THE FUTURE IS WIDE OPEN!
99
# 1/2026
www.sportalm.com
EDITORIAL
IMPRESSUM
Medieninhaber, Verleger, Redaktion, Anzeigen style in progress B2B Media GmbH Postadresse Postfach 0031, 5027 Salzburg Österreich
Cover Artwork: Alexander Wells
Firmenadresse Bachwinkl 2, 5081 Anif/Salzburg Österreich info@style-in-progress.com www.style-in-progress.com @styleinprogress.magazine www.linkedin.com/company/style-in-progress Geschäftsführung Stephan Huber
Chefredaktion Stephan Huber stephan@style-in-progress.com Lisa Hollogschwandtner lisa@style-in-progress.com Art Direktion, Grafik, Produktion Elisabeth Prock-Huber elisabeth@style-in-progress.com CvD, Lektorat Johannes Seymann
REALNESS RULES! Liebe Leserinnen und Leser, seit einem Jahr bin ich nun Teil von style in progress. Genug Zeit, um angekommen zu sein, und doch kurz genug, um mir den Blick von außen bewahrt zu haben. In den zurückliegenden Wochen habe ich mich regelmäßig damit beschäftigt, was dieses Magazin für mich so besonders macht und immer wieder komme ich zum Schluss, dass es die beteiligten Menschen sind. Das echte Miteinander, die Gespräche, die Tiefe haben. Kurz: Realness. Realness ist kein Trend, kein Buzzword, kein Versprechen ohne Substanz. Es ist eine Haltung. Und sie zeigt sich dort am deutlichsten, wo Menschen arbeiten, denken, hinterfragen und Verantwortung übernehmen. Dieses Magazin lebt von genau diesen Menschen – von meinen Kolleginnen und Kollegen ebenso wie von jedem einzelnen von Ihnen, all jenen, die uns begleiten, uns ihre Geschichten anvertrauen, mit uns sprechen und uns lesen. Wie facettenreich Realness interpretiert werden kann, zeigt der Blick in die folgenden Kapitel: Wenn Janaina Engelmann-Brothánek im Agenturen-Schwerpunkt nach dem Vertriebsmodell der Zukunft fragt. Wenn Nicoletta Schaper in der Mode Ehrlichkeit, Tiefgang und Beständigkeit als neue Währung der Womenswear beschreibt. Wenn Isabel Faiss im Deep-Dive-Chapter feststellt, wie lebendig stationärer Handel ist und erfolgreiche Konzepte vor allem eines eint: gelebte Echtheit. Und wenn Stephan Huber in seinem Zeitgeistessay und dem Editor’s Letter eine kollektive Rückkehr zu Realness, zum Menschlichen beobachtet – verbunden mit Mut, Risiken und dem Willen, Neues zu wagen. Apropos menschlich: Zum Abschluss möchte ich Danke sagen – an all jene Personen die im Hintergrund dafür sorgen dass Sie dieses Magazin heute in Händen halten. Für Lektorat, Übersetzung und Bildbearbeitung, für Grafik und Gestaltung – für Haltung.
Redaktion Janaina Engelmann-Brothánek Isabel Faiss Claudia Jordan Kay Alexander Plonka Nicoletta Schaper Übersetzung Georgmaria Prock Manfred Thurner Bildbearbeitung Johannes Hemetsberger Illustrationen Alexander Wells Druck Sandler Gesellschaft m.b.H. & Co. KG, 3671 Marbach, Österreich Druckkoordination Manfred Reitenbach Anzeigenleitung Stephan Huber stephan@style-in-progress.com Accounting Verena Wigoutschnig verena@style-in-progress.com Digitale Ausgaben www.style-in-progress.com/epaper/
THE FUTURE IS WIDE OPEN!
Nächste Ausgabe #100 15. Juni 2026
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
Ein neues Jahr schärft den Blick dafür, was war. Es öffnet aber auch den Blick dafür, was möglich ist. Auf ein erfolgreiches, gemeinsames 2026 – mit Realness als Kompass. Lisa Hollogschwandtner und das Team von style in progress 006 style in progress
PEFC-zertifiziert Dieses Produkt stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen PEFC/06-38-329
www.pefc.at
SALES@FIORUCCI.COM
INHALT
006 EDITORIAL
Realness Rules!
006 IMPRESSUM 014 CORE 110 CORE AGENCIES 314 EDITOR’S PICKS Quiet Quality
092
180
CORE AGENCIES 080 TRANSLATING TRUST
152 THE RISE OF REALNESS
082 SELLING REALNESS
164 The New Currency of Meaning. Ein Essay von Stephan Huber
Vertrieb ist mehr als Distribution. Eine Standortbestimmung für das Agenturbusiness von heute – und ein Blick in die Zukunft.
152
LONGVIEW
Vertrieb befindet sich im Wandel. Wie sieht das Modell der Zukunft aus?
092 OFFENSE WINS … CHAMPIONSHIPS!
Henrik Soller und Florian Ranft über 25 Jahre Komet und Helden.
102 Ben Botas und Mark Helegau: „Wir fühlen und agieren wie die Marke selbst.“ 104 Room with a View: Gather Around! 108 Gastkommentar: Mark Grütters über „weniger, aber Besseres“ als neuer Business-Standard.
Herman Konings und Susanne Tide-Frater im Gespräch über „Rewildering“ und die Sehnsucht nach Echtem.
FASHION 168 RIGID? RARELY.
Die Menswear sortiert sich neu. Rigide Kategorien gehören der Vergangenheit an.
170 SHARING GROUNDS
Moderne Menswear befindet sich in einem leisen, tiefgreifenden Wandel. Ein Diskurs über Haltung und Teilhabe.
180 HOW TO BE SEEN
Grant Harvey Dudson, Global Creative Director bei Fever, und Gustav Emil Loft Thomsen, PR Special Project Manager bei NN07, über den Status quo der Menswear.
192 Bogner: Outstanding Lifestyle 193 Sublime: Verlässlichkeit statt Trend
008 style in progress
c a m pa i g n ag e n c i e s showrooms
Autumn — winter 2026
30 Years of Perfect Fit — Empowering Women with Style since 1996. Try it. Wear it. Love it. raffaello-rossi.de
INHALT
193
Cellar Door: Contemporary Tailoring
194
Hiltl: Realness als DNA
194
Dressler: Starker Spirit
195
Alberto: Vielseitig, niemals verkleidet
196 Editor’s Picks: Menswear Must-Knows
198 LASTING LAYERS
Mode als Dialog zwischen Emotion und Werten
200 MADE TO MATTER
Womenswear unter neuen Vorzeichen
210 SPACES WE INHABIT
Jette Cathrin Hopp, Director of Acquisition and Business Development bei Snøhetta, und Celine Aagaard, Creative Director Envelope1976, über Intention statt Impuls.
222 Roberto Collina und Tochter Chiara Collina im Interview
©Dorothee Schumacher
©Studio Nicholson
170
198
210
227 Von&Zu-Gründerinnen Magdalena Cromme und Eva-Maria Czerny: „Wir schaffen Beziehungen“
240 FTC: Sense Made Soft
228 Nicole Mohrmann: „Zu wissen, wer man ist, macht schöner als jedes Kleid!“ 229 Club L’Avenir: Bedachtheit und Konsequenz 230 Apparis-Gründerin Lauren Nouchi über die Kraft des Risikos und modernen Luxus 232 Skergeth X Edara: Shaped by Shared Values 234 Elena Nancu: „Ich hatte nie vor, daraus eine USP zu machen“ 234 Birgit Engel Fashion: HabenwollenGefühl 235 Unützer-CEO Fritz Unützer: „Authentizität lässt sich nicht imitieren“ 235
Liv Bergen: „Wir sind outstanding“
236 Raffaello Rossi: Face to Face
224 Knit-ted: Ease of Elegance
236 Labo.Art-Creative Director Ludovica Diligu: „Es muss sich echt anfühlen“
226 Luisa Cerano: Empowered Expressions
237 Mantù: Die Schönheit liegt in der Passform 238 Editor’s Picks: Modern Muse
010 style in progress
241 Arzu Kaprol: Mutig, feminin und zukunftsweisend 242 G-Lab: „Wir sind relevanter denn je“ 244 Cinque: „Wir wollen eine glaub würdige Marke sein“ 245 Malo: Rewriting Luxury 246 Eterna: „Wir wollen nichts anderes sein, als wir sind“ 248 Mac: From Blue to Green 249 Absolut Cashmere: More Colours, Less Rules 250 Performance Days: Von Mensch zu Mensch 251 Got Bag: From Trash to Treasure 252 Outhere: Funktion mit Stil 253 Refrigiwear: Bereit für Phase zwei 254 Humanoid: „Go for it!“ 255 Souleway: Conscious Consumption
EDITION # 163
BE PART OF IT! ILM-OFFENBACH.DE #ILMOFFENBACH
7 | 2 - 9 | 2 | 2026
AT THE LEADING FAIR FOR LEATHER GOODS, BAGS, LUGGAGE AND ACCESSORIES
INHALT
258
278
288
DEEP DIVE
276 Mode by Nicci: „Was zählt, ist das Gefühl“
318
256 FEEL THE REAL
Realness prägt Retail: Im Zusammenspiel aus Atmosphäre, Sortiment und Mensch entstehen Konzepte, die berühren.
277 Reyer: „Authentizität ist bei uns Tradition“ 277 Lemon: „Wir sind ein offenes Haus“
258 „IT’S TOO EASY FOR ME – I DID IT ALL“ Ramdane Touhami
264 Mes Amis: Freundschaftliche Übernahme
SPACES 278 TOUCH ME
Was wirklich berührt, muss nicht immer erkennbar, aber erlebbar sein.
266 Moniker: Let Fashion Be Fun! 270 Grasegger: Retail Is Detail 272 Daniel Thiel: Erdbeertörtchen als Einstiegspreislage
288 CET AMOUR, TOUJOURS NOUVEAU
Ein Blick nach Paris – fernab von Klischees
273 Social House by Xintiandi: Ein Garten inmitten der Stadt 273 The Dorf The Market: Pop-ups im Park
308
274 Franz Kraler: Style, Love, Dolomites
309 Save The Duck: The Power of Lightness
275 Wait and See: Echt und unverstellt 275 Di Più: Vertrauensvolle Beziehungen 276 Frauenschuh: Willkommenskultur und höchster Service
Daniele Fiesoli: Urban Nomad
310 Nude: Klarheit und Transparenz 311 Siyu: Feuer und Finesse 312 Kiltie: The Charm of Contrasts 313 Co’Couture: Skandi Coolness, Paris Chic
012 style in progress
Avant Toi: Elemental Softness
319 Edelle: Enfolding Harmony 320 Colmar: Alpine Heritage, Modern Spirit 321 Myths: The Art of Fit 322
Pyrenex: Geclustert im Luftstrom
323
Purschoen: Self-Cocooning
324 CONTRASTS
Tendencies & Forecasts for Upcoming Seasons
336 EDITOR’S LETTER
Fashion May Be Out of Fashion – But We’re Not
Core
Schott
Unendliche Möglichkeiten: Mit Neuinterpretationen und prominent besetzten Kollaborationen zeigt Schott NYC die Vielseitigkeit seiner kultigen Jacken.
014 style in progress
Transatlantic Family Business
Wenn zwei Familien seit über 50 Jahren zusammenarbeiten, teilen sie eine Geschichte. Welche ist Ihre? Bruno Dauman, CEO Groupe JAJ: Wir arbeiten seit den 1970er-Jahren mit Schott zusammen, anfangs als Distributeur. Zu Beginn der 1990er-Jahre übernahmen wir schließlich die Lizenz für Europa und den Mittleren Osten. Seitdem managen, entwickeln und produzieren wir die Kollektion. Fluch oder Segen: Wie entwickeln Sie Schott über die ikonische Bomberjacke hinaus weiter? Schott hat eine starke Heritage mit seinen Jacken, die vom authentischen Military-, Biker- und American-Lifestyle geprägt sind. Auf dieser DNA baut jedes Design auf. Trends übernehmen wir gleichzeitig in den Stoffen, Schnitten und Finishes. Außerdem haben wir viele Kollaborationen mit Künstlern und Brands wie Jean-Paul Gauthier, Walk in Paris oder Samsøe Samsøe und Stores wie BSTN, Anita Hass oder LFDY. Wie viel Paris steckt in der Kollektion? Sehr viel! Paris ist unser Ursprung. Wir machen 65 Prozent unserer Umsätze in Frankreich. Neben Deutschland, Spanien, Italien und UK ist es unser wichtigster Markt. @schottnyc_europe
CORE
The Mercer N.Y.
Premium Knitwear
Die aktuelle Kollektion von The Mercer N.Y. bietet anspruchsvollen Total-LookStrick aus feinstem Cashmere, ergänzt durch Seide, Wolle oder Milanoripp sowie ausgewählte Lederstyles. „Wir stehen für Premiumstrick mit langfristiger Performance, der modern ist und relevant bleibt, und für Partnerschaften, die auf modische Relevanz setzen“, erklärt Soran Mohammadi, der seit Oktober 2025 als Head of Sales den selektiv gesteuerten Ausbau des Wholesales intensiviert. Die Verkaufspreise reichen von 169 bis 999 Euro mit einer 3er-Kalkulation. Gezeigt wird die Kollektion während der kommenden Orderrunde in München und Düsseldorf. www.themercerny.com
Urban und reduziert: The Mercer N.Y. richtet sich an stilbewusste Frauen.
Pride to Be
Faux Fur Fun
Zur neuen Saison stellt Pride to Be einmal mehr unter Beweis, wie vielfältig Faux-Fur sein kann. Jacken, Mäntel und Westen kommen in edlen Toskana-Lammfell- und neuen Nerzoptiken. Über Outdoor hinaus begeistern farblich abgestimmte Satinröcke und -kleider. Zwei Programme in veganem Leder und Konfektion sowie ein kleines Echtlederthema mit Bikerjacken, Mänteln und Bomberformen runden das Angebot ab. Novität ist leichte Daune in großer Farbvielfalt. Konstante bleibt das Commitment zum unabhängigen Fachhandel. Ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis ist ebenfalls gesetzt. Auf Wunsch besteht die Möglichkeit, als Private Label zu arbeiten. www.pridetobe.de, @pridetobe_
Passende Caps, Mützen, Schals und Faux-FurTaschen ergänzen die Looks.
015
CORE
Cambio
Lässig im Fokus
Hosen senden Statements über Silhouetten. Wohin geht eure Reise? David Gansbühler, CEO Cambio: Die Silhouetten werden schmaler: Aus weiten O-Shapes entwickeln sich modern zulaufende Karottenformen und klassische Wide Legs verwandeln sich in coole Baggy-Varianten. Straight Fits und Wide Leg Flared sind aus keiner Kollektion mehr wegzudenken. Im Topsegment feiert die Skinny ihr Comeback – neu interpretiert als Steghose oder mit leichtem Kick, was für einen frischen, femininen Look sorgt. Die klassische Wide Leg bleibt als modernes Basic-Piece unverzichtbar. Das heißt, ihr verfolgt die neue Cambio-Lässigkeit weiter? Ja, den Trend zu mehr Sportivität und Lässigkeit treiben wir konsequent weiter voran. Klassische Businesslooks verlieren an Bedeutung. Wir setzen auf den spannenden Bruch zwischen Eleganz und Coolness. So werden hochwertige Wollqualitäten entspannt und lässig getragen. Utility-Elemente, reduzierte Volumen durch Knopflösungen oder Abnäher sowie neue Bundfalten- und Taschenlösungen prägen den Look und sorgen für frische Verkaufsimpulse. Bleibt das Thema Denim auch relevant? Definitiv. Denim ist für uns nach wie vor ein starkes Thema und gewinnt im Zuge der neuen Lässigkeit an Bedeutung. Besonders wichtig sind neue Ringoptiken und charaktervolle Cross-Strukturen, die den Jeanslook so interpretieren, dass eine Balance zwischen Authentizität, Komfort und modischem Anspruch entsteht. www.cambio.de
CEO David Gansbühler setzt auf entspannte Coolness.
Selected
Echte Lieblingsstücke
Das dänische Bestsellerlabel Selected steht seit 1997 für hochwertigen, zeitlosen Stil mit nordischem Charakter. Klare Linien, erdige Farben und elegante Lagenlooks prägen die Kollektionen, die mühelos von Büro bis Freizeit funktionieren: pure Zeitlosigkeit mit einem modernen Touch. Dabei verbinden sich Schlichtheit, Qualität und Nachhaltigkeit zu einem raffinierten, langlebigen Stil für Damen und Herren, der mehr als Mode bietet – nämlich ein Stück nordischen Lebensgefühls mit einer Geschichte der Handwerkskunst, die skandinavisches Design zelebriert. www.selected.com
Selected will neue Maßstäbe bei Stil und Nachhaltigkeit setzen.
016 style in progress
www.siyu.es
CORE
Gmund Papier & Manteco bietet stilvolles Papier mit textilem Charakter aus 100 Prozent Baumwolle.
Rocco Ragni
Cashmere aus Perugia
„Wenn ich einen Look entwerfe, beginne ich nie mit einer Zeichnung. Ich gehe den umgekehrten Weg: Ausgehend vom Garn oder Stoff entsteht das Kleidungsstück“, erklärt der Rocco Ragni. Seine Cashmere-Mode erzählt Geschichten – verwurzelt in Tradition, getragen von Innovation. Die Kollektion spielt mit weichen Silhouetten, einem Zusammenspiel aus Linien und variierenden Weiten. Mehrlagige Verarbeitung verschiedener Garne erzeugt Volumen und bildet die Basis einer innovativen Outdoor-Strickkollektion. Feinste, natürliche Fasern formen feminine Stücke mit durchbrochenen Mustern, akzentuiert mit schimmernden Pailletten. Ab Jänner 2026 im Aco-Schauraum Salzburg. www.roccoragni.com
Gmund Papier & Manteco
Fabric to Paper
Die Idee: Aus Baumwollresten, die bei der Garnherstellung beim Stoffhersteller Manteco in Italien entstehen, wird in Österreich bei Gmund Premiumpapier gefertigt. Beide Unternehmen verbindet die Liebe zu Qualität, Design, Nachhaltigkeit und Innovation. Aus dieser gemeinsamen Überzeugung heraus ist im Sinne des Zero-Waste-Prinzips eine Papierkollektion entstanden, die Restfasern in hochwertiges Papier verwandelt. Baumwolle gilt als hochwertigster Rohstoff für Papier. Gemischt werden die Restfasern aus Italien mit weißen Baumwoll-Linters – einem weiteren Nebenprodukt aus der Textilindustrie. www.manteco.com
Kein Kompromiss bei Komfort und Stil: SoldOut.
Rocco Ragni wählt kühle Töne.
SoldOut
Easy Everyday
Das Modeist-Label steht für Everyday Favorites, die Funktionalität mit Stil verbinden. Im Zentrum steht technischer Jersey, in dem sich sportive und feminine Looks gleichermaßen umsetzen lassen. Eine neue Ware bringt subtilen, wertigen Glanz. Als Kombinationsmultitalent dient Denim mit Stretch-Anteil. neu ist ein Strickprogramm, das Pullover, Hosen und Röcke umfasst. Zudem begeistert Baumwoll-Jersey in Grau-Melange in diversen Silhouetten. Die Kollektion wird in den Größen XS bis 2XL angeboten. Mit VK-Preisen von unter 200 Euro steht die Marke für ein ehrliches Preis-Leistungs-Verhältnis und liefert attraktive Produkte für den gehobenen Fachhandel. www.soldout-fashion.de
018 style in progress
CORE
Penn & Ink N.Y
Powerful
„Es ist schwierig, etwas zu verbessern, das bereits wirklich gut war“, sagt Mark de Lorme, Gründer und Creative Director, und bezieht sich dabei stolz auf das erfolgreiche 15-Jahr-Jubiläum seines Labels auf der letztjährigen Modefabriek in Amsterdam. Er zeigt sich vom Veranstaltungsort begeistert und betont die Bedeutung des persönlichen Austauschs. „Wir warten im Moment alle aufeinander“, erklärt er und ergänzt, dass durch aktive Teilnahme ein Signal gesetzt werden müsse. Nach 15 Jahren Präsenz wird Penn & Ink N.Y im Jahr 2026 (18. & 19. 01. 2026) einen neuen, detaillierten Auftritt für alle Sinne präsentieren. „Wir fordern uns jedes Mal aufs Neue heraus, unseren Kundinnen ein völlig neues Erlebnis zu bieten“, erläutert Mark. „Eine Kombination aus Essen, Möbeln und Mode.“ www.pennandink-ny.com Mark de Lorme möchte die Mode-Community stärken.
Mit einem vergrößertem Platzangebot und spannenden Neuzugängen bei den Ausstellern starten die Gründer der SALT, Petra Kogler (Gusswerk) und Hubert Stolz (Stolz Agentur), mit viel Optimismus in die neue Saison.
SALT
Mehr Space, mehr Style – Premium & Active Brands im Gusswerk
Die Salt erweitert ihre Ausstellungsfläche im Gusswerk Salzburg um 300 Quadratmeter. Insgesamt steht damit ab Jänner 2026 eine Gesamtpräsentationsfläche von rund 1.800 Quadratmeter für Ausstellerbrands aus dem Premiumsegment zur Verfügung. Konkret wird mit der Erweiterung das angrenzende Gebäude 3A erschlossen, wodurch zusätzliche, flexibel nutzbare Präsentationsflächen für Marken aus Mode, Manufaktur, Accessoires und Sport bespielbar werden. Alle Räumlichkeiten stehen rechtzeitig zur SALT 01 von 20. bis 21. Jänner 2026 bereit. Parallel zur ÖSFA richtet sich das Format erstmals bewusst auch an Sportund Active-Lifestyle-Brands, die eine hochwertige Plattform im inspirierenden Umfeld des Gusswerks suchen. SALT 01: 20.–21. Jänner, SALT Fashion: 01.–03. Februar, SALT 02: 20.–22. Februar, www.salt-salzburg.at
020 style in progress
PIONEERS IN MATERIAL INNOVATION +15 YEARS OF R&D TO CREATE A SUSTAINABLE LIFESTYLE THAT IS GOOD FOR YOU AND THE PLANET.
DISCOVER FW26 AT:
BEN AND, GERMANY . ORDERLOUNGE, GERMANY . ROOM WITH A VIEW, AUSTRIA . EINS ZWEI ZWEI EINS, SWITZERLAND
CORE
Boss
Die Zukunft der Kunst gestalten
„Kunst ist seit über 30 Jahren ein integraler Bestandteil unserer DNA“, bestätigt Hugo-Boss-CEO Daniel Grieder. Das unterstreicht das Engagement des Unternehmens im Kunstsponsoring, dem im Rahmen der Art Basel Awards eine Installation unter dem Titel „1995–2025: 30 Jahre Kunstsponsoring“ gewidmet war. Erstmals wurde der Boss Award for Outstanding Achievement vergeben, über den sich die in Marokko geborene Künstlerin Meriem Bennani freuen durfte. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 100.000 US-Dollar dotiert: Eine Hälfte kann von der Preisträgerin an eine Gemeinschaft oder einen Zweck ihrer Wahl gespendet werden. Die andere fließt in ein von der Künstlerin gemeinsam mit Boss entwickeltes Projekt. www.hugoboss.com
Preisträgerin Meriem Bennani verbindet in ihrer Arbeit Humor, popkulturelle Ästhetik und digitale Sprache.
Aeronautica Militare
Stärkung der Präsenz
Die Sportswearmarke, die aus einer exklusiven Vereinbarung zwischen der italienischen Luftwaffe und Cristiano di Thiene S.p.A. hervorgegangen ist, entwickelt sich stetig weiter. Für eine solides und hochwertiges Fundament und das weitere Revival im Markt sorgt in Österreich die Agentur von Niko Fasthuber, die dort den Entwicklungsprozess vorantreibt. In der neuen Saison wird es bei Kastner & Öhler in Graz nach erfolgreichem Auftakt eine große Pop-up-Fläche von März bis August mit Styles für Herren, Footwear und Accessoires geben. Highlights der Kollektion sind neben Lederjacken auch Bomber-, Mantel- und Overshirt-Varianten sowie Strickwaren, eine vielseitige Hemdenlinie und die zum Teil stückgefärbten Hosen. www.aeronauticamilitareofficialstore.it Vintage-inspirierte Funktionalität und lässiger Stil.
022 style in progress
CORE
Antones stärkt die Präsenz von Latinò in den DACH-Märkten: Mit Andrea Friedrich und Tamara Huber von der Friedrich Fashion Agency (li.) in Salzburg für Österreich und Tina Windscheid von der Agentur Picinelli für die Schweiz.
Latinò
Die nächste Stufe
Antones by Sarah Freise stärkt die Positionierung des italienischen Hosen- und Denimspezialisten Latinò in den D-A-CH-Märkten und hat die Friedrich Fashion Agency in Salzburg (Andrea Friedrich und Tamara Huber) als neuen Partner für Österreich ausgewählt, während die Picinelli Agency in Zürich mit Tina Windscheid, die Marke in der Schweiz aufbauen soll. In Norddeutschland vertritt weiterhin Susanne Haase das Label. Neben dieser strategischen Weiterentwicklung zeigt Latinò eine Kollektion, die sich durch innovative Materialien und zeitlose Vielseitigkeit auszeichnet: superweicher Stretch-Denim in Rhinestone-Waschungen, luxuriöse Cashmere-Mischungen, elastische Bundlösungen, Animal-Prints und Nietendetails. Wie immer in 25 perfekt skalierten Passformen bis Größe 44, jede Qualität ist in zehn Farben erhältlich. Dafür lebt Latinò – perfekt sitzende Hosen für jede Frau, made in Italy. @latino.brand
Vulcans
Ehrliche Sneaker
Die niederländische Marke setzt auf zirkuläre Designs, ehrliche Handwerkskunst und verwendet nachhaltige Materialien wie biologisch abbaubares Wildleder. Vulcans spendet ein Prozent des Umsatzes an Umweltschutzinitiativen. Alle Sneaker werden in einer europäischen, solarbetriebenen Familienwerkstatt handgefertigt und überzeugen durch ihren Tragekomfort und anatomische Einlegesohlen. Die vulkanisierte Sohle aus Naturkautschuk bietet Grip und Langlebigkeit. Verkaufspreise für die beiden Modelle Tide und Wave liegen bei 139 und 149 Euro. Verantwortlich für den Europa-Vertrieb ist die Agentur von Remco Korf. www.vulcansshoes.com Vulcans kombinieren RetroElemente der 1980er- und 1990er-Jahre mit modernen Akzenten.
024 style in progress
CORE
Bloom
Soft and cosy
Hanseatisch, detailverliebt: Bloom.
Die neue Kollektion wird besonders soft and cosy und entwickelt den Preppy Style mit hanseatischer Sachlichkeit weiter – zum Beispiel mit kleinen, konfektionierten Strickjacken, Polo-Styles mit bezogenen Knöpfen und boxy Pullovern für Layering. Hinzu kommt Knitwear aus reiner Wolle in Angora-Optik dank Mink-Wash-Verfahren sowie Strick aus reinem Babyalpaka, Ton in Ton handbestickt. Häkelkanten und Kantenstiche in Heftstichoptik sind weitere Details. Sehr feminin sind Feinstrickteile mit Spitze und Tops mit Raffungen, aus Cashmere-Jersey. Die Farben reichen von Sand und Grauflanell über Mocha Latte, Dark Chocolate und gebranntem Oliv bis hin zu warmen Berry-Tönen. www.bloom-fashion.com
Dstrezzed
Brotherhood
Seit 2010 steht Dstrezzed für Menswear, die Komfort, Charakter und moderne Lässigkeit verbindet. Inspiriert vom Motto „No Stress“ entwirft die Marke Kleidung für Männer, die das Leben genießen und sich in jedem Moment wohlfühlen wollen. Dstrezzed bringt klassisches Erbe mit einem entspannten Twist zusammen und schafft Looks, die vertraut wirken, aber immer überraschen. Aus dieser Idee entstand eine starke Community aus Retailern, Partnern und modernen Gents, die über Mode hinausgeht, vereint von den Werten wie Authentizität, Qualität und Coolness. Über die Agentur Ben and erhältlich. dstrezzed.com, @dstrezzed_official Coolness pur.
026 style in progress
CORE
SOLK
BIOZIRKULARITÄT
David Solk und Irmi Kreuzer haben 30 Jahre lang Sneaker für große Marken entwickelt. Mit der eigenen Produktion in Vietnam setzt die Schweizer Marke auf faire Arbeitsbedingungen und einen Schuh-zu-Kompost-Prozess. Der Fade 201 ist das zweite Ledermodell mit Sohlen aus Naturkautschuk, das unabhängig auf über 200 gefährliche Substanzen getestet wurde, um Kompostierbarkeit zu garantieren. www.solk.com
InJewels
KULTURELLE TIEFE
InJewels steht für handgefertigten Schmuck, der afrikanische Wurzeln mit Berliner Handwerkskultur verbindet. Alle Stücke werden im eigenen Atelier aus recycelten Edelmetallen mit Präzision und Seele gefertigt. Stella Owusus Label ist Teil einer neuen Generation afrikanisch-europäischer Marken, die zeitgenössischen Luxus durch Herkunft, Authentizität und Haltung neu definieren. www.in-jewels.com
Maison le Super
STRAHLKRAFT
Goldene Pieces aus vergoldetem, recyceltem Sterling Silber setzen den Ton in Maison le Supers zweiter Kollektion – nur Halcyon und die großen TridacnaModelle kommen wegen des Gewichts in vergoldetem Messing. Mit mehr Fokus auf Damen, präzise definierten JewelleryPieces und mehr Haltung positioniert sich die Marke noch sichtbarer als moderne Jewel-Brand. www.maisonlesuper.com, @maisonlesuper
028 style in progress
CORE
Neue Silhouetten prägen eine klare, funktionale und zukunftsweisende Designsprache.
Aquascutum Active
175 Jahre Evolution
Die britische Marke wurde 1851 in London von John Emary gegründet. Der Name Aquascutum stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Wasserschutzschild. Er unterstreicht die Mission der Marke, Funktionalität mit Eleganz zu verbinden. Emary ist für die Patentierung eines wasserdichten Wollgewebes bekannt. Seit den 1950er-Jahren setzt Aquascutum das Baumwollmischgewebe Wyncol ein, das unter anderem bei der ersten erfolgreichen Everest-Expedition zum Einsatz kam. In diesem Jahr feiert die Marke auf dem Pitti Uomo in Florenz mit einem großen Stand nicht nur das 175-jährige Bestehen, sondern auch das 50. Jahr ihres unverwechselbaren Club-Check-Musters. Aus diesen Wurzeln fortschrittlicher technischer Entwicklung entstand das Konzept von Aquascutum Active. Der neue Chefdesigner Alessandro Pungetti, unter anderem C.P. Company und Mitbegründer von TenC, steht wie kaum ein anderer für die Verbindung von Tradition und Performance und hat das britische Erbe mit technischer Raffinesse und moderner Attitüde in die Gegenwart übertragen. Inspiriert von Schlüsselfiguren britischer Subkultur wie John Engledew, Roo Oxley, Geoff Bell, Corbin Shaw, Paul Weller oder Tom Sheehan gibt es auf der Website einen Fotoblog und bei Spotify einen Radiokanal. In der Herbst-/Winter-Kollektion 2026 wird die strategische Positionierung im Segment Premiumsportswear mit klarer internationaler Identität unterstrichen. Ein besonderes Highlight ist die Kollaboration mit Designer Mirko Borsche und seinem Sportswear- und Designstudio Societas. Ein neu interpretierter Trenchcoat in Fleece-gebondetem Softshell-Material mit hitzeversiegeltem Branding, passendem Merinoschal und einem Fußballtrikot, inspiriert vom Auswärtstrikot der englischen Nationalmannschaft gegen die USA von 1994, vereinen britische Klassik mit der zeitgenössischen Bildsprache der Fußballfankultur. Den Vertrieb und die Distribution in der D-A-CH-Region verantwortet Chusaja aus München. www.aquascutum-active.com
Club-Check-Paspelierung als dezentes und unverwechselbares Markenzeichen.
030 style in progress
CORE
Nine to 9
Easy to Wear
Nine to 9 steht für moderne Eleganz, getragen von innovativen Materialien. Bislang setzte das Label konsequent auf technischen Jersey, den Kreativchefin Marion Hoferer treffend als Champions League der funktionalen Stoffe beschreibt: formbeständig, komfortabel und zeitlos. Für Herbst/Winter 2026/27 erweitert ein softer Polyester Crêpe die Linie. Mit denselben hervorragenden Trageeigenschaften wirkt er jedoch weniger kühlend und ist damit ideal auch für kältere Tage geeignet. Ergänzt wird die Kollektion durch feinen Strick aus Wolle und Cashmere, der den Look harmonisch abrundet. www.nineto9.de
Unter anderem neu beim DMI: Kosmetikexpertin Hannah Waerder.
Fließende Total-Looks, aus technischem Jersey oder softem Polyester Crêpe natürlich knitterfrei – typisch Nine to 9.
DMI
Erweitert
„Nicht nur in den Einzelhandelssortimenten lässt sich beobachten, dass Mode und Kosmetik immer enger zusammenrücken“, sagt Carl Tillessen, CEO des Deutschen Modeinstituts. „Das führt zu einer wachsenden Nachfrage nach Trendanalysen, die die Entwicklungen in beiden Bereichen – Fashion und Beauty – gleichermaßen im Blick haben. Das DMI hat bereits vor einiger Zeit sein Team und sein Beratungsangebot entsprechend erweitert.“ So versorgt das Trendbüro im deutschsprachigen Raum inzwischen neben Modeunternehmen von Akris bis Kik auch Kosmetikunternehmen von La Biosthétique bis DM mit Informationen und Inspirationen für Ihre Kollektionen und Sortimente. www.dmi.de
032 style in progress
La Munt
A new take
Durchdachte Konzepte beginnen oft beim eigenen Bedarf. So auch die Geschichte von LaMunt: Im Winter 2019 von Ruth Oberrauch gegründet, entstand die Idee zur Marke aus dem Wunsch heraus, funktionale Mode neu zu denken. Als Teil der Oberalp-Gruppe verbindet das Label alpine Inspiration mit urbaner Leichtigkeit: Kleidung, die am Berg wie in der Stadt funktioniert. Nachhaltigkeit, im Sinne sozialer und ökologischer Verantwortung, ist dabei zentraler Bestandteil der Markenphilosophie. Im Fokus steht die eigene Community, für die regelmäßig Events veranstaltet werden. Der erste eigene Store wurde in München eröffnet und ist zugleich als Community Space konzipiert – für Begegnung, Austausch und Inspiration. www.lamunt.com
CORE
White Milano
Auf Wachstumskurs Rosner Studio
British Coolness
Die Herbst-/Winter-Kollektion 2026/27 interpretiert britische Coolness neu – modern, gelassen und frisch. Klassisches Tailoring trifft auf lässige Modernität und subtilen Luxus. Die Farbwelt verbindet tiefe Cherry-, Braun- und Olive-Stone-Töne mit sanften Neutrals und einem zarten Rosé. Materialien wie Wollmischungen, Flanell, Jersey und Cord schaffen Struktur und Komfort, Karos und Streifen setzen modische Akzente. Die Silhouetten reichen von Straight über Flared bis Wide und Barrel. Denim zeigt cleane und authentische Waschungen, ergänzt durch Japan-Denim und neuen Hanfdenim. Ein Stil, der ruhig, selbstbewusst und zeitgemäß wirkt. www.rosner.de
Wie lief 2025 die White Milano? Brenda Bizzi Bellei, CEO M.Seventy: Es war ein sehr erfolgreiches Jahr. Alle drei Editionen überzeugten mit starken Ergebnissen und großem Buyer-Interesse. Besonders geschätzt wurde unsere Markenauswahl, basierend auf intensiver Recherche und internationalem Scouting. Gleichzeitig gewann die Internationalisierung weiter an Dynamik mit mehr globalen Brands und einer wachsenden Zahl internationaler Buyer. Welches Ziel verfolgt ihr für 2026? Wir wollen die Basis von 2025 festigen und zentrale internationale Projekte ausbauen. Ein wichtiger Schritt ist das Memorandum of Understanding zwischen M.Seventy und der Saudi Fashion Commission. Zudem vertiefen wir Kooperationen mit China, Lateinamerika, Spanien, Indien, Armenien sowie Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan. Welche Herausforderungen seht ihr? Die Branche steht vor digitalem Wandel, steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Gleichzeitig zeigt sich unser Segment – der New Luxury – als besonders dynamisch und resilient.
Spirit urbaner Subkultur mit feinsinnigem Luxus vereint. Brenda Bizzi Bellei blickt zuversichtlich in die Zukunft.
Duno
Vier Linien, eine Vision
Duno denkt für Herbst/Winter 2026/27 Outerwear als bewegliche Architektur. Vier Linien verbinden dabei Designschärfe, Funktion und Materialinnovation zu einem stimmigen Gesamtkonzept. Timeless verkörpert die DNA der Brand: technische Wollmischungen, präzise Schnitte, moderne Details. Contemporary bringt neue Volumen und Leichtigkeit: bei der Frau weiche Silhouetten, beim Mann Hightech-Stoffe oder gewachste Baumwolle. Attic steht für urbane Eleganz mit edlen Fasern, Double-Geweben und aktualisierten Klassikern. Code markiert den experimentellsten Pol: heavy-soft Microfibre, raw-cut Wollmischungen und ein femininer Ladder-Like-Bomber setzen neue Codes. Schwarz, Dunkelgrau und Brandy Brown bestimmen die Stimmung. d-duno.it
034 style in progress
CORE
Taion
Zehnjähriges Jubiläum
Zeitlose Klassiker in bis zu 20 Farben gibt es in der Basic-Linie.
Minimalistischer japanischer Look der Work-Linie.
036 style in progress
Taion blickt auf ein Jahrzehnt der Entwicklung vom Daunenspezialisten zu einer umfassenden Lifestylemarke zurück, die sowohl im Winter als auch im Sommer komfortable, leichte und atmungsaktive Funktionskleidung bietet. Der Name Taion bedeutet auf Japanisch Körpertemperatur. 2016 in Japan gegründet, konzentrierte sich die Brand zunächst auf die Herstellung von Daunenjacken. Statt wie oftmals üblich mit 600er-Daunenfüllungen zu arbeiten, setzt Taion auf in jahrelanger Entwicklung perfektionierte 800er-Hochleistungsdaunen, die mehr isolierende Luft einschließen und so deutlich besser Wärmen, bei gleichzeitig geringem Gewicht und hoher Komprimierbarkeit. Mittlerweile hat sich das Unternehmen zu einer internationalen Utility-Brand entwickelt, die auf modernem Design basiert. Taion kreiert Kleidungsstücke, die technische Leistungsfähigkeit mit zeitloser Schlichtheit verbinden und dabei Langlebigkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit in den Vordergrund stellen. Es gibt vier Produktlinien: In der Basic-Linie sind zeitlose Klassiker in über 20 Farben verfügbar, die Military-Linie überzeugt durch funktionale Silhouetten. Sie ist mit und ohne Daunenfüllung erhältlich. In der Work-Linie gibt es unter anderem Cordwesten und -jacken aus robustem und langlebigem Cordura-Gewebe in elegantem japanischem Look. Technisch, sportliche Bekleidung für OutdoorAktivitäten bei jedem Wetter ist in der Mountain-Linie vertreten. In Österreich ist die Agentur Room with a View für den Vertrieb verantwortlich, in Deutschland die Agentur Wunschnaht. Die Designphilosophie und Markenidentität von Taion stellt Funktionalität und klare japanische Ästhetik an erste Stelle. Jedes Produkt ist bewusst als zeitloser Klassiker gestaltet. Trotz des Einsatzes hochwertiger und nachhaltiger Materialien sind die Preise äußerst erschwinglich ausgelegt. @taion_eu
Modulare Konstruktion und praktische Details zeichnen die Military-Linie aus.
Die Mountain-Linie überzeugt durch leichte, sportliche Performance-Styles.
02 – 04.02.2026 PARIS LE BOURGET, FRANCE
Weaving the Future
Sourcing | Business | Solutions
texworld-paris.com
CORE
Praterinsel by Petra Esparza McAlpine
Oase
Die Münchner Praterinsel wächst. „Unter den Neuausstellern ist Perfect Moment, präsentiert von Bernd Schürmann“, sagt Petra Esparza McAlpine, „gefolgt von Ilona von Preuschen, Alcidia da Veiga und Vittoria Gwen.“ Wieder an Bord sind Stouls, Jérôme Dreyfuss, Rossi, Katharina Hovman und 8PM. Aus ihrer Agentur zeigt Esparza McAlpine einige New Entries: die minimalistische Womenswear von Su, PierreLouis Mascia, Taschen von Bonastre sowie Cashmere von Arch4. „Man kommt zur Praterinsel wegen der Kollektionen, aber man bleibt gern wegen der entspannten Atmosphäre! Die Insel ist wie eine Oase mitten in der Stadt. Zugleich sind die anderen Orderadressen gut erreichbar.“ www.esparza-mcalpine.de
Astorflex
15 Shades of Brown
„Eine Farbkarte mit unendlich vielen Brauntönen zu einer Schuhkollektion ist für mich das beste Sinnbild, wie viel Leidenschaft Astorflex in ihre Produkte steckt“, erklärt Mark Grütters, wie das Familienunternehmen sein Spezialistentum auszeichnet. Seit 1820 produziert Astorflex Lederschuhe mit Naturkautschuksohle und Steppnaht und erweiterte seine Produktpalette zuletzt um hochwertige Loafers für Damen und Herren. Rund 100 Mitarbeiter fertigen von Hand in Castel d’Ario die Schuhe aus rein pflanzlich gegerbtem Leder und unter der Verwendung lösemittelfreier Kleber. Das Team rund um CEO Fabio Travenzoli lebt vor, wie sich Expertise als Momentum nutzen lässt.
Trendprodukt bei Astorflex: Loafer als Erfolgsfaktor.
Initiatorin Petra Esparza McAlpine.
Twodays
Erweiterung
Vom 24. bis 26. Januar startet die Twodays Edition #3. Die Location Kap.One am Düsseldorfer Karl-Arnold-Platz bleibt für das Showroom-Concept bestehen, das bereits am 23. Januar beginnt. Neu hinzu kommt die Halle 29, für ein breiteres Ausstellerportfolio mit Fashion, Shoes und Accessoires. Ein Shuttle-Service verbindet beide Standorte während der Düsseldorf Fashion Days. Die Edition #4 folgt am 1. und 2. März und fokussiert die Fashion-ReOrder und das Shoe-Business. „Mit der räumlichen Erweiterung und der Schärfung des Konzepts setzen wir ein starkes Zeichen für den Modestandort Düsseldorf“, betont Ulrike Kähler, Managing Director der Igedo Exhibitions.www.twodays-duesseldorf.com
038 style in progress
Zwei Locations für die Twodays Düsseldorf.
Meet us at Pitti Uomo bogner.com
CORE
One More
Funktion – made in Italy
2018 im Südtiroler Neumarkt gegründet, verkörpert One More eine neue Generation werteorientierten Designs. Aus einer regionalen Nische heraus ist die Marke mittlerweile international vertreten – konkret in 63 Stores in 19 Ländern. Nachhaltigkeit ist kein Versprechen, sondern gelebtes Prinzip: 80 Prozent der Kollektion entstehen in Italien, meist in Familienbetrieben. Alles andere wird ebenfalls in Europa gefertigt. Signaturmaterial ist Apple Skin – eine Lederalternative aus Resten der heimischen Saftproduktion. Mit zeitlosen Carry-overs, minimalistischer Formensprache und einer eigens entwickelten Typografie manifestiert One More seine Vision von Ästhetik, Verantwortung und kultureller Identität. www.one-more.info
Minus One Jeans
One Fit
Mille Monferin meldet sich mit einem neuen Projekt: Minus One Jeans. Nach fast 40 Jahren im Denimbusiness mit Stationen bei Levis oder Edwin hat er eine kompakte Kollektion zusammengestellt, die sich auf das wesentliche konzentriert. Die Regular- und Relaxed-Fit-Silhouetten in über 20 Waschungen überzeugen durch ihre Passform und die Kalkulation mit 3,3. Die Verkaufspreise sind für 15 Waschungen und vier Chinos bei 129 Euro – einige auch im NOS-Programm, dazu sechs Selvedge-Modelle zum Preis von 179 Euro. Bestseller gibt es mit Lagerservice. Hinzu kommen Stückgefärbte T-Shirts für 49 und Sweater für 99 Euro in sechs Farben. In der DACH-Region verantwortet Mesut Anliacik von Zero8 Zero8 den Vertrieb. www.minusonejeans.com
CEP
Engineered in Germany
Die Bayreuther Marke CEP bringt im Mai die optimierte Version ihres Laufschuhs Optaspeed Bowtech auf den Markt. „Unser Ziel ist, die Lücke zwischen medizinisch-biomechanischen Aspekten und leistungsorientierten Produkten zu schließen. Wir wollen ein leistungsstarkes, komfortables und medizinisch fundiertes Produkt schaffen“, so Sebastian Seiler, Head of Footwear bei CEP. Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise, technologischer Innovation und echtem Nutzerfeedback ist ein Schuh mit gezielten Verbesserungen entstanden, der einen geräumigeren Vorfuß, eine überarbeitete Fersenkonstruktion und eine adaptierte Passform für mehr Platz und Performance bietet. www.cepsports.com CEP bietet maximale Energieeffizienz.
040 style in progress
CORE
Mason Garment
Starke Präsenz am POS
Wie war eure letzte Saison? Paul Wismeier, Brand Director: Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Agentur Schwarte konnten wir unsere Präsenz im D-A-CH-Raum stärken und besser nachvollziehen, worauf Konsumentinnen und Konsumenten reagieren. Unsere italienischen Hero Products performen im Handel wie online stark. Die POS-Aktivitäten halfen uns, relevante Materialien und Details präzise zu identifizieren. Ihr hattet viele POS-Events. In Stuttgart haben wir ein italienisch inspiriertes Outdoorevent mit Tulpen, Cannoli und einer Sommerkollektions-Preview umgesetzt. In Hamburg folgte ein Pop-up mit Individualisierung durch unsere Artisans. Ein privates Loft-Showcase in Düsseldorf präsentierte Frühjahr/Sommer 2026, Live-Customizations und neue Accessoires. Diese Formate haben unsere Sichtbarkeit deutlich gesteigert. Was passiert 2026? Wir bauen unsere POS-Aktivitäten aus, setzen auf zeitlose Qualität und entwickeln unsere Hero Products weiter. Außerdem integrieren wir stärker Sound- und Sportelemente, um den Austausch mit Handel, Kreativen und Konsumentinnen und Konsumenten zu vertiefen. www.masongarments.com
Events am POS sind für Mason Garment ein Muss.
ILM
„Wir sind real greifbar“
Man kann die ILM im Messegeschehen als Fels in der Brandung bezeichnen. Was ist das Geheimnis? Arnd Hinrich Kappe, CEO der ILM Offenbach: Als Boutiqueveranstaltung für Accessoires und Reisegepäck haben wir unser Konzept nie verwässert. Jeder weiß, was er bei uns kriegt. Inwiefern modernisiert sich die Messe? Vieles läuft digital, die Messe selbst bleibt analog. Man kann sich 300 Aussteller ansehen, jeder Aussteller hat rund 40 Kundentermine. Enorm effizient! Dazu bringen wir Leben in die Hallen mit tollem Rahmenprogramm. Highlight ist ein Live-Talk mit Frauke Ludowig. Für mehr Internationalität kooperieren wir mit der Travel Goods Association, mit 20 Ausstellern aus den USA. Neues Projekt der Messe Offenbach ist die 069 Connect im Juni. Eine Konkurrenz für die ILM? Nein, es ist eine Schuh-Convention, für den Austausch auf Entscheiderebene mit großem Zuspruch. Parallel findet die Shift in Offenbach statt, inklusive Party im CultClub Robert Johnson. So kann Offenbach wahrhaft zur Fashionmetropole werden! www.ilm-offenbach.de
Arnd Hinrich Kappe, CEO ILM Offenbach.
042 style in progress
CORE
Wolkenstricker
KNITWEAR ROYALTY
Wolkenstricker steht für exklusive Strickkunst, die seit drei Generationen in wertvoller Handarbeit entsteht. Jede Jacke ist ein zeitloses Unikat, geprägt von präziser Schnittführung, erstklassigen Garnen und aufwändigen Stricktechniken. Die charakteristische Farbvielfalt, die perfekte Passform und der ikonische W-Knopf verleihen jeder Kreation ihren unverwechselbaren Charakter. Besonderheit, oder wie man es bei der Marke selbst nennt: „die Königin der Strickjacken“, ist die Jacke Regina. In Kirschrot, aus 100 Prozent Baumwolle mit eingestrickten Pailletten und vollständig von Hand gearbeitet zeigt sie exemplarisch das Know-how der Marke. www.wolkenstricker.de
White Sand
POESIE DER MATERIALIEN
Superga
ALPINE LOOKS FÜR DIE STADT
Die Linie Montagna von Superga wird 2026 erweitert und stärkt das Outdoor-inspirierte Segment. Neue Low- und High-Tops auf der Alpina-Lug-Sohle kombinieren Nubuk, Crazy-HorseLeder und Flesh-Out-Suede. Kontrastsenkel, Metallschlaufen und doppelte Rubber-Bumper sind klare Differenzierungsmerkmale und betonen die funktionale Ausrichtung. superga.com, @superga_official 044 style in progress
Die White Sand Herbst-/ Winter-Kollektion 2026/27 zeigt weite Hosen mit sanftem Fall, strukturierte Jacken und softem Strick. Japanische Twills und gebürstete Velours sorgen für Tiefe, während Marlane-Wolle warme, kompakte Silhouetten formt. Gedämpfte Töne wie Nebelgrau, Ahornrot und Sandbeige begleiten feine Mikroprints als leise Akzente. white-sand.it, @whitesandofficial
Designed for life. Ready for anywhere.
Souleway steht für stilvolle, langlebige Taschen, die perfekt in das urbane Leben passen. Unsere Produkte sind gemacht für Menschen, die viel unterwegs sind – zwischen Job, Freizeit und spontanen Auszeiten. Wir kombinieren minimalistisches Design mit funktionaler Alltagstauglichkeit und fairer Produktion. Scanne diesen Code, um mit unserem Director Sales in Kontakt zu treten und Zugang zu unserem B2B-Shop zu erhalten. www.souleway.com
CORE
Mut zur Masche: 9AM erweitert sein Angebot um zeitgemäßen Strick.
9AM by Dolores
Neuer (Erzähl-)Stoff
Das Hosenlabel 9AM der Agentur Modeist erweitert für Herbst/Winter 2026 sein Angebot um eine neue Produktgruppe und setzt damit ein klares Zeichen in Richtung Total-Look. Zu den insgesamt zwölf Hosenstyles, erhältlich in fünf Qualitäten und jeweils vier Farben, wird künftig passender Strick angeboten. Merinowolle extrafine sowie Baumwollmix in Rippe sind dabei weder zu kühl für draußen noch zu warm für drinnen. Das Formenspiel der Hosen, die auf Wunsch auch auf Private-LabelBasis erhältlich sind, reicht von geraden Schlupfhosen über Culottes hin zu Karotten, Bermudas, Bundfaltenhosen und extralangen Modellen mit Galon. www.modeist.com
Carl Gross
Mutige Lässigkeit
Michael Berngruber, Division Head Carl Gross, präsentiert die aktuelle Kollektion als Zeitreise nach Berlin, einer Stadt voller Kontraste. Moderne Silhouetten, Materialvielfalt und ein Look zwischen Tradition und Innovation prägen das Bild. Lockere Schnitte, weiche Schultern und sportiv-elegante Details definieren modernes Tailoring. Die Themen Tweed Lover mit klassischen Tweed-Details, The Weekender mit Sportswear als Schlüsselelement und The Winter Wedding erzählen eigenständige Stilgeschichten, ergänzt durch eine Schuhkollektion mit präziser Verarbeitung. Berlin wird zur Haltung: klar, kantig, souverän – eine Kollektion mit Substanz und zeitloser Modernität. www.carlgross.de
Wertigkeit mit sportiven Elementen.
046 style in progress
CORE
Commercial Director Pepijn van Bommel.
The.Nim Standard
Softness und Patina
„Wir designen nicht für den Effekt, sondern für das Erlebnis“, sagt Markengründer Claudio Parolini. „Jedes Teil soll über die Zeit begleiten und an Softness, Patina und Individualität gewinnen.“ Die wichtigsten Denimentwicklungen zielen auf Wärme, Haptik und Komfort ab: mit Soft-Touch-Cotton, mit Cashmere angereicherten Mischqualitäten, strukturierten Denims ebenso wie mit garngefärbtem Denim für farbliche Tiefe. In der Menswear zeigt sich die Verbundenheit der italienischen Marke mit Japanin den von dort inspirierten Fits und authentischen Waschungen. Special: die Tailored Capsule, die flanelligen Denim- und Cashmere-Chevron-Jerseys mit anspruchsvollen Details als Upper Sportswear positioniert. Die Styles zitieren mit subtilen sartorialen Referenzen die Maßkonfektion. In der Womenswear rücken Straight- und Bootcut-Silhouetten in den Mittelpunkt. Ein Comeback feiern Skinny Fits, die als Stiefel-über-Hose-Look zurückkehren. www.thenimstandard.com
Flexibler Tragekomfort bleibt gesetzt.
Floris van Bommel
Ausstrahlung und Profil
Wie sieht die Europa-Expansionsstrategie aus? Pepijn van Bommel, Commercial Director: Wir verfolgen eine Perlenkettenstrategie. Wir zielen nicht auf flächendeckende Expansion, sondern suchen sehr gezielt nach Handelspartnern die zu unserer Markenidentität passen. So konnten wir neue Stores in vier europäischen Ländern gewinnen, in denen wir bisher nicht vertreten waren. Wie wird Floris van Bommel in den neuen Märkten positioniert? In Benelux und D-A-CH sind wir ein etabliertes Mainstream-Premiumbrand und eine feste Größe im gehobenen Fachhandel. In neuen Märkten werden wir dagegen exklusiver wahrgenommen, als Marke, die dem Gesamtsortiment zusätzliche Ausstrahlung und Profil verleiht. Welche Looks sind für Herbst/Winter 2026 besonders vielversprechend? Von warmen Brauntönen, Wolloptiken und Loafern, die auch im Winter stark bleiben, erwarten wir viel. Gleichzeitig erlebt das DressedSegment ein klares Comeback. Zudem sehen wir flachere Sohlen und eine anhaltend starke Nachfrage nach Leichtigkeit, Weichheit und flexiblem Tragekomfort. @florisvanbommel
Komfort und Haptik: The.Nim Standard. Floris van Bommel: Liebe zum Handwerk und Designs mit Schliff.
style in progress 047
CORE
Circolo 1901
Modern Ease
Circolo 1901 definiert die Idee maskuliner Nonchalance neu. Die Kollektion entwickelt sich mit Fokus auf Jackett weiter und übersetzt sie in fließende Silhouetten mit flexiblen Materialien und modernen Layering-Pieces. Work- und Shirt-Jackets, leichte Blousons sowie neu gedachte Shirts formulieren eine zeitgemäße Alternative zum klassischen Angezogensein. Strukturierte Wollchecks, Double-Face-Qualitäten, Cord und softes Jersey schaffen eine Materialwelt, die Ausdruck und Komfort verbindet. Im Zentrum steht ein Mix-and-Match-Gedanke, dessen harmonische Farbwelten intuitive Kombinationen erlauben und die auf veränderte Bedürfnisse reagiert. circolo1901.it, @circolo_1901
Souverän, entspannt, funktional und unverkennbar.
JNBY
Railin
Private Kunstsammlung
Ob Jersey, T-Shirt oder Hoodie, jedes Stück Stoff ziert ein anderes Kunstwerk. Die beiden Münchnerinnen Mirja Raiss und Magy Linzmeier haben für ihre 2023 gegründete Marke Railin ein mutiges Konzept gewählt: Jede Kollektion überlassen sie einem ausgewählten Künstler ihre Plattform als Leinwand, die er gestalten kann. Dieses Angebot nahmen schon Künstler wie Stuart McKenzie, Jessica Durrant oder Jürgen Katzenberger. Nebenher hat sich die Community Railin Collectors gegründet, die sich über die Kollektionen ihre private Kunstsammlung aufbauen. Vertreten ist Railin bei der Agentur Zimmermann in München, Modeagentur Anja Heller in Düsseldorf und Ehag Modevertrieb in Wien. www.railin-fashion.com
Zeitlos und doch modern
JNBY und Less by JNBY überzeugen für Herbst/Winter 2026/27 mit einer strategischen Sortimentserweiterung. Das Strick- und TotalLook-Segment verbindet zeitlose Ästhetik mit moderner Klarheit. Gewohnt stark sind die Outdoorthemen. Zudem unterstreichen mehrere Liefertermine sowie eine breite Range an Non-Season-Styles die etablierte Kompetenz der Marken. Die Preisstruktur bleibt stabil und auch in Zukunft nachvollziehbar, was sich auch optisch in modischen Spitzen zeigt. Der Anspruch an Realness leitet: Authentizität vor Trendhype. Das spiegelt sich in den Kollektionen wider, die aktuell sind, ohne auf jeden Trend aufzuspringen. www.jnby-shop.com
JNBY steht für Kollektionen, die Zeitlosigkeit und Zeitgeist vereinen.
048 style in progress
CORE
19Andrea’s47
Into the Soft
Die Herbst-/Winter-Kollektion des italienischen Schalspezialisten 19Andrea’s47 feiert einen Winter voller Ruhe und für Cashmere typischer Weichheit. Das Material steht im Fokus: warm, leicht und mit hoher Geschmeidigkeit. Längere Silhouetten, weiche Linien und fließende Layer übersetzen diese Haptik in eine moderne Formensprache. Die Farben folgen dem Gefühl: Sand, Dove und Light Grey stehen für stille Eleganz, kühle Blautöne und Pastells für Leichtigkeit, dazu kommen Akzente in Geranium oder Violett für gezielte Energie. Capes und Beanies vollenden den Look. 19andreas47.com 19andreas47_official
Paris Golf Gallery
Hole in One
Warme Schals für kalte Tage von 19Andrea’s47.
CG-Club of Gents
Party-Crasher
Ralf Klute, Head of Design führt die aktuelle Kollektion zu ihren Wurzeln zurück. Aggressiver und lauter ist das neue CG-Mainline Konzept, das vom Leben junger Rebellen erzählt. Hamburg bietet ideale Spots für die Umsetzung der Culinary Voyage. Im trendigen Restaurant Félix trifft rebellische Kreativität auf präzises Handwerk, die Klassiker neu interpretiert und Savile Row perfekt widerspiegelt: edel-peppig mit maskuliner Ausstrahlung. In Karl Lagerfelds ehemaliger Villa entfaltet Your own Party stille Eleganz und leisen Exzess mit edler Lebendigkeit. Die Architektur der Villa Jako wird zur Bühne einer Generation, die sich ihren Platz nimmt – ungebeten, aber passend. www.cg.fashion
Coole Kids mit Bock aufs Leben.
050 style in progress
Zum vierten Mal findet die Paris Golf Gallery während der Fashion Week vom 20. bis 24. Januar 2026 im Cadillac Showroom auf 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche in der Rue Meyerbeer statt. In der B2B-Sektion stellen progressive Golf- und Modemarken wie A.P.C., Head, Cph/Golf, Khalhon, Merrill, Lend, Left of Field oder Lost Balls aus. Rund 2.000 Besucher kamen beim letzten Mal an die Location direkt an der Pariser Oper, um in die neue Golfkultur einzutauchen. Ein Pop-up-Store und eine Kunstgalerie runden das Angebot des Events mit lässigem Off-show Charakter ab. www.parisgolfgallery.com
michaelis fashion agency MAIL@MICHAELIS-FASHION-AGENCY.COM (GERMANY – SOUTH)
neon oak JOHANNES@NEONOAK.DE (GERMANY – NORTH-EAST)
agentur rotter KAETHEROTTER@GMAIL.COM (GERMANY – WEST)
klaus modeagentur OFFICE@MODEAGENTUR-KLAUS.AT (AUSTRIA)
kamm&kamm PATRICK.KAMM@KAMMCOMPANY.CH (SWITZERLAND)
ABSOLUTCASHMERE.COM
CORE
All-Day Wearability: Deblon.
Deblon
Was Frauen schöner macht
„Mein Anspruch? Qualität und Designs, die sich körperlich und emotional gut anfühlen“, sagt DeblonGründerin Leonie Timmerman. Core-Product sind die ikonischen Leggings, Bestseller auch im deutschen Markt, wo das Label nach starkem Start bereits viele treue Kunden zählt. Die neue Kollektion überzeugt mit stilvollen Allwetter-Pieces, Strick und Loungewear, in femininen Silhouetten und funktionalen Fabrics in natürlichen und lebendigen Farben. „Die Kollektion spiegelt all das wider, was uns am Herzen liegt. Unser Team besteht aus Frauen, die ihr Herzblut in jedes Stück stecken und nur das wählen, was Frauen schöner macht.“ www.deblonsports.com
More & More
Sinnliche Stimmung
Spiel mit kühlen Akzenten
052 style in progress
Die Kollektion für Herbst/Winter 2026/27 vereint Bourgeoisie und Cosyness zu femininen, lässigen Looks. Warme Braun- und Rotnuancen treffen auf kühle Grün-, Blau- und Lilatöne. Silhouetten spielen mit Kontrasten: Blazer mit betonter Schulter, Gürteljacken, Kastenjacken und Blousons kombiniert mit Faltenröcken, Bermudas, Fake Fur und Lackoptiken. Heritage-Checks, Tweed und Cord begegnen Spitze und Rüschen. Gefittete Oberteile zu weiten oder schmalen Hosen, vielseitiger Denim und variantenreiche Blusen prägen die Linie. Strick wird ein Topthema. Hosen reichen von Wide Leg bis konisch. Outdoor zeigt Brauntöne, Wollmäntel, Carcoats und Puffer mit Pelzdetails für winterliche Cozyness. www.more-and-more.com
CORE
Elho
SIGNATUR STYLE
Die Performance-Bomberjacke mit den markanten Reißverschlüssen hat schon zahlreiche prominente Fans, unter anderem Jeremy Scott, DJ-Style-Ikone Charlotte de Witte, Bill Kaulitz, Ski Aggu, Diane Pernet oder Michelle Hunziker. Erhältlich ist Elho bereits in 15 Stores darunter Chapters in Mailand, KA YO in Stockholm, Bründl in Kaprun, Titolo und Kevin in the Woods in Zürich oder Breuninger in Stuttgart. @elhofreestyle
Duno
DREI IN EINS
Der Duno-Parka Wago aus hochwertiger Baumwolle besticht durch eine moderne LayerKonstruktion und eine leicht militärische Silhouette. Abgerundeter Kragen, ergonomische Ärmel und große Pattentaschen sorgen für Komfort. Das herausnehmbare Innenfutter schafft ein flexibles 3-in-1-Konzept mit coolen Farbkontrasten – ein Statement für Qualität und Vielseitigkeit. d-duno.it, duno__official
Collezione N_01
FEINSTER STRICK
Collezione N_01 von Daniele Fiesoli setzt für den Winter auf feine, aber warme Modelle, gefertigt aus Materialien höchster Qualität wie beispielsweise reiner extrafeiner Merinowolle. Die Looks zeigen elegante und feminine Silhouetten, die moderne Leichtigkeit mit angenehmem Komfort verbinden, perfekt auch für wechselhafte Wintertage. danielefiesoli.com/donna
054 style in progress
CORE
Sebastian Boekholt, FWSGeschäftsführer, verantwortet die Internationalisierung von JJ Hats.
JJ Hats – von der New Yorker Ikone zur Weltmarke.
JJ Hats
Born in New York, worn everywhere Seit über 100 Jahren ist das JJ Hat Center in Manhattan eine feste Adresse für Männer, die Wert auf Stil legen. Ein Ort, an dem ein Hut nie nur ein Accessoire war, sondern ein Ausdruck von Persönlichkeit. Aus diesem Erbe entsteht heute JJ Hats – eine Marke, die den klaren, selbstbewussten Stil New Yorks in moderne Kollektionen überführt. JJ Hats richtet sich an Männer, die ihren eigenen Weg gehen, die Trends nicht hinterherlaufen, sondern selbst Akzente setzen und ihren Look bewusst gestalten. Mit FWS – Friedrich W. Schneider, einem der führenden Unternehmen für Headwear in Europa – erhält die Marke den passenden Partner für ihre internationale Weiterentwicklung. „JJ Hats vereint New Yorker Ursprünge mit einem modernen, urbanen Stilverständnis“, sagt Sebastian Boekholt, Geschäftsführer von FWS. „Wir sprechen Männer an, die wissen, was ihnen steht, und die Qualität, klare Designs und eine starke Identität zu schätzen wissen.“ Im Januar wird JJ Hats erstmals auf dem Pitti Uomo in Florenz präsentiert. Die Kollektion umfasst markante Hüte und urbane Caps, ergänzt durch ausgewählte Capsule-Pieces. Jedes Design trägt die Handschrift New Yorks: reduziert, selbstbewusst, vielseitig – und für eine Zielgruppe gemacht, die ihren Stil nicht überdenkt, sondern lebt. In Paris wurde bereits ein Flagshipstore auf dem Boulevard Saint Germain eröffnet, der die nachhaltige und zeitgemäße Urban-Conscious-Identität reflektiert. Mit der Unterstützung von FWS baut JJ Hats seine Präsenz international weiter aus, bleibt aber seiner Essenz treu: klare Silhouetten, hochwertige Materialien und eine Haltung, die zeitlos ist. JJ Hats verbindet Herkunft mit Gegenwart und bringt den Stil New Yorks dorthin, wo Männer ihn tragen wollen. www.fwshats.de
056 style in progress
myths.it
RESEARCH ATTITUDE
CORE
My White Tee
Haptisch
„My White Tee ist ein haptisches Produkt, mit T-Shirts und Sweatshirts, die mit ihrer Qualität made in Portugal überzeugen, zu sehr guten Preisen“, sagt Gründer Frank Meyer. „Für den Einzelhandel ist es ein echtes Zusatzgeschäft.“ Jetzt stellt sich die 30-teilige Kollektion farblich neu auf. Neben Offwhite, Black und Navy kommen ein Poppy Red und mit Shark ein heller Olivton hinzu. Die Preise liegen zwischen 39 und 139 Euro/VK, kalkuliert mit 2,8 bis 3,0. Ein weiterer Pluspunkt? „Das breite Nachorderangebot sowie Trageproben für die Mitarbeiterinnen im Handel“, so Frank Meyer. „Am besten lässt sich das Produkt vermitteln, wenn man es selbst trägt.“ @mywhitetee.official
Fachhandelsprodukt: My White Tee.
Ecoalf
Konsequent kreislauffähig
Gemeinsam mit dem Verpackungsspezialisten Smurfit Westrock hat Ecoalf den ersten Mono-Material-Store in San Sebastián eröffnet. Die Wände bestehen aus Kraftpapier, die Möbel aus Wellpappe aus erneuerbaren Fasern. Alle Elemente sind biologisch abbau- und recycelbar. Im Januar wird in Florenz der nächste Store eröffnet. Damit setzt Ecoalf seine internationale Expansion fort. Mit 20 Prozent Umsatzwachstum und positivem EBITDA beweist die Marke, dass ökologisches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können. Highlights der Kollektion für Herbst/Winter 2026 ist die Strickkollektion aus regenerativer neuseeländischer Schafwolle. www.ecoalf.com
058 style in progress
Store aus FSC-zertifiziertem Papier und Karton.
CORE
04651/A Trip in a Bag
Seit zehn Jahren auf Reise
Zum zehnjährigen Jubiläum kehrt 04651/A Trip in a Bag dorthin zurück, wo alles beginnt: ins Atelier. Zwischen Schneiderpuppen und Stoffmustern entsteht die Herbst-/Winter-Kollektion 2026/27, inspiriert von der ruhigen Weite des Médoc. Tiefe Blau- und sanfte Grautöne treffen auf erdige Braun- und Bordeaux-Akzente. Im Zentrum steht ein Pariser Schriftsteller, der im Herbst in den Norden Frankreichs flieht. Sein Look: Cashmere, Cord, Denim und funktionale Travel-Pieces. Neue Lederjacken, Nautical Stripes und Prints erweitern die Linie. Zum Jubiläum feiert 04651 eine Reise, die weitergeht. 04651.com, @04651atripinabag
Zehn Jahre Travel-Essentials für moderne Nomaden.
Bei Bob stehen Farb- und Materialmix im Fokus.
BOB
Mehr Originalität
Die Herbst-/Winter-Kollektion 2026 entstand aus dem Wunsch, die Kreativität und Originalität von Made in Italy in einem zunehmend uniformen Marktumfeld weiter zu stärken. Bob setzt auf unverwechselbare Stoffe mit charakteristischer Unvollkommenheit und Kontrasten in Gewicht, Textur und Farbe. Wendestrickwaren in feineren Maschenweiten und gedeckten Erdtönen kommen mit Dégradé-Färbetechniken. Verwurzelt in Technik, Handwerkskunst und klarer Identität zeigt die italienische Marke einmal mehr Kleidung, die nicht nur kleidet, sondern eine Geschichte erzählt und Emotionen weckt. In Deutschland und Österreich wird Bob von der Hinterhofagentur vertreten. @bobcompanytheoriginal
060 style in progress
SALT
01 20–21 Jänner 2026
SALT
FASHION 01–03 Februar 2026
SALT
02 20–22 Februar 2026
GUSSWERK SALZBURG Söllheimerstraße 16, Salzburg, info@salt-salzburg.at www.salt-salzburg.at, @saltsalzburg
ı Alpenherz ı Angel Alarcon ııı Antonia Zander ı Apple of Eden ıı Arzberger Hemden exklusiv ı Atie ıı aunts & uncles ı Ayasse ı BellaSusi ı Bittner-Hüte ıı Blue Fire CO. ıı Blutsgeschwister ıı Bogner ıı Bogner Fire + Ice ı Boos ıı Bulaggi ıı Catwalk Junkie ı Chrysalis England ı Coccara ı Cocovero ı Creation Bauer ı Culture ııı Daddy’s Daughters ıı Depeche ııı Dirndl & Bua ı DU4 Shirts ıı Dunkelschwarz ııı Elisabeth & Franzl ıı Farm um’s Herz ıı Fraas ı Frederic Meisner Tracht ıı Gang ı Gaudiknopf ı Glanz & Zauber ı Glücklich ıı Goiser ı Gössl ı Gottseidank ııı Grasegger Manufaktur ııı Habsburg Kleidermanufaktur ı Heidi – exklusive Strickwaren ı Heimatglück Buam ı Heimatglück Tracht ıı Hubegger Ela textile accessoires ı Kaffe ıı Laszlo Budapest ıı LederGott ı Lembert Hutmanufaktur ı Lena Hoschek ıı Linda Neiber ıı Litzlfelder ıı Loevenich ııı Luis Trenker ıı Mademoisielle YéYé ı Marianna Déri Fashion ıı Markup ı MAT:20 ıı Mauritius ı Maximilian Tyrol Austria ıı mbyM ı Me°rchen Me°dchen ıı Meindl Fashion ı Meliné ı Michaela Feyrsinger ı Mimmu ı Mirabell Strickereiwaren ııı Mothwurf ıı Münchner Lodenfabrik ı Nihal Cashmere ıı NIKKI ıı Original Haferl ı Ostwald Ledermanufaktur ı Palomitas ı Ploom ıı Rehall ıı Resi Hammerer ı Rita in Palma ıı Rose Dirndl exklusiv ıı Rosner Studio ıı Säckler Manufaktur ıı Schuhwerk Schwangau ı Seenberg ıı SOS ı Stadler – Tiroler Schuhmanufaktur ı Stajan Kunst & Mode ı Steiner 1888 ı Stetson ı super.natural ı T.ba ı Thea Mika ı TheHolyGoat ı Verbenas ı Von & Zu ııı Wallmann ı Waltl Holzschuhmanufaktur ıı Wolkenstricker ı Xaver Luis Schuhmanufaktur ı Zhrill
CORE
Neue Tools, klare Codes, immersive Präsentationen: Fiorucci schafft eine visuelle Welt, die im Retail ebenso wie digital funktioniert – und Kollektionen zeigt, die intuitiv lesbar und atmosphärisch erlebbar sind.
