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#1/2019

„DIE MACHT LIEGT NICHT MEHR BEIM HÄNDLER.“ DOUG STEPHENS

Automne/Hiver 2018 Julita, Csepi et Max Aubrac 22. Jahrgang # 1/2019

SO WIRD 2019: BESSER MACHEN, STATT BESSER WISSEN TAKTUNG Wann welche Ware und wenn ja, wie viel davon? OMNITAIL Handel, immer, überall. ERNEUERUNG Die Pflicht, sich in Frage zu stellen.

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The Alpine Side of Life. Neues vom Erfinder des Alpinen Lifestyles erfahren Sie in Kürze. Premium Berlin, 15. – 17. 01. 19 ISPO München, 03. – 06. 02. 19 Tracht & Country Salzburg, 01. – 03. 03. 19


EDITORIAL

Auf in den Nebel! Liebe Leserinnen und Leser, kommt der Prophet zum Berg und sagt: „Wir müssen mutig in die Ungewissheit einer neuen Ära aufbrechen!“ Sagen wir von style in progress: Recht hat er! Auch wenn diese Zukunft, wie unser Interviewpartner, der „Retail Prophet“ Doug Stephens (The Longview, ab Seite 070) betont, noch im Nebel liegt. Dass wir auf dieser nebelverhangenen Autobahn in die Zukunft keine 30 km/h fahren, macht die Sache spannend. Gibt es Orientierungspunkte, die uns auf dieser abenteuerlichen Fahrt begleiten? Ja, die gibt es. Ein Heft voller leuchtender Beispiele halten Sie hier in Händen. Der Schwerpunkt „Besser machen“ hat uns auf eine journalistische Reise geschickt. Wir starten mit einem Feld, das wir für untrennbar halten: Nachhaltigkeit und Innovation, gemeinsam ergibt das Greenovation (ab Seite 082). In diesem Eröffnungskapitel holen wir Menschen und Marken vor den Vorhang, die die Welt gleichzeitig smarter und besser machen. Es folgt: die Taktung (ab Seite 104). Eine Branche, in der so vieles aus dem Takt ist, schickt sich an, aus der Vielzahl ihrer Rhythmen wieder einen Gleichklang zu machen. Denn während die einen Walzer tanzen, rocken die anderen zu schnellen Beats ab – und am Ende, so die Erkenntnis aus den Beispielen in unseren Artikeln, ist es doch so einfach: Das Tempo muss dem Tänzer entsprechen! In großem Maße können das jene, die ganz rätselhafte Wesen dechiffriert haben: die jungen Leute. Dass die Jugend (ab Seite 122) weder alles besser noch alles schlechter macht, findet Nicoletta Schaper in ihrer Annäherung im dritten Kapitel heraus. Das Wichtigste bleibt: Die Zielgruppe ernst nehmen. Wer das tut, bewegt sich im vierten Kapitel des Schwerpunkts, Omnitail (ab Seite 132), ganz selbstverständlich. Die Botschaft ist klar und redundant: Nicht der Vertriebskanal entscheidet, sondern der Konsument. Was es für diese gekonnte Ansprache über alle Formen des Handelns hinweg braucht? Ein klares, konsistentes und aufgeräumtes Markenverständnis. Denn nichts ist zukunftsfähiger, als eine starke Marke. Wie inspirierend, dass so viele Unternehmen das erkannt haben. Beispiele dafür? Haben wir: In Kapitel fünf, der Erneuerung (ab Seite 158). Mit Erneuerung nehmen wir es bei style in progress auch sehr genau: Unsere Art Directrice Elisabeth Prock-Huber hat dem Heft ein geschmackvolles Make-over verpasst. Das gesamte Redaktionsteam hat geschraubt, gedreht, optimiert und in Frage gestellt. Denn auch wir treten an, es besser zu machen, anstatt es besser zu wissen. Lassen Sie uns wissen, ob es uns gelingt! Viel Vergnügen beim Lesen wünscht, Ihr Team von style in progress

Coverfoto: The Retail Prophet

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INHALT SO LÄUFT’S

BESSER MACHEN BESSER

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078 078

006 EDITORIAL Auf in den Nebel!

016 JETZT 060 FINDEN WIR GUT THE LONGVIEW

070 „Wir müssen mutig in die Ungewissheit einer neuen Ära aufbrechen.“ The Retail Prophet Doug Stephens im Interview.

SO LÄUFT’S 078 BESSER MACHEN 080 So gut wie noch nie Der Modebranche geht es besser, als sie sich fühlt: ein Kommentar von Isabel Faiss. 082 BESSER MACHEN: GREENOVATION 084 „Es braucht Menschen, die handeln“ Denimproduzent Mostafiz Uddin ist Lobbyist für Nachhaltigkeit und seine geliebte Heimat Bangladesch. 086 Die Magie des Machens Was ein Pop-up-Store alles bewegen kann, zeigt Magazzins Ecoalf-Store in Graz. 088 The Good News Beispiel geben: Schritt für Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. 092 Finden wir gut – Fokus Greenovation Marken für Morgen – ökologisch und fair. 094 Jetzt handeln! Was die Modebranche tun kann, um grüner zu werden: Experten sprechen. 098 „Es ist möglich, ein Material mit drastisch geringerer Umweltbelastung herzustellen“ Algen-Sneaker und Wolle aus menschlicher DNS: Theanne Schiros vom FIT macht es möglich.

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100 Innovate or die Clever und Smart in der Modebranche. 102 Zero Waste Die portugiesische Procalçado Gruppe hat eine hervorragende Ökobilanz. 104 BESSER MACHEN: TAKTUNG 106 Fluch oder Segen? Was bringen kurzfristige Programme? Modehändler diskutieren das Für und Wider. 110 On Demand Seasonless und Freshness im Dialog – bei Marken wie Filippa K oder Strenesse. 112 Produkt und Timing American Vintage geht ins eigene Risiko, um jenes der Händler zu minimieren. 114 Neugierde und Begeisterung Les Deux ist die Marke zweier Modequereinsteiger, die es sich leisten, anders zu denken. 116 Eine runde Sache 360Cashmere erfüllt Kundenwünsche – im Handel und bei Endkundinnen. 118 „Der Lieferrhythmus und die Ware am PoS müssen der Jahreszeit entsprechen“ Liu Jo stellt ein strafferes und gleichzeitig flexibleres Kollektionsmodell auf. 120 Mehr von allem, nur nicht mehr Ware Markenmacher Valentino de Luca bezieht Stellung. 122 BESSER MACHEN: JUGEND 124 Wanted! Die junge Zielgruppe tickt nach ihren eigenen Regeln. 130 „Die Jugend hat ihren eigenen Bullshitfilter“ Zukunftsforscher Tristan Horx warnt vor Jugendlichkeit, wenn es um Jugendmarketing geht. 132 BESSER MACHEN: OMNITAIL 134 „Wir sind mobile first“ Andreas Skorski will mit The List etablierten E-Commerce-Luxusplattformen Konkurrenz machen.


INHALT

MODE

MODE

Coolotte

Die Hose rutscht wieder ins Zentrum der DOB. Mit hohen Taillen, teils extremen Weiten und XXL-Schnürungen in der Taille wird die Coulotte modern interpretiert. Auch Flares und Girlfriend-Cuts mischen mit. Auffällig sind vor allem die Längen, die häufig noch über dem Knöchel enden.

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AT.P.CO

Closed

Dolores

Drome

Strenesse

Levi’s

Liu Jo

Marni

Nili Lotan

FTC Cashmere

Postyr

Pomandere

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136 „Verbringen Sie mindestens zwei Stunden pro Woche mit einem zufällig ausgewählten Kunden!“ Der Meister der Small Data, Martin Lindstrom, arbeitet wie ein Detektiv.

168 Freundschaft Daniel Hechter hat sich umfassend erneuert.

140 Das Businessnetzwerk Einen Marktplatz, der Lizenzen, Distributeure und Produzenten managt? Gibt’s: bei Basic Net.

144 Need for Speed Na-kd rast der Branche voraus – und stützt seinen Kurs auf Big Data. 146 „Wir bieten Knowledge, Kontakte und Business“ Der #Fashiontech Berlin Macher Michael Stracke im Interview. 148 „KI wird alles verändern“ Wie die Modebranche von KI und Machine Learning profitieren wird, weiß Vahe Taamazyan von Sizolution.

170 Feminin und easy Die Strenesse New GmbH heißt zu Recht so: Sie begeistert mit frischen Ideen.

172 Die Leidenschaft für Leder Drome Designerin Marianna Rosati über eine ganz besondere Liebe. 174 Kultkollektion Die Surfermarke Lightning Bolt überzeugt mit einem stimmigen Gesamtkonzept. 175 „Es geht nicht um Kleidung, es geht um Kultur“ Fortela ist Alessandro Squarzi und umgekehrt.

MODE

150 Start-ups schaffen Frequenz In Mannheim hat man verstanden, dass Gründer die Zukunft gestalten.

176 Volume Formula Die Trends der Herbst-/Winter-Saison 2019/20.

154 Im Netz gesucht, im Store gefunden Der ROPO-Effekt, oder: Wie der stationäre Handel von online profitiert.

VOR ORT

164 Das Comeback eines Kults Chevignon ist unter neuer Führung wieder auf Kurs, pünktlich zum Jubiläum.

193 Blaues Blut Blue de Gênes/Hamburg 194 Erwartbar ist das Unerwartbare Urban Speed/Wien 196 Buy less, buy better Slowear/München 197 Männerwelt The Bespoker/Düsseldorf 198 Innige Verbundenheit Roya’s bei Motzigkeit/Hannover 200 Genau gegenüber Style & Select/Bochum 201 Stil, Gefühl und Haltung Cabinet/Zürich 202 Kreatives Modeduo Sany/Wiener Neustadt 203 Viel Liebe We love Stories/Salzburg 204 „Ich bin kein Jasager“ Homegirl Store/München 206 Sonderstatus Bratfisch/Gießen

166 Tradition up to date Ein Hippie-Herz trifft moderne Markenführung: Il Bisonte putzt sich heraus.

208 EDITOR’S LETTER

167 Dornröschen ist wach Die Strickmarke Lamberto Losani will es jetzt wissen.

208 IMPRESSUM

156 Per Livestream zum Kunden Anne Höweler von Cover Communications schafft mit Influencer-Aktionen Frequenz. 158 BESSER MACHEN: ERNEUERUNG 160 „Wir wollen die Flamme wieder entfachen!“ Marc O’Polos neues Führungsteam: Susanne Schwenger und Dieter Holzer im Interview.

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Besser machen


0 2 0 2 r Winte


#LISTEN!

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REZA MOUSSAVIAN

SOFIA WINGREN

MARKUS FUCHSHOFEN

PROMOTES THE DIGITALIZATION OF HR WHILE SUPPORTING THE DIGITAL TRANSFORMATION OF ALL BUSINESS UNITS AT TELEKOM

HYPER ISLAND WAS ONCE REFERRED TO AS “THE DIGITAL HARVARD”

FUCHSHOFEN HAS DRIVEN BONPRIX’S ONLINE TRANSFORMATION TO BECOME A SUCCESSFUL FASHION BRAND WITH WEB SHOPS IN 29 COUNTRIES

LOUISE TROEN

CHRISTOPH MAGNUSSEN

ALFREDO OROBIO

BUMBLE IS AVAILABLE IN 160 COUNTRIES WITH A COMMUNITY OF OVER 41 MILLION USERS

MAGNUSSEN RE–THINKS WORK STRUCTURES FOR SOME OF THE MAJOR PLAYERS LIKE ABOUT YOU, VOLKSWAGEN AND MYMUESLI

AWAYTOMARS WAS NAMED THE „GAME-CHANGING, INDUSTRY-DISRUPTING ONLINE FASHION RETAILER“ BY ELLE

HE ENSURES HIS CLIENTS GROW THEIR BUSINESSES THROUGH DIGITAL STRATEGIES, CRM AND CRO

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JETZT JETZT

Moose Knuckles

Mensch vs. Elemente Kanadisches Familienunternehmen, da könnte man denken: Die Inspiration ist das hübsche Klischee, das wir vor Augen haben, wenn wir an das Land denken. Auftritt Design Director Tu Luy: Abgewetzte Berufsbekleidung, Ausrüstung aus Gummi und Fetischbekleidung nennt er seine Inspirationen, dazu noch Herman Melvilles „Moby Dick“ und der Discovery-Channel-Serie „The Deadliest Catch“. Dass das nicht in langweiliger Outer­wear mündet, versteht sich von selbst. Zur aktuellen Saison verkündet Moose Knuckles wichtige Entscheidungen: Die Marke führt pelzfreie Modelle ein, die sowohl in den Styles Classic Core als auch Mid Core erhältlich sind, mit abnehmbaren Kapuzen mit Sherpa-Futter aus 100 Prozent Wolle. Dazu gibt es neue Farben der bekannten Styles und selbstverständlich auch gänzlich neue Modelle, zum Beispiel die Parkas Mont Joli oder The Colombier. www.mooseknucklescanada.com

Gegründet 2007, hat Moose Knuckles eine Mission: Die Menschen vor den Elementen zu schützen – auf luxuriöse, stilvolle und lustige Art und Weise.

Majestic Filatures

Mehr als nur ein T-Shirt

Sag niemals Basics zu ihnen: Die majestätischen Shirts und Tops von Majestic Filatures werden um eine Strickkollektion erweitert.

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Das französische Label Majestic Filatures bietet neben seinen Tops und T-Shirts nun in der zweiten Saison auch eine Strickkollektion an. Gegründet wurde die Marke im Jahr 1989 von Franck Ellia und Rolland Chelly in Paris. Dort befindet sich auch bis heute ihr Atelier. Der Name ist vom französischen Wort majesteux abgeleitet und bedeutet majestätisch. Majestic gilt als Pioneer bei der Mischung von Garnen. So stehen bei den Tops und T-Shirts 30 Qualitäten zur Auswahl. Die VK-Preislagen für Baumwolle mit Cashmere liegen im Schnitt bei 79 Euro, Leinen mit Seide gemischt kostet 75 bis 99 Euro und Viskose-Elastan-Mischungen gibt es ab 49 Euro bei Kalkulationen zwischen 2,8 und 3,0. Es gibt zwei Haupt- und zwei Zwischenkollektionen sowie ein NOS-Programm. Geliefert wird frei Haus ab dem Lager in Frankreich. Kunden sind u. a. Bon Marche, Barneys, Maxfield, Frauenschuh in Kitzbühel, Vogue in Graz, Daniel’s in München und Köln, Different in Hamburg und Sylt, Greta & Luis in Berlin, Burresi in Wiesbaden und Frankfurt sowie Stylebop. Für den Vertrieb in Deutschland und Österreich ist die Agentur Klauser zuständig. www.majesticfilatures.com


JETZT

Na-kd

The Brandbuilder

Valentino de Luca (Mitte) feiert mit seiner Marke Lucky de Luca das zehnjährige Jubiläum. Gratulation!

Lucky de Luca

Die Konstanz eines Freigeistes Zehn Jahre! In diesem Jahr feiert Designer Valentino de Luca mit seiner ersten und bis heute dominantesten Marke Lucky de Luca das zehnjährige Jubiläum. Und das mit einem kreativen Feuerwerk: Angelehnt an die progressive Aufbruchsstimmung der 1960er-Jahre und ihren rebellisch-kreativen Charakter feiert die neue Lucky de Luca Kollektion auf ihre ganz persönliche Weise die Erfolge der letzten zehn Jahre. Mit expressiven Prints, die gepaart mit der lebensfrohen Lässigkeit der gesamten Kollektion einen spannenden Twist verleihen, ehrt Valentino de Luca in dieser ganz besonderen Kollektion Roy Lichtenstein und die Helden der Pop-Art. Seinen Wurzeln bleibt er weiterhin treu: Jedes Teil der Kollektion wird ausschließlich in zertifizierten Betrieben in der Türkei und Italien unter fairen Bedingungen produziert. Die unglaubliche Dynamik in den Kollektionen trifft dabei immer auf die fast schon pedantische Perfektion in Schnittführung und Detailverarbeitung. Valentino de Luca nennt sich selbst den „deutschesten Italiener der Welt“, weil er niemals unpünktlich ist und mit akribischer Sorgfalt jeden Prozess überwacht. style in progress wünscht dir weiterhin so viel Erfolg, Valentino! www.luckydeluca.com

Als neuer Miteigentümer und Global Sales Director Wholesale and Retail der schwedischen Marke Na-kd hat Thorsten Baumann innerhalb eines knappen Jahres viel erreicht – und noch einiges vor. „Seit Mai haben wir mit dem Roll-out im Wholesale und Retail in Europa begonnen, nach dem Start in Deutschland und Österreich im September 2017“, so Thorsten Baumann. Darauf folgten die Benelux-Märkte, Italien, Skandinavien und Frankreich. „Wir haben quer durch Europa die wichtigsten Departmentstores an Bord“, so Thorsten Baumann. Der Erfolg der 2016 online gelaunchten Marke, die ihren Lifestyle mit der internationalen Bloggerszene glaubwürdig vernetzt, strahlt auch auf die Händler ab, die mit Na-kd die junge Zielgruppe begeistern, darunter Breuninger, Peek & Cloppenburg, Ludwig Beck, Citadium, Galeries Lafayette, Hudson Bay sowie Magasin Du Nord. „Wir haben im ersten Geschäftsjahr des Wholesale Department 20 Prozent des Gesamtumsatzes der Na-kd Brand Group realisieren können.“ Aktuell steht der Start für den Mittleren Osten, Kanada und USA an. Thorsten Baumann zählt Ralph Lauren, Tommy Hilfiger und Pepe Jeans zu seinen beruflichen Stationen, ein Markenumfeld, in dem sich auch Na-kd positioniert sieht. „Marken mit Emotion aufzuladen und ihren Erfolg auszubauen, ist meine Passion.“ www.na-kd.com

Vogue Concept Store

Pop-up im Outlet

Für fünf Monate in der Outletcity Metzingen: der erste Vogue Conceptstore. ©Andreas Engelhard für Vogue

Im November eröffnete als Pop-up der erste Vogue Conceptstore mit deutschen Designerlabels, darunter Marina Hoermanseder, Dawid Tomaszewski und Lika Mimika, ergänzt von Marken wie Iris von Arnim, Talbot Runhof sowie Vogue Accessoires. Ein Konzept von Condé Nast Deutschland als Berührungspunkt der Marke Vogue mit den Lesern. Doch warum in der Outletcity Metzingen statt in einer Innenstadt? „Wir haben mit der Outletcity Metzingen einen Partner gefunden, der das Retail-Know-how, die Räumlichkeiten und den Mut, Neues auszuprobieren, mitbringt. Auch die direkte Nachbarschaft zu Stores von Luxusmarken und das internationale, kaufkräftige Publikum sprach für die Standortwahl, und dass die Designer dort Kollektionen aus vergangenen Saisons verkaufen können“, begründet Ines Thomas, Director Corporate Communications Condé Nast Verlag. „Vogue Deutschland ist regelmäßig mit Initiativen wie ‚Vogue loves Breuninger‘ und Kooperationen mit dem KaDeWe oder Lodenfrey im Handel aktiv, wir wissen um die hohe Aktivierungskraft unserer Marke am PoS. Entsprechend ist es vorstellbar, das Konzept künftig auch an anderen Standorten umzusetzen, um die Vogue Salon Designer im gehobenen Umfeld mit der richtigen Zielgruppe zusammenzubringen.“ www.vogue.de

Für Thorsten Baumann ist Na-kd die Antwort auf Zara für den Einzelhandel.

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JETZT

Edelle

Geerdet

Gepflegtes Understatement: die Blusen von Edelle.

Mit Edelle ist Hilke Blömeke angetreten, das perfekte Hemd für Damen zu kreieren. „Der Trend zur Hemdbluse macht auf uns aufmerksam, denn aus dem Hemd kommen wir schließlich“, sagt die Markengründerin, die im kommenden Halbjahr die Präsenz von Edelle in den Medien mit lifestyligen Bildern und Storytelling weiter ausbauen will. Im Kern zeigt die Kollektion aus dem Hause Edward Copper Hemdblusen, einfärbig, in Fine­ linern und in markanten Streifen in Baumwollpopeline und Seidenmixqualitäten. Dazu kommen Oversized-Modelle in Flanell oder Seide mit großflächigen Karodessins, eine Velvet-Serie in großer Farbrange, unifarben oder mit floralem Print, Jacquards sowie unifarbene Hemdblusenkleider. Allen Styles gemeinsam ist ein geerdeter Stil mit sportiver Eleganz, aber ohne großen Schnickschnack. www.edelle.de

Purer Minimalismus: Standard Project startet mit einem schwarzen T-Shirt.

Sun68

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Standard Project

Sushi CapsuleKollektion

Am Anfang war Schwarz

Die italienische Modemarke Sun68 präsentiert für die kommende Herbst-/Winter-Saison eine von reiner Kreativität inspirierte Capsule-Kollektion. „Sie ist nicht aus kommerzieller Notwendigkeit entstanden, sondern ist Ausdruck von kommunikativer Freiheit und setzt die DNA der Marke und ihre Philosophie um“, erklärt Enrico Spinazzè, Gründer und Designer von Sun68. Die Hauptinspiration für die Kollektion ist Take-away-Sushi. Darüber hinaus zeigt sie Ausschnitte aus japanischem Gedankengut, Schriftzeichen und die berühmte winkende Glückskatze. Die Kapsel ist eine frische Kollektion, die ihre Inspiration aus der japanischen Streetwear schöpft, und besteht aus T-Shirts, Sweatshirts und Overalls aus Acetat. In Deutschland und Österreich wird Sun68 über die Modeagentur Weiss aus Düsseldorf vertrieben. In Deutschland ist die Kollektion auf der Premium zu sehen. www.sun68.com

Die Abwesenheit von Farbe und die Reduktion auf das Wesentliche sind die Maximen, auf denen das neue Münchener Label Standard Project aufbaut. „Schwarz steht für Stilsicherheit und Understatement, für Universalität. Die Beschränkung auf eine Farbe richtet zudem den Fokus auf das Objekt und den Stoff, die Qualität des Garns, die Webart und den Schnitt“, erklärt Standart Project Geschäftsführer Dominique Eggeringhaus. „Wir denken unsere Produkte von Grund auf neu. Wie das T-Shirt, das wir auf seine Essenz zurückführen. Unser erstes Stück ist dabei zugleich das Versprechen, sich mit jedem neuen Stück weiterzuentwickeln.“ Verpackt sind die T-Shirts einzeln in hochwertigen Boxen, gefertigt werden sie in Portugal. Der Verkaufspreis liegt bei 75 Euro. www.standard-project.com

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Sun68 lanciert auf dem Pitti Uomo eine CapsuleKollektion inspiriert von japanischer Streetwear.


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JETZT

3 Fragen

Handstich

Neuer Vertrieb

an:

Das Revier abstecken: Meindl eröffnet einen Laden und Showroom am Platzl in Salzburg, „ein Heimspiel“ wie Markus Meindl es nennt.

Ab Herbst/Winter 2019 übernimmt Ben Botas mit der Agentur Ben and die Distribution von Handstich in Deutschland und Österreich. Damit wird der Vertrieb der Marke zugleich zentralisiert. „Wir wollen die Handstich Story gebündelt präsentieren und die Mensund Womenswear in den Showrooms der Agentur in München und Düsseldorf in einem modernen, jüngeren Markenumfeld zeigen“, so Handstich-Inhaber André Berger, dessen Kollektion auch auf dem Pitti Uomo und der Premium Berlin zu sehen sein wird. Für die aktuelle Saison steht neben den klassischen Themen die für Handstich typischen Materialkombinationen im Fokus, mit Loden zu technischen Materialien, Leder und Lammfell, Shearling und viel Daune. Zusätzlich wird die Damenkollektion ausgebaut, mit entspannten, dennoch femininen Silhouetten sowie längeren Jackenstyles in cleanerer Optik. www.handstich.de

Markus Meindl

Meindl Authentic Luxury Im März 2019 wirst du in Salzburg einen Meindl Authentic Luxury Store eröffnen. Was war Anlass für diesen Schritt? Zum einen haben wir ein perfektes Ladenlokal gefunden. 350 Quadratmeter in genialer Lage am Platzl, der Schnittstelle zwischen Altstadt und Andräviertel. Wir werden auf drei Ebenen die gesamte Welt von Meindl präsentieren: Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Living. Die Kunden, sowohl Einheimische wie internationale Touristen, sollen unsere Exzellenz und Leidenschaft mit allen Sinnen erleben und im Sinne des Wortes begreifen können. Das Shopdesign entwickeln wir komplett selbst, fokussiert auf den Standort. Lösungen von der Stange sind bekanntlich nicht mein Ding. In der obersten Etage werden wir auch unseren Showroom für unsere Freunde und Partner aus dem Fachhandel einrichten. Auch ihnen können wir in Zukunft unsere Vision in völlig neuer Qualität präsentieren. Ein Probelauf für eine weitere Expansion mit eigenen Stores? Salzburg ist ein Heimspiel, ein idealer Ort, um so ein Konzept zu entwickeln und zu verfeinern. Erfahrungen sammeln wir ja seit einigen Jahren mit dem Meindl Authentic Luxury Store in München, den wir erfolgreich gemeinsam mit einem Partner betreiben. Eine gute Vorbereitung! Wir haben keine Eile und keinen Zwang. Wir wollen auch in Zukunft selbstbestimmt und gesund wachsen und unsere Partner mitnehmen. Mit welchen Erwartungen gehst du in die Saison? Wir bei Meindl denken schon lange intersaisonal. Unsere Produkte haben kein Ablaufdatum, sondern sollen die Kunden lange in ihrem Leben begleiten. Das ist für mich Nachhaltigkeit. Mit dieser Philosophie wollen wir auch international stärker wachsen. Deshalb zeigen wir Meindl erstmals auch in Paris im Rahmen der Tranoi. www.meindl-fashions.de

Handstich setzt verstärkt die Womenswear in Szene.

Nubikk

Wanderlust Die holländische Marke Nubikk mischt mit neu definierter DNA gerade den Fashion-Sneaker-Markt auf. Neueste Modelle sind Yeye und Jagger, Kalbsleder-Sneaker mit extrem leichter Sohle und besonders auffälligen Hiking-Boot-Schnürösen. Farbvarianten sind Weiß mit Gold, Weiß mit Silber, Weiß mit Glitter und Schwarz. Die Schuhe werden mit separaten Leisten für Frauen und Männer in Portugal gefertigt und kosten im Verkauf 179 Euro, bei einer 2,6er-Kalkulation. Für den Sommer gibt es Modelle im Leder- und Canvas-Mix, akzentuiert mit Rot- oder Grüntönen. Die Schuhe sind sofort ab Lager in den Niederlanden verfügbar. Zuständig für den Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Agentur Roshan Paul in München, die auch die Marken Leandro Lopez, Lemon Jelly und Nobrand vertritt. Bestehende Kunden sind u. a. De Bijenkorf, Paul Warmer, Breuninger, die KaDeWe Gruppe und Mia Shoes. Zu sehen ist die Kollektion in Deutschland auf der Gallery und Gallery Shoes in Düsseldorf. www.nubikk.com

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Nubikk bringt Sneaker mit Wanderschuhschnürung.


JETZT

Disney X Lacoste

Geburtstag zu zweit Lacoste wird 85 und Disney 90 Jahre. Zu diesem Meilenstein lassen das grüne Krokodil und die freche Mouse gemeinsam die Korken knallen. Das Ergebnis ist eine limitierte Edition, die das Kind im Erwachsenen weckt. Die Kapselkollektion besteht aus fünf Key-Pieces: Einem mit Mickey Mouse verzierten Sweatshirt in Oversize, einem gestreiften Sweater, unterschiedlichen Mickey-Shirts und einem Hoodie. Komplettiert wird die Serie durch das für Lacoste so typische Poloshirt. An der Stelle des ikonischen grünen Krokodils tummeln sich allerdings Mickey Mouse und Minnie. Kinder freuen sich: Die Modelle sind auch für die Jüngsten erhältlich. Die meisten der Motive spielen mit dem Thema Tennis. Eine Referenz an die Herkunft der Brand. Abgerundet wird die Sonderedition mit Lederwaren und Sneakern in Minnie- und Mickey-Optik. www.lacoste.com

„Mode soll ja vor allem Spaß machen.“ Ulli Ehrlich erhielt den Brand Life Award 2018.

Sportalm Kitzbühel

Ausgezeichnetes Konzept Das European Brand Institute verlieh Ulli Ehrlich, Kreativchefin und Geschäftsführerin des österreichischen Familienunternehmens Sportalm Kitzbühel, im November letzten Jahres den Brand Life Award. Prämiert wurden ihre Verdienste um die Marke. Konkret gemeint ist ihr persönlicher Einsatz, die Marke mit Werten aufzuladen und dabei für eine besondere Führungsqualität, Konstanz und nachhaltiges Handeln zu stehen. style in progress gratuliert Ulli Ehrlich, die bei der Verleihung sagte: „Wir verstehen Made in Austria als Verpflichtung“, und sich damit einmal mehr zu ihrem hohen Anspruch an die eigene Leistung als Firmenchefin und die Qualität der Marke Sportalm Kitzbühel bekannte. www.sportalm.at

Die Capsule-Kollektion von Lacoste und Disney weckt das Kind in uns: Mickey- und Minnie-Mouse-Motive zieren die Modelle der limitierten Co-Branding-Kollektion.

Mountain Force

Mit vereinten Kräfen

Der Hersteller als Aushängeschild: Eine Umfirmierung macht aus der Mountain Force AG die KTC Unlimited AG.

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Aus der Mountain Force AG wird die KTC Unlimited AG. Diese Meldung hat es in sich, denn dahinter steht, dass der Produktionsspezialist mit höchstem Funktionalitäts-Know-how für anspruchsvolle Outerwear, KTC Unlimited, erstmals auch offiziell als Inhaber von Mountain Force auftritt. Es ist als Statement zu verstehen, dass man sich zukünftig noch offensiver im Markt präsentieren wird und als Hersteller direkter in Erscheinung tritt. Außerdem soll die Produktkompetenz, die KTC als Unternehmen in die Produkte einfließen lässt, beim Namen genannt werden. Bereits zur Herbst-/Winter-Saison 2019 wird die Kollektion, die weiterhin Mountain Force heißt, unter der Firma KTC Unlimited vorgestellt. Zeitgleich kommt mit AdM – Artisan de Montagne eine weitere Outdoor-Eigenmarke hinzu, die technische Bergbekleidung präsentiert, die sich an 365 Tagen im Jahr den Witterungsverhältnissen auf dem Berg anpasst. Auf der kommenden ispo feiert KTC Unlimited damit zwei große Premieren. www.ktcunlimited.com


JETZT

Fil Noir

Hommage an die Weiblichkeit Besonderes Augenmerk verdient die Damenkollektion vom Hemden- und Blusenspezialisten Fil Noir, die mit drei Lieferterminen aufwartet. Die Verkaufspreise beginnen bei 79 Euro, Kernpreislage ist 99 bis 129 Euro, besonders aufwändige Teile kosten bis zu 199 Euro bei einer 2,8er-Kalkulation. Neue Formen sind zwei Schlupfblusen, die eine casual, die andere feminin. Die gerade geschnittenen Blusen haben abnehmbare Schleifen am Kragen für einen klassischen oder verspielten Look. Eine locker sitzende Bluse mit Volants an der Knopfleiste, zwei neue Kleider: eines mit Rüschen an der Knopfleiste und Manschetten, eines als easy Schlupfform mit Dreiviertelarm und Stehkragen komplettieren die neuen Highlights. Die Designer sind der feminineren Linie der letzten Saison treu geblieben und setzen Details teilweise verspielter mit Rüschen, Glitzer-Tapes oder -Pipings um. In Österreich und Südtirol ist die Salzburger Agentur Free Mountain GmbH und in der Schweiz die Modeagentur Lüthi für den Vertrieb der Donna Kollektion von Fil Noir zuständig. www.fil-noir.com

Sweat, Baby, sweat? Das ist Dank Hydro-Bot-Technologie Schnee von gestern.

Kjus

Hightech Mit der erste Skijacke, die Schweiß auf Knopfdruck beseitigt, hat die Schweizer Sportbekleidungsbrand Kjus eine echte Innovation lanciert. Die Hydro-Bot-Technologie funktioniert mit einer elektro-osmotischen Membran, die sich vom Träger über das iPhone oder eine Android-App steuern lässt. Sie transportiert Feuchtigkeit aktiv aus dem Jackeninneren nach außen, wodurch Auskühlen nach dem Skifahren ausgeschlossen ist – und dem Skifahrer maximale Energie für den Sport bleibt. www.kjus.com

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Fragen an:

Helmfried Strupat Inhaber Better Rich

Fil Noir Donna setzt auf eine gute Mischung körpernaher Formen und lockerer OversizeTeile.

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Better Rich steht für Cosyness und Qualität. Wie erhaltet ihr diesen Standard? Indem wir in diese Qualität investieren. Wir setzen nur Biobaumwolle ein, produzieren in der Türkei, entwickeln Stoffe oft selbst und machen ständig Waschproben, übrigens ohne dass wir je die Preise erhöht haben. Unsere Materialien dürfen keine Allergien auslösen und müssen pestizidfrei sein. Keine Selbstverständlichkeit mehr für manche Premiummarken, höre ich aus Gesprächen im Markt heraus. Inwiefern? Immer mehr geht es um Gewinnoptimierung und Marge auf Kosten des Produkts. Aber wenn ich billig in Bangladesch produziere, ist mein Produkt auch ein anderes. Umso langweiliger und austauschbarer wird die Ware! Kein Wunder, dass das Vertrauen der Händler in die Marken schwindet, wenn die Qualität des Musters nicht der Auslieferung entspricht. Dein Fazit? Was nützt uns die Warenrücknahme, wenn sich die Ware nicht verkauft? So kommt kein Profit in die Händlerkassen und wir Marken schaden nur uns selbst. Denn, wer auf die Produktentwicklung verzichtet, verzichtet auf Begehrlichkeit. www.better-rich.com

Better Rich investiert in Haptik und Feeling.


WERK

HANDWERK

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Tradition since 1683 Our products are engineered in Germany and handcrafted in Europe. The chamois tanned leather comes from wild red deer, respectfully hunted in the European Alps. This leather is, now more than ever, a material that deserves trust and respect. For centuries it has proven its value, reliability and highly emotional affect. Therefore it is our aim to share our passion for this unique product with you. Markus Meindl VISIT US: Pitti Immagine Uomo H/13 - Firenze, Italy Welcome Edition, Showroom 2 - Paris, France Showroom Salzburg Gusswerk - Salzburg, Austria fashion@meindl.de +49 8685 9850 www.meindl-fashion.de


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Mey

Spot on

Luis Trenker Gründer Michi Klemera setzt zur Fütterung seiner Outerwear auf die Wolle der Villnösser Brillenschafe.

Luis Trenker

Naturverbunden Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit hat die alpine Lifestylemarke Luis Trenker für ihre Outerwear Luis Trenker berg auf die exklusive Partnerschaft mit der Marke Villnösser Brillenschaf gesetzt. So werden die Jacken und Mäntel statt mit Daune mit der Wolle dieser ältesten Schafrasse Südtirols gefüttert, ergänzt mit einer hochwertigen Lage künstlicher Fasern, um maximale Funktionalität und Thermoregulierung zu erreichen. Lediglich für die Herbst-/Winter-Saison 2019 kommt recycelte Daune hinzu, weil der momentane Bestand der Villnösser Brillenschafe noch nicht ausreichend ist. Bislang war die Rasse vom Aussterben bedroht; aktuell gibt es etwa 1.000 Tiere in 115 Südtiroler Herdebuchbetrieben, deren Bestand dank der gestiegenen Nachfrage künftig gesichert sein dürfte. Das Bozner Unternehmen Luis Trenker, das ausschließlich in kleinen Betrieben Europas fertigen lässt, baut gleichermaßen auf Tradition und zukunftsweisendes Design. „Das Ziel von Luis Trenker ist, nicht nur den Gipfel zu erreichen, sondern Spuren zu hinterlassen“, sagt Markengründer Michi Klemera. www.luistrenker.com

Die Kollektion Mey für Damen steht für den Herbst/Winter 2019 unter dem Motto Autumn Poem, mit dunkleren, sinnlichen Farben wie Olive Sand, Autumn Grey und Dusty Plum, die für Dessous, Lingerie und Nightwear perfekt miteinander harmonieren. „Stilistisches Highlight ist wieder das Segment Mey Lovestory, mit modernem Mustermix und neuen Schnittführungen“, sagt Claudia Wigge, Head of Design Mey Women. Edle Materialien, großflächige PolkaDots und Karodessins, kombiniert mit floralen Prints in der Trendfarbe Graphite, setzen ein modisches Statement und lassen die Grenzen zwischen Homewear und Oberbekleidung fließend ineinander übergehen. Ergänzend kommen allover gemusterte Zweiteiler hinzu, die mit dem Kontrast lässig-femininer Schnitte und maskuliner Elemente spielen. „Generell wird das Wachstum bei Mey vom Aufschwung im Segment Dessous dominiert, Mey Lovestory funktioniert hervorragend und auch im Nachtwäschebereich haben wir mit Mey Night2Day bereits sehr gute Umsätze erwirtschaftet“, so Matthias Mey, Managing Partner Mey Unternehmensgruppe. www.mey.com

Head Legacy Line

Das Beste aus zwei Welten

Die neue Legacy Line von Head Sportswear ist progressiv im Design wie im Material.

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style in progress

Das Angebot klassischer Skibekleidung ist groß, wohingegen die Anzahl idealer Pistentage sinkt und die Saisons immer später beginnen. Eine Herausforderung, der Head Sportswear aus dem österreichischen Kennelbach mit der neuen Legacy Line begegnet. Eigens für dieses Skibekleidungs- und Vertriebskonzept wurde ein Team gegründet, um exklusiv Materialien, Trims und Schnitte zu entwickeln und um progressives Design mit technischer Innovation zu vereinen. Die erste Kollektion zur Saison 2019/20 präsentiert dreilagige Outfits für Damen und Herren, vorwiegend in den Farben Navy und Elfenbeinweiß, die in der Kombination hohen Tragekomfort versprechen und robust, atmungsaktiv und wasserdicht ausgerüstet sind. Als Abrundung kommen Joggingstyles in Graunuancen hinzu. Aufgrund des sorgsam durchdachten Lagensystems kann das Outfit bei jedem Wetter auf der Piste getragen werden und eignet sich ebenso für die Stadt. Spitz positioniert und exklusiv vertrieben an Geschäfte in Skiressorts. www.head.com

Unterwäsche und Loungewear ist ein Wachstumsgeschäft für die Mey Unternehmensgruppe.


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North Sails

Kampf dem Plastikmüll

Mit der Kampagne Free The Sea will North Sails die Vermüllung der Meere stoppen.

Passend zur Kampagne Free the Sea und der Initative Go Beyond Plastic wird North Sails Anfang Mai 2019 bei Hirmer im Stammhaus in München eine Installation präsentieren, die das Engagement der Marke zum Schutz der Meere untermauert und die Kooperation mit der Ocean Family Foundation aufgreift. Gezeigt wird ein 3D-Virtual-Reality-Erlebnis unter dem Titel „Dive with Sharks“. Hirmer bietet mitten in der Fußgängerzone eine hoch frequentierte Plattform, um das Thema Nachhaltigkeit gepaart mit traumhaft schönen Bildern der Meeresbiologin Ocean Ramsey und des Unterwasserfotografen Juan Oliphant reichweitenstark am PoS in Szene zu setzten. Darüber hinaus unterstützt North Sails Projekte wie z. B. „A Plastic Planet“, eine Initiative zur Vermeidung von Einwegplastikverpackungen. In Italien ist die Meeresbiologin Maria Sole Bianco von der World Commission on Protected Areas (WCPA) Botschafterin von North Sails. Dort leistet sie im TV und an Schulen Aufklärungsarbeit und organisiert viele öffentlichkeitswirksame Strandsäuberungsaktionen. www.northsails.com, www.oceanfamilyfoundation.org

Mey Story

Sorgfalt und Konsequenz „Mey Story entwickelt sich, insbesonders getrieben durch den Fashionbereich, überaus erfreulich“, sagt Matthias Mey, geschäftsführender Gesellschafter Mey. „Dank erstklassiger Qualität und Handwerkskunst stoßen wir auf internationale Begeisterung, beispielsweise in den USA und Asien.“ Grund genug, um die Herbst-/Winter-Kollektion 2019 deutlich zu erweitern und auf Trendthemen zu setzen, mit feinsten Materialien in softer Haptik, etwa Wolle, Fleece, Doubleface-Qualitäten und Nickirippe in luxuriösen Farben. „Wir wollen Lieblingsteile kreieren, die im Schrank ganz oben liegen“, so Mey. Die selektive Distribution an Departmentstores und Conceptstores wie Andreas Murkudis, Lodenfrey, Braun und KaDeWe sowie The Boon in Seoul, United Arrows, Rose & Born in Stockholm und Rialto Living unterstützen den Auftritt als Premiummarke. „Wir haben mit Mey Story ein besonders hochwertiges Basic geschaffen, was sich nur erreichen lässt, wenn man die gesamte Wertschöpfungskette kontrolliert und die Herstellung transparent darstellt. So definieren wir modernen Luxus.“ Für diese Form von Luxus ist auch der Ausnahmehändler Andreas Murkudis zu haben: Gemeinsam mit seinem Bruder Kostas entwarf er eine exklusive Edition von drei Produkten von Mey Story – ausschließlich im Laden in Berlin erhältlich. www.meystory.com

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Fragen an:

Klaus Kirschner

CEO FWS Hats, Stetson Europe

Die Stoffe für Mey Story werden aus handgepflückter peruanischer Pima-Baumwolle hergestellt.

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style in progress

Was sind die wichtigsten Formen für Hüte und Kappen in der kommenden Saison? Größere Formen werden wichtiger und verlieren langsam den Exotenstatus. Im kommerziellen Bereich versprechen wir uns viel von neuen Strick­mützen. Beeinflussen Trends auf Social Media euren Abverkauf? Nicht direkt. Wir arbeiten in erster Linie für Männer und ich meine Männer, nicht Jungs, die sind nicht ganz so leicht zu beeinflussen. Natürlich spüren wir, dass Produkte, die wieder und wieder – in welchen Medien auch immer – sichtbar sind, stärker werden. Was gilt es, besser zu machen? Die Kommunikation. Wir müssen dem Verbraucher erklären, was unser Produkt so besonders macht. Wir haben oft tolle Stoffe, die unglaubliche Funktionen haben, und wenn du einen Träger darauf ansprichst, sieht er dich verwirrt an, da er das Produkt gekauft hat, weil es gut aussieht, er aber gar nichts von den Besonderheiten wusste. Hier müssen wir den Verkaufskräften oder dem Verbraucher selbst die Informationen leichter zugänglich machen. Wovor ziehst du den Hut? Ganz klar vor niedergelassenen Einzelhändlern, die mutig und kreativ in schwierigen Zeiten neue Dinge probieren und sich ständig selbst in Frage stellen und neu erfinden. www.stetson-europe.com


P R E M I U M B E R L I N 1 5 - 1 7 J A N U A R Y H A L L 4 | B 1 2

de WWW.LUCKYDELUCA.COM


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Steiner 1888

Farbe und Kernkompetenz Jetzt rückt die Outerwear in den Fokus von Steiner 1888, mit viel Farbe. „Unsere Kunden suchen das Besondere, das können wir ihnen als Lodenmanufaktur bieten“, sagt Produktmanager Christian Steindl. „Die Verbindung von Tradition mit Innovation stellen wir jetzt noch deutlicher in den Vordergrund.“ Die Marke aus Mandling setzt als vollstufige Lodenmanufaktur auf die ausschließliche Fertigung in Österreich – und mit dem Schwerpunkt Outerwear umso mehr auf ihre Kernkompetenz. Seit November 2018 gibt es in der Plattenkarbahn im Skigebiet Obertauern Lodensitze von Steiner 1888. „Wir möchten ein Stück Heimat zum Schneevergnügen beitragen“, sagt Johannes Steiner, Mitinhaber der Modemarke. Der Schladminger Loden ist regelmäßig Bestandteil jeder Kollektion und gelebte Tradition bei Steiner 1888: Er besteht zu 100 Prozent aus österreichischer Bergschafwolle und wird an der original Hammerwalke von 1888 hergestellt. www.steiner1888.com

Holubar ist das Masterpiece von Sportswearvisionär Alberto Raegno.

Holubar

Spende erwünscht Die Eigenständigkeit einer Marke ist ihr kostbarstes Gut, auch die der Sportswearmarke Holubar. Umso ärgerlicher, wenn die Styles im Markt kopiert werden, sei es in Details oder sogar 1:1. Die übliche Vorgehensweise wäre langes Prozessieren mit hohen Anwaltskosten und dass die Kopien vom Markt genommen und vernichtet werden. „Stattdessen haben wir uns überlegt, dass diejenigen, die Holubar kopieren, einen freiwilligen Teil ihres Umsatzes für einen guten Zweck spenden“, sagt Tomislav Gajzar, geschäftsführender Gesellschafter der Holubar Distribution GmbH. Unterstützt wird die Senegal Hilfe, ein Verein aus Kaiserslautern, den Mitshareholder Thomas Köhler schon im Vorfeld mit Spenden aus dem privaten Umfeld unterstützt hat. So konnte mit seinem Support eine Schule in Senegal gebaut werden, der jetzt eine weitere folgen soll (www.charitycircle.me). „Die Stärke von Holubar ist Authentizität und ein richtungsweisendes Design, das bewusst eigene Wege verfolgt“, betont Tomislav Grajzar. „Umso mehr wollen wir die von Alberto Raegno relaunchte Marke schützen und Hersteller wie Händler sensibilisieren.“ www.holubar.it

DGL

Time is now

Steiner 1888 setzt auf große Farbauswahl bei Karomänteln.

Die Sitze der Plattenkarbahn in Obertauern sind mit Steiner 1888 Loden bezogen.

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style in progress

Wie evident kann der Wandel in der Menswear eigentlich noch werden, wenn der Konfektionär Digel eine Streetwearkollektion launcht? Unter eigenem Namen, mit eigener Identität und bitte nicht als Subline von Digel. DGL heißt das Projekt, das sich auf den männlichen Millenial fokussiert. Mit Preislagen zwischen 60 und 600 Euro, einer Kalkulation von 2,8 und zwei Lieferfenstern je Saison. Den Vertrieb der Kollektion steuert bewusst eine externe Agentur, für die D-A-CH-Region ist es MAB Fashion in Düsseldorf. Ohne der urbanen, mit funktionalen Features geadelten Kollektion Vorschusslorbeeren aussprechen zu wollen: Da hat jemand die Zeichen der Zeit erkannt – und konsequent umgesetzt. www.dgl.global

Stay focused, formuliert das Streetwearlabel DGL sein Credo – für die Mutterfirma Digel ein ganz neuer Fokus.


S M A RT

C A SUA L

PA N TS

alberto-pants.com


JETZT

Floris van Bommel

Die Kraft der Marke

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Fragen an:

Eine komplett neue Linie, eine komplett neue Zielgruppe: Peuterey Plurals dreht den Modegrad hoch.

