bags von Nùnoo.

Marken: Alessandro Gherardi, Gimo’s, Grigio, Kathleen Madden, Maison Lener, Malo, Maurizio Baldassari, Projekt E, Stouls, Stephan Boya, Valérie Khalfon, Zanieri Moormann & Co., Düsseldorf/Deutschland, moormann@moormann-co.com, www.moormann-co.com


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JETZT ag e n t u r e n

Urban trifft Fashion: Fluffige Parkas von Dualist bieten ein cleveres Wechselspiel, sie sind beidseitig tragbar.

Flessa Modeagentur

Differenzierung statt Uniformität Die Jacken von Dualist – The Reversible Story sind brandneu bei Flessa, die Agentur verantwortet den Vertrieb für die D-A-CH-Region. Die Marke wurde 2019 von Déborah Janicek, die 20 Jahre Erfahrung im Premiumbereich hat, in Paris gegründet. Ein großer französischer Konzern steht im Hintergrund des Labels. Einen Laden der Marke gibt es bereits in St. Germain sowie einen Pop-up bei Printemps Hausmann. Der Look der stylischen Steppjacken: Smarte Casualwear mit typisch sportiven Outerwear-Elementen trifft auf zeitgemäße Fashionaussagen mit coolen Mustern oder angesagten Metallic-Nuancen. Die leichten Pufferjacken und Mäntel, hergestellt aus recyceltem Nylon und der innovativen Mikrofaser Dupont Sorona, sind alle beidseitig tragbar, allesamt ohne Federn oder Pelz gefertigt sowie Öko-Tex und Bluesign-zertifiziert. Die Einkaufspreise liegen zwischen 140 und 250 Euro. Zu sehen ist die Kollektion für Frauen und Männer in Düsseldorf und in München im Showroom. Marken: 360 Cashmere, Charlotte Sparre, Drome, Dualist, Ella Silla, Hayley Menzies, Michael Stars Flessa Modeagentur, Buch am Buchrain bei München/Deutschland, T 0049.8124.909181, info@flessa-modeagentur.de, www.flessa-modeagentur.de

Cuore Tricolore

Jetzt braucht es Intellekt Es gibt alle Rhythmen, aber keinen Rhythmus mehr, sagst du. Ist das gesund? Uwe Deinert, Gründer Cuore Tricolore: Das ist eine gute Frage. Der Einklang fehlt. Immer mehr Ware in den Markt zu bringen, ist sicher keine Antwort. Nur wenige können 360 Grad anbieten, nur wenige verstehen den Markt und seine momentane Veränderung. Jetzt braucht es Intellekt, um die richtigen Antworten zu finden, denn auch nach der Digitalisierung bleibt am Ende immer der Mensch als Konsument mit seinen Bedürfnissen. Standard kann das Internet besser, wer sich aus dieser Konkurrenz nicht herausnimmt, ist selbst schuld. Ihr liefert ja auch hinsichtlich des Themas Messe eine eigene Antwort: Die Style Munich geht im Februar bereits in die dritte Runde. Die Style Munich ist ein innovatives Konzept, dem Handel eine qualitativ hochwertige, zeitgemäße und vertrauensvolle Plattform für Zusammenarbeit zu bieten. Wir freuen uns, hier vom 8. bis 12. Februar wieder alle unsere Kollektionen vorstellen zu können. www.stylemunich.de Marken: Chevignon, Flotte, Hidnander, On Parle De Vous, Paloma Barcelo, The Seller Cuore Triolore, Düsseldorf/Deutschland, info@cuore-tricolore.com, www.cuore-tricolore.com

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Innovation und Witz: Die Regenjacke von Flotte lässt sich im Handumdrehen in eine Tasche verwandeln.

Konstanter Erfolg in der Modeagentur Klaus: die Kollektion Penn & Ink N.Y.

Modeagentur Klaus

Die Quantität bleibt konstant Auf eurer neuen Homepage bietet ihr euren Kunden unter anderem einen Downloadbereich mit Bildmaterial für ihre Social-Media-Kanäle. Welche Features wir des noch geben? Christian Klaus, Agentur Klaus: Wir stellen außerdem alle Termine online und bieten eine komplette Orderübersicht. Euer Credo lautet: Nur, wenn eine Marke geht, kann eine neue hinzukommen. Momentan gibt es aufgrund akuter Zufriedenheit daher auch keine Neuzugänge. Was macht eine Kollektion im Jahr 2020 bei euren Kunden erfolgreich? Es braucht Produkte mit Einzigartigkeit, Innovation und einer klaren Handschrift. Natürlich spielen auch Faktoren wie Service und Einsteuerung eine Rolle, aber das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Mode lebt nun mal von einer gewissen Drehung, daher sehen wir großes Potenzial in entspannten Preislagen. Und wo in Berlin wird man euch im Jänner treffen? Wir sind mit allen Marken auf der Premium. Das ist für uns eine sehr relevante Messe. Alles, was ich aus Berlin höre, klingt sehr positiv und die Qualität der Aussteller wird über den Erfolg bestimmen. Marken: Gustav, JC Sophie, Kyra & Ko, Laurèl, Marc Aurel, Margittes, Oakwood, Penn & Ink N.Y, POM Amsterdam, Sophie Modeagentur Klaus, Salzburg/Österreich, office@modeagentur-klaus.at, www.modeagentur-klaus.at


PENN&INK N.Y S20 COLLECTION

Curious about a place where she’s never been. Anxious to create her own stories. Someone who feels free and adventurous. Feeling the heat from the sky. In need of a summer breeze. Feeling nature at its purest. Wearing something aesthetic that combines strength with the relaxed ease of summer. The perfect laid-back summer look. Ready to explore the world on her own. Traveling independently looking for places she’s never been. Confident and powerful. Clothing to wear whenever she desires.

the Store Antwerp Groendalstraat 12-14

the Store Breda Veemarktstraat 66

the Store Den Bosch Fontijnstraat 10

the Store Rotterdam Pannekoekstraat 12a


JETZT ag e n t u r e n

Agentur Klauser

Acht Neuzugänge Frischer Wind im Münchner Showroom der Agentur Klauser. Die Damenkollektion von Stella Forest aus Paris ist eines der neuen Highlights, genauso wie das französische Damenstricklabel Les Tricots de Léa. Außerdem gibt es Lederjacken für Herren von Mino Ronzoni, Outerwear vom kanadischen Label Noize, Cashmere für Damen und Herren von Lunaria und von Manrico Cashmere, die Jacken und Mäntel vom italienischen Spezialisten Hevo und markant geflochtene Taschen von Dragon Diffusion. Marken: 0909, 2Stars, Aquascutum, Bagnoli Sartoria Napoli, BCC:ed, Blooming, Briglia, Original Bombers, Care Label, Code, Dragon Diffusion, Felicia Magno, Filippo de Laurentiis, FourTen, Franco Ferrari, Giangi, Glox, In the Box, Le Rue Marcel, Les Copains, Les Tricots de Léa, Lunaria, Majestic Filatures, Manrico Cashmere, Maddam, Maurizio Miri, Mino Ronzoni, Pierre Louis Mascia, Noize, Salvatore Piccolo, Stella Forest, Teezy, Ventcouvert Agentur Klauser, München/Deutschland, 0049.89.231199-0, info@kirstenklauser.de, www.klauserpressoffice.com

Deluxe Distribution

Neue Sneaker

Roscomar setzt auf minimalistischen Streetstyle.

Neu im Portfolio der Berliner General- und Distributionsagentur ist die Sneakermarke Roscomar. Seit Sommer ist sie in England bei Schuh, House of Fraser, John Lewis und USC erhältlich und es gibt die zwischen London und Los Angeles agierende Marke künftig auch in Deutschland und Österreich zu kaufen. Gefertigt werden die Turnschuhe sozialverträglich in Vietnam. Neben zwei Hauptkollektionen und einzelnen Spezialeditionen gibt es ein NOS-Programm. Die unisex und ultraleichten Sneaker mit Verkaufspreisen von 80 bis 110 Euro können frei eingeteilt werden. Neben dem Hauptlager in Großbritannien gibt es in Zukunft noch ein weiteres auf dem europäischen Festland. Der Kundenservice erfolgt über Deluxe Distribution in Berlin. Die Kollektion ist erstmalig auf dem Pitti Uomo in Florenz zu sehen. Marken: Casall, Ecoalf, Kerbholz, Les Deux, Lez a Lez, Minimum, Roscomar, Skfk, United Nude Deluxe Distribution, Berlin/Deutschland, info@deluxe-distribution.de, www.deluxe-distribution.de

Bei Le Bon Marché hat die Brama Group ihr Denim­ studio etabliert, ein Denim-Multibrand-Concession, das Brama komplett managt. Nach diesem Vorbild folgte eine Fläche bei La Rinascente, weitere sind in Planung.

Brama Group

Der nächste Schritt Renzo, erkläre bitte das Prinzip von Denimstudio. Renzo Braglia, Inhaber Brama Group: 2019 haben wir bei Le Bon Marché begonnen, Denim-Multibrandflächen mit den Marken der Brama Group zu eröffnen. Im Dezember 2019 folgte dann ein Denimstudio bei La Rinascente. Es handelt sich um Concessions, wir gestalten und bestücken die Fläche und stellen auch die Mitarbeiter. Ein Modell, dass wir für Departmentstores entwickelt haben, das wir gerne auch allen Multibrandhändlern anbieten. Ein smarter Schritt. Warum ist es euch wichtig, auch am PoS aktiv zu werden? Die gesamte Branche ist im Umbruch, es braucht neue Antworten auf alte Fragen. Die Brama Formel lautet, dass wir Marken und Händlern den größtmöglichen Nutzen bringen wollen und einen fantastischen Service. Ein weiterer Punkt ist, dass Denim heute ganz anders erklärt werden muss als in Zeiten, in denen Skinny die Silhouette dominierte. Für den Kunden aus der klassischen Denimwall die perfekte Jeans rauszuziehen, ist viel komplexer geworden. Unsere Mitarbeiter wissen daher nicht nur alles über die Marken, sondern finden für jeden Kunden die richtige Jeans zu seiner Figur.

Die Total-Look-Kollektion für Damen von Stella Forest ist neu bei Klauser.

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Marken: Boyish, Equipment, Frame, Giada Benincasa, J Brand, Mother, Norma Karmali, The Great, SPRWMN Brama Group, Düsseldorf/München, T 0049.211.97176054, info@bramaduesseldorf.com, www.brama-group.com


www.wunderfell.com


JETZT ag e n t u r e n

Bei Shoe gibt’s jede Menge bunte Jacken, Hoodies, Sweatshirts und Hosen

Agentur Stefan Wittmann

Schuhe und Cashmere

Ab sofort ist die Agentur von Stefan Wittmann der Deutsche Importeur für die italienische Marke Shoe, die 2008 von Marco Samorè gegründet wurde. Die Kollektion beinhaltet farbenfrohe Sports- und Athleisurewear für Frauen und Männer. Für den französischen Cashmerespezialisten La Residence hat die Agentur die Vertretung im Gebiet Mittelwestdeutschland übernommen. Außerdem ist die Agentur in verschiedenen Gebieten von Deutschland für den Vertrieb von Canadian Classics, Collezione No 01, Daniele Fiesoli, Ecoalf, Date, Lavender & Lillie, Les Deux, Litchi, Soul Katheriné, und Wunderfell zuständig. Labels: Happy, Iconic27, La Fée Maraboutée, La Petite Francaise, Nalho, Shoe, Sylt Bohème Agentur Stefan Wittmann, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.58589690, stefan.wittmann@agentur-wittmann.de, www.agentur-wittmann.de

Modeagentur Cocron

Spezialisten für Spezialisten Mit Spezialisten wie Vicario Cinque sprechen Sie im Handel ebensolche Spezialisten an? Gerhard Cocron, Mitinhaber Modeagentur Cocron: Das ist richtig. Wir wenden uns an passionierte Modehandelsfirmen. Dort wissen wir unsere Kollektionen in allerbesten Händen. All diese Läden haben übrigens auch derzeit viel Erfolg. Endkunden schätzen deren einzigartige Beratung mit Herz und Seele. Was begeistert Sie an Vicario Cinque? Es ist eine Marke, die jeder auf Anhieb versteht, im Showroom genauso wie im Handel. Hervorragende Made-in-Italy-Qualität, eine alterslose, moderne und unkomplizierte Kollektion zu nachvollziehbaren Preisen. Worauf dürfen sich Ihre Kunden in Österreich und Südtirol noch freuen? Uli Cocron, Mitinhaberin Modeagentur Cocron: Ibu Jewels, die Kollektion einer Holländerin, die zeitweise in Bali lebt. Bestickte Lederbänder, Schmuck mit Halbedelsteinen, perfekt für den Kassenbereich in jedem Laden. Ein Mitnahmeartikel, mit dem man auch Gutes tut, denn der Designerin ist das Empowerment von balinesischen Frauen wichtig. Marken: 7.0 Settepuntozero, Apart, Cat Noir, Ibu Jewels, New Mood, Stegmann, Vicario Cinque, Zanetti Modeagentur Cocron, Salzburg/Österreich, T 0043.664.5099999, office@cocronmodeagentur.at, www.cocronmodeagentur.at

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Vicario Cinque, die unkomplizierte, selbsterklärende Damenmarke made in Italy im Portfolio der Modeagentur Cocron.


Floris van Bommel 9th generation shoemaker since 1734

Berlin: Premium, DĂźsseldorf: Gallery Shoes, Supreme, MĂźnchen: Supreme, Essenz Mehr wie 100 Modelle auf Lager Kostenloser Versand Customer Service (deutschsprachig): +31 13 51 36 930 vertrieb@florisvanbommel.com


FINDEN WIR GUT

Sinn stiften und echte Kauf­ argumente liefern. Neue Marken begeistern mit tiefschürfenden Storys und geballter Kompetenz – dem Rüstzeug für einen harten Verdrängungswettbewerb.

Everyday Eyecatcher

POM Amsterdam. Mode, die ein Lächeln zaubert – mit diesem Anspruch starteten die Schwestern Liesbeth und Violet Lotgering im Jahr 2011 und entwerfen seither extravagante, tragbare Kollektionen. Die Abkürzung POM steht dabei für Piece of Mine: So setzen die Stücke mit Lieblingsteilcharakter farbstarke Akzente. Typisch sind elegante und feminine Styles, eigens farbstarke Drucke, originelle Details und natürliche Materialien. Alle Styles und Drucke – handgezeichnet von Violet Lotgering – entstehen im Headquarter in Amsterdam. Die Frühjahr-/Sommer-Kollektion, die in Zusammenarbeit mit der niederländischen Schauspielerin Katja Schuurman entstand, widmet sich dem alltäglichen Glück und zeigt sich von dessen individueller Bedeutung inspiriert. Im Verkauf liegen die Schals und Tücher zwischen 59,95 und 119,95 Euro, Tops, Blusen, Hosen und Röcke zwischen 79,95 und 139,95 Euro, Kleider zwischen 129,95 und 199,95 Euro, Pullover und Cardigans zwischen 119,95 und 149,95 Euro sowie Jacketts, Blazer und Mäntel zwischen 149,95 und 299,95 Euro. POM Amsterdam, Amsterdam/Niederlande, T 0031.20.3418822, sales@pom-amsterdam.nl, www.pom-amsterdam.com

Junge Taschen Volltreffer aus Italien

Goodmatch. Lokale Zulieferer, höchste Qualitätsstandards, eine nachhaltige und sorgfältige Produktpolitik: „Man könnte fast meinen, wir reden über Parmaschinken“, lacht Dominik Meuer. Es geht um die neue Kollektion im Showroom der Hinterhofagentur: Goodmatch. Produziert wird ausschließlich in der eigenen Fabrik in Parma und alle Zutaten wie Stoffe und Drucke stammen ausschließlich aus Italien. Seit 1964 besteht das Familienunternehmen und wird heute von Vincenzo Bocchi und seiner Schwester Giulia Orsola geführt. Die Wertigkeit der Stoffe liegt in innovativen Materialmischungen und der Liaison aus technischen Ausrüstungen und hohem Tragekomfort. Preislich liegen beispielsweise Blazer im Einkauf zwischen 70 und 80 Euro und Mäntel zwischen 100 und 120 Euro. „Die Einstiegspreislage fürs Premiumgenre“, sagt Dominik Meuer. Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, T 0049.89.38887747, info@diehinterhofagentur.de, www.goodmatch.it 050

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Núnoo. Coole, hochwertige Taschen zum erschwinglichen Preis? Eine echte Marktlücke, die Pia Silfen-Jensen und Naja Silfen aus Dänemark für sich erkannt haben. 2015 gründeten sie ihr Taschen- und Accessoirelabel Núnoo, um es vorrangig über Social Media zu promoten. Mit Erfolg. Der pure Style, mal mit sportlichem, mal elegantem Twist, trifft den Nerv junger Frauen. Europaweit zählt die junge Marke rund 300 Handelskunden, darunter Illum und Magasin in Dänemark, Asos, Selfridges, El Corte Inglés und Reischmann. Seit Frühling 2019 hat die Agentur Ben and den Vertrieb von Núnoo im D-A-CH-Markt übernommen. „Núnoo steht für Taschen, die hip sind und zugleich nicht viel kosten, wir sehen ein Riesenpotenzial“, sagt Kristina Bösch, Salesmanagerin bei Ben and. Es gibt vier Kollektionen plus Stock- und Flashprogramme. Im EK kosten die Taschen 29 bis 100 Euro bei einem Mark-up von 2,5. Aktuell werden die Ledertaschen um eine nachhaltige Flash Capsule ergänzt, mit Taschen aus Ananasblättern. Ben and GmbH, München/Deutschland, T 0049.89.32308046, d.jahn@ben-and.com, k.boesch@ben-and.com, www.nunoo.dk


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Kuschelige Wohlfühlteile

19andrea’s47. Darin steckt viel Handarbeit: Die Schals und Capes werden auf alten Webstühlen gewebt, von Hand gefärbt und bedruckt. Die Materialien: Cashmere und Cashmere-Seide. „Mit den Garnlieferanten bestehen langjährige Partnerschaften“, sagt Tina Windscheid, die das Label mit der Agentur Purple Fashion Agency in der Schweiz vertreibt. „Die Schals und Capes sind kuschelige Wohlfühlteile, die durch ihre Leichtigkeit begeistern.“ 19andrea’s47 wurde 2008 von Marco Cini und Andrea Bardelli gegründet, die aus Familien mit langer Erfahrung im Textilbereich stammen. So ist ihre Kollektion eine Reminiszenz an die eigene Tradition: Im Jahr 1900 haben die Großeltern von Marco Cini begonnen, mit selbst gewebten Stoffen zu handeln. Unter den weltweit 300 Handelskunden sind Lodenfrey, Frauenschuh sowie Beams und Isetan Japan. Online sind die edlen Produkte laut Firmenphilosophie nicht präsent. Die EK-Preise variieren zwischen 60 und 260 Euro EK bei einem Mark-up von 2,8. 19andrea’s47, Valbisenzio Tessitura a navetta srl, Prato/Italien, T 0039.0574.814618, info@valbisenzio.net, www.19andreas47.com

Unisex Pionier

Telfar. Der Zeit voraus: Designer Telfar Clemens überschritt bereits Geschlechtergrenzen, als Unisex für den Rest der Welt noch ein Fremdwort war. Das Ergebnis sind Kollektionen, die auf verfremdeter oder dekonstruierter Street- und Sportswear basieren. Zum großen Durchbruch verhalf ihm allerdings eine Tasche. Die Telfar Shopping Bag ziert ein großes Logo und ist durchaus erschwinglich. Vieles in der Bekleidungslinie bleibt konstant, gibt sich saisonal nur in neuen Varianten. Die typische Telfar-Hose bekommt zum Beispiel 2020 sechs Taschen und wird in Denim-Khaki-Kombination aufgelegt. Telfars Modelinie ist im gehobenen Preissegment angesiedelt. Telfar, New York/USA, sales@telfar.net, www.telfar.net

Ehrlich italienisch

Department Five. Seit Nicola Silvagni und Mario Cangini 2007 mit der Menswearkollektion Department Five in Italien starteten, standen sie auf der Agenda von Marcus Baessler und Constanze Kappler. Sie kannten Nicola Silvagni und seine kreative Energie bereits seit langem. 2010 kam schließlich die Damenkollektion hinzu und Department Five entwickelte sich vom Hosenspezialisten zum Total Look. Essenz ist die stilistische Nähe zur Musikszene, daher stehen auch immer wieder Editionen mit Künstlern auf dem Plan. Produziert wird in Italien bei Catria Confezioni. Anfang 2019 starteten die Agenturen Baessler in Düsseldorf und Kappler in München dann gemeinsam mit dem Großhandel in Deutschland und Österreich. Mit EK-Preisen zwischen 60 und 80 Euro für Hosen und 50 bis 60 Euro für Strick ist es eine „ehrliche, ausgereifte und typisch italienische Kollektion“, so Marcus Baessler. Agentur Baessler, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.3854640, marcus@agentur-baessler.de, Agentur Kappler, München/Deutschland, T 0049.89.32989280, constanze@agentur-kappler.de, www.department5.com

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Immergrün

Jade Design. Einen grünen Daumen braucht man für die Miniaturlandschaften unter Glas von Jade Design nicht. Im handgeblasenen Glas entsteht ein eigenes Mikroklima, das den Zimmergarten bis zu zwei Monate nährt. Die Marke aus Bordeaux fertigte schon kunstvolle Mini-Terrarien, bevor sie zum Instragram-Hit wurden. Das Glas ist mundgeblasen, die Pflanzen kunstvoll arrangiert. Perfekt für alle Conceptstoreflächen oder zur Dekoration. Die „Joallerie Végétale“ ist in drei Größen erhältlich und kostet bis zu 650 Euro im VK. Optional können die Pflanzen im Glas mit einem LED-Licht ausgestattet werden. Room with a view, Salzburg/Österreich, T 0043.662.875651, office@roomwithaview.at, www.jade-design.fr

Neue Streetwear-Ikonen

Halfboy. Eine erfolgreiche Designerin hat sich mit einem der besten Lederproduzenten Italiens zusammengetan, um eine anspruchsvolle, dennoch bezahlbare Leder- und Lammfellkollektion für Damen und Herren zu kreieren. Das neue Label heißt Halfboy, startet mit der Saison Herbst/Winter 2020 und wird im deutschsprachigen Markt von der Agentur Komet und Helden vertrieben. Es präsentiert sich in den Agenturshowrooms sowie in Mailand, Paris und London. Zwei Kollektionen jährlich zeigen ikonische Styles wie Collegejacken in kräftigen Farben, Mäntel im Egg Shape aus Lammfell in Nude- und Pastelltönen oder oversized geschnittene Bikerjacken. Die Lederjacken kosten ab 260 Euro/EK und die Lammfelljacken bei 450 Euro/EK, zum Mark-up ab 2,7. Die Ziele für die Kollektion sind klar gesteckt: Halfboy richtet sich an die besten Stores und wird entsprechend selektiv vertrieben. Komet und Helden, München und Düsseldorf/Deutschland, T 0049.89.9705280, info@kometundhelden.de, www.kometundhelden.de

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Wollperformance

Reda Rewoolution. Produkte aus Merinowolle sind vielen Hightech-Fasern nicht nur ebenbürtig, sondern aufgrund ihrer Geruchsneutralität und natürlichen Herstellungsweise sogar überlegen. Dazu fühlen sie sich auf der Haut kuschelig weich an. Rewoolution ist die urbane Linie des italienischen Produzenten Reda. Die neuseeländische Wolle wird in Italien verarbeitet. Fair, nachhaltig, ethisch korrekt, frei von giftigen Chemikalien und unabhängig zertifiziert. Neben T-Shirts, Unterwäsche und Sports-Basics sind die minimalistisch designten Midweight Layer Jackets, Blazer, Anoraks, Hemden, Pullover und Hosen hervorzuheben. Die Preisspanne für den Verkauf reicht von 75 Euro für ein T-Shirt bis zu 600 Euro für eine Winterjacke. Albraum, Sindelfingen/Deutschland, info@albraum.de, www.rewoolution.it


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Selbsterklärend

Vicario Cinque. Ein Hidden Champion aus dem Veneto steckt hinter der Marke Vicario Cinque. Stefano Lora hat 30 Jahre Erfahrung im Modebusiness. Die Marke Vicario Cinque ist seine Art, diese Expertise zum Ausdruck zu bringen. Eine schöne, klare Damenkollektion, die sowohl zeit- als auch alterslos ist. Die Qualität der eingesetzten Stoffe und Rohmaterialien ist beachtlich, gefertigt wird ausschließlich im Veneto. In der hügeligen Landschaft im Hinterland Vicenzas hat die Marke in einer Villa aus dem 14. Jahrhundert des Adelsgeschlechts Vicar ihr Zuhause gefunden. So erklärt sich auch der Name der Marke. Der Überraschungseffekt der Marke ist sicherlich ihr Preis-/ Leistungs-Verhältnis. Ob Mantel, Kleid oder Bluse, der Blick auf das Preisetikett überrascht positiv. „Unsere Kundin bevorzugt moderne Schnitte, die nicht zu edgy sind, sie schätzt unser Preis-/ Leistungs-Verhältnis und ist genau wie wir überzeugt, dass Qualität zu einem vertretbaren Preis möglich sein muss.“ Händler profitieren von den kurzen Wegen im Veneto. Bestseller können noch in der Saison nachproduziert werden.“ Modeagentur Cocron, Salzburg/Österreich, T 0043.664.5099999, office@cocronmodeagentur.at, www.vicariocinque.it

Querdenker

Label 17. Was haben Marrakesch und Graubünden gemein? Beide dienen als Produktionsstätten für Label 17. Die Schweizer Marke steht für exklusive Taschen und Accessoires. Wo produziert wird, hängt von den Materialien ab: Das Kalbsleder stammt aus Marokko, das Lammfell aus der Schweiz oder Neuseeland. Zweimal pro Jahr entstehen auf diese Weise Taschen, Clutches, Portemonnaies und Schals, die in jeder Phase ihrer Entwicklung von Designern begleitet werden. Dabei steht der ganzheitliche Ansatz im Fokus. Die Grenzen traditioneller Techniken werden bewusst ausgelotet. Der EK reicht von 100 bis 450 Euro, bei einer Kalkulation von 2,6 bis 2,7. Das Grundsortiment umfasst diverse Taschen aus feinem Schafleder in natürlichen Erdtönen. Eine Auswahl von Basic-Modellen ist immer verfügbar. Darüber hinaus ergänzt Label 17 sein Sortiment jede Saison mit limitierten Farben. Für Frühjahr/Sommer 2020 gibt es auch ein Herrenmodell. Showroom MODAlek, Glattbrugg/Schweiz, T 0041.793.416.726, info@modalek.org, www.labelseventeen.com

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Wow-Effekt

S.T.R.A. Love it or leave it! S.T.R.A. ist eine Lammfell- und Lederkollektion für Herren und Damen, markant, auch mal provokant und mit Wiedererkennungswert. „Ich habe die Jacken in den Topläden Mailands gesehen und war begeistert“, sagt Matthias Schwarte, der das Label über seine Agentur seit 2019 in Deutschland und Österreich vertreibt und bereits Händler wie Strodel & Jäger, Adam & Eve, Schnitzler und L&T überzeugt hat. „Wir brauchen das ganz Besondere, das den Konsumenten ein Wow entlockt.“ Hinter S.T.R.A. steht MPD Srl aus der Nähe Venedigs, ein Lederspezialist, der mit S.T.R.A. seit 2018 die eigene Kollektion realisiert. Die Preise für Winter-Lammfelljacken liegen zwischen 480 und 580 Euro EK, kalkuliert mit 2,8. Agentur Schwarte, München/Deutschland, T 0049.89.3580576, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de

Strick mit Tick

Paul X Claire. Sie stellen die Teile her, die sie selbst im Markt vermisst haben: extrem kreative, laute und farbenfrohe Sweat- und Strickteile in lässigen Oversize-Schnitten und mit knalligen Slogans versehen. Das Hamburger Label Paul X Claire produziert ausschließlich in Europa und legt Wert auf natürliche Materialien, die Garne stammen überwiegend aus Italien. Mit EK-Preisen zwischen 40 und 70 Euro für einen Pullover und einer Marge von 3,0 liegt die Kollektion in einer attraktiven Einstiegspreislage für Premiumkunden wie Jades, Breuninger und Onlinehändler wie Impressionen. Ab diesem Januar ist die Kollektion im Showroom der Agentur Ben and vertreten, wo das Team von Ben Botas die sehr gute Basis an Referenzkunden weiter ausbauen wird. Ben and, Düsseldorf und München/ Deutschland, T 0049.89.32308046, agency@ben-and.com, www.paulxclaire.com

Neapolitanische Tradition

Bagnoli. In Neapel wird die Kollektion von Bagnoli Satoria Napoli größtenteils von Hand gefertigt. Heutzutage eher die Ausnahme, doch für Bagnoli eine Selbstverständlichkeit und Sinnbild für extrem gut verarbeitete italienische Konfektion. Passend zu den Sakkos gibt es Westen und Hosen, um sie als Anzüge zu kombinieren. Neben klassischen italienischen Wollstoffen zählt zu den wichtigsten Styles das Sakko in Hopsack (Würfelbindung). Die Kollektion ist in jeder Saison auf rund 40 Teile komprimiert. Die Einkaufspreise bei Sakkos liegen zwischen 230 und 300 und Anzüge kosten von 300 bis 450 Euro. Die Kalkulation liegt zwischen 2,8 und 3,0. Zu sehen auf dem Pitti, im Showroom in Mailand und an allen Stationen der Agentur Klauser. Agentur Klauser, München/Deutschland, T 0049.89.231199-0, www.bagnolisartoria.com

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GUTER KAUF

Wie kann man mit Konsum positiv wirken? Eine spannende Frage, auf die neue Nachhaltigkeitsmarken viele gute Antworten wissen. So geht Zukunft.

Korrekte Swimwear

Von starken Frauen für starke Frauen

Blanche. Das französische Wort für Weiß ist nicht nur Name des dänischen Labels, sondern auch Sinnbild für zeitloses Design. Gegründet von Mette Fredin und Melissa Bech, setzt sich Blanche aus den Linien Denim und Atelier zusammen. Das Herz bilden die nachhaltig produzierten Denims. Durch ihre Waschungen und Details wirken die eigentlich klassischen Schnitte modern und edgy. „Wo immer möglich, verwenden wir Rohstoffe, die umweltfreundlicher sind als herkömmliche oder nicht recycelte Rohstoffe. Anstatt jede Saison neue Qualitäten zu beschaffen, wird das Meiste wiederholt eingesetzt“, so die Gründerinnen, die Nachhaltigkeit als Basis ihres Labels erachten. Erweitert wird die Kollektion durch lässige bis elegante Teile wie Shirts, Kleider oder Anzüge. Im VK liegen Shirts bei 70 Euro, Hosen bis 200 Euro, während Blazer, Jacken und Knits bis 430 Euro kosten. Blanche, Kopenhagen/Dänemark, T 0045.53885931, melissa@blanchecph.com, http://blanchecph.com

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Mymarini. Modische und funktionale Bademode mit minimalem Einfluss auf die Umwelt – dafür steht das von Mareen Burk gegründete Label. Die Badeanzüge und Bikinis zeigen puristische Looks in starken oder gedeckten Tönen. Durch ihre zweilagige Verarbeitung kann man die Styles auch wenden. Hergestellt wird die Bademode aus Econyl, einer Faser, die hauptsächlich aus recycelten Fischernetzen aus den Ozeanen gewonnen wird. Die Qualitäten bieten einen Sonnenschutz von USV 50+, sind frei von Giftstoffen und sehr langlebig. Die Gründerin achtet auf Wertschöpfung in Europa. So stammen die Stoffe aus Italien, die Garne und Etiketten aus Deutschland, während die Produktion in Kroatien stattfindet. Die Badeanzüge kosten bis zu 75 Euro im EK, während die Bikini-Tops bis zu 48 Euro und die Bottoms bis zu 32 Euro im EK kosten, bei einer Kalkulation von 2,8. Seit 2019 bietet Mymarini auch Bademode für Kinder. Mymarini, Hamburg/Deutschland, T 0049.40.21998887, mareen@mymarini.com, www.mymarini.com

Tierliebe

Melina Bucher. Hochwertige, langlebige Mode entwerfen und Gutes tun. Für die junge Designerin Melina Bucher ist das kein Paradoxon. Mit ihren Taschen setzt sie ein Statement für Tiere. Als Basis dient veganes, edles und beständiges Leder aus der Automobilindustrie. Die verwendeten Klebstoffe, Farbstoffe und Accessoires sind frei von tierischen Bestandteilen. Selbst bei der GOTS zertifizierten Biobaumwolle des Innenfutters wurde auf Nachhaltigkeit geachtet. Um lange Transportwege zu vermeiden, wird die exklusive Kleinserie in Handarbeit hergestellt. Jedes Modell ist einem bestimmten Tier gewidmet und punktet mit Funktion. Die Schulterriemen im Hundeleinendesign sind verstellbar und jede Tasche ist mit einer Innentasche ausgestattet. Weitere Fächer erleichtern die Organisation. Selbst die Beutel, in denen die Taschen zum Schutz verpackt sind, sind bei Melina Bucher nachhaltig und können als Einkaufsbeutel wiederverwendet werden. Der VK-Preis bewegt sich aktuell zwischen 360 und 990 Euro, die Modelle sind im eigenen Onlineshop erhältlich. Melina Bucher, Mannheim/Deutschland, info@melinabucher.com, www.melinabucher.com


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DIE MODE BOTSCHAFT O FFENBA CH – MATTHI A S S CHWA RTE MÜNCHE N – T ST YL E H AM B U R G – F B M O D E AGE N T U R Z Ü R IC H – F R E E M O U N TAIN SAL Z B U RG LIF EST YL E CO M PA NY PA RI S – COL P ORTE UR CA P BRE TON – E TS CONCE PT M ATAD E PAR A – M IS IN C O R PO R AT E D T O K YO – N R G B R AN D S LT D . C H R IST C H U R CH

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ON TOUR

Immer in Bewegung: Wer sein halbes Leben in eine Tasche oder einen Koffer packt, braucht echte Buddys an seiner Seite. Schlau, modern und stilvoll, kluges Reisegepäck ist das neue Statussymbol.

Floyd

Leise rollen. „Cool Luggage!“, bekommt am Flughafen zu hören, wer einen Floyd Travel Case bei sich hat. Die Hartschalenkoffer sind von den Farben Südkaliforniens inspiriert und rollen leise – auf Skateboardrollen aus weichem Polyurethan. Bernd Georgi und Horst Kern gründeten 1996 ihr Unternehmen zur Produktion von Reisegepäck und riefen 2019 mit Floyd ihr eigenes Herzensprojekt ins Leben, als Reminiszenz an ihre Jugend als Skater. „Wir möchten dem modernen Reisenden jene Lässigkeit zurückgeben, die er mit schwarzen Einheitskoffern bereits verloren geglaubt hatte“, so Bernd Georgi. „Wenn in der oft eintönigen Welt modernen Reisens noch ein Funke Coolness glimmt, so ist es die Mission von Floyd, ihn neu zu entzünden.“ Das Hauptbusiness läuft über den eigenen Onlinestore, wo die Koffer zu Preisen von 380 Euro und 480 Euro erhältlich sind. Die Räder sind wie bei Skateboards leicht auswechselbar. Floyd GmbH, München/Deutschland, info@floyd.one, www.floyd.one

Wegbegleiter

Pinqponq. Das im Jahr 2014 gegründete Rucksack- und Accessoirelabel vereint Funktionalität, modischen Anspruch und Nachhaltigkeit. Alle Kollektionsteile werden in Köln designt und in Vietnam unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Verwendet werden PFC-freie Stoffe, die ausschließlich aus recycelten PET-Flaschen hergestellt werden – generell ist Recycling ein elementarer Pfeiler des Unternehmens. Das junge Unternehmen ist Systempartner von Bluesign und Mitglied der Fair Wear Foundation. Pinqponq kombiniert minimalistisches Design mit Sportswear-Elementen. Die Rucksäcke und Taschen sind für Alltag oder Reisen gleichermaßen geeignet. Im VK liegen Hip Bags zwischen 29,90 und 69,90 Euro, Everyday Backpacks zwischen 89,90 und 119,90 Euro. Die Weekender-Varianten kosten bis zu 280 Euro im VK. 2020 plant die Marke weitere Modelle wie beispielsweise einen kleineren Alltagsrucksack mit integrierter Tote-Funktion. Pinqponq, Köln/Deutschland, T 0049.221.539705100, sales@pinqponq.com, www.pinqponq.com

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Ausgetüftelt

Vanook. „Für uns ist eine Tasche oder ein Geldbeutel keine kurzlebige Saisonware, sondern ein dauerhafter Begleiter, der sich den Anforderungen des Alltags stellen muss“, sagt Veronika Wagner, die das Label Vanook 2014 mit Svenja Weimann gründete. „Aus Überzeugung schwören wir auf Nachhaltigkeit durch kurze Transportwege und hochwertige Materialien aus der Region.“ Gefertigt wird in der Münchner Werkstatt der beiden Designerinnen, die sich nach mehreren Jahren in der Bekleidungsbranche und nach Abschluss an der Meisterschule für Mode dem Accessoireund Produktdesign verschrieben haben. In jeder Kleinserie stecken ausgetüftelte Details, etwa die leichte, zugleich robust beschichtete Baumwolle oder die integrierten Laptopfächer der Taschen. Eine Umhängetasche kostet 39 Euro/EK und 78 Euro/VK, ein Rucksack 150 Euro/EK und 298 Euro/VK. Die nordisch anmutenden Taschen werden beispielsweise über Bombinate.com, Hier Store in München und über den eigenen Webshop verkauft. Vanook, München/Deutschland, T 0049.176.21664687, mail@vanook.com, www.vanook.com


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FINDEN WIR GUT

Fair auf Tour

Wayks. Ein junges Berliner Label für modulares, urbanes und nachhaltiges Reiseequipment. Backpacking, Minimalismus, Fashion meets Outdoor, Plastikrecycling, nachhaltige Start-ups und Finanzierung über Crowdfunding sind die Stichworte, die es beschreiben. 2018 zwischen Sydney und Berlin gegründet, entwarf das Geschwisterpaar Leonie und Fabian Stein den konsequent durchdachten Allroundrucksack. Ihr unisex Reiserucksack lässt sich in nur wenigen Schritten in Day Pack plus Kamera- , Kühl- oder Kosmetiktasche verwandeln, denn er besteht aus zwei Teilen die sich dank eines rundum verlaufenden Reißverschlusses miteinander verbinden lassen. Durch komplett abnehmbare Rückenund Schulterpolster kann der Day Pack in eine noch leichtere Variante mit Laptopfach verwandelt werden. Gefertigt wird er aus recycelten PET-Flaschen in einer von der Fair Wear Foundation und Bluesign zertifizierten Produktionsstätte. Im Herbst 2018 wurde der komplett PFC-freie Backpack über eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter finanziert. Wayks, Berlin/Deutschland, hello@wayks.com, www.wayks.com

Schöner reisen

Claudia May Travel. Vielflieger kennen das: Kosmetika und Waschutensilien landen in einem hässlichen Plastikbeutelchen, um den Sicherheitsbedingungen zu entsprechen. Claudia May, Inhaberin der gleichnamigen Fashion Agency, war das satt. „Nachdem mein hauchdünner Cashmere-Schal ein Loch bekam, weil er sich mit dem Beutelchen verhakt hatte, wollte ich eine hochwertige, schöne Variante entwickeln, die man gern dabei hat und dabei den Bestimmungen der Sicherheitskontrolle entspricht.“ Gemeinsam mit einer italienischen Manufaktur entwickelte sie ihre Travel Bags aus hochwertigem PVC mit einem Abschluss aus italienischem Leder in Schlangen- oder Krokoprint in nunmehr 16 Farben, lieferbar innerhalb von drei Tagen. Der Preis liegt bei 29 Euro/EK und 69 bis 89 Euro/VK. Zu den Handelskunden gehören Apropos und Niche-Beauty.com. Neu sind weitere Bags für Make-up, Stifte und Dokumente. Claudia May Fashion Agency, Hamburg/Deutschland, T 0049.40.41406668, la@claudia-may.de, www.claudia-may.de

Smart Luggage

Horizn Studios. 2015 mit einem Direct-to-Consumer-Ansatz gestartet, ist die Smart Travel Brand Horizn Studios mittlerweile durch selektive Partnerschaften mit Online- und Offline-Premiumhändlern wie KaDeWe, Breuninger, Selfridges, La Rinascente, Le Bon Marché, Mr. Porter oder MatchesFashion im Markt positioniert. Mit der Verbindung von Technologie und Design bietet die Berliner Marke Reisegepäck, Rucksäcke und Accessoires mit integrierter, herausnehmbarer Powerbank und optionalem GPS-Tracker für eine technikaffine Zielgruppe sowie einen Personal Travel Assistant Service. Nach Gemeinschaftsprojekten mit Soho House, Beats by Dre, BMW oder DJ Seth Troxler soll künftig die Präsenz im stationären Handel mit weiteren Partnerschaften sowie eigenen Stores weiter ausgebaut werden. Bisher gibt es Flagshipstores in London und Berlin. Dafür hat Horizn Studios Brana Tepelidis-Calusic ins Advisory Board aufgenommen. Sie verantwortete mehr als 20 Jahre lang den Vertrieb bei Rimowa, zuletzt als CSO und Mitglied des Executive Committee. Horizn Studios, Berlin/Deutschland, sales@horizn-studios.com, www.horizn-studios.com

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There are many ways to find your customers’ perfect size & fit

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THE LONGVIEW

Hinter ihm liegt eine große Fußballkarriere, vor ihm liegt eine noch viel größere Erfolgsgeschichte als Unternehmer: Demy de Zeeuw hat mit BALR. bewiesen, dass es ein Leben nach dem Fußball für ihn gibt.

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THE LONGVIEW

Demy de Zeeuw „Wir wollen noch viel mehr als Mode“ Ex-Profifußballer oder Unternehmer? Demy de Zeeuw hat seine Leistungen am Spielfeld als Unternehmer noch einmal übertroffen. Gemeinsam mit seinen Partnern Juul Manders und Ralph de Geus schuf er die ultimative Erfolgsgemeinschaft. Drei eng verzahnte Unternehmen mit 250 Mitarbeitern stecken hinter der Marke BALR., der Fußball-Community 433 und Wannahaves, ein Unternehmen, das anbietet, was BALR. und 433 erfolgreich gemacht hat. Nämlich das moderne, schnelle Aufbauen, Adressieren und Aktivieren von Zielgruppen über Social Media. Stephan Huber hat Demy de Zeeuw in Amsterdam getroffen und mit ihm über „life of a Balr“ gesprochen. Interview: Stephan Huber. Fotos: BALR., Daan Zahradnik

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THE LONGVIEW

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Fußballspieler mit Louis Vuitton Reisegepäck brachten Sie auf die Idee, BALR. zu gründen – erzählen Sie uns davon. Ich spielte damals bei Spartak Moskau und als wir wieder einmal unterwegs waren, sah ich 20 Louis Vuitton Koffer vor mir. Ich dachte mir, what the fuck, wir sind alle gleich? Daraus resultierte schnell der Impuls, etwas anderes machen zu wollen. Etwas, das den Lifestyle eines Fußballers wirklich aufgreift und widerspiegelt. Es wundert mich bis heute, dass da vorher noch niemand darauf gekommen ist. Dieser Lebensstil ist ja schließlich sehr markant. Der Fußballer mit seinen Autos, seinen Reisen, seinen Uhren. Also dachte ich mir: Lass uns ein Business rund um meinen Lifestyle

starten. Mit Juul Manders und Ralph de Geus haben wir das Konzept ausgearbeitet und dann ergab eines das andere. Ich kann gar nicht glauben, dass die Profis von Spartak Moskau mit Louis Vuitton Koffern reisen. Aber zurück zum schnellen Erfolg von BALR.. Wirklich jeder hat Louis Vuitton Reisegepäck, immer noch. Das war ja gerade die Herausforderung, auch mal etwas Neues zu zeigen. Gleichzeitig mit BALR. ging unser Social Media Account 433 an den Start. Ein Instagram Account, der sich ausschließlich Fußball und den Lifestyle rund um Fußball widmet. Aber weil ich selbst Fußballer bin, interessiert mich keine Taktikanalyse. Ich wollte einfach die unterhaltsame und amüsante Seite der Fußballwelt zeigen. All die lustigen

„Wir brauchen große Influencer wie Antoine Griezmann, um zu wachsen.“

Fußball-Superstar Antoine Griezmann ist das Gesicht der Puma x BALR. Kooperation und Kampagne.

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P R O U D LY P E O P L E I N E A S Y J A C K E T

CIRCOLO1901.IT


THE LONGVIEW

Szenen, die sich vor dem Tor abspielen. Wir haben also gleichzeitig BALR. und 433 gestartet und tja, dann ist es abgehoben. Wir sind wirklich rasant gewachsen, einfach weil wir verstanden haben, wie mächtig Social Media im Aufbau der Marke sein kann. Der Weg, den BALR. genommen hat, ist komplett neu. Ich möchte es gar nicht modern nennen, sondern einfach nur neu. Eine Zielgruppe so genau zu identifizieren, die Community aufzubauen und sie dann auch noch richtig zu bedienen. Zu Beginn hatten wir überhaupt nur E-Commerce, aber eigentlich muss man sagen, dass der E-Commerce sich ausschließlich aus Social Media speiste. Wir haben verstanden, dass das unser Erfolgsweg ist. Heute ist das ja noch viel einfacher geworden, weil man Instagram nicht mehr verlassen muss. Ich glaube, je nahtloser und bequemer, umso besser. Im Rennen zwischen den Großen wird uns regelmäßig vorgeführt, dass Convenience immer wichtiger wird. Am Ende bestellt man dort, wo es am einfachsten ist. Oft kann man gar nicht mehr unterscheiden, ob man noch von diesem Händler kauft oder ob er nur Affiliate-Produkte anzeigt und man das Produkt tatsächlich woanders erwirbt. Das stimmt, die großen Plattformen haben im Sortiment wenig Unterscheidung. Können sie daher auch keine Loyalität beim Kunden aufbauen? Ich glaube, Loyalität entsteht durch Kundenservice. Wir haben zwei große Player hier in Holland. Einer davon ist einfach wirklich gut organisiert und extrem freundlich. Das ist dann der Grund, warum man bei dem einen und nicht bei dem anderen kauft. Einen Nike Sneaker kann man auf tausend Websites kaufen, also entscheidet man sich für den Favoriten. Also ist die Frage, wie man der Favorit wird? Oder auch der schnellste. Denn wenn man die Wahl zwischen drei Tagen Wartezeit und Lieferung heute Abend hat, dann wird man immer zweiteres wählen. Ist Exklusivität ein Unterscheidungsmerkmal? Was ist denn heute noch exklusiv? Ich glaube, dass Exklusivität eher ein Marketingding ist, aber am Ende? Von dem Yeezy Sneaker, nach dem heute alle verrückt sind und der ein Sammlerobjekt ist, gibt es drei Monate später einen nächsten Drop und dann gibt es noch mal zehn- bis zwanzigtausend Paar. Was ist also Exklusivität? Ein Vorsprung von zwei Monaten, bis es alle kaufen können? Wie haben Sie es in Kürze auf diese beeindruckende Zahl an Followern für 433 geschafft? Wir haben aktuell ungefähr 37 Millionen Follower. Das entwickelte sich zum Gros organisch, aber natürlich gab es auch eine Strategie. Wir hatten damals die Idee, dass wir jedes Tor von großen Clubs wie Chelsea posten. Ab diesem Zeitpunkt sind wir stark gewachsen, weil Fußballspieler es lieben, ihre Tore nochmals anzusehen. Es war einigermaßen schwierig, die Rechte für diese Videos zu bekommen, also fokussierten wir uns auf anderen Content. Unsere Community

„Je nahtloser und bequemer ein Onlinekauf abläuft, umso besser.“ 072

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„Unser klarer Fokus ist das Wachstum mit Wholesale.“ umfasst ungefähr 50.000 Profifußballer, die hochaktiv sind und Humor besitzen. Wir arbeiteten deshalb auch viel mit Instagram Take-overs. Einer von diesen Fußballern die ein Take-over gemacht haben, hat Neymar in der Umkleide gefilmt, auf wirklich witzige Weise. Ab da wusste jeder: 433 ist die humorvolle Fußball-Community. Jetzt werden wir von allen Clubs eingeladen, das ist ganz schön crazy geworden. Und jetzt kommt erst der Multiplikatoreffekt von diesen 50.000 Fußballern und ihren Clubs. Ja, in diesem Jahr kommen wir auf 1,5 Milliarden Impressions pro Woche. Das ist ziemlich beeindruckend und bedeutet gleichzeitig auch viel Arbeit. Wie ist die Firma organisiert? Grundsätzlich haben wir drei Firmen: 433 mit einem Redaktionsteam von etwa 30 Leuten, BALR. und Wannahaves, ein Unternehmen, das für Marken Social-Media-Content für Kunden wie Intersport produzierts und betreut. Wir arbeiten mit EA Sports, Call of Duty und allen großen Sportmarken wie Nike, Puma und Adidas. Zusammen sind etwa 250 Leute bei uns beschäftigt. Und alles gehört Ihnen und Ihren zwei Partnern? Ja, wir legen großen Wert auf unsere Unabhängigkeit, auch die Stores gehören alle uns selbst. Spannend, dass ein so durchdigitalisiertes Unternehmen wie Ihres auch auf Stores setzt. Am Ende sprechen wir über ein Produkt, das ja nicht günstig ist. Besonders bei Modellen wie dem Reisegepäck mit Preislagen jenseits der 500 Euro wollen die Kunden diese auch erleben und anfassen. Das Spannende ist, dass wir mit unseren Daten aus Social Media auch eine hervorragende Quelle besitzen, um Standortentscheidungen zu treffen. Darum auch in Deutschland Oberhausen und nicht zum Beispiel Frankfurt. Außerdem können wir mit den Geodaten hervorragend die Influencer in dieser Region ausfindig machen und einladen, mit uns Content zu machen. Das hilft dann natürlich wieder dem Standort. Stehen noch mehr eigene Stores auf dem Plan? Ja, aber wir wollen mehr als Mode sein. Wir wollen den ganzen Lifestyle abbilden, den ein Fußballer lebt, wenn er nicht auf dem Spielfeld steht. Wir haben ein ganzes Appartement im BALR.-Style eingerichtet. Wir haben eine BALR. Rolex designt, ein Custom-made-Auto und eine Yacht. Ich träume von einem Hotel mit einem guten Restaurant, mit Swimming Pool am Dach, ein Ort, an dem alles zusammenkommt. Das ist auch der Grund, warum wir auf unserem Social Media Account diesen Lebensstil zeigen, mit schnellen Autos, vielen Frauen und schönen Orten. Insgesamt sehr männlich, kann BALR. auch weiblich werden? Ja, darüber denken wir gerade nach. Schließlich haben wir mit den Spielerfrauen ja die perfekten Rolemodels, die diesen Lifestyle ebenfalls leben. Wie definieren Sie aktuell die Hauptzielgruppe von BALR.? 433 ist eine so konkrete Community, dazu der Lifestyle der Fußballer off-duty. Das impliziert ja bereits, dass es bequem und


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THE LONGVIEW

stylisch sein muss. Welche Vision hegen Sie für die Kollektion? Wir machen ein sanftes Trading-up, weil wir uns deutlicher von Sportswear wie Nike und Adidas absetzen wollen. Unsere Qualitäten sind raffinierter. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt mit Denim starten. Einer unserer wichtigsten Lieferanten ist einer der größten Denimproduzenten der Welt, da war dieser Schritt naheliegend. Wir produzieren in der Türkei. Der aktuelle Bestseller ist unser T-Shirt, das ist auch gut so. Um den Lifestyle von BALR. aber richtig aufzusetzen, brauchen wir luxuriösere Produkte, nicht so sehr das sportliche Programm. Wo sehen Sie die Wachstumsfelder? Unser klarer Fokus ist das Wachstum mit Wholesale. Außerdem brauchen wir große Influencer, um zu wachsen. Wir haben eine sehr gute Kooperation mit Puma und Antoine Griezmann. Das ist das Level, auf dem wir operieren wollen. Stimmt, Griezmann. Ist das eine Kooperation? Wir haben in der Kooperation mit Puma darauf bestanden, dass wir jemanden brauchen, der das Gesicht ist. Es hat ein bisschen gedauert, bis alles unter Dach und Fach war. Griezmann stand damals vor seinem Wechsel nach Barcelona. Kaum waren die Verträge unterschrieben, wurde er uns auch schon präsentiert. Daraufhin sind wir nach Barcelona gefahren und hatten eine Stunde mit ihm, um richtig coolen Content zu produzieren. Für Puma Football war das der am besten performende Post im ganzen Jahr. Das hat für beide Seiten wirklich gut funktioniert. Haben Sie von diesem jungen Norweger bei Red Bull Salzburg gehört? Haaland? Ja! Der ist außergewöhnlich!