Fiorucci
Shifting
Sie sprechen von einer Entwicklung zu einer ganzheitlichen Marke. Was bedeutet das? Paula Barrera Fermin, CMO Fiorucci: Wir entwickeln Fiorucci zu einer vollständig kuratierten Ready-to-Wear-Kollektion für Frauen und Männer. Die Marke wird vollständiger und tritt als eine klar definierte Welt auf. Welche Rolle spielt der Wholesale? Eine zentrale. Wir wollen unsere Partner mit einer klaren visuellen Sprache, moderner Marketingunterstützung und Tools, die in ihren Märkten wirklich Wirkung erzeugen, stärken. Sie betonen neue Formen der Präsentation. Unser Showroom wird immersiver, da wir beginnen, mit Kreativen zusammenzuarbeiten. So entsteht die Atmosphäre einer Kunstausstellung. Gleichzeitig entwickeln wir ein digitales Lookbook aus kurzen Videos, die zeigen, wie sich die Looks bewegen und sitzen. So wird die Kollektion deutlich intuitiver erlebbar. Wie gehen Sie den deutschen Markt an? Deutschland ist ein Schlüsselmarkt. Wir wollen starke, bedeutungsvolle Momente schaffen. Im April starten wir unsere erste große Aktivität in Zusammenarbeit mit dem KaDeWe. Dieser Auftakt zeigt, wie ernst wir diesen Markt nehmen.
Rossi
The new Now
Beständigkeit und Innovation von Rossi.
062 style in progress
Die aktuelle Rossi-Kollektion setzt ein noch deutlicheres Statement und soll ermutigen, sich vom konventionellen Denken in Saisons zu lösen und den eigenen Stil zu leben, im Sinne des „New Now“Gedankens. Präsentiert werden 16 Modelle mit Stylingpotenzial, von schmalen Silhouetten bis zu fließenden O-Shape-Formen. Key-Pieces sind eine Drapage-Hose, ein plissierter Midi-Rock oder Hose Noa mit extralangem Gürtel. Dazu gibt es Raw-Denim in fünf Varianten und ein passendes Overshirt für moderne Komplettlooks. Hochwertige Wollmischungen, Jersey und Glencheck zeigen den Qualitätsanspruch. Die Farbwelt bleibt neutral, zeitlos – mit Akzenten in Cashew, Rusty Red, Dark Brown und Grey. @rossi_pants
21. – 24. 4. 2026 FRANKFURT / MAIN
Der Designer träumt. Die Ingenieurin ist hellwach. Die Bekleidungsindustrie – immer neue Ideen in immer kürzeren Abständen. Treffen Sie Ingenieure, die diese Ideen Realität werden lassen. Und die beim Veredeln der Mode mit Präzision und Effizienz das meiste aus Materialien herausholen können.
in parallel with
part of
powered by
CORE
Techtextil & Texprocess
HightechMaterialien und Fertigungskompetenz
Vom 21. bis 24. April 2026 zeigen 1.700 Aussteller aus 50 Ländern auf den Messen Techtextil und Texprocess in Frankfurt die Innovationskraft der globalen Textilwirtschaft. Sie präsentieren Lösungen entlang der Wertschöpfungskette von PerformanceTextilien und biobasierten Fasern, über Smart Fashion bis zu zirkulären Technologien und KI-gestützter Bekleidungsproduktion. Die Techtextil als globale Businessplattform für Hochleistungsfasern und smarte Textilien zeigt vor allem ein wachsendes Angebot an Performance-Textilien für Outdooroder Schutzbekleidung mit rund 100 internationalen Ausstellern. Renommierte Unternehmen wie Klopman, Lenzing, Noble Biomaterials, Concordia Textiles, Getzner Textil und Groz-Beckert, RTS Textiles, Sapphire Finishin Mills und YKK demonstrieren hier das Potenzial funktionaler Bekleidungstextilien. In der Sonderschau „Performance Apparels on Stage“ erleben die Besucher live, wie Funktionsstoffe wärmen, kühlen, schützen oder getrackt werden und welche High-End-Materialien sich in Extremsituationen bewähren. Besonders spannend ist das Zukunftsthema Nature Performance: Mit Naturmaterialen, die beispielsweise aus Algen und Hanf oder von Raupen und Pilzen produziert werden und in puncto Langlebigkeit und Qualität neue Maßstäbe setzen. Parallel präsentiert die Texprocess eine Vielzahl von Innovationen, die Antworten auf Fragen zu Kostendruck und Lieferkettenrisiken geben. Neueste Maschinen, digitale Workflows und KI-gestützte Systeme für effiziente und präzise Bekleidungsproduktion werden von zahlreichen renommierten Neuausstellern vor allem aus dem Bereich Cutting, wie unter anderem Amann & Söhne, Coats, Comelz, Cutting Edge Automation und Pathfinder Australia, präsentiert. Highlights in Frankfurt sind wie immer der Techtextil und Texprocess Innovation Award und das, abgestimmt auf die einzelnen Foren, kuratierte Vortragsprogramm. www.techtextil.messefrankfurt.com
Techtextil stellt unter dem Titel Chance die Messebesucher in den Mittelpunkt der 2026er-Kampagne.
Auf der Techtextil wird die Zukunft der Bekleidungsindustrie gestaltet.
Die Texprocess zeigt, wie aus Ideen marktreife Produkte entstehen.
064 style in progress
CORE
Universel
Puristisch
Universel Paris entwickelt Jersey- und Strickkollektionen, die auf jahrzehntelanger Erfahrung in der hochwertigen Textilfertigung beruhen. Die Brand vereint klares, ruhiges Design mit edlen Materialien – weich, langlebig, tragbar. Die Teile sind funktional und zugleich elegant gestaltet, sodass sie sich mühelos einem breiten Spektrum an Alltagssituationen anpassen lassen – von entspannten Momenten bis zum gepflegten Look und stets durch hohen Tragekomfort überzeugen. Charakteristisch für die Pariser Marke ist eine reduzierte, präzise Ästhetik: weiche Drapierungen, ruhige Silhouetten und eine Farbpalette, die Zurückhaltung mit moderner Klarheit verbindet. Feine Details und natürliche Beweglichkeit prägen jedes Stück. Die Brand nutzt abgestimmte Jersey- und Stricktechniken, um zuverlässige Passform einerseits und ein sanftes Gefühl auf der Haut andererseits zu garantieren. In der Fertigung zeigt sich die langjährige Expertise besonders deutlich: Die Materialien werden sorgfältig gewählt, Konstruktionen sind auf dauerhafte Stabilität ausgelegt, und die Verarbeitung ist präzise. Ziel ist Kleidung, die über viele Jahre hinweg zuverlässig bleibt. „Wir möchten Mode anbieten, die Menschen langfristig begleitet und ihren Alltag erleichtert“, kommentiert Norbert Klauser. Auch die visuelle Identität der Marke orientiert sich an Klarheit und Ruhe. Die Bildsprache rückt Material, Form und Haptik in den Mittelpunkt und unterstreicht den Anspruch von Universel Paris, Essentials mit Tiefe und moderner Leichtigkeit zu schaffen. Im deutschsprachigen Raum arbeitet die Marke mit ausgewählten Handelspartnern zusammen, die dieses Verständnis teilen. Giorgio Occhipinti formuliert es so: „Wir setzen im D-A-CH-Raum auf Stores, die Wertigkeit erkennen und unsere Kollektion in einem passenden Umfeld präsentieren.“ @universel_paris
Essenziell: Jersey und Strick von Universel Paris.
The Holy Goat
Märchenhaft
Simone, was hält The Holy Goat für die kommende Saison bereit? Simone Goschler, Inhaberin The Holy Goat: Warme Winterpastelle! Wir bringen zarte, beruhigende Töne aus der gesamte Farbpalette auf Web und Strick auf Cashmere. Unglaublich schön ist unser dicker Handstrick mit Zöpfen, Rippen und Rauten, in mehrfarbigen Winterpastellen wie Flieder, Hellblau, Grün, rauchigem Rosa oder Pflaume. Die Natur zieht sich durch die Kollektionen. Weil sie dich erdet? Für mich ist die Verbindung zur Natur elementar. Mit viel Achtsamkeit gegenüber den Tieren, der Umwelt und den Menschen, die an der Herstellung unserer Kollektion beteiligt sind, entstehen besondere Stücke, zum Lieben für die Ewigkeit. Diese Saison haben wir La Forestière, die Försterin, in den Mittelpunkt gestellt. Sie streift durch die Natur und beobachtet Tiere, die wir mit gewohnt aufwändigen Bestickungen und Intarsien auf unserem Cashmere zum Leben erwecken. Märchenhaft! Neu bei uns sind handgestrickte Trachtenjanker für Damen und Herren, die wir auf der SALT 02 in Salzburg präsentieren werden. www.theholygoat.com
066 style in progress
The Holy Goat zeigt sich naturverbunden.
DIEKAUFLEUTE info@diekaufleute.com
www.mantu.it
CORE
Mono
Wanderlust
Die lässigen Boots von Mono erinnern nicht nur im Look an klassische Wanderstiefel, sondern punkten dank ihrer norwegischen Herkunft auch mit echten Outdooreigenschaften. Die leichten Stiefel sind aus hochwertigem Leder in Portugal gefertigt und werden unter anderem mit kuscheligem Lammfellfutter und robusten Vibram-Sohlen ausgestattet. Die VK-Preise reichen von 250 bis 340 Euro. In Deutschland verantwortet Lagom den Vertrieb, in Österreich Room with a View und in der Schweiz Eins Zwei Zwei Eins. Kunden sind beispielsweise Breuninger, Lodenfrey, Kastner & Öhler oder Steen & Strøm. Zu sehen sind die Schuhe auf dem Pitti und auf der Welcome in Paris und New York. @monofoo
Mono Boots überzeugen mit außergewöhnlichen Farbkombinationen. Nachhaltige Produkte verbunden mit authentisch amerikanischem VintageLook.
The Mercer Brand
Americana evolved
Für Herbst/Winter 2026 bleibt The Mercer Brand ihrer lässigen, sportlich geprägten DNA treu und setzt mit dem neuen, von College-Pennants inspirierten Flag Logo einen klaren, modernen Akzent. Das Label verbindet seit der Gründung 2013 amerikanisches Vintage-Feeling mit Nachhaltigkeit – von veganen Materialien bis zu recyceltem Ozeanplastik. Kooperationen mit der NASA, UCLA und dem Beverly Hills Hotel zeigen die kreative Spannweite und unterstreichen, wie stark The Mercer Brand Design Innovation und Verantwortung verbindet und die neue Kollektion diese Haltung weiterträgt. Über Ben and erhältlich. themercerbrand.com, @merceramsterdam
068 style in progress
dre s s l e r1 92 9. c om
THE STATEMENT AW26
CORE
Die Texworld ist globaler Treffpunkt für Modeexperten.
Texworld Apparel Sourcing Paris
Weaving the future
In Paris lassen sich praktische Innovationen und zukunftsorientierte Industriepartner finden.
Inspirierendes Beschaffungserlebnis für die Frühjahr-/Sommer-Kollektionen 2027.
070 style in progress
Vom 2. bis 4. Februar 2026 bringt die Texworld Apparel Sourcing Paris in der 58. Ausgabe erneut alle wichtigen Akteure der Textil- und Bekleidungsbranche im Messezentrum Paris-Le Bourget zusammen. Drei Tage lang können Besucher unter 1.300 Anbietern die Produkte von Konfektionsware bis hin zu Luxusmode von internationalen Stoffherstellern und Produzenten vergleichen und auswählen. Diese Vielfalt bestätigt die anhaltende Bedeutung der europäischen Märkte für die globale Nachfrage und unterstreicht die strategische Position von Paris als Hauptstadt für Mode, Beschaffung und Kreativität. Während die Gesamtstruktur der Messe mit den Hallen 2, 3 und 4 unverändert bleibt, hat die Messe Frankfurt France die Aufteilung der wichtigsten Sektoren innerhalb der Ausstellungsfläche neu überdacht. Ziel ist es, den Erwartungen der Einkäufer gerecht zu werden und den Besuch möglichst effizient zu Gestalten. Apparel Sourcing für Damenmode und das Strickwarenangebot ziehen in Halle 3 neben die Länderpavillons. In Halle 4 wird der Bereich Activewear mit dem Bereich Casual & Sportswear zusammengefasst, während Print und Jacquard näher an Silky Aspects platziert werden, wodurch das Angebot an Damenkonfektion gestärkt wird. Halle 2 bleibt weiterhin Trendforen, Podiumsdiskussionen und Servicebereichen vorbehalten und bietet zudem komfortable Ruhezonen. Der Bereich Readyto-Sell in Halle 2, in der Nähe der Trendforen, präsentiert eine sorgfältig kuratierte Auswahl inspirierender Trend-Looks, die von den Creative Directors der Messe Louis Gérin und Gregory Lamaud zusammengestellt werden. Dort ist auch der Econogy Hub angesiedelt, der Nachhaltigkeitsinitiativen und Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette in den Mittelpunkt stellt. Der Bereich Initiativen, der Gemeinschaftsprojekten aus verschiedenen Branchen und Ländern gewidmet ist, befindet sich künftig direkt am Eingang der Messe. www.texworldparis.fr.messefrankfurt.com
CORE
Love Future
Gute Laune
Optimistisch, unkompliziert, durchweg positiv – dafür steht Love Future, mit innovativem Strick in warmen Farben und emotionalen Statements als Intarsien und Stickerei-Applikationen. Die softe Cashmere-WollMischung wird nun mit einer softeren Wollqualität ergänzt, die durch ein spezielles Waschverfahren noch flauschiger wird. Stilprägend sind Preppy Pullunder, Collegejacken und Bomber mit Trikotstreifen und kleinen Herz-Icons. Hinzu kommen oversized Wohlfühlpullis mit Blockstreifen und selbstbewussten Statements. On top wurde die Sweatserie erweitert. Neu dabei sind Jerseys aus Biobaumwolle. Die Passformen sind leicht oversized bis feminin gefittet. www.lovefuture.de
Zwischen Easy Chic und urbaner Loungewear.
Sebago
80 Jahre Preppiness
Sebago feiert 2026 sein 80-Jahr-Jubiläum mit einer Reihe von Events, einer neuen Linie sowie der dritten Ausgabe des Sebago Yearbooks. Das Yearbook Vol. III versteht sich als kulturelles Bookazine, das über den klassischen Produktkatalog hinausgeht und die authentische Welt der Marke erzählt: Geschichten und Bildwelten aus Maine, Beiträge kreativer Stimmen sowie Einblicke in Tradition, Ästhetik und zeitgemäßen Stil. Die Kollektion bleibt fest in der traditionellen Sebago-DNA verankert und gliedert sich in Preppy Heritage, Fly Fishing und Ranch. Sie bietet damit ein klar strukturiertes Sortiment aus modernem College-Look, funktionaler Outerwear und Americana-inspirierten Styles. sebago.com, @sebago_world
IQ Studio wie immer am Puls der Zeit:.
IQ Studio
Weiterentwickelt
Die prägenden Merkmale von IQ Studio sind entspannte Shapes, funktionale Fabrics mit spannenden Oberflächen und dezenten Funktionsdetails. Zur Herbst-/Winter-Saison 2026/27 wird die DNA mit transsaisonaler In- und Outerwear weiterentwickelt. Deutlich ausgebaut werden innovative Lederstyles in Ziegenvelours und Lammnappa. Auch für Fake Fur gibt es ein Update, dank softer, leichter Materialien in Wolloptik und mit Lederdetails. Lässig urban sind voluminöse Mäntel, Cabans und Shirt-Jackets in softer, hochwertiger Wolle, deren Anteil in der Kollektion saisonübergreifend wächst. Trenchcoats und Parkas vervollständigen das modische Angebot ebenso wie Accessoires. www.iq.studio style in progress 071
CORE
Circolo 1901
MIX AND MATCH
Die Damenkollektion für Herbst/Winter 2026/27 von Circolo 1901 verbindet maskuline Struktur mit femininer Weichheit. Edle Wollund Seidenmischungen, Checks, Cord und moderne Jersey-Qualitäten formen eine vielseitige Mix-and-Match-Welt. Klare Linien treffen auf fließende Silhouetten, luxuriöse Texturen auf komfortable Elastizität – eine moderne Harmonie der Gegensätze. circolo1901.it, @circolo_1901
Buzigahill
RETURN TO SENDER
Buzigahill ist die direkte Antwort auf die Auswirkungen der Altkleiderexporte auf die Textilindustrie Ugandas. Die Unikate kehren die Richtung des Abfalls um, als kollektive Weigerung, am Ende der Secondhand-Lieferkette zu verharren. Kooperiert wird mit Designern, Künstlern, Secondhand-Händlern sowie Werkstätten wie dem Milaya Project im Flüchtlingscamp Bidi Bidiim Nordwesten Ugandas. www.buzigahill.com
Thies
ZERO-WASTE-PUSCHEN
Die veganen Fluffy Puffy Clogs aus teilrecyceltem EVA von Thies sind ultraleicht, bequem und äußerst praktisch. Sie sind waschbar, wasserfest und ideal für alle Jahreszeiten, dank kuscheligem Teddyfutter aus recyceltem PES. Die abriebfesten Clogs werden in Spanien gefertigt und können am Strand, am Pool oder zu Hause, in der Sauna, im Fitness- oder Yogastudio getragen werden. www.thies.shoes 072 style in progress
AQUASCUTUM ACTIVE
Functionality is key. Since 1851.
CORE
Parajumpers
20 Jahre Produktkultur
Das italienische Label Parajumpers feiert 2026 sein 20-Jahr-Jubiläum. Das Familienunternehmen hat sich vom Outerwear-Spezialisten zu einer internationalen Marke entwickelt. Ein Gespräch mit Cristina Paulon, Mitglied der Gründerfamilie und seit über 14 Jahren im Unternehmen über Wachstum, Wandel und die Zukunft. Cristina, wie hat sich Parajumpers in 20 Jahren verändert? Cristina Paulon, Brand Director Parajumpers: Als ich begann, waren wir knapp 25 Leute, heute sind wir rund 75. Viele arbeiten hier mit Eltern, Schwestern oder Cousinen: Parajumpers ist wirklich ein Familienunternehmen. Wir sind außerdem von 6.000 auf fast 20.000 Quadratmeter umgezogen, haben unser Lager integriert und in den letzten Jahren gezielt Managementkompetenzen aufgebaut, um die Internationalisierung professionell zu steuern. Diese Mischung aus Familie und Struktur ist unsere Stärke. Wie hat sich das Produkt entwickelt? Wir waren ein reiner Outdoor-Parka-Spezialist. Heute sind wir eine komplette Markenwelt: Jacken, Knitwear, Fleece, Accessoires. Wir denken nicht mehr in Saisons, sondern in zwölf Monaten, weil unser Kunde das ganze Jahr mit uns interagiert. Ein großer Schritt war die Öffnung zu externen Designerinnen und Designern. Sie bringen neue Perspektiven. Doch wir feiern keine einzelnen Personen, wir arbeiten als Kollektiv. Unsere Produktkultur denkt jedes Teil ganzheitlich: Materialien, Passform, Funktion, Nutzung. Jedes Detail hat einen Zweck, nichts ist dekorativ um der Dekoration willen. Was kommt im Jubiläumsjahr? 2026 gibt es viele Aktivierungen: Pop-ups, neue Kooperationen, Reworks aus dem Archiv und mehrere Special Projects, die wir bald enthüllen. Letztes Jahr hatten wir bereits bis zu 25 internationale Aktivitäten an wichtigen POS in Europa – das setzen wir fort. Mein Wunsch für die Zukunft? Weiterwachsen, ohne unsere familiäre Identität zu verlieren, und gleichzeitig unsere Beziehung zum Endkunden stärken. Die nächsten 20 Jahre sollen genauso mutig werden wie die ersten.
Eine der zahlreichen POS-Aktivitäten im Jahr 2025 – hier zu sehen: Breuninger in Hamburg.
Neu: Private the Label. Cristina Paulon ist seit über 14 Jahren im Familienunternehmen tätig und hat dessen Entwicklung maßgeblich mitgeprägt.
Private the Label
Konkurrenzfähig
Private the Label ist ein neues Brand-Konzept aus dem Hause Essential Style in Hamburg für Premium Contemporary Womenswear. Zum Start werden Styles aus hochwertigem Lammvelours, Lammnappa, Cow Split, Wolle sowie Faux Fur und Fake Leather zu 179 bis 499 Euro/VK gezeigt. Private Labeling ist ab 50 Teilen möglich und es wird mit 3,0 bis 4,0 kalkuliert. Darüber hinaus wird auch Unterstützung bei der Entwicklung eigener Labels angeboten. Für die Zukunft sind weitere Produktgruppen geplant. Der Verkauf startet deutschlandweit über die Agentur Rolf Griesinger am 19. Januar, anschließend wird die Kollektion auf der Supreme Düsseldorf präsentiert. www.privatethelabel.com
074 style in progress
d-duno.it
CORE
Tom Ripley
Slow Elegance
Für Herbst/Winter 2026/27 knüpft Tom Ripley an seine stilistische Hommage an die Eleganz der 1950er- und frühen 1960er-Jahre an. Zeitlose Silhouetten und ruhige Farben wie Ecru, Beige, Dolomiti, Espresso und Barolo sowie Retro-Details erinnern an die Lässigkeit von Alain Delon oder Marcello Mastroianni. Die special Pieces? Checkerboard-Pullover und -Pullunder als grafische StatementLooks, ein Pullunder mit Kapuze als Hybrid sowie ein Knit-Overshirt mit Snap Buttons. Ein Strickpolo und ein Granny-Overshirt in Fake-Fur-Optik bringen eine luxuriöse Haptik ein. Kurzarmmodelle aus Merino funktionieren als saisonunabhängige Layeringteile. Mütze und Schal aus recyceltem Cashmere runden die Kollektion ab. Für Tom Ripley steht Slow Fashion im Fokus, mit Naturmaterialien wie feiner Merinowolle, recyceltem Cashmere und Biobaumwolle, verarbeitet ohne Kunstfasern und produziert in mittelständischen italienischen Familienbetrieben – als Bekenntnis zu Handwerk, Fairness und Langlebigkeit. www.tom-ripley.com
Strick made in Italy: Tom Ripley.
White Sand
Sartoria emotiva
„Die neue Herrenkollektion von White Sand verkörpert genau das, was ich unter sartoria emotiva – emotionalem Tailoring – verstehe: Mode, die sich wie ein stiller Dialog zwischen Körper, Stoff und Gefühl entfaltet“, erklärt Giovanni Bernardi, Co-CEO von GDM Srl, der Muttergesellschaft von White Sand. Weiche Volumen öffnen beruhigende Räume, Japanstoffe erzeugen klare Tiefe und feinsinnige Texturen. Gabardine, Velours und Marlane-Wolle bewahren Licht, Wärme und Erinnerungen und schenken den Silhouetten elegante Präsenz. Zarte Mikroprints setzen leise Retro-Impulse und verleihen der Kollektion sanfte Spannung. Eine Kollektion, die nicht der Saison folgt, sondern sie umarmt. white-sand.it, @whitesandofficial
076 style in progress
Isle of Harris, Scotland
Floris van Bommel 9th generation shoemaker since 1718
Düsseldorf: GOODIEZ, Mönchengladbach: Trend Day, München: Essenz, Milano: Micam. Mehr als 100 Modelle auf Lager, kostenloser Versand. | Customer Service (deutschsprachig): +31 13 51 36 930, vertrieb@florisvanbommel.com
alberto-pants.com
PANTS WITH ATTITUDE
Stylera Mumbai
TRANSLATING TRUST Vertrieb ist mehr als Distribution – er lebt von Präsenz, Vertrauen und der Kunst, Beziehungen zu gestalten. Zwischen Showroom, Pop-up und Digitalraum entstehen Begegnungen, die Marken greifbar machen. Wer Marke und Markt versteht, übersetzt nicht nur Produkte, sondern legt das Fundament für nachhaltige, langfristige Beziehungen. Ein Versuch, das Vertriebsmodell der Zukunft zu skizzieren – mit der Einsicht, dass es nicht den einen, sondern viele Wege gibt.
style in progress 081
SELLING REAL NESS Kaum ein Bereich des Fashionsystems befindet sich derzeit so tief im Umbruch wie der Vertrieb. Globale Märkte, digitale Tools, neue Bedürfnisse seitens Konsumentinnen und Konsumenten und fragmentierte Handelsstrukturen stellen Agenturen und Brands gleichermaßen auf den Prüfstand. Zwischen Showroom und Metaverse, zwischen persönlicher Beziehung und datengetriebenem Forecast stellt sich die Frage: Wie sieht das Modell der Zukunft aus? Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Bilder: Agenturen
082 style in progress
„Ich sehe jede Marke als Student. Irgendwann müssen sie ihr Diplom machen, dann lasse ich sie gehen.“ Yoshi Yakushiji
F
rüher war Vertrieb ein klar definiertes System – eine Kollektion, ein Showroom, eine Orderrunde. Es gab den Kalender, die Saison, die festen Abläufe; Vertreterinnen und Vertreter waren Mittler zwischen Marke und Handel, übersetzten gewissermaßen die Kollektion. Bestellungen wurden auf Papier geschrieben, Gespräche beim Espresso geführt, Messen waren Pflichttermine – Orte des Austauschs, der Begegnung und des stillen Wettbewerbs. Was bleibt heute davon übrig? Der Begriff Vertrieb ist ebenso schwer definier- wie greifbar, schwankt zwischen digital, nomadisch, spontan und geerdet, verbindlich, menschlich. Einige machen Business auf Instagram, andere im Pop-up-Showroom, manche noch auf Messen, während Fashion Weeks, einer Zoom-Session zwischen London und Tokio. Die Strukturen haben sich aufgelöst, aber im Kern bleibt bestehen, worum es immer ging: Vertrauen und Beziehung. Sechs Städte, fünf Visionen und ein gemeinsamer Nenner: die Passion, Vertrieb neu zu denken, eigene Wege zu gehen und so in der heutigen, fragmentierten Welt zu bestehen. Manche sehen dabei Vertrieb als Prozess des Begleitens, als Schule der Wahrnehmung. Andere setzen auf Bewegung, auf temporäre Räume, in denen Flexibilität wichtiger ist als Besitz. Wieder andere verschieben Begegnung ins Digitale und schaffen Nähe durch Dialog statt Distanz. Stabilität zeigt sich dabei nicht im Stillstand, style in progress 083
CORE Agenturen
sondern in der Verlässlichkeit einer Präsenz, die Wandel zulässt. Zunehmend wird Empathie zum entscheidenden Faktor, das Erlebnis selbst zum Wert. Wo Mode nicht nur präsentiert, sondern geteilt und gespürt wird, entsteht ein neues Verständnis von Beziehung: Vertrieb als kuratierte Erfahrung, die Emotion und Ökonomie miteinander versöhnt.
VERTRIEB ALS SCHULE Yoshi Yakushiji, Star Gold, Kyoto und Tokio
„Ich bin eigentlich kein Agent“, sagt Yoshi Yakushiji leise, „heute bin ich ein Lehrer, ein Brückenbauer.“ Seine Agentur Star Gold in Kyoto ist keine klassische Vertriebsagentur, sie ist vielmehr eine Schule, in der Brands global zu denken lernen, ohne sich selbst zu verlieren. Seit 2012 begleitet Yakushiji kleine japanische Label hinaus in die Welt. Nicht als Verkäufer, sondern als Mentor. „Ich sehe jede Marke als Student“, erklärt er. „Ich bringe ihnen bei, wie man kommuniziert, wie man versteht, wie man Vertrauen aufbaut. Und irgendwann müssen sie ihr Diplom machen, dann lasse ich sie gehen.“ Diese Idee zieht sich wie ein sprichwörtlicher roter Faden durch alles, was Yoshi Yakushiji tut. Marken bleiben fünf, manchmal zehn Jahre bei ihm. „Manche machen den Bachelor, andere den Doktor“, sagt er und lächelt. In dieser Zeit lernen sie, ihren Kern zu finden. „Viele japanische Labels zeigen zu viel. Ich helfe ihnen, sich darauf zu fokussieren, was sie ausmacht.“ Yakushiji arbeitet bewusst langsam. Er beginnt mit kleinen Schritten: fünf ikonische Produkte, 15 Stores pro Region. Kein Hype, keine Expansion um jeden Preis. „Wenn du Vertrauen willst, brauchst du Zeit“, sagt er. Während viele Agenturen auf Automatisierung, Daten und Direktvertrieb setzen, bleibt er überzeugt, dass Vertrieb ein menschliches Geschäft ist. „Ein Agent ist wie ein Übersetzer“, erklärt er. „Er muss zwei Sprachen sprechen – die des Marktes und die der Marke.“ Diese Fähigkeit hat er buchstäblich gelernt. In den frühen 2000er-Jahren arbeitete er in Hongkong, verkaufte japanische Denimbrands an westliche Kunden und beobachtete, wie sich zwei Welten missverstanden. Seine Mission wurde es, sie zu verbinden. Heute betreut er rund 18 Marken – viele davon längst „graduated“, eigenständig, international erfolgreich. „Das ist der schönste Moment“, sagt er. „Wenn sie ohne mich weitergehen können.“ Doch Yoshi Yakushiji denkt weiter. Gerade arbeitet er an einer Zeitung, einem physischen Medium, das seine Philosophie transportiert. „Offline to online“, nennt er das Konzept. Erst spüren, dann klicken. „Ich will, dass Menschen wieder fühlen, bevor sie entscheiden – das Herz schlägt immer noch offline.“ Er glaubt an das Persönliche, an das Gespräch, an Vertrauen. Vielleicht liebt er deshalb The Union in Berlin: „The Union ist das, was Messen wieder sein sollten“, sagt er: „Klein, echt, vertraut. Eine Community und kein Feuerwerk, keine Show.“ Er war von Anfang an dabei, als The Union nach der Pandemie neu startete. „Ich war so glücklich, so viele alte Freunde zu treffen“, erzählt er. „Menschen, die ich seit zehn, 15 Jahren kenne. Es fühlte sich an wie Familie.“ Vielleicht ist genau das Yakushijis stille Revolution: Er verkauft keine Produkte, er lehrt Beziehungen. Er glaubt an Kommunikation als Währung, an Vertrauen als Strategie, an Geduld als Wachstumsmotor. „Ich begleite Marken, bis sie bereit sind“, sagt er. „Dann lasse ich sie los. So sollte Vertrieb funktionieren.“
SATELLITE SHOWROOM Kristen Abel, 4st Agency, London
Ganz anders und doch mit derselben Konsequenz, arbeitet Kristen Abel. Die Jungunternehmerin und Gründerin der 4st Agency, glaubt nicht an feste Adressen, sie glaubt an Bewegung. „Ich will dorthin, wo Energie ist“, sagt sie. „Alles andere ist Stillstand.“ Mit ihrer Agentur in London hat sie ein Modell entwickelt, das so flexibel ist wie die Branche, in der sie arbeitet – ein sogenanntes Satellite-Showroom-Prinzip, das auf Präsenz statt Besitz setzt und geringere Fixkosten sowie mehr Beweglichkeit ermöglicht. „Ich miete Räume, wenn ich sie brauche – für ein paar Wochen in Paris, London oder New York. Mehr muss nicht sein.“ Was auf den ersten Blick pragmatisch wirkt, ist in Wahrheit Überzeugung. Abel gehört zu jener neuen Generation von Vertriebsagentinnen und -agenten, 084 style in progress
„Ich will dorthin, wo Energie ist. Alles andere ist Stillstand.“ Kristen Abel
CORE Agenturen
die alte Strukturen hinter sich lassen – nicht aus Trotz, sondern aus Haltung. Für sie bedeutet Vertrieb nicht, Quadratmeter zu verwalten, sondern Verbindungen zu schaffen. „Der Showroom ist kein Ort, er ist ein Moment“, sagt sie. „Wenn du ihn richtig nutzt, entsteht Resonanz.“ Kristen arbeitet mit kleinen, unabhängigen Labels: „Ich sehe mich dabei als Kuratorin“, erläutert sie. „Alles, was durch mich läuft, muss Sinn ergeben.“ In der vergangenen Saison betreute sie 13 Kollektionen, darunter Palmer//Harding, Mfpen, Akyn, Liberowe, Calcaterra, Séfr – Marken, die sich zwischen Avantgarde und Alltag bewegen. Ihr Ansatz ist radikal selektiv. „Wenn du alles anbietest, bist du niemand.“ Sie will keine Breite, sondern Tiefe. Jede Marke ist für sie ein eigenes Universum, das sie mit Aufmerksamkeit aufbaut. „Ich lerne ihr Denken, ihre Sprache, ihre Unsicherheiten. Erst dann kann ich sie übersetzen.“ Übersetzen – das Wort fällt oft. Abel versteht sich als Mittlerin, nicht als Verkäuferin. „Ich verkaufe zweimal“, sagt sie. „Mich an die Marke und die Marke an den Markt.“ Was früher der Vertreter mit seinem Musterkoffer war, ist sie heute mit ihrem Laptop und ihrer Haltung: aufmerksam, analytisch, schnell. Trotz aller Digitalisierung bleibt Nähe für sie das Entscheidende. „Ich will wissen, wer vor mir sitzt und nicht nur, was er verkauft.“ Ihre Termine sind keine Präsentationen, sondern Gespräche. „Ich frage meine Kundinnen und Kunden, was sie zum Abendessen hatten“, sagt sie und grinst. „Das sagt oft mehr über ihre Stimmung als jede Zahl.“ Diese beiläufige Intimität ist ihr Kapital. „Menschen kaufen von Menschen“, sagt sie. „Das hat sich nie geändert.“ Kristen spürt, dass die Branche müde vom Überfluss ist. „Wir haben zu viele Marken, zu viele Stores, zu wenig Bedeutung.“ Sie beobachtet, dass Buyer vorsichtiger werden, sensibler, aber auch hungrig nach Authentizität. „Früher hat eine gute Kollektion gereicht“, sagt sie. „Heute brauchst du eine Geschichte, die trägt.“ Darum versteht sie ihre Arbeit weniger als Vertrieb, sondern als Storytelling. „Wenn ich ein Label präsentiere, erzähle ich nicht, was es produziert, sondern warum es existiert.“ Abel hat sich von festen Strukturen gelöst hat und immer mehr tun es ihr gleich. Ihre Showrooms entstehen dort, wo Energie ist, und verschwinden, sobald die Saison vorbei ist. Die Unternehmerin arbeitet leicht, beweglich, ungebunden. Für sie ist Vertrieb kein Ort, sondern eine Bewegung.
PRÄSENZ ALS PRINZIP Norbert Klauser und Giorgio Occhipinti, Diekaufleute, München
Genau an diesem Punkt trifft Abels Welt auf die von Norbert Klauser in München, den viele schlicht den Fashion-Papa nennen. Seit vier Jahrzehnten prägt er den Vertrieb im deutschsprachigen Raum und hat Generationen von Agentinnen und Agenten ausgebildet. Einer von ihnen ist Giorgio Occhipinti, der 2006 zu ihm kam – jung, neugierig, voller Respekt vor dem Handwerk. Heute führen sie gemeinsam Diekaufleute, eine Agentur, die für Erfahrung, Kontinuität und Nähe steht. Ihre Form des Reisens unterscheidet sich von Kristens. Sie sind nicht auf der Suche nach neuen Orten, sondern halten Verbindungen lebendig. Sie sind überall dort, wo Mode passiert – in Florenz zum Saisonauftakt, in Mailand während der Fashion Week, in Paris, in Düsseldorf. „Wenn du dich nicht zeigst, bist du raus“, sagt Klauser. „Das ist wie in einer Freundschaft. Wenn du dich nie meldest, wird’s still.“ Während Kristen temporäre Räume schafft, um Marken sichtbar zu machen, glauben Klauser und Occhipinti an Präsenz als Konstante. Sie reisen, um zu bleiben. „Ich mache denselben Job wie damals“, sagt Klauser. „Nur die Werkzeuge sind andere.“ Und Giorgio ergänzt: „Der Rahmen hat sich verändert, aber das Herz ist gleichgeblieben.“ Für sie ist Vertrieb kein System, das man neu erfinden muss, sondern ein Handwerk, das man weiterpflegt. „Verkaufen kannst du nur, wenn du den anderen verstehst“, sagt Occhipinti. „Und dafür musst du ihn kennen. Richtig kennen.“ Sie kennen die Gewohnheiten ihrer Kundschaft, die Atmosphäre ihrer Stores und die Menschen dahinter. Das ist keine Nostalgie, das ist Präzision. „Mode ist People’s Business“, sagt Norbert Klauser. „Das war immer so und das bleibt so.“ Messen sind für sie keine Relikte, sondern Treffpunkte, an denen die Branche atmet. „In Florenz triffst du die Menschen, in Mailand siehst du die Richtung, in Düsseldorf sammelst du Energie für den Markt“, sagt Giorgio Occhipinti. Dieses Jahr werden sie im Malkasten stehen 086 style in progress
„Wenn du dich nicht zeigst, bist du raus.“ Norbert Klauser
Giorgio Occhipinti, CEO Diekaufleute und Norbert Klauser.
CORE Agenturen
– beim neuen Format Salon Düsseldorf. Für sie kein Pflichttermin, sondern ein Fixpunkt. „Messen sind wie Jahreszeiten“, beschreibt es Klauser. „Wenn du sie auslässt, verlierst du das Gefühl für den Rhythmus.“ Trotz all der Erfahrung klingen sie nicht nostalgisch, sondern neugierig. Sie wissen, dass vieles schneller geworden ist, komplexer, flüchtiger. „Der Handel hat teils verlernt, selbst einzukaufen“, sagt Klauser. „Früher war er Kurator. Heute bekommt er Excel-Tabellen.“ Und Giorgio fügt hinzu: „Unsere Aufgabe ist es, diese Selbstständigkeit wieder zu fördern. Wir beraten, wir begleiten, wir schützen.“ Ihr Showroom ist kein Schaufenster, sondern ein Resonanzraum. Ein Ort, an dem Auswahl beginnt, nicht endet. „Wir kuratieren schon, bevor der Kunde kommt“, sagt Klauser. „Wir wissen, was passt, bevor er es weiß.“ Sie reisen, um Nähe zu halten, um das Gespräch nicht abreißen zu lassen. „Früher hieß es: Der Vertreter kommt“, sagt Klauser und lacht. „Heute heißt es: Schön, dass du da bist. Der Job hat eine andere Qualität. Es geht nicht darum, überall zu verkaufen. Es geht darum, überall da zu sein.“
VERKAUF IM CHATFENSTER Tina Ferragamo Loch, The VII Agency, Düsseldorf
Tina Ferragamo Loch würde zustimmen – nur dass „Da-Sein“, im Sinne von Präsenz, bei ihr digital geschieht. Die Unternehmerin verlegt Vertrieb ins Netz, ohne ihn zu entmenschlichen. Ihre Agentur The VII Agency hat Ferragamo Loch mitten im Lockdown gegründet. „Objektiv gesehen der schlechteste Zeitpunkt und trotzdem genau richtig», sagt sie und lacht. Ihre Agentur ist ein Gegenentwurf zu einem System, das zu lange auf Routinen vertraut hat. Kein Warten hinter offenen Türen, kein höfliches Abhaken von Terminen, sondern Bewegung, Reaktion, Nähe. Instagram ist ihr Showroom, Whatsapp ihr Beratungsraum. „E-Mail ist für das, was unterschrieben werden muss. Alles andere passiert direkt über Messages, Fotos oder Sprachnachrichten.“ Oft sitzt sie abends auf dem Sofa, wenn Einkäuferinnen Screenshots schicken und sie gemeinsam entscheiden. „So entstehen Gespräche, keine Transaktionen“, sagt sie. Ihr Feed ist kein Schaufenster, sondern ein Dialograum. Gerade sonntagabends, wenn andernorts Ruhe einkehrt, beginnt ihr stärkster Moment: „Da haben die Menschen Zeit. Instagram ist mein Showroom, mein Orderbuch, mein direkter Draht.“ Zweimal im Jahr wird die digitale Nähe bei den Ordertagen in Düsseldorf real. Dann wird probiert, gelacht und gefilmt. Junge Einkäuferinnen holen ihre Community ins Gespräch: Was meint ihr – blau oder grün? Der Endkunde ordert mit. „Marken lieben das“, sagt Tina. „Es ist echt. Am Ende zählt, dass Bewegung entsteht.“ Diese Bewegung setzt sich im Handel in kleinen Gesten, Schaufensteraktionen oder persönlichen Momenten fort. Jede Verkäuferin im Store bekommt eine Trageprobe. „Keine Attitude! Marken, die das verstehen, passen zu uns.“ Echtheit ist zu Ferragamo Lochs wichtigster Währung geworden: „Ich schminke nichts schön. Wenn’s schwierig ist, reden wir darüber. Was braucht ihr? Tauschen? Pushen? Support?“ Vertrieb bedeutet für sie Beziehungspflege und Nähe. Große Agenturen hätten Reichweite, kleine Bindung, Agenturen der Zukunft, so ihre Überzeugung, müssen Beziehungen aufbauen, präsent sein, persönlich bleiben. „D-A-CH verstehst du nicht aus Kopenhagen. Du musst da sein, mit den Menschen reden, ihre Läden kennen.“ Sie ist keine Gatekeeperin, sondern erneut Übersetzerin – zwischen Markt und Marke, zwischen digital und analog. Vertrauen basiert auf Fotos, Nachrichten und ehrlichen Gesprächen. „Erreichbar sein heißt nicht, immer online zu sein“, sagt sie. „Es heißt, da zu sein, wenn’s drauf ankommt.“
MIT GEFÜHL STATT KPIs Sara Puggioni, Brandidos, Barcelona
Was bei Tina Ferragamo Loch über DMs und Storys funktioniert, lebt bei Sara Puggioni von Blickkontakt, Gesten und Gesprächen. Beide arbeiten mit Nähe – die eine digital, die andere analog. Während in Düsseldorf der Showroom ins Smartphone gewandert ist, bleibt er in Barcelona ein Ort, den man betritt, an dem man bleibt, an dem Zeit vergeht. Als Sara Puggioni vor 20 Jahren nach Spanien kam, war der Modemarkt dort ein fast unerschlossenes Terrain. In Italien, wo sie im Vertrieb begonnen hatte, war alles längst ritualisiert: große 088 style in progress
„E-Mails nutze ich nur, wenn etwas unterschrieben werden muss – alles andere passiert via DM.“ Tina Ferragamo Loch
MANUFACTURE OF LIGHTNESS S I N C E 18 5 9
FFBYMG.COM
PYRENEX.COM
CORE Agenturen
Showrooms, strukturierte Orderrunden, viele Verkäuferinnen und Verkäufer, aber wenig Kontakt. In Spanien traf sie auf das Gegenteil: kleine Boutiquen, inhabergeführte Läden, persönliche Beziehungen, eine Welt, in der Vertrauen das wichtigste Kapital war und bis heute geblieben ist. Bei Brandidos, der Agentur, die sie mit ihrem Partner Denis aufgebaut hat, läuft vieles wie früher – nur bewusster. Sie fährt selbst, jede Woche, quer durchs Land von Barcelona nach Madrid, Valencia, Sevilla, Bilbao. Meist mit dem Auto: „Wir verbringen Stunden auf der Straße“, sagt sie, „aber das ist der einzige Weg, den Markt wirklich zu verstehen.“ Die Strecke ist Teil des Geschäfts. Auf der Rückbank liegen Kollektionen, Musterteile, Notizen. Dabei bleibt viel Zeit für Gespräche. Zu unserem Termin kommt sie gerade von einem Mittagessen mit einem Kunden zurück. Solche Treffen sind für sie nicht Kür, sondern Kern der Arbeit. „Ein gutes Gespräch ersetzt zehn E-Mails“, sagt sie. Ihre Philosophie: Vertrieb passiert, wenn man da ist. Sara beschreibt sich selbst nicht als Verkäuferin, sondern als Begleiterin. Consulenza nennt sie das: Beratung. Die Orders entstehen gemeinsam, Stück für Stück. Sie kennt jedes Produkt, jede Passform, jeden Händler. Sie weiß, welche Schnitte an welchem Ort funktionieren, welche Stoffe im Süden gefragt sind, welche Farbe im Norden. Diese Nähe ist keine Nostalgie, sondern Methodik. Digitalisierung sieht sie pragmatisch. Whatsapp ist für sie ein Werkzeug und kein Vertriebsweg. „Ordern per Chat? Nein!“, sagt sie schlicht. „Mode braucht Hände, Augen und Vertrauen.“ Sie glaubt, dass Vertrieb wieder körperlicher werden muss, nicht in Zahlen denken, sondern in Präsenz zeigen. Ihr Showroom in Barcelona spiegelt genau das wider. Er ist kein klassischer Verkaufsraum, sondern ein Ort des Austauschs, kuratiert wie ein Conceptstore, der zu einem Rundgang durch Marken, Geschichte und, Materialien verführt, an dessen Anfang neue Labels am Ende Bestseller stehen. So, dass man den Weg verstehen kann. Und überall kleine Gesten: ein italienischer Schokoladenwürfel zum Kaffee, Handcreme im Bad, leise Musik. Man spürt, dass hier jemand über Erfahrung nachdenkt, nicht über KPIs. Brandidos ist ein Wortspiel aus Brand, Bandidos und Dos und steht für diese Haltung. Zwei Menschen, zwei Wege, ein gemeinsames Verständnis von Echtheit. Kein Kalkül, kein Overacting, kein „Hustle“, sondern Respekt vor dem Gegenüber. „Man muss sich anstrengen“, sagt Sara. „Vertrieb passiert nicht, wenn man wartet. Du musst hinfahren, anrufen, zuhören, verstehen.“ Für sie ist das kein Rückschritt, sondern Fortschritt – ein Gegenentwurf zur Bequemlichkeit. „Denn am Ende“, sagt sie, „ist es ganz einfach: Wer seinen Kunden nicht mehr besucht, verliert ihn, und wer ihn versteht, gewinnt ihn jedes Mal neu.“
WIE SIEHT ALSO DAS VERTRIEBSMODELL DER ZUKUNFT AUS?
Auf diese Frage kann es keine klare Antwort geben, vielmehr gibt es Varianten, von der jede ihre Berechtigung hat. Durch die Fragmentierung des Marktes entstehen neue Räume, in denen unterschiedlichste Modelle nebeneinander bestehen können – und genau das hält die Branche lebendig. Die einen arbeiten mit großen Showrooms, internationalen Teams und starken Markenportfolios und sind damit erfolgreich. Andere setzen auf kleinere, beweglichere Strukturen, auf Nähe, Flexibilität und Intuition und Erreichen ihr Ziel auf ihre Weise. Was erfolgreiche Konzepte eint: Sie erkennen nicht nur den Kunden, sie verstehen auch die Marke und den Markt, in dem beide agieren. Sie übersetzen zwischen ihnen, verbinden und vermitteln. Erfolg im Vertrieb entsteht heute aus Präzision: Aus dem Wissen, wer man ist, mit wem man arbeitet und für wen man es tut. Am Ende zählt nicht die Struktur, sondern der Mensch dahinter. Norbert Klauser bringt es auf den Punkt: „Mode ist People’s Business – das war immer so und das bleibt so.“
090 style in progress
„Ein gutes Gespräch ersetzt zehn E-Mails.“ Sara Puggioni
Düsseldorf SHOWROOM Cecilienallee 20 15. – 27.01.26 München LODENFREY Haus C 29.01. – 11.02.26 Kontakt ANTONES GmbH Sarah Freise +49 6174 9159566 mail@antones.de www.antones.de
CORE Agenturen
092 style in progress
CORE Agenturen
25 JAHRE KOMET UND HELDEN
OFFENSE WINS… CHAMPIONSHIPS! Interview: Stephan Huber Artwork: Alexander Wells @alexanderwells
style in progress 093
CORE Agenturen
I
st eine Weile her, dass ihr Bikkemberg-Fußbälle vom Messestand in Berlin in die Menge gefeuert habt. Wenn ihr auf dieses Vierteljahrhundert zurückblickt – was kommt euch zuerst in den Sinn? Stolz, Staunen, Dankbarkeit? Henrik Soller, Gründer und Inhaber Komet und Helden: Die Fußbälle hat damals Detlef Igel in die Menge geschossen. Ich habe ihm nur die Bälle zugereicht, aber er hatte eindeutig den kräftigeren Abschlag. Da muss ich dich korrigieren. Ich erinnere mich wirklich gut daran, wie ernst du diese Aufgabe genommen hast. Du hast die Bälle tatsächlich durch die halbe Halle des Kabelwerks geballert. Florian Ranft, Gründer und Inhaber Komet und Helden: Das ist so lange her. Und dennoch so präsent. Die Resonanz war enorm. Das war Wahnsinn. Henrik Soller: Dirk Bikkembergs war damals der Erste, der erkannt hat, welches Potenzial Fußballstars – überhaupt Sportstars – für die Mode haben. Und wir waren dabei, als er Fußballstars als Rockstars inszeniert hat und Sportmarketing in die Mode gebracht hat. Wir waren mit ihm auf der Bread & Butter. Wir waren bei seiner Zusammenarbeit mit Umbro … Florian Ranft: Seine Shows waren legendär. Eine davon fand tatsächlich im San Siro statt – unglaublich. Jetzt sind wir mitten im Zauber des Anfangs. Um den Start von Komet und Helden ranken sich ja viele Legenden. Also, wie war das wirklich? Henrik Soller: Wir kannten uns eigentlich schon, bevor wir in der Mode angefangen haben. Meine Eltern hatten einen kleinen Sport- und Modeladen. Florians Eltern hatten am Tegernsee einen größeren Laden und später einen Jet-Set-Laden. Ich war der Skifahrer, Florian eher der Snowboarder. Später habe ich bei Jet Set in St. Moritz angefangen – und plötzlich standen Florian und seine Eltern im Showroom. Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Florian Ranft: Dann haben wir uns irgendwann bei Norbert Klauser wieder getroffen. Und dort ist der Entschluss gereift: Wir wollen das gemeinsam selbst machen. Gibt es da nicht diese unglaubliche Story mit dem Besuch im Warehouse? Henrik Soller: Wir hatten damals einen weißen Mercedes V-Klasse-Bus. Das klingt 094 style in progress
jetzt besser, als es war. In Wahrheit war das Ding – wie soll man sagen – ästhetisch herausfordernd. Die Sitze waren hellgrau mit einem gelblichen Champignon-Muster. Komplett abartig, aber trotzdem ein super Auto. Florian Ranft: Ja, optisch war die Kiste eine Katastrophe, aber extrem zuverlässig. Und es war unser erstes Firmenauto. Wir haben in ein paar Jahren über 300.000 Kilometer drauf gefahren. Henrik Soller: Wir waren gerade auf dem Weg von Düsseldorf nach München – die Ordertage waren vorbei – als wir die Nachricht bekamen, dass der Lizenznehmer von Bikkembergs Jeans, Hammond, in die Insolvenz geht. Und dass damit unsere Provisionen für gleich drei Saisons wegfallen. Für uns als Jungunternehmer damals der Supergau. Florian Ranft: Wir sind zwei Stunden im Auto gesessen und haben kaum ein Wort gesagt. Wir dachten: „Das war’s. Wir sind pleite.“ Wir haben konkret darüber gesprochen, alles aufzulösen und uns wieder anstellen zu lassen. Henrik Soller: Und dann dreht Florian das Radio auf – und da kommt die Meldung vom 11. September. Zwei Flugzeuge in die Twin Towers. Und wir schauen uns nur an und sagen: „Okay. Es geht immer noch schlimmer.“ Das war der Moment, in dem klar wurde: Aufgeben ist keine Option. Florian Ranft: Und dann kam diese, nennen wir es mal „fast legale“ Idee. Henrik Soller: Wir hatten einen guten Kontakt zu Luigi, dem Lageristen bei Hammond. Der rief uns an und sagte: „Jungs, ich hab da eine Tür gefunden, die ist nicht verplombt.“ Also offen. Ganz legal war das vielleicht nicht, aber nach 25 Jahren ist das ja wohl verjährt, oder? (lacht) Florian Ranft: Das will ich zumindest mal hoffen. Anyway: Henrik war im Urlaub – Mauritius. Natürlich Mauritius. Henrik Soller: Was hätte ich machen sollen? Meine Frau flog damals noch für Condor, da konnte ich den Urlaub schlecht absagen. (lacht) Florian Ranft: Also bin ich allein nach Perugia gefahren, habe den Transporter bis unters Dach vollgeladen, bin heimgefahren, habe meinen Bruder eingesammelt, und wir sind nochmal runtergefahren. Zwei volle Ladungen. Am Ende hatten wir etwa 3.500 Jeans. Henrik Soller: Und die haben wir dann verkauft – die Ware war ja da, sie schuldeten uns das Geld. Ohne diese Aktion gäbe es Komet und Helden heute nicht.
Den Namen finde ich ja immer noch außergewöhnlich. Florian Ranft: „Ranft Soller Modeagentur“ war einfach keine Option. Also haben wir angefangen zu spinnen. „Der Henrik und der Flo“ wäre ja auch noch gegangen. Henrik Soller: Ich wollte das eigentlich ganz anders nennen. Irgendwas wie „Enterprise Holding“ oder so. Aber Florian meinte nur: „Spinnst du?“ Florian Ranft: Wir brauchten einen Namen, mit dem wir auch etwas anderes anfangen können, falls es mit der Mode nicht klappt. Henrik Soller: Genau. Also etwas, das auch als „Komet und Helden Records“ funktionieren könnte. Oder als „Kometenbräu“, „Komet und Heldenbräu“ – oder als Fanclub in der Südkurve: statt Schickeria dann eben „Komet und Helden“. Es musste offen sein für alles Mögliche. Florian Ranft: Der Name ist dann eigentlich passiert. Henrik Soller: Letztlich war es eine Wortkombination aus der Argonautensage. Da kamen irgendwann einmal die Kometen vor und ein paar Absätze später die Helden. Und irgendwann haben wir gesagt: Das ist es. Heute ist es eine Marke. Wie steil war am Anfang eigentlich die Lernkurve? Florian Ranft: Ich erinnere mich an eine harte Lektion! Wir waren das erste Mal in Düsseldorf, hatten ein wunderschönes Fotostudio temporär für fünf Tage angemietet. Mit der kompletten Ware im Lieferwagen raufgefahren, die ganze Nacht aufgebaut, den Showroom hergerichtet – alles perfekt. Wir wollten es wirklich gut machen und haben ein riesengroßes italienisches Buffet aufgebaut. Mit einem Parmesanlaib, feinstem Parmaschinken … das volle Programm. Und dann hatten wir in fünf Tagen drei Kunden im Showroom, vielleicht vier. Obwohl wir auch noch eine wirklich schöne Einladung verschickt hatten. Henrik Soller: Das Buffet war super – alles hat fantastisch geschmeckt. Florian Ranft: Wir dachten die Leute kennen uns doch, die werden schon kommen. Aber da kam erst mal keiner. Entsprechend deprimiert sind wir aus Düsseldorf zurückgefahren. Henrik Soller: Unser Fehler war, dass wir keine festen Termine vereinbart hatten, sondern darauf vertraut haben, dass die Leute vorbeikommen. Das taten sie nicht. Und das hat sich übrigens bis heute nicht verändert. Diese Unverbindlichkeit gab es schon, als es noch keine
CORE Agenturen
Onlinehändler gab. Das war schon immer ein Thema. Wenn wir schon beim Menschen sind: Würdet ihr sagen, dass über 25 Jahre hinweg das People’s Business tatsächlich die Konstante war? Henrik Soller: Es gibt nicht den einen Schlüssel, aber People’s Business ist zweifellos einer der wichtigsten. Wenn es das nicht wäre, bräuchte es die Modebranche in dieser Form gar nicht mehr. Im Ernst: Heute musst du nichts mehr regulär kaufen – du kriegst überall Rabatte. Und trotzdem gehen die Leute zu ihrem Händler. Zu dem, der sie kennt. Der ihnen etwas empfiehlt, der ihnen ein gutes Gefühl gibt. Florian Ranft: Das gilt genauso für unsere Ebene. Wir haben Beziehungen, die seit über 20 Jahren halten. Mit Blauer arbeiten wir seit 23 Jahren zusammen. Das ist unglaublich. Und es macht am Ende den Erfolg aus, oder? Florian Ranft: Total. Aber das passiert nicht im Meetingraum. Das passiert beim Abendessen nach der Messe. In den Gesprächen, die eigentlich erst nach der Arbeit beginnen. Henrik Soller: Und es ist kein Selbstläufer. Es ist Arbeit, es ist Pflege und es ist vor allem Präsenz. Wenn du Beziehungen nicht pflegst, sterben sie. Aber wenn du sie pflegst, überleben sie auch schwierige Zeiten. Übrigens finde ich interessant: Wir kommen viel besser mit Firmen klar, die inhabergeführt sind, nicht börsennotiert, nicht Private Equity. Wie bei Superdry: Solange es die drei Gründer waren – James Holder, Theo Karpathios und Julian Dunkerton – war es People’s Business pur. Dann kamen die Manager, die Börse, die Zahlen. Und die Seele war weg. Florian Ranft: Und dann ruft Julian Dunkerton nach Jahren wieder an: „Ich bin zurück. Können wir wieder zusammenarbeiten?“ Wir haben sofort zugesagt, weil wir wussten, jetzt ist das wieder eine Begegnung auf Augenhöhe. Apropos echte Begegung: Sehr prägend war für euch bestimmt die Bread & Butter, und damit Karl-Heinz Müller. Florian Ranft: Das war tatsächlich ein absolutes Highlight, als Karl-Heinz bei uns im Showroom hereinkam, völlig erfüllt von der Idee, eine Messe zu machen. Wir sind dann raus, haben am Markt Erbsensuppe gegessen und er hat uns seine Vision erklärt. Erster Gedanke: Der spinnt doch vollkommen. Und dann wurde daraus die Bread & Butter. Henrik Soller: Und wir waren von Anfang an dabei, gleich mit drei Marken. Es war die Geburtsstunde der Bread & Butter, und was 096 style in progress
daraus wurde war wirklich außergewöhnlich. Ein eigenes Universum, ein Spirit, den es davor nicht gab. Florian Ranft: Diese Zeit war für uns absolut prägend. Ich glaube, wir waren einmal mit zwölf Marken allein in der Lock-Halle vertreten. Zwölf ! Das zeigt, welche Bedeutung diese Messe für uns hatte. Henrik Soller: Und sie war nicht nur geschäftlich wichtig, es war einfach eine unglaublich gute Zeit. Eine Zeit, in der Energie, Inspiration und Gemeinschaft spürbar waren. Die Bread & Butter hat die gesamte Branche geprägt und uns persönlich ganz besonders. 25 Jahre Komet und Helden heißt auch: Ihr zwei seid einen verdammt weiten Weg miteinander gegangen. Florian Ranft: Das ist fast ein halbes Leben. Henrik Soller: Ja – und es funktioniert. Weil wir verschieden sind, und uns deshalb ergänzen. Wenn Florian meine negativen Züge hätte – und ich seine – dann wären wir längst kollidiert. Florian Ranft: Wir haben nie besprochen, wer was macht. Es hat sich immer ergeben. Jeder hat seine Rolle – bis heute. Henrik Soller: Und was wichtig war: Wir hatten immer unseren eigenen Freundeskreis. Wir verbringen tagsüber so viel Zeit miteinander. Wenn wir abends auch noch zusammen rumgehangen wären, hätte es irgendwann gekracht. Aber eine große Veränderung gab’s dann doch: Wir nehmen jetzt Einzelzimmer. Florian Ranft: Weil du schnarchst. Endlich gibst du es mal zu. Henrik Soller: Ich schnarche seit 25 Jahren gleich. Du bist einfach empfindlicher geworden. Florian Ranft: 20 Jahre lang haben wir Zimmer geteilt und jetzt plötzlich nicht mehr. Eine völlig neue Situation. (lacht) Ihr seid heute ein Unternehmen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Menschen, die gekommen sind, Menschen, die lange geblieben sind. Personal ist für viele in der Branche eines der schwierigsten Themen. Wie erlebt ihr das? Henrik Soller: Personal war immer ein Thema. Schon bei meinen Eltern, sogar bei meiner Oma, die eine Metzgerei in Berlin hatte. Menschen zu finden, die bleiben, die passen, die mitziehen – das war nie einfach. Und du kannst es auch nicht jedem recht machen. Das funktioniert einfach nicht. Florian Ranft: Das „Früher war alles besser“Narrativ stimmt nicht. Vor 20 Jahren war es genauso schwierig wie heute. Jede Firma, jede Branche sucht gute Leute. Die Gastronomie, der Handel, die Industrie – alle reden darüber.
Es ist eines der Grundthemen, die Unternehmertum prägen, kein Trend. Henrik Soller: Und viele unterschätzen, wie komplex Personal heute ist. Viele Marken und Händler sind in den letzten Jahren extrem gewachsen, ohne dass die internen Strukturen mitgewachsen wären. Da entsteht Überlastung – nicht, weil die Leute schlecht sind, sondern weil das System nicht stabil genug ist. Florian Ranft: Wir haben Menschen bei uns, die seit vielen, vielen Jahren dabei sind. Im Vertrieb haben wir Mitarbeiter, die seit über 20 Jahren mit uns arbeiten. Das zeigt: Loyalität gibt es noch, aber man muss sie verdienen. Mit Vertrauen, mit Echtheit, mit Klarheit. Henrik Soller: Wir zwei sind sicher nicht die einfachsten Chefs. (lacht) Aber wir sind ehrlich. Und wir sind da. Das ist, glaube ich, das Entscheidende: Präsenz. Wenn du Beziehungen nicht pflegst, sterben sie. Das gilt für Kunden, aber genauso für Mitarbeitende. Ist Mode für junge Menschen überhaupt noch attraktiv? Florian Ranft: Ja, das ist sie. Aber der Zugang hat sich komplett verändert. Früher wollten viele zehn Jahre in einem Unternehmen bleiben. Heute wollen viele nach zehn Jahren möglichst viele Stationen im Lebenslauf haben. Das ist kein Zeichen von mangelnder Loyalität, sondern einfach ein anderer Blick auf Karriere und Entwicklung. Was macht die Branche für junge Leute eurer Meinung nach attraktiv? Henrik Soller: Mode ist lebendig. Du arbeitest ständig mit neuen Produkten, neuen Kollektionen, neuen Ideen. Zwei bis viermal pro Jahr entsteht etwas Neues. Das hält den Job frisch – das ist enorm attraktiv für viele junge Menschen. Und du triffst Gleichgesinnte. Das ist ein Faktor, den viele unterschätzen. Verbindung entsteht durch Begeisterung, das gibt’s nicht in jeder Branche. Florian Ranft: Richtig! Unsere Mitarbeitenden unternehmen auch privat etwas miteinander, sie reisen zusammen, sie haben Freundschaften geknüpft, die weit über den Job hinausgehen. Das ist nicht selbstverständlich. Dieser Job lebt von Begegnung. Du musst dafür gemacht sein: für das Reisen, die Menschen, die Energie, die Geschwindigkeit. Wenn du das magst, ist es ein Traumjob. Henrik Soller: All das zeigt: Die Branche ist attraktiv. Aber junge Menschen brauchen heute Orientierung. Sie brauchen Führung, die klar ist und fair. Wenn du sie überforderst oder einfach nur Druck machst, sind sie weg. Wenn du ihnen Halt gibst, bleiben sie und blühen auf.
MARCH 18 -19, 2026 FOR TEXTILE PEOPLE BY TEXTILE PEOPLE
CORE Agenturen
Wir haben im Laufe der Jahre oft und intensiv nicht zuletzt über die Rolle und Bedeutung der Vertriebsagentur diskutiert. Ihr kennt meine Überzeugung: Diese Bedeutung wird sogar wieder zunehmen. Prove me wrong. Henrik Soller: Wir nehmen das gerne so. (lacht) Aber ich glaube nicht, dass die Agentur wieder die Bedeutung von vor 20 oder 25 Jahren bekommt. Sie bekommt eine andere Art von Bedeutung. Florian Ranft: Der Markt hat sich komplett verändert. Es geht nicht mehr um reine Distribution, nicht um Ware von A nach B. Marken brauchen heute Partner, die den Markt lesen können, die vermitteln, übersetzen, filtern. Henrik Soller: Agenturen waren früher Nadelöhre. Jeder musste durch sie durch. Heute sind wir Navigatoren. Wir sind oft die Einzigen, die noch ein ehrliches Feedback jenseits von Konzernstrukturen oder politischen Zwängen geben können. Also ein Knotenpunkt, an dem Markt, Produkt, Kultur und Erfahrung zusammenlaufen? Henrik Soller: Ja, genau. Eine Plattform. Fast das, was wie eine kleine Messe – nur im Beweglicheren. Seit die Bread & Butter verschwunden ist, hat niemand diese Rolle übernommen. Und in diese Lücke rutschen mehr und mehr Agenturen hinein, weil sie nah an den Menschen, nah an den Marken und nah am Handel sind. Florian Ranft: Und weil sie Klarheit schaffen müssen. Früher hatte eine Marke fünf Jahre Zeit, um zu funktionieren. Heute hast du zwei Saisons. Da musst du früh sagen können: „Das wird was“ oder „Das wird nichts“. Das ist auch Verantwortung. Henrik Soller: Und damit sind wir zurück beim People’s Business. Es funktioniert nur über Nähe, Vertrauen, Erfahrung und echte Gespräche. Deshalb, ja: Die Agentur bekommt mehr Bedeutung, weil die Branche immer komplexer wird. Eine weitere, durchaus bekannte These von mir, und das hat sehr viel mit eurem Business zu tun: Stationärer Handel gewinnt wieder massiv an Bedeutung. Und da werde ich mittlerweile ja von KPMG und anderen bestätigt. Wie seht ihr das? Florian Ranft: Ich sehe das genauso. Die Menschen gehen heute bewusster einkaufen. Sie wollen wieder jemanden, der sie kennt, sie berät, der ihnen Orientierung gibt. Das ist ein starkes Signal für den Handel. Henrik Soller: Der stationäre Handel hat ein Comeback, aber er bekommt keine faire 098 style in progress
Chance, dieses Comeback auch wirklich umzusetzen. Und das ist ein Problem weit über unsere Branche hinaus. Weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen? Henrik Soller: Genau. Da geht es nicht um den Willen der Konsumentinnen und Konsumenten – der ist da. Es geht um drei strukturelle Blockaden: Erstens, globaler Wettbewerb, der nicht unter denselben Regeln spielt. Spielregeln, Preispunkte, Steuerstrukturen – alles ist verschoben. Ein lokaler Händler kann das nicht auffangen. Zweitens, Ladenöffnungszeiten, die nicht mehr in moderne Lebensrealitäten passen. Das ist ein echtes Standorthemmnis. Und drittens, die Mietsituation. Wir haben selbst Stores geführt. Wir wissen, wovon wir sprechen. Viele Vermieter zeigen keinerlei Flexibilität. „Zahlt oder zieht aus“ ist für manche ein Geschäftsmodell. Florian Ranft: Es ist doch paradox: Alle wollen lebendige Innenstädte. Alle reden über Begegnung, Kultur, Vielfalt. Aber wenn es um konkrete Unterstützung geht, passiert oft gar nichts. Henrik Soller: Für mich ist klar: Der stationäre Handel kommt zurück, aber er kommt nicht aus eigener Kraft zurück. Er braucht faire Bedingungen, er braucht Partner: Vermieter, Politik, Standortentwicklung. Das heißt: Der Wunsch der Konsumenten ist da, aber die Struktur bremst? Henrik Soller: Exakt. Du müsstest heute eigentlich nichts mehr regulär kaufen. Du bekommst alles irgendwo billiger. Und trotzdem gehen die Menschen zu ihrem Händler, weil sie dort etwas bekommen, das kein Algorithmus ersetzen kann: Vertrauen, Persönlichkeit, Haltung. Das ist die Chance des Handels. Wenn aber diese Chance ständig durch strukturelle Probleme ausgebremst wird, dann leidet nicht nur der Handel, dann leidet die ganze Branche. Trotz allen Herausforderungen habe ich das Gefühl, dass ihr gerade jetzt besonders wach und motiviert seid. Florian Ranft: Ich weiß, du hast mir das schon mal gesagt, dass du das bei uns so empfindest und irgendwie fühle ich das auch so. Ich kann gar nicht genau erklären, warum das so ist. Wir waren die letzten Monate extrem viel unterwegs, haben uns wahnsinnig viele Sachen angeschaut. Wir waren super aktiv. Und ja, das fordert heraus. Aber genau das macht es auch spannend. Wenn die Neugier nicht mehr da wäre, wäre es schlecht. Henrik Soller: In der Defensive gewinnst du kein Spiel. Du musst Tore schießen. Und dieses Offensivdenken ist uns immer geblieben.