Elia Soskic

Head of International Sales Peuterey Spannende Zeiten bei Peuterey: Was konkret bringen Sie neu? Zwei große Projekte bestimmen unseren innovativen Kurs in der Herbst-/Winter-Saison. Das erste nennen wir Guardian 5.0. Eine Reise zurück zu den Wurzeln der Marke, wir haben den ersten Peuterey-Parka in zeitgemäße Silhouetten und Farben übersetzt. Ein innovatives Essential, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereint. Das zweite ist Peuterey Plurals, eine komplett neue Produktlinie, die neue Trends in der Outerwear und Ready-to-Wear aufnimmt und mit ihnen experimentiert. Peuterey Plurals bringt einen komplett neuen Spirit in die Peuterey-Welt, denn wir wenden uns an eine jüngere, coolere und dynamische Zielgruppe. Die Produktlinie ist von urbanen, positiven Vibes getragen, ein dynamisches Produkt für eine von Technologie und Musik bestimmte Lebensart. Welche Ziele haben Sie sich mittel- und langfristig gesteckt? Peutereys Fokus wird immer die Begeisterung sein, mit der wir an unseren Produkten arbeiten, um innovative und hochqualitative Kollektionen zu bieten. Italienisch im Design, international im Geschmack, inspiriert von den stylischsten Städten der Welt. Wir kreieren ein modernes Angebot an Casualwear, das den Rhythmus und die Dynamik urbanen Lebens einfängt. Die ganze Marke steht dafür, unser Blick ist in Sachen Funktionalität und Style immer in die Zukunft gerichtet. Im Handel wollen wir die Partnerschaften mit den wichtigsten europäischen Multibrandstores weiter stärken und gemeinsam mit ihnen spezielle Projekte umsetzen. Nicht nur gebrandete Schaufenster, sondern auch Street-Marketing-Aktivitäten und In-Store-Events, um die Markenbekanntheit von Peuterey zu steigern. E-Commerce ist ein strategisch wichtiger Kanal geworden, an den wir glauben. Daher wurde unsere digitale Plattform komplett erneuert und wir nutzen auch Social Networks. Weil wir all diese Kanäle in ihrer jeweiligen Eigenart bespielen, erhalten wir sehr gute Resultate. Es ist heute unerlässlich, den Multichannel-Ansatz ernsthaft zu verfolgen und auf einen starken Marketingmix zu setzen. So wollen wir die Customer Journey des Kunden im Sinne unserer Marke verbessern, vor und nach dem Kauf eines Peuterey-Teils. www.peuterey.com

Im Januar präsentiert sich Floris van Bommel auf der Premium Berlin auf größerer Standfläche und in neuer Position noch sichtbarer. „Der deutsche Markt hat sich für uns auch im stationären Handel hervorragend entwickelt“, so Commercial Director Pepijn van Bommel. „Mit dem neuen Stand unterstreichen wir diese Power und Zugkraft der Marke im stationären und Onlinehandel. So ist Floris van Bommel Bestandteil in modernen Herrenschuhsortimenten wie auch sichtbar herausgestellt mit Brandwalls und Corners in großen Fashionstores und Premiumkaufhäusern vertreten.“ Die aktuelle Schuhkollektion umfasst 180 Styles in den Segmenten Sport, Casual und Dressed. Die meisten Modelle sind Neuentwicklungen. „Wir begnügen uns nicht mit Wiederholungen von Best of Styles, sondern entwickeln uns laufend weiter“, so Head of Design und Marketing Floris van Bommel. In Kampagnen wird die Marke mit stylischer Globetrotter-Allüre an atemberaubenden Naturschauplätzen in Szene gesetzt – für die Herbst-/Winter-Saison 2019 in China, mit Floris van Bommel als Markenbotschafter. www.florisvanbommel.com

Die Schuhe von Floris van Bommel haben hohen Wiedererkennungswert.

Airfield

Top Quoten

Die Womenswear von Airfield bleibt ihrer Designhandschrift treu.

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style in progress

Philipp Liftinger verantwortet seit November die neu geschaffene Funktion des Creative Directors bei Airfield. Bereits über sechs Jahre prägte er als Airfield Senior Designer die Kernprodukte Blazer, Jacke und Outdoor und damit die Kollektionsaussage der österreichischen Marke maßgeblich. „Unsere stärkste Inspirationsquelle ist und bleibt stets unsere eigene DNA: Sportivität, Femininität, Sexyness und Provokation“, so Liftinger. „Wir füllen eine Lücke im mittleren bis gehobenen Mode-Luxus-Segment für designstarke Stücke, zu denen Frauen instinktiv in jeder Lebenslage greifen. Hervorragende Abverkaufsquoten und ein hoher Wiedererkennungswert bestätigen unseren Weg.“ Die Kollektion Herbst/Winter 2019/20 setzt den Fokus besonders auf die Outerwear, mit ebenso modisch-urbanen wie funktionalen Styles in Farbe und viel Daune. Airfield zählt 260 Kunden im deutschsprachigen Markt. Für 2019 ist geplant, die eigenen Stores, Shop-in-Shops und Franchisestores sukzessive mit neuem Ladenbau zu modernisieren. www.airfield.at


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Sie hat den Beweis angetreten, dass es keine Daunenfüllungen braucht, um im Himalaya Berge zu besteigen: die vegane Jackenmarke Save the Duck.

Save the Duck

Outdoor Innovation Für die Entwicklung der Herbst-/Winter-Kollektion 2019/20 hat sich Save the Duck mit dem veganen Bergsteiger Kuntal A. Joisher zusammengeschlossen. Er bestieg den 8.516 Meter hoch gelegenen Gipfel des Lhotse im Himalaya in einem Anzug ohne Dauenenfüllung, den Save the Duck eigens für ihn angefertigt hat. Diese beispiellose Unternehmung auf dem vierthöchsten Berg der Erde stellt einen Wendepunkt in der Geschichte technischer Sportswear dar. Denn bisher ist niemand ohne Dauenenanzug auf einen Achttausender geklettert. Die Ergebnisse aus der gemeinsamen Entwicklung und die Erfahrungen aus der Bergbesteigung flossen auch in die anderen Linien der Kollektionen ein. Die urbane Lifestylelinie Protech wird zunehmend mit Stoffen von Gore-Tex gefertigt und um eine Reihe neuer Arctic-Protech-Modellen erweitert. Erweitert wurde auch die Linie aus recycelten Materialien, die nun neben Jacken im Minimal-Chich-Look deutlich mehr Fashiontrends aufgreift. Die Basic Silhouetten gibt es künftig zudem als Oversized-Ausführung und gefütterte Jacken kommen mit großflächigen Absteppungen im Bergsteigerlook. www.savetheduck.com

Circolo 1901

Easy but not simple Nicht immer sind es die Lauten, die begeistern: Die italienische Marke Circolo 1901 ist so ein Leisetreter aus Prinzip, nie aufdringlich, nie oberflächlich, immer tiefgründig. Jeder Griff zur Ware der Kollektion eine Offenbarung, jeder Blick auf die Details eine Entzückung. Aber das vor sich hertragen? Das tut die Marke nicht, genauso wie ihre Kunden, und genau deshalb holt sie diese in ihrer Kampagne auch vor die Kamera. Firmengründer Gennaro Dargenio ist vielleicht das beste Aushängeschild seiner Marke: Immer ein Lächeln auf den Lippen, unbekümmert, aber korrekt. Im Zentrum seines Denkens ist der Kunde, der Händler. „Das Wichtigste in der Beziehung zwischen Marke und Händlern ist heute, den Händlern ihren Job easy zu machen. Wir müssen uns um Händler genauso innig kümmern wie um die eigenen Angestellten. Wir müssen sicherstellen, dass wir ihre Probleme lösen und für sie das Verkaufen einfach machen. Unser Motto lautet nicht umsonst: Easy but not simple.“ www.circolo1901.it Stark auch jenseits des blauen Herzens: The Nim Standard überzeugt mit Non-Denims – auch bei Damen.

The Nim Standard

Frauen und Non-Denims „In einer Zeit, in der Denim generell unterm Radar läuft, ist The Nim Standard für viele Händler eine spannende Alternative“, findet Niklas Rill, als Sales Manager bei Komet und Helden für die italienischen Spezialistenmarke zuständig. Das Preis-Leistungs-Verhältnis mit VK-Preisen zwischen 150 und 230 Euro, aber vor allem die Produktpassion würden überzeugen. „Man spürt, dass mit Claudio Parolini ein Enthusiast dahintersteht.“ Stark ist die Marke auch in Non-Denims, Chinos, Kord und Samt. Das wissen auch Handelskunden zu schätzen – in der vergangenen Herbstsaison konnte deren Qualität mit Neuzugängen wie Braun, Apropos The Concept Store, Mientus oder Ortner noch einmal deutlich gesteigert werden.

Er hat gut lachen: Circolo 1901 Gründer Gennaro Dargenio hat eine Marke geschaffen, die sich nicht um Oberflächlichkeiten kümmert.

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JETZT

Der junge Designer Alessio Bonauti lässt es sich nicht nehmen, Mode für Männer zu entwerfen, die manchmal mit einem Augenzwinkern zu sehen ist.

Jetzt auch für Damen: die italienische Marke Manuel Ritz.

Bob

Erwachsen geworden Manuel Ritz

Start der Damenkollektion Nach einer Capsule startet die Damenkollektion von Manuel Ritz zur neuen Herbst-/Winter-Saison offiziell. „Die Womenswear ist von den gleichen Werten der Menswear inspiriert, für moderne Frauen, die es lieben, in ihrem Stil Vergangenheit und Zukunft miteinander zu verbinden“, beschreibt Raffaelo Severini, Commercial Director der Marke. „Das Ergebnis ist ein Total Look mit Twist, der sich mit bequemen und passgenauen Teilen für das dynamische urbane Leben bestens eignet.“ Manuel Ritz zeichnet sich durch die Tradition in Italien gefertigter Mode aus, mit italienischem Stilgefühl und innovativen Details. Eine andere Stärke der Kollektion, die in Deutschland und Österreich von der Hinterhofagentur vertrieben wird, ist der Service der Paoloni Gruppe. „Wir führen das auf unsere gut organisierten Prozesse im Unternehmen zurück“, sagt Raffaelo Severini. „Auch die Tatsache, dass wir hauptsächlich in unseren eigenen Werken produzieren, macht uns sehr wettbewerbsfähig.“ www.manuelritz.com

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Die neue Herbst-/Winter-Kollektion 2019/20 von Bob ist etwas mehr sophisticated geworden. Ohne dabei natürlich den typischen Bob-Stil, der auf den liebevollen Handarbeitsdetails basiert, zu verlieren. Trotzdem will sich die Marke noch etwas mehr dem internationalen Anspruch stellen, immer mit einer gehörigen Portion Made-in-Italy-Feeling. Das Komplettprogramm erstreckt sich über Jacken, Mäntel, Sakkos, Westen, Strick, Hemden, Jersey und Sweats, Hosen und nicht zuletzt die witzigen Schals und Mützen. Besonderes Augenmerk liegt auf Komfort, daher sind auch in der Konfektion viele Teile aus Jersey und Strickqualitäten gefertigt. Stückfärberqualitäten im Cold-Wash-Verfahren sind aus Wolle und technische Qualitäten mit herausnehmbaren Innenfuttervarianten gemacht. Im Strick werden viele neue, teilweise noppige Garne verwendet. Dazu kommen zweifarbige Strickvarianten in klassischen Zopfmusterungen. Interessante Waschungen gibt es auch bei Sweats und T-Shirts, teils mit Applikationen. Hemden kommen mit den typischen von Hand genähten Details in schönen Flanellqualitäten. www.bobcompany.it


PROUDLY PEOPLE Circolo 1901 supports real people.

circolo1901.it


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Parajumpers

Outdoor Culture

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Fragen an:

Lars Braun

Inhaber Braun in Hamburg und 04651/ Macht Mode Spaß? Ja, klar! In Zeiten der Veränderung macht sie sogar besonders viel Spaß. Ein kreatives People’s Business, mit immer neuen Herausforderungen. Ich arbeite in einer tollen Branche mit großartigen Perspektiven. Warum wird in dieser tollen Branche dann so viel gejammert? Die Herausforderungen sind ja durchaus beachtlich. Die Digitalisierung verändert Gesetzmäßigkeiten in einem rasanten Tempo. Darauf müssen wir gute Antworten finden. Der Irrsinn früher, höher, schneller, weiter hat keine Berechtigung mehr. Der Kunde will keine Winterjacken im Juli und keine Leinenblusen im Dezember. Dieser Rhythmus war auch nicht seine Idee, er wurde ihm von uns aufgezwungen. Das war ein Fehler, den viele Händler heute bitter büßen – bei den Abschriften. Stimmt, aber kommen wir aus dieser Nummer überhaupt noch heraus? Ja! Und zwar gemeinsam mit unseren Kunden, die heute noch intensiver im Zentrum unserer Strategie stehen müssen. Denn ein Kunde, der hervorragend informiert ist und in einem Omnichannel-Markt immer alle Optionen hat, muss perfekt abgeholt werden. Die richtige Zusammenstellung der Kollektion, Auswahl, aber kein Überfluss von Ware, Qualität, Service, Convenience und natürlich das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt. Was kann man daraus für 04651/ lernen? Zunächst sehen wir uns bestätigt, denn wir haben bei 04651/ von Anfang an out of the box gedacht. Unser Anspruch ist es, ein Produkt ohne saisonalen Stempel, das völlig selbstverständlich Teil eines individuellen Looks ist. Damit meine ich nicht, dass es nur Basics sein können, vielmehr Essentials – ein leiser Look, der Highlights zulässt, aber immer von feinster Qualität und Langlebigkeit. Diese Philosophie werden wir umso konsequenter weiterverfolgen und damit – um jetzt wieder aus der Sicht des Händlers zu sprechen – die Möglichkeit schaffen, diese Produkte der Abwertungsspirale zu entziehen, die dem Modehandel so zu schaffen macht. Wie stark beeinflusst dieser Gedanke die Sortimentsplanung? Ich will es so ausdrücken: Lieferanten, die diesem Anspruch auf hohem Niveau gerecht werden, haben in Zukunft zweifellos einen Bonus. www.04651-sylt.de, www.braun-hamburg.com

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Die Neuinterpretation von Urtypen aus dem Athleisure- und Outerwear-Bereich hat Parajumpers Creative Director Massimo Rossetti in den Mittelpunkt gestellt. Innovation ist das Leitmotiv. Seine Mission lautet, technische Grenzen zu durchbrechen. Neben zahlreichen neuen Modellen stellt die italienische Premiummarke für Jacken drei neue Capsule-Linien vor: Outstanding, Endurance und Top Notch. Die Daunenjacken der Reihe Outstanding werden zumeist aus Ventile gefertigt, einem in Großbritannien entwickelten unbehandelten Baumwollstoff ohne Laminat, der auch bei der Besteigung des Mount Everest zum Einsatz kam. Parajumpers langjähriger Gastdesigner, der Japaner Yoshinori Ono, hat für die Endurance-Linie technisch anspruchsvolle und gleichermaßen luxuriöse Jacken aus extrem leichtem und widerstandsfähigem Cordura entworfen. Ein absolutes Highlight ist die Alpha Jacket mit herausnehmbarem Innenfutter aus der Linie Top Notch, gefertigt aus stückgefärbtem Nylon in coolem Used-Look-Effekt. In der neuen Frauenkollektion kommen neben Leder und Seide auch Chenille und Samt zum Einsatz. www.parajumpers.it

Function meets Style: Parajumpers kombiniert Outdoor mit Big City Life.

Alpha Studio

Neue Partnerschaft

Mit neuem Partner für den deutschen Markt: Alpha Studio.

Mit der Saison Herbst/Winter 2019/20 startet Alpha Studio mit der Modeagentur Max Paatzsch in Düsseldorf als neuem Partner für den deutschen Markt. „Wir starten im Januar mit dem Verkauf der Damenkollektion in unserem Showroom in Düsseldorf“, sagt Agenturinhaber Max Paatzsch, der in der Kollektion großes Potenzial sieht: „Die Damenkollektion von Alpha Studio ist jung und frisch, sie hat einen modischen Grad, der unsere Kunden ideal anspricht. Das wird eine Zusammenarbeit auf hohem Niveau, uns begeistert vor allem auch die Zuverlässigkeit des Unternehmens und dass sie eine sehr gute B2B-Plattform haben, über die wir unseren Kunden konstanten Support während der Saison bieten können.“ www.francorossi.it, www.modeagentur-paatzsch.de


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High Potentials: die Baumwoll- und Seidenblusen von Silk Sisters.

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Fragen an:

Mel Nienaber

Head of Design Marlino Group Mel Ohne geht es nicht: Denim als Basis für Designs von Alberto.

Alberto X Midnight

Support your local artist Alberto kooperiert mit dem rheinischen Independent Streetart-Künstler Midnight. Anfang Dezember 2018 feierte das Unternehmen das in seinem Conceptstore in Mönchengladbach. Cem Demirezen aka Midnight gestaltete live individuelle Denimprints für Kunden. Besucher der Release Party konnten den Print ihrer individuellen „Schätzchen“ begutachten und die fertigen Modelle direkt mitnehmen. Denim ist auch einer der Schwerpunkte für die Saison Herbst/Winter 2019/20: Ob veredelt mit kariertem Innenfutter, als klassische Button Fly, Raw-Selvedge- oder Black-Denim-Pant mit Teilungsnähten – Jeans machen in jeder Lebenslage eine gute Figur. Insgesamt sechs Premium-Business-Denim-Modelle zeigt Alberto: Tencel, Lefthand und Cashmere-Qualitäten treffen auf Dynamic Superfits und Bi-Stretch-Ware. „Raus aus dem Büro, rauf aufs Rad“, lautet die Devise der erfolgreichen Bikepants und -jeans. Neben Materialien wie flexibler Water-Repellent Gabardine stehen auch hier Denimqualitäten wie Ecorepel- oder Hardtex-Denim auf dem Programm. www.alberto-pants.com

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Warum ist Fake Fur so erfolgreich? Grundsätzlich kann man an Fake Fur viel mutiger rangehen. Hier spielt der Preis die entscheidende Rolle. Beim Echtfell gehen wir im Design stets auf dem schmalen Grad zwischen innovativ und tragbar, denn einen Lammfellmantel für 1.500 Euro möchte die Kundin viele Winter tragen können. Ein flippiges Fake-Fur-Teil darf auch unter rein modischen und etwas kurzlebigeren Aspekten betrachtet werden. Wir beziehen bei Fake Fur über Farben, ausgefallene Drucke und angenehmes Material modisch Stellung. Silk Sisters wird vornehmlich in Portugal produziert. Ein Statement? Wir haben verschiedene Produktionsländer ausprobiert. Seit zwei Saisons produzieren wir die Baumwollblusen in Portugal (und ab kommender Saison auch Seide) und fühlen uns hier in puncto Preis, Leistung, Qualität, Service, Schnelligkeit und Erreichbarkeit optimal aufgehoben. Das Verständnis für Mode ist in Portugal sehr feinsinnig, die Kommunikation reibungslos. Siehst du in der europäischen Produktion die Zukunft? Für unsere Offlinelabels spielen die Mengen eine wichtige Rolle. Hier ist Europa wesentlich flexibler: kleine Betriebe und kleine Modemarken tun sich zusammen und schaffen besondere Kollektionen, die sich von der Massenware abheben und dem stationären Handel individuelle Alternativen bieten. www.marlinogroup.com


JETZT

Knallfarben außen, Drucke innen: Freedomday hat eine starke Handschrift.

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Fragen an:

Massimo Russo Designer Freedomday

Was sind die Highlights der Herbst-/Winter-­Kollektion? Die Umwelt und Weltenbummler sind unsere Themen – und damit auch die Bilder, die auf die Innenfutter aller Freedomday-Jacken gedruckt werden. Neben den Parkas, mit denen wir seit Beginn erfolgreich sind, haben wir das Angebot erweitert. Parkas mit wunderschönem Pelz oder Oversize-Daune in knalligen Farben. Dazu haben wir coole Daunenaccessoires kreiert, Schals und Handschuhe, abgestimmt auf die Jacken. Besonders im Fokus hatten wir Gewicht und Länge der Jacken, damit man sie wirklich den ganzen Herbst und Winter tragen kann. Sie haben viel in Technologie investiert. Warum? Wir haben zuallererst viel in die Kollektion investiert. Auf der Premium Berlin werden wir Freedomday Black Label vorstellen, eine Kollektion für den Urban Traveller. Sie ist das Resultat all unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Sachen Performance-Stoffe, Funktionalität und Detaillösungen. Darüber hinaus haben wir auch in Logistik und Lager investiert, um die Bedürfnisse des Marktes noch besser erfüllen zu können und die Effizienz unseres Unternehmens zu steigern. Im Marketing erhöhen wir die Budgets für Digitalmarketing, um den Dialog mit unseren Endkunden zu stärken. Freedomday ist wieder am deutschen Markt. Mit welchen Erwartungen? Wir freuen uns, diesem Mark zu zeigen, wie sehr wir uns weiterentwickelt haben – und wollen dort auch so erfolgreich werden, wie wir das in anderen Exportmärkten sind. www.freedomday.it

Blauer USA

Neues Lookand-Feel

Soft, leicht und mit neuer Optik: Daunenjacken von Blauer USA.

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Blauer USA, die amerikanische Kultmarke mit italienischem Herz, präsentiert für die Herbst-/Winter-Kollektion 2019 ein runderneuertes Angebot seiner Daunenjacken. In bester Tradition haben die Designer die Merkmale von historischen Uniformen der US-amerikanischen Polizei und der US-Armee aufgegriffen und diese modisch neu interpretiert. Highlights der Kollektion sind klassische Parkas mit armeetypischen Basic-Silhouetten, die aufwändig Stückgefärbt wurden, um individuelle Vintage-Effekte zu erzielen. Gleiches gilt für Varianten aus changierendem Nylon, die mit Details wie Schulterbesatz oder Ärmelpatches aus schwarzem Taslan, Harringbone-Nylon unterlegten Reißverschlussleisten und mit einer 90/10 Daunenfüllung ausgerüstet werden. Das Ergebnis sind weiche, leichte und unverwechselbare Stücke, die in ihrer technischen Machart durchweg faszinieren. www.blauerusa.com

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Fragen an:

Katerina Grigoriadis

Head of Design Marc Cain Sports Auf welchen Inspirationen und Farben basiert die Kollektion Marc Cain Sports im Herbst/Winter? Im wesentlichen Paris und der Easy Chic der Französinnen. Feminine Elemente mit Einflüssen aus der Sportswear bestimmen das Bild mit frischen, leuchtenden Farben wie Chili und Neon Pink. Pastelle wie Flieder, Rosé und Mint brechen Schwarz-Weiß-Kombinationen auf und lassen die Outfits weicher erscheinen. Welche Highlights gibt es? Plakative oder versteckte Schriftzüge als Messages sind wichtige Stilelemente, um den dynamischen Charakter der Outfits herauszuarbeiten. Charmant-verspielte Herzen kommen als Applikation, Druck oder Muster vor. Die Tomboy-Ästhetik zeigt sich vor allem in der Verarbeitung von Scuba-Qualitäten, Tweed-Bondings und Tapings. Feminin und lässig zugleich erscheinen Tüllröcke zu kastigen Sweaties und Shirts. Pailletten, Lurex und Lackbeschichtungen ergeben coole, funkelnde Styles. Die Kombination mit samtigen oder gestrickten Oberflächen wirkt besonders spannend. Wie sehen die Silhouetten aus? Organische Linienführungen bei Kleidern, Tops und Zip-Pullovern betonen den Athleisure-Gedanken. Kostüme präsentieren sich neu aufgelegt als Denimvariante mit Schluppe und offenen Kanten oder in sportlicher Manier. Ein perfektes Duo ergeben Strickcapes oder Kleider mit den farblich abgestimmten Rollis. Baretts und Baker-Boy-Mützen unterstreichen die französisch anmutende Attitüde. www.marc-cain.com


Vegan climber Kuntal Joisher, reached the top of Lhotse 8.516 mt on May 15th 2018, with Save the Duck technology.


JETZT

Design trifft Funktionalität: C.P. Company kombiniert stückgefärbtes Nylon mit Gummibesatz.

C.P. Company

Color-Zone Concept Die italienische Sportswearmarke C.P. Company ist bekannt für diskretes Design, funktionale Materialien und italienische Raffinesse. Für Herbst/Winter 2019 präsentiert der Jackenspezialist die beiden Modelle Explorer und Mille in einem brandneuen Look. Gefertigt werden die Jacken aus einem Mehrfachfadennylon, welches verschiedene Qualitäten umfasst und dabei Kette und Schussfaden in subtilen Farbvarianten schimmern lässt. Die Kapuzen-, Brust- oder Schulterpartien sind großflächig mit Gummimaterial beschichtet. Dieser Mix von Nylon und Gummi folgt dem Color-Zone Concept vom vergangenen Winter und schließt an die Kombination von technischer Outerwear mit aufwändiger Stückfärbung an, um optisch herausstechende und funktionsorientierte Jacken zu liefern. Die von Massimo Osti gegründete Marke wurde 2015 von der chinesischen Tristate Holdings übernommen und setzt die Tradition von unverwechselbaren Materialentwicklungen fort. In Deutschland und Österreich erfolgt der Vertrieb über die Agentur Vestitus von Peter Haertel. www.cpcompany.com

Slow Fashion in Reinform: Weber + Weber Sartoria.

IQ+ Berlin

Zertifizierte Pelze Weber + Weber Sartoria

Nächste Stufe „Weber + Weber Sartoria ist in vielen Bereichen gereift“, sagt Christian Weber, Designer der österreichischen Marke. Punkt 1: Messe – im Januar präsentierte man erstmals auf dem Pitti Immagine Uomo, eine Präsentation auf Augenhöhe mit den Marken, die auch im Handel das Umfeld von Weber + Weber Sartoria bilden. Punkt 2: Die Damenkollektion wächst – aufgrund der Nachfrage. „Auch wenn wir uns noch immer nicht anmaßen, eine Damenkollektion zu haben – das Angebot ist deutlich kompletter.“ Punkt 3: Die Tracht bekommt ihr eigenes Label – Josef & Anna by Weber + Weber feiert im Januar Premiere. „Wir haben im Alpenraum sehr loyale Kunden, die lieben, was wir machen. Speziell für sie wollen wir jetzt ein Angebot schaffen.“ Während die Sartoria-Linie von der Agentur Schwarte betreut wird, hat die Stolz Modeagentur die Oberhand bei Josef & Anna. www.weberweber.it

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Brandneu zur Herbst-/Winter-Saison 2019/20 bringt IQ+ Berlin cosy Knitwear heraus, mit sportiven Boxy Sweaters, Hoodies und Longcoats in expressiven Farben. Passend zur Kollektion der in Berlin gegründeten Marke, die für Premiumsportswear mit Detailliebe steht. Neu sind zum Beispiel ein Polar-Down-Parka in technischem Material sowie ein Puffer-Down-Jacket mit Weste in ultraleichter, eigens entwickelter Nylonqualität. Stilprägend sind funktionale Features, Neondetails und Reflexbänder. Aktuell wurde der Einsatz von Lammfell für Parkas verstärkt, sportiv interpretiert mit Shearling Lamb oder feminin umgesetzt mit Toscana Lamb. Unter dem Label WePreFur setzt IQ+ Berlin zertifizierte Pelze ein, eine Kooperation mit dem deutschen Jagdverband und der deutschen Kürschnerinnung – für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen. Eine Alternative bieten original Steiff-Teddy-Qualitäten für Parkas und Nylonstyles. Wollmäntel mit Fabrics made in Italy runden die Kollektion ab. www.iqplusberlin.com, www.weprefur.de

IQ+ Berlin bringt Premiumsportswear mit Detailliebe heraus.


www.wunderfell.com


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„Der Markt verändert sich an allen Ecken und Enden“, sagt Dominik Meuer von der Hinterhofagentur.

Die Hinterhofagentur

Neu bei Michaelis Fashion Agency: Outhere, eine Outdoorkollektion für Damen und Herren, die Technik mit Ästhetik verbindet.

Michaelis Fashion Agency

Mit Twist und Zeitgeist Für die kommende Saison setzt sich das Team rund um Daniela und René Michaelis zum Ziel, seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit seit langem bestehenden Partnern wie unter anderem Peuterey weiter auszubauen. Nach dem Umzug in diesem Sommer vom Münchner Lodenfrey-Park in die Fashion Mall in der Karl-Weinmair-Straße hat sich das Portfolio um ein paar Marken erweitert und auch für die kommende Saison gibt es einen Neuzugang: die progressive Cashmere-Kollektion Absolut Cashmere aus Paris. „Das ist eine sehr hochwertige Kollektion, in der ausschließlich und zu 100 Prozent Cashmere verwendet wird. Die nachhaltige und zertifizierte Rohstoffgewinnung und Produktion ist ebenso selbstverständlich wie eine homogene, moderne Designhandschrift mit Twist und Zeitgeist. Die Kernpreislagen im Verkauf liegen zwischen 199 und 299 Euro“, sagt René Michaelis. Außerdem neu ist Outhere, eine von Graziano Moro und Renato Pigatti kreierte Outdoorkollektion für Damen und Herren, die Technik mit Ästhetik verbindet. „Outhere ist in der Kreativität kaum zu überbieten, wir sind unglaublich begeistert“, so Michaelis. „Nur wenigen Sportswearmarken mit Komplettlook gelingt es, so viel Innovation in Design und Produkt-know-how wie zum Beispiel in den vielen eigenen Stoffentwicklungen stimmig zu vereinen.“ Marken: Absolut Cashmere, Airfield, Furry, Outhere, Peuterey, Yippie Hippie Michaelis Fashion Agency, München/Deutschand, mail@michaelis-fashion-agency.com, www.michaelis-fashion-agency.com

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Gelassen, aber hellwach! Dominik, was ist dein Credo für die kommende Saison? Dominik Meuer, Inhaber Die Hinterhofagentur: Im Moment ist sehr viel Dynamik im Markt, mit Parallelen zur Panik. Der Herbst hat fortgesetzt, was der Sommer prophezeit hat. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass sich der Markt neu justiert. Für uns heißt das, dass wir noch intensiver mit unseren Marken zusammenarbeiten und die Bedürfnisse der Kunden kommunizieren. Was braucht der Markt jetzt? Kollektionen, die auf dem Punkt sind. Bestes Beispiel: Die DOB-Kollektion Blune aus Paris, die wir gerade neu aufgenommen haben. Stilistisch ist Blune sehr feminin französisch, kommt aber teilweise etwas rockiger und progressiver daher und ergänzt uns somit ideal. Unsere Kunden suchen aber auch mal kleine, feine Dinge wie besondere Accessoires. Wir haben ab dieser Saison eine neue Schalkollektion, Code ltd. aus dem Haus Codello, die das Know-how der Mutterfirma nutzt, allerdings als Unisexkollektion deutlich exklusiver und kleiner ist. Außerdem verkaufen wir eine sehr wertige handgearbeitete Schmuckkollektion für Männer. 8 and 7 steht für maskuline Bracelets und Ketten aus Sterlingsilber, die sportiv und kaum dekoriert sind. Das ist das Salz in der Suppe. Marken Frauen: Ad Hoc, Blune, Cape Horn, Des Petits Hauts, Kori, Lightning Bolt, The Jacksons, Wool & Co, Wyse London Marken Männer: Ad Hoc, Bob, Cape Horn, Code ltd., Koike, Lightning Bolt, Manuel Ritz, Portofiori, Taylor Tweed, Wool & Co, Prime Shoes & Hamlet, 8 and 7 Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, info@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de


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Agentur Schwarte

Japanese Soul, European Heart

Deus ex Machina trifft den Geschmack einer großen Community.

Komet und Helden

Irrsinnig viel Potenzial Florian, was ist das Neueste und Coolste bei euch? Florian Ranft, Geschäftsführer Komet und Helden: Die Kollektion Tela Genova mit Selvedge Denim zu erschwinglichen Preisen ganz in der Tradition der Workwear. Grundsätzlich sind wir aber nicht auf der Jagd, jede Saison möglichst viele neue Marken aufzunehmen. Vielmehr schätzen wir gerade jetzt die sehr intensive und langjährige Zusammenarbeit mit den meisten unserer Produzenten. Mit vielen arbeiten wir mittlerweile schon weit über zehn Jahre zusammen. Die Zeit für neue Kollektionen ist nicht einfach, außer es sind Marken, die tatsächlich für irgendetwas stehen, mit einer eigenen DNA unverwechselbar sind und eine echte Geschichte erzählen können. Das finden wir cool! Welche Kollektion möchtet ihr den Händlern unbedingt zeigen und warum? Wir sehen momentan irrsinnig viel Potenzial in Deus ex Machina. Es gibt kaum eine Marke, die so ein cooles Markenimage hat, so vielfältig ist, eine so riesige Community erreicht und trotzdem so erschwinglich ist. Jeder, der einmal in einem Deus-Tempel war, ist von der Marke infiziert. Was ist euch noch wichtig? Dass wir nach wie vor so viel Spaß an dem haben, was wir machen – auch wenn die Zeiten härter werden, und dass wir das Privileg haben, mit dem besten Team zu arbeiten, das es gibt. Welche Frage wollt ihr von Euren Kunden 2019 nicht mehr hören? Glaubt ihr, der FC Bayern wird trotz sieben Punkten Rückstand auf Dortmund trotzdem noch Deutscher Meister? Bayern wird immer Meister, erst, wenn sie nicht Meister geworden sind, sind sie nicht Meister! Marken: 7 for all Mankind, AG Jeans, B.D. Baggies, Baracuta, Barena, Blauer USA, Bowery NYC, Deus ex Machina, Diemme, Hartford, Ottod’Ame, Save the Duck, Tela Genova, The.Nim, White Sand Komet und Helden, München, Düsseldorf/ Deutschland, www.kometundhelden.de

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59 Zoll (engl. inches) ist die übliche Breite von Stoffballen, und 59 inches auch der Name einer brandneuen Kollektion von Sweatshirts für Männer von Heiko Storz. Klassische Sweaters? Matthias Schwarte: „Für 59 inches gilt: Japanese soul – European heart – one identity.“ Ein weiterer Neuzugang sind außerdem die Sneaker von Mason Garments aus Amsterdam. „Das läuft wie sonst was im Benelux-Markt und in England“, sagt Matthias Schwarte, der den Vertrieb für Deutschland und Österreich übernommen hat. Die Preise sind mit 250 bis 300 Euro im VK gehoben. Die Damenkollektion Daniele Fiesoli 01 war bereits im Sommer erfolgreich, was keine Selbstverständlichkeit für Strick ist. „Die Styles sind auch mal voluminös, in superschönen Qualitäten“, schwärmt Matthias Schwarte. „Überhaupt haben wir uns mit der Agentur auf Produktspezialisten konzentriert. Dass wir damit sehr erfolgreich sind, ist auch ein Zeichen dafür, dass der Handel genau das sucht. Der Kunde heute will nicht einfach eine Jacke, sondern genau die Jacke.“ Marken: Armani Exchange, EA 7, Emporio Armani, 59 inches, AT.P.CO, Daniele Fiesoli Collection 01, Fil Noir, Mason Garments, Parajumpers, People of Shibuya, Piola, Spalding, Weber + Weber Agentur Schwarte, München/Deutschland, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de

Core-Kollektionen und neue Labels im Mix bei Agentur Schwarte. Im Bild: Parajumpers.

Ben and

Neuheiten und Ikonen Worüber freust du dich diese Saison besonders? Ben Botas, Inhaber Ben and: Darüber, dass wir Handstich für den Vertrieb in Deutschland und Österreich gewinnen konnten, womit der Vertrieb über uns zentralisiert und die Womenswear mehr in den Fokus gestellt wird. Die Jacken begeistern mit ihrem Look und der deutsche Produzent steht für Service. Das brauchen wir! Welche Marke hat das meiste Potenzial? Sunspel ist neu bei uns, mit T-Shirts, Sweats, Strick und Underwear in bester Qualität und viel NOS für Damen und Herren. Wir wollen die Kollektion im D-A-CH-Markt noch viel sichtbarer machen. Gibt’s noch eine Überraschung? Stutterheim bietet jetzt zusätzlich zu dem ikonischen Regenmantel noch mehr innovative Rainwear-Styles. Dazu interpretiert die Schuhlinie den Gummistiefel modern und passend zum Mantel. Super, dass die Core Styles immer über NOS zu beziehen sind!

Neu bei Ben and: Stutterheim

Marken: 2Shirtsago, Axel Arigato, Filippa K, Freddy’s, Handstich, Juicy Couture, Mason’s, Moose Knuckles, Na-kd, Odd Molly, Stefanel, Stutterheim, Sunspel Ben and, Düsseldorf und München/Deutschland, agency@ben-and.com, www.ben-and.com


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D-tails

Flessa Modeagentur

Patrick Coppolecchia Reinartz präsentiert in der kommenden Orderrunde gleich sechs neue Kollektionen aus Italien: Giab’s. Der Hosenspezialist aus Florenz entstammt einem Traditionsunternehmen, das seit 1953 Herren- und Damenhosen designt. 100 Prozent made in Italy, das heißt, dass mit traditionellen Fertigungstechniken neu interpretierte Klassiker aus den eigenen Archiven trendaffin umgesetzt werden. Paltò. Der Name ist Programm, denn die Kollektion steht für atemberaubend elegantes italienisches Manteldesign. D-tails vertritt die Damenlinie, die Modelle rangieren preislich zwischen 160 und 230 Euro im EK. Allegri. Die italienische Antwort auf den Trenchcoat. Die Stilikone der Menswear, modern umgesetzt mit innovativen Materialkombinationen. Das aktuelle Highlight ist eine Capsule mit der High-Fashion-Marke Cottweiler. Paolo Pecora. Entspannte Lässigkeit für jeden Tag. Die anspruchsvolle Menswearlinie legt ihren Schwerpunkt auf Strick und wird ebenfalls ausschließlich in Italien produziert. Freedomday. Farbenfrohe Daunenjacken und Parkas, die durch großflächige Prints auf dem Innenfutter unverwechselbar werden. Tucano. Accessoires, Rücksäcke, iPad Hüllen und vieles mehr – eine abwechslungsreiche Kollektion, die Sortimente aufpeppt. Marken: Add, Allegri, Best Company, Bitossi, Bruno Parise, Flower Mountain, Fracap, Freedomday, Giab’s, Il Bisonte, Tucano, Paltò (Damen), Paolo Pecora D-tails, München/Deutschland, info@d-tails.de, www.d-tails.de

Claudia Flessa hat ein Händchen für außergewöhnliche Cashmere-Kollektionen. Mit der aus Los Angeles stammenden Marke 360Cashmere hat sie bereits einen hochkarätigen Spezialisten im Portfolio. Im vergangenen Juli kam nun ein kleines und sehr feines Projekt mit hinzu, das Claudia Flessa auf Anhieb bei 20 Topkunden platzieren konnte: Ella Silla, handgestrickte Pullover und Jacken von Designerin Lisa Weinhold aus Hamburg. „Das Besondere an der Kollektion ist, dass Lisa die erlesensten italienischen Garne verarbeitet, die sie selbst zusammenstellt. Ob glatt gestrickt oder mit voluminösen Zopfmustern, jedes Teil umhüllt wie eine zarte Wolke“, sagt Agenturinhaberin Claudia Flessa. Überhaupt sind Volumen und lässige Oversized-Looks Trends, die die Designerin auch für den Ausbau der Kollektion in der kommenden Saison beibehält. Neben Pullovern und Jacken soll es dann auch einen Mantel, Schals und Mützen geben. Preislich werden die Pullover bei rund 1.200 Euro im Verkauf bei einer Kalkulation von 2,8 liegen. Marken: 360Cashmere, Ama Pure, Charlotte Sparre, Drome, Ella Silla, Lalo, Michael Stars, Sara Martignoni Flessa Modeagentur, Buch am Buchrain/Deutschland,  info@flessa-modeagentur.de,  www.flessa-modeagentur.de

Erfolgreiche Italien-Tour

Cashmere at its best

Allegri übersetzt den Trenchcoat ins Italienische.

Room with a view

Locker bleiben! Christian, das aktuelle Highlight? Christian Obojes, Inhaber Room with a view: Die Sneaker von Veja haben ja bekanntlich ausgezeichnete Presse und treffen genau den Nerv der Zeit, sogar bei der Royal Family. Welche Kollektionspräsentation hat dich begeistert? Das Arkk Copenhagen Meeting in einem historischen Kinosaal hat uns unglaublich beeindruckt. Es waren über 150 Teilnehmer – Agenten, Händler, Presse und Mitarbeiter. Die Professionalität, mit der dort gearbeitet wird, ist vorbildlich. Die Grafiken und Statistiken haben uns regelrecht geflasht. Fast jeden Monat kommen neue, hochqualifizierte Leute ins Team und es ist toll, diese Entwicklung miterleben zu können. Schön ist, dass wir von den kleinen Ländern das beste Wachstum hatten. Welche Dinge gilt es, 2019 besser zu machen, statt besser zu wissen? Im Moment sind wir tatsächlich mit dem Abarbeiten des Ansturms auf die Agentur ein bisschen herausgefordert. Was wir besser machen können, ist auf jeden Fall das Business lockerer zu sehen und Prozesse zu vereinfachen. Wir sind oft selbst etwas zu verbissen und möchten auch unsere Lieferanten etwas mehr zügeln. Nachdem wir mit fünf Markenvertretern eine Österreichtour gemacht haben, waren alle begeistert, wie hoch die Qualität der Händler ist, mit denen wir arbeiten. Unser Headquarter ist seit einem Jahr fast Pet-frei. Wir verwenden ausschließlich Glasflaschen, trinken Leitungswasser und verzichten auf Einwegplastikverpackungen, offerieren organische Kost und Biogetränke. Ich träume von einer Grünanlage mit Gemüseanbau auf unserem 300 Quadratmeter großen Dach. Leider findet die Stadt Salzburg den Urban-Gardening-Ansatz nicht so toll wie wir. Marken: Alto, Arkk Copenhagen, Article of Society, Better Rich, D.A.T.E Sneakers, Devotion Twins, Ecoalf, Happy Socks, Holubar, Moon Boot, Moose Knuckles, Pomandere, R13 Paris, RRD, Stand Stockholm, Steamery, Steven K, Swell, Veja, Warm Me, White Sand, Xacus Room with a view, Salzburg/Österreich, office@roomwithaview.at, www.roomwithaview.at

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# pe u te rey

p e u te rey. c om


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Cuore Tricolore

Raum für … mehr! „Unser Geschäft baut auf Geben und Nehmen auf“, lautet einer der Grundsätze, die Uwe Deinert als Anspruch an sich selbst und seine Agentur Cuore Tricolore stellt. So erweitert er sein Angebot stetig um neue Serviceaspekte, die den Einzelhandel unterstützen. Aktuellster Clou ist ein kostenloses Podcast-Sharing-Modell: Jeden Donnerstag lädt er über ProjectParadise.cc einen einstündigen Mix von DJ Alex Kentucky hoch, den seine Kunden für ihren Store nutzen können. „Gleichzeitig stellen wir unter dem Titel ‚Raum für‘ unseren Showroom als Plattform zur Verfügung, auf der verschiedene Events mit Künstlern, Musikern, Literaten oder Firmen stattfinden – all das in Zusammenarbeit mit der Agentur Artig Marketing, die wir unseren Kunden gerne als Referenz für Social-Media- und Onlinemarketing nennen“, sagt Uwe Deinert. Seit Herbst vertritt Cuore Tricolore die französische DOB-Outerwearmarke On Parle De Vous. Neben zwei klassischen Vororderkollektionen im Jahr kann das Unternehmen innerhalb weniger Tage nachliefern. „Sie können fünf Stück in zwei Tagen liefern, aber auch 5.000 in einer Woche“, erklärt Uwe Deinert den Servicegedanken. Auf der Premium im Januar präsentiert Cuore Tricolore außerdem eine Erweiterung der Kollektion Vic Matié, die ab sofort auch Herrenschuhe und Taschen anbietet. Marken: Chevignon, Hidnander, Mc Lauren, On Parle De Vous, The Seller, Toasties, Vic Matié Cuore Tricolore, Düsseldorf/Deutschland, info@cuore-tricolore.com, www.cuore- tricolore.com

Maximale Flexibilität: On Parle De Vous kann Vororder und Pronto.

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Heritage Agents

Die Flaniermeile

Mit Warm Me zieht eine neue Kollektion bei den Heritage Agents ein.

Zum Start der neuen Saison haben sich die Heritage Agents neu eingerichtet und ihren Showroom im Münchner Lodenfrey-Park von ehemals zwei auf ein Stockwerk zusammengezogen. „Das ist unsere neue Flaniermeile, auf der wir unseren Kunden seit Januar alle Marken präsentieren, ohne dass sie das Stockwerk wechseln müssen“, sagt Michael Brockmann. Gleichzeitig entstand Platz für einen Neuzugang: die Mützen und Strickkollektion von Warm-Me. „Uns hat das Power-Paket mit einer fast schon komplexen Farbpalette und den gleichzeitig so entspannten, charismatischen Looks angesprochen. Neben den Mützen wird es auch ein kleines Strickprogramm für Herren geben“, beschreibt Michael Brockmann. Mit der Kollektion Circolo 1901 hatte sich die Agentur bereits zur letzten Saison erstmals auf ungewohntes Terrain begeben und neben der Herren- auch die Damenlinie übernommen. Ein Erfolgskurs, der sich jetzt mit einer Erweiterung der Herrenlinie um sportivere Designs mit bunten Hosen, ausgefallenen Strickteilen und Bomberjacken fortsetzt. „Das vervollständigt die Kollektion und macht sie noch spannender.“ Marken: Bagutta, Circolo 1901, Fortela, Lardini, Matteucci, Mey Story, Warm Me. Heritage Agents, München/Deutschland, office@heritage-agents.com, www.heritage-agents.com

Agentur Wittmann

Bewegung im Portfolio In der Markenliste der Agentur Wittmann, die auch als Importeur für die Sneaker von P448, P448 Kids und die Womenswear von Sevenday Wonder fungiert, hat sich einiges getan. Neuester Zugang ist die Männermarke Les Deux aus Kopenhagen. Hier ist Wittmann für den Vertrieb in den Gebieten Nord, Mitte und West in Deutschland zuständig. Neben der Vollkollektion mit Jacken, Hosen, Strick, Schuhen und Accessoires gibt es auch eine kleine Kids-Linie mit Shirts, Hoodies und Sweatern. Als Generalagentur vertritt die Agentur die Marken Della Famiglia und Fabienne Chapot für Deutschland und Österreich sowie Sylt Boheme nur für Deutschland. Außerdem ist die Agentur in verschiedenen Gebieten für den Vertrieb von Billybelt, Canadian Classics, Collezione No 01, Daniele Fiesoli, Litchi, Soul Katheriné und Wunderfell zuständig. Marken: Della Famiglia, Fabienne Chapot, La Fée Maraboutée, P448, P448 Kids, Sevenday Wonder Agentur Stefan Wittmann, Düsseldorf/Deutschland, stefan.wittmann@agentur-wittmann.de, www.agentur-wittmann.de

Im Showroom der Agentur Wittman in Düsseldorf gibt es viele neue Marken zu sehen.