Ja, wir haben eine Menge unterhaltsames Material über ihn. Als wir mit ihm gesprochen haben, folgte er 433 noch nicht. Da haben wir uns ein paar blöde Witze einfallen lassen – und jetzt ist er einer unserer Follower. (lacht). Abschlussfrage: Was sind Ihre liebsten Clubs? Barcelona. Und Ajax! Ajax war immer ein so besonderes Team, für mich ist Johan Cruyff immer noch unübertroffen. Ja, das sagt jeder, der ihn mal spielen gesehen hat. Ich habe ihn leider nie spielen gesehen. Er war auf jeden Fall der stylischste Fußballer aller Zeiten. Stimmt, das war er. Und er hatte eine so besondere Art, zu gehen. Richtig cool! Auf jeden Fall!

Schwarz, Weiß und der markante Schriftzug – um den Wiedererkennungswert braucht sich BALR. keine Gedanken zu machen.

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“Tretorn introduced me to Sarek in northern Sweden, one of Europe’s last true wilderness areas, which I found very exciting and inspirational. The result is that each item in this collaboration has a sense of the place that inspires it and is made with care and respect to this natural environment underpinned by Tretorn’s credentials through the Eco Essentials initiative.” –NIGEL CABOURN

Tretorn x Nigel Cabourn Collaboration will be shown at PITTI UOMO Florence 7-10 January, SEEK Berlin 14-16 January, Welcome Edition Paris 16-22 January. TRETORN GLOBAL SALES CONTACT: Måns Urhrweder – Export Manager Tretorn Sweden mans.uhrweder@tretornsweden.com +46 727 19 42 79 www.tretorn.com


SO LÄUFT’S

THE FUTURE SUSTAIN +

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SO LÄUFT’S

THE FUT URE 1 WHO? THE FUT URE 2 WHERE? THE FUT URE 3 WHY?

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SO LÄUFT’S

The Future

ES GIBT (KEINE EINFACHEN) ANTWORTEN!

Gesellschaftspolitische Debatten prägen das Einkaufsverhalten stärker denn je. Beziehungsstatus zwischen Industrie, Handel und Konsumenten: Es ist kompliziert. Und dann doch wieder nicht. Ein Kommentar von Stephan Huber

A

ch wie war doch früher alles einfach. Die Produzenten haben produziert, die Händler haben gehandelt (oder zumindest verkauft) und die Konsumenten haben konsumiert. Und zwar genau und immer in dieser Abfolge. Straight und one way. Die Konsumgesellschaft von heute ist ein extrem komplexes Geflecht, volatil, geprägt von immer vielfältigeren Interaktionen zwischen den einzelnen Marktteilnehmern einerseits, und konfrontiert mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen (Klimawandel, Freihandel, Robotisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt ...) der Zukunft andererseits. So wird beispielsweise eine völlig neue Form der Moraldebatte das Konsumverhalten wesentlich stärker prägen, als wir uns das heute vorstellen können und vielen lieb ist. Bzw. wir sind ja schon mitten in dieser Debatte. Die populärphilosophische Allzweckwaffe R.D. Precht fordert Verbote zur Verteidigung der Freiheit und hat damit dummerweise nicht ganz unrecht. Parallel entwickelt sich schier endloses Schampotenzial. Flygskam? Alter Hut! Da geht noch mehr: Diesel-Scham, Steak-Scham, ganz neu Streaming-Scham. Ich wünsche mir eine Ein-Euro-T-Shirt-Scham. 078

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Das Problem ist allerdings, dass nirgendwo der Graben zwischen Theorie und Praxis so ausgeprägt ist wie beim individuellen Konsumverhalten. Es wird mehr denn je geflogen, die Zulassungszahlen für SUV erreichen ständig neue Rekordwerte und mein bissl Streaming ermordet bitte keine isländischen Gletscher. Wirksam wären höhere Preise. Aber die „Entdemokratisierung“ der Flugreise oder gar des Schnitzels würde wiederum die Fahnenträger der sozialen Gerechtigkeit auf den Plan rufen. Von einer Moraldebatte also nahtlos in die andere. Das alles scheint komplizierter als jeder Beziehungsstatus (Facebook-Scham!). Wer also wird in Zukunft was, wann, wie, wo und warum kaufen? Good News: Wer eine überzeugende Antwort auf die Frage nach dem Warum bieten kann, hat eigentlich auch einen Haken unter allen anderen W-Fragen. Einfach den Selbsttest machen: Warum? Weil ich es brauche! Warum? Weil ich es will! Warum?  Weil es mich glücklich macht. Echt jetzt! Warum?  Weil es billig ist … ääähhh … weil … ja doch: Weil es billig ist! Usw. Alle anderen Fragen sind also tatsächlich nachgereiht. Allerdings gibt es auf das Warum keine Einheitsantwort von der Stange. Schon gar nicht in Zeiten der immer heterogeneren Partikularzielgruppen. Sollte ich also kurz die Hoffnung auf eine einfache Antwort geweckt haben, sorry – die gibt es nicht nur in der Politik nicht. Aber es könnte gut sein, dass Sie den Anstoß für Ihre individuelle und letztlich vielleicht gar nicht so komplizierte Antwort auf den kommenden Seiten von style in progress finden.


The Future – Who?

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THE FUTURE

WHO? THE FUTURE

Konsum fragt zuerst nach dem Wer? Wer macht das Geschäft – und wer macht es nicht? Ist es der Handel oder der Konsument, der das Wer bestimmt? Wie hat sich das neue Kräfteverhältnis schon in Strukturen manifestiert? Vor allem aber: Was wird verkauft, was wird gekauft? In Zeiten der Konsumscham eine höchst brisante Frage. Klar ist, dass dieses harmlose Wörtchen Was heute mit viel Tiefe gefüllt werden muss. Ein Produkt, das keinen Zweck hat, dem fehlt auch jeder Sinn.


SO LÄUFT’S

The Future – Who?

INDIVIDUALI­SIERUNG ALS CHANCE?

Weil immer weniger Kunden das möglichst Gleiche kaufen, sitzen Retailer und Marken auf vollen Lagern. Die Zauberformel, die das lösen soll, heißt Individualisierung. Wie viel Eigensinn verträgt die Mode? Was passiert, wenn sie dem Konsumenten ein Mitspracherecht einräumt? Text: Stefanie Buchacher. Illustrationen: Claudia Meitert@Caroline Seidler

KUNDEN UNBEWUSST EINBINDEN

Sophia Bitter, CMO Airfield „Mode ist für mich nicht mehr der reine Besitz von schöner Bekleidung, sondern das individuelle Erlebnis mit dem Kleidungsstück und dem Mehrwert, den es vermittelt. Der Kunde sucht zunehmend den Weg raus aus der Massenware und dem Einheitslook, hin zu besonderen Qualitäten, neuen Silhouetten und der Geschichte hinter dem Produkt. In unserer Welt, in der der Kunde mit Schnelligkeit, Unberechenbarkeit und viel Einsamkeit konfrontiert ist, gewinnt in meinen Augen das Bedürfnis nach Individualität und einer liebevollen und aufmerksamen Kundenbetreuung in der Mode an Macht – über das gelernte Verkaufsverhalten hinaus. Im Zuge von ausgeklügelten Incentive-Programmen macht es Sinn, den Kunden unbewusst in den Entwicklungsprozess einzubinden.“

MODE ABSEITS VON TRENDS

Pien Stieglitz, CEO und Creative Director Stieglitz „Wie viel Individualität verträgt Mode? Bei Stieglitz lautet unser Prinzip: Be yourself, show yourself! Steh zu dir selbst und drücke deine Persönlichkeit auch durch deine Klamottenwahl aus. Stieglitz will genauso einzigartig und unabhängig sein, wie die tollen Frauen, die das Label tragen. Wir glauben an uns und gehen unseren ganz eigenen Weg, fernab von Fast-Fashion-Trends. Unsere Designs sind resistent gegen Hypes, über Kollektionen hinaus kombinierbar und können über mehrere Saisons hinweg getragen werden. Was sie wiederum nachhaltig macht. Wir arbeiten stetig an uns, indem wir auf unsere Kunden, auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Welche Designs und Prints mögen sie am liebsten? Welche Stoffe? Mit jeder Kollektion arbeiten wir daran, besser und nachhaltiger zu werden.“

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UNIVERSAL TIMELESS LONG-LASTING

Before we release a new item, it must meet criteria of durability, usefulness and aesthetics. We try to achieve the usefulness with a universal usability, the aesthetics with a restrained timeless casualness, the durability with selected materials and solid manufacturing.

www.standard-project.com


SO LÄUFT’S

The Future – Who?

VOM KUNDEN ZUM CREATOR

Marc Rosen, Executive Vice President and President of Direct-to-Consumer Levi Strauss & Co. „Wir haben T-Shirts customized, wir haben Stickereien an Jacken angebracht, aber Jeans selbst zu gestalten, ist etwas völlig Neues und bringt Personalisierung auf ein völlig neues Level. Es vertieft unsere Beziehung zum Kunden, indem wir beim Gestalten helfen und verstehen, was er macht und was ihn inspiriert, und indem wir verstehen, was er als nächstes machen möchte. Personalisierung stärkt die Bindung an den Kunden und stärkt dessen Bindung zur Marke. Es ist unser Denim und das Design des Kunden. Für unser Businessmodell bedeutet das eine komplette Transformation in der Art und Weise, wie wir arbeiten, und gibt uns eine neue Palette von Möglichkeiten. Es bedeutet eine Verlagerung von Verkaufen, was wir herstellen, hin zu Herstellen, was wir verkaufen. Es bedeutet eine Verlagerung von der Bewerbung eines Produkts, das wir zu einem viel früheren Zeitpunkt und in der Hoffnung, dass es unserem Kunden gefällt, entworfen haben, hin zu unserem Kunden und der Inspiration, was er selbst kreieren kann.“

TIEFER KUNDENDIALOG

Michael Donaghu, Vice President of Innovation Nike „Passform ist eine persönliche Sache. Intelligente Produkte (wie der selbstschnürende, motorbetriebene und per App steuerbare Nike Adapt BB) passen sich an und unterstützen den Athleten. Aber man verbindet sich nicht nur mit den Schuhen durch Nike Adapt. Man verbindet sich mit Nike. Was ich damit meine? Das Tragen generiert Daten über die Aktivität des Trägers, wenn die Leistung steigt, können neue Produkte oder Services angeboten werden – wie in einem Kreislauf. Normalerweise ist der Kauf eines Schuhs das Ende der Transaktion zwischen Hersteller und Kunde. Hier ist der Kauf erst der Anfang, denn der Austausch über die gewonnenen Daten hinaus kann bisher nie da gewesene Benefits freisetzen. Dieser Austausch hilft, unsere Produkte mithilfe eines wirklichen Dialogs zwischen dem Träger, Nike und den Schuhen besser zu machen. Wobei der Träger entscheidet, welche Daten er wann mit uns teilen möchte. Wir starteten diese Reise im Basketball, werden die Technologie auch für weitere Sportarten und Lifestylekategorien ausweiten.“

ECHTE BEZIEHUNGEN

Hussein Chalayan, Designer und Dozent an der HTW Berlin „Ich glaube, Individualisierung ist oft eine Herausforderung. Eine Antwort könnte sein, dass viele Nischendesigner die Bedürfnisse von mehr Individualisten bedienen können, indem sie Communitys ihrer Konsumenten aufbauen. Momentan ist dieses Modell für mich eine sehr kraftvolle und intensive Arbeitsweise, weil diese Beziehungen den Designer leiten können, ohne seine eigene Vision aus den Augen zu verlieren. Das soll heißen, dass die Modebranche besonders kleineren Marken größere Unterstützung zukommen lassen sollte, denn momentan ist es traurigerweise so, dass die globale Modeindustrie ihr Hauptaugenmerk auf die Luxuskonglomerate und die Marken, die diese besitzen, auf Celebritybrands oder auf Marken mit reichen Eigentümern im Hintergrund richtet.“

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SO LÄUFT’S

The Future – Who?

JULIA KÖRNER

„MODE IST ARCHITEKTUR IM KLEINSTEN MASSSTAB“

Ihre Designs erreichten über den Laufsteg der Pariser Modewoche hinaus große Bekanntheit. Julia Körners 3D-gedruckte Kleider reisen durch die Museen der Welt und mit einer Krone und einem Schulterteil half sie der Kostümbildnerin Ruth Carter, einen Oscar für „Black Panther“ zu gewinnen. Körner ist jedoch keine Modedesignerin, sondern Architektin. Den Weg ins Herz ihrer ersten großen Liebe, der Mode, ebnete sich die Österreicherin mit ihrer Obsession für den 3D-Druck. Interview: Petrina Engelke. Fotos: Pia Clodi

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rau Körner, wie kann Architektur die Mode verbessern? Zu Beginn meiner Zusammenarbeit mit Modedesignern wie Iris van Herpen brachte ich Fähigkeiten mit, die andere in der Modeindustrie nicht hatten und haben. Mode ist für mich Architektur im kleinsten Maßstab, denn mit Kleidung schaffen wir einen unmittelbaren Raum um unseren Körper herum. Mit meinem gestalterischen Können in diesem dreidimensionalen Raum helfe ich, die Ideen anderer Designer zu erweitern. Meist habe ich mit dem äußerst fortschrittlichen Haute-Couture-Bereich zu tun, wo Marken Neuerungen einführen, neue Materialien und Textilherstellungstechniken testen und auch neue Technologien anwenden. Sie arbeiten mit einem Architekturverfahren, das die Modeproduktion revolutionieren könnte. Können Sie uns parametrisches Design erklären? Beim parametrischen Design verwendet man Software, mit der man einen Code programmiert, in dem sich die Parameter ganz einfach ändern lassen. Wendet man ihn auf ein 3D-Design an und ändert die Parameter, passt sich die Form automatisch an verschiedene Größen, Proportionen, Farben und so weiter an. Man hat im Prinzip die Varianten in der Hand. Zum Beispiel kann man damit ein Design mit

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SHOWROOM FRACOMINA Lodenfrey-Park Haus D-EG • Osterwaldstrasse 10 • D-80805 München PREMIUM Station • Berlin • HALL 1 - STAND H1-A-25 (14-16 Jan 2020)


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The Future – Who?

Julia Körners 3D-Druck-Design auf der Leinwand: Die Königin von Wakanda trägt ihre Krone und ihr Schulterteil im Marvel-Film „Black Panther“. ©Marvel/Disney

Neuerdings verbindet Julia Körner klassische mit neuartigen Materialien: In Zusammenarbeit mit der 3D-Druck-Firma Stratasys druckte sie mehrfarbig direkt auf herkömmlichen Stoff. Das Design ist von Mikroskopbildern eines Schmetterlingflügels inspiriert. ©Ger Ger

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den Maßen aus einem Bodyscan so angleichen, dass es perfekt passt. Oder man nutzt dies für kundenindividuelle Massenproduktion. Was würden Sie gern anfangen, wenn Zeit und Geld keine Rolle spielten? Ich nehme in Linz am von der Europäischen Kommission finanzierten Forschungsprojekt Re-Fream teil, bei dem wir die Modeproduktion neu denken. Hätte ich Zeit und unbegrenzte Mittel, würde ich mir ein mittelgroßes Labor mit viel Technologie wie etwa verschiedenen 3D-Druckern wünschen. Ich würde gern erforschen, wie sich damit größere Mengen produzieren und damit diese Designs für Verbraucher zugänglicher machen lassen. Was wäre nötig, damit es 3D-gedruckte Unikate für alle gäbe? Derzeit ist das Verfahren ziemlich teuer und die Produktionskosten sind noch sehr hoch, vielleicht wegen der geringen Nachfrage. Um den Preis herunterzuschrauben, könnte man den Anteil an 3D-Druck reduzieren. In meiner Iceland-Kollektion habe ich 3D-Druck mit Materialien wie Leder kombiniert, und die 3D-Druck-Firma Stratasys hat mich an Bord geholt, um für eine Kollektion für das Philadelphia Museum of Art direkt auf Stoff zu drucken. Allerdings kann man mit dieser Technik nicht mit dem Tempo der Mode mithalten. Andererseits glaube ich daran sowieso nicht. Ich setze auf Teile, die man sehr lange behält, die einzigartig sind, sorgfältig konstruiert, aber auch sehr langlebig. juliakoerner.com


Walter Moser GmbH, 4863 Seewalchen am Attersee, Austria, Industriegebiet 2, T +43 (0) 7662 31 75-0, E office@airfield.at, www.airfield.at

AWARD-WINNING FOR SUSTAINABILITY & TEXTILE INNOVATION

Meet us at CPD THE GALLERY DÜSSELDORF JANUARY 25 – 28, 2020 AIRFIELD SHOWROOM INTERNATIONAL NEW FASHION PLAZA 1. STOCK KARL-ARNOLD-PLATZ 2 40474 DÜSSELDORF T +43 (0) 7662 3175-600 & AGENCY BERNING T +49 (0) 211 542 219-0

GERMAN SALES OFFICE Western Region Agency Berning Michaela van den Broek Bennigsen-Platz 1, 40474 Düsseldorf T +49 (0) 211 542 219-0

Eastern Region Agency Seebach Mark House of Brands Rathenower Straße 11-13, 10559 Berlin T +49 (0) 30 767 665 13

Northern Region KMK Fashion Agency Kuster Klaudia Magdalena Offakamp 9A, 22529 Hamburg T +49 (0) 173 910 53 08

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Southern Region Michaelis Fashion Agency Daniela & René Michaelis, Jana Jost Haus Titan, Karl-Weinmair Str. 11, 80807 München T +49 (0) 171 488 89 24


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The Future – Who?

FINDEN WIR GUT

ON DEMAND

Kundenwünsche ins Zentrum: Marken, die sich flexibel und agil aufstellen, haben das riesige Plus, dass ihnen der Megatrend Individualisierung quasi schon innewohnt. Wir stellen Marken vor, bei denen das der Fall ist.

WAHRE GRÖSSE

Phylyda Nach Stationen bei Yves Saint Laurent, Givenchy und zuletzt als Kreativdirektorin bei Paco Rabanne hat Lydia Maurer 2016 ihr Label Phylyda auf den Markt gebracht. Ihr Ziel ist, Frauen mit Bademode wirklich glücklich zu machen. „Wir definieren ästhetische Ansätze neu und machen passende Swimwear für alle. Wir entwickeln perfekt sitzende Bikini-Einzelteile, die frei miteinander kombinierbar sind, die aber die Nuancen und Unterschiede jeder Figur berücksichtigen. Ästhetisch fokussiert und technisch innovativ ist jeder Bikini und jeder Badeanzug der Kollektion individuell anpassbar“, erklärt Maurer. Ausgebildet im renommierten Studio Berçot in Paris, ist sie gegenwärtig mit ihrem Atelier in Berlin ansässig, wo alle Teile aufwändig von Hand produziert werden. Gefertigt wird nur auf Bestellung. Die Lieferzeit beträgt rund zehn Tage. Seit Neuestem gibt es neben Bademode auch Bodys. Mit ihrem EverySize-Konzept geht sie auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen ein. Phylyda, Berlin/Deutschland, T 0049.30.88709456, contact@phylyda.com, www.phylyda.com

CUSTOMIZED

KREATIVER ÜBERFLIEGER

Maurizio Miri. Die Sakkos und Hosen von Maurizio Miri sind einzigartig und extravagant. Händler ordern keine Ware von der Stange, sondern stellen sich ihre Kollektion nach Belieben zusammen. Bei Miri ist nichts unmöglich: Reverse mit schillernden Federn, opulenten Ornamenten oder verspielte Knopflochvarianten – die Vielfalt ausgefallener Verrücktheiten kennt keine Grenzen. Zahlreiche Musiker und Künstler gehören zu seinen Kunden. Natürlich beherrscht der Italiener neben extrovertierten Designs auch die klassischen Varianten mit dezenter Raffinesse. EK-Preise reichen von 395 bis 955 Euro. Zu den ersten Kunden in Deutschland und Österreich zählen u. a. Lodenfrey, Different in Mannheim und Sylt, Edi Pösendorfer und Mona in Linz. Agentur Klauser, München/Deutschland, T 0049.89.231199-0, info@kirstenklauser.de, www.mauriziomiri.com

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Son of a Tailor. Maßarbeit, modern und demokratisch? Möglich macht das der Onlineshop Son of a Tailor, der T-Shirts, Sweats und Polos für Männer anbietet. „Mit unserem Ideal Size Algorithmus und 30.000 Datenpunkten von Männern auf der ganzen Welt können wir jede einzigartige Größe anhand von nur vier einfachen Fragen berechnen: Gewicht, Größe, Alter und Schuhgröße“, so Marketing Director Johan Krusborg. Gefertigt wird in Nordportugal, wobei für den Kunden bewusst jeder Schritt der hochwertigen Fertigung sichtbar gemacht wird. Baumwoll-T-Shirts kosten 56 Euro, Merino-Shirts kosten 70 Euro. Das Kopenhagener Unternehmen wurde 2014 von Jess Fleischer und Andreas Langhorn gegründet und beschäftigt 14 Mitarbeiter. Son of a Tailor, Kopenhagen/Dänemark, support@sonofatailor.com, www.sonofatailor.com


Florence / Pitti Uomo Date 7/1 - 10/1

Berlin / Premium Date 14/1 - 16/1

Paris Showrooms / 5 boulevard du Temple Date 16/1 - 22/1

Copenhagen / Head Office & Revolver Date 29/1 - 31/1 9am - 6pm

9am - 6pm

WWW.LESDEUX.COM


SO LÄUFT’S

The Future – Who?

DISRUPTOREN

EINFACH ANDERS

Jede Umwälzung ist genau dafür gut: Wo man früher glaubte, alles müsse so sein – und vor allem so bleiben –, wie es ist, ist plötzlich Platz. Platz, etwas besser, moderner oder agiler zu machen. Wem die Fesseln der guten alten Zeit nicht um die Füße liegen, der kann beherzt den Sprung ins kalte Wasser wagen. style in progress stellt Marken und Menschen vor, die vieles auf den Kopf stellen und genau deshalb Erfolg haben. Was auffällt: Im Fokus steht immer das Produkt. Text: Kay Alexander Plonka, Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner

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AlphaTauri ist eine stark von Innovation getriebene Kollektion, auch in Distribution und Marketing geht sie andere Wege.


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The Future – Who?

ALPHATAURI

INNOVATION ALS ANTRIEB AlphaTauri, die Bekleidungskollektion von Red Bull, hat ihren Start im Multibrandhandel mit Bravour gemeistert. Jetzt setzt das agile Unternehmen unter der Führung von Ahmet Mercan, General Manager AlphaTauri & Global Head of Global Consumer Products, an, diesen Erfolg zu skalieren. Mit PS-starker Unterstützung: Sogar das Red Bull eigene F1-Team wird künftig den Namen AlphaTauri tragen.

Ahmet Mercan, General Manager AlphaTauri & Global Head of Global Consumer Products, führt AlphaTauri selbstbewusst in eine sich wandelnde Zukunft.

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ie Modebranche verändert sich, es bleibt kein Stein auf dem anderen. AlphaTauri tritt in diesem Moment des Umbruchs als Player mit neuen Ideen und Werten auf. Da jetzt schon die ersten Händler außerhalb der eigenen Welt am Start sind – erzählen Sie uns, was die Händler überzeugt hat, mit AlphaTauri zu arbeiten. AlphaTauri geht neue Wege innerhalb der Fashionbranche und hinterfragt täglich aufs Neue. Dabei entstehen innovative Kollektionen und Lösungen, wie beispielsweise das 3D-Knit-Lab, der Virtual Dressing Room oder der mobile Retail-Pop-up. Und genau das scheint die Attraktivität der Marke auszumachen, wie wir auch von unseren Handelspartnern hören. Auch der Konsument stellt heute völlig andere Ansprüche an eine Marke: Was findet der Endkonsument in AlphaTauri besser erfüllt als in herkömmlichen Modemarken? Das eine Erfolgsrezept gibt es sicherlich nicht. Getreu dem konsumentenzentrierten Ansatz von AlphaTauri haben wir aus dem Feedback unserer Kunden und Partner vor allem mitgenommen, dass es die AlphaTauri Kombination aus Fashion, innovativer Funktion und smarten Features ist, die positiv überrascht. Beispielsweise ein temperaturregulierender, wasser- und schmutzabweisender Trenchcoat, der stylisch aussieht und viele Features und Funktionen vereint. Zudem hat der Endkonsument eine hohe Erwartungshaltung hinsichtlich Verfügbarkeit und wir sprechen über ein neues Maß von Geschwindigkeit und Service. In diesem Zusammenhang spielen innovative digitale Tools eine sehr wichtige Rolle, da sie Online mit Offline verbinden und so die Lücke zwischen Kundennachfrage und Verfügbarkeit schließen.  Mit ihren Produkten und deren interessanten Storys triggern Sie Konsumenten auf einer völlig anderen Ebene. Material und Machart geben den Kaufanreiz, dazu selbstverständlich das Design – aber grundsätz-

lich begibt sich ein Produkt von AlphaTauri nicht in den Wettkampf, in den sich ein normales T-Shirt oder eine normale Jacke begeben muss. Wie essenziell sind diese Add-ons und Benefits für jedes Teil der Kollektion? Für uns bei AlphaTauri beginnt alles mit dem Wunsch des Verbrauchers. Erst auf dieser Basis designen und vermarkten wir unsere Styles. Das Storytelling ist bei AlphaTauri per se gegeben, da jeder einzelne Style der Kollektion aufgrund der smarten Features, technischen Materialien und cleveren Funktionen viel zu erzählen hat. Wie vermitteln Sie dieses intensive Detailwissen dort, wo Sie nicht selbst Regie führen? In den eigenen Kanälen ist das ja vergleichsweise einfach. Wie stellen Sie aber sicher, dass jeder Händler und jeder Handelsmitarbeiter über genau diese Informationen verfügt und sie weitertransportieren kann? Auch bei Handelspartnern verfolgt AlphaTauri einen kooperativen sowie langfristigen Ansatz. Daher arbeitet AlphaTauri permanent an neuen innovativen Tools, um den jeweiligen Partner zu unterstützen, sei es mit klassischen Schulungen, individuell konzipierten Events inkl. Sales Support oder digitalen Tools wie ultradünne Canvas Screens, die via einer eigens entwickelten App minutenschnell mit entsprechendem Content bespielt werden können. style in progress

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The Future – Who?

Aus bester Biobaumwolle sowie sozial nachhaltig im eigenen Unternehmen gefertigt: die Jerseykollektion Stefan Brandt.

STEFAN BRANDT

Stefan Brandt hinterfragt herkömmliche Herstellungsverfahren, um sie stetig zu verbessern.

DIE SUPERLATIVE ALS ZIEL Der Kollektion Stefan Brandt eilt der Ruf vom Welt­ klasseshirt voraus. Kein Zufall, immerhin hat sich Stefan Brandt zum ehrgeizigen Ziel gesetzt, größt­ mögliche Perfektion im Produkt zu erreichen. Jetzt wird das Thema Vertrieb in Angriff genommen.

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arketing für das Label Stefan Brandt gab es bislang nie. Stattdessen stand immer im Fokus, das pure Produkt begehrenswert zu machen. Dafür ist Stefan Brandt weite und ungewöhnliche Wege gegangen. Seine Geschichte ist von Pioniergeist und Wagemut geprägt, von trial and error. Der studierte Physiker ging als Gastwissenschaftler an die Universität von Cartagena in Kolumbien und gründete 1993, ein Jahr später, sein erstes Textilunternehmen in Quito in Ecuador. „Ecuador ist eine Hochburg für Jersey, das faszinierte mich“, so Brandt. Er rief sein Boxershortlabel Boyz ins Leben, das er 1995 um Shirts erweiterte. Immer aus bestverfügbarer Rohware, für Produkte von besonderer Elastizität und Haptik dank feiner, dicht gewirkter Garne. PIONIERGEIST UND WAGEMUT

„Ein paar Shirts erreichten damals schon Läden in Deutschland; ein Fan war der ehemalige Grünen-Politiker Joschka Fischer“, berichtet Stefan Brandt stolz. 2012 schlug die Geburtsstunde des Labels Stefan Brandt, für das die peruanische, langstapelige ELS Pimabaumwolle eingesetzt wurde. „Mit eigens entwickelten Verfahren gelang es mir, die der Luxusbaumwolle innewohnende ‚südamerikanische Seide‘ herauszuarbeiten“, erzählt Brandt. Den richtigen Markt dafür sieht er im deutschsprachigen Raum. „Hier spielt die Thematik Luxus gepaart mit Ethik eine wesentliche Rolle; ich wollte nah dran sein.“ Das 094

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Unternehmen arbeitet vollstufig, von der Gewinnung der organischen Baumwolle bis zum fertigen Kleidungsstück. Jetzt möchte Brandt die Pimabaumwolle wieder in Ecuador ansiedeln. „Das Projekt hat historische Dimension, da Pima bereits 4400 v. Chr. in Ecuador angebaut wurde“, erklärt Stefan Brandt. „Im kommenden Sommer wird erstmals geerntet.“ Auch die Jerseykollektion wurde mit Unterwäsche und Nachtwäsche, Polos, Hosen und Sakkos weiterentwickelt. Und immer wieder gibt es Materialinnovationen, wie aktuell ein Winterjersey, für den Alpaka mit ELS Pima versponnen wird. AUSBAUFÄHIG

In Deutschland zählt die Marke heute um die 140 Verkaufspunkte, in der Schweiz 50 und in Österreich 30. Die Masculin-Gruppe zählt zu den Kunden der Herrenkollektion; Lodenfrey, Bailly Diehl, Daniels, Gränicher und Ciolina arbeiten mit beiden Linien. Doch es gibt Potenzial für mehr. Während seit 2014 die Agentur Modalek für die Schweiz verantwortlich ist, wurde es jetzt Zeit für eine richtige Vertriebsstruktur in Deutschland und Österreich. Seit Mitte 2019 sind Borghetti & Bülow für die Märkte Österreich, Bayern und Baden-Württemberg sowie Ben Botas von Ben and für die übrigen Bundesländer Deutschlands für den selektiven Ausbau zuständig. „Das Wichtigste ist für mich, dass mein Vertriebspartner für unser einzigartiges Produkt brennt. Hier bin ich bei allen drei Partnern in besten Händen.“


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Weil Skifahren immer dann richtig gut ist, wenn Mensch und Skier perfekt harmonieren, hat Sigi Rumpfhuber mit Original + umgesetzt, was normalerweise nur Weltklasseskifahrern zugänglich ist: individuell auf sie abgestimmte Skier.

ORIGINAL +

MADE IN SKIVALLEY Die Skimarke Original + ist nicht nur eine Antithese zur Globalisierung, sondern auch ein Musterbeispiel dafür, dass Beschränkung Kreativität freisetzt. Zu hundert Prozent direct-to-customer stehen Sigi Rumpfhuber und sein Team für einen Paradigmenwechsel in der Skibranche.

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YPS, diese Abkürzung ist nicht nur der Name der GmbH hinter der Skimarke Original +, sie könnte auch Sigi Rumpfhubers Vita in Kürze erzählen: Take your Passion Seriously. Der gebürtige Österreicher ist passionierter Skifahrer. Nicht schwierig in einem Land, in dem alle auf den Brettern stehen? Genau, aber das Hauseck passionierter als die anderen. Auf die Kombination Skirennlauf und Wirtschaftsstudium folgten Entwicklerjobs bei Fischer, später machte er sich mit zwei ebenso großen Skienthusiasten auf, die Marke Kästle wiederzubeleben. Schon damals war er der Kopf, der den irrwitzigen Handelszyklen in der Skiindustrie den Kampf ansagte. Dem Skihändler bleiben nämlich mit klassisch organisierten Marken nur wenige Wochen, in denen sie den Ski zum Vollpreis verkaufen können. „Diese Branche hat sich selbst kaputtgemacht“, ist Sigi Rumpfhuber überzeugt. Nach dem Ausstieg aus Kästle arbeitete Sigi Rumpfhuber nach seinem TYPS Rezept. Er vollendete seine Ski- und Bergführerausbildung, stand viel am Schnee, baute für Marken wie G3 Produktlinien und Produktionen aus, gründete in Salzburg das Skiserviceunternehmen Kante Scharf. Aber einmal Entwickler, immer Entwickler. Die Lust auf den eigenen Ski ließ ihn nicht los und mündete in Original +, einer Skimarke die ausschließlich custom made Ski herstellt, die durch einen eigens entwickelte AI-gestützte Konfigurationssoftware namens Origo auf das Fahrverhalten des Kunden abgestimmt werden. „Wir setzen die Idee vom individuellen Ski konsequent um“, sagt Sigi Rumpfhuber. Dass diese Strategie ohne Zwischenhandel auskommen müsse, war ihm von vornherein klar. „Da geht es nicht in erster Linie

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um Marge, sondern darum, dass diese Kunden, die wir ansprechen, qualitativ und zwischenmenschlich das beste Beratungserlebnis wollen.“ GRÜN AUF WEISS

Sich seine eigens produzierten Skier bei Original + abzuholen, ist ein Weg, den viele gerne auf sich nehmen. „Ich bin ein sehr analytischer Typ, Original + in Salzburg zu beheimaten, hielte auch einer knallharten Bewertung stand. Alle Komponenten, die man für den Skibau braucht, kommen aus Betrieben die maximal 300 Kilometer rund um Salzburg liegen.“ Es dämmert das Wort Nachhaltigkeit, Sigi Rumpfhuber hat seine Antwort längst formuliert: „Das Ziel muss sein, in absehbarer Zeit einen klimapositiven Ski zu bauen.“ Grüngewaschene Marketingphrasen allerdings sind nicht Sigi Rumpfhubers Stil, lieber forscht er in Zusammenarbeit mit einer Universität, welche Stellschrauben denn nun den größten Effekt brächten. „Im Skibau gibt es einen gewissen Plafond an Qualität. Wenn das gegeben ist, liegt jede mögliche Verbesserung nur mehr in der individuellen Abstimmung. Genau so werden wir es mit der Nachhaltigkeit halten. Wir sind das einzige Unternehmen weltweit, das rein österreichische Eigentümerstrukturen hat und seine Ski in Österreich produziert, das alleine bringt schon ein hohes Niveau an Nachhaltigkeit. Jetzt gehen wir in die individuelle Abstimmung.“


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Straight to market war auch bei der Upcycling-Capsule das Motto, die im Dezember 2019 erstmals präsentiert wurde. 2020 sollen vier solche Capsules folgen, in der ausschließlich Stoffreste verarbeitet werden.

Andreas von der Heide setzt mit Les Deux zukünftig verstärkt auf Upcycling.

Heide und fügt hinzu: „Das richtige Team zusammenzustellen, war entscheidend, und neben der Suche nach den beruflichen Qualitäten waren die Einstellung und die Werte ausschlaggebend. Wir müssen Leute an Bord haben, die unsere Vision teilen und sich dafür einsetzen, sie umzusetzen.“ MOMENTAN IST RICHTIG

LES DEUX

DIE ZUKUNFT IST JETZT Angefangen hat alles mit 500 weißen T-Shirts. Als Andreas von der Heide die dänische Menswearmarke Les Deux mit einem Partner gründete, hatten beide keine Ahnung von der Modebranche – nur Begeisterung für die Materie und Neugierde. Sie hinterfragten die grundsätzlichen Regeln des Fashionbusiness und entschieden sich dafür, einige davon zu brechen – mit Erfolg.

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on Anfang an haben wir unseren eigenen Weg eingeschlagen und das Regime der Saisons außen vorgelassen. Zu Beginn gab es bei Les Deux keine Vororder, sondern ausschließlich straight to market. Wir haben dann verstanden, warum der Handel nach Saisons und Vororder verlangt. Dennoch bieten wir immer noch einen hohen Anteil unserer Kollektion für sofort an, weil wir überzeugt sind, dass das gerade der Fachhandel in der Omnichannel-Realität von heute braucht“, erklärt Les-Deux-Mitgünder Andreas von der

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„Wenn wir etwas großartig finden, dann soll der Konsument es auch sofort kaufen können, nicht erst in einem halben Jahr. Der Konsument ist für uns der Schlüssel zum Erfolg“, sagt der Däne. Das zeigt sich auch bei der ersten Upcycling-Capsule-Kollektion, die im Dezember vorgestellt wurde. Gefertigt wird sie aus Resten der Stofflieferanten und ist vorerst nur über die Website und im eigenen Shop in Frederiksberg erhältlich. Im kommenden Jahr soll es insgesamt vier Upcyling-Programme geben. Um die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit intensiv voranzutreiben, wurde mit dem CSR-Forum eine Strategie entwickelt, die nun Schritt für Schritt umgesetzt wird. Außerdem gibt es eine Kooperation mit der spanischen Marke Ecoalf, bei der ausschließlich recycelte Materialien zum Einsatz kommen. Im Kalenderjahr 2020 arbeiten die Dänen obendrein mit unterschiedlichen Wohltätigkeitsorganisationen zusammen. „Wir sind bestrebt, das Leben der Menschen zu verbessern und mit der Marke Les Deux eine bessere Zukunft zu schaffen. Das ist jetzt wichtiger denn je. Unser sozialer Einfluss ist von größter Bedeutung und wir legen großen Wert darauf, wie wir Geschäfte machen und dass alle Beteiligten ein Gefühl von Glück und Erfüllung haben. Es ist für uns wichtig, dass Les Deux dafür bekannt ist und sein wird, wofür wir stehen, und dass wir jeden Tag hart arbeiten, um ein Erbe zu hinterlassen, auf das wir stolz sein können“, sagt von der Heide stellvertretend für sein Team. In Deutschland und Österreich ist Deluxe Distribution als Generalagentur mit Unterstützung von der Agentur Wittmann in Düsseldorf, Masch Agency in München und Room with a view aus Salzburg für den Vertrieb zuständig. Die neue Kollektion ist auf der Premium in Berlin oder auf der Revolver in Kopenhagen zu sehen.


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Nicolas Bargi hat Nachhaltigkeit von der Stunde null an in seiner Marke verwurzelt. Die B Corp Zertifizierung ist der jüngste Meilenstein des Mailänder Unternehmens. Mit 95 von 100 Punkten schloss Save the Duck das Audit ab. Gereicht hätten 80 – doch bestimmt nicht für Nicolas Bargi.

SAVE THE DUCK

WENN DAS GUTE WÄCHST Schon seit Gründung hat die italienische Outdoormarke Save the Duck den Respekt vor Tieren und Umwelt zu ihrem Markenzeichen gemacht. Als erstes italienisches Modeunternehmen, das die strengen Auflagen der B Corp Zertifizierung erfüllt hat, stellen CEO Nicolas Bargi und sein Team die Weichen in eine Zukunft, in der der Umweltaspekt genauso wichtig genommen wird wie unternehmerischer Erfolg. Außerdem im Rucksack für 2020 sind zwei besondere Lineextensions, über die CEO Nicolas Bargi im Interview spricht.

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elche Ziele haben Sie mit Save the Duck Protech und Skyscraper? In Technologie zu investieren und zu forschen, hat uns auf den Mount Everest gebracht. Diese Basis, konstant weiterentwickelt, hat definiert, was wir uns von einer Jacke erwarten, die man in der Stadt trägt. Unser Ziel ist es, die Wahrnehmung unseres Produktes zu verbessern und in verschiedene Zielgruppen zu segmentieren. Das gilt insbesondere für die Kapselkollektion Skyscraper, die wir gemeinsam mit dem japanischen Designer Satoshi Yamane entwickelt haben. Sanfte Linien charakterisieren sie, die Inspiration sind Hochgebirge und Wälder. Eine deutlich modischer positionierte Linie, aber für jene, die High Performance suchen.

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Sollen beide Linien neue Zielgruppen ansprechen oder sind sie als zusätzliche Option für den bestehenden Kundenkreis gedacht? Protech adressiert den bestehenden Kunden und gibt ihm eine Möglichkeit, seinen Look mit einer technischen, aber minimalistischen Performancejacke für den Alltag zu verfeinern. Skyscraper wiederum hat die klare Absicht, eine neue Zielgruppe anzusprechen, die sehr Trend affin und von der wachsenden asiatischen Designcommunity beeinflusst ist. Trotzdem ist beides integraler Teil der Sicht von Save the Duck auf die Welt und die Natur. Wird es Unterschiede im Vertrieb, Marketing und Preis geben? Ja, die beschriebenen Positionierungen bringen auch einen neuen Blickwinkel auf Distribution und Positionierung mit sich. Wir streben nach dem Segment Affordable Luxury. Der Einsatz der neuesten Technologien bringt das auch mit sich, das ist immer eine Investition und die spiegelt sich im Preis wider. Wichtig ist, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis hervorragend ist, das ist gegeben. Sie haben einmal in einem Interview gesagt, dass Sport die Triebfeder aller Innovation in der urbanen Outerwear sei. Ist das auch der Grund, warum Sie ein bisschen mit dem Sport flirten? Das Projekt ist zweifelsfrei dazu da, uns an die Speerspitze der Innovation zu setzen. Aber das macht uns noch nicht zu einer Sportmarke. Unser Ansatz ist vielmehr, die Performance auf den Alltag zu übertragen, urbane Outerwear zu machen. Das Produkt ist noch nicht dazu gedacht, den Sportmarkt zu erobern. Auch wenn wir Save the Duck schon auf den Mount Everest, den K2 und andere Gipfel gebracht haben. Tier- und umweltfreundlich zu sein, dieser Markenkern spricht Outdoorfans bestimmt an. Abwegig wäre es also nicht. Das stimmt, aber aktuell ist Protech eine Lineextension unserer bestehenden Marke, die Natur ist immer Inspiration. Designs wie jene von Satoshi für die Kapselkollektion Skyscraper reflektieren die Natur, was wunderbar zur Marke passt.


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TIYO

„400 PROZENT MEHRVERKAUF UND HALB SO VIEL REDUZIERUNGEN“ Sein Spitzname müsste eigentlich Mike McQueen lauten, nach dem roten Rennwagen aus dem Disneyfilm Cars. Denn Speed ist auch Mike Mikkelborgs Passion. Mit der Software Tiyo helfen er und sein Team Marken, Vertikalen und Händlern dabei, ihren Einkauf zu präzisieren und richtig schnell zu werden. Vom Leben auf der modischen Überholspur erzählt der Unternehmer im Gespräch mit style in progress.

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ode zu entwerfen, zu vermarkten und dann zu erkennen, dass sie möglicherweise überhaupt nicht der Nachfrage der Kunden entspricht, ist ziemlich überholt, nicht wahr? Ich bin immer wieder verblüfft, dass es immer noch so viele Handelsformate und Marken gibt, die heute immer noch rein nach Gutdünken arbeiten. Wer sein Design- und Einkaufsteam nicht mit validen, zukunftsorientierten Nachfrageprognosen ausstattet, kämpft auf verlorenem Posten gegen jene, die das tun. Tiyo könnte man also als Technologie beschreiben, die das gängige Designprinzip auf den Kopf stellt? Ja, auf jeden Fall. Und das Tool ist so einfach zu bedienen, das ist kein Hexenwerk, bei dem Schulungen oder Integration nötig sind. Die Funktion Tiyo Fast Mover identifiziert zunächst, welche Produkte sich am schnellsten verkaufen. Damit hat man sowohl im Beschaffungsprozess als auch im Verkauf die Möglichkeit, darauf zu reagieren, indem man diesen Produkten dann auch wirklich Vorfahrt einräumt. Damit hat man schon gewonnen. Schnelldrehende Trendprodukte priorisieren, diese früher und besser als die Konkurrenz entwickeln und ausbauen. Alle Marken, die heute top performen, also kontinuierlich wachsen und einen hohen Stakeholder-Value aufweisen, differenzieren sich in zwei wichtigen Punkten vom Rest: Erstens, sie benutzen externe Verbraucherdaten und -analysen in der Entwicklung und Planung, was, wie viel und wo sie produzieren lassen. Bei Marken, die straucheln, ist das anders – die verwenden diese Daten in der Beschaffungskette viel zu spät oder sie verlassen sich zu stark auf interne historische Daten über Nachfrage und Abverkauf. Genau hier greift unsere quasi schlüsselfertige Lösung mit Tiyo, ein Tool, das schon in der Beschaffung und im Einkauf aus dieser Menge an komplexen Konsumentendaten ganz klare Handlungsanweisungen macht. Wir nennen das Precision Buying. Und der zweite Erfolgsfaktor? Ist Geschwindigkeit, und zwar der absolute und aggressive Wille nach einer Top-Performance, was Time-to-Consumer angeht. Die besten der Branche können in weniger als sechs bis acht Wochen ein Produkt auf den Markt bekommen. Die übliche Vorlaufzeit in der Branche beträgt aber mehr als 40 Wochen, was viel zu langsam ist, um im heutigen Wettbewerbsumfeld zu konkurrieren. Wir nennen diesen Teil von Tiyo Speed-to-Consumer, er soll unseren Nutzern diese Supermacht verleihen, das auch realisieren zu können. Es ist nämlich tatsächlich so simpel: Wenn du den künftigen Bedarf deines Kunden kennst und in der Lage bist, das schneller als dein Mitbewerb zu liefern, gewinnst du an 365 Tagen im Jahr.

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Mike Mikkelborg hat jahrelang im Einkauf für große Marken gearbeitet. Die alte Schule, das zu tun, war ihm immer ein Dorn im Auge. Aus den üblichen 40 Wochen Vorlaufzeit sechs bis acht zu machen und die produzierten Mengen viel besser zu prognostizieren, ist seine große Passion, die er in der Software Tiyo umsetzbar macht.