Also kommt die Energie aus der Lust heraus? Florian Ranft: Ja, natürlich. Ganz klar. Es macht wieder richtig Spaß. Henrik Soller: Und es gibt auch Zukunftsvisionen. Bei mir ist das zum Beispiel mein ältester Sohn, der jetzt seit drei Jahren im Geschäft ist und immer mehr Verantwortung übernimmt. Ich weiß ganz genau, wofür ich tue, was ich tue. Das gibt dir automatisch Freude. Es gibt im Leben Momente, die motivieren dich einfach. Florian Ranft: Und dann gibt es auch das Gegenteil: Momente, die sich schwer anfühlen. Genau dann ist es wichtig, jemanden an seiner Seite zu haben. Ich glaube, ohne dieses Zusammenspiel wären 25 Jahre nicht denkbar gewesen. Henrik Soller: Absolut. Das ist das Schöne daran, es gemeinsam zu machen. Letztlich öffnen sich immer wieder Türen. Als wir damals Woolrich verloren haben, oder jüngst AG, war das natürlich hart. Und dann kommt eben der Anruf von Julian Dunkerton und plötzlich bist du wieder voll drin, hast wieder Motivation. Aktuell passiert total viel. Wir haben mit Blauer die besten Zahlen seit 23 Jahren. Super erfolgreich sind auch BasicNet Marken wie Sebago, Superga, K-Way – das passt einfach perfekt. Und wir haben erstmals ein skandinavisches Label im Portfolio. Da entsteht gerade ganz viel Drive. Das Geheimnis ist also letztlich: Ihr bleibt in Bewegung? Henrik Soller: Ja. Offensive, Neugier, Freude. Immer. Und Menschen, mit denen man gerne arbeitet – intern wie extern. So einfach ist das letztlich.
CORE Agenturen
25 JAHRE KOMET UND HELDEN
FLORIAN RANFT HENRIK SOLLER
Text: Stephan Huber. Fotos: Komet und Helden
�
25 Jahre Komet und Helden – und fast ebenso lange kenne ich Florian Ranft und Henrik Soller. Das ist beinahe ein halbes Leben. Wenn ich oft sage, dass die Begegnung mit besonderen Menschen zu den großen Privilegien meines Jobs gehört, dann denke ich die beiden immer ganz vorne mit. Florian, der leise Schöngeist. Henrik, der selbstironische bayerische Grantler, beide ebenso heimatverbunden wie weltoffen, jeder für sich ein Unikat. Gemeinsam haben sie etwas aufgebaut, das weit mehr als eine über viele Jahre sehr erfolgreiche Modeagentur ist. Komet und Helden standen an der Spitze einer neuen Generation, die das Prinzip WholesaleVertrieb in eine neue Ära geführt und damit zukunftsfähig gemacht hat – und das weit über den D-A-CH-Markt hinaus. Sie waren und sind enge, prägende Weggefährten für style in progress – und, noch wichtiger, für mich ganz persönlich. AUF DIE ZUKUNFT! �
2
3
5
6
� Viele gemeinsame Wege: (v.l.n.r.) Stephan Huber, Karl-Heinz Müller, Winnie Klenk, Florian Ranft, Henrik Soller. � Henrik mit Brazzo, der FC Bayern ist allgegenwärtig. 3 Florian an seinem Sehnsuchtsort Südfrankreich. 4 The Real Henrik Soller: So feiert man den Peak eines Sextuples. 5 Life and life only: Florian mit seinen Buben. 6 Absolute Beginners: Florian und Henrik (mit Norbert Klauser).
100 style in progress
CORE Agenturen
„WIR FÜHLEN UND AGIEREN WIE DIE MARKE SELBST“ Ben Botas, Inhaber von Ben and, und Mark Helegau, Gründer von The Wants Social, über neue Marken logiken, das Ende klassischer Agenturmodelle und warum Authentizität mehr ist, als ein Buzzword. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Unternehmen
Ben Botas und Mark Helegau machen ab sofort gemeinsame Sache.
102 style in progress
CORE Agenturen
„Eine Marke ist nur dann stark, wenn sie an jedem Touchpoint dieselbe Geschichte erzählt.“ Ben Botas
Ben, du wirst oft als Vertriebsagentur bezeichnet, was für dich selbst zu kurz greift. Wie definierst du, was ihr bei Ben and tut? Ben Botas, Gründer und Inhaber von Ben and: Wir verstehen uns selbst als Marke. Vertrieb ist ein Teil unseres Jobs, aber bei weitem nicht alles. Wir sind die Brand auf unseren Märkten, nicht Mittler. Damit ist es unser Auftrag, Marken ganzheitlich zu betreuen. Es geht um Performance, Markenaufbau und Begehrlichkeit. Wir müssen Brand Heat erzeugen, sonst entsteht kein nachhaltiger Erfolg. Dafür haben wir viele Tools entwickelt. Hier ist der Fokus sell-out, nicht sell-in. Eine eurer Stärken ist es, Brands, die D2C gestartet sind, in den stationären Handel zu bringen. Ben Botas: Richtig. Viele Marken starten rein D2C. Mittlerweile sind zahlreiche davon aber offen für den Handel. Wir wissen, was es braucht, um diese Transformation erfolgreich zu bestehen. Mark, du kommst ursprünglich aus dem Retail. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Vetriebs agenturen verändert? Mark Helegau, Founder The Wants Social: Das alte Agenturmodell hat ausgedient. Zweimal im Jahr im Showroom, dazwischen ein paar E-Mails – das reicht nicht mehr. Marken brauchen Partner, die wirklich Teil ihres Systems werden. Auch bei The Wants, unserer Kommunikationsagentur, identifizie-
Über 1,400 Quadratmeter: Der Ben-and-Showroom in Düsseldorf.
ren sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Brands, für die sie arbeiten. Sie sagen nicht: Ich arbeite für The Wants, sondern: Ich arbeite für Pomdor oder Copenhagen Studios. Diese Nähe verändert alles. Wie kam es zur Kooperation zwischen euch beiden und damit Ben and und The Wants? Ben Botas: Viele Marken fragten mich: Wie bekommen wir mehr Brand Heat in Deutschland? Klassische PR- oder Influencer-Kampagnen haben dabei nie den Effekt gebracht, den ich mir gewünscht hätte. Wir brauchen viel mehr, um Impact zu generieren. Ich beobachte schon lange, was The Wants tut und sehe, wie stark sie am Erfolg einiger Brands beteiligt sind. Wir teilen denselben Anspruch: Real Influence. Wir wollen eine kreative Lösung, die spürbar und messbar Marken baut und wirklich den Unterschied macht. Wir wollen Vertrieb und Kommunikation verbinden, also B2B und D2C zusammenführen. Mark Helegau: Wir nennen das unseren Accelerator: eine Lösung für Marken, die im D-A-CH-Markt wachsen wollen. Eine skandinavische Brand beispielsweise kommt zu Ben und bekommt Vertrieb, Kommunikation und Social Commerce aus einer Hand. Viele denken noch in Silos. Wir arbeiten als integriertes Team mit gemeinsamer Strategie – mit Marktverständnis, klarer Story und Umsetzung vom Store bis Social. Ein Stichwort eurer Arbeit ist Authentizität. Wie definiert ihr den Begriff für euch? Mark Helegau: Authentizität ist keine Kampagne und kein Gesicht, das man einkauft. Wenn du jedes Quartal ein neues Testimonial hast, verlierst du deine DNA. Es geht um Haltung und Konsistenz – über Print, Social, Retail hinweg. Das ist kein Baukasten, sondern ein zusammenhängendes Markenerlebnis. Ben Botas: Und sie entsteht auch auf der Fläche. Wenn eine Marke im Store falsch präsentiert wird, verliert sie Glaubwürdigkeit, egal, wie stark sie online ist. Deshalb begleiten wir Händler eng, schulen Teams und achten auf Storytelling. Eine Marke ist nur dann stark, wenn sie an jedem Touchpoint dieselbe Geschichte erzählt.
„Zweimal im Jahr im Showroom, dazwischen ein paar E-Mails – das reicht nicht mehr.“ Mark Helegau
style in progress 103
CORE Agenturen
Room with a View
GATHER AROUND!
Bei Room with a View verbinden sich Mode, Markenführung und Gastfreundschaft zu einem durchgängigen Konzept. Der Showroom in Salzburg ist mehr als Verkaufsfläche; er ist ein Ort des Zusammenkommens, des Austauschs und der Begegnung. Die Küche mit ihrem Kitchen Table steht dabei sinnbildlich für die Haltung der Agentur: Austausch findet dort statt, wo Menschen sich begegnen, nicht nur formell, sondern in Momenten zwischen Arbeit, Alltag und Kreativität. Text: Lisa Hollogschwandtner.
Ein Ort für Austausch: der Kitchen Table bei Room with a View.
Bilder: Room with a View
Ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Business, Storytelling und Community verschwimmen – so lässt sich der große Tisch in der Küche des Showrooms bei Room with a View beschreiben. Hier entstehen bei Gesprächen Ideen und Kooperationen organisch, begleitet von Kaffee oder einer gemeinsamen Mahlzeit. Diesen Ansatz hat die Agentur im November in der ersten Ausgabe ihrer Guest-Chef-Serie auf ein neues Level gehoben: Für einen Abend war man gemeinsam mit der Mochi Family aus Wien Gastgeber einer Kitchen-Party, bei der Kulinarik, Gespräch und Netzwerk nahtlos ineinandergriffen. Die Liebe zum Detail zeigte sich auch in der kuratierten Produkt- und Merch-Präsentation: von Warm-Me-Shirts über Mochi-Kappen bis hin zu gemeinsam gestalteten Socken spannt sich das Storytelling der Agentur konsequent vom Event bis zur Brand. Diese Energie überträgt Room with a View auf sein Portfolio und vor allem auf die enge Zusammenarbeit mit dem Fachhandel: „Händler brauchen Partner, die Probleme lösen, nicht nur Kollektionen liefern“, betont Agenturinhaber Christian Obojes. Bei Room with a View kombiniert man deshalb datenbasierte Analysen mit einem umfassenden Service. Abverkäufe, Flächensteuerung, Trainings und KI-gestützte Content-Pakete schaffen eine 360-Grad-Betreuung, bei der Kollektion, Präsentation und Aktivierung zusammengedacht werden. Für die neue Saison bleibt die Linie klar: Austausch, persönliches Miteinander, echte, ehrliche Partnerschaft sind kein Nice-to-have, sondern zentral – am Küchentisch genauso wie am Ordertisch. www.roomwithaview.at, @welcometomyroomwithaview, @kitchentable_salzburg 104 style in progress
Für Vol. 01 verwandelte das Team des Mochi-Konzepts Cucina Itameshi die Agentur in eine Kitchen Party.
CORE Agenturen
MEHR MODEMUT! „Ich wünsche mir, dass meine Partner auch mal in der Saison vorbeikommen oder dass mich neue Agenten besuchen, um mir unverbindlich ein paar Teile zu zeigen. Mehr Mut ist auch für den Vertrieb überlebenswichtig: Wir können nicht nur Cashmere-Pullis und Jeans verkaufen, sondern müssen Überraschendes zeigen. Der Research bedeutet natürlich Arbeit, aber niemand sollte sich hinter zu hohen Reisekosten verstecken. Auch wir im Handel nicht.“ Isabel Brodt, Inhaberin Identità Italiana www.identita-italiana.de
AGENTUR ALS ZENTRALER TREFFPUNKT
„Für mich bleibt es superwichtig, mich vor Ort in den Agenturen umzusehen und inspirieren zu lassen. Digitale Termine können zwar praktisch sein, sind für mich aber eher die Ausnahme. Der digitale Einfluss generell wird jedoch immer größer und wichtiger werden. Entsprechende Tools können für die Order eine große Erleichterung sein, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Im Großen und Ganzen bleibt die Agentur als zentraler Treffpunkt jedoch bestehen.“ Susanne Reitinger, EK DOB, Kastner & Öhler Mode GmbH www.kastner-oehler.at
VERTRIEB IST FAMILIE
„Im Vergleich zu früher sind die Modevertretungen heute zu echten Familien geworden. Die Zusammenarbeit zwischen Marken und Agenturen ist intensiver und vertrauensvoller, auch bei Sortimentswechseln und Zahlungsfragen. Der Vertreter übernimmt eine zunehmend zentrale Rolle zwischen Marke und Handel. Kritisch sehe ich jedoch, dass die Distribution weniger gezielt erfolgt und wichtige Marken auch in kleineren Geschäften oder Nebenlagen erscheinen.“ Tania Boccia und Sandro Verdiani, Inhaber von Girardengo @girardengodonna, @girardengouomo
106 style in progress
CORE Agenturen
PARTNERSCHAFT „Vertrieb lebt von echten Partnerschaften. Erfolgreiche Agenturen verbinden Effizienz mit Menschlichkeit, sind Sparringspartner auf Augenhöhe und schaffen Momente, in denen Mode wieder Emotion wird. Digitale Tools sind essenziell, doch Vertrauen, Verständnis und gemeinsame Werte bleiben der Kern einer starken Zusammenarbeit. Nur wer Händler nicht als reinen Absatzkanal begreift, sondern als gleichberechtigte Partner, baut Beziehungen auf, die nachhaltig tragen, Wachstum ermöglichen und echte Relevanz im Markt schaffen.“ Leonie Stockmann und Olivia Zirkel, Simon und Renoldi GmbH www.simonundrenoldi.com
©Lara Ingenbleek
PRODUKTE MIT LEBEN FÜLLEN „Mir geht es in der Partnerschaft mit Agenturen und Lieferanten mehr denn je um Loyalität und Service. Diese klassischen Werte sind gerade heute relevant! Was ich nicht brauche: Dass mir ungefragt ein neues Label im Laden vorgestellt wird, denn selten hat man in dem Moment die Zeit und meist auch kein Budget mehr. Lieber fokussiere ich meinen Einkauf auf die Showrooms. Was mir gut gefällt? Wenn die Agenten auch mal bei einem Store-Event ihre Labels persönlich vorstellen. Es lohnt sich für beide Seiten: Für die Agentur, weil unser Store ja auch ein Publikumsmagnet ist, und für uns, weil die Agentur nochmal eine andere Expertise hat als meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dass die Produkte mit Leben erfüllt und von Menschen vermittelt werden, wird immer entscheidender.“ Susanne Lindner, Inhaberin Lindner Fashion www.lindner-fashion.com
SUBSTANZ STATT SHOW „Eine gute Agentur versteht ihr Produkt, reagiert schnell und bleibt verlässlich. Ich brauche Partner, keine Verkäufer – Menschen, die ehrlich sind, zuhören und auch dann da sind, wenn es schwierig wird. Wichtig sind starke Kollektionen mit Charakter, nicht Masse. Zwei gute im Jahr reichen völlig. Mich überzeugt keine Show, sondern Substanz, Persönlichkeit und echtes Interesse. Das Produkt muss für sich sprechen und die Menschen dahinter müssen spürbar echt sein.“ Winni Klenk, Inhaber Abseits, Stuttgart www.abseitsgermany.com, @abseitsgermany
style in progress 107
CORE Agenturen
In der Nische liegt die Zukunft: Warum „weniger, aber Besseres“ zum neuen BusinessStandard wird. Ein Kommentar von Mark Grütters, Gründer und Inhaber der Fashion Factory, Düsseldorf
s
eit 25 Jahren beschäftigt sich meine Agentur mit Nischen – bewusst, konsequent und mit wachsender Überzeugung. Schon 1999 habe ich mich als gelernter Journalist dazu entschieden, Marken zu finden, die echte Geschichten erzählen: Brands mit Tradition, Handwerk, Haltung und einem klaren Qualitätsanspruch. Heute vertreibt meine Agentur 14 solcher Marken und gerade in Zeiten, in denen viele Teile der Branche stagnieren, verzeichnen wir steigende Nachfrage. Warum? Weil die Nische heute kein Randphänomen mehr ist. Sie ist ein Gegentrend, ein Korrektiv. Sie trifft den Nerv eines Marktes, der sich nach Orientierung und Echtheit sehnt. Realness: Der dringend benötigte Gegentrend zur Überdigitalisierung Als ich mit Stephan Huber über den Titel dieser Ausgabe und damit den Begriff Realness sprach, explodierten unsere Gedanken und wir fanden schnell zusammen. Übrigens kenne ich Stephan seit 1999, dem Jahr der Gründung seines Magazins und meiner Agentur, und wir sind langjährige Weggefährten. Die aktuelle geopolitische und wirtschaftliche Lage erzeugt Unsicherheit – international wie national. Konsumzurückhaltung, politische Blockaden und ein permanent negatives Stimmungsbild belasten Handel wie Verbraucher. Doch während die Makrokrise unübersehbar ist, entscheidet die Mikroperspektive darüber, ob Marken und Retailer jetzt stagnieren oder wachsen. In einer Welt, die täglich von KI, Algorithmen, Social-Media-Narrativen und Halbwahrheiten geprägt wird, steigt der Wunsch nach authentischen Geschichten. Menschen wollen Echtheit – Realness. Und Realness hat eine entscheidende Komponente: Emotion. Etwas, das keine KI der Welt erzeugen kann.
108 style in progress
True Values statt Turbokapitalismus Die letzten Jahre haben uns gelehrt, was wirklich zählt und was nicht. Der schnelle Konsum verliert an Bedeutung, der Wunsch nach Sinnhaftigkeit steigt. Hier knüpft ein zeitloses Prinzip an, formuliert von Dieter Rams: „Wir brauchen weniger, aber Besseres.“ Dieser Ansatz ist keine Frage der Ästhetik. Er ist ein wirtschaftliches Prinzip für nachhaltigen und resilienten Konsum. Nicht mehr Masse entscheidet, sondern Relevanz. Die Erfolgsformel: Quiet Luxury + Slow Fashion = Casual Consume in der Magic Niche Nischenmärkte funktionieren – gerade dann, wenn Mainstreammärkte kollabieren. Warum? Sie stehen für echte Werte und Haltung. Sie liefern Bedeutung statt Beliebigkeit. Sie schaffen Identifikation statt Austauschbarkeit. Die „Magic Niche“ ist damit kein romantischer Rückzugsort, sondern ein hochfunktionaler, wirtschaftlich relevanter Markt. Sie ist die Antwort auf Konsumkrisen mit Agilität, Resilienz und Realness als Leitplanken. Case: OAS – Wenn eine Marke Haltung zeigt Ein Beispiel aus unserem Portfolio ist OAS aus Schweden. Während der Pandemie gestartet, brachte die Marke etwas, das Menschen damals wie heute brauchen: Leichtigkeit. Unsere Kunden kamen schlecht gelaunt in den Showroom und verließen ihn lächelnd. OAS transportiert Urlaub, Farbe, Sonne, Optimismus. Die Marke ist der Beweis dafür, dass emotional relevante Produkte nicht nur funktionieren, sondern internationale Erfolgsstories schreiben können. Der Weg nach vorn: Investieren in das, was Sinn ergibt. Geld ist im Markt vorhanden, es wird nur bewusster ausgegeben. Entscheidend ist heute: Wofür steht eine Marke wirklich?
Welche Geschichte erzählt sie? Welche Emotion löst sie aus? Welchen echten Wert liefert sie? Marken und Retailer, die diese Fragen beantworten können, werden die Gewinner der nächsten Jahre sein. Mein Fazit: Die Nische ist kein Rückzug, sie ist ein Weg nach vorn. Realness, True Values, Storytelling und ein smarter, bewusster Konsum prägen die neue Zeit. Die Nische ist dabei nicht klein, sie ist fokussiert. Mit einer Prise Leichtigkeit, einem klaren Werteverständnis und der Bereitschaft, Dinge neu zu denken, lässt sich in dieser Zeit nicht nur bestehen, sondern wachsen. Jede Marke unserer Agentur bietet Realness und somit bieten wir ein wohl kuratiertes Brand-Portfolio für eine erfolgreiche und positive Zukunft. Keep Smiling! Mark Grütters
Core Agenturen
Modeist
HALTUNG UND HANDSCHLAGQUALITÄT
Wer Modeist besucht, spürt sofort, was Timothy Hoferer im Gespräch nachhaltige Partnerschaft nennt. Für die von Marion Hoferer gegründete und mittlerweile gemeinsam mit ihrem Sohn Timothy geführte Agentur ist Vertrieb kein kurzfristiges Platzieren von Ware, sondern ein langfristiges Zusammenspiel aus Vertrauen, Klarheit und echter Marktkenntnis. Die Handschrift dahinter entsteht aus zwei Perspektiven, die sich perfekt ergänzen. Während Marion die Entwicklung der hauseigenen Labels weiter schärft und kontinuierlich auf Sortimentslücken im Handel reagiert, baut Timothy das internationale Portfolio mit viel Fingerspitzengefühl aus. Der Anspruch des Duos: Marken nicht nur einzuführen, sondern sie so zu positionieren, dass sie im deutschsprachigen Markt langfristig Bestand haben. „Es geht heute mehr denn je um verantwortungsvolle Sorti-
110 style in progress
mentsführung. Wir möchten Partnern helfen, Kollektionen aufzubauen, die funktionieren – saisonübergreifend und mit klarer Identität.“ Dieser Ansatz zeigt Wirkung. Durchdachte Total-Look-Konzepte, ein wachsendes Schuh- und Taschenangebot und sorgfältig ausgewählte Ready-to-Wear-Brands machen die Agentur zu einer relevanten Adresse für Stores unterschiedlicher Ausrichtung – vom progressiven Conceptstore bis zum Premiumdepartment. Besonders wichtig ist Modeist dabei der sensibel kuratierte Markenmix. Neue Marken werden nicht einfach hinzugefügt, sondern strategisch integriert und klar im Markt verortet. Mit diesem Selbstverständnis bleibt Modeist nicht nur ein Showroom, sondern eine partnerschaftlich arbeitende Plattform für Marken, die wachsen wollen, und für Händler, die Orientierung schätzen. Service ist dabei eine Selbstverständlichkeit und ehrliche Partnerschaft. Auch intern: Ein Duo, das beweist, dass zwei Generationen gemeinsam stärker denken können als eine allein. Marken: 9AM by Dorlores, Alohas, Fiorucci, JNBY, Less by JNBY, Multitudes, Nineto9, Pride to Be, SoldOut www.modeist.com
CORE Agenturen
Vestitus GmbH
ZWEI PERFEKTE NEUZUGÄNGE Mit Fabiana Filippi und Caruso erweitert Vestitus sein kuratiertes Brandportfolio um zwei Labels, die in Qualität, Ästhetik und Anspruch perfekt zur Agentur passen. In einem herausfordernden Markt setzt Vestitus auf Authentizität, Materialkompetenz und eine starke Vertriebspräsenz in Deutschland. Besonders Boutiquen, die nicht für jede Order nach Mailand reisen können, profitieren vom engen Austausch und einer Betreuung, die echte Partnerschaft lebt. „So schaffen wir verlässliche Strukturen und unterstützen unsere Kunden dabei, stabile Umsätze zu sichern“, so Volker Härtel. Marken: Boglioli, Caruso, C.P. Company, Doucals, Fabiana Filippi, Fedeli, Finamore, Herno, MC2 Saint Barth, Rosso35, Unützer www.vestitus.eu Fabiana Filippi neu bei Vestitus.
Grifoni: effortless cool.
Unverwechselbar: Distretto 12.
Room Nine Agency
NEW ENTRIES Torsten, was gibt es Neues bei dir? Torsten Müller, Inhaber Room Nine Agency: Wir starten mit Aigle 1853, und zwar mit der lifestyligen Outdoor- und Schuhkollektion für NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Tradition reicht bis 1853 zurück, Aigle ist der beste Gummistiefel überhaupt! Außerdem neu sind modische Sneaker von Atlantic Stars aus Italien, in extrem vielen Farben zu Preisen zwischen 109 und 159 Euro im VK, weiters top Underwear von Palm Angels. Und sonst? Wool & Co ist im Winter sehr stark, mit zeitgemäßem Strick und hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis. Tom Ripley ist der Spezialist für Strickpolos, handmade in Italy und jetzt modisch spitzer, dank neuem Designstudio aus London. Darüber hinaus feiert Distretto 12 Zehn-Jahr-Jubiläum zum Pitti in Florenz. Der Look ist unverwechselbar, die Preise super, weshalb auch die neue Kollektion Wachstum verspricht. Marken: Aigle 1853, Distretto 12, Palm Angels Underwear, Tom Ripley, Wool & Co, Zeybra Portofino www.roomninefashionagency.de
Agentur Ventrella
FRESH DROPS & NEW DIRECTIONS Gaby, was sind für dich die spannendsten News der Saison? Gaby Ventrella, Mitinhaberin Agentur Ventrella: Bazar de Luxe startet mit neuen Prints, Checks und modernen Silhouetten durch – deutlich urbaner und vielseitiger. Nine in the Morning setzt auf hochwertige Wollqualitäten und sartoriale Verarbeitung, progressive Volumen und Denim mit innovativen Waschungen. Welche Winter-Themen siehst du als echte Gamechanger? Ganz klar Novelle. Neue extrafeine Lammfelloptiken wirken ultraluxuriös, bleiben aber preislich attraktiv. Cropped-Jackets und lässige Mäntel mit modernen Volumen und Laseroptiken geben der Kollektion einen zeitgemäßen Push. Wie präsentieren sich die weiteren Brands? Caliban zeigt sich unter neuer Designerin deutlich moderner und hochwertiger. Grifoni bleibt effortless cool mit reduzierten Looks und urbanem Twist. Insgesamt wird alles präziser, moderner und modisch relevanter. Marken: Avant Toi, Al Ain, Bazar de Luxe, Caliban, Grifoni, Le Sarte Pettegole, NDV, Nine in the morning, Novelle, Tagliatore, Tintoria Mattei, Vipera www.agentur-ventrella.de
style in progress
111
CORE Agenturen
Für Christian Klaus bedeutet Stillstand Rückschritt.
Modeagentur Klaus
„VERÄNDERUNG IST UNSERE CHANCE“ Christian Klaus ist Agenturinhaber mit Leidenschaft für sein Business. Er hat stets die Veränderung im Fokus und arbeitet in enger Abstimmung mit seinen Kunden. Zukunftsweisend und strategisch denkend, erläutert er im Gespräch seine Sicht auf die Branche – und warum er optimistisch in die Zukunft blickt. Wie siehst du die aktuelle Situation der Agenturszene? Christian Klaus, Agenturinhaber: Deutliche Veränderung ist spürbar. Die aktuelle Messethematik spielt uns in die Karten. Wir bieten den Händlern zunehmend Orientierung und Inspiration, die Showrooms gewinnen Bedeutung und wir verzeichnen eine bessere Auslastung. Das heißt, ihr seid die wichtigste Schnittstelle zwischen Marke und Handel? Zeit ist ein entscheidender Faktor und jeder achtet auf Effizienz. Händler informieren sich vermehrt direkt im Showroom sowie über Social Media oder Onlinekanäle. Wir punkten mit langjährigem Know-how und regelmäßigem Research in den Modemetropolen. Diesen Fokus werde ich beibehalten, um Trends frühzeitig zu erkennen und Veränderungen einzuleiten, auch wenn das manchmal schmerzhaft ist oder kurzfristig Umsatzeinbußen bedeutet. Aber: Wer ins Risiko geht, wird am Ende belohnt. Welche Themen werden in Zukunft besonders wichtig sein? Neben einer starken Markenauswahl werden interne Prozesse zunehmend durch KI unterstützt werden. Ob Wareneinsteuerung oder Limitplanung: Hier bietet KI Effizienzvorteile. Auch im Social Web sorgt KI für Zeitersparnis und hilft, Zielgruppen präziser zu definieren. Händler sollen ihre Flächen emotional aufladen und in den Ladenbau investieren. Oberflächlichkeit war gestern, heute zählt das positive Gefühl beim Einkauf. Conceptstores sind dabei klar im Trend: Sie inspirieren, schaffen Atmosphäre und verbinden Emotion mit Erlebnis. Die Atmosphäre auf der Fläche wird somit immer wichtiger? Absolut. Atmosphäre und die Qualität der Kommunikation sind entscheidende Erfolgsfaktoren. Wer sich wohlfühlt, kauft nicht nur, er kommt auch wieder. Marken: Absolut Cashmere, by-bar, Maison Hotel, Gustav, Henriette Steffensen, JcSophie, Mark Aurel, Margittes, Milestone, Oakwood, Penn & Ink.N.Y, Unio www.modeagentur-klaus.at
Neuzugang: die niederländische Lifestylemarke by-bar.
112 style in progress
CORE Agenturen
Concept Agency Nina Jo
2011 gründete Nina Johanna Pipo ihre Agentur in Innsbruck, seit 2013 ist sie im Gusswerk Salzburg zu Hause.
ÜBER KLASSISCHEN VERTRIEB HINAUS Nina Jo versteht sich als Concept Agency. Was bedeutet das für deine Arbeit? Nina Johanna Pipo: Ich bin viel unterwegs und halte ständig Ausschau nach neuen Marken und Strömungen. Dieser kuratierte Zugang ist ein wesentlicher Teil unseres Konzepts. Zusätzlich testen wir regelmäßig selbst in Pop-up-Conceptstores, was im Markt wirklich ankommt und geben die Learnings direkt an unsere Kundinnen und Kunden weiter. Unser Anspruch geht deutlich über den klassischen Vertrieb hinaus. Wir unterstützen mit Ideen, Events und Impulsen und beraten aktiv bei der Suche nach Marken, auch wenn wir diese selbst nicht im Portfolio haben. Welche Veränderungen prägen die Branche derzeit? Echtheit und Engagement sind zentral geworden. Es reicht nicht mehr, Kollektionen einfach zu präsentieren. Wer mit Herz und klarem Konzept arbeitet, hat Erfolg. Welche alten Grundsätze haben ausgedient? Das Prinzip „Der Kunde ist König“ passt nicht mehr. Heute geht es um Partnerschaft auf Augenhöhe, nicht nur um Umsatz. Ehrliche Beratung bedeutet auch, zu sagen, wenn etwas nicht gebraucht wird oder nicht überzeugt. Marken: A Beautiful Story, American Dreams, Bakaree, Bianco, Blonde No. 8, Christmas Sweats, Cotopaxi, Dailysocks, Ella Agency, EMU Australia, Komono, No. 1 Como, Mr Mood, Reef, Soft Rebels, We Norwegians www.nina-jo.com
Einfachheit, Vielseitigkeit, Haltung und Integrität sind die zentralen Werte des Labels Soft Rebels.
Rooted in Norway: Das Label We Norwegians hat sich auf nachhaltige Merinowolle in retroinspirierten, zeitlosen Designs spezialisiert.
Showroom Mindner
AUFSTEIGER
Sophisticated with a twist: Liya Antwerp.
114 style in progress
Sandra, was zeichnet deine Agentur aus? Sandra Mindner, Inhaberin Showroom Mindner: Unser Fokus liegt auf ausgewählten, hochwertigen und überwiegend nachhaltigen Nischenprodukten. Mit meinem Designhintergrund bringe ich mich auch in die Kollektionserstellung ein und bin mit den Brands in engem Austausch. Zum Beispiel? Mit Liya Antwerp ist die Zusammenarbeit seit Beginn an intensiv. Der Fokus liegt auf hochwertigem Cashmere aus der Mongolei, ergänzt von Konfektions-Pieces, gefertigt in kleinen Manufakturen in Italien und Portugal. Außerdem arbeiten wir eng mit Humanoid zusammen, feminine Womenswear mit coolem Unterstatement. Dass man beim Design ein bisschen um die Ecke denken muss, gefällt mir besonders. Neu, cool und nachhaltig ist Neu Nomads NYC: Fashion from Women for Women. Dein Aufsteiger aktuell? Scarlett Poppies. Der Boho-Style mit Scandi-Attitude begeistert mit Handwerkskunst und einem super Preis-Leistungs-Verhältnis. Marken: Bloom, Humanoid, Liya Antwerp, Neu Nomads NYC, Scarlett Poppies www.showroom-mindner.com
CORE Agenturen
Gayk Fashion Lounge
„MODE IST MEINE GROSSE PASSION!“
Bettina Gayk baut internationale Fashionlabels von der ersten Stunde an im Markt auf.
Bettina, was macht deine Agentur für den Premiumhandel besonders? Bettina Gayk, Inhaberin Gayk Fashion Lounge: Ich kann mit meinem internationalen Markenportfolio den Multilabelhandel in allen Preislagen bedienen – vom starken Preiseinstieg bis hin zu Premium. Entscheidend ist, dass alles passgenau für den Handel funktioniert. Wer zu mir kommt, sucht genau diese Mischung. Mode ist meine große Passion! Viele Marken begleite ich seit ihrer ersten Stunde. Mir sind langfristige, partnerschaftliche Beziehungen zu meinen Brands wie zu meinen Händlern das Wichtigste. Welche Kollektionen prägen die Gayk Fashion Lounge besonders? Elias Rumelis ist ein Premiumdenimkonzept mit innovativen Waschungen, außergewöhnlichen Details und schmalen bis relaxten Silhouetten, die durch starke Oberteile ergänzt werden. Ana Alcazar steht für Kleiderkompetenz und starke Kombis. Mit femininem Design und modernen Silhouetten ist es eine Kollektion, die jeder Frau etwas gibt. Im Preiseinstieg setze ich auf Freequent aus Dänemark: ein modischer Total-Look-Anbieter inklusive Strick und Outerwear, der Trends schnell und zuverlässig in den Handel bringt. Welche Labels sind neu dabei? Co’Couture aus Dänemark. Der feminin-skandinavische Look mit Twist, kombiniert mit einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis, ist für viele Händler spannend. Ebenfalls neu ist Alix the Label aus den Niederlanden, mit rockigcooler Attitüde, die starke Statement-Pieces liefert, dabei aber alltagstauglich bleibt. Was ist dir für den Handel heute besonders wichtig? Für mich ist entscheidend, dass der Handel jederzeit Impulse setzen kann. Wir schließen nahtlos an unsere Vororderkollektionen an, ergänzt durch neue Fast-Fashion-Konzepte wie Marta du Château und Via delle Rose, die Sortimentslücken sofort füllen. Diese kurzfristig einbaubaren Lieferprogramme geben dem Handel die Flexibilität, die er heute braucht. Marken: Alix the Label, Ana Alcazar, Befamous, Co’Couture, Elias Rumelis, Freequent, Marta du Château, Smashed Lemon, Via delle Rose www.gayk-fashionlounge.com
Innovativer Denim: Elias Rumelis.
Kleiderkompetenz von Ana Alcazar.
116 style in progress
Freequent ist Fashion aus Dänemark zu kleinen Preisen.
CORE Agenturen
Agentur Schwarte
„NICHT JEDER UMSATZ IST GUTER UMSATZ“ Für Matthias Schwarte beginnt die neue Saison mit seiner klaren Leitlinie: Qualität vor Quantität. „Nicht jeder Umsatz ist guter Umsatz“, sagt er, entscheidend ist, dass Produkte ihre Marge halten und für den Handel wirklich arbeiten. Genau daran richtet er sein Portfolio aus. Neben bewährten Marken wie Parajumpers und Daniele Fiesoli setzt Schwarte auf individuelle Labels, die Profil und Nachfrage erzeugen: Manifattura Ceccarelli, Wahts und als Neuzugang Alberto Luti, ein Accessoirekonzept mit klarer Handschrift und starkem Potenzial. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr: Parajumpers feiert sein 20-Jahr- Jubiläum – die 40. Kollektion – und Schwarte ist seit Stunde Null als Partner dabei. Für ihn ein Beweis, wie wichtig langfristige, enge Kooperationen sind und wie stark sich die Marke über zwei Jahrzehnte im Markt entwickelt hat. Solche Partnerschaften stehen beispielhaft für den Anspruch, den Schwarte an sein Portfolio stellt: Marken mit Haltung, Kontinuität und echter Relevanz im Handel. Zentral bleibt für ihn echter Service: Kunden kennen, Sortimente präzise führen, Begehrlichkeit am POS schaffen. Für Schwarte ist Vertrieb ein partnerschaftliches Geschäft, das Kollektionen nicht nur präsentiert, sondern mit Schulungen, Aktionen und sauberer Marktsteuerung begleitet. Marken: Alberto Luti, Daniele Fiesoli, Fil Noir, Manifattura Ceccarelli, Mason Garments, Parajumpers, Sundek, Wahts agentur-schwarte.de
Parajumpers: Die Marke feiert 20-Jähriges und Schwarte ist von Anfang an dabei.
Adventure Fashion Agency
FOKUS AUF DAS WESENTLICHE
Duno, Steckenpferd der Wintersaison.
118 style in progress
Marc Kofler führt seine Agentur Adventure in eine neue Phase der Klarheit. Die Saison ist heute stark komprimiert und genau daraus entsteht ein bewusster Fokus: weniger Ablenkung, mehr Tiefe. Das bedeutet Konzentration auf starke Marken, klare Prozesse und echte Nähe zu den Kunden. Die Verschlankung der Strukturen versteht Kofler nicht als Reduktion, sondern als Qualitätsgewinn. „Wenn wir uns fokussieren, bekommt jede Brand die Aufmerksamkeit, die sie verdient.“ Mit Kollektionen wie Duno, Anfiny oder Off-Lab setzt Adventure auf ein kuratiertes Portfolio, das im Markt spürbar ankommt. Händler erleben eine ruhigere, klarere Zusammenarbeit – weniger laut, dafür wirkungsvoller – oder wie Kofler es formuliert: „Klarheit heißt für mich, mutiger zu entscheiden: Was trägt, was bleibt und wo unsere Energie wirklich Zukunft schafft.“ Marken: 120% Lino, Anfiny, Collezione N°01 Daniele Fiesoli, Duno, Kiefermann Women, Off-Lab, Sainte Mer, Tonno & Panna, UrbanCode, Un_artig, Wesentlich www.adventure-gmbh.de
HW 26
Vertrieb DE & AT: MODEist GmbH · +49 151 54 73 28 67 · info@b-kleidung.com · www.modeist.com ·
modeist_
Vertrieb CH: Zirlewagen Modeagentur GmbH · +41 796 31 17 18 · nathalie@zirlewagen.ch · www.zirlewagen.ch ·
zirlewagen
CORE Agenturen
Shangri-Land Agency
OPTIMISMUS ZUM ANFASSEN Das britisch-finnische Schmucklabel Annele von Lina und Ethan wurde in London gegründet. Fernab der finnischen Jahreszeiten vermissten sie etwas überraschend Einfaches: den Moment, in dem der Frühling endlich den langen nordischen Winter durchbricht. Das Konzept reflektiert Optimismus zum Anfassen mit fröhlichen Farben, verspielten Formen und von der Natur inspirierten Schmuckstücken, die genau diese Stimmung einfangen. Jedes Schmuckstück wird in Finnland in Handarbeit aus Materialien gefertigt, die aufgrund ihrer Farbe, ihres Charakters und ihrer Haptik ausgewählt werden. Als Basis dient 18-karätig vergoldetes Sterlingsilber. Die VK-Preise für Ohrringe, Ketten, Armeifen und Ringe liegen zwischen 100 und 180 Euro. Die Kollektion kann in Düsseldorf, München und in Paris geordert werden. Marken: 3x1, Annele, House of Dagmar, Nikben, Sea Me Happy, Sleepers, Warm Me www.shangri-land.de
Individueller Total-Look von Phisique Du Role.
Annele überzeugt mit sanften, verspielten Farbtönen und Kristallen, die das Licht mit einem kleinen Funkeln einfangen.
Agentur Toepfer
WOHNZIMMER Einen Re-Entry im Markt und in der Agentur Toepfer feiert Strenesse: „Uns begeistert nicht nur der Name, wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit“, sagt Florian Kuhblanck. Ebenso neu sind hochwertige Damenmäntel aus Apulien von Mouche. Mehr als nur Fake Fur bietet Betta Corradi – seit bereits 17 Jahren. GMS75 interpretiert Wollmäntel und Lammfell neu. Außerdem lange dabei ist Faliero Sarti, gerade sehr erfolgreich mit kleinen Foulards. Was noch für die Düsseldorfer Agentur spricht? „Unsere Kunden bekommen von uns immer das gewisse Plus One“, antwortet Florian Kuhblanck. „Wir haben wieder viel Energie in unserem Showroom – unser Wohnzimmer – gesteckt, damit sich alle wohl fühlen. Außerdem haben wir neben fantastischen Kollektionen einfach das beste Team!“ Marken: Aragona, Betta Corradi, Circus Hotel, Faliero Sarti, GMS75, MiLi Jo, Mouche, Phisique Du Role, PT Torino, Semi Couture, Siyu, Strenesse www.agentur-toepfer.com
Erfolg mit Foulards: Faliero Sarti.
GMS75 ist einer der Klassiker der Agentur.
120 style in progress
CORE Agenturen
Heritage Showroom
MUTIGER DENKEN Im Gespräch mit Malte Kötteritz von Heritage Showroom zeigt sich deutlich der starke Wandel des Premiummarktes. Kötteritz, der Myths (Hosenspezialist mit Ausbau zum Total-Look), Circolo 1901 (DOB und HAKA) und Robert Friedman (Blusenspezialist) betreut, erlebt gemeinsam mit seinem Partner Michael Brockmann eine klare Entwicklung: Entscheidend ist heute nicht nur der Ruf einer Marke, sondern ihre Relevanz auf der Fläche. „Brands müssen jetzt mutiger denken“, so Kötteritz. Ein positives Beispiel ist Circolo 1901. Die Kollektion erweitert ihr Oberteilangebot und löst sich von zu viel Tailoring, ohne die bekannte Comfort-DNA zu verlieren. „Das überzeugt selbst Häuser, die ein paar Saisons nicht geordert haben“, erklärt Kötteritz. Myths punktet mit moderner Weiterentwicklung über die Hose hinaus, Robert Friedman mit verlässlicher Blusenkompetenz. Kötteritz: „Wenn Labels zuhören, reagiert der Handel sofort.“ Marken: Circolo 1901, Robert Friedman, Myths www.heritage-showroom.de, @heritageshowroom
Circolo 1901 legt mit der neuen Kollektion einen drauf.
Picinelli
„VERLÄSSLICHKEIT IST DER WAHRE LUXUS“ Für Daniel Picinelli steht die neue Saison im Zeichen von Partnerschaften, die tragen. „Ich glaube an Brands, die in allen Bereichen ehrlich arbeiten.“ Seine Auswahl folgt seiner Erfahrung: Kollektionen, die Stabilität geben und im Markt zuverlässig performen. Im Herrenbereich bilden Roy Robson mit eigener Produktion und starker NOS-Power, L.B.M. 1911 als Ausdruck italienischer Leichtigkeit sowie Fradi mit modernem Casual-Lifestyle die tragenden Bausteine seines Portfolios. Bei den Damen steht Cinzia Rocca im Zentrum: einer der größten Mantel- und Jackenhersteller Italiens, bekannt für präzise Auslieferung und edle Materialien wie Cashmere, Alpaka und andere mehr. Amina Rubinacci ergänzt den Bereich mit einem klaren, authentischen Total-Look und ausgeprägter Strick-DNA. Neu kommt 19Andrea’s47, ein Accessoirespezialist mit feinsten Cashmere- und Cashmere-Seide-Qualitäten hinzu. Marken: 19Andrea’s47, AGF Marostica, Amina Rubinacci, Be You, Cinzia Rocca, Desoto, Fradi, Latinò, L.B.M. 1911, Luigi Bianchi, Roy Robson picinelli.ch, @danielpicinelli_modeagentur
Eleganz aus Italien: Cinzia Rocca.
122 style in progress
CORE Agenturen
The Dynamis Studio zeigt in Mailand und Paris während der Women Weeks.
Cashmere aus Down Under von Mia Fratino.
Flessa Modeagentur
ENTDECKEN. STAUNEN. TRÄUMEN.
„Neu im Portfolio ist Silk95Five aus dem sonnenverwöhnten Palm Beach. Die wunderschönen Seidenstretch-Pieces in zahllosen Farbnuancen sind leicht, elegant und das ideale Pendant zu unseren luxuriösen Cashmere-Kollektionen. Der zweite Neuzugang kommt aus Istanbul, wo zwischen Minaretten und Meereslicht nicht nur Europa und Asien verschmelzen, sondern butterweiches Leder, feinste Seide und kostbares Lammfell von der renommierten Designerin Arzu Kaprol zu wahren Meisterwerken kombiniert werden“, erklärt Claudia Flessa, die den Vertrieb für die D-A-CH-Region verantwortet. Neu ist in dieser Saison auch die ShowroomLocation in München im Gartenhaus des Nordlichtstudios. Während der Düsseldorf Fashion Days zeigt Claudia Flessa ihre Kollektionen bei der Agentur Lamann in der Glockenstraße 16. Darunter weiche Double-Face-Mäntel von The Dynamis Studio aus Mailand, sinnliche Must-Haves von Nude aus Modena oder das familiengeführte Label Unbreak.It aus München, das Saison für Saison mit unverwechselbaren, frechen Prints begeistert. Weitere Highlights sind T-Shirts von Romeo & Julieta aus Padua, die in kleinen Handwerksbetrieben liebevoll biologisch gefärbt, bedruckt und handbemalt werden, Denims von Anaii aus Bergamo, die mit zeitgemäßer Coolness bestechen sowie die soften Cashmere-Victim-Teile von Designerin Konstanze Maager aus Freiburg und die nachhaltige Cashmere-Kollektion von Mia Fratino aus Melbourne. Anaii, Arzu Kaprol, Cashmere Victim, Nude, Mia Fratino, Romeo & Julieta, Silk95Five, The Dynamis Studio, Unbreak.It www.flessa-modeagentur.de
Unwiderstehlich soft: Cashmere Victim.
Die detailverliebten Prints von Unbreak. It überzeugen immer wieder aufs Neue.
Anaii wird während der Mailänder Fashion Week im Studio Zeta gezeigt.
124 style in progress
Silk95Five ganz neu bei Claudia Flessa.
CORE Agenturen
Stolz Agentur
UNTERNEHMERGEIST Die Stolz Agentur von Hubert Stolzlechner wächst: Ab Jänner stehen 300 Quadratmeter Präsentationsfläche zusätzlich zur Verfügung, die ganzjährig flexibel bespielbar sind. Für Stolzlechner ein klares Signal in fordernden Zeiten: Investitionen zahlen sich aus, das zeige auch der Modehandel, in dem Engagement sichtbar funktioniere. Mit gutem Beispiel voranzugehen, sich etwas zu trauen, war daher sein eigener Anspruch. Neu im Portfolio ist die Marke Antonia Zander, die mit luxuriöser, in Italien gestrickter Knitwear und verantwortungsvoller Produktion überzeugt. Im Rahmen der DFD ist Hubert Stolzlechner erneut mit der Marke Habsburg in der MAB Villa in Düsseldorf präsent. Neu ist die Habsburg-Präsenz auf dem Pitti. Ein Unternehmer, der Mut in Taten verwandelt. Marken: Antonia Zander, Dirndl & Bua, Habsburg Kleidermanufaktur, Manufaktur Grasegger, Wallmann www.hstolz.at
Antonia Zander ist neu bei der Agentur Stolz und steht für Knitwear aus den edelsten italienischen Garnen, gefertigt in Italien.
Strick ist ein Bestseller bei Des Petits Hauts.
Bob bietet jede Menge Potenzial.
Die Hinterhofagentur
MITEINANDER Welche neuen Materialien und Silhouetten sind besonders vielversprechend für Herbst/ Winter 2026? Dominik Meuer, Inhaber Die Hinterhofagentur: Alles geht – von Cashmere, Alpaka, Wolle und Baumwolle bis hin zu funktionellen Hightech-Stoffen, teilweise sogar in Kombination. Leder ist wieder zurück und entspanntere Silhouetten kommen langsam auch im breiten Markt an. Ihr habt keine neuen Marken aufgenommen, warum? Sag niemals nie. Wir haben zuletzt einige neue Labels, wie Outhere, Sacrécoeur, Cashmere Company oder Alessandro Lamura lanciert. Wir fokussieren uns auf die bestehenden Brands, um deren vorhandenes Potenzial weiter auszuschöpfen und auszubauen. Welche Voraussetzungen müssen Marken für euer Portfolio erfüllen? Natürlich ist das Produkt entscheidend. Das muss uns überzeugen. Allerdings werden die Rahmenbedingungen für uns als auch für unsere Kunden immer wichtiger: Lieferqualität, Pünktlichkeit, Servicefreundlichkeit, Nachlieferfähigkeit. Gewisse Basics sollten vorhanden sein, sonst wird es schwierig. Ein ehrliches Miteinander auf Lieferanten- als auch auf Kundenseite ist so wichtig wie nie zuvor. Marken: Bob, Des Petits Hauts, Four Ten, Hartford, Original Vintage Style, Keeling, Koike, Prime Shoes, The Jacksons, The Jack & The Jackie, Wool & Co u. a. style in progress 125
CORE Agenturen
Fashion Factory by Mark Grütters
PLATZ FREI FÜR WAHRE WERTE! Der Fokus lag schon immer auf Nischenkollektionen, die „in einem immer angespannteren Marktumfeld aktuell erfolgreicher denn je sind“, so Agenturinhaber Mark Grütters. Diese klare Positionierung sieht er als einen der Erfolgsfaktoren, der sogar im Geschäftsjahr 2025 ein gesundes Wachstum einbrachte. „Wir haben ein homogenes Angebot, wo immer wieder Nischenkollektionen dabei sind, die sich bei uns zu Brands entwickeln. Dabei spielen Handwerk, Tradition, Preis-Leistung und die eigene Geschichte eine große Rolle. „Zum Beispiel Pyrenex konnte auf Anhieb Key-Accounts wie Breuninger, BSTN oder Daniels gewinnen, und das im eng besetzten Jackenmarkt. Im Service wachsen die Marken von Fashion Factory mit: Durch NOS-Programme und Lagerfähigkeit können die Kunden mit kleinen Budgets starten und saisonal nachbestellen. Marken: Astorflex, Baestmor, Coldbreaker, Edmmond Studios, Homecore, Il Bisonte, La Mariole, Le Mont Saint Michel, OAS, Pantherella, Portuguese Flannel, Pyrenex, Rivieras, Sanders, Schott NYC, Visit, Volver 1979 www.ffbymg.com
Purple Brand überzeugt nicht nur Barça-Spieler Balde.
Aus der Nische heraus etabliert: Portuguese Flannel ist auf Erfolgskurs.
Marcona3
FAIRE PREISE, KLARE MARK-UPS Wie war die letzte Saison? Antonio Longo, Showroom-Manager: Die Saison war herausfordernd, aber unsere Auswahl an Brands mit fairen Preisen und klaren Mark-ups hat sich bewährt. Besonders stark liefen The New Arrivals by Ilkiaz und Batakovic. Neu war Latorre, von der wir uns auch für den kommenden Herbst viel versprechen. Im Menswearbereich freuen wir uns über die Entwicklung von JG1 im Outdoorsegment und das Wachstum von Reternity. Sehr stark performte auch Costumein mit Topqualität zu fairen Preisen. Was erwarten Sie für Herbst/ Winter 2026/27? Die Aufmerksamkeit für neue Brands ist groß, die Kunden sind
126 style in progress
wieder unterwegs – fokussiert auf relevante, verkäufliche Produkte. Preis, Mark-up und Marketing bleiben entscheidend. Was werden die Highlights sein? Unsere New Entries: Au Départ Paris, Purple, Hoff, L.G.R. Sunglasses und Mirko Buffini Firenze. Marken mit Potenzial und frischem Impuls für die Saison. Marken: Adhoconcept, Amen, Au Départ Paris, Batakovic, Chie Mihara, Costumein, GSCT, Hoff, Ih Nom Uh Nit, JG1, Latorre, L.G.R. Sunglasses, Mirko Buffini Firenze, Purple, Raxxy, Repetto, Reternity, Salvatore Santoro, Seven Gauge, The New Arrivals Ilkyaz Özel, TRC 2038, Unimatic Watches, Veja marcona3.com
AUTUMN / WINTER 2026
MAC-JEANS.COM
CORE Agenturen
Zeitgemäß: Janice.
Agentur Prins-Juric
NEW LOCATION
Fashionable: Solocascmir.
Jetzt ist die Agentur Prins-Juric in Düsseldorf in der Kaiserswerther Straße 119 zu finden. „Mit 660 Quadratmeter haben wir viel Platz, um großzügig zu präsentieren“, sagt Damir Prins-Jurič. Neu dabei ist Solocascmir aus Italien. „Mich begeistern Modegrad, die Cashmere-Qualität und die Preise zwischen 179 und 400 Euro/VK.“ Seit zwei Saisons dabei ist Janice. „Der zeitgemäße Total-Look verkauft sich super! Auch Penn & Ink erfindet sich immer neu, bleibt aber selektiv in der Distribution. Dafür stehen wir auch, mit vier Showrooms in Deutschland – für Multibrandstores, die coole Kollektionen zwischen Preiseinstieg und Luxus suchen.“ Marken: Aeon, Amaranto, Ana Alcazar, Ball, Bobi Los Angeles, Carta Libera, Deblon, Devotion Twins, Herzens, Hulken, Icon, Le Petit Pulle, Lott, Lou & Odette, My Real Identity, I’m Brian, Janice, Johnny Was, Les Hommes, Les Tricots d’O, Nebo, NiMo, Noend Denim, Outryght, Pera Lima, Penn & Ink N.Y, Pulz Jeans, Seemless Basic, Sincere, Solocascmir, Vilagallo, Voluspa, Wushu www.prins-juric.com Starlit-Event bei Antonia in Mailand.
Lomme 2018
MEHRWERT DURCH RETAIL-AKTIVITÄTEN Ein Rückblick: Wie lief das vergangene Jahr? Paulina De La Torre, Mitinhaberin Lomme 2018: Die anhaltend turbulente sozioökonomische Lage hat unsere Handelspartner gezwungen, den Begriff Mehrwert neu zu definieren. 2025 stand ganz im Zeichen der Frage, was Wert tatsächlich bedeutet. Inmitten dieses großen Resets sehen wir die Chance, Authentizität, Service und Produktqualität wieder klarer in den Mittelpunkt zu rücken. Welche Tendenzen seht ihr für die Zukunft? Wir spüren ein weiter wachsendes Interesse am physischen Retail. Das erfordert, dass Brands, Distributoren und Händler enger kooperieren, um relevante Erlebnisse im Store zu schaffen. Gleichzeitig beobachten wir einen Reset in der Bewertung von Marketingmaßnahmen – ihr realer Einfluss auf den Verkauf wird neu gewichtet. Worauf darf man sich für Herbst/Winter 2026/27 freuen? Wir planen Retail-Aktivitäten, die Customization und Made-toMeasure bewusst in den Vordergrund stellen, um die Sorgfalt und die Detailtiefe unserer Produkte spürbar zu vermitteln. Marken: Aniye Records, AniyeBy, KV Roes, Manokhhi, Sami Miro Vintage, Selia Richwood www.lomming.com
128 style in progress
SUSANNEBOMMER . SUSANNEBOMMER.COM
CORE Agenturen
Hochwertige Gürtel: Didamie zu Preisen von 250 bis 300 Euro.
Orderlounge
FÜNF NEUZUGÄNGE
„Die neue Saison steht bei uns ganz im Zeichen der bereits im Sommer begonnenen Fokussierung auf Optimierung und eine noch engere Partnerschaft mit unseren Händlern, mit mehr Austausch und Interaktion am Point of Sale zur Stärkung des Markenerlebnisses. Gleichzeitig haben wir unser Portfolio weiter in Richtung Accessoires und Contemporary & Affordable Luxury Brands ausgebaut“, erklärt Daris Herges, Inhaber der Orderlounge. Der wohl bekannteste Neuzugang ist Filling Pieces. Die Marke aus Amsterdam steht für Inklusivität, Individualität und zugänglichen Stil – von Footwear über Ready-toWear bis hin zu Accessoires. Die VK-Preise liegen zwischen 200 und 390 Euro bei einer 2,5er-Kalkulation. Die Taschenmarke Nunoo aus Kopenhagen steht für Authentizität – immer so lebendig wie das Leben selbst. Die Marke konzentriert sich auf handgefertigte Taschen aus Leder oder veganen Materialien, die Funktionalität und Style stets mühelos verbinden. Verkaufspreise liegen zwischen 119 und 249 Euro bei einer 2,5er-Kalkulation. NNT Lab steht für genderless Slow-Perfumery aus Kolumbien, seit 2019 handgemacht aus hochwertigen Rohstoffen und mit außergewöhnlich hoher Ölkonzentration. Jede der 22 Kompositionen zum VK-Preis von 160 Euro entsteht mit viel Liebe zum Detail, vegan, nachhaltig und inspiriert von der Parfümtradition in Grasse. Didamie bringt luxuriöse Gürtel aus italienischem Leder mit individuell wählbaren Charms. Last but not least: Die Gürtel von Mancini zu Preisen zwischen 140 und 200 Euro werden mit traditionellen Techniken gefertigt und übertragen italienische Handwerkskunst modern in die Gegenwart. Marken: Bianco, Blauer, Coccinelle Shoes, Colors of California, Ecoalf, Enterprise Japan, Filling Pieces, Hibourama, LAG World, Liu Jo, No Name, Replay u. a. www.orderlounge.de
Filling Pieces verbindet High-End-Design, Streetwear und luxuriöse Handwerkskunst.
NNT Lab: Parfüm, das nicht lauter wird, sondern echter.
Mancini macht seit 1979 in Italien handgefertigte Gürtel.
130 style in progress
Nunoo entwirft Taschen ohne Kompromisse.
Just Naturally Be Yourself …
Vertrieb Europa: MODEist GmbH, München und Düsseldorf, +49 151 54 73 28 67, timothy@vahoferer.de, www.modeist.com,
modeist_
CORE Agenturen
Fattore K House
FOKUS AUF ACCESSOIRES Wie ist die vergangene Saison gelaufen? Gianni Klemera, CEO und Gründer von Fattore K House: Trotz eines leichten, aber bedeutenden Wachstums war es eine der schwierigsten Saisons. Viele Kunden waren unsicher. Besonders im Apparel-Segment mussten mehrere Kollektionen mit einem Minus abschließen. Das positive Gesamtergebnis verdanken wir vor allem der starken Performance unserer Schuh- und Accessoiremarken. Was erwarten Sie für die kommende Herbst-/Winter-Saison? Wir bleiben optimistisch. Die aktuelle Saison läuft besser als erwartet – auch dank des Wetters. Zudem haben wir zwei Marken neu aufgenommen, die perfekt zu uns passen: Snow Peak JP und Another Aspect. Gleichzeitig haben wir unser Portfolio bereinigt, um uns klarer auf unser Kerngeschäft zu fokussieren. Diese Neuzugänge bilden gemeinsam mit Paraboot und Red Wing die Highlights der kommenden Saison. Außerdem sehen wir ein steigendes Interesse an Universal Works – ein positiver Impuls für die nächste Orderrunde.“ Marken: Anonymous Ism, Another Aspect, East Harbour Surplus, G.H. Bass, Howlin, Merz b. Schwanen, Nobis, Norse Projects, OAS, Ordinary Fits, Paraboot, Portuguese Flannel, Red Wing Shoes, Service Works, Snow Peak JP, TheStroy, Universal Works, Wild Donkey fattorekhouse.com
New Entry: das dänische Label Another Aspect.
Good News Agency
EIGENE HANDSCHRIFT UND MUTIGES STYLING
Noir’n’Bleu bietet progressive Denimlooks in Premiumqualität.
Noir'n'Bleu bietet progressive Denim-Looks in Premium-Qualität.
132 style in progress
Wo siehst du momentan am meisten Entwicklungspotenzial im inhabergeführten Fachhandel? Denis Augustin, Inhaber Good News Agency: Erstens eine konstante, hochwertige Social-MediaPräsenz, die die eigene Handschrift sichtbar macht. Zweitens mutiges Styling, das sich klar von der Masse abhebt und Kompetenz vermittelt. Drittens Events, die echte Erlebnisse schaffen und Kunden emotional binden. Welche neuen Silhouetten und Materialien sind besondere Highlights für Herbst/Winter 2026? Zwei Richtungen prägen das Bild: Bold Arms und verlängerte Taillen, die Looks kraftvoll und modern wirken lassen, auch im Denim. Dazu kommen Denimexperimente wie neue Strukturen und Two-Tone-Effekte sowie leichtere Fake-Fur-Varianten, die besonders spannend mit Bomboogie funktionieren. Seit einer Saison ist Noir’n’Bleu neu in eurem Portfolio. Was unterscheidet die Marke von anderen Denim-Brands? Noir’n’Bleu überzeugt mit modischen, fast couturigen Denimschnitten und italienischer Fertigung – ein seltener Premiumlook in einem zugänglichen Preisbereich. Marken: Bomboogie, Flona, Niu, Noir’n’Bleu, Isabelle Blanche, Viamailbag @goodnewsagency
The Wearhouse
ZWEI NEUZUGÄNGE Neu bei The Wearhouse von Patrick Ebnöther ist No Map Society. Das sind italienische Sneaker mit running-inspirierter Form, gewaschenem oder cleanem Leder und großer Farbvielfalt. Besonders attraktiv: Händler können bereits ab 25 Paar ordern. Ebenfalls neu ist The Jack and Jackie Leather, eine italienische Lederkollektion mit authentisch gewaschenen Looks und modernen, vielseitigen Schnitten. Marken: Caliban, Circolo 1901, Cruna, Daniele Fiesoli, Dea Kudibal, Duno, Edelle, FFC, Ibeliv, Le Bonnet, Mason’s, No Map Society, Sassenbach, Save The Duck, Tantä, The Jack and The Jackie Leather, Tintoria Mattei, Velvet, Via Masini www.wearhouse.ch
The Jack and Jackie Leather: Neuzugang bei The Wearhouse.
Agentur Prins-Juric GmbH Tel.: 030 60031330 E-Mail: info@prins-juric.com
CORE Agenturen
Lagom Fashion Agency
NEUE SCHUHMARKE Die niederländische Marke Nubikk verstärkt mit der Agentur Lagom ihren Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Christian Sanders und Philipp Schlösser unterstützen künftig Nubikk Country-Manager Stefan Meier im gesamten deutschsprachigen Raum. Neben leichten gefütterten Premiumsneakern für Männer und Frauen gibt es in der Kollektion eine Reihe bequemer fellgefütterter Lederstiefeln. Die Verkaufspreise liegen zwischen 200 und 330 Euro bei einer 2,5er-Anfangskalkulation. Neu sind außerdem die in Nepal gefertigten Cashmere-Schals von Atelier A, die in bunten modischen Mustern und natürlichen oder zeitgemäßen Unifarben erhältlich sind. Alle Kollektionen für Deutschland, Österreich und die Schweiz (Scandinavian Edition D-A-C-H & Benelux) werden im Showroom im Drathaus in Düsseldorf und im neuen Showroom im MTC Haus 4 in München gezeigt. Marken: Atelier A, Ay Studios, Edblad, Mono, Nubikk, Saburo Jeans, Scandinavian Edition www.lagom-fashionagency.com
Serviceorientiert: das Team von The Noon.
Starke Marke in der Agentur: Gabba.
The.Noon Agency
KOMPETENZ Gabba baut seine Kernkompetenz in Hose und Denim kontinuierlich aus. „Entspannte Passformen und attraktive Kernpreislagen machen unsere Hosen zu echten Bestsellern“, erklärt Oliver Braun. „Parallel forciert die Kollektion weiterhin den CompleteLook. Insbesondere Strick wird ausgebaut, mit marktgerechten Preisen und erweitertem NOS-Angebot. Gleichzeitig stärken wir mit geschärfter Logo-Sprache die Markenaussage.“ Blue de Gênes überzeugt im sophisticated Premiumstyle mit hochwertigen Qualitäten und traditionellem Know-how. „Gemeinsam mit Bianco, dem modernen Brown Shoe aus Dänemark, und Akaroa Accessoires aus Hamburg entsteht für den Handel ein vollständiger zeitgemäßer Look“, so Braun weiter. Auch das Erlebnismoment bleibt Teil des Agenturkonzepts: „Nach unserer Golf-Challenge in der vergangenen Saison dürfen sich unsere Besucher erneut auf ein besonderes Happening in unseren Showrooms freuen.“ Marken: Akaroa, Bianco, Blue de Gênes, Gabba, Von Jungfeld www.thenoon.agency Made in Portugal: Alle Boots von Nubikk sind leicht und bequem.
134 style in progress
CORE Agenturen
Antones by Sarah Freise
DIE KUNDEN SIND GÄSTE Manchmal entstehen Veränderungen leise durch die konsequente Weiterentwicklung dessen, was bereits funktioniert. Für Sarah Freise, Gründerin von Antones, steht diese Saison genau dafür: eine klare strategische Ausrichtung und die Stärkung des eigenen Profils. Zum ersten Mal in der noch jungen Geschichte von Antones setzt Sarah Freise komplett auf ihre eigenen Showrooms in Düsseldorf und München. Ein Schritt, der sowohl strategisch als auch sehr persönlich ist. „Ich lade meine Partner ein, meine Gäste zu sein“, sagt sie. Für sie geht es nicht darum, so viel wie möglich zu verkaufen, sondern gemeinsam die Ergebnisse zu verbessern. „Es ist meine Aufgabe, meine Kunden in ihrer ganzen Individualität zu verstehen“, ist sie überzeugt. „Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen wir Raum für gute Gespräche, zum Zuhören – oder um mal zu lachen. Das ist oft entscheidend.“ Antones startet mit einem unveränderten Markenportfolio in die Saison. „Ich möchte fokussiert bleiben“, sagt Freise. „Die Marken, die wir vertreten, haben enormes Potenzial.“ Nous sei mit Partnern wie Nicole Mohrmann und Ruby in München, 58s Jutta Heidt in Frankfurt oder Gut Oggau – den internationalen Naturwein-Ikonen – stark gestartet. „Der Look ist besonders und gleichzeitig unglaublich tragbar. Diese Kombination ist für den Handel extrem attraktiv.“ Moismont nützt das besondere Momentum. Ready-toWear gewinnt an Bedeutung, unterstützt von erfolgreichen Kapseln mit Le Bon Marché und Cyrillus. Für Latinò hat Antones neue Partneragenturen in Österreich und der Schweiz gewonnen, um die Sichtbarkeit auszubauen. „Sie machen brillante Hosen – der Absatz bestätigt das. Mehr Präsenz ist der logische nächste Schritt.“ Antones blickt auf eine Saison, die von Klarheit und Partnerschaft geprägt ist. „Es geht darum, gemeinsam die besten Ergebnisse zu erzielen – als Team mit unseren Marken und unseren Einzelhändlern.“ Marken: Latinò, Moismont, Nous, O’Mer www.antones.de
Moismont (li.) und Nous – zwei Highlights bei Antones by Sarah Freise, präsentiert in den Showrooms in Düsseldorf und München.
Modeagentur Kimpfler
PENDANT
Neu in der Agentur ist Unio Heritage: „Bei den Damen gehört Unio Hamburg bereits zu den führenden Accessoirelabels im deutschsprachigen Raum“, sagt Markus Kimpfler. „Nun kommen zu den Schals, Caps und Socken für Männer auch coole Mützen aus Cashmere und Merinowolle in mehr als 30 Farben hinzu.“ Der Name Ragman steht für T-Shirts aus hochwertigem Premium-Pima-Baumwolle, die mit Bündchen den Anzug modisch vervollständigen. „Roy Robson ist die Mantelkollektion für den Fachhandel, modern und casual“, so Kimpfler. Ebenfalls im Portfolio sind Casual-Hemden von Two Flowers sowie flanellige Lounge- und Sleepwear von Novila made in Germany. Das männliche Pendant zu Mos Mosh heißt Mos Mosh Gallery, ein weiterer wichtiger Baustein der Agentur. „Beide Kollektionen definieren Luxus neu, indem sie Qualität und Erschwinglichkeit in Einklang bringen.“ Marken: Dante, G1920, Heyanno, Monti, Mos Mosh, Mos Mosh Gallery, Novila, Pearlwood, PG3, Ragman, Roy Robson, Two Flowers, Unio Heritage, Unio Socks, Vittozzi www.modeagentur-kimpfler.de
136 style in progress
Relaxed Elegance: Mos Mosh Gallery.
GAYK Fashion Lounge Kaiserswerther Straße 37, Düsseldorf, +492114957911, office@gayk-fashion-lounge.com www.gayk-fashionlounge.com, gaykfashionlounge
CORE Agenturen
Die Modeagentin – Meike Schilcher
MEHR PLATZ, MEHR MÖGLICHKEITEN Mit gleich zwei spannenden News startet Meike Schilcher in Salzburg in die neue Saison: Ihre Agentur und damit auch die eigene Brand Daddy’s Daughters ist in die fünfte Etage des Gebäude 8 im Gusswerk umgezogen – noch mehr Platz für noch mehr Möglichkeiten. Daher Neuigkeit Nummer zwei: Das Sortiment wird stimmig erweitert, auch abseits von Mode. Neu ab Herbst/Winter 2026/27 ist Onore Parfums aus Salzburg. Das junge Label steht für natürliche, einzigartige Düfte, die in Italien per Hand abgefüllt werden. Zudem rundet Being Loved das Portfolio, rund um Daddy’s Daughters und Luis Trenker, mit hochwertigen Glaslichtern ab. Inhaberin Meike Schilcher kommentiert: „Durch den Umzug haben wir nun noch mehr Platz für schöne Dinge. Dabei bleibt unser Credo gesetzt: Wir machen nichts, hinter dem wir nicht zu 100 Prozent stehen.“ Marken: Being Loved, Daddy’s Daughters, Luis Trenker, Onore Parfums www.modeagentin.at, www.daddysdaughters.com
Moderne Luxussweater: Yacaia.
Englischer Klassiker und wichtiges Thema für Herbst/Winter 2026/27 bei Daddy’s Daughters: Donegal.
Agenturteam: Samuel Schatten, Ludovico Nees und Johannes Strasser-Nunziati.