Pitti Uomo January 8-11 2019 Stand D/14 Fortezza da Basso Padiglione Centrale

Selvedge Run January 15-17 2019

Premiere Classe January 18-21 2019

IWA Outdoors Classic March 8-11 2019 Hall 4, Stand 4-140


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Vestitus

Unikat Was wird die Kunden im VestitusShowroom besonders freuen? Volker Haertl, Mitinhaber Vestitus: Erstmalig gibt es die Möglichkeit, die Herno Resort Capsule in Düsseldorf und München zu ordern, was bisher nur in Mailand möglich war. Die Kollektion zeigt geballte Innovation in hochwertigen Qualitäten wie Cashmere-Seide oder Neopren-Wolle. Und in sportlichen Nylon-Cord-Blousons, Parkas und Fieldjackets. Was gibt es noch Neues? Das von Massimo Osti in den 1970er-Jahren entwickelte Garment Dying ist die große Stärke von C.P. Company und setzt mit dem neuen Programm Bespoke Colour Maßstäbe. Jetzt kann der Kunde online individuell Modell und Farbe gestalten. So wird jedes Teil zu einem einzigartigen Unikat.

Herno verbindet modische Kreativität mit funktionalen Materialien.

Marken: Antonelli, C.P. Company, Fedeli, Finamore, Herno, Jacob Cohën, L.B.M. 1911, Olivieri, Santoni, Tortona 21 Vestitus GmbH, Düsseldorf/Deutschland, service@vestitus.eu, www.vestitus.eu

Samtweich: Briglia bietet den leisen Luxus.

Agentur Klauser

Cord Comeback Produktspezialisten aus Italien, Sofortkollektionen und mehr – wer Neues sucht, wird in der Agentur Klauser fündig. Ein Beispiel gefällig? Der Hosenspezialist Briglia läutet das Cord- und Samtrevival ein. Jedes Teil wird in Italien individuell stückgefärbt. Leichte modische Akzente gepaart mit zeitgemäßen tragbaren Schnitten finden sich in der gesamten Hauptkollektion. Die Jeanslinie Briglia Blu umfasst zehn verschiedene umweltfreundliche Waschungen, die mittels Laser und Nitrogen erzeugt werden. Die Inspiration dafür stammt vom legendären Resina Vintage Markt in Neapel. Besonders aufwändig sind die Hosen der Linie Briglia Racconta. Leiser Luxus trifft auf modernisierte komfortable Schnitte im englischen Stil. Marken: 2 Stars, Baglioli Sartoria Napoli, Bloch, Blooming 24, Briglia, Care Label, Esemplare, F. de Laurentiis, Faking, Giangi Napoli, Lamberto Losani, Ma-ry-ya, Majestic Filatures, Not Shy, Pierre Luis Mascia, Salvatore Piccolo, Hevó, Suns, Texas Robot, Zinga Leather, Maddam, Code, Souvenir Agentur Klauser, München/Deutschland, info@kirstenklauser.de, www.klauserpressoffice.com

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Renzo Braglia und Riccardo Grassi (im Bild) haben weltweit operierende Distributionsund Vertriebsorganisationen geschaffen, die nun kooperieren.

Brama Group X Riccardo Grassi Showroom

Joint Forces

Welche Werte verbinden Sie miteinander? Renzo Braglia (Brama Group): Für uns beide steht Kundenzufriedenheit über allem. Wir arbeiten jeden Tag daran, nicht bloß Verkäufer zu sein, sondern Mehrwert zu bieten. Riccardo Grassi (Riccardo Grassi Showroom): Qualität in Distribution, großartiger Service, Produkte, die den Bedarf treffen und Avantgarde. Jetzt arbeiten Sie zusammen, was bringt das Kunden und Marken? RB: Die Brama Group agiert für die Marken Boyish und Cotton Citizen als Distributor für Europa und EMEA. Wir sind für Lager und Versand zuständig. Riccardo Grassi fungiert als Agentur. Ist das nur der Anfang? RG: Das war der Startschuss! Wir wollen unsere zwei Plattformen bestmöglich nutzen. Marken Brama: Current/Elliott, Equipment, Fine Edge, Frame, Jean Atelier, J Brand, Local Authority LA, Mother, Norma Kamali, Opening Ceremony, The Script Marken Grassi: Act N°1, Alchemist, Angel Chen, Blancha, Boyish Jeans, Brognano, Cotton Citizen, Del Pozo, Drome, Erika Cavallini, Giamba, Giam­battista Valli, Ground Zero, Khrisjoy, Marco De Vincenzo, Mother of Pearl, MSGM, Walk of Shame, X Nightmarket u. a. Brama Srl, Mailand/Italien, ammannati@bramamilan.com, www.brama-group.com Riccardo Grassi Showroom, Mailand/Italien, europe@riccardograssi.com, www.riccardograssi.com


showroom@lambertolosani.com

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lambertolosani.com


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Agentur Toepfer

Hommage Christine, was sollten sich Händler bei euch auf keinen Fall entgehen lassen? Christine Jahn, Partnerin Agentur Toepfer: Unsere neue Shearling- und Lederkollektion Stephen K. Topqualität zum Toppreis. Welche Kollektion bietet die meiste Innovation? Ago von Luca Laurini. Seine High-end-Strickkollektion Label Under Construction wird ausschließlich in Paris an Opinionleader weltweit verkauft. Ago ist innovativer Strick für Männer und Frauen in Anlehnung an Label Under Construction, jedoch ab 120 Euro im EK deutlich günstiger. Luca Laurini, für mich ein wahrer Künstler, versteht das als Hommage an seinen Vater, den Gründer des Unternehmens. Was ist euer Wunsch an Händler?  Dass Händler unvoreingenommen und offen ihre eigene Identität finden. Zu tun, was man selbst fühlt und liebt, darin liegt der Schlüssel zum Erfolg. Marken: 8PM, Ago, An(+)other Cotton, An(+)other Knit, An(+)other Pants, B’Unique, Betta Corradi, Erika Cavallini, Faliero Sarti, F-Cashmere, GMS-75, History Repeats, inbedwithyou, Labo Art, Lost in Me, Myths, Roqa, Semi Couture, Sgamo, Siyu, Smarteez, Steven K., Ultra Low Luxe, VLN, WLNS Cashmere. Agentur Toepfer, Düsseldorf/Deutschland, office@agentur-toepfer.com,  www.agentur-toepfer.com

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Room Nine Agency

Echte Partner Hemden für selbstbewusste Männer bringt die Marke Haupt aus Lippstadt heraus. „Die Kollektion überzeugt mit trendy Design, verlässlichen Passformen und kommerziellen Preislagen von 59 bis 129 Euro VK“, sagt Torsten Müller, der den Vertrieb mit der Room Nine Agency für Nordrhein-Westfalen übernommen hat. „Der hervorragende Lagerservice, ein umfangreiches NOS und vor allem absolute Liefersicherheit und Pünktlichkeit machen diese Firma zum echten Partner.“ Das gilt auch für die Sweats, Shirts und Polos von Kitaro, ebenfalls aus dem Hause der Georg Haupt Bekleidungswerke und neu in der Room Nine Agency. Innovation mit Funktion verspricht die Marke Ma.strum, die John Sharp aus London gehört und 2008 in Partnerschaft mit dem Massimo Osti Archiv gegründet wurde – doch das, verglichen mit Stone Island und C.P. Company, zum kommerzielleren Preis. So kosten Jacken 299 bis 599 Euro und Strick 99 bis 159 Euro im

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VK, bei meist exklusiven Materialien, die Einflüsse aus Sportswear und Military zeigen. Für echtes James Bond Feeling sorgt Orlebar Brown mit einer kleinen, feinen Capsule im Mai und Juni, die weltweit außer in eigenen Stores von rund 30 Kunden gezeigt wird, darunter Braun in Hamburg und Breuninger in Düsseldorf. Marken: Bikkembergs, Bomboogie, Flip Flop, Haupt Shirts, Kitaro, Lauren Moshi L.A., LN Knits, Ma.strum, Orlebar Brown Room Nine Fashion Agency, Düsseldorf/Deutschland, torsten.mueller@roomnineagency.de, www.roomnineagency.de

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Modeist

Konsequente Auswahl „Generell werden wir daran festhalten, die Auswahl unserer Labels noch konsequenter zu handhaben, vor allem im Damenbereich, wo wir mit unseren Kollektionen sehr gut aufgestellt sind. Wir nehmen keine D-Labels mehr auf, die von den großen Onlineretailern in Masse verkauft und teilweise viel zu früh reduziert werden. Welcher Einzelhändler kann es sich noch leisten, mit diesen in Auswahl und Preis zu konkurrieren? Uns hat die letzte Saison wieder gezeigt, dass unsere Labels einen tollen Abverkauf hatten und nicht reduziert werden müssen“, sagt Marion Hoferer. Das Angebot von Accessoires erweitert sich durch die in Frankfurt ansässige Marke Altuner Ateliers, die handgearbeitete Oversize-Schals mit Allover-Prints aus Merinowolle-Seide-Mischungen herstellt. Weiters die griechische Taschenkollektion Kooreloo, die mit nur drei Wochen Lieferzeit aufwartet. Markenzeichen: innovative Materialkombinationen und traditionelle Herstellungsverfahren. Mit Alessandra Chamonix aus Italien kommt außerdem eine modisch hochkarätige Mantel- und Jackenkollektion hinzu. Marken: Alessandra Chamonix, Altuner Ateliers, Balr, Dolores, It Peace, Kooreloo, Pride to be, Sassi Cara, Silk Sisters, Sold Out, Super Legere Modeist GmbH, München und Düsseldorf/Deutschland, info@b-kleidung.com, www.modeist.com

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MAB – Modeagentur Benabou

Designkollektiv

Regis, was hast du Neues? Regis Benabou, Inhaber MAB: MCQ Alexander McQueen, die Premium

Contemporary Linie für Männer und Frauen von Alexander McQueen. Ready to wear, Taschen und Schuhe. Vor allem die Sneaker sind interessant, mit VK-Preisen bis 270 Euro für ein Designerlabel erschwinglich und stark im Abverkauf. Was sollte man sich außerdem bei MAB ansehen? Ich bin auf das Streetwearlabel DGL Design Collective gestoßen und war begeistert. Es wird von zwei Designern aus Amsterdam und Berlin entwickelt, das Lebensgefühl und der Style beider Metropolen fließt in die Kollektion ein. Für uns absolut DAS Label to watch. Marken: 3.1 Phillip Lim, Ba & Sh, Designers Remix, DGL Design Collective, Jerome Dreyfuss, Jimmy Choo Textile Accessoires, MCQ Alexander McQueen, Mes Demoiselles, National Standard, Paul & Joe, Paul & Joe Sister, Rachel Zoe Collection, Splendid, The Kooples, Utzon MAB – Modeagentur Benabou GmbH, Düsseldorf/Deutschland, info@mab-fashion.com, www.mab-fashion.com

Agentur Ticker Studio Pezzetta übernimmt für einige Marken den Vertrieb in Italien. Neuzugang: die Daunenjackenkollektion Brumal. +++ Select Studio Michael Höhenberger ist neuer Vertriebsleiter für alle Marken. Florian Schultz wird Brand Manager für Oscar Jacobsen. Neu im Portfolio sind Anecdote und Frenken, zwei Marken aus den Niederlanden. +++ Modeagentur Mindner Neu bei Mindner ist die Münchner Kollektion Marlino und die Sommerlinie von Star Mela mit Kaftanen und Taschen, dazu die britische Cashmere-Kollektion Madeleine Thompson. +++ Moormann & Co Neu sind Schals aus Cashmere und Cashmere-Seide von Andrea 1945, hergestellt in Italien. Das Unternehmen fertigt außerdem für viele namhafte Labels. +++ Room von Berlin Unkomplizierte Nachorder, viele Kundenbesuche: Für Michaela von Berlin sind gute Resultate Ergebnis maximaler Nähe zu ihren Händlern.


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Premium

Bewusstseins­ bildung & Impulse

Jörg Wichmann, CEO der Panorama Berlin, will hohen Mehrwert für den Handel bieten.

Panorama

Ein Feuerwerk von Neuzugängen Was sehen Besucher der Panorama Berlin, das es in der letzten Saison noch nicht gab? Jörg Wichmann, CEO Panorama Berlin: Bei uns wird sich alles um Entertainment, Infotainment, Kommunikation und Inszenierung drehen. Wir konnten viele spannende Marken neu gewinnen. Neu inszenierte Community Areas, Music & Food sowie der Panorama Berlin Store werden zum inspirierenden Erlebnis. Der Selvedge Run & Zeitgeist ist nun fester Teil der Panorama Berlin. Den Infotainment Bereich der Retail Solutions Hall haben wir ausgebaut und bieten jetzt auf zwei Bühnen spannende Keynotes und Top Speaker. Hall Six widmet sich dem Streetstyle. Nachhaltige Themen werden in den beiden Xoom Hallen gespielt. Welches sind die interessantesten Neuaussteller? Da sind Marken wie Mango zu nennen, die ihr Wholesalebusiness ausbauen wollen. Weitere spannende Neuzugänge sind Copenhagen Studio by Vero Moda, die bei uns ihre Kollektion erstmalig launchen oder Edited, die als ehemalige pure Onliner jetzt auch im Wholesale durchstarten. Auf dem Selvedge Run & Zeitgeist zum Beispiel Kings of Indigo. Was muss in der Berliner Messe­ landschaft besser gestaltet werden? Berlin hat eine große, kreative Kraft, die vielen nicht bewusst ist. Es muss gelingen, dieses Potenzial zu nutzen und den Messestandort Berlin als einen der wichtigsten in Europa zu stärken. 15. bis 17. Januar 2019, www.panorama-berlin.com

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Messen und Nachhaltigkeit, wie lässt sich das in Zukunft vereinbaren? Anita Tillmann, Managing Partner Premium Exhibitions und Station-Berlin: Wir haben Symposien zu dem Thema Sustainability organisiert und die Wichtigkeit thematisiert. Weitere wichtige Schritte beginnen vor allem bei uns selbst. Wir planen große Aktionen, um die Stadt mit einzubinden, Caterer werden kein bis kaum Plastik mehr benutzen u. v. m. Außerdem kooperieren wir mit der Marke Ecoalf, planen Vorträge, Videos, eine Installation und das Verbreiten deren Message: #thereisnoplanetb. Es geht um Education und darum, Impulse zu setzen. Ist damit zu rechnen, dass Berlin oder der Bund Förderprogramme für den Modemesse-Standort Berlin bereitstellen, die zum Ausbau der Internationalisierung beitragen? Das hoffe ich. Wir haben mit dem Fashion Council Germany bereits einiges losgetreten, der Senat und der Regierende Bürgermeister Berlins Michael Müller wissen um die Wichtigkeit der Modebranche in Berlin. Auch auf Bundesebene bewegen wir uns vorwärts, wenn auch nicht in der Geschwindigkeit, wie ich sie gerne hätte. Auf Europaebene sind wir ebenfalls fleißig. Der Wirtschaftsfaktor Mode wurde lange nicht ernst genommen. Aber das ändert sich jetzt. Was gilt es, in Zukunft besser zu machen, als nur besser zu wissen? Transparenz und Nachhaltigkeit sind die Leitthemen für 2019. Oft gehört ein Paradigmenwechsel dazu, aber jede Kleinigkeit zählt. Es geht nicht darum, was man nicht tut, sondern darum, was man tut! 15. bis 17. Januar 2019, www.premiumexhibitions.com

Pitti Immagine Uomo

Out of the Box Die Highlights der 95. Edition des Pitti Immagine Uomo in Florenz sind u. a. ein Special Event von Y/ Project unter der Leitung von Glenn Martens sowie das Debüt von Aldo Maria Camillo, der nach Stationen bei Ermenegildo Zegna, Valentino, Cerruti und Berluti seine erste eigene Kollektion im Spazio Alcatraz der Stazione Leopolda vorstellt. Mit einer Ausstellung und sicherlich auch einer fulminanten Party feiert Slam Jam, u. a. Distribution für Carhartt, Visvim, Stussy in Italien, sein 30-jähriges Jubiläum im Museo Marino Marini. Gucci präsentiert im historischen Palazzo della Mercanzia die neue Einrichtung zweier Säle im Period Room im Gucci Garden. Moon Boot feiert 50 Jahre Bestehen der Marke, Diadora feiert 70. Geburtstag, Ecoalf kehrt zum Pitti Uomo zurück, um eine Capsule-Kollektion der Stylistin Ana Gimeno und dem Designer Tiziano Guardini madein-Italy vorzustellen. Und Woolrich zeigt in der Sala Ottagonale eine exklusive Preview mit neuer stilistischer Ästhetik und performancetechnischer Produktausrichtung der Marke. Gastnation ist in dieser Saison Portugal. In Zusammenarbeit mit der Revolver Copenhagen präsentiert der Pitti die zweite Ausgabe des Scandinavian Manifesto: einer Auswahl von Designerkollektionen aus Dänemark, Schweden und Norwegen. 8. bis 11. Januar 2019, www.pittimmagine.com +++

Munich Fabric Start

Mehr nachhaltiges Sourcing

Anita Tillmann, Managing Partner Premium Exhibitions und Station-Berlin.

Welchen Bereich wollen Sie ausbauen? Sebastian Klinder, Geschäftsführer MFS: Das Key-House ist Dreh- und Angelpunkt für die Fusion von Innovation, Nachhaltigkeit und Technologie. Somit jede Saison eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Inszenierung von Smart Fabrics, Fashion Tech, innovativen Materialien und nachhaltigen Lösungen. Weiter ausbauen werden wir unsere Ressource Area als Sourcing-Plattform für umweltschonende Textilien und Prozesse. Welche Innovationen werden zukünftig stärker in den Kollektionen zu sehen sein? Rustikalität – kernig, fühlbar und bewegt – dominiert im Frühjahr/Sommer 2020. In Crêpe, Ajourés, offenen Bindungen, Panama oder Cut- und Burnt-outs. Speziell in der Sportswear gibt es erste Versuche mit Graphene, extrem leitfähig und höchst stabil, als Beschichtung. Innovativ sind auch neue 3D-Strukturen. 29. bis 31. Januar 2019, www.munichfabricstart.com


STATION BERLIN — WWW.PREMIUMEXHIBITIONS.COM

15–17 JANUARY 2019

KICK OFF THE NEW SEASON. REGISTER NOW!

P R E M I U M

INTERNATIONAL BUSINESS PLATFORM FOR ADVANCED CONTEMPORARY FASHION

WWW.PREMIUMEXHIBITIONS.COM


JETZT M e s s e n

#Fashiontech

Transformation Die Fashiontech gilt als führende C-Level-Tech-Konferenz für die Fashion-Industrie. Hauptthema im Januar: „How to transform your organisation“. Keynote-Präsentationen von internationalen Experten behandeln Aspekte wie Leadership & Culture, Innovation & Technology, Future of Work und Customer Journey. Während der Konferenz haben die Besucher in den Networking Areas Zeit zum interdisziplinären Austausch mit den Rednern, um Themen rund um digitale Transformation, Innovationen, Change Management und disruptive Technologien zu diskutieren. Zwischen den Vorträgen gibt es interaktive Masterclasses zur Vermittlung von detailliertem Fachwissen. Zahlreiche Unternehmen zeigen auf der Exhibition Area ihre neuesten Entwicklungen und Produkte. Tickets für die Konferenz kosten 285 Euro. Der Zutritt zur Ausstellungsfläche, den Masterclasses und der Networking Areas ist kostenfrei. 15. Januar 2019, www.fashiontech.berlin

Seek Director Maren Wiebus eröffnet neue Möglichkeiten mit der Trade Union.

Seek

Happy Birthday Zehn Jahre Seek, herzlichen Glückwunsch! Worauf dürfen sich die Besucher freuen? Maren Wiebus, Director Seek: Auf jede Menge Specials, Überraschungen und eine gute, effizient zu nutzende Zeit! Wir sind stolz auf das, was wir in den letzten zehn Jahren gemeinsam mit unseren Partnern geschafft haben, und wollen das gebührend mit der ganzen Seek-Familie feiern. Die wichtigsten Neuerungen? Die Kooperation mit der Berliner Initiative One Warm Winter. Wir rufen alle Seek-Besucher, -Partner und -Freunde dazu auf, Samples oder Lagerbestände mitzubringen, die dann vor der Seek Location in Give Bags gepackt und anschließend an Obdachlose und Bedürftige verteilt werden. Außerdem entwickeln wir die Area Trade Union weiter, mit eigener Location im Foyer. Es ist an der Zeit, Vordenker der Branche noch enger zusammenzubringen, um bessere Businessmöglichkeiten für alle Parteien zu schaffen. Was müssen Messen perspektivisch an Mehrwert bieten? Bedürfnisse müssen schnell erkannt und befriedigt werden. Es gilt den Austausch untereinander zu fördern. Was gilt es 2019 besser zu machen, als nur besser zu wissen? Genau das: Mehr tun, weniger reden. Und das miteinander. Früher war nicht alles besser. Es war anders. Und das, was kommt, können und müssen wir gemeinsam gestalten. 15. bis 17. Januar 2019, www.seekexhibitions.com

Gallery/Gallery shoes

Im Takt der Branche Er stellt seit 40 Jahren Finanzierung für bekannte Designer bereit: Gary Wassner, CEO Hilldun Corporation.

Er zählt laut Handelsblatt zu den Top 100 Innovatoren in Deutschland: Prof. Ulrich Weinberg, Director HPI School of Design Thinking.

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Schnell, flexibel und serviceorientiert: Vier Termine für Fashion, Accessoiris, Schuhe sind die Düsseldorfer Antwort auf veränderte Marktanforderungen. Immer mehr Schuh- und Accessoirehersteller nutzen schon die frühen Termine der Saison und nicht erst die speziell auf sie zugeschnittene Veranstaltung. „Schuhe und Accessoires waren bereits im Juli 2018 verstärkt gefragt“, so Ulrike Kähler, die als Managing Director Igedo Company die beiden Messen Gallery und Gallery Shoes leitet. Ihre Neuzugänge für den Januar sind Agenturen wie One Eleven, Stornello, Marken wie Café Noir und Lottusse, Accessoires von MGM Design oder das Schweizer Label Veronica Gautsch. Ein zentrales Eingangskonzept, digitale Registrierung und Ticketing sind wesentliche Neuerungen. Das bewährte Hallenkonzept bleibt hingegen bestehen: Neben der zentralen Alten Schmiedehalle stehen Showrooms in der Kaltstahlhalle, im Kesselhaus und der Halle am Wasserturm im Fokus. Hier gilt auch das um zwei Tage verlängerte Öffnungskonzept. Netzwerken geht übrigens auch nach der Messe: Am Sonntag, den 27. Januar 2019 wird am Abend ein internationales Branchentreffen veranstaltet. Gallery: 26. bis 28. Januar 2019, 20. bis 22. Juli 2019; Showroomkonzept: 25. bis 29. Januar 2019, 19. bis 23. Juli 2019; Gallery Shoes: 10. bis 12. März 2019, 1. bis 3. September 2019, www.gallery-duesseldorf.com, www.gallery-shoes.com

Vier Veranstaltungen im Jahr – eine Messe.


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d a n i e l - h e c h t e r. d e


FINDEN WIR GUT FUNKTION, NACHHALTIGKEIT, INNOVATION – NEUE MARKEN STARTEN IMMER HÄUFIGER MIT EINER KONKRETEN MISSION. DASS SICH DIESE HERVORRAGEND MIT DEM ZEITGEIST VERBINDEN LÄSST, BEWEISEN DIE FASHION-START-UPS ALLEMAL. SIE HABEN VERSTANDEN: NUR SCHÖN ZU SEIN, IST LÄNGST ZU WENIG.


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Professionelle Newcomer

Support your local hood

GOLDGARN DENIM. Die Stadt als Herzensangelegenheit – Goldgarn Denim ist Mannheims erste und einzige Denimmarke. Sie setzt auf Lokalkolorit: Die Modelle tragen Stadtteilnamen und der Grundriss der Stadt findet sich als Druck auf jeder Innentasche. Die Produktion der aufwändigen Modelle erfolgt in bis zu 250 Arbeitsschritten: LederPatches, Ziernähte, Stickereien und aufwändige Hangtags branden jedes Modell. Preislich liegen die Jeans im VK zwischen 99 und 159 Euro. Es gibt Modelle für Damen und Herren. Mittlerweile positioniert sich Goldgarn nicht nur lokal, sondern auch national mit Handelsagenturen. Und ein Herz für die Jüngsten hat man auch. Von jeder verkauften Jeans geht ein Euro ans Mannheimer Sozialprojekt Aufwind, das Kinderarmut bekämpft. Goldgarn Denim, Masquare Mode GmbH, Brühl/Deutschland, T 0049.6202.5799281, b2b@masquare.de, www.goldgarndenim.de

LIEBESGLÜCK. Flexibel wie die Profis: Liebesglück ist eines der Start-up-Unternehmen, die sich mit Hilfe des Mannheimer Gründerzentrums Textilerei erfolgreich etabliert haben. Die Idee ist die schnelle Lieferungen für Ware, die der Handel gerade braucht. Innerhalb von vier bis sechs Wochen können die ca. 70-teilige Sofortkollektionen für Womenswear geliefert werden. Frische Impulse garantiert: Liebesglück bietet modisch-feminine Looks voller Lebensfreude, die in Europa produziert werden. Die Marke holt sich durch die Zusammenarbeit mit Nachwuchsdesignern ständig neuen Input. Liebesglück arbeitet bereits mit etablierten Agenturen und renommierten Händlern wie Engelhorn, Reischmann, Breuninger oder About You zusammen. Der erste Store in Mannheim zeigt einen Querschnitt des spannenden Portfolios, ebenso der Stand auf der Panorama Berlin. D: Masquare Mode GmbH, Brühl/Deutschland, T 0049.6202.5799281, b2b@masquare.de A: Susanne Bentz GmbH, Salzburg/Österreich T 0043.662.457388, office@modeagentur-bentz.at, www.meinliebesglueck.de style in progress

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Profis am Werk #workplaylive

ONU. Kosmopolitisch und abenteuerlustig zugleich – für den digitalen Nomaden Paul Lee der Idealzustand. Gemeinsam mit Thomas Moon gründete er 2016 das Bekleidungslabel Onu Inc. Die junge Marke liefert die Antwort auf die Disbalance von Funktion und Ästhetik und hat sich der Everywear verschrieben. Kleidung, die jeden Tag, zu jedem Anlass getragen werden kann. Dafür ist Onu international auf der Suche nach neuen Funktionsstoffen und Materialinnovationen. Diese werden im Anschluss an Designer aus den verschiedensten Teilen der Welt übergeben. Dabei entstehen spannende Kollektionen wie das textile Aufeinandertreffen des heißen schwülen Sommers in Brooklyn auf die nassen Blitzgewitter in Schanghai. Preislich bewegt sich das Sortiment der amerikanischen Brand um 200 US-Dollar. Aktuell ist Onu nur über E-Commerce erhältlich, für die Zukunft sind aber eigene Pop-ups und Wholesale in Planung. Onu Inc., Los Angeles/USA, T 001.213.2357939, paul@onu.is, www.onu.is 062

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Laut und kuschelig

LIV BERGEN. Irgendwo zwischen Athleisureund Statement-Brand ist Liv Bergen angesiedelt. Sweats, T-Shirts mit starken Sprüchen, lässige Hosen, entspannte Kleider – eine einfache und trotzdem aussagekräftige Kollektion, die schnell dreht und sich innerhalb kürzester Zeit zum Liebling von Händlern wie Jades, Bailly Diehl, Brauneis, Mooon, Castros oder Apartment 72 gemausert hat. Im D-A-CH-Markt arbeitet Agentin Michaela von Berlin derzeit mit 160 Kunden. Neben den Hauptkollektionen mit Auslieferung im Januar und Juli bietet Liv Bergen ein kleines X-Mas-Bundle an. Die Kalkulation von 2,7 und EK-Preise von 29 bis 89 Euro überzeugen. Wer eine Vororder platziert hat, kann per Lagerliste Sofort- und Nachorder schreiben. Room von Berlin, Nürnberg/Deutschland, T 0049.151.19497959, michaela@roomvonberlin.de, www.livbergen.de

59 INCHES. Graue Sweatshirts mögen Basic sein, dennoch ist es schwer, das genau richtige zu finden. Abhilfe soll 59 inches schaffen, eine fokussierte Sweaterkollektion für Männer, verwirklicht als Gemeinschaftsprojekt von Vertriebsprofi Matthias Schwarte mit Produktprofi Heiko Storz. Die 20 Unzen schwere Ware aus Japan ist ebenso Güteprädikat wie der japanisch inspirierte zurückhaltende Style, dessen Qualität in der Reduzierung auf die richtigen Details offenbar wird. Die Schnitte sind oversized, die Schultern überschnitten und statt klassischem Rundhals gibt es auch einen modischen kleinen Stehkragen oder besondere Ärmelabschlüsse. Die Kernfarben der in Europa produzierten Kollektion sind Hellgrau und Graumelange. Zu Sweatshirts und Hoodies in Preislagen zwischen 139 und 249 Euro im VK und der Kalkulation von 2,75 kommen Hemden zwischen 100 und 150 Euro, die stilistisch den gleichen Grundsätzen folgen. Die Kollektion kommt zweimal pro Jahr mit bis zu 18 Styles heraus, ergänzt von einem NOS Programm. Agentur Matthias Schwarte, München/Deutschland, T 0049.89.3580576, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de


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„Wir wollen die Besten sein“

MASON GARMENTS. Mit der Gründung von Mason Garments verwirklichte Designer Rendi Aditia 2012 seinen Traum, ein High-end-Schuhlabel zu kreieren – gemeinsam mit einem kreativen Kollektiv von Mitgliedern mit unterschiedlichem Hintergrund, aber derselben Vision. „Mit einem Designstudio in Amsterdam und einem Produzenten in Italien sind wir entschlossen, die Besten zu sein“, so Rendi Aditia, der ursprünglich aus Jakarta stammt und in Amsterdam aufgewachsen ist. Für Mason Garments werden nur hochwertige italienische Materialien wie Kalbsleder aus den versiertesten Gerbereien Italiens verwendet, die nach handwerklicher Schuhmanufakturtradition verarbeitet werden. So werden auch die Sohlen nach der bewährten Sacchetto-Verarbeitung gefertigt, indem Innensohle und Futter direkt mit dem Oberschuh vernäht werden und ein Ganzes bilden. Das Innere besteht aus gefüttertem Leder, das den Fuß wie ein Mokassin umschließt, für noch mehr Komfort und Flexibilität. Die VK-Preise liegen zwischen 250 und 300 Euro bei einem Mark-up von 2,7. Zu den zwei Hauptkollektionen jährlich gibt es ein NOS-Programm mit Durchläufern. Ein weiteres Plus von Mason Garments sind verschiedene Sohlen für Sommer und Winter. D, A: Agentur Matthias Schwarte, München/Deutschland, T 0049.89.3580576, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de 064

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West-östlicher Dialog Marke mit Mission

MISSION WORKSHOP. Alles begann mit der Idee, Mode zu machen. Sie sollte widerstandsfähig und gleichzeitig ansprechend sein. Mission Workshop war geboren: Das war 2009 in San Francisco. Das kreative Label positionierte sich schnell an der Spitze der urbanen Bekleidungs- und Taschenindustrie. Zehn Jahre später ist man immer noch im gleichen Gebäude und begeistert mit ganz individuellem Stil, der vor allem Stadtbewohner und Radfahrer anspricht. Mission Workshop experimentiert mit Materialien, Technologie und Design. In jeder Kollektion zeigt die Marke auch technologische Neuerungen, die Teil des Advanced Projects™ sind. Kleidung, die sich mit dem Körper bewegt und aus Gewebe besteht, das perfekt mit der Haut harmoniert. Dafür sorgt aktuell die 37.5® Technologie. Sie hält das Mikroklima zwischen Körper und Gewebe auf der idealen Körpertemperatur und absorbiert Feuchtigkeit. Mission Workshop, San Francisco/USA, T 001.415.86472253, dealerinfo@missionworkshop.com, www.missionworkshop.com

A.B.C.L. Das Beste aus beiden Welten wollen Mattia Cavinato und sein Geschäftspartner Antonio Laverda zusammenbringen. Beeinflusst ist ihr Familienunternehmen sowohl von der venezianischen Heimat als auch vom japanischen Sinn für Qualität und Tradition. Mit ihrer Hemdenlinie A.B.C.L. verbinden sie einerseits italienisches Know-how in Design und Fertigung mit hochwertigen japanischen Materialien. Die Schnitte der Hemden sind klassisch, ebenso die Farbgebung in der traditionellen Palette von Blau, Weiß und Beige. Viele kleine Details wie Oxford-, Rundund Stehkragen, Materialien wie Chambray und Bouclé erinnern an die gute alte Zeit der klassischen Menswearkonfektion, immer mit einem Twist in die Moderne. Bislang entstehen zwei Kollektionen jährlich mit rund 50 Teilen, die im EK zwischen 60 und 150 Euro kosten. Die Kalkulation liegt bei 2,5. Die Kollektion hat bei Händlern wie Classico und Braun in Hamburg, Stuff in Düsseldorf, Mulligans in Wuppertal, Kentarus in Köln und Heckmann Store in Darmstadt Gefallen gefunden. Stefan Kudla, Last of the True, Hamburg/ Deutschland, T 0049.151.40072800, kudla@last-of-the-true.com, www.abclgarments.com


FALL/ WINTER 2019 BERLIN-PREMIUM 15.01.- 17.01.2019 HALLE 7, STAND G04 WHOLESALE INQUIRIES JOANNA.BEHRENS@BLOOM-FASHION.COM WWW.BLOOM-FASHION.COM


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Traumgeschenk

CLAUS PORTO. Wunderbarer Inhalt, wunderschön verpackt. „Claus Porto ist für handgefertigte, fein duftende Seifen bekannt, deren Inhaltsstoffe aus der portugiesischen Flora stammen“, sagt Gloria Massaro-Conrad, die die Marke mit der Premium Beauty Brands GmbH im deutschsprachigen Markt vertreibt. „Die unverwechselbar illustrierten Papierverpackungen sind Kunstwerke, in die die Seifen mit Herz und Seele per Hand verpackt werden.“ Die Wurzeln des 131-jährigen Unternehmens gehen auf die zwei deutschen Gründer Ferdinand Claus und Georges Schweder zurück, die in Porto lebten. Nach einem Relaunch schreibt Claus Porto seine Erfolgsgeschichte fort. So sind die Seifen, Raumdüfte und Beautyprodukte nicht nur in Luxusdepartmentstores wie Le Bon Marché oder Bergdorf Goodman erhältlich, sondern auch bei Manufactum, Lodenfrey oder online bei Niche Beauty – zu VK-Preisen zwischen sieben und 79 Euro bei einer Kalkulation von 2,2. Ein Highlight sind die neuen Agua de Colonias, die von der berühmten Parfümeurin Miller Harris kreiert wurden. Premium Beauty Brands GmbH, Köln/ Deutschland, T 0049.163.2519839, gloria@premiumbeautybrands.com, www.clausporto.com 066

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Cool down

BRUMAL. Diese Daunenjacken im angesagten Oversized-Look bringen mit der typischen Nonchalance amerikanischer Outerwear das Beste aus zwei Welten zusammen: Zum einen die Vorzüge der Daune und der funktionalen Outdoorjacke. Dafür steht Frank Leba, Funktionsspezialist mit langjähriger Produkterfahrung im Skibereich und zuletzt unter anderem für The North Face tätig, von der amerikanischen Westküste. Zum anderen Aussehen und Erscheinung. Das stammt von Franks Bruder Chris Leba, etablierter Designer im Luxussegment und Gründer von R13, wohnhaft an der Ostküste. Denn um Brumal 2018 ins Leben zu rufen, trafen sich die beiden Brüder sinnbildlich in der Mitte. Nach dem Launch zur Saison Herbst/Winter 2018 war die Kollektion bereits bei Referenzkunden wie Antonia in Mailand, Barneys in New York sowie bei Net a Porter gelistet. Für die D-A-CH-Region übernahm Studio Pezzetta in München den Vertrieb. Die VK-Preise rangieren zwischen 700 und 1.800 Euro bei einer Kalkulation von 2,7. Studio Pezzetta, München/Deutschland, T 0049.89.23000081, info@studiopezzetta.com, www.brumal.com

Pioneer Backpack

#WEARECOBI. Tommaso Briccola und Luca Foglia Ranin lernten sich an der Mailänder Designschule kennen. Aus der Freundschaft entstand der Traum, etwas Eigenes zu kreieren: #weareCOBI. Das Label setzt sich aus den Herkunftsorten seiner Gründer zusammen, Como und Biella. Mit dem Pioneer Backpack präsentieren sie ihr erstes Produkt, das Funktionalität und technologische Raffinesse in High-Quality-Materialien verbindet. Wasserabweisend und robust punktet der businessaffine Performance-Rucksack mit funktionellen Fächern, Laptoptasche, USB Plug, Led Lightening und Security Lock. Wer zusätzlichen Stauraum benötigt, öffnet den Zipp-Verschluss. Schnelle Organisation und Businesstauglichkeit liegen den Gründern am Herzen. Der VK liegt aktuell bei 149 Schweizer Franken. Das Set-up macht das Label zunächst über Kickstarter, später sollen Wholesale und Direktvertrieb folgen. #weareCOBI, Italien, T 0039.3480747192, info@wearecobi.com, www.wearecobi.com


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Online tabu Relaxte Poesie

BLUNE. Es ist ihre Premiere auf dem deutschsprachigen Markt: Seit dieser Saison ist die Damenkollektion Blune aus Paris neu im Showroom der Münchner Hinterhofagentur. Hinter dem anspruchsvollen Komplettlook, der raffiniert und charismatisch den romantischen Stil französischer DOB mit progressiven Prints, Schnitten und Materialien übersetzt, stehen zwei Designerinnen, die aus ihren Haarfarben ein Motto machten – Blune ist die Zusammensetzung aus Blond und Brunette. Es steht auch für die Farbvielfalt, der sich die Kollektion verschrieben hat. Mit 150 bis 200 Euro für Pullover, 120 Euro für Hosen und 300 Euro für Mäntel liegt die Kollektion im Verkauf im mittleren Preissegment. „Wir sind mit den französischen DOB-Kollektionen seit längerem so erfolgreich, dass Blune für uns eine sehr wertvolle Ergänzung ist“, sagt Dominik Meuer. Hinterhofagentur, München/Deutschland, T 0049.89.38887747, info@diehinterhofagentur.de, www.blune.fr 068

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French Trench

ON PARLE DE VOUS. Dass Schnelligkeit und Qualität einander nicht ausschließen, zeigt die gebürtig chinesische Wahlpariserin hinter On Parle De Vous seit 20 Jahren. Vor sechs Jahren kam die DOB-Outerwearmarke On Parle De Vous auf den Markt, die alle Vorteile einer Vororder- mit einer Prontokollektion vereint. Kunden können jederzeit nachbestellen und erhalten ihre Ware binnen weniger Tage. Seit dieser Saison begleitet die Agentur Cuore Tricolore den Markteintritt in Deutschland. Kernstück der Kollektion ist der Trenchcoat, den eine facettenreiche Produktrange mit Mänteln, Bomber- und Daunenjacken ergänzt. Die EK-Preise liegen zwischen 50 und 120 Euro, kalkuliert wird mit 3,0. Ein besonderes Bekenntnis an den Einzelhandel: On Parle De Vous garantiert seinen Partnern, dass die Produkte im eigenen Onlineshop stets teurer sind als im Wholesale. Cuore Tricolore, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.97176434, ​ info@cuore-tricolore.com, www.toasties-paris.com, www.onparledevous.fr

HIDNANDER. Wer diese Marke kaufen will, macht sich am besten zu Fuß auf den Weg. „Rare and real“ ist das Motto, denn Hidnander gibt es online nicht zu kaufen. Jedes einzelne Produkt wird nach der Order auf den jeweiligen Store personalisiert, eine Hommage an den unabhängigen Einzelhandel. Hinter der modisch anspruchsvollen Streetwearkollektion, die ausschließlich mit italienischen Materialien in Italien bewusst in kleinen Chargen gefertigt wird, steht der ehemalige Designer von Golden Goose Alessandro Viganò. „Wir sind letzte Saison mit Hidnander gestartet und konnten auf Anhieb Topkunden begeistern, weil es eine Konzeptmarke mit einer extrem hohen Verarbeitungsgüte ist. Jedes einzelne Produkt hat ein Extra, das man oft erst auf den zweiten Blick entdeckt, daher der Name Hidnander“, sagt Uwe Deinert von Cuore Tricolore. Mit 20 bis 35 Euro für ein T-Shirt, 60 bis 120 Euro für Hosen und 75 bis 130 Euro für Schuhe kalkuliert mit 2,7 sind die Einkaufspreise so austariert, dass die Kunden einen echten Mehrwert haben. „Diese Geschichte ist zu Ende gedacht, sodass jeder im Kreislauf sein Plus bekommt. Das wird auch andere Marken ermutigen, anders zu denken.“ Cuore Tricolore, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.97176434, ​ info@cuore-tricolore.com, www.hidnander.com


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THE LONGVIEW

Doug Stephens: „Wir müssen mutig in die Ungewissheit einer neuen Ära aufbrechen.“ Er nennt sich „The Retail Prophet“ – und dass Propheten in Zeiten wie diesen gern gesehen sind, steht außer Zweifel. Der Kanadier Doug Stephens ist Speaker, Bestsellerautor und hat in seiner langen Führungserfahrung im Handel gelernt, dass es nichts nützt, mit unbequemen Wahrheiten hinterm Berg zu halten. Die Transformation, die der Handel gerade erlebt, ist so fundamental, dass Doug Stephens kürzlich forderte, man müsse den alten Handel erst sterben lassen, um den neuen anzunehmen. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: The Retail Prophet

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ie große Frage gleich vorneweg: Was muss der Handel besser machen? Das ist tatsächlich eine große Frage. Der Handel kann es besser machen, das mal vorab. Manche Händler machen es schon besser, einige sogar immens viel besser. Andere allerdings haben große Schwierigkeiten und Probleme. Die erste Sache, die man verstehen muss, ist, dass wir in einer sehr kurzen Zeitspanne aus einem Zeitalter des Retails in ein anderes übergegangen sind. Wenn wir 25 Jahre zurückblicken, war die Prämisse des Handels Verknappung. Retail basierte auf der Idee, dass die Konsumenten fundamental abgeschnitten waren: von Marken, von deren Distributionswegen, von Information. In dieser Welt waren die Bedingungen für einen Händler perfekt. Er musste bloß auftauchen und sagen: Ich habe das Produkt, das du in deinem Markt derzeit nicht bekommst, ich eröffne jetzt zwei Läden dafür und schon sind wir die lokalen Experten in dieser Kategorie. Eine ziemlich einfache Sache. Jetzt sehen die Dinge ganz anders aus. In unserer heutigen Welt haben die Konsumenten unbegrenzten Zugang zu Marken, Produkten, Trends und Informationen zu den Produkten. In dieser Welt liegt die Macht nicht mehr beim Händler. Die Konsumenten finden heute, dass der einzige Laden, der wirklich zählt, der ist, den sie in ihren Händen halten – in Form ihres Smartphones. Das größte und bequemste Geschäft der Welt. Dessen eingedenk, müssen sich Händler fragen: Wie kann ich meinen Wert neu definieren? Wenn das bloße Feilbieten von Produkten nicht mehr reicht, wenn Service alleine nicht mehr reicht, was ist der nächste Schritt? Was muss ich kreieren, das mich unterscheidet, das bedeutungsvoll ist und an das sich die Konsumenten erinnern werden? Meiner Meinung nach ist dieses nächste Level Erlebnis. Selbst wenn man die gleichen Dinge wie jemand anderer verkauft, kann einen das Schaffen einzigartiger und differenzierender Erlebnisse absetzen. In einem Artikel formulieren Sie sehr provokant, dass wir den Handel nur retten könnten, indem wir ihn erst sterben lassen. Glauben Sie das wirklich oder ist das eine Schlagzeile, die sich gut verkauft? Das glaube ich wirklich. Sie werden Führungskräfte in der Handelslandschaft finden, die sich an jeden Strohhalm klammern, der sie glauben lässt, die alte Ära des Handels wäre nicht vorbei. Ein Beispiel: 2018 hat sich der Handel in Nordamerika ein bisschen erholt. Es gehen wieder mehr Konsumenten in Läden. Und was passiert: Der Handel sagt einstimmig: „Großartig, es sieht aus, als wären all unsere Probleme vorbei. Die Kunden kommen zurück in die Läden, alles ist gut. Alles ist wunderbar, also weiter wie bisher.“ Über dieses Denken müssen wir hinwegkommen. Wir müssen anerkennen, dass alle Faktoren, die das Florieren des Handels ermöglicht haben, nicht mehr gegeben sind. Das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit, die Explosion des Konsums, die große Welle der Baby-Boomer – das alles ist nicht mehr gegeben. Und der Trend in Richtung Onlinekauf ist völlig evident. Wir müssen die Vergangenheit komplett hinter uns lassen und mutig in die

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Ungewissheit einer neuen Ära aufbrechen. Wer sich an die Vergangenheit klammert, kann die Zukunft nicht mit offenen Armen empfangen. Die Ära, in die wir aufbrechen, hat mit der alten nichts gemein. Wenn wir also die alte nicht sterben lassen, können wir niemals erfolgreich in die neue starten. Wie können Händler, die diese goldene Vergangenheit erlebt haben, ihr Mindset ändern? Wie begegnet man der Veränderung als Unternehmen? Das ist eine echte Herausforderung und die meisten Unternehmen fallen dieser Herausforderung auch zum Opfer. Man nennt das Organisational Imprinting, die Prägung von Organisationen. Die Zeit, in der ein Unternehmen seine größten Erfolge feiert, prägt oft dessen Weltanschauung – manchmal sogar für Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Nehmen wir das Beispiel Walmart. Deren absolute Höhepunkte waren in den 1980er- und 1990er-Jahren. In der Folge war Walmarts Sicht der Welt gleichsam eingefroren, man investierte weiterhin in große Super-Centers. Statt in online zu investieren, hat man bei Walmart viel zu lange in stationäre Läden investiert, die immerwährend das gleiche Erlebnis für den Kunden geboten haben. Irgendwann war klar: Wenn Walmart diesen Weg weiter verfolgt, bringt sie das um. Es ist also eine riesige Herausforderung, sein Mindset zu ändern. Das Interessante ist, dass wir uns als Menschen genau gleich verhalten wie Organisationen. Wir versuchen alle zu wiederholen, was uns erfolgreich gemacht hat. Sie glauben, dass der Handel nach einem komplett neuen Businessmodell funktionieren wird. Womit verdienen die Händler der Zukunft ihr Geld? Wir werden einige Veränderungen parallel erleben. Zum ersten werden immer mehr Marken direkt an den Konsumenten verkaufen. Marken und Händler hatten ja schon immer eine Beziehung, die sehr gegensätzlich war. Die Händler verhandelten hart um jeden Prozentpunkt Marge, um diese Produkte dann mit Rabattaktionen aus dem Laden zu blasen. In vielen Fällen haben Marken erlebt, dass der Handel ihre Marken beschädigt. Also sehen wir immer öfter den Punkt, an dem Marken sagen: „Schau, wir leben jetzt in einer Welt, in der wir eine direkte Beziehung zum Endkonsumenten aufbauen können und wir sollten diese pflegen. Wir sollten die Hoheit über unsere Marke zurückholen.“ Zum zweiten werden wir immer mehr Läden sehen, die eigentlich die Rolle von Medien übernehmen. Diese Händler werden Marken darstellen, sie werden Erlebnisse rund um die Produkte der Marke kreieren und kuratieren. Ihr Erlösmodell wird nicht der Verkauf von Produkten sein, sondern die Marken werden für die Platzierung und Medienleistung bezahlen. Ein Beispiel dafür ist der Laden Story in New York – ein Laden, der wie ein Magazin für Marken agiert. Wir sollten uns mit der Idee vertraut machen, dass phy-

„Konsumenten finden heute, dass der einzige Laden, der wirklich zählt, der ist, den sie in ihren Händen halten – in Form ihres Smartphones. Das größte und bequemste Geschäft der Welt.“


“Our story is about passion, family tradition, attention to detail and many years of experience.”