Was sind die Vorteile eines vorausschauenden und nachfragegesteuerten Modesystems? Die Vorteile liegen auf der Hand: Man weiß schon beim Auftrag oder Einkauf, wie viel man exakt davon braucht. Damit sinkt automatisch der Warenüberhang, den man reduzieren muss. Gleichzeitig wird man aber auch treffsicherer und kann sein Absatzpotenzial deutlich erhöhen. Wenn man immer genau das im Angebot hat, was der Markt will, dann wird man nicht nur öfter Neues verkaufen, man wird auch neue Kunden gewinnen. Aber wo bleibt in dieser Formel die Kreativität? Priorisieren, was man sicher verkauft, klingt für einen Designer oder Einkäufer nicht gerade spannend. Das ist natürlich richtig, aber Precision Buying beschränkt sich ja nicht nur darauf, eine schon bestehende Nachfrage zu bedienen. Im Gegenteil, aufgrund von Trendprognosen oder der exakten Beobachtung von Influencern und Konsumentenverhalten auf Social Media stellen wir auch Daten zur Verfügung, die vorhersagen, was künftig der Bedarf sein wird. Aber in viel kürzeren Zyklen. Wir schauen acht Wochen in die Zukunft, nicht wie es im alten Modell war, sechs Monate. Das ist einfach old school, und den Unternehmen, die immer noch auf diese Weise arbeiten, geht es auch nicht gut. Ok, jetzt will ich Zahlen. Was kann das Superding? Kunden, die unsere Prognosen mit dem Speed-to-Customer kombiniert haben, haben beachtliche Erfolge erzielt: Bis zu 400 Prozent Mehrverkauf und bis zu 50 Prozent weniger Ware, die in den Sale gehen musste. Wir sind begeistert, dass dieser Ansatz jetzt wirklich Fahrt aufnimmt. Eine steigende Anzahl von Händlern, Vertikalen und Marken verinnerlicht diese neue Art zu denken. Sie sagen damit der alten Komplexität den Kampf an und vertrauen stattdessen auf Analyse kombiniert mit schlagkräftigen Lead-Zeiten.


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LUPE PUERTA

„WIR SIND DIE STIMME DER KUNDEN“ Das ist mal Glamour: Lupe Puerta ist als Global Director of VIP Client Relations nicht nur mit den bedeutendsten Kunden von Net-a-Porter und Mr. Porter auf Du und Du, sondern auch mit den Menschen hinter den Marken des Onlineluxusgiganten. Ihre Rolle ist zweifelsfrei inspirierend für die Art und Weise, wie künftig Kundenbeziehungen dirigiert werden. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Net-a-Porter

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et-a-Porter und Mr. Porter nehmen ihre Kundenbeziehungen ernst. Gerade hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass zu den bestehenden 40 weitere 100 EIP Client Relations Manager hinzukommen würden. Was genau macht ein EIP Client Relations Manager und wie eng arbeitet er mit den, wie Sie sie nennen, Extremly Important People? Ich leite ein Team, das die Schnittstelle zwischen On- und Offline bildet. Wir erarbeiten die Strategien, was in verschiedenen Märkten Resonanz findet und welche verschiedenen Geschmackslevels wir ansprechen. Meine Aufgabe ist, das Client Relations und Personal Shopping Team dabei zu unterstützen, dass wir langfristige Beziehungen mit unseren Kunden aufbauen. Dabei bestimmen die Kunden die Art und Weise: Manche wollen einen saisonalen Termin, für andere ist es eine dauerhafte Konversation. In manchen Fällen entwickelt sich diese Beziehung und wird für unsere Kunden Teil ihres Alltags. Was macht Ihren Service so besonders? Wir bieten diesen Service jetzt schon lange und haben uns so das Vertrauen von langjährigen und loyalen Kunden erarbeitet. Die Personalisierung des Shoppingerlebnisses, die wir hinter den Kulissen vorantreiben, mit dem tatsächlichen Kontakt zu verbinden, da liegt viel Musik drin. Wir haben uns zum Beispiel zum Ziel gesetzt, dass unsere Personal Shopper die Hälfte ihrer Zeit an ihren Bildschirmen verbringen und die andere Hälfte draußen unterwegs sind – das haben wir geschafft. Das ist eine wichtige Balance. In der letzten Saison waren wir in Australien, Hongkong, Singapur, Japan, Italien, Deutschland, London, Madrid und in fast jedem Bundesstaat der USA: Wir stellen Leute mit viel Erfahrung ein, die Dienstleistung leben und Fachkenntnisse haben. Dieses Team gemeinsam mit Marken, die uns echte Partner sind und uns unglaublich unterstützen, macht es möglich, dass wir unseren Kunden

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die beste Auswahl internationaler Beauty-, Fashion- und Non-Fashion-Artikel offerieren können. In regelmäßigen Abständen ermöglichen wir, dass unsere Kunden die Designer persönlich kennen lernen. Die Menschen hinter einer Marke stehen im Zentrum unserer Überlegungen, weil wir wissen, dass unsere Kunden sie genauso lieben. Ob nun ein Designer persönliche Anproben anbietet oder auf Maß fertigt, es gibt nichts, was wir unseren Kunden nicht ermöglichen können. Welche Qualitäten müssen neue Mitarbeiter mitbringen? Wir haben immer unsere Kunden im Kopf, wenn wir jemand einstellen. Wir suchen Menschen, die Kunden verstehen, die den Verkaufsprozess in aller Tiefe beherrschen. Menschen, die Feingefühl für Luxus im Allgemeinen haben, nicht nur in der Mode, damit sie sich in den Lebensstil unserer Kunden einfühlen können. Jedes Fach- oder Spezialwissen, das sie mitbringen, ist für uns wertvoll. Und zu guter Letzt ist es in einem guten Team absolut wichtig, dass es Menschen sind, mit denen wir auch selbst gerne Zeit verbringen. Wenn das alles gegeben ist, wissen wir, dass diese Leute sich über ihren Tellerrand hinaus engagieren, dass sie für unsere Marken, aber vor allem für unsere Kunden brennen. Wo findet man solche Menschen? Client Relations sind etwas verhältnismäßig Neues und werden in jeder Branche anders interpretiert. Wir versuchen, Menschen zu finden, die die kommerzielle Seite unseres Business verstanden haben, denn dadurch profitieren auch unsere Kunden. Wir rekrutieren also Verkaufsmitarbeiter aus der On- und Offlinewelt, die wissen, wie man verkauft und wie großartiger Service funktioniert. Sie können aus allen möglichen Segmenten in der Luxusgüterindustrie kommen, die Erfahrung im Kundenkontakt ist wichtig. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Ihr Team über die Kunden von Net-a-Porter und Mr. Porter gewinnt, und wie helfen diese Erkenntnisse zum Beispiel Ihrem Einkaufsteam, die Treffsicherheit des Angebots zu steigern? Wir haben gerade einen Head of EIP Buying eingestellt. Für uns ist das Interdisziplinäre sehr wichtig. Seine Rolle ist einzigartig und soll garantieren, dass den Einkäufern all diese wertvolle Information, die unser Personal Shopping Team gesammelt hat, zur Verfügung steht – und umgekehrt. Mein Team ist die einzige Unit unseres Unternehmens, das unsere Kunden regelmäßig von Angesicht zu Angesicht trifft. Also eine extrem wichtige Informationsquelle im Unternehmen, für den Einkauf, den Service, selbst für Tech. Wir sind die Stimme der Kunden.


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„Es gibt nichts, was wir unseren Kunden nicht ermöglichen können.“ Lupe Puerta, Global Director VIP Client Relations Net-a-Porter und Mr. Porter

Die gebürtige Spanierin Lupe Puerta ist seit 2004 bei Net-a-Porter und Mr. Porter, den Bereich Client Relations hat sie aufgebaut. Ihrem Team gehört eine wachsende Zahl von persönlichen Einkaufsberatern an, die auf der ganzen Welt Kunden auf höchstem Service- und Exklusivitätslevel betreuen.

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„Es geht darum, die Menschen im Handel mitzunehmen und ihren Arbeitsalltag durch technische Features zu erleichtern“, sagt Clara Becker von Humino.

„MEHR SPASS BEI DER ARBEIT“ Als eigenständige Ausgründung des Modehauses Ramelow berät Humino stationäre Händler und Filialisten und unterstützt, den digitalen Wandel zu meistern. Was steckt dahinter? Clara Becker, Mitgründerin und Geschäftsführerin von Humino: Beratung für Innovation, digitalen Wandel oder digitale Transformation – das hört sich alles so technisch an. Bei Humino geht es darum, die Menschen im Handel mitzunehmen und ihren Arbeitsalltag durch technische Features zu erleichtern. Zum Beispiel Social Intranet, Social Media oder Apps, um direkt auf das Lager des Lieferanten zugreifen und so Kunden eine extreme Verfügbarkeit bieten zu können. Wie lassen sich soziale Medien besser für den Verkauf nutzen? Die Kommunikation mit Stammkunden läuft meist noch über traditionelle Wege ab. Über Kanäle wie Facebook, Youtube, Instagram oder Messenger wie Whatsapp lassen sich ganz andere Informationen und Emotionen transportieren, wenn man diese Kanäle als Bühne betrachtet. Beispielsweise kann eine Verkäuferin richtiggehend zum Star am Standort werden. Wie laufen die Beratung und Begleitung ab? Es geht viel um die Werte und Kultur der Organisation. Darauf bauen wir auf und erst dann lassen sich gemeinsam Lösungen und Tools entwickeln. Wir fragen immer: Was zahlt auf das Kerngeschäft ein und was hilft den Menschen am meisten? Im Endeffekt geht es darum, den Mitarbeitern die Arbeit mit mehr Spaß zu ermöglichen und Besucher zu Kunden zu machen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern definieren wir auch Regeln, wenn das Smartphone im Verkauf genutzt wird. 106

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„PERSÖNLICHKEIT GEPAART MIT SOFTWARE“ Wie macht Verkäufer sein Spaß? Melanie Dähler-Goldener, Geschäftsleitung Goldener: Indem wir uns ganz bewusst machen, dass man die Mode überall bekommt, aber uns und unsere Mitarbeiter nicht. Das Persönliche macht uns aus. Auch in der Kundenansprache? Gerade da. Wir achten sehr darauf, dass die Kunden von der Person beraten werden, die für sie passt und zu der sie Vertrauen haben. Jeder Kunde ist individuell, genau wie unsere Mitarbeiter. Dabei unterstützt uns die firmeneigene Software Subsidia, die mein Onkel Urs Goldener und mein Cousin Diego Goldener entwickelt haben – und die ebenfalls von anderen Modehäusern in der Schweiz genutzt wird. Inwieweit ist sie eine Hilfe? Über die Software kann jeder Mitarbeiter nicht nur den Zahlvorgang via Handy vornehmen, sondern auch auf die Warenwirtschaft und Verkaufshistorie der Kunden zugreifen. Was hat er wann von welcher Marke gekauft, welche Änderungen wurden am Kleidungsstück vorgenommen? Wir kennen innerhalb von Minuten die Lieblingsmarke, die bevorzugten Modelle des Kunden und können ihm so die Kleider in der richtigen Größe bringen. All diese Informationen sind für uns eine Riesenhilfe. Sie sparen nicht nur Zeit, sondern kommen der Verkaufsberatung zugute, da wir dem Kunden auf seine Historie bezogen Neues zeigen können. Und der Kunde fühlt sich verstanden und ernst genommen.

Melanie Dähler-Goldener ist in der Geschäftsleitung des Schweizer Modehauses Goldener, einem Familienunternehmen in vierter Generation.


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ORT DER FASZINATION – FÜR KUNDEN UND MITARBEITER Sport Schuster. „Wir verstehen die Aufgaben unserer Mitarbeiter auf der Fläche anders als noch vor einigen Jahren“, sagt Konstantin Rentrop von Sport Schuster in München. „Mitarbeiter müssen neben dem Verkauf heute unterschiedliche Rollen ausfüllen: authentischer Berater, guter Gastgeber, sympathischer Coach und charmanter Begeisterer. Es geht nicht nur um Zweckerfüllung, also den Verkauf, sondern darum, unseren Kunden eine gute Zeit in unserem Haus zu geben und als Ort der Faszination seine Berechtigung zu erfüllen.“ Für Sport Schuster bedeutet das, sich gemeinsam mit seinen Mitarbeitern schnell an verändertes Konsumentenverhalten anzupassen. Dazu gehört, diese bei Produkttests, Incentives oder Kundenaktivierungen aktiv einzubinden, wie beispielsweise beim Test einer neuen Kollektion von The North Face bei einer Begehung des Dachsteins. Nur so lassen sich nicht nur die Marken und Produkte, sondern auch die Kunden besser kennen lernen und damit eine stärkere, persönliche Bindung aufbauen. Zudem setzt das Sporthaus insbesondere auf Inszenierungen in Kooperation mit Lieferanten oder Partnern, wie beispielsweise mit dem Outdoorfoto-Kollektiv German Roamers oder der bergsportbegeisterten Community Munich Mountain Girls. Die aktuelle Kooperation mit dem Indoor-Cycling-Spezialisten Peloton besteht noch bis Februar 2020. Auf einer separaten Fläche lassen sich die Räder testen und auch der Hype rund um das digitale Sportprogramm erleben. Die Buchung einer Testsession erfolgt über ein Onlinetool von Peloton, die Bikes können nur direkt beim Hersteller bestellt werden. „Wichtig ist uns die Verbindung digital-to-store. Durch die digitale Buchung können wir bestehende Kunden aktivieren und neue Kunden ansprechen“, sagt Rentrop. „Generell nutzen wir solche Inszenierungen als Vehikel, um die Marke Sport Schuster zu kommunizieren, Frequenz für unser Haus zu generieren und uns vom reinen E-Commerce abzugrenzen.“

Bei Sport Schuster sind die Mitarbeiter authentische Berater, gute Gastgeber, sympathische Coaches und charmante Begeisterer – im Store ebenso wie bei Outdoor-Incentives mit Kunden.

„Wir glauben an die Faszination stationärer Handel“, sagt Sport Schusters E-Commerceund Marketingleiter Konstantin Rentrop.

DIGITAL ASSISTIERTES SHOPPINGERLEBNIS Bonprix. Im Februar 2019 eröffnete die Otto Group Tochter Bonprix ihren Fashion Connect Store in der Mönckebergstraße in Hamburgs bester Lage. Auf 600 Quadratmetern verbindet der Store stationäres Einkaufen mit digitalen Tools, geschickt werden klassische Pain Points des Einzelhandels mit technischen Innovationen ausgeglichen. Beispielsweise setzt Bonprix auf eine „One-Piece-Presentation“, um das Erscheinungsbild reduziert zu halten und Kundinnen Orientierung zu geben. Insgesamt steht jedoch ein äußerst umfangreiches Sortiment über den Onlineshop zur Verfügung. Zentrales Tool der Kundenreise stellt die eigene App dar, die Kundinnen während des gesamten Besuchs begleitet. Dennoch wird kompetentes Personal nicht überflüssig. „Die Digitalisierung spielt im Arbeitsalltag eine sehr große Rolle“, bestätigt eine Mitarbeiterin, die als Fashion Assistant und Visual-Merchandising-Expertin im Bonprix Store arbeitet. „Ohne Smartphone, die Bonprix App und viele weitere technische Raffinessen könnten wir unseren Kundinnen im Store gar nicht dieses einzigartige und komfortable Shoppingerlebnis bieten. Trotzdem ersetzt die Technik nicht die persönliche Komponente, beispielsweise wenn wir in Mode- oder anderen Fragen beraten. Tatsächlich erlaubt uns das neue Konzept, unseren Kundinnen viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen.“ 108

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Fast ein Jahr nach seiner Premiere zieht man bei Bonprix Bilanz: Die digitalen Tools des Fashion Connect Stores verschaffen den Mitarbeitern mehr Zeit für die Kundinnen.


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LO VE Marken denken um: Die Zeit der Ansagen: „Ich mach euch alle platt mit eigenem Retail.“ ist vorbei. Denn dass Größenwahn in Form von Flächenwahn reichlich ungesund sein kann, haben einige spektakuläre Firmenuntergänge bewiesen. Stattdessen machen sich leise und weise Monobrandkonzepte auf den Weg, ein echter Touchpoint zwischen Marke und Kunde zu werden. Markenstores mit Herz und Hirn, vorgestellt von style in progress. Text: Isabel Faiss, Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner

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Penn & Ink N.Y will keine anonymen Markentempel bauen, sondern Läden mit Herz. Deshalb wird das Interieur auch mal zur Seite gerückt und die Matten für die regelmäßig stattfindenden Yoga-Stunden ausgerollt.

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ie kann ein Händler für 40, 50 Marken brennen?“, fragt Mark de Lorme. Der holländische Unternehmer ist Gründer der Marke Penn & Ink N.Y und hat für diese in seinem Heimatland an wichtigen Orten auch eigene Läden eröffnet. „Nicht weil wir meinen, dass wir alles besser können. Sondern weil wir wissen, dass Kunden, die Loyalität und Liebe zu unserer Marke entwickelt haben, einen Ort suchen, an dem sie diese vertiefen können. Ich habe riesigen Respekt vor guten Händlern. Als Hersteller komme ich aber immer öfter an den Punkt, an dem ich mich frage: Haben Händler auch Respekt vor dem, was ihre Lieferanten tun?“ In den eigenen Läden in Holland rollt Penn & Ink N.Y seine ganze Kompetenz aus. Dazu gibt es Pflanzen, Düfte, schöne Trouvaillen – und reichlich Platz, der kreativ genutzt wird. Live-Performances oder Yoga-Stunden haben bei Penn & Ink N.Y genauso Platz wie Fremdmarken, die Lücken schließen. „Mit einer Handvoll Marken ist das Maß aber auch voll. Mit diesen kann ich bis in die Tiefe arbeiten, kann

mich für sie begeistern, kann beim Kunden langjährige Beziehungen aufbauen. So, wie es die Mehrheit der Endkunden auch tut. Viele kommen zwei, drei Jahre später wieder und wollen wieder einen Blazer dieser Marke, die ihnen so gut gefallen und gepasst hat. Sie dann enttäuscht nach Hause zu schicken, weil man den Lieferanten längst aus dem Sortiment geschmissen hat, halte ich für fahrlässig. Weil es ja auch sagt: Deine Wahl damals war nicht gut.“ Natürlich sei das umgekehrt eine riesige Aufgabe für Marken. „Es muss eine sehr stimmige Balance aus Beständigkeit und Überraschung geben. Das ist für jede Marke eine große Herausforderung und wir bei Penn & Ink N.Y nehmen sie sehr ernst. Aber gleichzeitig fällt es uns auch einfach, das zu tun, weil wir schon immer Lieblingsstücke kreieren wollten. Wenn man findet, dass style in progress

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The Future – Who?

Weber + Weber Sartoria zieht nach Wien: In einem versteckten Palais vereinen Christian und Manuel Weber das neue Headoffice und einen Store.

man den perfekten Blazer oder die perfekte Joggpants geschaffen hat, schmeißt man sie nicht eine Saison später wieder aus der Kollektion.“ AUF TUCHFÜHLUNG MIT DEM KUNDEN

Christian und Manuel Weber von Weber + Weber könnten sich eigentlich auf die Schultern klopfen: Mit den richtigen Partnern haben sie ihre Slow-Fashion-Linie in kurzer Zeit bei wichtigen Händlern in Zentraleuropa positioniert, um eine Frauenkollektion ergänzt und unter dem Titel Josef & Anna eine kernige, alpine Zusatzkollektion für den Alpenraum geschaffen. Alles eitel Wonne? Mitnichten. „Wenn sich im April die Anrufe von Händlern mehren, die Bermudas zurückschicken wollen, weil sie keine Drehung auf dem Produkt haben, könnte ich vom Glauben abfallen. Besonders, wenn wir in unserem Atelier in Vorarlberg noch im Schnee versinken“, erzählt Christian Weber. Wo Argumente nicht greifen, helfen nur radikale Lösungen. Für Weber + Weber ist das die totale Lossagung von allen Saisons. „Die Einzigen, auf die wir diesbezüglich hören wollen, sind unsere Endkunden. Unsere Stammkollektion ergänzen wir um kleine, jahreszeitlich abgestimmte Kapseln. Wir 112

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liefern Bermudas künftig dann, wenn Endkunden Lust auf Bermudas haben“, lacht Christian Weber. „Selbstverständlich ist der Modehandel eingeladen, dieses Modell mitzutragen. Wenn es für jemanden Grund ist, sich von Weber + Weber zu verabschieden, werden wir das akzeptieren. Wir müssen für unsere Marke Regie führen, es muss unser Skript sein, das wir verwirklichen.“ Dieses neue Drehbuch sieht für die Webers auch einen Ortswechsel vor. Mit Sack und Pack und Hund geht es nach Wien, wo im ersten Halbjahr 2020 auch ein Weber + Weber Atelier eröffnet wird. „Wo die Nähmaschine rattern wird und es jeden Freitag Kärntner Reindling geben wird“, freut sich Christian Weber. „Viele Events mit Handelskunden oder auch der persönliche Kontakt mit unseren Onlinekunden haben uns verstehen lassen, wie sehr unsere Fans in die Tiefe gehen wollen. Wir sind eine greifbare


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The Future – Who?

In jedem Floris van Bommel Store wird der Schuh zum Gestaltungselement: als Screen, in einem Spiegel oder als Relief in einer Decke, wie hier im Stuttgarter Store.

Marke und können zu jedem Knopf eine Geschichte erzählen – genau das wollen wir tun“, sagt Christian Weber. Ob dieses Konzept multiplizierbar sei? „Das weiß ich nicht, aber darum geht es ja auch nicht. Wir setzen diesen Schritt ja nicht, weil wir der nächste Gerry Weber werden wollen, sondern weil wir unsere Marke lieben.“ IM EINKLANG

Einfach ein Konzept zigmal multiplizieren funktioniert nicht, weiß Floris van Bommel, Creative Director und federführend für die Gestaltung der insgesamt zwölf Floris van Bommel Stores. Sicher, das Interieurdesign hat passend zur CI wiederkehrende Details, zum Beispiel der Schuh, der immer wieder als Gestaltungselement auftaucht. Doch immer ergänzt 114

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mit spielerischen Ideen, um dem jeweiligen Store eine eigene Identität zu geben. „Wir wollen nicht die übliche Distanz typischer Luxurybrand-Stores“, betont Floris van Bommel. „Statt großer Ernsthaftigkeit bevorzugen wir eine freundliche, offene Atmosphäre mit einem Augenzwinkern.“ Doch sind die Floris van Bommel Stores nicht nur Gesicht der Marke, sondern auch ein wesentlicher Berührungspunkt zum Kunden. „Hier bekommen wir viel direkter Informationen von ihnen; nochmal anders, als das bei unseren Multibrandhandelspartnern der Fall ist“, sagt Pepijn van Bommel, Commercial Director. „Von diesem Input profitieren wiederum unsere Handelspartner, weil wir ihnen von unseren Erfahrungen berichten können – und sie fließen in unsere Kollektionen mit ein.“ Von den drei Brüdern, die das niederländische Unternehmen leiten, ist Pepijn van Bommel am öftesten vor Ort. Kürzlich ist er mit dem Zug durch ganz Deutschland getourt und hat die fünf Stores besucht. „Obwohl wir als Marke ein einzigartiges Image repräsentieren, hören wir auch auf die verschiedenen Meinungen und Wünsche unserer Storemitarbeiter. Wir geben ihnen die Freiheit, den Store den lokalen Bedürfnissen anzupassen. Das muss jedoch in Einklang passieren, und ich bin sehr happy, dass das funktioniert.“


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The Future – Who?

Dondup hatte schon immer einen loyalen Fanclub unter den Händlern, die der Marke auch gerne Platz für Corners einräumen.

NEUE IMAGEOFFENSIVE

„Ein guter Imagestore ist für uns so wertvoll wie ein eigener Laden. Da ist das Commitment einfach enorm und wir können ein authentisches Bild unserer Marke abbilden“, sagt Monique Soeterboek von Dondup. Als Geschäftsführerin für Deutschland und International Sales Area Manager weiß sie um dieses enorme Potenzial, das es der Marke bislang ermöglichte, sich auch ohne eigene Stores im deutschsprachigen Markt zu etablieren. Denn Dondup hat sich von Stunde null an mit einzelnen Wholesalekunden einen extrem loyalen Fanclub um sich herum aufgebaut, der bis heute davon lebt, dass die Marke einen gewissen Insider-Status hat. Greift man wahllos in diesen Haufen hinein, ist es beispielsweise Ingrid Dörr aus Heilbronn mit einem eigenen Dondup Corner, die man als Referenzkunden herauszieht. Doch auf dieser Komfortebene möchte man sich bei Dondup nicht ausruhen. „Dondup hat viel Potenzial in Nordeuropa und speziell im deutschsprachigen Raum“, so Soeterboek. Momentan haben wir rund 100 Kunden für die Damenkollektion und rund 100 für die Herren. Während wir unsere Präsenz in einigen Regionen noch weiter ausbauen, müssen wir in anderen bereits anfangen, zu selektieren, auch hinsichtlich Online und Offline.“ 116

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Monique Soeterboek weiß auch, wie wichtig eigene Stores dafür sind, um die Marke in einer ungefilterten Sortimentsbreite und dem entsprechenden Imagerahmen darzustellen. Doch bislang gibt es nur einen einzigen Dondup Store in Mailand. Dazu Soeterboek: „Gerade hinsichtlich des Bekanntheitsgrades wären für uns eigene Stores an strategisch wertvollen Knotenpunkten wichtig, um auch unsere langjährigen Kunden im deutschsprachigen Markt mit einer pointierten Kommunikation zu unterstützen“. Dafür prophezeit sie einen bescheidenen Roll-out, nennt gleichzeitig aber auch eine Liste von Hausaufgaben, die Dondup zuvor noch erledigen muss. Soeterboek meint: „In der Produktsteuerung sind wir schon sehr weit, verbessern das Merchandisingkonzept und optimieren unser Timing.“


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The Future – Who?

MEINDL AUTHENTIC LUXURY

„DAS IST DOCH BITTE KEINE SAISONWARE“ Meindl Authentic Luxury ist stark verwurzelt. Die Meindls sind auf Platz 16 der ältesten Betriebe Deutschlands und wer Lederhose sagt, muss auch Meindl sagen. Der Stil, den Markus Meindl ins Unternehmen gebracht hat, braucht den Vergleich mit Modemarken nicht zu scheuen. In den Meindl Authentic Luxury Stores ist genau der Platz, diesen Beweis anzutreten. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Meindl

Markus, wobei helfen eigene Stores? Um aus einer Schublade herauszukommen. Unsere Händler haben eine bestimmte Idee, wofür sie unsere Produkte kaufen und in diesem Kontext bleibt man dann auch. Dass eine lange Meindl-Lederhose aber auch mit einem weißen Hemd und einem coolen Schuh extrem gut aussieht, dafür brauchen wir den eigenen Store. Wobei ihr in den Meindl Authentic Luxury Läden keineswegs ein Monoprogramm betreibt: Ihr mischt eure Produkte ganz bewusst mit anderen Labels. Genau, aus zwei Gründen: Zum einen habe ich vor diesen Firmen aufrichtigen Respekt, das sind meist ähnlich gelagerte Betriebe, denen Qualität und Ehrlichkeit ebenfalls ein großes Anliegen ist. Zum anderen, weil ich so die Möglichkeit habe, unseren Kunden zu zeigen, wie er ein Meindl-Ledersakko oder unsere Bikerjacke so stylen kann, dass er sie Tag für Tag tragen kann. Alle unsere Produkte sind genau dafür gemacht, über Jahre und Jahrzehnte häufig genutzt zu werden. Das ist, was ich unter Bekleidung verstehe. Was aber in krassem Gegensatz dazu steht, wie sich die Modebranche im Moment darstellt. Alles ist für den Moment, nicht für die Ewigkeit gemacht. Aber das ist doch ein völlig verzerrtes Bild und wenn man mal rausgeht, dann sieht man auch wieder, dass das weit nicht die Mehrheit ist, wie uns immer suggeriert wird. Wie viele Menschen gibt es denn, die sich wirklich entsprechend dem letzten Trend kleiden? Das sind ein paar Wenige, aber nach denen richtet sich eine gesamte Branche. Ich brauche doch einem unserer Sakkos, Jacken oder Hosen nicht den Stempel einer Saison aufdrücken und am Ende vielleicht noch nach ein paar Wochen reduzieren. Das ist doch bitte keine Saisonware! 118

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Er hat sich von seinen Wurzeln emanzipiert und ist wahrscheinlich gerade deshalb so verwurzelt: Markus Meindl hat sich mit seinen Meindl Authentic Luxury Stores den Spielraum geschaffen, seine Marke in neue Kontexte zu setzen.

Was rätst du dem Handel also? Einen Abschied von den Saisons? Ich möchte dem Handel gar keine Ratschläge ausrichten, weil ich das anmaßend finde. Die, die ihr Geschäft im Moment gut machen – und davon gibt es einige – machen das deshalb gut, weil sie Haltung haben. Und eben ein schönes Lederkleid lieber einmal ins Lager zurückhängen, ehe sie einen Rotpreis dranschreiben. Was macht Meindl mit Ware, die sich nicht verkauft? Bei uns wird nichts weggeschmissen, wir haben ja das große Glück, dass wir aus allem noch etwas Neues machen können. Wenn sich also mal wirklich etwas nicht verkauft, dann ändern wir es eben. So wie wir auch alles gerne reparieren oder umschneidern, was Kunden bringen. Und wenn es ein Stück aus den 1980er-Jahren oder der Landhauszeit ist, dann machen wir eben eine Tasche draus (lacht).


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The Future – Who?

ALBERTO

„DIE HOSE HAT MACHT“ Für Alberto ist der Seismograf des Marktes ganz klar der Kunde. Die eigenen Verkaufskanäle helfen, diesen besser zu verstehen. Marco Lanowy in einem Gespräch über Mode, Marke und Margen. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Alberto

Jede Saison eine neue Kollektion. Wann haben wir endlich den Mut, uns davon zu verabschieden, Marco? Bei Alberto haben wir den. Unsere neue Kampagne trägt den Titel Iconic Pants, damit meinen wir die ikonischen Hosen, die wir geschaffen haben und die oft sieben, acht, neun Jahre so zu kaufen sind. Die sind ja auch mit dem Claim Pants we love unterschrieben. Das ist kein Marketingspruch, das meinen wir ernst. Natürlich wird auch an unseren Ikonen immer modular gearbeitet, aber im Grunde ist es die gleiche Hose. Das wollen wir jetzt auch mit Selbstbewusstsein kommunizieren. Unsere Impulse Pants, so nennen wir die bewusst modischen Hosen, schaffen neue Kaufimpulse, halten aber trotzdem zwei bis drei Jahre ihre Modernität. Wie schützt man seine Produkte vor Entwertung? Indem man vielleicht aufhört, nur das ultimativ Neue anzupreisen? In unserem Store beispielsweise haben wir jungen Mitarbeitern die Gelegenheit gegeben, ihre Hose zu kreieren, aber nicht von null an zu entwerfen, sondern die bestehenden Modelle zu individualisieren und upzucyclen. Das hat unglaublich viel Kreativität freigesetzt und die Mitarbeiter sind stolz, wenn sie ihre Hose verkaufen. Ich glaube im schlauen Einsatz bestehender Ressourcen und Ware steckt viel Potenzial. Was sind die wichtigsten Schlüsse, die ihr aus eurem Store in Mönchengladbach zieht? Es ist ein Ort, an dem wir vor allem beobachten. Mit welcher Erwartungshaltung kommt der Kunde und wie können wir ein Wohlfühlen schaffen, dass er gerne kauft? Es geht darum, zu antizipieren, was der Kunde an diesem Tag will. Wir benutzen das Bild des Gastes, den man bei sich zu Hause empfängt. Da liegt einem ja auch viel daran, dass der sich wohlfühlt, aber man würde das nie als Service titulieren. In dieser Beobachtung fällt einem auch auf, dass Hose Macht hat. Die Wahl, welche Hose man trägt, beeinflusst so viele nachgelagerte Entscheidungen. Welche Schuhe oder Jacke man trägt, kommt oft erst nach der Wahl der Hose. Wofür plädierst du in der Zusammenarbeit mit Multibrandhändlern? Der Handel ist das Rückgrat und der Motor der Wirtschaft, ich glaube das muss man so deutlich auch mal sagen. Da steckt viel Verantwortung drin, Verantwortung, die wir als Marke gerne partnerschaftlich mit dem Handel ausfüllen wollen. Dazu braucht es viel Ehrlichkeit. Auf Händlerseite die Ehrlichkeit, sich bei jeder Marke zu 120

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Marco Lanowy von Alberto sagt über sich selbst, dass er gerne beobachte. Daraus ziehe er wichtige Schlüsse.

Iconic Pants nennt Alberto in seiner neuen Kampagne die Hosenmodelle, die über viele Jahre stark bleiben.

fragen: Wofür habe ich sie, was bringt sie mir in der Beziehung zu meinen Kunden? Sich auf weniger Lieferanten zu reduzieren, würde viele Ressourcen freisetzen oder sparen. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass jede E-Mail, die wir schreiben, auch Ressourcen bindet. In der Beziehung zwischen Händler und Marke halte ich betriebswirtschaftliche Ehrlichkeit miteinander für unumgänglich. Wir alle können die Kalkulationen nicht unendlich in die Höhe schrauben, weil noch höhere Kalkulationen für ständig nachbestellbare, saisonlose Icon Pants auch unehrlich dem Konsumenten gegenüber wären. Wenn wir heute aber als Unternehmen in Nachhaltigkeit investieren – und dass wir das tun, das ist für mich schlicht unternehmerische Selbstverständlichkeit –, wird jedes Produkt in der Herstellung teurer. Diesen geschätzten Euro pro Stück schlucken im Moment wir als Marke, aber irgendwann werden wir sicher mit dem Handel in Diskussion gehen, was sein Beitrag zur Nachhaltigkeit ist.


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The Future – Who?

STEINER1888

„AM ANFANG WAR DER STOFF“ Die Branche erfährt eine Rückbesinnung. Schneller, höher, weiter war einmal. Heute fordern Kunden Qualität und Storys. Steiner1888 investiert für die Charakterisierung der Marke in hochwertige Produkte. Inhaber Johannes Steiner über Loden als Basis, die das Profil des Unternehmens prägt. Interview: Stephan Huber. Text: Veronika Zangl. Fotos: Steiner1888

Johannes Steiner investiert kräftig in die Marke.

Bei Steiner1888 wird Loden immer Kernelement sein. Wie breit muss eine Kollektion sein? Wir können nicht alles abdecken, das ist auch nicht unser Ziel. Darum verzichten wir zum Beispiel bewusst auf Hemden, Blusen und Strick. Gleichzeitig entwickeln wir neue Qualitäten und setzen dafür auf den Input von außen, wie mit unserem neuen Designer Christian Weber. Gemeinsam zogen wir Bilanz und stellten fest, am Anfang war der Stoff. Darauf basiert unsere Neuausrichtung. Wir produzieren das Material ja selbst und konzentrieren uns jetzt auf Jacken, Outdoor wie Indoor. Der Lodenmantel für Damen und Herren ist absolut gefragt. Gleichzeitig bieten wir Neuheiten wie Leichtloden und Softloden. Nicht zu vergessen den Vintage-Loden. Wir bedienen die ganze Bandbreite und interpretieren klassische Modelle neu. Aktuelles Beispiel: ein Patchwork-Lodenmantel. Die Kollektion braucht hin und wieder etwas Ausgefallenes. Ein Schaufensterteil, stimmt. Aber das ist auch der Moment, wo der erfahrene Verkaufsleiter mit einer Limited Edition wirbt. Genau. Wir wollen Neues bieten. Deshalb gibt es neben ganz leichten Lodenqualitäten auch Caban-Typen. Wenn Kunden unsere Jacken probieren, sollen sie sich wohlfühlen. Dazu zählt auch die Optik. Steiner1888 verbindet Loden mit ganz besonderen Mustern und Farben. Aktuell sind beispielsweise Karo Dessins oder Modelle in Rot, Rost oder Blau. Einen grauen Loden hat inzwischen fast jeder im Schrank, aber einen rost-roten? Die ausgefallene Optik kombinieren wir mit besonderen Schnitten wie Kurzmantel oder Parka. Sehr hochwertig, aber schlicht verarbeitet. Kunden suchen diese Highlights, die wir gerne bieten. Jacken bedeutet vom Blazer bis zum Schladminger. Wo bleibt da die Hose, für die Steiner1888 bekannt ist? Bei Hosen liegt unsere Produktkompetenz. Wir setzen hierbei auf zwei Schnitte, einen schmäleren und einen etwas weiteren. Allerdings gibt es unterschiedliche Einsatzgebiete wie den Lodenstretch, den wir speziell 122

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Mit seiner neuen Kollektion bestreitet Steiner1888 den ersten Schritt zu einer viel klareren Profilierung und einem Trading-up.

dafür entwickelten. Gleichzeitig bieten wir Modelle mit einem etwas kernigeren Lodenthema. Hosen sind bei Steiner1888 immer präsent. Die neuen Höhepunkte für Konsumenten sind Storys. Welche bietet ihr? Wir entwickeln ein spezielles Mini-Booklet, das die Geschichte von Steiner1888 direkt am Produkt erzählt. Darin werden Stofftradition und Materialwissen kommuniziert. Der Kunde trifft die Kaufentscheidung vor Ort und den erreichen wir am besten mit authentischen Geschichten. Der Kunde taucht in die Welt von Steiner ein und wird von der Wertigkeit der Produkte überzeugt. Mit dem Ziel, dass er sagt: Das muss ich haben.


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T h e F u t u r e – W h e r e?

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THE FUTURE

WHERE? THE FUTURE

24/7-Verlockung, Auswahl und Angebot auf historischem Höchststand. Die Entscheidung wann und wie er kauft, trifft der Kunde autark wie nie. Seine neu gewonnene Unabhängigkeit ist des Händlers moderne Achillesferse. Neue Kanäle, andere Gewohnheiten – des einen Waterloo ist die historische Chance des anderen. Das Wann und das Wie sind die Arenen des Verdrängungskampfes – und dass diese immer häufiger zwischen alter und neuer Generation ausgetragen werden, darf niemanden verwundern. 124

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T h e F u t u r e – W h e r e?

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DAVID VS. GOLIATH? NEIN, NUR DIGITAL­ ÖKONOMIE

Es hat so romantisch begonnen, das Märchen des Internets. Alles und jeden verbinden, alles und jeden befähigen, alles und jeden Geschäfte machen lassen. Die Realität fällt weniger blumig aus: Aus viel bestaunten Unicorns sind marktbeherrschende Player geworden, die Spielregeln der Digitalökonomie heizen den Effekt der Machtkonzentration nur weiter an. llustration: stock.adobe.com – jamesbin

Vom Marktteilnehmer zum Marktplatz werden, ein Traum, der sich nur erfüllen lässt, wenn man die allerbesten Ressourcen mitbringt und bereit ist, sie nicht nur kontinuierlich zur Verfügung zu stellen, sondern sie auch im richtigen Moment zu skalieren. Doch auch wenn alle viel über Skalierung reden, ins menschliche Gehirn passt die exponentielle Geschäftsentwicklung wenig. Egal ob Einkauf, Verkauf oder Marketing, wer im E-Commerce scheitert, tut es meist, weil der Effekt der Skalierung nicht beherrschbar war. Das freut die, die genug Kapital haben, aussitzen zu können, bis der Skalierungseffekt auch ihr Handelsgeschäft profitabel macht. Ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, ist das allerdings nicht. Wer versteht, dass die Zeiten der Pioniere längst vorbei sind, versteht auch, wo der neue Zauber der Digitalwirtschaft liegt: in der Kooperation. Denn Digitalwirtschaft ist auch (oder vor allem?) Netzwerkwirtschaft.

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T h e F u t u r e – W h e r e?

ES BRAUCHT NICHT NUR KAPITAL, SONDERN AUCH KÖNNEN Stephan Dörner begleitet als Chefredakteur des Branchenmagazins t3n die Digitalwirtschaft seit ihren Anfängen. Im Gespräch mit style in progress spricht er über Plattformökonomie, Quasimonopolisten und warum Digitalisierung trotz aller Herausforderungen die Chance schlechthin bleibt. Interview: Martina Müllner-Seybold. Foto: t3n

Stephan Dörner ist als Chefredakteur von t3n so etwas wie Chefchronist der Digitalisierung. Im Gespräch mit style in progress erklärt er mit erfrischendem Außenblick, warum man abgefahrenen Zügen nicht hinterherlaufen sollte.

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T h e F u t u r e – W h e r e?

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ie Großen gewinnen, die kleinen sterben. Ist das die neue Realität im E-Commerce? Es ist eine generelle Tendenz, die ich in der Digitalwirtschaft beobachte. Die großen Plattformen gewinnen langfristig. Ausschlaggebend dafür ist der Netzwerkeffekt, alle Seiten profitieren, je größer das Netzwerk ist. Dementsprechend gibt es schnell einen Konsolidierungseffekt, sodass immer eine Plattform in einem Bereich übrigbleibt. Das ist natürlich problematisch, weil letztlich dieser Anbieter nicht mehr Marktteilnehmer ist, sondern plötzlich selbst der Markt. Er bestimmt die Bedingungen und nutzt diese Stellung – das kann sicher jeder Händler, der auf Amazon verkauft, bestätigen. Unsere Regierungen und unsere Legislative schauen zu. Das Kartellamt kümmert sich inbrünstig, wenn Karstadt und Galeria Kaufhof fusionieren, hat aber der Konzentration von Marktmacht bei Amazon nichts entgegenzusetzen? Das ist ein grundsätzliches Problem unserer aktuellen Wirtschaftsordnung und des Kartellrechts. Die Plattformökonomie braucht nicht unbedingt Übernahmen, um zum Quasimonopolisten zu werden. Amazon hat seine beherrschende Stellung in Deutschland ohne jede Übernahme etabliert, aber nur dann würde das Kartellrecht greifen. Was das Kartellrecht allerdings hergibt, ist, dass man gegen Machtmissbrauch vorgehen kann, wie es bei Google geschehen ist. Wenn es allerdings einfach nur ein Quasimonopol in einem Bereich gibt, das auf natürlichem Weg entstanden ist, gibt es dagegen kein kartellrechtliches Instrument. Weil das Kartell aus einer Zeit stammt, in der so was wie Software keine Rolle spielte. Kann man daraus eine Analogie auf den Handel ableiten? Braucht es auch im Handel Entscheider, die nicht mehr aus einer Zeit stammen, in der die neuen Regeln noch keine Rolle spielten? Ich glaube, es gibt durchaus Unternehmer, die nicht mit der Digitalisierung aufgewachsen sind und die Mechanismen der Digitalisierung dennoch verstanden haben und geschafft haben, Unternehmen zu transformieren. Ein Beispiel dafür ist Otto, die mit About You eine relativ starke E-Commerce-Marke aufgebaut haben, die bei einer jungen Zielgruppe gut funktioniert. Das Gegenbeispiel ist Neckermann. Reden wir über Fairness im Wettbewerb. Ein mittelgroßer E-Commercer mit Steuersitz in Deutschland auf der einen Seite, ein international verzweigtes Firmengeflecht mit reichlich Investorengeld und Quasimonopol auf der anderen Seite. Kann man diese teilweise irrwitzigen Wettbewerbsvorteile als David gegen Goliath überhaupt wettmachen? Das sind zwei verschiedene Dimensionen. Das eine ist die Steuer. Da ist es wirklich so, dass aktuell internationale Konzerne Spielraum in der Gestaltung haben. Da ist die EU aber schon dran und zum Beispiel Apple wurde zu Nachzahlungen verdonnert. Die zweite Dimension ist die Frage des Kapitals und da ist es tatsächlich so, dass in Kontinentaleuropa generell und mit Abstrichen auch in UK einfach deutlich weniger Kapital zur Verfügung gestellt wird, um Märkte zu erobern.

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In den USA ist das anders. Trotzdem gibt es Player wie Zalando, die sich mit ihrer deutschen und schwedischen Finanzierung am Markt sehr erfolgreich etabliert haben. Dieses Beispiel und genauso About You zeigen, dass es kein reines Kapitalspiel ist. Natürlich kann man sich mit ganz viel Kapital Marktanteile erkaufen, aber das ist nicht der einzige Erfolgsfaktor. Bleiben wir bei About You: Da wurde viel investiert, eine starke Marke aufzubauen. Natürlich spielt Geld dabei eine Rolle, aber es ist auch Können. Eine Marke richtig zu positionieren, ist keine Frage, die sich nur auf Geld reduzieren lässt. Was ist also die Konsequenz für jemanden, der keine Millionen Venture-Kapital in der Tasche hat? Hände weg vom E-Commerce? Kein Unternehmen kommt an Digitalisierung vorbei und es ergeben sich auch immer Chancen durch die Digitalisierung. Man muss nicht unbedingt einen eigenen Shop dafür gründen, man kann auch als Amazon-Marketplace-Händler Geld verdienen. Ich persönlich würde heute kein E-Commerce-Start-up mehr gründen. Die Früchte hängen einfach nicht mehr so tief wie in den Anfängen der Digitalisierung. Ein Großteil des E-Commerce-Wachstums, das wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren sehen werden, wird von Amazon und Co abgegriffen werden. Nun wäre die logische Konsequenz, dass man diesen Marktgegebenheiten nicht als einsamer Wolf, sondern im Rudel entgegentritt. Doch die Modebranche ist von Individualisten, die, egal auf welcher Ebene des Handels, immer gerne ihr eigenes Ding gemacht haben, getrieben. Ist dieses Einzelgängertum das Erste, was man auf dem Weg in eine digitalisierte Zukunft über Bord werfen sollte? Sind Plattformen wie Farfetch manchmal einfach die cleverere Lösung? Ja, das glaube ich durchaus. Diese neuen Allianzen gibt es auch in anderen Branchen. In der Autoindustrie wäre es vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen, dass die großen deutschen Hersteller zusammenarbeiten, aber sie tun es. Ich kenne mich jetzt in der Mode, ehrlich gesagt, wenig aus, aber ich glaube durchaus, dass es sinnvoll wäre, wenn auch hier Allianzen geschlossen würden, die bisher ungewöhnlich waren. Wobei ich damit nicht den Versuch meine, eine gemeinsame Plattform neben Amazon oder Zalando aufzubauen. Dieser Zug ist schon längst abgefahren. Trotzdem können Zusammenschlüsse helfen, den existierenden Plattformen nicht alle Macht abzugeben. Farfetch ist ein solches Beispiel, auch in anderen Preisgenres der Mode gibt es Versuche, alle E-Commerce-Aspekte zu bündeln, die für den Einzelnen zu investitionsintensiv sind. Selbst Zalando will lieber Plattform als Händler sein. Klar, alle wollen Plattform sein. Das ist das Traumziel jedes Digitalunternehmens, einfach nur die Marge abschöpfen und so viel Macht haben wie Amazon (lacht). Für mich als Außenstehenden ist es höchst erstaunlich, dass es nicht vor zehn, 15 Jahren eine Allianz der Hersteller gegeben hat. Die großen Modehersteller waren offensichtlich strategisch nicht so weitsichtig, diese Plattform selbst zu bauen. Aus ihrer Sicht wäre es strategisch die beste Option gewesen, eine Plattform wie Farfetch gemeinsam zu etablieren. Das wäre die kluge Antwort auf die Digitalisierung gewesen.

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MARC O’POLO

„KLARE DIFFERENZIERUNG SCHAFFEN“ Marc O’Polo forciert den internationalen Ausbau des Onlinegeschäfts. Über länderspezifische Shops und den englischsprachigen Shop sind die Kollektionen nun auch in Polen, Tschechien, Rumänien und Ungarn – insgesamt in 20 Ländern – erhältlich. Wie sich das Unternehmen im internationalen Wettbewerb hervorhebt, berichtet Vanessa Platz, Director E-Commerce bei den Stephanskirchnern. Interview: Stefanie Buchacher. Fotos: Marc O’Polo

„Das Members-Programm unterstützt die zunehmende internationale Kundenbindung“, sagt Vanessa Platz, Director E-Commerce bei Marc O’Polo.

Im Onlinebusiness gibt es einen harten Wettbewerb. Wie positioniert sich Marc O’Polo im Zusammenspiel von eigenem E-Commerce und Verkauf über Plattformen? Mehr denn je kommt es darauf an, Kunden dort zu treffen, wo sie sind. Deshalb ist das perfekte Zusammenspiel zwischen den eigenen Onlineshops und Plattformen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. In Ergänzung zu unseren Onlineshops bieten uns Plattformen den Zugang zu weiteren Kunden und neuen Absatzmöglichkeiten. Etablierte Plattformen unterstützen uns international bei der Erschließung neuer Märkte. Um als Marke langfristig erfolgreich zu sein, gilt es, die eigene Profitabilität auf Plattformen zu bewerten und entsprechend danach auszusteuern. Was ist wichtig, um sich im Markt hervorzuheben und ein eigenes Profil aufzubauen? Entscheidend ist es, eine für Kunden klar erkennbare Differenzierung zu schaffen und das heißt nicht über Rabatte. Das gelingt uns immer wieder sehr erfolgreich über verschiedenste Aktionen, wie zum Beispiel mit unserer Limited Edition „Black Fashion Week“ oder Online-Only-Kollektionen, die wir in unseren Onlineshops immer wieder anbieten. Wie schaffen Sie es, ihre Kunden zu aktivieren? Zentraler Bestandteil des Programms ist es, Bonuspunkte, die sogenannten Memberries, auf Basis der getätigten Umsätze, zu sammeln. Für diese 128

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Punkte erhalten die Kunden Einkaufsgutscheine, was wiederum ein Aktivierungsmechanismus für einen weiteren Kauf ist. Darüber hinaus gibt es Einladungen zu besonderen Events oder wir überraschen sie mit Special Gifts beim Einkaufen. Die Omnichannel-Services erleichtern den Einkauf kanalübergreifend online oder in einem stationären Store. Das Programm wird sehr gut angenommen und aktuell starten wir es international in den ersten sechs Ländern. Marc O’Polo setzt stark auf eine Expansion im Ausland. Worauf liegt der Fokus hinsichtlich der Verbindung Online und Offline und dem Kundenbindungsprogramm? Das Members-Programm mit seinen Omnichannel-Services wie Click & Collect, Reserve & Collect oder Instore-Bestellungen ist die Basis für die Verbindung der On- und Offlinewelt. Unser Fokus liegt in der konsequenten Weiterentwicklung dieser Services und dem internationalen Roll-out.