First Floor Agency
BESONDERS Neu in der Agentur seit letzter Saison ist Yacaia aus Norwegen. „Der Strick aus reinem Cashmere oder Cashmereblend steht für moderne Luxussweater aus hochwertigsten zertifizierten Qualitäten“, sagt Ludovico Nees. „Die unisex Shapes sind skandinavisch clean und zugleich besonders: mal boxy und cropped, mal mit dropped Shoulder. Hinzu kommen Beanies und Schals, die bereits super ankommen.“ Die Pullover kosten 350 bis 600 Euro/VK mit einem Mark-up von 2,8. Academia aus dem Hause Gehrardi steht für die modische Bluse, mit vielfältigen Styles in cooler Stilistik und mit sartorialen Details. Kollektion der ersten Stunde in der Agentur ist Tenue. „Tenue reift immer weiter zur Brand, mit eigener Personality und progressiver Bildsprache.“ Marken: Academia, Bongusta, Meyenberg, Moro, Noello, Paltò, P.F. Candle CO., Printworks, Tenue, White Sand, Yacaia, Yup in de Boom www.firstflooragency.com
style in progress
CORE Agenturen
Gabrielli Fashion Consulting
NISCHE UND HIGHLIGHTS Tela aus Verona bereichert seit einigen Saisons die Agentur von Hans-Peter Gabrielli. „Die vielseitig kombinierbaren Looks funktionieren im Handel in der Stadt wie auf dem Land, noch dazu ist das Preis-Leistungs-Verhältnis top.“ Possery ist eine Leder- und Shearling-Linie, die im Pariser Marais produziert wird. „Die Kollektion ist farblich personalisierbar“, sagt Gabrielli. „Toll, dass die Styles auch in der Serie Emily in Paris zu sehen waren!“ Zu den renommiertesten Seidenfabrikanten zählt Mantero aus Como. „Zu erwähnen ist, dass Chanel zu 30 Prozent eingestiegen ist. Die eigene Linie Mantero 1902 demonstriert die kreative Stärke des Hauses.“ The 73 steht für Strickkompetenz, von feinstem Merino bis zu transparentem Tüll. Gabrielli setzt konsequent auf Nische und Highlights. „Ich engagiere mich mit Leidenschaft dafür, Kollektionen erfolgreich am Markt zu etablieren.“ Marken: Armagentum, Cashmere Blues Black Label, Mantero 1902, Possery, Tela, The 73 www.gabrielli-fashion.de
Bei Tela ist Vielseitigkeit Trumpf.
Diekaufleute
NEUE IMPULSE UND GUTE BEGEGNUNGEN
Malo ist eines der Steckenpferde von Diekaufleute.
140 style in progress
Wie lief eure letzte Saison? Giorgio Occhipinti, CEO Diekaufleute: Die letzte Saison war wirklich stark. Vor allem die Neuzugänge Briglia und Filippo De Laurentiis haben unser Portfolio neu belebt. Das hat sich auch direkt in den Zahlen gezeigt. Insgesamt war es für uns eine sehr erfolgreiche Saison. Mit welchem Gefühl startet ihr in die neue Saison? Wir wollen vor allem die Entwicklung im Womenswearbereich konsequent weiterführen. Uns ist wichtig, den gleichen Anspruch, den wir im Menswearsegment etabliert haben, auch bei den Damen umzusetzen. Mit Marken wie Malo, Mantù, Universel und weiteren starken Labels sind wir dafür bestens aufgestellt. Unser Ziel ist es, unseren Premiumbereich noch klarer zu positionieren und nachhaltig zu festigen. Auf welche Highlights freust du dich am meisten? Norbert Klauser, Creative Director von Diekaufleute: Definitiv auf die Begegnungen vor Ort – in Mailand, Paris und natürlich in Düsseldorf. Ich glaube, gerade die Veranstaltung in Düsseldorf wird eine besondere Energie erzeugen und wunderbar mit den Showrooms harmonieren. Der direkte Austausch mit unseren Einkäufern und Kunden während der Saison ist für mich immer das schönste Highlight. Marken: Alessandro Gilles, Apice, Be980, Bombers Original, Briglia 1949, Contrastway, Dragon Diffusion, Driza Bone, Filippo De Laurentiis, Frantic, Hyplus, Lcdr, Malo, Mantù, Massimo Alba, Mauna Kea, Not Printed, Ooon, Oosy, Pret Pour Partir, Rossi Boots, Throwback, Truzzi, Universel, Ventcouvert www.diekaufleute.com
SHOES SHOES
Showroom Showroom Kaiserswerther Str.117/118 Kaiserswerther Str.117/118 40474 Düsseldorf 40474 Düsseldorf
Headoffice Headoffice Raderberger Str. 173 -175 Raderberger 173 -175 50968Str. Köln 50968 Köln
info@orderlounge.de info@orderlounge.de 0221/34 08 00 7 0221/34 08 00 7 www.orderlounge.de www.orderlounge.de
follow us on follow us on Instagram! Instagram!
CORE Agenturen
Generöse Schnitte, rohe Säume und leuchtende Nähte bei H+Hannoh Wessel.
Agentur Marcus Schiess
SALON DÜSSELDORF
Qualität und Individualität: Durch aufwändige Prozesse ist jedes Shoto-Paar ein Unikat.
Nachdem Marcus Schiess seit 2011 die Marke Hannes Roether vertreten und mit aufgebaut hat, hat er sich für 2026 neue Herausforderungen gesucht. Einerseits ist er jetzt als Inhaber seiner Agentur für den Vertrieb mehrerer Marken verantwortlich, andererseits ist er Veranstalter der neuen und eigenen Orderplattform Salon Düsseldorf, die vom 22. bis 26. Januar 2026 stattfindet. Die Location gehört dem Künstlerverein Malkasten und ist im kleinen historischen Privatpark Jacobinergarten unweit der Altstadt zwischen Hafen und Kaiserswerther Straße gelegen. Das Team des Restaurants und der Bar Lido sorgt vom Lunch bis in die Abendstunden für das leibliche Wohl. Mit dabei sind die Agenturen Diekaufleute, First Floor, Showroom Mindner und Cuore Tricolore mit einer Vielzahl von Marken sowie die Labels und Designer Transit, Shoto, Susanne Bommer, Elemente Clemente und Danielapi. Die Agentur Marcus Schiess zeigt dort unter anderem die Kollektion des deutschen Modedesigners Hanno Wessel, der in Paris an der Ecole de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne studierte und 1994 dort sein eigenes Label gründete. Heute betreibt er eigene Boutiquen in Paris und New York. Sein für minimalistische Schnitte, markante Details und zeitlose Designs bekanntes Label wird in Italien produziert und legt den Fokus auf natürliche Materialien wie Leinen und Seide. Ab Januar 2026 wird es von H+Hannoh Wessel erstmals eine Männerkollektion geben. Neu im Portfolio von Marcus Schiess ist die italienische Schuhmarke Shoto. Hier betreut er das Gebiet Norddeutschland. Alle Schuhe werden vollständig in Italien aus hochwertigen Lederarten wie Elch-, Büffel-, Hirsch-, Pferde- und Känguruleder gefertigt, oft im rahmengenähten Verfahren. Der unverwechselbare Vintage-Look entsteht durch spezielle Techniken wie Stone-Washing. Außerdem wird das Leder teilweise im Tauch- oder Tupfverfahren gefärbt. Marken: Aequamente, Danielapi, H+Hannoh Wessel, MJ Watson, Shoto www.marcusschiess.com, @salon_duesseldorf
Der Salon Düsseldorf findet im denkmalgeschützten Jacobihaus des Künstlervereins Malkasten statt.
142 style in progress
Join our B2B-Shop at b2b.more-and-more.com
MORE & MORE GmbH Schorn 1, D-82319 Starnberg www.more-and-more.de
CORE Agenturen
Agentur Ludwig Wall
MIT HERZ UND HALTUNG Ludwig Wall steht mit seiner in der Salzburger Fashion Mall ansässigen Agentur für ein ehrliches Bekenntnis zu nachhaltiger, fairer Mode. Trotz fordernder Rahmenbedingungen ist er überzeugt: Kollektionen, die mit Herz, Innovation und Verantwortung entworfen sind, berühren Menschen und funktionieren. „Nachhaltigkeit mag weniger laut diskutiert werden, doch sie ist zur Haltung geworden, die Kundinnen und Kunden bewusst einfordern“, so der Agenturinhaber. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Erlebniseinkauf, kreativen Konzepten und authentischer Beratung. Genau hier setzt Wall an: Für die neue Saison hat er sein Team verstärkt und setzt damit ein Zeichen für noch mehr persönlichen Service. Marken: Givn, Kuyichi, LangerChen, Lanius, Rifo, SKFK, Thinking Mu www.ludwigwall.at
Eine feste Größe im Portfolio ist Lanius.
Select Studio
BUILDING BRANDS WITH HEART
2026 ist euer Jubiläumsjahr: Was bedeutet dieser Meilenstein für euch? Susann und Bernard Waage, Gründer und Inhaber Select Studio: Für uns ist dieses Jubiläum ein wirklich bewegender Moment. Seit 2006 haben wir Select Studio als privates Paar und geschäftliche Partner mit viel Herz und Leidenschaft aufgebaut. Die Agentur ist so gesehen unser erstes gemeinsames Baby. Mit ihm ist auch unser Team gewachsen und hat sich genau wie wir selbst über die zwei Jahrzehnte immer wieder verändert, jede einzelne Persönlichkeit hat Spuren hinterlassen und Select Studio mitgeformt. Diese Dynamik hat uns offen, reflektiert, lernfähig und stets in Bewegung gehalten – und genau das macht uns heute aus. Unser Ziel bleibt unverändert: authentische Marken sichtbar machen und nachhaltige Partnerschaften mit Herz und auf Augenhöhe gestalten – heute, morgen und in den nächsten 20 Jahren. Ein Jubiläum ist ein guter Zeitpunkt zurück und auch nach vorne zu blicken: Was sind aus eurer Sicht zentrale Erfolgsfaktoren – für Marken einerseits, Agenturen andererseits? Für Marken ist es entscheidend, eine klare Positionierung zu haben und in ihrem Produkt absolut konsistent zu bleiben. Ebenso wichtig: ein gutes Verständnis für den Markt und den Handel, denn Erfolg entsteht nur, wenn Produkt und Realität zusammenpassen. Für Agenturen zählen unserer Meinung nach die Fähigkeit zu kuratieren, Marktgespür und Ehrlichkeit. Vertrieb braucht heute, ganz klar Nähe, Transparenz und echte Partnerschaft. Händler suchen Orientierung, Marken brauchen strategische Begleitung. Wer beides verbindet – menschlich und fachlich – bleibt relevant. Euer Portfolio ist umfangreich und zugleich stimmig kuratiert. Welche Neuerungen plant ihr für 2026? 2026 steht bei uns ganz im Zeichen ausgewählter Ergänzungen. Wir haben unser Portfolio bewusst weiterentwickelt und freuen uns sehr über vier Neuzugänge, die unser Agenturkonzept als Minidepartmentstore auf eine sehr stimmige Weise erweitern: Knit-ted aus Amsterdam, Ivy Oak aus Berlin, Cruna aus Italien sowie P448 im Schuhbereich. Jede dieser Marken bringt eine eigene Handschrift mit, die perfekt in unser kuratiertes Umfeld passt. Marken: Cruna, Essentiel Antwerp, Gestuz, Gianni Chiarini, Holzweiler, Ivy Oak, John Smedley, Knit-ted, Lardini, Margaux Lonnberg, Marrea, Munthe, P448, Paul & Shark, People of Shibuya, Posa, Santaniello, Stand Studio, Suncoo, Toral www.select-studio.com
144 style in progress
Starkes Duo – privat wie beruflich: Susann Nuru-Waage und Bernard Waage.
A M E R I C A N I CO N S Since 1913
ffbymg.com
schott-store.com
CORE Agenturen
Agentur Knallgrau
NEUE PRÄSENZEN
Premium und nachhaltig: Alpenhaus.
Seamless Basic
Michaelis Fashion Agency
VERHEISSUNGSVOLL
Knaus oder Knaus
BETTER TOGETHER Die in Salzburg ansässige Agentur Knaus oder Knaus, geführt von Gerhard und Isabella Knaus, startet mit zwei starken Neuzugängen in die Herbst-/Winter-Saison 2026/27. Alpenhaus, spezialisiert auf nachhaltige High-Performance-Outerwear für Damen und Herren, setzt mit Eco-Puff auf eine transparente, zertifizierte und tierfreie Isolationstechnologie aus recycelten Materialien. Ebenfalls neu im Portfolio ist Five Fellas. Das in Hamburg ansässige Denim-Lab steht für Premiumdenim mit Haltung – gefertigt aus 100 Prozent nachhaltiger Baumwolle, 90 Prozent davon GOTSzertifiziert, das Übrige recycelt. Eine stimmige Erweiterung des hochwertigen Profils der Agentur. Marken: Alpenhaus, Amaya Amsterdam, Arma, Distretto 12, Five Fellas, Grace, G-Lab, Kiefermann, Juvia, Love Joy Victory, Michele & Hoven, Sustyle www.knausoderknaus.at
146 style in progress
„Wir mixen etablierte Marken wie Absolut Cashmere, Yippie Hippie oder Goldgarn mit verheißungsvollen Newcomern, die ebenfalls B2B-Service mit Nachorder anbieten“, sagt René Michaelis. Seit letzter Saison ist Originale_OC aus dem Hause Blonde No.8 von Michael Boveleth im Portfolio der Agentur: „Eine hochwertige Capsule-Kollektion für den preislichen Unterbau im Premiumsegment, mit Markup bis zu 3,6.“ Taschen und Sweatshirts ergänzen die Outerwear. Pepper & Pine bringt außergewöhnliche Blusen, Strick und Kleider, sportiv-feminin. Als Long Player gilt Absolut Cashmere. „Jetzt zeigt die erfolgreiche Kollektion auch Grobstrick und innovativen Garnmix als Ergänzung zum reinen Cashmere, in 30 brillanten Farben. Sensationell ist die Schwerpunktpreislage für reinen Cashmere zwischen 199 und 269 Euro/VK, die die Marke seit Jahren hält.“ Marken: Absolut Cashmere, Absurd by OP, Goldgarn Denim, My White Tee, Originale_OC, Pepper & Pine, TWNS the Label, Yippie Hippie www.michaelis-fashion-agency.com
Traditional Bestseller: Modell Zürs von Originale_OC.
Zur kommenden Saison stellt die Münchner Agentur in Düsseldorf im Kap One auf der Two Days aus. „Mit dabei ist natürlich das Label Seamless Basic, mit dem wir jetzt 180 Kunden erreicht haben“, freut sich Harry Heinrich. „Jetzt zeigen wir erstmalig auch auf der Body & Beach in München, um Retailer im Wäschesegment zu gewinnen.“ Ein Klassiker der Agentur ist Floor, den die Agentur für Deutschland vertreibt. „Die 200-teilige Kollektion steht für innovativen, zugleich tragbaren Strick, mit immer neuen Garnen“, sagt Bettina Groeger. Kollektion der ersten Stunde? „Die Designkollektion Shirtaporter, die von Saison zu Saison neu überrascht.“ Neu im Portfolio für Süddeutschland und Österreich sind die biozertifizierten Ingwerdrinks von Poura in edler Verpackung. Marken: Cute Stuff, Dawn x Dare, Floor, Liv Bergen, Noumeno Concept, Poura, Seamless Basic, Shirtaporter, Wuth Cashmere www.knallgrau-agentur.de
CORE Agenturen
Petra Esparza McAlpine Agency
NEW ENTRIES
Zur neuen Saison startet die Agentur mit mehreren neuen Kollektionen. Darunter Pierre-Louis Mascia mit außergewöhnlichen Seidenprints, während Su für minimalistische Contemporary Womenswear steht, die in Italien kreiert und produziert wird. „Außerdem neu ist Arch4, hochwertiger Strick aus England mit typisch englischer Lässigkeit, zu fairen Preisen“, sagt Petra Esparza McAlpine. Bonastre heißen unisex tragbare Taschen aus Frankreich, produziert in Spanien. „Die Designs sind schlicht und cool, wie auch das Image der Taschen, die für 400 bis 900 Euro/VK angeboten werden.“ „Harris Wharf London erhöht den Modegrad“, so Petra Esparza McAlpine. „Der Look bleibt zeitlos und extrem hochwertig.“ Die Kollektionen werden gemeinsam mit anderen Brands auf der Münchner Praterinsel gezeigt. Marken: Ancient Greek Sandals, Ant45, Arch4, Bonastre, Harris Wharf London, Jumper 1234, Labo.Art, Lapointe, Mii Collection, Pierre-Louis Mascia, Radica Studio, Rhea, Simkhai, Su, Talking Walls www.esparza-mcalpine.de
Neue Kollektion: Cashmere von Arch4.
Minimalistisch: Su.
Lässig, in Einstiegspreislagen: WOC.
Paul’s Selection
VALUE FOR MONEY Paul, was bringt ihr zur neuen Saison? Paul Schulz, Inhaber Paul’s Selection: GTA bleibt nach wie vor unser Zugpferd, mit noch besserem Preis-Leistungs-Verhältnis und einem verbesserten Mark-up. Uns ist wichtig, dass Händler mit unseren Kollektionen Geld verdienen können. Neu dabei sind Chinos von Metrico aus dem Hause GTA in limitierter Auflage mit dem Waist-Comfort-Band, aus Jersey, technischer Wolle, Gabardinebaumwolle und Velvet. Außerdem neu ist WOC, was für World of Colors steht. Die Hoodies, Sweaties und T-Shirts made in Italy sind lässig oversized, zu Preisen ab 20 Euro/EK, kalkuliert mit 3,0. Was noch ist wichtig? Barmas Jeans schreibt Service groß, und zwar mit erweitertem NOS, darunter vier Candiani-Denim-Jeans in vier Waschungen. Last but not least Strick von Arovescio, mit innovativem VintageLook, besprüht und überfärbt, für beidseitig tragbare Sweater. Marken: Arovescio, Barmas, Fabiano Ricci, Ghirardelli, GTA, Metrico, Sonrisa, Studio 73, Veneta Cinture, WOC World of Colors www.paulsselection.com
148 style in progress
Rosenthal Trading
DoppiAA
STILLER LUXUS „Neu in der Agentur ist DoppiAA“, sagt Heinz Rosenthal. „Wir freuen uns auf die Kollaboration mit der Brand für Männer mit Stil und stillem Luxus.“ Die Marke Kiltie überzeugt mit individueller Daily Womenswear in hochwertiger Qualität und ausgearbeiteter Passform. Auf cool interpretiertes Lammfell und Leder ist Jadia aus Hamburg spezialisiert, mit schmeichelnden Looks und lässiger Eleganz. „Unsere Agentur vertritt Marken, die in Manufakturen oder Manufaktur ähnlichen Betrieben unter fairen Bedingungen produzieren“, sagt Avischeh Rosenthal. „Die hohe Qualität der Materialien und ihrer Verarbeitung bedingt Nachhaltigkeit und Liebe zum Produkt. Unsere Brands zeichnen sich durch Stil und Individualität aus.“ Für Avischeh und Heinz Rosenthal hat der Service in der Agentur einen besonders hohen Stellenwert. „Wir lieben es, mit unseren Kunden und Fabrikanten freundschaftlich und professionell zusammenzuarbeiten!“ Marken: Crossley, DoppiAA, Felisi Bags & Belts, Jadia, Kiltie, Nasco Unico, Stella Forest Paris, Van Kukil Cashmere www.rosenthaltrading.de
Ab HW2026 Totallooks, Hosen & Strick
Vertrieb DACH: MODEist GmbH · +49 151 54 73 28 67 · info@b-kleidung.com · www.modeist.com ·
modeist_
CORE Agenturen
Komet und Helden
WEG VOM RABATT
Home Studyo Homeware aus Dänemark.
Florian, wie lief die Saison? Florian Ranft, Mitinhaber von Komet und Helden: Sehr gut, wir haben alle Budgets erfüllt. Umsätze und Abverkauf stimmen, trotzdem hat man das Gefühl, dass der Handel unzufrieden ist. Die ständige Rabattpraxis frisst die Marge. Warum ist diese Rabattpolitik so gefährlich? Weil sie bequem macht. Man ordert zu viel, gedanklich schon für den Sale. Doch der Kunde kauft heute bewusster. Händler müssen das auch tun: weniger Übermengen, mehr ikonische Produkte ohne Reduzierung. Wie reagiert ihr darauf? Wir setzen stärker auf langlebige Icons und entwickeln unseren Showroom zur kleinen Lifestyleplattform mit Homeware, Accessoires und Pop-ups. Die Mischung aus Mode und Lifestyle holt Kunden heute wirklich ab: weniger bloße Klamotte, mehr Inspiration. Neuheiten? Schuhe von Save The Duck, produziert von Febos, Anerkjendt aus Dänemark mit coolen Herrenlooks und erstmals Homeware von Homestudyo. Marken: 7 for all mankind, Anerkjendt, Aspesi, Baracuta, Blauer USA, Bob Wolf, Bowery NYC, C.T. Plage, Dickies, Elite 55, Filson, Flower Mountain, Home Studyo, Icon Denim, K-Way, Le Bonnet, Nomap Society, Save The Duck, Save The Duck Shoes, Seven Gauge, Sebago, Sunspel, Superdry, Superga, Ten C, The.Nim Standard, Two Jeys, Universal Works
Unisex: HO’OP.
Connecting Peoples Agency
PERFORMANCE
New in: Wrong Friends aus den Niederlanden. „Die Kollektion definiert Streetund Casualwear mit einzigartigen Designs neu, zu 59,99 bis 129 Euro/VK“, sagt Peter Nürnberger. Ebenfalls neu sind die unisex Sneaker von HO’OP, gefolgt von Lifestylefashion von Baron Filou. „Der Filou Bär ist das ikonische Symbol einer Community, die Mode mit Leichtigkeit und Selbstironie lebt.“ Seit drei Saisons ist Refrigiwear dabei: „Der coole Look hebt sich von anderen Brands ab, mit sensationellem Preis-Leistungs-Verhältnis und hohen Margen.“ Bloom steht für Knitwear aus hochwertigen Naturfasern und Cashmere Me für Handgefertigte Cashmere-Schals und -Tücher aus Nepal. IQ Studio präsentiert feminin-coole In- und Outerwear, während Flowers for Friends nach einer erfolgreichen Sommerorder mit lässig-femininen Blusen in die nächste Runde geht. Marken: Baron Filou, Bloom, Cashmere Me, Flowers for Friends, HO’OP, IQ Studio, Refrigiwear, Wrong Friends www.connectingpeoplesagency.de
150 style in progress
Streetwear neu interpretiert: Wrong Friends.
LONGVIEW
152 style in progress
LONGVIEW
THE RISE OF REALNESS Nach zwei Jahrzehnten, die von Digitalisierung, technischen Innovationen und phygitalen Konzepten geprägt waren, manifestiert sich einer der mächtigsten Trends der letzten Jahre in Form einer Gegenbewegung. Herman Konings nennt es „rewilding“. Susanne Tide-Frater beschreibt es mit der Sehnsucht nach Wahrheit. Hinter dem Wort Realness steckt nicht nur die Rückkehr zum physischen Erlebnis, die Sehnsucht danach, von etwas tief berührt zu werden, sondern auch die Begegnung mit Menschen und Geschichten. Realness zahlt direkt auf die Vorteile physischer Stores ein. Auf vielschichtiger emotionaler Ebene, wie Neuropsychologe und Konsumforscher Herman Konings auf seine brillante Art analysiert, aber auch in Hinblick auf die Gesamtstrategie eines Stores. Die Retail-Expertin und ehemalige Kreativdirektorin von Selfridges, Susanne Tide-Frater sieht in Real ness noch viel mehr als einen Trend: Es ist die Chance, auch junge Generationen zu überzeugen. Interview: Stephan Huber, Isabel Faiss. Artwork: Alexander Wells @alexanderwells
style in progress 153
LONGVIEW
V
or allem in einem Umfeld, in dem es immer mehr darum geht, was Kunden wirklich wollen und begehren, und nicht, was sie brauchen, wird Realness zum zentralen Bedürfnis – einem, das uns alle angeht, gerade auch in Bezug auf Geschäftsmodelle und Konsum. Heruntergebrochen auf die Echtheit eines Erlebnisses, haben wir den Begriff gar zum zentralen Thema dieser Ausgabe gemacht. Dabei ist die Bedeutung vielschichtig. Was verbinden Sie mit dem Buzzword? Herman Konings, Konsumforscher, Retail-Psychologe und Managing Direktor Pocket Marketing: Für mich bedeutet Realness, etwas mit allen fünf Sinnen ungefiltert zu erleben – reale Empfindungen ohne das Zwischenfunken von Ziffern, Bits und Bytes. Es geht dabei um mehr als ein rein physiologisches Phänomen, wir nennen es den sechsten Sinn. Das ist die vollkommene Erfahrung, größer als die Summe ihrer Teile. Als ausgebildeter Neuropsychologe kann ich Ihnen sagen, dass es sich wie eine Autobahn zum limbischen System – dem emotionalen Kern des Gehirns –, wo Neurotransmitter und Glückshormone wie Serotonin, Endorphine, Dopamin und Oxytocin ausgeschüttet werden, anfühlt, wenn Ihre fünf Sinne ungefiltert arbeiten. Das limbische System stimuliert auch Kreativität, Produktivität und sogar das Immunsystem. Insbesondere bei der Gen Z sehen wir ein starkes Verlangen nach persönlicher, physischer Interaktion innerhalb ihrer Communitys. Sie bevorzugen physische Erfahrungen wie stationäre Stores tatsächlich mehr als Millenials. Susanne, schon vor Ihrer Tätigkeit als Creative Director bei Selfridges haben Sie sich intensiv mit dem Thema Realness im Retail beschäftigt. Wofür steht der Begriff für Sie? Susanne Tide-Frater, Retail-Strategin und vormals Creative Director bei Selfridges: Eine meiner Stärken ist es, das Verhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu beobachten und zu interpretieren. Ich definiere Realness als den Inbegriff dessen, was authentisch, greifbar und präsent ist – sei es ein Produkt, ein Erlebnis, eine Denkweise oder das Mindset einer Person. Es ist das Gegenteil von Fantasie, von Träumen, von sich ständig ändernden Trends und
154 style in progress
dem Kult des Neuen, was traditionell die Definition von Luxus war. Warum ist Realness für junge Generationen wie Gen Z, Alpha und Beta besonders wichtig? Weil sie selten geworden ist, und Verknappung schafft ja bekanntlich Begehrlichkeit. Wir leben in einer Welt, die von Fake News, wankelmütiger Politik und öffentlichkeitswirksam konstruierten Persönlichkeiten dominiert wird. Die Globalisierung ist gescheitert, der Überkonsum bringt ökologische und ethische Probleme mit sich. Prominente haben als Testimonials viel zu oft die Kathedrale des Luxus gewissermaßen entweiht. Die jüngeren Generationen, die Digital Natives, sind desillusioniert und fühlen sich mit einer großen sozialen Verantwortung konfrontiert. Sie leben in anderen wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnissen und suchen nach echtem Austausch. Realness könnte eine neue Definition von Luxus sein, eine, die Marken, Handwerkskunst, Produkte, Spontaneität, Interaktion und Abweichungen vom Skript zulässt. Die Basis dafür ist das Streben nach Wahrheit und Emotionen. Hat das Bedürfnis der Gen Z und jüngerer Generationen danach, im wahrsten Sinne des Wortes berührt zu werden, diesen Trend getriggert? Herman Konings: Auf jeden Fall. Durch Corona war dieser Generation soziale Interaktion in einer der entscheidendsten Phasen ihres Lebens quasi untersagt. Die erzwungene Isolation hat das unbändige Bedürfnis nach einem gesunden Sozialleben provoziert. Der Gen Z wurde auch die Möglichkeit, durch ihr Verhalten ihre eigene Jugendkultur mitzugestalten, weitgehend verwehrt. In den letzten zwei Jahren hat sich in ganz Europa in Umfragen gezeigt, dass gerade Arbeitnehmer der Gen Z (16 bis 30 Jahre) auf die Frage, ob sie lieber im Homeoffice arbeiten oder ins Büro gehen möchte, überwiegend Letzteres bevorzugen. Daran bestätigt sich einmal mehr der Wunsch nach Realness, auch im Arbeitsalltag. Wir nennen Gen Z „the most generation“, denn sie hat von allem das absolute Maximum: Sie kann am besten mit digitalen Medien umgehen, ist am stärksten global vernetzt, am besten ausgebildet und am inklusivsten. Sie ist die erste erwachsene Generation, die vollständig in einer digitalen Umgebung aufgewachsen ist. Der Wunsch nach Realness ist hier sehr deutlich an das Thema Verknappung gebunden. Susanne Tide-Frater: Ich habe eine etwas andere Sichtweise. Wir müssen darauf achten, dass unsere eigene Situation unser Urteilsvermögen nicht beein-
FALL / WINTER 2026 COLLECTION ALPINE ESSENCE
Scan for our shows & showrooms @ftc_cashmere
LONGVIEW
„ZU VIEL IST ZU VIEL. WIR BEOBACHTEN SEIT EINIGER ZEIT EIN WACHSENDES VERLANGEN NICHT NUR DER JUNGEN GENERATIONEN DANACH, ABZUSCHALTEN, SICH DER ÜBERREIZUNG ZU ENTZIEHEN.“ – HERMAN KONINGS
flusst. Realness ist kein Wettstreit zwischen digital und analog. Technologie ist hier kein entscheidender Faktor. Die Gen Z fühlt sich sozial deutlich verantwortlicher und ist desillusioniert vom übermäßigen Konsum unserer Gesellschaft, aber sie ist nicht technikfeindlich. Sie nutzt Technologie einfach anders: um Gleichgesinnte zu finden, sich am Social Commerce zu beteiligen, Ideen auszutauschen oder an immersiven und interaktiven Veranstaltungen teilzunehmen, anstatt einfach nur Informationen zu kaufen und zu konsumieren.
wird. Ich glaube fest an das Prinzip des Stores for one – ein Store, in dem sich der Kunde so fühlt, als wäre er nur für ihn gemacht. Das zahlt alles auf diese Haltung gegenüber dem Kunden ein. Hospitality ist für mich der zentrale Schlüssel für alle erfolgreichen Konzepte der Zukunft.
Wenn Realness der neue Luxus ist, welche Rolle spielen dann zwischenmenschliche Beziehungen und Persönlichkeit?
In den letzten Jahren sahen wir große Onlineretailer wie Matches, SSENSE und Farfetch scheitern. Gleicht das Geschäftsmodell einer Fehlinterpretation der menschlichen Natur oder anders gefragt: Fehlte es an Realness?
Susanne Tide-Frater: Eine sehr wichtige Rolle – aber die Art von Persönlichkeit, von der wir sprechen, ist eine andere. Es geht dabei nicht um Testimonials. Vor allem junge Kunden begeistern sich für reale, intensive Erlebnisse und Persönlichkeiten. Communitys und Individuen prägen ihre positiven Erfahrungen. Ein gutes Beispiel dafür erlebe ich hier in Südfrankreich ganz aktuell: Es entstehen immer mehr junge, lokale, neue Marken wie beispielsweise Natif, die stark in der französischen Surfkultur verwurzelt ist und Good Vibes in ihrer DNA hat. Sie verkaufen Mode, brauen gleichzeitig aber auch ihr eigenes Bier und veranstalten ein Sommermusikfestival. Ihre lokale Identität bringt ihnen globale Resonanz ein. Das Beispiel zeigt einmal mehr: Wer der Gen Z ein Produkt oder ein Erlebnis verkaufen möchte, muss Teil einer glaubwürdigen Community sein und kein global agierender, bezahlter Influencer. Wenn wir darüber sprechen, Konsum wieder bedeutungsvoller zu gestalten, fällt mir ein Zitat von Claus Sendlinger ein, das ich sehr treffend finde: „In Zukunft wird es keinen Einzelhandel mehr ohne Hospitality geben.“ Ich bin immer noch überzeugt, dass Konsum das Herzstück unserer Gesellschaft und sogar der Motor der Zivilisation ist. Wenn sich allerdings der Konsum zunehmend vom Bedarf hin zur Suche nach emotionalen Erlebnissen verlagert, hat der Handel mehr Aufgaben, als Produkte zu verkaufen. Susanne Tide-Frater: Hospitality fasziniert mich. Viele verstehen darunter nach wie vor, dass man Speisen oder Getränke anbietet, um Kunden länger im Laden zu halten. Aber es geht um viel mehr als das. Es geht darum, wie ein Kunde empfangen, durch ein Erlebnis begleitet und mit persönlichem Service betreut 156 style in progress
Herman Konings: Und es zahlt auch auf die berühmten vier E’s des Einzelhandels ein: ethereal (ätherisch), enriching (bereichernd), emotional und exclusive. Bei Hospitality geht es auch um Empathie!
Susanne Tide-Frater: Mehr als das. Erinnern Sie sich: Farfetch begann als Onlineplattform für inhabergeführte Boutiquen mit dem Ziel, den unabhängigen Einzelhandel zu retten. Aber der schnelle Erfolg machte es zu einem Allesfresser und die ursprüngliche Vision ging verloren – ein weit verbreitetes Problem. Der wirtschaftliche Druck und das Ziel von schnellem Wachstum lassen sie oft vergessen, dass ihr Geschäftsmodell auf echten Kunden basiert. Händler, die immer noch mehr Marken in ihr Sortiment aufgenommen haben, haben gleichzeitig auch den kuratierenden Anspruch ihres Metiers verloren. Realness ist daher auch in diesem Bereich eine großartige Chance für unabhängige Einzelhändler. Sie können in kleinerem Rahmen echte Erlebnisse schaffen und mit ihren Kunden nachhaltig wachsen. Darin liegt der Schlüssel zum Erfolg. Wir Menschen haben eine schier endlos lange Evolution durchlaufen, in der Realness eine entscheidende Rolle gespielt hat, alleine schon durch die Verbindung von taktilen Erfahrungen und unserem Gehirn. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Digitalisierung diese Evolution in nur ein oder zwei Generationen aufholen will. Kann das funktionieren? Können gelernte soziale und taktile Verhaltensmuster wirklich restlos überwunden werden? Oder anders gefragt: Sind wir Menschen für eine digitalisierte Welt überhaupt geschaffen? Herman Konings: Definitiv nicht. Psychologen und Soziologen plädieren schon länger dafür, unser Gehirn wieder zu „renaturalisieren“ oder „zurück zu verwildern“. Die ständige Konfrontation mit Bits
LONGVIEW
„HOSPITALITY IST DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG. ES UMFASST DAS GESAMTERLEBNIS, WIE EIN KUNDE IN EINEM STORE BEHANDELT WIRD.“ – SUSANNE TIDE-FRATER
und Bytes schadet unserem Gehirn und unserem emotionalen Wohlbefinden. Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Endorphine und Oxytocin, die für unser Glücksempfinden unerlässlich sind, verpuffen im Digitalen. Wir werden zu Zombies. Die Forschung zeigt eine deutliche Gegenbewegung zur Digitalisierung des Soziallebens. Ich habe einige Zahlen von Euromonitor, einer der führenden Forschungsplattformen. Jedes Jahr befragen sie 20.000 Menschen in Westeuropa dazu, wie sie zu KI in zwei Szenarien stehen. Zum einen in Bezug auf einen Bot, der beim Einkaufen hilft, und zum anderen in Bezug auf autonomes Fahren. Die Frage lautet immer: Wie wohl fühlen sie sich mit KI an Ihrer Seite? Unter den Babyboomern (61+) geben 30 Prozent an, dass sie sich sehr wohl fühlen. Bei der Generation X (46 bis 60) stimmen 40 Prozent zu. Millennials (31bis 45) fühlen sich mit 52 Prozent noch wohler. Interessanterweise fällt die Generation Z (16 bis 30) auf 40 Prozent zurück, was dem Niveau ihrer Eltern entspricht. Je näher man der Generation kommt, die am meisten mit der Digitalisierung aufgewachsen ist, desto weniger wohl fühlen sie sich mit KI-Anwendungen. Sie bevorzugen sogar physische Stores gegenüber Onlineshopping. Psychologisch gesehen ist das nachvollziehbar: Junge Menschen sind von der digitalen Reizüberflutung erschöpft – nicht nur neurologisch, sondern auch in einem breiteren kognitiven und emotionalen Sinne. Was bedeutet das für die Zukunft des Einzelhandels? Herman Konings: Es dreht sich vieles um Hospitality als das menschlichste Business überhaupt. Ich habe vorhin unsere soziale Renaturalisierung erwähnt, das Gleiche muss auch im Einzelhandel passieren. Es geht darum, den Einzelhandel wieder zurück zu menschlicher Interaktion und zum Erleben der vier E’s zu bringen. Auch außerhalb des Luxussegments muss ein Store seinen Kunden eine umfassende Bereicherung bieten, ohne sie zu überreizen oder zu übersättigen. Der amerikanische Psychologe Prof. Dr. Dacher Keltner hat ein Buch mit dem Titel „Awe“ geschrieben. Awe ist ein altes englisches Wort, das einen Zustand beschreibt, in dem man emotional völlig überwältigt ist. Ein Store muss seinen Kunden dieses Alltags-Awe vermitteln, definiert durch diese neun Wunder: moralische Schönheit, Natur, kollektive Begeisterung, visuelle Kunst oder Design, Musik, Spiritualität, Humor, große Ideen und – das ist mein persönlicher Favorit – Epiphanien. Epiphanien sind zufällige Erfahrungen mit überraschendem Wow-Faktor. Sie sind damit das Gegenteil von Algorithmen. Ein Algorith158 style in progress
mus gibt mir den geraden Weg von A nach B vor. Ein Store muss das genaue Gegenteil davon sein: Wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, bei der man völlig überraschend auf die hübsche Bauerstochter stößt und sich Hals über Kopf verliebt. Susanne Tide-Frater: Meiner Meinung nach ist Innovation nach wie vor entscheidend, und ich möchte dabei nicht zwischen stationärem und digitalem Einzelhandel unterscheiden. Das sind zwei Aspekte, die nahtlos ineinander übergehen sollten. Innovation und Technologie sind wertvolle Werkzeuge. Aber KI und Technologie werden niemals die menschliche Beziehung oder den persönlichen Service ersetzen, sie können nur viele Dinge erleichtern. Was Technologie nicht bieten kann, ist die emotionale Erfüllung einer echten Erfahrung: Realness. Das wird die Domäne des stationären Einzelhandels bleiben. Es gibt noch viele spannende Dinge, die auf uns zukommen. Lassen Sie mich mit einem Erlebnis schließen, das ich kürzlich zum Thema Realness hatte: Ich besuchte die Fondation Carmignac auf der Insel Porquerolles. Dafür nimmt man ein Boot, kommt auf der Insel an und besucht die Kunstausstellung im Haupthaus. Man zieht seine Schuhe aus und es ist vollkommen still. Man spürt den Boden unter den Füßen. Nach der Ausstellung kann man im dazugehörigen Park Skulpturen besichtigen und in das kleine Restaurant gehen, wo der Chef nur vier Gerichte zubereitet. Man sitzt unter den Bäumen, egal ob es regnet oder die Sonne scheint. Man genießt wunderbares Essen voller lokaler Aromen und verbringt dort Stunden. Dieses Erlebnis ist einzigartig. Und das Tüpfelchen auf dem I? Das ist der Store! Er ist vollständig in das Gesamtkonzept des Ortes verwoben. Für mich war der Besuch eine unglaubliche, transformative Erfahrung, die mir bestätigt hat, dass die Dinge, nach denen wir streben, wichtiger sind, als die Dinge, die wir nur brauchen.
LONGVIEW
SUSANNE TIDE-FRATER �
In der Branche gibt es wahrscheinlich niemanden, der zu dem Namen Susanne Tide-Frater nicht sofort das sehr elegante, charismatische Bild der einflussreichen und erfolgreichen Strategin im Kopf hat. Ihre Karriere liest sich wie ein Lehrbuch für angewandte Kreativindustrie. Aus diesem Grund hier nur ein grober Abriss: Sie begann nach der Ausbildung in Paris beim Institut Français de la Mode als Head of International Relations. Als Creative Director von Selfridges stieg sie anschließend direkt in die Branche ein und machte mit experimentellen Retail-Konzepten von sich reden. Als Nächstes stand die Position als Creative Director bei Harrods an, wo sie maßgeblich für die innovative Weiterentwicklung des Traditionsunternehmens stand. Ihr Fingerspitzengefühl für den Aufbau von Marken und deren strategische Weiterentwicklung machte sie zum Fashion Director bei Victoria Beckhams Label, das damals eine relativ kleine Celebrity-Marke war und die sie als internationale Luxusbrand etablierte. Als Brand and Strategy Director stieg Susanne Tide-Frater 2010 auch bei Farfetch mit ein und widmete sich dort bis 2023 der nahtlosen Implementierung phygitaler Innovationen unter anderem bei Browns East. 2
�
�
1 Susanne Tide-Frater ist eine der meistgefragten Strateginnen und Beraterinnen für das Retail- und das Luxussegment. 2 „Ein Leben direkt am Meer ist ein Kindheitstraum, der wahr wurde“, sagt sie über ihren neuen Lebensmittelpunkt in Südfrankreich. 3 „Mein Gemüse-Fleckchen“ nennt sie liebevoll ihren Kleingarten, in dem sie frisches Gemüse anbaut. Kochen ist eine weitere Leidenschaft. 4 Dieses Buch darf auf Susannes Wohnzimmertisch nicht fehlen, denn „es erdet mich, wenn das Chaos um mich herum ausbricht“.
160 style in progress
LONGVIEW
HERMAN KONINGS �
„I am the Shrink“, beschreibt sich Herman Konings mit seinem einnehmenden Lachen selbst. Ihm intensiv zuzuhören, ist ein echtes Vergnügen. Der Stand-up-Psychologe schafft es wie kein anderer, tiefgreifende, wissenschaftliche Datenanalysen und Forschungsergebnisse nicht nur leicht bekömmlich zu transportieren, sondern dabei seine eigene Begeisterung für Konsumforschung auf sein Publikum überspringen zu lassen. Von Gen Beta bis zu den Babyboomern bespielt er datenbasiert die gesamte Klaviatur der Konsumforschung. Sein Publikum findet er bei internationalen Panels, als Speaker auf Kongressen und Events. Seine Expertise ist gefragt: Der 1964 geborene Master in theoretischer und experimenteller Psychologie mit Spezialisierung auf Neuropsychologie hat sich als Konsumund Trendforscher international einen Namen gemacht. Als Managing Director steht er außerdem der Antwerpener Trendforschungsagentur Pocket Marketing vor.
2
3
1 Herman Konings Hauptthese lautet: Vor allem die jungen Generationen kehren wieder in analoge Erlebniswelten zurück. Er ist berühmt für seinen analytischen, zeitkritischen Blick, der immer auch ein Augenzwinkern beinhaltet. 2 Sein eigener Co-Working Space in Antwerpen setzt wie das Büro von Poket Marketing auf zwischenmenschliche Begegnungen, die regelmäßig im Auditorium 3 stattfinden.
162 style in progress
THE NEW CURRENCY OF MEANING IN EINER WELT, DIE FAST ALLES SIMULIEREN KANN, WIRD DAS WAHRHAFT UNERSETZLICHE ZUM WERTVOLLSTEN. REALNESS KÖNNTE DER NEUE LUXUS SEIN. Ein Essay von Stephan Huber
164 style in progress
The New Currency of Meaning
REALNESS
– ein Wort, das ich bewusst wähle. Es beschreibt den unvergleichlichen Wert direkter, persönlicher und idealerweise personalisierter Erlebnisse – jener Momente, die uns emotional berühren und bleiben. Diese Momente können so schlicht sein wie ein gemeinsames Essen oder so transformativ wie ein Kunstwerk, ein Kuss oder ein Gespräch, das unsere Weltsicht verschiebt. Echtheit ist keine Nostalgie nach dem Analogen. Sie ist eine neue Währung der Bedeutung in einer hyperdigitalen, post-authentischen Welt. Und sie spricht etwas zutiefst Menschliches an: unser Bedürfnis, berührt, gesehen und inspiriert zu werden. In einer Zeit, in der sich nahezu alles digitalisieren, optimieren oder simulieren lässt, ist das echte Erlebnis zu einer der seltensten Formen von Luxus geworden.
VON ÜBERFLUSS ZU BEDEUTUNG
Über Jahrzehnte hinweg wurde die Mode – wie weite Teile der Lifestyle-Industrie – von Neuheit, Tempo und Überfluss getrieben. Doch Überfluss hat seine Magie verloren. Der endlose Strom an Trends und Bildern hat uns überreizt und zugleich enttäuscht. Ironischerweise hat die Mode selbst dazu beigetragen, das auszuhöhlen, was einst ihre stärkste Kraft war: Sehnsucht. Mikrotrends werden binnen Wochen leergepresst. „Newness“ ist zu einer Maschine geworden, nicht mehr zu einem Moment. Permanente Sales-Zyklen und marketinggetriebene Dringlichkeit haben selbst Luxus transaktional wirken lassen. Die Aura ist dünner geworden. Wenn alles immer und überall verfügbar ist, wird sogar das Begehren müde. Diese Müdigkeit hat eine kulturelle Korrektur ausgelöst. Das Pendel schwingt von der ständigen Suche nach mehr zum Finden von Bedeutung. Von Hype zu Ehrlichkeit. Realness wird zur Sehnsucht und zur Haltung: • das stille Café, das wie ein Zufluchtsort wirkt, • das Atelier, erfüllt vom Duft der Materialien und des Handwerks, • das Restaurant, das alle Produzenten persönlich kennt, • das Hautpflegeritual, das Langsamkeit zelebriert. Es ist das Gefühl von sichtbar gewordener Wahrheit – unperfekt, sinnlich, menschlich. Diese neue Wertschätzung des Ehrlichen und Ungefilterten ist keine zufällige Stimmung. Sie spiegelt einen breiten kulturellen Wandel wider, der sich seit Jahren leise aufgebaut hat.
DER KULTURELLE BOGEN
Dieser Wandel zur Echtheit kam nicht aus dem Nichts. Er wurde durch ein Jahrzehnt kleiner, beinahe bescheidener kultureller Bewegungen, die heute wie frühe Signale wirken, vorbereitet: der Aufstieg von Specialty Coffee, die Wiedergeburt des Handwerks, Lauf- und Yoga-Communitys, die Wiederentdeckung der Natur als Zufluchtsort, der Wunsch, Brot selbst zu backen oder Kräuter auf dem Balkon zu ziehen.
ESSAY
Carl Sendlinger, Gründer von Design-Hotels, nennt sein jüngstes Projekt „Slowness“, wortwörtlich verwurzelt in regenerativer Landwirtschaft. Ramdane Touhami, einst Antreiber und Provokateur des Luxus, bewirtschaftet heute Bioland in Süditalien. Diese Gesten spiegeln eine größere Sehnsucht nach Verbindung, Tiefe und Wahrheit. Diese Sehnsucht überschreitet Disziplinen – von Mode bis Kulinarik, von Kunst bis Beauty, von Design bis Gesundheit. Überall sehen wir denselben Impuls: das Wiederfinden dessen, was geerdet und lebendig ist.
DIE ÄSTHETIK DES ECHTEN
Hier liegt ein Paradox: Realness, Echtheit ist nicht nur ein Gefühl, sie ist zu einer Ästhetik geworden, und zwar zu einer äußerst teilbaren. Morgenlicht, das durch unvollkommenes Glas fällt, die Patina der Zeit, Texturen, geprägt von einer menschlichen Hand, ungefilterte Gesichter, die Schönheit des Unpolierten. Manche mögen das als performativ abtun, doch vielleicht ist es einfach die visuelle Sprache unserer Sehnsucht – unser Versuch, Wahrheit in einer Welt der Simulation darzustellen. Digital und physisch sind keine Gegensätze mehr, sie bilden ein Kontinuum. Die Kunst besteht darin, die Balance zu halten.
DIE ÖKONOMIE DER EMOTION
In der Mode – und in jeder Branche, die auf Begehren statt auf Notwendigkeit baut – wird Echtheit zum entscheidenden Faktor bei der Wahl. Menschen kaufen keine Produkte mehr, nicht einmal Unterscheidbarkeit im alten Sinne; sie kaufen ein omnisensorielles Erlebnis. Die Demokratisierung des Digitalen hat emotionale Tiefe abgeflacht. Wenn alles gleich aussieht, bedeutet nichts mehr etwas. Realness differenziert, wird zum Funken, der Produkten und Marken wieder emotionale Gravitation verleiht. Händler spüren das intuitiv. Stores werden zunehmend zu Orten der Begegnung, nicht der Bestände. Unabhängige Boutiquen, kuratierte Conceptstores, Ateliers, lokale Pop-ups florieren, weil sie etwas bieten, das digital unerreichbar ist: Atmosphäre, Gespräch, Entdeckung und Anerkennung.
DAS ENDE DES UNENDLICHEN LUXUS: EINE FALLSTUDIE DES VERLORENEN ECHTEN
Jahrelang schienen große Luxusplattformen – Farfetch, Matches, Ssense, YooX Net-a-Porter – die Zukunft zu definieren. Sie boten unendliche Auswahl, globale Zugänglichkeit, reibungslose Logistik. Und doch sind fast alle zusammengebrochen oder mussten sich radikal neu erfinden. Ihr Scheitern ist nicht allein ökonomisch, es ist philosophisch. Sie skalierten Luxus und lösten ihn damit auf. Luxus war nie Verfügbarkeit. Er war Sehnsucht, Aura, Erwartung, Kontext. Unendlicher Zugang zerstört Knappheit, unendliche Auswahl tötet Sehnsucht, unendliche Bequemlichkeit glättet Emostyle in progress 165
ESSAY
The New Currency of Meaning
tionen. Diese Plattformen optimierten Effizienz, vergaßen aber das Zauberhafte. Ihre kulturelle Kuration im großen Maßstab scheiterte an strukturellen Grenzen. Übrig blieb alles außer Bedeutung. Das tiefere Scheitern war ein Beziehungsbruch. Luxus ist eine menschliche Ökonomie: eine Ökonomie der Emotion, des Gesprächs, der Intuition und vor allem des Vertrauens. Unabhängige Händler haben das immer verstanden. Ihr Wert liegt nicht nur in dem, was sie verkaufen, sondern wie sie es tun – mit Atmosphäre, Ehrlichkeit, Präsenz, Persönlichkeit. Eine Plattform kann Geschwindigkeit liefern, aber keine Seele. Der Fall der Onlineluxusgiganten ist ein kulturelles Signal. Menschen wenden sich vom unendlichen Überfluss ab und kehren zum bedeutungsvollen Erlebnis zurück. Sie sind nicht an Konkurrenz gescheitert, sondern am menschlichen Wunsch nach Echtheit.
DIE WIEDERGEBURT DES LUXUS UND DIE NEUE RELEVANZ DES HANDELS
Echtheit könnte das sein, was Luxus aus seiner Identitätskrise führt. Traditionelle Marker – Exklusivität, Preis, digitaler Glanz – verlieren Relevanz in einer Ära algorithmischer Gleichförmigkeit. Der neue Luxus besteht nicht darin, mehr zu besitzen, sondern mehr zu fühlen. Wenn Bedeutung ins Zentrum der Kultur zurückkehrt, entsteht eine seltene Chance für den Modehandel, nicht nur für Luxus, sondern für die gesamte Landschaft unabhängiger Multibrandstores, Conceptshops und kleiner kreativer Einzelhändler in Europa. Auf den ersten Blick mag Optimismus über den stationären Handel fast naiv wirken, ist er aber nicht. Neu gedacht als Gastlichkeit, als kultureller Raum, als Ort von Präsenz und Verbindung, ist seine Zukunft nicht bedroht, sondern vielversprechend. Über Jahre wurde der stationäre Handel vom Narrativ des Niedergangs begleitet: sinkende Frequenz, steigende Mieten, Dominanz des E-Commerce. Aber was, wenn sich das Paradigma verschiebt? Was, wenn der physische Handel kein Relikt ist, sondern einer der wichtigsten Anker der Mode? Wenn unsere These stimmt – und alle Zeichen deuten darauf hin – wird der reale Handel bedeutungsvoller, nicht weniger bedeutsam. Das gilt besonders für jüngere Generationen. Zahlreiche internationale Studien, darunter KPMG, zeigen ein klares Muster: Gen Z wendet sich nicht von Stores ab, sie kehrt zu ihnen zurück. Sie sehen Handel als kulturellen Raum, als Ort der Entdeckung, der Verbindung, des Erlebens. Je digitaler ihr Leben, desto stärker die Sehnsucht nach dem, was nur die physische Welt bieten kann. Stores können zu Orten werden, wo Emotion geschaffen wird, nicht konsumiert; wo Entdeckung kuratiert wird, nicht vorhergesagt; wo Atmosphäre, Textur, Duft und Gespräch wieder Bedeutung haben; wo Kleidung Kultur wird, nicht Content. Nichts davon ist neu. Es ist die Wiederentdeckung des ursprünglichen Wesens des Handels: Beziehung, 166 style in progress
nicht Transaktion. Eine echte Form von Gastlichkeit im eigentlichen Sinn des Wortes. Entscheidend ist. dass es nicht um Luxus, der durch Preis definiert ist, geht. Es geht um Luxus, der durch Verbindung, Sorgfalt, Präsenz und Relevanz definiert ist. Ein kleiner unabhängiger Store kann „luxuriöser“ wirken als ein globaler Flagship, wenn seine Auswahl Haltung zeigt und seine Gespräche Aufrichtigkeit. Die Chance liegt darin, zurückzugewinnen, was digital nicht nachgebildet werden: • Atmosphäre – die sinnliche Welt eines Stores. • Perspektive – die Intuition und den Geschmack eines Einkäufers. • Kuration – nicht mehr, sondern besser. • Gemeinschaft – das Gefühl, willkommen, gesehen, verstanden zu sein. • Entdeckung – jene unerwarteten Begegnungen, die Algorithmen nicht vorhersagen. • Kontinuität – Beziehungen zu Menschen, nicht zu Interfaces. Dieser Moment lädt Händler dazu ein, ihre kulturelle Rolle wieder einzunehmen – als Gastgeber, Editoren, Übersetzer. Sie bieten nicht nur Produkte, sondern Tiefe, Läden sind Orte, an denen Mode als etwas Lebendiges, als etwas Echtes erlebt wird. Die Zukunft des Handels wird nicht den Größten gehören. Sie wird den Menschlichsten gehören. In diesem Wandel liegt nicht nur das Überleben, sondern eine neue Relevanz.
DER WERT DES UNERSETZLICHEN
Es geht hier nicht um einen Trend. Wir erleben einen kulturellen Wandel, der weit mehr als die Mode betrifft. In der Gastronomie – und in vieler Hinsicht begann es dort – sahen wir die Rückkehr zu Einfachheit, Regionalität, Herkunft und emotionalem Erzählen. Gastlichkeit und Reisen folgten demselben Bogen: weg von Großspurigkeit, hin zu Verwurzelung, Intimität, Menschlichkeit. Wir sehen den Aufstieg von Clear Beauty und Longevity – Bewegungen, die den Drang zur Perfektion mit Ehrlichkeit, Ritual und Fürsorge beantworten. Auch in der Kunst ist der Wandel unübersehbar: weg vom Spektakel, hin zu Materialität, Prozess, Gemeinschaft, Resonanz. Die Werke, die bleiben, sind nicht die lautesten, sondern die, die berühren. Realness ist zu einer gemeinsamen Sprache der Disziplinen geworden – einer Art, Kreativität wieder mit Menschlichkeit zu verbinden. Im Kern aber geht es um den Wert des Unersetzlichen. Wert entsteht nicht durch Lieferketten oder Marketingzyklen, sondern durch die Tiefe und Einzigartigkeit eines Erlebnisses. Als Unternehmer, Kreative und Entscheidungsträger gestalten wir, wie Realness Gestalt annimmt – in den Räumen, die wir entwerfen, den Produkten, die wir schaffen, und den Geschichten, die wir erzählen. Denn in einer Welt, die fast alles simulieren kann, wird das wahrhaft Unersetzliche zum wahrhaft Wertvollen. Und das ist heute mehr denn je das Wesen von Luxus.
NN07
Shared Grounds
RIGID? RARELY.
Die Menswear sortiert sich neu. Rigide Kategorien der Vergangenheit haben ihre Bedeutung verloren, Männer definieren Identität über Kleidung bewusster, gemeinschaftlicher und vielschichtiger. Zwischen individuellem Stil und dem Wunsch nach Zugehörigkeit entsteht ein neues Spannungsfeld. Unter diesen Vorzeichen werden Antworten zunehmend im Dia- statt Monolog gefunden – Kommunikation auf Augenhöhe von Marke zum Menschen.
FASHION
FASHION
Text: Lisa Hollogschwandtner. Bilder: Marken
170 style in progress
SHARED GROUNDS
Moderne Menswear befindet sich in einem leisen, aber tiefgreifenden Wandel. Kleidung ist dabei nicht mehr die ganze Botschaft. Sie ist vielmehr Teil der Erzählung und bleibt doch der Kern: Ihre Begehrlichkeit, ihre kulturelle Anziehungskraft sind nach wie vor das Gravitationszentrum, um das sich alles dreht. Was sich verändert, ist der Träger, über den kommuniziert wird. Brands erweitern ihren Einfluss über Erlebnisse, Hospitality, Sport und andere kulturelle Schnittstellen, die die Resonanz des Produkts verstärken. Zwischen Individualität und Community entsteht so ein neuer Anspruch. Ein Diskurs über Haltung und Teilhabe.
FASHION
Studio Nicholson
style in progress 171
FASHION
Shared Grounds
L
ange funktionierte die Menswear in klaren Kategorien: Formal fürs Business, casual für alles, was danach geschah, und Sportswear tatsächlich für den Sport. Gekauft wurde in Stammabteilungen und Baukastensystemen. Allein diese Zeilen zu tippen, fühlt sich nicht mehr zeitgemäß an. Die zurückliegenden Jahre ließen Grenzen verschwimmen, starre Regeln verloren ihre Gültigkeit. Zentraler Marker: Man nenne Anlässe, zu denen nicht der weiße Sneaker getragen wurde. Die Antworten fallen dürftig aus.
PAST-FORWARD
Zunächst ein Blick zurück: Früher bewegte sich die Mode wellenförmig. Ein Jahrzehnt hatte seine Silhouette, eine Generation ihren Stil. Fast das gesamte 20. Jahrhundert tauchten Trends im Abstand von zwei Jahrzehnten wieder auf – eine Zeitspanne, die lange genug war, um von der einen Generation verworfen und der nächsten als neu wiederentdeckt zu werden. Der Versuch, heute eine derartige Timeline zu zeichnen, ist unmöglich. Das Internet hat den beschriebenen Zyklus auf Monate komprimiert, die Grenzen zwischen damals und heute verschwimmen zu einem unscharfen Präsens. Vor diesem Hintergrund wird die Frage laut: Was definiert dann den Moment, unser Jetzt? Was kommt nach anything goes? „In den letzten Jahren war es tatsächlich so, dass es keine Regeln gab. Das war für manche lustig, für ästhetisch-orientierte Menschen weniger“, bringt es Thorsten Stiebing, Managing Brand Director Joop, mit einem Lächeln auf den Punkt und verortet eine Gegenbewegung: „Wir sind, nicht zuletzt aufgrund unserer Historie, neben der Casualwear auch im Für Herbst/Winter 2026/27 setzt Joop! verstärkt auf Tailoring. Formal-Bereich stark aufgestellt. Gerade hier merkt man, dass moderne Menswearkunden wieder Lust auf Mode haben. Hohe Qualität wird geschätzt, gesucht wird ein Anzug, der wirklich richtig sitzt und dann gerne auch etwas mehr kosten darf. Das Gefühl, das diese Produkte vermitteln, wird zunehmend auch abseits vom Anlass gesucht. Wir setzten für Herbst/Winter 2026/27 bewusst wieder verstärkt auf Tailoring, besinnen uns auf unsere Heritage – zeitgemäß interpretiert. Mir persönlich gefällt dieses Commitment zur Klassik – auch für die Freizeit.“ Der Neuinterpretation von Klassik hat man sich zur Gänze bei Santaniello verschrieben. Creative Director Antonio Santaniello erklärt: „Was es braucht, ist ein Gleichgewicht zwischen Modernität und Erinnerung. Es geht nicht darum, die Vergangenheit zu reproduzieren, sondern sie mit zeitgenössischer Sensibilität und einem tiefen Gefühl von Authentizität neu zu interpretieren. Heute zeigt sich das in weicheren, natürlicheren Silhouetten, Materialien mit lebendiger Haptik und interessantem Griff, die Qualität und Authentizität ausstrahlen. New Classic bedeutet für mich, Dinge zu schaffen, die Bestand haben – zeitgemäß in der Stilistik, zeitlos im Wesen.“ Von Zeitgeist und Zeitlosigkeit spricht auch Christoph Weller, CEO Lacoste D-A-CH & Scandinavia: „Wir glauben stark daran, klassische Silhouetten auf neue Materialien zu übersetzen, Stichwort light-tech. Wir kommen aus dem Sport, entsprechend naheliegend ist dieser Schritt für uns. Ich bin überzeugt, dass es heute als Marke wichtiger denn je ist, authentisch zu sein – im Produkt, in der Kommunikation.“ Klarheit in der eigenen Handschrift wird damit zum zentralen Erfolgsfaktor. Für Brands bringt die simultane Präsenz diverser Trendströmungen Freiheit einerseits, Komplexität andererseits. Wo Raum für Experimente entsteht, erschwert das Fehlen dominanter Strömungen gleichzeitig die Kommunikation von Relevanz. Die Effekte für Konsumenten sind ebenso ambivalent: Persönlicher Stil wird tatsächlich persönlicher, individueller, weniger 172 style in progress
SERIOUSLY SEXY UNDERWEAR. mey.com
FASHION
Shared Grounds
„In der Sprache zeitgemäß, aber im Wesen zeitlos“, beschreibt Antonio Santaniello seine Designhandschrift.
Modische Looks mit starken Zitaten der eigenen Tennis historie zeigte Lacoste bei seiner zurückliegenden FashionShow in Paris.
an Alter oder starre Kategorien gebunden. Das bringt erneut Freiheit, aber auch die Herausforderung, in einer Vielzahl an Möglichkeiten zu entscheiden, was wirklich zu einem gehört. Chung Wai Cheung, Gründer der dänischen Brand Woodbird, bestätigt die Auflösung konventioneller Grenzen: „Ich habe das Gefühl, dass die Mode gerade wieder etwas mehr formal wird und dennoch glaube ich stark an Streetwear. Die 'cool Kids from the Block' sind älter geworden und suchen nach Streetwear, die zu ihrem Leben passt. Es geht also darum, neue Schnittstellen zu finden.“ Gesucht sind neue Zugänge, Möglichkeiten und Wege zu begeistern: „Männer haben heute, wenn es um Mode geht, ein anderes Selbstvertrauen als in der Vergangenheit. Trends werden unwichtiger, Persönlichkeit umso bedeutsamer.“ Die Menswear wird unter diesen Vorzeichen zu einem dynamischen Feld, ein Spiegel für kulturellen Umbruch, sowie ein ausbalanciertes Bedürfnis nach Komfort einerseits, Stil anderseits und eine Bühne für neue Vorbilder. Klassische Rollenbilder haben ausgedient, Persönlichkeiten wie Timothée Chalamet, Colman Domingo und A$AP Rocky sind mehr als nur Stilvorbilder – sie sind Katalysatoren einer neuen Ära, die Intelligenz, Mut und kulturelle Sensibilität miteinander vereint. Ein fordernder Balanceakt im Design? „Für uns nicht so sehr, weil unsere Marken-DNA wie ein Kompass wirkt“, erläutert Chung Wai Cheung. „Wir haben unsere eigene Kultur etabliert, wir folgen keinen Trends, sondern unserer Intuition. So wird unsere Marke zu einem Safe Space und unsere Kollektion ein Spiegel unserer Werte.“ Fest steht damit: Die Vorstellung des Mannes als einheitlicher Kunde ist überholt. Der heutige Menswearkonsument ist vielfältig, heterogen und individuell und er hat Spaß an Mode: „Männer haben heute mehr Freude daran, mit ihrem persönlichen Stil zu experimentieren, und das macht die Herrenmode vielseitiger und interessanter als früher“, erläutert Antonio Santaniello. Christoph Weller ergänzt: „Männer beschäftigen sich heute definitiv mehr damit, was sie tragen. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass sie fundiertere Entscheidungen treffen, bewusster einkaufen.“ 174 style in progress
FASHION
Shared Grounds
SENSE-MAKING
Die Sinnfrage ist damit auch in der Mode angekommen und wird häufig im Dialog geklärt – Stichwort Kooperation. So hat sich beispielsweise das im Jahr 2010 von Nick Wakeman gegründete Label Studio Nicholson 2025 erstmals einen externen Kreativpartner eingeladen: den Mensweardesigner und -berater Aaron Levine, der in der Vergangenheit für Abercrombie & Fitch, Club Monaco, Madewell und Vince tätig war und 2024 sein eigenes Label gründete. Gemeinsam entwickelten die beiden Kreativen eine 26-teilige Capsule-Kollektion innerhalb der saisonalen Module-Linie des Labels. Man teile eine gemeinsame Philosophie, kommentiert Levine die Kooperation. Sein Ziel sei es, Dinge zu schaffen, die nutzbar wie Werkzeuge sind. Wakeman ergänzt: „Ich will nichts Sinnloses produzieren. Kleidung muss einen Zweck haben und zugleich schön sein. Mein Ansatz ist, Klassiker zu modernisieren. Ich kann mit Überflüssigem oder Dekoration um der Dekoration willen nichts anfangen.“ Dieser Zugang erzählt erneut von einem Fokus auf das Wesentliche, Expertise braucht Priorisierung: Wer seine Kunden ehrlich abholen möchte, darf die eigene Glaubwürdigkeit nicht im Versuch verwässern, alles für jeden zu sein. „Der Druck innerhalb der einzelnen Kategorien ist enorm gestiegen“, weiß Florian Wortmann, Chief Brand Officer bei Bugatti. „Viele versuchen die daraus entstehenden Umsatzverluste durch das Erschließen neuer Produktgruppen auszugleichen und nennen das dann Total-Look. Das ist nachvollziehbar, Strahlkraft und Know-how, über einzelne Produktgruppen hinaus: Bugatti. doch um damit erfolgreich zu sein, braucht es eine enorm starke Marke.“ Diese Stärke sieht Florian Wortmann bei Bugatti klar gegeben, ebenso wie das nötige Know-how: „Wir verfügen über Historie und Expertise in vielen Produktbereichen, das ist einem Großteil der Menschen in der D-A-CH-Region noch immer nicht bewusst. Beispielsweise macht Outerwear ein Drittel unseres Umsatzes aus. Wir sind stark im Hemd, in Strick, in der Hose und seit Sommer 2025 auch im Anzug. Meine Aufgabe ist es aktuell, all diese Stärken auf einer Fläche zusammenzuführen und so die gesamte Bugatti-Welt erlebbar zu machen.“ Entscheidend seien dabei Emotionen, um echte Markenbindung zu erreichen: „Konsumenten kaufen heute situativ für ihren individuellen Lebensmoment, bei jener Marke, mit der sie sich verbunden fühlen“, erklärt der CBO. „Die klassische Anlasslogik – formell bei Marke X, casual bei Marke Y – verliert an Bedeutung. Marken müssen Menschen in ihrer Lebensrealität abholen. Mit unseren 14 Produktlizenzen sind wir dafür stark aufgestellt.“ Sein Wunsch für die Menswear? „Mehr Mut.“ Die Antwort kommt schnell. „Gerade im D-A-CH-Raum trauen wir uns oft erst Neues, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen und dann wirkt es verkrampft. Ich wünsche mir den Mut, neue Wege zu gehen, auch wenn es gut läuft.“ Von Mut spricht auch Christoph Weller: „Um Endkonsumenten heute zu überzeugen, braucht es den Moment des Unerwarteten. Kommunikation ist dabei essenziell, ebenso wie ein tiefgreifendes Verständnis für die eigene Community. Wir haben erst kürzlich ein neues Membership-Programm gelauncht, mit dem wir viel individueller als noch in der Vergangenheit auf unsere Kunden eingehen können. Dabei werden Money-can’t-buy-Experiences immer zentraler. Heute begeistert man nicht mehr mit Rabatt-Codes. Was wirklich hängen bleibt, ist, wenn es gelingt, Menschen das Gefühl zu geben, dass sie etwas Besonderes sind.“ So gründete die Brand im vergangenen Jahr beispielsweise eine Tennis-Community in Zürich. Durch eine Zusammenarbeit mit dem Zürcher Dolder Grand werden exklusive Experiences ermöglicht. Dass die Investition in Erlebnisse aus Markenperspektive lohnend ist, bestätigte erst kürzlich eine aktuelle Studie von EY: Gemeinsame Experiences steigern die Loyalität deutlich. 83 Prozent der Befragten würden mit hoher Wahrscheinlichkeit kaufen, wenn eine Marke außergewöhnliche Erlebnisse bietet, so die Autoren. 176 style in progress
FASHION
Shared Grounds
SERVING CULTURE
Neue Wege, jedoch abseits des Sports, wählt auch die dänische Brand Woodbird, die für 2026 die Eröffnung ihres ersten Noodleshops ankündigte. Kein klassischer Store, sondern ein Hybrid aus Restaurant, Streetwearstore und Community-Hub. Skandinavisches Design trifft auf asiatische Street-Culture – eine Fusion, die Gründer Chung Wai Cheung durch seine Wurzeln in Hongkong und seine langjährige Fashionerfahrung prägt. Auf der Karte stehen Signature Dishes, ergänzt durch Woodbird-Merch und ausgewählte Kollektionsteile. „In einer Welt, in der alles ständig verfügbar ist, suchen Menschen mehr denn je nach Teilhabe. Gerade deshalb sind Runningund Cycling-Clubs gerade ein so großes Thema und coole Kaffee-Konzepte boomen. Ich habe rund zehn Jahre intensiv mit dem Gedanken gespielt, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, entsprechend ist dieser Schritt für uns gerade ein sehr natürlicher.“ Und einer, der das Leitmotiv der Brand weiter unterstreicht: „People before product.“ Im Mittelpunkt steht die Community, der Mensch. Chung Wai Cheung: „Gerade in der Menswear zählt weniger, wo man einkauft, sondern bei wem. Das spüre ich auch stark bei meinen Freunden, die nicht in der Mode arbeiten: Sie möchten in einem Laden eine Person kennen, das reicht schon, um sich als Teil des Ganzen zu fühlen.“
WHAT ARE WE ALL RUNNING FOR?