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sischer Retail der stärkste Medienkanal ist, den man nutzen kann und das eindrücklichste Markenerlebnis bietet, das ein Konsument haben kann. Wenn man bedenkt, dass bis zu 80 Prozent der Kaufentscheidungen in irgendeiner Form von digitalen Elementen beeinflusst sind: Macht es dann überhaupt Sinn, so viel Geld für Läden auszugeben? Wären viele Marken nicht besser beraten, ihr Geld für eine bessere digitale Ansprache auszugeben? Immer mehr Marken überdenken ihre alten Vertriebsmodelle. Es wird zunehmend evident, dass die Handelslandschaft von heute für eine andere Zeit gebaut wurde. Dieser Industriezweig ist für die Zeit optimiert, in der man so viele Läden wie nur irgendwie möglich wollte. Auch wenn das bedeutete, dass man auch mittelmäßige Läden hatte, ein engmaschiges Netzwerk an Läden war das Wichtigste. Heute überdenken Händler dieses Prinzip. Was sie tun müssen, ist, viele der mittelmäßigen Läden schließen und sich auf strategisch wichtige Schlüsselläden konzentrieren. Außerdem müssen sie die Ladenkonzepte auf ein neues Level heben, Konzepte entwickeln, die in Erinnerung bleiben, die spannend sind und die Konsumenten in ihren Bann ziehen. Für alle anderen Aufgaben des Handels kann man sich auf digitale Lösungen verlassen. Wenn jemand mal ein phänomenales Erlebnis in einem der Schlüsselläden hatte und man eine Beziehung aufgebaut hat, können diese Kunden auch online bestellen. Nicht mehr die Anzahl der Läden wird entscheidend sein, sondern vorrangig deren Qualität. Wiederholbarkeit – also das Vermögen, wieder und wieder zu überzeugen, betrachten Sie als entscheidenden Faktor im Handel ... Für die Recherche meines Buches habe ich mit verschiedenen CEOs von Unternehmen gesprochen, die in Sachen Erlebnis am PoS als Vorbilder gelten. Viele von ihnen haben immer wieder betont, wie wichtig es ist, jedes Mal exzellent zu sein. Ein Erlebnis zu kreieren, ist nicht genug, es muss jedes Mal ausgeliefert werden. Wenn sie erzählten, wie sie ihre Läden führen, klang das weniger wie Handel, sondern mehr wie eine Bühnenproduktion. Sie klangen, als würden sie eine Cirque du Soleil Nummer einstudieren – und eben nicht, als würden sie einfach die Türen zu irgendeinem Walmart aufsperren. Wie kann der Händler messen, ob er diese Wiederholbarkeit gewährleistet? Immer wenn man das Kundenerlebnis an einem Ort zu messen versucht, ist es wichtig, dass man eine 360-Grad-Sicht auf dieses Erlebnis hat. Einen Teil davon erledigt die Technologie, die uns zeigen kann, wie sich die Kunden in diesem Laden bewegen. Wie viele von diesen Kunden sind wiederkehrende Kunden und wie viele kommen nur einmal? Sehr ähnlich also, wie wir die Performance von Websites auswerten. Wie lange bleiben die Kunden in diesem Geschäft? Was interessiert sie und was lassen sie links liegen? Ergänzend muss man die Gefühle und Stimmung der Zielgruppe erfassen. Der dritte Faktor – und wahrscheinlich der wichtigste – ist der Empfehlungsfaktor. Denn am Ende des Tages will man ja wissen, ob das, was die Kunden im Laden erlebt haben, etwas ist, was sie Freunden und Familie empfehlen. Und wenn die Antwort kein klares und deutliches Ja ist, hat man noch viel Arbeit vor sich. 074

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„Handelsketten müssen ihre mittelmäßigen Läden schließen, damit sie sich auf die strategisch wichtigen Schlüsselläden konzentrieren können.“ Die meisten stationären Händler wissen so viel mehr über ihre Kunden, als sie nutzen. Amazon weiß, dass ich einen Hund habe, der lokale Händler weiß dessen Namen und wie es ihm geht. Warum machen die Händler nichts aus diesem Vorteil? Zum Teil kommt das daher, dass wir eine lange Zeit des Massendenkens hinter uns haben. Von den 1950er- bis in die 1990er-Jahre wurden Konsumenten nicht als Individuen verstanden. Marketer sprachen von Märkten, Segmenten, Submärkten, Profilen, Demografien. Wir wandten uns mit Massen-Mailings, Massenwerbung und Massenmedien an diese Märkte, um dort Massenprodukte zu verkaufen, weil wir überzeugt waren, dass die meisten Menschen nach den gleichen Dingen lechzen. Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Handel viel persönlicher. Man konnte in einen Laden gehen, wo man mit Namen angesprochen wurde. Dort wusste man meistens viel über die Kunden, man kannte deren Kinder, wusste wo die Kunden arbeiteten. Und am Sonntag in der Kirche hat man sich wiedergesehen. Es herrschte Vertrautheit und diese Vertrautheit wurde ganz natürlich in den Verkaufsprozess integriert. Diese Händler kannten den Geschmack und die Vorlieben ihrer Kunden und suchten nach Dingen, mit denen sie diese noch besser treffen würden. Viele der Händler, die heute Probleme haben, wurden im Massenmarketingzeitalter gegründet. Ihre Ausbildung sagt ihnen: Du musst nur mehr werben. Aber Massenwerbung bleibt Massenwerbung, egal ob als Postwurf oder auf Facebook. Heute kommen wir mit Hilfe der Technologie dahin zurück, dass wir wissen, wer exakt unsere Kunden sind, wir wissen ein paar Besonderheiten über sie und kennen ihren Geschmack und ihre Vorlieben. Wir wissen, worin sie sich von anderen Kunden unterscheiden. So können wir heute wieder auf einer Eins-zu-Eins-Basis mit ihnen interagieren. Doch ich habe den Eindruck, dass sich das für viele Händler noch wenig vertraut anfühlt, es macht sie ein bisschen unsicher. Die Händler sorgen sich, dass sie die Privatsphäre ihrer Kunden verletzen. Oft sammeln sie die Kundendaten zwar, schrecken aber davor zurück, sie einzusetzen. Ihr Rat? Ich bin überzeugt, dass Konsumenten Privatsphäre wie eine Währung betrachten. Niemand will, dass ihm Geld gestohlen wird, wir fühlen uns missbraucht, wenn das passiert. Aber andererseits stört es uns nicht im geringsten, Geld auszugeben, wenn wir ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben und überzeugt sind, dass wir für diesen Austausch von Währung einen guten Gegenwert bekommen. Das machen die Großen ja vor: Wir geben massenhaft Daten an Google oder Amazon, weil sich beide dafür mit einem besseren Erlebnis bedanken. Das Gleiche würde für jeden niedergelassenen Händler doch auch gelten.


THE LONGVIEW

„Amazon verdrahtet die Gehirne der Kunden neu.“ Exakt, und das ist genau mein Rat für Händler. Wenn ich gefragt werde, welche Art von Daten sie sammeln sollen und wie, fordere ich sie auf, die Fragestellung zu verändern. Die Frage darf nicht lauten, welche Daten man wie erhebt, sondern welchen herausragenden und differenzierenden Vorteil sind sie bereit, dem Kunden dafür im Austausch zu bieten? Und erst dann: Welche Daten brauchen sie, um diesen Vorteil zu bieten? So muss die Fragestellung lauten. Bleiben wir noch ein bisschen bei Amazon. Ihre These in einem Artikel, dass auch Amazon eines Tages scheitern könnte, hat wohl viele Händler erleichtert. In zehn Jahren könnte es so weit sein, meinten Sie. Aber wie viele Händler wird Amazon bis dahin noch auf seinem Gewissen haben – Ihre Schätzung? Viele. Ich kann es gar nicht schätzen. Es werden viele sein, denn es ist ja nicht Amazon, der diese Händler umbringt. Es sind die neuen Basisanforderungen, die Amazon geschaffen hat. Amazon hat die Regeln komplett neu definiert. Die Kundenerwartungen an den Handel sind andere geworden, völlig andere. Dinge wie One-Click-Bestellung, kostenloser Versand innerhalb von ein oder zwei Tagen, die schiere Breite des Angebots. Amazon hat die Erwartungen, die Konsumenten in der alten Welt des Handels hatten, für immer ausgelöscht. Amazon verdrahtet die Gehirne der Kunden neu. Was mich offen gesprochen am meisten interessiert, ist, welche Industrien Amazon noch umbringen wird – außerhalb der Handelslandschaft … Wann wird die Politik endlich den Mut haben, dieses Monopol anzusprechen? Wann immer zwei vergleichsweise kleine Händler fusionieren, muss das durch die nationalen oder EU-weiten Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden, während Amazon weiter an seinem Megamonopol bastelt. Ich glaube, es kommt Bewegung in die Sache: Ob es die EU ist oder die USA sein werden, die den ersten Schritt machen, das Empfinden, dass Amazon einen Punkt erreicht, den man dann als Monopol deuten muss, nimmt zu. Nicht nur aufgrund von Amazons Größe. Selbst Jeff Bezos erkennt an, dass wir Vertrauen in unsere Regierungen und Institutionen haben müssen. Damit erkennt er an, dass es eine Regulierung geben muss. Das heißt nicht, dass Amazon sich nicht dagegen wehren würde, aber ich glaube, es ist unvermeidbar, dass Amazon eines Tages in kleinere Einheiten zerschlagen wird. Und jetzt wieder zurück in die stationäre Handelslandschaft. Was bedeuten all diese Veränderungen für die Mitarbeiter im Handel? Sie sagen, dass deren Rolle sich wandelt – aus Angestellten werden Markenbotschafter. Was bringt ihnen die Zukunft? Viele operative Aufgaben im Handel werden mit Hilfe von Technologie erledigt werden. Die andere Seite der Medaille ist, dass die Erwartungen der Konsumenten schon jetzt höher sind, als sie es jemals waren. 47 Prozent der Konsumenten sagen in Befragungen, dass sie oft das Gefühl haben, dass sie mehr über das Produkt wissen als die Menschen, die 076

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es ihnen in Läden verkaufen. 67 Prozent geben an, dass die Informationen, die sie von Mitarbeitern im Handel bekommen, nicht richtig oder sogar falsch sind. In der Welt der Smartphones stellen die Konsumenten ganz neue Anforderungen. Sie erwarten, dass die Person, mit der sie Kontakt haben, nicht nur hervorragend ausgebildet und freundlich ist, sondern ein echter Experte im Produkt. Das ist jetzt fast schon ironisch: Denn die Händler haben jahrzehntelang die Löhne nach unten geschraubt. Und wo immer es möglich war, haben sie ihre Angestellten von Technologie abgeschnitten. Um es salopp zu sagen, hat man die letzten 40 Jahre versucht, dass die Angestellten auf der Fläche wie Roboter handeln. Ich glaube, wir kommen langsam in eine neue Ära, in der die Arbeit im Handel wieder etwas ist, auf das man stolz sein kann, in der Mitarbeiter im Handel wieder das Gefühl bekommen, echte, gut ausgebildete Experten zu sein, anständig bezahlt, selbstbewusst und auf Augenhöhe mit ihren Kunden. Eben so, wie es vor 50 Jahren mal war. Menschen, die damals im Handel tätig waren, konnten ihren Kindern anständige Bildung ermöglichen, Autos und Häuser kaufen und sie wurden für ihren Beruf respektiert. Davon sind wir abgekommen, aber wir müssen dahin zurück. Weil Mitarbeiter so entscheidend sind! Jeder Händler muss eine ganz grundsätzliche Entscheidung treffen: Will ich das Kundenerlebnis mit Hilfe von Menschen zelebrieren und von der dynamischen Natur der Menschen profitieren oder will ich das nicht? Wenn nicht, dann kann ich mich heute auch über weite Strecken auf Technologie verlassen. Dann muss ich Sorge tragen, dass der Konsument mit der Technologie ausgerüstet wird, die ihm in den Läden oder durch Touchpoints ein tolles Einkaufserlebnis beschert. Aber beides zusammen geht nicht. Man muss sich entscheiden. Und wenn man sich für die Menschen entscheidet, dann muss man sicherstellen, dass die Menschen, die für einen im Laden stehen, froh darüber sind, dass sie sich umsorgt fühlen, dass sie sich gut ausgebildet und ausgestattet fühlen und dass sie Gelegenheit bekommen, ihre Kunden glücklich zu machen. Wenn sie das gewährleisten können, werden sie ein völlig verändertes Einkaufserlebnis bieten können. Danke für das Gespräch.

„The Retail Revival“ und „Reengineering Retail“ heißen Doug Stephens Bücher. Manifeste für den Handel der Zukunft.


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SO GUT WIE NOCH NIE Wahrnehmung versus Wahrheit: Der Modebranche geht es verdammt gut. Ein Kommentar von Isabel Faiss.

Das fängt jetzt irre an. Die Deutschen gaben 2017 so viel Geld wie noch nie für Mode aus. 35 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Modeindustrie in diesem Jahr, ein Plus von 2,9 Prozent. Tendenz weiter steigend. Zwischen 1970 und 1980 hat sich der Modekonsum in Deutschland mehr als verdoppelt. Mit 11,7 Prozent führt das Segment Mode die Statistik der Volumina nach Warengruppen im E-Commerce deutlich an. Laut den Erhebungen der Studie „Pulse of the Fashion Industry 2018“ haben 75 Prozent der globalen Modefirmen im letzten Jahr ihre Bilanz hinsichtlich Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit um sechs Bewertungspunkte von 32 auf 38 verbessert (von 100). Digitale Showrooms ersetzen die Produktion von Samples, was Ressourcen schont und Logistikkosten einspart. Neue technische Möglichkeiten in der Produktion machen Fasern aus Zitrusfrüchten möglich, die sich wie Seide anfühlen, aber biologisch abbaubar sind – vorgestellt von Salvatore Ferragamo. Wer nach guten Nachrichten sucht, findet sie, überall. Endlich hat es jemand gesagt Jeden Abend um 20.16 Uhr entsteht der imaginäre Leserbrief an die ARD Zuschauerredaktion, Arnulfstraße 42, in 80835 München. Seit zwölf Jahren, keiner reagiert. Der Betreff ist immer der gleiche: „Und zum Schluss die gute Nachricht des Tages.“ Und dann sagt es ausgerechnet der Stern – keine Metapher, das Magazin. Genauer gesagt, der Autor Walter Wüllenweber in seinem Buch „Frohe Botschaft: Es steht nicht gut um die Menschheit – aber 080

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besser als jemals zuvor“. Er belegt seine These mit so vielen Zahlen und Fakten, dass der Hormonspiegel steigt. Mit Sätzen wie: „Seit 2010 können Wissenschaftler nachweisen, dass sich das Ozonloch wieder schließt. Die Menschen sind heute gesünder, reicher, sicherer, gebildeter und freier als jemals in der Geschichte.“ Uns geht es verdammt gut Trotzdem wird so viel gejammert und befürchtet wie noch nie. Wahrnehmung versus Wahrheit, weil die Aufmerksamkeitsökonomie nun mal so tickt, dass sie den schlechten Nachrichten mehr Raum schenkt. Ein Phänomen, das die Modebranche kennt. Wo E-Commerce den stationären Retail restlos vernichten wird, die Konsumenten alle überinformierte Schnäppchenjäger geworden sind, Modemessen von Onlinegiganten aufgekauft werden, Nachhaltigkeit als Marketingtool verkommt. Wo die Zumutung „zwölf Kollektionen im Jahr“ dem Dagobert gegenüber Dollarzeichen in die Augen gambelt und man sich danach wundert, warum der Bedarf nicht da ist, weil er gedeckt ist – gruselig. Wo die nächste Saison eigentlich nur besser als die letzte werden kann und dennoch früher alles besser war. Warum sprechen die Zahlen da so eine andere Sprache als das Gefühl? Heute verkauft keiner mehr T-Shirts direkt aus dem Karton, weil der Shit so heiß ist, dass ihn alle wollen, richtig. Die Innenstädte sind immer monopolistischer geprägt. Das Establishment leidet unter Fast Fashion Discountern. Es gibt die globalen Einschläge, die Nebensätze wie „aus L. A., aber ohne Strafzölle“ zum Verkaufsargument machen. Trotzdem geht es der Branche in Summe so gut wie noch nie. Das eine oder andere Problem könnte hausgemacht oder der Tatsache geschuldet sein, dass man Veränderungen generell skeptisch abdrängt, während sie einen als Realität überholen. Quellen: www.bevh.org, Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland; Pulse of the Fashion Industry 2018, Global Fashion Agenda, Boston Consulting Group.


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GREEN OVATION Ist sie ein Add-on, nice to have? Oder ist ressourcen- und umweltschonende Mode ein Muss? Diese Entscheidung dem Konsumenten zu überlassen, ist fahrlässig. Denn Nachhaltigkeit darf nicht optional bleiben. Weil unsere Zukunft es Wert ist, nicht vom Schnäppchenjäger am Wühltisch entschieden zu werden, sondern von Menschen, deren Horizont weit über den Billigkaufrausch hinausreicht. Den Weg weisen Biotech, Smart Fabrics oder digitale Lösungen. Weil viele der Innovationen nicht nur die Sache, sondern auch die Welt ein klein wenig besser machen.

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„ES BRAUCHT MENSCHEN, DIE HANDELN“ Er ist der Gerd und Karl-Heinz Müller Bangladeschs in Personalunion: Mostafiz Uddin produziert mit seiner Firma Denim Expert Ltd. Jeans – und engagiert sich leidenschaftlich für Ansehen und Entwicklung seiner Heimat. Dazu hat er sowohl eine Denimmesse gegründet, als auch einen Nachhaltigkeitsgipfel ins Leben gerufen und reist um die ganze Welt, um über Bangladesch zu sprechen. style in progress im Gespräch mit einem, der weiß, dass Veränderung nur aus eigener Initiative möglich ist. Interview: Martina Müllner-Seybold. Foto: Mostafiz Uddin

Sie sind ein unermüdlicher Kämpfer für Nachhaltigkeit und das Image Ihres Heimatlandes als Produktionsstandort. Was treibt Sie an? Der einzelne, der aufsteht und etwas tut, bringt Veränderung. Es gab nicht viele Ghandis, es gab einen Ghandi. Es braucht Menschen, die handeln. Ich bin dieser ganzen Diskussion müde: Die Produzenten sagen, es seien die Einkäufer, die Einkäufer sagen, es seien die Konsumenten, die nach billigen Preisen schreien. Die Schuld von einem zum anderen zu schieben, bringt uns doch nicht weiter – nur Handeln hilft. Nun hat Bangladesch gehandelt. Fünf Jahre nach Rana Plaza ist es – und das ist ein Zitat des Accord-CEOs* Rob Wyass – das sicherste Entwicklungsland, in dem man produzieren kann. Hut ab, das ist verrückt schnell! In nur fünf Jahren. Der Schlüssel ist das Wollen. Wenn Sie einem Bangladescher sagen, dass Ihr Unternehmen davon abhängt, dass er pünkt­ lich liefert, wird er alles tun, um den Termin zu halten. Die Menschen in Bangladesch sind unglaublich verbindlich und anpackend. Sie selbst haben ihre Fabrik, in der Sie 2.000 Menschen beschäftigen, komplett nachhaltig ausgerichtet. Ist Nachhaltigkeit auch etwas, was von den Menschen vor Ort mitgetragen wird? Den Fabrikarbeiter interessiert zunächst, dass er einen guten Arbeitsplatz hat, fair bezahlt wird und sein Geld bekommt. Ob er das nun mit Billigjeans verdient oder mit hochwerti­ gen, nachhaltigen Produkten, ist ihm vordergründig egal. Da sehe ich den Fabrikarbeiter auch nicht in der Verantwortung – da müssen die, die Verantwortung tragen, dafür sorgen, dass er eben keine Billigjeans mehr herstellt. Was ja theoretisch längst nicht so kompliziert wäre, wie alle immer tun. Trendforscherin Lee Edelkoort hat erneut gefordert, dass die EU ein Importverbot für Billigjeans ausgibt. Ein Strafzoll auf unter ausbeuterischen Umständen gemachte Textilien erscheint dem Laien ja mindestens so machbar wie ein Strafzoll auf US-Jeans. Genau! So lange Jeans für 15 Euro angeboten werden, werden sie auch produziert. Warum sagt man nicht: Jeans für unter 29 Euro sind in der EU verboten? 084

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Gerade machen Sie sich wohl noch ein paar Feinde mehr in Ihrer Heimat … Ja, das bringt Engagement mit sich. War es für meine Firma positiv, dass ich auf der ganzen Welt auf Kongressen, Messen und in Journalistengesprächen versuche, das Image von Bang­ ladesch zu verbessern? Nein, im Gegenteil. Aber ich mache das auch nicht aus unternehmerischem Kalkül. Ich sage immer: Willst du Business machen, mach Business, willst du Charity machen, mach Charity. Beides zusammen geht nicht. Klappt Nachhaltigkeit also auch erst, wenn es kein Akt der Barmherzigkeit mehr ist, sondern ein Geschäftsmodell? Ja, langfristig sicher. Aber im Moment muss man auch verzichten können, teilen können: Während sich in Bangla­ desch die Löhne um 263 Prozent verteuert haben, sind die Sourcing-Preise aus der EU um 7,33 Prozent gefallen. Das Märchen, dass die Konsumenten oder Einkäufer für bessere Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit bezahlen würden, können Sie also direkt vergessen. Was also tun? Meinen Garn­ lieferanten im Preis drücken, meine Leute ausbeuten? Nein, mit der verminderten Marge muss ich als Unternehmer auch mal leben können. Zumindest wenn ich es mit der Nachhal­ tigkeit ernst meine. Auf wen hoffen Sie also? Auf die nächste Generation. Wir werden das nicht mehr ändern, wir sind von Gier und Geiz so zerfressen. Aber auf vielen Konferenzen habe ich junge Leute kennen gelernt, die mir unglaublich viel Hoffnung machen. Glauben Sie mir, für diese Generation ist Nachhaltigkeit nicht mehr diskutierbar! Und bis dahin? Werde ich weiter kämpfen und versuchen, Sichtbarkeit zu schaffen. Ich habe mit mehr als 300 Journalisten auf der Welt gesprochen, kein einziger davon war je in Bangladesch. Das Bild unseres Landes ist ein veraltetes. Die Fabriken, die Sie auf Archivbildern sehen, die in europäischen und amerikani­ schen Zeitungen noch immer verwendet werden, die gibt es gar nicht mehr. Aber die neuen, sauberen und sicheren Fab­ riken passen eben nicht ins Bild, das sich die westliche Welt von Bangladesch gemacht hat. Daher auch meine Initiativen wie die Denimmesse und der Nachhaltigkeitsgipfel in Bang­ ladesch. Ich will, dass neue Bilder und Stimmen aus meinem Land zu sehen und zu hören sind. *Accord ist die Initiative, die nach Rana Plaza zur Gebäude- und Feuersicherheit gegründet wurde.

Er produziert nachhaltige Jeans in Bangladesch und reist um die ganze Welt, um das Image seiner Heimat zu korrigieren: Aktivist Mostafiz Uddin.


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DIE MAGIE DES MACHENS Es begann mit einem Gespräch über Gott und die Welt – und wie man zumindest letztgenannte besser machen könnte. Was sich daraus entwickelte? Ein Ecoalf Pop-up-Store von Magazzin in Graz, der die volle wechselseitige Wertschätzung zum Ausdruck bringt. Javier Goyenche, Gründer von Ecoalf, sowie Kathi Bauer und Tini Köck von Magazzin im Gespräch. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Magazzin

Was habt ihr aus dem Pop-up-Store mitgenommen? Javier Goyenche: Es war großartig, die Möglichkeit zu haben, nicht nur mit den Kunden, sondern auch mit dem Magazzin-Team zu interagieren. Ich war gerade­ zu schockiert – im positiven Sinne – wie die Kunden reagiert haben, sobald sie über unsere Geschichte Bescheid wussten. Ich sage ja immer, dass wir keine Storytelling-, sondern eine Storydoing-Firma sind. Und ich glaube, genau diesen Unterschied haben die Kunden verstanden. Tini Köck: Dass man gemeinsam viel erreichen kann. Wir hatten eigentlich ja nicht mehr viel Budget frei. Da hat die Agentur viel geholfen, wir konnten die komplette Kollektion präsentieren, angefangen von Primaloftjacken über Jogginghosen bis Sneaker, Ruck­ säcke, Trinkflaschen, Kerzen … Die Kunden waren

„Javier Goyenche, der Gründer von Ecoalf, war bei der Eröffnung persönlich anwesend. Sein Charisma und seine Begeisterung für das Thema Recycling verliehen das gewisse Etwas“, sagen die Magazzin-Schwestern Kathi Bauer (2.v.l.) und Tini Köck (3.v.l.)

von der großen Auswahl an recycelten Produkten begeistert. Wir konnten auch für uns neue Produkte ausprobieren. Die Zusammenarbeit mit Ecoalf war grandios, das Merchandising-Team aus Madrid hat den ganzen Pop-up-Store gestylt – das gab uns kom­ plett neue Impulse für die Warenpräsentation. Was hat euch mehr erstaunt – die Aufmerksamkeit oder der wirtschaftliche Erfolg? JG: Wir haben diesen Pop-up nicht primär organi­ siert, um zu verkaufen, sondern wir wollten die Mar­ ke und ihr Konzept vorstellen. Dass schlussendlich auch gut verkauft wurde, war die Konsequenz daraus. Die Kunden haben wirklich spontan gekauft. Kathi Bauer: Wir haben früh angefangen, die Story über soziale Medien und persönlichen Kontakt aufzubauen, haben die Kunden Schritt für Schritt mitgenommen. Das mediale Interesse war sensationell – von Zeitung bis Fernsehen. Das wiederum hat viele Neukunden und vor allem Kunden mit Achtsamkeit auf uns aufmerksam gemacht. Das Projekt hat Hori­ zonte erweitert, positive Vibes verbreitet und jedem ermöglicht, etwas Gutes zu tun – da kommt der Um­ satz dann ganz von alleine. Bei einem Preis von 179 Euro für eine Primaloftjacke im sportiven, reduzierten Look waren wir in kürzester Zeit fast ausverkauft. Zum Glück konnten wir gut nachbestellen. Javier, wird Ecoalf künftig stärker auf solche Popups setzen? JG: Sie sind ein fantastisches Instrument, aber sie brauchen Zeit, Organisation und Ressourcen. Man kann das nur mit Händlern machen, die so professio­ nell sind wie Magazzin.

Ecoalfs Slogan „Because there is no Planet B“ hat Schule gemacht.

Ein begeisterter Kunde ließ sich von Javier Goyenche sogar seinen Regenmantel signieren.

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THE GOOD NEWS

Auch wenn es von der zweitdreckigsten Industrie der Welt bis zur weißen Weste noch ein langer Weg ist: Die Modebranche hat verstanden, dass Nachhaltigkeit eine völlig logische Zukunftsstrategie sein muss. Mit gutem Beispiel voran! Fotos: Unternehmen

Schuhe aus nachwachsenden Rohstoffen, auch damit kann man im Silicon Valley zum Unicorn-Startup werden: Allbirds hat das geschafft!

MÄÄÄH Die Damen, die bei Stella McCartney im Schaufenster stehen, können später auf den Kompost: nachhaltige Schaufensterpuppen von Bonaveri.

BIO, PUPPE!

Bonaveri. Dass es Stella McCartney mit Umweltschutz genau nimmt, ist bekannt. In ihrem neuen Flagshipstore in der Old Bond Street wird Nachhaltigkeit großgeschrieben. Besonderes Detail: Im Store kommen nur die komplett biologisch abbaubaren Schaufensterpuppen B Plast von Bonaveri zum Einsatz. Der führende italienische Hersteller verwendet dafür Zuckerrohrderivate. Bemalt sind die Puppen mit einer weiteren Innovation: B Paint, eine natürliche Farbe, die aus organischen und nachwachsenden Zutaten besteht. Bonaveri, Renazzo di Cento/Italien, bonaveri@bonaveri.com, www.bonaveri.com

Allbrids. Das Silicon Valley ist als Standort für innovative Technologieunternehmen und kreative Nerds bekannt. Neuerdings produziert die IT-Hochburg aber auch Fashion – Schaf und Einhorn machen es vor. Letzteres ist in diesem Fall kein Fabelwesen, sondern ein Start-up mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar: Allbirds. Das Schuhunternehmen wurde 2015 gegründet und hat sich Komfort, Design und Nachhaltigkeit verschrieben. Dafür setzt die Marke auf nachwachsende Rohstoffe wie Wolle vom Merinoschaf, Zuckerrohr und Eukalyptusfaser. Merinowolle als Obermaterial für Schuhe? Ein genialer Schachzug: Das Material hält warm, kühlt und schützt sogar vor Feuchtigkeit. Schließlich bekommen Schafe im Regen auch keine nasse Haut. Die Wool-Runners kosten im Schnitt 95 US-Dollar und werden aktuell über die eigenen E-Commerce-Channels und Filialen in San Francisco, New York und London vertrieben. Allbirds, San Francisco/ USA, help@allbirds.com, www.allbirds.com

SCHRITT FÜR SCHRITT

Martina Schmidl, Geschäftsführerin D-A-CH American Vintage. „Aktuell arbeiten wir für American Vintage mit einer neuen zertifizierten Produktionsstätte in Portugal für Jersey, mit neu konstruierten Waschmaschinen, die den unglaublich hohen Wasserverbrauch in der Fertigung erheblich reduzieren. Darüber hinaus verwenden wir bereits Biobaumwolle in Teilen unserer Kollektion. Auch im Showroom verwenden wir nur noch Glasflaschen statt Plastik, verzichten auf nicht recycelbare Verpackung beim Catering und drosseln bewusst den Papierverbrauch. Das sind unsere First Steps auf diesem Weg, den wir konsequent weiterverfolgen wollen.“ 088

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ÖKOJEANS IN SEXY LIU JO. MIT EINER NACH­­-HALTIGEN JEANS CAPSULE-KOLLEKTION MACHT DIE ITALIENISCHE MARKE NUN VON SICH REDEN: ZU SEHEN ERSTMALS AUF DER PREMIUM BERLIN. WWW.LIUJO.COM

AUF DEN KOMPOST C&A. Wer hat’s erfunden? Wahrscheinlich irgendein Öko. Aber dass ein Textilgigant wie C&A auf Cradle-toCradle setzt, muss man zumindest respektvoll anerkennen. Nach dem C2C-T-Shirt kam im vergangenen Herbst nun eine C2C-Jeans auf den Markt – und eine Zertifizierung, die Konsumenten aufklären soll. www.cunda.com

Mehr als ein Freundschaftsdienst: Warm Me sorgt in seiner nepalesischen Produktionsstätte für volle Auftragsbücher.

SHARING IS CARING

Warm Me. Auch Nachhaltigkeit wird mehr, wenn man sie teilt: Um ihre nepalesischen Produktionsstätte bestmöglich zu unterstützen, ist Warm Me Brand-Managerin Theresa Steinbacher aktive Networkerin. So hat zum Beispiel die Strickkollektion Fine Edge im Herbst 2018 eine Capsule herausgegeben, made in Nepal. Gemeinsame Werte, ein korrespondierendes Qualitätsverständnis und – selbstverständlich – das freundschaftliche Verständnis der beiden Marken machte schnell klar, dass Warm Mes Handwerker auch für Fine Edge perfekt sind. To be continued – zwei Private Labels produzieren ebenfalls auf Warm Mes Initiative in den nepalesischen Werkstätten. Warm-Me, Salzburg/Österreich, theresa@warm-me.com, www.warm-me.com

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FINDEN WIR GUT

Wenn Nachhaltigkeit zur Selbst­ verständlichkeit wird: Modemarken, die Zukunft haben, planen ihren Erfolg nicht mehr zu Lasten anderer. Weil es auch anders und besser geht.

WHEN WOMEN MOVE FORWARD, THE WORLD MOVES WITH THEM

ALOHA, IHR SCHUHE!

Olukai. Olu steht für Komfort, Kai für den Ozean. Gemeinsam ergeben sie Olukai. Der Schuhspezialist mit hawaiianischen Wurzeln lässt sich vom modernen Hawaii und der kulturellen Diversität auf der Insel inspirieren. Das Ergebnis sind hochwertige Handwerkskunst, moderne Ästhetik und Funktionalität, die auch den Nalukai Boot prägen. Der Freizeitschuh ist aus feinstem, glattem Vollnarbenleder gefertigt. Das reduzierte Design wird durch Baumwollschnürsenkel und dekorative Nähte unterstrichen. Zusätzlich ist der hochwertige Schnürer noch mit einem dreilagigen, anatomischen EVA-Fußbett und einer rutschfesten Gummilaufsohle ausgestattet – für Halt auf nassen oder glatten Oberflächen. Der Nalukai Boot liegt im VK bei 139,95 EUR und ist u. a. bei Bergfreunde.de erhältlich. Ein Teil des Unternehmenserlöses geht an die Ama Olukai Foundation, die sich dem kulturellen Erbe Hawaiis verschrieben hat. D, A: Tec Trading GmbH, Langenfeld/ Deutschland, T 0049.2173.9609641, olukai@tec-trading.de CH: Adcom Sports Trade AG, Davos Platz/Schweiz, T 0041.796233866, raphael.hebing@adcomsports.ch, www.olukai.com 092

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ROTTERDAM CONNECTION

The Good People. Ivo von Deyzen, Gründer des Rotterdamer Labels, geht es sichtlich nicht nur um schnellen Konsum. Qualität, Stil, Nachhaltigkeit und positives Denken sind die wichtigsten Kernwerte für das Menswearlabel. So entstehen aufgeräumte Komplettlooks rund um die Themen Jacken, Shirts, Strick, Denim, Chinos, die man sich im Flagshipstore in der Rotterdamer Pannekoekstraat anschauen kann. Zur Philosophie von The Good People gehört, dass der Produktlebenszyklus möglichst wenig negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben soll. Zeitloses Design, das länger als eine Saison gut ausschaut, partiell organische Materialien aus Europa und die Produktion in Ländern wie Portugal und Italien stehen für langlebige Qualität. Jährlich gibt es zwei Kollektionen mit rund 100 Teilen, die im EK zwischen 40 und 80 Euro liegen, bei einer Kalkulation von 2,7. Die progressive Menswear hat Kunden wie Schnitzler in Münster, Adler Altona in Hamburg, Revier4 in Frankfurt, Tide 12 in Sankt Peter-Ording oder Daniels in Köln gefunden. Stefan Kudla, Last of the True, Hamburg/ Deutschland, T 0049.151.40072800, kudla@last-of-the-true.com, www.thegoodpeople.com

Raven + Lily. Dieses afrikanische Sprichwort ist für die Macher der Marke Raven + Lily ein Businessmodel. 2008 als NGO von Kirsten Dickerson und Sophia Lin mit einigen Designern aus Los Angeles gestartet, etablierte sich Raven + Lily 2011 als Unternehmen und zog nach Austin in Texas. Durch die Produktion ihrer Fair-Trade-Mode, Accessoires und Homewear wollen sie weltweit Frauen darin bestärken und unterstützen, berufstätig zu sein, sich fortzubilden und am Ende damit wirtschaftlich erfolgreich zu sein. So beschäftigen sie insgesamt rund 1.500 Frauen in Mexiko, Peru, Marokko, Äthiopien, Kenia, Südafrika, Indien und Malaysia, die in kunstvoller und traditioneller Handarbeit produzieren. Sie garantieren ihnen einen sicheren Job, faire Bezahlung, eine Krankenversicherung, Weiterbildung und ermöglichen auch die Teilnahme an Social-Entrepreneurship-Projekten. In ihrer Zentrale in Austin bietet das Team zudem ein Open Space Office als Kreativtreffpunkt für Frauen an. „Momentan sind wir noch nicht im europäischen Markt vertreten, würden uns aber über Partnerschaften mit Gleichgesinnten freuen“, sagt Katie Chaput von Raven + Lily. Für das Jahr 2019 steht der Ausbau des Onlinehandels und des Wholesales auf dem Plan. Raven + Lily, Austin/Texas, USA, T 001.737.2091072, sales@ravenandlily.com, www.ravenandlily.com


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FAIR, EXOTISCH, LUXURIÖS NEUER TÖRN FÜR ALTE SEGEL

727 Sailbags. Klimawandel und Co sorgen für einen Boom der Nachhaltigkeit. Um sich von Mitbewerbern abzuheben, beschreitet 727 Sailbags innovative Wege: Das internationale Label arbeitet mit recycelten Segeln. Egal ob Großsegel, Gennaker oder Spinnaker – jedes Material erzählt seine ganz eigene Geschichte. Genau wie der Dinghy Backpack. Der neueste Wurf ist von Hand genäht und besticht mit funktionalen Features: Rückenverstärkung und Schultergurte zielen auf Tragekomfort. Easy Access mit recyceltem Tau ermöglicht das leichte Öffnen und Verstauen von persönlichen Dingen. Ein Zipp gewährt schnellen Zugriff auf das Laptopfach. Versteckte Fächer und ein abnehmbarer Teil sorgen für zusätzliches Volumen. Der Dinghy Backpack verbindet Innovation mit Design und ist in den Farben Amber, Light Grey oder Black erhältlich. Der VK rangiert zwischen 250 und 275 Euro. Für Frühjahr 2019 ist der Launch im Groß- und Einzelhandel geplant. D, A: Klein & More, Hamburg, T 0040.65684120, info@kleinundmore.de, www.727sailbags.com

Sana Jardin. Die sieben facettenreichen Eau de Parfums von Sana Jardin wurden von IFF-Master-Parfümeur Carlos Benaim kreiert und bauen auf die Lebenskraft der Pflanzen mit hochkonzentrierten natürlichen Parfümölen, frei von künstlichen Farbstoffen, Parabenen und Formaldehyden und ohne Verwendung tierischer Inhaltsstoffen oder Tierversuche. So wird bei der neu von Amy Christiansen Si-Ahmed gegründeten Marke auch Wert auf soziales Engagement und faire Arbeitsbedingungen gelegt. „Angefangen bei den Pflückerinnen in Marokko, die jede Blüte per Hand ernten, überwindet Sana Jardin mit der Beyond-Sustainability-Bewegung Grenzen und ermächtigt Frauen sowohl wirtschaftlich als auch sozial“, so Gloria Massaro-Conrad, die mit Premium Beauty Brands den Vertrieb im D-A-CH Markt verantwortet. „Dafür wurde Sana Jardin bei den CEW Beauty Awards 2018 mit dem Eco Beauty Award ausgezeichnet.“ 100 Milliliter kosten 185 und 50 Milliliter 95 Euro im VK, kalkuliert mit Faktor 2,0. Zu den Kunden zählen neben Harrod’s auch Lodenfrey und The Kitchener, Schweiz. Premium Beauty Brands GmbH, Köln/ Deutschland, T 0049.163.2519839, gloria@premiumbeautybrands.com, www.sanajardin.com

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NACHHALTIGER LUXUS

Esemplare. Fulvio Botto und Francesco Martorella, Mitbegründer von Pattern S.r.l. haben 2015 das Label Esemplare gelauncht. Die beiden beschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen, und entwickelten für ihre ultraleichten Jacken wasserabweisende und winddichte Stoffe aus recycelten Pet-Flaschen. Die Stoffe stammen aus Italien, gefertigt wird in Europa. Besonderes Feature sind verschweißte Nähte. „Wir haben die perfekte Mischung aus technischer Materialinnovation und urbanem Design geschaffen. Mit unserer umgekehrten Y-Konstruktion der Stoffe sind wir in der Lage, der Struktur eine einzigartige Beschaffenheit in Hinblick auf Griff und Komfort zu geben“, erklärt Francesco Martorella. Pro Jacke oder Mantel werden zehn bis zwölf recycelte Pet-Flaschen verwendet. Die VK-Preise der multisaisonalen Teile reichen von 300 bis 700 Euro bei einer 2,8er-Kalkulation. Kunden sind beispielsweise Saks Fifth Avenue in New York, Merci in Paris oder Lodenfrey in München. Die Kollektion umfasst rund 40 Teile für Männer und Frauen, darunter auch einige Sweatshirts. Zu sehen auf dem Pitti Uomo in Florenz und im Showroom der Agentur Klauser in München. Agentur Klauser, München/Deutschland, T 0049.89.231199-0, info@kirstenklauser.de, www.esemplare.com

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JETZT HANDELN!