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MYCLASSICO.COM

„DER WETTBEWERB WAR IMMER VERZERRT“ Gegen übermächtige Onlinekonkurrenten, die für jeden Neukunden tief in die Tasche greifen, haben Lennart und Harald Heldmann von myclassico.com ihr ganz persönliches Rezept gefunden. Das da lautet: Radikal eigene Stärken forcieren und selbst Gott Google in Frage zu stellen. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: myclassico.com

Harald, du sagst, dass manche Mitbewerber bis zu 150 Euro Marketinggeld für jeden Neukunden investiert. Verzweifelt man an solchen Zahlen nicht? Harald Heldmann: Wenn ich Lust am Verzweifeln hätte, hätte ich mich nie in dieses wunderbare Metier bewegen dürfen. Der Wettbewerb war immer schon verzerrt. Früher haben große stationäre Mitbewerber versucht, alle Macht zu bündeln. Heute sind es eben Onlinemitbewerber, die das Geld ihrer Investoren in diese Art der Kundengewinnung stecken können. Ich bin kein Typ, der darüber klagt, ich überlege mir lieber, wie wir so wirtschaften können, dass unsere Marketingausgaben nachhaltig investiert sind. Lennart Heldmann: Das sind nun mal die Spielregeln im E-Commerce. Wir haben es rechtzeitig geschafft, myclassico.com individuell darzustellen, und uns einen Kundenstamm aufgebaut, mit dem wir arbeiten können. Wer selbst gute Beziehungen zu seinen Kunden pflegt, muss nicht in diese ruinöse Schlacht um Neukunden gehen. Harald Heldmann: Das stimmt. So viel Geld willst du als Kaufmann gar nicht verlieren, wie da in den Ring geschmissen wird. Den Anspruch, bei gefragten Keywords weit vorne in Google zu sein, habt ihr also schon lange abgelegt? Harald Heldmann: Genau, auf gewisse Keywords muss man einfach verzichten. Weil da an anderer Stelle ganz andere Dimensionen von Marketinggeld aufgefahren werden und weil Google selbst einen Teil 130

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„Mit den gleichen Inhalten, mit denen unsere Hersteller selbst werben, liefern wir den Kunden bestimmt keinen Grund, bei myclassico.com zu kaufen. Es ist wichtig, dass wir unsere Marken auf unsere Weise interpretieren“, sagt Lennart Heldmann.

des Ad-Biddings für seine Werbetreibenden übernommen hat. Die Spielregeln sind heute deutlich professionalisiert. Das alles führt dazu, dass wir uns eine übergeordnete Frage stellen. Die da lautet? Harald Heldmann: Ob die große Plattform Google für jemand wie uns überhaupt der richtige Ort ist, unser Marketinggeld auszugeben. Was hätten wir langfristig von Kunden, deren Aufmerksamkeit man nur über Preisvergleiche, Rabatte und Aktionen erhält? Lennart Heldmann: Nie war es wichtiger, als Händler ein eigenes Profil auszubilden, eine eigene Art und Weise zu haben. Wir müssen jene Kunden binden, die schätzen, was wir besonders gut können: Outfits zusammenstellen, unsere Art des Contents, unsere Auswahl. Nur durch Eigenständigkeit liefern wir unseren Kunden das Argument, dieses Teil bei uns zu kaufen.


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SMEC

„MAN MUSS RECHNEN KÖNNEN“ Jan Radanitschs Softwear-as-a-Service Unternehmen Smec beschäftigt 120 Mitarbeiter und verwaltet Google- und Onlinemarketingkampagnen für Kunden wie Engelhorn, Luisa Via Roma oder Limango. Das Prinzip der Smec AdEngine und der Predictive-Bid-Management Software Whoop! setzt auf Automatisierung und Synergieeffekte. Ein Gespräch über Erfolgsfaktoren im E-Commerce. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Smec

Jan, ihr habt schon zur Gründung 2007 einen entscheidenden Faktor im E-Commerce erkannt: Alleingänge sind nicht der richtige Weg. Eure Software lernt mit jedem Cent Werbebudget, wie man sie besser und gewinnbringender einsetzen kann und funktioniert umso effizienter, je mehr Firmen ihr im Onlinemarketing betreut. Eigentlich eine Win-win-Situation, trotzdem schwer zu vermitteln. Warum sind Skalierungs- und Plattformeffekte ein so spanisches Dorf? Menschen können lineares Wachstum sehr gut verstehen, exponentielles Wachstum aber bleibt unseren Gehirnen ein Rätsel. Das erklärt auch, warum Chancen im E-Commerce manchmal nicht ergriffen werden. Wir erleben durchaus, dass Kunden an dem Punkt, wo wir raten, alles Budget zu mobilisieren, um das exponentielle Wachstum, das zu erwarten steht, abzugreifen, zurückschrecken. Irrational, aber menschlich. Weil E-Commerce generell ein Angstthema für viele bleibt? Natürlich, weil die Professionalisierung im E-Commerce in den letzten zehn Jahren enorm war. Wer früh und richtig investiert hat, hat heute einen Vorsprung, der kaum aufzuholen ist. Diese Lernkurve nachzuholen, womöglich noch als Einzelkämpfer, halte ich für aussichtslos. Was nicht heißt, dass man sich dem digitalen Vertriebskanal verschließen darf. Es gibt gute Ansätze: Farfetch oder New Store sind tolle Enabler, die einem Händler das ganze Kopfzerbrechen des Backends ersparen. Bis zu 35 Prozent der Marge abzugeben, lässt Händlerherzen bluten. Man muss rechnen können. 35 Prozent sind, verglichen mit den Kosten, die ich in den Aufbau einer eigenen Lösung stecken muss, ein ziemlich gutes 132

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120 Menschen arbeiten bei Smec in Linz und London täglich mit zwei Software-as-a-Service Produkten. Diese garantieren E-Commerce-Kunden, dass sie ihre Budgets für Google Ads und Google Shopping optimal einsetzen. Jan Radanitsch hat Smec 2007 gegründet.

Angebot. Zumal es ja auch andere Faktoren gibt: Der Arbeitsmarkt im E-Commerce ist leergefegt. Die jungen, technisch versierten und begabten Mitarbeiter, die Sie bräuchten, um aus einem regional erfolgreichen stationären Modeladen den nächsten Zalando zu machen, sind selbst für etablierte E-Commerce-Player schwer zu finden und zu halten. Gretchenfrage: Lohnt das Investment in digitale Verkaufskanäle langfristig überhaupt? Aaaaah, mein Lieblingsargument: „Aber XY verdient auch noch kein Geld.“ Es gibt Profit. Und es gibt Cash. Und so lange genug Cash bereitsteht, muss kein Profit verdient werden. Da hat sich das Wirtschaften einfach radikal geändert und darauf muss man sich einstellen. Daher bin ich überzeugt: Der Weg in die Zukunft ist digital, egal ob riesiger Onlineshop oder die Boutique in der Straße nebenan. Vielleicht hat diese ja keinen Fokus auf E-Commerce, aber auf jeden Fall braucht sie eine klare Strategie, was Digitalisierung für sie bedeuten kann: Kundenansprache, Marketing, Verkauf jenseits des zufällig durch die Tür kommenden Kunden… Da ist so viel Potenzial!


January 25 – 27, 2020 Showroom Concept January 24 – 28, 2020

March 8 – 10, 2020

AREAL BÖHLER

AREAL BÖHLER DÜSSELDORF

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International, order-oriented trade shows for fashion, shoes and accessories with a mix of young and established brands based in Dusseldorf!


SO LÄUFT’S

T h e F u t u r e – W h e r e?

SUSANNE TIDE-FRATER

„MODE, WIE WIR SIE KENNEN, IST TOT“

Susanne Tide-Fraters Ruf als Visionärin eilt ihr voraus. Sie hat Selfridges und Harrods erneuert, Farfetch viele Jahre begleitet und Marken wie Victoria Beckham aufgebaut. Den Anbruch des digitalen Zeitalters sieht die Kreativstrategin mit großem Optimismus. Susanne Tide-Frater ist sich sicher: Die Mode verändert sich gerade grundlegend – zum Positiven. Interview: Martina Müllner-Seybold. Foto: Cris Fragkou

Um an der Spitze zu bleiben, hat sich Susanne Tide-Frater intensiv in den Aspekt der Digitalisierung des Handels eingearbeitet. Tiefgang ist in ihrer Vita Programm. Die international tätige Beraterin hat ursprünglich Archäologie studiert.

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T h e F u t u r e – W h e r e?

I

m Handel bleibt kein Stein auf dem anderen, insbesondere im Premium- und Luxussegment ist die Veränderung massiv. Wir sind gespannt, zu hören, wie Ihre Vision der Zukunft des Modehandels aussieht. Die Zukunft des Handels nenne ich channel-agnostic, also losgelöst von jedem Kanal. Sowohl stationäre Läden als auch Webshops werden die Eintrittskarte zu einem Markenerlebnis sein. Auf welchem Weg man dahin kommt, spielt keine Rolle. Es sind einfach die Türen zu dieser Welt. Technologie gepaart mit fantastischem persönlichen Service wird ermöglichen, dass sich jeder Kunde seinen eigenen Store kreieren kann, wo auch immer er will: zu Hause, unterwegs in einem Hotel oder sogar in einem Laden, der gar keinen Berührungspunkt mit der Marke hat. Die Kunden werden die Möglichkeit haben, sich ihren individuellen, persönlichen „Store for one“ zu zimmern. Bei Farfetch habe ich intensiv an diesem Thema gearbeitet, dort gibt es ja eine ganze Abteilung, die sich dem Store of the Future widmet. Die Regalverlängerung wird Realität, sodass man immer Zugang zum gesamten Produktkatalog eines Händlers oder einer Marke hat. Wir haben viel mit Produkterkennung experimentiert. Das bedeutet, dass ein Händler die Wunschliste der Kunden kennt, indem erfasst wird, was man erkannt oder von der Kleiderstange herunternimmt. Wardrobe Management, wie ich es nenne, wird es Händlern ermöglichen, ein Verzeichnis dessen zu erstellen, was man schon gekauft hat und was man sonst noch in der persönlichen Garderobe hat. Für und mit ihren Kunden werden sie daran arbeiten können. Dann gibt es noch die sogenannte Content Experience. Die Technologie bietet heute fantastische Möglichkeiten, das wird enorm beim Storytelling am PoS helfen, denken Sie nur an Virtual Reality! Die Technologie sehe ich als absolut hilfreich, aber ich bin überzeugt, dass der Human Touch den Unterschied macht. Ich sehe also eine sehr positive Zukunft für den Handel, auch wenn das Was und Wo komplett in den Händen des Konsumenten liegen werden. Was sind die drei großen Zukunftsthemen im Handel? Das Erste ist die Aufgabe der Kreislaufwirtschaft. Das zweite große Thema, das ich als ein völlig neues Geschäftsfeld für die Luxusindustrie sehe, nenne ich Serviceprodukte. Dienstleistungen, die als Produkt und in Zusammenhang mit Produkten angeboten werden. Ich sehe Serviceprodukte als eine wundervolle Ergänzung, die noch nicht entsprechend ausgeschöpft wird. Ich meine damit, ganz einfach erklärt, alles, was man nicht in eine Tüte packen kann. Das dritte große Thema, an dem ich arbeite, ist Persönlichkeit vs. Personalisierung. Man könnte das als Technologie und Daten vs. den menschlichen Faktor beschreiben – aber genau diese beiden Bereiche müssen zusammengeführt werden. Es geht darum, zwischen den beiden vermeintlichen Gegensätzen eine nahtlose Verbindung zu schaffen. Die Personalisierung basiert auf Daten und kennt daher die Historie eines Kunden, wohingegen der menschliche Faktor den Vorteil hat, auf die zukünftigen Wünsche der Kunden zu reagieren und die aktuelle Stimmung zu interpretieren. Daher sind Verkäufer in jedem vernünftigen Zukunftskonzept des Handels auch so wahnsinnig wichtig. Alles drei riesige Herausforderungen, aber unumgänglich, wenn man seine Zukunft im Modehandel sichern will. Wobei ich immer skeptischer werde, dass „Handel“ in Zukunft noch

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das richtige Wort ist. Denn, wie Sie vorher gesagt haben, es wird viel stärker darum gehen, einen persönlichen Zugang zu Marken zu bekommen und eine individuelle Wahl zu treffen. Diese Wahl kann auch eine temporäre sein, denn möglicher­ weise werden wir Mode nicht mehr besitzen. Ich kann absolut verstehen, warum diese Umwälzungen für Händler so bedrohlich wirken. Für jemand, der sein Leben lang mit Einkauf, Merchandising und Verkauf beschäftigt war, ist das eine riesige Veränderung. Ja, das ist wahr. Ich selbst habe mich nie als echte Händlerin gesehen. Ursprünglich bin ich ja Archäologin, was mich auch nach so vielen Jahren im Handel eher zu einer Beobachterin werden lassen hat, auch wenn ich ja eine ganze Weile bei Selfridges und Harrods war. Mir geht es immer darum, zu lernen. Ich bin eine Pionierin und ich bin risikobereit. Als ich Selfridges als Kreativdirektorin übernommen habe, war der Laden wirklich angestaubt. Genauso Pionierarbeit war es, für Simon Fuller die Marke Victoria Beckham aufzubauen, denn zu dieser Zeit war sie ein Ex-Spicegirl und niemand hätte ihr das zugetraut. Danach kam José Neves (der Gründer von Farfetch, Anm. der Redaktion) mit seiner Vision einer Plattform auf mich zu. Als wir damals zu acht in einem kleinen Raum in Ostlondon saßen, verstand ich schon viel von Handel und von Marken, aber mir war schlagartig bewusst, dass ich die digitale Welt verstehen lernen musste, wenn ich weiterhin führend bleiben wollte. Warum dieser Exkurs? Weil ich total verstehen kann, wie verdammt schwer es gerade für einen Händler sein muss. Aber am Ende ist es trotzdem ganz einfach, denn man kann zukünftige Chancen sehen und ergreifen, wenn man einfach nur seine Kunden beobachtet und dann vorherzusehen versucht, was sie oder er in Zukunft wollen, statt seinen Blick immer auf die Vergangenheit zu richten. Stimmt, es ist so erstaunlich: Modehändler sind so grandios darin, vorherzusehen, was die Menschen in Zukunft tragen wollen, aber nicht immer darin, wie die Menschen bevorzugt konsumieren wollen. Genau, aber die Zukunft des Mode- und Luxushandels wird nicht mehr von Trends bestimmt. Trends sind etwas grauenhaft Vorgestriges. Es geht um Verhalten. Ganz egal, wie schnell heute alles läuft, dieses Prinzip hat immer Gültigkeit. Das ist so spannend: In einem Interview mit style in progress hat Martin Lindstorm die Empfehlung ausgesprochen, jeder Ladeninhaber möge zwei Stunden pro Woche mit einem zufällig ausgewählten Kunden verbringen. Nicht seinem Lieblingskunden, sondern irgendeinem. Ich bin überzeugt, dass einen das direkt auf den Pfad des Wandels leitet. Ja, das glaube ich auch. Als wir Browns East konzipiert haben – einen wirklich sehr besonderen Laden, der voller Ideen steckt – haben wir unsere Visionen in ganz konkrete Customer Journeys übersetzt. Eine für den Laufkunden, der zufällig vorbeiläuft, etwas Interessantes sieht und hineingeht. Aber wir haben auch eine für den VIP-Kunden entworfen, der die Marke Browns natürlich schon viel besser kennt. Ganz essenziell bei der ersten Customer Journey ist, dass unsere Verkäufer nicht die primäre Rolle haben, diesem Kunden gleich was anzudrehen, sondern dass sie erst mal herausfinden sollen, warum dieser Mensch hereingekommen ist und wer dieser Mensch überhaupt ist. Natürlich nicht übergriffig, sondern in einem lockeren Austausch, damit der Verkäufer versteht, welche Bedürfnisse dieser Kunde gerade hat. Er kann gekommen sein, um etwas konkretes zu kaufen, oder aber er will das Angebot besser kennen lernen. Das Stellen dieser Fragen hat wirklich erstaunliche Ergebnisse erzielt. Die Kunden sind in diesem neuen Zeitalter des Handels die Mächtigen, richtig? Ja, sie haben die Macht. Die Konsumenten und die Communitys, mit denen sie sich umgeben, entscheiden über Erfolg und Misserfolg einer Marke. Denn sie kaufen ja nicht nur für sich selbst. Sie sprechen über ihren Kauf, sie unterstützen Marken und sie style in progress

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T h e F u t u r e – W h e r e?

„Die Zukunft des Mode- und Luxushandels wird nicht mehr von Trends bestimmt. Trends sind etwas grauenhaft Vorgestriges. Es geht um Verhalten.“

sorgen auf Social Media mit ihren Likes und Shares für Reichweite. Dieser virale Buzz kann Marken unglaublich schnell erfolgreich werden lassen. Dann muss man die Rolle des Verkäufers im Handel überdenken. Denn wie soll eine Aushilfskraft diese Ansprüche erfüllen? Heute ist ja der Beruf des Verkäufers wenig attraktiv, aber vielleicht ist es ja die Kombination mit Tech und neuen Medien, die ihn wandeln wird. Was Verkäufer mitbringen, ist unglaublich wertvoll. Wir haben das miterlebt, als Farfetch Browns gekauft hat. Es gibt zwei Typen von Verkäufern: Die Millennials mit all ihrem Tech-Verständnis und die, die ihre Kontakte noch immer in einem kleinen schwarzen Buch sammeln. Wenn diese beiden Typen voneinander lernen, was sie noch nicht können, werden sie unschlagbar. Nochmal: Handel ohne Menschen ist undenkbar. Das wollen uns zwar Supermarktketten wie Sainsburys mit ihren Selbstbedienungskassen und ohne Menschen, mit denen man sprechen kann, glauben machen. Aber das ist so langweilig, so seelenlos. Es ist furchtbar. Browns hat sein „Nomad Concept“ nach Berlin gebracht, eine Strategie, an der Sie entscheidend mitgewirkt haben. Es gab diese Pop-ups schon in Los Angeles und jetzt eben Berlin. Ist es nicht interessant, dass selbst eine international bekannte Marke wie Browns physisch werden muss, um eine langfristige Beziehung mit seinen Kunden aufzubauen? Ja, denn es geht um Fühlen, Spontanität und die Bühne, die Handel nun mal ist. Allerdings arbeite ich schon wieder an der virtuellen Dimension, die so eine physische Präsenz haben könnte. Ich beschäftige mich damit, wie wir einen Kunden in Stockholm an dem Storeevent in Berlin teilhaben lassen können. Das hat noch niemand überzeugend gelöst – und gerade deshalb ist es für mich ein so interessanter Weg in die Zukunft. Lassen Sie uns über die Kreislaufwirtschaft reden. Wird die Mode das schaffen? Teile der Modeindustrie sicher. Wir stehen gerade an einer Weggabelung: Nachhaltigkeit fast schon als Trend zu verstehen, wie es gerade viele machen, wird nicht genug sein, um die jüngeren Konsumentengenerationen zufrieden zu stellen. Die können jeden Fake riechen. Ich arbeite ja mit einigen Marken und jungen Designern und bei allen ist Nachhaltigkeit das Thema schlechthin, aber nur wenige Firmen haben Nachhaltigkeit wirklich in ihrer DNA. Für mich geht es um einen grundlegenden Wandel in der Herangehensweise und dieser muss schon beim Ursprung des Modesystems beginnen. Nachhaltigkeit muss in einer Firma auf allen Ebenen gelebt werden. Sie muss selbst Personalentscheidungen oder die Firmenkultur umfassen. Nachhaltigkeit ist unsere Chance, grundlegend über Margen oder Systemfehler wie – wie nennt ihr es, Schlussverkauf – nachzudenken. Dieser Dauersale. Entscheidend ist, dass wir endlich aufhören, das Neue so zu feiern. Ich bin begeistert, dass Sie das sagen, denn in der Abhängigkeit von der Droge Newness sind wir alle mitschuldig. Im Deutschen ist es insbesondere schwierig, es gibt nämlich nicht einmal ein Wort für das, was man behält, weil man es liebt und weil es immer noch gut ist. Das ist richtig und daher glaube ich auch, dass es in Zukunft vor allem um das gut Gemachte und Langfristige geht, darum, mehr auszugeben, aber seltener. Produkte von wirklich nachhal136

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tigen Marken brauchen ihre Zeit, um hergestellt zu werden und sie werden teuer sein müssen. Gerade die jungen Konsumenten werden von Mode auf Bekleidung umschwenken. Mode wird vielleicht sogar wirklich uncool. Da hört man wieder, dass ich eine unverbesserliche Optimistin bin. Eine große Chance für neue Kreativität in den richtigen Händen! Muss man also das Geschäftsmodell des möglichst hochfrequenten Verkaufens von neuen Sachen in seiner Gesamtheit in Frage stellen? Ja, auf allen Ebenen, nicht nur der ökologischen. Es macht einfach keinen Sinn, dass Designer gezwungen sind, sechs bis acht Kollektionen in einer Saison zu entwerfen. Ich beobachte das bei einigen jungen britischen Designern, die in dieses System hineingezogen werden. Sie schlafen nicht mehr, sie verdienen nichts. Sie sind nur damit beschäftigt, das Monster zu füttern. Das nimmt der Mode jeglichen Spaßfaktor. Und es lässt Mode so belanglos werden, denn es gibt nichts mehr, auf das man sich freuen kann, es gibt keinen Grund, eine besondere Anschaffung zu planen. Und einmal gekauft, hat man gar keine Zeit, sich an seiner Garderobe zu erfreuen, denn die nächste Saison ist schon da. Dieses System wird sich ganz grundlegend wandeln müssen. Es gibt schon viele spannende Businessansätze für Verleih oder Kleidertausch. Ich glaube, wir gehen mehr in die Richtung einer neuen Art der Tupperwear-Party, bei der man seine Kleidung mit Freunden oder professionellen Organisatoren tauscht. Diese Modelle werden den Spaß in die Mode zurückbringen. Ja, Mode muss auch wieder Spaß machen und das wird für Händler und Marken die Zauberformel sein. Ein Chanel-Kunde, der seine Tasche vor einem Jahr gekauft hat, ist ja noch immer stolz darauf. Aber für Chanel ist er erst wieder ein guter Kunde, wenn er die nächste kauft. Zwischen den beiden Käufen wird er von seiner heißgeliebten Marke ignoriert und das ist eigentlich fahrlässig. Ein bisschen mehr After-SalesCare wäre gut, oder? Da stimme ich absolut zu, Martina. Das ist ein wichtiger Teil dessen, was ich Service-Produkte nenne. Warum kann es nicht einen Handtaschen-Reparaturservice oder Schuhputzservice geben? Ich weiß nicht, ob Sie vom Adidas Store in London gehört haben oder ihn besucht haben? Der wurde übrigens vom gleichen Architekten wie Browns gemacht. Mich fasziniert, dass es dort einen „Pimp my Sneaker“ Service gibt. Natürlich heißt das irgendwie cooler, aber das Prinzip ist wie folgt: Du bringst deine vielgeliebten Sneaker in eine Art Waschstraße. Die Oberfläche und die Sohlen werden geputzt und im Bedarfsfall repariert. Ich war dort letzte Woche gemeinsam mit Holli Rogers (CEO von Browns und Member of the Board bei Farfetch) und wir fanden es ausgezeichnet. Natürlich will Adidas, dass du dir neue Turnschuhe kaufst, aber sie ermutigen dich auch dazu, dass du liebst, was du schon besitzt. Darum geht es auch beim Wardrobe Management. Denk an Hermès-Taschen, natürlich ein besonders exklusives Beispiel, aber diese Werthaltigkeit kann man auf fast jede Lederwarenmarke anwenden. Denn alle setzen auf Qualität und eine Tasche ist etwas, das man mal an seine Tochter oder Nichte weitergeben will. Das ist Nachhaltigkeit pur und Marken müssen ihre Kunden animieren, solche Kaufentscheidungen zu treffen, Produkte für ein ganzes Leben. Die Modeindustrie muss jetzt verdammt aufpassen, dass sie Nachhaltigkeit nicht als Trend ausschlachtet und diese guten Gedanken damit umbringt. Denn das, da bin ich mir sicher, wäre der Todesstoß für jeglichen Konsum. Dann würde die junge Generation sagen: Nicht mehr mit uns! Anzeichen dafür gibt es schon, während der Fashionweek hatten wir hier in London große Proteste unter dem Motto „Fashion is dead“. Und ich gebe ihnen sogar recht: Mode, wie wir sie kennen, ist tot. Nicht die Mode selbst, sondern die Idee, dass Mode immer neu sein muss. Das ist definitiv tot. Herzlichen Dank, jetzt habe ich auch noch eine großartige Headline für dieses wunderbare Interview!


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#INSPIRATIONAL #SHOPPING

Wie kein anderes soziales Netzwerk ermöglicht Instagram, Produkte eingebettet in Lebenssituationen zu präsentieren, mit Followern zu interagieren und deren Kauflust zu steigern. Mithilfe des Shopping-Features lässt sich dabei die komplette Customer Journey ab­ bilden – von der Inspiration bis zum Kauf. Die eine ultimative, absatzsteigernde Strategie gibt es nicht, dafür genügend Spielraum und unterschiedlichste Erfolgsgeschichten. style in progress verrät Basics, Hacks und Best Practices. Text: Stefanie Buchacher, Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner

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eltweit nutzen eine Milliarde Menschen Instagram, monatlich werden 130 Millionen Storys gesehen. Auf Platz eins der häufigsten Themen regiert das Thema Mode mit den meistgenutzten Hashtags #style oder #ootd. Authentische Inhalte werden mit der Aufmerksamkeit einer leidenschaftlichen Community belohnt. Neben der Steigerung der Bekanntheit lassen sich auch die Umsätze – online wie stationär – ankurbeln. Jeder fünfte Deutsche hat bereits von Influencern beworbene Produkte gekauft.

BASICS

Neben dem Feed steht Instagram Shopping für Storys und für den Bereich Explore zur Verfügung. Die Voraussetzung für Instagram Shopping: ein Business Account, ein gepflegter Produktkatalog auf Facebook und die Aktivierung des Shopping-Features. Pro Beitrag mit Bild lassen sich fünf Produkte oder in Beiträgen mit mehreren Bildern bis zu 20 Produkte markieren – automatisch kann aus dem verknüpften Facebook-Produktkatalog ausgewählt werden. Nachdem die Produkte markiert sind und der Beitrag geteilt ist, erscheint auf dem Bild das typische Einkaufstaschensymbol in der rechten oberen Ecke.

HACKS

Instagram ist nach wie vor ein Ort, an dem Menschen Inspiration suchen und finden – genauso wie Nähe und der Austausch mit Menschen und Unternehmen. Deswegen gilt: Authentische Einblicke geben

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und Mehrwert bieten und die Produktmarkierungen geschickt platzieren – ob in Form von persönlichen (Inhaber-)Geschichten oder Informationen zu Produkten. FOKUS

Ein gut gewählter Fokus, der Nische und Branding definiert, hilft dabei, den Auftritt konsequent und wiedererkennbar zu gestalten und Follower zu gewinnen. Die Nische berücksichtigt dabei die Zielgruppe und deren Interessen. Wiederkehrende Elemente, gleiche Farben und eine einheitliche Stimmung tragen zu einem erfolgreichen Branding bei. Wichtige Frage, um die Nische gezielt zu finden: Was ist das Besondere an meinem Angebot? UNIQUE CONTENT

Als visuelle Plattform lebt Instagram über hochwertige Bilder und Videos, sowie unverwechselbare Botschaften. Wichtige Frage, um relevanten Content zu kreieren: Womit identifiziert sich meine Zielgruppe? HASHTAGS

Über Hashtags kann eine größere Zielgruppe angesprochen werden. Wichtige Fragen, um reichweitenstarke wie auch spezifische Hashtags herauszufinden: Welches Produkt ist zu sehen? Was ist das Alleinstellungsmerkmal? Lässt sich das Produkt einem bestimmten Trend oder einer bestimmten Saison zuordnen?


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SO LÄUFT’S

LOHNT SICH TROTZ HOHER RETOURE

„Unser Feed hat ein klares Konzept: neun Bilder an einer möglichst überraschenden Location. Das gibt ein schönes Erscheinungsbild und ist eher ein Website-Ersatz. In den Storys, die spontan und persönlicher sind, geht es um neu eingetroffene Produkte. Im Schnitt haben wir hier 3.000 Viewer. Je nach Inhalt der Story klingelt das Telefon Sturm. Die meisten Kunden bestellen telefonisch oder über unseren Farfetch-Shop, unsere Stammkunden kommen vorbei. Wie bei jedem Fernabsatz ist die Retourenquote recht hoch, etwa 50 Prozent. Da wir meist komplette Outfits verschicken, lohnt es sich trotzdem.“ Kerstin Goerling, Geschäftsführerin Hayashi in Frankfurt am Main – 27.000 Abonnenten

MODE IST EIN EMOTIONALES ERLEBNIS

„Ich sehe Instagram mehr als Inspirations- denn als Verkaufskanal. Begeisterung beim Kunden zu wecken, ist der einzige Weg, um sich im Wettbewerb mit all den Onlinern zu behaupten. Wir leben in einer Blase von Menschen, die alles haben und satt sind. Produkte gibt es überall. Einkaufen ist aber ein emotionales Erlebnis. Über Instagram binden wir unsere Kundinnen direkt ein und informieren, was gerade neu im Store ist. Unseren Posts merkt man an, dass viel Herzblut drinsteckt. Im Schnitt bekommen wir bis zu 300 Likes, Storys werden ungefähr dreimal so viel angesehen – und darauf hin kommen unsere Kundinnen vorbei, um die Mode im Store zu erleben.“ Nicole Mohrmann, Geschäftsführerin Nicole Mohrmann in München – 7.600 Abonnenten

VERLINKT

„Seit einem Jahr habe ich auch einen Onlineshop, der über Instagram Shopping verlinkt super funktioniert. Wer auf die jeweilige Verlinkung klickt, wird weitergeleitet, zahlt per Paypal und bekommt seinen Einkauf zugeschickt. So erwirtschaften sich 90 Prozent meiner Onlineumsätze. Was ich auf Social Media promote, verkauft sich nahezu zu 100 Prozent. Ich merke täglich, dass User Generated Content, besonders die Story Postings, sehr gut funktioniert, was sich ebenso positiv auf die Frequenz im Geschäft auswirkt.“ Esther Laut, Inhaberin Minette, Karlsruhe – 11.100 Abonnenten

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T h e F u t u r e – W h e r e?

INSZENIERUNG X ENTERTAINMENT

„Wir möchten unsere Produkte in Szene setzen und bewerben, aber auch entertaining sein und uns selbst zeigen. Im Feed geht es sehr stark um Inszenierung. Neben Productporn posten wir auch Themen, die unsere Zielgruppe aus Sneaker- und Streetwear-Enthusiasten abseits des Turnschuhs interessiert. In der Story sind wir spontaner und nahbarer. Manche Posts treten Diskussionen mit mehreren hundert Kommentaren los, bei Storys schreiben wir oft 50 bis 100 Antworten. Wir haben einen spürbaren, direkten Abverkauf, gerade bei den heißen Objekten muss man zuschlagen, bevor es zu spät ist. Die Retourenquote liegt zwischen fünf und 25 Prozent.“ Daniel Benz, Geschäfts­ führer Asphaltgold in Darmstadt – 426.000 Abonnenten

CROSS-SELLING

„Wir präsentieren uns jede Woche im Outfit auf Instagram und achten auf unterschiedliche Hashtags. Wir zeigen, wie man etwas kombinieren kann, die Schlangenleggings zum NA-KD-Pulli oder zur Longbluse von Tom Tailor. Die Teile werden zu 90 Prozent innerhalb von drei Tagen gekauft, meist mit Paypal oder Kreditkarte bezahlt. Vier von sechs Kunden kommen zur Anprobe lieber selbst. Manchmal kaufen sie etwas ganz anderes, hier funktioniert Cross-Selling wunderbar. Wobei sich die weiblichen Kunden am ehesten verführen lassen, gefolgt von Kids und dann erst von den Herren.“ Isabell Schwarz, Geschäftsleiterin Glücks­ geschwister in Bebra – 1.000 Abonnenten 140

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NUR ZWEI PROZENT RETOUREN

„Meine Insta-Storys sehen sich täglich 6.500 Leute an, was uns eine große Reichweite beschert. Zur letzten Fashionnight, die wir live auf Instagram übertragen haben, mussten wir wegen Überfüllung 100 Leute nach Hause schicken. Nach jedem Post erhalte ich bis zu 400 Nachrichten mit Fragen, die ich ausführlich beantworte. Nach Vorkasse via Paypal wird verschickt. Was gepostet wird, verkauft sich zu 100 Prozent, bei einer Retourenquote von nur zwei Prozent, was sicher an der intensiven Beratung liegt. Der verkaufsstärkste Tag? Sonntag, mit bis zu 80 Bestellungen.“ Melanie Allebrod, Geschäftsführerin Trags mit Fassung in Olpe – 11.500 Abonnenten


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2020

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T h e F u t u r e – W h e r e?

PREMIUM X JOOR

DIGITALE EFFIZIENZ

Durch die strategische Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Wholesale-Netzwerk Joor hat die Premium nun auch eine Digitale B2B-Plattform im Portfolio. style in progress wollte im Gespräch mit Despina Malakov von Joor und Jörg Arntz von Premium und Seek wissen, wie das Ökosystem aus Messe und B2B-Plattform bestmöglich funktionieren kann und welche Vorteile das für den Groß- und Einzelhandel mit sich bringt. Interview: Kay Alexander Plonka. Fotos: Joor, Premium Group

Jörg Arntz, Managing Director der Premium Group, und Despina Malakov, Account Executive D-A-CH von Joor, sorgen gemeinsam für ein globales Netzwerk – online wie offline.

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T h e F u t u r e – W h e r e?

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o werden in Zukunft Großhandelsgeschäfte gemacht – auf Onlineplattformen oder auf Messen? Despina Malakov: Einkäufer werden nach wie vor Messen und stationäre Showrooms für Geschäftsanbahnungen nutzen. Joors Mission ist es, das Zusammenspiel von On- und Offline für effizienten und intelligenten Wholesale möglich zu machen. Beziehungen werden auf Messen und bei persönlichen Terminen gepflegt. Das eigentliche Geschäft findet ja erst im Nachhinein statt und dafür stellen wir die erforderlichen Tools bereit, um die Odererfassung und -finalisierung schnell und effizient durchzuführen. Zentralisierung steht dabei an erster Stelle. Das bedeutet nahtloser Datenaustausch in Echtzeit, auf den sowohl der Handel als auch die Marken jederzeit von überall Zugriff haben und unkompliziert, übersichtlich und systemkompatibel einsetzen können. Jörg Arntz: Messen bleiben auch in Zukunft ein wichtiges Inspirations-, Order-, Kommunikations- und Marketingtool, beispielsweise für die Bestandskundenpflege oder Markteinführungen von neuen Produktkategorien. Aber sie bleiben auch besonders für kleinere Marken oder Marken ohne lokale Vertriebsstruktur in den jeweiligen Märkten die Möglichkeit zur Order direkt auf der Veranstaltung selbst. Messen dienen nach wie vor dazu, Kundenbeziehungen zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Nie war der persönliche Austausch so wichtig wie heute. Wie verändert sich die Bedeutung von Distributions- und Vertriebsagenturen durch digitale Plattformen? Despina Malakov: Wir haben in den letzten zehn Jahren einen weltweiten Standard entwickelt, der jeden Aspekt des Vertriebsgeschäfts abdeckt: von der Line­sheet-Erstellung, der Ordererfassung und -finalisierung bis hin zum Reporting. Die Geschäftsführung erhält somit eine Einsicht ihrer Abverkäufe in Echtzeit, die in ihre operativen Entscheidungen einfließt. Jede Phase des Wholesales von Pre- bis

SO LÄUFT’S

Post-Market wird von uns mit dieser Lösung abgedeckt und kommt Marken, Agenturen und Händlern gleichermaßen zugute. Marken, Distributeure, aber auch Agenturen können bei Joor ihre eigenen Profile anlegen und sich durch bestehende Netzwerke gegenseitig beim Ausbau unterstützen. Viele Agenturen bevorzugen es, mit einem zentralen System zu arbeiten. Das erleichtert die Arbeit und das Einarbeiten neuer Mitarbeiter. Mit Joor setzen wir den Standard für alle erforderlichen operativen Prozesse. Jörg Arntz: Generell bleiben Agenturen wichtige Akteure. Sie sind oftmals das Ohr und das Auge in den Markt hinein. Abgesehen von den großen Marken, die alles inhouse machen, sind es die Agenturen, die die Kunden kennen und wissen, was für Kollektionen gesucht oder gebraucht werden. Heute erbringen Agenturen neben dem klassischen Ordergeschäft zusätzliche Leistung wie die Positionierung von Marken im Markt oder weiterführende Beratung. Dadurch haben sie einen ganz anderen Stellenwert als früher. Wie profitieren Marken vom direkten B2B-Austausch mit ihren Händlern? Jörg Arntz: Prozessoptimierung ist hier sicherlich einer der wichtigsten Aspekte. Viele Anbieter sind auf der Suche nach Plattform basierten Lösungen. Joor ist ein Softwareanbieter und Technologiepartner mit viel Erfahrung und Know-how im Fashionbusiness und hat bisher seit der Gründung vor zehn Jahren 30 Milliarden US-Dollar brutto Auftragsvolumen betreut. Selbstgebastelte Excel-Tabellen und Schreibblöcke mit Durchschlagpapier entsprechen im digitalen Zeitalter nicht mehr der erforderlichen Effizienz von Prozessen, um Daten gebündelt zu erfassen, zu übertragen und zentral zu speichern. Eine zielgerichtete Datenanalyse bringt allen Parteien nur Vorteile. Die Abwicklung der Order durch SAAS-Systeme wie Joor standardisiert Abläufe und schafft Zeit für die wichtigen Dinge während der Messe. Despina Malakov: Marken digitalisieren und zentralisieren mit Joor ihre Prozesse und führen ihre Agenturen und Händler an die Plattform heran. Dadurch entsteht eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Besonders kleine Marken oder Newcomer gewinnen durch Joor globale Präsenz. Große Marken profitieren davon, wenn alle Händler mit dem gleichen System arbeiten und nicht jedes Mal aufs Neue an unterschiedliche Systeme herangeführt werden müssen. Wir nehmen Marken die Entwicklung teurer Software ab, damit sie sich auf die für sie wichtigen Aufgaben konzentrieren können. Eine Studie aus Juli 2018 belegt, dass Marken mittels Joor im Durchschnitt ihr Ordervolumen um 21 Prozent im Jahresvergleich erhöhen. www.joor.com, www.premiumexhibitions.com style in progress

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SO LÄUFT’S

The Future – Why?

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THE FUTURE

WHY? THE FUTURE

Über den Ort, an dem Handel getrieben wird, wurde viel spekuliert. Mit jedem Schritt weiter in Richtung Zukunft sehen wir: Das vermutete Ende der Ära Retail ist gleichzeitig die Neugeburt des (stationären) Einkaufs. Doch das Wo hat eine zwingende Anschlussfrage: Nur wer das Warum beantworten kann, wird Kunden und Absatz finden. Oder doch eher Fans, Enthusiasten, Gleichgesinnte? Wer im Warum brilliert, schafft nachhaltige Beziehungen. 144

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The Future – Why?

SO LÄUFT’S

NEUER KONSUM, NEUE KONZEPTE?

Wir wachsen in eine Welt hinein, die neue Regeln verlangt. Das ist eine Riesenherausforderung auf Markenseite, weil die Konsumenten von heute anders kaufen, offline wie online. Was sind die dringenden Aufgaben auf Unternehmensseite? Wie stellt man sich als Marke oder Unternehmen darauf ein, dass sich Konsum völlig verändert hat? Branchenprofis geben Antwort. Text: Isabel Faiss, Kay Alexander Plonka, Nicoletta Schaper. Illustrationen: Claudia Meitert@Caroline Seidler

UNTERSCHIED TROTZ ÜBERANGEBOT

Valentin von Arnim, Geschäftsführer Iris von Arnim „Die These stimmt, auch für unseren Markt. Allerdings treibt uns eine daraus entstehende andere Entwicklung. In einer Zeit, in der sich beim Konsum oft alles nur noch um die Experience dreht, gerät das Produkt in den Hintergrund. Wir schaffen Fans durch Vertrauen und Begeisterung, und das erreichen wir durch Ehrlichkeit und ein herausragendes Produkt. Das macht in Verbindung mit der Persönlichkeit im Service – das heißt, sich für den Kunden wirklich Zeit zu nehmen – den Unterschied bei dem großen Überangebot.“

TIME-TO-MARKET-MENTALITÄT

Marco Marchi, Präsident Liu Jo „Klimawandel und Digitalisierung haben die Einkaufsgewohnheiten grundlegend revolutioniert. Die Endkunden sind viel sensibler und selbstbewusster und agieren schneller und unkomplizierter als früher. Unsere Antwort darauf? Noch mehr Qualität und ein einzigartiges Einkaufserlebnis. Wir arbeiten außerdem daran, das industrielle Produktionssystem einer Time-to-Market-Mentaliät anzupassen, damit wir on- und offline schnell und dynamisch reagieren können.“

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SO LÄUFT’S

The Future – Why?

WENDEPUNKT

Sandra Christina Gonçalves, Business Manager Lightning Bolt „Unser Markenkern sind die Natur und die Menschen. Das Wichtigste für uns ist der Kunde, dessen Bedürfnisse wir sehr ernst nehmen, mit dem Ziel, dass wir diese Beziehung ständig verbessern. Die Technologie ist unser großer Verbündeter, denn sie hilft, den Kauf schneller und effizienter zu gestalten, für größtmögliche Kundenzufriedenheit. Generell stehen wir Marken an einem Wendepunkt, es wartet niemand auf uns. Deshalb haben wir von Lightning Bolt unser Business mit neuer Energie aufgeladen, um es dem neuen digitalen Zeitalter des Hochgeschwindigkeitshandels anzupassen.“

MEHR SPEED

Thorsten Stiebing, Managing Brand Director Joop „Der Konsum hat sich selbstverständlich verändert, aber nicht so radikal, als dass wir nicht nach wie vor mit dem klassischen Einzelhandel sehr gute Geschäfte machen würden. Grundsätzlich ist die Digitalisierung eine Chance für Unternehmen, mit der wir uns schon lange und intensiv befassen – sei es in der Produktentwicklung oder in der Visualisierung der Produkte. Es gibt neue Konzepte, die sowohl in der Supply Chain als auch am Frontend absolut Sinn machen. Dadurch werden die Touchpoints im Handel und E-Commerce interessanter, die Beschaffung wird visueller und bekommt mehr Speed. Wir entwickeln uns schnell weiter, jedes erfolgreiche Unternehmen ist gut beraten, in zukunftsweisende Technologien zu investieren.“

POSITIVER IMPACT

Carolina Alvarez-Ossorio, Marketing & Communication Director Ecoalf „Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Qualität sind die Schlüsselfaktoren für die Zukunft. Ich glaube daran, dass diese Faktoren zum Standard für die Industrie werden. Kunden wollen heute genau wissen, woher ein Produkt kommt und woraus es gemacht wird. Diese Informationen bereitzustellen, ist noch lange nicht genug, aber der ausschlaggebende Grund für den Kauf eines bestimmten Produkts oder einer Marke. Konsumenten wollen wissen, was sie tragen, und sie wollen etwas Gutes tun.“

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GERMANY'S FASHION FAIR FOR LUXURY WOMEN'S AND MENSWEAR

AUTUMN/WINTER 2020/2021 24 – 27 Jan 2020 B1 · Bennigsen Platz 1 · Düsseldorf 08 – 11 Feb 2020 MTC · Taunusstr. 45 / Ingolstädter Str. 45 · Munich WWW.THESUPREMEGROUP.DE INFO@THESUPREMEGROUP.DE


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The Future – Why?

AUF DEN KONSUMENTEN ZUSCHNEIDEN

André Berger, Handstich „Für mich liegt die Antwort auf diese Frage im Stichwort Consumer Direct. Auf allen Ebenen müssen wir unser Geschäftsmodell, unser Produkt und unseren Service noch viel exakter auf den Konsumenten und seine Bedürfnisse zuschneiden. Wer es heute nicht schafft, den Kunden im Kopf zu entschleunigen, ihm eine wirklich gute Story zu präsentieren, die ihn motiviert, bei der Marke zu verweilen und sich mit ihrem Produkt auseinanderzusetzen, der investiert falsch. Klassische Kanäle wie traditionelle Werbeformen und Botschaften funktionieren einfach nicht mehr. Markenbotschaft, -erlebnis und -werte müssen für den Konsumenten erlebbar, fühlbar, spannend und transparent bespielt werden.“

VERÄNDERUNGEN GEMEISTERT

Filippo Chiesa, Eigentümer Sealup „Einerseits ist alles so viel schneller geworden und die Endverbraucher treffen in kurzer Zeit ihre Kaufentscheidung. Andererseits haben wir heute einen globalen Markt und man muss sich nicht mehr nach den einzelnen Märkten richten. Ich denke, dass man diese neue Art des Konsums mit Innovation, Schnelligkeit und Leidenschaft gut bedienen kann. Letzten Endes machen wir das seit 1935 und haben sehr viele große Veränderungen erlebt und gut gemeistert. Deswegen schauen wir auch optimistisch in die Zukunft.“

BEGEHRLICHE PRODUKTE SCHAFFEN Valentino de Luca, Inhaber Lucky de Luca „Für mich liegt die Antwort darin, Begehrlichkeit zu schaffen. Nicht nur über Selektierung und Verfügbarkeit, sondern auch im Produktdesign selbst. Es erfordert natürlich einen gewissen Mut, gegen den Strom zu schwimmen und anders zu designen als der Mainstream. Doch das ist es, was der Kunde meiner Meinung nach sucht. Abwechslung, Einzigartigkeit und ein interessantes Produkt, das den Zeitgeist trifft.“

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NEUE GESCHÄFTSMODELLE

NEUE MODE ≠ NEUWARE, GESCHÄFT ≠ VERKAUFEN Mode soll schnelle Abwechslung bieten, umweltbewusst und erschwinglich sein – alles gleichzeitig? Das klingt nach einem Paradoxon, das nur teures Marketing in Schach halten kann. Doch wenn sich die alte Krämerseele vom Zwang zum Verkaufen löst, zünden aus dieser Basis lukrative Ideen. Text: Petrina Engelke

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1Fashion Serielle Monogamie für Lovers

Das Modegeschäft fußt auf dem Verkauf von Neuware. Noch. Wer sagt denn, dass ein Kleid oder eine Hose nur einmal die Kasse klingeln lassen kann? Secondhand war gestern, für heutige Gebrauchtkleider erfanden die Amerikaner den schönen Begriff „pre-loved“. Nun ist „Resale“ ein Riesengeschäft, das aus Kundensicht günstig und nachhaltig mit einer spannenden Vielfalt lockt. Das können Luxusmarken als Bedrohung sehen – oder als Marketingchance. Stella McCartney etwa ging eine Partnerschaft mit dem Luxus-Secondhandverkäufer The RealReal ein. Verkaufen Kunden ihre Ware dort weiter, bekommen sie einen Gutschein. Burberry belohnt US-Kunden dafür stilecht mit High Tea – plus einer Personal Shopping-Runde in einem seiner Läden. Es ist halt nicht so einfach, das mit der Neuware ganz sein zu lassen.

2 Schatzsuche im Kaufhaus

The RealReal und der Online-Secondhandriese ThredUp treffen punktgenau die Vorliebe fürs Durcheinandermischen, die Millennials und Generation Z sich von Influencern abgucken. Sie wollen auf Schatzsuche gehen – und fallen damit ins Metier der Profieinkäufer ein. Umso cleverer ist es, deren Talent für den Aufbau eines Wiederverkaufs zu nutzen. Die US-Kaufhauskette Macy’s holte sich dazu ThredUp ins Haus, und zwar ausschließlich mit Marken, die Macy’s nicht führt. Schon ist sowohl das Sortiment als auch das Ansehen bei jüngeren Leuten aufgerüscht.

3 Bye, bye, Besitzerstolz

Kaufen hat als Basis des Konsums ausgedient – besonders in der Luxusmode. Social Media demonstrieren, was Status in Wahrheit ausmacht: nicht das Besitzen, sondern das Zeigen. Es ist also kein Wunder, dass der Verleih floriert. Mit der passenden Garderobe für Galadinners, Hochzeiten und Abschlussbälle etablierte sich Rent The Runway. Das Unternehmen hat inzwischen einen Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Auch bei Une Robe Un Soir ist der Name Programm. LSWOP dagegen ist auf Edel-Sneaker spezialisiert und suggeriert Status damit, dass zum Leihen eine Clubmitgliedschaft erforderlich ist, die man nur auf Einladung bekommt – quasi ein Angeberabo.