Die Perspektive, Teil eines großen Ganzen zu sein, versprechen nicht zuletzt Community-Konzepte wie die eben genannten Running-Clubs. Dabei sind das Ziel der Teilnehmer entsprechender Events selten die zehn Kilometer. Vielmehr geht es darum, in einer Community anzukommen, Menschen zu finden, die die eigenen Leidenschaften und Werte teilen. Sport, Bei Woodbird dient die eigene Marken-DNA als stilistischer Kompass. aber auch Hospitality dienen dabei als Brücken und Verbinder. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass Merch-Artikel gerade einen enormen Boom als Lifestyle-Marker und kulturelle Währung zugleich erleben. Jeder Running- und Cycling-Club, jedes Sportstudio und nahezu jedes Kaffee bietet der eigenen Community T-Shirts, Cappies und Co als Zeichen der Zugehörigkeit. Auch der Modehandel zieht mit: Für Retailer wie Stoy in Kopenhagen fungiert Merch als niederschwelliger Zugang – ein Türöffner in ihre Welt. Kritisch betrachtet drängen sich hier zwei Fragen auf: Läuft die wachsende Merch-Kultur Gefahr, Authentizität durch Marketinglogik zu ersetzen? Führt die allgegenwärtige Präsenz von Merch dazu, dass Gemeinschaft zur reinen Marketingfläche verkommt? Nicht, wenn Communitys auf einem der folgenden Pfeiler aufbauen, ist Business of Fashion Correspondent Lei Takanashi überzeugt: Aktivitäten, Persönlichkeit oder Werte. Im Kern gilt damit, was sich als zentrale These durch die vorangegangenen Absätze zieht. Der Fokus liegt auf dem Menschen und seiner individuellen Lebensrealität. Das Bild vom typischen Mann als homogener Konsument gehört der Vergangenheit an. Wie Männer mit Mode interagieren, folgt keiner festen Formel und keinem linearen Muster mehr. Stammabteilungen oder Baukastensysteme greifen zu kurz, wenn die Zielgruppe aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Lebensstilen und Erwartungen besteht. Moderne Menswear wird heute nicht mehr bloß konsumiert, sie wird gelebt, angereichert durch Zitate aus Sport, Hospitality, Kunst und Kultur. Die Antwort auf die Frage nach der neuen Währung lautet damit wohl: „Everything money can’t buy“. Was nicht gekauft werden kann, ist heute unbezahlbar. 178 style in progress
FASHION
180 style in progress
Shared Grounds
Shared Grounds
FASHION
HOW TO BE SEEN Menswear war früher simpel – oder gab sich zumindest so. Der Anzug fürs Business, Jeans am Wochenende, Sportswear im Gym – klare Regeln, klare Kategorien. Im Verlauf der zurückliegenden Jahre verloren sie ihre Gültigkeit. Heute verschwimmen Silhouetten, Kleidungsstücke wechseln frei zwischen Mens- und Womenswear und Selbstausdruck ersetzt Konformität als treibende Kraft. „Wenn wir Maler wären, würde niemand infrage stellen, welches Medium wir nutzen“, beschreibt es Grant Harvey Dudson, Global Creative Director bei Fever. „Bei Kleidung ist es dasselbe, sie ist ein kreatives Werkzeug, entkoppelt von Geschlechtergrenzen.“ Im Interview sprechen Dudson und Gustav Emil Loft Thomsen, PR Special Project Manager bei NN07, über den aktuellen Zustand der Menswear, in der Stil weniger von Regeln, sondern stärker von Identität geprägt wird, beeinflusst von neuen Vorbildern, dem Wunsch nach Gemeinschaft und der wachsenden Erkenntnis, dass Kleidung heute zunehmend zum Ausdrucksmittel wird. Interview: Lisa Hollogschwandtner. Artwork: Alexander Wells @alexanderwells
style in progress 181
FASHION
Shared Grounds
F
rüher funktionierte die Menswear in strengen Kategorien: formal, casual, Sports. Diese Grenzen haben sich im Lauf der zurückliegenden Jahre zunehmend aufgelöst. Welche großen Veränderungen beobachtet ihr beide im Menswearmarkt und denkt ihr, Männer wurden womöglich auch unterschätzt, indem sie so lange in rigide Schubladen gesteckt wurden?
Grant Harvey Dudson: Ich habe bereits viele Modezyklen kommen und gehen gesehen – ich bin schließlich älter als Gustav. Und es ist fast ironisch, dass vieles, was die Gen Z heute aufregend findet, vor 20 Jahren schon existierte. Oversized Silhouetten zum Beispiel. Damals war ich in einer Hip-Hop-Band und trug Jeans mit einem 40-Inch-Bund, zusammengehalten von einem Gürtel. Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich: Was habe ich mir dabei gedacht? Aber genau das ist Mode. Sie entwickelt sich, kehrt zurück, erfindet sich neu. Für mich baut Mode auf zwei Fragen: Wie willst du gesehen werden und wie willst du dich ausdrücken? Manche Menschen tragen ausschließlich Schwarz. Ich selbst war immer sehr farbenfroh, weil ich den Körper als Leinwand sehe. Kleidung spricht, bevor du es selbst tust. Spannend ist, dass wir heute eine totale Verschmelzung erleben. Saisons, Geschlechter, Kategorien – alles fließt ineinander. Warum sollte ich nicht in die Womenswearabteilung gehen, mich in eine Strickjacke verlieben und sie tragen? Die alten Grenzen funktionieren schlicht nicht mehr, und das ist gut so! Selbstausdruck war nie freier als jetzt. Gustav Emil Loft Thomsen: Da stimme ich zu. Ich betrachte Menswear immer aus zwei Perspektiven: Einerseits aus meinem beruflichen Kontext, durch den ich täglich mit neuen Stoffen, Silhouetten und Ideen konfrontiert werde, und aus der eines Menschen, der privat eher uniform angezogen ist. Ich trage gerne Schwarz, liebe klare Linien und interessiere mich sehr für Konstruktion. Den Gender-Shift, den Grant angesprochen hat, habe ich selbst auch erlebt. Ich habe vor ein paar Jahren begonnen, Pieces aus Womenswearkollektionen zu kaufen, einfach weil die Silhouetten meinem Geschmack stärker entsprachen. Die Hosen hatten das Volumen, das ich selbst gesucht habe – das gab es in der Menswear damals nicht. Heute verschwimmt diese Linie immer stärker. Bei NN07 sprechen wir inzwischen viel darüber, wie wir Frauen in unsere Menswearkampagnen integrieren können, denn Kleidung wird zunehmend genderless. Am Ende geht es darum, wie ein Kleidungsstück aussieht und wie es sich anfühlt, nicht darum, von welcher Seite des Stores es kommt. Das ist ein gesunder und überfälliger Shift. 182 style in progress
Grant Harvey Dudson: Ganz genau. Wenn wir Maler wären, würde niemand hinterfragen, welches Medium wir verwenden. Kleidung funktioniert genauso als künstlerisches Werkzeug, nicht als geschlechtliche Zuschreibung. Mit dem Wegfall alter Grenzen verändern sich auch die Vorbilder, an denen wir uns orientieren. In einer Welt, in der alles möglich ist: Wer verkörpert für euch moderne Menswear? Gustav Emil Loft Thomsen: Das ist interessant, weil ältere Generationen auf diese Frage wahrscheinlich oft mit Ikonen wie Steve McQueen antworten würden – Schwarz-Weiß-Fotos auf einem Boot, dieses zeitlose maskuline Ideal. Meine Generation ist mit anderen Einflüssen aufgewachsen. Als ich mit 14 oder 15 angefangen habe, mich wirklich für Mode zu begeistern, war A$AP Rocky das Vorbild. Er war einer der ersten Männer, die ich in einem Rock sah und er hat ihn getragen, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Wenn ich mit jemandem den Kleiderschrank tauschen könnte, dann mit ihm. Er gibt Menschen den Raum, einfach sie selbst zu sein. Harry Styles oder Jacob Elordi haben in den letzten Jahren ebenfalls viel zu Genderfluidität beigetragen. Dabei geht es weniger um Trends, als um Freiheit. Grant Harvey Dudson: Ich finde es faszinierend, wie experimentierfreudig wir in unseren Teenager- und Zwanzigerjahren sind. Als ich jung war, war vieles, von dem man geträumt hat, einfach nicht zugänglich. Es gab kein Ebay, keine Secondhand-Plattformen, keine Resale-Kultur. Das hat sich stark geändert: Du kannst heute ein Sakko deiner Lieblingsmarke Secondhand kaufen und etwas wirklich Besonderes tragen. Wenn ich an Role Models denke oder an Menschen, die einen eigenen, ganz besonderen Stil besitzen, fällt mir David Beckham ein. Er hat die Menswear definitiv dahingehend geöffnet, mutiger zu sein. Eine persönliche Inspiration für mich ist und bleibt Steve Edge. Er war mit 18 Art Director für Star Wars, ist wegen Dyslexie erst mit 14 in die Schule gekommen und hat ein wirklich außergewöhnliches Leben geführt. Sein Motto lautet: „Dress for the party and the party will come to you.“ Seine Flamboyance ist authentisch. Er hat mir beigebracht, wie kraftvoll Kleidung darin ist, die für dich richtigen Menschen anzuziehen. Wenn du dich so kleidest, wie du bist, sortiert sich ein Raum schnell – und das ist gut. Du verschwendest keine Zeit mit den falschen Leuten. Wenn Stil zunehmend persönlicher wird, drängt sich für mich folgende Frage auf: Wählen Männer Marken heute nicht nur nach Ästhetik, sondern auch nach Werten? Gustav Emil Loft Thomsen: Das ist für mich nicht so einfach zu beantworten. Es gibt Marken, die ich liebe, von denen ich kaum etwas darüber weiß, was hinter den Kulissen passiert. Werte zeigen sich meist
PREMIUM FASHION MODEAGENTUR
13 - 16 JANUARY 2026 PITTI IMMAGINE UOMO FLORENCE
AGENCY FOR AUSTRIA & GERMANY: DIE HINTERHOFAGENTUR
WWW.PREMIUM-FASHION.CH
- PADIGLIONE CENTRALE -
WWW.DIEHINTERHOFAGENTUR.DE
AGENCY FOR SWITZERLAND:
STAND J/2-4 WWW.BOBCOMPANY.IT
FASHION
Shared Grounds
in einem Commitment zu Handwerkskunst oder zur eigenen Community, selten in politischen Statements. Ich würde es eher so ausdrücken: Ich kaufe Marken nicht wegen ihrer Werte, aber ich vermeide sie, wenn ihre Werte problematisch sind. Wenn eine Marke beispielsweise diskriminierend agiert, unterstütze ich sie nicht. Aber generell denke ich, dass Menschen sich mit Marken über Produkte verbinden, nicht über Manifeste. Grant Harvey Dudson: Das sehe ich genauso. Marken kommunizieren ihre Werte oft nicht klar genug, um als echte Entscheidungsgrundlage zu dienen. Am Ende bleibt es instinktiv: Wenn sich etwas gut anfühlt, trägst du es. Trotzdem sollten wir uns bewusst sein, wie stark Kleidung kommuniziert. Ein Piece mit einer großen amerikanischen Flagge von Ralph Lauren kann je nach Kontext unterschiedlich gelesen werden. Kleidung trägt Bedeutungen, ob wir wollen oder nicht. Gustav Emil Loft Thomsen: Absolut. Bei NN07 sind unsere Werte eng mit Produkt, Storytelling und Community verknüpft. Ich glaube das gilt für den Großteil der Menswear-Brands. Apropos Community: Es gibt einen Trend, über den ich gerne mit euch sprechen möchte: Running- und Cycling-Clubs sind überall. Was treibt den Hype eurer Meinung nach an? Grant Harvey Dudson: Formate dieser Art bieten Marken die Möglichkeit, zu zeigen, wofür sie stehen, ohne Werbung im klassischen Sinn. Der Nike-Stéphane-Ashpool-Basketballplatz in Paris ist ein großartiges Beispiel. Keine Logos, nur ein Raum für Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft. Es ging nicht um Produktverkauf, sondern um Verbindung. Wenn es einer Marke gelingt, solche Verbindungen zu schaffen, sieht man sie mit anderen Augen. Sie wird zu einer Welt, zu der man gehören möchte. Gustav Emil Loft Thomsen: Ich lebe in einer Stadt mit unzähligen Running- und Cycling-Clubs und sehe, wie sich Menschen durch solche Erlebnisse mit Marken verbunden fühlen. Sie finden Freunde, treffen Gleichgesinnte, spüren Zugehörigkeit. Zudem ist auch der Networking-Aspekt nicht zu vernachlässigen – man könnte sagen, diese Clubs sind die neuen Golfplätze. Marken schaffen den Einstieg, die Menschen die Kultur. Aber warum ist der Wunsch nach Zugehörigkeit heute so viel stärker als früher? Gustav Emil Loft Thomsen: Wir sind von Content übersättigt. Endloses Scrollen, endlos Marken, die um Aufmerksamkeit kämpfen – das kann entfremden. Physische Touchpoints werden dadurch essenziell. Für Konsumenten ist es eine Rückkehr in die reale Welt. Für Marken eine Chance, echte Erlebnisse zu schaffen. 184 style in progress
Grant Harvey Dudson: Und es gibt etwas Neutrales an diesen Gruppen. Politik, Ideologie, Background – all das fällt weg. Man ist einfach da, um zu laufen oder zu radeln. Es geht um menschliche Verbindung in Reinform. Die Marke fungiert als Brücke und bringt Menschen da zusammen, wo aufgrund der Digitalisierung sonst oft ein Gefühl der Isolierung herrscht. Grant, du arbeitest bei Fever an groß angelegten Experiences. Werden Erlebnisse in Zukunft wichtiger als Produkte oder braucht es die Kombination? Grant Harvey Dudson: Eine spannende Frage. Ich bin überzeugt, dass Produkte zentral bleiben. Sie sind letztlich der Kern jedes Unternehmens. Aber die Art, wie sie positioniert werden, verändert sich. Menschen möchten zunehmend in eine Welt einzahlen, nicht in ein einzelnes Produkt. Deshalb befindet sich Retail, den viele für tot erklärt haben, heute im Wandel. Immersive Markenerlebnisse, die Identität spürbar machen, sind für mich die Zukunft. Ein Projekt, das ich vor Fever betreut habe, war eine immersive Experience für Johnnie Walker Blue Label. Junge Konsumenten denken häufig, sie mögen keinen Whisky, schlichtweg, weil ihre erste Erfahrung damit negativ war. Also führten wir sie multisensorisch an die Marke heran, sogar mit einem eigenen Duft, der die „One in 10.000“-Story erzählte, bevor jemand einen Schluck nahm. Wenn sich Menschen emotional mit einer Marke verbunden fühlen, verändert das alles. Experiences sind also entscheidend, aber erst in Kombination mit dem Produkt entsteht Bindung. Wenn wir über Retail sprechen: Wie sollte für euch der Menswearstore der Zukunft aussehen? Grant Harvey Dudson: Ich habe vor ein paar Jahren ein Projekt für eine Brand namens Ufos – eine Recovery-Trainer-Marke – umgesetzt. Sie waren beim Boston Marathon präsent und wollten mehr StoreTraffic. Ich bin großer Fan von art-led Design: Kunst zieht Menschen an, macht neugierig, inspiriert. Also bauten wir eine riesige Installation aus Mini-Sneakern mit Licht – mitten im Store. Die Neugier war unglaublich. Leute dachten, es sei ein Apple Store. Solche Erlebnisse erlauben es Marken, Menschen in ihre Welt einzuladen. Wenn es gelingt, über diese Touchpoints zu begeistern, werden Kunden zu Multiplikatoren, die die Geschichte der Brand aus ihrer Perspektive weitererzählen. Für mich hat sich die Dynamik in der Mode grundlegend verändert: Marken diktieren Identität nicht mehr, sie motivieren Menschen dazu, Stil wirklich persönlich zu interpretieren. Gustav Emil Loft Thomsen: Ich stimme Grant völlig zu: Retail sollte immer erlebnisorientierter werden. Ein Store ohne echte Begrüßung, dicht gedrängte Kleiderstangen, endlose Optionen – das braucht heute niemand mehr. In einer Welt, in der online
thenimstandard
MÜNCHEN Showroom
KOMET UND HELDEN GmbH Severin Soller
Ph.: +49 151 16 89 8506 severin.soller@kometundhelden.de
DÜSSELDORF Showroom
KOMET UND HELDEN GmbH Niklas Rill
Ph.: +49 176 62869911 niklas.rill@kometundhelden.de
FASHION
Shared Grounds
alles jederzeit verfügbar ist, muss stationärer Handel neue Wege gehen, um zu begeistern. Deshalb ist es aus Markenperspektive wichtiger als jemals zuvor, die „Full Journey“ der Kunden im Blick zu behalten: Vom Moment, in dem sie den Store betreten, zu den Wegen, die sie im Store zurücklegen bis zu dem, was bleibt, wenn sie den Laden verlassen haben. Die Qualität der Customer Journey wird darüber entscheiden, wie wir in Zukunft einkaufen. Deshalb investieren wir bei NN07 stark in Retail. Unsere Stores performen hervorragend, neue eröffnen in New York, London und Kopenhagen. Wir arbeiten mit einem großartigen Architekturteam, das Räume schafft, die wirklich unser Universum widerspiegeln. Wenn Menschen unsere Stores betreten, sollen sie nicht nur Kleidung sehen – sie sollen spüren, wofür NN07 steht. Eine Sache, die ich gerne noch ergänzen möchte, ist folgende: Wir sollten uns ein bisschen vom Fokus auf Conversion Rates entfernen. Auch Menschen, die nichts kaufen, können später – online oder offline – zu Kunden werden.
Grant Harvey Dudson: Ich sehe das genauso. Stockholm hat mich bei meinem letzten Besuch wirklich sprachlos gemacht. In einem Store – quasi dem Harrods von Stockholm – habe ich einige der stärksten, kreativsten Kleidungsstücke entdeckt, die ich je gesehen habe. Die Farben, der kreative Anspruch, die Perfektion in Schnitt- und Linienführung – diese Art von Ästhetik bleibt. Aber um noch näher auf deine ursprüngliche Frage einzugehen, Lisa: Wenn wir nach Schanghai, Seoul und ähnliche Städte blicken, sind diese gerade im Kontext von Experiential Retail weit voraus. Die Budgetgrößen, der Mut in der Umsetzung – da kann Europa nicht mithalten. Dennoch: Produktseitig stimme ich Gustav in jedem Fall zu.
Grant Harvey Dudson: Absolut. Die Ufos-Installation erzeugte beispielsweise riesige Neugier und die Verkäufe stiegen um über 1.200 Prozent. Menschen kamen wegen des Erlebnisses; das Produkt folgte danach. Für mich funktioniert Retail am besten, wenn er Menschen dazu bringt, sich mit einer Marke auseinanderzusetzen, sie zu erleben und sich mit ihr zu verbinden.
Eine letzte Frage zum Schluss – ich finde sie macht Spaß: Stellt euch vor, ihr beide würdet eine Dinnerparty veranstalten. Eingeladen wird ausschließlich nach Style. Wer bekommt eine Einladung und warum?
Braucht es für solche Erlebnisse große Budgets?
Nur der Style – und am besten fokussieren wir uns auf Menswear.
Grant Harvey Dudson: Nur wenn man Dior oder Louis Vuitton heißt. Für alles andere braucht man gute Ideen, keine großen Etats. Die Ufos-Installation war beispielsweise überhaupt nicht teuer. Für die Installation haben wir das Produkt der Marke – die Schuhe – als Bausteine verwendet. Das Ergebnis war visuell stark, ohne das Budget zu sprengen. Also nein, man braucht keine riesigen Mittel, nur kluge Ideen. Ihr reist beide viel. Gibt es Tendenzen oder Trends, die ihr in anderen Teilen der Welt beobachtet, die in Europa noch nicht angekommen sind, aber die Zukunft der Mode, im Speziellen der Menswear, prägen könnten? Gustav Emil Loft Thomsen: Wenn wir über Mode sprechen, dann bleibt Europa für mich – abgesehen von Japan – das Epizentrum, in dem Dinge entstehen. Das spüre ich immer wieder, wenn ich in die USA reise. Besonders der skandinavische Stil, der für Minimalismus, Präzision und Klarheit steht, hat auch global eine enorme Strahlkraft. Selbst bei meiner zweiwöchigen Reise nach Japan letzten Herbst waren Menschen ehrlich begeistert, wenn sie über skandinavische Mode gesprochen haben. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber Europa bleibt für mich definitiv stilprägend. 186 style in progress
Gustav Emil Loft Thomsen: Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass auch produktseitig Südkorea und Japan Lichtjahre voraus sind, wenn es um Experimentierfreudigkeit geht. Aber wenn wir über zeitlose Mode, verlässliche Ästhetik und Qualität sprechen, dann hat Europa weiterhin eine immense Bedeutung.
Gustav Emil Loft Thomsen: Zählt wirklich nur der Style, oder auch, neben wem man gerne sitzen würde?
Grant Harvey Dudson: Ich wollte Lady Gaga im Meat-Dress einladen, aber das zählt wohl nicht zu Menswear. Außer Gustav trägt es. (lacht) Aber um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: definitiv Steve Edge, David Beckham und Brad Pitt. Brad hat gerade einen echten Style-Moment – die Farben, die Silhouetten, der Mut zu experimentieren. Ich habe ihn noch nie so gut angezogen gesehen. Gustav Emil Loft Thomsen: Da bin ich bei dir. Bei Brad Pitt und Andrew Garfield tut sich gerade viel im positiven Sinne. Ich würde A$AP Rocky einladen und er darf Riri als Plus One mitbringen! Die beiden heben jede Party auf das nächste Level.
FASHION
Shared Grounds
GUSTAV EMIL LOFT THOMSEN 1
Gustav Emil Loft Thomsen, 26, ist PR Special Project Manager bei NN07 und bringt bereits zehn Jahre Erfahrung in der Modebranche mit. Von Beginn an faszinierte ihn, wie Marken Geschichten erzählen und Identität vermitteln – ein Interesse, das seine Arbeit bis heute prägt. Als gebürtiger Kopenhagener schöpft Gustav Inspiration aus der urbanen Vielfalt seiner Stadt. Er erkundet die lokale Restaurantszene, verbringt Zeit mit Freunden und erweitert kontinuierlich seinen kulturellen Horizont. Sein Interesse reicht weit über Mode hinaus: Kunst, Film und eine Vielfalt kultureller Strömungen fließen in seine Arbeit ein und beeinflussen seine Perspektive auf Markenkommunikation und Stil. Für Gustav ist Mode mehr als Produktpräsentation. Sie ist Ausdruck von Persönlichkeit und Teil eines größeren Dialogs zwischen Identität, Kreativität und Gemeinschaft. In seiner Rolle verbindet er strategische Kommunikation mit einem feinen Gespür für Narrativ und Ästhetik und schafft so Perspektiven, die Menschen ansprechen und einladen, sich selbst in der Marke wiederzufinden. @gustavemilloft
2
3
1 Mit 26 Jahren bereits eine feste Größe in der Modebranche: Gustav Emil Loft Thomsen ge staltet Narrativ und Identität bei NN07. 2 Immer unterwegs, immer im Austausch – hier auf der Copenhagen Fashion Week. 3 Ikonisches Design, durchdachte Kooperation: Gustav Emil Loft Thomsen denkt Partnerschaften neu – wie bei den NN07 + SEBAGO Docksides. 4 Tradition in modernem Kontext: Die Kollabora tion von NN07 mit Fracap spiegelt Gustavs Blick für Handwerk und Ästhetik wider.
188 style in progress
4
FASHION
Shared Grounds
GRANT HARVEY DUDSON 1
Grant Harvey Dudson ist Global Creative Director bei Fever, wo er die kreative Arbeit von Fever Originals, der Experience-Abteilung des Unternehmens, leitet. Sein beruflicher Background umfasst erlebnisorientierte Kampagnen und immersive Kunstinstallationen. Er begann seine Karriere mit groß angelegten ProjectionMapping-Shows für Marken wie Ralph Lauren und Ferrari und entwickelte anschließend Konzepte wie „The Deezer Bandwagon“ und einen maßgeschneiderten interaktiven Dancefloor für HPs Kampagne „Bending The Rules“, gefolgt von immersiven Kunstinstallationen für Unternehmen wie Ford, Tudor und Macallan. Technologie und Innovation stehen im Zentrum seiner Arbeit, stets mit dem Ziel, etwas zu schaffen, was die Welt so noch nicht gesehen hat. Fünf Jahre lang leitete er die globale kreative Umsetzung von Experience-Kampagnen für Johnnie Walker Blue Label und Black Label bei der Kreativagentur Chorus. Heute umfassen seine Projekte „Dopamine Land“ – eine multisensorische Welt – sowie Festivals und Drohnenshows, alle live und darauf ausgelegt, das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Außerhalb der Arbeit sucht Dudson aktiv nach Herausforderungen und einzigartigen Gelegenheiten. Vor zwei Jahren nahm er sogar an einem Cage Fight teil, gewann den Kurzgeschichtenwettbewerb von Yahoo und spielte in der dritten Staffel von „The Crown“ eine kleine Rolle als Hugo. Sein Motto: „Das Leben wird durch die Geschichten definiert, die man am Ende zu erzählen hat.“ Fehler schnell zu machen, Unvollkommenheit zu akzeptieren und konsequent die eigene Komfortzone zu verlassen, sind die Prinzipien, nach denen der Kreative lebt. @grantedaccess
2
3
1 Im „Dopamine Land 2.0“ führt Grant Harvey Dudson Besucher mit der „Cave of Tactility“ auf eine multisen sorische Reise jenseits des Alltags. 2 Der Kreative erachtet Mode als kraftvolles, persön liches Ausdrucksmittel: „Nie zuvor war die Zeit besser, um Individualität durch Kleidung zu zeigen.“ 3 Es sind die Geschichten, die man erlebt, die ein Le ben definieren, ist Grant Harvey Dudson überzeugt. 4 Für den Künstler und Creative Director ist Kunst gleichermaßen kreatives Ventil und Quelle endloser Inspiration. 5 Sein umfangreiches Know-how hat Grant Harvey Dudson im Laufe seiner Karriere durch globale Projekte und immersive Installationen aufgebaut. Heute teilt er es wie hier beim APCC Summit 2025 in Portugal.
190 style in progress
5
4
Less, but bet ter. Dieter Rams
FA L L I N T O W I N T E R 2 0 2 6 Astorflex Bæstmor Coldbreaker Edmmond Homecore Il Bisonte La Mariole Le Mont Saint Michel OAS Pantherella Portuguese Flannel Pyrenex Rivieras Sanders Schott NYC Visit Vo l v e r 1 9 7 9
ffbymg.com • backoffice@ffbymg.com • +49 170 98 90 720
FASHION
Shared Grounds
Kristof Risse hat vollen Fokus auf das Wachstum der Marke Bogner.
Bogner
OUTSTANDING LIFESTYLE
Pre-Kollektion Herbst/Winter 2026: sportliche Silhouetten, die Qualität und Zeitlosigkeit ausstrahlen.
192 style in progress
Bogner kehrt auf die Menswearmesse Pitti Uomo in Florenz zurück. Mit welchem Anspruch? Kristof Risse, Chief Commercial & Marketing Officer: Mit der Rückkehr auf den Pitti Uomo unterstreichen wir unseren Anspruch, die Marke Bogner international weiter zu stärken. Bereits im August haben wir angekündigt, gemeinsam mit unserem Partner Katjes International weiter in die Internationalisierung zu investieren. Als ikonische Modemesse für Herrenmode ist der Pitti Uomo dafür der ideale Ort und ein deutliches Zeichen in der internationalen Modeszene. Bogner generiert derzeit nachhaltiges Umsatzwachstum. Was macht die Marke aus? Bogner steht im Kern für sportive Eleganz und die Verbindung aus Sport und Mode. Die Marke vereint ihre starke Heritage aus dem Skisport mit hochwertiger Ready-to-Wear und schafft so eine einzigartige Fusion aus Tradition, Performance und modernem Luxus. Diese Kombination aus funktionaler Expertise und stilprägender Mode macht Bogner unverwechselbar. Wie präsentiert sich die Bogner-Menswear 2026 auf dem Pitti? Bogner präsentiert die wichtigsten Menswearlooks aus beiden Linien – Ready-to-Wear und Active Sports – und macht so die gesamte Bogner-Welt erlebbar. Die Ready-to-Wear Menswearkollektion widmet sich intensiv dem Thema Stoffe. Sie setzt auf außergewöhnliche Oberflächen, besondere Haptiken und Materialkombinationen, die sowohl technisch als auch emotional überzeugen. Die Silhouetten bleiben bewusst reduziert und sportlich inspiriert. Gleichzeitig verleihen die Materialien den Looks eine neue Tiefe. Sie bieten dezente PerformanceFeatures, sind funktional und vermitteln eine selbstbewusste, zeitlose Haltung. Ein zentrales Thema sind strukturierte Materialien, sowohl gewebt als auch gestrickt. Besonders wichtig ist dabei die Chevron-Struktur, die von klassischem Fischgrät bis hin zu markanten Körperbindungen reicht und die Stoffe visuell wie haptisch in den Fokus rückt. Gemeinsam erzählen diese Materialien eine Geschichte von Qualität, Präzision und einer Materialinnovation, die beeindruckt. www.bogner.com
FASHION
Shared Grounds
Sublime
VERLÄSSLICHKEIT STATT TREND
Lukas Höller und Karin Egger stehen mit Sublime in Bozen für gute Dinge.
Was zeichnet Sublime aus? Lukas Höller, Inhaber Sublime: Sublime war für uns nie ein geplantes Konzept, vielmehr ist der Store aus unseren eigenen Interessen entstanden. Meine Frau Karin und ich haben ihn gemeinsam gegründet und setzen seit dem Start bewusst auf kleine Labels mit Geschichte und Produkte, die echten Wert haben. Unsere Passion für gute Dinge verbindet uns mit den Marken, mit denen wir arbeiten. Wie begeistert man Menswearkunden heute? Wer uns entdeckt, den begeistern wir vor allem im Laden – und das spricht sich weiter herum. Wir sprechen Menschen an, die Sinn für ausgewählte, hochwertige Kleidung und Accessoires haben, und überzeugen sie mit einem sorgfältig kuratierten Sortiment. Trotz unserer starken Onlinepräsenz (Anm.: über 35.000 Follower auf Instagram) glaube ich fest daran, dass der stationäre Handel den Unterschied macht. Welche Trends seht ihr für 2026 und darüber hinaus? Wir sagen oft, wir machen nicht „richtig“ Mode. Wir setzen auf hochwertige Klassiker: die gute Jeans, den rahmengenähten Schuh, schönen Strick. Die Marken, die wir anbieten, stehen für Verlässlichkeit statt kurzlebiger Trends. Wir beobachten, dass in der Menswear die Volumen gerade etwas großzügiger werden und dass die Kunden eine neue Freude an Klassik entwickeln. So viele junge Menschen wie noch nie kommen auf der Suche nach dem richtigen Penny Loafer zu uns. @sublime_bolzano
Cellar Door
CONTEMPORARY TAILORING Cellar Door wurde 2015
von Filippo Bettanin gegründet. Als Teil des Familienunternehmens Vetta Srl, das Bettanins Großvater in den frühen 1970er-Jahren aufbaute, ist Produktexpertise tief in der Marken-DNA verankert. Vetta Srl produziert für zahlreiche Luxusmarken hochwertige Hosen in Italien. Bei Cellar Door liegt der Fokus auf der Verwendung edelster Materialien, die mit innovativen Techniken in minimalistisch-japanischer Stilistik gefertigt werden. Im Sommer wurde zum ersten Mal eine Frauenlinie vorgestellt. In Deutschland und Österreich erfolgt der Vertrieb über die Agentur von Jeremey McAlpine. Kunden sind u. a. Andreas Murkudis, Apropos, Bungalow, Macondo, Calico, United Arrows, Isetan, Takashimaya oder Rendez Vous. www.cellardoorofficial.com
Die Fusion von italienischer Schneiderkunst und japanischer Schlichtheit.
style in progress 193
FASHION
Shared Grounds
Hiltl
REALNESS ALS DNA
Herr Grönlund, mit welchem Gefühl starten Sie in die kommende Orderrunde?
Thorsten Grönlund, CEO Hiltl: Mit Zuversicht. Wir haben in den vergangenen Monaten zahlreiche strategische Maßnahmen angestoßen, die sich als erfolgreich erwiesen haben. Nun geht es darum, diese Ansätze konsequent weiterzuentwickeln und in der neuen Orderrunde noch breiter auszurollen.
Diese Ausgabe steht unter dem Titel Realness. Welche Gedanken verbinden Sie mit diesem Begriff?
Realness wird aus meiner Sicht zu einem zentralen Bedürfnis – gerade in Zeiten perfektionierter und inszenierter Bildwelten. Die jüngeren Generationen suchen nach Authentizität: nach echten Erlebnissen, glaubwürdigen Bildern und Geschichten, die auch Unvollkommenheit zulassen. Perfektion schafft Distanz, während Echtheit Identifikation ermöglicht. Für uns als Tradionstionsunternehmen mit einer 70-jährigen Geschichte ist diese Haltung seit jeher Teil unserer DNA.
Worauf dürfen sich Ihre Kunden in der nächsten Saison freuen?
Der Silhouettenwandel ist deutlich spürbar. Entspannte Passformen, Bundfalten und ein insgesamt angezogeneres Erscheinungsbild setzen sich durch. Farbigkeit kehrt zurück – zunächst in erdigen Tönen, perspektivisch kräftiger. Und an Braun führt kein Weg vorbei! www.hiltl.de
Entspannte Silhouette mit Schliff: Hiltl.
Dressler
STARKER SPIRIT Die Golden Twenties spielen für Dressler eine große Rolle. Wie prägt diese Heritage das Heute?
Thomas Jaeger, Managing Director Dressler: 1929 war ein Jahr voller Aufbruch – international, kulturell, energetisch. Genau diesen Spirit holen wir ins Jetzt. Unsere Wurzeln geben uns Klarheit, Ehrlichkeit und Mut. Wir übersetzen das Unternehmerische von damals in moderne Menswear: Premium, elegant und zugleich unkompliziert.
Was bedeutet diese Haltung konkret für die kommende Saison?
Männer dürfen sich auf authentische, wertige Looks freuen: starke Passformen, hybride Sakkotypen, neue Hosenbilder, Wolloptiken. Unsere Total-Looks werden durch die Outerwear komplettiert, in denen auch Leder als kraftvolles Stilelement das Gesamtbild prägt. Wir bleiben unserem Kern treu und öffnen gleichzeitig Raum für Neues.
Wie würdest du die Stimmung bei Dressler zum Start in die neue Saison beschreiben?
Premium und zugleich unkompliziert: Dressler.
194 style in progress
Wir sind ein kleines Team, mit enormem Spirit. Diese Energie spüren auch unsere Kunden. Trotz eines herausfordernden Marktes bekommen wir starkes Feedback. Das motiviert uns und bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. www.dressler1929.com
Shared Grounds
FASHION
Weite setzt sich fort – farblich neu interpretiert.
Alberto
VIELSEITIG, NIEMALS VERKLEIDET
Marco Lanowy, seit 2005 Geschäftsführer für die Bereiche Retail, Sales und Marketing.
Marco, welche stilistischen Bewegungen prägen derzeit den Mann über 35? Marco Lanowy, Geschäftsführer Alberto: Viele realisieren gerade, wo sie sich in der Vergangenheit vielleicht verkleidet haben. Es entsteht eine Rückbesinnung auf ehrliche Lieblingsstücke, auf Lässigkeit, aber mit Anspruch. Materialien erzählen vor diesem Hintergrund wieder Geschichten. Eine weite Hose aus französischer Wollmischung steht für Eleganz, für Party, dasselbe Modell in gewaschener Baumwolle hat eine ganz andere Story. Worauf setzt ihr mit der Kollektion für Herbst/Winter? Wir schärfen über Materialität, nicht über Preislagen. WoolMix-Qualitäten führen wir in neuen Farben und Silhouetten weiter, der Preppy-Gedanke bleibt, aber tragbarer. Entscheidend ist immer die Balance: vielseitig, aber niemals verkleidet. Woher kommt dieser noch stärkere Fokus aufs Material? Der Wunsch nach Wertigkeit ist enorm. Unser Konzept der Touchable Pants steht seit jeher dafür: Materialien, die man fühlen will, die man gerne trägt. Das wirkt sich auch auf den Lebenszyklus aus. Unser Anspruch ist es, Lieblingsstücke zu kreieren, die langfristig relevant sind. www.alberto-pants.com style in progress 195
EDITOR'S PICKS
Shared Grounds
Be My Friend
IN SOAP WE TRUST! Be My Friend wurde 2015 von der Österreicherin Petra Schröckeneder in Salzburg mit der Mission gegründet, hochwertige, rein pflanzliche Hautpflegeprodukte, die zugleich für verschiedene Zwecke verwendbar und kombinierbar sind, anzubieten. Im (Mode-)Handel zählen Kerzen, Seifen und Lotions mittlerweile zu den Bestsellern. Doch das Sortiment reicht weiter: Pflegeprodukte wie das Bart- und Gesichtsöl zeigen das kosmetische Knowhow des Labels. Mit Mandel-, Traubenkern- und Süßmandelöl verbindet es Schutz, intensive Nährstoffe und einen puristischen Ansatz und entspricht damit ganz der Mission von Be My Friend: Einfache, ehrliche Produkte zu bieten, die Haut maximal pflegen und dabei minimal belasten. @besoapmyfriend
J∞quality
IT’S „JAPAN QUALITY“ Julian Schock
PRECISION AND FORM Julian Schock gehört zu den spannendsten jungen Stimmen der österreichischen Modeszene. Der Wiener Designer, Schnittmacher und Kostümbildner für Film und Theater entwickelt in seiner neuen Kollektion die konzeptuellen Ansätze seiner Abschlussarbeit weiter: eine präzise Untersuchung von Form, Handwerk und Konstruktion. Mit dem Startstipendium Mode der Austrian Fashion Association ausgezeichnet, konnte Schock seine detailorientierte, experimentelle Ästhetik weiter schärfen. Die aktuelle Kollektion wurde im AFA Showroom präsentiert und zeigt eine Position, die technische Präzision mit moderner, performativer Leichtigkeit verbindet. @schockito ©Olesya Parfenyuk
196 style in progress
Das Projekt J∞quality, initiiert vom Japan Apparel Fashion Industry Council, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Nachfrage nach japanischer Bekleidung zu stärken und die Wiederbelebung traditioneller Textilregionen zu unterstützen. Es steht für das Streben nach „unendlicher Qualität“, transparenter Fertigung und Handwerkskunst. Als Gemeinschaftsprojekt vereint J∞quality zwölf zertifizierte Fabriken in ganz Japan, die ihre jeweils besondere Expertise einbringen. Unter der kreativen Leitung von Masato Koyama und mit Hirofumi Kurino als Berater entsteht auf Basis einer einheitlichen Designlinie eine Plattform, die japanische Fertigungskompetenz und Qualität gemeinsam sichtbar macht. www.jqfactorybrand.com
EDITOR'S PICKS
Shared Grounds
Norse Projects
GOOD FOR ALL SEASONS
Hed Mayner
Created for life – good for all seasons. So lautet der Anspruch des 2004 gegründeten Labels aus Kopenhagen, das für funktionale und minimalistische Menswear im besten skandinavischen Sinne steht. Für Produkte mit bleibender Relevanz wird auf eine projektartige Arbeitsweise gesetzt, oft in Kollaboration mit Brands wie Omnium, New Balance oder Adidas. „Neben der Qualität unserer eigenen Kleidungsstücke prägt gerade die Zusammenarbeit mit Partnern die Einzigartigkeit von Norse Projects“, sagt Wholesale Area Manager Jonas Kjær. „Bestes Beispiel ist unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Marke Paraboot, mit der wir in den nächsten zwölf Monaten drei neue Modelle auf den Markt bringen werden.“ www.norseprojects.com
OVERSIZED ELEGANCE In einer kreativen Familie aufgewachsen – seine Mutter Malerin, sein Vater Metallarbeiter – entwickelte Hed Mayner früh ein feines Gespür für Materialien und Form. Mit 16 begann er, mit Leder, Schmuck und dem Nähen per Hand zu experimentieren, und entdeckte seine Leidenschaft für Schnitt und Tailoring. Am Institut Français de la Mode verfeinerte er seine Technik und formte eine Ästhetik, die präzise Schneiderkunst, formale Freiheit und Authentizität vereint. Sein Label zeichnet sich durch großzügige Volumina, fließende Stoffe und besondere Kon struktionen aus, klassische maskuline Silhouetten stehen mit moderner Sinnlichkeit im Dialog. Er ist als Guest Designer Teil des Pitti Uomo No. 109. @hedmayner
Atie
FOUNDED BY FRIENDS Die Neuinterpretation des Seidentuchs hat einen Namen: Atie. Von Laura Engelmann, Cornelia Moser und Franziska Reisetbauer 2024 gegründet, verleiht das Label dem Klassiker ein zeitgeistiges Update – getragen von Kreativität und der Lust auf Neues. „Wir sind überzeugt, dass Mode Spaß machen, Selbstvertrauen schenken und den Alltag bunter gestalten soll!“, so die drei Oberösterreicherinnen. Jedes Tuch ist dabei Ausdruck der Freundschaft der Gründerinnen, erzählt von ihrer Verbundenheit, gemeinsamen Erlebnissen oder täglichen Abenteuern – und ist selbstverständlich unisex gedacht. Designt wird in Österreich, produziert in Italien – ausschließlich aus reiner Seide. www.wear-atie.com, @wear.atie
style in progress 197
LASTING LAYERS
Die kreative Welt befindet sich in einer Phase der stillen Neuausrichtung und mit ihr auch die Womenswear. Laute Inszenierung weicht dem Fokus auf das Wesentliche; Sehnsucht nach Echtheit und greifbarer Substanz prägt Designs, die Bestand haben, wenn der Trend verblasst. Mode wird unter diesen Vorzeichen zum Dialog zwischen Emotion und Werten, geprägt von Langlebigkeit und Ehrlichkeit.
Made to matter
FASHION
Dorothee Schumacher
style in progress 199
FASHION
Für Christian Wijnants ist das Material sinnliches Erlebnis, das Überraschungs momente in sich birgt.
200 style in progress
Made to matter
FASHION
MADE TO MATTER Lange war Mode der direkteste Weg zur Selbstinszenierung. Doch das Spiel ist heute ein anderes: Frauen, die früher in IT-Bags investierten, gönnen sich heute lieber ein Wochenende im Spa oder den Tisch im Lieblingsrestaurant. Hat die Mode also ihren Platz im Leben verloren? Wie gilt es, sich unter diesen Vorzeichen neu zu positionieren? Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Marken
style in progress 201
FASHION
Clean in der Aussage, sicht bare Quali tät: Kiltie aus Italien.
Made to matter
W
as ist wichtiger? Wollmantel oder Wellness? Langsam und stetig hat sich ein Wandel vollzogen. „Das Interesse von Frauen hat sich definitiv verlagert; weg von reinen Produkten, hin zum Thema Lifestyle“, beobachtet Andrea Gallieri, Head of Design bei Aspesi. „Selbst Frauen, die sich Teures leisten können, verschieben ihre Prioritäten und suchen das Besondere.“ Heute investieren viele Konsumentinnen lieber in Erlebnisse als in Kleidung. „City-Trips zu ShoppingDestinationen werden vom Yoga-Retreat in den Bergen abgelöst“, weiß Theresa Steinbacher, Mitgründering des Cashmere-Labels Warm Me. „Im Mittelpunkt steht die Selbstoptimierung. Das ‚Ich in meiner bestmöglichen Ausgabe‘ ist das Mindset, das viele Konsumentscheidungen prägt. Es braucht echten Mehrwert – für mich selbst.“ Heute werden auf Instagram Momente inszeniert. Das zeigt ein neues Selbstverständnis, das in einer Welt aus digitalem Dauerinput und künstlicher Intelligenz nur umso nachvollziehbarer ist: Je mehr Kommunikation über Bildschirme läuft, desto wertvoller wird das reale Erleben. Reisen, Wellness, Sport, Clean Eating, Clean Beauty – sie alle haben der Mode den ersten Platz im Konsum-Ranking streitig gemacht. Das verfügbare Budget wird heute anders verteilt. Dahinter steckt der Wunsch nach Essenz, nach etwas Echtem und dem zutiefst persönlichen Bedürfnis, sich selbst etwas Gutes zu tun. „Das Wie des Konsums hat sich grundlegend verändert“, bestätigt Warren Guetta, CEO von Margaux Lonnberg. „Das eigene Wohlbefinden ist für die moderne Frau essenziell geworden.“
END OF THE BUBBLE
Dass Mode nicht mehr automatisch an erster Stelle steht, wenn es ums Geld ausgeben geht, ist auch ein Stück weit hausgemacht. Überzogene Preise, schwankende Qualität und ständige Sales haben Vertrauen gekostet. Besonders im Luxussegment seien Exklusivität und Identität ein Stück weit verloren gegangen, so Andrea Gallieri. „Lasst uns im Premiumsegment nicht die Fehler der Luxusbranche wiederholen, die eine Blase aufgebaut hat. Jetzt sind wir am Ende dieser Blase angekommen. Mode wird weiterhin gekauft, aber mit einem anderen Mindset. Die wachsende Nachfrage nach Secondhand- und Pre-LovedMode zeigt, dass die Konsumentinnen etwas Besonderes, Individuelles haben wollen, das sie repräsentiert. Auch wir als Marke müssen echten Mehrwert bieten und Gründe liefern, warum unser Produkt überhaupt relevant ist.“ Qualität ist dabei der naheliegendste Schlüssel. „Frauen suchen vermehrt nach zeitloser Kleidung, die hochwertig, bequem und langlebig ist“, führt Warren Guetta aus. „Das ist unser Antrieb für die Kollektion Margaux Lonnberg, und unser Erfolg gibt uns recht.“ Auch Carlo Soffiantini, CEO der 202 style in progress
www.latinobrand.it
ANTONES GmbH. Sarah Freise, mail@antones.de Düsseldorf. Cecilienallee 20, 15. – 27. January Munich. LODENFREY Haus C, 29. January – 11. February
Hamburg. Susanne Haase, haase-susanne@gmx.de Salzburg. Agentur Friedrich, office@friedrich-fashion.at Zurich. Agentur Picinelli, t.windscheid@picinelli.ch 19. January – 27. February
FASHION
Made to matter
Die Handwerks kunst von Margaux Lonnberg bringt Style mit Authen tizität.
Womenswearbrand Kiltie, sieht in Qualität, Langlebigkeit und zeitlosem Design Eine Vision der eine wesentliche Antwort. „Mode ist Selbstentfaltung und heute ein Teil des Lebensstils moderner Lebenseinstellung: Frauen, sie ist kein losgelöster und kein Ganni aus Kopen hagen. übergeordneter Aspekt mehr. Viel mehr fügt sie sich selbstverständlich in den Alltag ein.“ Damit hat sich das Verhältnis umgekehrt: „Nicht die Konsumentin passt sich der Mode an, sondern die Mode dem Leben der Konsumentin“, ist Theresa Steinbacher überzeugt. „Wir als Marke müssen uns fragen: Welche Werte transportieren wir, womit holen wir unsere Kundin ab? Warm Me steht für 100-prozentigen Cashmere aus der Mongolei, vollständig gefertigt in Nepal, Mischqualitäten gibt es bei uns nicht. Das ist wie Clean Eating: weniger Zutaten, mehr Qualität.“ Für Theresa Steinbacher liegt die größte Überlebenschance einer Marke darin, dass sie bei sich bleibt. „Das ist angesichts der vielen äußeren Einflüsse heute die größte Herausforderung.“
MOMENTS MADE MEMORABLE
Wie kann Mode wieder wirklich berühren? Indem sie Substanz hat. Die Magie der Chanel-Show im vergangenen Herbst ist vielen in Erinnerung geblieben; selbst über Social Media war sie spürbar, weil es Matthieu Blazy gelungen ist, die DNA von Chanel zu bewahren und gleichzeitig mit Coolness und neuer Energie aufzuladen. „Das war pure Lebensfreude“, schwärmt Ela van Afferden, Inhaberin des Stores Tuxedo. „Und es war echt, das hat jeder gespürt.“ Für Ditte Reffstrup, Creative Director Ganni, war ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion 2026 eine real gewordene Kindheitserinnerung aus dem dänischen Fischerdorf Hirtshals, wo sie aufgewachsen ist. Diese Emotion sollte auch bei der Präsentation im Bastille Design Center in Paris herüberkommen: bewusst 204 style in progress
FASHION
Made to matter
A playful Soul: Die Kollektion Aspesi offenbart Kultur und gelebte Substanz.
nicht als klassische Fashionshow präsentiert, sondern als Erinnerung inszeniert. „Wir wollten flüchtige Momente in etwas Bleibendes verwandeln, mit einer Garderobe, die die Vergangenheit ehrt und gleichzeitig der Ganni-Frau Raum gibt, sich frei zu entfalten“, beschreibt Reffstrup.
SENSORY SURPRISES
Dass das Erlebnis wichtiger, die Handwerkskunst in seiner Mode erlebbar wird, ist für Christian Wijnants wesentlicher Antrieb. „Gerade weil alles so schnell und einfach verfügbar ist, wird das Haptische wichtiger“, sagt der belgische Designer. „Für mich beginnt Design mit dem Material, mit dem sinnlichen Gefühl, das es schon vor der Verarbeitung auslöst. Ich liebe es, mit Materialien zu arbeiten, die einen Überraschungsmoment in sich tragen. Eine kaltgefärbte Viskose kann aus der Ferne wie Wildleder wirken, fühlt sich aber glatt und leicht an. Unsere Prints beginnen als handgemalte Kunstwerke und durchlaufen viele Verarbeitungsschritte, bis der finale Druck kaum noch an den Ursprung erinnert.“ Für Andrea Gallieri geht es nicht darum, Exklusives zu kreieren. „Das klassische Luxusverständnis hat an Bedeutung verloren. Heute wünschen sich Menschen eine persönliche, intime Verbindung zum Produkt. Deshalb arbeiten wir weniger an dessen Veränderung als vielmehr an der Art, wie wir es kommunizieren: Wir wollen Menschen einbeziehen und ihnen etwas zeigen, womit sie sich identifizieren können.“ Dabei ist auch für Aspesi ein Element der Überraschung entscheidend. „Alberto Aspesi hatte schon einen Conceptstore in Mailand, bevor es den Begriff überhaupt gab, mit hochwertigen Produkten anderer Marken, Kunst und Spielen“, erzählt er. „Mit dem neuen Bazaar Projekt wollen wir zurück zu diesen Wurzeln. Unsere Stores sollen zu kulturellen Hubs werden, in Kooperation mit Kuratoren und Buchhandlungen, mit Kunstausstellungen und Workshops. Unser Flagshipstore in Mailand hat 206 style in progress
FASHION
Made to matter
Warm Me ist für hand gestrickten Cashmere bekannt, pur und unver fälscht.
im November den Anfang gemacht, in diesem Jahr folgen Rom, Florenz, Madrid, München und Tokio.“ Auch für Warm Me ist es selbstverständlich, neue Touchpoints zu schaffen. „Unsere Community steht im Fokus – mit Ambassadors aus allen Lebensbereichen, von Hotels über Beauty und Sport bis zu Natural Wine“, erklärt Theresa Steinbacher. Hospitality bietet dem Label die Bühne: „In Häusern wie dem Forsthofgut sind die Gäste offen für neue Entdeckungen, dort erreichen wir ein internationales Publikum.“ Für das Weingut Oggau ließ Warm Me etwa Schals mit den ikonischen Weinetiketten bedrucken. „Toll, wenn es gelingt, Menschen da zu überraschen, wo sie es am wenigsten erwarten!“
WHERE FASHION MEETS FATE
Mode erfahrbar zu machen, darin liegt für den stationären Handel enormes Potenzial. Für Liz Jefferson waren die kleinen Boutiquen in Notting Hill oder Battersea prägend. Der Kulturschock kam, als sie nach Sussex zog und dort beschloss, ein Stück London mitzubringen. Heute betreibt sie zwei Doodie-Stark-Stores, darunter eine umgebaute Scheune in Lindfield, mit Marken wie American Vintage, Rails oder Mos Mosh. Ihr Publikum? „Ganz gemischt. Wir haben Frauen um die 50 oder 60, junge Mütter mit Kinderwagen und Jüngere, die sich über Haarbänder oder Schmuck freuen. Der Store ist für viele ein beliebtes Ausflugsziel, zu dem meine Kundinnen zum Shoppen kommen und sich austauschen können. Wer das erste Mal da ist, sagt oft: Wow, großartig, ich liebe es!“, erzählt Jefferson. „Eine Kundin war den ganzen Tag in London shoppen, ohne etwas zu finden. Das fand sie dann bei uns, mit unserer Beratung. Eine tolle Bestätigung!“ „Unsere Kundinnen sind durch Social Media bestens informiert, aber dennoch kommen sie gern in den Laden zu uns“, sagt Ela van Afferden. Ihr Laden Tuxedo in Düsseldorf-Oberkassel ist für viele Kundinnen ein zweites Wohnzimmer. „Sie schätzen es, dass wir uns kümmern, Vorschläge machen, Looks zusammenstellen.“ Ihr Sortiment spiegelt die Liebe zur Handwerkskunst wider, mit beispielsweise Sofie D’Hoore, Odeeh oder Mii Collection. „Ich liebe Kollektionen, die frei in ihrer Kreativität sind, die auch mal etwas Verrücktes haben. Und dann kommt eine Kundin, sucht einen dunkelblauen Rolli und geht mit einem gequilteten Samt-Blouson von Pierre-Louis Mascia. Weil der einfach berührt. Das ist keine Kaufentscheidung, das ist Fügung!“ Für Ela van Afferden haben viele alte Götter der Mode ausgedient. „Deshalb ist jetzt eine wunderbare Zeit, um Neues zu implementieren, mit echtem Wert, mit Qualität und Individualität. Die Zeit war lange nicht mehr so spannend wie jetzt.“ 208 style in progress
GESUND IST BESSER Dr. Susanna Huber
HEALTH MADE PERSONAL Ein individuelles 1:1-Gesundheitscoaching für alle, die viel bewegen
STARTE MIT DEINEM KOSTENFREIEN ERSTGESPRÄCH
www.gesundistbesser.com
FASHION
210 style in progress
Made to matter
Made to matter
FASHION
SPACES WE INHABIT
Die kreative Welt befindet sich in einer Zeit der stillen Neuausrichtung. Im Zentrum dieses Wandels stehen zwei Frauen, deren Arbeit sowohl prägt, wie wir uns durch die Welt bewegen, als auch wie wir uns in ihr bewegen. Jette Cathrin Hopp, Director of Acquisition and Business Development bei Snøhetta, und Celine Aagaard, die kreative Kraft hinter dem Osloer Womenswearlabel Envelope1976, verbindet eine gemeinsame Philosophie, die ihre Disziplinen übersteigt. Sie sprechen über Klarheit, Ehrlichkeit und Zurückhaltung und über die überraschende Kreativität, die entsteht, wenn man mit Intention statt aus dem Impuls heraus gestaltet. Interview: Lisa Hollogschwandtner & Stephan Huber. Artwork: Alexander Wells, @alexanderwells
style in progress 211
FASHION
Made to matter
E
s gibt eine Entwicklung, die wir derzeit in der Modebranche – und ohne Zweifel auch in der Architektur – beobachten, eine Bewegung, die wir in der letzten Ausgabe mit dem Wunsch nach „Substance over Status“ beschrieben haben. Sie markiert einen deutlichen Wertewandel: Das „Was“ und „Wie“ eines Produkts, seine Substanz, wird wichtiger, als das plakative Logo. Jette, Celine, ihr beide arbeitet in Disziplinen, die unsere unmittelbare Realität formen – die Räume, in denen wir leben, und die Kleidungsstücke, die unsere Haut berühren. Beobachtet ihr diesen Wandel in euren Branchen ebenfalls?
Jette Cathrin Hopp: Absolut – und ich glaube, dass es ein grundlegender Wandel ist, kein vorübergehender Trend. Um unsere Perspektive zu verstehen, muss ich vielleicht einen Schritt zurückgehen und unsere Haltung bei Snøhetta erklären: Für uns ist Architektur in erster Linie ein soziales Werkzeug. Es gibt bei uns keine Architektur um der Architektur willen. Es geht immer um Menschen. Damit wird Architektur zu einem Instrument, um Gesellschaften zu verbessern, Lebensqualität zu steigern. Sie schafft die Bedingungen für Leben, statt als isoliertes Wertobjekt zu existieren. Wenn wir über Echtheit sprechen, sehen wir das besonders im Hospitality-Sektor. Das echte Erlebnis, die unmittelbare Begegnung rückt wieder in den Mittelpunkt. Wir gestalten physische Räume, um genau diese Qualität des Zusammenkommens zu ermöglichen. Es ist fast eine Gegenbewegung zu einer zunehmend digitalen, vielleicht oberflächlichen Welt. Menschen sehnen sich nach Orten, die sie wieder mit sich selbst und anderen verbinden – und das erfordert eine materielle und gestalterische Ehrlichkeit, die man nicht fälschen kann. Atmosphäre lässt sich nicht simulieren; man muss sie mit Substanz bauen. Celine Aagaard: Ich stimme Jette vollkommen zu. Für mich ist diese Ehrlichkeit der einzige Weg, als Creative Director und Gründerin zu funktionieren. Ich bin eine miserable Lügnerin und könnte niemals Kleidung designen oder verkaufen, hinter der ich nicht zu hundert Prozent stehe oder die ich nicht selbst tragen würde. Als ich Envelope1976 im Jahr 2018 gründete, sah der Markt völlig anders aus. Er war überschwemmt von floralen Kleidern, schnellen Mikrotrends, einem Zuviel von allem. Selbst Marken, die begannen, über Nachhaltigkeit zu sprechen, produzierten oft Dinge, derer man nach einer Saison überdrüssig war. Mein Ansatz war eine direkte Reaktion darauf. Ich komme aus dem Journalismus; ich habe jahrzehntelang über Mode berichtet, die Zyklen gesehen, die 212 style in progress
Verschwendung, den „Lärm“. Mein Ziel war es, bewusst einen Gegenentwurf zu schaffen: minimalistisch, klar, aber mit Raffinesse – Kleidung, die auf verschiedene Arten getragen werden kann. Ich bin in den 1970er-Jahren geboren und meine Eltern hatten einen eher unkonventionellen, fast bohemienhaften Lebensstil. Wir teilten Kleidung, trugen sie, bis sie nahezu zerfiel. Das hat meine Wertschätzung für Dinge und meinen Wunsch, den Lebenszyklus möglichst lange zu halten, stark geprägt. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich bin überzeugt, dass Status irrelevant ist, wenn das Produkt selbst nicht über Seele und Funktion verfügt. Der Gedanke der Funktionalität schlägt eine spannende Brücke zwischen euren Welten. Jette, in der Architektur gilt „Form follows Function“ als klassisches Dogma. Celine, du hast einmal gesagt, dass du jede Kollektion mit dem Anspruch beginnst, Form und Funktion zusammenzuführen. Aber wie erreicht man Langlebigkeit in einer Welt, die auf ständige Neuheit programmiert ist? Celine Aagaard: Indem man sich weigert, nach den alten Regeln zu spielen, auch wenn das manchmal schmerzhaft ist oder Reibung erzeugt. Bei Envelope1976 denken wir nicht in klassischen Saisons. Das war zu Beginn ein harter Kampf. Einkäufer fragten mich: „Celine, was kommt zur neuen Saison? Wo sind die neuen Farben für den Frühling? Warum sieht das ähnlich aus wie letzten Herbst?“ Solche Momente verunsichern. Man fragt sich: Mache ich etwas falsch? Verliere ich den Anschluss? Aber wir sind unserem Kern treu geblieben. Wir arbeiten seit 2018 mit denselben Produzenten und oft exakt denselben Stoffen. Wenn du vor fünf Jahren eine Hose bei uns gekauft hast, kannst du dir 2025 den passenden Blazer kaufen. Ich vergleiche es gerne mit Lego: Man baut eine Garderobe Stück für Stück, wie ein Baukastensystem. Die Teile ersetzen sich nicht, sie erweitern sich gegenseitig. Eine neue Kollektion sollte die bestehende nicht obsolet machen, sondern bereichern. Das verlangt neues Denken – weg vom schnellen Konsum, hin zum langfristigen. Es basiert auf dem Vertrauen, dass gutes Design nicht abläuft, nur weil das Kalenderblatt sich geändert hat. Jette Cathrin Hopp: Das ist faszinierend, weil es exakt meinem eigenen Verhalten als Konsumentin entspricht. Ich kaufe heute nichts mehr ohne Plan. Früher war ich impulsiver, heute ist jeder Kauf eine bewusste Entscheidung. Ich habe Mäntel im Schrank, die ich seit 15 Jahren trage – etwa ein wunderschönes Stück von Isabel Marant. Ich bekomme heute noch Komplimente dafür. Warum? Weil die Qualität stimmt und das Design eine Relevanz besitzt, die den Trend des Moments überdauert. Ich frage mich heute häufig beim Kauf: Kann ich das einmal meiner Tochter weitergeben? In der Architektur ist diese Langlebigkeit natürlich existenziell. Bauen ist ein langsamer Prozess. Ein
Who’s Next Paris 17.01. – 19.01.2026 Supreme Düsseldorf 23.01. – 26.01.2026 Prisco Haus München 05.02. – 10.02.2026 SALT Salzburg 20.02. – 22.02.2026 Claudia Kröhnert claudia@theholygoat.com www.theholygoat.com
FASHION
Made to matter
Entwurf, den wir heute entwickeln, ist vielleicht erst in zehn Jahren fertig – und dann muss er 50, 100 oder 200 Jahre bestehen. Intern sprechen wir selten von zeitlos, weil das schnell generisch klingt. Wir bevorzugen den Begriff Evergreen. Ein Gebäude muss relevant bleiben, auch wenn sich die Gesellschaft um es herum verändert.
entstand ein minimalistischer, klarer Raum, tief verbunden mit der Natur – einfach, weil wir das genutzt haben, was bereits da war. Ich bin überzeugt: Begrenzte Ressourcen schärfen Kreativität. Wenn man alles kaufen kann, wird man manchmal bequem. Wenn man nichts hat, muss man innovativ sein.
Wie erreicht man diesen Evergreen-Status im Gestaltungsprozess?
Jette Cathrin Hopp: Das verbindet unsere Disziplinen stark. Auch in der Architektur zwingt uns Nachhaltigkeit – oder besser gesagt die Notwendigkeit, unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren – dazu, Ästhetik neu zu denken. Plötzlich muss ein Gebäude anders aussehen, weil die Materialien aus Kreisläufen stammen oder weil Energieeffizienz die Form beeinflusst – „Form follows Environment“. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Architektur immer neu und makellos im Sinne von unberührt sein muss. Vielmehr sehen wir gerade eine Tendenz hin zu „Vintage“ in der Bauwelt, die wir aus der Mode längst kennen. Es geht um Transformation, um das Bauen im Bestehenden, das Weiterbauen am Gebauten. Das ist viel anspruchsvoller als der Neubau auf der grünen Wiese. Wir müssen Gebäude als Rohstofflager verstehen, deren Materialien später wieder genutzt werden können. Das verlangt neue Systeme und neue Logistik. Doch es führt auch zu einer neuen Schönheit – einer Ästhetik des Bestehenden, die weit tiefer geht als die glatte Oberfläche eines reinen Immobilienobjekts. Sie fordert unsere gesellschaftliche Vorstellung von Schönheit heraus.
Jette Cathrin Hopp: Indem man nicht sofort zu zeichnen beginnt. Das klingt paradox für ein Designstudio, ist aber essenziell. Bei Snøhetta haben wir über viele Jahre eine Methodik entwickelt, die wir „Idea Work“ nennen. Bevor wir eine einzige Linie zeichnen, setzen wir uns zusammen – das Team, die Auftraggeber, manchmal Kritiker oder Experten aus völlig anderen Bereichen. Wir diskutieren den Inhalt, nicht die Form. Wir versuchen, zum Wesenskern der Aufgabe vorzudringen, zu dem, was wir „Conceptual Springboard“ nennen. Wenn man zu früh den Stift hebt, läuft man Gefahr, sich zu wiederholen oder Bilder abzurufen, die man ohnehin im Kopf hat. Nehmen wir das Opernhaus in Oslo: Hätten wir sofort angefangen, „eine Oper“ zu zeichnen, wäre es vielleicht ein schönes Gebäude geworden. Aber wir haben die Typologie hinterfragt: Was definiert ein Kulturmonument heute? Für uns muss es ein soziales Monument sein, es muss den Menschen gehören. So entstand die Idee, das Dach begehbar zu machen, der öffentliche Raum sollte über das Gebäude weiterlaufen. Die Form folgte dem Inhalt. Ich bin überzeugt: Man muss vorgefertigte Lösungen infrage stellen, um etwas zu schaffen, das Bestand hat. Celine, du hast vorhin Ressourcen erwähnt. Es gibt diese wunderbare Anekdote über euren ersten Store in Oslo, der sich zufällig direkt neben einem von Snøhetta gestalteten Flagshipstore befindet. Celine Aagaard: Oh ja, diese Eröffnung war ein entscheidender Moment für uns. Wir wollten unbedingt in Bjørvika eröffnen, direkt neben einem Flagshipstore, den Jette und ihr Team gestaltet hatten – wunderschön, perfekt, High-End-Architektur. Und dann waren da wir, ohne Budget für einen aufwändigen Ausbau. Wir standen also in dem leeren Raum mit rohem Betonboden und rohen Wänden und fragten uns: Was ist der richtige Schritt für unsere Marke? Was wollen wir über uns erzählen? Uns wurde schnell klar, dass wir das Storedesign so real und authentisch wie möglich halten wollten. Deshalb führte der Weg nicht in teure InterieurShowrooms, stattdessen bin ich zu Industriebetrieben gegangen, die Steinarbeitsplatten herstellen. Wir haben Bruchstücke und Restmaterial genommen und daraus unsere Tische und Kleiderstangen gebaut. Dazu kamen Vintage-Möbel. Am Ende 214 style in progress
Das klingt nach einer Abkehr von dem Luxusbegriff, den wir in den letzten Jahrzehnten gesehen haben – oft geprägt von Übermaß. Seid ihr der Meinung, dass Konsumentinnen für diese Neudefinition bereit sind? Jette Cathrin Hopp: Ich glaube ja, aber es ist eine differenzierte Entwicklung. In den Bereichen Hospitality und Retail-Design, in denen wir viel arbeiten – etwa für Aesop oder Polène –, sehen wir, dass Kundinnen nicht mehr nur visuell beeindruckt werden möchten. Sie sind, provokativ gesagt, fast gelangweilt von Dekadenz. Sie haben alles schon einmal gesehen. Es gab eine Zeit, in der jede Erfahrung die vorherige übertreffen musste – exklusiver, lauter, teurer. Das führte zu Ermüdung. Die Antwort darauf ist – wie vorhin gesagt – Echtheit, Realness, eine Rückkehr zum Menschlichen. Wir waren in vielem so dekadent, dass echter Luxus in Zukunft vielleicht das Gegenteil sein wird: die Achtsamkeit im Moment, nicht das Blattgold an der Wand. Celine Aagaard: Absolut. Das sehe ich jeden Tag bei unseren Kundinnen. Ich stehe oft selbst im Store und spreche mit den Frauen, die unsere Kleidung kaufen. Sie wollen nicht mehr verkleidet sein. Sie wollen Kleidung, die sie im Alltag unterstützt, die ihnen Stärke
SALZBURG – SALT 01: 20. – 21.01. MÜNCHEN – SUPREME: 06. – 09.02. Kontakt: eva.czerny@von-zu.de
DÜSSELDORF – Agentur Rudnick, Sternhaus: 12.01. – 30.01. & 16.02. – 28.02. HAMBURG – Agentur Rudnick, Skyloft: 01.02. – 11.02. Kontakt: info@agentur-rudnick.com
FASHION
Made to matter
gibt, aber unkompliziert bleibt. Ein Kleidungsstück muss funktionieren – ob fürs Meeting, zum Kinderabholen oder für ein Event am Abend. Es gibt eine Sehnsucht nach Dingen, die echt sind. Deshalb erzähle ich so viele Geschichten über die Herkunft unserer Materialien oder unsere Herangehensweise. Unsere Bestseller sind oft die Teile mit dem „Envelope Twist“ – minimalistisch, aber mit einem Detail, das zeigt: Da hat jemand wirklich nachgedacht.
oder aus einer Idee, die zuerst verrückt klingt. Natürlich arbeiten wir hart und nehmen unsere Verantwortung ernst. Aber der Prozess selbst – der Austausch mit Kunstschaffenden, Menschen aus Wissenschaft oder Handwerk – muss Freude bereiten. Ohne diesen Funken entstehen leblose Hüllen. Ein Gebäude, das ohne Freude entworfen wurde, wird niemals Freude ausstrahlen. Spaß ist der Treibstoff, der uns befähigt, schwere Themen anzugehen, ohne daran zu zerbrechen.
Lasst uns einen Blick nach vorne werfen. Wenn man den Gedanken der Langlebigkeit und Wiederverwendung konsequent weiterdenkt, wie sieht die Zukunft des Designs aus? Werden wir überhaupt noch neue Dinge produzieren?
Zum Abschluss möchte ich noch einmal zum Begriff Realness zurückkehren. Wenn ihr einen einzigen Gegenstand nennen müsstet – ein Gebäude, ein Kleidungsstück oder etwas völlig anderes –, der für euch Zeitlosigkeit und Authentizität verkörpert: Was wäre es?
Celine Aagaard: Wir leben in einer gespaltenen Welt. Auf der einen Seite konsumiert die junge Generation nach wie vor in hohem Tempo, getrieben von Plattformen wie Shein und der Logik von UltraFast-Fashion. Das ist Realität. Auf der anderen Seite wächst das Bewusstsein für Vintage und Secondhand rasant. Für Envelope1976 bedeutet die Zukunft vielleicht, weniger produzieren und noch kuratierter arbeiten. „Rethinking“ – das Neubetrachten des Vorhandenen – wird in den Kern unserer Praxis rücken. Jette Cathrin Hopp: In der Architektur wird Zirkularität zum bestimmenden Prinzip. Wir stehen vor enormen Herausforderungen durch Klimawandel und Ressourcenknappheit. Die einzig verantwortliche Antwort ist, das Bestehende zu würdigen. „Don’t tear down“ ist das neue Mantra. Jedes Gebäude trägt gebundene Energie. Ein Abriss verschwendet diesen Wert. Die Zukunft liegt in intelligenter Transformation: Wie verwandeln wir Bürogebäude in Wohnräume? Wie gestalten wir Materialien so, dass sie in Jahrzehnten sortenrein getrennt werden können? Das verlangt immense Kreativität. Arbeiten mit bestehenden Strukturen ist schwieriger als ein Neubau – aber genau so entsteht Innovation. Bei aller Rationalität, Verantwortung und Ernsthaftigkeit: Bleibt noch Raum für Spaß am Design? Celine Aagaard: Unbedingt. Wenn wir den Spaß verlieren, verlieren wir alles. In dem Moment, in dem wir zu predigen beginnen, in dem alles schwer und freudlos wird, wenden sich Menschen ab. Mode ist Emotion und Energie. Deshalb lieben wir Kooperationen: Sie bringen neue Energie in unsere Arbeit. Wenn mein Team und ich nicht wirklich Freude am Prozess haben, wenn wir uninspiriert sind, spüren Kundinnen das sofort. Ich bin überzeugt, dass die Energie eines Designers im Produkt weiterlebt. Jette Cathrin Hopp: Da bin ich ganz bei Celine. Freude ist der Beginn von allem. Ohne sie verblasst Kreativität. Innovation entsteht oft aus einem spielerischen Moment, aus einem Lachen im Workshop 216 style in progress
Celine Aagaard: Mir kommt sofort eine Klippe in den Sinn. Ich lebe in Norwegen und verbringe viel Zeit draußen. Ein Felsen an der Küste hält allem stand: Wetter, Gezeiten, der Zeit selbst. Er ist roh, hat Kanten, man kann auf ihn steigen oder sich an ihn lehnen. Er verändert sich langsam, fast unsichtbar, und doch bleibt sein Wesen gleich. Diese natürliche Rohheit, dieser ungefilterte Zustand, ist für mich die reinste Form von Design – etwas, dem wir Menschen nur nacheifern können. Jette Cathrin Hopp: Lustigerweise hätte ich fast dasselbe gesagt: die Landschaft. Architektur ist im Kern eine Antwort auf die Natur. Bei Snøhetta ist die Natur immer unser Ausgangspunkt. Wir versuchen nicht, sie zu bezwingen; wir suchen den Dialog mit ihr. Eine Landschaft ist nie fertig. Sie verändert sich ständig und bleibt doch ewig. Sie ist unser einziger wirklicher Referenzpunkt.