Diskutiert wird schon lange. Doch was kann man in der Mode- und Textilbranche kurz- und mittelfristig besser machen, um mehr Nachhaltigkeit in der textilen Kette konkret durchzusetzen? Diese Frage stellten wir unterschiedlichen Akteuren, die sich mit der komplexen Thematik beschäftigen. Text: Ina Köhler. Illustrationen: Claudia Meitert@Caroline Seidler

DIE BRANCHE VERÄNDERN

Thimo Schwenzfeier, Show Director Neonyt bei der Messe Frankfurt „Nachhaltigkeit muss konsequent mitgedacht werden. Modelabels, die bei Neonyt ausstellen, müssen beispielsweise klare soziale und ökologische Kriterien erfüllen. Ein bisschen Biobaumwolle zu verwenden, reicht also nicht aus. Innovationskraft spielt ebenso eine zentrale Rolle. Klar ist aber: Um langfristig Erfolg zu haben, müssen nachhaltige Modelabels vor allem den modischen Zeitgeist treffen. Unsere Vision ist es, die Branche zu verändern. Durch Zusammenarbeit und Innovation, Nachhaltigkeit und Technologie. Dafür haben wir die Business- und Kommunikationsplattform Neonyt gebildet. So bieten Nachhaltigkeit und Innovation eine noch breitere Bühne und schaffen für den passenden Rahmen, um neue Geschäftspartner zu finden, Ideen auszutauschen und sich gegenseitig neue Impulse zu geben. Im Januar widmen wir uns mit dem Thema Wasser erstmals einem gemeinsamen Schwerpunktthema. Auf der Konferenz Fashionsustain, zentraler Bestandteil des Hubs, dreht sich diesmal alles rund um die hochaktuellen Themenkomplexe von Mikroplastik bis ‚Water Stewardship‘. Was auf der Konferenzbühne diskutiert wird, wird im Ausstellungsareal Showcase of Change erlebbar gemacht. Vorab läuft zudem ein zweitägiger Thinkathon.“

NACHHALTIGES HANDELN IST EIN MUSS

Georg Dieners, Generalsekretär OEKO-TEX® Service Group „Das Thema Nachhaltigkeit wird mittlerweile breit diskutiert und angesichts des globalen Ressourcenverbrauchs ist nachhaltiges Handeln ein Muss. Prozesse und Lieferketten müssen ökologisch und sozial verantwortlich optimiert werden. Hierbei kann das STeP Label von OEKO-TEX® helfen. Mit diesem Zertifikat stellen wir sicher, dass bei den Arbeitslöhnen in den Produktionsländern die dortigen gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. In den von uns zertifizierten Unternehmen gibt es Versammlungsfreiheit, die Gewerkschaften sind zugelassen und es gibt keine Kinderarbeit. Mit dem OEKO-TEX® Standard Made in Green kombinieren wir die Beurteilung der Produktionsstätten und der Produktprüfung. Und noch eine Einschätzung zum Textilbündnis: Der Grund für die Initiative durch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller 2014 waren die schlechten Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern. Ich sehe es als Teilerfolg, dass alle großen Protagonisten der Branche an einen Tisch geholt wurden und das Thema Nachhaltigkeit eine breitere Öffentlichkeit fand. Nun müssen allerdings auch Taten folgen. OEKO-TEX® bietet Brands und Retailern Lösungen. Jetzt ist es an den Unternehmen, aktiv zu werden.“ 094

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DIGITALE TECHNOLOGIEN UND CIRCULAR ECONOMY

Prof. Dr. Uwe Demele, Studiendekan Master-Studiengang „Sustainability in Fashion and Creative Industries (M.A.)“, AMD Akademie Mode & Design Berlin „Zukunftsorientierte Designer beziehen die gesamte Wertschöpfungskette mit ein. So gelangt man unmittelbar zu einer Circular Economy, die Potenziale für Kostenersparnisse und Ertragssteigerungen aufdecken sollte. Zahlreiche Start-ups verfolgen schon dieses Prinzip. Dabei werden nur nachwachsende Rohstoffe zur Textilherstellung verwendet. Der Produktionsprozess ist ökoeffizient mit geringstmöglichem Energieverbrauch. Die Transportwege sind verkürzt und verursachen weniger Emissionen. Die Kleidungstücke selbst sind von hochwertiger und langlebiger Qualität, wobei auch auf faire Arbeits- und Sozialstandards geachtet wird. Ein solches Nachhaltigkeitsmanagement fordern Konsumenten vermehrt ein. Die Wissenschaft leistet ihren Beitrag, indem sie im Sinne der Circular Economy forscht. Eine wichtige Rolle spielt die Digitalisierung: Durch 3-D-Scanning können passgenaue Kleidungsstücke individuell gefertigt werden, was weniger Verschnitt bedeutet und somit Material spart. Digitale Technologien beflügeln die Materialforschung. In Rapid-Prototyping-Verfahren kann veganes Leder aus Pilzen oder Pflanzenresten hergestellt werden. Solche regenerierbaren, natürlichen Rohstoffe sind Ausgangsbasis für die Erstellung von Ökobilanzen, bei denen moderne Software zum Einsatz kommt. Damit können Designer den nachhaltigsten Eco-Footprint eines Produkts im Vorfeld ermitteln. Nachhaltiges Design beinhaltet Überlegungen zur Nutzungsdauer, Wiederverwertung und Entsorgung. Smarte Produktionsverfahren verringern zusätzlich Herstellungskosten. Zum Beispiel können Knöpfe per 3-D-Druck mit Biopolymeren produziert werden. Ebenso ermöglichen digitale Plattformen eine Umsetzung des Sharing- und Upcycling-Gedankens – ein Bereich, in welchem die AMD Berlin aktiv forscht.“

GEMEINSAM MEHR ERREICHEN

Dr. Jürgen Janssen, Leiter Bündnissekretariat, Bündnis für nachhaltige Textilien „Jedes Unternehmen kann in seinem Einflussbereich Nachhaltigkeit fordern und fördern und sollte dies auch tun. Das Textilbündnis aber gründet auf der Idee, dass die großen Herausforderungen einer global agierenden Mode- und Textilindustrie kein Unternehmen alleine schaffen kann. Umfassende Veränderungen zum Vorteil aller erreichen wir nur durch geballten Einfluss und ein gemeinsames Vorgehen. Aktuell vereint das Bündnis bereits 50 Prozent des deutschen Bekleidungseinzelhandelsumsatzes. Die sozialen und ökologischen Bündnisziele können daher auch kurzfristig dadurch unterstützt werden, dass diejenigen Unternehmen dem Bündnis beitreten, die sich noch nicht angeschlossen haben. Denn gemeinsam erreichen wir mehr als alleine. Die Mitglieder des Bündnisses setzen das Prinzip der unternehmerischen Sorgfaltspflichten um. Mittelfristig wird ein derartiges Vorgehen immer mehr zur Normalität werden. Unsere Empfehlungen sind: Sich zusammenschließen und Mitglied im Bündnis werden, die Risiken der eigenen Lieferkette kennen, entsprechende Maßnahmenpläne umsetzen und eventuell auch die Geschäftsmodelle anpassen. Das heißt auch, voneinander lernen, gemeinsam handeln und grundsätzlich nicht warten, sondern starten.“ 096

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„ES IST MÖGLICH, EIN MATERIAL MIT DRASTISCH GERINGERER UMWELT­BELASTUNG HERZUSTELLEN“ Als Dozentin am Fashion Institute of Technology in New York hat Theanne Schiros Algen-Sneaker und Wolle aus menschlicher DNS gemacht. Erstaunlicherweise steckte dahinter kein Expertenteam und die Stoffe entstanden nicht nur im Labor, sondern auch im Tipi. Interview: Petrina Engelke. Foto: Jon Brown

Frau Schiros, wie verwandelt man Algen in Stoff? Alle Fasern, mit denen wir arbeiten, sind Polymere, lange Ketten von Bausteinen – Zellulose ist am weitesten verbreitet, aber es gibt viele weitere. Man kann Biopolymere aus Kelp extrahieren und zu einem Garn verarbeiten, das sich stricken oder 3D-Drucken lässt. So haben wir ein abfallfreies Tanktop aus Kelp gemacht: Man kann es kompostieren, aber es zerfällt nicht am Körper. Wir nennen das Just-in-Time-Abbaubar­ keit. Gibt es noch andere Materialien? Selbstverständich! Mikroben, Pilze und Bakterien kann man als die Stofffabriken der Zukunft sehen. Für ein Projekt na­ mens Werewool haben wir sogar mit Proteinen gearbeitet, die meine Studenten aus ihren Wangenzellen gewonnen haben. Proteine sind die Fabriken der Zellen, und in diesen Protei­ nen folgt die Funktion der Form. Wir haben gezeigt, dass Proteinsequenzen zu Fasern gemacht werden können und man ihnen auf DNS-Ebene Funktionen einprogrammieren kann. Das hat große Bedeutung für die Zukunft von Fasern, denn es gibt mehr Sequenzen als Sterne in der Milchstraße. Das klingt wie Science Fiction! In der Tat! Und man sollte bedenken: Dahinter steckt kein großes Team aus Wissenschaftlern. Ein paar Studenten der Textiltechnik haben in meinem Seminar Grundlagen der synthetischen Biologie gelernt, wir taten uns mit Sebastian Cocioba von Bionimica Labs zusammen und schafften es in nur acht Wochen vom zellulärem Protein einer Koralle zu Fasern in einer natürlichen Leuchtfarbe. Welche Hürden mussten Sie überwinden? Wir stießen an eine Grenze, als wir ein Kunstleder mithilfe von Bakterien züchteten, mit denen man Kombucha-Tee ma­ chen kann. Die produzieren eine Zellulosematte, die exakt in eine vorgegebene Form wächst. Nutzt man sie für Textilien, 098

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Die Physikochemikerin Theanne Schiros arbeitet an Textilien, die von Landwirtschaft, fossilen Brennstoffen und Tierhaltung unabhängig sind. Sie trägt ein abfallfreies Tanktop auf Kelp-Basis und Sneaker aus bakterieller Zellulose mit Sohlen aus Kokosschalenfasern

wird sie jedoch brüchig, zieht Wasser, zum Beispiel Schweiß, und bläht sich auf. Um dem Stoff nun die nötigen Eigen­ schaften zu verleihen, experimentierten wir mit Indianer­ techniken. Wir haben die mikrobielle Zellulose mit Tier- und Pflanzenenzymen gegerbt und in einem selbstgemachten Tipi über einem Feuer in meinem Garten geräuchert. Und wir staunten nicht schlecht: Das Material wurde wasserab­ weisend, seine Festigkeit und Flexibilität hatten sich beinahe verdreifacht und über einer 1.500 Grad heißen Flamme, die Metall schmelzen würde, fing der Stoff kein Feuer. Wie sind Sie darauf gekommen, synthetische Biologie mit indigenen Kulturtechniken zu verknüpfen? Unsere Forschung imitiert die Art und Weise, wie Material in der Natur entsteht. Der Natur am nächsten kommen die Traditionen der indigenen Kulturen, die eine symbiotische Beziehung zu ihrer Umwelt haben. Was ist nötig, damit Biofabrication in Massenproduktion gehen kann? Modern Meadow arbeitet bereits mit Stella McCartney. Die Frage der Skalierbarkeit wird dabei immer ein Thema sein, aber vor allem muss die Öffentlichkeit sehen, dass es tatsächlich möglich ist, ein Material mit drastisch geringerer Umweltbelastung herzustellen.


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INNOVATE OR DIE

Dass die Mode selbst kaum Neuigkeitswert hat, hat Raum geschaffen. So können sich Stoffe, Performance-Technologien und Smart Fabrics als die wahren Innovationsfaktoren profilieren – und ihren Nutzen für Mensch und Umwelt voll ausspielen.

EIN SWEATER AUS HOLZ?

Ecco-Firmengründer Karl Toosbuy wollte nicht nur Schuhe fertigen, er wollte auch eine Gerberei. Die macht mit innovativen und nachhaltigen Ledern von sich reden. Neuester Coup: DriTan™.

DIE ZUKUNFT IST JETZT

Ecco Leather. Wer kann schon auf eine 10.000 Jahre alte Geschichte blicken und gleichzeitig mit einem Bein in der Zukunft stehen? Ecco Leather. Der Lederzweig des internationalen Schuhgiganten Ecco hat seinen Hauptsitz in den Niederlanden und ein Faible für Innovationen. Auf das erste wasserfeste, transparente Leder 2017 folgte jetzt die DriTan™-Technologie – ein wassersparendes Gerbverfahren. Bisher galt die Gerberei als extrem ressourcenintensiv. DriTan™ bricht mit diesem Paradigma und nutzt die bereits in den Häuten vorhandene Feuchtigkeit. Das Ergebnis, so ist man sich bei Ecco Leather sicher, unterscheide sich nicht von traditionell gegerbtem Leder in Bezug auf Qualität, Eigenschaften, Stabilität oder Lieferzeit. Mit DriTan™ spart Ecco Leather 20 Liter Wasser pro Haut. Das entspricht 25 Millionen Liter Wasser pro Jahr – genug also, um mehr als 9.000 Menschen nach WHO-Angaben ein Jahr lang zu versorgen. Ecco Leather, Dongen/Niederlande, info@eccoleather.com, www.eccoleather.com

Geballtes Know-how: Das Team von Blue Ben besteht aus Produktionsund Fashionprofis.

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Blue Ben. „Der erste Sweater aus Holz, der mehr Wasser gibt als er verbraucht“. Das beschreibt nicht nur die Ideologie des Berliner Start-ups von Gründer und Geschäftsführer Ali Azimi, sondern ist faktisch tief durchdrungen. Der Textilexperte, der jahrelang in der Modeindustrie für vertikale Anbieter tätig war, richtete mit Blue Ben einen Appell an die Industrie. Er entwickelte eine neue Herstellungstechnik, die Modal, also Buchenholz, so fein verarbeitet, dass daraus ein Sweatstoff entsteht, der in der Haptik nahezu Baumwolle erreicht, im Anbau aber 94 Prozent weniger Wasser braucht. Zehn Prozent des Gewinns gehen außerdem in Wasserprojekte in Regionen, die von den Folgen des Fast-Fashion-Konsums besonders betroffen sind – zum Beispiel Bangladesch. Finanziert wurde Blue Ben über Crowdfunding, im Frühjahr 2018 konnte die erste Kollektion in vier Farben verkauft werden. Ab Februar soll nun der eigene Onlineshop folgen, über den die Unisex-Sweater in mehreren Farben verkauft werden. Die gesamte Produktion, vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt, findet in Portugal unter Fair-Trade-Bedingungen statt. Seinen Modalstoff stellt Blue Ben über die eigens gegründete NGO Drip by Drip auch anderen Unternehmen zur Verfügung. Ein Kreis, der sich schließt. Blue Ben, Berlin/Deutschland, ali@blueben.org, www.blueben.org

REVOLUTION DER GARNEINFÄRBUNG

Coloreel. Eine Maschine für digitale Garneinfärbung. Die hat der Schwede Joakim Staberg nach neun Jahren Entwicklungszeit auf den Markt gebracht und damit die Fachwelt verblüfft. Bisherige Garnfärbeanlagen können das Garn nur in einer Volltonfarbe färben und dann verarbeiten. Mit der Coloreel-Technologie kann man es färben, während es sich in Produktion befindet – die Coloreel-Einheit wird einer bestehenden Stickmaschine vorgeschaltet. Während der Stickereiproduktion wird das weiße Garn dann eingefärbt. In jeder nur erdenklichen Farbe oder auch in Farbverläufen, die bisher in der Stickerei ausgeschlossen waren. Ganz schön verrückt, oder? Ganz schön clever obendrein! Das spart Transportund Lageraufwand, Ressourcen, beschleunigt die Produktion und beflügelt die Kreativität. Kein Wunder, dass Joakim Staberg dafür den schwedischen Innovationspreis SKAPA bekommen hat. Coloreel, Jönköping/Schweden, david.borg@coloreel.com, www.coloreel.com

Neun Jahre Entwicklungsarbeit: Coloreel kündigt eine Revolution in der Stickerei an – denn die Technologie macht es möglich, das Garn erst während der Produktion im exakt passenden Farbton zu färben.


L O D E N M A D E

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S T Y L E A U S T R I A

M E S S E N HOT 1 Showroom Gusswerk Salzburg Supreme Women & Men Düsseldorf Halle B1, 3. OG, Stand 3A15 Fashion Premiere Showroom Gusswerk Salzburg Supreme Women & Men München Halle 5, 1. OG, Stand P501 Tracht & Country Salzburg Halle 1, Stand 214

Steiner1888 | Stolz Modeagentur | Gusswerk, Gebäude 2c | Söllheimerstraße 16 | 5020 Salzburg | AUSTRIA Tel: +43 (0)664 1533791 | Mail: off ice@hstolz.at | Web: www.steiner1888.com


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LEMON JELLY

ZERO WASTE Die portugiesische Procalçado Gruppe ist einer der größten Produzenten von Schuhkomponenten in Europa. Ihr Repertoire reicht von Lauf- und Innensohlen über Design und Entwicklung von Schuhen bis hin zu eigenen Marken wie Lemon Jelly. Ab Herbst/Winter 2019 wird es eine Wasteless-Line geben, die Produktionsabfälle recycelt. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Procalçado

José Pinto setzt auf Nachhaltigkeit durch innovative Produktionsprozesse.

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achhaltig seit Beginn: Seit der Gründung 1973 denkt Procalçado langfristig, be­ sonders seit Anfang der 2000er-Jahre, als zahlreiche Kunden ihre Produktionen nach Asien verlagerten. „Damals haben uns viele geraten, nach China zu verlagern. Aber wir haben uns für den so­ zialen und nachhaltigeren Weg entschieden. Wir sind stolz, dass heute Marken wie Birkenstock, Gabor oder Filling Pieces bei uns fertigen lassen“, sagt José Pinto, CEO der Procalçado Gruppe. Aktuell stellt die Firma rund sechs Millionen Paar Sohlen jährlich her und ge­ neriert einen Gesamtumsatz von 25 Millionen Euro. Nachhaltigkeit ist für Pinto ein tägliches Anliegen. Gerade erst wurden Plastikflaschen und Einwegplas­ tikbecher im gesamten Unternehmen durch Glas und Porzellan ersetzt. Bereits 2017 wurden 900 Solarpa­ neele auf den Dächern der Fabrik installiert, um den Strombedarf von rund fünf Gigawatt weitestgehend selbst zu erzeugen. „Durch erneuerbare Energien sind wir unserem Ziel zur CO2-neutralen Produktion einen großen Schritt näher. Schon 2014 haben wir durch Einsatz eines neuen Reinigungsverfahrens unse­ ren Wasserverbrauch um 60 Prozent gesenkt.“

Die unverwechselbaren Chelsea Boots von Lemon Jelly werden künftig aus recyceltem Material hergestellt.

UP- AND RECYCLE

„Grundsätzlich ist Plastik kein schlechtes Mate­ rial, das Problem entsteht erst, wenn man es nicht recycelt“, sagt José Pinto. In der eigenen Produktions­ stätte ist das daher oberstes Entwicklungsgebot: Bis 2020 soll die Produktion vollständig ohne Abfall­ verursachung von statten gehen. Außerdem soll die CO2-Emission um weitere 90 Prozent gesenkt werden und sämtliche Materialien zur Schuhproduktion aus recyceltem Plastik gewonnen werden. Das bedeutet konstante Forschung: „Die Technik, die wir heute anwenden, um aus fehlerhaften Schuhen neue zu produzieren, hat es vor einem Jahr noch nicht ge­ geben“, erklärt Pinto. Federführend in der Erprobung neuer Technologien ist die eigene Gummistiefel- und Schuhmarke Lemon Jelly, die zahlreiche Innovations­ preise gewonnen hat. Jetzt hat PETA sie als 100 Pro­ zent vegan zertifiziert. „Das bedeutet nicht nur, dass unsere Schuhe ohne Tierleid entstehen, sondern auch, 102

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dass wir etwa sechs- bis zehnmal weniger Treibhaus­ emissionen bei der Produktion verursachen als identi­ sche Schuhe aus Leder. Wir wollen aufzeigen, dass es umweltfreundlichere Alternativen zu den klassischen Produktionsmethoden gibt“, erklärt der Firmenchef. Lemon Jelly macht ein Drittel des Gesamtumsatzes der Firmengruppe aus und wird in über 35 Länder exportiert. Auf der Premium in Berlin wird die neue Wasteless-Line mit derzeit drei Modellen vorgestellt. Und José Pinto freut sich auf eine weitere Premiere in Berlin: „Wir sind mit einem Gemeinschaftsprojekt auf der Neonyt im Kraftwerk vertreten, wo wir eine Sohle vorstellen, für die der Markt vor zehn Jahren noch nicht bereit war. Ich glaube mittlerweile hat jeder verstanden, dass es an der Zeit ist, konsequent zu handeln.“


H E A D S P O RTSWEAR WI NTER 2019/20


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TAKTUNG Ein Karussell ist es längst nicht mehr – eher eines von diesen sich wild drehenden Fahrgeschäften, aus dem man schwindelig und mit wild zerzausten Haaren aussteigt. Und jetzt mal ganz ehrlich: Ist es sinnvoll, das Tempo noch einmal zu erhöhen? Auf dem Jahrmarkt wüssten wir alle, was zu tun ist: Beide Beine fest auf den Boden, den Kopf wieder klar bekommen und bloß nicht wieder einsteigen! Das kann in der Mode auch helfen, wirklich!

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FLUCH ODER SEGEN?

Kurzfristige Programme, Seasonless-Konzepte, Pronto- und Flash-Kollektionen – generiert der Handel damit wirklich mehr Umsatz und hält seinen Kunden über ständig neue Ware bei der Stange? Oder frisst die ganzjährige Order nur hemmungslos Ressourcen, erhöht das Problem von zu viel Ware auf der Fläche und dient in erster Linie den Lieferanten, um Ordervolumen künstlich zu erhöhen? Ein Streitthema. Text: Isabel Faiss. Illustrationen: Claudia Meitert@Caroline Seidler

TOTAL UNINTERESSANT

Michael Munz, Store Manager The Listener „Wir arbeiten mit Lieferanten, die durch eine künstliche Verknappung, Direktion oder Steuerung der Nische die Lieferfenster und auch die Erneuerung auf der Fläche von sich aus einplanen, so dass Flash-Programme für uns total uninteressant sind. Wir planen mit über 100 Lieferanten das ganze Jahr durch und haben in der Regel keinen Bedarf für etwas, das kurzfristig produziert und ausgeliefert werden kann. Ganz im Gegenteil, wir setzen auf Kollektionen und Produkte, die weltweit so stark limitiert sind, dass man sie nur bei uns kaufen kann. Der Markt braucht nicht noch mehr Ware. Ich sehe das nicht als Zusatzservice für den Handel, schon gar nicht für Multibrandstores. Eher für Stores, die in ihrer Kollektionsplanung unschlüssig sind. Es dient ausschließlich dem Lieferanten, der seine Lieferkapazitäten auslasten kann und zusätzlichen Umsatz generiert, indem er die geplanten Budgets seiner Kunden nachträglich erhöht. Dadurch bestimmt der Lieferant über Geschwindigkeit, Ressourcen, Lagerbestände und die Sortimentsgestaltung. Der Händler, der seine Kunden kennt und gut plant, braucht keine kurzfristige Flexibilität. Wir ordern Produkte mit hohen Lagerumschlägen, die sofort ausverkauft sind und auch nicht nachgeliefert werden. Der Markt muss es sich erhalten, Produkte anzubieten, die nicht überall zu jedem Zeitpunkt zur Verfügung stehen.“

LÄNGST GELEBTE PRAXIS

Torsten Stiewe, Head of Buying Fashion The KaDeWe Group „Grundsätzlich ist es für uns sehr wichtig, auf kurzfristige Programme zurückzugreifen. Wir entscheiden situativ, ob ein Flash-Programm ins Sortiment passt und ob die Notwendigkeit überhaupt da ist. In der Regel ist das ein Thema für das mittlere bis günstigere Preissegment. Wir sprechen aber natürlich mit unseren Partnern über ein Entgegenkommen hinsichtlich Rücknahme oder Umtausch. In den kurzfristigen Programmen braucht es Flexibilität von allen Seiten, denn auch wir gehen hier ins Risiko. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren stark mit Pre-Collections, die sehr frühe Liefertermine haben und wo wir die Möglichkeit haben, als großer Kunde diese nochmal früher zu kaufen. Das ist für uns ein starkes Drehmoment. Über unsere Erfahrungswerte mit den einzelnen Marken allokieren wir gewisse Anteile des Gesamtbudgets bereits bei der Jahresplanung. Wenn ich ein Flash-Programm integrieren kann und dadurch etwas kompensiere, das sich bisher nicht so gut bewegt hat, dann kann ich zum einen neue Spannung auf der Fläche produzieren und den Umsatzausfall, den ich in anderen Sortimentsbereichen eventuell habe, ausgleichen. Andererseits kann man solche Programme auch in Pop-up-Konzepte integrieren. Die schnelle Reaktionsmöglichkeit ist nicht nur aufgrund von E-Commerce extrem wichtig, sondern auch, weil wir in gewissen Segmenten analog der vertikalen Rhythmen gemessen werden, die wir nicht abbilden können und wollen.“ 106

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UNATTRAKTIV, NUR SCHNELLES GELD

Nick Chiu, Mitinhaber Apartment Store in Brisbane „Das Thema kann zwei Dynamiken entwickeln. Es hängt von der Marke ab. Man muss sich schon sehr sicher sein, welche man nimmt. Manchmal helfen solche Programme sehr gut, wenn eine Marke beispielsweise viel besser performt, als man dachte, und man so die Möglichkeit bekommt, sie kurzfristig auszubauen. Auf der anderen Seite kommt man in echte Schwierigkeiten, wenn man sein Budget zu sehr überdehnt. Es macht für mich vor allem dann keinen Sinn, wenn die Kurzprogramme die gleichen Preise haben wie die Hauptkollektion. Egal, ob eine Marke zwei oder vier Kollektionen im Jahr anbietet, wir bleiben eigentlich bei den zwei Hauptkollektionen. Für uns geht es immer um die Balance zwischen Produkten, an die wir wirklich glauben und die wir aus der Überzeugung heraus ordern, und nicht um Ware, bei der man merkt, dass Marken damit einfach nur schnell zusätzlichen Umsatz generieren wollen. Das ist schwierig. Wir brauchen nicht ständig die Veränderung, den schnellen Wechsel, immer etwas Neues im Store, um Frequenz zu erzeugen. Wir glauben daran, dass die Marken, die wir führen, ein Level an Qualität und Zeitlosigkeit haben, das sie nicht innerhalb von sechs Monaten aus der Mode kommen lässt.“

ES WIRD NACHGEFRAGT

Benjamin Schinnenburg, Buying Director, Fashion ID GmbH & Co. KG, Peek & Cloppenburg KG und Retail Buying GmbH & Co. KG „Grundsätzlich geben uns Flash-Programme – gerade für unseren Onlineshop peek-cloppenburg.de – eine gute Möglichkeit, sehr kurzfristig auf Trends zu reagieren, und sind daher ein Segen. Die Orderrunde von diesen Kollektionen wird umso wichtiger, da unser trendbewusster Kunde unter anderem durch Social Media viel früher auf Trends aufmerksam wird und diese im stationären Handel und online unmittelbar nachfragt. In dem Zuge bemerken wir auch, dass sich Trendentwicklungen in Bezug auf Farben, Formen und Muster deutlich schneller durchsetzen und kurzfristiger von unseren Lieferanten umgesetzt werden müssen. In der Summe können wir aufgrund unserer guten Einkaufsstruktur kurzfristige Order sehr gut abwickeln – sofern der Anteil der Flash-Programme im Vergleich zur regulären Order überschaubar bleibt. Für die Limitreservierung ist es außerdem hilfreich, wenn von Seiten der Lieferanten Planbarkeit im Hinblick auf Anzahl und Umfang der Flash-Kollektionen innerhalb der Orderrunde gewährleistet wird.“

EINE HERAUSFORDERUNG FÜR BEIDE SEITEN

Kristin Versümer, Geschäftsführerin Impressionen „Ich bin nun seit April Geschäftsführerin bei Impressionen und ich habe nicht vor, das Herzstück, unseren Katalog, abzuschaffen. Die Kundin will Content, sie will unterhalten werden und ein Erlebnis haben – egal, ob digital oder haptisch. Die Zielsetzung ist, neben dem Katalog, der eine ziemlich lange Vorlaufzeit in der Konzeptionsphase und Produktion hat, aktuelle und kurzfristigere Themen dynamisch in relevanten Digitalkanälen zu kreieren und auszuspielen. Unser Weg ist es, lieber über die limitierte Verfügbarkeit eines Produktes Begehrlichkeit zu wecken, als die unendliche Verfügbarkeit zu suggerieren – das macht das Einkaufserlebnis, die Qualität und den Unterhaltungswert unseres Angebots wichtiger als die Aktualität der Ware. Die Sättigung im Markt ist präsenter denn je, mit der Aktualität der Vertikalen können wir nicht mithalten. Dementsprechend haben wir unsere Nische in einem Angebot gefunden, das besondere Qualitätsprodukte mit unserem typischen Impressionen-Charakter zu etwas Einzigartigem macht. Für Online kann es eventuell in Zukunft ein Weg sein, dass man über aktuelle Aktionen und Kooperationen spricht. Limited Editions, Special Editions oder kurzfristige Kooperationen sind eine Herausforderung für beiden Seiten.“


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NOCH MEHR DROPS!

Nikolai Goutzov, Inhaber Superconscious Store „Wir sind ein Independent Store. Damit wir konkurrenzfähig sind, müssen wir schnell reagieren, fresh bleiben, up to date sein. Insofern sind kurzfristige Programme ein Segen, denn dadurch können wir alle zwei, drei Wochen neue Ware anbieten. Das ist das, was unser Kunde bei uns erwartet, wir haben ihn so erzogen, dass er oft vorbeikommt, um neue Sachen zu entdecken. Der enge Kontakt zu Kunden und Marken ist für uns extrem wichtig, um schnell reagieren zu können. Wenn wir mit saisonalen Kollektionen arbeiten, haben wir das Problem, dass sich Trends zwischen dem Order- und dem Liefertermin schon mehrmals geändert haben. Wir arbeiten schon lange mit Marken, die viele kleine Kollektionen pro Jahr haben. Wenn etwas ausverkauft ist und wir nachbestellen müssen, bekommen wir es innerhalb einer Woche. Generell bestellen wir nur kleine Mengen, wir bestellen keine 150 Stück von einem Sweatshirt. Das bringt zwar mehr Arbeit, aber auch mehr Freiheit. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht monatelang in finanzielle Vorleistung durch Deposit-Payments gehen muss, sondern seine Budgets flexibel planen kann.“

KEINE LÖSUNG

Claudia Flessa, Inhaberin Modeagentur Flessa „Ich habe früher mehrmals vielversprechende Pronto-Konzepte live miterlebt und bin kein Fan davon. Qualitätsprobleme, Lagerüberhänge etc. haben die anfängliche Euphorie gebremst und mich von der Idee kuriert. Wir setzen auf Marken, die ein Level und einen Anspruch haben und das kann man nicht in kürzester Zeit produzieren. Wer Schnelligkeit sucht, findet das zuhauf im Markt. Mich nervt das komplett, auch der ganze Onlinehype. Es braucht immer noch Mode, es braucht emotionale Erlebnisse und Kollektionen mit mehreren Lieferprogrammen im Jahr. Was wir momentan auch verstärkt beobachten, ist, dass die Kunden immer öfter übers Lager nachbestellen. Das ist kurzfristige Flexibilität, die ich als essenziell betrachte. Daher ist der Bedarf nach Schnellschüssen bei unseren Kunden nicht unbedingt da. Und diejenigen, die versucht haben, über so ein Programm etwas Schnelleres und Günstigeres aufzunehmen, waren nach einiger Zeit oftmals enttäuscht. Viele haben die Flash-Programme wieder rausgeworfen. Pronto ist sicherlich ein Thema für manche Segmente, aber nicht für unsere Stammkunden, denen Aktualität mit Niveau wichtig ist.“

WENIGER VORORDER, MEHR FLEXIBILITÄT

Peter Eberle, geschäftsführender Gesellschafter Konen „Fluch oder Segen? Das ist relativ einfach: Wenn die Kollektionen gut sind, sind sie ein absoluter Segen. Dass man das aber vorher nie weiß, ist ein regelrechter Fluch. Wir suchen im Einkauf gezielt nach Marken, die in der Lage sind, ganzjährig ein spannendes Programm zu bieten. Das Schwierige ist, dass Marken heute schon stolz sind, wenn sie ihre Produktionszeit von zwölf auf sechs Monate reduzieren, was immer noch viel zu lange ist! Zumindest bei allem, was nicht der dunkelblaue Baukasten ist. Wir werden links und rechts von den Vertikalen überholt, aber eigentlich müsste es uns gelingen, hinsichtlich Aktualität mit diesen Konzepten mitzuhalten. Heute gibt es nicht mehr für drei Saisons einen Trend. Man kann nur noch mithalten, wenn genügend Schnelligkeit vorhanden ist. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Marken in dieser Liga spielen und man eine größere Auswahl an kurzfristigen Programmen hat. Systemanbieter, die gefühlt 200 Liefertermine haben, denken und entwickeln ihre Kollektionen trotzdem Monate im Voraus. Die neuesten modischen Entwicklungen werden nicht abgedeckt – es bringt uns keine Innovation auf die Fläche. Von der Industrie wird immer häufiger angeboten, Ware auch wieder zurückzuschicken. Auch das ist Fluch und Segen. Auf der einen Seite sorgt es dafür, dass man plötzlich künstlich mehr einkaufen kann, weil man sein Budget nicht belastet, auf der anderen Seite führt es dazu, dass zu viel Ware auf dem Markt ist. Das Gegenteil wäre besser. Ein paar sind so mutig und sprechen das an: Man muss im Grunde zurückfahren und in der klassischen Vororder weniger einkaufen, um sich mehr Budgets für kurzfristige Themen frei zu halten und dadurch die Ware auf der Fläche direkter und flexibler steuern zu können.“ 108

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PANORAMA BERLIN 2019 I Halle 1, Stand 1.34


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ON DEMAND

Die ganze Branche auf den Kopf stellen: Die Produktion dem Bedarf anpassen und nicht umgekehrt – das muss das Mantra der kommenden Jahre sein. Dazu gehört auch das Selbstbewusstsein, dass manches so zeitlos ist, dass es in der Kollektion bleiben kann. Fotos: Unternehmen

PIONIER FÜR DATENKOLLEKTIONEN

Zara. Firmengründer Amanico Ortega hat die Idee des Product on demand wenn nicht sogar erfunden, dann zumindest als einer der Ersten im großen Stil professionalisiert. Die Basis der Kollektionen war von Anfang an die Beobachtung des Marktes in Echtzeit und die tägliche Evaluierung des Konsumverhaltens der Zielgruppe. Mantra-artig beantwortet die Kommunikationsabteilung des spanischen Unternehmens die Frage nach ihrem strategischen Ansatz für die Kollektionsentwicklung: „Jeden Morgen treffen sich alle Mitarbeiter unserer weltweit 7.000 Stores zu einem Meeting, an dem unsere Designer im Headquarter zugeschaltet sind, und werten ihre Beobachtungen analog der Verkaufszahlen aus“, lautet das Statement. Das wertvolle Bauchgefühl der Mitarbeiter auf der Fläche wird dann mit den Erkenntnissen der Big Data durch den Onlinestore faktisch unterlegt. Wichtigste Erkenntnis: Niemanden interessiert es, welches Produkt am häufigsten gesucht wird, sondern wie häufig Suchanfragen keine Treffer im Sortiment ergaben. Die Reaktionszeit beträgt drei Wochen. www.zara.com Essentials als NOS-Programm: Filippa K legt 70 Prozent der Kollektion auf Lager.

Datenbasierte Modekollektionen: Zara setzte das als einer der Ersten um.

70 PROZENT CORE STYLES

Filippa K. Frischerer Wind aus Skandinavien. Mit der Rückkehr Filippa Knutssons hat die schwedische Kultmarke Filippa K quasi über Nacht die Segel neu gesetzt. Kristofer Tonström kam als neuer CEO, seines Zeichens ein Spezialist für moderne Marketingmaßnahmen und Social Media – denn die Zielsetzung ist klar: Filippa K steht momentan an Platz zwei und möchte Platz eins der wichtigsten skandinavischen Marken werden. Vor zwei Saisons übernahm die Agentur Ben and von Ben Botas den Vertrieb in Deutschland. „Die Kollektion ist wieder back to the roots gegangen, das hat eine enorme Dynamik ausgelöst, die wir auch in den Umsätzen sehen“, sagt Ben Botas. Die Entscheidung des Unternehmens, den Großteil der Kollektion als NOS-Ware anzubieten, ist für ihn nicht nur strategisch, sondern auch inhaltlich konsequent, weil es die logische Reaktion auf die Bedürfnisse des Handels ist: „Grundsätzlich ist Filippa K vom Stil und von der Markenaussage her eine anspruchsvolle, aber auch unkomplizierte Kollektion, die man jeden Tag tragen kann. Der Markt braucht moderne und perfekte Essentials, die er immer verkaufen und jederzeit nachziehen kann. Über das europäische Lager kommen die Lieferungen innerhalb weniger Tage an. Zweimal im Jahr über Vororder sein Sortiment zusammenzustellen, das ist vorbei. Unser Ziel ist es, für die kommende Saison bereits 70 Prozent der Gesamtbudgets unserer Kunden über Core Styles zu generieren.“ Die nötige Innovation und Spannung soll künftig über die verbleibenden 30 Prozent einfließen. Filippa K setzt mit diesem Service auf die maximale Flexibilität seiner Kunden und die Nähe zum Markt, ein topaktueller Ansatz, den sich das extrem solvente Unternehmen als solches auch leisten kann. Ben and, München/Deutschland, agency@ben-and.com, www.filippa-k.com 110

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IKONEN

Strenesse. Ab Mai jederzeit via B2B-Orderplattform ab Lager verfügbar: 30 Teile aus der Kollektion Iconic, luxuriöse Essentials in Materialien und Farben, die morgen nicht aus der Mode sind. Preise von 199 Euro für Hosen bis 899 Euro für einen Doubleface-Mantel.


PANORAMA-BERLIN.COM

EXPEDITION 15—17 JANUARY 2019

FASHION | LIFESTYLE | ENTERTAINMENT | COMMUNITY


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AMERICAN VINTAGE

PRODUKT UND TIMING Als echte Ready-to-wear-Brand trifft American Vintage nicht nur den Konsumentenbedarf, sondern ermöglicht den Handelskunden auch sehr viel Flexi­ bilität. Doch wird der Vorteil ausreichend genutzt? Text: Nicoletta Schaper. Fotos: American Vintage

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einschlüpfen, wohlfühlen. Jersey in feinen Qualitäten, modisch mit französischer Leichtigkeit, dafür steht American Vintage aus Marseille seit 13 Jahren. „Mit unserer Jersey-Kom­ petenz sind wir unique, darüber hinaus haben wir mit der Kollektion ein absolutes Trading-up hingelegt und das Cosy Feeling von American Vintage auf weitere Produktgruppen übertragen“, sagt Martina Schmidl, Geschäftsführerin D-A-CH. Entsprechend wird die Kollektion heute mit lässigen Mänteln, Sweats, Blu­ sen sowie viel Strick ergänzt und in Printkampagnen und über Social Media lifestylig in Szene gesetzt.

BESTSELLERMANAGEMENT

Das Produkt ist die eine Stärke. Die andere ist das Timing der Marke, die mit Vorproduktion ins eigene Risiko geht und so den Handelskunden ermöglicht, ihr Sortiment umso bedarfsorientierter zu gestalten, ohne zu früh Budget zu binden. „Wir sind der einzige Lieferant im Contemporary Bereich, der zu 100 Prozent Ready to wear arbeitet, das bedeutet, dass der Kunde die Kollektion maximal zwei Monate im Voraus schreibt und während der Saison inner­ halb von 48 Stunden vom Lager nachziehen kann, für ein optimales Bestsellermanagement“, so Martina Schmidl. „Vor allem kleinere Händler nutzen den Vorteil, während Großkunden manchmal die Unternehmensstruktur im Weg steht. Geben wir zum Beispiel zur High Season Oktober/November dicken Strick in neuen Farben in den Handel, was der Konsument zu dem Zeitpunkt absolut wünscht, reduzieren viele der großen Händler bereits im Dezember die Ware und verschenken so die Möglichkeit, die kommenden acht Wochen zum vollen Preis zu verkaufen.“ American Vintage ist indes im deutschsprachigen Raum mit 400 Verkaufspunkten, 14 Monobrandstores und zusätzlichen Soft Shopin-Shops wie bei Breuninger sowie Pop-up-Flächen wie bei Stand-by Lindner in Dortmund gut aufgestellt. Auch die Zahlen können sich sehen lassen, so wächst der D-A-CHMarkt aktuell zweistellig gegenüber dem Vorjahr. „Innerhalb von nur knapp drei Jahren haben wir den Umsatz von Deutschland und Österreich verdoppeln können“, so Schmidl. Das liegt auch am Service und Support: Mittlerweile ist das Team von American Vintage für D-A-CH auf 14 Mitarbeiter gewachsen und ein zusätzliches B2B-Portal ermöglicht seit vergangenem Sommer zusätzlich flexibles Nachordern über die Geschäftszeiten hinaus. „Wir bieten das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt“, so Martina Schmidl. „Je mehr der Kunde dieses Angebot wahrnimmt, desto erfolgreicher können wir gemeinsam sein.“

American Vintage wird via Storytelling perfekt in Szene gesetzt, in Printkampagnen und auf Instagram.

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I N T E R N AT I O N A L FA B R I C T R A D E FA I R M U N I C H FA B R I C STA R T

SPRING SUMMER 2020 W W W. M U N I C H FA B R I C STA R T . C O M


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LES DEUX

NEUGIERDE UND BEGEISTERUNG Les Deux ist sehr dänisch. Und sehr französisch. Und sehr europäisch. Und wahrscheinlich deshalb auch sehr erfolgreich. Kristoffer Haapanen hat die Menswearmarke gemeinsam mit Andreas von der Heide gegründet. Mit style in progress hat er darüber gesprochen, warum es wichtig ist, manchmal Regeln zu brechen und als Marke immer eine klare Botschaft zu haben. Text: Stephan Huber. Fotos: Les Deux

„Der Konsument ist für uns der Schlüssel“, sagt Kristoffer Haapanen von Les Deux.


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Ihr habt mit Les Deux eine erstaunliche Erfolgs­story hingelegt. Was war der Zündfunke, ausgerechnet ein Modeunternehmen zu starten? Kristoffer Haapanen: Alles begann mit einer Idee. Eine Idee, eine Nische in der Modebranche zu schaffen, ba­ sierend auf dem dualistischen Ansatz einer Kombination zweier völlig unterschiedlicher Stile. Die Ambitionen und Träume waren groß und ohne weitere Überlegung wurde Les Deux geboren. Die erste Kollektion war einfach ein weißes T-Shirt, von dem 500 Stück in einer zufälligen Größenverteilung produziert wurden. Am Anfang gab es keinen großen Masterplan. Nur Neugierde und Begeiste­ rung. Ihr hattet beide keinerlei Erfahrung in oder mit der Mode? Nein, weder Andreas noch ich hatten vorher etwas mit Mode zu tun. Wir hatten also viel zu lernen. War das vielleicht sogar ein Vorteil? Davon bin ich überzeugt. Denn so haben wir von Anfang an unseren eigenen Weg eingeschlagen und alle vermeintli­ chen Regeln des Fashionbusiness grundsätzlich hinterfragt. Manche sind sinnvoll, manche nicht. Mit welchen habt ihr gebrochen? Mit dem Regime der Saisonen. Am Beginn gab es keine Vororder, sondern ausschließlich straight to market. Wenn wir etwas aktuell großartig finden, dann soll der Konsu­ ment es auch sofort kaufen können, nicht erst in einem halben Jahr. Der Konsument ist für uns der Schlüssel. Auch wenn wir verstanden haben, dass der Handel aktuell Saisons und Vororder noch braucht, machen wir das doch auf unsere Weise. Wir bieten einen hohen Anteil unserer Kollektion immer sofort, weil wir überzeugt sind, dass das gerade der Fachhandel in der Omnichannel-Realität von heute braucht. Wofür steht Les Deux eigentlich? Der Name klingt nicht nur gut, er steht vielmehr für unse­ re Philosophie. Les Deux ist die Geschichte einer interkul­ turellen Beziehung zwischen einem politischen Flüchtling und einem Preppy Boy aus den Vororten. Zwei Persön­ lichkeiten, die sich gegenseitig inspirieren und die Vielfalt lieben. Die Authentizität dieser Beziehung ist der Kern von Les Deux. Diese Idee führen wir immer weiter. Das Thema unserer aktuellen Kollektion ist Germany 1990. Niemand braucht eine neue Modemarke. Es geht darum, Menschen mit einer Idee zu erreichen. Nur so können wir eine wirk­ liche Community aufbauen und unsere Kunden auch emo­ tional erreichen. Wir werden niemals von dem abweichen, was wir tun, aber warum wir es tun, ist ein größerer Zweck. Wir sind in der Phase des Aufbaus eines Unternehmens, in dem die Menschen an erster Stelle stehen und in dem wir uns trotz der Unterschiede zusammenfinden. Und es gab noch einen Grund, warum wir einen französischen Namen gewählt haben. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind tatsächlich wertvolle Leitmotive. Kann man solche Botschaften mit Mode transportieren? Wir sind keine politische Marke. Aber Mode ist immer ein Spiegel der Gesellschaft und Ausdruck einer Idee. Es beginnt damit, dass wir ein Miteinander als etwas Positives

Kristoffer Haapanen (oben) und Andreas von der Heide (unten) stehen hinter der Marke Les Deux, die mit gängigen Regeln bricht.

und insbesondere in der Wirtschaft als etwas Unverzicht­ bares erkennen. Wie konnten wir wachsen und erfolgreich sein? Durch Partnerschaft mit unseren Kunden. Wie kön­ nen wir mit Les Deux in neuen Märkten starten? Durch Partnerschaft mit Menschen, die diese Märkte kennen und unsere Werte teilen. Welche Märkte stehen aktuell im Fokus? Mitteleuropa, insbesondere aber Deutschland, und Groß­ britannien. Wir haben 2018 in vier neuen Märkten an­ gefangen. 2019 starten wir in Frankreich und der Schweiz. Wir haben großartige Partner gefunden, die uns helfen werden, in diesen Märkten erfolgreich zu wachsen. Wir brauchen Menschen, die zu uns passen und die in ihren Märkten Experten sind. So wie wir Experten für Les Deux sind. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das Thema Germany 1990 in Mode umgesetzt werden kann. Das war ein spannender Prozess. Wir wollen eine sehr positive Botschaft vermitteln. Es geht nicht um den Kalten Krieg oder den Ost-West-Konflikt vor dem Fall der Mauer, sondern um den Aufbruch danach. Die deutsche Wieder­ vereinigung hatte enormen Einfluss auf Europa. Und wir sehen diesen Einfluss, bei allen Reibungen, die so eine gewaltige Veränderung mit sich bringt, als ein Geschenk. Unser Blick ist der eines jungen Mannes, der am 3. Okto­ ber 1990 geboren ist. In ein Europa, das seine Nachkriegs­ geschichte überwunden hat. Du sprichst viel vom „wir“… Weil wir nur im Team erfolgreich sein können. style in progress

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360 CASHMERE

EINE RUNDE SACHE 360 Cashmere hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. Was die Kollektion aber so erfolgreich macht, ist Kundennähe – auch im Lieferrhythmus. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: 360 Cashmere

Claudia Flessa sieht für 360 Cashmere viel Potenzial.

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erade hat Claudia Flessa die Holiday­ kollektion von 360 Cashmere ausgeliefert und ist vom Feedback hellauf begeistert. „Wahnsinn, wie gut 360 Cashmere ankommt; von vielen Händlern habe ich schon wieder etliche Nach­ bestellungen, weil einiges im Laden sofort ausverkauft war.“ RESTLOS AUSVERKAUFT

Im Januar feiert 360 Cashmere sein zehnjähriges Jubiläum. Seit Beginn hat Claudia Flessa die Kollek­ tion mit ihrer gleichnamigen Agentur im D-A-CHMarkt aufgebaut, die von Leslie und Bruce Gifford in Los Angeles kreiert wird. „360 stellt einen Kreis dar und bedeutet, dass modisch alles abgedeckt wird, von klassisch bis sportiv“, beschreibt sie. „Selbst die Basics haben immer einen gewissen Twist, was vielen Frauen von 18 bis 70 Jahren gefällt und eines der Erfolgsge­ heimnisse von 360 Cashmere ist.“ Das andere ist der Rhythmus. Die jährlich drei Kollektionen Herbst/Winter, Holiday und Frühjahr/ Sommer werden an sieben bis acht Lieferterminen ausgeliefert. Die Frühjahr-/Sommer-Kollektion zum Beispiel präsentiert leichten Cashmere in sommer­ lichen Farbnuancen, T-Shirts und Tops in Baumwolle und Leinen, während Holiday im November und Dezember mit frischen Farben und dünneren Cash­ mere-Qualitäten aufwartet – perfekt für den Über­ gang. „Manchen Kunden waren anfangs die Lieferter­ mine zu viel, doch das hat sich komplett gedreht, weil sie den Vorteil für sich erkannt haben, immer Neues im Laden zeigen zu können. Auch dass sie die Ware flexibel nachschießen können, genießen die Händler enorm“, so Flessa, die jeden Freitag in Los Angeles nachbestellt. Die Kundennähe beginnt jedoch bereits im amerikanischen Familienbetrieb. „Leslie und Bruce haben ein Ohr für die jeweiligen Märkte und achten genau auf unseren Input, was gut läuft und was noch gebraucht wird“, sagt Claudia Flessa. Auch der Preis stimmt: Feine Cashmere-Pullis liegen im EK zwischen 80 und 130 Euro, während Mäntel bis zu 296 Euro kosten können, bei einem Mark-up von 2,8. 116

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Eine Marke, die man auf den Radar nehmen sollte: 360 Cashmere zählt zu den Gewinnern im Markt.

DIE KUNDEN IM BLICK

International zählen Saks Fifth Avenue, die italieni­ sche Follie Follie Group wie auch Selfridges zu den Handelskunden. Im deutschsprachigen Markt sind es 150 Verkaufspunkte, darunter Apropos, Jades, Reyer, Fidelio und Pesko sowie neu Breuninger und Myclas­ sico. „Die Marke hat durchaus das Potenzial zu mehr, weshalb wir den Vertrieb selektiv ausbauen wollen“, sagt Claudia Flessa. „Dabei behalten wir die Kunden im Blick, zum Beispiel, indem wir zwei Händler vor Ort informieren, was der andere geordert hat. Außer­ dem setzen wir weiterhin stark auf Customerservice und schauen, dass es überall cool läuft. Wir leben Kundennähe total.“


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LIU JO

„DER LIEFER­ RHYTHMUS UND DIE WARE AM POS MÜSSEN DER JAHRESZEIT ENTSPRECHEN“ Das italienische Premiumlabel Liu Jo ist weiterhin auf Wachstumskurs im Contemporary Segment für feminine Womenswear. Im Interview mit style in progress erklärt CEO und Creative Director Marco Marchi, wie er bei der Erschließung des nordeuropäischen und besonders des deutschsprachigen Marktes auf effiziente Time-to-market-Lösungen setzt. Interview: Kay Alexander Plonka. Fotos: Liu Jo

Eigens für den deutschsprachigen Markt haben Sie ein NOS-Programm entwickelt. Seit neuestem bieten Sie auch Flash-Programme für diese Region an. Was ist das Besondere daran? Mit den Flash-Programmen bieten wir Produkte an, die den aktuellen Trends und dem Bedarf bzw. der Nachfrage entsprechen. Wenn wir feststellen, dass Farben, Materialien oder Silhouetten bei unseren Artikeln in den Haupt- oder Zwischenkollektionen nicht vorhanden sind, aber benötigt werden, dann entwickeln wir diese kurzfristig und bieten sie ab Lager über die interne B2B-Plattform von Liu Jo unseren Fachhandelspartnern zur sofortigen Liefe­ rung an. Wir folgen dabei keinem festen Muster. Ein Flash-Programm kann aus einer Hose in zwei, vier oder sechs Farben oder einer Capsule-Kollektion mit acht, zwölf oder 24 Teilen in nur einer Farbe bestehen. Es gibt auch keine festen Termine für die Flash-Kollektionen. Wenn wir feststellen, dass Bedarf besteht, legen wir ein Programm auf und setzen es zügig um. Welche Änderungen haben Sie bei der Kollektionsentwicklung vorgenommen, um auf die Bedürfnisse des Marktes einzugehen? Wir haben die Anzahl der Teile und Unterlinien innerhalb der Kollektion für unsere Wholesale-Kun­ den stark komprimiert und fokussieren uns jetzt auf die drei Linien White Label, Denim und Sports, ergänzt durch unsere Accessoirelinie mit insgesamt vier Lieferterminen pro Halbjahr. Damit bieten wir unseren Händlern ein klares Bild, das sie am PoS ein­ deutig und leicht verständlich an die Konsumentin­ nen vermitteln können. Es macht heutzutage keinen 118

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Marco Marchi, CEO und Creative Director von Liu Jo, bietet die richtigen Looks zum richtigen Zeitpunkt.