4 Dauerhafte Zei­t­ begrenzung

Auf vereinzelte Anlässe fürs Leihgeschäft will sich Stitch Fix nicht verlassen. Mit Modepaketen im Abonnement machte das Unternehmen 2018 rund 1,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Für eine monatliche Pauschale gibt es eine je nach Tarif festgelegte Anzahl von Kleidungsstücken, und nach der Rücksendung kommt Nachschub.

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Auf diese Weise ständig etwas Neues zu bieten, hat ein weites Feld geöffnet. The Rotation beispielsweise setzt auf Abos mit Streetwear von Yeezy, Carhartt WIP oder Stone Island. Das US-Kaufhaus Bloomingdale’s sprang mit einem eigenen Aboservice auf den Trend auf, ebenso wie Rent The Runway. Dort gibt es inzwischen auch Bettzeug und Zierkissen auf Zeit.

5 Ein Geschäft mit dreckiger Wäsche

Weniger glamouröse Marken sind ihnen auf den Fersen. Express, American Eagle oder Scotch & Soda verleihen Teile ihres Sortiments auf monatlicher Basis. Auf die Technologie und Logistik dahinter spezialisiert sich Caastle. In Europa macht RE-NT es Marken mit einem simplen Button für den Onlineshop und der Transparenz von Blockchain-Technologie leicht, einen Verleih zu verwalten. Irgendwer muss die Leihware schließlich nicht nur lagern, sondern auch reinigen und vor dem Wiederversand prüfen. Das ist gleichzeitig eine Qualitätskontrolle. Ein Alltagskleiderverleih rechnet sich nun einmal nur, wenn die Sachen mehr als zwei Runden in der Waschmaschine überstehen. Eine nachhaltigere Produktion könnte glatt zur Nebenwirkung dieses Geschäftszweiges werden. Doch während Verleiher mit ihrem Wäschedienst beim Kunden punkten, nutzt noch keine etablierte Modemarke dieses Dienstleistungspotenzial selbst.

6 Flickwerk im Geschäfts­modell

Änderungsschneiderei und Reparaturen liegen offenbar näher. Wie in der Elektronikbranche kauft Patagonia sogar die eigene Ware zurück, flickt sie und gibt sie dann zu einem günstigeren Preis ein zweites Mal ab. The Renewal Workshop hat sich ganz auf Gebrauchtkleideraufbereitung spezialisiert. Das Unternehmen reinigt und repariert Kleidung im Auftrag von Herstellern wie The North Face für eine weitere Runde durch die Kreislaufwirtschaft – der Ökofaktor ist quasi eingebaut.

7 Stoffzucht und Mode­druckerei

Auch in R&D steckt eine Dienstleistungsgoldgrube. Entwicklungen im 3D-Printing ebnen etwa den Weg zu Print-on-Demand, mit dem sich in der Buchbranche ein eigener Markt gebildet hat. Solche Verfahren lassen sich zudem lizensieren oder per Abonnement zur Nutzung anbieten, ebenso wie die Rezepturen neuer Materialien. Um sich solche Chancen zurecht zu schneidern, müssten Modeunternehmer allerdings bereit sein, den Feldstecher hervorzukramen – und ganz weit über den Tellerrand blicken.

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Wichtiger Termin? Wichtige Tasche. Nicht gekauft, sondern nur geliehen von Bag Romance. Die Macher von Freitag verkuppeln ihre Kunden: Taschentausch via Freitag heißt das neueste Projekt des schweizerischen Labels.

TASCHEN-TAUSCH-TINDER

Freitag. Der neue Online-Anti-Shop für alle Freitag-Fans heißt S.W.A.P. – Shopping Without Any Payment, eine Tauschbörse für gebrauchte Freitag-Taschen. Vorbild ist die Dating App Tinder, hier geht es allerdings darum, Nachhaltigkeit und sinnvolles Konsumieren zu fördern. Wer ein Bild seiner alten Tasche auf S.W.A.P. hochlädt, bekommt die Unikate der anderen zu sehen. Was nicht gefällt, wischt man nach links, Taschen, die man haben will, nach rechts. Und wenn’s dann zu einem Match kommt, also das Taschentauschinteresse auf Gegenseitigkeit beruht, können die Übergabeverhandlungen beginnen. Wie und wo und ob überlässt Freitag ganz den Tauschenden. www.freitag.ch/swap

STATUS AUF ZEIT MODEVERLEIH KAUFT TRADITIONSKAUFHAUS

Le Tote/Lord + Taylor. Manche große Marke verleibt sich als Verjüngungskur ein Start-up ein. Der US-Onlineverleih Le Tote dreht den Spieß um und kauft Lord + Taylor: Die 1826 gegründete Firma gilt als eines der ältesten Kaufhäuser und war zuletzt im Besitz der Hudson’s Bay Company. Le Tote macht seit ungefähr sieben Jahren die Mode bequem. Die Marke bietet einen Online-Damenmode-Leihservice im Abonnement ohne Rückgabefrist. Während Konkurrenten wie Rent The Runway und Stitch Fix mit ihren Showrooms bei Null anfangen müssen, prescht Le Tote nun mit der stationären Infrastruktur von Lord + Taylor vor. Auch das Sortiment ist plötzlich breiter.

RE-NT ist Teil von Fashion for Good, einer globalen Plattform, die Verbesserung von Umwelt- und Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie vorantreibt.

Bag Romance. Paola Kustra liebt Handtaschen und über die Jahre hat sie gemerkt: Die Taschen werden immer teurer. Als das Buzzword von der Sharing Economy die Runde machte, baute Kustra eine Lösung auf, die eine klassische Chanel-Handtasche, ein Saint-Laurent-Portmonnaie oder eine Céline-Luggage-Tote auch für diejenigen in Reichweite rücken würde, deren Budgets eher drei- als vierstellig sind. Bei Bag Romance können US-Bürgerinnen Designertaschen gegen eine Gebühr von 120 bis 350 US-Dollar pro Woche leihen. Manche wollen sich damit einfach etwas Schönes gönnen, andere suchen die passende Tasche für eine Gala oder eine Geschäftsreise. Sie können per E-Mail einen kostenlosen Chat-Termin mit einer Stylistin ausmachen, die bei der Auswahl hilft. Mit Kreditprüfung und teilweise auch einer Kaution sichert sich Bag Romance ab. Kommt eine Tasche kaputt zurück, trägt die Kundin die Reparaturkosten. bagromance.com

SHARING ALS GESCHÄFTSMODELL

RE-NT. Kleider muss man nicht kaufen, findet Robina von Stein. Weil leihen besser ist, hat sie die Plattform RE-NT gegründet. Das Sharing-Economy-Konzept durchläuft gerade die Testphase für das B2B-Modell. Außerdem testet Adidas seit kurzem auf der B2C-Oberfläche, wie das Vermietungsmodell in den Geschäftsbetrieb der Herzogenauracher Sportmarke passen könnte. Zusätzlichen Auftrieb bekommt RE-NT neuerdings als Teil des Fashion for Good Accelerator. „Fashion for Good bietet ein tolles Programm, unsere Vision der Kreislaufwirtschaft in der Mode umzusetzen. Gerade der enge Austausch mit den Unternehmen hilft uns, auf die Pain Points der Marken einzugehen“, erklärt Robina von Stein. www.re-nt.de 152

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Lucky de Luca www.corporate.luckydeluca.com


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REVERSE RETAIL

„DIE AKZEPTANZ WÄCHST TÄGLICH“ Volle Kleiderschränke sind die Jagdgründe der Reverse Retail GmbH. Mit ihrer Marke Buddy & Selly kauft sie hochwertige Kleidungsstücke an, direkt oder über Events bei Modehändlern. Wer ein solches Preloved-Stück haben will, kauft es von Vite En Vogue, meist über Plattformen wie Ebay. style in progress hat mit dem erfahrenen Manager Marcus Schönhart, zuvor bei Peek & Cloppenburg und der Katag AG tätig, über die positiven Effekte der Circular Fashion gesprochen. Interview: Kay Alexander Plonka. Fotos: Reverse Retail GmbH

Händler, die mit Buddy & Selly arbeiten, haben ein Argument gegen die vollen Kleiderschränke ihrer Kundinnen. Warum ist es so wichtig, dass der Handel für Platz im Kleiderschrank sorgt? Weil dadurch alle gewinnen. Der Kundin wird die Trennung von ihren alten Stücken erleichtert, indem sie dafür vom Händler an Ort und Stelle einen Einkaufsgutschein erhält, der Händler betreibt Kundenbindung und macht zusätzlichen Umsatz. Und wir erschließen eine neue Beschaffungsquelle. In den USA ist vielfach schon beim Kauf eingeplant, das Teil später wieder zu einem guten Preis zu verkaufen. Als Extrembeispiel dient der US-Hochzeitsmarkt, wo der Wiederverkaufserlös Teil des Hochzeitsbudgets ist. Steht zu erwarten, dass auch beim normalen Kleidungskauf der Besitz künftig nur mehr ein vorübergehendes Phänomen ist? Die USA sind uns meistens voraus. Trotzdem gilt das nicht für jede Form der Mode. Hochzeitsgarderobe ist teuer, wird nur einmal getragen und verändert sich modisch kaum. Beste Voraussetzungen für den Wiederverkauf. Auch wir handeln ausschließlich mit Designer- und Luxusmode, deren Halbwertszeit erheblich länger als die preiswerterer Marken ist. Richtig ist, die Einstellung zum Besitz einer Sache wandelt sich dramatisch. Gut für uns, denn die Akzeptanz für Circular Fashion wächst täglich. Beobachten Sie, dass Konsumenten wieder stärker zu Marken- und Qualitätsprodukten greifen, damit sie sie später verkaufen können? Das Bewusstsein für Marke und Qualität steigt welt­weit. Umsätze und Gewinne der Luxuskonzerne stellen alles da Gewesene in den Schatten. Für uns ein Turbo. Inwieweit der Wiederverkaufswert von vornherein einkalkuliert wird, lässt sich nur vermuten. Für unsere Kundinnen eine willkommene Extraeinnahme. 154

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Marcus Schönhart ist geschäftsführender Gesellschafter der Reverse Retail GmbH, die mit Buddy & Selly eine Ankaufsplattform für Designer- und Premiummode und mit Vite En Vogue einen Verkaufskanal für getragene Stücke betreibt.

Warum greifen die Kundinnen von Vite En Vogue zu Secondhand-Ware – nur weil sie günstiger ist? Ein wesentliches Element ist die Nachhaltigkeit. Da wir unser Sortiment nicht neu produzieren, fallen auch keine produktionsbedingten Umweltbelastungen an. Mindert Circular Fashion die Bereitschaft der Kundinnen, die hohen Originalpreise für Designer- und Luxusmarken zu bezahlen? Das sind unterschiedliche Psychologien. Mit dem Kauf der Originalprodukte will ich immer ganz vorne mit dabei sein. Das aktuell Neueste als Erste besitzen, dokumentiert Kenntnis, Geld und Prestige. Diese Motivation wird durch das Circular-Fashion-Angebot nicht beeinträchtigt, sondern sinnvoll ergänzt.


59inches.com

The Finest in Premium Sportswear japanese soul. european heart. one identity. SALES

MS GmbH Munich

tstyle Hamburg

Free Mountain Austria

Cagol Fashion Company Switzerland


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WHAT’S YOUR PURPOSE?

Ladensterben, fehlender Nachwuchs, gesättigte Märkte, übermächtige Player – dies sind nur wenige Schlagworte, die turnusmäßig neue Prognosen über den Einzelhandel pointieren. Den drückenden Vorhersagen zum Trotz haben sich in den letzten Jahren Konzepte etabliert, die oftmals weniger den Regeln des klassischen Handels, sondern vielmehr ihrem eigenen WARUM folgen. Was macht diese Generation an Gründern anders und was treibt sie an? Text: Stefanie Buchacher. Fotos: Gesprächspartner

DAS MODE-MIET-MODELL STAY AWHILE Hamburg und Magdeburg/Deutschland

Das Modell, Kleidung zu mieten, brachte Thekla Wilkening gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin bereits 2012 mit der Kleiderei auf den Markt. Trotz der sechs Jahre später folgenden Insolvenz – oder vielmehr gerade deswegen – startete die 32-Jährige Ende 2018 erneut mit einem Mode-Miet-Modell. Stay Awhile ist dabei an Kilenda, einen Mietservice für Kinderkleidung, Spielsachen und Erstausstattung, angeschlossen und kooperiert mittlerweile mit Marken wie Armedangels, Lana, Shipsheip, Jan’n June oder Lanius – allesamt Labels, die fair und weitestgehend in Bioqualität produzieren. Stay Awhile folgt dem Prinzip „Leih dir deinen Look“. Nach einer persönlichen Abstimmung der individuellen modischen Vorlieben erhalten die Abonnentinnen eine kuratierte Auswahl. Liebgewonnene Stücke können später gekauft werden. Die restlichen Teile werden nach Ablauf der Frist zurückgesendet, gereinigt, aufbereitet und wieder in den Leihkreislauf geschickt. Derzeit werden 60 bis 70 Prozent aller Abos individuell kuratiert, die restlichen Abonnentinnen wählen selbst aus dem gesamten, wie in einem Onlineshop präsentierten Sortiment aus. „Ich glaube, das Modell ‚Mode zum Kaufen‘ ist überholt. Es kann nicht sein, dass wir Mode als Müll produzieren“, sagt Thekla Wilkening. Ihrer Meinung nach ist es an der Zeit, die Verantwortung von Besitz neu zu denken und nachhaltiger zu agieren. Für die nächsten Jahre sieht sie eine Trendwende im Kleiderschrank kommen: „Ich denke, wir werden in Zukunft höchstens 50 Prozent unserer Kleidung besitzen. Der Rest wird geliehen, gemietet oder als Investment zum Tragen und Weiterverkaufen gekauft.“ Wilkenings Traum: Irgendwann soll der Träger ausschließlich für die Nutzung eine Miete bezahlen, während der Produzent für das Teil die Verantwortung trägt. „Wir teilen unsere Betten bei Airbnb und nutzen Hotelzimmer, in denen die Gäste Nacht für Nacht wechseln. Die Hemmschwelle, Kleidung mit anderen Menschen zu teilen, ist nur in unseren Köpfen.“

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„Es ist an der Zeit, die Verantwortung von Besitz neu zu denken.“ Thekla Wilkening

 ER MARKTPLATZ FÜR D ÖKOFASHION UND GREEN LIFESTYLE AVOCADOSTORE Hamburg/Deutschland

Mit dem zehnjährigen Bestehen gehört Avocadostore zu den Wegbereitern des nachhaltigen Konsums und ist heute Deutschlands größter Marktplatz für Ökofashion und Green Lifestyle. Was die Initiatoren Philipp Gloeckler und Stephan Uhrenbacher auf den Weg gebracht haben, führt Mimi Sewalski, die in der Gründungsphase dazustieß, seit 2013 als Geschäftsführerin fort: „Wir wollten etwas schaffen, was es bis dahin noch nicht gab – eine Art grünes Amazon. Entstanden ist ein Marktplatz, um fair produzierende Händler zusammenzubringen“, sagt die 38-Jährige, die eher durch Zufall zu Avocadostore stieß. Zuvor arbeitete die studierte Soziologin und Kriminologin in Israel für Hightech-Start-ups und in Hamburg für eine Werbeagentur. Als sie sich nicht


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DAS ÖKOMODELABEL MIT EIGENEM RETAIL FOLKDAYS Berlin/Deutschland

„Am Anfang wurden wir belächelt, aber über die Jahre haben wir dazu beigetragen, den Markt und den Konsum zu verändern.“ Mimi Sewalski

mehr mit den Produkten ihrer Kunden identifizieren konnte, kündigte sie, wechselte in die Gastronomie und traf schließlich Philipp Gloeckler auf einer Messe. „Am Anfang wurden wir belächelt, aber über die Jahre haben wir dazu beigetragen, den Markt und den Konsum zu verändern.“ Das zeigt sich auch am Wachstum: Seit der Gründung stieg dieses kontinuierlich und lag in den letzten Jahren laut Unternehmen immer zwischen 50 und 60 Prozent. Über 2.000 Marken und 200.000 nachhaltige Produkte im Vollsortiment bietet die E-Commerce-Plattform derzeit, von Kleidung für Damen, Herren und Kinder über Kosmetik- und Wellnessprodukte bis hin zu Möbeln und Wohnaccessoires. Avocadostore sorgt dabei für eine transparente Präsentation. Die Grundlagen dafür stellen zehn Nachhaltigkeitskriterien dar. Jedes verkaufte Produkt muss mindestens eines dieser Kriterien erfüllen.

Folkdays versteht sich weniger als Modelabel, vielmehr als Initiative, die sich in der Zusammenarbeit des Unternehmens mit traditionellen Manufakturen zeigt oder im Engagement gegen Fast Fashion. „Folkdays steht für fair produzierte Kleidung, Schmuck und Accessoires“, sagt Unternehmensgründerin Lisa Jaspers, „wir wollen einen systemischen Wandel anstoßen und Menschen in Entwicklungsländern aus der Armut helfen. Es geht um Handwerk und Fair Trade.“ Seit ihrem Politik- und Wirtschaftsstudium und ersten Jobs bei Oxfam und einer Beratung für internationale Zusammenarbeit treibt Jaspers der Wunsch an, lokale Wirtschaft in Entwicklungsund Schwellenländern zu fördern und Armut zu bekämpfen. Das Konzept für die Produkte erarbeitet Jaspers gemeinsam mit einem kleinen Team und den Kunsthandwerkern vor Ort. Ob in Bangladesch, Indien, Kambodscha, Thailand oder Peru – Folkdays arbeitet mit kleinen Manufakturen oder Einzelpersonen zusammen, die oft über Generationen hinweg ihre traditionellen kunsthandwerklichen Fertigkeiten ihres Kulturraums bewahrt und weiterentwickelt haben. Die zeitlose Kleidung, Schmuck, Accessoires und Einrichtungsgegenstände verkauft Folkdays im eigenen Online Store, in einem Ladengeschäft in Berlin-Kreuzberg und in Kooperation mit Manufactum. Saisonale Trends oder Sale gibt es nicht, denn Jaspers geht es darum, ein Gegenmodell zu schnellen Kollektionswechseln von Fast Fashion und der damit verbundenen geringen Wertschätzung zu bieten. „Wir wollen zum Umdenken anregen und die Leute erziehen, dass es keinen Sale gibt“, sagt die 36-Jährige. „Zum anderen sind unsere Produkte so kalkuliert, dass Sale einfach nicht eingerechnet ist. Wir setzen lieber auf eine geringe Stückzahl, um sicherzustellen, dass wir unsere gesamte Ware verkaufen.“ Größte wiederkehrende Hürde ist die hohe Kapitalbindung, die nötig ist, um Produzenten bereits bei der Bestellung der Ware einen Teil der Fertigungskosten zu bezahlen und so eine faire Zusammenarbeit zu pflegen. Um die Absatzmengen besser planen zu können und den finanziellen Handlungsspielraum zu erleichtern, testet Folkdays ein Pre-Order-Konzept bei den Kunden: „Wir glauben daran, mit unseren Kunden eine wirklich nachhaltige Unternehmensstruktur umzusetzen und gemeinsam das System zu verändern.“

„Ich habe Folkdays

gestartet, um einen systemischen Wandel anzustoßen, um Armut in Entwicklungsländern zu bekämpfen – nicht um ein Modelabel zu gründen.“ Lisa Jaspers Mit Folkdays gründete Lisa Jaspers weniger ein Modelabel als vielmehr eine Initiative, um die Wirtschaft in Entwicklungsländern zu stärken und als Gegenmodell zu Fast Fashion.

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DER MULITBRAND-RETAILER FÜR FAIR FASHION LOVECO Berlin/Deutschland

„Während des Studiums wurde mein Blick auf die Textilindustrie geschärft und mir aufgezeigt, was alles schief läuft“, sagt Christina Wille. „Mir war klar, dass ich an diesen Zuständen etwas ändern wollte, aber noch nicht in welchem Rahmen.“ Nach zwei Jahren als Storeleiterin bei DearGoods entschied sie sich für die Selbstständigkeit. 2014 erfolgte die Gründung und die Eröffnung des ersten Loveco Stores in Berlin-Friedrichshain, 2016 der Launch des eigenen Onlineshops, 2017 folgte ein Geschäft in Berlin-Kreuzberg und 2018 schließlich ein weiterer Store in Berlin-Schöneberg als erster Conceptstore für ökologische, faire und vegane Mode und Accessoires im Berliner Westen. „Unser Motor sind einerseits Menschen, die sich für nachhaltiges Wirtschaften und einen nachhaltigen Umbruch in der Gesellschaft bemühen. Auf der anderen Seite sind es die Menschen, die wir in den Produktionsländern unterstützen können und deren Leben wir hoffentlich nachhaltig verändern“, sagt die 33-Jährige. Aber sie weiß auch: „Wir bleiben ein Unternehmen, das auf den Konsum von Kleidung angewiesen ist. Wir leben also von Konsum. Da machen wir uns nichts vor.“ Wille erkennt jedoch eine Verhaltensänderung bei ihren Kunden, die bewusster einkaufen und wertschätzender mit ihren Kleidungsstücken umgehen. Sie sieht sich als Teil einer Bewegung: „Solange es Fast-Fashion-Ketten gibt, benötigen wir Alternativen, die andere Wege gehen und Lösungen aufzeigen. Denn noch steigen deren Umsätze. Dieses Faktum lässt sich nur mit kognitiver Dissonanz begründen. Die Menschen wissen über die Zustände in der Textilbranche Bescheid, ändern in ihrem Konsumverhalten aber trotzdem nichts.“ Deswegen klärt Loveco online wie offline über die konventionelle Modebranche auf, betreibt ein Onlinemagazin sowie einen Ratgeber und lädt in regelmäßigen Abständen zu Informationsveranstaltungen wie Filmvorführungen und Talkrunden ein.

„Als eine der dreckigsten Industrien ist die Modebranche bereit für eine Disruption.“ Victoria Prew

Mit Hurr Collective bietet Victoria Prew eine Plattform, über die Mitglieder die eigene Garderobe teilen und damit deren Gebrauchsdauer verlängern können.

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In ihren drei Stores und über ihren Onlineshop verkauft Loveco-Gründerin Christina Wille nur Fair Fashion und möchte gleichzeitig Menschen zu einem bewussten Konsum anregen.

„Uns treiben die Menschen, die mit der Mode in Berührung kommen, an – die Konsumenten wie auch die Textilarbeiter. Dennoch bleiben wir ein Unternehmen, das auf den Konsum von Kleidung angewiesen ist.“ Christina Wille

DIE SHARING-PLATTFORM HURR COLLECTIVE London/Großbritannien

Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner lancierte Victoria Prew im März 2019 die Mode-Sharing-Plattform Hurr Collective mit der Intention, „die Modebranche als eine der dreckigsten Industrien zu verändern“. Die Idee ist dabei anderen Modellen der Sharing Economy wie Airbnb oder Uber entliehen und setzt auf eine Community aus modebegeisterten und modernen Frauen, „die daran glauben, dass Leihen sowohl ökonomisch als auch ökologisch Sinn macht“. Für Prew ist „die Verlängerung der Gebrauchsdauer unserer Kleidung einer der besten Wege, um die Umweltauswirkungen unseres Kleiderschranks zu reduzieren“. Vernetzt werden Frauen, die ihre Garderobe ausleihen und monetarisieren möchten, mit Frauen, die für eine bestimmte Zeit Trendteile tragen möchten. Der Match erfolgt online, die Übergabe persönlich oder mittels eines umweltfreundlichen Paketservices. Neben dem Ausleihen und Tragen gehört auch eine Reinigung der Kleidung vor Rückgabe zum Leihzyklus. Hierfür wurde eine Kooperation mit einem umweltfreundlichen Reinigungsunternehmen eingegangen. Entscheidend ist dabei die Vertrauenswürdigkeit der Communitymitglieder, die durch Einladung oder Empfehlung zugelassen werden. Die Plattform nutzt neueste digitale Technologien, die den Leihprozess unterstützen – wie Echtzeit-Personenverifizierung, Geo-Tagging oder durch künstliche Intelligenz gesteuerte Stylingassistenten – und einen sicheren und vertrauensvollen Tausch der Garderobe ermöglichen. Seit der Lancierung wuchs die Community auf über 8.000 Mitglieder. Der Fokus liegt derzeit stark auf dem Einzugsgebiet Londons. Geplant ist jedoch ein Roll-out auf alle großen Städte Großbritanniens sowie eine internationale Expansion.


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DER STORE VON HEUTE HAT MORGEN ERST GEÖFFNET

Neue Storekonzepte stellen so ziemlich alles auf den Kopf, was man bisher im Modehandel als gesetzt ansah. Mit Alternativen zu klassischen Instrumenten wie Order, Sortiment, Kundenbindung oder selbst Öffnungszeiten beweisen sie jede Menge Mut und Unternehmergeist. Digitale Tools spielen dabei eine ebenso große Rolle wie Exklusivität – nicht der Preise, sondern der Erlebnisse. Statt Rabattaktionen bindet die Einzigartigkeit des Angebots die Community an den Store, der damit zur Plattform wird, die jederzeit neu bespielt werden kann. Denn wenn ein Faktor die neue Generation der Stores eint, dann ist es die Flexibilität. Text. Isabel Faiss. Fotos: Fotos: Esyvte, Roland Taennler, Wang Minjie, Davide Lovatti

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The Mix Land/Hangzhou Die chemische Reaktion? Ein Urknall Hangzhou ist eine der 15 Unterprovinzstädte in China mit ungefähr neun Millionen Einwohnern, von der man hier noch nie etwas gehört hat – und die uns in so vielen Disziplinen des urbanen Lifestyles längst überrannt haben. Hangzhou ist auch einer der vielen chinesischen Hidden Champions, wenn es um Lifestyletrends und Mode geht, es weiß halt nur keiner. Bis Anfang Oktober letzten Jahres ausgerechnet in Hangzhou einer der meist besprochenen Streetwearläden eröffnete. The Mix Land ist nicht nur optisch als Labor für ein bislang noch ziemlich einzigartiges Konzept in China gestaltet, sondern eben auch inhaltlich Neuland. Denn die Designer des Stores, das Team von XianXiang aus Hangzhou, lassen hier ungebremst das Who is Who der internationalen Streetwearelite jeglicher Stilrichtung aufeinanderprallen. Ein Store, ein Statement Conceptstores erfreuen sich in China einer wachsenden Akzeptanz, sind meistens aber noch in große Mall-Konzepte eingegliedert. The Mix Land verzichtet trotzig auf die Unterstützung eines Handelspartners wie Alibaba und auch auf gängiges Visual Merchandising. Denn von außen erkennt man den Store nur, wenn man danach sucht. Anders als westliche Streetweartempel ist The Mix Land aber viel publikumsfreundlicher. Dieser Store hat eine Haltung und geizt auch nicht mit Anspielungen, die man durchaus politisch verstehen kann. Die Umkleidekabinen ähneln Sicherheitsschleusen, die den Kunden erst einmal neutralisieren und von jeder Art Voreingenommenheit reinigen. Auf einem Arbeitstisch werden Konsumartikel bis auf Molekularebene seziert, um ständig neu zusammengesetzt zu werden – genau wie in der Street-Kultur. Die neuesten Sneakermodelle gibt es im sterilen Brutkasten zu betasten, ein kritisches Augenzwinkern auf den überbordenden Hype mancher Sneakermarke um einzelne Modelle. The Mix Land ist sicherlich ein Experiment, das die öffentliche Zulassung seines Rezeptes in keiner Laborstudie mehr beweisen muss. Eine echte Chance für einen Markt, in dem unabhängige Multilabelkonzepte noch nicht sehr erprobt sind. The Mix Land. Manshenghou Jie, Building 12, Hangzhou/China, www.gooood.cn Marken: Air Jordan, A-Cold-Wall, Amiri, Champion, Forcerpblk, Heron Preston, Off-White, Palm Angels, Supreme, Undercover, Yeezy u. a.

Eingerichtet wie ein echtes Labor: der Conceptstore The Mix Land in Hangzhou eröffnete im Oktober 2019 und ist für viele noch ein Experiment.

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Blue Mountain School/London Die Schule des guten Stils Die Idee mit der Klingel neben der Tür ist nicht neu, aber sie ist ein Statement. Ob elitär anmutende, extraordinär kreative und exklusive Konzepte wie das sechsstöckige Townhouse der Blue Mountain School im Londoner Eastend die Schwellenangst des Normalbürgers nun billigend in Kauf nehmen oder bewusst fördern, kann man vielleicht diskutieren – zumindest scheint Laufkundschaft hier kein Parameter des wirtschaftlichen Erfolgs zu sein. „Unser Store sollte gleichzeitig offen für alle und auch sehr privat sein“, sagen James Brown und Christie Fels. Die beiden Gründer der Avantgardemarke Hostem eröffneten im Mai 2018 ein eingenwilliges Konzept, mit dem sie Antworten auf viele aktuelle Fragen der Konsumgesellschaft und der Kunstbranche geben wollten. Analog zur Aussage von James Brown gegenüber dem Magazin Wallpaper: „Der stationäre Handel in seiner aktuellen Form ist tot.“ Seine Blue Mountain School zitiert das Ideal des legendären Black Mountain College in North Carolina, das schon 1933 die interdisziplinäre Harmonie zwischen einzelnen Kunstrichtungen predigte.

Der erlebbare Showroom als Clou: Ums Eck des Blue Mountain Stores liegt die New Road Residence, ein historischens Stadthaus, das man als Unterkunft mieten kann. Die Einrichtung steht komplett zum Verkauf und stammt aus dem Sortiment der Blue Mountain School.

Halb privat, halb öffentlich Blue Mountain School ist kein klassischer Store, obwohl man hier alles kaufen kann. Es ist auch keine Galerie, obwohl alles darin Kunsthandwerk ist. Wer es durch die Tür schafft, erlebt im Souterrain das Hostem-Archiv mit einzigartigen Einblicken in die Geschichte der Modemarke. Die Stockwerke darüber füllen eine Parfümerie, ein mit Michelin-Stern ausgezeichnetes Restaurant, eine Interieurausstellung und ganz oben ein Listening Room in Kooperation mit einem lokalen Plattenladen. Bis auf das Restaurant, das Monate im Voraus ausgebucht ist, kann man hier allerdings nicht von Fülle reden, denn dem Prinzip des Slow Designs entsprechend ist die Blue Mountain School mehr eine Oase der Ruhe von unserer Konsumgesellschaft. Sie hinterfragt gezielt die Mechanismen des Marktes, indem sie Exklusivität und Qualität als ultimativen Luxus preist. Blue Mountain School. 9 Chance Street, London/ Großbritannien, www.bluemountain.school Marken: BDDW Furniture, Eva Rothschild Furniture Tapestry and Ceramics, Hostem, Maos Restaurant, Valentin Loellmann Furniture u. a.

Man kann hier alles kaufen, trotzdem ist es kein Store. Dieser Ort proklamiert die Koexistenz von Kunst und Kommerz auf höchstem Niveau.

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„Es geht hier nicht ums Einkaufen, sondern darum, Künstlern eine seriöse Plattform zu bieten, die ihr Handwerk auf das Wesentliche reduzieren und bedeutende, nachhaltige Werke erschaffen.“ Christie Fels (New York Times).


We believe quality is true luxury.

AW20 Cashmere Scarf Collection will be available at Pitti Uomo - Florence (Italy) 7th - 10th January 2020 Main Building – Downstairs Stand U13/V14 Gallery - Dusseldorf (Germany) 25th – 27th January 2020 Kaltstaalhalle D-Tails Stand Supreme - Munich (Germany) 08th -11th February 2020 2* Stock D-Tails Showroom

SHOWROOM

Germany and Austria - München

France - Paris

Showroom D-tails

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Italy - Milan

Arndtstrasse 12 Hinterhof

152 avenue des Champs-Élysées 1er étage

info@d-tails.de

vpfemmes@vpperez.com

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Japan - Tokyo

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Forchstrasse 63/65

2f 2-17-16 Ebisunishi, Shibuya-ku

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Inmitten des Wiener Stadtzentrums hat der Store seit Mai 2018 einen fixen Standort bezogen.

Hinter Not Another Concept Store in Wien steht die Agentur Creative Headz mit Elvyra Geyer (zweite von links) und Zigi Mueller-Matyas (zweite von rechts).

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Not Another Concept Store/Wien Der kuratierte Offline-Marketplace „Wir sind zu schnell für online.“ Das meint Zigi Mueller-Matyas nicht despektierlich oder im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich. Denn das Grundprinzip der Modeplattform Not Another Concept Store im Zentrum der Wiener Innenstadt ist der stetige und schnelle Wechsel. „Anfangs tauschten wir unser Sortiment alle vier Wochen aus, inzwischen alle acht. Damit haben wir wahrscheinlich als einziger Store alle zwei Monate einen kompletten Turn-over, denn wir nehmen ausschließlich Kommissionsware und haben nur ein paar Marken, die sich langfristig im Laden eingemietet haben.“ Hinter dem Store steht die Kreativ- und Eventagentur Creative Headz, deren Inhaberinnen Elvyra Geyer und Zigi Mueller-Matyas unter anderem auch die Vienna Fashion Week veranstalten und organisieren. Die zentrale Mission aller Events und Projekte der Agentur ist immer die Förderung nationaler und internationaler Designer, Newcomer und Künstler, die in der wirtschaftlich geprägten Leistungsdruckgesellschaft des Einzelhandels bisher noch keine Bühne finden konnten oder gezielt an dieser interdisziplinären Plattform teilnehmen möchten. „Wir kuratieren Mode, ein Service, der im kommerziellen Modehandel kaum noch stattfindet. Jeden Monat widmen

wir unseren Store einem anderen Überthema, einem Land, einem Stil, einer Zielgruppe. Abgerundet durch regelmäßige Events, Ausstellungen und Kooperationen mit Partnern, die Unterstützung benötigen – von der Modeschule bis hin zum Designer, der nach nachhaltigen Alternativen sucht. Die Mode-Lobbyisten Seit Mai 2018 hat Not Another Concept Store seinen festen Platz in den Ringstraßengalerien in Wien gefunden. Sein ungewöhnliches und schnell wechselndes Konzept setzt fast schon konsequent voraus, dass die Kommunikation mit der Community überwiegend online über soziale Medien läuft, denn auf dem neuesten Stand muss ja nicht nur das Sortiment alle acht Wochen sein, sondern auch der Kunde. Mit seinem breit gesteckten Rahmen hat Creative Headz mit diesem Store eine Idee aufgegriffen, die online auch floriert: den konzipierten, kuratierten Marketplace, der sich als (temporäre) Präsentations- und Verkaufsplattform versteht, wirtschaftlich aber kaum ein Risiko am Angebot trägt. Ein Ansatz, der die schmerzhaften Probleme des stationären Handels wie Überangebot, Waren- und Preisdruck, Retouren und Ladenhüter beim Hersteller belässt. Fluch und Segen des Kommissionsmodells. Trotzdem ist es inhaltlich und qualitativ die beste Chance und wirtschaftlich betrachtet die kleinste Schwelle für junge Designer und Newcomer, um ihre Kollektionen sichtbar und erlebbar zu machen. Not Another Concept Store. Kärntner Ring 5–7, Wien/Österreich, www.notanother.at Marken: Andy knows better, Buffet Clothing, Callista, Emma Sweet, Faulhaber Products, Form of Interest, Hardot Shoes, Marcel Ostertag, Milk, Pitour, Sabine Karner, Verdandy, Zmm Knitted Goods u. a. „Wir haben alle zwei Monate einen kompletten Wandel im Store.“ Zigi Mueller-Matyas


04 - 06 TH

I N T E R N AT I O N A L FA B R I C T R A D E FA I R  

M U N I C H FA B R I C STA R T M U N I C H FA B R I C STA R T . C O M

TH

F E B R UA RY 2020


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The Future – Why?

Sweat-YourselfShop/Zürich Das lebende Schaufenster Microfactory ist eines der heißesten Schlagworte, die man momentan auf Stoffmessen hört. Im Alltag begegnet man der Idee aber noch sehr selten, außer man geht einfach zum kleinen Handwerksbetrieb und sieht dem Meister über die Schulter. Im großen Stil hat sich allerdings die Schweizer Taschenmanufaktur Freitag diesem Thema gewidmet und inmitten des Züricher Stadtzentrums Anfang Juli 2019 den Sweat-Yourself-Shop eröffnet. Der Name ist Programm, denn hier kann man sich selbst seine Tasche zusammenstellen und diese auch gleich selbst fertigen. Ein Marketing-Coup, der einerseits das Bedürfnis der Kunden nach individualisierten Produkten und gleichzeitig auch die beliebteste Form der Kundenansprache darstellt. Durch die großen Glasfronten des Stores kann jeder Passant dabei zusehen, wie eine Freitag-Tasche entsteht. Das fördert nicht nur die Glaubwürdigkeit der Marke, die jedes ihrer Produkte als handgefertigtes Unikat anpreist, sondern steht auch dafür, Manufaktur wieder in die Innenstädte zurückzuholen. Das macht Schweiß! Das Selbermachen soll vor allem Spaß machen. „Uns geht es im SweatYourself-Shop in erster Linie um das Transportieren unserer Markenwerte und die direkte Kommunikation mit dem Kunden – in puncto Wirtschaftlichkeit kann er nicht mit dem nahe gelegenen Flagshipstore mithalten. Aber das war auch nicht unser Anspruch“, sagt Pressesprecherin Elisabeth Isenegger. Freitag vermarktet das als Erlebnis, sogar als Event. Konsequenter hätte man die Inszenierung einer Microfactory und aller Werte, die damit verbunden sind kaum umsetzen können.

Das individualisierte Produkt steht im Freitag Sweat-Yourself-Shop im Mittelpunkt. Kunden können sich selbst die entsprechenden Farben aussuchen und ihre eigene Freitag-Tasche von Hand anfertigen.

Sweat-Yourself-Shop. Grüngasse 21, Zürich/Schweiz, www.freitag.ch „Wir verlängern unsere Produktionskette – und zwar bis vor deine Füße.“ Freitag

So sieht professionelles Marketing in Echtzeit aus. Mit dem Sweat-Yourself-Shop transportiert Freitag sämtliche Werte der Marke, die auf Nachhaltigkeit und Handarbeit setzt.

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ww w.si l k- si sters.c om


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The Future – Why?

Alle paar Wochen kommt eine neue Story heraus, gegliedert und aufgebaut wie ein Lifestylemagazin erzählt die Shopfläche eine Topstory. Als Launch­ event im April 2019 war Farbe das Coverthema.

Story at Macy’s/New York Ein Store, eine Story Ein Store, der wie ein Lifestylemagazin aufgebaut ist, sich einem Coverthema widmet, einzelne Rubriken füllt und alle paar Monate neu erscheint. Als Rachel Shechtman ihre Idee mit Story 2010 in New York umsetzte, war ihr sehr wohl bewusst, dass sie sich mit ihrem Laden in Brooklyn in direkter Nachbarschaft zum US-Kaufhausgiganten Macy’s befand und dass ihr Konzept wie das quirlige Schnellboot neben dem behäbigen Containerschiff wirkte – für Macy’s ein schmerzhafter Tritt in den Hintern. Doch dass aus der örtlichen Nähe bald auch eine geschäftliche werden würde, glaubte Shechtman erst nach der Unterzeichnung der Verträge im April 2018, als Macy’s Story kaufte, und Shechtman gleich mit. Ein Jahr später, am 10. April 2019, eröffnete bei Macy’s am Herald Square in New York die erste Fläche mit dem Namen Story at Macy’s, die gleichzeitig auch als Flagship für das neue Shop-in-Shop-Konzept dient, das am gleichen Tag in 36 Filialen in über 15 US-Bundesstaaten ausgerollt wurde. Boom. Die erlebbare Instagram-Welt „Man entdeckt Dinge, die man gar nicht gesucht hat und genießt diese lustige Inspiration – sobald man sie sieht, will man sie haben. Unser Ziel ist es, durch den Launch von Story at Macy’s im ganzen Land, dieses Erlebnis unseres Storekonzepts, das durch ein erlebbares Narrativ getrieben wird, auch in der Breite vorzustellen“, sagt Rachel Shechtman. Sie alle sind Feuer und Flamme für ihr neues, innovatives Konzept von Story: das gesamte Team von Brand Experience Officer Rachel Shechtman.

Rachel Shechtman schreibt ihre Story alle paar Wochen neu. Das bedeutet konsequenterweise auch, dass das gesamte Sortiment mit wechselt und sich dann ganzheitlich einer neuen Topstory widmet. Da sie vor allem auf kleine, weitgehend noch unbekannte und je Standort auch lokale Marken setzt, ist dieser Ansatz überhaupt machbar. Wer mehr Infos möchte, kann sich an die Storytellers im Shop wenden, die alles über aktuelle und kommende Events ausplaudern, denn dazu sind sie da. Unterstützt werden alle Storys von digitalen Tools und Spielereien wie VR-Aktionen vor Ort, wo Kunden beispielsweise ihren eigenen modischen Stil spielerisch umwandeln können. Eine wirklich gute Vorlage für eine Erfolgsstory im Einzelhandel. Story at Macy’s. Macy’s Herald Square, 151 West 34th Street, New York/USA, www.macys.com Marken: Calvin Klein, DKNY, Popsugar, Shinola u. a.

„Story at Macy’s fühlt sich an, als würde man eine Real-Life-Version von Instagram durchscrollen.“ Rachel Shechtman

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www.f65punktnull.de


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Spruce/Denver Der One-Stop-Shop Schon der allererste digitale Kontakt mit dem Spruce Store ist ein sehr persönlicher. Becca und Taylor Romero teilen die ganze Story: Wie sie sich kennen gelernt haben, ein Paar wurden, die Idee zu Spruce entstand und letztendlich umgesetzt wurde. Warum ich das erzähle? Weil es sinnbildlich dafür steht, was Spruce seit seiner Eröffnung im Juni 2015 ist, die zentrale Anlaufstelle für Männer, die entweder ein komplettes Make-over ihres bisherigen Stils wünschen oder einfach nur ehrlich und gut von Kopf bis Fuß beraten werden möchten. Denn das ist die Mission der beiden Gründer, Stilberatung. Neben einem Barbershop gibt es daher bei Spruce alles, was sich rund um den Lifestyle moderner, urbaner Männer so abspielt. Der Sprucebot wird geboren Während Becca Romero den Store schnell mit Produkten und Kunden füllte, suchte Taylor lange Zeit vergeblich nach einem digitalen Tool, das die Idee von Spruce in ein technisches Servicetool für das eigene Team und die Kunden übersetzt. Vergeblich. So entwickelte er selbst den Sprucebot, eine Art Alexa für den Einzelhandel. „Wir konzentrieren uns auf den einzig wirklich nennenswerten Vorteil, den stationäre Läden gegenüber Online haben: das zwischenmenschliche Erlebnis. Es gibt

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zwar schon einige Lösungen, die Stores kompetitiv machen, doch wie so oft geht es hier vor allem um das Thema Timing. Wir müssen ein digitales Tool haben, um das Erlebnis im Store in Echtzeit zu unterstützen – und dafür gab es tatsächlich noch nichts“, sagt Taylor. „Der Spruce­bot liefert uns und unseren Kunden wichtige Informationen genau dann, wenn wir sie brauchen. Wenn ein Kunde zu uns kommt, zeigt es dem Team bereits vorher an, wer es ist und was er üblicherweise möchte. Wir können diese Wünsche antizipieren und sein Einkaufserlebnis sofort individualisieren. Wenn sich Kunden mit unserem internen WLAN verbinden, erhalten sie außerdem Angebote, die ihnen Anreize liefern, etwas zu kaufen, noch während sie in unserem Laden sind.“ Seit dem Launch des Sprucebot im Oktober 2016 hat sich das System auch in anderen Stores bewährt. Spruce. 4252 Tennyson Street, Denver/Colorado, USA, www.spruce.me Modemarken: 7Diamonds, Brixton, Levi’s, Original Penguin, Stance u. a. „Nach langem Suchen fanden wir heraus, dass es einfach keine digitale Lösung dafür gab, das Einkaufserlebnis für unser Team und unsere Kunden zu optimieren. Also hatten wir keine Wahl, wir mussten es selbst entwickeln.“ Taylor Romero (Bild rechts)

Die Community und der Kunde stehen bei Spruce im Mittelpunkt. Einer der Gründe, warum das Team den Sprucebot entwickelte, ein digitales Tool, das den Service auf ein neues Level bringt – Marke Eigenbau.

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Eine erfolgreiche Liaison: Im Fünf-Sterne-Hotel Palazzo Avino eröffneten die Inhaberinnen Attilia und Mariella Avino im März 2019 die Boutique The Pink Closet, um sich damit einen Traum zu erfüllen.

The Pink Closet/Ravello Die Stilsymbiose Eine kleine Hotelboutique, in der lokale Produkte, Mitbringsel und die Beauty-Produkte des hausinternen Spas verkauft werden? Gelernt. Aber eine im Haus befindliche, völlig eigenständige Boutique mit einem vollumfänglichen und sehr anspruchsvollen modischen Sortiment als Gesamtkonzept? Genau. Als Mariella und Attilia Avino im Mai 2019 die einmalige Chance nutzten, in einem kleinen grottenähnlichen Raum im historischen Palazzo Sasso aus dem 12. Jahrhundert, in dem sich auch das von ihnen geführte Fünf-Sterne-Hotel Palazzo Avino befindet, ihre eigene Boutique zu eröffnen, schlugen sie sofort zu. Die Lage: direkt an der malerischen Amalfi Küste mit

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dem Blick übers Meer. Als Teil des Hotels, das aufgrund seines Anstrichs auch The Pink Palace genannt wird, gliedert sich ihr Konzept von The Pink Closet nahtlos in das umfassende Beauty- und Wellbeing-Programm des Hauses ein, funktioniert aber auch als unabhängiges Konzept. Eine Symbiose, von der beide Seiten etwas haben. Als Managing Director des Hotels und Inhaberin der Boutique hat Mariella Avino alle Möglichkeiten, das Angebot ihres Hauses feingliedrig aufeinander abzustimmen. Mit The Pink Closet setzt sie vor allem auf Nischenlabels und noch unbekanntere, kleinere Marken. Ein Raum, in dem Wunder geschehen „Ich habe mir einen intimen und femininen Raum mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre vorgestellt, einen Raum, in dem Wunder geschehen und in dem man eine erlesene Komposition aus Mode und Accessoires findet. Die Architektin Christina Celestino hat diesen Traum wahr gemacht und ihn mit der entsprechenden Poesie und Eleganz versehen“, sagt Mariella Avino, die vor allem auf internationale Marken und Inspirationen setzt, um die mondäne Kundschaft in ihrer pinken Grotte zu begeistern. Sie selbst gilt als Stilikone und bezeichnet sich als wahre Fashionista, die sich mit dieser Boutique einen lang gehegten Traum erfüllt hat. The Pink Closet. Via San Giovanni del Toro 27, Ravello/Italien, www.palazzoavino.com Marken: Attico, Bluetiful, Leontine Vintage, Officina del Poggio, Oserèe u. a. „Ich habe immer davon geträumt, dass meine Vorstellung von diesem Store wahr wird. Dank dieses Projektes ist es so gekommen.“ Mariella Avino.

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Nackte Wände, sakrale Höhen und ein überdimensionaler Purismus zeichnen die neue SND Boutique in Chongqing aus.

SND Boutique/Chongqing Der sakrale Tempel Alice im Wunderland begegnet hier dem Stein der Weisen. Das chinesische Interieurbüro von Various Associates gestaltete die im April 2019 in Chongqing eröffnete neue SND Boutique als futuristischen Fashiontempel, wo mysteriöse Raumkonstellationen für Spannung sorgen, die puristische Reduktion auf das quasi nicht mehr vorhandene Einzelobjekt und nackte Oberflächen eine in dieser Brutalität einzigartige Atmosphäre für Konsum schaffen. Das Produkt findet man auf den ersten Blick gar nicht – ein Bruch mit der plakativen asiatischen Merchandisingkultur. Die Ladendramaturgie lässt den Kunden erst einmal auf einen gigantischen „Milestone“ als Zentrum des Stores zulaufen, hinter dem sich alles andere verbirgt. Wer sucht, der findet. Nonkonformismus als Alleinstellungsmerkmal SND als Abkürzung für Selection of Nonconformist Design trifft den Nagel auf den Kopf, denn die SND Boutique war bereits 2013 eine der ersten unabhängigen Multilabelkonzepte in Chongqing, die internationale Toplabels wie Off-White, Martin Margiela oder Helmut Lang zu lokalen Konditionen und in einem stimmigen Konzept mit lokalen Labels präsentierte. Dieser Store beansprucht ein Attribut für sein Konzept und sein Sortiment, das es so dominant in China nur selten gibt. Er vertritt eine klare Haltung. Mode ist hier ein Kunst- und kein Konsumgut. Design wird zu etwas Göttlichem erhoben. In Europa würde man damit schon auf den ersten Metern über die selbst errichtete Schwelle stolpern, aber China setzt gerade erst zum großen Sprung an. SND Boutique. Shinkong Place, Chongqing/China, www.bysnd.com Marken: A Cold Wall, Ambush, Both, Cecilie Bahnsen, Dries van Noten, Ellery, Gray Matters, J Brand, Joseph, Paco Rabanne, Proenza Schouler, Ratio et Motus, Seen, Walk of Shame, We11Done, Yuul Yie u. a. „Der Store ist wie ein Medium, das es Kunden erlaubt, die Beziehung zwischen Raum und Körper selbst zu erleben.“ Various Associates

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Homme Plissé Issey Miyake/Tokio Premiere am laufenden Band Im Juli 2019 eröffnete die Marke Homme Plissé Issey Miyake in Tokio ihren ersten Flagshipstore, nachdem die Kollektion im Jänner erstmals dem internationalen Publikum präsentiert worden war. Eine Premiere für alle, auch für Tokio, vor allem, weil das Herzstück des Stores eine der gigantischen Bügelmaschinen mit Presse und Nähmaschine darstellt, mit der die Designer ihre ikonischen Plissee-Faltenoptiken herstellen. Live vor Ort kann man zusehen, wie die aufwändigen dreidimensionalen Strukturen entstehen, die in der Kollektion Issey Miyake so erfolgreich waren, dass es 2013 zum Spin-off kam und die Kollektion zur eigenen Marke wurde. Der ganze Store widmet sich dem „monozukuri no gemba“, dem Spaß- und Überraschungsfaktor, der jeden Produktentstehungsprozess begleitet. Diese Form der Transparenz ist nicht nur für die japanische Designszene völliges Neuland, sondern auch ein Novum im internationalen High-Fashion-Markt. Technologie zuerst Issey Miyake galt schon mit der Eröffnung des Reality Lab 2013 in Tokio als Retailvisionär. Auch damals war Architekt Tokujin Yoshioka federführend. Für Homme Plissé ging es ihm darum, die Faszination aus der Fusion von moderner

Technologie und traditioneller japanischer Handwerkskunst in Szene zu setzen. Der Kunde wird schon durch die großen Glasfronten von außen auf die Produktion im Laden aufmerksam. Ein Türöffner, der die Schwellenangst herabsetzt. Für Issey Miyake markiert das einen Sinneswandel und bringt die Portion Bodenständigkeit, die der japanische Kunde so schätzt.