NEW YORK
FLORENCE
AUSTRIA Room with a view christopher@roomwithaview.at
GERMANY Lagom fashion agency philipp@lagom-fashionagency.com
PARIS
SWITZERLAND Eins Zwei Zwei Eins severin@einszweizweieins.ch
Head office Oslo / hello@monofoo.com / www.monofoo.com
FASHION
Made to matter
JETTE CATHRIN HOPP 1
Aufgewachsen in einem Umfeld, das von sprachlicher und kultureller Vielfalt geprägt war, beherrscht Jette Cathrin Hopp Norwegisch, Englisch, Deutsch und Dänisch. Diese Mehrsprachigkeit prägte schon früh ihren Blick auf die Welt und lehrte sie, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Heute bringt sie diese Offenheit als Direktorin im Vorstand von Snøhetta ein – in ein Verständnis von Architektur, das bewusst, inklusiv und zutiefst menschlich ist. Für Hopp sind Gebäude niemals bloße Objekte, sie sind Werkzeuge, die Leben und Gemeinschaften formen. „Wir verstehen Architektur in erster Linie als soziales Werkzeug“, sagt sie. „Es geht nicht um Architektur um ihrer selbst willen, es geht darum, die Lebensqualität zu verbessern. Gerade bei öffentlichen Projekten glauben wir daran, etwas zurückzugeben und echten Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen.“ Neben ihrer Arbeit ist Hopp eine gefragte Rednerin bei Architektursymposien, internationalen Konferenzen und Universitäten. Sie ist Jurymitglied zahlreicher Architekturwettbewerbe und -preise und wurde 2021 zur Präsidentin der Jury eines italienischen Architekturpreises berufen. Zudem sitzt sie im Vorstand der Schelling Architekturstiftung und lehrt an der Hochschule Wismar für Technik und Gestaltung. In Norwegen bringt sie ihre Expertise im Architekturbeirat der Stadt Oslo ein und im Mai 2023 wurde sie zur Vorsitzenden des City Design Advisory Board der Landeshauptstadt Kiel ernannt.
2
3
5
1 „Architektur hat die Aufgabe, Lebens qualität zu verbessern“, sagt Jette Cathrin Hopp. © Pepe Lange 2 Ihr Arbeitsplatz bei Snøhetta: This is Where the Magic Happens. 3 Die Kreative hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Kunst und Design. Hier zu sehen: ein Stück von Jean Prouvé. 4 Im Gespräch über Realness und Zeit losigkeit bezieht sich Jette Cathrin Hopp instinktiv auf die Natur – ihre unerschöpf liche Inspirationsquelle. � Als Speakerin gibt Jette Cathrin Hopp ihr Fachwissen regelmäßig weiter. © mKunze
218 style in progress
4
Norden / Mitte: Christoph Schneider Christoph.Schneider@unifafashion.com
Süden: André Rosenhahn Andre@tradingpool.net
FASHION
Made to matter
CELINE IRGENS AAGAARD 1
Wer mit Celine Irgens Aagaard spricht merkt schnell: Diese Frau ist ein absolutes Multitalent. Sie begann ihre Karriere zunächst im Journalismus, heute ist sie Designerin, deren klare, reduzierte Ästhetik aus Jahrzehnten des Beobachtens und Dokumentierens von Mode entstanden ist. Ende der 1970er-Jahre geboren und in einem Haushalt groß geworden, in dem Kleidung geteilt, gepflegt und über viele Jahre getragen wurde, entwickelte sie früh ein Bewusstsein für Langlebigkeit und einen achtsamen Umgang mit Ressourcen – Werte, die später zu Grundpfeilern ihrer Designphilosophie wurden. Nach über 30 Jahren im Journalismus rief sie 2018 Envelope1976 ins Leben. Die Marke ist bewusst klein, klar und fokussiert gehalten und steht für minimalistisches Design mit Charakter. Heute ist Celine nicht nur Creative Director, sondern auch eine der prägenden Stimmen der norwegischen Modebranche – Trendexpertin, dreifache Buchautorin und eine Kreative, deren Arbeiten in zahlreichen internationalen Medien erschienen sind. Ihre Laufbahn umfasst Stationen in der Fotografie, Redaktion und im Design – doch der rote Faden bleibt unverkennbar: ein Anspruch an Authentizität, Vielseitigkeit und eine stille, bewusste Definition von Luxus.
2
�
�
� Celine Irgens Aagaards Leidenschaft für Mode zeigt sich auch in ihrem persönlichen Stil. 2 Schönheit im Einfachen zu entdecken, gehört zu Celines besonderen Stärken. � Meet the Founders: Celine Aagaard und Pia Nordskaug vereinten ihre langjährige Erfahrung in Mode und Design und gründeten in Oslo gemeinsam Envelope1976. � Beim Shooting für Envelope1976 – mit einem unverkennbaren Blick fürs Detail. � Ihre Designs verbinden minimalistisches Design mit feiner Detailverliebtheit.
220 style in progress
3
VISIT US: 18 & 19 JANUARY 2026 AT MODEFABRIEK FOR MORE INFO: MODEFABRIEK.NL
GERMANY
AUSTRIA
SWITZERLAND
Prins-Juric GmbH
Modeagentur Klaus
Puro Fashion GmbH
Showrooms: Berlin, Hamburg, Düsseldorf & Munich info@eyegasm-fashion.com
Fashionpalais Salzburg / Bergheim office@modeagentur-klaus.at
Industriestrasse 42 | 8152 Glattbrugg info@purofashion.ch
FASHION
Made to matter
Roberto Collina
„CON I PIEDI PER TERRA“
Laut sein können andere: Die Kollektionen von Roberto Collina drängen sich nicht auf, sondern überzeugen subtiler, mit bedachter Innovation und kontinuierlicher Qualität. Wie gelingt das dem Familienunternehmen aus Bologna in Zeiten permanenter Reizüberflutung? Indem es bei sich bleibt, wie Roberto Collina und seine Tochter Chiara Collina im Interview erzählen. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Roberto Collina
222 style in progress
FASHION
Made to matter
Roberto Collina und Chiara Collina wollen mit der Kollektion bleibende Werte vermitteln.
Viele Konsumentinnen investieren heute lieber in Retreats oder Reisen als in Mode. Spürt ihr diesen Wandel? Chiara Collina, Marketing & Communication Roberto Collina: Absolut. Mode steht heute nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste, wenn es um Konsum geht. Dennoch bleibt sie relevant, weil sie uns täglich begleitet, weil sie ein Ausdrucksmittel ist und Werte transportiert. Gerade deshalb setzen wir in der Menswear und der Womenswear auf Qualität und tiefer gehende Recherche. Unsere Kollektionen entstehen nicht in zwei Wochen, sondern über sechs Monate hinweg, weil dahinter eine intensive Auseinandersetzung mit unserer eigenen Geschichte steckt. Roberto Collina, CEO Roberto Collina: Wenn jemand bei uns einkauft, dann kauft er oder sie eine Experience, nicht einfach ein Kleidungsstück. Unsere Pullover aus Merino, Cashmere oder Seide halten 20 oder 30 Jahre. Wir wollen dasselbe Gefühl vermitteln wie ein tolles Hotel oder ein perfektes Essen: etwas, das man erleben und auch posten möchte. Unsere Hauptzielgruppe ist zwischen 40 und 60 Jahre alt, doch wir sprechen zunehmend jüngere Kundinnen und Kunden an. Sie interessieren sich auch für Vintage-Mode, suchen nach Kleidung mit Geschichte. Chiara Collina: Gerade entwickeln wir das Roberto Collina Archiv, das unsere Geschichte anhand der Kleidungsstücke erzählt, die sie geprägt haben – mit mehr als 22.000 Stücken aus fünf Jahrzehnten, darunter Originalentwürfe für berühmte Modehäuser und seltene Vintage-Stücke aus aller Welt, von Tokio bis New York City. Jedes Stück wurde digitalisiert und ermöglicht die Suche nach Entstehungsjahr, Designer oder kontextueller Relevanz. Mittelfristig bietet das Archiv eine exklusive Ressource für Roberto Collina, als Grundlage für künftige Kollektionen und kreative Entdeckungsreisen. Zugleich ist es Zeugnis unserer Wurzeln und der Zeitlosigkeit unserer Handwerkskunst. Wie macht ihr eure Werte im Handel erlebbar? Roberto Collina: Der stationäre Handel ist unser wichtigster Partner. Deshalb bieten wir für ihn nicht nur perfekten After Sales Service, sondern setzen künftig auf noch mehr Nähe. Im Winter starten wir mit Meet the Designer Events bei ausgewählten Retail-Partnern, dazu reichen wir Spezialitäten aus unserer Region. Auch das erzählt etwas über uns selbst. Wenn unser Strick hochwertig ist, muss auch das Essen und der Wein gut sein! Es geht um das Gesamterlebnis. Was zählt für euch gerade heute besonders? Chiara Collina: Echtheit. Wir bleiben auf dem Boden – con i piedi per terra, wie man in Italien sagt. Heute dreht sich alles um Likes, das perfekte Outfit, das angesagte Restaurant. Wir versprechen lieber nichts, was wir nicht halten können, sondern glauben an Qualität, an Zeit und an Werte. Vielleicht wirkt es altmodisch, weil wir nicht so schnell sind wie andere. Aber darin liegt unsere Stärke. www.robertocollina.com
Nischenprodukt made in Italy, internationales Stan ding: Roberto Collina steht für Klassik und Modernität.
style in progress 223
FASHION
Made to matter
Meet the Founder: Petra Stapper.
Knit-ted
EASE OF ELEGANCE
Hochwertig und langlebig: Knit-ted.
224 style in progress
Woran arbeiten Sie aktuell? Petra Stapper, Gründerin Knit-ted: Wir bauen auf dem starken Fundament auf, das wir bisher in unserem Heimatmarkt geschaffen haben, und sind nun für internationale Expansion bereit. Unser Ziel ist es, unsere „Ease of Elegance“ noch mehr Frauen näherzubringen, insbesondere in Deutschland, Belgien und Frankreich. Wir beobachten eine wachsende Nachfrage nach erschwinglichem Luxus, da immer mehr Konsumentinnen hochwertige, langlebige Stücke suchen. Unsere Kollektionen entwickeln sich, um diesem Wandel gerecht zu werden. Unser Plan ist einfach und ambitioniert, dabei bleiben wir der Qualität und Authentizität treu, die Knit-ted ausmachen. Wir freuen uns darauf, unsere Reise fortzusetzen. Was zeichnet die kommende Kollektion für Herbst/Winter 2026/27 aus? In dieser Saison verfolgen wir einen spirituellen Ansatz. Wir suchten im Design ein Gleichgewicht zwischen Maßstab und harmonischen Formen, inspiriert von Dom Hans van der Laan und seinem Prinzip der Proportionalität. Ein Gebäude von ihm diente sogar als Kulisse für unsere Kampagne. Die Farbpalette aus Sand-, Weiß-, Grau- und Brauntönen vermittelt Ruhe, Kobalt, Rosé und Moos bringen Freude. Wir setzen auf weiche, hochwertige Stoffe, die angenehm auf der Haut liegen, und auf Strick aus Merinowolle, Alpaka, Yak und Baumwolle. Ergänzt wird die Kollektion durch feminine Blusen, robuste Fake-Lederhosen, weiche Flanells, Denim sowie Mäntel und Teddyjacken. Das Hauptthema unserer Ausgabe lautet Realness. Was bedeutet der Begriff für Sie? Echtheit steht für Klarheit und Vertrauen. In einer von digitalem Rauschen geprägten Welt bedeutet sie, als Marke transparent und nahbar zu sein. Sie prägt alles, was wir tun, und unseren kreativen Prozess. Wir jagen keinen Trends hinterher, sondern setzen auf bewusstes Design. So unterstützen wir Frauen dabei, eine hochwertige, langlebige Garderobe aufzubauen und sich selbst treu zu bleiben. @knittedessentials
STEPPING OUT 2026 grasegger/order.de
FASHION
Made to matter
Luisa Cerano
EMPOWERED EXPRESSIONS Für Jürgen Leuthe, Geschäftsführer Luisa Cerano, steht Realness für eine Haltung, nicht für einen Trend. Er ist überzeugt: „Nicht Perfektion schafft Verbindung, sondern das Menschliche.“ Ein Gespräch über Nähe und neuen Luxus. Text: Lisa Hollogschwandtner. Fotos: Luisa Cerano
Substanz, Sinnlichkeit und Qualität – Herbst/Winter 2026/27 bei Luisa Cerano.
226 style in progress
Es gibt wenige Dinge, die so berühren, wie es Kunst tut. Bei Luisa Cerano setzen Sie sich zunehmend für die Förderung weiblicher Kunst ein. Warum ist Ihnen dieses Commitment ein Anliegen? Jürgen Leuthe, Geschäftsführer Luisa Cerano: Kunst ist für uns kein dekoratives Beiwerk, sie ist Teil unserer DNA. Warum wir speziell weibliche Kunst fördern? Weil Frauen in der Kunst oft unterschätzt, aber gleichzeitig außergewöhnlich prägend sind. Ihr Blick ist mutig, sensibel, kraftvoll und genau diese Perspektiven bereichern auch unsere kreative Arbeit. Es geht uns darum, Sichtbarkeit zu schaffen und Räume für Stimmen, die inspirieren, für Talente, die Grenzen verschieben, und für Ausdruck, der Haltung zeigt, zu öffnen. Kurz gesagt, wir unterstützen das, was uns bewegt und was wir selbst verkörpern möchten: Stärke, Freiheit und echten künstlerischen Ausdruck. Mit welchem Gefühl blicken Sie in die neue Saison? Ich blicke mit einem zuversichtlichen, aber zugleich sehr wachen Gefühl in die kommende Saison. Unsere Branche befindet sich zweifellos in einem tiefgreifenden Wandel – wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Das fordert uns täglich heraus, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten. Gerade jetzt zeigt sich, wie wertvoll eine Marke ist, die auf Tradition, Qualität und einer klaren ästhetischen Haltung gebaut ist. Diese Basis gibt uns Orientierung und Stärke. Wir beobachten in der Womenswear zunehmend eine Abkehr von klassischen Luxussymbolen. Stimmen Sie zu? Ja, wir sehen diesen Shift sehr klar und er spielt unserer Markenpositionierung in die Karten. Der Markt bewegt sich weg von statusgetriebenen Luxus-Codes hin zu echter Qualität, moderner Ästhetik und glaubwürdiger Markenhaltung. Genau auf diesen Pfeilern basiert Luisa Cerano. Für unsere Handelspartner bedeutet das höhere Relevanz, klarere Differenzierung und eine stabile Wertwahrnehmung am POS. Wir profitieren nicht nur von dieser Entwicklung, wir sind ein verlässlicher Treiber in genau diesem Segment. www.luisacerano.com, @luisacerano
Made to matter
FASHION
Gelebte Nachhaltigkeit: Jedes Von&Zu-Produkt ist mit einem Limitierungslabel versehen, denn produziert wird nur, was bestellt wird.
Von&Zu
„WIR SCHAFFEN BEZIEHUNGEN“ Sie stehen buchstäblich hinter ihrer liebevollen, hochwertigen Komplettkollektion Von&Zu: Magdalena Cromme und Eva-Maria Czerny. Dabei hat das Schwesternduo nicht nur ihren hohen Anspruch an Kreativität und Qualität tief mit hinein verwebt, sondern lebt tagtäglich das vor, was unsere Branche gerade wiederentdeckt: Realness. Text: Isabel Faiss. Fotos: Von&Zu
„Wir wollen Beziehungen schaffen, die einen Wert haben und darüber hinaus ein gutes Gefühl vermitteln. Unsere Kundin kauft sich bei uns nicht nur ein Produkt, sondern die Erinnerung an eine tolle Zeit“, beschreiben Eva-Maria Czerny (li) und Magdalena Cromme ihre Philosophie.
Im unterfränkischen Gemünden leiten die beiden Schwestern ihre Familienmarke und das bereits in der dritten Generation. Vor 85 Jahren von der Großmutter ins Leben gerufen, übersetzt Von&Zu bis heute seinen Anspruch an modische Relevanz mit feinem Gespür für Luxus in kombinierbare Produkte. Sie designen für eine Kundin, die stilbewusst darauf vertrauen möchte, für jeden Anlass natürlich perfekt gekleidet zu sein, ohne sich täglich neu erfinden zu müssen. „Es ist eine schöne Herausforderung, dass wir heute keine nach Alter gestaffelten Zielgruppen mehr haben, sondern Stilgruppen. Das macht den Designprozess nicht einfacher, aber spannender“, sagt Magdalena. Das tiefe Verständnis für ihren Markt und ihre Kundin ist bei Magdalena und Eva-Maria kein Marketing, sondern stammt aus einer sicheren Quelle: der persönlichen Nähe zu ihren Partnerinnen und Partnern vor Ort sowie den Kundinnen. „Wir arbeiten überwiegend mit inhabergeführten Stores zusammen, wo der Laden die Marke ist. Darin sehen wir die Zukunft. Das sind unsere Wunschpartner, denn es ist für die Kundin ein unschätzbarer Mehrwert, in einem Laden einen fein kuratierten Labelmix vorzufinden, der sie anspricht“, ist Eva-Maria überzeugt, die als Vertriebschefin auf jeder Messe steht und mit ihren Kunden stetig im Kontakt ist. Produziert wird nur, was bestellt wird. Die Fokussierung auf rund 60 modisch spitze Produkte ohne Basics und ohne Lagerprogramm unterstreicht ihr Verständnis für Nachhaltigkeit. Stores, mit denen die enge Partnerschaft besonders erfolgreich ist, sind unter anderem GA Selected Women in Detmold, Grasegger in Garmisch, die Boutiquen Isolde in Koblenz oder Bader in Obermaiselstein, „mit denen wir auch ein eigenes Programm entwickelt haben, das es exklusiv bei ihnen gibt. Diese Art der Zusammenarbeit ist ein wertvoller Input für uns als Label, denn sie steht für noch mehr Nähe zu unserer Kundin und unseren Partnern vor Ort und ihre individuellen Angebote“, beschreiben beide die erfolgreiche Kooperation. www.von-zu.de style in progress 227
FASHION
Made to matter
Nicole Mohrmann
„ZU WISSEN, WER MAN IST, MACHT SCHÖNER ALS JEDES KLEID!“
Nicole Mohrmann (li.) betreibt zwei Boutiquen in München. Mit Lori Wilhelm hat sie gemeinsam eine Capsule-Kollektion entworfen. „Für diese Boho-Jacke gibt es bereits eine Warteliste“, er klären beide.
228 style in progress
Nicole, du beobachtest seit Jahren, wie Frauen Fashion leben. Inwieweit hat sich das Konsumverhalten verändert? Nicole Mohrmann, Inhaberin Nicole Mohrmann: Der Wunsch zu konsumieren ist jedenfalls abgeflacht, die Kauflaune ruhiger geworden. Häufig kommen Kundinnen zu mir und sagen Dinge wie: Ich habe diese Hose, was kann ich neu dazu kombinieren? Es geht also weniger um den Total-Look, sondern um die Verfeinerung der bestehenden Garderobe. Was ich toll finde: Frauen wissen heute, wer sie sind. Und das macht sie schöner als jedes Kleid. Früher war Mode oft Belohnung. Heute gönnen sich Frauen Wellness oder Reisen. Spürst du das? Absolut. München ist natürlich eine eigene Welt. Hier wird noch in Taschen investiert, keine Frage. Aber generell hat Mode den ersten Platz verloren. Frauen geben Geld für Erlebnisse aus, für kleine Fluchten. Für Beauty, für das gute Gefühl. Der Lippenstift der großen Maisons beispielsweise ist heute oft der kleine Luxusmoment, das Symbol: Ich gönne mir Schönheit, ohne erklären zu müssen, warum. Du selbst bist sehr präsent in den sozialen Medien und unglaublich nahbar. Was macht diese Nähe aus? Ich glaube, es ist Authentizität. Ich zeige nur Looks, die ich wirklich tragen würde. Und ich sehe meine Stores als Orte des Auftankens. Der Alltag ist laut, die Welt anstrengend. Wenn eine Frau zu uns kommt, soll sie atmen, spüren, lachen dürfen. Diese halbe Stunde – das ist ihre kleine Auszeit, das ist Luxus. Eure Live-Sessions mit Lori (Anm.: Lorraine Wilhelm, Digital Creator @lifelovewife) sind legendär – 250 Jacken verkauft, nur weil ihr sie getragen habt. Wie erklärst du dir das? Weil Lori echt ist. Wir inszenieren nichts: Wir sind zwei Frauen, die Mode lieben und sich verstehen. Wenn wir live gehen, rauschen die Bestellungen herein. Frauen fühlen sich gesehen, verstanden. Und das ist heute die wahre Währung. Macro- oder Micro-Influencer, wie stehst du zu lokalen Stimmen? Immer klein und echt. Micro-Influencerinnen haben Seele. Sie stehen hinter dem, was sie zeigen, genau wie ich hinter meinen Stores stehe. Ich brauche keine halbe Million Follower. Ich brauche Resonanz, Gefühl, Glaubwürdigkeit. Wenn du auf all das blickst: Was bedeutet Stil für dich heute? Stil und Mode sind heute kein Schutzschild mehr, sondern Ausdruck von Bewusstsein. Und ich glaube, das ist das Schönste an dieser neuen Zeit: Dass Frauen nicht mehr perfekt sein wollen, sondern echt. @nicolemohrmann
Made to matter
FASHION
Effortless comfort, feminine shapes: Club L’Avenir.
Club L’Avenir
BEDACHTHEIT UND KONSEQUENZ Mit subtil-raffiniertem Design und klarem Profil trifft Club L’Avenir einen Nerv im Markt. Creative Director Eef Voeten erklärt im Gespräch, warum sich Konsequenz auszahlt.Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Club L’Avenir Eef, würdest du sagen, dass sich der Stil von Club L’Avenir als Nouvelle Vague Française einordnen lässt? Eef Voeten, Creative Director Club L’Avenir: Ich würde eher sagen, dass unsere Ästhetik von raffinierter skandinavischer Schlichtheit und japanischer Detailverliebtheit geprägt ist. Unsere Kleidung ist minimalistisch, durchdacht, mit Fokus auf Qualität und Alltagstauglichkeit. Sie ist darauf ausgelegt, über Saisons hinaus Bestand zu haben. Ist Mode für Frauen heute noch Teil des Selbstbilds? Mode war schon immer eine Form des Selbstausdrucks. Verändert hat sich, wie Frauen sie nutzen. Heute geht es mehr darum, sich im Einklang mit sich selbst zu fühlen, was gut ist! Teile von Club L’Avenir müssen sinnhaft sein, im Design ebenso wie in Tragegefühl, Passform und Langlebigkeit. Zum Beispiel? In dieser neuen Saison zieht sich ein androgyner, jungenhafter Charme mit femininer Note durch die Kollektion. Stücke mit subtilen Details und Formen, in Italien hergestellte Strickwaren, Teddyjacken aus Wolle und wintertaugliche Schneiderkunst. Die Kollektion präsentiert neue skulpturale Silhouetten, die feminine Kurven betonen, sowie Wollcapes und raffinierte Denimmodelle. Club L’Avenir kommt gut im Markt an, oder? Ja, wir erleben ein deutlich wachsendes Interesse an Club L’Avenir, die Kollektionen werden sehr positiv aufgenommen. Das bestätigt uns darin, konsequent unseren Kernwerten zu folgen: raffiniertes Design, limitierte Produktion und ein klares Markenprofil. Unsere Kollektionen sind in ausgewählten Multibrand-Boutiquen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und der Schweiz erhältlich. Jetzt wollen wir nach Österreich und Spanien expandieren. Wir wachsen organisch, mit Partnern, die unsere Werte teilen. Wir halten auch die Lagerstände begrenzt und versuchen, Abfall zu vermeiden. Bei allem, was wir tun, streben wir nach Bedachtheit und Konsequenz. www.clublavenir.com
Eef Voeten, Creative Director Club L’Avenir.
style in progress 229
FASHION
Made to matter
Apparis
(AH-PAH-REE) Was mit dem Mut zweier französischer Unternehmerinnen begann, hat sich zu einer starken Stimme in der zeitgenössischen Womens-Outerwear entwickelt. Ein Gespräch mit Lauren Nouchi, Mitgründerin von Apparis, über die Kraft des Risikos und eine moderne Neudefinition von Luxus.
230 style in progress
Made to matter
Mit Wurzeln in Frankreich und ihrer Base in New York verbindet Lauren Nouchi in ihren Designs für Apparis das Beste aus beiden Welten.
Seit 2018 steht Apparis für eine neue Art von Luxus.
Lauren, lass uns einen Blick zurück werfen: Wie ist Apparis entstanden? Lauren Nouchi, Mitgründerin Apparis: Amélie und ich haben uns 2016 kennen gelernt. Wir haben beide einen Background im Einzelhandel. Meine Eltern besaßen kleine Boutiquen in Südfrankreich, Mode war damit schon immer Teil meiner Welt. Und ich wurde schon früh kreativ, was Business angeht: Im College brachte ich Kleidung von zu Hause mit in mein Wohnheim in Boston und verkaufte sie an Freundinnen. Als wir Apparis gründeten, war unsere Mission simpel: französische Mode in den USA zugänglich machen. Wir starteten online, mit kaum Kapital und entsprechend wenig Verkäufen, also gingen wir zurück zu den Wurzeln des Handels: Messen, Pop-ups. Wir nutzten jede Gelegenheit, Menschen persönlich zu treffen. 2017 hatten wir bei einem Pop-up in Williamsburg einen einzigen Kunstpelzmantel im Sortiment, den wir von einem Lieferanten in Paris bezogen. Er war ständig ausverkauft, die Kundinnen konnten nicht genug davon bekommen. Eine davon war zufällig Fashion Director von Bloomingdale’s. Sie kontaktierte uns und bat darum, eine komplette Kunstpelzkollektion für Winter 2018 zu sehen. Dieser Moment veränderte alles.
FASHION
Er führte für euch zu einem kompletten Rebranding. Was hat diesen Wandel geleitet? Wir erkannten, dass es einen echten Bedarf an hochwertiger, tierfreier Outerwear gab. Ich flog zurück nach Paris, bat unseren Lieferanten, uns eine Chance zu geben, und wir bauten Apparis als 100 Prozent vegane Outer-Wearmarke neu auf. Ich hatte keinen Designabschluss, aber ich hatte eine Vision und Mut. Bewusst Risiken einzugehen, wurde Teil unserer DNA. Heute steht Apparis auf vier Säulen, die eure Werte widerspiegeln: bold, playful, conscious und elevated. Was bedeuten sie für dich? Bold, also mutig, ist der Kern von allem, was wir tun. Das zeigt sich in unseren Farben, Silhouetten und sogar in unserem Preisniveau, das uns früh Türen geöffnet hat. Playful, sprich verspielt, ist unsere Art, Mode geerdet zu halten. Wir lieben Luxus, aber wir nehmen uns selbst nicht zu ernst. Conscious beschreibt unseren bewussten Umgang mit Materialien, Produktion und Warenbeständen. Und elevated, gleichbedeutend mit dem deutschen anspruchsvoll, steht für unsere französische Sensibilität: raffinierte Farben, durchdachtes Styling und ein Beharren auf Qualität in jedem Detail.
Der Luxusbegriff befindet sich definitiv im Wandel. Wie würdet ihr Luxus heute definieren? Für uns wurzelt Luxus in Werten: Integrität, Qualität und Ehrlichkeit. Ich möchte niemals zögern müssen, wenn ich den Preis eines unserer Produkte nenne, und das muss ich auch nicht, weil der Preis fair ist. Gleichzeitig legen wir Wert auf schöne Kampagnen und starke Geschichten. Diese Elemente sollten nicht ausschließlich dem High-End-Luxus gehören; sie sollten auch zugängliche Marken aufwerten, die wirklich hinter ihren Produkten stehen. Worauf können sich Kundinnen in der nächsten Saison freuen? Wir bringen unsere erste Off-Season-Kollektion heraus: leichtere Outerwear aus veganem Leder, Nylon und Organza – ein Schritt hin zu einem weniger saisonalen Angebot. Außerdem erweitern wir unsere Ready-to-Wear mit Kunstpelzelementen und bieten besondere, einzigartige Stücke, die anspruchsvoll, aber trotzdem erschwinglich sind. www.apparis.com, @apparis
style in progress 231
FASHION
Skergeth X Edara
SHAPED BY SHARED VALUES
Es gibt Kooperationen, die mehr als ein modisches Experiment sind – sie sind Ausdruck einer Haltung. Das trifft auch auf die kreative Zusammenarbeit zwischen Julia Skergeth, Gründerin des gleichnamigen Wiener Handtaschenlabels, und Angelina Gergenreder, Designerin des Münchner WomenswearLabels Edara, zu. Ihre erste gemeinsame Hutkollektion, gefertigt in Zusammenarbeit mit der Wiener Traditionsmanufaktur Mühlbauer, ist ein Statement für Authentizität, Qualität und Relevanz.
232 style in progress
Made to matter
In einer Zeit, in der Luxus zunehmend neu definiert wird, stehen die Kollektionen von Skergeth und Edara für die Werte einer neuen Kundin – anspruchsvoll, bewusst, aber frei von alten Statuscodes. Für ihre Zusammenarbeit haben sich die beiden Kreativen einer besonderen Produktgruppe gewidmet: Hüten. Die Capsule-Kollektion umfasst konkret zwei Formen: eine ToqueSilhouette und einen Hut mit Krempe, gefertigt von der Hutmanufaktur Mühlbauer direkt im Atelier in Wien. Ergänzt wird das Angebot durch ein Wollkopftuch. Doch warum Hüte? „Weil sie für mich eine ganz besondere Eleganz ausstrahlen. Sie sind in der Lage, einen Look gänzlich zu drehen – das hat mich schon immer fasziniert“, erläutert Julia Skergeth. Inspiriert wurde die Kollektion von Vintage-Hüten, darunter auch einer von Julia Skergeths Großmutter – ein Sinnbild für Kontinuität und Emotion. „Ich bin überzeugt, dass wir uns gerade in einer Umbruchzeit befinden. Kundinnen und Kunden suchen verstärkt nach Echtem – echten Emotionen, realem Erleben, Ehrlichkeit im Produkt.“
Diese Haltung zeigte sich auch im Wiener Pop-up, das für einen Monat bespielt wurde und Begegnung neu definierte: Der One-Month Concept Store verstand sich als Living Moodboard der beiden Designerinnen – eine kuratierte Umgebung, die sich wöchentlich veränderte. Neben ausgewählten Stücken der Edara-Kollektion, Skergeth-Accessoires und der gemeinsamen Capsule-Kollektion ergänzten Kunst, Bücher, Möbel, Design- und Lifestyleobjekte das Sortiment. Zentraler Bestandteil war zudem ein Café als Ort der Begegnung. Jeden Donnerstag lud das Format „Creators Thursdays“ zu Get-togethers, Tastings und Gesprächen mit Künstlerinnen und Künstlern als Brücke zwischen Kreativität und Gemeinschaft ein. Diese Zusammenarbeit steht sinnbildlich für eine neue Ära der Womenswear: reduziert, bewusst, mit Substanz. Eine Rückbesinnung zu Handwerk als Haltung – für Produkte mit Bedeutung. @skergeth_official, @edarastudios
FASHION
Made to matter
Elena Nancu
„ICH HATTE NIE VOR, DARAUS EINE USP ZU MACHEN“
War ein Tailoring Konzept für Frauen schon längst überfällig? Elena Nancu, Designerin und Gründerin Elena Nancu: Für mich kommt die Beschäftigung mit Tailoring aus meinem Anspruch an Design, Passform und Silhouetten. Dass ein Herrenschneider meine Blazer fertigt und ich überwiegend Herrenstoffe verwende, resultiert ebenfalls aus diesem Anspruch an Qualität und Verarbeitung. Ich hatte nie vor, daraus eine USP zu machen, aber es ist eine geworden. Viele Händlerinnen und Händler sagen, dass im Markt eine starke Konfektionsmarke für Frauen fehlt. Siehst du das ähnlich? Das höre ich, ja. Gleichzeitig muss man realistisch sagen, dass in kommerziellen Preislagen einfach keine Tailoring-Qualität umsetzbar ist. Wer wie ich in Kleinserien in Manufakturarbeit produziert, wird durch den Handelsaufschlag zum Nischenprodukt. Elena Nancu funktioniert im Handel da, wo Inhaberinnen und Inhaber deine Werte teilen. Erzähl uns ein Beispiel! Raimar Bradt in Fürth steht mit seinem Laden für Qualitätsprodukte, die vorzugsweise in Deutschland hergestellt werden. Da passte Elena Nancu in die Philosophie und seine persönliche Überzeugung tut das Nötige, um unsere Produkte dort erfolgreich sein zu lassen. www.elenanancu.com Ein Name, den Kundinnen wie einen Geheimtipp an ihre Peer-Group weitergeben: Elena Nancu.
Birgit Engel Fashion
HABENWOLLENGEFÜHL Innerhalb von 13 Jahren hat sich Birgit
Engel eine große Fangemeinde aufgebaut, mit Followerinnen und Kundinnen aus Grünwald, Österreich, den Niederlanden und sogar Australien. „Unsere Reels sind nicht einstudiert, sie kommen spontan, wir agieren aus dem Bauch heraus“, begründet die Händlerin ihren Erfolg. „Wenn wir neue Teile zeigen und Stylingtipps geben, passieren auch mal Fehler, aber so nimmt man uns auch als nahbare Menschen wahr. Wir sind Unterhaltungsprogramm geworden!“ Viele Käufe kommen über Social Media zustande, aber am liebsten kommen die Kundinnen in das kleine Geschäft in München-Grünwald, um Mode von beispielsweise Citizen of Humanity, R13, Lisa Yang oder Anna v. Berg zu kaufen. „Wir geben alles, laufen 20 Mal für jedes Teil ins Lager im Keller. Dieser Service wird ebenso geschätzt wie unsere Ehrlichkeit im Verkauf.“ Teilen sich die Kundinnen das Budget anders auf? „Ja, Essengehen, Sport, Wellness und Kunst werden wichtiger. Aber auch zu uns zu kommen, ist für die Frauen ein Erlebnis, für das viele eine Stunde aus München zu uns rausfahren.“ Als Händlerin ist es Birgit Engel ebenso wichtig, die Mode richtig zu erleben. „Für diesen Gänsehautmoment gehe ich in die Showrooms nach Paris oder Mailand, wo die Kollektionen besonders schön in Szene gesetzt werden. Es geht um das Habenwollen-Gefühl! Denn wenn uns die Präsentation in den Showrooms nicht abholt, fällt es auch schwer, unsere Kundinnen damit abzuholen.“ @birgitengelfashion_gruenwald
234 style in progress
Birgit Engel, Besitzerin der gleichnamigen Multibrand-Boutique in Grünwald bei München.
FASHION
Made to matter
Unützer
„AUTHENTIZITÄT LÄSST SICH NICHT IMITIEREN“
Fritz Unützer führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Die Werte sind konstant geblieben.
Das Generalthema unserer aktuellen Ausgabe lautet Realness. Wie definiert man den Begriff bei Unützer? Fritz Unützer, CEO Unützer: Für uns bei Unützer bedeutet Realness Echtheit – im Material, im Handwerk und in der Haltung. Jeder unserer Schuhe entsteht in Handarbeit in Italien, diese Authentizität lässt sich nicht imitieren. Realness heißt für uns auch Individualität: Kein Paar ist exakt wie das andere, genauso wenig wie die Menschen, die sie tragen. Es geht darum, das Echte in einer Welt zu bewahren, die oft von Oberflächen lebt. Gerade deshalb ist uns stationäre Präsenz auch ein Anliegen. Der direkte Kontakt, das persönliche Gespräch, die Beratung – das alles ist Teil unseres Verständnisses von Luxus. In einer digitalen Welt möchten wir bewusst Momente schaffen, in denen man entschleunigt, berührt, anprobiert und den Unterschied fühlt. Für uns ist das die ehrlichste Form von Markenerlebnis. Wir fokussieren uns mit dieser Ausgabe auf die Saison Herbst/Winter 2026/27, dennoch möchte ich einen kurzen Blick zurückwerfen: Auf den vergangen Fashion Weeks sah man sehr viele sehr flache Sohlen. Die Womenswear bemüht sich scheinbar wieder um mehr Bodenhaftung. Wir beobachten definitiv eine Rückkehr zur Authentizität – in der Form, im Tragegefühl und in der Funktion. Kundinnen suchen Schuhe, die schön und tragbar sind, die sie durch den Tag begleiten, ohne Kompromisse bei Stil oder Komfort. Flache oder blockige Sohlen, natürliche Materialien und handwerkliche Details werden immer wichtiger. Gleichzeitig spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle: langlebige Produkte, reparierbare Konstruktionen und bewusster Konsum. www.unuetzer.com
Liv Bergen
„WIR SIND OUTSTANDING“
Mit ihrer eigenen Handschrift überzeugt Liv Bergen Handel und Kundinnen.
Frauen definieren sich heute mehr über Erlebnisse als über Mode. Was macht Liv Bergen nach wie vor erfolgreich? Sybille Mezger, Inhaberin Liv Bergen: Wir bleiben konsequent der DNA der Marke treu – das ist der Schlüssel! Unsere Kollektion hat eine eigene, authentische Handschrift, die auch so wahrgenommen und verstanden wird. Dass wir outstanding sind, spiegelt sich im Umsatz wider: plus 60 Prozent für Sommer 2026. Was erwartet uns in der neuen Kollektion? Casualwear bleibt unser Herzstück. Daneben spielen Highlights wie ColouredDenim, Flared-Pants mit 70ies-Touch oder eine Aladinhose mit Tie-Dye-Effekt eine große Rolle. Hingucker sind außerdem Crochet-Styles, Fake Fur und LurexStrick. Ein cooles Statement ist unsere Joggpant mit angenähter Boxershorts, wie auch starke Outdoor-Pieces, etwa eine Workwear-Jacke mit Cordkragen. Und farblich? Wir kombinieren Naturtöne wie Camel, Hazelnut oder Khaki mit frischen Akzenten in Neoncorall, Pink oder Deep Sea. Das bringt Strahlkraft in den Winter! www.livbergen.de style in progress 235
FASHION
Made to matter
Raffaello Rossi
FACE TO FACE
Mode ist im Konsum nicht mehr Nummer eins. Heute zählen Erlebnisse. Wie kann Mode dennoch begeistern? Tobias Schellenberger, Inhaber Raffaello Rossi: Diese Entwicklung sehe ich als Fortschreibung eines Trends. Ein Erlebnis entsteht durch viele Faktoren, etwa die persönliche Beratung. Endkundinnen sagen oft: „Ich gehe zu meiner Lieblingsberaterin, sie weiß, was mir steht.“ Dieses Face-to-Face-Erlebnis ist ein klarer Vorteil des stationären Handels. Raffaello Rossi schafft Erlebnisse durch Events und durch enge Zusammenarbeit mit Handelspartnern, vor allem im Jubiläumsjahr 2026: Mit unserer Heritage-Kollektion feiern wir „30 Years of Perfect Fit – Empowering Women with Style“. Diese Haltung prägt uns. Was bedeutet für dich Realness? Authentizität. Kundinnen wollen wissen, wer hinter der Marke steckt, wofür sie steht, ob sie zu einem passt. Unsere Antwort: Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen aus Deutschland mit klimaneutralem Headquarter und einer empathischen Marke, die Frauen im Alltag stärkt. www.raffaello-rossi.com
Zeitgemäß, passformstark: Raffaello Rossi.
Labo. Art
„ES MUSS SICH ECHT ANFÜHLEN“
Ludo, wie beschreibst du die Konsumwelt, in der Frauen heute leben, und wie kann man sie erreichen? Ludovica Diligu, Gründerin and Creative Director Labo.Art: Sie bewegen sich in einer Welt, die Schnelligkeit verlangt, aber Achtsamkeit schätzt. Sie wählen bewusst Erlebnisse. Wohlbefinden und persönliche Bedeutung stehen oft vor Mode. Also geben sie Geld für Dinge aus, die mit ihrem Selbstbild übereinstimmen. Um sie zu erreichen, muss man ihren Intellekt und ihren Lebensrhythmus respektieren. Und sie kaufen Kleidung, die sich wie Begleiter anfühlen: unkompliziert, durchdacht und alltagstauglich. Wie kann Mode wieder Emotionen wecken? Ein Kleidungsstück berührt uns, wenn es sich echt anfühlt, in seiner Haptik, seiner Ausgewogenheit, in dem leisen Selbstvertrauen, das es verleiht. In den sozialen Medien entsteht Emotion durch Aufrichtigkeit und echte Geschichten, Materialien, so wie sie sind. Wenn Kommunikation ehrlich ist, berührt Mode wieder. www.laboart.com
236 style in progress
Durchdachter Ansatz, Dialog von Form und Individualität: Labo.Art.
Made to matter
FASHION
Angela Picozzi, die Seele hinter Mantù.
Fließende Stoffe, zarte Nuancen und eine Passform, die wie selbstverständlich sitzt.
Mantù
DIE SCHÖNHEIT LIEGT IN DER PASSFORM
Bei Mantù beginnt alles mit einem klaren Credo: „Ein Kleidungsstück muss eine Frau schöner machen, sonst hat es seinen Zweck verfehlt“, sagt Gründerin Angela Picozzi. Die Tochter eines neapolitanischen Schneiders und einer Modellistin gründete 2003 in Castellucchio bei Mantua Castor Srl; 2008 entstand daraus die Marke Mantù. Ein Gespräch über die perfekte Passform und ihre Pläne für die D-A-CH-Region. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Bilder: Mantù
„Die Passform ist unser Kern. Ob Hose, Jacke oder Jackett – alles muss vom ersten Moment an richtig sitzen“, erklärt Angela Piccozzi gleich zu Beginn. Mantù entwickelt Schnitte über Monate, testet Proportionen an realen Körpern und justiert Linien immer wieder neu. „Wir sind 70 Frauen mit ganz unterschiedlichen Formen. Wir probieren alles selbst. Wenn ein Stück uns allen steht, dann hat es die richtige Balance.“ Diese Sorgfalt zeigt sich nicht zuletzt in der Art, wie sich die Modelle bewegen. „Eine gut gesetzte Schulter, ein fein platzierter Drapé – das kann eine Figur verändern, ohne dass man es sieht“, sagt Picozzi. Ihr Vater spricht immer von „kleinen Geheimnissen“, den versteckten Handgriffen, die ein Kleidungsstück natürlicher wirken lassen. „Wir arbeiten so lange, bis wir diese Leichtigkeit finden, die man nicht erklären kann, aber sofort fühlt.“ Auch die Materia-
lien entstehen in enger Zusammenarbeit mit italienischen Webereien. „Ich liebe Nuancen, die nicht laut sind, aber Persönlichkeit haben“, sagt sie. Selbst klassische Themen wie Shetland werden neu gedacht – weich, leicht, modern. In Italien ist Mantù ausschließlich in Boutiquen ausgewählter Belmond Hotels präsent – im Cipriani in Venedig, in Portofino und weiteren Häusern der Gruppe. „Dort treffen wir Kundinnen, die Qualität intuitiv verstehen.“ Auch international findet die Marke Resonanz: Selbst Königin Letizia trug bereits ein Mantù-Kleid. Für die D-A-CH-Region setzt Mantù auf die Vertriebsagentur Diekaufleute – Giorgio Occhipinti und Norbert Klauser. „Norbert hat ein außergewöhnliches Gespür für Mode und versteht den deutschen Markt wie kaum ein anderer. Er hat unser Produkt sofort erkannt“, sagt Picozzi. „Bei solchen Partnern fühlt man sich gut aufgehoben.” style in progress 237
EDITOR'S PICKS
Made to matter
Farm Rio
DRESS IN HAPPINESS Farm Rio zählt heute zu den international markantesten brasilianischen Lifestyle- und Fashionbrands. Seit der Gründung 1997 steht sie für eine unverwechselbare Verbindung aus farbstarker Ästhetik, handwerklicher Qualität und kultureller Verwurzelung. Aus einem kleinen Marktstand der Freunde Kátia Barros and Marcello Bastos entwickelte sich ein Unternehmen, das die brasilianische Leichtigkeit und den borogodó – den typisch mühelosen Charme – in moderne Designs übersetzt. Jedes Piece versteht sich als Ausdruck von Lebensfreude. Mit über 100 Stores in Brasilien und einer wachsenden globalen Präsenz prägt Farm Rio heute ein Markenbild, das Lifestyle, Identität und kreative Selbstentfaltung konsequent vereint. @farmrio
Soft Rebels Jana Wieland
RESPONSIBLE GARMENTS & GOWNS Im Jahr 2016 gegründet, steht Jana Wielands gleichnamiges Label für Mode, die minimalistisch, nachhaltig und zutiefst persönlich ist. Die Kreative glaubt an eine tiefe Verwobenheit von Mode und Psychologie und ist überzeugt: „Kein Kleidungsstück kann Realness erzeugen, aber jedes Kleidungsstück kann Realness bezeugen. Wenn man weiß, was man braucht, wird man Kleidung auswählen, in der man ganz bei sich ist.“ Für zeitgemäße Womenswear setzt die Österreicherin auf Reduktion – weniger Masse, bewusstere Entscheidungen, limitierte Stückzahlen. Qualität statt Quantität schafft Raum für wahre Wertschätzung. Mit Jana Wieland Weds erweiterte Wieland 2024 ihr Angebot um eine made-to-order Wedding-Collection. www.janawieland.at
238 style in progress
A MODERN MOVEMENT Soft Rebels bietet moderne Womenswear, die Alltagstauglichkeit und Stil vereint. Die Kollektionen setzen auf langlebige Materialien und zeitlose Schnitte, die über Saisongrenzen hinaus tragbar sind, und richten sich an Frauen, die ihren individuellen Stil ausdrücken möchten, ohne Kompromisse bei Qualität oder Nachhaltigkeit einzugehen. Das Label erkennt die Verantwortung der Modeindustrie an und setzt auf durchdachtes Design sowie hohe Qualität, mit dem Ziel, Kleidungsstücke zu schaffen, die sowohl Menschen als auch den Planeten respektieren. GOTS- und GRSZertifizierungen untermauern diesen Anspruch und prägen alle Bereiche der Arbeit. Women support Women – but make it fashion! www.soft-rebels.com
EDITOR'S PICKS
Liya Antwerp
CONSCIOUS LUXURY
Masai Copenhagen
„Wir kreieren zeitlose Stücke fürs Leben, sehr hochwertig produziert“, sagt Claudia Jaspers, Gründerin von Liya Antwerp. Ihre konzentrierte Kollektion aus Strick, klassischen Pieces mit Twist sowie edlem Schmuck steht für Conscious Luxury, die zeitloses Design mit Nachhaltigkeit verbindet. Die saisonunabhängigen Essentials folgen einem Ansatz Quality over Quantity und werden aus zertifizierten Materialien wie GOTS-zertifizierter Baumwolle, Oekotex-zertifizierter Seide oder mongolischem Cashmere in Europa, mit Garnen aus Italien, der Schweiz und der Mongolei handgefertigt. So entwickelt sich Liya Antwerp zu einer anspruchsvollen Lifestylebrand mit stiller, selbstbewusster Eleganz. @liya_antwerp
INSPIRED BY WOMEN
Seit 1992 entwirft Masai Copenhagen Mode für Frauen mit Charakter. Die Kollektionen verbinden mühelosen Stil mit Komfort und sind von der Vielfalt echter Frauen inspiriert – unabhängig von Alter, Kultur oder Körperform. Mit ihren typischen, lässig-loosen Silhouetten setzt die Marke auf Leichtigkeit, Eleganz und Tragbarkeit. Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und bewusste Produktionsentscheidungen sind fest in der Brand-DNA verankert. Die Auszeichnung als weltweit erste FSC-zertifizierte (FSC C152037) Modemarke unterstreicht diese Bestrebungen zusätzlich. www.masai.de
AGL
FAMILIEN(SCHUH) BANDE Vera Giusti ist eine dieser Persönlichkeiten, mit der man sich stundenlang unterhalten möchte. Sie erzählt die Geschichte zur italienischen Schuhmarke AGL aus dem Bauch heraus, weil es die Geschichte ihrer Familie ist. 1958 in Montegranaro nahe Ancona, in der italienischen Region Marken von ihrem Großvater Piero Giusti gegründet, wird AGL seit 2003 von den drei Schwestern Vera, Sara und Marianna Giusti auf ein neues Level gehoben. Die Marke verbindet die eigene Tradition mit innovativen Designs und verkörpert in der Kollektion, wofür die drei Unternehmerinnen stehen: Abwechslung, frischer Wind und Mut zum Ausdruck; ein sehr geerdeter, femininer Stil mit avantgardistischer Note. www.agl.com
style in progress 239
FASHION
FTC
SENSE MADE SOFT
FTC steht für eine neue Form von Luxus: weich im Ausdruck, klar in der Haltung. Eine Einladung, Mode nicht nur zu tragen, sondern zu spüren – mit Bewusstsein, Sinnlichkeit und echter Verantwortung. Text: Lisa Hollogschwandtner. Fotos: FTC In einer Zeit, in der Mode oft lauter als ihre eigenen Werte war, begann Anfang der 2000er-Jahre die Geschichte von FTC – leise, konsequent und mit einem klaren Verständnis davon, was Qualität wirklich bedeutet. Im Laufe der zurückliegenden 25 Jahre baute die Familie Knezovic ein Unternehmen auf, das Verantwortung nicht als Trend, sondern als Grundsatz versteht. Seitdem wurden eine Lieferkette geschaffen, die Transparenz ermöglicht, eine Produktion, die Menschen respektiert, und Kollektionen, die zeigen, dass sich im Kontex von echtem Luxus bewusster Konsum und Mode, die berührt nicht ausschließen – im Gegenteil. Im Kern gehe es damit um Sinn und Sinnlichkeit, in all ihren Bedeutungsebenen, stellen Jana und Adrian Knezovic im Gespräch fest. Denn die von FTC verwendete Cashmere-Qualität wirkt nicht nur auf der Haut, sondern im Bewusstsein. Ihre Haptik erzählt von Sorgfalt, von der Nähe zur Natur und vom Respekt vor den Tieren, deren Wolle die Grundlage bildet. Kleidung, die berührt, weil sie gut tut – ästhetisch, ethisch und emotional. In der zweiten Generation führen die Geschwister Jana und Adrian die Haltung ihrer Eltern Jutta und Andreas weiter, immer mit einem Blick auf die Gegenwart: Mode darf verführen, aber nicht verblenden. Für sie ist modische Relevanz kein Selbstzweck. „Wir machen nichts Verrücktes, nur um es gemacht zu haben“, sagt Jana. Es gehe darum, Stücke zu schaffen, die der Marke treu bleiben, die dem Material gerecht werden und die eine ehrliche Geschichte tragen. Adrian ergänzt: „Für uns hat Mode nur dann Bestand, wenn sie echt bleibt – fern von künstlicher Preislogik, Off-Price-Strategien oder der Idee, dass Wert sich über Reduktion definiert.“ In einer Welt gesättigter Märkte und rastloser Trends entsteht so etwas Seltenes: Mode mit Haltung. Kollektionen, die durch Farben, Strukturen und feine Details sprechen und die dennoch nicht mehr nehmen, als nötig ist. Denn Cashmere ist ein begrenztes Gut. Umso wichtiger, daraus keine Wegwerfware zu machen, sondern langlebige Lieblingsstücke, betonen die Geschwister. Damit steht FTC für ein neues Luxusverständnis, eine direkte Antwort auf schnelllebige Zeiten: Kleidung, die sowohl die Sinne berührt als auch den Sinn bewahrt und die von einer Familie geschaffen wird, die beides nicht voneinander trennt. www.ftc-cashmere.com
Jana und Adrian Knezovic bilden die zweite Generation im Familienunternehmen.
Der Name ist Programm: Fair Trade Cashmere von FTC.
240 style in progress
FASHION
Über die Agentur von Claudia Flessa ist Arzu Kaprol erstmalig in der D-A-CH-Region erhältlich.
Arzu Kaprol
MUTIG, FEMININ UND ZUKUNFTSWEISEND
Die türkische Designerin Arzu Kaprol kreiert aus Leder, Lammfell und Seide wahre Meisterwerke. In ihren Kollektionen verschmelzen Handwerkstradition und technologische Innovation zu einer modernen, weiblichen Vision von Luxus. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Arzu Kaprol
Arzu Kaprol führt die Familientradition in dritter Generation fort und reinterpretiert Leder als Couture für eine neue Ära.
In der Türkei gehört Kaprol zu den bekanntesten Designerinnen. Zu ihren internationalen Kunden zählten bereits Bergdorf Goodman, Neiman Marcus, Harrods und Les Suites in Paris. Aktuell arbeitet die Kreative unter anderem mit Printemps, Beymen, Gizia oder Brandroom. Die kreative DNA von Arzu Kaprol ist tief in ihrer Familiengeschichte verwurzelt: Die Schneiderkunst der Mutter und das Lederhandwerk des Vaters bilden die Grundlage ihres unverwechselbaren Stils. Mit einzigartigen Techniken verbindet sie Altbewährtes und Zeitgenössisches, überschreitet Grenzen und schafft Neues. Jedes Stück aus ethisch gewonnenem Leder wird mit architektonischer Präzision geschnitten, mit handwerklichen Details veredelt und für die Ewigkeit entworfen. „Wir sollten unsere Sichtweise auf Kleidung verändern. Mode bedeutet nicht, blindlings den Trends zu folgen, sondern vielmehr, unsere Persönlichkeit durch das, was wir tragen, sichtbar zu machen“, erklärt Arzu Kaprol, Gründerin und Kreativdirektorin des gleichnamigen Couture-Hauses aus Istanbul. „Charakteristische Merkmale wie zweifarbiges Leder, skulpturale Silhouetten und kunstvolle Paspeltechniken verleihen ihren Kollektionen eine zeitlose Stärke. Edle Seide, Chiffon oder Lammfell sind Ausdruck purer Eleganz. Sie verwandeln die Items in eine zweite Haut, die den Körper begleitet und zugleich seine Individualität betont. Die Kollektion hat es hierzulande noch nie geben“, erklärt Claudia Flessa, die mit ihrer Agentur für den Vertrieb in der D-A-CH-Region zuständig ist und Arzu Kaprol außer in Düsseldorf und München auch im Showroom in Paris und Mailand zeigt. Die Größen reichen von XS bis XXL und die Verkaufspreise von 1.000 bis 3.000 Euro bei einer 2,7er-Kalkulation. Die Ware wird von Ghiselli in Mailand in die EU importiert, fakturiert und geliefert. www.arzukaprol.com style in progress 241
FASHION
Alltagstaugliche Eleganz, die von morgens bis abends funktioniert: G-Lab.
Sie folgen für G-Lab einem hohen Anspruch: Björn Gericke und Barbara Kühne.
242 style in progress
FASHION
G-Lab
„WIR SIND RELEVANTER DENN JE“
Seit über 15 Jahren steht G-Lab für Jacken, die Designanspruch, Funktionalität und Qualität vereinen. Im Interview sprechen Björn Gericke und Barbara Kühne darüber, warum echte Markenidentität wichtiger denn je ist und was den zunehmenden Erfolg von G-Lab ausmacht. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: G-Lab
G-Lab wirkt wie eine Marke, die sehr bei sich selbst bleibt. Ist das wirklich so, aus eurer Wahrnehmung heraus? Björn Gericke, Gründer und CEO: Absolut. Wir machen Produkte, für die wir persönlich stehen. Unsere Haltung zu Stil und Lebensweise ist in jeder Kollektion spürbar. Barbara Kühne, Head of Marketing: Wir inszenieren nicht, sondern stehen für eine extrem klare und ehrliche Meinung zu Stil, Materialität und Lebensrealität. Jedes Piece zeigt das. Design ist ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal, unsere Signature-Fabrics sind haptisch wie optisch einzigartig. Ihre funktionalen Benefits sieht man nicht auf den ersten Blick – aber man spürt sie sofort. Björn Gericke: Design, Funktion und Materialität sind untrennbar. Wir nutzen keine Standard-Sportstoffe, wir gehen den umgekehrten Weg. Erst kommt das Design, dazu entwickeln wir dann das passende Obermaterial und veredeln es mit unseren Funktionalitäten wie Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität. Dafür arbeiten wir vorrangig mit recycelten oder natürlichen Materialien. Wir lieben hochwertiges Design und sind als Marke klar purpose-driven.
Wie kann man sich das vorstellen? Barbara Kühne: Wir designen aus echten Bedürfnissen. So entstand die Marke, Björn fand keine Jacke, die Design und Funktion vereint. Dieser Ansatz prägt uns bis heute. Was zieht man an, wenn man stundenlang auf einer Spielplatzbank sitzt, viel mit dem Rad unterwegs ist, durch unterschiedliche Klimazonen reist und nicht nur funktional angezogen sein will? In der Damenkollektion haben wir jetzt auch Day to Night Pieces – elegantere Jacken, die man auch abends zum Ausgehen anziehen kann. Was macht G-Lab zur Fachhandelsmarke? Björn Gericke: Zunächst natürlich einmal der Erfolg, den der Handel aktuell mit uns verzeichnen kann. Unser Produkt erfüllt heutige Lebensbedürfnisse mehr denn je. Barbara Kühne: Und die Tatsache, dass wir sehr nah an unseren Partnern sind. Wir schulen regelmäßig. Unser Produkt versteht man am besten, wenn man es anfasst und trägt. Was hat sich im Vertrieb getan? Björn Gericke: Wir haben uns vor einigen Jahren bewusst konsolidiert und uns von einigen Märkten getrennt, um uns auf D-A-CH und Frankreich zu konzentrieren. Das hat sich ausgezahlt: Frankreich entwickelt sich sehr stark, D-A-CH wächst im mittleren zweistelligen Bereich. Jetzt öffnen wir wieder sehr selektiv neue Märkte. Barbara Kühne: Gleichzeitig steigern wir unsere Sichtbarkeit. Letztes Jahr hatten wir unseren ersten Pop-up auf Sylt mit Michael Meyer, ein toller Erfolg! Daran wollen wir anknüpfen und bereiten gerade weitere Konzepte mit dem Handel vor. Der Oberbegriff unserer Ausgabe lautet Realness. Was bedeutet er für euch? Björn Gericke: Das ist unser Kern: ein ehrliches Produkt – zeitlos, funktional, hochwertig. Wir stehen für Lieblingsstücke mit funktionaler Eleganz und Understatement. Realness heißt für uns Substanz statt Show. Wir verstellen uns nicht – what you see is what you get. Das schätzen unsere Partner. www.g-lab.com
style in progress 243
FASHION
Italienische Identität: Cinque.
Cinque
„WIR WOLLEN EINE GLAUBWÜRDIGE MARKE SEIN“ Bis heute steht Cinque für italienisch inspiriertes Tailoring. Wie man als Marke relevant bleibt, erklären Denis Kulms, Claudia Kessler und Jörg Krause im Interview. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Cinque
Teamplayer (von li.): Claudia Kessler, Denis Kulms, Jörg Krause.
244 style in progress
Zahlreiche Player im Umfeld von Cinque gibt es nicht mehr. Wie bleibt man auch nach 42 Jahren relevant? Denis Kulms, Geschäftsführer Cinque: Wir haben immer unsere Identität gewahrt und als Total-Look-Marke für Damen und Herren weiterentwickelt. Cinque war nie nur Konfektion, sondern aufgebrochener: Strick statt klassischem Hemd, weitere Hosen, entspanntere Looks und Styling. Jörg Krause, Head of Menswear: Der Kunde sucht eine neue Interpretation von Businesswear, seien es Overshirts, Blousons oder Strick. Klassische Konfektion übersetzen wir mit unserer DNA lässiger, vielseitiger. Darin sind wir stark – mit Silhouetten, die eine breite Zielgruppe tragen kann. Und in der Womenswear? Claudia Kessler, Head of Womenswear: In den letzten Jahren haben wir Cinque Women klar im Modern-Premium-Segment positioniert. Mit unserem Know-how haben wir Verarbeitung und Passform weiter perfektioniert, mit viel Modernität in den Styles. Mit dem klaren Profil als Bridge zwischen Premium und Upper-Mainstream treffen wir den Zeitgeist und sind ein wichtiger Key-Player für den Handel. Heute muss eine Marke nahbar sein. Auch Cinque? Denis Kulms: Absolut! Die Leute haben genug von glattgefilterten Bildern. Wir wollen glaubwürdig sein. Die nächste Sommerkampagne ist nicht mehr so idealisiert, sondern authentischer. Sie spielt mit italienischem Lifestyle und unserer gelegentlich selbstironischen Bildsprache. Claudia Kessler: Das setzen wir im Handel fort, etwa mit Pop-up-Flächen wie im Sommer die Bar Italiana mit süditalienischem Flair und passender Capsule mit Kalkulationsanreiz. So inszenieren wir eine Welt, die Emotionen weckt. Denis Kulms: Zurzeit wachsen wir in Osteuropa, etwa in Polen und im Baltikum, und wollen die Niederlande ausbauen. Im D-A-CH-Markt suchen wir den Schulterschluss mit unseren Handelspartnern, um gemeinsam die Produktivität zu steigern. Das gelingt uns als Marke mit Identität und als verlässlicher Partner. www.cinque.de
FASHION
Feinster Cashmere für Damen und Herren.
Malo
REWRITING LUXURY
Malo fotografiert von Starfotograf Nikolai von Bismarck.
Malo startet mit einer Neuausrichtung in die Saison Herbst/Winter 2026/27, die den Kern der Marke noch deutlicher hervorhebt: Strick als Disziplin, Cashmere als Haltung. Seit 1972 steht Malo für toskanische Handwerkskunst, für Garne von hoher Reinheit und für eine Strickkultur, die nicht auf Effekte setzt, sondern auf Perfektion in jeder Masche. Der Relaunch formuliert diese Identität neu – konzentrierter, moderner, selbstbewusster. Die Silhouetten sind pur, aber nicht streng, die Proportionen ruhig, aber präzise. Cashmere bleibt das Herzstück: weich, dicht, strukturiert. Es ist Fashion, die nah am Körper und zugleich nah am Ursprung des Unternehmens bleibt. Die überarbeitete visuelle Identität spiegelt diese Haltung wider. In der Zusammenarbeit mit David Lipman entstand eine klare, grafisch geschärfte Sprache. Die Fotografie von Nikolai von Bismarck zeigt die Marke dabei ohne Pathos: intime, stille Momente, in denen sich die Qualität des Materials beinahe von selbst erklärt. Die Bilder lassen die Texturen sprechen und damit das, was Malo seit fünf Jahrzehnten definiert. Parallel stellt das Unternehmen seine internationale Struktur neu auf. Besonders für den deutschsprachigen Markt ist die Entscheidung wegweisend: Diekaufleute übernimmt den exklusiven Vertrieb in der D-A-CH-Region. „Diese Partnerschaft steht für selektive Platzierung, für Händler, die Strick nicht nur zeigen, sondern einordnen können. So entsteht eine Präsenz, die den Anspruch der Marke trägt: Qualität über Quantität, Tiefe über Breite“, erklärt Sales-Managerin Barbara Signori. Herbst/Winter 2026/27 ist kein radikaler Neustart, sondern eine präzise Fokussierung. Malo zeigt, dass moderner Luxus nicht laut werden muss, um Wirkung zu erzeugen. style in progress 245
FASHION
Traditionsmarke mit Twist: Eterna.
246 style in progress
FASHION
Dirk B. Heper und Ekaterina Maximova treiben die Moderni sierung von Eterna voran.
Eterna
„WIR WOLLEN NICHTS ANDERES SEIN, ALS WIR SIND“ Als Hemden- und Blusenspezialist schärft Eterna das Markenprofil mit einem modernen Twist. Die Strategie? Produktinnovationen mit recycelfähigen Qualitäten und ein smartes Marketing, das junge Professionals anspricht. Ein Gespräch über das Product as the Hero, internationale Märkte und die Chance im Handel. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Eterna
Wie denkt man eine Marke mit starker DNA nach vorn, ohne sich zu sehr neu erfinden zu wollen? Dirk B. Heper, Chief Sales Officer Eterna: Wir haben eine extrem starke Produkt- und Qualitätsorientierung. Eterna hat das bügelfreie Hemd in den Markt eingeführt. Darauf aufbauend entwickeln wir weiter, mit neuen Produktinnovationen, für die wir als Marke stehen. Ein Beispiel ist Dynamic Cotton™: 100 Prozent Baumwolle, mechanisch veredelter Natural Stretch, mit mehr Bewegungsfreiheit und recycelfähig, weil wir ohne Fremdfasern auskommen. Im Kern haben wir zwei erfolgreiche Performance-Qualitäten: eine Cotton-Poly-Elastan-Ware mit Vier-Wege-Stretch und Bügelfreiheit. Und am anderen Ende steht Coolflex 360° – temperaturregulierend, elastisch, ideal für Traveller-Shirts oder Blusen, die bei der modernen Businessfrau und dem modernen Businessmann super ankommen. Wie tragt ihr die Modernität nach außen? Ekaterina Maximova, Head of Marketing Eterna: Mit einer zeitgemäßen, authentischen Bildsprache. Gleichzeitig gehen wir über Kooperationen in neue Bubbles: mit Forbes, mit dem Frauennetzwerk The Her Klub. Dort bringen wir unsere
Produkte über das Thema Unternehmertum ins Gespräch. Prinzipiell sehen wir uns eher in der Wirtschaftspresse als in Lifestylemedien. Wir wollen Menschen abholen, die beruflich viel bewegen. Eterna und 1863 – wie grenzt ihr die beiden Linien voneinander ab? Dirk B. Heper: Eterna ist unsere mittelmodische Mainstreammarke mit Schwerpunktpreisen von 59 und 69 Euro/VK. 1863 ist unsere Premiumlinie mit etwa 89 und 99 Euro/VK im Schwerpunkt. Dort setzen wir im formellen Bereich ausschließlich Zweifachgarne ein, 100er-Vollzwirne – diese Qualität gibt es zu diesen Preisen im deutschen Markt sonst nicht. Unter 1863 spielen wir Innovationen wie Japanese Knitted oder ein gewebtes Hemd aus reiner Merinowolle, temperaturregulierend, hochwertig und zu 149 Euro verkaufbar, wenn jemand auf der Fläche das Produkt erklärt. Wie funktioniert die Marke international, wo steht ihr da gerade? Ekaterina Maximova: In den USA sind wir vor einem Jahr mit 1863 gestartet, ganz bewusst über unabhängige Men’s Shops statt über die großen Player. Heute haben wir dort über 200 POS. Unser stärkster Exportmarkt ist Dänemark. Spannend: Alle schauen modisch nach Skandinavien, und dort verkaufen wir kein Hemd weniger. Das zeigt, das Problem ist nicht das Hemd, sondern wie konsequent man es weiterentwickelt. Diese Wahrnehmung wünschen wir uns auch vom Retail im Heimatmarkt. Wir brauchen Händler, die Innovation auf die Fläche bringen, nicht nur auf NOS setzen. Die modischen Teile müssen sechs Monate vorgeordert werden. Um sie modisch auf der Fläche zu inszenieren, bieten wir Pullunder und Cardigans. Wir wollen dem Fachhandel alles an die Hand geben, um die Kundinnen und Kunden von Eterna zu begeistern. www.eterna.de style in progress 247
FASHION
Mac
FROM BLUE TO GREEN
Seit mehr als 50 Jahren steht Mac für Hosenkompetenz. Verantwortungsvolle Produktion und eine bewusste Materialstrategie bilden den Kern des täglichen Tuns – nachhaltig im wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Sinne. Daraus entsteht Innovationskraft, die weit über die Region hinauswirkt. Text: Lisa Hollogschwandtner. Fotos: Mac, Naomi Baumgartl
Es ist ein schmaler, geschwungener Weg, der vom Parkplatz hin zum Headquarter von Mac in Wald/Roßbach führt. Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Oberpfalz fühlt sich das architektonische Konzept des Firmensitzes wie ein tiefes Durchatmen an. Nur drei Materialien dominieren den Bau: unbehandeltes Holz, Marmor und Glas. Es ist eine Fassade, die nichts verbergen will. Das Gebäude fungiert damit als physisches Manifest der Unternehmenswerte Transparenz, Glaubwürdigkeit und Verantwortung. Im Inneren arbeiten rund 500 Menschen aus zwölf Nationen an der perfekten Hose – seit 1973. Bemerkenswert dabei ist die Frauenquote, die bei stolzen 90 Prozent liegt. Es ist ein eingeschworenes Team, das bankenunabhängig agiert und gesund wächst. Während in Wald/Roßbach das Herz der Kreation schlägt – vom Design bis zum ersten Prototypen in der hauseigenen Näherei –, realisieren weitere 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Produktionsstätten in Europa und angrenzenden Ländern die Kollektionen. Über 1.000 Designs pro Jahr werden hier entwickelt, aufgeteilt in sechs Damenund sechs Herren- sowie zwei Daydream-Kollektionen. Doch Masse ist für Mac kein Wert an sich. Der Fokus liegt auf dem Wie. Das Unternehmen denkt Nachhaltigkeit ganzheitlich: ökonomisch, sozial und ökologisch. Jüngster Beweis für diesen Pioniergeist ist der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte 2026. Ausgezeichnet wurde Mac für die Mac Circular Nettle Denim – die erste industriell entwickelte Jeans aus Brennnesselfasern. „Mit der Mac Circular Nettle Denim zeigen wir, dass echte Innovation nur dann relevant ist, wenn sie Natur und Technologie sinnvoll verbindet“, erklärt Eveline Schönleber, geschäftsführende Gesellschafterin. Für sie ist der Preis mehr als eine Trophäe: Er ist ein Zeichen für geopolitische Unabhängigkeit bei Ressourcen und Bestätigung für das Team, das „unermüdlich daran arbeitet, textile Innovationen marktfähig zu gestalten“. Diese Auszeichnung ist ein Meilenstein der Strategie „From Blue to Green“. Ob Hanf, Leinen oder nun die Brennnessel, Mac experimentiert längst mit alternativen Faserrohstoffen. Während draußen auf den firmeneigenen Blühwiesen 20 Bienenvölker ihre Arbeit verrichten, arbeitet man drinnen an der Zukunft der Bekleidungsindustrie, leise, konsequent und im eigenen Rhythmus. www.mac-jeans.com
Transparenz als Unternehmenswert spiegelt sich auch im preisgekrönten Design des Firmen sitzes.