Sinn mehr, Winterjacken schon im Juli auszuliefern. Der Lieferrhythmus und die Ware am PoS müssen der Jahreszeit entsprechen. Niemand kauft mehr im August voller Vorfreude einen warmen Wollmantel, eine dicke Mütze oder gefütterte Stiefel, nur damit die Sachen im Schrank monatelang darauf warten, getra­ gen werden zu können. Das Warenbild am PoS muss ständig frisch, zeitgemäß und bedarfsgerecht sein. Seit drei Jahren gibt es in Italien eine Männerkollektion von Liu Jo. Warum ist diese hierzulande noch nicht erhältlich? Die Männerkollektion, die vom Lizenznehmer Co.Ca.Ma aus Nola in der Nähe von Neapel pro­ duziert wird, findet großen Anklang und wir haben schon einige Anfragen aus dem deutschen Markt. Die unterschiedlichen Passformen zwischen Nord- und Südeuropa sind im Männerbereich ein sehr wichti­ ges Thema, an dem wir sehr sorgfältig arbeiten. Erst wenn das Produkt und die Gestaltung der Größen in allen Belangen zu 100 Prozent stimmen, werden wir voraussichtlich im Jahr 2020 mit dem Verkauf in Nordeuropa starten.


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LUCKY DE LUCA

MEHR VON ALLEM, NUR NICHT MEHR WARE Als Valentino de Luca vor zehn Jahren mit seiner Hemden- und Blusenkollektion Lucky de Luca startete, stellte er viele bis dahin als selbstverständlich gelebte Gesetzmäßigkeiten der Branche radikal in Frage, kreierte intuitiv seine charakteristische, mit guter Laune aufgeladene, eigene Handschrift. Er ist ein Designer, der sich in Prozesse bis ins kleinste Detail hineinfuchst. Seine Spezialität ist: Er nennt die Dinge beim Namen. Text: Isabel Faiss. Foto: Lucky de Luca

Mehr Flexibilität! Ist das dein Appell an sämtliche Protagonisten unserer Branche? Man muss heute einfach schneller und progressiver sein als früher, das ist der Anspruch, den ich in erster Linie an mich selbst stelle. Ich versuche immer, den Blick weiter nach vorne zu richten und mich den Veränderungen des Marktes anzupassen. Meiner Mei­ nung nach ist das alles zu statisch. Die Panikreaktion der Händler und auch einiger Marken in den letzten miserabel gelaufenen Herbstmonaten haben mir wie­ der gezeigt, dass es einfach mehr Flexibilität von allen Seiten braucht. Vor allem von Seiten des Handels, der mal seine eingefahrenen Schienen verlassen muss und sich auch trauen muss, neu zu denken, gerade hinsichtlich der Taktung. Ich habe glücklicherweise eine Produktgruppe, die wetterunabhängig ist. Wir können uns heute nicht mehr auf Saisons verlassen. Warum also davon abhängig im Produkt machen? Es geht doch viel mehr um progressive Kollektionen, um schnelle und flexible Lieferrhythmen, um eine partnerschaftliche Planung der Kollektionstaktung über das Jahr hinweg – wer bietet denn sowas? Lieber bieten wir viele kleine Fenster als die großen saisona­ len Falltüren an, wo der Händler dann auf Massen von Ware sitzen bleibt. Wir brauchen keine zusätzli­ chen Kollektionen, keine Lager! Wie liefert man denn Innovation übers Lager? Das letzte, was der Markt jetzt braucht, ist noch mehr Ware! Der überholt sich doch gerade selbst. Lieber verknappen wir Dinge, als sie unendlich verfügbar zu halten. Einer festen Instanz unserer Branche steht gerade die große Bewährungsprobe an: den Messen. Welche Relevanz haben sie eigentlich noch? Das steht gerade auf der Kippe. Für mich entscheidet es sich in diesem Januar. Die Premium hat ja einen großen Relaunch angekündigt, jetzt muss sie natür­ lich auch liefern. Denn die Labels einfach nur anders 120

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Valentino de Luca macht nicht zufällig Gute-Laune-Mode: Mit Lucky de Luca hat er eine Nische erkannt und besetzt.

zu platzieren, funktioniert nicht. Die momentane Monopolstellung der Messen gerät durch die Kon­ kurrenz der Onlineshowrooms und Düsseldorf als stark frequentierter Ordertermin unter Druck. Auch hier geht es um das Thema Flexibilität. Der Kunde möchte heute einfach selbst entscheiden, wann er wo ordert und welche Wege er dafür auf sich nimmt. Für einen Stammkunden macht es heute mehr Sinn, die Kollektion digital zu sehen und anhand von Stoff­ proben zu entscheiden. Da müssen wir ein entspre­ chendes Angebot schaffen und unsere Kollektionen so anspruchsvoll präsentieren, dass es ihn anspricht. Prinzipiell ist der Pitti Uomo in Florenz gerade die stärkste Messe, aber für mich steht hinter dem ganzen Thema ein großes Fragezeichen.


www.marlino.c om


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JUGEND Auf viele wirken die Jungen zwischen 15 und 25 Jahren wie eine exklusive Community, die andere ausschließt, als hätten sie einen Bannkreis um sich gezogen. Dabei lohnt es sich, herauszufinden, wofür sie brennen, und es lohnt sich, sich in sie hineinzu­ versetzen – um herauszufinden, was man ihnen bieten kann.

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WANTED!

Heiß begehrt, hard to get: Die Zielgruppe der 15- bis 25-Jährigen konsumiert und kommuniziert nach eigenen Regeln. Als Digital Natives sind sie anders als noch die Generation davor aufgewachsen. Wie ticken die Jungen? Und wie gelangt man als Marke, als Händler auf ihren Radar? Eine Annäherung von Nicoletta Schaper. Foto: Peuterey Plurals

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amstags wird das Newseum zum Treffpunkt. Der Nürnberger Conceptstore ist voll mit einem jun­ gen Publikum. Hip-Hop-Vibes sind zu hören, dazu englische Sprachfetzen – ein paar Leute von Adidas im nahe gelegenen Herzogenaurach haben sich wie oft am Samstag zum Kaffee im Newseum verabredet. Eine Gruppe Jugendlicher macht Selfies in neuen Outfits im dafür vorgesehenen Spot, um sie gleich online zu teilen. Storeleiter Nico Crämer ist gelungen, wovon viele träumen: Er hat Newseum zur Destination für die Generation Z gemacht. SPIELWIESE

Die Generation ist eine händeringend gesuchte Zielgruppe, aber für viele schwer zu fassen. Dabei ist sie durchaus für Mode zu haben, wie im vergangenen Jahr eine Studie der Universität Wien zeigte. Über 2.000 Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren wurden befragt, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben. Nach Essen und Aktivitäten mit Freunden liegt Kleidung mit 42,9 Prozent im Spitzenfeld. „Der Stellenwert von Kleidung wächst extrem“, ist auch der Eindruck von Nico Crämer. „Mittlerweile geben sie dafür mehr Geld aus als für ihr Handy.“ Aber für die Jungen relevant zu sein, funktioniert nicht mehr nach bewährten Methoden. „Viele hätten sie gern als Kunden, aber nehmen sie nicht wirklich ernst“, sagt Holger Petermann, Inhaber Think Inc. Communications. „Schon mit 18 Jahren verfügen Jugend­ liche heute über ein internationales Netzwerk und haben sich mit einem weit größeren Marken-Know-how als früher emanzipiert. Wie sie ticken und was ihnen wichtig ist, können viele Ältere überhaupt nicht verstehen.“ Winni Klenk, Inhaber von Abseits in Stuttgart, hat das neugierig gemacht. „Auf mich wirken die Jungen so unangepasst wie schon seit den 1980er-Jahren nicht mehr, ihr Look ist zum Teil schon für den 30-Jährigen nicht mehr nachvollziehbar.“ 2017 hat Klenk mit Frieder 39 einen Store mit Marken wie Off-White, Ader Error, Mar­ celo Burlon an der Spitze und Champion, Misbhv und Y-3 eröffnet. 124

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Von Konventionen befreit, mit Konventionellem nicht zu locken: Die Gen Z hat ihr eigenes Modeverständnis.


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„Ich wollte den Jugendlichen beweisen, dass wir ihnen als stationärer Einzelhandel durchaus etwas zu bieten haben“, sagt Winni Klenk. Das ist gelungen: Anfangs hatten sie ihm und seinen Kollegen nur ihr Handy mit einem Bild des begehrten Teils hingehalten und direkt kehrtgemacht, wenn es nicht da war. „Heute gucken sie alles durch und probieren an, weil wir uns ihren Respekt erarbeitet haben.“ Winni Klenk ist langjähriger Profi im Business, aber die Beratung bei Frieder 39 überlässt er seiner jungen Crew, weil sie in allem näher an der Zielgruppe dran ist. „Man muss sie machen lassen, wie Unterneh­ mer im Unternehmen sehen“, betont Klenk. „Die jungen Kunden mögen es, wenn ihnen im Store jemand auf Augenhöhe begegnet und lassen sich auch auf unsere Beratung ein“, ergänzt Storeleiter Christian Wiedmaier. „Wenn sie merken, dass wir Ahnung haben und eine Sprache sprechen, entsteht schnell eine Verbindung.“ HIP-HOP FOR EVERYONE

Vor allem große Häuser gehen oft zu sehr nach Zahlen, sodass der Spielraum für Neues fehlt. Damian Scharping, Einkäufer bei Breuninger für Men’s Premium Contemporary and Outdoor, hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Spielraum zu erweitern. „Wir sind in den letzten zwei Jahren stark in die Veränderung gegangen und haben uns viele neue Marken für ein jüngeres Publikum geholt, darunter Off-White, A Cold Wall, Heron Preston und Comme des Garçons.“ Am 10. Oktober 2018 wurde die limitierte Capsule von Off-White mit Breuninger im Stuttgarter Flagship mit Streetwear-Influencern wie Jean-Claude Mpassy und Willy Iffland gelauncht. „Innerhalb weniger Stunden war die Capsule in den Breuninger Stores in Stutt­ gart, Düsseldorf und Nürnberg sowie im Onlineshop ausverkauft“, berichtet Scharping. Überhaupt Off-White: Virgil Abloh hat im Fahrwasser von Ka­ nye West nicht nur Hip-Hop in die High Fashion gebracht, sondern einen Hype kreiert, dessen Impact weit über die Bubble hinaus reicht. Nico Crämer: „Das Thema ist nicht mehr Nische, sondern zieht sich heute von Stüssy bis zu Louis Vuitton durch die ganze

„Wir wollen Design kreieren, das die Menschen anspricht und wovon sie ein Teil sein wollen.“ Albin Johansson, CEO Axel Arigato „Die Digital Natives sind die erste Generation, die sich nicht für die persönliche Begegnung schminken oder kleiden, sondern für die Fotos, die sie selbst und andere von ihnen machen.“ Carl Tillessen, Trendanalyst

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„Für Naturschutz und Nach­ haltigkeit ist die Jugend viel empfänglicher, als viele denken. Wir sehen das bei unserem Kunden North Sails, der sich hierfür sehr stark macht.“ Holger Petermann, Inhaber Think Inc. Communications

„Wir wollen Balr als hochwertige Marke nicht streuen, sondern selektiv und nachhaltig aufbauen.“ Timothy Hoferer, Geschäftsführer Modeist Men

Mode, das ist nicht zu unterschätzen.“ Limited Editions und Koope­ rationen, die bisher Unvereinbares miteinander vereinen, heizen den Hype einmal mehr an. So ist auch um Off-White, Supreme und Co. international ein Resell-Markt entstanden, der weniger mit Nach­ haltigkeit zu tun hat – wohl aber mit Begehrlichkeit. „Die Street­ wearkultur ist kraftvoll und schnell geworden, gepusht durch Social Media“, sagt Damian Scharping. Das ändert auch die Ansprüche an die Mode, die in erster Linie instagramable sein muss. „Um fotogen zu sein, braucht Kleidung vor allem kräftige Farben, starke Kontras­ te und spannende Proportionen“, so Trendanalyst Carl Tillessen in einem Vortrag für das Deutsche Mode-Institut. „Wenn man sich klar macht, dass ein Instagram-Foto in der Thumbnail-Ansicht auf einem Smartphone nur ungefähr zwei mal zwei Zentimeter groß ist, versteht man, warum die Silhouetten in der Mode immer signifikanter, die Logos immer größer und das Colour-Blocking immer plakativer werden. Es ist kein Wunder, dass die Kleidung von Off-White, Palm Angels und Supreme zunehmend Ähnlichkeit mit Verkehrszeichen und Flaggen hat, also mit Signalen, die auch aus großer Entfernung und bei schlechter Sicht noch deutlich erkennbar sein sollen.“ Eine Stilistik, die kommerziellere Brands aufgegriffen haben, gekauft von denjenigen, die nicht 400 Euro für ein Supreme Sweatshirt ausgeben wollen. CONTENT AND COMMUNITY

Newseum hat auf Instagram über 9.000 Follower. Mal postet Nico Crämer ein Bild von einem Autoscooter vor dem Geschäft, mal ein witziges Foto, das nichts mit Mode zu tun hat, oder eins von Azubi Felix im Hoodie der Marke Brain Dead. „Wir wollen echt sein und als Store unser eigenes Profil haben“, betont Crämer. „Das bedeutet auch, dass wir uns gut überlegen, welchen Trend wir mit­ machen und welche Marke zu uns passt.“ Wie der Hase läuft, haben die Macher von Na-kd besonders gut verstanden. Mit Vernetzung von über 300.000 Influencern weltweit und mit Markenkooperationen dropt das schwedische Unternehmen täglich modische Styles, begleitet von 1,8 Millionen Followern auf Instagram. „Wir müssen unsere Kunden kennen und überall dort sein, wo sie sind“, sagt Mitbegründer Magnus Hjörne. Seit diesem Jahr wird die Mode von Na-kd online nicht mehr nur von Models präsentiert, sondern auch von Influencern und Kundinnen. Noch mehr Nähe wird mit einer brandneuen App kreiert, mit der jeder die


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Styles anhand seiner Likes mitbestimmen kann. „Unsere Kundinnen können sich so wie Designer fühlen“, so Thorsten Baumann, Whole­ sale Director Na-kd. „Für sie wird der eigene, einzigartige Look immer wichtiger. Das merken wir, dass sie sich die Styles für ein Out­ fit aus den verschiedensten Stilrichtungen zusammenstellen.“ „Die Marke hat von Anfang an verstanden, was die Jungen wollen“, bringt es Holger Petermann auf den Punkt. „Als digital gelaunchte Marke hat Na-kd offenbar die besten Möglichkeiten, sich noch schneller mit der Zielgruppe zu verbinden, und nutzt diese konsequent.“ Ähnlich läuft es bei der online gelaunchten Sportswear Balr der E-Commerce-Profis Juul Manders und Ralph de Geus mit dem holländischen Fußballstar Demy de Zeeuw. Perfekt inszeniert in den sozialen Medien, positioniert sich Balr als mit dem Fußball ver­ linkte Premiumbrand, die über ihre Fangemeinde wächst, ob in den USA, Japan oder auch in den Benelux-Ländern. „Sie sind absolute Marketingprofis und bleiben dabei ihrem Image treu. Man kann das kaum besser machen als sie“, sagt Timothy Hoferer, der das Label im deutschsprachigen Markt mit der Modeagentur Modeist Men vertreibt. „Ob auf Instagram, Facebook, Snapchat oder auf unserer Website, wir zeigen Content, außerdem beantworten und liken wir die Posts unserer Fans“, so Markenmitbegründer Juul Manders. „Für uns sind sie nicht nur Kunden, sondern unsere Community.“ Erik Scholz hat sich neben seinem Modemanagementstudium mit dem Blog Erikschlz.com selbstständig gemacht und gewann im Mai 2018 den About You Award der größten Social Media Stars in der Kategorie Upcoming. Mode ist seine Begeisterung, Highsnobiety und Hypebeast seine wichtigsten Informationsquellen. „Im Blog zeige ich meine Looks und schreibe auch mal Sozialkritisches“, so der 20-Jäh­ rige, dem auf Instagram 82.000 Nutzer folgen. „Ich denke, ihnen gefällt, dass ich wie ein Freund und nicht wie ein unnahbares Vorbild bin, also jemand, mit dem sie sich identifizieren können.“ Nicht

„Die Jugendlichen geben ihr Geld für Markenprodukte viel gezielter als früher aus und sind bereit, für ein Stück richtig tief in die Tasche zu greifen, weil sie Sozialprestige versprechen.“ Philipp Ikrath, Vorstand des Instituts für Jugendkulturforschung

„Du brauchst im Laden wirklich gute Verkäufer, die eigenständig wie Unter­nehmer im eigenen Unternehmen denken.“ Winni Klenk, Inhaber Frieder 39 in Stuttgart

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„Früher brachte uns die GeorgeGina-&-Lucy-Welle viele junge Kundinnen ins Geschäft, aktuell sind das die UGGs oder Canada-­Goose-Jacken. Sie brechen die Schwellenangst für ein junges Mädchen, und weil wir sie gut behandeln, kommt sie gern wieder.“ Sari Heuser, Inhaberin Bratfisch in Gießen

„Wir wollen den Point of Sale hin zum Point of Experience transformieren.“ Damian Scharping, Einkäufer bei Breuninger für Men’s Premium Contemporary and Outdoor

zuletzt wirkt seine Begeisterung für Key-Pieces von Supreme oder die Balenciaga Triple S Sneakers echt und nicht gekauft. Das ist etwas, für das junge Konsumenten mittlerweile sehr sensibilisiert sind. Sind sie auch bewusster, was Nachhaltigkeit betrifft, zumal sie in eine Welt des Überflusses hineingeboren wurden? „Kaum, sonst würden sie nicht zu H&M gehen“, sagt Philipp Ikrath, Vorstand des Instituts für Jugendkulturforschung. „Wenn der Style gut aus­ schaut, zählt die Nachhaltigkeit in der schnelldrehenden Modewelt überhaupt nicht.“ „Die Offenheit für nachhaltige Themen sehe ich absolut“, meint Nico Crämer. „Würde eine bekannte Marke eine entsprechende Capsule machen, wäre das für uns ein umso besseres Verkaufsargument.“ LIVE FÜR EIN MILLIONENPUBLIKUM

Mehr noch als um Besitzen geht es der Generation Z um Erle­ ben. „Auch deshalb boomen Musik-Festivals“, so Holger Petermann. „Wer jung ist, will heute die Wahl haben: Gehe ich mir eine Band anhören oder lieber etwas essen, will ich chillen? Junge Menschen wollen nichts mehr diktiert bekommen, sie wollen nicht mehr dieses Eindimensionale. Das zieht sich durch alle Bereiche durch.“ Selbst die Computergames-Community trifft sich offline. Die Kölner Gamescom war im August 2018 mit 370.000 Besuchern ein Publikumsmagnet für die Jungen, mit pulsierender Atmosphäre. Die League of Legends World Championship erreicht ein Millionen­ publikum, in diesem Jahr soll auch der erste Fortnite World Cup folgen; Meisterschaften, die riesige Stadien füllen und live gestreamt für die Jungen weltweit ein Erlebnis sind. „Im Zeitalter der Digitali­ sierung werden First Hand Experiences immer wichtiger“, sagt Albin Johansson, CEO der schwedischen Clothes- und Sneakersbrand Axel Arigato, die auch den D-A-CH Markt mit der Agentur Ben and er­ obern möchte. „Die Leute suchen nach authentischen Erfahrungen, ich würde sogar behaupten, Originalität ist weniger wichtig geworden – zugunsten von Authentizität.“ Im Herbst letzten Jahres wurde in Berlin der erste Store in Deutschland eröffnet, weitere sind geplant, begleitet von Partys und Sneaker-Customizing-Events. „So kommen die Kunden mit uns als Marke in Berührung“, so Johansson. „Ich bin ein großer Fan davon, die Mode im Geschäft zu sehen und anzupro­ bieren, online fehlt mir das Kauferlebnis“, sagt Erik Scholz. „Allein das Gefühl, am Ende die Tüte mit dem heißbegehrten Teil darin in die Hand zu bekommen, ist für mich einzigartig.“


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„DIE JUGEND HAT IHREN EIGENEN BULLSHITFILTER“

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Wie kauft die Generation Z ein, wie gewinnt man sie als Zielgruppe? Im style in progress Interview geht Trendforscher Tristan Horx vom Zukunftsinstitut dem Konsumverhalten auf den Grund. Text: Nicoletta Schaper. Foto: Klaus Vyhnalek

Herr Horx, können wir heute von einer Jugendkultur sprechen? Zumindest sprechen wir von keiner homogenen Jugend­ kultur, denn dank dem Megatrend Individualisierung ist sie so heterogen wie noch nie. Es macht aber keinen Sinn, in der Kategorie Jugend zu denken; Zielgruppen sind tot. Es geht um Lebensstile. Und da sehen wir, dass sich die jüngere Generation immer weiter ausdifferenziert. Entsteht die große Vielfalt nicht auch aufgrund der Digitalisierung? Die Technologie ist eher das Mittel zum Zweck. Der Treiber für den Individualismus ist ein rein menschliches Bedürfnis. In den 1980er- und 1990er-Jahren herrschten in der Jugend Gruppierungen wie Popper, Punks und Ökos vor. Diese Gruppen sind heute noch einmal ausdifferenzierter. Allerdings fehlt auch dem Punk von heute das ursprüng­ lich anarchistische Mindset. Es geht uns verdammt gut, wogegen sollte die Jugend rebellieren? Jeder ist mit seiner eigenen Minirebellion beschäftigt. Weshalb auch die Mode von dem Trend Hyperindividualisierung geprägt ist. Entsprechend machen die Marken weniger Umsatz mit Masse. Deshalb hat es auch H&M mit einem Image des Massen­ produzenten schwer. Mode ist billig geworden und wir besitzen viel, weswegen der Konsument lieber drei teure T-Shirts kauft statt zehn für je fünf Euro. Weniger ist mehr. Ohnehin weiß jeder, dass die Herstellung von Mode nicht nachhaltig ist. Diesem wachsenden Bewusstsein steht aber der starke Drang zur Individualisierung gegenüber. Wofür geben die Jugendlichen ihr Geld aus? Mehr für Erfahrungen als für Dinge, womit sich der pri­ märe Treiber im Konsum grundlegend wandelt: Statt um Besitz geht es mehr um das Erlebnis, dessen sozialer Wert mit dem Post in den sozialen Medien verdinglicht wird. Wird Mode also unwichtiger?

Im Gegenteil, Mode steht bei den Jungen ganz oben, zumal in den sozialen Medien viel Wert auf das Visuelle gelegt wird. Aber dadurch, dass die junge Generation überdigita­ lisiert aufwächst, entwickelt sie ihren eigenen Bullshitfilter. Sie durchschaut recht schnell, was algorithmisch gesteuerte Werbung ist, oder dass der Influencer, der dauernd Nike Sneakers postet, nur Werbeinstrument der Marke ist. Vergessen Sie Influencer!, sage ich zu den Firmen, die ich berate. Sobald diese einen gewissen Outreach haben, verlie­ ren sie gravierend an Authentizität. Wohingegen der lokale Blogger gewinnt, weil er greifbarer und glaubwürdiger ist. Was schlussfolgern Sie für den Konsum der Mode? Gerade bei der massiven Fülle von Marken und Styles kann der gute, individualisierte Einzelhandel eine Renaissance erleben. Viele Jugendliche sind mit dem Überangebot überfordert. Allerdings muss der Einzelhandel den Wert guter Beratung erst noch richtig als Chance begreifen. Hat die Digitalisierung den Konsumenten an die Macht gebracht? Wir sind an dem Punkt angelangt, wo Unternehmen wie Amazon und Co versuchen, unsere Psyche und Konsum­ verhalten zu hacken. Das werden wir Verbraucher aber nicht ewig mitmachen. Langsam kommt der Backlash, dass die Menschen das Erlebte nur noch mit den engsten Freunden teilen möchten statt mit 5.000 Freunden auf Facebook. Wie lassen sich die Jugendlichen als Zielgruppe gewinnen? Wie können wir den Bullshitfilter umgehen?, werde ich manchmal gefragt, wenn es um Marketing für die junge Zielgruppe geht. Indem man ein Produkt macht, das ein­ fach gut ist! Wer als authentisch wahrgenommen werden will, sollte den Konsumenten ernst nehmen und jeden Aufwand betreiben, ihn auch zu verstehen. Er hat eine Riesenauswahl! Wenn er nur ansatzweise Bullshit riecht, ist er weg.

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OMNITAIL Handel ist überall. Weil Grenzen und Limitierungen verschwinden, gilt es, alte Stärken in neuen Kanälen auszuspielen. Am Grundgesetz des erfolgreichen Handels ändert kein Kanal irgendwas: Dort, wo wir freundlich, kompetent, zuverlässig und fair behandelt werden, kaufen wir. Wo Konsum zum Erlebnis wird, macht Shopping Spaß. Egal wo.

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THE LIST

„WIR SIND MOBILE FIRST“ Wenn Deutschland das nächste Gründeraushänge­ schild sucht, he’s our man: Andreas Skorski, ursprünglich aus Nürnberg, hat in Dubai The List gegründet – einen Marktplatz für Luxus mit Stil. Er schickt sich nun an, den etablierten Namen Konkurrenz zu machen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: The List

Andreas, trifft man dein Geschäftsmodell, wenn man dich Mr. Farfetch des Mittleren Ostens nennt? Ja, unser Businessmodell ist ähnlich, wir sind ein Marketplace. The List verbindet Retailer aus der ganzen Welt mit Konsumenten, im Moment noch hauptsäch­ lich aus Middle East, aber wir liefern in 190 Länder. Das Businessmodell ist skalierbar und wir nehmen uns jetzt den europäischen Markt vor. Wir wollen die Kunden mit unserer Mobile Experience begeistern. Noch niemand vor uns hat eine tatsächlich genuine Mobile Experience ge­ baut und ein wirkliches Mobile-Unternehmen gegründet. Denn Mobile ist, wo der Kunde ist, mehr als 80 Prozent unseres Traffics kommt über Mobile. The List kuratiert die besten Produkte aus den besten Läden dieser Welt, aber viel dynamischer: Wir nutzen Micro-Moments, wir versuchen durch Personalisierung die richtigen Produkte vorzuschlagen. Eingebettet in Content, der ebenso auf die Produkte und Marken maßgeschneidert ist. Durch die Integration von teilweise externem Content wird das Shoppingerlebnis um Unterhaltung aufgeladen? Genau, der Kunde möchte nicht zwischen Kanälen oder Apps wechseln, sondern einen Artikel aus der Vogue lesen und daraus gleich das Produkt kaufen – das Gleiche bei Videos. Wir wollen die richtigen Produkte mit den richtigen Leuten im richtigen Moment verbinden. Prinzip verstanden – wobei das ja auch andere versuchen. Was lässt dich sicher sein, dass The List besser ist? Wir haben durch unser Marktplatzmodell unglaublich viele Produkte; mehr Produkte als ein E-Commerce-Händler, der einkauft und Lager hält. Wir sind agiler und schneller. Wenn in L. A., New York oder Moskau irgendetwas spannendes aufkommt, können wir es drei Wochen später auf unserer Plattform präsentieren. Wie definiert ihr Luxus? Nicht anhand des Preisschilds. Wir sind Kurator, Aggrega­ tor für coole, individuelle Produkte. Natürlich haben wir klassische Luxusmarken, aber kombiniert mit Produkten, die schwer zu finden sind. Wer entscheidet, was aus dem Portfolio eines Händlers auf The List gehandelt wird? Wenn Grundbedingungen wie die Qualität der Ware und dass der Händler autorisiert ist, die Marke online zu verkau­ fen, erfüllt sind, ist der Händler Entscheider. Wir verstehen uns als Berater, wir stellen Daten zur Verfügung, mit denen 134

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In seinem Wohnzimmer ist er gestartet, heute verfügt The List über Büros in Dubai und Lissabon. Das Ziel von Andreas Skorski, dem Gründer von The List: Die Luxusshoppingdestination mit der besten Mobile Experience zu sein.

die stationären Händler punktgenauer für den Bedarf unserer Kunden einkaufen können. Beschreib uns bitte, wie die Integration eines Händlers vonstatten geht. Sind wir uns einig, analysieren wir zunächst deren Be­ stand, um Sortimentstiefe und -breite zu verstehen. Für unser Business ist es wichtig, dass auch eine gewisse Stock-Tiefe vorhanden ist. Weil wir relativ schnell verkaufen und ver­ meiden wollen, dass Artikel ausverkauft sind. Dann haben wir Teams, die sich um die Datenaufbereitung kümmern. Die meisten Händler und Marken haben die Artikeldaten nicht in der Form, wie wir sie brauchen, um das Produkt zu be­ schreiben und darzustellen, wie es im Onlinehandel nötig ist. Das übernehmen also wir. Technisch folgt eine Integration der Warenwirtschaft über eine Schnittstelle. Sobald die Pro­ dukte online sind, beginnen der Verkauf und alle verkaufs­ fördernden Maßnahmen, von uns gesteuert. Ist ein Produkt verkauft, packt es der Händler, wir kümmern uns um alles andere – richtiges Pricing für jeden Markt, Zoll, Versand­ dienstleister bis hin zum Customer Service und Retouren. Wofür ihr euren Obolus nehmt, wahrscheinlich im Bereich dessen, was man von Farfetch kennt. Was ist euer Winning Point gegenüber dem Platzhirschen? Unsere Vergütung ist ein bisschen besser, wir haben keine ganz so hohe Take-Rate und Service Fees. Unsere Zielgruppe ist jünger, unser durchschnittlicher Warenkorb ist höher und die Return-Rate ist niedriger. Weil wir eben nicht so groß sind, bieten wir individuelle Lösungen für unsere Händler an. Darüber hinaus ist Mode nur ein Teil: Wir arbeiten auch mit Uhren-, Kunst- und Interieurhändlern zusammen. Was hat eure Investoren überzeugt? Und was ist das Ziel? Die genannten Punkte und unser Team, es sind tolle Leute von großen Mitbewerbern zu uns gekommen, die hungrig sind, genau die Mobile-Expertise unter Beweis zu stellen. Wir schauen nicht auf eine seit zehn Jahren bestehende Web­ site und fragen uns, wie wir die mobile optimieren können, sondern sind mobile-first. Wir sind die erste genuine Mobi­ le-Marke in diesem Segment und wir wollen uns dauerhaft am Homescreen unserer Kunden platzieren. Unser Ziel ist es, uns als die Luxusmodeplattform im Mobile-Bereich zu etablieren.


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„VERBRINGEN SIE MINDESTENS ZWEI STUNDEN PRO WOCHE MIT EINEM ZUFÄLLIG AUSGEWÄHLTEN KUNDEN!“ Mit seiner Art der Recherche für seine Brand-Consulting-Firma überrascht Martin Lindstrom: Er besucht Kunden in ihrem Zuhause, verbringt dort viel Zeit mit ihnen – und öffnet sogar ihre Badezimmerschränke, schaut unter Betten und blättert durch Fotos. In seinem Buch „Small Data“ beschreibt Lindstrom, wie unzählige, winzige Infohäppchen zu einer Idee für ein besseres Geschäft werden. Wir wollten wissen, wie dieser Ansatz auf die Modebranche angewendet werden kann – und landeten bei einem Gespräch über Religion, Privatsphäre und Spiegel, die das Zauberwerkzeug von Schneewittchens Stiefmutter in den Schatten stellen. Interview: Petrina Engelke. Fotos: John Abbott

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err Lindstrom, bei Ihnen heißt Recherche, kleinste Beobachtungen zu analysieren, um versteckte Hinweise für Verbesserungen zu finden. Wie lässt sich diese Technik von jedermann nutzen? Ich denke, am wichtigsten ist es, sich als Geschäftsinha­ ber zuallererst zu fragen: Wann haben Sie zuletzt Zeit mit einem Kunden verbracht, einem unbekannten, nach dem Zufallsprinzip ausgesuchten Menschen? Die meisten würden antworten: noch nie. Aber unter keinen Umstän­ den kann ein Bericht einen vernünftigen Eindruck der Kundenmentalität liefern. Ich gehe mal davon aus, dass Sie Ihren Partner auch nicht ausgesucht haben, indem Sie eine Excel-Tabelle ausgefüllt, eine Nutzwertanalyse gemacht und dann entschieden haben, ob Sie ihn heiraten wollen oder nicht. Das ist aber in etwa, was wir im Ge­ schäftsleben versuchen. Wie lässt sich diese Erkenntnis auf kleinere Geschäfte als die großen Marken übertragen, mit denen Sie arbeiten? Inhaber kleiner Läden und Jungunternehmer sind am Anfang gut, weil sie meist selbst ein Bedürfnis hatten,

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für das sie eine Lösung erfanden. Aber wenn die Firma wächst, kann dieser Bedarf sich wandeln oder verschwin­ den oder die Verantwortlichen sind so mit der Bürokratie beschäftigt, dass sie den Kontakt zu neuen Entwicklungen verlieren. Deshalb rate ich als Daumenregel: Verbringen Sie mindestens zwei Stunden pro Woche mit einem zufällig ausgewählten Kunden, auch das gesamte Managementteam sollte das tun. Diese „Small Data“ stoßen ziemlich oft auf etwas ganz anderes, das dennoch äußerst wichtig ist, aber noch niemand sonst herausgefunden hat. In der konven­ tionellen Recherche dagegen folgen alle den Big Data, und alle bekommen dieselbe Antwort. In der Mode wirft zum Beispiel der Begriff Authentizität Fragen auf. Lassen Sie mich zunächst einmal Authentizität definieren: Es muss echt sein, es muss ein Ritual sein, relevant und Teil einer Story. Ich finde, Mode neigt dazu, sich sehr schnell eine Dimension zu greifen und den Rest zu vergessen. Aber das Bedürfnis nach Authentizität ist nicht unbedingt erfüllt, wenn etwas handgemacht aussieht oder ein Stück Geschichte mitbringt oder ein Unikat ist. Authentizität ist ein Paket, genauso wie wenn man in eine Kirche geht: Die Raumwirkung, die Akustik, die Reden, das Kerzenlicht, all diese Dinge machen Kirche aus. Welches Bedürfnis steht denn hinter Authentizität? Heute suchen die Menschen etwas, das ihnen ein Zuge­ hörigkeitsgefühl unter Gleichgesinnten vermittelt, weil die Welt zu groß ist. Unser Problem ist Transparenz. Je mehr Transparenz es gibt, desto mehr kann ich sehen, was andere haben und ich nicht, umso unglücklicher werde ich, umso mehr fühle ich mich verdrängt. Deshalb ist auch „aus der Region“ so groß geworden. Es gibt uns ein Sicherheits­ gefühl, zurück vor die eigene Haustür zu gehen und unsere eigene Sprache zu entwickeln, die nur wenige verstehen. Es ist menschlich, auf steigenden Druck und Unsicherheit zu reagieren, indem es uns immer stärker zurück zu unseren Wurzeln zieht. Deshalb wenden immer mehr Konsu­ menten jetzt Rituale an, denn die liefern einen Rahmen aus Vertrauen und Sicherheit. All das verbindet sich mit Authentizität und es lässt sich keine einzelne Dimension herauslösen. Man muss das gesamte Paket verstehen, und das ist im Grunde eine Religion. Dann müssen wir wohl eine Modereligion gründen. Moment mal: Mode ist gewissermaßen ja schon eine Religion! In der Tat! Nehmen Sie United Colors of Benetton damals: Die hatten sehr klare Ansichten über die Welt, so wie Diesel eine Zeitlang. Aber manche Marken verraten ihre Werte, sobald sie lieber den Geldquellen folgen, als dem treu zu bleiben, wofür sie stehen. Und so was können Kunden heute riechen. Früher konnten sie das nicht, weil damals das Logo und Design die Modewahl bestimmten. Heute kommen viele Faktoren hinzu, die mindestens ebenso wichtig sind. In der Modebranche gibt es auch Versuche, Wartezeiten zu reduzieren, etwa mit Selbstbedienungskassen,


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Der BrandingExperte Martin Lindstrom hat sieben Bücher geschrieben, u. a.: „Small Data“ (2016) und „Buyology“ (2008). Sein Team hat Tausende Konsumenten zu Hause besucht, um zum Kern ihrer Bedürfnisse und Wünsche vorzudringen. Dabei arbeitete Lindstrom für Marken wie Maersk, Burger King und die Mall of the Emirates in Dubai im Auftrag von Majid al Futtaim.

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Personal mit Tablets oder einstündigen Lieferzeiten. Meinen Sie, das bringt die Kunden dazu, bald wiederzukommen? Nein, definitiv nicht. Der Glaube, dass Kunden sich rational verhalten wollen, dass sie alles so schnell wie möglich abwickeln wollen, mag beim Sockenkauf gerecht­ fertigt sein, aber in vielen anderen Modekategorien ist er falsch. Eines muss der Handel verstehen: Man muss seinem Channel treu bleiben. Für schnelle Transaktionen geht man online. Für den stationären Handel sollte man die vorhan­ denen Stärken nutzen: Dort kann man sich umschauen, etwas entdecken und man bekommt Vorfreude. Wie würden Sie diese Stärken nutzen? Als Händler kann man ein Gemeinschaftsgefühl herstel­ len. Wir verbringen viel Zeit mit Leuten, denen wir den gehobenen Daumen zeigen, ich mag dich, du bist mein Freund, aber wir wissen ganz genau, dass das keine echte Gemeinschaft ist. Den Modehandel der Zukunft wird prägen, dass er viele Gemeinschaften aufbaut, in denen sich Gleichgesinnte zusammenfinden. Sie werden unter ande­ rem ihre Kleider feiern, aber das dient nur der Stärkung der Gemeinschaft. Zweitens werden Läden sinnlicher, und zwar für alle fünf Sinne. Das habe ich erst neulich in Dubai gesehen, mit einer Kombination aus Bar und Restaurant, die zufällig auch ein Modeladen war. Dort möchten die Leute gern Zeit haben, herumlaufen und gucken, einen tollen Service genießen und sich wichtig fühlen. Dort wird es zwei Arten von Transaktionen geben: Einmal Kleidung, an die jeder online herankommt, und zudem eine limitierte Kollektion, die es nur im Laden gibt, zu einem höheren Preis, aber verbunden mit Zugang zu bestimmten Teilen auf der Handelsfläche, wo sonst niemand hin kann, sodass man sich für etwas Besonderes halten kann. Was ist denn mit Technologie, die Kundeninformationen sammelt, besonders wenn man Online- und Offlinekanäle verbindet? Meiner Meinung nach wird Privatsphäre in Zukunft der Faktor Nummer eins. Letztendlich werden diejenigen Marken gewinnen, die von Anfang an eine sehr klare Haltung dazu haben und sich entsprechend aufstellen. Auf dem Weg dahin wird es eine Phase mit vielen Abkürzungen geben, die es erlauben, auf Datenbasis Kunden schneller und genauer zu bedienen und eine Zeit lang viel daran zu verdienen. Aber an irgendeinem Punkt werden sich die Kunden die Finger verbrennen, weil die Daten offengelegt oder verkauft oder sonst wie missbraucht werden. Diesen Weg können Firmen nicht einfach so gehen, sie müssen intern sehr strenge ethische Richtlinien aufbauen, die die Zukunft der Marke definieren. Tun sie das nicht und lassen ihre IT-Abteilung einfach mal machen, werden sie die ganze Marke ruinieren. Was denken Sie über Läden, die Gesichtserkennung nutzen, um Personal zu reduzieren, wie Amazon Go in den USA oder Jack & Jones und Vero Moda in China? Diese Technologien werden übernommen werden, aber nur in ganz bestimmten Teilen von Ländern und Gruppen. Wir werden eine neue Generation erleben, die zunehmend unsicher und instabil ist. So ist etwa die Selbstmordrate unter jungen Menschen in Großbritannien in den letzten Jahren um 25 Prozent gestiegen. Die Mode- und Kosme­ tikbranche wird versuchen, diese Unsicherheit zu kom­ pensieren, indem sie das Gefühl vermittelt, nicht allein zu sein, und die Antwort liefert, mit der man sich sicherer fühlt. Und das wird dann wohl mit dem verbunden, was wir in China sehen: Ein digitaler Spiegel sagt dir, dass du deinen Look ändern musst, um mehr akzeptiert zu werden, 138

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dann bekommst du mehr Daumen hoch beim nächsten Snapchat-Foto, das du machst. Diese Art Technologie wird sich in bestimmten Regionen der Welt durchsetzen, etwa in China, wo Privatsphäre anders definiert wird, als Sie und ich es täten. In den USA mag es auch eine gewisse Be­ deutung bekommen, aber in Europa wird so etwas schwer zu kämpfen haben. Wenn das nun so recht kein Vorbild für Europa ist, was ist denn zentral für CRM in europäischen Läden? Nun, das ist ganz einfach: Man muss Kultur aufbauen. Heute ist es dem Personal schnurz, ob es bei H&M oder bei Zara arbeitet. Es braucht Kulturen, die so stark sind, dass man beim Besuch eines Ladens denkt, man sei in einer Sekte gelandet, wo das Personal Feuer und Flamme für die Marke ist und für ihre Werte und Ethikrichtlinien. Wenn ich wiederkehre und sie sagen: „Hey Martin, schön dass du wieder da bist, ich hab dir das hier zurückgelegt, weil ich dachte, das passt super zu dir“, dann werde ich ständig wie­ derkehren. Im Onlineteil davon werde ich mich dagegen in Gemeinschaften einklinken, da hilft mir die Marke, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Und diese beiden Dimensionen müssen sich verbinden. Deshalb glaube ich, dass viele Händler zu einer Art Gemeindezentrum werden. Statt dass wir in die Kirche oder so gehen, könnte der Mo­ deladen ein richtiges Gemeindezentrum werden, wo man etwas trinken geht, und wo man auch die Uniform kauft, die zur Gemeinde oder zum Stamm gehört. Viele sogenannte Minderheiten in den USA sagen „representation matters“, und eine erste Wirkung sieht man in Hollywood. Ist das auch etwas, das die Modebranche in Zukunft bedenken sollte? Definitiv. Mode muss sehr klare Ansichten über richtig und falsch vertreten. Modemarken, die versuchen, alles für jeden zu sein, können nicht überleben. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, aber die Leute wollen Dinge kaufen, die eine starke Meinung über das Leben haben und darü­ ber, wer sie sind. Denn Menschen brauchen dringend eine Identität.

„Modemarken, die versuchen, alles für jeden zu sein, können nicht überleben.“


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DAS BUSINESSNETZWERK

Dass ausgerechnet eine italienische Firmengruppe seit Mitte der 1990er-Jahre Digitalisierungsvorreiter ist, mag erstaunen: Doch für Marco Boglione, den Gründer und Vorstandschef der Basic-Net-Gruppe aus Turin, war es immer logisch, der Technologie den größtmöglichen Nutzen abzuringen. Jetzt überlegt das Familienunternehmen, zu dem Marken wie Kappa, K-Way, Superga und Sebago gehören, den bisher nur Lizenznehmern vorbehaltenen Marktplatz, auf dem Produzenten und Distributeure global interagieren, anderen Marken zu öffnen. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Basic Studios

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in ideales Ökosystem für Kultmarken hat er geschaffen – Marco Boglione, der 1994 den Mut hatte, die insolvente Firma zu übernehmen, für die er gearbeitet hatte. Mit Fuß­ ball-Merchandising-Produkten bringt er Basic Net wieder in Fahrt. Was folgt, ist einzigartig. Die Marke Kappa wird international ausgebaut – von Anfang an digital. Boglione schafft ein modulares Netzwerk aus über 300 Firmen, die alle über eine Datenver­ mittlungsplattform untereinander verbunden sind. Ein System, das er wieder anwendet, als Basic Net 2004 die französische Marke K-Way kauft. Drei Jahre später kommt Superga dazu. 2017 wird die Lizenz für Sebago vom amerikanischen Konzern Wolverine übernommen. GEMEINSCHAFT

Die Stärke von Basic Net basiert auf dem Ge­ meinschaftsgedanken und der Idee der effektiven Industrialisierung von Prozessen. „Wir haben viele kleine Firmen miteinander verbunden und den Synergieeffekt multipliziert. Alle wichtigen Infor­ mationen, Markenrechte und Designs kommen aus Turin, die geprüften Produktionsstätten setzen dann in direkter Absprache mit den weltweiten Distribu­ teuren deren Bedürfnisse um. Wir garantieren einen reibungslosen Ablauf, was Produktion und Finanzie­ rung angeht, und erhalten dafür eine Servicegebühr in Höhe von 30 Prozent“, erklärt Marco Boglione. Zwischen 2007 und 2017 steigt der Jahresumsatz der Basic-Net-Gruppe, die mit über 120 Distributions­ 140

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Basic-Net-Gründer und Vorstand Marco Boglione hat mit seiner B2B-Plattform ein höchst effizientes System für die Produktion und den Vertrieb auf Lizenzbasis geschaffen.

partnern auf allen fünf Kontinenten arbeitet, von 275 auf 541 Millionen Euro. In Deutschland und Österreich werden Superga, K-Way und Sebago von Bernhard Aschauers CMH – Consulting, Manage­ ment und Handel GmbH vertrieben. Für Kappa sind Cornelia und Peter Schmidt von der Kappa Deutsch­ land GmbH zuständig. SKALIERUNG

„Unser Echtzeit basiertes Web-Business-System macht die Skalierung besonders unkompliziert und erlaubt ein vollständiges Onlinemanagement sämtlicher Phasen des Produktionsprozesses. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, entwickeln wir das System ständig weiter und implementieren die beste IT-Tech­ nologie“, sagt Boglione und fügt hinzu: „Jetzt über­ legen wir, das System für externe Marken zu öffnen. Es ist eine hoch effektive Software, die ausgereift und seit Jahren voll funktionsfähig ist. Sie ermöglicht jeder Marke die Digitalisierung sämtlicher Prozesse ohne große Investion.“


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Eine Ikone des Sports, die sich dank Basic Nets Wiederbelebung anschickt, zum nächsten heißen Ding zu werden: Kappa kommt die aktuelle Logomanie gerade recht.