Issey Miyake gilt in Japan als Retailvisionär. Mit dem neuen Homme Plissé Store beweist er einmal mehr, warum. Hier stehen das Produkt und seine Entstehung im Zentrum.

Homme Plissé Issey Miyake. 3-18-14 Minami Aoyama, Minato, Tokio/Japan, www.isseymiyake.com

„Das Konzept des Stores stellt den Spaß- und Überraschungseffekt des ‚monozukuri no gemba‘ (Arbeitsprozesses) in den Mittelpunkt.“ Tokujin Yoshioka

Dreh- und Angelpunkt im wahrsten Sinne des Wortes: Inmitten des Stores stellen Produktdesigner an einer gigantischen Bügelmaschine die kunstvollen Plissees her.

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ZUKUNFTSKONZEPTE IM HANDEL

DAS ERNTEN TIEF HÄNGENDER FRÜCHTE

Innovation ist ein ganz bequemer Deckmantel für alle, die keine wirklich tiefgreifende Veränderung wollen. Ein provokantes Statement, das Liz Bacelar von The Current Global als Aufruf an den stationären Einzelhandel formuliert. Sie stimmt mit dieser Forderung in den Chor internationaler Retailexperten ein. Ihr Refrain: Wacht aus dem Dornröschenschlaf auf und ergreift endlich die Chancen, die die Zukunft bereithält. Text: Isabel Faiss, Nicoletta Schaper. Fotos: Unternehmen

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Für den Retailstrategen Robert Burke ist Selfridges nach wie vor eines der führenden Beispiele, was die gute Inszenierung des Einkaufserlebnisses angeht.

„Eines der Buzzwords unserer Branche ist Omnichannel, doch ich befürchte, wir haben es gefeiert, bevor wir es verstanden haben.“ Robert Burke, Robert Burke Associates

DIE KURATIERTE LIFESTYLEWELT

Auf der Suche nach Strategen, die sich tagtäglich mit den zentralen Trends der globalen Retailszene auseinandersetzen, stoßen wir auf Robert Burke, der jahrelang im Management von Ralph Lauren und anschließend als Vice President of Fashion and Public Relations bei Bergdorf Goodman tätig war. 2006 gründete er Robert Burke Associates in New York, um Marken und Unternehmen aus der Branche unter anderem in ihrer Retail­strategie zu beraten. Sein Terrain ist der Luxusmarkt und die Frage, die all seinen Kunden unter den Nägeln brennt lautet: „Wie bekomme ich den Konsumenten dazu, physisch in einen Store zu gehen? Heute ist es extrem wichtig, einen entsprechenden Lifestylemix zu kreieren und das passende Umfeld für seinen Store zu finden, beispielsweise im Umfeld von Restaurants, Cafés, Sportclubs, dem Meditationszentrum oder dem Apple Store. Früher hat es vor allem im Luxusmarkt oft schon gereicht, Labels wie Dior oder Gucci zu führen. Aber das ist dem Kunden heute zu vorhersehbar. Er sucht vielmehr das Erlebnis, die Innovation und diese Art von gut kuratierter Lifestylewelt.“ Auch die Implementierung digitaler Tools und die Symbiose aus Online und Offline sieht er als Chance, die bisher nur wenige richtig verstanden haben. „Eines der Buzzwords unserer Branche ist Omnichannel, doch ich befürchte, wir haben das Wort gefeiert, bevor wir überhaupt verstanden haben, was der Kunde wirklich erwarstyle in progress

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In China ist der Handel fruchtbarer Boden: Circle Studio inszeniert für seine Kunden Läden als Treffpunkte, an denen Konsum fast nebenbei geschieht.

„Einen guten Fashionstore wird man in Zukunft nicht mehr als solchen erkennen, er wird eher wie eine Kunstgalerie oder ein Club aussehen.“ Bobi Wang, Circle Design Studio

tet. Das Erlebnis muss in allen Kanälen gleichwertig sein, denn die Kundenbeziehung ist der Schlüssel. Die Leute wollen einen Store betreten und etwas erleben. Von den großen Häusern ist sicherlich Selfridges das beste Beispiel, wie man Kunden immer wieder mit Dingen wie Pop-ups, neuen Produkten und Services im Store überrascht. Die Kunden wollen unterhalten und informiert werden, sie wollen Teil der Marke sein und fordern einen gewissen Service. Sie suchen die Beziehung zu einem Store oder einer Marke, der diese einzigartig macht. In diesem Thema sehen wir die größte Chance.“ DIVERSITÄT ALS SCHLÜSSEL

Wen Zukunftsfragen plagen, der richtet seinen Blick nach vorn. Und vorne ist momentan China. Spricht man mit Bobi Wang, Chefarchitekt und Mitbegründer von Circle Design Studio in Schanghai, versteht man, warum. Die Technikaffinität und die allgemeine Aufbruchsstimmung in der Konsumgesellschaft, der Durst nach Statussymbolen und die Mentalität des Alles-ist-möglich sind der fruchtbare Boden, der Kreativität scheinbar keine Grenzen setzt. „Einen richtig guten Fashionstore wird man in Zukunft nicht mehr als solchen erkennen, er wird eher wie eine Kunstgalerie oder ein Club aussehen“, beschreibt Bobi Wang seine Vision von einem Fashionstore als zentralen Treffpunkt interdisziplinärere Kunstrich176

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Inspirierend: Der Hubstore Von7 zeigt im Geschäft innovative Produkte von Start-ups, die meist nur online zu finden sind.

tungen und Kulturen. Für ihn liegt der Schlüssel darin, den physischen Store zum inspirierenden Treffpunkt zu machen, an dem der Konsum fast nebenbei geschieht. „Digitale Tools müssen in diese Konzepte auf selbstverständliche Art und Weise integriert sein, denn Social Media spielt in China eine enorm große Rolle und die Stores werden damit zum Fenster in die Welt. Außerdem hat sich das Onlineshopping extrem entwickelt und um hier kompetitiv zu sein, müssen Stores noch mehr leisten.“ Benchmark auf diesem Gebiet ist für ihn momentan Beams in Japan, ein Designtempel, der als Mikrokosmos Essen, Kunst, Mode, Sport und Unterhaltung verbindet. Diesen multidimensionalen Mix sieht Bobi Wang als zentrales Stilmittel für die Zukunft des Modehandels im asiatischen Markt.

„Touch and test local, buy online. So wird das stationäre Geschäft vom Warenverteiler zum Lifestyle­ magneten.“ Jens Fischer, Von7

DER STORE ALS OFFLINE-TOUCHPOINT

Eine der zentralen Fragen für die zukünftige Daseinsberechtigung des stationären Handels lautet: Wie wird der Store vom Versorger zum Entertainer? Denn Versorgen kann Online inzwischen besser. Jens Fischer, Creative Director Kultobjekt und Von7 hat darauf eine spannende Antwort: „Indem er sein Geschäft wieder zum inspirierenden Treffpunkt macht. Zum Beispiel mit Hilfe eines Hubstores; ein von uns entwickeltes Regalsystem, das eine monatlich wechselnde Auswahl thematisch kuratierter Produkte zeigt. Produkte von innovativen Start-ups, die meist nur online zu finden sind, die die Konsumenten überraschen und zum spielerischen Entdecken einladen. Als echter Offline-Touchpoint bietet ein Hubstore die Möglichkeit, die Ware anzufassen und ihre Qualität und Besonderheit zu prüfen – besser, als das mit einer Abbildung möglich wäre. Mittels QR-Code kann sich der Kunde weiter informieren und direkt online bestellen, sodass der Händler keinen Aufwand mit Beratung oder der Kaufabwicklung hat. Er profitiert also nicht vom

erzielten Umsatz, sondern von der zusätzlichen Kundenfrequenz und von der Vergütung für die Bereitstellung der Fläche am Point of Sale. Auf diese Weise kann der Händler mehr verdienen als an der Marge seiner Ware auf einer vergleichbar großen Fläche. Ähnlich funktioniert ein Digital Pop-up-Store, wie wir ihn ab diesem Jahr in ausgewählten Departmentstores und Shopping-Malls in Deutschland umsetzen. Der digitale Pop-up wird über Von7 an Marken mit Strahlkraft vergeben, die monatlich oder alle drei Monate wechselnd neue Impulse bieten, wieder nach dem Prinzip: Touch and test local, buy online. So wird das stationäre Geschäft vom Warenverteiler zum Lifestylemagneten.“ style in progress

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BETTER SELF BETTER

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COLLECT MOMENTS, NOT THINGS – KANN MAN SOLCHEN MANTRAS MIT IMMER NOCH MEHR MODE IM LADEN BEGEGNEN? Oder lohnt es, die Sehnsüchte dieser Kundengeneration in ein Angebot zu fassen? Ein Blick über den Tellerrand der Mode hinaus eröffnet spannende Zusatzgeschäfte. Momente zu schaffen, sich um sich selbst zu kümmern, klappt nämlich nicht nur auf Reisen oder im Yoga-Retreat. Spannende Produkte rund um Beauty und Lifestyle sind völlig zu Recht auf das Radar vieler Händler gekommen. Aber halt. Waren sie da nicht immer? Der Departementstore mit Beautyfloor ist ein Klassiker. JA, ABER: SCHÖNHEIT HAT EIN NEUES GESICHT. Hochglanzversprechen sind passé, je natürlicher, umso besser. Nachhaltigkeit ist fast schon selbstverständlich. Das beginnt bei den Inhaltsstoffen und endet bei der Verpackung. Clean Beauty will ohne das auskommen, was die klassische Kosmetikbranche so verwerflich macht: Abzocke, Lügen, Illusionen sind mindestens so verpönt, wie Mensch oder Umwelt Schaden zuzufügen.

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FASHION DISKURS

DAS SCHÖNE GESCHÄFT

Die Idee, Mode und Beauty zu verschränken, ist nicht neu – bis heute leben Departmentstores trefflich von ihren Beauty-Abteilungen. Doch jetzt ist auch der unabhängige Modehandel auf den Geschmack gekommen: Nicht austauschbare Massenprodukte, sondern Nischenmarken, insbesondere aus dem Segment Clean Beauty und Wellness drängen in die Sortimente. Die Vorteile liegen ganz klar auf der Hand. Eine Win-win-Situation für alle? style in progress hat nachgefragt. Text: Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner, Maureen M. Evans

In Mailand und Paris hat Muse & Heroine seine Showrooms in Kooperation mit Brama aufgeschlagen. Kunden erleben dort das gesamte Sortiment, Catering von Wild & The Moon und eine Wasserbar von Be Vivid.

ES IST DIE CHANCE Janine Knizia, Inhaberin von Muse & Heroine

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Die Formel, mit ausgewählter Beauty für Frequenz zu sorgen und sein Sortiment aufzufrischen, ist grundsätzlich nicht neu. Die besten europäischen Department- und Onlinestores haben das schon seit einiger Zeit verstanden. Dass jetzt auch der inhabergeführte Modehandel diesen Trend erkennt, erkläre ich mir so: Fashion ist für viele Endkundinnen nicht mehr im gleichen Maße sinnstiftend, wie es das mal war. Wir stehen alle vor vollen Kleiderschränken, der Enthusiasmus über Neues ist gesunken. Hingegen hat, sich selbst etwas Gutes zu tun, Hochkonjunktur – in Form von gesunder Ernährung, Nahrungsergänzung, Beauty-Produkten und Treatments. Aber der klassische Kosmetikhandel ist dafür keine Anlaufstelle – die Kunden wollen in neuer Umgebung spannende Brands entdecken. Wir bieten Kompetenz in diesem Bereich als Full-Service-Sales-Agentur und der Erfolg ist überwältigend. Das Angebot von Muse & Heroine im Showroom in Paris zu visualisieren und in stimmigem Umfeld mit einer beVivid Waterbar und Wild & The Moon Organic Catering zu präsentieren, hat viele Kunden beeindruckt. Das ist wie eine Zen-Oase, endlich mal was Neues und ähnliche Komplimente habe ich bekommen. Das Beste ist: Es ist so einfach, in die Umsetzung zu gehen. Mit minimalem Risiko und voller Unterstützung von Muse & Heroine können sich die Händler diese Kompetenz in ihre Läden holen. Schöne, sinnstiftende Produkte ohne Sale, mit minimalem Kapitaleinsatz und permanenter Re-Order-Möglichkeit. Damit haben Händler die Möglichkeit, sich völlig neu bei ihren Kunden zu verankern. Der Benefit liegt auf der Hand: Beauty-Kundinnen kommen wieder, und zwar in kürzeren Abständen als die normale Fashionkundin. Voraussetzung ist natürlich, dass alle Mitarbeiter mitziehen: Gerade Beauty-Produkte aus der Nische oder Clean-Beauty-Produkte haben so tolle Storys, die umso erfolgreicher sind, je enthusiastischer sie weitergetragen werden.“


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VOM BEAUTYZUM LIFESTYLEPRODUKT Petra Schröckeneder, Inhaberin Be soap my friend

Wir alle benutzen Seifen und verschiedene Pflegeprodukte, um unsere Haut vor Umwelteinflüssen zu schützen und zu pflegen. Für unsere Produkte von Be soap my friend verwenden wir alte Heilpflanzen wie zum Beispiel wilde Malve, die die Eigenschaft hat, der Haut die natürliche Feuchtigkeit zurückzugeben, oder die Lindenblütenknospe, die eine beruhigende Wirkung auf trockene und empfindliche Haut hat. Primärer Zweck ist natürlich, die Haut zu schützen, aber ich finde, das muss gehen, ohne der Umwelt zu schaden, wie es zum Beispiel bei Kosmetika mit Mikroplastik der Fall ist. Das belastet unser Abwasser und in Folge Flüsse, Seen und Meere. Plastik zu vermeiden, auch bei der Verpackung, wird immer noch viel zu wenig beachtet. Deshalb benutzen wir von Anfang an Glasflaschen. Vor fünf Jahren stieß das im Handel auf wenig Gegenliebe. Mittlerweile ist die Glasflasche ein echtes Kaufargument geworden. Das schön verpackte Beauty-Produkt ist ein Lifestyleprodukt, das wenig Fläche im Geschäft braucht und eine schnelle Drehung hat. Im Gegensatz zur Mode, wo sich der Händler ein halbes Jahr vorher festlegen muss, sind Beauty-Produkte schnell ab Lager zu beziehen und benötigen wenig Fläche. Dennoch glaube ich, dass nur der Modehändler Beauty gut verkauft, der ein besonderes Augenmerk darauf hat. Beauty ist kein Selbstbedienungsartikel; einfach ein paar Fläschchen hinzustellen und dann läuft es schon. Das funktioniert nicht! Denn ein Endkonsument, der sich für nachhaltige Kosmetik interessiert, will auch Beratung haben.“

Be soap my friend ist der Name für vegane Hautpflege aus Österreich, die auf natürlichen Kräutern und Ölen basiert. Petra Schröckeneder vertreibt ihre Marke sowohl in Lifestyleläden als auch im Modehandel.

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Kosmetik von ausgewählten Ökomarken, außerdem Räume für Kosmetik und Körperbehandlungen: MDC Berlin widmet sich am Standort Berlin ganzheitlich dem Thema Clean Beauty. In München widmet sich ein Laden von Melanie dal Canton ausschließlich der Marke Santa Maria Novella.

ES GIBT EINE GRENZE Melanie dal Canton, Inhaberin von MDC Cosmetic in Berlin und Partnerin von Santa Maria Novella in Deutschland

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Je intensiver ich mich beruflich mit natürlicher Körper- und Hautpflege beschäftigt habe, umso dringlicher der Wunsch, das an einem eigenen Ort umzusetzen. Denn Verkäufer, die in einem Conceptstore einerseits gute Design- und Modeberatung machen, haben nicht das Fachwissen und die Expertise, gleichzeitig noch eine Hautanalyse erstellen zu können. Dazu braucht es eine fundierte Beratung. Bei MDC Cosmetic in Berlin gehen wir noch einige Schritte weiter: Wir bieten auch Behandlungen und sehr umfangreiche Treatments mit ausgebildeten eigenen Therapeuten und Partnern. Das ist mir sehr wichtig, da ich einen gesamtheitlichen Ansatz verfolge und für unsere Kunden einen Ort schaffen möchte, an dem sie sich im wahrsten Sinne des Wortes stärken können. Und ja, ich beobachte, dass Kosmetik oder sich selbst etwas Gutes zu tun, heute auch Lücken füllt, die die Mode hinterlässt, da die Kunden nicht mehr gedankenlos konsumieren. Man ist jeden Tag konfrontiert mit Nachrichten über Klimawandel und Co. Ich sehe, dass viele versuchen, bei sich selbst anzufangen. Bioessen, bewussterer Konsum und eben nicht mehr irgendeine Creme eines Kosmetikkonzerns an ihre Haut zu lassen. Wobei das Heil, das viele Menschen in Naturkosmetik suchen, auch erst mal zurechtgerückt werden muss. Denn Naturkosmetik ist komplex: Vielfach ist es besser für die Umwelt, einen Inhaltsstoff im Labor nachzubauen, als rare Pflanzen und Blüten zu verwenden. Mir ist es daher wichtig, bei MDC Cosmetic und auch in unserem neuen Santa Maria Novella Store in München mit meinem Team entsprechend Zeit für die Kunden zu haben, sie fundiert zu beraten und auf deren Wünsche, Bedürfnisse und Anliegen einzugehen.“


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DIE MODE IST UNTER DRUCK Niels Strøyer Christophersen, Founder & Creative Director Frama Copenhagen

In der westlichen Welt sehen wir seit ungefähr zehn Jahren, dass Kunden bei Marken und im Handel auf den Lifestylegedanken reflektieren. Also Marken mögen, die in der Lage sind, ihr Konzept nicht nur in einer Disziplin anzuwenden, sondern in verschiedenen. In Japan hat das eine lange Tradition, während es in manchen europäischen Ländern als sehr edgy gilt. Ich würde die Integration von Disziplinen wie Beauty schon deshalb nicht als Trend bezeichnen, weil Marken wie Chanel oder Prada das schon seit vielen Jahren erfolgreich tun. Neu ist aber tatsächlich der Nachhaltigkeitsgedanke, der in krassem Gegensatz zum bisherigen Verständnis von Luxus steht. Freiheit ist der neue Luxus, ein freies Leben, in der Natur zu sein, sie zu respektieren. Statt nach klassischen Statussymbolen streben wir heute danach, genau so viel zu besitzen, dass es uns nicht einschränkt und wir seelisch wie körperlich gesund sein können. Menschen mit dieser Philosophie lieben Beauty-Nischenmarken, die mit den alten Maximen der Kosmetikindustrie brechen. Ging es früher darum, mit möglichst wenig Einsatz maximalen Gewinn zu erwirtschaften, arbeiten wir transparent und nachvollziehbar. Die Mode ist ja generell unter Druck: First-Movers konsumieren immer weniger Mode, insbesondere das Kaufen bei Fast-Fashion-Ketten ist verpönt. Nachhaltigkeit wird zum Argument. Aber der Handel muss immer noch Geld machen, also ist er dankbar für die Lücke, die Beauty-Produkte schließen. Zumal diese kleinen Labels auch meistens viel in Packaging und Präsentation stecken und im Laden toll aussehen.“

Eine alte Apotheke ist das Kreativlabor des Kopenhagener Kollektivs Frama. Hier werden Parfüms genauso wie Designobjekte kreiert. Eine Mischung, die die verschiedenen Talente der Menschen bei Frama widerspiegelt.

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IT’S ALL ABOUT EXPERIENCES! Gloria Massaro-Conrad, Geschäftsführerin Ohhh de Cologne und Premium Beauty Brands GmbH

Sowohl im Laden als auch in der Vertriebsagentur von Gloria Massaro-Conrad haben sinnstiftende Produkte Vorrang. Zum Beispiel die Seifenmarke Sana Jardin, sie widmet sich gemeinnützigen Projekten und unterstützt die Pflückerinnen in Marokko.

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Es gibt das Zitat: It’s all about price, the consumer will stay at home and shop online! Dem möchte ich entgegensetzen: It’s all about experiences and emotional engagement! Die große Herausforderung ist doch, den stationären Handel gegenüber dem Onlinehandel wettbewerbsfähig zu halten. Der richtige Schlüssel dazu ist die Begegnung zwischen Menschen. Das besondere Erlebnis entsteht durch den Kontakt im Laden mit Menschen, mit dem Sortiment. Das schafft einen emotionalen Moment, eine Verbindung mit Austausch und damit eine Beziehung. Ein solches Einkaufserlebnis bleibt in Erinnerung. Bestenfalls positiv. Es geht darum, den Kunden mit einem nicht alltäglichen Sortiment zu begeistern, damit er immer wieder kommt. Dafür eignen sich Beauty-Produkte gut als Ergänzung zur Mode, ebenso wie Nischenprodukte aus Lifestyle, Schmuck, Interieur und Food. Im Bereich Beauty ist ein neues Bewusstsein für Clean Beauty entstanden, vergleichbar mit dem Anspruch in der Ernährung. Der Kunde will wissen, woher die Produkte kommen und welche Inhaltsstoffe sie enthalten. Nachhaltig, vegan, natürlich, organisch soll es sein. Er ist nicht mehr bereit, Produkte an die Haut zu lassen, deren Inhaltsstoffe er nicht genau kennt. Dies geht mit dem allgemeinen Trend hin zu Nachhaltigkeit, Wellness und Schönheitspflege einher. Der Kunde hat eine veränderte Anspruchshaltung, verändertes Bewusstsein und ein verändertes Konsumverhalten. Wer sich die Zeit nimmt, den stationären Handel aufzusuchen, möchte auch seine Zeit optimal nutzen. Also macht es für den Händler Sinn, das Angebot zu diversifizieren, dass Kunden auch im Geschäft ihren ‚Warenkorb‘ über verschiedene Sortimente hinaus befüllen können. Last but not least: Schärfe dein Profil, werde zum eigenen Testimonial und führe dein Geschäft mit maximaler Leidenschaft über alle Kanäle, online und offline!“


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Pitti Immagine Uomo Florenz 07.01. – 10.01.20 Premium Exhibition Berlin 14.01. – 16.01.20 Gallery Düsseldorf 23.01. – 28.01.20 Areal Böhler, Kaltstahlhalle, Hansaallee 321, Standnummer A 40 Showroom Munich 30.01. – 28.02.20 www.diehinterhofagentur.de


SO LÄUFT’S

B e tt e r s e lf

FINDEN WIR GUT

Eine neue Generation mit neuen Ansprüchen an Kosmetik – das braucht auch im Handel neue Referenzpunkte. Die alte Parfümerie ist es nicht. Ergreife die Chance, Modehandel!

IM KONTEXT

Frama St. Pauls Apothecary. Möbel, Interieur und Pflege. Was wie eine große Klammer klingt, ist im Fall des dänischen Kreativkollektivs Frama eine logische Ergänzung. Die Inspiration zur puren Pflege und Parfümkollektion lieferte die historische St. Pauls Apotek im Viertel Nyboder in Kopenhagen. Dort betreibt Frama seit 2016 sein Studio, ein modernes Designlabor, um Materialien, Inhaltsstoffe und Ideen auszuprobieren. Und es ist ein würdiger Rahmen für die Pflege- und Duftlinie, die mit ihren aus italienischem Glas hergestellten Verpackungen an Apothekerbehältnisse erinnert. Hochwertige Inhaltsstoffe sind für Macherin Lena Norling ebenso Pflicht wie strenge Qualitätskontrolle bei der Auswahl der Rohstofflieferanten. Der Nachhaltigkeitsgedanke manifestiert sich schon im Design der unisex Linie: Die Spender und Flakons sind hübsche Objekte von Dauer. Frama St. Pauls Apothecary, Kopenhagen/Dänemark, T 0045.31.406030, contact@framacph.com, www.framacph.com

LE PRUNIER

NÄCHSTE GENERATION

The 7 Collection. Pauline Rochas ist sozusagen französischer Parfüm- und Modeadel. Parfümeure, Künstler und Modedesigner, diese DNA will genutzt sein. Mit ihrer Parfümlinie The 7 Collection gelingt genau das: Das Wissen der Großeltern- und Elterngeneration, ihre eigene Kunstsinnigkeit und die Erfahrungen von vielen Asienreisen zu verbinden. Drei renommierte Parfümeure haben in ihrem Auftrag sieben Unisex-Düfte kreiert, die Auswahl sollen die Kunden intuitiv treffen oder indem sie Fragen beantworten, die sich an der Chakren-Lehre orientieren. Die Parfüms sind nicht nur äußerlich minimalistisch, auch in ihrer Komposition und Herstellung sind sie absolut geradlinig und vor allem nachhaltig. Muse & Heroine, T 0049.174.4431100, janine@museandagency.com, www.parfumspauliner.com

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Dörrpflaumen? Ein Superfood, würden die Gründerinnen des Beautylabels Le Prunier sagen. Aus getrockneten Pflaumen gewinnen sie ein Öl, dem man nachsagt, achtmal so stark zu wirken wie Arganöl. Angebaut, kaltgepresst und abgefüllt wird das Öl von Le Prunier auf der Familienfarm von den Gründerinnen Allison und Jaqueline Taylor. Das Öl wird in ästhetisch verpackten 30 Milliliter Einheiten ausgeliefert, der EK-Preis beträgt 44 Euro, im VK kostet das Öl 98 Euro. Niche Beauty Fans, Presse und Promis sind gleichermaßen von dem Öl begeistert, das die Haut glättet und strahlen lässt. Den Europa-Vertrieb hat sich Muse & Heroine gesichert, in den Showrooms in Mailand und Paris kann geordert werden, Nachbestellungen sind jederzeit möglich. Le Prunier, Muse & Heroine, T 0049.174.4431100, janine@museandagency.com www.museandheroine.com


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B e tt e r s e lf

MÄNNERSACHE

AUS JAPAN

Ubuna. Japanische Hautpflege gilt als besonders elaboriert – makellose Haut ist in Japan ein Thema großer Wichtigkeit. Die Linie Ubuna nützt natürliche Antikörper, deren Wirkweise in der medizinischen Forschung entdeckt wurden. Die vier Seren regen die Ceramideproduktion an und helfen, Hautschäden vorzubeugen und sie abzuwenden. Die von externen Faktoren wie Sonne oder Luftverschmutzung angetriebene Hautalterung soll verhindert werden. Alle Formulierungen sind „7 free“, das Fachwort für das Fehlen der sieben gängigsten Problemzutaten in der Hautpflege. Die verschiedenen Seren sind auch für sensible Haut geeignet und können einzeln oder zusammen angewendet werden. Liebling der Presse ist Ubuna nicht nur wegen seiner Wirkungsweise: Die Seren sind wunderschön verpackt. Muse & Heroine, T 0049.174.4431100, janine@museandagency.com, www.ubunabeauty.com

UNIVERSELL

8 Faces. Ihren hektischen Alltag als Produktionsleiterin beim Fernsehen hat sich Beth Schuman, Gründerin von 8 Faces, zum Vorbild genommen. „Ich lebte so viele Jahre aus dem Koffer, da war es einfach schwierig, mich ordentlich um meine Haut, Haare und meine innere Balance zu kümmern.“ Sie wurde inititiativ und kreierte ein konzentriertes Öl mit zertifizierten ökologischen Inhaltsstoffen, das vielseitig angewendet werden kann. Als tägliche Feuchtigkeitspflege, als Primer, um fliegende Haare zu glätten, als After-Sun-Pflege, als Massagebalsam. Anwendbar in Gesicht und auf dem gesamten Körper, ist 8 Faces eine besonders unkomplizierte Pflege. Die universellen Einsatzmöglichkeiten machen 8 Faces ideal für Conceptstores, die sich sachte an das Thema Clean Beauty herantasten wollen. Muse & Heroine, T 0049.174.4431100, janine@museandagency.com, www.8facesbeauty.com

Green + The Gent. Clean Beauty hat auch die Männer erreicht. Die Marke Green + The Gent aus München widmet sich mit hochwertiger, effektiver Pflege ganz der Männerhaut. Regionale, biozertifizierte Wirkstoffe aus Holunder, Efeu und Hopfen treffen auf die Superpflanze Aloe Vera. Letztere zeichnet vor allem für die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit verantwortlich. Die Kosmetika werden in kleinen Chargen in Deutschland hergestellt, sie sind vegan und ohne Tierversuche. Maskuline Duftrichtungen wie „Gin“ oder „New Old School“ lassen keinen Zweifel aufkommen, dass das nur seine Tiegelchen sind. Verkauft wird Green + The Gent zu VK-Preisen von 24 bis 95 Euro in Läden wie Manufactum, Parfümerien wie Schnitzler und verschiedenen Eco-Stores. Die Distribution unterstützt ab sofort Mark McGuire. Green + The Gent, München/Deutschland, T 0049.171.1965577, mark@mcguire.de, www.greengent.com

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Ursprünglich war er Lehrer, bis heute ist Johnnie Boden ein Lernender geblieben. In den letzten Jahren war das Unternehmen stark im Wandel, vom reinen Katalogbusiness zum Onliner. Als Familienunternehmer habe er zwei Vorteile, sagt Boden: Den Mut, Dinge auszuprobieren und die Konsequenz, Fehler auch einzugestehen.

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JOHNNIE BODEN

„MAN MUSS FÜR SMARTPHONE-BILDSCHIRME DESIGNEN“

Farbenfrohe, kreative Mode für Frauen, Herren und Kinder – das hat Boden zu einer der erfolgreichsten britischen Marken werden lassen. Auf das Jahr 2020 freut sich Johnnie Boden, weil „ich heiß auf wirklich gute Nachrichten bin und wir davon in letzter Zeit nicht besonders viele hatten“. Ein verschärfter Wettbewerb, der Wandel vom Kataloghändler zum Onliner und generelle Marktprobleme fordern das Familienunternehmen auf, anders zu denken und zu handeln. Doch in einem ist sich Johnnie Boden sicher: In Internationalisierung und Expansion nicht liegt das Heil – zumindest, wenn die Hausaufgaben nicht erledigt sind. Daher ist seine Devise: Profit vor Umsatz. Beherzt handeln, an den kleinen und großen Stellschrauben gleichermaßen akribisch drehen, der Engländer ist ein Chef von der anpackenden Sorte. Interview: Stephan Huber. Fotos: Jennifer Endom

S

ie waren ursprünglich Lehrer. Haben Sie irgendetwas aus dieser Berufswahl für Ihr Unternehmen brauchen können? Ja, ich war Lehrer, aber für das, was ich heute mache, hatte ich überhaupt keine Ausbildung. Ich habe alles beim Arbeiten gelernt. Das Rüstzeug für diese Karriere steckt wohl tief in meiner Kindheit. Warum also die Mode? Ich bin mehrfach in die USA gereist und das dortige Katalogbusiness mit J. Crew oder Lands’ End fand ich interessant, auch wenn ich selbst nie etwas aus dem Katalog gekauft habe. Ich begann zu überlegen, wie das in UK funktionieren könnte. Als ich dann eine unerwartete Erbschaft von meinem Onkel machte, konnte ich mir davon eine Wohnung kaufen und dann hatte ich noch etwas übrig. Schon als Schulkind habe ich mich für Kleidung interessiert. Als ich acht Jahre alt war, fotografierte ich die Schuhe meiner Mutter. Und als ich nach Eton ging, fuhr ich nach London und kaufte in Portobello meine Tweed-Mäntel und in einem Laden namens Flip, einem amerikanischen Vintage Store in Covent Garden, High Top Converse dazu. Ich habe mich immer für Mode interessiert und als ich so kläglich als Lehrer scheiterte, war der Moment gekommen. Sie haben erst mal ein Paar Hand­schuhe entworfen? Ja, das war eines der Dinge. Ich hatte einen Vater, der ziemlich altmodisch war und ich bekam nie ein Lob für irgendetwas, er war ziemlich hart. Er war in vielerlei Hinsicht ein erstaunlicher Mann, in anderen Dingen wieder ziemlich schwierig. Einer der Vorteile einer solchen Kindheit ist, dass Sie recht gut darin sind, Ratschläge anzunehmen. Ich war einerseits voller Vertrauen, andererseits ziemlich unsicher. Aber ich war gut darin, herumzufragen und so gute Tipps zu bekommen. Ich fand einen Freund eines Freundes, der eine Fabrik besaß. Das ging tatsächlich alles sehr schnell und einfach. Ich fand Produzenten, Fotografen, PR-Berater. Das Unternehmen aufzusetzen, war vergleichsweise einfach. Der harte Teil kam erst – das alles auch erfolgreich werden zu lassen.

Wie essenziell ist Bodens Britishness? Darüber denken wir auch viel nach – sie ist sehr wichtig. Zu Beginn war uns das überhaupt nicht bewusst, wir dachten nicht international. Erst als uns auffiel, dass wir viele amerikanische und deutsche Kunden in unserer Datenbank hatten, war die Idee geboren, die Marke zu internationalisieren. Die britische Note zeichnet uns aus, aber weil die deutschen und amerikanischen Kunden anspruchsvoll sind, darf sie niemals platt sein: Einfach einen roten Bus draufzumachen, würde nicht reichen. Für uns Kontinentaleuropäer ist er sichtbar, der britische Touch. Woran genau machen Sie den fest? Schwierig zu erklären, es ist die Art und Weise, wie Sie mit Farben und Mustern spielen. Ein bisschen mutiger, nicht wahr? Ja, genau. Ein anderer Look. Das ist uns ganz wichtig: Es darf nicht zu bewusst sein. In dem Moment, in dem Kunden es genau benennen könnten, würde ich mir Sorgen machen. Denn es muss ein subtiler Akzent bleiben. Wie bereitet man sich als britisches Unternehmen auf den Brexit vor? Wir wissen einfach nicht, was passieren wird. Wir haben auch nur grobe Ideen. Also werde ich das Geld, das wir brauchen, um mit den Folgen klarzukommen, lieber erst ausgeben, wenn wir genaueres wissen, als dass ich jetzt möglicherweise in eine falsche Brexit-Vorbereitung investiere. Sie sagten mal: „Jeder muss ein Omnichannel-Händler sein.“ Das habe ich gesagt, ja, aber ich weiß nicht, ob das heute noch richtig ist. Selbstverständlich müssen Kunden die Möglichkeit haben, die Kleidung zu berühren und zu sehen. Aber davon, dass wir hunderte von Geschäften eröffnen, bin ich nicht mehr überzeugt. Neben den eigenen Stores reizt Sie jetzt auch der Großhandel? Aus finanzieller Perspektive ist das interessant, aber aus meiner Markensicht empfinde ich es schwierig. Sie haben dann nicht mehr die volle Kontrolle über die Marke, kein eigenes Erscheinungsbild am PoS. style in progress

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Wobei Sie sich ja darauf verlassen können, dass Sie bereits eine starke Marke sind. Das stimmt. Ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob es die richtige Ansprache für Leute ist, die noch nie von unserer Marke gehört haben. Es ist also noch nicht beschlossene Strategie, sondern ein Versuch? Ja, genau. Es ist richtig, Dinge auszuprobieren und in Konsequenz auch wieder sein zu lassen, wenn es nicht funktioniert. Großhandel ist nur ein sehr, sehr kleiner Teil unseres Geschäfts. Katalog und Web bleiben unsere wichtigsten Säulen. Wie schwierig war es, das Kataloggeschäft in ein Onlinegeschäft zu transformieren? Die Leute stellen sich das sehr einfach vor. Der wichtigste Vorteil ist, dass man Lager und Logistik nicht aufbauen muss. Es besteht schon ein Callcenter und die Erfahrung im Warehousing ist ein Riesenvorteil. Der Katalog hat einen großen Nachteil: Sie produzieren ihn und tun so, als ob alles noch verfügbar ist, wenn ihn ihre Kundin am Küchentisch durchblättert. Ruft sie an und erfährt, dass ihr Lieblingsartikel nicht mehr erhältlich ist, ist sie enttäuscht. Online entfernen Sie ausverkaufte Artikel einfach. Das verändert den Einkauf völlig, da kann man auch mal kleine Stückzahlen produzieren lassen, während man sich für den Katalog einfach gewisse Mengen aufs Lager legt, um die Kunden nicht zu enttäuschen. Die Verkaufspyschologie ist in beiden Medien völlig verschieden. Im Katalog geben wir eine Menge Geld aus, damit die Fotos schön aussehen. Fürs Web brauchen wir wieder eine ganz andere Fotografie. Das korrespondiert kaum miteinander. Zurück zu Ihren Plänen für den stationären Handel im deutschsprachigen Raum. Ich glaube in zehn Jahren kann man davon sprechen, dass wir wirklich in Deutschland sind. Wir schauen uns erst mal alles an, Großhandel, alles. Wir stecken die Zehen ins Wasser. Der Wettbewerb ist heute deutlich härter, gerade auch online. Jeder muss seine Antworten darauf finden, was er wem in Zukunft wo und wie verkaufen will – und warum. Als Inhaber führen Sie ein relativ gesundes Unternehmen in diese Zukunft – allein das ist schon bemerkenswert. Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre? Wir sind optimistisch ehrgeizig. Das wäre ich nicht, wäre ich nicht überzeugt, dass wir vieles noch sehr viel besser machen können. Wir müssen neue Dinge ausprobieren, müssen agiler sein und länderspezifisch verkaufen. Deutschland zum Beispiel viel deutscher ansprechen und unser Angebot für diesen Markt zuschneiden. Das Spannende ist, dass Kunden heute international sehr ähnlich ticken. Wenn sie eine schlechte Saison in Großbritannien haben, haut sie kein anderes Land mehr raus. Genau wie sich Erfolg auch in anderen Ländern fortschreibt: Unsere Top-Ten-Bestseller sind sehr interessant, mindestens fünf davon haben globale Gültigkeit. 190

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Bedeutet Globalisierung also, dass es eine Art globalen Geschmack gibt? Wenn man verallgemeinert, gibt es noch immer gewisse Gesetzmäßigkeiten – dass die Amerikaner zum Beispiel formeller sind, die Deutschen lässiger oder die Briten trendbewusster. Eine gewaltige Herausforderung an das schöne Buzzword der Personalisierung. Ja, denn das ist wirklich schwierig. Wird man zu individuell, verliert man die Vorteile der Gemeinsamkeit. Für jeden Markt individuell zu produzieren, bringt Vor-, aber natürlich auch Nachteile. Genau, zumal Personalisierung ja so oft missverstanden wird, dass man den Leuten die Möglichkeit einräumen müsse, selbst zum Designer zu werden. Das stimmt nicht. Wenn ich zum Abendessen gehe, will ich auch nicht für mich selbst kochen – ich will an einem Ort sein, wo ich weiß, was mich erwartet, das ist der Punkt. Was also ist in der Personalisierung Ihrer Meinung nach wichtig? Im Grunde ist es ziemlich beschämend, dass wir in ganz einfachen Dingen noch nicht gut sind. Seinen Kunden eine zielgerichtete E-Mail zu schicken, die für ihn relevant ist und seinen Geschmack widerspiegelt, ist zum Beispiel überraschend schwierig. Man denkt, das muss doch einfach sein, aber es für ein Unternehmen zu skalieren, ist wirklich herausfordernd. Das ist übrigens auch ein hervorragendes Beispiel dafür, dass manches besser wird, wenn man als Unternehmen wächst, in anderen Feldern dafür wird man durch Größe schlechter. Also Fokus weiterhin aufs Produkt? Spannende Frage. Ja, Nummer eins das Produkt, Nummer zwei die Bilder. Gleich danach kommt das Styling. Das muss sowohl im Katalog als auch im Web auf zwei Weisen sehr gut funktionieren: Eine ist die Emotion – eine Verbindung zu schaffen und Menschen denken zu lassen, oooh, das ist aber hübsch. Und der zweite Aspekt von Website und Katalog ist Convenience. Der Größenschlüssel muss stimmen, am Telefon muss alles passen, das ist bei uns alles gegeben. Wie wichtig ist mobile? Man kann das so abkürzen: Wer im Web Erfolg haben will, muss für Smartphonebildschirme designen. Wie interessant, das ist so offensichtlich und logisch, aber niemand sagt das so deutlich wie Sie. Machen Sie eigentlich Marktforschung, also fragen Sie ab, ob sich die Kunden gewisse Dinge wie Individualisierung wünschen? Nun ja, zuerst muss man immer wissen, wen man fragt und welche Fragen man stellt. Die Personalisierung ist im Grunde ganz einfach: Wir sagen, Stephan, du hast letztes Jahr eine Menge weißer Hemden und noch andere Hemden bei uns gekauft, daher vermuten wir, dass du dieses Hemd zur Arbeit trägst und schlagen dir ein Sakko dazu vor. Menschen mit relevanten Inhalten inspirieren.

Also geht es darum, das Wissen und den Service, den Sie mit gutem Personal in einem stationären Laden gewährleisten, online zu übertragen. Ja. Jemand hat einmal gesagt, man solle sich selbst als einen Metzger von der alten Schule vorstellen. Wärst du in den 1950er-, 1960er-Jahren zu deinem Metzger gegangen, hätte der gesagt: „Guten Tag Stephan, ich weiß, dass du gerne Leber isst und ich habe ganz tolle bekommen… Du hast schon mal Kalbsleber genommen, diesmal kann ich dir leckere Hühnerleber anbieten, die ist auch noch günstiger als die vom Kalb.“ Und genau dieses Prinzip gilt heute noch. Es geht darum, seine Kunden zu verstehen und ihm relevante Alternativen zu bieten. Was wäre also für Ihr Geschäft eine Alternative, die reizvoll ist? Asien? Haben wir uns angesehen, ist aber im Moment nicht im Fokus. Generell meine ich, dass man besser daran tut, sich auf Märkte zu konzentrieren, in denen man bereits stark ist. Das mag wie ein Klischee klingen, aber es ist immer profitabler, in einem bestehenden Markt von sieben auf zehn zu wachsen als in einem neuen Markt von null auf drei. Profit over Turn-over? Wer Gewinn macht, kann es sich leisten, etwas Neues zu probieren. Es wäre töricht, zu denken, dass ein neuer Markt dich rettet, wenn Dinge falsch laufen. Ich finde es heute spannend, welche Wirkung kleine Verbesserungen haben. Ein Beispiel? Schon leicht verbesserte Farben, bessere Drucke, Töne, die Kunden besser stehen, bessere Models, ansprechendere Fotografie, eine bessere Website. Zählt man all diese Faktoren zusammen, merken wir, dass der Unterschied zwischen einem richtig guten und einem guten Kleid enorm ist. Von manchen Kleidern verkaufen wir 50.000 Stück in der Saison, von anderen nur ein paar hundert. Auf den ersten Blick versteht man nicht, warum, aber wenn man darüber nachzudenken beginnt, erschließt sich plötzlich alles: Die Länge ist perfekt, es ist super fotografiert, es passt dem Model wunderbar, die Farben kommen schön rüber – und all diese Dinge kann man vergleichsweise gut beeinflussen. Trotzdem ist das noch nicht die Zauberformel, denn wenn man an so viele Dinge gleichzeitig denken muss, ist das Wichtigste, fokussiert zu bleiben. Ist es schwer, die richtigen Leute für das alles zu finden? Und wie! Es ist ja eine Industrie, die sich gerade erst entwickelt. Wenige bringen Erfahrung mit, es sei denn, sie haben sich einfach ans Machen gewagt. Aber dann haben Sie ein anderes Problem: Menschen, diese Intelligenz und Umsicht haben, entscheiden sich oft, selbstständig zu werden. Außerdem steht man als Arbeitgeber im Wettbewerb mit großen Unternehmen. Wir haben großartige Leute hier, aber es dauert lange, sie zu finden. Absolut, und dann ist es auch Tech, also eine Branche, in der Spezialisten eher geneigt sind, für Mercedes als für ein Mode-


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Ans Aufhören denkt Johnnie Boden noch lange nicht: Von Übernahmeangeboten fühle er sich geschmeichelt, aber in der Rolle eines nur halbtags arbeitenden Non-Executive-Managers sehe er sich noch nicht. Auch seine drei Töchter mit 19, 22 und 24 möchte er nicht in eine bestimmte Rolle drängen.

unternehmen zu arbeiten, weil da – zumindest bei uns in Deutschland – eine höhere Affinität besteht. Apropos Deutschland und seine Besonderheiten: Wie stehen Sie zur hohen Rückgaberate in diesem Land – und generell? Retouren muss man einfach akzeptieren, besonders in Deutschland, wo die Kunden gerne auf Rechnung kaufen und gleich mehrere Größen zur Auswahl bestellen. Da geht die Hälfte dann sicher zurück. Ist das in UK besser? Ja, die Leute zahlen mit Kreditkarte und damit ist die Warenkorbgröße nicht so spektakulär wie in Deutschland. Was bedeutet das für die Retourenquote? Deutschland hat etwa 60 Prozent, in UK irgendwo zwischen 30 und 40. In unserem Brompton Warehouse in Leicester waren ursprünglich mal zwei Drittel für den Versand und ein Drittel für die Retouren reservieret. Heute brauchen beide Abteilungen die Hälfte. Das ist ein Thema, das mich lange begleitet. Vor zwölf Jahren hat Ron Herman diese Saat in einem Interview gesät, als er sagte, er würde 50 Prozent und mehr

Retouren als Signal sehen, dass der Onlinehandel einen schlechten Job macht. Der Vergleich hinkt, weil die Retourenquote ja der Umkleidekabine eines Geschäfts gegenübergestellt werden müsste. Gehe ich mit vier Hosen rein, kaufe aber nur eine, hat dieser Laden auch eine Retourenquote von 75 Prozent. Folglich muss man die Retoure im Onlinehandel gewissermaßen hinnehmen, ja. Neu ist die Diskussion über die Umweltaspekte der Onlineretouren. Ja, darüber kann man sich trefflich streiten. Wobei ich der Meinung bin, dass ein fairer Vergleich von On- und Offline einberechnen müsste, dass man zu dem Geschäft fahren muss oder dass Läden viel Strom brauchen. Wofür man die ganze Branche an den Pranger stellen kann, ist Plastik. Das viele Plastik, das wir brauchen, weil Lagerhäuser eben nun mal kein sauberer Ort sind und man die Kleidung so schützt. Wir suchen da intensiv nach Alternativen und ich denke, dass wir im nächsten Jahr so weit sind. Beeinflusst die Umweltdiskussion auch die Wahl der Produktionsländer? Weil Sie

sich eventuell schon rüsten müssen für Einfuhrzölle oder eine Steuer auf lange Transportwege? Wir produzieren aktuell im nahen und fernen Osten, Südeuropa, der Türkei und Nordafrika, aber wir versuchen, die nahen Produktionsstandorte auszubauen. Das ist bis zu einem gewissen Punkt auch möglich. Die Umweltdebatte ist gut. Wir überlegen uns zum Beispiel, unseren Kunden kostenlose Reparaturen zu ermöglichen, wir geben lange Garantien, wir wollen einfach generell, dass die Leute weniger, aber besser kaufen. Es gibt Unternehmen, die sehr viel mehr Schuld an der schlechten Ökobilanz der Modeindustrie trifft als uns. Wir produzieren nur in geprüften Fabriken und inspizieren sie regelmäßig. Ich bin ziemlich stolz darauf, was wir tun. Aber es fällt mir schwer, zu sagen, wir wären ach so brillant in dem Thema, weil es immer irgendeinen Aspekt gibt, in dem man dann eben doch noch nicht brillant ist. Und das hauen einem Journalisten dann um die Ohren.

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Standard Project bietet Luxus durch Klarheit und Einfachheit.