248 style in progress
Für Herbst/ Winter 2026/27 besinnt sich die Mac Menswear auf die Kraft des Ursprünglichen.
Ein Spiel zwischen sinnlicher Strenge und sanfter Stärke: die Mac Womens wear-Kollektion für Herbst/Winter 2026/27.
FASHION
Absolut Cashmere
MORE COLOURS, LESS RULES
Die USP von Absolut Cashmere aus Frankreich? Eine Premiummarke mit farbenfrohem Cashmere zu erschwinglichen Preisen. Im Interview erklärt Brand-Managerin Laurence Vignot, wie sich Absolut Cashmere von anderen Anbietern differenziert. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Absolut Cashmere
Farbe als DNA von Absolut Cashmere.
Laurence, wie hebt sich Absolut Cashmere von anderen Cashmere-Brands im Markt ab? Laurence Vignot, Brand-Managerin Absolut Cashmere: Mit einem außergewöhnlichen Produkt, das erschwinglich, cool und herrlich farbenfroh ist! More Colours, less Rules ist das Motto, und wir haben eine starke Persönlichkeit, mit leuchtenden Farben, entspannten Silhouetten und spielerischem Spirit. Als wir 2015 gegründet wurden, waren wir echte Pioniere, mit Oversized-Designs in kräftigen, fluoreszierenden Farben. Heute umfasst unsere Farbpalette rund 30 Nuancen. Andere Kollektionen haben nachgezogen, wie stecht ihr weiterhin heraus? Indem wir uns ständig weiterentwickeln. In der neuen Saison treffen feminine, ultrasofte Formen auf edle Fasern wie gebürstetes Cashmere, Cashmere-Baumwoll-Mischungen oder Lyocell. Wir interpretieren Oversized neu, bleiben farbenfroh, führen aber für einen modernen Look auch tiefere, zeitlose Töne ein. Ganz neu sind unsere Strick-Daunenjacken, mit unserer typischen Weichheit und einem zeitgemäßen Design. Welche Märkte stehen im Fokus? Wir sind international stark aufgestellt und in mehreren Ländern präsent, darunter strategisch wichtige Märkte wie Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit unserem Launch kommt Absolut Cashmere in diesen Ländern sehr gut an: Man schätzt dort Anpassungsfähigkeit, Eleganz und eine mühelose, coole Attitüde, die perfekt zu unserer Marke passt: vielseitig und stilvoll, aber nicht formell. Was sind die nächsten Schritte? Wir möchten Capsule-Kollektionen, Sondereditionen und Kooperationen entwickeln, um unsere Expertise zu erweitern. Unsere gesamte Vision ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Jedes Wachstum soll verantwortungsvoll und im Einklang mit unseren Werten erfolgen. Wir wollen emotionale Must-Haves schaffen, die unsere Kundinnen und Kunden wirklich berühren. www.absolutcashmere.com style in progress 249
FASHION
Performance Days
VON MENSCH ZU MENSCH
Anna Schuster ist Head of Sustainability der Performance Days.
250 style in progress
Welche Themen beschäftigen euch aktuell besonders? Anna Schuster, Head of Sustainability Performance Days: Unser Ziel ist es, Nachhaltigkeit greifbar und praxisnah zu machen. Jede Messe hat ein fokussiertes Leitthema – aktuell Textile-to-TextileRecycling mit Fokus auf Sortierung und Sammlung – eingebettet in ein breites Spektrum an Lösungen mit klaren Handlungsempfehlungen, Tools und Best Cases. Wir bieten Orientierung über verschiedene Formate: Sustainability Lounge für Themen wie Zertifizierungen, soziale Nachhaltigkeit und Regulatorik, Innovation Area mit frühen Entwicklungen und marktreifen Technologien sowie Material- und Themenspecials wie Wool, Footwear oder Bodywear. Auch Solution Provider mit KI-Ansätzen und Workshops für praxisnahes Wissen sind Teil davon. Besonders wichtig ist uns, Startups eine Bühne zu geben, denn hier zeigt sich, was als nächstes kommt. So werden die Performance Days zu einem zentralen Treffpunkt für Produktentwicklung, Design, Sourcing und Sustainability – dort, wo die Lösungen und Trends von morgen entstehen. Warum legt ihr den Schwerpunkt bewusst auf den Beginn des Kreislaufs? Weil dort die Grundlagen entstehen. Viele sprechen über Recyclingtechnologien, aber viel früher stehen Menschen, die Materialien händisch sortieren, Reißverschlüsse entfernen oder anhand von Griff und Erfahrung Fasern erkennen. Trotz innovativer KI- und RFID-Lösungen ist der Prozess heute noch stark manuell geprägt. Gleichzeitig kommen von der EU klare Regularien auf uns zu. Wir müssen recycelte Textilien einsetzen. Damit wir als Branche skalieren können, müssen wir verstehen, was am Anfang der Kette passiert und wie wir diese Strukturen stärken. Unser Fokus endet aber nicht beim Recycling. Viele zentrale Fragen entstehen viel früher – beim Verständnis von Materialströmen, beim Aufbau funktionierender Strukturen und einer Infrastruktur, die Innovationen erst ermöglicht. Deshalb zeigen wir auf
den Performance Days nicht nur marktreife Lösungen, sondern auch frühe Ansätze: von universitären Materialentwicklungen über Pilotprogramme bis hin zu neuen Prozess- und Technologiekonzepten mit Zukunftspotenzial. Diese frühen Einblicke schaffen am Ende hilfreiche Orientierung: So entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Innovation skalierbar wird und welche Infrastruktur wir als Industrie dafür aufbauen müssen. Für euch steht der Mensch im Fokus, das spürt man auch auf der Messe. Uns liegt das Miteinander am Herzen – echter Austausch, gezielte Vernetzung und gemeinsames Vorankommen. Mit Touren, Workshops und direktem Dialog hören wir zu, identifizieren Bedürfnisse und verbinden Brands mit passenden Lieferanten. So entstehen Gespräche, die Lösungen voranbringen. Nachhaltige Innovation ist dabei unser zentraler Treiber. Auf den Performance Days bündeln sich Entwicklungen, die anderswo über Zeit und Kontinente verteilt wären. Viele Neuheiten werden erstmals bei uns gezeigt, weil hier Produktentwicklung, Sourcing und Design zusammenkommen, Trends früh erkennen und in Entscheidungen übersetzen. Für Besucher entsteht dadurch ein Moment klarer Orientierung: Die Konzentration aus Wissen und Begegnung macht die Messe zu einem Ort, an dem sichtbar wird, wohin sich die Branche bewegt, und an dem Zukunft aktiv gestaltet wird. www.performancedays.com
Durch fokussierte Leitthemen sollen Inhalte greifbar und praxisnah vermittelt werden.
Benny Mandos hat eine klare Vision.
Got Bag
FROM TRASH TO TREASURE
Benny Mandos gründete Got Bag mit der Idee, Plastikmüll aus dem Ozean in etwas Wertvolles zu verwandeln. Heute treffen die Taschen nicht nur deswegen einen Nerv. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Got Bag
Design, Funktion, recycelte Materialien: Got Bag.
Benny, wie ist Got Bag entstanden? Benny Mandos, Gründer und CEO von Got Bag: Die Idee kam aus meiner Leidenschaft für Wassersport. Ich habe früh erlebt, wie sehr unsere Ozeane unter Plastikmüll leiden. 2018 habe ich Got Bag gegründet, um genau da anzusetzen: aus Abfall etwas Sinnvolles zu machen, mit minimalistischen Taschen und Rucksäcken aus recyceltem Plastik. Wie hat sich die Kollektion entwickelt? Angefangen hat alles mit unserem Rolltop-Rucksack. Heute sind wir eine umfassende Travel- und Lifestylemarke, zu VKPreisen bei Taschen zwischen 39 und 119 Euro sowie Rucksäcken zwischen 69 und 189 Euro. Die Herbst-/Winter-Kollektion 2026/27 legt einen stärkeren Fokus auf Handtaschen, mit neuen Formen, lebendigen Farben und technischer Raffinesse. Besonders stolz sind wir auf die Moon Bag Ruffle, eine Schulterund Crossbodytasche, die minimalistisch-funktional ebenso wie verspielt und sophisticated getragen werden kann. Was macht eure Produkte besonders? Wir verbinden zeitloses Design mit echtem Impact. Unser Clean-up-Programm in Indonesien ist dabei ein Kernstück: Plastik wird mit Hilfe lokaler Communitys in küstennahen Regionen gesammelt und ein effektives Abfallwirtschaftssystem geschaffen. Unsere Materialien wie Re:Pet oder Re:Nynet entwickeln wir selbst. Das Design bleibt clean, um Raum für unsere Haltung und Innovation zu lassen. Und im Vertrieb? Got Bag hat sich im Direktvertrieb durch massiven Erfolg in der D-A-CH-Region etabliert und die internationale Präsenz auch durch ein zweites Hauptquartier in den USA erweitert. In weiteren europäischen Schlüsselmärkten wie Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Polen und Finnland setzen wir erfolgreich auf die Zusammenarbeit mit Sales-Agenturen. Das klare strategische Ziel ist die konsequente Ausweitung des Vertriebsnetzes auf ganz Europa und perspektivisch auf globaler Ebene. Unsere Community ist loyal und interessiert, was unsere Marke auch für den stationären Handel interessant macht. www.gotbag.com
FASHION
Outhere
FUNKTION MIT STIL
Der italienische Jackenspezialist überzeugt durch eigenständige kreative Designs und stetige Weiterentwicklung. Outhere gehört zum Familienunternehmen Facib, das seit 1959 für hochwertige Sportbekleidung steht und Lizenzinhaber renommierter Marken ist, die in über 2.000 Geschäften weltweit verkauft werden. Firmengründer Luigi Cortesi wird heute von seinen Kindern Massimo, dem CEO, und Patrizia, die die Kommunikations- und Marketingabteilung leitet, unterstützt. Ihnen steht ein erfahrenes Team mit vielen langjährigen und loyalen Mitarbeitern zur Seite. „In einer Zeit, in der Funktionskleidung kalt und künstlich wirkte, entschieden wir uns für natürlichere, haptisch ansprechende und wärmende Materialien, die High-Performance mit einer zeitgemäßen und authentischen Ästhetik verbinden“, erklärt Cortesi. Die Outerwear-Kollektion wurde über einen neuen Produzenten neu aufgestellt. Nach erfolgreichem Start im Heimatmarkt Italien, unter anderem mit einem Pop-up-Store bei 10 Corso Como in Mailand, wird nun auch in Frankreich über den Color My Dream Showroom in Paris und in Spanien über Gerardini Showroom in Barcelona expandiert. Als neuen Vertriebspartner für die D-A-CH-Region konnte die Hinterhofagentur aus München gewonnen werden. In der kommenden Herbst-/Winter-Kollektion 2026 gibt es zahlreiche spannende neue Oberstoffe: Jacken mit Stückfärbecharakter in erdigen Farbtönen, Two-in-one-Modelle mit separat tragbaren Innenjacken, dazu extrem leichte Puffer-Modelle in Ripstop-Nylon oder Scubashell sowohl als Echt- oder Ökodaune. Spezielle Oberflächen, die in der Dunkelheit leuchten oder reflektieren, sowie thermo- und photochrome Materialien, die bei Wärmeeinwirkung dynamisch ihre Farbe verändern, sind ebenfalls Bestandteil der Kollektion. Die Funktionen werden bei jeder Jacke im Innenfutter erläutert. Farblich stehen Forestgreen, Burgundy, Schoko oder Blaugrau neben Klassikern wie Navy, Military oder Nero. Die Verkaufspreise bewegen sich zwischen 229 und 499 Euro bei einer 3er-Kalkulation. www.outhereofficial.com
Reaktive Materialien, hoher Qualitätsanspruch und innovative Designs: Outhere. Die Jacken von Outhere überzeugen durch ein Gleichgewicht aus Funktion, Ästhetik und Technologie.
252 style in progress
FASHION
Auf dem Weg zur LifestyleBrand: Refrigiwear.
Refrigiwear
BEREIT FÜR PHASE ZWEI
In Italien ist Refrigiwear gesetzt. Jetzt nimmt die Marke vor allem den deutschsprachigen Markt ins Visier. Mit im Gepäck? Ein echtes Workwear-Erbe, ein Preis-Leistungs-Versprechen und ein junges, ambitioniertes Team. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Refrigiwear
Was macht den Erfolg von Refrigiwear im Heimatmarkt Italien aus? Tommaso Rossi, General Manager Refrigiwear: Als wir die Marke 2018 übernommen haben, lag unser Fokus klar auf einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis für eine Kollektion mit echter Workwear-Heritage, modisch und urban gedacht. Weil wir die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren, können wir Premiumqualität zu guten Preisen anbieten. Jacken liegen im Kern zwischen 200 und 390 Euro/VK, ergänzt mit kleineren, höherpreisigen Kapseln mit koreanischen oder italienischen Fabrics. Im Handel sind unsere Margen bis zu 3,0 aktuell ein starkes Argument. In der D-A-CH-Region ist Refrigiwear eher noch Geheimtipp. Wie wollt ihr das ändern? Sichtbarkeit entsteht zuerst durch eine gute Distribution, Schaufenster und Produkte an echten Menschen sind ein Muss. Wir setzen auf starke Multibrandpartner, eigene Monobrandstores und Pop-ups. In Italien haben uns Kooperationen mit Sky, X-Factor oder MotoGP enorm geholfen. Ähnliche Kollabos streben wir auch für den deutschsprachigen Markt an. Refrigiwear soll eine Lifestylemarke werden. Wie passt das zur DNA? Alles, was wir tun, ist in der Workwear verwurzelt. Ob Hosen, Knitwear oder Accessoires: Wir übertragen die Details der Jacken wie verstärkte Nähte, funktionale Taschen, technische Stoffe auf die Kollektion, für einen stimmigen Total-Look mit urban-funktionalem Anspruch. Warum noch ist Refrigiwear für Premiummultibrand spannend? Weil wir Neuheiten in die Sortimente bringen, die die Konsumenten im Laden überraschen und die sie online nicht entdecken können. Wir stehen für eine fokussierte Kollektion mit rund 150 Styles, die Liefer- und Nachorderprozesse schlank hält und zuverlässig geliefert wird. Außerdem sind wir extrem motiviert, eher Start-up als Konzern, aber mit 30 Millionen Euro Umsatz bereits sehr solide aufgestellt. Deshalb sind wir bereit für Phase zwei, die internationale Expansion. www.refrigiwear1954.com style in progress 253
FASHION
Humanoid
„WENN IHR VERRÜCKT GENUG SEID, GO FOR IT!“
Daan Berkhoff spricht über den Neuanfang einer Marke, die eigentlich am Ende war, und über den Mut, nicht mehr, sondern bewusster zu machen. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Humanoid
Daan, Humanoid hat eine Art Wiedergeburt erlebt. Wie kam das? Daan Berkhoff, Miteigentümer und COO Humanoid: Die Marke wurde 1981 gegründet. Als 2021 klar war, dass die Firma insolvent ist, saßen Charlotte Verdegaal und ich da und dachten: Das kann nicht alles gewesen sein. Humanoid ist so eine besondere Marke, mit einer Geschichte und Substanz! Wir hatten keine Ahnung, wie ein Neustart funktioniert, aber wir wollten es versuchen. Also haben wir der Insolvenzverwalterin mitgeteilt, dass wir weitermachen wollen, und auch mit Mitgründerin Sandra Harmsen gesprochen. Sie sagte: „Wenn ihr verrückt genug seid, ist das genau der Spirit, mit der wir Humanoid gegründet hatten.“ Also gab sie uns ihren Segen, das war der Moment. Wir haben all unser Geld und unsere Leute zusammengetrommelt und die Marke gekauft. Mit welcher Strategie? Zurück zum Kern mit nur zwei Kollektionen im Jahr. Acht Leute, die alles wieder intern machen: Design, Schnitt, Lager. Wir wollen sehen, fühlen, verstehen, was wir machen. Wir produzieren in Europa und setzen auf lange Verbindungen, arbeiten mit vielen Lieferanten seit 30 Jahren. Für Humanoid als nachhaltige Brand? Sagen wir lieber: Humanoid ist bewusst. 30 Prozent der Kollektion stammen aus Deadstock-Fabrics unseres Archivs. Jede Entscheidung treffen wir so, dass sie sinnvoll ist, ökologisch wie wirtschaftlich. Eure Ästethik ist eine besondere. Wir versuchen nicht wirklich, gegen etwas zu rebellieren, auch wenn es ein kleines rebellisches Element in unserer Womenswear gibt, die wir Punk Sophistication nennen. Unser Ursprung ist Punk, aber elegant übersetzt. Wir bringen Gegensätze in Einklang: Femininität und Maskulinität, gedeckte Farben mit starken Farbakzenten. Etwas, das zum Nachdenken einlädt. Wie entwickelt sich der Handel? Frankreich läuft sehr stark, Spanien wächst. Im deutschsprachigen Raum arbeiten wir mit Stores, die lieber klein und besonders als groß und austauschbar sind, die uns verstehen. Wir machen keine Womenswear für alle. Aber für die, die das fühlen – wunderbar! www.shophumanoid.com
254 style in progress
Punk Sophistication: Humanoid.
FASHION
Urbanes Design, ressourcenschonend: Souleway.
Souleway
„CONSCIOUS CONSUMPTION IST UNS WICHTIG“ Yoga- und Pilates-Events, DIY-Formate und Conscious Fashion Coffees: Die Hamburger Taschenbrand Souleway wird von der Community aus gedacht. Der nächste Schritt ist der Ausbau im stationären Handel mit Transparenz und langlebigen Produkten. Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: Souleway
Flemming Kühl (li.) und Hagen Streit haben Souleway 2017 als D2C-Brand gestartet und wollen jetzt die Präsenz im stationären Fach handel ausbauen.
Heute bedeutet Community alles, um eine Marke nahbar zu machen. Besonders bei Souleway? Flemming Kühl, Mitgründer Souleway: Ja, absolut. 2024 haben wir begonnen, um unsere Community wirklich zu treffen, nicht nur digital zu sehen. Die Gesichter hinter Souleway sichtbar zu machen und Produkte mit einem Lebensgefühl zu verbinden, schafft mehr Nähe als jedes Reel. Mit welchen Touchpoints? Wir laden zum After-Work-Sport, kreativen Bag-Charm-Events, Conscious Fashion Coffees und City-Walks ein. Die Taschen von Souleway sind für Menschen gemacht, die zwischen Arbeit, Freizeit und Kurztrip pendeln und Wert auf Design und Qualität legen. Bei unseren Events erleben sie genau dieses urbane Lebensgefühl. Was bedeutet der Begriff Realness für euch? Transparenz und Beteiligung. Bis 2024 haben wir in einer Hamburger Partnerproduktion gefertigt. Vor der Verlagerung ins europäische Ausland haben wir unsere Newsletter-Community gefragt, wie wichtig Made in Germany ist und welche Kriterien fairer Produktion für sie zählen. Wir wollen, dass unsere Community Entscheidungen nachvollziehen und mitgestalten kann. Neben Taschen aus nachhaltigen Materialien gibt es jetzt eine Volllederkollektion. Aus welchem Antrieb heraus? Hagen Streit, Mitgründer Souleway: Viele Händlerinnen und Händler schätzen unsere Designs, wünschen sich aber Leder wegen Langlebigkeit und Natürlichkeit. Deshalb launchen wir Topseller-Handtaschen und eine neue Linie aus Vollleder aus LWG-zertifizierten Gerbereien. Unsere Core Collection produzieren wir in Kleinserien in Europa und der Türkei und ergänzen sie nur saisonal. Wir glauben an Conscious Consumption, mit Taschen und Accessoires, die langjährige Begleiter sind. www.souleway.com style in progress 255
FEEL THE REAL Realness als neues Luxusversprechen – authentisch, greifbar und emotional – prägt auch das zeitgemäße Verständnis von stationärem Handel. Was macht einen Store vor diesem Hintergrund zum Erlebnis? Nur im Zusammenspiel aus Atmosphäre, Sortiment und Mensch entstehen Konzepte, die wirklich berühren. Digitale Tools sind dabei in der Lage, zu verstärken, aber niemals zu ersetzen.
256 style in progress
Feel the real
DEEP DIVE
Moniker © Hinda Fahre
DEEP DIVE
258 style in progress
Feel the real
Feel the real
DEEP DIVE
„IT’S TOO EASY FOR ME – I DID IT ALL“ Seine Karriere gleicht einem Streifzug durch alle Disziplinen der Kreativindustrie und beschreibt gleichzeitig die zentrale Eigenschaft Ramdane Touhamis: Er strebt immer nach etwas Neuem, er hasst Mainstream und er geht keine Kompromisse ein. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist er als Künstler, Kreativdirektor und Unternehmer in der Branche unterwegs, 1997 eröffnete er in Paris seinen ersten Conceptstore L’Épicerie. Im Laufe seiner Karriere war er an rund 400 Stores direkt oder indirekt kreativ beteiligt. 2021 verkauften er und seine Frau Victoire de Taillac ihre Luxusparfüm-Marke Officine Universelle Buly an die LVMH-Gruppe. Man würde denken, Ramdane ist seitdem zur Ruhe gekommen und nimmt sich Zeit, seinen Leidenschaften nachzugehen – was er auch tut, nur anders, als erwartet. Interview: Stephan Huber. Text: Isabel Faiss. Fotos: Officine Universelle Buly, Pierluigi Macor
R
ealness scheint die treibende Kraft all deines Schaffens zu sein – als Kreativer, als Unternehmer und als Mensch. Was bedeutet Realness für dich? Ramdane Touhami: Im Japanischen gibt es das Wort Honmono. Es sagt, dass etwas wirklich real ist und gleichzeitig vielen zugutekommt und nicht nur einer Gruppe Auserwählter zu einem bestimmten Zweck dient. Für mich bedeutet Realness, dass man etwas macht, weil man wirklich daran glaubt, und nicht, weil es einen Markt dafür gibt. Das ist auch mein persönlicher Kompass. Ich kreiere mein eigenes Produkt und sehe dann, wo es mich hinführt. Ist Realness damit nicht eigentlich der Inbegriff von Luxus? Zuallererst – und ich hoffe, ich bin damit nicht zu provokativ für dieses Magazin – muss ich ehrlich sagen, dass ich einen Dreck auf den Begriff Luxus und alles, was er bedeutet, gebe. Er hat seine Bedeutung verloren. Das Einzige, was Luxus heute noch beschreibt, sind dicke, fette Margen. Die Kosten dafür liegen bei 15 bis 20 Prozent. Realness hat mit Luxus gar nichts zu tun, es ist ziemlich genau das Gegenteil davon. Aber hat sich nicht in der Wahrnehmung der Konsumenten in Bezug auf Luxus etwas verändert? In dem Sinne, dass sie weniger in eine Handtasche und mehr in ihr eigenes Wohlbefinden investieren? style in progress 259
DEEP DIVE
Das hängt von der jeweiligen Perspektive ab, aber ich denke, dass sich das nicht dramatisch verändert hat. Ja, es gibt die Kunden, die keine Luxushandtaschen und deren Storys mehr kaufen. Aber das sind nur wenige. Für die Mehrheit sind Statussymbole wie diese immer noch relevant. Wenn du nicht reich bist, ist Luxus pure Sehnsucht. Momentan erschließt sich mir nicht, wohin sich dieser Markt und die Konsumlandschaft entwickeln. Für mich befinden wir uns gerade in einer Periode des Nihilismus. Keinen interessiert es noch – es sind dunkle Zeiten. Das beunruhigt mich. Wer glaubt aktuell noch an die Zukunft? Ich glaube an die Zukunft! Und kannst du mir sagen, was sie uns bringt? Ich jedenfalls nicht. Die Dinge ändern sich so schnell, dass ich keine Vorstellung davon habe, was kommt. Erschreckend! Ist stetige Veränderung nicht genau das, was deine Karriere am besten beschreibt? Nicht um ihrer selbst willen. Für mich gibt es keinen Grund, ohne eine klare Vision immer mehr Ideen und Produkte in den Markt zu bringen. Das will ich nicht mehr. Schnelllebigkeit und Saisons sind Produkt-
Feel the real
killer. Warum reparieren und verwerten wir nicht alle Vintage-Produkte? Oder, wenn wir schon etwas Neues kreieren, warum dann nicht ohne saisonale Limitierung? Der Markt ist völlig überladen. Ich bekomme jeden Tag fünf bis zehn Anrufe von neuen Mode- oder Beautymarken, die mich nach einer Kollaboration fragen. Zu viele Marken und Künstler versuchen ihr Produkt durch diese Art der interdisziplinären Zusammenarbeit aufzuwerten – und die meisten scheitern. Wir sollten alle mal runterkommen. Gute Konzepte, gute Produkte und passionierte Menschen haben immer noch echtes Potenzial. Und wie lässt sich diese Tendenz ändern? Indem man abwartet, geduldig ist. Zum Beispiel: In den letzten drei Jahren habe ich leidenschaftlich Vintage-Möbel gesammelt. Jetzt bin ich so weit, einen Store zu lancieren, der diese sehr ausgewählten, fein kuratierten Raritäten präsentiert. Wir sammeln dafür stetig alte und gute Dinge, um unseren Kunden ein wirklich bleibendes Erlebnis zu bieten. Heute muss man sich doch einfach fragen: Warum kaufen wir alle immer noch so viel, obwohl es für unsere Umwelt besser wäre, weniger zu konsumieren.
Ist das für dich der Grund, warum Einzelhändler heute so oft straucheln? Gute Stores straucheln nicht. Alles, was ich an Stores mache, wächst erfolgreich. Zum Beispiel hier – im Words, Sounds, Colors & Shapes in Paris – haben wir allein im ersten Jahr zwei Millionen ohne irgendeine PR-Aktion umgesetzt. Weil ich weiß, wie das Business funktioniert. Für mich ist es zu einfach geworden. Ich bin überzeugt, dass die einzig wahre Erfolgsquelle nach wie vor ein außergewöhnlich gutes Angebot ist. Dafür muss man mutig sein. Ich habe schon immer Grenzen ausgetestet und Stores auf meine Art gemacht. Oder du warst besonders gut im Storytelling? Nein, Schluss mit Storytelling! Darum geht es nicht. Alles, was zählt, sind das Produkt und der Preis. Eine Story muss jemand erzählen, aber ein gutes Produkt spricht für sich selbst, es braucht keinen Background. Wir kommunizieren beispielsweise kaum über Social Media. Wir haben keine Story, die wir erzählen wollen. Aber wir haben außergewöhnliche Produkte. Darum geht es! Du sagst, du hast deine Begeisterung für das Retail-Business verloren. Warum?
„Es war wie ein Krieg – mit humorvollem Unterton und Augenzwinkern“, beschreibt Ramdane, wie er und seine Frau sich kennen lernten. Er Inhaber der Boutique L’Épicerie, sie Kommunikationschefin von Colette. Gemeinsam belebten sie die Parfüm-Brand Officine Universelle Buly 2014 wieder und verkauften sie 2021 an LVMH. Den 2024 in Tokio eröffneten Store designten sie – wie alle anderen Markenstores – selbst.
260 style in progress
DEEP DIVE
Es ist eine harte Zeit für Retail – und das ist auch gut so. Wandel beginnt immer mit dem Verlassen der Komfortzone. Dumme Menschen von Wirtschaftsschulen glauben, sie hätten das richtige Rezept für Retail. Zum Beispiel die Kunden beim Kauf ihrer Sonntagsbrötchen in der Bäckerei von einem DJ an den Turntables beschallen zu lassen. Das ist Bullshit. Überall sehe ich diese krampfhafte Suche nach innovativen Ideen, die in Echtzeit viral gehen und anschließend crashen. Das ist wie ein hysterischer Zuckerrausch. Ich will kein Teil dieser Show sein. Mich interessieren Konzepte mit Tiefe, die verschiedene Perspektiven von Kreativität vereinen und ihr Publikum dazu einladen, ein authentisches Erlebnis zu genießen. Was ist dein Rat an jemanden, der einen Store eröffnen möchte? Viel Glück! Ich war einst der enthusiastischste Unternehmer der Welt, aber momentan sehe ich um mich herum nur noch Konzepte, die die Stadt mehr verschandeln, als sie zu bereichern. Mein Rat wäre: Lass dein Wirtschaftsskript zu Hause, verbrenne es und lass deine Kreativität und deinen Instinkt die Arbeit
Feel the real
machen. In diesem Business geht es nicht nur um Margen und Marketing. Was zählt, ist das Echte. Kalkuliere nicht alles, mach es einfach! Dieses Selbstverständnis, das wir mal im Retail hatten, ist für mich immer noch das Herz und die Seele unabhängiger Konzepte. Aber es ist irgendwie verloren gegangen. Viel Herz und Seele stecktest du unter anderem in die Umgestaltung von Liberty 2023. Was hat dich daran am meisten begeistert? Zuallererst habe ich es geliebt mit Lucille Lewin zu arbeiten. Sie war damals Creative Director von Liberty. Als ich dort zum ersten Mal war, dachte ich, es würde sich um eines der ältesten Kaufhäuser Londons handeln – wegen des mittelalterlichen Stils – doch es war tatsächlich eines der neuesten. Ich liebte diese Umberto-Eco-mäßige, überrealistische Nachahmung historischer Stile. Lewin heuerte mich an, die Menswearabteilung neu zu gestalten, und gab mir sehr viel Freiraum für diesen Job. Als erstes launchte ich 62 neue Marken, die zu dieser Zeit kein anderer Store in London hatte. Das war ein großer Schritt für Liberty, ein wirtschaftliches Risiko, aber sie nahmen es auf sich.
Also wäre dein Rat: Finde etwas, das kein anderer macht? Wohl eher: Kreiere kein Konzept, das keinen Markt hat! Das ist uns mit A Young Hiker in Paris passiert. Wir mussten herausfinden, dass es kein bergsportaffines Klientel in Paris gibt. Wir waren damit am falschen Ort. Sportswear ist entweder supertechnisch oder supermodisch. Mit unserem Produktmix in der Mitte dieser Pole hat es nicht funktioniert. Aber es läuft brillant in Japan! In unserem neuen A Young Hiker Store in Tokio verkaufen wir dieses Konzept unglaublich gut. Diese Erfahrung hat mir wieder gezeigt: Eine gute Idee braucht die entsprechende Zeit und den richtigen Ort, um zu wachsen. Heute ist zwischenmenschliche Interaktion der größte USP eines Stores. Ist das eine Gegenreaktion zu digitaler Einsamkeit? Ja, und genau aus diesem Grund sind Stores wichtig. Jeder, der sich nach einer Welt sehnt, in der es mehr Interaktion als die Uber-Eatsoder Amazon-Lieferung an der Haustür gibt, versteht, wie wichtig es ist, einen Platz zu haben, wo man Gleichgesinnte trifft. Wir alle haben dieses Bedürfnis. Deswegen zeichnet
„Ich habe ungefähr 400 Stores in meinem Leben umgesetzt“, sagt Ramdane. Seiner Leidenschaft für die japanische Hauptstadt entstammt ein neuer Words, Sounds, Colors & Shapes Store in Tokio, der im Mai 2025 eröffnete. Neben Mode präsentiert er hier auch den Verlag The Radical Media Archives und das Plattenlabel Permanent Files.
262 style in progress
Feel the real
es einen guten Store aus, wenn der Chef des Kreativteams ein Stylist ist und kein Verkäufer, wie ein persönlicher Berater, der die Wünsche seines Kunden ernst nimmt. Das ist die wichtigste Aufgabe unseres Business. Unsere Kunden kommen vielleicht mit einem Zweifel oder einem Problem, und wir müssen die Antwort oder das passende Produkt haben, um dieses zu lösen. Wenn du deinem Kunden das Gefühl gibst, dass er mit seinem Thema bei der richtigen Person gelandet ist, weil du verantwortungsvoll mit seinem Bedürfnis umgehst und es löst, erschaffst du mehr als ein Erlebnis: Du schaffst Vertrauen. Und wenn du das schaffst, bist du der König der Welt. Wie blickst du heute auf die Stadt Paris? Paris ist eine Blase der Superreichen. Es killt gerade London und auch Mailand kann nicht Schritt halten, weil hier das Geschäft gemacht wird, die Entscheidungen getroffen werden und das Geld liegt. Ich sehe eine Menge Potenzial für Paris. Auch als Geburtsstätte für Neues? Das ist tatsächlich lustig: Paris ist kein Ort für Kreativität im kleinen Stil, es geht vielmehr um die Kreativwirtschaft. Globale Unter-
nehmen kreieren hier ihre Geschäftsmodelle. Früher gab es einmal einen Store, der all die neuen, innovativen Ideen aufgegriffen hat – es war Colette. Mit unserem damaligen Store L’Épicerie waren wir der Gegenentwurf zu Colette. Wir waren die Punks und sie die vornehmen Schnösel. Das war ein harter Konkurrenzkampf und es war ein großer Spaß. Meine Frau, Victoire de Taillac, war damals die PR-Chefin von Colette. Wir haben uns kennen gelernt, weil wir uns hassten. Wirklich? Oder war es mehr ein netter Wettbewerb? Es war nicht nett. Wir mochten sie nicht. Sie uns auch nicht. Es war wie Krieg, aber mit humorvollem Unterton und Augenzwinkern. Und natürlich hatten wir großen Respekt davor, was Colette in Paris aufgebaut hatte. Nach all den Projekten, die du umgesetzt hast, muss die letzte Frage lauten: Was kommt als nächstes? Ich verwirkliche gerade Projekte, die mehr mein eigenes Ding sind. Ich entschleunige. Ich habe fast alle denkbaren Arten von Stores gemacht und die meisten davon waren erfolgreich. Jetzt suche ich nach neuer Bereiche-
DEEP DIVE
rung und ironischerweise führte mich diese Suche zu meinen Wurzeln zurück. Meine Familie und ich kauften gerade eine 23.000 Hektar große Landwirtschaft in Süditalien, in der Nähe von Salerno. Ich werde wieder Landwirt, wie mein Vater einer war. Ich wuchs auf einer Farm auf. Und wir planen, Gemüse aus eigenem Anbau hier in unserem Store in Paris zu verkaufen – eine Full-CircleExperience für mich. Bei diesem Projekt geht es diesmal nur um mich. Ich liebe es, Dinge auf ihren Ursprung zurückzuführen. Gerade in Südeuropa begeistern sich die Menschen nicht für Effizienz. Sie begeistern sich für Schönheit und für die Natur, ihre Mitmenschen und gute Produkte. Diese innere Ruhe und Realness beeindruckt mich. Und ich bin gespannt, wohin uns der kulturelle Clash zwischen nordeuropäischem Streben nach Effizienz und südeuropäischem Feingespür für Schönheit führen wird. Den Schnittpunkt dieser beiden Welten bildet Paris. Wir leben in einer kreativen Welt, die von Bankern verwaltet wird; Menschen, die kein Risiko mögen. Aber: Kreativität bedeutet im besten Sinne genau das – Risiko.
Me, myself and I. Nach Jahrzehnten in der Frontrow der internationalen Kreativszene ist Ramdane drauf und dran, ihr den Rücken zu kehren und Landwirt zu werden. Dennoch läutet während des Interviews zahlreiche Male sein Telefon: Namhafte Firmen kommen mit Kollaborationsanfragen auf ihn zu. Hier die Kooperation mit dem Hotel Drei Berge in Mürren in der Schweiz.
style in progress 263
DEEP DIVE
Feel the real
FREUNDSCHAFTLICHE ÜBERNAHME Mit den Conceptstores Mes Amis beschritt das Familienunternehmen Mey schon 2019 einen bis dato völlig neuen Weg, der in der Branche viele Probleme lösen könnte: den oft durch Generationswechsel bedingten Wegfall von Fachkompetenz im Einzelhandel. Das ist nur ein Aspekt der wirtschaftlichen Cleverness, die dieses Konzept ausmacht. Text: Isabel Faiss. Fotos: Mey
264 style in progress
„E
in wichtiger Beweggrund war, dass wir zunehmend mit Geschäftsaufgaben konfrontiert wurden – von langjährigen, etablierten Fachhändlern, die aus Altersgründen schließen mussten und keine Nachfolge fanden. Diese Lücken wollten wir nicht nur schließen, sondern als Chance begreifen, unser Verständnis von modernem Fachhandel weiterzuentwickeln. Daraus ist Mes Amis entstanden“, beschreibt Matthias Mey jene Geschichte, die mit ersten Beteiligungen im Jahr 2019 begann. Die Eröffnung nach Übernahme des ersten Mes Amis Stores in Heidelberg fand im Januar 2022 statt. Inzwischen sind es zehn Stores in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, in Städten wie Salzburg, Mainz und Aschaffenburg. „Wir setzen bewusst auf mittelgroße Städte
mit stabiler Einzelhandelsstruktur und enger Kundenbindung. Viele unserer Standorte sind aus bestehenden Fachgeschäften hervorgegangen, die wir fortführen – mit Respekt vor ihrer Geschichte und einem klaren Blick nach vorn.“ Vor diesem Hintergrund ist Mey auch immer für weitere Partnerschaften offen, sofern sie zur Philosophie des Konzeptes passen. Seine unternehmerische Entscheidung traf Matthias Mey mit strategischem Weitblick, denn neben der Absicherung des eigenen Marktes beinhaltet sie weitere wertvolle Aspekte. Mey etablierte sich durch die Stores nicht nur als Partner auf Augenhöhe mit renommierten Fachhändlern im Segment Lingerie, sondern nutzt auch die Chance, sich als Marke in einem entsprechend hochwertigen Umfeld mit sorgfältig kuratierten Sortimenten zu präsentieren. Neben den Synergieeffekten im Einkauf ist auch die Expertise und Erfah-
Feel the real
rung, die diese extreme Nähe zum Markt und den Kunden mit sich bringt, ein genialer Zug. Neben den Kollektionen von Mey präsentiert Mes Amis als ganzheitliches Lifestylekonzept weitere europäische Marken zu den Themen Lingerie, Bademode, Schmuck, Home- und Sleepwear, Accessoires und Beauty. Diese Möglichkeiten in der Sortimentsgestaltung in Kombination mit der Expertise der teilweise seit Jahren und Jahrzehnten eingespielten Teams und übernommenen Mitarbeitenden ist für Matthias Mey die USP: „Häufig kommen Inhaberinnen und Inhaber auf uns zu, die mit großer Leidenschaft verkaufen, aber keine Nachfolge finden. Wir führen solche Geschäfte mit dem Anspruch fort, Qualität und Vertrauen zu bewahren – und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Der große Unterschied ist die Tiefe der Beratung. Gerade im DessousBereich ist das Fachwissen unserer Mitarbei-
tenden entscheidend. Unsere Teams können auf die individuellen Bedürfnisse eingehen – von der perfekten Passform bis zur passenden Marke. Dieses Wissen und diese Nähe zu Kundinnen und Kunden heben uns klar von vielen vertikalen Anbietern ab.“ Seit Dezember 2025 ist Mes Amis auch mit eigenem Onlineshop vertreten. www.mes-amis.com
DEEP DIVE
„Bei Mes Amis geht es um mehr als Wäsche: Es geht um ein neues, zeitgemäßes Einkaufserlebnis.“ Matthias Mey
Jeder Mes Amis Store ist ein Unikum. So würdigt Mey die Historie der Stores und erhält den Wiedererkennungswert für die lokale Stammkundschaft bei.
style in progress 265
DEEP DIVE
Feel the real
Moniker
LET FASHION BE FUN! Moniker ist mehr als Retail. Wer den Store in Oslo besucht, taucht in ein lebendiges Universum ein: verspielt, mutig und voller Persönlichkeit; ein Ort, der dazu einlädt, Mode nicht zu ernst zu nehmen – und sie dennoch ehrlich wertzuschätzen. Ein Gespräch mit Anett Ringstad Jalland und Jørgen Jalland über Authentizität, kreative Vision und den Mut, Retail neu zu definieren. Interview: Lisa Hollogschwandtner. Fotos: Hinda Fahre, Moniker
266 style in progress
I
ch bin vor kurzem auf Moniker gestoßen und war sofort von eurem Konzept fasziniert, weil es wie selbstverständlich Gegensätze verbindet: maximal durchdacht einerseits, ungemein spontan andererseits. Ihr seid beide seit vielen Jahren in der Modebranche tätig. Was hat euch dazu bewegt, euer eigenes Universum – wie ihr es nennt – zu schaffen? Anett Ringstad Jalland & Jørgen Jalland, Gründer von Moniker: Es stimmt, wir fühlen uns beide seit vielen Jahren in der Mode zu Hause und haben die Branche bereits aus unterschiedlichsten Perspektiven kennen gelernt. Neben dem Aufbau unserer eigenen Agentur haben wir Ganni dabei unterstützt, seine Retail-Präsenz in Norwegen zu etablieren. Irgendwann wuchs der Wunsch, etwas völlig Eigenes zu schaffen – einen Ort, an dem wir unsere Ideen frei ausdrücken können, ein Universum, das unseren Geschmack, unsere Werte und unsere Haltung widerspiegelt. Als uns ein Projektentwickler in Oslo auf eine neue Fläche aufmerksam gemacht hat, hat sich einfach alles richtig angefühlt. Ihr habt 2020 eröffnet – inmitten einer der schwierigsten Phasen für den stationären Handel. Unsere Eröffnung war ursprünglich für Anfang April geplant – exakt jener Zeitpunkt, zu dem Norwegen in den Lockdown ging. Es war surreal. Was folgte, waren Monate des Öffnens und Schließens. Und doch wurde diese Zeit zu einer Chance. Die Menschen konnten nicht reisen, nicht ausgehen, keine Veranstaltungen besuchen. Sie hatten Zeit und wollten diese mit Sinn füllen, mit Erlebnissen und echten Begegnungen. Wir haben diesen Wunsch nach Inspiration und Verbindung gespürt. Da Moniker von Anfang an als Erlebnis gedacht war – nicht bloß als Ort zum Einkaufen – traf unser Konzept den Nerv.
Apropos Erlebnis – zur Gesamtexperience trägt auch euer Interieur maßgeblich bei. Der Store ist in einzelne Bereiche unterteilt, jeder davon verfügt über seine eigene Identität – und doch wirkt alles verbunden. Wie entstand dieses Konzept? Wir wollten uns bewusst vom Zugang lösen, einen Store als neutralen Raum zu verstehen, in dem Produkte präsentiert werden. Moniker wurde vom Start weg selbst als Marke gedacht. Das Raumkonzept entstand zusammen mit dem norwegischen Architektur- und Designstudio Snøhetta. Der Ausgangspunkt war das Chamäleon – ein Wesen, das sich anpassen und verwandeln kann, dabei aber immer es selbst bleibt. Diese Idee hat uns fasziniert, weil sie widerspiegelt, wie wir Mode verstehen. Sie gibt die Möglichkeit, unterschiedliche Facetten der eigenen Persönlichkeit zu zeigen – je nach Stimmung, Kontext und Moment. Daraus entstand die Idee von fünf Räumen, die unser Womenswear-Universum bilden, jeder inspiriert von einer außergewöhnlichen Frau und ihrer Persönlichkeit. Grace Jones steht für Eigenständigkeit – furchtlos, kraftvoll, geometrisch und kompromisslos sie selbst. Hedy Lamarr verkörpert Ehrgeiz – intelligent, elegant und visionär, zugleich Hollywood-Ikone und Erfinderin. Jane Birkin symbolisiert Sensibilität – lässig, bohemien, unaufdringlich. Peggy Guggenheim bringt Exzentrik – extravagant, maximalistisch und wunderbar unberechenbar. Und Isabella Bird, die Entdeckerin des 19. Jahrhunderts, steht für Neugier – den Mut, neue Welten zu erkunden. Jede dieser Frauen wurde zur Seele eines Raums. Die Innenarchitektur übersetzt ihre Essenz durch Material, Form und Farbe, ohne ein einziges Porträt oder einen Namen zu zeigen. Man spürt Grace Jones in den scharfen Silhouetten und klaren Kontrasten; man fühlt Jane Birkin in den natürlichen Texturen und
DEEP DIVE
Feel the real
Anett Ringstad Jalland und Jørgen Jalland sind beide keine neuen Gesichter in der Mode. Mit Moniker erfüllten sie sich den Wunsch, etwas gänzlich Eigenes zu schaffen.
Für das Raumkonzept zeichnet das norwegische Architektur- und Designstudio Snøhetta verantwortlich.
„Unser starkes Konzept erlaubt es uns, uns weiterzuentwickeln, ohne unsere Essenz zu verlieren.“ style in progress 267
DEEP DIVE
dem sanften Licht. Ein Rundgang durch den Store gleicht einer Reise durch verschiedene Persönlichkeiten, die alle Teil eines Universums sind. Das ist ein wunderbar vielschichtiger Ansatz, der zeigt, wie eng Storytelling und Design miteinander verwoben sind. War es von Anfang an eure Absicht, Moniker eine so starke narrative Ebene zu geben? Absolut. Wir glauben daran, dass ein physischer Raum eine Geschichte erzählen sollte, sonst bleibt er eine Bühne. Deshalb war es uns vom Start weg wichtig, Moniker eine eigene Identität und Stimme zu geben. Jede Entscheidung – von der Farbpalette über das Licht bis hin zu den Marken, die wir führen – sollte ausdrücken, wer wir sind. Wir wollten keine Galerie schaffen, keinen kühlen, minimalistischen Conceptstore. Uns ging es um Wärme und darum, unsere Kundinnen und Kunden dazu zu inspirieren, etwas Neues zu entdecken. Den Start bildeten Womenswear und Sportswear, später wurde Moniker um Menswear erweitert. Seid ihr dem Konzept dabei treu geblieben? Uns war es von Beginn an wichtig, zu zeigen, dass Activewear dieselbe emotionale Tiefe
Feel the real
haben kann wie Fashion. Der Menswearstore kam etwa zwei Jahre später – tatsächlich auf Wunsch unserer Kundinnen und Kunden. Nahezu täglich kam jemand in den Store und fragte nach Menswear. Für Moniker Man haben wir dieselbe Designphilosophie angewandt, wie für die Womenswear- und Sportswearflächen, allerdings in reduzierter Form – inspiriert von Persönlichkeiten wie Alain Delon und Paul Newman. Wir haben vorhin schon über Brandbuilding gesprochen: Was macht Moniker für euch zur Marke? Konsistenz, Tiefe und Überzeugung. Unser Einkaufsprozess ist sehr bewusst. Wir wählen Marken und Stücke aus, die zu unserer Welt passen – nicht nach Trends oder dem, was gerade „in“ ist. Die Mode ist unglaublich schnelllebig geworden, für uns liegt wahrer Luxus in Beständigkeit. Unser starkes Konzept erlaubt es uns, uns weiterzuentwickeln, ohne unsere Essenz zu verlieren. Nach fast sechs Jahren: Was waren die größten Learnings? Die vergangenen Jahre waren eine Masterclass in Resilienz. Eine Eröffnung während der Pandemie, finanzielle Unsicherheiten, sich
wandelnde Konsumgewohnheiten – all das war herausfordernd, aber auch transformativ. Wir haben gelernt: Identität muss stärker sein als die Rahmenbedingungen, die sie zu formen versuchen. Eine Zeit lang wollten wir es allen recht machen, uns in zu viele Richtungen öffnen – das war der falsche Weg. Wir setzen heute stärker als je zuvor auf unseren Kern, vertrauen unserer Intuition und bleiben damit uns selbst treu. Wenn ihr Monikers Philosophie in einem Satz zusammenfassen müsstet, welcher wäre das? Let fashion be fun. Die Mode ist vielerorts sehr ernst geworden. Wir wollen die Freude am Anziehen, am Ausprobieren, am kompromisslosen Man-selbst-Sein zurückbringen. Das ist, wofür Moniker steht. @monikeroslo
Moniker, vom Chamäleon inspiriert, lädt dazu ein, Mode in ihrem gesamten Facettenreichtum zu entdecken.
268 style in progress
FIORUCCI
MODEist
JNBY
ALOHAS
PRIDE TO BE
BY JNBY
LESS
SOLDOUT
NINE TO 9
9AM
BY DOLORES
ALOHAS
WIR BRINGEN EUCH DIE MODE; AUF DEN PUNKT.
PRIDE TO BE
9AM
BY DOLORES
MULTITUDES
NINE TO 9
MODEist GmbH, München und Düsseldorf, +49 151 54 73 28 67, info@b-kleidung.com, w w w.modeist.com,
modeist_
DEEP DIVE
Feel the real
Grasegger
RETAIL IS DETAIL Wenn Herkunft nicht festhält, sondern Halt gibt, entsteht daraus ein Fundament für eine Zukunft, die von Echtheit und Begegnung lebt. Eine Bestandsaufnahme bei Grasegger in Garmisch-Partenkirchen – zwischen Tradition und Weitblick. Text: Lisa Hollogschwandtner. Fotos: Grasegger
270 style in progress
„W
issen, woher man kommt. Wissen, wer man ist. Vor Augen zu haben, wer man sein will.“ Diese drei Fragen – oder besser die Antworten darauf – bilden für Franz Grasegger das Fundament, auf dem er die Zukunft des Familienunternehmens in GarmischPartenkirchen baut. Damit stehen sowohl die Manufaktur, mit ihren Linien für Damen und Herren sowie der von der Zugspitze inspirierten Kollektion 2964Grasegger, als auch das Geschäft im Garmischer Zentrum für gelebte Realness. Doch zurück zum Start. Seit 1984 befindet sich das Stammhaus der Familie Grasegger am selben Platz. Eröffnet von Annemie Grasegger mit Sohn Thomas, zeigte man damals auf knapp 1.000 Quadratmetern ein breites Trachtensortiment. An der Sortimentstiefe sowie -breite, die auf Mittlerweile 1.650 Quadratmetern präsentiert wird, hat sich wenig geändert. Dennoch wird bereits beim Betreten des Hauses spürbar: Hier geht es nicht vorrangig um Produkte. Das Geschäft ist einer dieser Orte, die von Geschichte geprägt und von Haltung getragen sind, und es befindet sich gerade in einem Moment des Wandels, der weit über das Unternehmen hinausweist. Vielleicht ist es die Lüftlmalerei an der Fassade, die vom kulturellen Erbe des Alpenraums erzählt. Vielleicht der moderne Anbau, der den Archetyp des Stadels neu interpretiert. Doch wer mit Franz Grasegger spricht, merkt schnell: Die bauliche Inszenierung ist nur die äußere Schicht. Die eigentliche Transformation findet im Inneren statt. Nach über vier Jahrzehnten Firmengeschichte übernimmt
Franz 2026 zur Gänze die Verantwortung im Familienunternehmen. Es ist eine Phase der Reflexion, bei der für ihn folgende Erkenntnis im Zentrum steht: „Wir dürfen keine Kunden bedienen. Wir müssen Gäste empfangen.“ Echte Gastlichkeit wird damit zum Schlüssel und bringt die Notwendigkeit mit sich, über klassischen Handel hinauszudenken. Inspiration findet der nun alleinige Geschäftsführer nicht nur bei Branchenkollegen, sondern vor allem in Hotellerie und Gastronomie – Orten, an denen man bereit ist, in besondere Momente zu investieren. Mit klarer Haltung und viel Liebe zum Detail übersetzt er dieses Denken ins Stammhaus. Eines der zahlreichen Beispiele? Eine Kasse macht Platz für eine Kaffeebar mit selbstgebackenem Kuchen am Samstag. Der Einstieg in ein Einkaufserlebnis, das sich nicht nach Bedarfskauf, sondern nach Ankommen anfühlt. „Retail is detail“, ein Motto, das ihm sein Vater Thomas früh mitgegeben hat, wird so zum Leitsatz. Zum Generationswechsel setzt man bei den Graseggers nicht auf lautes Marketing oder Wachstum um jeden Preis, sondern bleibt sich treu und geht den Weg der Besinnung. Prozesse werden bereinigt, Strukturen geschärft, Ressourcen bewusst ins Menschliche verlagert. Herz oder Verstand? Bei Grasegger kein Gegensatz. Analytisches Denken trifft hier auf Leidenschaft und Gastlichkeit. Wer heute die Manufaktur besucht, betritt keinen klassischen Showroom; wer das Geschäft besucht, betritt keinen klassischen Laden. Er wird von einer Familie empfangen, die verstanden hat, dass Zeit, Aufmerksamkeit und Echtheit zur neuen Währung des Business geworden sind. www.grasegger.de
DEEP DIVE
Feel the real
Franz Graseggers konsequente Überzeugung: Menschen wollen nicht bedient werden, sie wollen willkommen sein.
Das Stammhaus in Garmisch-Partenkirchen.
Ein Blick in die Manufaktur: In Farchant werden die hauseigenen Kollektionen für Damen und Herren entworfen und genäht.
style in progress 271
DEEP DIVE
Feel the real
Daniel Thiel, Wiesbaden
DAS ERDBEERTÖRTCHEN ALS EINSTIEGSPREISLAGE Wer mit Daniel Thiel spricht, spürt sofort, dass er mehr will, als nur Mode verkaufen. Er kuratiert seinen Conceptstore mit der Haltung eines Gastgebers, nicht eines Händlers. Sein Credo: „Jeder, der hereinkommt, ist ein Gast.“ Und genau das spürt man – im Stil, im Service, im Duft nach frischem Croissant und Espresso.
Bereits 2018 entschied sich Daniel Thiel, seine Karriere im Retail von Windsor und Armani hinter sich zu lassen, um seine eigene Vision zu verwirklichen. Nur wenige Meter von seinen früheren Arbeitgebern in der Wilhelmstraße entfernt, eröffnete er Daniel Thiel Wiesbaden als Conceptstore, der Mode, Beauty und Interieur zu einem stilvollen Gesamterlebnis verbindet. „Ich habe schnell gemerkt, dass meine privaten Leidenschaften unter der Selbstständigkeit zu kurz kamen“, erzählt Thiel. „Also habe ich sie kurzerhand in den Laden geholt.“ So kam im Spätsommer 2025 eine neue Facette hinzu: feine Patisserie, die von einer ausgewählten Partnermanufaktur geliefert wird. „Die Patisserie ist nicht nur mein größtes Hobby, sie ist buchstäblich auch ein Türöffner. Viele Menschen, die sich vielleicht nicht gleich in eine Luxusboutique trauen, kommen wegen eines Croissants oder eines Törtchens herein – und merken dann, dass hier jeder willkommen ist. Das ist für uns zu einer wunderbaren Kommunikationsplattform geworden“, beschreibt der Unternehmer die positiven Effekte seines Gesamtkonzepts, das nicht nur die Hemmschwelle herabsetzt und neue Kundinnen wie Kunden anspricht, sondern auch die Verweilzeit im Store erhöht. Auch in der Sortimentsgestaltung hat Thiel einen hohen Anspruch an sich und sein Team: Einen Namen hat man sich nicht zuletzt mit der Auswahl feiner Cashmere-Strick-Designs gemacht – eine weitere Passion des Inhabers, von der sein Konzept und seine Kunden profitieren. www.danielthiel-wiesbaden.de
„Mit der Patisserie haben wir neue Kunden dazu gewonnen. Sie ist ein Türöffner.“ Daniel Thiel
Daniel Thiel Dolci ist seit 2025 Teil es Conceptstores in Wiesbaden.
272 style in progress
Zeit zum Entdecken, Genießen und zwanglosen Plaudern: Daniel Thiel erweiterte ständig seinen Concept store, immer gut für eine Überraschung.
Feel the real
DEEP DIVE
Social House by Xintiandi, Schanghai
EIN GARTEN INMITTEN DER STADT Ein Haus als multifunktionaler, ganzheitlich gedachter Erlebnisraum: Mit dem Social House entstand auf dem inmitten des autofreien und kulturhistorischen Schanghaier Stadtviertels gelegenen Xintiandi Plaza ein Konstrukt aus wechselnden Pop-up-Stores, Gastronomieflächen und Begegnungswelten, angelehnt an die Idee der vier Jahreszeiten. Das Social House soll seine Besucher buchstäblich in eine Erlebniswelt aus stetiger Entwicklung und Bewegung, Begegnung und Veränderung entführen. Das gelingt über vier Themenwelten von Frühling bis Winter, die alle wie Gärten gestaltet sind und durch sieben zyklisch bespielte Themenpavillons ergänzt werden. Während im Spring Garden wechselnde Pop-up-Stores Mode und Beautyprodukte präsentieren, stehen im Summer Garden mit einem Teehaus, einer Kochschule und einer Kunstgalerie Körper, Gesundheit und Geist im Mittelpunkt. Der Autumn Garden bringt Ruhe mit einem Café, einer Bäckerei und einer Bibliothek. Der Winter Garden beherbergt ein Fitnessstudio und eine offene Eventküche für Veranstaltungen. Das multifunktionale, Lifestyle-orientierte Social House liefert eine vielschichtige Antwort auf die sich stark wandelnde chinesische Einzelhandelslandschaft, die zunehmend Onlineshopping mit physischen Erlebnissen kombiniert.
Ein All-in-one-Ziel für Shopping, Erlebnis, Begegnung, Wellness, Co-Working und Genuss. Das Social House von Kokaistudios besteht aus Räumen, die in sich einen Lifestyle abbilden: innere Weiterentwicklung. Hier der DIY- und Co-Working-Space.
Persönliche Begegnung mit den Menschen hinter der Marke. Das Besuchererlebnis bei The Market setzt auf Lokalkolorit zum Anfassen.
The Dorf The Market, Düsseldorf
POP-UPS IM PARK Bereits zum zweiten Mal fand im Juli 2025 das vom Düsseldorfer Lifestylemagazin kuratierte Open-Air-Event The Market im Düsseldorfer Hofgarten statt. Für 2026 steht der Termin schon fest, denn das temporäre Shopping-Event ist ein Erfolg: Lokale Unternehmen und Kreative haben die Möglichkeit, sich an einem der weißen Zeltstände ihrer Community live vorzustellen. The Market ist mehr als ein Sidekick zu den parallel stattfindenden Düsseldorfer Fashion Days.
style in progress 273
DEEP DIVE
Franz Kraler, Südtirol
STYLE, LOVE, DOLOMITES Bei Franz Kraler beginnt Luxus nicht mit einer Marke, sondern mit einem Gefühl. Die besondere Wärme wird bereits beim Betreten der Stores spürbar: „Es ist, als würde man in das Wohnzimmer einer Freundin treten, die Stil mit Herzlichkeit verbindet und sich wünscht, dass man strahlt“, erklärt Daniela Kraler im Interview. Das Gefühl wird von der Familie getragen: Daniela, Franz und ihr Sohn Alexander Kraler führen ihr Unternehmen mit Präsenz, während viele auf Managerstrukturen und Expansion setzen, die Familie Kraler vertraut auf Nähe und Menschlichkeit. „Die physische Präsenz der Eigentümer muss immer gegeben sein“, ist Daniela Kraler überzeugt.
Feel the real
So entsteht ein Konzept, das lokal verwurzelt und international offen ist. Von Cortina d’Ampezzo über Toblach bis Bozen erzählen die Boutiquen von „Style, Love, Dolomites“ – ein Leitmotiv, das den Inhabern, wie Daniela Kraler es selbst beschreibt, „in die Seele tätowiert ist“. Die im physischen Einkauf gelebte Nähe wird auch auf die digitale Welt übersetzt: Daniela Kraler ist auf Social Media täglich präsent – ohne Team im Hintergrund. Sie teilt Momente aus dem Alltag, aus den Boutiquen, mit derselben Offenheit, mit der sie Kundinnen und Kunden empfängt. Das schafft Vertrauen und Vertrautheit. Wer Franz Kraler auf Instagram folgt, hat das Gefühl, die Familie bereits zu kennen, und betritt die Stores folglich, als käme man bei Freunden zu Besuch. „Wir leben für unsere Kundinnen und Kunden, nicht für die Maisons“, erklärt Daniela Kraler weiter. „Wer hier arbeitet, vertritt nicht Dior oder Gucci, sondern Franz Kraler.“ Inhal-
te der Trainings und Personalschulungen seien Demut, Freundlichkeit und echte Aufmerksamkeit. Das Ergebnis: Menschen, die nicht bedienen, sondern willkommen heißen. Der jüngste Schritt der Familie ist das Chalet Ria de Saco in Cortina d’Ampezzo, das Ende November 2025 eröffnet wurde und kein trendiges Konzept darstellt, sondern einen Ort, der die Seele der Berge atmet. „Was immer ihr daraus macht, behaltet den Geist der Familien, der Mütter und Kinder, die hier glücklich waren“, bat die frühere Besitzerin Daniela Kraler. Das Versprechen wurde gehalten. Das aus regionalem Holz errichtete und von Licht durchflutete Chalet bleibt ein Ort für Familien. Die Restauration verantwortet die Familie Moritz vom Club Moritzino gemeinsam mit Alexander Kraler. Daniela Kraler: „So entsteht Raum für Fashion, Design und Begegnung – denn das eine schließt das andere nicht aus.“ franzkraler.com
Das Chalet Ria de Saco in Cortina d’Ampezzo eröffnete Ende November 2025.
„Wir leben für unsere Kundinnen und Kunden, nicht für die Maisons.“
Daniela, Franz und Sohn Alexander Kraler verbinden in ihrem Store Heimatverbundenheit mit internationaler Offenheit.
274 style in progress
DEEP DIVE
Feel the real
Wait and See ist seit über 15 Jahren die Boutique für lebensfrohe Mode.
Uberta Zambeletti liebt Farbe und Einzigartigkeit.
Wait and See, Mailand
ECHT UND UNVERSTELLT
Wie gelingt es dir, die Identität von Wait and See zu bewahren und zugleich weiterzuentwickeln? Uberta Zambeletti, Gründerin und Inhaberin von Wait and See: Durch innere Klarheit. Wait and See folgt seit Beginn klaren Prinzipien: Mode für jede Frau, getragen von Farbe, Leichtigkeit und Offenheit. Auch die Preise bleiben seit dem ersten Tag konstant – ehrlich und zugänglich. Diese Beständigkeit schafft Vertrauen. Gleichzeitig beobachte ich, wie sich Stil und Wünsche verändern. Jede Saison wähle ich sorgfältig jene Marken aus, die durch Qualität, Passform und Seele zu uns passen. Was bedeutet es für dich, Kundinnen willkommen zu heißen?
Alles beginnt mit Zuhören. Jede Frau bringt ihre Geschichte mit. Wir fragen, was sie sucht und wie sie sich fühlen möchte. Es geht nicht um Verkauf, sondern darum, Dinge wiederzuerkennen, manchmal auch um Neuentdeckungen. Viele wagen es, mit der richtigen Beratung, modisch etwas mutiger zu sein. Wenn die Kundin mit einem Lächeln geht, ist das ein Erfolg. Wie siehst du den Handel von morgen? Zukunft entsteht in echten Begegnungen. Orte wie Wait and See leben von Beziehungen, nicht von Zahlen. Unser Ziel war immer, durch Mode, Atmosphäre und Menschlichkeit Freude zu schenken. Wenn jemand an unserem Store vorbeigeht und kurz lächelt, ist das schon genug. Diese kleinen Freuden begleiten uns seit 15 Jahren Tag für Tag – echt und unverstellt. www.waitandsee.it
Di Più, Dülmen
VERTRAUENSVOLLE BEZIEHUNGEN
Die Kundinnen von Ute Thüner-Peters (re.) vertrauen auf ihre Beratung und Expertise.
Wer sich bei Di Più umsehen möchte, ist vom vielfältigen Angebot erst einmal überwältigt. Denn das Konzept setzt auf Individualität und persönliche Beratungstermine. „Meine Kundinnen wollen Mode nicht nur anprobieren, sondern erleben“, ist Inhaberin Ute Thüner-Peters überzeugt. Ihr Sortiment spiegelt Thüner-Peters Stil wider: Strick von FTC Cashmere, Hosen von Raffaello Rossi, Latinò Denim oder Blusen von 0039 Italy. Hinzu kommt die Eigenmarke, die bereithält, was Thüner-Peters in anderen Kollektionen gefehlt hat, vom Mantel über die Bluse bis hin zum Schuh. „Ich wähle aus, was die Persönlichkeit der Kundin unterstreicht und perfekt sitzt. Wer mit Kaufabsicht kommt, bekommt unsere Zeit geschenkt und fühlt sich bei uns wie zu Hause.“ So sind aus den vertrauensvollen Beziehungen viele Freundschaften entstanden. „Die Auswahl meiner Produkte ist einzigartig und trifft sicher nicht jeden Geschmack. Aber ich glaube, dass Nischenkonzepte wie meines noch wichtiger werden. Wenn es überall alles gibt, gewinnt das Individuelle.“ www.di-piu.de style in progress 275
DEEP DIVE
Feel the real
Reyer in Salzburg – Institution seit über 100 Jahren.
Die vierte Generation im Familienunternehmen: Karla Reyer.
Reyer, Hallein
„AUTHENTIZITÄT IST BEI UNS TRADITION“
Wie schafft es Reyer, echte Nähe im Kundenkontakt zu leben? Karla Reyer, Reyer Hallein: Bei Reyer steht der Mensch im Mittelpunkt. Nähe entsteht durch echtes Interesse, durch Zeit, die man sich nimmt, und durch Gespräche, die über das Offensichtliche hinausgehen. Viele Kundinnen und Kunden begleitet das Haus seit Jahren – Beziehungen, geprägt von Vertrauen und gegenseitigem Verständnis. So wird Beratung zu Begegnung auf Augenhöhe. Was bedeutet Realness heute, besonders im Umgang mit einer neuen, bewussteren Generation?
Die jüngere Generation sucht Brands, die transparent sind, Verantwortung übernehmen und ihre Werte leben. Reyer begegnet dem mit Offenheit. Durch sorgfältig gewählte Labels, Qualität, die Bestand hat, und Mode, die nicht laut, sondern klar spricht. So entsteht Glaubwürdigkeit – leise, aber konsequent. Wie gelingt es euch, authentisch zu bleiben? Authentizität ist bei uns Tradition. Wir lassen uns inspirieren, ohne uns zu verlieren. Im Mittelpunkt stehen Stilgefühl und Individualität – Werte, die über Trends hinaus Bestand haben. Wandel wird angenommen, aber nie um seiner selbst willen. So bleibt Reyer seit 100 Jahren ein Ort, an dem Mode persönlich bleibt und Echtheit spürbar ist. @reyerlooks
„Wir lassen uns inspirieren, ohne uns zu verlieren.“ Karla Reyer
Lemon, Lugo
LEMON IST EIN OFFENES HAUS
Wie gelingt es Ihnen bei Lemon, die Kundenbindung so hoch zu halten? Valentina Rivalta, Inhaberin Lemon: Lemon ist ein offenes Haus – Kundinnen und Kunden werden Teil des Ladens. Über Social Media, Events oder spontane Verkäufe außerhalb der Öffnungszeiten entsteht Nähe, die über das klassische Store-Erlebnis hinausgeht. Der Service reicht von Nachbestellungen über Schneiderei- und Styling-Support bis hin zu kleinen Gesten, die Vertrauen schaffen. Welche Entwicklungen sehen Sie bei den neuen Generationen? Es gibt ein klares „Back to Reality“: Nach dem Streetwear-Hype suchen junge Kundinnen und Kunden wieder Authentizität, Wissen und Persönlichkeit. Sie interessieren sich stärker für Produkt und Herkunft. Das Team reagiert darauf mit Kompetenz, Empathie und echter Leidenschaft. Was macht Lemon unverwechselbar? Lemon bleibt unkonventionell. Trends werden nicht kopiert, sondern interpretiert. Einkauf, Visual Merchandising und Kommunikation tragen die persönliche Handschrift von Marco und mir – ein Gegenpol zur Uniformität vieler Stores. www.lemonshop.it, @lemonlugo 276 style in progress
Valentina Rivalta und Marco Ghetti mit Fashionspezialist und Content Creator Federico Galli (@federicogalli) in ihrem Store Lemon in Lugo.
DEEP DIVE
Feel the real
Frauenschuh, Kitzbühel
WILLKOMMENSKULTUR UND HÖCHSTER SERVICE
Was zeichnet eure Standorte aus? Simon Frauenschuh, Managing Director: Frauenschuh bietet dem Kunden ein unvergessliches Erlebnis, entführt ihn in eine einzigartige Markenwelt, die alle Sinne anspricht: einladende Architektur, ansprechende Warenpräsentation, gezielte Lichtgestaltung und eine Atmosphäre, die durch aromatische Düfte und einen persönlichen Umgang geprägt ist. Persönlicher Umgang bedeutet? Wir bieten ein konsistentes Service-Erlebnis und lassen gleichzeitig die Persönlichkeit unserer Sales-Assistenten durchscheinen. Authentizität und Ehrlichkeit sind uns wichtiger als generische Phrasen. Daher setzen wir auf einen ausgeglichenen Lebensstil. Nur wer mit sich selbst im Klaren und in Balance ist, kann authentisch auftreten. Sonst wirkt es gestellt. Wie schafft ihr echte und spürbare Momente? Nach einem Tag in der Natur schauen viele Einheimische und Gäste bei uns vorbei. Sie treffen Freunde, genießen die Atmosphäre und lassen sich von unserer Begeisterung für die Berge inspirieren. Dabei steht nicht das Einkaufen im Vordergrund, sondern das Zusammensein und der Austausch mit Gleichgesinnten. www.frauenschuh.com
Simon Frauenschuh führt das Familienunternehmen in dritter Generation in eine neue Ära.