Italienische Designikonen: Superga 2750 und Fiat 500.

Erfolgreich wiederbelebt: K-Way.

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BASIC NET

DIE LIZENZ ZUR WIEDERAUF­ERSTEHUNG Lorenzo Boglione, Vice President Sales der Basic Net Group, verrät, was es braucht, eine Marke erfolgreich wiederzubeleben. Basic Net hat Marken gekauft, die massiv Bedeutung verloren hatten und ihnen neues Leben eingehaucht. Was ist das Geheimnis? Es gibt kein Geheimnis. In unserer Firma gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Der eine folgt konsequent Algorithmen und den Regeln des Marktes. Dabei geht es um Gradlinigkeit und Pünktlichkeit wie bei einem Hochgeschwindigkeitszug. Der zweite Ansatz ist das genaue Gegenteil, dabei zählen Soft Skills und Sensibilität. Das Gefühl für die Marke und die richtigen Produkte zum richtigen Zeitpunkt. Mein Vater hat ein außerordentliches Gespür dafür. Bevor eine Kollektion und deren Produkte nicht hundert­ prozentig zu unserer Zufriedenheit ausfallen, gehen wir damit nicht auf den Markt. Was sind die Kriterien für Marken, die Sie kaufen? Es bedarf viel Leidenschaft, Investitionsbereitschaft und den festen Glauben, eine Marke wieder neu auf­ bauen zu können. Letztlich kaufen wir nur Namens­ rechte. Wenn wir uns für einen Marke entscheiden, richten wir uns dabei nicht nach Businessplänen, Ebit-Daten oder Umsatzspekulationen. Wir studie­ ren ganz genau die Geschichte und Historie und das Potenzial der Produkte. Mit Ausnahme von Sebago waren alle Marken, die wir gekauft haben, pleite. Bei Sebago hat uns das Gespräch mit dem einstigen Eigentümer überzeugt. Als die Marke in unseren Händen war, haben wir die ursprünglichen Produk­ tionsstätten reaktiviert. Lizenzmodelle ruinieren oder verwässern oft das Image einer Marke. Wie unterscheidet sich ihre Strategie? Bei Marken verhält es sich wie mit einem schönen Oldtimer, man hegt und pflegt ihn und erfreut sich daran. Man behandelt eine echte Marke nicht wie einen Mietwagen, den man zurückgibt, wenn man ihn benutzt hat.

Lorenzo Boglione, Basic Net Vice President Sales.

Auf dem Dach der historischen Fabriken hat man Loft-Büros, Showrooms und einen Dachgarten eingerichtet.

DIE BASIS DES ERFOLGS Die Geschichte der Firmen, aus denen Basic Net hervorgegangen ist, geht bis auf das Jahr 1916 zurück. Eine romantische Liebesgeschichte und eine im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegte Sockenfabrik – wenn das mal keine Basis ist. Eine, der Basic Net bis heute treu ist, denn vieles am Firmensitz ist historisch. Die erste Produktionsstätte, ein ehemaliges Stallgebäude von 1860, ist heute ein Restaurant und die bevorzugte Lunch-Location der Mitarbeiter. Die früheren Fabrikhallen dienen heute als Showrooms, Büros, Film- und Fotostudios, Factory-Outlet, Cafeteria, Fitnessstudio, Bankfiliale, Parkhaus, Reinigungsservice und Minimarkt. www.basic.net

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INTERNATIONAL FASHION TRADE SHOW

January 26 – 28, 2019 Showroom Concept January 25 – 29, 2019

INTERNATIONAL TRADE SHOW FOR SHOES & ACCESSORIES

AREAL BÖHLER | DÜSSELDORF GALLERY-DUESSELDORF.COM

We are international order-oriented trade shows for fashion, shoes and accessories with a mix of young and established brands based in Dusseldorf!

March 10 – 12, 2019

AREAL BÖHLER | DÜSSELDORF GALLERY-SHOES.COM


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Bauchgefühl eines Kreativen? Das Design von Na-kd stützt sich auf belastbare interne und externe Vorhersagen, was Trend sein wird.

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NEED FOR SPEED

Mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs, aber wohlüberlegt – die Modemarke Na-kd beweist, dass Schnelligkeit etwas ist, was man hervorragend planen kann. Dazu hat sich das Führungsteam jetzt noch einmal verstärkt. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Na-kd

„A

bverkaufsstatistiken sind per se ein Blick in die Vergangenheit – und eine Marke wie unsere, die verschiedene Editions pro Sai­ son hat, kann man mit der klassischen rückwärtsgewandten Saisonabverkaufsrate ohnehin nicht messen“, sagt Magnus Hjörne, der zum ursprünglichen Gründer- und Eigentü­ merteam der schwedischen Fashionmarke Na-kd gehört. Was interessiert eine Marke wie Na-kd auch die Ver­ gangenheit? Daten zu erheben, die die Einkäufer und Sour­ cer bei Na-kd in allen zukünftigen Entscheidungen unter­ stützen, das wäre mal was! Kein Wunder also, dass man den Mann, der das zu können verspricht, gleich mit Haut und Haaren an Bord geholt hat. Mike Mikkelborg war für viele große Modemarken von Gant bis zu Fast-Fashion-An­ bietern wie Mr Price oder New Look tätig. „Ich war ehrlich gesagt nach 25 Jahren zu Tode gelangweilt, ich wollte aus der Modebranche aussteigen, weil es so gar nichts Neues gab. In der Mode reden viele über nötige Veränderungen, aber nichts passiert“, analysiert der gebürtige Schwede. „Als ich das erste Mal auf Jarno Vanhatapio, den Gründer von Na-kd traf, war sofort klar, dass wir im jeweils anderen ein riesiges Potenzial sehen.“ Kein Wunder, hatte Mike Mikkelborg doch kurz vorher das Beratungsunternehmen Pilot Digital aufgebaut, das Einkäufern großer Marken oder Ketten die Optimierung der Beschaffungskette in besser organsierten, intelligenten und vor allem digitalen Prozessen ermöglicht. Unternehmerischer Geist, wie ihn Na-kd liebt, radikal zukunftsorientiert. Weil Na-kd immer aufs Ganze geht, ist Mike Mikkelborg seit 1. Juli 2018 an Bord dabei. „Eines der wichtigsten Assets in unserer jungen Geschichte“, streut ihm Magnus Hjörne Rosen. KLASSENBESTER WERDEN: DER NEUE ZARA MIT AMAZON-TUGENDEN

Die Benchmark in der Time-to-Market-Zeit, die man mit Mike Mikkelborgs Hilfe schaffen will, ist klar definiert: Zara. In Sachen Planung steht wohl das Amazon-Modell Pate: Jeff Bezos ist bekanntermaßen kein Margenfetischist – lieber die richtige Menge eines Produktes als Abschrif­ ten wegen Überhängen, lautet dort das goldene Prinzip. Bei Na-kd schickt man sich an, Hypes vorhersehbar zu machen. Magnus Hjörne formuliert das so: „Was nützt dir das beste Teil, wenn du davon nur 30 Stück hast, aber

Intern nennen sie ihn scherzhaft den Messias – Mike Mikkelborg ergänzt das Führungsteam von Na-kd. Seine Passion heißt „speed to the customer“.

Ein junges, agiles Team, das im Hier und Heute lebt, zeichnet Na-kd aus. Mitgründer Magnus Hjörne zählt zum Team der ersten Stunde.

eigentlich 3.000 verkaufen könntest?“ Unwägbarkeiten, vor denen jede Marke jeden Tag steht – lösen kann das Dilemma aber nur, wer sein Big-Data-Ohr nahe an der Zielgruppe hat. Mike Mikkelborg: „Es ist eine unglaubliche Chance, diese Megakommunikationsmaschine, die Na-kd mit seiner Zielgruppe verbindet, mit der klassenbesten in­ ternen Planungsmaschine zu verheiraten. Das erlaubt uns, agiler und schneller als alle anderen im Markt zu werden. Trends schnell zum Konsumenten zu bringen, war immer mein Herzensprojekt – aber erstmals in meiner Karriere finde ich die perfekten Voraussetzungen, alles zu vereinen. Wenn man sich heute die Topperformer im Markt ansieht, dann sind es jene, die schnell reagieren können – was schnell kommt und sich schnell dreht, muss man nicht reduzieren, man hat weniger Überhänge und einen glück­ lichen Konsumenten. Und all das vereinen wir mit der Fähigkeit, diese Freshness auch auf die Straße zu bringen. Wir können Trends genauso gut antizipieren, wie wir sie kommunizieren können – ein unglaublicher Vorteil.“ Gerade der Part des Antizipierens macht Na-kds Vorsprung deutlich: „Wir können den Bedarf anhand externer Daten planen – eben nicht nur der internen Daten, die ja sehr subjektiv sind. Wir haben sozusagen einen externen Blick, können analysieren, was der Markt macht, was Influencer machen, was Trending Topics und Trends online sind.“ Was nach Big Data Rocket Science klingt, ist tatsächlich eine – doch das junge Unternehmen ist der perfekte Ort, dieses neue Denken und Handeln zu implementieren. „Das ganze Team ist jung, agil, jeder hat den absoluten Willen, es besser, smarter, schneller zu machen – das ist sehr außer­ gewöhnlich“, sagt Mike Mikkelson. ZAUBERFORMEL FÜR DEN HANDEL

Der Handel muss die Zaubermaschine von Na-kd viel­ leicht nicht in allen technischen Details verstehen. Magnus Hjörne: „Die Sicherheit, die wir unseren Handelspartnern geben können, ist: Na-kd nützt eine Menge interner und externer Daten, um das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge auf der Fläche zu haben. Wir arbeiten jeden Tag daran, das zu perfektionieren.“ Mike Mikkelborg steckt das Ziel ambitioniert: „30 Tage Time-to-Consumer sind mein Traum.“ style in progress

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„WIR BIETEN KNOWLEDGE, KONTAKTE UND BUSINESS“ Mit einem spannenden Programm bietet die #Fashiontech Berlin der Branche Gelegenheit, sich für die Herausforderungen der Digitalisierung zu rüsten. Michael Stracke über die Highlights der Konferenz. Interview: Stephan Huber. Foto: #Fashiontech Berlin

Die #Fashiontech Berlin richtet sich an die Modebranche in einer Phase des disruptiven Wandels. Kann so eine Veranstaltung diesen Wandel mitgestalten? Natürlich, das ist der Grund, warum die #Fashiontech Berlin vor viereinhalb Jahren initiiert wurde. Als Premium Group haben wir ein Interesse daran, dass die Fashionindustrie weiterhin wettbewerbs­ fähig bleibt. Wir bringen Entscheidungsträger der Fashion- und Tech-Branche zusammen. Wir wollen der Branche zeigen, wie wichtig Digitalisierung ist. Wenn man sich als Unternehmen – egal welcher Größe – nicht jetzt damit auseinandersetzt, wird man mei­ ner Meinung nach auf Dauer nicht überlebensfähig sein. Wir wollen vermitteln, dass die Digitalisierung eine Chance darstellt und Spaß macht. Tut sich unsere Branche mit der Digitalisierung besonders schwer? Meiner Meinung nach hinkt die Fashionbranche anderen Bran­ chen einige Jahre hinterher. Dies hat vor allem auch damit zu tun, dass viele Unternehmen aus dem Fashionbereich dem Mittelstand angehören, welcher sich mit Veränderungen generell schwer tut. Natürlich gibt es aber auch einige spannende Unternehmen, die auf­ gezeigt haben, wie es geht. Wie sich die Otto Group in den letzten Jahren verändert hat, sucht seinesgleichen. About You, welches sich selbst eher als Tech-Unternehmen sieht, ist ein wahnsinnig spannen­ der Best Case. Genau deswegen bringen wir C-Level-Vertreter dieser Unternehmen auf die Main Stage, um aufzuzeigen, was möglich ist. In welchen Unternehmensbereichen müssen Anpassungsprozesse stattfinden, um im Zeitalter der Digitalisierung mithalten zu können? Mit zunehmender Digitalisierung ändert sich auch das Anforde­ rungsprofil an Mitarbeiter, weswegen wir Future of Work im Januar 2019 zum Thema machen. Mit der Digitalisierung wird es neue Job­ profile geben, für die zentrale Steuerung der Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Unternehmen. Außerdem muss sich inzwischen jedes Unternehmen in der Fashionbranche überlegen, wie es Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung für sich gewinnen kann. Die Nachfrage nach kompetenten Mitarbeitern im Technologiebereich steigt. Momentan bevorzugen Developer es oftmals, ein eigenes Start-up aufzubauen oder folgen den großen Gehaltschecks der Tech-Giganten. Aber erfreulich ist: Jeder Mensch liebt und benötigt Fashion. Genau deswegen ist die Branche so spannend für Start-ups. Die #Fashiontech Berlin ist ein junges Format. Wie bist du mit der Entwicklung zufrieden? Wir sind extrem zufrieden mit der Entwicklung. Das merken wir vor allem durch die Anfragen, die uns aus der ganzen Welt erreichen. 146

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Michael Stracke zeichnet für die Inhalte der #Fashiontech Berlin verantwortlich. Er ist stolz auf die Internationalität der Veranstaltung, die mit Vorträgen, Masterclasses und Ausstellungsbereich hochkarätigen Input zu Fashion und Tech liefert.

Anscheinend hat sich herumgesprochen, dass man sich bei uns mit den relevanten Entscheidungsträgern der Fashion- und Tech-Bran­ che austauschen kann. Das Speaker-Programm sucht seinesgleichen in Europa. Dass wir Fashionikonen aus den USA für die #Fashion­ tech Berlin begeistern konnten, zeigt auf, welchen Stellenwert wir international haben. Sogar Jerome Lambert, CEO von Richemont, der0 leider aus zeitlichen Gründen nicht dabei sein kann, hat uns mitgeteilt, dass er persönlich Sorge dafür tragen wird, dass alle Richemont Fashion & Accessoires Maisons vor Ort als Teilnehmer vertreten sein werden. Das macht uns natürlich stolz. Die Exhibition Area hat sich im Vergleich zum Juli verdreifacht. Die Zahl der Masterclasses wurde ebenfalls ausgebaut und bietet ein be­ sonders breites Spektrum an Diskussionsthemen. Berlin ist hinter London die Nummer zwei auf der europäischen Start-up Heatmap. Hat die Politik auch schon verstanden, wie wichtig es ist, führender Technologie- und AI-Standort zu sein? Die Politik muss sich überlegen, ob die aktuellen Regularien für Unternehmen noch zeitgemäß sind. Positiv ist, dass die Politik definitiv verstanden hat, wie wichtig es ist, sich dem Thema Digi­ talisierung anzunehmen. Nicht umsonst haben Dorothee Bär und Angela Merkel das Fashion Council Germany im vergangenen Juli ins Bundesministerium eingeladen. Letztendlich muss man sagen, dass Berlin vor allem dank der Inno­ vationskraft der Start-ups die digitale Hauptstadt Deutschlands ist und auf Augenhöhe mit europäischen Metropolen wie London und Paris steht. Die Politik muss schauen, dass entsprechende Rahmen­ bedingungen geschaffen werden, damit dies auch weiterhin der Fall bleibt. Programmieren muss auf den Lehrplänen in Schulen stehen. Die Generation X hat sich zum Beispiel das Coding meistens selber beigebracht. Wie groß wird der Sprung erst sein, wenn man dies von Kindesbeinen an erlernt. Mit der kommenden Veranstaltung gibt es einige Änderungen. Was erwartet die Besucher? Als Besucher der Premium Group hat man nach wie vor kostenlosen Zugang zur Exhibition Area und den Masterclasses. Neu ist, dass die Keynotes der internationalen C-Level-Speaker 240 Euro Eintritt kosten werden, wobei man betonen muss, dass wir damit immer noch um ein Drittel günstiger als unsere Wettbewerber sind, auch international. Auch werden wir noch mehr Räume zum Networken schaffen. Denn schließlich ist dies ein Vorteil von Konferenzen, dass man innerhalb eines Tages neben Knowledge, neuen Kontakten und Inspirationen auch neues Business mit nach Hause nehmen kann. Warum soll man die #Fashiontech Berlin besuchen? Wir sind international und haben ein großartiges Angebot. Man kann sagen, dass ein C-Level-Executive an einem Tag auf der #Fashiontech Berlin mehr über die digitale Transformation und die Herausforderungen der Zukunft lernen kann, als dies im Arbeits­ alltag über ein gesamtes Jahr möglich wäre.


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„KI WIRD ALLES VERÄNDERN“ Vahe Taamazyan ist Experte für künstliche Intelligenz und Machine Learning. 2015 hat er mit zwei Partnern Sizolution gegründet. Das AI-Start-up bietet neuartige Omnichannel-Lösungen für die exakte individuelle Bestimmung von Größe und Passform sowie die Personalisierung der Kundenansprache. In Russland und den CISStaaten arbeitet Sizolution erfolgreich mit Partnern wie KupiVip, Decathlon oder Bask zusammen. 2019 starten Partnerschaften mit namhaften Kunden in Deutschland und der EU. Neuer Sitz des Unternehmens wird Berlin. Interview: Martina Müllner-Seybold. Foto: Sizolution

Künstliche Intelligenz und Machine Learning werden die disruptivsten Innovationen sein, die wir erleben. In welchem Ausmaß glaubst du, dass sie unseren Zugang zu Mode verändern? Einerseits sind KI und Machine Learning eigent­ lich nur der nächste logische Schritt in einem langen Prozess der Automatisierung, der schon seit einigen Jahrhunderten im Gange ist. Andererseits ist es natürlich umwälzend und betrifft alle Industrien, denn es standardisiert die gesamte Automatisierung. Man muss nur genug relevante Daten sammeln, den richtigen Algorithmus ableiten, die KI trainieren. KI basiert auf Daten, nicht auf vorprogrammierten Algorithmen, das ist der alles entscheidende Unter­ schied. Und dieser Unterschied macht es möglich, dass wir nun auch Dinge automatisieren können, die für Menschen zu kompliziert sind – wie die Entschei­ dungsfindung auf Basis von enormen Datenmengen. Als Technologie ist KI nur ein Enabler für bessere Automatisierung und neue Anwendungen davon, aber sie lässt Businessmodelle zu, die vorher nicht möglich waren. Das wird die Modebranche genauso verändern, wie es jede andere Industrie verändert. Am Ende wird KI alles verändern. Was wird sich für den Konsumenten verbessern? Es gibt so viele Vorteile, dass es schwer ist, einen he­ rauszustellen. Ich vergleiche es gerne mit vor 40 Jah­ ren, als Computer für den Konsumenten kamen. Die Produkte werden durch KI besser werden, der Service wird personalisierter – ganz vereinfacht könnte man sagen, dass der Konsument zufriedener sein wird, weil seinen Bedürfnissen besser entsprochen wird. Unsere Firma Sizolution löst zum Beispiel das schmerzhaftes­ te Problem des E-Commerce – Größe und Passform – und die daraus resultierenden Retouren, weil etwas nicht passt. Solche Problemstellungen kann man nur mit riesigen Datenmengen und sehr gut trainierten selbstlernenden Algorithmen lösen. Mehr noch, KI hilft auch den Menschen, dieses Tool anzuwenden, 148

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weil sie uns möglich macht, die Körpermaße eines Menschen anhand seiner Größe, seines Gewichts und einem Körperfoto zu bestimmen. Der Nutzen für den Konsumenten liegt auf der Hand: mehr Sicherheit bei der Bestellung und weniger Stress mit Retouren. Kannst du einen Nutzen für Unternehmen benennen – ich weiß, das ist ein genauso riesiges Feld … Das Wichtigste für jede Firma ist, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen. Dafür braucht man Daten und muss sie richtig verarbeiten können. Das ist ganz schön kompliziert, besonders wenn es alle Levels in großen Unternehmen betrifft. Da kann KI helfen. Mit KI kann man auf allen Ebenen bessere Entscheidungen treffen: Das beginnt bei besseren Größen- und Passformangaben und geht bis zur Individualisierung des Angebots für bestimm­ te Regionen oder Kunden. Wenn man den Kunden


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Sizolution-Gründer Vahe Taamazyan hält künstliche Intelligenz und Machine Learning für die logische Konsequenz in der Geschichte der Automatisierung – und für bahnbrechend.

besser kennt, kann man in Folge die ganze Lieferkette optimieren. Weil man weiß, wer die Kunden sind, was ihnen gefällt und wie sich das im Laufe der Zeit verändert. All das führt zu besseren Erträgen und geringeren Kosten. Wie verbessert KI die Customer Journey? Einer der stärksten Trends der letzten Jahre ist die Individualisierung der Customer Experience. Das ist etwas, was sowohl dem Kunden als auch dem Händ­ ler oder der Marke hilft. Kunden werden viel weniger Zeit mit der Suche nach dem Begehrten oder Passen­ den verbringen. Das wird die Zufriedenheit steigern, es wird schlicht mehr Spaß machen. Jeder von uns ist einzigartig, hat individuelle Maße und einen eigenen Geschmack. Ohne KI konnten Händler diesen nicht kennen – und genau das wird jetzt möglich. Dass die Produkte, die dem Kunden am besten passen, immer als erstes angezeigt, werden ist eine Anwendung von KI, die wir von Sizolution entwickelt haben. Welchen menschlichen Faktor in der Mode kann KI nicht ersetzen? Manche würden jetzt die Kreativität anführen, aber da gibt es ja auch schon das Amazon-Beispiel des KI-Modedesigners … Viel in der Mode ist mit Emotionen, Kontext und der Story hinter einem Produkt verbunden. Das ist etwas, was man bisher nur schwer ersetzen kann. Es heißt nicht, dass KI das nicht auch eines Tages kann, es heißt nur, dass es noch ein gewisses Zeitfenster geben wird, in dem weiterhin von Menschen designte Produkte ihren Marktanteil haben. KI kann jetzt schon helfen, diese Designs zu evaluieren, sie auf die richtigen Größen zu übersetzen oder sie fotorealistisch auf ein Model rendern. Warten wir doch einfach noch 100 Jahre – dann wissen wir, welche Betätigungsfelder für den Menschen übriggeblieben sind. Wie kann KI helfen, die größten Probleme der Modeindustrie zu lösen – also zum Beispiel Überproduktion, Überhänge, falsche Einkaufsentscheidung im Groß- und Einzelhandel … All diese Probleme liegen ja darin begründet, dass heute die Entscheidungen eben noch nicht auf den großen Datenmengen, die es dazu gäbe, fußen. Es gibt zum Beispiel eine Menge Start-ups, die Händlern helfen, ihr Lager besser zu managen. Oder nehmen wir einen der größten E-Commerce-Player und für mich einen Vorreiter in Personalisierung, Stitch Fix: Die haben Algorithmen entwickelt, die ihnen vor­ herzusagen helfen, wie viel von welchem Produkt sie in welchem ihrer verschiedenen Lager vorhalten sollen. Außerdem haben sie Algorithmen, die ständig ihr Sortiment analysieren und vorhersagen, welche Produkte fehlen werden – zum Beispiel der blaue Car­ digan in einer bestimmten Größe. Das verbessert den Einkaufsprozess signifikant.

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TEXTILEREI MANNHEIM

START-UPS SCHAFFEN FREQUENZ Verödete Stadtteile, Abwanderung von Industrie, Einzelhandel und Kunden – viele Großstädte stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Mannheim hat sich vorgenommen, es besser zu machen. Gründerzentren fördern Start-up-Unternehmen und investieren gleichzeitig in die Stadt­ entwicklung. Text: Ina Köhler. Fotos: Gesprächspartner

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annheim handelt: Die Mannheimer Grün­ dungszentren GmbH betreibt als städtisches Tochterunternehmen zielgruppenspezifische Existenzgründungszentren. Neben Mode- und Textilwirt­ schaft sind das Musik, Tech, Medizintechnologie und weitere Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Insgesamt rund 28.000 Quadratmeter Fläche stehen zur Verfügung, rund 300 junge Unternehmen werden allein dort unterstützt. Nico Hoffmeister, Community Manager der Textilerei, ist seit 2015 bei Start-up Mannheim. Damals eröffnete das Grün­ dungs- und Kompetenzzentrum für Mode und Textilwirt­ schaft in einem denkmalgeschützten Haus in der Innenstadt. Elf Unternehmen, 400 Quadratmeter Fläche – das klingt zunächst nach nicht viel. Wichtig seien jedoch die Bündelung des Know-hows und der Aufbau einer Infrastruktur: Über das Kompetenzzentrum gig7 für „Frauen in der Wirtschaft“ ste­ hen neben Hoffmeister zwei Fachberaterinnen speziell für den Bereich Mode zur Verfügung. „Gründer wissen oft nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Wir können sie hier mit Wissen, Workshops und Seminarformaten in der Selbstvermarktung unterstützen sowie Kontakte in den Handel vermitteln. Sie können ihre Produkte im Shop der Textilerei verkaufen und wir helfen ihnen z. B. bei Messeauftritten, bei der Vermark­ tung und im Vertrieb.“ Hoffmeister kommt seine langjährige Berufserfahrung in der Modewirtschaft, wie bei Falke und zuletzt bei der Sixty Group, zugute. In der Textilerei stehen Ateliers mit Maschinenpark zur Verfügung, in denen Produkte und Kleinserien gefertigt werden können. Ein wichtiger Bestandteil sei der Aufbau von Netzwerken mit lokalen Unternehmen und Einzelhändlern wie beispielsweise dem Quartier Q6Q7, Engelhorn, der Trendfabrik oder dem Luxury Loft. Zu lange soll die Unter­ stützung durch die Textilerei nicht dauern – die Mietverträge laufen über zwei Jahre und werden maximal auf fünf Jahre verlängert, damit immer wieder neue Start-ups unterstützt werden können. Schließlich soll die Unternehmensidee so skalierbar sein, dass die Gründer irgendwann auf eigenen Beinen stehen können. Start-up-Unternehmen beleben Einzelhandelsflächen, neben Pop-up-Konzepten wie im Mannheimer Q6Q7 betreibt die Textilerei auch einen eigenen Concept-Store.

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Nico Hoffmeisters lange Branchenerfahrung bereichert die Start-ups der Textilerei mit echter Expertise.

„WIR HABEN UNS ALS ANLAUFSTELLE ETABLIERT“ Nico Hoffmeister, Community Manager Textilerei des Mannheimer Kreativwirtschafts­ zentrums C-HUB im Gespräch über Gründer und Stadtentwicklung. Foto: Thommy Mardo

Was macht Mannheim in der Stadtentwicklung anders als andere Städte? Mannheim hat sehr früh entschieden, themenbe­ zogene Anlaufpunkte für Gründer zu finden und bestimmte Bereiche gezielt zu fördern. Zudem sind die Wege kurz – es gibt zentrale Anlaufstellen für Gründer. Die Zusammenarbeit ist sehr eng mit dem Rathaus. Wirtschafts- und Strukturförderung werden in Mannheim sehr ernst genommen. Wir haben mit dem Auftrag, in Mannheim ein gesundes und lebendiges Start-up-Ökosystem zu schaffen, auch die Verantwortung, Bewegung in die Stadtentwicklung zu bringen. Wie hat die Eröffnung der Textilerei Mannheim verändert? Das Projekt ist sehr erfolgreich angelaufen und hat sich in der Zwischenzeit professionalisiert. Zunächst einmal geht es um den Anschub der jeweiligen Einzel­ unternehmen und deren Vernetzung. Das ist uns mit einigen Labels schon sehr gut gelungen – wir pflegen ein großes Netzwerk, weit über Mannheim hinaus. Darüber hinaus leisten wir mit den Gründerzent­ ren und vor allem den dort ansässigen Firmen und Protagonisten einen Beitrag zur Stadtentwicklung, wir sehen uns dabei auch als Motor: Der Stadtteil Jungbusch zum Beispiel, Standort des Kreativwirt­ schaftszentrums C-HUB, das ich ebenfalls leite, war früher ein Problemviertel der Stadt und bekannt für eine hohe Kriminalitätsrate. Das hat sich mittlerweile sehr zum Positiven verändert. In der Zwischenzeit hat er sich zum Szene- und Ausgehviertel entwickelt.

Wir kreieren über unsere Infrastrukturen der diversen Zentren und kulturellen sowie kreativen Player der Stadt Events, besetzen soziale Flächen um, lassen Pop-up-Galerien und -Installationen bewusst an Un-Orten auftreten, damit sich das Image dort wandelt. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der realen Wirtschaft? Mittlerweile haben wir uns als Anlaufstelle für beide Seiten etabliert: Die Immobilienwirtschaft hat ge­ sehen, dass das Konzept Kreativität funktioniert. Im Quartier Q6Q7 konnten wir eine Pop-up-Fläche von 500 Quadratmetern unter dem Motto Hometown Glory eine Woche lang mit einem Lifestylemix aus Fashion, Schmuck, Beauty, Kunst und Gastro be­ spielen. Das war so erfolgreich, dass wir es im Herbst 2018 wiederholt haben. Die Center-Manager rufen mich mittlerweile an: Gibt es temporären Leerstand, können unsere Labels die Flächen in der Zwischenzeit vergünstigt oder sogar mietfrei nutzen und bespielen. So profitieren beide Seiten, manchmal entsteht daraus auch eine langfristige Partnerschaft. Das Label Liebes­ glück beispielsweise betreibt seinen anfänglichen Pop-up-Store nun regulär im zweiten Jahr. Was ist für die Zukunft geplant? Wir wollen unsere Rolle als Kompetenzplattform und Schnittstelle zum Handel noch weiter stärken, das Bewusstsein und Vertrauen im Einzelhandel für jun­ ge, kreative Impulse intensivieren und unsere Marken auch überregional positionieren. Ebenso wollen wir die Einbindung der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie die eigene Infrastruktur innerhalb der Stadt forcieren, um somit den Gründerstandort Mannheim für junge und ambitionierte Start-ups aus der ganzen Welt noch attraktiver zu gestalten. www.startup-mannheim.de, www.textilerei.de

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MADE IN MANNHEIM

Unterstützt von der Stadt, gecoacht von einem Team mit Modeindustrie­ erfahrung – Textil-Start-ups aus Mannheims Textilerei.

TRAUTH FABRIKATE

Was hat das Wiener Neni am Naschmarkt mit der Berliner Coda Dessert Bar gemeinsam? Das Team trägt Gastroschürzen aus Mannheim. Gabriel Franz-Trauth, Sohn eines pfälzischen Winzers, entwickelte die Grundform für Köche und Baristas, inspiriert von Arbeitsschürzen seines Vaters. Alle Materialien sind grundsolide: schottische Stoffe, pflanzlich gegerbtes Rindsleder und Metallösen. Schnell wurden Sterneköche und Gastronomen auf die schicken Schürzen aufmerksam, die individualisiert werden können. Trauth belegt damit eine Nische, für die er 2017 den Gastro-Vision-Award bekam und eine Auszeichnung der Kultur- und Kreativpiloten. www.trauth-fabrikate.com

KALAIKA

Netz statt Jute: Tina Cetrez ent­ wickelte für ihr Label Kalaika modische Netzeinkaufstaschen in vielen Farben und Materialien, die sie in kleinen Familienbetrieben häkeln lässt. Zu ihrem Accessoiresortiment gehört noch mehr: Bambustaschen, Goldanhänger, Ketten, Armbänder und Schlüsselketten. Mittlerweile hat sie schon viermal zur Fashion Week in Berlin ausgestellt, der eigene Onlineshop vervollständigt das Geschäftsmodell. www.kalaika.berlin

MIZAAN

KATRIN LEIBER. Die Idee der Erfinderin: Schuhe und Bags mit auswechselbaren Absätzen und Fronten. Alle Schuhe werden in Italien hergestellt, die Absätze kommen individuell aus dem 3D-Drucker. www.katrin-leiber.com

Meriem Lebdiri startete 2012 ihr Label Mizaan: eine Kollektion für Frauen, die sich modisch, aber dezent und bedeckt kleiden möchten – losgelöst von Hautfarbe, Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Modest Fashion ist nicht erst ein Thema, seit Topmodel Halima Aden für das Cover der Vogue posierte. Eigene Fashionshows für diesen boomenden Sektor führten die Newcomerin Lebdiri nach Frankfurt, München, London und Washington. Nico Hoffmeister vermittelte im Mannheimer Zentrum Q6Q7 eine Fläche für den Launch des Onlineshops und die Kollektion. Und einen Preis gab es auch schon: Mizaan ist Titelträgerin der Auszeichnung Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2018, einer Initiative der deutschen Bundesregierung für junge Gründer. www.mizaan.de

PIAF & PONTI. Produktion in Deutschland: Die Kinder­ kollektion wird im Atelier der Textilerei gefertigt. Der erste Conceptstore eröffnete in der Mann­heimer Innenstadt mit zusätzlichen Kids­wear-Produkten. www.piafponti.de

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g a MADE IN ITALY a

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PREMIUM BERLIN 15 - 17 JANUARY HALL 4 | B 12

www.barboneitaly.com

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IM NETZ GESUCHT, IM STORE GEFUNDEN

Google hat in den vergangenen zwei Jahren eine Verdreifachung des mobilen Suchvolumens mit dem gesetzten Filter „in der Nähe“ verzeichnet. Wie Onlineforen, Suchmaschinen und Apps eine große Chance für den stationären Einzelhandel bieten, zeigen diese drei Geschäftsmodelle, die es sich zum Ziel gesetzt haben, online zu zeigen, wo man offline hin muss. Das Internet als neuer bester Freund des Einzelhandels?

oder Services verhandeln. AirBnB übernimmt die Zahlungsabwicklung, den Kundenservice und die Haftpflichtversicherung und stellt dem Entdeckungsanbieter eine eigene Seite zur Verfügung. Am Ende profitieren alle davon. AirBnB, London/UK, www.airbnb.de/help/contact_us, www.airbnb.de

DER LINK IN DEN LADEN

„Mit uns bist du genau da, wo deine Zielgruppe nach dir sucht.“ Findeling ist der Onlinedienst für das Offlineshoppingerlebnis.

„WIR ZEIGEN ONLINE, WAS DIE STADT OFFLINE ZU BIETEN HAT“

Findeling. Seit 2015 gibt es die App-basierte Antwort auf die Frage: Wie werde ich als stationärer Laden auch von denen gefunden, die kein Local Yocal sind oder als Touristen in der Stadt und nach Independent Stores, Empfehlungen und Geheimtipps suchen? Über Findeling. Als Start-up von Florian Schneider und Katharina Walter in Hamburg gegründet, gibt es die App inzwischen auch für Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und Frankfurt. Für acht Euro im Monat können Stores den Findeling-Service nutzen, der neben der Integration in virtuelle Shoppingtouren auch Tools wie Suchmaschinenmarketing und das Posten von aktuellen Aktionen und News möglich macht. „Jeder Store soll mitmachen können. Wir finanzieren uns parallel über die B2B-Plattform Fairling, die unseren Partnerstores regelmäßig neue internationale und lokale Marken vorschlägt“, erklärt Katharina Walter. Die App agiert interaktiv, es gibt eine integrierte Markensuchmaschine und nach Themen sortierte Shoppingtouren mit Infos zu aktuellen Events und Aktionen. Zusätzlich hat das Findeling-Team den Shop Local Day ins Leben gerufen. „Es gibt in Deutschland für alles einen Tag, aber nicht für das Shoppen im lokalen Laden. Das ist doch absurd.“ Findeling, Hamburg/Deutschland, hallo@findeling.de, www.findeling.de

AIRBNB IM STORE

AirBnB. Statt einer Unterkunft kann man als Gastgeber auf AirBnB auch Entdeckungen anbieten, der Definition nach „Aktivitäten von und mit Einheimischen, die über herkömmliche Touren hinaus gehen“, sagt die Website. Das kann eine Postkarten-Schnitzeljagd in Oakland sein, Vinyasa Yoga in Antique Chapel oder eben Shoppingtouren mit echten Geheimtipps, Laufwegen und Stores, die sich in keinem Reiseführer finden lassen: „Entdecke Münchens schönste Stores mit einem Fashionstylisten“, bietet Heide Wetterauer an, Gründerin des Shoppingtourportals Stylefinds, die als Personal und Onlinestylistin regelmäßig verschiedene Touren durch München anbietet. Jeder kann in seiner Stadt zum Gastgeber werden und mit den Stores, mit denen er zusammenarbeitet, über spezielle Rabatte

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Feed Dynamix. Googles Verhältnis zum stationären Einzelhandel? So mittel. Aber die Technik macht es möglich: Local Inventory Ads schlagen Kunden, die bei Google auf der Suche nach einem bestimmten Produkt sind, nicht mehr als erste Option Onlinestores vor, sondern ganz gezielt stationäre Händler in der Nähe, die dieses Produkt führen – und vorrätig haben. Dafür verlinkt sich das Programm sinnbildlich mit dem Warenwirtschaftssystem der teilnehmenden Stores, nicht von selbst, sondern nachdem der Storeinhaber Konten bei Googles Merchant Center, MyBusiness und AdWords eingerichtet hat und sein Sortiment digital erfasst hat. Durch das Einpflegen der einzelnen Artikelstammdaten gewährt der Storeinhaber Local Inventory Ads Zugriff auf sein Sortiment und seine Lagerbestände, gleichzeitig kontrolliert das Programm selbständig, welche Produkte es bewerben kann. Bei der idealen Vorbereitung, Optimierung und Nutzung des Marketing- Tools steht das Unternehmen Feed Dynamix aus Frankfurt am Main Storeinhabern zur Seite und übernimmt die Datenaufbereitung. Feed Dynamix, Frankfurt am Main/Deutschland, info@feed-dynamix.de, www.feed-dynamix.de

Bei Google gesucht, im Store gefunden. Die Suchmaschine liefert die Adresse zum nächstgelegenen Store – Google Local Intentory Ads machen es möglich.

Über AirBnB bieten Stylisten und Locals geführte Shoppingtouren durch ihre Stadt. Ein persönlich zusammengestelltes Best-of lokaler Stores.


www.goldgarndenim.de // IG: Goldgarndenim

MIT LIEBE ZUM DETAIL!


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PER LIVESTREAM ZUM KUNDEN Dem Einzelhandel steht heute ein Datenvolumen zur Verfügung, das die Evaluierung des Kundenverhaltens über Big Data ermöglicht. Kommunikationsstrategien und Onlinetools zeigen, dass darin ungeahnte Möglichkeiten für den Retail stecken. Bestes Beispiel: Influencer Marketing. Was kann Offline hier von Online lernen? Anne Höweler, CEO Cover Communications, gibt Antworten. Interview: Isabel Faiss. Foto: Cover Communications

Frau Höweler, Online und Offline lässt sich heute kaum noch trennen. Viele Onlinetools lassen sich auch für den stationären Handel extrem effizient nutzen. Bestes Beispiel ist ihr Metier: das strategische Influencer Marketing. Was ist der große Mehrwert, den der Einzelhandel mitnehmen kann? In erster Linie die direkte, persönliche und zeitnahe Ansprache der Kunden. Wer seine Kunden stetig und aktiv auch in Entscheidungsprozesse mit ein­ bezieht, profitiert am Ende nicht nur von der Nähe zur Zielgruppe, sondern auch von enorm wertvollen Informationen, die Onlinetools liefern. Daher springt der Einzelhandel ziemlich auf das Thema Influencer Marketing auf, weil die Vorteile einfach auf der Hand liegen. Wie kann man sich das konkret vorstellen? Bestes Beispiel sind Live Stories auf Instagram, in denen ein Influencer mit dem Smartphone filmt, wie er über eine Fläche geht. Über das Abstimmungstool von Instagram kann man dessen Zielgruppe – die idealerweise auf die eigene abgestimmt bzw. gezielt auf Neukunden angelegt ist – ganz direkt fragen: „Hey, wie findet ihr diese neue Marke? Oder, was sagt ihr zu diesem Farbthema? Wie gefällt euch diese Kollektion?“ Wir können anschließend ganz detailliert auswerten, welchen Erfolg so eine Marke­ tingmaßnahme hat und welchen Effekt sie erzielt. Durch verschiedene Mechanismen, die wir abbilden, bekommen wir unheimlich viele Informationen über den Kunden. Gleichzeitig hat der Kunde nicht das Gefühl evaluiert zu werden, man umgeht Themen wie Datenschutz und Fragebögen und macht seine Zielgruppe nicht nur mündig, sondern schafft auch den Drive-to-Store-Effekt, der über das Onlinetool direkt in den Laden führt. Natürlich kann man seine Sortimentsgestaltung, die im Einkauf Monate vorher getroffen wird, nicht ad hoc beeinflussen, aber man hat einen Seismografen, der ganz nah am Kunden dran ist. 156

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Anne Höweler ist Gründerin und CEO der Agentur Cover Communications. Mit ihrem Team berät sie überwiegend Unternehmen aus der Mode- und Lifestylebranche zu Themen rund um das strategische Influencer Marketing und entwickelt zielgerichtete 360-Grad-Marketingmaßnahmen.

Influencer Marketing kuratiert in erster Linie ein Angebot – eigentlich die Kompetenz des Einzelhandels. Lässt sich das nicht verbinden? Ziemlich gut sogar. In jeder Stadt gibt es Local Heroes und Influencer, die man als Stilikonen tem­ porär einbinden kann. Indem sie zum Beispiel aus einem Sortiment einzelne Looks aussuchen und diese als Schaufensteraktion oder in einem Teilbereich des Stores präsentieren. Wenn man diese Idee zu Ende denkt, kann man eine tolle Story entwickeln, man kann daraus eine Kampagne generieren, seine Soci­ al-Media-Kanäle bespielen und das alles ohne großes Budget. Mit dem richtigen Gesicht, das nicht nur in der Stadt, sondern auch online eine gewisse Relevanz und Reichweite hat, erreicht man enorm viel. Aber es ist ein neuer Weg und bedeutet natürlich auch ein gewisses Risiko, dass man meiner Meinung nach ein­ gehen sollte, um die neue und junge Zielgruppe ins Haus zu holen, die am Puls der Zeit ist.


www.silk-sisters.c om


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BESSER MACHEN

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ER NEUE RUNG Wann, wenn nicht jetzt: Sich als Unternehmen zu hinterfragen und neu aufzustellen, ist immer eine visionäre Entscheidung – und der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Gesellschaft und Markt befinden sich in einem atemberaubenden Transformationsprozess. Wer jetzt an den richtigen Stellschrauben dreht, ist dafür bereit.

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CPO Susanne Schwenger und CEO Dieter Holzer besinnen sich auf die Wurzeln von Marc O’Polo, um die Marke wieder stärker nach vorne zu bringen.