STANDARD PROJECT

WENIGER IST MEHR Minimalistisch, universell, zeitlos: Standard Project konzentriert sich mit seiner Reihe neu interpretierter Klassiker auf das Wesentliche und setzt mit einer permanenten Kollektion neue, saisonunabhängige Standards und ein Zeichen für besondere Nachhaltigkeit. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Standard Project/Robert Brembeck

Statt auf schnelllebige Modetrends und immer kurzfristigere Kollektionszyklen konzentriert sich die Münchner Marke Standard Project auf durchdachte Produkte zum Leben, Arbeiten und Reisen. Dabei setzen die Macher auf Slow Fashion und brechen ganz gezielt mit der Regel, dass Mode sich ständig neu erfinden muss. Creative Director Josef Grillmeier sagt: „Bevor wir uns dazu entscheiden, ein Produkt nach unserer Philosophie neu zu interpretieren, stellen wir uns intern zehn Fragen. Nur wenn es unserem Standard entspricht, machen wir uns daran, daraus einen zeitlosen Klassiker zu kreieren.“ Holger Petermann, Communication Director fügt hinzu: „Weniger ist mehr! Diesen nach192

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haltigen Leitsatz transportieren wir auch in der Kommunikation. Wir stellen dabei nicht ein einzelnes Produkt in den Vordergrund, sondern unsere Philosophie von universellen Produkten in höchster Qualität und unsere breite Range bestehend aus durchdachten Lieblingsstücken im reduzierten Design.“ Den Auftakt für die Serie durchnummerierter Artikel aus unterschiedlichen Warengruppen machte im vergangenen Jahr ein schwarzes T-Shirt als Definition von lässigem Luxus und Understatement. Danach ging es gleich mit einem puristischen Coffee-Racer-Fahrrad aus ultraleichtem und stabilem Titan weiter. Daraufhin folgten ein graues Crew-Neck-Sweatshirt, hellgerösteter Pache-Común-Kaffee aus Guatemala sowie eine pflegende Seife für Körper und Haar frei von tierischen Inhaltsstoffen, Mineralölen, Mikroplastik und ohne Zusatz von synthetischen Duft- und Farbstoffen. Ein Skizzenblock und drei holzummantelte Bleistifte mit bruchsicherer Mine ergänzen das Portfolio, ebenso wie eine besonders langlebige, pflegeleichte und schmutzresistente schwarze Schurwoll-

decke made in Germany, die nicht pillt, und eine von Hand rundgestrickte Mütze aus Cashmere-Merino-Mix ohne störende Seitennaht. „Unsere Produkte vertreiben wir online und europaweit in einem selektiven Händlernetz auch stationär. Dank ihres reduzierten Designs werden unsere Items schnell zu Lieblingsstücken und lassen sich mit anderen Marken hervorragend kombinieren. Wir gewährleisten dadurch eine authentische Sichtbarkeit unserer Marke in einem passenden Umfeld und inszenieren sie entsprechend“, erklärt Managing Director Dominique Eggeringhaus. Dabei ist der Luxus noch äußerst erschwinglich mit Preisen von sechs Euro für die Bleistifte, 9,50 Euro für ein Stück Seife, 250 Gramm Kaffee kosten 11,50 Euro, das T-Shirt 65 und das Sweatshirt 145 Euro. Lediglich das nach neuestem Stand der Technik konfigurierte Fahrrad rangiert mit seinem Verkaufspreis von 3.656 Euro nicht unmittelbar in der Kategorie Mitnahmeartikel, sondern ist eindeutig etwas für Kenner, die leisen Luxus bevorzugen.


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Für Sacha Prost ist der Active Lifestyle Look Teil seiner Vita. Der Sohn von Formel 1 Legende Alain Prost ist mit Rennsport aufgewachsen.

8JS

„ES GEHT UM DIE LEIDENSCHAFT FÜR RENNSPORT“ Sacha Prost, Sohn des vierfachen Formel-1-Weltmeisters Alain Prost, gründete gemeinsam mit seinem Bruder Nicolas und seiner Schwägerin Delphine die Marke 8Js. Inspiration der sportlichen Menswear war die goldene Ära der Formel 1 und ihre couragierten Fahrer. Interview: Stefanie Buchacher. Fotos: 8JS

Wie ist 8Js entstanden? Die erste Idee kam bereits 2013 auf. Wir wollten eine Marke für Formel-1- und Autoliebhaber gründen. Der Name entstand später als wir eine Dokumentation über die alten Tage der F1 und ihre Fahrer sahen. Sie hießen John, Jo, Jackie, John, Jodie und da waren noch weitere, deren Name mit J begann. 8Js ist eine Hommage an die Fahrer, die den Motorsport der 1970er-Jahre geprägt haben. Diese Fahrer verkörpern, was wir unter Courage und Werten verstehen, der Name transportiert diese Ära in unsere Zeit. Es geht nicht um Mode, sondern um die Leidenschaft für den Rennsport. Wie lässt sich der Stil von 8Js beschreiben?

Unser Active Lifestyle Look kombiniert Details direkt von der Rennstrecke, um Kleidungsstücke zu schaffen, die wirklich funktional und richtungsweisend sind. Symbolischstes Design ist unser Racing-Stripe, der erstmalig 1965 bei Jim Clark erschien und dann alle Rennanzüge in den 70ern zierte. Diese Eleganz ist die Basis des 8Js Stils. Was zeichnet die Kollektionen aus? Wir entwickeln zwei Hauptkollektionen für Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter mit Drop-ins im März, August und November. Pro Jahr haben wir etwa 150 Styles von Shirts bis Jacken und Sneaker. Unsere Shirts kosten zwischen 70 und 90 Euro, Jacken zwischen 390 und 1.500 Euro oder Sneaker zwischen 290 und 380 Euro. Wir sind eine Highend-Marke. Unsere Preise lassen sich durch unseren rigorosen Produktionsprozess, um die hohe Qualität sicherzustellen, erklären. Worauf wird bei der Produktion geachtet? Das Rückgrat unserer Kollektionen sind unsere Lieferanten. Unsere Priorität vom Start weg waren Qualität und faire Bedingungen. Unsere Produktionen sind sorgfältig geprüft und entsprechen Fair Trade, dem Modern Slavery Act und weiteren Anforderungen, die wir persönlich fordern, um sicherzugehen, dass unsere Produkte clean sind. Nachhal-

tigkeit ist die nächste Herausforderung für uns. Wir sind noch nicht hundertprozentig nachhaltig und es wird noch einige Zeit benötigen, um dorthin zu kommen. Aber wir tun viel dafür, so grün zu sein, wie es die Industrie zulässt. Beispielsweise verbrauchen unsere Winterblazer, die mit Polartec-Materialien gefertigt sind, in der Herstellung deutlich weniger Wasser als Daunenjacken oder Kleidungsstücke mit Wolle. Ein weiteres Beispiel ist, dass wir nach veganen Alternativen für Leder suchen. Was steht sonst noch an? Wir arbeiten an einer Zusammenarbeit mit der Formel 1, unsere bisher größte Zusammenarbeit – und emotionalste, denn in gewisser Weise sind wir Kinder dieses Sports. Welche Bedeutung hat der Formel-1-Sport für Sie persönlich? Auch wenn ich nicht den Weg gegangen und ein professioneller Rennfahrer geworden bin, macht die Formel 1 einen Großteil von mir aus. Als ich aufwuchs, hörte ich die Geschichten von meinem Vater und Ayrton und all den anderen. Ich fühle mich dem Sport sehr verbunden. Der Rennsport lehrte mich viel über die Werte des Sportes an sich, den Wettbewerb zu respektieren und durch einen Blick zurück zu sich selbst zu verbessern. style in progress

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FRAUENSCHUH

VON DER ACHTSAMKEIT Die Marke Frauenschuh lebte Nachhaltigkeit bereits, als der Begriff noch nicht in aller Munde war. Für Kaspar Frauenschuh ist Qualität Selbstverständnis und Lebensaufgabe zugleich. Aktuell vollzieht das Familienunternehmen den nächsten Wachstumsschritt: Strukturen schaffen, die Übergabe vorbereiten und gleichzeitig die Kernwerte der Marke festigen. Interview: Stephan Huber. Text: Veronika Zangl. Fotos: Frauenschuh

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itten im berühmten Tourismusort Kitzbühel liegt das Familienunternehmen Frauenschuh. Von der kleinen Gerberei, die Hans und Anna Frauenschuh 1950 gründeten, zeugt noch heute die Affinität zu hochwertigen Materialien. Sohn Kaspar Frauenschuh führte den Betrieb als Modehändler gemeinsam mit seiner Frau Andrea und seiner Schwester Resi in das neue Jahrtausend, die dritte Generation soll irgendwann später übernehmen.

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MATERIALQUALITÄT UND NACHHALTIGKEIT

„Materialsicherheit steht bei uns an erster Stelle“, erklärt Kaspar Frauenschuh die Grundwerte seiner Marke, die seit Gründung auf Nachhaltigkeit basiert – noch bevor der Begriff zum geflügelten Wort avancierte. „Frauenschuh-Produkte sind langlebig, eben weil wir auf Qualität achten. Das ist ein ständiger Prozess.“ Abstriche werden nicht hingenommen. „Wir wollen allerhöchsten Ansprüchen genügen.“


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Nachhaltigkeit gehört für die Marke Frauenschuh seit der Gründung zum Selbstverständnis.

Moderne Strukturen, das Markenbild schärfen und neue Potenziale ausschöpfen – das Familienunternehmen von Kaspar Frauenschuh (links) hat seine Geschäfts­leitung um Robin Wöll (oben) erweitert und dreht an wichtigen Stellschrauben.

ABSCHIED VON DER SAISONALITÄT

Mode als schneller Konsumartikel? Frauenschuh steuert diesem Irrglauben durch schonenden Umgang mit Ressourcen und Beständigkeit gegen. Dazu zählt, dass sich Frauenschuh gänzlich von Saisons verabschiedet hat. 365 Tage im Jahr gibt es sowohl Sommermode wie Wintermodelle, Reduzierungen versucht man gänzlich zu vermeiden. Seit 2019 hat Frauenschuh die Geschäftsleitung verstärkt, ganz bewusst mit einem Vertreter der jungen Generation. Robin Wöll, Geschäftsführung Sales, E-Commerce und Marketing bei Frauenschuh: „Gerade im E-Commerce lernen wir, dass man sein Produkt wertstabil halten kann. Auch in allen anderen Kanälen sind wir story- und nicht preisgetrieben und bereiten so auch den Boden für die Handelspartner von Frauenschuh. Wir sind der Meinung: Wer wirklich etwas zu erzählen hat – und das haben wir –, braucht sich nicht in einen Preiskampf zu begeben.“ Kaspar Frauenschuh ergänzt: „Wir Händler müssen alle umdenken. Die Kunden jagen nicht mehr dem letzten Hype hinterher.“ SELBST IST DER KONSUMENT

Der Konsument, findet Kaspar Frauenschuh, sei dem Handel oft schon voraus. „Das System, das nach immer früher, immer öfter und immer mehr verlangt, wurde künstlich vom Handel erzeugt. Wir müssen wieder Begehrlichkeit schaffen – und das gelingt nur, wenn es unsere Produkte nicht überall gibt.“ Eine Strategie, die in gleichem Maße für online gilt. „Ich finde, dass viele Onlineshops zu sehr in die Breite gehen und zu wenig auf das einzelne Produkt achten. Wir generieren online durchaus auch Wachstum, aber vor

allem mit unseren Exklusivprodukten wie Lammfell, lanciert in ausgewählten Geschäften und mit ausgewählten Partnern.“ (MIKRO-)PLASTIK FREIE ZONE

Kaspar Frauenschuh sieht sein Unternehmer in einer Vorreiterrolle. „Ab dem 31. Dezember 2020 werden wir komplett auf Plastik verzichten – vom Bügel bis zur Verpackung“, erklärt der Geschäftsmann. Dass der respektvolle Umgang mit der Umwelt künftig ein Muss ist, haben ihm auch seine Reisen gezeigt. „Ich war drei Monate in Japan, Singapur, Portugal, Italien und Frankreich unterwegs und habe so viel erlebt. In Japan ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass es keine Mülltonnen gibt. Warum? Weil der Müll mit nach Hause genommen und dort korrekt entsorgt wird. Andernfalls drohen Strafen. Diese Achtsamkeit gefällt mir. Wir sollten diese Mentalität auch für die Mode nutzen. Wir müssen den ständigen Überfluss reduzieren und die Leute erziehen – zu nachhaltigem Kaufverhalten.“ Weil Inspirationen wie diese bei Kaspar Frauenschuh nicht lange auf ihre Umsetzung warten, wagt sich die Firma an seine Ikone. Die Fleecejacke, seit vielen Jahren ein Bestseller, soll nachhaltig werden. Für Herbst/Winter 2020/21 ist sie erstmals als hundertprozentige Walkwolljacke im Angebot. Mit körpernaher, femininer Schnittform und aus vollständig Blue Sign zertifiziertem Material. Die Marschrichtung ist klar: „Wir denken viel über den Ansatz Cradle to Cradle nach“, erzählt Kaspar Frauenschuh. Das bringt im Design und Produktmanagement ganz neue Herausforderungen. „Mischgewebe sind schwer zu recyclen, davon wollen wir immer mehr Abstand neh-

men. Das Ziel lautet, möglichst wenig neue Ressourcen einzubringen, denn, auch wenn die Baumwolle wie unsere GOTS-zertifiziert ist, hat sie natürlich eine Auswirkung auf die Umwelt. Wir testen also intensiv recycelte und recyclingfähige Fasern.“ Das alles gemeinsam mit den angestammten Lieferanten und Produktionspartnern in Europa und Österreich. „Die Beschaffungskette so kurz wie möglich zu halten, war uns seit Beginn wichtig“, sagt Kaspar Frauenschuh. GENERATIONSWECHSEL

Nachhaltigkeit ist nicht die einzige Schraube, an der bei Frauenschuh gerade kräftig gedreht wird. Robin Wöll hat als Geschäftsführer sowohl innerhalb der Marke als auch im Laden in Kitzbühels Hahnenkammstraße wichtige Aufgaben übernommen: „Wir wollen Strukturen schaffen. Uns in der ganzen Darstellung modernisieren, aber gleichzeitig das Sentiment für Qualität und Philosophie nicht verlieren.“ Während die Kinder der Frauenschuhs noch international Erfahrung sammeln, nimmt das Loslösen vom Alltagsgeschäft in Kitzbühel schon konkrete Formen an. Robin Wöll ist realistisch: „Von einem Lebenswerk verabschiedet man sich nicht über Nacht.“ Für Kaspar Frauenschuh ist allerdings klar: Sowohl für ihn und seine Frau Andrea als auch seine Schwester Resi, die das Geschäft leitet, bricht ein neuer Lebensabschnitt an. „Auch das ist eine Form von Nachhaltigkeit – sich rechtzeitig Gedanken machen, wie man eine gesunde Firma übergibt, und eine Marke so aufzustellen, dass sie von den neuen Möglichkeiten und Dimensionen profitiert, die uns die Zukunft bietet.“ style in progress

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Sealup produziert zu hundert Prozent in Italien. Die Marke gilt als Hidden Champion: konsistent, konsequent und klar.

SEALUP

FULLY MADE IN ITALY Wie viele italienische Modeunternehmen können das noch von sich behaupten? Wie viele produzieren wirklich ausschließlich in Italien? Sealup, ein Jackenhersteller aus der Provinz Como, gehört zu den wenigen Marken, die tatsächlich noch von A bis Z made in Italy anbieten. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Sealup

Das 1935 gegründete Label Sealup ist seit über 80 Jahren in Familienbesitz und wird heute in dritter Generation von der Familie Chiesa geführt. Die Geschwister Filippo und Cristina legen besonderen Wert auf die Herkunft ihrer Jacken, die von etwa 100 Mitarbeitern mit großem Know-how, stetigem Drang nach Innovation und einer besonderen Liebe zum Detail hergestellt werden. Sealup beweist, dass man auch heute noch anspruchsvolle Modelle in höchster Qualität in Italien produzieren kann. Vor allem die Modelle Amalfi, ein Peacoat aus Wolle und Cashmere und der Regenmantel Naviglio Grande genießen Kultstatus. Sie wurden bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren von Persönlichkeiten wie Jackie Kennedy getragen und bilden das Fun196

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dament des Erfolgs der Marke im In- und Ausland. Dies bestätigen die Zahlen: jährlich 50.000 hergestellte Jacken, 20 Prozent Wachstum allein im Jahr 2019, 350 aktive Retailer weltweit und zuletzt große Erfolge in neuen Märkten wie Japan und den USA. Was ist das Erfolgsrezept, wollen wir von Filippo Chiesa wissen. Seine Antwort: „Gestern war es Tradition, Service und Innovation, heute ist es Innovation, Service und Tradition.“ DIE WICHTIGSTE RESSOURCE

Für den Firmeninhaber heißt Tradition, für jedes Problem gemeinsam eine Lösung zu finden. Denn die Liebe zur Firma, die von den Großeltern gegründet und von den folgenden Generationen weitergeführt wird, steht über allem. Tradition bedeutet auch, der Region und den langjährigen Mitarbeitern treu zu bleiben und sie in die Produktionsprozesse einzubinden. „Sie sind unsere wichtigste Ressource und das Made in Italy ist heute nur Dank deren Kompetenzen möglich“, so der Firmeninhaber. Service ist ein weiterer Grundpfeiler des Unternehmens. So legt die Familie Chiesa besondere Auf-

merksamkeit auf den Kunden und bietet zu diesem Zweck dem Einzelhandel eine Palette von NOS-Produkten an. Diese Sicherheit und Planbarkeit kommt bei Händlern gut an und kurbelt den Verkauf effektiv an. Nicht zuletzt bleibt sich Sealup treu und investiert weiter in Innovation. Bereits in den 1960er-Jahren ließ das Label in ein neues Firmengebäude von dem berühmten Architekten Renato Bazzoni erbauen. In den 1990er-Jahren kam ein Forschungszentrum hinzu, wo auch heute noch Formen und Materialien studiert und sogar eigene Maschinen für die Produktion gebaut werden. Hier wird auch „termoadesivato“ produziert: ein Prozess, bei dem die Nähte vollständig versiegelt werden, ohne dabei die Ästhetik des Produktes zu beeinflussen. Praktisch und schön passen hier zusammen. Wen genau das anspreche, fragen wir Filippo Chiesa: „Die Sealup-Kunden sind modern, aber keine Fashion Victims, die Modetrends hinterherlaufen. Sie sind stilbewusst und auf der Suche nach Qualität sowie einer gewissen Aufmerksamkeit für Details.“


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Die Hemden von DU4 gibt es nach Maß im Mönchengladbacher Geschäft – oder als Kollektion bei ausgewählten Händlern im D-A-CH- und Benelux-Markt, vertrieben über Agenturen. Die Brüder Emanuel und David Dufour verantworten die eigene Marke, Onlineshop und das stationäre Geschäft von DU4.

DU4

DIE PROFIS David Dufour und Emanuel Dufour sind Herrenhemdspezialisten nach bester Tradition und Handwerkskunst, doch auf ihrer Expertise ruhen sie sich nicht aus. Aktuell haben die Brüder eine exklusive Capsule entwickelt, die ganz ohne Plastikverpackung auskommt. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: DU4

Herrenausstatter und Onlineshop, Hemdenspezialist und Maßschneider. Das Business von DU4 sützt sich auf mehrere Säulen, von denen die eigene Hemdenkollektion die wichtigste ist. „Die Liebe zum Hemd wurde uns von unserem Vater Claude Dufour mit in die Wiege gelegt“, sagt David Dufour. „Schon mit zwei Jahren haben wir unsere Eltern auf eine Stoffmesse an den Comer See begleitet, das ist eine unserer frühesten Erinnerungen. Die Kunst der Herrenmode wird bei uns gelebt und begleitet uns von Anfang an.“ IN ZWEITER GENERATION

Als gelernter Herrenschneider ist der Franzose Claude Dufour seit nunmehr über 50 Jahren im Hemdengeschäft tätig. Vor 20

Jahren gründete er sein eigenes Hemdenlabel. 2009 übernahmen Emanuel und David Dufour das Unternehmen und nannten es DU4. „Wir stehen weiterhin für perfekte Passform, Qualität und traditionelle Handwerkskunst im Hemdensegment“, betont David Dufour, der für Entwurf und Vertrieb zuständig ist. „Zusätzlich haben wir die Abläufe optimiert und das Konzept modernisiert, mit dem Ziel, es noch stärker auf unsere Kunden zuzuschneiden.“ Individualität heißt das Wort der Stunde. Schließlich geht es den Brüdern darum, die Persönlichkeit des Trägers mit einem DU4Hemd noch mehr herauszustreichen. Dazu tragen eine ausgefeilte Passform und Verarbeitung, hochwertige Zutaten und Stoffe aus Italien, Portugal, Frankreich und England bei, ebenso die Tatsache, dass viele Dessins selbst entworfen sind. Produziert wird in Europa, bei einem nachvollziehbaren Preisgefüge zwischen 129 und 159 Euro/VK und einer Kalkulation von 2,7. Hinzu kommt ein ausgebautes Lagerprogramm modisch saisonaler und NOS-Ware, um dem Bedarf der bislang 120 Händler in den deutschsprachigen Ländern und Benelux noch besser

begegnen zu können – darunter Einwaller und Sagmeister, der Perle Store in Hamburg und Style & Select in Bochum. Um dieses Gespür für die Kundenwünsche noch mehr zu verfeinern, gibt es noch ein eigenes Geschäft in Mönchengladbach. „Hier sind wir nah am Kunden und können uns außerdem der Maßfertigung widmen, die im Zuge der Individualisierung immer wichtiger wird“, sagt David Dufour. „Außer unserer eigenen Kollektion bieten wir hier Mode anderer Spezialisten, deren Handschrift perfekt zu unserer passt, zum Beispiel Meindl, Dondup, Herno oder Circolo 1901. Wie wir bleiben diese Marken nicht stehen, sondern entwickeln immer neue Innovationen.“ Im Fall DU4 heißt die wichtigste Neuerung Soft Shirt, eine Kapsel mit hochwertigen und hervorragend waschbaren Hemden. „Wir haben nicht nur am Design, dem Komfort und der Verarbeitung gefeilt, sondern auch an einer komplett plastikfreien Verpackung. Geliefert wird in Seidenpapier und in einem hochwertigen Beutel aus dem gleichen Material wie das Hemd.“ Bloß ein Hemd? Nein. Ein haptisches Erlebnis und ein Liebhaberprodukt. style in progress

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Seit 2005 setzt die Hosenkollektion Myths auf natürliche Fasern.

Modelle aus recycelter Wolle zählen genauso zu den Highlights wie stückgefärbte Wollhosen oder das Überfärben von bedruckter Baumwolle und Kord.

MYTHS

PERFEKT SITZENDE HOSEN AUS 100 POZENT NATURFASERN Das 2005 gegründete Label aus der Emilia-Romagna hat große Pläne für 2020. Es möchte in einem schwierigen und starren Segment weiter wachsen und hat vor allem den deutschsprachigen Raum dabei ins Auge gefasst. Die Marke hat sich ein anspruchsvolles Ziel gesteckt und möchte im kommenden Jahr ein Umsatzplus von 15 Prozent erzielen. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Myths

„Der deutsche Markt ist für uns immer wieder aufs Neue eine Herausforderung und zwingt uns, uns stetig weiterzuentwickeln. Denn am deutschen Kunden kann man sich wirklich messen und verstehen, ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat oder nicht“, sagt Simone Bernardi, Gründer und Inhaber der italienischen Hosenmarke Myths. Für ihn 198

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wird der deutsche Endverbraucher immer mode- und konsumbewusster und achtet dabei sehr auf Details, die Materialien, den Komfort sowie auch auf die Nachhaltigkeit von Produkten. Um diesen Markt in Zukunft noch besser bedienen zu können, hat sich Myths mit der Vertriebsagentur Heritage Showroom aus München zusammengetan. Diese teilt Bernardis hohen Anspruch an Qualität, Service und Design und soll ihm dabei helfen, seine Pläne für das kommende Jahr umzusetzen und den etwa 120 Einzelhändlern optimalen Service bieten. Obwohl natürlich die Preisgestaltung eine wichtige Rolle spielt, steht für die italienische Marke die Qualität im Vordergrund. „Hosen zu produzieren, ist nicht mehr einfach nur schneiden und nähen“, so Bernardi. Sein Unternehmen investiert verstärkt in Recherche und Forschung und präsentierte mit Stolz seine Innovationen auf dem Pitti Uomo. Ein Highlight der aktuellen Kollektion ist „frosted lana“. Dabei werden die zu 100 Prozent aus Wolle hergestellten Modelle im Stück gefärbt. Überhaupt ist die hauseigene Färbe-

rei ein großes Asset für Myths. Eine andere Methode heißt „raclatura“. Baumwolle und Kord werden erst auf einer Seite mit Motiven bedruckt, dann verarbeitet und erhalten zum Schluss in der Färberei die gewünschte Farbgebung. Dank der einzigartigen Mischung des Druckes mit der Färbung wird aus jedem Modell ein Unikat. Und was ist mit dem immer wichtigeren und gleichzeitig schwierigen Thema Nachhaltigkeit, fragen wir Bernardi. „Myths hat damit noch nie ein Problem gehabt“, erklärt das Firmenoberhaupt, „da wir schon vor dieser grünen Welle ausschließlich fibre nobili wie Wolle und Baumwolle benutzten, das ist bei uns seit der Gründung so.“ Das Unternehmen verzichtet komplett auf Mischfasern. Darüber hinaus umfasst die Produktpalette auch Modelle, die aus recycelter Wolle gefertigt werden. Es ist ein langwieriger Produktionsprozess, der aus vielen Schritten besteht, aber gleichzeitig erlaubt, Altes in Neues zu verwandeln. Und das ist Bernardi sehr wichtig: Weiterhin in der Lage zu sein, mit hochwertigen Materialien zu arbeiten und dabei etwas für die Umwelt zu tun.


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Tretorns Creative Director Fredrik Ekström ist gleichzeitig auch Head of Sustainability Affairs und trägt die Jacke mit dem vom Sarek-Gebirge inspirierten Camouflage-Muster.

Nigel Cabourns Interpretation von Funktion und Stil für Tretorns limitierte Serie.

TRETORN

INSPIRATION WILDNIS Die für ihre Gummistiefel und Regenbekleidung bekannte schwedische Marke Tretorn blickt auf eine fast 130-jährige Geschichte zurück. Creative Director Fredrik Ekström hat die Traditionsfirma zukunftsfit gemacht und zeigt als Head of Sustainability wie Outdoor, Lifestyle und Nachhaltigkeit sich mit ehrlich konzipierten Kooperationen gut und glaubwürdig in Szene setzen lassen. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Tretorn

Sarek ist Schwedens größtes Hochgebirge. Der dortige Nationalpark existiert seit 1909, umfasst 2.000 Quadratkilometer und ist seit 1995 Weltkulturerbe. Oft wird der Landstrich im Norden von Schweden als letzte echte Wildnis Europas bezeichnet. Es gibt dort keine Straßen, keine angelegten Wanderpfade, keine Zivilisation – nur extreme Wetterbedingungen und unberührte wilde Natur. Gewandert wird von einem Hochplateau zum nächsten durch Flussläufe und unendliche Birkenwälder. Wind, Regen, Schnee und Sonne können selbst im Hoch-

sommer im Minutentakt von einem Extrem ins andere Wechseln. Das Sarek-Gebirge ist Namensgeber und Inspiration der Herbst-/ Winter-Kollektion 2020 von Tretron. Die Camouflage-Muster auf Jacken, Stiefeln und Taschen entstammen nicht etwa von Armeevorlagen, sondern zeichnen den Verlauf von Bächen, Flüssen und Seen aus der Vogelperspektive nach. Die Schnitte orientieren sich am Bergwanderstil der 1970er-Jahre in herbstlichen Naturfarbtönen. Die gesamte Linie wird im Rahmen der Tretorn Eco Essentials Initiative sozial- und umweltverträglich produziert und aus veganem und recyceltem Material PVC-frei gefertigt. „Die Kollektion reflektiert unsere Leidenschaft für einen nachhaltigen Outdoorlifestyle und die Liebe zu Flüssen umgeben von Bergen und der Hoffnung, dass das Sarek-Gebirge für immer Wildnis bleiben wird“, sagt Fredrik Ekström. Für eine Designkooperation hat man Nigel Cabourn ausgewählt. Kein Wunder, denn der leidenschaftliche Tischtennisspieler geht nämlich gerne auf ausgedehnte Wandertouren. „Tretorn hat mir die aufregende Wildnis von Sarek im Norden

Schwedens näher gebracht. Jedes Teil der Kollektion spiegelt den Geist dieses Ortes wider und wurde mit Sorgfalt und Respekt gegenüber dieser natürlichen Umgebung gefertigt“, sagt Nigel Cabourn. Die zweite Zusammenarbeit für die Herbst-/Winter-Saison entstand in Zusammenarbeit mit Sea Life Trust zum Schutz der Ozeane und dem Kampf gegen Überfischung und Vermüllung der Meere. Der offizielle Launch der Kollektion findet Ende Jänner im Londoner Sea Life Trust Aquarium statt. Auf der Seek wird Fredrik Ekström am Donnerstagvormittag einen Vortrag im Glashaus Studio halten, wie die Transformation einer 130 Jahre alten Traditionsmarke hin zu mehr Nachhaltigkeit von statten gehen kann. Für den Vertrieb der Hauptkollektion in Deutschland und Österreich ist Action Sports und in der Schweiz die Aze Distribution zuständig. In Europa ist die Londoner Agentur Oaccam Studios für die Distribution der Linie Tretorn X Nigel Cabourn verantwortlich. Nach ihrer Premiere am Pitti Uomo machen die Kollektionen auf der Seek in Berlin und der Welcome Edition in Paris Station. style in progress

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Ulli Ehrlich ist ab 2020 alleinige Gesellschafterin von Sportalm Kitzbühel. Sie hat sowohl in der Führung als auch im Beirat ein starkes Team um sich geschart.

SPORTALM

ZEICHEN AUF WACHSTUM Ulli Ehrlich will das große Potenzial von Sportalm ausschöpfen. Um das zu erreichen, hat sie ein schlagkräftiges Team zusammengestellt. Text: Stephan Huber. Fotos: Sportalm

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lli Ehrlich ist noch besser gelaunt, als man das von der Sportalm-Frontfrau ohnehin gewohnt ist. Es läuft beim Kitzbüheler Familienunternehmen. Und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von unternehmerischem Mut und Vertrauen in die eigene Zukunftsfähigkeit. Es ist ja nicht so, dass die Geschichte von Sportalm immer etwas für Schönwetterkapitäne gewesen wäre. Von ihrem Vater Willi 1989 schon sehr jung mit Anteilen und Verantwortung bedacht, musste sich Ehrlich in den folgenden Jahren Herausforderungen stellen, die weniger starke, in sich ruhende Charaktere wohl nicht nur einmal in die Knie gezwungen hätten. Die fünffache Mutter dagegen hat sich jeder dieser Herausforderungen gestellt und jede einzelne genützt, um daran zu wachsen.


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Für den neuen Sportalm Beirat konnte mit Alexander Gedat (li) und Norbert Lock (re) sehr viel Kompetenz und Erfahrung gewonnen werden.

Und Wachstum ist auch das erklärte Ziel. Ehrlich ist vom großen Potenzial der Marke fest überzeugt und entschlossen, dieses auch auszuschöpfen. Um das zu erreichen, wurden einige markante Weichenstellungen vorgenommen. First things first: Mit 2020 hat Ulli Ehrlich sämtliche Geschäftsanteile ihres Vaters und ihrer Schwester übernommen und führt Sportalm nun als alleinige Gesellschafterin. Ehrlich: „Das war nicht zuletzt auch emotional ein großer Schritt. Für meinen Vater war es immer wichtig, das Unternehmen in einem gesunden, tragfähigen Zustand zu übergeben. Also ist der Zeitpunkt perfekt.“ Einige wesentliche Investitionen, beispielsweise in das Headquarter in Kitzbühel, sind abgeschlossen, die hohe Eigenkapitalquote erlaubt auch für die kommenden Jahren, selbstbestimmt zu agieren. Wichtig war für Ehrlich, zeitgemäße und effektive Entscheidungsstrukturen zu schaffen. „Mir ist völlig bewusst, dass wir uns in einem höchst kompetitiven, globalisierten Markt bewegen“, erklärt Ehrlich die Herausforderung. „Unser Business ist sehr komplex geworden. Wenn wir nachhaltig wachsen wollen, dann geht das nur mit einem starken Team, das gemeinsam alle erfolgsrelevanten Bereiche abdeckt.“ KOMPETENZ UND ERFAHRUNG

Auf diesem Weg ist schon einiges gelungen. Vor allem die Besetzung des neuen Beirats ist ein deutliches Signal. Neben Willi Ehrlich konnte dafür der ehemalige CEO von Marc O’Polo Alexander Gedat ebenso gewonnen werden wie Norbert Lock, der zwei Jahrzehnte die Erfolgsgeschichte von Marc Cain mitgeprägt hat, zuletzt als Geschäftsführer Gesamtvertrieb. Ulli Ehrlich: „Damit holen wir uns enorm viel Kompetenz und Erfahrung ins Unternehmen. Ich sehe es auch als Beweis für unser Potenzial, dass wir gleich zwei solche Kapazunder überzeugen konnten.“ Caterina Casciaro ist neue Head of Product. Als langjährige Head of Premium Products bei Alba Moda bringt sie wertvolles MarktKnow-how mit. Peter Kamuf verantwortet Einkauf und Logistik, der neue Vertriebschef Dirk Pracel bringt von Napapijri bzw. der VF Corporation Konzernerfahrung mit. Der

Salzburger Karl Stefanitsch kümmert sich um die Finanzen. Für Ulli Ehrlich bedeutet dieses starke Team, dass sie auch in ihrer Verantwortung als aktuell noch alleinige Geschäftsführerin für ihre wichtigste Rolle freigespielt ist: die Entwicklung von Vision und Strategie. „Wir erwirtschaften heute 60 Prozent unseres Umsatzes mit Fashion, 30 Prozent mit Skiwear. Und in diesen beiden Bereichen sehe ich auch große Chancen, wenn wir es richtig anpacken.“ Das bedeutet zum einen, die für Sportalm typischen modischen Highlights bewusst zu kultivieren, parallel aber stärker in Looks zu gehen und so weniger einzelteillastig zu werden. Auch die Anfangspreislagen werden neu sortiert. Worauf Sportalm dabei selbstbewusst setzen kann, ist ein außergewöhnlich gutes Standing bei der Zielgruppe. Ehrlich: „Dieses Vertrauen seitens der Kundinnen ist ein unschätzbares Privileg. Besonders schön war diese Erfahrung zuletzt bei unserer Bademode.“ Anfangs eher als Spleen der Chefin geduldet, war die kleine, feine Kollektion im Mai 2019 dann plötzlich die Nummer eins bei Breuninger. „Swimwear ist für Frauen ein sehr persönliches, eigentlich intimes Thema. Offensichtlich ist es uns gelungen, das sensibel, aber eben auch modisch umzusetzen.“ Eigene Stores werden behutsam ausgebaut. Es geht um den Standort, gegebenenfalls auch um den richtigen Partner wie in München. Dort eröffnet Lodenfrey gemeinsam mit Sportalm. In Salzburg folgt ein Flagshipstore in besonders prominenter Lage. Der Premium- und Luxusmarkt steht im Fokus der Skiwear-Ambitionen. „Ein Blick auf die internationale Entwicklung des Skisports, sowohl hinsichtlich Quantität als auch der Erlebnisqualität stimmt mich für Sportalm Kitzbühel mehr als zuversichtlich“, so Ehrlich, wobei sie die Verwurzelung in einem der ikonischen Orte des Ski- und Wintersportzirkus mit einem selbstbewussten Lächeln betont. Ein erfolgreiches Sport-Pop-up im KaDeWe in Berlin zeigt die Richtung an: Mit Ski will man auch die absolute Elite wie Net-a-Porter oder Matches Fashion überzeugen. Ulli Ehrlich: „Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt. Aber wir sind bestens aufgestellt, diese auch zu erreichen.“

„Das Vertrauen seitens der Kundinnen in Sportalm ist ein unschätzbares Privileg“, sagt Ulli Ehrlich über ihre Marke. Eine neue Chefdesignerin soll den ambitionierten Wachstumskurs produktseitig ermöglichen.

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Frauen im Fokus: Holubar vergrößert die Frauenkollektion um die Hälfte.

HOLUBAR

ZURÜCK IN DIE HEIMAT Der Outerwear- und Sportswearspezialist Holubar hat sich Verstärkung für die Expansion geholt. Patrick Nebiolo, vorher Managing Director bei Woolrich, ergänzt als Gesellschafter, President und CEO das Team und übernimmt strategische Aufgaben im Unternehmen sowie den Vertriebsaufbau in den USA. Dazu passend kommt für die bevorstehende Saison die deutliche Vergrößerung der Frauenkollektion. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Holubar

Die Marke Holubar wurde im Jahr 1947 in den USA gegründet und war bei Bergsteigern besonders beliebt. Der Jackenspezialist erlangte in den 1970er- und 1980er-Jahren in Amerika und auch in Europa Weltruhm. Sportswearlegende Alberto Raengo hat die Marke 2010 in Italien wiederbelebt. Jetzt wird das internationale Wachstum durch die Beteiligung eines großen englischen Fonds gewährleistet. „Zeitgleich mit dem Launch unseres Onlinestores erfolgte die Eröffnung des ersten Flagshipstores im New York und der Vertriebsstart in den USA. Wir bringen Holubar nun quasi zurück in die Heimat. 202

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Der 300 Quadratmeter große Store befindet sich im Stadtteil West Chelsea in Manhattan in der 14. Straße. Dort steht uns das gesamte Gebäude zur Verfügung. Im Keller haben wir ein Lager für den E-Commerce eingerichtet, im Erdgeschoss ist der Laden beheimatet und auf der ersten Etage befinden sich der Showroom und das Hauptquartier für Nordamerika. Derzeit überlegen wir noch, ob wir an zentralen Image Locations Pop-up-Stores oder Shop in Shops eröffnen, so wie wir es beispielsweise letztes Jahr in Paris gemacht haben. Dort wurde gemeinsam mit dem Centre Commercial ein Shop in Shop umgesetzt, der sehr erfolgreich läuft. Allerdings gibt es bisher keine konkreten Pläne für das Jahr 2020“, erklärt Patrick Nebiolo. Nicht nur in den Ausbau des internationalen Vertriebs wurde investiert, sondern auch in zahlreiche Marketingaktivitäten. LADIES FIRST

In der D-A-CH-Region ist die Holubar Distribution GmbH unter der Leitung von Thomas Köhler und Tomislav Grajzar für den Vertrieb und den Kundenservice zuständig.

Die Modeagentur Weiss aus Düsseldorf betreut den Handel in Deutschland, in der Schweiz ist die Modeagentur Schuler aus Zürich zuständig und seit dieser Saison wird Holubar in Österreich von der Agentur Kranz vertreten. „In Deutschland arbeiten wir mit Key-Accounts wie Lodenfrey in München, Braun in Hamburg, Daniels in Köln, Breuninger in Stuttgart und Mientus in Berlin zusammen. Insgesamt sind es hierzulande die 150 wichtigsten Kunden. In Zukunft werden wir noch maximal 50 Neukunden aufnehmen. Unsere Strategie ist es, mit den bestehenden Kunden eine langfristige und deutlich tiefere Zusammenarbeit zu etablieren. Holubar als Marke und die Kollektionen haben noch sehr viel mehr Potenzial. Für diesen Winter haben wir den Umfang der Damenkollektion um die Hälfte vergrößert. Die 50 angestrebten Kunden werden deshalb vornehmlich Damenkunden sein, denn dort liegt jetzt unsere größte Entwicklungsmöglichkeit“, sagt Tomislav Grajzar. Zu sehen ist die Kollektion außer in den Showrooms auf dem Pitti Uomo in Florenz und auf der Men in Paris.


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„Wir schaffen ein begehrliches Produkt“, sagt Walter Moser, Inhaber von Airfield.

AIRFIELD

VOM MUT, ANDERS ZU SEIN

Ecodaune statt echter Daune. Airfield setzt Zeichen für mehr Nachhaltigkeit.

Auf das eine verzichten, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Marke Airfield beschreitet diesen Weg in die Zukunft seit nunmehr drei Jahren. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Airfield

2019 wurde Airfield von der Austrian Textile and Clothing Industry mit dem Preis für Innovation und Nachhaltigkeit sowie dem Titel Unternehmen des Jahres ausgezeichnet. „Eine tolle Ehrung für uns“, sagt Airfield-Inhaber Walter Moser. „Wir haben schon immer extrem darauf geachtet, wo unsere Materialien herkommen und wie wir produzieren. Vor allem im letzten Jahr haben wir einiges in Bewegung gesetzt, die Produktion weiter verbessert und die Kollektion geschärft.“ BEWEGUNG UND SUBSTANZ

Der Prozess ist ein längerer, vor allem für eine Marke mit Komplettkollektion beinhaltet er mehrere Schritte. Um Signale in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen, verzichtet Airfield fast vollständig auf den Einsatz von Daune und mit der aktuellen Saison Winter 2020/21 auch auf Echtpelz. Außerdem soll in Zukunft vermehrt nach Ökotex-Standard

produziert werden. „Den Zertifizierungsprozess treiben wir stark voran“, erklärt Moser. In Masse zu fertigen ist für den Österreicher keine Option. Lieber setzt er den Fokus wieder stark auf die DNA der Marke. „Unsere Kernprodukte sind Blazer, Indoor- und Outdoorjacken. Wir haben unsere ganze Kraft darauf verwendet, uns in der Kollektion darauf zu konzentrieren, was wir gut können: Mode in tollen Qualitäten mit großer Passformsicherheit zu machen.“ Die Kollektion wurde von früher 500 auf 200 Teile reduziert. Das heißt, weglassen, was andere Marken womöglich besser können, wie zum Beispiel Strick. „Wir haben uns auch nie auf Preiskämpfe eingelassen, denn es kostet seinen Preis, wenn die Qualität stimmen soll, die Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden und die Umwelt möglichst geschont wird“, sagt Walter Moser. Blazer von Airfield liegen im VK zwischen 299 und 469 Euro, Jacken zwischen 499 und 899 Euro.

Airfield hat um die 450 Verkaufspunkte. Auch hier soll Qualität vor Quantität stehen und die Zusammenarbeit mit bestehenden Handelspartnern intensiviert werden. Nach Deutschland zählen Russland, Holland und Belgien zu den stärksten Exportmärkten. Zur Strategie passt, dass im Marketing das Hauptaugenmerk wieder mehr auf Airfield gerichtet wird; auf Instagram, Facebook sowie in hochwertigen Printmedien. „Wir möchten die Story von Airfield erzählen und das Unternehmen wie die Menschen hinter der Marke zeigen“, sagt Sophia Bitter, CMO Airfield. „Der neue Weg ist steinig, aber die Steine werden weniger“, resümiert Walter Moser. „Es zeigt sich, dass die Agenturen und Handelspartner, die den Weg mit uns beschreiten, auch erfolgreich sind. Wir haben für die neue Saison wirklich tolle Qualität und Innovation kreiert, um zu bieten, was der Kunde sucht. Und das ist das Besondere.“ style in progress

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Ralf Meier hat sich als Sales Director D-A-CH hohe Ziele gesetzt.

Lässiger Preppy-Style: Gant spricht auch die junge Zielgruppe an.

GANT

LAUTER WERDEN Gant blickt auf 70 Jahre Heritage zurück und präsentiert sich gut gerüstet für künftige Herausforderungen. Für dieses Jahr steht allem voran mehr Brand Awareness auf der Agenda. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Gant

Anfang 2018 wurde Gant in eine Ländergesellschaft überführt, mit globalem Mutterunternehmen in Schweden. Damit werden die Dinge in die eigene Hand genommen – mit besten Voraussetzungen. „Der Logo-Trend kam uns entgegen, ebenso wie die modische Hinwendung zum Preppy-Style, woher Gant als authentische Sportswearbrand kommt“, erklärt Ralf Meier, Sales Director Gant D-ACH GmbH. „Wir haben uns Expertise ins Haus geholt und uns im Wholesale wie im eigenen Retail super entwickelt. Jetzt wollen wir auf die nächste Stufe.“ NEUE ÄRA

Die Marke steht für den gepflegten und zugleich lässigen amerikanischen Eastcoast-­ Look. Pikeepolos, Lambswoolpullover und Buttondowns zählen zu den Heritage-Icons. Für das Unternehmen ein Ansporn, weiter 204

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am Produkt zu feilen, mit dem Ziel, Gant als Lifestylemarke noch klarer zu positionieren. Zugleich wurde darauf geachtet, den Preis in den Kernsegmenten zu halten. Strick kostet im Schwerpunkt 99 Euro/VK, Winterjacken um 399 Euro und Hemden liegen zwischen 89 und 99 Euro. „Jetzt wurde das Feld auch um Outerwear und Hosen erweitert, diese Kompetenz haben wir uns aufgebaut“, so Meier. „Hier sehen wir einiges Potenzial.“ Der deutschsprachige Markt ist mit 700 Verkaufspunkten und 40 eigenen Stores der stärkste, gefolgt von Skandinavien, UK und Frankreich. Um die Zusammenarbeit mit den Kunden zu verbessern, wurde in das Wholesale Business weiter investiert. „Wir wollen für Service und Zuverlässigkeit stehen und beliefern Engelhorn und Breuninger ebenso wie die Local Heros, zum Beispiel Leffers in Oldenburg oder L+T in Osnabrück. Ein Wachstumsfeld ist die Womenswear. Die Gespräche zeigen uns, dass das Interesse groß ist.“ Bislang bestreitet die Menswear knapp 70 Prozent der Umsätze. Weitere Wachstumsmärkte sind Österreich,

die Schweiz sowie die Benelux-Länder. Gant ist eine unverbrauchte Marke, mit positivem Image. „Auch Nachhaltigkeit ist einer unserer Unternehmenseckpfeiler, weil unsere Kollektion bereits zu 80 Prozent nachhaltig ist. Das haben wir manch anderen Big Playern voraus.“ Mit dieser Saison kommt erstmals zertifizierte Biobaumwolle zum Einsatz, während für die Linie Tech Prep TM recyceltes Plastik aus dem Mittelmeer verwendet wird. Nun gilt es, das Thema Nachhaltigkeit stärker herauszustellen. „Wir wollen mit den guten Dingen, die wir bewegen, lauter werden“, betont Ralf Meier. „Zum Beispiel über Printmedien, über Social Media und ebenso B2B über die Premium Berlin, die für uns eine perfekte Kommunikationsplattform ist.“ Die Strategie von Gant steht. Was CEO Brian Grevy begonnen hat, wird ab 1. Februar Patrik Söderström als neuer CEO fortführen. „Beide haben die Strategie gemeinsam entwickelt, wir sind happy, die Position intern besetzen zu können“, sagt Ralf Meier. „Es ist sehr spannend, die Marke Gant gemeinsam weiter nach vorn zu bringen.“


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Ihr Bekenntnis zur Nachhaltigkeit ist umfassend: Mel und Dirk Nienaber arbeiten seit 2013 mit einem Masterplan, nach dem sie ihre Marken Marlino, Silk Sisters und Wunderfell zu Vorreitern wandeln wollen.

MARLINO GROUP

MASTERPLAN NACHHALTIGKEIT Kein Marketingthema, sondern Herzensangelegenheit: Mel und Dirk Nienaber drehen seit 2013 an wichtigen Stellschrauben, die ihre Marken Marlino, Wunderfell und Silk Sisters umweltverträglicher und langlebiger machen. Der Weg der Marlino Group ist beispielgebend. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Marlino Group

„Es wird Zeit, dass sich alle in der Modeindustrie bewusst werden, dass wir den bisherigen Weg nicht überleben werden und es höchste Zeit ist, etwas zu ändern.“ Mel und Dirk Nienaber blicken der Realität ihrer Branche unerschrocken in die Augen. Das können sie, weil für die Marlino Group das Nachdenken über Umweltaspekte nicht erst begonnen hat, als es marketingfähig war. Im Gegenteil, seit 2013 arbeiten die beiden still, aber konsequent an einer Verbesserung jedes einzelnen Aspektes der Produktionskette. „Jede Abteilung muss im Hinblick auf Nachhaltigkeit durchleuchtet werden und der ökonomische Aspekt muss hinter den ökologischen treten“, ist Dirk Nienaber überzeugt. Wird ein solcher Wandel wirklich gelebt, findet er nicht von heute auf morgen

statt, sondern bedarf langfristiger Planung und konsequenter Umsetzung. UMWELT VOR UMSATZ

Schon fünf Jahre lang heißt es daher bei Wunderfell, Marlino und Silk Sisters statt maximaler Wertschöpfung möglichst nachhaltige Produktion. Selbst Bestseller aus verantwortungsvoller Produktion in China wurden in europäische Länder verlagert, statt dem Blick auf die Erträge stand der Fokus des Unternehmerpaars auf faire und soziale Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Ein wichtiges weiteres Entscheidungskriterium stellen die kürzeren Wege dar, der Transportweg aus Portugal und Spanien verursacht geringere CO2-Emissionen. Dirk Nienaber: „Wir vermeiden Flugwaren, Zutaten und Waren aus Fernost – soweit noch nicht ganz vermeidbar – werden per Zug und nicht per Containerschiff transportiert. Einen Zugtransport von Portugal nach Deutschland gab es mal, ist aber leider wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt worden. Da kann man nur hoffen, dass die Bahnunternehmen diesen

Transportweg wieder anbieten.“ Mit Stoffen wie Seide, Alpaka oder Cashmere, die allesamt aus weit entfernten Ländern kommen, bleibt ein gewisses CO2-Potenzial verbunden. „Umso wichtiger ist, dass wir darauf achten, dass die Rohstoffe ökologisch gewonnen werden und die dortige Bevölkerung profitiert“, sagt Dirk Nienaber. Bei Wunderfell und Marlino stecken die ökologischen Herausforderung schon im Material: „Für unsere Lammfellprodukte forschen wir gemeinsam mit Produzenten intensiv an alternativen Gerbtechniken. Die Herausforderung liegt darin, die neuen umweltfreundlichen Techniken zu industrialisieren“, erzählt Dirk Nienaber. Auch dem Designaspekt wohnt Nachhaltigkeit inne: Mel Nienaber legt großen Wert darauf, dass ihre Entwürfe den Slow-Fashion-Gedanken verfolgen. Überproduktion wird konsequent vermieden, indem nur in Auftrag gegeben wird, was auch bestellt wurde. Die Designerin ist überzeugt: „Man muss Nachhaltigkeit leben und nicht nur davon reden!“ style in progress

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Ein Profisurfer, der zum Modeunternehmer wurde: Für 2020 hat RRD-Gründer Roberto Ricci ehrgeizige Wachstumsziele ausgegeben und den Vertrieb in der D-A-CH-Region komplett neu aufgestellt.