Mode by Nicci, Bad Tölz
„WAS ZÄHLT IST DAS GEFÜHL!“ „Ich möchte einen neuen Look – machen Sie mal!“ So beginnen viele Gespräche im Geschäft Mode by Nicci. „Die Kundinnen gehen gleich in die Kabine und freuen sich auf unsere Vorschläge“, erzählt Nicole Deissenberger. „Das lässt uns zur Höchstform auflaufen.“ Das Vertrauen hat sich die Händlerin über Jahre erarbeitet und das Metier liegt ihr ohnehin im Blut. Der Großvater arbeitete noch mit Strickmaschinen – 1979 übernahm ihre Mutter Angela Kampp das elterliche Modegeschäft in Bad Tölz, das jetzt von Nicole Deissenberger in dritter Generation und neu nach ihr benannt geführt wird. Hat sich das Business über die Jahre geändert? „Klar, man muss viel mehr tun als früher, aber wir lieben es. Unsere vielen Stammkundinnen auch aus dem Münchner Raum, fühlen sich sehr wohl bei uns. Dass wir im Team ohne Hierarchie arbeiten, trägt sicher auch zur guten Stimmung bei.“ Aber noch etwas ist wesentlich: „Ich glaube, mehr denn je geht es um das Gefühl, das wir beim Modekauf vermitteln. Früher kam man in den Laden, um eine rote Hose zu kaufen. Heute will man vor allem das Gefühl mitnehmen.“ www.mode-kampp.de
Händlerin mit Passion und Herzlichkeit: Nicole Deissenberger.
style in progress 277
SPACES
TOUCH ME! Ein außergewöhnlich konzipierter Raum, ein besonderes Sortiment oder die Personen, auf die man trifft. Das, was den Kunden im physischen und emotionalen Sinn an einem Storekonzept berührt, muss nicht auf den ersten Blick erkennbar, aber definitiv erlebbar sein. Es ist das Alleinstellungsmerkmal, das der stationäre Handel dem virtuellen Raum gegenüber ausspielen kann. Die fast vollständige Verlagerung der User Experience in digitale Räume und Welten hat bisher nicht stattgefunden und wird auch nicht stattfinden. Ganz im Gegenteil. Wenn es darum geht, seine Community durch eine bewusst inszenierte oder ganz natürlich entstandene User Experience zu begeistern, können digitale Tools professionell unterstützen, skalieren und boosten, aber nicht das reale Erlebnis ersetzen. Realness ist eine Haltung, die jeder für sich selbst definieren kann und die enormes Potenzial birgt, weil sie weder ausschließt noch einschränkt. Text: Isabel Faiss. Fotos: Stores
278 style in progress
SPACES
Portal zur inneren Ruhe und Wahrnehmung. Eine kleine Wellness- und AwarenessOase inmitten des turbulenten Stadtlebens von Paris inszenierte Random Studio mit dem Breath Lab im Nike House of Innovation. Das Zentrum des Stores wurde buchstäblich zum Teil eines lebenden Organismus: Im Breath Lab konnten Besucher an geführten Atemübungen teilnehmen, während eine Wärmebildkamera ihre Atemfrequenz maß und zeitgleich ein farbenfrohes Aura-Porträt an den Innenwänden der Bubble entstand. Es färbte den gesamten Raum je nach Atemfrequenz in blau bis zartrosafarbenes Licht.
style in progress 279
SPACES
Touch me!
Nie verlegen um einen Spruch: Adversity quells the fearful but fortifies the brave. In jeder Lampe steht eine Message für den Gast auf Level 5 des Deji Plaza Phase II.
Deji Plaza Phase II, Nanjing
EINE TOILETTE GEHT VIRAL Die Multi-Purpose-Flächen des Deji Plaza und Deji Plaza II in Kürze zu beschreiben ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ebenso unmöglich ist es bei Megaprojekten dieser Art, nur mit streifendem Blick den üppigen Erlebnisexzess aufzunehmen. Nicht umsonst gilt Deji Plaza in Nanjing als erfolgreichste Mall Chinas. Ihr Erlebnisdesign ist essenzieller Teil der viralen Marketingkampagne, Inkubator für die weltweite Berühmtheit der beiden benachbarten Malls und Haupttreiber für ihre steigenden Umsatzzahlen. Dabei begann alles mit einem Toilettenraum. Wer kreative Entfaltung ohne Einschränkung durch die Frage nach ihrer Machbarkeit sucht, findet im Arsenal des Schanghaier Designbüros X-Living sein Eldorado. Sie stecken hinter dem kreativen Gesamtkonzept der Deji Plaza Malls, das experimentellen Retail seit 2023 neu definiert. Es ist ihr Markenzeichen, kommerzielle Flächen in Themenparks zu verwandeln. Dass ihre Projekte auf WeChat und Social Media durch die Decke gehen, verdanken sie allerdings einem Toilettenraum, der 2023 fertiggestellt wurde und als Sefie-Hotspot viral ging. Inzwischen hat jedes Stockwerk sein eigenes Thema und seinen entsprechenden Toilettenbereich. www.xl-muse.com
X-Living konzipierte die Multibrand-Area des Deji Plaza Phase II auf jedem Stockwerk im Stil eines anderen Themenparks. Hier: eine Filmkulisse, die die Nostalgie eines traditionellen chinesischen Straßenmarkts einfängt und zum immersiven Art Bazar macht.
280 style in progress
Touch me!
SPACES
Krume Bäcker, Panama City
ÖSTERREICHISCHE BROTKULTUR Eine offene Küche, die den Blick auf die handgefertigten Sauerteigbrote und Backwaren samt ihrer Herstellungstechnik freigibt: Mit ihrer Bäckerei Krume hat die österreichische Unternehmerin Natalie Salzmann nicht nur kulinarisch ein Stück österreichische Kultur nach Panama City transplantiert, sondern ihr einzigartiges Produkt und die Menschen, die es von Hand herstellen, ins Zentrum gerückt. Mit der Eröffnung im Dezember 2020 präsentierte Natalie Salzmann dem zentralamerikanischen Staat die bis heute erste und einzige österreichische Bäckerei. Mit dem Brot kam auch die österreichische Gastlichkeit als Kulturgut mit dazu, die das Storekonzept von Krume prägt. Die direkte Begegnung, die persönliche Beratung und das freundliche Plaudern an der Theke sind gewollt, was das Stordedesign mit der großen, offenen Küche im Mittelpunkt transportiert. Alle Brote sind reine Sauerteigbrote und werden nach traditionellem Rezept gebacken. Das Know-how dafür liegt bei Tirolerin Natalie Salzmann in der Familie, da ihr Onkel Jakob Schmid Inhaber der Großbäckerei Ötztal Bäck ist. Dass ein gutes Stück Brot so viel mehr transportiert als bloßen Nährwert, stellt sie mit ihrem Projekt in Panama City unter Beweis. @krumebacker
Mehrwert mit Nährwert: Mit Krume Bäcker in Panama City präsentiert Natalie Salzmann österreichisches Backwerk als Kulturgut.
style in progress 281
SPACES
Klozet, Moncton
TOP 20 UNDER 40 Janique Brun hat sich in Moncton schnell einen Namen gemacht. Mit nur 23 Jahren eröffnete sie 2013 ihre eigene Fashion-Boutique Klozet und brachte internationale Toplabels und progressive Contemporary Fashion in das kleine kanadische Städtchen. 2023 dann der Umzug und Verdreifachung der Fläche. Was ihr besser gelingt als vielen anderen: Sie selbst ist das Konzept! Das beginnt bei ihren sehr persönlichen Social Media Posts, in denen sie ihre Kundinnen tief in ihre Stil- und Gedankenwelt eintauchen lässt, und endet bei intimen Einladungen zur Soiree, zum Brunch und anderen Store-Events. 2025 verlieh ihr die Chamber of Commerce Greater Moncton den Award Top 20 under 40. @klozetboutique
Hinter Klozet steht ein simples und effektives Konzept: Inhaberin Janique Brun herself.
La Maison by Paper Republic, Wien
DAS WOHNZIMMER IN DER STADT Wer das Konzept von La Maison in seiner Tiefe verstehen will, muss nur den Namen Paper Republic entsprechend übersetzen. Für Inhaber Jérôme Bacquias leitet sich Republic nämlich aus dem Lateinischen res publica ab, was in dem Fall das Gemeinwohl im Sinne einer gemeinsamen Plattform meint, auf der man sich trifft, sich austauscht und gemeinsam wohlfühlt. Im Oktober 2025 eröffnete das 2012 gegründete Unternehmen in Wien nur einen Steinwurf vom Stephansdom entfernt seinen ersten Store. Treu seinem Motto als stimmiges Gesamtkonzept aus Store, Atelier und Café. Inmitten regionaler Getränke und Speisen präsentiert das Team hier seine ausschließlich von Hand und in seiner Wiener Werkstatt gefertigten Notizbücher, die man auf Wunsch auch personalisieren lassen kann. In La Maison sollen Handwerk, Kreativität und Geselligkeit einen gemeinsamen Raum finden und ihn mit realen Erlebnissen und unverwechselbarem Wiener Flair füllen. @paper_republic
Mit La Maison gibt Jèrôme Bacquias, Inhaber von Paper Republic, seiner Marke ein Zuhause, das den Flair seiner Wiener Manufaktur transportiert.
282 style in progress
SPACES
Touch me!
Presented by, Abu Dhabi
SURREALE UNTERWASSERWELTEN Presented by zeigt seine erlesenen Marken und Limited Editions in einem Umfeld, das Luxus auf ganz subtile Art und Weise übersetzt: in Form von Wasser als die kostbarste Ressource der Welt – vor allem in den Arabischen Emiraten. Mit dem Designstudio External References war die Zusammenarbeit bisher so erfolgreich, dass auch der Store in Abu Dhabi die expressionistische Handschrift Carmelo Zappullas trägt, der sein Konzept wie folgt beschreibt: „Ein Ort der Ruhe und Entspannung, ein Gegenpol zur Hektik des Reisens, an dem sich Wasser in verschiedene Formen verwandelt und seine beruhigende und wohltuende Kraft entfaltet.“ Schon am Eingang des Stores empfangen den Gast digital bespielte Wasserfälle. @presentedby Eine Oase inmitten der hektischen Welt des Reisens: Der erste 24-Stunden-Store von Presented by eröffnete am Zayed International Airport, Abu Dhabi.
Club 21, Bangkok
WO DER KUNDE GAST IST
Als Gegenmodell zum Corporate Design Rollout internationaler Luxusmarken gestaltet Christina Ong ihre eigenen Boutiquen persönlich, authentisch und unverwechselbar.
Club 21 ist eine Erfolgsstory. Was 1972 von der Hotelinhaberin Christina Ong als erste kleine Multilabel-Boutique in Singapur startete, wuchs anfangs vor allem in Form von luxuriösen Hotelboutiquen. Heute managt Club 21 als Modezweig der Como Group mehr als 400 Stores weltweit, die meisten davon als Lizenznehmer für große, internationale Luxusmarken. Für ihr Herzensprojekt, die Multilabel-Boutiquen Club 21, wählte Christina Ong stets nur die exklusivsten Destinationen in Malaysia und Singapur aus. Im November 2024 eröffnete der erste Store in Thailand. Ihrem feinen Sinn dafür, wie man Kunden als Gäste empfängt und sie mit lokalen Attraktionen begeistert, hat die Unternehmerin auch in Bangkok ein charakteristisches Gesicht gegeben. Der gesamte Store präsentiert sich inmitten von Zitaten historischer, thailändischer Kultur- und Bauwerke. @club21thailand style in progress 283
SPACES
Touch me!
Monatlicher Live-Podcast: Auf der Couch „Le Black Sofa“ saßen neben Marc Sasserath und Christine Plues schon Persönlichkeiten wie Yasin Müjdeci, CEO Voo Store, Berlin, Roger Brandts, CEO Fynch-Hatton sowie Philipp Bree von PB 0110.
284 style in progress
Touch me!
SPACES
Ein Store in Berlin, ein Pop-up in der Schweiz, eine eigene Talk-Reihe, ein Podcast und das Ganze auch noch als mobiles Format – es gibt noch kein Label dafür, was Marc Sasserath mit Supermarque und „Le Black Sofa“ alles macht.
Supermarque, Berlin
AB AUF DIE COUCH
Im November 2024 eröffnete der Store Supermarque in Berlin und wurde schnell zum kreativen Kern eines kleinen Ökosystems, das Marc Sasserath und Christine Plues um ihre Produkte und ihren Store herum aufgebaut haben. Der Name weckt verschiedene Assoziationen und meint eigentlich? Marc Sasserath, Mitgründer Supermarque: Wenn wir bei der wörtlichen Übersetzung bleiben, bezieht es sich natürlich auf die super Marken, aber wir amüsieren uns auch immer wieder, wenn die Verwechslung mit Supermarket auftaucht, weil wir mit unserer sehr kuratierten Auswahl der exakte Gegenentwurf dazu sind. Oder Super Marc, weil Ihr ganzes Konzept eigentlich einen Dreh- und Angelpunkt hat: Sie. (lacht) Es wäre natürlich furchtbar präpotent, wenn ich das sagen würde! Zugegeben, Supermarque ist sicherlich mein Takka-Tukka-Land. Ich bin der älteste Siebenjährige der Welt. Meiner Meinung nach muss man genau so an ein Konzept herangehen. Wir wollen der Welt damit etwas geben, was sie tatsächlich noch braucht: eine Kombination aus Impact und Happiness. Wir möchten gar nicht für Luxus stehen, sondern einen langlebigen Gegenwert zur Vergänglichkeit von Trends anbieten. Im Ernst, wie viel Marc Sasserath steckt im Konzept? Sehr, sehr viel. Meine eigenen unternehmerischen Wurzeln reichen bis 1871 zurück, als schon mein Ur-Ur-Urgroßvater an ersten maschinell betriebenen Webmaschinen anfing, größere Produktmengen zu skalieren. Diese Heritage hat meine Liebe für Mode und Style befeuert. Der Grundstein zum Store war eigentlich das Produkt, und zwar ein komplett kompromisslos auf seine Qualität fokussiertes Herrenhemd, das in Deutschland gefertigt wird. Damit fing alles an und es kostete uns fünf Jahre, bis wir es final entwickelt hatten. So kam es eigentlich zu Supermarque, wo wir heute sehr fein kuratierte Produkte für Männer in Schwarz präsentieren, die von mir und Christine handverlesen sind. Herzstück Ihres Konzeptes ist das Talk-Format „Le Black Sofa“, zu dem Sie monatlich spannende Gäste aus der Branche einladen. Wer schafft es auf Ihr Sofa? Wenn man beobachtet, warum sich Marken heute gut entwickeln, gibt es für mich drei Gründe: gute Partnerschaften, das Verständnis dafür, ein eigenes kleines Ökosystem mit treuer Community aufzubauen, und die Kunst, Content zu kreieren, der einzigartig ist. Dem folgte eine klare Erkenntnis: Wenn wir den Menschen einen Anlass geben, zu uns in den Store zu kommen, verkaufen wir mehr. Wenn wir eine Einladung aussprechen, unseren Kunden einen neuen Ort, ein neues Thema oder neue Persönlichkeiten vorstellen, hat das einen großen Impact auf unsere Community. So kam die Idee zu dem Live-Podcast im Store auf der schwarzen Couch „Le Black Sofa“. Wir suchen gezielt nach Unternehmern, die aus dem Spannungsfeld Style, Fashion und Responsibility eine Perspektive vorstellen, die neu und interessant ist. Im Sommer 2025 ist das Format erstmals gereist: zuerst nach Paris in mein Lieblingshotel Pigalle, dann nach Zürich, wo wir mit Philipp Bree gesprochen haben. 2026 stehen New York, Marrakesch und Dubai auf dem Plan. @supermarque.official style in progress 285
SPACES
Touch me!
Anta Basketball Arena, Shenzhen
COMMUNITY SPACE Anta steht für Superlative. Die inzwischen drittgrößte Sportswearmarke nach Nike und Adidas hat sich in Rekordzeit vom belächelten Billiganbieter zum ernstzunehmenden Mitbewerber entwickelt. Ihre Stores zeigen, warum: Gerade im Bereich Basketball punktet Anta mit namhaften Sportlerkooperationen wie Kyrie Irving, Klay Thompson oder Caris LeVert und nicht zuletzt mit der Basketball Arena in ihrem im Juli 2025 in Shenzhen eröffneten Flagshipstore. Ernster könnte man die direkte Ansprache an die Community kaum meinen. @antasportsofficial
Erleben erwünscht: Die Basketball Arena im Anta-Flagshipstore in Shenzhen ist keine Kulisse, sie ist so echt wie die Aufforderung an die Community, darin zu spielen.
Das erste Zara Café Zara by Castro spricht lokale wie internationale Gäste an.
Zara by Castro, Lissabon
TIEFE EINBLICKE Im September 2024 eröffnete Zara in Lissabons Stadtteil Rossio einen 5.000 Quadratmeter großen Flagshipstore in einem historischen Gebäude. Neben all den architektonischen und konzeptionellen Superlativen dieser Neueröffnung ging der wirklich entscheidende Punkt für die lokale Akzeptanz und weltweite Bekanntheit des Stores fast unter. Im Erdgeschoß installierte die Inditex Gruppe erstmals ein kleines Café mit den berühmten portugiesischen Vanilletörtchen pastéis de nata der Traditionsbäckerei Castro. 286 style in progress
SPACES
Touch me!
Ob für einen Tag oder für mehrere Wochen: Maison SOKO ist der Third Place in Sherbrooke, der der kreativen Community ein Zuhause bietet.
Maison SOKO, Sherbrooke
ALLE(S) UNTER EINEM DACH Maison SOKO ist ein Projekt, das viele verschiedene Aspekte zu einem großen Ganzen vereint. In einem über 100 Jahre alten historischen Möbellager in Sherbrooke, einer Stadt in der kanadischen Provinz Quebec, errichtete das Architekturbüro Mark + Vivi dieses Multi-Purpose-Haus als Third Place. Ein Ort, an dem man sich trifft, arbeitet, lebt und auf Gleichgesinnte trifft. Die Designer Mark Fekete und Viviana De Loera waren sich anfangs nicht bewusst, dass Maison SOKO einem Stich ins Wespennest gleichkam. „Die Reaktionen aus der Nachbarschaft waren überwältigend“, beschreibt Viviane De Loera, wie schnell ihre Maison SOKO angenommen wurde. Wie alle Universitätsstädte in Kanada herrscht auch in Sherbrooke Not an bezahlbarem Wohnraum. Mit insgesamt fünf Zimmern in einer Co-Living Wohngemeinschaft und einem Co-Working Café im Erdgeschoß traf das Designerduo den Nerv der Zeit. Sie gaben ihrer jungen, internationalen und kreativen Zielgruppe eine Möglichkeit, auf Zeit bezahlbaren Wohnraum zu finden, gemeinsam zu arbeiten, sich zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen. Maison SOKO wurde schnell zum Community Center. @maisonsoko
style in progress 287
SPACES
Paris
CET AMOUR, TOUJOURS NOUVEAU 288 style in progress
Paris
SPACES
Wurde über Paris nicht schon alles gesagt, geschrieben oder gesungen? Hauptstadt der Mode, des Genusses, sogar Hauptstadt der Liebe – die Klischees formulieren sich fast von selbst. Warum also noch einmal den Blick darauf richten? Weil es eine neue Erzählung gibt. Unverkennbar „parisienne“, und doch freier von den Mythen, die die Stadt so lange geprägt haben. Erdiger, lebendiger, echter. Sichtbar wird dieses andere Paris wie immer durch Menschen. Designerinnen, Fotografen, Künstlerinnen, Kreative, sie alle eröffnen einen Blick auf die Stadt, der weniger Postkarte ist und mehr Realness. Text: Stephan Huber. Fotos: Lou Filippini style in progress 289
SPACES
Paris
ADRIEN TESTARD
Designer und Visual Artist
„Ich bin ein Pariser Designer und visueller Künstler, der den emotionalen Raum zwischen Tradition und zeitgenössischem Handwerk erforscht. Meine Arbeit wurzelt in ländlichen Erinnerungen, Reisen und traditionellen Techniken, die ich in Frankreich und Japan studiert habe – von Naturfärbungen bis zu handgewebten Strukturen. Nach meinem Abschluss an der ENSAD begann ich mit Häusern wie Lemaire, Jacquemus und Moismont zusammenzuarbeiten. Ich fühle mich zu Materialien hingezogen, die Geschichten tragen – Landschaften, Gesten, Spuren. Daraus forme ich eine Sprache, in der Handwerk zur Erzählung wird und Erinnerung zum modernen Designwerkzeug.“ @adrientestard, adrientestard.com
1
1| Puces de Saint-Ouen 2
Ich lebe in Saint-Ouen und der Besuch des berühmten Flohmarktes ist mein festes Sonntagsritual. Ein Ort zum Durchatmen: ein Kaffee in einer kleinen Gasse, ein Streifzug durch alte Stände, immer auf der Suche nach Inspiration. Ich finde dort oft antike Bauernstoffe, die ich liebe, Vintage-Kleidung oder alte Papierbücher, auf denen ich häufig zeichne. @lespucesdesaintouen, www.pucesdesaintouen.com
2| Saint-Pearl Ich unterrichte Farbgestaltung an der École des Arts Décoratifs und SaintPearl ist mein Lieblingsstation auf dem Weg. Eine offene Küche, in der jede Geste und jede Zutat gefeiert wird. Ein Farbklang aus dunklem Holz und schwarzem Lack schafft eine subtile, ruhige Atmosphäre, die das Licht und den Raum besonders wirken lässt. @saintpearlparis, www.saintpearl.fr
3| Topographie de l’art Diese Galerie gehörte zu den ersten Orten, die ich besuchte, als ich für mein Designstudium nach Paris gezogen bin. Die Ausstellungen sind immer bereichernd, überraschend und meist der zeitgenössischen Kunst in all seinen Medien gewidmet. Der Ort selbst erzählt viel über die industrielle und handwerkliche Vergangenheit des Marais, ein Raum voller Geschichte und künstlerischer Energie. @topographiedelart, www.topographiedelart.fr 290 style in progress
Paris
3
style in progress 291
SPACES
1| Strada Café
Paris
1
Mein Treffpunkt für Meetings oder ein schnelles Catch-up. Großer Kaffee, entspannte Atmosphäre, kreative Energie – es fühlt sich wie ein lebendiger Mikrokosmos der Stadt an. @stradacafe, www.stradacafe.fr
2| Arènes de Lutèce Ein Ort außerhalb der Zeit, versteckt im 5. Arrondissement. Hierhin komme ich, wenn Paris laut wird – ein stiller Platz zum Beobachten, Lesen oder Abschalten.
3| Good Morning Kiss Mein Büro, mein Atelier, mein Raumschiff. Hier fließt alles zusammen: Ideen, Fotos, Kleidung, Geschichten. Ein Ort der Bewegung und Verbindung, so ehrlich und frei wie die Marke selbst.
3
2
292 style in progress
SPACES
Paris
JULIEN AUSSEL
Gründer und Creative Director, Good Morning Keith
„Ich wurde in Montmorency, nördlich von Paris, geboren und bin in unmittelbarer Nähe meiner Großmutter Paulette Amar aufgewachsen. Ihre Handwerkskunst und ihre Erinnerungen an die 1960er- und 1970er-Jahre prägen meine kreative Welt bis heute. Die Idee zur Marke kam mir schon in der Schulzeit. Nach meinem Master in Digital Marketing – das war der Deal mit meinen Eltern – gründete ich 2018 Good Morning Keith. Als autodidaktischer Designer, Fotograf und Musiker entwickle ich meine Kollektionen rund um die musikalischen und kulturellen Bewegungen der 1960er und 1970er. Identität und Kultur stehen für mich immer an erster Stelle. Ich arbeite mit geupcycelten Stoffen aus Couture-Häusern, gender-fluiden Silhouetten und einem Made-to-Order-Ansatz, der meine Haltung zu verantwortungsvoller Produktion widerspiegelt. Good Morning Keith ist die Übersetzung meiner größten Leidenschaften – Kleidung, Fotografie und Musik – in eine zeitgenössische, nachhaltige Vision.“ @goodmorningkeith, goodmorningkeith.com
1
style in progress 293
SPACES
Paris
MARGAUX CIRÉ Gründerin und Creative Director, Katz
„Ich bin in Monaco aufgewachsen und habe später an der EDHEC Business School studiert, bevor ich für ein Doppelstudium nach Paris zog – mein erster echter Schritt in die Modewelt. Bei Dresscode, einer PR- und Influencer-Agentur, habe ich mich sofort in die Branche verliebt: FashionWeek-Events, inspirierende Menschen und ein Tempo, von dem man unglaublich viel lernt. Sechs Monate nach meinem Abschluss gründete ich Katz – als Hommage an meine Mutter Natacha, die alle ‚Chat‘ nannten. Durch ihre österreichischen Wurzeln ergab sich der Name ganz natürlich. Meine Großmutter, eng mit meiner Mutter und der Mode verbunden, begleitet mich bis heute – durch ihre Geschichten und die Wiener Eleganz, die in unserer Familie weiterlebt. Katz begann als kleine Testkollektion mit einem Pop-up in Saint-Tropez, das alle Erwartungen übertraf. Seitdem arbeite ich am nächsten Kapitel. Ich nähe jedes Stück selbst, setze auf edle Materialien, bewusst langsame Kreation und zeitlose Silhouetten, inspiriert von der österreichischen Kaiserzeit – modern und feminin übersetzt.“ @katz.paris, katzparis.com
1
1| Copains
2
Gleich neben Dresscode, wo ich damals gearbeitet habe. Mein Fixpunkt: Kaffee und etwas Süßes (wirklich das Beste). Ein kleines Ritual, bevor ich durchs Marais schlendere und die Energie der Stadt aufsauge. Hier tanke ich Inspiration, nirgendwo spürt man den Puls von Paris so schön. @copains.paris, www.copains.paris
2| Parc Monceau Teil meines Alltags: Joggen, mit dem Hund spazieren, Freunde treffen. Ein ruhiger, grüner Ort voller Licht (außer um 16 Uhr, wenn alle Eltern mit ihren Kindern auftauchen, haha). Als jemand, der am Meer und in der Natur aufgewachsen ist, bedeutet mir dieser Park direkt um die Ecke unglaublich viel.
3| Jean Jacques Mein Pariser Wohlfühlort – ein lebendiges Bistro mit klapperndem Besteck, Kaffeeduft und Licht auf alten Spiegeln. Ich komme ständig hierher, zum Mittag- oder Abend essen mit Freunden oder Familie. Ein Ort mit müheloser Eleganz. @jeanjacques_paris 294 style in progress
Paris
SPACES
3
style in progress 295
SPACES
1
296 style in progress
Paris
SPACES
Paris
LOU FILIPPINI Fotografin
„Geboren in einer kleinen französischen Provinzstadt, zog ich direkt nach dem Abitur nach Paris auf der Suche nach Freiheit, Kreativität und einem vielfältigeren kulturellen Umfeld. Die Stadt wurde sofort zu einem Katalysator: ein Ort, an dem ich wachsen, experimentieren und mich mit starken, inspirierenden Frauen aus der Kreativszene umgeben konnte. Kürzlich habe ich meinen Master in Fashion Image abgeschlossen und parallel meine Leidenschaft für Modefotografie vertieft. Eigentlich wollte ich in Richtung Art Direction und Grafikdesign, doch die Fotografie hat mich ganz natürlich gefunden. Seit drei Jahren arbeite ich nun freiberuflich an der Schnittstelle von Bildgestaltung, Art Direction und visuellem Storytelling.“ @lou.filippini
2
1| Der Hundepark im Marais, nähe Place des Vosges
3
Ein kleiner Rückzugsort mitten in der Stadt. Hierhin komme ich, um den Kopf freizukriegen. Ruhig, charmant und trotzdem nur Minuten von Freunden und Lieblingsorten entfernt.
2| Rue de Turenne Ständig im Wandel. Statt einer Boutique wähle ich gleich die ganze Straße – eine Mischung aus Vintage-Pop-ups, jungen Designerinnen und Designern sowie temporären Spaces. Besonders während der Fashion Week wird sie zur Bühne des Neuen.
3| Partisan Café Mein Alltagshotspot – Kaffee am Morgen, kurze Pause am Nachmittag. Die Bänke am Eingang sind ein Treffpunkt für Modeleute. Für mich ist es ein lebendiges Pinterest-Board: ein Moodboard aus Looks, Silhouetten und Haltungen. www.parispartisancafe.com, @parispartisancafe style in progress 297
SPACES
Paris
HELENA DE TROIE
Fashion Office Managerin Womenswear, Accessoires & Exhibitions, Le Bon Marché Rive Gauche, Paris
298 style in progress
„Mit meiner schweizerisch-italienischen Herkunft zog es mich früh in eine größere Stadt. Am London College of Fashion begann meine langjährige Faszination für Warenhäuser. Ich verbrachte ganze Nachmittage in Selfridges und Liberty und habe dort alles aufgesogen. Beruflich führte mich mein Weg von Harrods zum Buying Office von Bergdorf Goodman und heute arbeite ich im Fashion Office von Le Bon Marché Rive Gauche, wo ich neue Marken und Konzepte für das Haus kuratiere. Meine Paris-Favoriten führen mich – natürlich – an die Rive Gauche.“ @helenadetroie
SPACES
Paris
2
1| Deyrolle Eine Pariser Institution seit 1831: halb Boutique, halb Wunderkammer, mit einem magischen Obergeschoss voller Taxidermie und Naturwunder – alles aus regulierten, ethischen Quellen. Wie ein intimes Naturkundemuseum. Unbedingt mit Kindern hingehen! @deyrolle_officiel, www.deyrolle.com
2| La Gentiane Ein echtes Rive-GaucheBistro: warm, bodenständig, französische Klassiker mit Charakter. Pierre, der Besitzer, macht jedes Abendessen zu einem kleinen Fest. Dazu ein versteckter Kostümraum im Untergeschoss – zum Umziehen, falls der Abend es verlangt. 1
3| Conservatoire des Hémisphères Ein wunderschön gestalteter Teeladen in der Rue du Bac. Die Gründerin Alice kuratiert seltene Tees mit einer Hingabe, die man schmeckt und sieht. Perfekt für besondere Pariser Geschenke. @conservatoiredeshemispheres, www.conservatoiredeshemispheres.com 3
style in progress 299
SPACES
Paris
1
2
1| OFR Nur ein paar Schritte von meinem Büro entfernt: eine Buchhandlung und Galerie voller Modegeschichten und Bildwelten. Für mich ein Ort, um die Sinne zu füttern.
2| Nice Piece – Rue Charlot Ein kleines Vintage-Museum voller Charakter: altes Leder, eine Jacke aus den 1970ern, ein vergessenes Muster. Hierhin gehe ich oft nur um mich umzusehen und komme selten ohne Fund wieder heraus. @nicepiece_paris 300 style in progress
SPACES
Paris
CAROLE PETIT
Gründerin und Creative Director von Diega
„Ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der Schneider war – ausgebildet in Maßarbeit und feinen Techniken. Als Kind verbrachte ich Tage in seiner Werkstatt, lernte edle Stoffe, präzise Schnitte und die Schönheit von Details kennen. Das Rascheln der Stoffe, Kreidelinien, der Rhythmus von Handwerk – das war meine erste Sprache. Diega entstand aus einem einfachen, fast instinktiven Wunsch, Frauenhemden zu entwerfen, inspiriert von den Männerhemden meines Vaters. Eine Marke, die meine Persönlichkeit, meine Erinnerungen und all die Einflüsse trägt, die mich geprägt haben.“ @diega_paris, www.diega.fr
1
style in progress 301
SPACES
Paris
SAMUEL ECKERT
Künstler & Creative Director
„Ich bin in Paris aufgewachsen und lebe heute in Pantin. Während meines Grafikdesignstudiums arbeitete ich als Buchhändler im Palais de Tokyo. Meine erste Ausstellung kam eher zufällig während eines Praktikums in Quebec, kurz vor meinem Master. Zurück in Frankreich erhielt ich erste Illustrationsaufträge, bevor ich nach einer kurzen Zeit bei TBWA als Art Director selbstständig wurde. Seitdem kombiniere ich persönliche Projekte und Auftragsarbeiten, die Illustration und Art Direction verbinden. Ich liebe das Experimentieren mit neuen Materialien und Oberflächen, es hält meine Handschrift lebendig. Heute sind Schreiben und Zeichnen gleichermaßen wichtig für mich. Ich arbeite mit Mode, Werbung, Presse und kulturellen Institutionen und gebe Workshops für Kinder und Erwachsene. Parallel entwickle ich Ausstellungen und Tattoo-Projekte weiter.“ @samueleckert, www.samueleckert.fr
1
2
1| Parc de la Villette Sechs Jahre habe ich in direkter Nähe gewohnt. Der Park war mein riesiger Spielplatz und er löst für mich heute noch dieselben Emotionen aus wie damals. Besonders liebe ich Bernard Tschumis Architektur und die „Folies“ sowie die Skulptur „The Buried Bicycle“. www.lavillette.com, @la_villette
2| Aujourd’hui Demain Ein inklusiver Raum für vegane Kultur: Kunst, Mode, Bücher, Lebensmittel und großartiges Essen. Ich habe ihre visuelle Identität geschaffen und die Wände mit meinen Zeichnungen gestaltet. @ajddemain 302 style in progress
Paris
SPACES
style in progress 303
SPACES
Paris
CASSIA HALABICARTER
Fashionjournalistin und Social-Media-Managerin für Fashion Network
304 style in progress
„In der Mode zu arbeiten, war für mich von Anfang an gesetzt. Aufgewachsen in Paris – meine Mutter war Redakteurin der amerikanischen Vogue – blätterte ich durch Magazine und spielte ,Ist das ein Patrick Demarchelier oder ein Annie-Leibovitz-Editorial‘, während andere Kinder noch nach ,Wo ist Charlie?‘ suchten. Meine ersten Erinnerungen an die Fashionsphäre sind verschwommene Bilder: übergroße Designerschuhe bei den Fotoshootings meiner Mutter (ich könnte inzwischen olympisches High-Heel-Strutting betreiben), und auf dem Schoß meiner Mentorin – auch bekannt als Mama – in der Front Row all der glitzernden, glamourösen Schauen sitzen. Es war also unausweichlich, in diese Branche hineingezogen zu werden. Ich studierte Fashion Business an der EIML in Paris und am London College of Fashion. Doch richtig gefesselt haben mich die Modeschauen selbst: Der Moment, wenn ein perfekt geschnittener Look über den Laufsteg schwingt, die Energie backstage, das Leuchten in den Augen eines Designers, der von seiner Inspiration erzählt. So begann meine Karriere. Aus dem Weg meiner Mutter wurden meine eigenen High-Heel-Spuren. Ich startete als Digital Editor bei grazia.fr und wechselte später zu fashionnetwork.com, wo ich nicht nur meine Liebe zur Mode durchs Schreiben vertiefte, sondern auch meine digitale Persona entwickelte – um meine Leidenschaft für dieses Handwerk sichtbar zu machen und mit all jenen zu teilen, die sie genauso lieben wie ich.“ @cassiacarter
SPACES
Paris
2
1| Das Ankleide zimmer meiner Mutter Ich habe den Kleiderschrank meiner Mutter gewählt, weil er der Ursprung meines Modewunders ist. Von den Schuhen, die ich als Kind heimlich anprobiert habe, bis zu den kaleidoskopischen Reihen aus Formen, Farben und Mustern – dieser Raum ist bis heute genauso magisch für mich wie damals.
2| Le Petit Lutetia Aufgewachsen im 7. Arrondissement, fühlte ich mich schon immer zu traditionellen Bistros mit einem Hauch Raffinesse hingezogen. Und das Le Petit Lutetia ist genau das – und noch mehr. Perfekt für ein Date oder einen Abend mit meinen Girls: mein ultimatives chic-sassy Rendez-vous in Paris. www.lepetitlutetia.com, @lepetitlutetia
1
3| Der kleine Platz gegenüber von Le Bon Marché
3
Wann immer ich aufgewühlt bin, zieht mich mein Unterbewusstsein automatisch zu Le Bon Marché – und damit zu dem kleinen Park, der sich zwischen seiner imposanten Fassade und der Rue de Sèvres versteckt. Ich liebe es, dort zu schreiben. Und warum auch immer: ob Regen oder Schnee, ein Lichtstrahl findet mich immer, während ich im Schneidersitz auf der Bank sitze. Mein kleiner, geheimer Garten.
style in progress 305
SPACES
Paris
LANCELOT
Musiker
„Ich bin ein Singer-Songwriter, der eine neue Art von Männlichkeit erkundet – zart, ruhig und ein bisschen anders als erwartet. Meine zweite EP, ,Pas assez‘, beschäftigt sich mit Verletzlichkeit, Sehnsucht und dem ständigen Druck, ‚gut genug‘ zu sein. Mit meiner sanften, tiefen Stimme und meiner androgynen Ausstrahlung versuche ich, Grenzen zu verwischen: zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir sein sollen. Meine Songs sind ein Ort für alle, die zu viel fühlen oder zu wenig. Ich werde diesen Sommer auf Festivals touren und am 14. April 2026 im La Cigale spielen.“ @lancelot_atx
1
2
1| La Fourche Royale Ich verbringe gern Zeit im La Fourche Royale. Der Lärm, die Wärme, die Kellner, die so tun, als würden sie mich nicht bemerken – all das lässt mich auf seltsame Weise heimisch fühlen. Manchmal sitze ich einfach da und beobachte, wie das Leben vorbeizieht. @lafourcheroyale
2| Thrift Stores auf der Rue Saint-Denis Ich streife oft durch die Secondhand-Läden auf der Rue SaintDenis. Sie wirken chaotisch, aber im besten Sinn. Reihen voller Geschichten, Texturen, vergessener Farben. Ich verliere mich gern dort für eine Weile. Es erinnert mich daran, dass Inspiration überall ist – besonders dort, wo man sie nicht erwartet.
3| Mein Schlafzimmer Mein liebster Ort ist mein Schlafzimmer. Hier schreibe ich meine Songs, meist spät in der Nacht, wenn die Welt ruhiger wird und meine Gedanken endlich sprechen. In diesem sanften Chaos aus Notizbüchern, Instrumenten und halben Zeilen muss ich nichts darstellen. Ich kann einfach fühlen, zuhören und die Musik ankommen lassen. 306 style in progress
Paris
SPACES
3
style in progress 307
FASHION
URBAN NOMAD Mit der Pre-Kollektion für Herbst/Winter 2026 erweitert DANIELE FIESOLI seine Cashmere-Chronicles um das Bild des modernen Nomaden – eines Mannes, der zwischen Städten, Kulturen und Klimazonen reist und Kleidung sucht, die Bewegung, Ruhe und Natur verbindet. Im Zentrum steht Cashmere in all seinen Facetten. Upcycling wird zum zentralen Thema, selektierte CashmereReste werden zu luxuriösen, langlebigen Strickstücken verarbeitet. Der Salz-Aging-Prozess schenkt einzelnen Modellen ein organisches Vintage-Flair mit individuellen Schattierungen. Cardierter Powder-Cashmere überzeugt in pudrigen Melangen, mit weicher Tiefe und einer taktilen Präsenz. Ergänzt wird die Capsule durch mineralische Naturtöne – von Caramello bis Caffè, Storm und Deep Sea. So entsteht eine Kollektion, die Handwerk, Natur und moderne Bewegung zu einem klaren Cashmere-Statement verbindet. danielefiesoli.com, @danielefiesoliitalia Rundhals in 100 Prozent Cashmere.
Half-Zip in Cashmere-Ripp – easy, essential.
Cashmere-Polo in Naturale mit feiner Struktur.
Waffelstrick in Caramello – modern, warm, charakterstark.
308 style in progress
FASHION
EINE JACKE, FÜNF KOMBINATIONEN – DANK DES INNOVATIVEN 5-WAY DUCK SYSTEMS.
Nicht nur leicht, sondern auch warm und stylisch.
THE POWER OF LIGHTNESS Die Herbst-/Winter-Kollektion von SAVE THE DUCK, der italienischen Brand für hochwertige, konsequent tierfreie Outerwear, richtet ihren Fokus auf zwei zentrale Innovationen: LightAir Plumtech® und das 5-Way Duck System. LightAir Plumtech® steht für die neue Leichtigkeit. Die vollständig recycelte Isolierung ist rund 30 Prozent leichter als klassische Puffer, bietet dennoch denselben Schutz und überzeugt mit einer weichen, flexiblen Struktur, die sich den zunehmend wechselhaften Klimabedingungen anpasst – Wärme ohne Gewicht, Performance ohne Kompromisse. Ergänzt wird diese Entwicklung durch das 5-Way Duck System, ein modulares dreiteiliges Konzept, das sich über einen speziellen Zip zu fünf funktionalen Kombinationen verbinden lässt. Shell, Warmer und Puffer funktionieren einzeln oder zusammen und reagieren intuitiv auf Temperaturwechsel und urbane Dynamik. www.savetheduck.com
Federleicht: Jacke mit LightAirPlumtech®Technologie. 309
FASHION
NUDE, SINNLICHE MUST-HAVES FÜR JEDE SAISON.
KLARHEIT UND TRANSPARENZ Das Label NUDE aus dem norditalienischen Modena spiegelt den Stil, die Einstellung und die Vision der beiden Designerinnen sowie Inhaberinnen Luana Rivi und Marinella Sighinolfi wider. Gemeinsam kreieren die Kreativen außergewöhnliche Modelle mit einer persönlichen Identität. Mode, die viele gesucht, aber nie gefunden haben: eine stimmige Harmonie zwischen sinnlicher Weiblichkeit und zeitgemäßer Einfachheit. Die Designerinnen glauben fest an ein ehrliches Made in Italy, an Nachhaltigkeit und Innovation; jedes einzelne Teil verkörpert diese Werte. Nachhaltig ist dabei nicht nur der Stoff, sondern auch die Seele der Kollektion, denn Nude erfindet das Alte neu. Durch Rückbesinnung auf Geschichte und Tradition der Modewelt werden Motive, Muster, Schnitte sowie Materialien neu erdacht und kombiniert. Der Vertrieb für die D-A-CH-Region läuft über die Agentur Claudia Flessa. Gezeigt wird die Kollektion in den Showrooms in Düsseldorf, München und Paris. www.nude.it 310 style in progress
FASHION
FEUER UND FINESSE „Ex nihilo nihil fit – nichts kommt von nichts“, zitiert Markengründerin Pilar Ortí Parmenides. „Unsere Geschichte ist nicht die Verehrung der Asche, sondern die Bewahrung des Feuers.“ Mit warmen Erdtönen, frischen Pastelltönen und tiefen Blau-, Grün- und Gelbnuancen bringt SIYU Licht in die Herbst-/Winter-Saison 2026. Dabei bleibt die spanische Marke ihrer Handschrift treu, mit ausdrucksstarken Prints auf Seide, Samt, Viskose und Wolle – darunter 100-prozentige weiche Merinowolle für Fein- und Grobstrick. Barocke Opulenz trifft auf klare Linien: Gold, Pailletten und Cord sorgen für einen festlichen Twist, während Mäntel, weite Hosen und Röcke für den Alltag wie den Anlass funktionieren. Signature-Material bleibt der FSCzertifizierte Viskose-Crêpe, pflegeleicht und knitterfrei. „Die Kollektion begeistert uns jede Saison neu“, schwärmt Sonja Degenhard von der Agentur Toepfer, die Siyu seit 13 Jahren vertreibt. „Ebenso die Menschen, die hinter Siyu stehen und für die Fairness allen Partnern gegenüber an erster Stelle steht.“ www.siyu.es
WINTERLOOKS MIT STRAHLKRAFT: SIYU.
Faire Bedingungen: Die Kollektion wird in kleinen spanischen Manufakturen gefertigt.
style in progress
311
FASHION
THE CHARM OF CONTRASTS Für die Herbst-/Winter-Saison 2026/27 wird Farbe zum markanten Merkmal. Die italienische Kollektion KILTIE spielt mit kräftigen, leuchtenden und unerwarteten Tönen, die jeden Look mit Energie und Modernität aufladen. Kontraste bilden das Leitmotiv, starke Farben treffen auf maskulin inspirierte Materialien, sartoriale Strenge auf kreative Leichtigkeit, Struktur auf Weichheit. So erneuert sich die Identität von Kiltie, indem sie die Codes italienischer Femininität für sich neu und selbstbewusst definiert. Im Fokus stehen hochwertige Wollqualitäten. Tweeds, Flanelle und Nadelstreif made in Italy werden feminin und mit leichter Ironie in Szene gesetzt. Dabei wechseln die Silhouetten zwischen klaren Linien und soften Volumina und bringen noch mehr Raffinesse und Vielseitigkeit in die Kollektion. Neben dem Mailänder Showroom wird Kiltie von der Agentur Rosenthal Trading für den deutschen und österreichischen Markt präsentiert, und von der Löw Fashion Agency für die Schweiz. www.kiltie.it, www.rosenthaltrading.de, www.lowfashionagency.com
PREMIUM CONTEMPORARY MIT INTERNATIONALER STRAHLKRAFT: KILTIE.
Die Kollektion bringt Raffinesse und Vielseitigkeit in die Looks. 312 style in progress
FASHION
FASHIONABLE: CO’COUTURE.
Im Fokus der dänischen Brand: der deutschsprachige Markt.
SKANDI COOLNESS, PARIS CHIC Die Stärke der dänischen Kollektion CO’COUTURE? Ein modischer Total-Look, cool und feminin – zu Preisen in Premiumeinstiegslage. Skandinavischer Minimalismus trifft auf Pariser Chic: Cleane, klassische Silhouetten bekommen dank raffinierter Details ein Mode-Update. Relaxte Tailoringsets, strukturierte Stoffe, softe Checks und Strick in edleren Garnen schaffen vielseitige Looks, die vom Büro bis zum Dinner funktionieren. Luxuriös anmutende Faux-Fur-Styles und wollige Jacken mit smarten, modernen Akzenten sind starke Statement-Pieces. Farblich bilden intensive Brauntöne, Beige und cremige Whites die Basis. Hinzu kommt Grün, von tiefem Olive bis zu frischen, energiegeladenen Nuancen, ein femininer Hauch Pink, elegantes Blau und Denim. Co’Couture ist erfolgreich in Skandinavien und Holland positioniert, zu den Kunden zählen De Bijenkorf und Breuninger. Next step ist die D-A-CH-Region, mit sechs neuen Showrooms in Deutschland sowie je einem in Österreich und der Schweiz. Im Mai präsentiert sich Co’Couture auch auf dem Unitex Fashion Festival in Ulm. www.cocouture.com style in progress 313
EDITOR’S PICKS Unifrom
PERFUME ON THE GO Aus den Hochhäusern Stockholms in die Welt: Haisam Mohammeds Label Unifrom versteht Parfüm nicht als Accessoire, sondern als Medium, um Identität und Herkunft sinnlich erfahrbar zu machen. „Ich habe schon immer nach neuen Ausdrucksformen gesucht, um kulturelle Botschaften erlebbar zu machen. Ein Medium ließ mich dabei nie los: der Duft“, so Mohammed zur Gründung seines Labels, das Parfüm als kulturelles Statement versteht. Statt klassischer Flakons setzt Unifrom auf handliche Roll-ons. Die Düfte sind ölbasiert und damit auch für empfindliche Haut geeignet, 100 Prozent vegan und werden gänzlich ohne Alkohol hergestellt – konzipiert in Stockholm, entwickelt in Paris und gefertigt in Grasse. @unifrom
Azzedine Alaïa und Cristóbal Balenciaga
SCULPTORS OF SHAPE Zum 50-Jahr-Jubiläum feiert das Museo del Tessuto in Prato zwei Meister der Form. Noch bis 3. Mai 2026 zeigt die von Olivier Saillard kuratierte Ausstellung rund 50 Modelle aus der Azzedine Alaïa Foundation in Paris sowie Originalzeichnungen aus den Balenciaga Archives. Alaïa verehrte Balenciaga so sehr, dass er Originalkreationen des Spaniers erwarb, um ihre Konstruktion zu studieren. Doch je tiefer er blickte, desto größer wurde seine Ehrfurcht. „Er hat sie nie auseinandergenommen“, sagt Carla Sozzani, Präsidentin der Alaïa Foundation. „Die Perfektion war unantastbar.“ Eine stille Zwiesprache zweier Couturiers, verbunden durch Präzision, Linie und Handwerkskunst. @museodeltessuto
314 style in progress
Oriens
UPCYCLED MEMORIES Gegründet vom Paar Valentina Taglioli und Francesco Paulillo, verwandelt das Label Oriens in Apulien alte, oft kunstvoll bestickte Haushaltsstoffe Süditaliens – Tischdecken, Bettwäsche, Servietten – in zeitlose Mode. Jedes Stück entsteht aus bestehenden Materialien, wird sorgfältig zugeschnitten, genäht und erhält so ein zweites Leben. Kleider, Hemden oder Overalls erzählen Geschichten von Licht, Erinnerung und Handwerk. „Die Marke steht für Nachhaltigkeit, Upcycling und die poetische Idee, dass Schönheit nicht neu geschaffen, sondern wiederentdeckt werden kann – Schicht für Schicht, Faden für Faden“, so Valentina Taglioli. @__oriens
15 YEARS & 60TH EVENT
18. MÄRZ 2026
EMOTIONAL BRANDING. MIT DER EXTENSION LONGEVITY Branding wirkt dann, wenn es Reaktionen auslöst. Und bleibt relevant, wenn es gesund ist – emotional wie menschlich. Impulse zu Emotional Branding, Identität & Haltung, Longevity und Health KPI, zeitgemäßer Kommunikation sowie Retail- und Raumwirkung – u. a. von Paula Bründl, Dr. med. Susanna Huber, Maks Giordano und Sven Wedig, moderiert von Stephan Huber, Publisher & Editor in Chief style in progress.
ALPHA TAURI I RED BULL BASE SALZBURG - ELSBETHEN 09.00 - 17.00 UHR TAGES-EVENT
Weitere Informationen auf www.dachmarkenforum.com
SAVE THE DATE
CO-HOSTS
EDITOR'S PICKS
Berling Bucher
GRAPHIC DECONSTRUCTION Die 2023 gegründete Readyto-Wear- und LederaccessoireBrand Berling Bucher steht mit ihrer unverwechselbaren visuellen Sprache für die grafische Dekon struktion klassischer Eleganz und traditioneller Luxusmoden-Codes. Historische Bildwelten werden in minimalistische, zeitgenössische Formen übersetzt, typografische Elemente fungieren als wiederkehrende Bestandteile der Markenidentität. Höchste Handwerkskunst steht im Mittelpunkt. Die Produktion erfolgt ausschließlich in sorgfältig ausgewählten familiengeführten Traditionsbetrieben in Polen, Österreich und Italien. www.berlingbucher.com
Lore
ALPINE SHEEP WOOL Die Newcomer-Brand Lore hat sich der Verwendung regionaler Wolle verschrieben. Das Ziel des Labels ist es, anspruchsvolles Design mit Lokalität zu verbinden und so Herkunft, Material und Handwerk ins Zentrum zu rücken. Gründerin Inga Nemirovskaia verfügt über zehn Jahre Erfahrung in internationalen Modehäusern, darunter Haider Ackermann, Ann Demeulemeester und Alber Elbaz. Nach Stationen in London und Paris kehrte sie nach Österreich zurück, um sich mit nachhaltigen Materialien und regionalen Lieferketten auseinanderzusetzen. „Es ist eine schöne Aufgabe, dem Handwerk Respekt zu zollen und dessen Bedeutung in unseren Produkten wieder sichtbar zu machen“, so Nemirovskaia, die in Wien lebt und arbeitet. @lore.europe ©Darryl Oswald
316 style in progress
©Daniel Wendt
We Norwegians
MERINO AT HEART
Das norwegische Label We Norwegians steht für die Fusion von Funktionalität und zeitloser Ästhetik. Gründerin Tove Grane und Mann Øyvind Lauritzen bringen komplementäre Expertise ein: Øyvind aus der technischen Sportswear, Tove aus der Mode. Eine besondere Leidenschaft hegt sie für Merinowolle. Bei der Knitwear-Kollektion werden traditionelle norwegische Stricktechniken aufgegriffen, was sich auch im Logo widerspiegelt. Die Skibekleidung interpretiert Retro-Designs der 1960erbis 1980er-Jahre neu und ist sowohl für Berg als auch Stadt konzipiert. Minimalismus, Qualität und Naturverbundenheit prägen die Kollektionen und spiegeln den skandinavischen Ansatz von Lifestyle und Funktionalität wider. @wenorwegians
RUN FOR THOSE WHO CAN’T MAY 10 , 2026 TH
FASHION
CashmereMantel in rauchigen Tönen – Luxus pur.
Blazer in intensiven Rottönen – starke Femininität, klar inszeniert. Übergroßer Cashmere-Mantel im Bronze-Verlauf zu strukturiertem Strick und Jacquard-Rock – der perfekte TotalLook von Avant Toi.
ELEMENTAL SOFTNESS Mit Rooted Ritual Paths entwirft AVANT TOI eine Kollektion, die wie ein tiefer Atemzug wirkt – eine Erinnerung an die Erde, die Wärme, die Sprache der Hände. Entsprechend malerisch fällt auch die Kollektionsbeschreibung aus: Die Farben tragen die Ruhe von Mineralien und Moos, von Yak-Tönen und gedämpftem Grau, dazwischen setzt Tibeterrot Akzente. Metallische Schimmer, an Gesteinsadern erinnernd, sind kraftvoll und erdend zugleich. Die verwendeten Materialien sprechen ebenfalls für sich: pelzige Elemente, Plüsch und Fleece-Effekte, Wolle, die durch Abrieb, Erosion, Farbe oder Salzung eine unerwartete Tiefe erhält. Nichts wirkt laut, vielmehr erzählen die Styles von Verbundenheit. Strick ist organisch inspiriert und erinnert mit seinen spannenden Volumen an Wesen zwischen Tier und Pflanze. Handgearbeitete Details und Anklänge an Amulette werden zu kleinen Zeichen von Schutz und Nähe. Avant Toi erzählt damit von einem Luxusbegriff, der auf Bewusstheit ruht: langsamer, langlebiger, näher am Material. Die Kollektion ist eine Einladung, die Qualität der Faser und die Kraft des Sanften neu wahrzunehmen. 318 style in progress
FASHION
ENFOLDING HARMONY Für Herbst/Winter 2026/27 vereint EDELLE die Bedürfnisse nach Harmonie, Nähe und traditionellen Werten. Weiche, umhüllende Materialien und vertraute Muster schaffen eine beruhigende, zugleich moderne Atmosphäre. In der Blusenlinie wird die Palette der Signature-Styles um neue Cropped-Modelle, eine größere Farbvielfalt und zusätzliche feminine Formen erweitert. Zarte BohoDetails, feine Rüschen und Schleifen erzählen von reduzierter Eleganz. Ton in Ton bestickter Popelin und Voile vermitteln ein winterliches Gefühl, während Glenchecks, Hahnentritt und Tartans auf Seide oder supersoften Flanellen feminin durch Ruffles interpretiert werden. Im Additional-Bereich erweitern Pencil Skirt, Wickelkleid und eine neue Punto-Roma-Qualität für Röcke, Kleider und Leisure-Pants die Kollektion. Overshirt und Cropped-Jacket dienen als moderne Alternativen zum Blazer. Eine Kapsel mit Cashmere-Teilen, farblich perfekt auf die Blusen abgestimmt, rundet das harmonische Gesamtbild ab. Die Farbwelt spannt sich von Diplomat Blue über Brun Rouge und patiniertes Rosé bis hin zu Avocado. www.edelle.de
Seit 2017 steht Edelle für zeitgeistig feminine Designs. style in progress 319
FASHION
ALPINE HERITAGE, MODERN SPIRIT
Eco-Fur und Flanell sind Highlights der Kollektion.
COLMAR Originals präsentiert die Kollektion Herbst/Winter 2026/27 als eine Rückbesinnung auf alpines Erbe, verbunden mit modernem urbanem Stil. Outerwear bleibt das Herzstück der Marke und wird durch ergänzende Kategorien erweitert, die Komfort, Funktion und zeitgemäße Ästhetik vereinen. Inspiriert von den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren übersetzt die Kollektion die Bildwelt historischer Bergmagazine in einen klaren, modernen Look. Après-Ski-Inspirationen werden in urbane Pieces übersetzt. Taktile Materialien wie Cord, Flanell, Eco-Fur und Eco-Shearling treffen auf weiche Knitwear. Die Farbpalette reicht von Schneeweiß und Naturtönen bis zu tiefen Nuancen wie Marrakech und Merlot. Thematische Linien wie The Elsewhere, Heritage und Alpine Glow schaffen unterschiedliche Stimmungen zwischen Rückzug, Authentizität und Wärme. Accessoires aus Teddy und Faux-Shearling, dazu funktionale Elemente wie gesteppte Schals, Fäustlinge und Bags runden die Kollektion ab. www.colmar.com
Materialmix am Punkt: Daune und Bouclé.
Daunenjacken bleiben bei Colmar das Herzstück. 320 style in progress
FASHION
Aus der Serie Abito: Anzug aus reiner Wolle. LOOK AUS ELASTISCHER WOLL-CASHMERE-QUALITÄT, VEREDELT DURCH EINE EXKLUSIVE MYTHS-FÄRBETECHNIK.
THE ART OF THE FIT Der Hosenspezialist MYTHS bleibt seiner Made-inItaly-DNA treu und erweitert für Herbst/Winter 2026/27 seine Silhouetten. Neue Loose-Fit-Modelle bringen mehr Volumen, während die Carrot-Pant mit weitem Bein und präzisem Saum als moderner Bestseller zurückkehrt. Herzstück der Saison ist die Capsule Abito: ein modulares System aus fünf Overshirts und fünf Hosen im gleichen Stoffuniversum. Ein flexibler Total-Look, der als kompletter Anzug funktioniert oder einzeln getragen, kombiniert und frei gemixt werden kann. Ein Baukastensystem, das Retailern sowie Kundinnen und Kunden maximale Freiheit bietet, von cleanem Tailoring bis zu entspannten Oversize-Looks. Im Fokus steht weiterhin die Materialforschung. Cashmere-Flanelle, waschbare Premiumwolle, Herringbone mit Seide und Cashmere sowie die ikonische Combat Wool verbinden Eleganz und Funktion. Ergänzt wird die Saison durch erstmals frosted-gefinishte CordQualitäten und neue Denimstrukturen in warmen Mélanges und kühlen Neutraltönen. www.myths.it
Myths kann auch sportlich – hier mit einer Cord-Variante.
style in progress 321
FASHION
ALL-YEAR-ROUND: PYRENEX LIGHT-DAUNE.
GECLUSTERT IM LUFTSTROM Das Wort Daune eröffnet ein breites Spielfeld. Besonders im Fall von PYRENEX, das seit 160 Jahren Daunenfedern aufbereitet, veredelt und verarbeitet. Der Prozess ist dabei so komplex, dass man schnell versteht, warum das Unternehmen aus den Pyrenäen als hochwertigster Daunenproduzent Europas gilt. Im Luftstromverfahren werden die gereinigten Daunen über deren Gewicht in verschiedene Güteklassen sortiert. Nur die leichteste und damit beste Daune schafft es in die hochwertige Kollektion. „Daunenjacken sind ein besonders anspruchsvolles Produkt, weil der Markt mit etablierten Marken gesättigt ist. Gleichzeitig ist das eine große Chance für neue Brands, diesen Markt zu begeistern“, sagt Mark Grütters über seine positiven Erfahrungen mit der im Design progressiven Kollektion, die mit ihrer Qualität und dem frischen Look auf Anhieb zahlreiche Key-Accounts wie Breuninger, BSTN und Daniels überzeugt und konstant erfolgreich performt. Mit Light-Daunen und neuen Außenstoffen präsentiert sich Pyrenex als anspruchsvolle Ganzjahreskollektion. www.pyrenex.com 322 style in progress
Upcycling seit 1859: feinste französische Gänsedaunen mit DownpassZertifikat.
FASHION
SELFCOCOONING Der Name PURSCHOEN steht seit jeher für leichte, softe Cashmere-Schals. Nun wächst die Kollektion um innovative Knitwear. Hochwertige Naturfasern bilden die Basis und versprechen Weichheit, Leichtigkeit und Wärme. Die Formensprache ist modern und klar: mit oversized und cropped Styles, Strick mit Polokragen oder in neu interpretierten Ringeldessins. Cashmere für Pullover und Jacken steht im Mittelpunkt – grob verzwirnt für großzügige Silhouetten oder als Brushed Variante für geringelte Polojacken und V-Neck-Pullunder. Statements setzen ein Chevron-Pullover sowie ein Capesweater im Perlfangmuster mit geschlitzten Ärmeln. Besonders luxuriös zeigen sich Yak-Wolle mit zarten Pailletten und Unterzieher aus feiner Cashmere-Seide. Cashmere-Pants runden den Wohlfühllook ab. Die Farbwelt ist warm und harmonisch, geprägt von Braun-Nuancen, Taupe, Beige und Bordeaux und akzentuiert durch Rosa und Ruby Red. Im deutschsprachigen Markt wird Purschoen über die Modeagentur Anja Heller, die Agentur Stöckler sowie die Agentur Silvano Rose vertrieben. www.purschoen.de.
Soft, leicht, hochwertig: Die Kollektion Purschoen umfasst jetzt neben Schals und Tüchern auch Knitwear
style in progress 323
CON
URBAN MOUNTAINEER Daniele Fiesoli
SHARP SHOULDER Ganni
STAY OUTSIDE! Nude Project
324
FASHION
Tendencies & forecasts for upcoming seasons Die Mode besinnt sich wieder auf ihr Spiel mit Gegensätzen: stark und sanft, minimalistisch und überdekoriert, nachhaltig und überschwänglich auf einmal. Klare Linien und experimentelle Materialien auf der einen, Naturfasern und romantische Silhouetten auf der anderen Seite. Der größte gemeinsame Nenner ist dabei das Spezialistentum. Immer weniger verschreiben sich die Kollektionen einem Komplettlook und wenden sich ihren Kernkompetenzen zu. Die Fokussierung merkt man auch in den Themen, bei denen die Mode vor allem ihre Wirkung als Seelenwärmer ausspielt: mit der Stilwelt einer naturidyllischen Bergsteigerästhetik bringen funktionale Ausrüstungsdetails teils verklärte Alltagsromantik ins Stadtleben. Gleichzeitig wirkt der Look in seiner Gesamtheit geerdet und angekommen im Hier und Jetzt. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Marken
HIGH CLASS LEATHER Mac
REDEFINED PREPPY Marcel Ostertag
style in progress 325
URBAN MOUNTAINEER Mit funktionaler Ästhetik werden Zitate aus der Trapper- und Bergsportwelt in urbane Looks übersetzt. Technische Materialien wie Softshell, Ripstop oder Fleece treffen auf warme CashmereQualitäten, hochwertige Naturmaterialien, alpine Strickmuster und geerdete Farben. Details wie Kordelzüge, Karabiner oder rustikale Layering-Looks verleihen den Outfits eine sportlich-alpine Note, ohne modisch überladen zu wirken. Auch Klassiker wie Cargohosen und Flanellhemden, Checks und Kord dürfen nicht fehlen.
Superga
VON&ZU
Circolo 1901
Des Petits Hauts Portuguese Flannel Bæstmor
Coldbreaker
Vanessa Bruno
Pierre Cardin
FASHION Sebago
Le Mont Saint Michel
Cashmere Company
Never Enough
Brax
The.Nim
Rosner Vivobarefoot
Liv Bergen
Daddy’s Daughters
Cinque
style in progress 327
STAY OUTSIDE! Statement-Coats, oversized Cuts und große Daunenvolumen in neuen Optiken bleiben modische Umsatztreiber. Die Innovation spielt sich nicht nur auf den Oberflächen von hochglänzenden Lackoptiken bis super soft und matt wattierten Stoffen ab, sondern vor allem in den Materialien selbst. Neben Fake Fur und veganen Ledern kommen auch vegane und recycelte Daunen und recycelte Oberstoffe zum Einsatz.
Peak Performance Elho
Ecoalf
Duno
Schott NYC
Arianna Roda Bugatti
Carl Gross
Deblon
328
FASHION
Upper Hights
Blonde No.8
Bogner
Homecore
Pyrenex Souleway
G-Lab
Taion
Humanoid
style in progress 329
HIGH CLASS LEATHER Neben der klassischen Bikerjacke setzt sich Leder besonders vielseitig durch: mit neuen Silhouetten mit oversized Bomber- und Blousonschnitten, aber auch im verkürzten CroppedCut. Neu ist vor allem die Farbpalette, die das klassische Schwarz durch erdige und Beerentöne wie Cognac, Burgunder oder Toffee ersetzt. Innen wie außen kommen vegane Alternativen und pflanzlich gegerbte Materialien zum Einsatz.
Cambio
Daydream by Mac
mbyM
Alberto
Windsor
Fuchs Schmitt
Hey Marly
Luisa Cerano
330 style in progress
FASHION
Milestone
Eterna Rosner
Marcel Ostertag
Schott NYC Ganni
19Andrea’s47
More & More
Seductive
331
SHARP SHOULDER Ein wenig Couture-Opulenz und genderfluides Tailoring vermischen sich aktuell in der Konfektion, wo sich alles um strukturierte, stark betonte Schultern dreht. Unisex-Anzüge mit weiten, fallenden Silhouetten, tiefsitzende Bundlinien, dramatische Drapierungen, Volumen und XXL-Schulterpads zelebrieren eine theatralische Eleganz. Der Twist aus fließenden, weichen Stoffen und scharfen Schnitten erzeugt Spannung.
Anaii Drykorn
MM6 Maison Margiela
Rossi
Co’Couture
Sportalm
332 style in progress
Inwear
FASHION
Raffaello Rossi
Sportalm
Christian Wijnants
Mantù
Penn & Ink N.Y
Mac
The Dynamis Studio
style in progress 333
REDEFINED PREPPY Die ruhige, geerdete Farbpalette suggeriert jenes authentische Understatement, das man der stilsicheren Ästhetik des Preppy-Looks zugestehen muss. Der Fokus liegt dabei auf der Haptik und der qualitativen Tiefe der Materialien statt dem äußeren Schein. Ein in sich stimmiges Balancegefühl: viel Textur mit Reliefstrick, 3D-Applikationen und gebrochenen Mustern, dafür wenig Dekoration mit maximal einem Statement-Piece.
Love Future
Faliero Sarti
Club L’Avenir
FTC Cashmere
Academia
Floris van Bommel Sebago
Nineto9
DoppiAA
Absolut Cashmere Bloom
Astorflex
334 style in progress
FASHION
Cambio Hiltl Kings of Indigo Drykorn
Brax CG – Club of Gents
Carl Gross
Dressler
Circolo 1901
Siyu
Stetson
style in progress
EDITOR’S LETTER
FASHION MAY BE OUT OF FASHION – BUT WE’RE NOT
V
or fast 30 Jahren, im Sommer 1996, habe ich mein erstes Magazin herausgebracht. X-RAY war ein Kind seiner Zeit: mutig, futuristisch, getragen von einer völlig neuen visuellen Sprache. Damals dauerte es Minuten, um nur ein Bild von Vierfarbdruck in Schwarz-Weiß umzuwandeln – selbst auf dem schnellsten Mac. Kein Wunder, dass alle Grafikdesigner Raucher waren. Aber das wird kein nostalgischer Ausflug. Mich interessiert die Energie dahinter: der unternehmerische Drang, etwas selbst zu machen, es besser zu machen, es anders zu machen. Vielleicht liegt es daran, dass so viele Menschen um mich herum derzeit Jubiläen feiern – 20 Jahre, zehn, fünf. Ich bewundere sie alle. Und genauso bewundere ich diejenigen, die ihr erstes Jahr feiern. Unternehmertum lebt von Neugier, vom Glauben an die Zukunft, von einem bestimmten inneren Feuer. Dieses Feuer über die Zeit hinweg zu bewahren, ist fordernd. Es immer wieder neu zu entfachen, ist die eigentliche Kunst. Resilienz ist ebenso wichtig wie Kreativität. Zu wissen, was man nicht kann, ist manchmal sogar wichtiger als zu wissen, was man kann. Unsere Branche basiert vielleicht mehr als jede andere auf diesem Mut. Auf der Bereitschaft, es einfach zu versuchen, ein Risiko einzugehen, Spuren zu hinterlassen. Das sind wir. Dieser Mut prägt auch, wie wir unsere Gegenwart sehen. Denn wir alle spüren etwas: diesen leisen, aber unverkennbaren Wandel. Das Gefühl, dass Fashion „out of fashion“ ist. Nicht als Provokation, sondern als nüchterne Beobachtung. Mode wird nicht mehr als Muss empfunden, Für viele nicht einmal mehr als Nice-to-have. Das tut weh, denn es stellt vieles infrage. Die Menschen kaufen weniger Mode, nicht wegen wirtschaftlicher Zwänge allein – die gab es schon immer –, sondern weil das Verlangen nachgelassen hat. Der Funke reicht nicht mehr, um etwas zu entzünden. Selbst spontane Käufe müssen heute eine innere Prüfung bestehen. Genau hier liegt unser Hebel. Das Paradoxe ist, Mode – oder noch mehr Stil – hat seine kulturelle Bedeutung nicht verloren. Im Gegenteil. Stil bleibt eine der stärksten Ausdrucksformen von Persönlichkeit, Identität und Haltung. Er ist mit Popkultur, Musik, dem Leben
336 style in progress
selbst und der Art, wie Generationen signalisieren, wer sie sind, verwoben. Die Welt interessiert sich immer noch für Stil, aber sie akzeptiert keine leeren Formeln mehr. Und wieder: Genau hier liegt unser Hebel. Wenn Mode Bedeutung verloren hat, müssen wir diejenigen sein, die sie zurückbringen, indem wir der Mode wieder geben, was sie verloren hat: Glaubwürdigkeit. Etwas, das echt genug ist, damit Menschen sich wieder darauf einlassen. Dies ist der Moment, in dem Unternehmergeist von einer Haltung zu einer Verpflichtung wird. Der Mut, umzudenken, zu schärfen, die Messlatte höher zu legen – vor allem, weil niemand anderes es für uns tun wird. Wenn Mode aus der Mode kommt, wer könnte das besser ändern als wir? Wer sonst versteht ihr Potenzial? Wer sonst hat die Kreativität, die Widerstandsfähigkeit, den Antrieb? Unsere Branche hat sich nie durch Konformität weiterentwickelt, sondern durch Überzeugung, durch Menschen, die genug an etwas glauben, um es aufzubauen. Immer wieder. Und bei Bedarf neu anzufangen. Vielleicht sind Jubiläen deshalb wichtig: Sie erinnern uns daran, dass alles, was es wert ist, erreicht zu werden, mit jemandem begann, der einfach begonnen hat. Derselbe Impuls wird uns auch jetzt weiterbringen. Also: Meine herzlichen Glückwünsche an alle, die einen Meilenstein feiern – ob rund oder nicht. An alle, die Lust haben, die Zukunft zu gestalten. IT’S WIDE OPEN! Euer Stephan Huber stephan@style-in-progress.com
AMELIA GRAY #BEYOUROWNBOSS
HUGO BOSS AG PHONE +49 7123 940 BOSS.COM