RRD RICCARDO RICCI DESIGNS

SEIT 25 JAHREN MIT VOLLER KRAFT VORAUS Das toskanische Label RRD feiert 2019 sein 25-jähriges Bestehen. Besonders im deutschsprachigen Raum hat sich Gründer und Eigentümer Riccardo Ricci für das kommende Jahr viel vorgenommen. style in progress traf den ehemaligen Profi-Windsurfer zu einem Gespräch über Veränderung und Konstanz. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: RRD

1994 hat Riccardo Ricci die Marke RRD gegründet, mit der Idee, ein Produkt „rund um Meer und Wassersport“ zu kreieren. Das Label hat sich schnell weiterentwickelt und ist heute nicht nur im Segment Premium­ outerwear vertreten: Hosen, Hemden und Knitwear für Männer und Frauen sind Bestandteile der aktuellen Kollektion, die auch eleganten Ansprüchen gerecht wird. So ist der Kundenkreis weit über die Surferszene hinausgewachsen und reicht heute vom Teenager bis zu älteren Endverbrauchern, die ein technisches Produkt suchen, aber auch ein gewisses Designbewusstsein mitbringen. Ricci erwartet für das kommende Jahr 35 206

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Millionen Euro Umsatz und setzt dabei den Fokus auf Expansion. Vor allem im Raum D-A-CH wird sich viel tun, auch Dank der neuen Zusammenarbeit mit der Münchner Vetriebsagentur D-tails von Patrick Coppolecchia Reinartz. „Der deutsche Markt ist für uns schon immer einer der wichtigsten gewesen. Die Endverbraucher sind besonders aufmerksam und achten beim Kauf auf die perfekte Kombination von Funktionalität und Ästhetik, Technologie und Qualität, die typisch für italienisches Design sind.“ Ricci spricht dabei von „per-fromance“ und sieht RRD als eine Kombination aus Performance und Romance.  „Natürlich muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen und man muss auch etwas für Nachhaltigkeit tun,“ so der ehemalige Surfer. Das Unternehmen aus Grosseto hat seinen Ursprung im Wassersport und deshalb geht es RRD auch darum, den Bezug zur Natur aufrechtzuerhalten, sich in der Natur zu bewegen und dafür das richtige Outfit zu haben. „Ich lade unsere Kunden ein, rauszugehen, ans Meer zu fahren, die Natur wieder zu entdecken und somit auch wieder zu lernen,

diese zu respektieren.“ Außerdem wird daran gearbeitet, nur umweltfreundliche Verpackungen zu verwenden und in Zukunft nicht nur recyclete Fasern zu verarbeiten, sondern allgemein alle Produktions- und Distributionsprozesse nachhaltiger zu gestalten. Welche Neuerungen bringt die Kollektion mit sich? „Die größte Neuigkeit werden definitiv die Stitchless-Modelle sein. Die verschiedenen Bestandteile sind dabei mit Ultraschall geschweißt und innen mit Bändern verstärkt, so dass die Nähte komplett verschwinden, wie schon bei unseren Surfanzügen.“ Die Lycra-Produkte bleiben nach wie vor die Bestseller in der Kollektion von RRD. Dazu zählen auch die „stratofabrics“: Lycra-Teile, die mit anderen Stoffen und Materialien schichtweise kombiniert werden.   2020 wird dann auch der erste Monobrandstore in Forte dei Marmi eröffnet, dem Hotspot der toskanischen Riviera und Sommertreffpunkt für Italiener wie für Touristen aus aller Welt. RRD bleibt sich seinen Ursprüngen und dem Meer treu, aber mit dem Anspruch sich im High-Fashion-Segment zu etablieren. „Avanti tutta“, sagt man da!


SO LÄUFT’S

Wolfskin Tech Lab, die Premiumline aus dem Hause Jack Wolfskin, positioniert sich mit einem markanten Profil erfolgreich im Spannungsfeld zwischen Sport und Style.

WOLFSKIN TECH LAB

NEXT LEVEL OUTDOORFASHION Mit Wolfskin Tech Lab bringt Jack Wolfskin Outdoorfashion auf das nächste Level und verschmilzt High Performance und Sustainability mit minimalistischem Design. Mit der hochwertigen Linie werden der Premiumfashionhandel und ergo insbesondere modeaffine Ästheten angesprochen. Text: Stefanie Buchacher. Fotos: Wolfskin Tech Lab

„Wir reagieren zukunftsweisend auf die sich verändernde Marktsituation sowie auf den anspruchsvollen Kunden, der mehr von einem Produkt erwartet“, sagt Ulrike Kleinloh, Head of Sales Wolfskin Tech Lab. Diesen hohen Anspruch an Funktionalität, Design und Nachhaltigkeit bedient das Unternehmen aus Idstein im Taunus seit gut zwei Jahren mit der eigenständigen Premiumlinie Wolfskin Tech Lab. Jack Wolfskin nützt dabei das hauseigene Know-how in Sachen Technologie und Produktion und erweitert die Produktpalette um Premiumsportstyle. Wolfskin Tech Lab trifft genau den Zeitgeist und hat sich mit seinem markanten Profil

im Spannungsfeld zwischen Sport und Style etabliert. Die Kollektion für Herbst/Winter 2020/21 ist urban inspiriert und zeigt sich als Hommage an Trend setzende Städte wie New York und Tokio. Zu den Highlights für Damen zählen Styles wie das Tokyo Cape in A-Linien-Shape, der Upper East Coat in XL-Länge, die 3in1-Jacke Upper East Twin mit Snap-inSystem oder der Mercury Hoodie mit Oversize-Kapuze und überschnittenen Ärmeln. Bei den Männern zählen beispielsweise der überlange 3in1 Hudson Yards Parker, das Upper East Jacket mit Multi-Pockets oder das gerade geschnittene Kingsbridge Jacket zu den Key-Items. Ausschließlich hochwertige Materialien kommen zum einsatz, beispielsweise RDS-zertifizierte Daunen oder Texapore Ecosphere, das inklusive der hochtechnologischen Membran vollständig aus recyceltem Material hergestellt wird. Zudem ist die gesamte Kollektion vollkommen frei von PFC. MINIMALISTISCH UND NACHHALTIG

Modische Effekte werden neben der minimalistischen Ästhetik und der Akzente

setzenden Nahtführung auch beispielsweise über changierende Effekte des Obermaterials generiert. Preislich bewegt sich Wolfskin Tech Lab im oberen Segment. Die Verkaufspreise der Highlight-Produkte liegen bei 169,95 Euro für den Hoodie und variieren zwischen 349,95 und 849,95 Euro für die Jacken und Parkas. Die selektive Distribution richtet sich ausschließlich an den Premiumfashionhandel. Derzeit ist Jack Wolfskin Tech Lab unter anderem bei Different Fashion in Deutschland und Kitzbühel, bei Breuninger in Stuttgart und bei Engelhorn in Mannheim auch online oder bei P&C im Onlinestore erhältlich. „Dem Handel stellen wir die Instrumentarien, die er sich immer wünscht: Ein High-Fashion-Produkt mit sehr starken USPs wie High Performance und Sustainability, eine selektive Distribution und eine klare, authentische Story“, resümiert Ulrike Kleinloh. „Weitere Benefits sind eine top Kalkulation und die starke mediale Unterstützung durch Topmedien, wie dem globalen Medienunternehmen Highsnobiety. Erste Erfolge zeigen uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.“ style in progress

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SO LÄUFT’S

NATIONAL GEOGRAPHIC

„WIR STEHEN FÜR AUFRICHTIGE WERTE“

Wer unter der berühmten Yellow Border von National Geographic segelt, der muss es auch mit Nachhaltigkeit ernst nehmen. Genau das tut die Marke.

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SO LÄUFT’S

Eine Kollektion, die nicht erst zur Marke werden muss: National Geographic, die Bekleidungskollektion mit der weltberühmten Yellow Border, eröffnet neue Optionen. Selbstverständlich, dass eine Kollektion mit diesem Erbe auch auf den Schutz der Umwelt setzt. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: National Geographic

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ie ist Ihre gegenwärtige Einschätzung des Marktes und wo sehen Sie besonders im D-A-CH-Raum die Nische für National Geographic? Patrick Andrist, CEO Omnibrand Group und Corem (Lizenznehmer Apparel von National Geographic): Der Markt wird im Allgemeinen anspruchsvoller. Der Kunde erwartet heute ein attraktives Produkt in guter Qualität, welches in vernünftigem Arbeitsumfeld gefertigt wurde. Recycelte Meterware, Füllungen und mehr werden zukünftig schon fast Standard sein. Der Trend ist kaum aufzuhalten. Schön wäre es, wenn es hier nicht nur um eine Form des Vermarktens geht, sondern wir die Chance wirklich nutzen, gemeinsam mit dem Kunden Verantwortung zu übernehmen.  Spricht National Geographic Kunden an, die ein wiedererkennbares Logo auf der Jacke suchen, oder jene, die durch Innovation und Inhalte überzeugt werden wollen? Die Frage beantwortet sich fast von selbst. National Geographic steht seit Gründung 1888 für Inhalte, Innovation und Wissenschaft, aber eben auch für die Zukunft der Menschen und den Schutz von Tierwelt und Natur. Die Marke steht für aufrichtige Werte, dem Gegenteil von Glitzer und Glamour oder auch schnellem Konsum. Das Magazin National Geographic ist eine Einladung, vom Abenteuer zu träumen. Ist das auf die National Geographic Collection übertragbar?  An den Spitzen deckt die Kollektion beides ab, obwohl sie im Kern eher urbaner Apparel ist. Es gibt zum Beispiel die Jacke Iconic Explorer mit hoher Atmungsaktivität, Wassersäule und leichter Recycling-Gänsedaune, die bei kältesten Temperaturen warmhält. Daneben haben wir aber auch modische Artikel, welche eher in der Stadt, als auf dem Berg getragen werden. Unser Claim „We are all explorers“ sagt, dass wir alle Entdecker sein können. Es muss nicht immer die Polarexpedition sein. Auch im urbanen Raum und im persönlichen Umfeld kann viel entdeckt werden. Unser Ziel ist, durchs Produkt zu überzeugen und National Geographic für Textilien bekannt zu machen. Wir sind im Herbst-/Winter 2019/20 mit der Herrenkollektion gestartet und werden zum Herbst-/Winter 2020/21 die Damenkollektion launchen. Alles sehr bedacht und nicht überstürzt. Aber natürlich sehen wir

Patrick Andrist ist CEO der Corem Gmbh, einem Teil der Omnibrand Group. Sie hält die weltweiten Lizenzrechte für Bekleidung unter dem Namen National Geographic.

Der unendliche Contentschatz von National Geographic Magazin und TV für den PoS nützen – diese Vision zeichnet die Bekleidungskollektion National Geographic aus.

auch im Sportsegment eine große Chance und Kinderbekleidung darf langfristig nicht fehlen. Das Schöne ist, dass die Marke alle Altersgruppen fasziniert. Wie detailliert darf ich mir die Zusammenarbeit mit dem Lizenzgeber vorstellen? Wir haben großes Glück. National Geographic sieht uns eher als Partner, denn als reinen Lizenznehmer. Auch die Initiative „Your purchase has purpose“ ist eine großartige Aktion. Erlöse aus dem Verkauf aller National Geographic Produkte unterstützen Wissenschaftler, Entdecker und Forscher auf der ganzen Welt. Wir lernen sehr viel voneinander und ich glaube, dass wir sehr bald Einzelhandelsflächen zum Infotainment nutzen können, wo nicht nur die unglaubliche Schönheit der Welt gezeigt wird, sondern auch über Themen wie Umweltschutz oder Klimakrise gesprochen werden kann. In Zukunft kann die Marke National Geographic neben TV, Magazinen und ihrer enormen Social-Media-Reichweite von 127 Millionen Followern auf Instagram auch mit Menschen am PoS in Kontakt kommen. Das wird sehr spannend.  In Sachen Content greifen Sie auf einen unendlichen Schatz zu. Wie wird dieser genützt, um zum Kauf zu animieren?  Der Content ist beeindruckend. Daher brauchen wir idealerweise bewegte Bilder auf den Verkaufsflächen. Wir glauben an Innovationen. National Geographic hat den Film Free Solo z. B. mit VR-Brillen präsentiert, womit man sich in die steilste Felswand der Welt, den El Capitan, versetzt fühlte. Wir können unseren Partnern Events mit National Geo-

graphic Explorern anbieten, die von ihren Abenteuern berichten. Hierzu brauchen wir natürlich auch die Einzelhändler, die erkennen, dass Innovation im Verkauf und auf der Fläche entscheidend für die Zukunft sind und dafür auch entsprechend Raum und Invest bereitstellen. Wie grün ist die Marke mit dem Yellow Border? Umweltschutz ist ein wichtiges Thema und auch wichtiger Bestandteil unserer Partnerschaft. Wir, der Lizenznehmer Corem GmbH, gehören zur Omnibrand Gruppe aus Hongkong. Wir sind seit 15 Jahren eine wachsende Textilagentur für viele namhafte Marken und Einzelhändler. Wir haben uns einen Namen in den Bereichen Sustainability und Social Compliance gemacht. Wir hegen keine Vorurteile gegenüber einzelnen Ländern, sondern produzieren in Bangladesch oder Vietnam genauso wie in der Türkei oder Portugal. Wichtig ist, wie wirklich in den Fabriken gearbeitet wird. Die Omnibrand Group hat gemeinsam mit dem deutschen Ministerium für Entwicklung letztes Jahr ein zweijähriges Projekt in Bangladesch erfolgreich beendet, welches nicht nur die Arbeitsund Ausbildungsbedingungen im Fokus hatte, sondern auch die Fabriken sicherer und effizienter gemacht hat. Zusätzlich wurde der Umgang mit Ressourcen wie Wasser und Strom bewusster und konnte reduziert werden. Auch lokale Universitäten wurden in das Projekt eingebunden. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind sehr große Themen, die damit beginnen, das Bewusstsein nicht nur bei den Konsumenten zu verändern, sondern auch bei den Produzenten – diesen müssen wir die Ausbildung und das Know-how zur Verfügung stellen. Wir sind täglich mit unseren Technikern in den Fabriken vor Ort. Das ist unser Job. Sind wir perfekt? Das kann ich nicht behaupten. Aber wir sind schon recht weit, werden immer besser und geben täglich unser Bestes. Dafür kann ich mit gutem Gewissen stehen.  style in progress

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SO LÄUFT’S

Konsequent bis in die Kampagne: Für die America’s Cup Kapselkollektion wurde Model und Aktivist Jon Kortajarena verpflichtet. Ben Mears (li) ist seit 2017 Global Creative Director. Daniel Trapp (re) von TP-Sports ist für den Vertrieb in Deutschland zuständig.

NORTH SAILS

ALLE AUF KURS Bei der Textilkollektion des weltgrößten Segelherstellers von frischem Wind zu sprechen, klingt wie ein Treppenwitz. Doch im Fall von North Sails ist dieser tatsächlich zu spüren. Aufwind geben der Marke neue interne Strukturen sowie dass in Sachen Produkt, Vertrieb und Kommunikation wirklich alle Rädchen ineinandergreifen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: North Sails

Eine Konstante im Markt: Vor rund 30 Jahren kam man beim italienischen Segelhersteller auf die Idee, das reiche Erbe auch in eine Textilkollektion zu verpacken. Sie hat ihr Business immer solide gemacht, insbesondere im Heimatmarkt Italien. Als vor drei Jahren ein großer britischer Investmentfonds das eine halbe Umsatzmilliarde schwere Hauptgeschäft von North Sails, die Segeltuchproduktion, kaufte, wurden im Anschluss auch für die Textilkollektion die Weichen neu gestellt. Der bisherige Lizenznehmer wurde aber nicht etwa gekündigt, sondern ebenfalls gekauft. Ein Wendepunkt in der Geschichte der Marke. „Wir haben uns intensiv mit der Marke befasst, bevor wir sie vor drei Jahren als Masteragentur für Deutschland und ab Frühjahr/Sommer 2020 auch für Österreich übernommen haben. Man muss sagen: Das Gesamtpaket stimmt jetzt einfach. Ein kompetenter Vertriebschef, ein erfahrener Designer, ein super smarter CEO, der über ein hervorragendes 210

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Der 250 Quadratmeter große North Sails Flagshipstore in Mailand.

Kontaktnetzwerk verfügt. Dazu Geschichte, gelebtes Verantwortungsbewusstsein und ein nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis, North Sails hat uns in jedem Detail überzeugt“, sagt Daniel Trapp, Geschäftsführer der Agentur TP Sports. GELEBTE NACHHALTIGKEIT

Wenn der renommierteste Segelhersteller der Welt sich für die Erhaltung der Meere einsetzt, dann ist das nicht irgendeine Story, sondern eine klare Haltung, die sich in alle Bereiche erstreckt. Ein Prozent des weltweiten Umsatzes werden an die Ocean Family Foundation gespendet, regionale Experten und Botschafter sorgen dafür, dass der Aufruf zum Schutz der Meere lokal Widerhall findet. Ben Mears, seit 2017 Global Creative Director, setzt diesen Anspruch glaubwürdig im Produkt um. Der ehemalige Triathlet arbeitete zuvor u. a. bei YSL, Emanuel Ungaro und Tommy Hilfiger. Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele ist ihm ein persönliches Anliegen: „North Sails, eine Marke, die dank ihrer Herkunft mit dem Ozean verbunden ist, ist sich der Bedeutung des Respekts vor der Natur und der Erhaltung der Umwelt für zukünftige Generationen bewusst. Seit der Saison Frühjahr/Sommer 2018 verwendet North Sails für die Kollektionen einen stetig wachsenden Anteil von Garnen, die aus recyceltem Plastik, Zellulose oder Biobaumwolle hergestellt werden, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren.“ Selbstverständ-

lich, dass die Nachhaltigkeit auch North Sails Prestigeprojekt dominiert. Denn beim 36. America’s Cup, der von Prada präsentiert wird, ist North Sails nicht nur offizieller Partner, sondern wird erstmalig eine Capsule-Kollektion anbieten, die ausschließlich aus recyceltem Material besteht. Beworben wird sie mit dem Claim Sustainable Performance. Protagonist der Kampagne ist das spanische Männermodel Jon Kortajarena, seines Zeichens Greenpeace-Aktivist im Kampf gegen die Plastikverschmutzung der Ozeane. Daniel Trapp: „Dass alles so Hand in Hand greift, ist beeindruckend, das gilt im Großen wie im Kleinen. Unser Kontakt mit der verantwortlichen Kommunikationsagentur Think Inc., die die Marke konzeptionell trägt und intern lebt, ist hervorragend. Wir stimmen uns ab, um die Inhalte am PoS zu transportieren und mit Schaufenstern oder Events für mehr Awareness zu sorgen.“ Der Vertriebsexperte betont: „Wichtig ist, dass North Sails im Produkt überzeugt. Die Kollektion hat mittlerweile einen Nachhaltigkeitsanteil von 70 Prozent. Mir gefällt, dass North Sails dadurch aber nicht zum Ökolabel geworden ist. Die Kollektion ist in Sachen Modegrad und Innovation auf dem Punkt, die Nachhaltigkeit ist sozusagen ein Selbstverständnis.“ „Es fühlt sich gut an, dass sich konzeptionelle und klug durchdachte Kommunikationsmaßnahmen so schnell im Vertrieb abzeichnen“, fügt Holger Petermann, Think Inc. hinzu.


SO LÄUFT’S

Jörn Boysen (im Bild) und Michael Ostermeyer haben sich ihres Herzensthemas angenommen: maskuline, schöne Herrenwesten.

DORNSCHILD

NISCHE ERKANNT UND BESETZT Eine persönliche Leidenschaft für Westen hat den Mode- und Lifestyle­ marketer Jörn Boysen und seinen Geschäftspartner Michael Ostermeyer Dornschild, the vest brand gründen lassen. Wie man mit Passion fürs Produkt auch in Nischen wachsen kann, erzählt Jörn Boysen im Interview. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Dornschild

Dornschild ist eine Nischenbrand, die modisch, aber völlig zeitlos ist. Erkläre uns die Philosophie eures Unternehmens. Wir von Dornschild leben und glauben fest an Werte, die zeitlos und losgelöst von aufgesetzten Trends und Kurzlebigkeit sind. Wir versuchen nicht gewollt irgendwelche Trends aufzugreifen. Wir überraschen also jede Saison mit und von unserem Produkt heraus, und nicht weil es gerade angesagt ist. Das macht unseren Stil auch wiederum unverkennbar, mit all den Eigenschaften, wofür wir mit unseren Werten stehen. Was macht eure Westen zu etwas Besonderem? Mit unserer Gründung 2013 wollten wir das Thema Weste modern und doch zeitlos in

Eine gute Weste ist Millimeterarbeit, nicht umsonst nennt Dornschild seine Produkte Sakko ohne Ärmel.

ein neues Fashionlicht für die Männerwelt rücken. Wir entwickelten zahlreiche Schnitte und Prototypen, die wie ein Jackett ohne Ärmel aufgemacht sind und feilten akribisch an jedem Millimeter, um den perfekten Schnitt für unterschiedliche Körpertypen zu kreieren. Im Fit sind unsere Westen schmäler und maskuliner geschnitten, aber auch länger für größere Männer. Zum Einsatz kommen bei unseren Westen nur feinste italienische Stoffe, die aber nicht als solches im Anzug- oder Sakko-Bereich eingesetzt werden. Futterrücken und Plastikknöpfe sind für uns tabu. Wir bieten zahlreiche Schnitte, ob Einreiher mit oder ohne Kragen, smarte Doppelreiher, lässige Kapuzenwesten, schicke Smoking- bis hin zu coolen Bikerwesten. Konzentriert ihr euch bewusst auf eine kleine, dafür umso qualitätsverliebtere Kollektion? Hohe Qualität ist oberste Priorität. Das beginnt bei unserer Stoff- und Materialauswahl und zieht sich durch jeden Fertigungsprozess. Jedes Jahr designen wir zwei Kollektionen,

die aus 18 bis 20 verschiedenen Westenmodellen besteht. Unsere Westen haben zahlreiche Extras wie verschiedene Außen- und Innentaschen, hochwertigen und farbigen Futterstoff, woraus wir zu jeder Weste ein kostenloses Einstecktuch anbieten. Eine gute Weste ist Millimeterarbeit! Diese perfekte Arbeit haben wir unserer Produktion in der Slowakei zu verdanken, die als Familienbetrieb in der dritten Generation mit ca. 80 Näherinnen aus der alten Schule beeindruckende Ergebnisse erzielen. Wo siehst du euer Unternehmen in fünf Jahren? In fünf Jahren würde ich mir wünschen, dass unsere Kunden und Handelspartner noch genauso begeistert und glücklich mit unseren Dornschild Westen sind, wie es aktuell unser Erfolg zeigt. Das ist in der Mode absolut nicht einfach und selbstverständlich, zudem man mit dem Erfolg auch viele Nachahmer mit sich zieht. Aber wenn wir so besonders, klein und fein weitermachen, hat es die Konkurrenz nicht einfach. style in progress

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„Fashions fade, style is eternal“ Große Worte von dem unvergessenen Yves Saint Laurent. Und gerade wieder so aktuell wie nie. Vor allem die Frauenmode besinnt sich auf ihre Wurzeln, auf Konfektion und dekorierte Designs. Neben dem übermächtigen Trend zu Casual Wear wird es wieder angezogener, eleganter und verspielter. Epizentrum dieser Entwicklung ist der Blazer, der auch in der Menswear sein großes Repertoire verschiedener Facetten ausspielt. Während der Markt noch nach den Antworten auf die neuen Bedürfnisse der Kunden sucht, hat man auf Produktebene bereits hochkarätige Antworten parat. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Marken

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MODE

The Wild Tribe

Ethnische EinflĂźsse verschiedenster Herkunft treffen hier aufeinander. Vom Azteken-Trend der letzten Saisons inspiriert, mischen sich hier Stilelemente vom Wilden Westen bis zum afrikanischen Safari-Look.

Smallabel

Codello

Marc Cain

Sun 68

Alma x Axl Jansen

Ivko

Goodmatch

Lucky de Luca

Tassel Tales

Munthe

Stetson

Nubikk

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MODE

BFF Blazer

Achtung Buzzword: Der Boyfriend Blazer ist das Ding der Saison, in lässigen Oversize-Kastenschnitten und betont maskulinen Stoffen. Aber auch Blazer Dresses, Mäntel, zeitlose Taylor made Modelle vom Sunset Blazer bis zum Spencer kommen zurück, genau wie Bold Blazer mit markanten Revers und Zweireihern.

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Weber + Weber

Phil Petter

Alberto

Strenesse

Jil Sander

Penn & Ink

Marni

Drykorn

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MODE

DoppiaA

Blazé Milano

Sofie Schnoor

Dondup

Cirolo 1901

Marc O’Polo

Gardeur

Maurizio Miri

Teddy Glickman

Bob

Myths

Goldgarn

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MODE

Urban Warrior

Funktion und Sport gehen in ihrer Liaison den nächsten Schritt vorwärts. Knallfarben, progressive Colourblockings, Neon und XXL-Slogans bringen die Message rüber: So überlebst du im Großstadtdschungel. Die Streetwear mischt völlig unkompliziert Stilelemente aus dem Punk und dem Rock-’n’-Roll mit Codes der frühen Hip-Hop-Kultur. Politische Statements erwünscht.

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Fila

Blauer USA

Holubar

AlphaTauri

Risy & Jerfs

F 65.0

Ad hoc

BALR.

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MODE

Napapijri

CYK by Constantly K

Goldgarn

Converse

Levi’s Red Tab

Halfboy

Barb’one

Reebok x Pyer Moss

AG Jeans

Moose Knuckels

Super Natural

Floris van Bommel

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MODE

Soul of Nature

Von Currygelb bis Orange, Okka und Beige – erdige Farbtöne kommen hier zum Einsatz: auf natürlichen Materialien in sehr reduzierten Designs. Was dem Natur-pur-Look seinen Schwung verleiht, ist der Stilmix mit den 1970er-Jahren.

Lucky de Luca

Goodmatch

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AT.P.CO

Liebesglück

Myths

Penn & Ink

Fil Noir


MODE

Alberto

Mey Story

Lemon Jelly

JC Sophie

Bloom

Blanche

Warm Me

Marc O’Polo Pure

The Nim

360 Cashmere

Standard Project

Leon & Harper

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MODE

Soft Protector

Watteweiche, federleichte Daunen im XXL-Volumen sind aus dem Bereich Winterdaune nicht mehr wegzudenken. Mit kräftigen Farben und Colourblockings sowie Message-Prints wird hier geklotzt und nicht gekleckert. Funktion trifft auf Komfort und Fashion.

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Airfield

K-Way

CP Company

Peuterey

Tretorn x Nigel Cabourn

Save the Duck

Les Deux

Halfboy

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MODE

People of Shibuya

Ecoalf

National Geographic

Bomboogie

Roberto Ricci Designs

Moose Knuckels

Parajumpers

Wolfskin Tech Lab

Reebok x Pyer Moss

Sportalm

Napapijri

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MODE

Confessions of a Suit

Die Mode besinnt sich auf mehr Konformismus, auf Eleganz und Klassik zurück. Angezogene Looks mit vielen Zitaten aus der klassischen Menswear und Konfektion geben den Ton an. In der Frauenmode feiert die weiße Bluse ein großes Comeback, allerdings als Superstar und nicht als Teil unter dem Blazer.

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Le Bonnet

Armargentum

Sealup

Manuel Ritz

Judy Zhang

Vicario Cinque

Dornschild

Liu Jo

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MODE

Drykorn

Gant

Aybi

Stetson

Marc O’Polo

Atelier Gardeur

Baracuta

Joop Woman

Ottod’Ame

Filippa K

Silk Sisters

Aymuse

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VOR ZUKUNFTSPROJEKTE

Der Modeeinzelhandel lebt. Mit spitzen Nischenkonzepten und punktgenauer Zielgruppen­ ansprache ist Frequenz nur noch ein Erfolgsfaktor unter vielen. Händler der neuen Generation haben verstanden, dass ihr Umsatz kein Zufalls­ treffer ist. Relevanz, Persönlich­ keit, Service und Überraschung, diese Erfolgsfaktoren fehlen bei keiner der aktuellen Neu­ eröffnungen. Text: Stefanie Buchacher, Martina Müllner-Seybold, Kay Alexander Plonka, Nicoletta Schaper, Veronika Zangl

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VOR ORT

Mit ihrem Fashionstore und integriertem Bio-Café schaffen Bianca Mirkovic und Shino Plum eine ganz eigene Sagen- und Erlebniswelt in Münchens Glockenbachviertel.

Phasenreich / MÜNCHEN

PHANTASIEWELT IM GLOCKENBACHVIERTEL

Fotos: Phasenreich

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war gehört das 2014 eröffnete Phasenreich zu den alteingesessenen Fair-Fashion-Stores in München, ist damit aber nicht minder einen Besuch wert. Der Name steht für eine surreale Phantasiewelt, was sich in der etwas verwinkelten Immobilie und der Präsentation wie auch in den eigenen Illustrationen im Store und beispielsweise auf den Etiketten widerspiegelt. Neben fairer Mode gibt es ausgefallene Geschenke und Naturkosmetik. Anziehungspunkt ist das integrierte Bio-Café. Stammkunden können Stempel sammeln, bei zwölf Stempeln gibt es einen Kunstdruck aus einer der zwölf Phasenreich-Welten. „Wir waren beide in der Modebranche tätig. Da wir privat schon ökologisch und nachhaltig lebten, wollten wir das auch in unserem Beruf realisieren“, sagt Mitinhaberin Shino Plum. „Ursprünglich wollten wir ein eigenes Label gründen. Aber dann bot sich die Möglichkeit, eine ungenutzte Fläche in einen Laden zu verwandeln.“ Wo der grüne Lebensstil herkommt? Als ehemalige Waldorfschülerinnen hatten die beiden schon früh Bezug zu Bio und Nachhaltigkeit, zudem sind Shino Plums Eltern Pioniere der deutschen Naturkostbranche.

Faire Mode, ein Bio-Café und eigene Kunstdrucke: Phasenreich passt in Münchens Glockenbachviertel wie die Faust aufs Auge.

Phasenreich Reichenbachstraße 23 München/Deutschland phasenreich.net Inhaberinnen: Shino Plum, Bianca Mirkovic Eröffnung: November 2014 Verkaufsfläche: 60 qm Anzahl Mitarbeiter: 3 Marken: Bleed, Dedicated, Degree, Hemp Hook Lamp, Jan’n June, Kerbholz, Lovjoi, Neon Lachs, Nurmi, O my bag, Poly Poison, Recolution, Recyclis Workshop, Reet Aus, Stop the Water While Using Me, Vatter, Windschief, Woody Skateboards, Woodybunch

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VOR ORT

Comptoir 102 / DUBAI

DIE STILOASE

Wer Dubai mit zur Schau gestelltem Reichtum und Bling-Bling verbindet, war noch nicht bei Comptoir 102, der Stiloase zweier gebürtiger Französinnen, die ihre Vision des Conceptstores mit einem Clean-Eating-Restaurant umsetzen.

Trocknen oder Niedriggaren, die die Küche des Restaurants auszeichnen. In der Organic Grocery gibt es Lebensmittel, Tees oder Küchenzubehör auch zum Mitnehmen. LA PARISIENNE Der Erfolg und die internationale Beachtung sowohl für Comptoir 102 als auch für Wild & the Moon hat Emma Sawko intelligent delegieren lassen. In die Unternehmensleitung von Comptoir 102 hat sie eine Freundin geholt: Mathilde Danglade ist die Frau vor Ort in Dubai, Emma Sawko pendelt zwischen Paris und Dubai. Neben dem extrem aufwändigen, weil intensiv recherchierten Einkauf, haben sich die zwei auch noch zwei eigene Projekte auf die Fahnen geschrieben: eine Interieurkollektion und eine Schmucklinie, dem Spirit und Stilempfinden des Concept­ stores folgend. Beides ist heute – genau wie der größte Teil des stationären Sortiments – auch in einem Onlinestore erhältlich. „Dubai ist für viele Touristen ein Stop-over, außerdem gibt es hier so viele Expats. Da war es nur natürlich, dass wir all jenen, die uns besucht haben oder von uns gehört haben, Nähe zu Comptoir 102 ermöglichen wollen. All unsere Fans weltweit können nun in unserer Auswahl aus Schmuck, Mode und Wohn­ accessoires stöbern.“

Comptoir 102 102 Beach Rd Jumeirah 1, Dubai/Vereinigte Arabische Emirate Eröffnung: 2012 Inhaberin: Emma Sawko Marken Beauty: Aesop, Grown Alchemist, Davines, Noto Botanics, Odacité Skincare, Rahua, Root Science Marken Interieur: Astier de Villatte, Caravane, Gubi, Henry Dean, Honoré, India Mahdavi, John Derian, Madame, Maison de vacances, Nada Debs, Paola Navone, Piet Hein Eek, Stoltz, Tsé & Tsé Marken Mode: Albertine, Ernest Leoty, Nili Lotan, R13, The Nice Fleet Das Duo hinter Comptoir 102: Gründerin Emma Sawko und Mathilde Danglade.

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Fotos: Comptoir 102, Stefan Lindeque

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ie französische Vogue, Harpers Bazaar, so gut wie jeder renommierte Reiseführer: Seit seiner Gründung 2012 kann sich Comptoir 102 über jede Menge Auszeichnungen freuen. Ob der beste Conceptstore, der beste Laden für Interieurdesign oder das beste Café – die Lorbeeren sind so zahlreich wie berechtigt. Als Comptoir 102 Mastermind Emma Sawko 2010 in den Mittleren Osten wechselte, war ihr schnell klar, dass auch Dubai einen europäisch geprägten Laden nach ihrer Vision vertragen würde. Ein Mix aus Mode, Interieur, Beauty und einem richtungsweisenden Café, das nicht zufällig voll auf den Clean-Eating-Trend setzt. Schließlich ist Emma Sawko auch Gründerin von Wild & the Moon. Ein Restaurant und Cateringanbieter, der in Paris hohe Wellen schlägt. Biologisch, gesund, zuckerfrei – dafür steht man nicht nur zur Modewoche gerne Schlange. Neben den üblichen Schlagworten der Clean-Eating-Bewegung wie Superfood, Rohkost, glutenoder zuckerfrei sind es vor allem Themen wie Regionalität oder schonende Verarbeitungstechniken wie die Fermentation,


VOR ORT

Größer könnte der Kontrast nicht sein: Comptoir 102 bringt europäischen Stil nach Dubai.

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VOR ORT

53cc Store / STUTTGART

HANF IM TREND

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er 53cc Store im Stuttgarter Bohnenviertel zeigt, was die wiederentdeckte Kulturpflanze Hanf alles draufhat und verbindet Naturkosmetik, Tees, Öle und Seifen mit hochwertiger Streetfashion, Sneaker und Accessoires. Der Laden passt perfekt in Stuttgarts spannendsten Kiez: gute Cafés, Bars am Hang, Vintage-Klamotten, Plattenläden und mittendrin eine kleine Rotlichtmeile. In direkter Nachbarschaft sind ein Laden von Hannes Röther, ein Designermöbelladen und, wie man sagt, der beste Blumenladen Stuttgarts zu finden. Alek und Chris Dörr bieten in ihrem Conceptstore ein breites Sortiment aus stylischen Hanfprodukten wie Tees, Ölen oder Naturkosmetik von Marken wie Hemptouch, Aquatadeus oder der eigenen Marke Banatika, die auch Bekleidung und Nahrung aus der Nutzpflanze herstellt. Hanf ist im Anbau pflegeleicht und schädlingsresistent, verfügt über eine hohe Haltbarkeit sowie Umweltverträglichkeit und ist dank hervorragender Energiebilanz ressourcenschonend. Tees, Cremes und Ölen aus Hanf wird seit Jahrtausenden eine heilende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. „Hanf ist DIE Trendzutat. Wir geben ihr mit unserem Store eine moderne Heimat. Denn wer sich für Superfoods und Naturkosmetik interessiert, der interessiert sich auch für hochwertigen Style“, erklären Chris und Alek Dörr, die seit vielen Jahren die Handelsagentur twinC Distribution betreiben und dort viele Marken aus dem Portfolio des Stores für Süddeutschland und Österreich vertreten.

Chris und Alek Dörr betreiben seit Jahren die Handelsagentur twinC Distribution, mit einem Store in Stuttgarts Bohnenviertel vereinen sie Mode und Naturkosmetik.

53cc M3 Vital GmbH, Olgastraße 53, Stuttgart/Deutschland Eröffnung: August 2019 Inhaber: Chris und Alek Dörr Verkaufsfläche: 82 qm Anzahl der Mitarbeiter: 4 Marken: Aquatadeus, Androidhomme, Atelier Alpinisté, Banatika, Crystal Flow, Elvine, Garment Project, Hemptouch, Lovjoi, Revolution, Selfhood, Sobedo, Super, Ten Points

Fotos: 53cc Store

Hanf von seinem Kiffer-Image befreit: 53cc leistet mit seinem sorgsam kuratierten Sortiment Pionierarbeit.

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VOR ORT

Amerikanische, japanische und italienische Outdoormarken im Dialog. Die Hinterhoflage im Glockenbachviertel ist für Deru ideal, mit Parkplätzen vorm Laden und viel Zeit für echte Beratung.

Ein Sortiment für all jene, die beim Naturerleben nicht wie wandernde Neonmarker aussehen wollen – Deru in München.

Deru / MÜNCHEN

KOMM RAUS

Fotos: Deru Store

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n einem Hinterhof im Glockenbachviertel hat der Deru Store abseits der einschlägigen Laufwege eine Destination für Outdoorenthusiasten geschaffen, die Funktionsbekleidung im urbanen Street- und Sportswear-Look suchen. Deru, der Name ist dabei Programm – das japanische Wort bedeutet übersetzt „rausgehen“. Die Inhaber Kerstin Gröber und Jonathan White haben langjährige Erfahrungen in der Textilbranche. Auf der Suche nach einem bezahlbaren Laden in München bekamen sie das Atelier im wunderschönen Hinterhof neben einem Lampenstudio und einer Tischlerei angeboten. Alles andere als ein klassisches Ladenlokal, aber den beiden war sofort klar: Ihr Laden wird im wunderschönen Hinterhof eröffnen. Ein Vorteil ist, dass es Parkplätze für die Kunden gibt. Das Sortiment ist ein Mix aus Marken, die man in der Area „i go out“ des Pitti Uomo sieht. Japanische, italienische und amerikanische Outdoormarken, die für Street- und Workwear inspiriertes Design stehen, das sich im urbanen Alltag genauso wie am Wochenende in den Bergen einsetzen lässt. Immer wieder ergänzen Neuentdeckungen das Sortiment – wie die deutsche Rucksackmarke Segment oder die japanische Handschuhmarke Elmer. Ab der Sommersaison kommen The North Face, Teva, Stay Hungry Sports und RoToTo dazu. Mit ihrem hervorragend kuratierten Onlinestore für Modern Outdoor Apparel haben Kerstin Gröber und Jonathan White nicht nur für München eine Referenz geschaffen, sondern für ein ganzes Segment.

Deru Store Körnerstraße 2a, München/ Deutschland www.deru-store.com Eröffnung: April 2019 Inhaber: Kerstin Gröber und Jonathan White Verkaufsfläche: 60 qm Marken: And Wander, Atelier Alpinisté, Crow Canyon, Danner, Diemme, Elmar, Goldwin, Gramicci, Helinox, Houdini, Klippan, Mizu, Mystery Ranch, Satisfy, Segment, The James Brand, Snow Peak, Veilance, Vuarnet, WigWam

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VOR ORT

BDC – Boys don’t cry / PARIS

EINZIGARTIG IN ALLER KONSEQUENZ Kein Zweifel, Colette hat eine Lücke in der Pariser Storeszene hinterlassen. Im Juni 2018 sind Sophie Mechaly und Felix Boehm mit dem Menswearstore Boys don’t cry angetreten, um diese zu füllen.

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ezentes Understatement oder lieber originelle Kreativität? Inhaberin Sophie Mechaly und Storemanager Felix Boehm geben Letzterem den Vorzug. Boys don’t cry wollen sie als künstlerischen Raum für Männermode, Design und Kunst verstanden wissen – und als Anlaufstelle für sehr besonderes, innovatives Design. Das Sortiment schafft beste Voraussetzungen. Zu den bekanntesten Kollektionen zählen Off-White, Palm Angels und Marni, zu denen beispielsweise phantasievoll bedruckte


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Ein Raum für künstlerische Entfaltung, im Interieur ebenso wie im Sortiment. Alle gestalterischen Details haben ebenso wie jedes modische Teil eine Geschichte.

Fotos: BDC

Inhaberin Sophie Mechaly und Storemanager Felix Boehm haben Boys don’t cry zu einem spannenden Store konzipiert.

Seidenhemden von Casablanca, farbstarke Cashmere-Sweater von The Elder Statesman und fashionable Westernstyles von Garçons Infidèles kommen. Das ist Mode, die sich mit Spaß selbst inszeniert und die Ironie nicht scheut. Den ruhigen Gegenpol dazu bildet coole Klassik von Husband Paris, dessen Gründer Nicolas Gabard Inspirationen alter Magazine in modernen Schnitten umsetzt und in Kooperation mit BDC ein paar eigene Anzüge kreiert hat. Schuhe von Church’s, Boots von Garçons Infidèles sowie

Sneaker von Off-White, Palm Angels und Readymade runden das modische Bild ab, ebenso wie Kunstbände und Designbücher. KUNST UND SELEKTION Sophie Mechaly ist nicht nur passionierte Kunstsammlerin und bekennender The Cure Fan, weshalb sie ihren Store nach einem Hit der Band genannt hat. Vor allem aber ist sie als Gründerin der Marke Paul & Joe bekannt. Felix Boehm arbeitete mit ihr im Design der Herrenkollektion, bis diese zugunsten der erfolgreicheren Damenkol-

lektion eingestellt wurde. „Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden, weshalb mich Sophie für ihr Konzept, einen Multibrandstore für Männer zu eröffnen, ins Boot holte“, so Felix Boehm. Mit dem Architekten Payam Askari wurde der Store in Kooperation mit Künstlern gestaltet. Die organisch-skulpturalen Wände stammen von dem Belgier Ben Berckmoes, der Counter sowie zwei Sockel aus Kunstharz von der Dänin Hilda Hellström. Die Neoninstallation über der Kasse fertigte Claude Lévêque,

BDC – Boys don’t cry 62 Rue des Saints-Pères, Paris/Frankreich bdc-paris.com Eröffnung: Juni 2019 Inhaberin: Sophie Mechaly Anzahl der Mitarbeiter: 3 Verkaufsfläche: 100 qm  Marken Männer: Adaptation, Bode, Cormio, Davi, Garçons Infidèles, Husbands, Local Authority, Marni, Off-White, Palm Angels, R13, Readymade, RtA, Sies Marjan, SSS Word Corp, Telfar, The Elder Statesman, Unravel, Yeezy Marken Accessoires: Church’s, Off-White, Palm Angels, Readymade

der auch für die Pariser Oper eine große Installation kreiert hat. „Die besondere Selektion, das künstlerische Design des Stores und die ständige Veränderung und Innovation macht Boys don’t cry einzigartig“, so Felix Boehm. „Wir sind ständig auf der Suche nach Neuem und wollen neugierig bleiben.“ style in progress

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EDITOR’S LETTER

Maschinen träumen nicht! Bis 2022 will Tommy Hilfiger das Design für die gesamte Kollektion digitalisiert haben. Ähnlich ambitionierte Ziele hat sich Hugo Boss gesetzt. Schien es lange so, als würde die Modebranche die Digitalisierung verschlafen, können wir jetzt eine Implementierung von Tech-Innovation auf allen Ebenen der textilen Kette beobachten. Und das in einem atemberaubenden Tempo. Mit dem vorherrschenden Mythos der Rückständigkeit in Sachen Digitalisierung und Zukunftstechnologien muss an dieser Stelle übrigens einmal aufgeräumt werden. Unterhalb der Oberfläche sind viele Prozesse schon sehr lange eingeleitet. Boss hat die ersten Schritte Richtung Digital Design bereits 2013 gesetzt. Wir reden hier von extrem komplexen Prozessen und einer letztlich immer noch in vieler Hinsicht jungen Technologie. Vieles muss erst entwickelt, ALLES auf jeden Fall geprüft, getestet und verbessert werden, bevor ein seriöses und verantwortungsbewusstes Unternehmen ernsthaft erwägen kann, bestehende Strukturen komplett umzustellen. Digitalisierung ist dann doch etwas anderes und deutlich anspruchsvoller als die aufgeregte Twitteria selbstreferenziell ständig suggeriert. Der Schub, der jetzt direkt bevorsteht, bzw. der daraus entstehende Impact auf das Modebusiness wird jedenfalls gewaltig sein. Und wie immer in einer zunehmend mutlosen Gesellschaft droht die Zukunftsangst den Blick auf die Chancen zu vernebeln. Zentraler Slogan: „Die Digitalisierung wird alle Arbeitsplätze auffressen!“ Oder allgemeiner: „Wo bleibt denn da noch Platz und Zeit für den Menschen, wenn alles die Maschinen machen und das auch noch besser?“ Beides ist nicht nur, und ich wiederhole das ganz bewusst, mutlos, sondern auch faktisch oder zumindest evidenzbasiert falsch. Zunächst zum von vielen, teils aus simpler Unwissenheit, teils aufgrund einer ideologischen Agenda, ständig an die Wand gemalten Teufel der durch Digitalisierung, also durch

technologischen Fortschritt, unweigerlich drohenden Massenarbeitslosigkeit: 1950 waren in Deutschland noch knapp 25 Prozent der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Heute sind es noch knapp zwei Prozent, gleichzeitig ist die Erwerbsquote so hoch wie noch nie. You get the picture? Und nun zum Menschen und seiner Angst vor der Ersetzbarkeit durch Maschinen. Eine der vielleicht zentralen metaphysischen Fragen unserer Zeit. Solange Technologie vor allem bedeutete, dass sie der Skalierung menschlicher Arbeitskraft dient, wurde sie auch in erster Linie als Werkzeug begriffen. Das Erscheinen der künstlichen Intelligenz bzw. die einmal mehr überwiegend weniger intelligente, weil fast ausschließlich oberflächliche Auseinandersetzung mit dieser zweifellos sehr differenziert zu betrachtenden, datengetriebenen Durchdringung all unserer Lebensbereiche, hat im gesellschaftlichen Mindset vieles verändert. Auf einmal ging es nicht mehr nur um Kapazitäten. Wenn KI in der Lage sein soll, wie die Beatles zu komponieren oder wie van Gogh zu malen, dann berührt das plötzlich das, was wir die menschliche Seele nennen, und damit unser Gefühl der Einzigartigkeit. Auch wenn Letzteres vielleicht sogar ein Gewinn wäre, so wird dennoch nie ein Algorithmus aufgrund von Liebeskummer einen Song schreiben oder, fasziniert von einer Landschaft, einem Menschen oder einer Idee, ein Bild vor dem inneren Auge entwickeln.. Ihr Stephan Huber stephan@style-in-progress.com

IMPRESSUM

Medieninhaber/Verleger/ Redaktion/Anzeigen style in progress B2B Media GmbH Salzweg 17, 5081 Salzburg-Anif, Österreich T 0043.6246.89 79 99 info@style-in-progress.com www.style-in-progress.com Geschäftsführung Stephan Huber

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Chefredaktion Stephan Huber stephan@style-in-progress.com Martina Müllner-Seybold martina@style-in-progress.com Redaktion Stefanie Buchacher Petrina Engelke Janaina Engelmann-Brothánek Isabel Faiss Kay Alexander Plonka Nicoletta Schaper Veronika Zangl Fotografen Jennifer Endom Cris Fragkou

Art Direktion/Grafik/Produktion Elisabeth Prock-Huber elisabeth@style-in-progress.com Anzeigenleitung Stephan Huber stephan@style-in-progress.com Anzeigenrepräsentant Kay Alexander Plonka kay@style-in-progress.com Back Office Management Sigrid Staber sigrid@style-in-progress.com

Bildbearbeitung Johannes Hemetsberger Lektorat Johannes Seymann Druck sandlerprint&packaging 3671 Marbach, Österreich Druckkoordination Manfred Reitenbach

Nächste Ausgabe 27. April 2020


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style in progress 1/2020 – Deutsche Ausgabe  

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