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MARC O’POLO

„WIR WOLLEN DIE FLAMME WIEDER ENTFACHEN!“

Nach großen Veränderungen stehen bei Marc O’Polo alle Zeichen auf Zukunft, mit dem hochgesteckten Ziel, die führende Position im Premium-Casual-Markt zurückzuerobern, im Produkt, im Marketing, in der Technisierung. Wie das gelingen könnte, erläutern CEO Dieter Holzer und CPO Susanne Schwenger im Interview mit style in progress Chefredakteur Stephan Huber. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Marc O’Polo

Zum Einstieg ein Blick zurück auf das Jahr 2017, in dem das 50-jährige Jubiläum von Marc O’Polo gefeiert und parallel tiefgreifende strukturelle Veränderungen eingeleitet wurden. Wollte man sich damit auf die nächsten 50 Jahre vorbereiten? Dieter Holzer: Mit diesem Anspruch sind wir angetreten. Es bedarf einer ständigen Veränderung, wenn man möchte, dass etwas bleibt, wie es ist, um Marc O’Polo Eigentümer Werner Böck frei zu zitieren. Der Markt hat sich ebenso wie das Mitbewerberumfeld rasant verändert und Marc O’Polo ist bewusst oder unbewusst in ein anderes Umfeld hineingegangen. Was waren in dieser ersten Phase die wichtigsten Weichenstellungen? Dieter Holzer: Das Wichtigste war, sich darauf zu besinnen und zu fokussieren, wofür die Marke steht, im Produkt, in der Qualität. Zugleich müssen wir uns neuen Themen stellen und aktuelle Themen wie die Digitalisierung weiter voran­ treiben. Mit der Herausforderung, in bewussten Schritten voranzugehen und nicht alles auf einmal anzufassen. Unser erster Fokus war das Produkt und Marketing. Über viele Jahre war unsere Produktexzellenz dominierend, vor allem bei der Premiumcasualwear für Damen. Aber es reicht nicht, sie nur zu halten, sondern man muss sie ausbauen. Wir sind froh, dass wir Susanne Schwenger mit ihrer umfassenden Erfahrung dafür zurückgewinnen konnten. Eine Heimkehr? Susanne Schwenger: Ja! Und eine wirklich tolle Aufgabe. Ich habe mit dieser und für diese Marke gelebt, mittlerweile beinahe 20 Jahre. Die letzten zweieinhalb Jahre außerhalb von Marc O’Polo waren eine tolle Erfahrung und es war für mich interessant, das Unternehmen aus der Distanz zu sehen. Nun bin ich gern zurückgekehrt, weil mein Herz im Premi­ umsegment liegt und weil ich gefühlt habe, dass ich hier noch eine Aufgabe zu erfüllen habe. Dem Produkt wieder mehr Wertigkeit und Modernität zu verleihen. Product first! Aber Product without Brand geht nicht bei Marc O’Polo, das ge­ hört zusammen. War diese Einheit verloren gegangen? Susanne Schwenger: Manche Schritte, die in letzter Zeit vollzogen wurden, hätte ich anders gemacht. Jetzt führen die ersten Maßnahmen zurück auf Kurs und zeigen bereits erste Erfolge. Dieter Holzer: Wir haben uns gefragt, wo unsere Chancen im Markt liegen. Wir wollen bestehende Kunden ebenso begeis­ tern wie Neukunden. Dass uns das bereits gelingt, zeigt, wie stark und begehrt die Marke ist. Begegnen wir den Sympa­ thien im Markt mit dem richtigen Produkt, ist das Ergebnis berauschend. Die Herrenkollektion birgt noch viel Potenzial: Seit Mai sind wir in der Flächenperformance zwischen zehn und 25 Prozent sensationell nach oben gesprungen. Die Damenkollektion legt seit Ende September 2018 ebenfalls wieder deutlich zu. Wir wollen den Markt wieder mit unserem Anspruch als Premium Casual Brand anführen. style in progress

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Entscheiden das letztlich die Konsumenten? Dieter Holzer: Wir wollen die persönliche Ansprache und Wertschät­ zung der Kunden, für die Marc O’Polo immer schon gestanden hat, wieder spürbar machen. Bei aller Bewegung nach vorn haben wir uns zurückbesonnen und damit den Kunden wieder ins Zentrum gestellt. Zumal der Konsument sich keine Konvention und keine Trends mehr aufzwingen lässt. Susanne Schwenger: Unser Vorteil ist der hohe Sympathiewert im Markt. Wir haben Fans, die die Marke lieben und eine Bindung zu ihr haben. Diese Flamme müssen wir wieder entfachen. Eine unserer ersten Initiativen dazu war die Black Capsule als Gegenmodell zu den Black-Friday-Rabattaktionen. Mit Modernität und einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Ganze haben wir mit persönlichem Anschreiben unserer Topkunden und einer digitalen Kampagne begleitet, mit dem Erfolg, dass die Black Capsule durch die Decke gegangen ist. Wir waren online schon am ersten Tag so gut wie aus­ verkauft. Das zeigt für mich auch zweierlei: Limitierung ist wichtig, Saison dagegen für den Kunden zunehmend nebensächlich. Dieter Holzer: Stimmt! Es zeigt außerdem, dass wir mehr Mut für Trial and Error an den Tag legen müssen. Nicht jede Innovation kann immer sofort erfolgreich sein. Aber der Mut zu Innovation wird uns in die Zukunft führen. Wie wird dieser Mut konkret umgesetzt? Susanne Schwenger: Indem wir die Werte der Marke wieder zu 100 Prozent leben, denn unser Motto „Back to the Future“ bedeutet, dass wir uns auf dem Weg nach vorn auch zurück auf unsere Wurzeln besinnen. Die Key-Values – Natural, Simplicity, Personality, Quality und Innovation – bleiben dabei unser wichtigster Leitfaden, den wir jetzt mit umso mehr Leidenschaft und Konsequenz verfolgen. Wir wollen außerdem den skandinavischen Spirit der in Stockholm ge­ gründeten Marke herausstellen. Er verleiht Marc O’Polo Frische und Modernität, wir müssen diese Geschichte nicht erst erfinden, sondern wir müssen sie noch mehr erzählen, sei es in der Kollektion, in den Stores, in der Kommunikation. Darüber hinaus stellen wir unsere Brand Architecture auf drei Säulen: Marc O’Polo Denim ist unsere junge Contemporary Casualwear mit einem hohen Modegrad und Denimkompetenz. Die Marc O’Polo Casual Kollektion bleibt die bedeutendste Säule im Unternehmen mit höchster Kompetenz in Qualität und hoher Innovationskraft. Marc O’Polo Pure schließlich bringt unsere Kernkompetenz in Jersey und Knit auf den Punkt. Auf allerhöchstem Niveau, komplett made in Europe. Dieter Holzer: Ebenfalls neu ist, dass wir alle Strick- und Jersey-Pro­ dukte unserer Core Products auf Biobaumwolle umstellen. Das war im Sourcing ein enormer Aufwand und bedeutet natürlich auch nicht unerhebliche Kosten. Wobei wir diese nicht an den Konsumenten weitergeben werden. Wir sehen das als Investition in den Mehrwert des Produkts und in das Standing der Marke. Susanne Schwenger: Neben den vertikalen Kapseln der Mainline beginnen wir auch bei Marc O’Polo Pure mit einem vertikalen Kollektionsanteil von 20 Prozent. Diesen Anteil wollen wir zukünftig kontinuierlich ausbauen. Die Leadtime haben wir auf vier Monate verkürzt. Wo liegt künftig der Fokus, in der Zusammenarbeit mit den Handelspartnern oder in der zunehmenden Vertikalisierung? Dieter Holzer: Wir bleiben starker Partner für den Fachhandel, er ist unser wichtigster Absatzkanal. Weil wir aber auch mitten in der Omnichannel-Ära sind, wollen wir unsere Retailstores, Franchise­ stores und unseren Onlineshop miteinander vernetzen. Die Kom­ plexität dahinter ist eine große Herausforderung. Das heißt, dass wir die jeweiligen Datensilos auflösen, um dem Kunden nahtlos auf allen Kanälen einen optimalen Service und ein perfektes Einkaufserlebnis bieten zu können. Omnichannel ist das Buzzword der Stunde. Wie darf ich mir die Umsetzung vorstellen? Dieter Holzer: Unser Anspruch ist, die Stärken der einzelnen Ver­ kaufskanäle jeweils auch auf die anderen Kanäle zu übertragen, bei­ spielsweise die Unverbindlichkeit des Onlinekaufs auf den stationären 162

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Retail. Demnächst eröffnen wir unseren ersten kassenlosen Store in München. Der Kunde muss im Store keine finale Entscheidung treffen, nicht in die Umkleidekabine und auch nicht bezahlen. Zu­ sammen mit der Rechnung erhält er auch einen Retourenschein, falls er nicht alles behalten will. Und diese Entscheidung kann er ganz entspannt zu Hause treffen. Indem wir die Onlinemechanismen auf stationär übertragen, vereinfachen wir den Warenprozess über alle Kanäle und machen ihn zusätzlich transparenter. Mit dem Ergeb­ nis, dass der stationäre Retail von den beim Onlinekauf erworbenen Kenntnissen profitieren kann und in seiner Auswahl der Ware, die er dem Kunden präsentiert, umso sicherer ist. Das ist die moderne Version des Anschlussverkaufs und ermöglicht eine umso persönliche­ re Kundenansprache. Auch dieser Store fällt unter Trial and Error. Wir werden sehen, wie die Kunden das annehmen. Denn damit betreten wir echtes Neuland. Aber genau das ist doch eine unternehmerische Schlüsselanforderung. Und wir werden von diesem Piloten eine Menge für unseren Weg in die Zukunft lernen. Führt dieser Weg in Richtung Tech-Company? Dieter Holzer: Ich sehe darin eine Riesenchance! Amazon ist größter Händler weltweit geworden und hatte bisher keinen eigenen Re­ tailstore. Airbnb ist das größte Touristikunternehmen, ohne eigene Hotels. Uber ist das größte Taxiunternehmen ohne Taxen. Das war vor zwei Jahren. Heute fängt Amazon mit eigenen Stores an, Uber investiert in autonome Fahrzeuge und Airbnb konzipiert die ersten Hotels. Weil all diesen Unternehmen der Human Touch fehlt ... Dieter Holzer: Während diese persönliche Verbindung mit den Kunden wiederum zu den stärksten Assets von Marc O’Polo zählt. Wie gesagt, es geht darum, das Beste aus diesen Welten zusammenzu­ führen. Zurück zur Markenarchitektur. Für eine Marke, die historisch so stark mit der jungen Zielgruppe gewachsen ist, ist Marc O’Polo Denim doch ein ganz wesentliches Zukunftsthema. Wie lässt sich hier der Touchpoint für junge Konsumenten schaffen? Susanne Schwenger: Indem wir gezielt auch Händler mit einem jüngeren Sortiment ins Visier nehmen. Marc O’Polo Denim ist keine Hipsterkollektion, aber sie hat eine gewisse Coolness, mit Styles und Fits, die auch die jüngeren Konsumenten ansprechen. Viel Inspiration kommt aus Skandinavien. Die Kollektion bleibt dabei immer Marc O’Polo, wir wollen uns nicht verbiegen. Ohnehin können wir auf den großen Vorteil bauen, dass der Name im Markt sehr positiv besetzt ist. Dieter Holzer: Mit Marc O’Polo Denim gehen wir ganz klar auf den jüngeren Konsumenten zu, um ihn an die Marke heranzuführen. Wir geben der Kollektion entsprechend Raum und investieren auch ins Design, um die Stilistik international weiterzuentwickeln. Wird es eigene Marc O’Polo Denim Stores geben? Dieter Holzer: Ja, den ersten Store eröffnen wir bald in München-­ Riem, nicht weit von unserem Headquarter in Stephanskirchen, sodass wir viel ausprobieren können. Außerdem wird Marc O’Polo Denim auch mit einer eigenen Social-Media-Kampagne gestützt. Dennoch soll die Trennung der Linien nicht dogmatisch sein. Einen Sweater, Key-Product von Marc O’Polo, gibt es auch in der Mainline und kann bei P&C sowohl in der Premiumabteilung liegen als auch als Marc O’Polo Denim Sweater im jungen Basement neben anderen Denimmarken. Was konkret steht auf der Agenda 2019? Was sind die Erwartungen für das Jahr? Dieter Holzer: 2019 wird ein Jahr, in der unsere fokussierte Produkt­ exzellenz erste Früchte tragen wird. Das wird spannend! Mit unseren Anstrengungen der letzten 15 Monate haben wir außerdem Freiraum geschaffen, um uns stetig weiterzuentwickeln. Der Futurestore ist nur eines dieser Themen, der Technologietransfer ins Unternehmen ein weiteres, ohne dabei das Produkt aus dem Fokus zu nehmen. Wir wollen neugierig bleiben und Dinge ausprobieren, aber nicht alles auf einmal in Angriff nehmen. Das ist eine Lehre aus der Vergangenheit. Lieber gehen wir kleine Schritte, damit wir das Ziel, als Premium Ca­ sual Brand den Markt anzuführen, nicht aus den Augen verlieren.


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Mit einer klaren Identität und dem Bekenntnis zu den Markenwerten will Marc O’Polo in seinen Kollektionen für Begehrlichkeit sorgen.

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CHEVIGNON

DAS COMEBACK EINES KULTS Dass Thierry Henry, Stilikone und Trainer von AS Monaco, und Jamie Hewlett von den Gorillaz eine Chevignon-Jacke tragen, ist ein Statement. Wer die Ära des großen Markenkults in den 1980er-Jahren miterlebt hat, weiß, dass ihr Comeback nur eine Frage der Zeit war. In diesem Jahr feiert Chevignon 40-jähriges Jubiläum und richtet den Blick progressiv nach vorne. Mit einem topmotivierten Team und unter der Leitung von Hélène Viot Poirier. Text: Isabel Faiss. Fotos: Chevignon

Seit Hélène Viot Poirier das Ruder der Marke Chevignon übernommen hat, zeigt der Kurs deutlich nach oben.

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or zweieinhalb Jahren übernahm Uwe Dei­ nert mit Cuore Tricolore Chevignon für den deutschen Markt. Er sieht die Kollektion auf dem richtigen Weg, das sagen auch die Zahlen. „Neue Materialien erlauben es, die ikonischen Jackenmodelle aus dem Archiv neu zu interpretieren. Gleichzeitig hat sich die Kollektion auf ihre Kernkompetenz fokussiert, und das ist Upper Body.“ Zum Geburtstag gibt es aber nicht nur Schätze aus dem reich gefüllten Archiv zu feiern, sondern auch eine Erfolgsstory, die gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt. CEO Hélène Viot Poirier hat eine klare Vision. Hélène, im kommenden Jahr feiert Chevignon ihr 40-jähriges Jubiläum, was ein Zeichen von Konstanz ist. Allerdings ist Konstanz nicht die Realität, die das Unternehmen in den letzten Jahren erlebt hat. Die häufigen Inhaber- und Führungswechsel haben die Marke ziemlich zurückgeworfen. An welchem Punkt steht sie nun? In den letzten 18 Monaten – und seit dem letzten Führungswechsel – haben wir es geschafft, erfolgreich unseren Umsatz zu steigern und die Kosten zu sen­ ken. Gleichzeitig haben wir die Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen wieder dafür begeistert, in unseren Stores einzukaufen. Diese Zielgruppe macht inzwischen 40 Prozent unserer Kunden im Wholesale und 50 Pro­ zent im Onlineshop aus. Wir haben unsere Kollektion erneuert, stark fokussiert und viel Inspiration aus den Archiven gezogen. Außerdem gab es einen Relaunch der Frauenkollektion mit einer kleinen Capsule-Kollektion mit Leder- und Daunenjacken, T-Shirts und Sweatern für Herbst/Winter 2019. Laut unseren Kunden ist Chevignon wieder unter den Top drei der abverkaufs­ stärksten Marken. Dank der neuen Stärke hat die Marke wieder für Aufmerksamkeit gesorgt und neue Partner im Premiumsegment gewonnen, wie Antonia in Mailand, dem Lifestyle Magazin 032c und The Good Life Maga­ zin. Weitere werden zum 40. Jubiläum folgen. Eine Jubiläumskollektion verführt ja gerne dazu, den Blick zurückzuwenden. Wird das eine Hommage an die ikonischen Chevignon-Jackenmodelle der 1980er- und 1990er-Jahre? 164

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Da werden Erinnerungen wach: Chevignon trägt zu Recht den Titel Kultmarke.

Die Herbst-/Winter-Kollektion, unsere Jubiläumskol­ lektion wird sich um Geschichten und Erinnerungen an mystische Inspirationen wie Cowboys, Soldaten und Abenteurer drehen und inszenieren, was die Marke einst berühmt gemacht hat: Daunenjacken, Fliegerlederja­ cken und Collagejacken. Unser Know-how unterstrei­ chen wir in einer transparenten Daunenjacke und einer Kombination aus einem gummierten Lederparka und einer Daunenjacke. Wir kommunizieren die Wurzeln von Chevignon: eine französische Marke, designt in Paris und auf der Straße zu Hause. Was sind Ihre Ziele für den Start in die nächsten 40 Jahre? In den kommenden Jahren wird unser Wachstum vom Retail und der digitalen und internationalen Weiter­ entwicklung abhängen. Wir sind auf dem richtigen Weg mit spezifischen Produkten mit einer starken DNA und der Stärkung unseres Partnernetzwerks. Das 40-jährige Jubiläum ist eine gute Gelegenheit zur Kommunikation, zur Zusammenarbeit mit zunehmend mehr Influencern in Social Media und zur Neudefinition unseres Mar­ kenumfeldes. Momentan arbeiten wir an spannenden Kooperationen für Winter 2019.


mehr Raum für ....

Showroom Cuore Tricolore Karlstraße 16 40210 Düsseldorf showroom@cuore-tricolore.com www.cuore-tricolore.com


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IL BISONTE

TRADITION UP TO DATE Die Ledertaschen und Accessoires der toskanischen Marke Il Bisonte haben sich seit der Übernahme durch Palamon Capital Partners unter der Leitung von CEO Sofia Ciucchi zu modernen Lifestyleartikeln entwickelt. Im Interview mit style in progress verrät sie, wie die Traditionsmarke international vorangetrieben, gleichzeitig die Herstellungstradition in Italien bewahrt und die Marke für neue Zielgruppen interessant wird. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Il Bisonte

Wie steht’s um die Verjüngung der Marke und die internationale Bekanntheit? Wir haben viel dafür getan, die Begeisterung für die Marke weiter zu entflammen. Neben den Grundwerten bringen wir unsere Identi­ tät als Handwerker mit Hippie-Herz rundum zum Vorschein. So zum Beispiel in unserem neuen Showroom im historischen Palazzo Corsini in Florenz oder unserem neuen Flagshipstore in Mailand. Unser neuestes digitales Fotoprojekt #1box10shots ist auch sehr gut angekommen. Wir haben uns für die Nische entschieden, mit aus­ geprägter Persönlichkeit und nichtsdestotrotz agieren wir mehr und mehr global durch die erweiterte Distribution und die Investition und Qualitätssteigerung unseres Sales-Prozesses. Seit 2018 haben wir eine Corporate Sektion auf unserer Website und verkaufen auch online. 2019 werden wir eine neue E-Commerce-Plattform launchen und das Inhouse-Digital-Team weiter ausbauen. Schon jetzt können sich die Umsatzzuwächse der letzten beiden Jahre sehen lassen: Von 21,1 Millionen Euro 2016, auf 27,2 Millionen Euro 2017 und 2018 werden wir mit rund 35 Millionen Euro abschließen. Wie hat sich das Design der Kollektion in den letzten beiden Jahren verändert? Il Bisonte war immer eine Casual-Chic-Marke mit unkonventio­ nellem Design und solider Tradition. Unsere Handtaschen und Accessoires stehen im Zeichen von erschwinglichem und zeitlosem Luxus. Unsere Klassiker sind bis heute up to date. Die saisonalen Kollektionen werden von einem jungen Inhouse-Design-Team ge­

Tradition bewahrt, Umsatz gesteigert: Sofia Ciucchi, CEO Il Bisonte

staltet und mit unseren langjährigen Mitarbeitern in der Produktion auf bewährte Weise umgesetzt. Für 2019 haben wir uns verstärkt der Weiterentwicklung unserer Produkte für Männer gewidmet. Was waren die größten Herausforderungen im Erneuerungs­ prozess? Sicherlich die Innovation voranzutreiben, ohne sich zu weit von der Tradition zu entfernen und dennoch im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu sein. Aber auch unsere extrem kurze Zuliefer­ kette mit über 40 Betrieben im Umkreis von 30 Kilometern rund um unseren Produktions-, Lager- und Logistikstandort im Osten von Florenz trotz Wachstum konsequent beizubehalten. Stichwort internationale Expansion: Wie ist der Status quo seit dem Einstieg von Palamon Capital Partners? In Europa haben wir zwei neue Monobrandstores in Mailand und Paris eröffnet und außerdem alle direkten Verkaufsflächen neu ge­ staltet. Zudem sind zwei neue Flächen in Hongkong dazugekommen, die ersten, die wir in Asien selbst bewirtschaften. Das ist der Auftakt für weitere Aktivitäten auf dem chinesischen Markt. In Japan sind wir seit über 30 Jahren durch unseren Distributionspartner mit über 40 Monobrandstores vertreten, die 50 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. In Korea ist das Wachstum ebenfalls überdurchschnitt­ lich gut. Im Februar werden wir einen eigenen Laden in New York eröffnen und seit letztem Herbst sind wir wieder mit einem Corner bei Bergdorf Goodman vertreten. Gegen Ende des Jahres wird dann in Los Angeles ein Laden eröffnen. Wir sind aber vorrangig an der Zusammenarbeit mit etablierten Department- und Multibrandstores interessiert. Wie sieht es mit der Positionierung von Il Bisonte im deutschsprachigen Markt aus? Der Umsatz hat sich in den letzten beiden Jahren beträchtlich entwi­ ckelt und macht mittlerweile 14 Prozent am Großhandelsumsatz aus. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind wir exklusiv nur bei Multibrandhändlern vertreten. In diesem Jahr möchten wir in den wichtigsten Städten mittels gebrandeter Verkaufsflächen oder Pop-upStores unsere Umsätze noch weiter steigern. Wir glauben, dass unsere hochwertigen Produkte besonders für den deutschsprachigen Markt sehr gut passen.

Zeitlos und schön: Die Taschen von Il Bisonte bestechen durch ihre perfekte Verarbeitung und ihre herausragende Lederqualität.

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LAMBERTO LOSANI

DORNRÖSCHEN IST WACH Geliebt, geachtet, aber nie das volle Potenzial entfaltet: Lamberto Losani, Inbegriff italienischer Strickkunst, hat sich selbst wach geküsst. Mit vielen strategischen Neuerungen sind die Weichen auf Zukunftskurs gestellt. Barbara Signori, internationale Sales Managerin der Marke erklärt den umfassenden Relaunch der Marke. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Lamberto Losani

Lamberto Losani ist ein Produktspezialist, wie er im Buche steht. Wohin will man die Marke entwickeln? Lamberto Losani stand immer für die Essenz des italie­ nischen Cashmeres, reduzierter Stil in Reinform. Seit 75 Jahren ein Zusammenspiel aus Handwerkskunst, Erfah­ rung, Kreativität und Innovation; die perfekte Balance der Elemente. Ein großartiges, authentisches Produkt – und das steht auch im Mittelpunkt unserer Wachstums­ strategie. Unser neuer Kreativdirektor Saverio Palatella ist einer der ganz Großen im Strick, er hat Marken wie Gentry Portofino, Malo oder Loro Piana mit aufgebaut. Unsere Herren- und Damenkollektion ist heute Con­ temporary im besten Sinne des Wortes: Modern, wir spielen mit dem Gegensatz aus sehr reduziertem Design und der unglaublichen kreativen Fülle, die diese Firma aktuell und in ihren Archiven zu bieten hat. Vieles ist neu … Ja. In der Via della Spiga 2, im Zentrum Mailands, haben wir einen neuen Showroom eröffnet, wir haben ein neues Inhouse-Salesteam verpflichtet und ein welt­ weites Netzwerk erstklassiger Agenten und Distribu­ teure aufgebaut. Alles Menschen, für die an erster Stelle kommt, dass sie bei Lamberto Losani Teil einer Familie sind – denn wir sind ein Familienunternehmen durch und durch. Im Headquarter in Magione am Trasimener See wurde und wird kräftig investiert, wir wollen von A bis Z alles dort produzieren. Das einzige, was wir noch zukaufen, sind zum Beispiel spezielle Garne, die wir für Highlight-Produkte brauchen – die beziehen wir von Lanificio Cariaggi, einer der besten Garnspinnereien. Was also dürfen Handelskunden von Lamberto Losani erwarten? Wir bieten heute wirklich einen hohen Qualitätsstan­ dard, der auf einen zeitgemäßen, urbanen Stil trifft. Jedes Mal, wenn ich die Kollektion jemandem zeige, bekomme ich als Feedback: Das ist genau, was dem Markt gefehlt hat.

Contemporary Knitwear für Damen – und seit einem Jahr auch für Herren. Lamberto Losani will vom geliebten Produktspezialisten zur geachteten Strickmarke werden.

Nun ist Schönheit nicht alles – mit welchen Hard Facts überzeugen Sie? Wir bieten umfassendes Kundenservice, das mit B2B-Order beginnt, der Möglichkeit die Bestseller nachzuziehen. Jeder Kunde kann auch individuell nach­ bestellen – denn, was nicht auf Lager liegt, können wir in nur drei Wochen nachproduzieren. Ohne Minimum! In allen 60 Farben, die unsere Farbkarten vorsehen. Unsere Customer-Service-Abteilung hat diesen Namen auch wirklich verdient, für jedes unserer Exportgebiete haben wir jemanden, der die Sprache spricht. Unsere Kunden aus den deutschsprachigen Ländern sprechen mit deutschen Ansprechpersonen, für uns ist das eine wichtige Voraussetzung, um eine vertrauensvolle Ge­ schäftsbeziehung aufzubauen. style in progress

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Die Kollektion bietet überraschend viel Innovation – so gibt es zum Beispiel bei den Herren keine festen Anzüge mehr, sondern nur Suit Seperates, die mal lässig, mal formeller kombiniert werden können.

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DANIEL HECHTER

FREUNDSCHAFT

Die Marke Daniel Hechter hat in einem Marken- und Strategieprozess Fragezeichen hinter alles gestellt und herausgefunden, dass ihre tradierten Werte wunderbar in die Zukunft passen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Daniel Hechter

„E

rzählt uns bitte nicht, was ihr glaubt, dass wir hören wollen“, lautete Philipp Aulbachs Arbeitsauftrag an die Markenund Strategiepartner, die er gemeinsam mit seinem Bru­ der Stefan Aulbach an Bord geholt hatte. Aus keinem drängenden Grund: Seit die Miltenberger Textilfamilie Aulbach 1998 die Chance hatte, vom Lizenznehmer zum Inhaber der Marke aufzusteigen, läuft vieles richtig im deutsch-französischen Unternehmen. In 65 Län­ dern der Welt vertreibt man insgesamt 50 Lizenzen der Marke Daniel Hechter. „Als ehemaliger Lizenznehmer wussten wir genau, an welchen Stellschrauben wir dre­ hen müssen, um aus den jeweiligen Partnerschaften das Beste herauszuholen“, sagt Philipp Aulbach. So geord­ net wie die Firma ist auch die Marke – und trotzdem: „So grundsätzlich wie jetzt haben wir Daniel Hechter noch nie hinterfragt“, sagt Stefan Aulbach. „Kollektion, Darstellung, B2B- und B2C-Beziehungen, alles stand auf dem Prüfstand.“

Die Brüder Stefan und Philipp Aulbach leiten mit Daniel Hechter einen leisen Weltkonzern: Auf allen fünf Kontinenten wird verkauft, DOB und HAKA zählen 700 Stores und 2.900 Multibrandhändler.

IN PARTNERSCHAFT

Weil sich Rahmenbedingungen im Markt verändert haben, muss sich auch die Marke verändern, profilieren, Haltung zeigen. Man nahm sich Zeit, nachzudenken, bis in die Tiefe zu analysieren. Das Ergebnis? Zum ersten Mal sichtbar in Form des Daniel Hechter Racing Suits, einem Suit Seperate Programm, in dem das High-Tech-Material 37,5 verarbeitet ist, eine Koope­ ration mit dem französischen Formel-1-Team Renault. Die Promotion mit einem Formel-1-Boliden oder einem F1-Simulator war so erfolgreich, dass der Handel ganz enthusiastisch war. Ein Projekt, ganz nach dem Geschmack der Aulbachs – denn die Veränderung ihrer Marke gschieht nicht aus Selbstzweck. Sie ist des Unter­ nehmens Beitrag, ja Grundsteinlegung, zu einer prospe­

rierenden Zukunft für beide Seiten. Besonders spannend: Im Strategieprozess hat sich herausgestellt, dass sowohl intern als auch extern häufig das Wort Freundschaft fällt, wenn über Daniel Hechter gesprochen wird. „Das beginnt mit unserer gelebten deutsch-französischen Freundschaft im Unternehmen, das mit Standorten in Miltenberg und Paris eine ideale Basis hat. Aber auch bei externen Partnern fällt oft das Wort Freundschaft“, erzählt Stefan Aulbach. Ein Unternehmen mit Handschlagqualität, das vom Ent­ wurf bis zum Verkauf in allen Prozessen tiefe Kompetenz aufgebaut hat, das sich zu Partnerschaft bekennt, aber auch weiß: Freundschaft ist, wenn beide Seiten profitieren. Wie modern das ist, zeigt das Credo der Marke: #together. style in progress

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STRENESSE

FEMININ UND EASY

Mit neuem Eigentümer und neuen Akteuren in allen Schlüsselpositionen will Strenesse zu alter Stärke zurück. Das kommt an – denn die Kollektion trifft eine Lücke in einem eigentlich saturierten Markt. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Strenesse

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trenesse neu, das ist ein Unternehmen der leisen Töne. Finanzier, Manage­ ment, Designer, niemand sucht das Rampenlicht oder gar die Schlagzei­ le. Vielleicht, weil man in Nördlin­ gen weiß, dass Licht auch immer Schatten bringt. Das Glück wird also still genossen: Alles hat sich gefügt – und aus dieser Ruhe kann die Marke Kraft schöpfen. „Die DNA von Strenesse haben wir erhalten, sie aber zeitgemäß interpretiert. Qualitätsanspruch, Purismus und Femininität bleiben, aber wir befreien uns von allem, was diesen Kriterien aus heutiger Sicht nicht mehr entspricht“, sagt Micaela Sabatier, CEO der Strenesse New GmbH. FRAUEN VERSTEHEN

Statt der einen Überfrau will Strenesse heute für Frauen in all ihrer Diversität stehen. „Die typische Strenesse-Frau nach herkömmlichen Attributen gibt es vermutlich nicht. Wir wenden uns nicht an eine bestimmte Schicht oder Altersgruppe, vielmehr wollen wir einen Lifestyle bedienen. Unsere Zielgruppe ist selbstbewusst, smart, eine Powerfrau, die ihre Femininität stolz betont und modebewusst ist, mit dem Anspruch, zu jedem Anlass perfekt ge-, aber nicht verkleidet zu sein. Dem tragen wir mit unserem Bekenntnis zur Weiblichkeit und dem Anspruch auf beste Passform und Schnittführung Rechnung. Es spielt keine Rolle, ob unsere Kundin 25 oder 65 ist“, beschreibt Micaela Sabatier. Doch nicht nur die Strenesse-Frau, auch die Marke entzieht sich bewusst der Schubladisierung. „Wir wollen keine Nische besetzen, sondern eine Marke für alle sein, die diesen Life­ style leben, Wert auf Qualität legen, die schönen Dinge des Lebens zu schätzen wissen und sich an Ästhetik erfreuen.“ FRAUEN ANZIEHEN

Was diese Frauen gemeinsam haben: Sie haben ihren Stil gefunden und variieren diesen gekonnt mit einer Gar­ derobe, die zwei Elemente kennt: die zeitlosen Lieblingsteile 170

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Micaela Sabatier, CEO von Strenesse, bringt jahrelange Branchenerfahrung mit und weiß, wie ihre Kundinnen ticken.


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und die saisonalen Highlights. Eine Aufteilung, die auch bei Strenesse Sinn macht. Micaela Sabatier: „Parallel zur Pre-Orderrunde haben wir ein neues Programm unter dem Namen Iconic gelauncht. Ein Set-up aus Luxus Essentials. Zeitlose, modern interpretierte Klassiker mit puristischen Entwürfen und klaren Linien, in der Proportion jedoch sehr weich und feminin. Easy Luxusteile mit Seele.“ Platz für Extravaganzen und Wow-Teile hat die Hauptkollektion. Micaela Sabatier schafft Klarheit: „Die Kollektion wurde gestrafft, um eine klarere Aussage zu haben.“ Sie ist in vier Orderzyklen geteilt und wird von verschiedenen Ready-­toWear Capsules mit bis zu acht Auslieferungszyklen ergänzt. FRAUEN KENNEN

„Um den Ansprüchen der Kundin von heute gerecht zu werden, sind intelligente Designs gefragt, die trotzdem nicht überkonstruiert wirken und eine unangestrengte Lässigkeit ausstrahlen, die die eigene Persönlichkeit unter­ streicht. Sprezzatura in der Mode, wenn man so will“, findet Micaela Sabatier. Das neue Wir macht eine neue Art der Entscheidungsfindung möglich – besonders im Design. „Im Designprozess arbeiten künftig interdisziplinä­ re Teams mit Ansätzen aus dem Design-Thinking-Prozess zusammen. Das führt zu punktgenaueren Kollektionen, die straffer und spannender sind, in bester Qualität und Passform.“ Die internen Abläufe wurden lean gestaltet. Die Geschäftsführerin: „Wir transformieren das Unternehmen in eine moderne Organisation mit schlanken Prozessen und interdisziplinären Teams, um auf die Anforderungen des Marktes schnell, aber auch mit dem Anspruch an unsere Qualität reagieren zu können.“ FRAUEN EROBERN

Jetzt heißt es: Neue Lieben entfachen, alte wieder entflammen. Die Wachstumsziele hat man allerdings nicht nur quantitativ definiert, so Micaela Sabatier: „Umsatz­ wachstum um jeden Preis ist nicht unser Ziel, damit hat das Unternehmen genau wie die gesamte Branche leidvolle Erfahrungen gemacht.“ Im Fokus stehen Partnerschaften – auf allen Ebenen. „Zunächst ist geplant, die Umsätze im Fachhandel wieder deutlich zu steigern. Wir setzen auf des­ sen Beratungskompetenz und wollen diesen Kanal sowohl national als auch international vorrangig bespielen. Dane­ ben arbeiten wir an einem Konzept für den E-Commerce, bei dem wir den Fachhandel einbinden und erwarten auch hier ein deutliches Wachstum.“

„Unsere Zielgruppe ist selbstbewusst, smart, eine Powerfrau, die ihre Femininität stolz betont und modebewusst ist, mit dem Anspruch, zu jedem Anlass perfekt ge-, aber nicht verkleidet zu sein.“

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Marianna Rosati, Designerin von Drome, lotet die Grenzen des Materials Leder aus.

Drome verleiht Leder den Look and Feel von Stoff – so entsteht Leichtigkeit, die Leder saisonübergreifend attraktiv macht.

DROME

DIE LEIDENSCHAFT FÜR LEDER

Es ist seit Jahrzehnten der Inbegriff für innovatives Leder: das Familienunternehmen von Ferrero Rosati. Angesiedelt im Epizentrum der italienischen Designermarken rund um Florenz steht es unter dem Namen Drome seit zehn Jahren für luxuriöse, progressive Prêt-à-Porter. Text: Isabel Faiss. Fotos: Drome

„Drome ist ein Geheimtipp. Wir haben rund 50 Kunden in Deutsch­ land, Österreich und der Schweiz, was für so eine anspruchsvolle Kollektion sehr gut ist. Der spezielle Umgang mit Leder, das stetige Recherchieren von neuen Materialien, das Bearbeiten und Verändern der Strukturen macht die Produkte so einzigartig. Es gelingt Drome immer, die Materie neu zu interpretieren. Unsere Topseller sind die supersoften Lederleggings und extrem leichten Lammfellwendemän­ tel, in einer schier unerschöpflichen Farbpalette. Mit Drome sprechen wir außerdem die High-Fashion-Kunden an, die hochklassige Prêt-àPorter für Männer und Frauen suchen“, beschreibt Claudia Flessa von der Modeagentur Flessa. Sie begleitet das Unternehmen seit 2004, als es noch die Kollektion Santacroce produzierte. 2009 wurde umstruk­ turiert und mit dem neuen Unternehmen Factory SRL entstand das Label Drome. Mit sechs Kollektionen pro Jahr und einer schnellen Nachlieferfähigkeit kann Drome seinen Kunden das ganze Jahr über ein anspruchsvolles Programm bieten, das mit einer Anfangspreislage im EK von 250 Euro für Stretch-Leggings bis 600 Euro für Lamm­ fellmäntel reicht (Kalkulation 2,7). Drome steht nicht nur sinnbildlich, sondern auch namentlich für den Traum, den sich Marianna Rosati, Kreativchefin, Designerin und 172

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Tochter von Ferrero Rosati damit verwirklicht. In ihren Kollektionen lässt sie das tradierte Know-how des Unternehmens auf teils avantgar­ distisches Design treffen. Marianna, Leder ist eine Leidenschaft – aber sind dem Design irgendwo Grenzen gesetzt? Leder ist ein sehr interessantes Material. Es ist sehr luxuriös und raffiniert und es ist nicht einfach, auf innovative Weise zu verarbeiten. Ich finde es spannend, dieses Material weit über seine Grenzen hinaus zu pushen, neue Wege zu finden, es zu interpretieren und Mode zu kreieren, die innovativ ist und die moderne Frau anspricht. Fünf Punkte, die eine Prêt-à-Porter-Kollektion erfüllen muss? Innovation, Komfort, Urbanität, Raffinesse, Sinnlichkeit: Diese Stich­ punkte sind für mich im Design sehr wichtig. Der Markt für High-Fashion-Marken ist sehr international. Wo sehen Sie das größte Potenzial für Drome? Asien ist für uns ein wichtiger Meilenstein, aber auch der Rest der Welt. Das hängt auch von der aktuellen Wirtschaftslage und Politik ab, die den Markt in den letzten Jahren stark beeinflusst hat. Ich habe Drome immer als eine transversale Marke gesehen, es ist für mich eine Haltung, die über Werte an ihre Kundin gebunden ist. Die Modebranche verändert sich rasant. Das stellt auch etablierte Marken vor neue Herausforderungen. Wo sehen Sie Drome in fünf Jahren? Ich sehe, dass Drome von Saison zu Saison wächst, als Marke immer vollständiger und reifer wird und damit seine Grenzen erweitert. Ich hoffe, dass Drome in fünf Jahren seinen Bekanntheitsgrad gesteigert hat und wir die Produkte erweitern.


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Lightning Bolt verkörpert auch für den kommenden Herbst/Winter das Lebensgefühl der Surfer, naturverbunden und mit Gefühl für Heritage.

LIGHTNING BOLT

KULTKOLLEKTION

Lightning Bolt erfüllt die Sehnsucht nach Natur und Abenteuer mit einem lässigen Surfer-Lifestyle, der glaubhaft und kompetent in Mode übersetzt wird. Damit hat die Marke beste Voraussetzungen, jetzt auch in Deutschland und Österreich zu wachsen. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Lightning Bolt

Geschichten wie diese werden gern erzählt. Es war im Sommer 1971 in Hawaii, als die leidenschaftlichen Surfer und Shaper Gerry Lopez und Jack Shipley mit Lightning Bolt ihre Vision revolutionärer Surf­ boards verwirklichten. Verbunden mit T-Shirts und Boardshorts steht Lightning Bolt für Surfen als Lebensphilosophie, dessen Coolness gepaart mit Naturverbundenheit schnell Fans über die Community hinaus gewonnen hat. SURFEN ALS LEBENSFORM

Das Prinzip Hardware plus Mode gibt es bis heute und beides ent­ wickelt sich sukzessive weiter. Die Fashionkollektion wird in Lizenz von der Lightning Bolt Europe SA in Portugal realisiert, mit Premi­ umkompetenz dank eigener Produktionsstätten und behutsam auf die Heritage der Marke bedacht. Die zwei Kollektionen pro Jahr zeigen T-Shirts mit großformatigen Prints, Sweats, Hoodies und Fleecestyles sowie Bomberjackets und Hemdenjacken in kariertem Flanell und Cord. Ergänzend kommen Hosen und Accessoires hinzu. Allen Styles ist der Spirit von Lightning Bolt gemein, was ebenso für 174

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die Damenkollektion gilt, die aktuell noch stärker ausgebaut wird. Preislich liegen die T-Shirts im VK bei 49 Euro und Sweats zwischen 99 und 129 Euro, während Boardshorts, regelmäßiger Bestandteil der Sommerkollektion, 49 bis 79 Euro kosten. Die Lebensphilosophie von Lightning Bolt wird nicht nur in Werbe­ kampagnen und über Social Media kommuniziert, sondern auch im Handel mit entsprechendem Schaufenstermerchandising gepusht. Das Umweltbewusstsein wird ebenso gelebt. Das zeigt sich in der lo­ kalen Fertigung des vollstufig arbeitenden Unternehmens in Portugal, im Einsatz von Biobaumwolle und recyceltem Polyester ebenso wie in der biologisch abbaubaren Verpackung. Und es zeigt sich im sozialen Engagement: So kooperiert die Marke mit ehrenamtlichen Initiativen wie Surf Addict und Surfers Healing, um Erwachsenen und Kindern mit Gesundheitsproblemen das Surfen nahezubringen. Diese Konsequenz hat Lightning Bolt als Global Brand im Heimat­ markt USA wie auch in Japan, Australien, Lateinamerika und Europa etabliert. Aktuell stehen Deutschland und Österreich im Fokus. Seit Juli 2018 hat Dominik Meuer von der Hinterhofagentur München Lightning Bolt unter Vertrag und bereits namhafte Handelskunden gewinnen können, darunter 14oz und Dreist sowie Bailly Diehl und Daniels. „Die Marke steht nicht nur für Heritage und Handwerk­ lichkeit, sondern auch für eine Premiumkollektion mit lässigem Lifestyle“, sagt Dominik Meuer, der den Vertrieb selektiv ausweiten möchte.


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Unterwegs auf der ganzen Welt, um seiner Vintage-Passion zu frönen und neue Schätze für Fortela zu bergen: Alessandro Squarzi, Markenmacher, Agent und Stilvorbild.

Fortela kümmert sich wenig um Saisons und Trends: Schon die Stoffe haben Charakter und werden nach alten Methoden gefertigt.

FORTELA

„ES GEHT NICHT UM KLEIDUNG, ES GEHT UM KULTUR“

Die italienische Marke Fortela ist so etwas wie ein Bollwerk des guten, aber durchaus außergewöhnlichen Geschmacks. Markenmacher Alessandro Squarzi bringt jede Menge Stil und mehrere Jahrzehnte Erfahrung als einer der einflussreichsten Agenten Italiens ein. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Fortela

Vor drei Jahren ist Fortela gestartet. Wo steht die Marke jetzt? Fortela ist ständig in Entwicklung. Wir brechen mit vielem, was in der Mode als Standard gilt: Zum Beispiel werden Sie nie eine Fort­ ela-Hose mit Stretch sehen. Stretch ist was für Frauen, ein Mann trägt doch keinen Stretch. Wir haben die Kollektion immer weiterentwi­ ckelt und ausgebaut. Wir verheiraten sozusagen klassische italienische Tugenden mit amerikanischer Workwear. Dazu kommt die japanische Passion für alles, was Heritage betrifft. Unsere Chinos und die neue Erweiterung von Fortela, nämlich Denim, produzieren wir auf Ma­ schinen aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Fortela, das betonen Sie immer wieder, ist mehr als eine Marke. Darf man denn Lifestyle dazu sagen – das Wort muss Ihnen doch mindestens so zuwider sein wie Stretch.

Das stimmt! Fortela ist eine Haltung, eine Art, wie ein stilvoller Mann sich kleiden kann. Viel von dem, was heute in Mode ist, kann man doch als Mann nicht anziehen – zumindest, wenn man nicht aussehen will, als würde man gerade Gymnastik machen wollen. Wir eröffnen demnächst in Mailand ein Fortela-Haus mit sechs Fort­ ela-Suites, alle individuell eingerichtet. Diese Suiten spiegeln mich als Person wider, meine Art zu leben, den Gipsyclassic-Stil, wie ich ihn nenne. Gäste in dieser Welt willkommen zu heißen, ist etwas, auf das ich mich unglaublich freue, denn ich verstehe Fortela als eine Ein­ ladung an Gleichgesinnte. Stimmt, Sie kooperieren ja auch gerne mit anderen Marken. Ja, ich liebe es, Schätze zu bergen, Marken zu entdecken, die mich mit ihrer Geschichte und Expertise beeindrucken. Aktuell haben wir drei Co-Branding Capsules. Die erste mit der italienischen Cash­ mere-Marke Kangra, einem traditionsreichen Stricker, für mich einer der besten in Italien. Aber statt dass wir einfach einen dunkelblauen V-Pulli machen, haben wir gemeinsam das Sweatshirt in Cashmere umgesetzt. Die zweite Marke ist Ragno, ein italienisches Traditions­ unternehmen, das seit 1879 Unterwäsche und Strick macht und teilweise an das italienische Militär liefert. Und die dritte Marke ist Maerz München, ein Unternehmen, das mich ebenfalls mit seiner Geschichte und Expertise beeindruckt. Man könnte sagen: Wir su­ chen uns immer die Klassenbesten, aber nicht immer die offensicht­ lichen. Das Offensichtliche interessiert mich nicht. Sind Sie selbst das beste Role-Model? Sehen Sie, ich habe so viel Zeit in dieser Branche verbracht, habe Marken wie AS 65 oder Dondup aufgebaut und bekannt gemacht. Ich habe ein sehr untrügliches Gespür für Stil – und ich habe Grund­ sätze. Ich finde zum Beispiel, dass ein Mann in einem schönen Man­ tel immer besser als in einer knallroten Daunenjacke aussehen wird, ich mag klassische Dinge – und trotzdem würde man meinen Stil nicht als klassisch bezeichnen. Dieser Haltung folgt auch Fortela und ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich sehe, wie vor allem außerhalb Italiens Geschäfte entstehen, die Produkten huldigen, die die Kultur von Produkten verstehen. Wenn Sie im Fortela Store in Mailand oder Forte dei Marmi eine Hose kaufen, dann ist diese Hose in fünf Jahren noch immer aktuell. Das ist Nachhaltigkeit, wie ich sie verstehe. style in progress

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MODE

Volume Formula Mehr ist mehr. Wenn die Mode nach mehr Raum greift, kommt es zu avantgardistischen, neuen Silhouetten, weiten Schnitten, futuristischen Looks und übergroßen Strickoptiken. In dieser Saison dreht sich fast alles um das Mehr in Schnitt und Material. Auch hinsichtlich Farbe und Prints wird nicht gekleckert. Weg mit der Zimperlichkeit von Pastell und Nude, her mit Leoprints und Acid Neonfarben. Neue, weite Hosenformen, Jumbo Daunen­jacken, XXL Cashmeres – Oversize lautet das Schlagwort, unter dem die Saison ihren großen Auftritt feiert. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Marken

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MODE

Print Inc

Leopard und Co setzen zum groĂ&#x;en Sprung an. Dabei treffen Safariprints auf robuste Colour-Blockings. Neu sind Minimals und Allover-Prints auf zarten Qualitäten wie Cashmere und Seide. Aber auch Fake Furs halten dem Druck absolut Stand.

Liu Jo

Moose Knuckles

Lucky de Luca

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MODE

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360 Cashmere

Steffen Schraut

Alessandra Chamonix

Barb’one

Fil Noir

HTC Los Angeles

Drykorn

Marc Cain

Na-kd


MODE

Trend Spotting

Karolina Landowski ist Modejournalistin und Trend­consultant bei Fashion Trend Pool, einem internationalen Netzwerk aus Schuh- und Modeexperten. Mit ihren Trendreports und Lectures geben sie Designern kreativen Input und Einkäufern entscheidende Orderhilfe. Für style in progress formuliert sie die Trends der Saison

Marc O‘ Polo Pure

Bloom

Karolina, welchen Überthemen folgt die Saison Herbst/Winter 2019/20? „Es wird eine Saison voller Kontraste. Die Mode folgt den unterschiedlichsten Strömungen: expressiv und provokant, klassisch und nostalgisch, multikulturell, Grenzen überschreitend und natürlich mit vielen sportiven Impulsen. Ein Gegentrend zu der Schnelllebigkeit unserer Zeit ist die Besinnung auf Tradition und Tailoring.“ Welche Materialien werden wichtig? „Im Fokus stehen Stoffe mit Charakter im Spannungsfeld zwischen Natur und Hightech. Zu den Aufsteigern gehören Oberflächen mit Struktur, Fancies mit plakativen Motiven und digitale Drucktechniken. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Kombination von wolligem Volumen und funktionalem

Hightech. Zu den Favoriten gehören neben flauschiger Wolle, üppigen Kunstfellen, softem Plüsch, Velours und Cord vor allem plakative Jacquards, verfremdete Muster wie Karos oder Hahnentritt.“ Was tut sich bei der Outerwear? „Sport, Outerwear, Protektion, Funktion – das verschwimmt immer mehr. Dies gelingt vor allem durch die Verschmelzung von Hightech mit technischen, innovativen, smarten Qualitäten. Am auffälligsten zeigt sich das in voluminösen Puffas – als Jacke, Mantel oder Blouson. Oversized kommt in kräftigen Powerfarben und sogar gemustert.“ Welche neuen Silhouetten kommen? „Nicht zu übersehen sind Impulse aus den 1980er-Jahren. Architektonisch überschnittene Schultern und CocoonFormen bestimmen die neuen Silhouetten.“ Was passiert bei den Hosen? „Es wird deutlich weiter. Der Bund rutscht nach oben und die Taille wird oft durch gewickelte Gürtel markiert. Auch der Hosenanzug ist wieder zurück. Man spürt auch hier, dass die Oversized-Formen der 1980er-Jahre peu à peu wieder das Ruder übernehmen. Darüber werden lässige Trenchcoats oder klassische Webpelzmäntel getragen.“ Wie sehen die Schuhe zu den neuen Looks aus? „Die neuen Längen und Silhouetten verschaffen Langschaftstiefeln ein Comeback. Sneaker sind gesetzt. Der Anteil technischer, funktioneller Materialien nimmt noch mehr zu. Viele Hybride entstehen. Der Übergang zum Hiking Boot ist fließend. Auch Western Boots bleiben ein starkes Thema.“

Karolina Landowski ist Trendexpertin. style in progress

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MODE

Jumbo Down

Voluminöse Daunenjacken und Mäntel kommen als XXL-Puffas, Bomberjacken und Field Jackets. Das wahre Leben spielt sich aber auf den Oberflächen ab: aufwändige Materialkombinationen mit Nylon und Leder, Fake Fur, Tech-Twills, Paper- und Dry-Touch-Ausrüstung geben der klassischen Steppjacke eine neue, matte Optik.

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Quartz

Peuterey Plurals

Sportalm

Peak Performance

IQ Berlin

Brumal


MODE

Colmar AGE x Shayne Oliver

Parajumpers

Marc O’Polo

ADD

Daniel Hechter

Handstich

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MODE

Coolotte

Die Hose rutscht wieder ins Zentrum der DOB. Mit hohen Taillen, teils extremen Weiten und XXL-Schnürungen in der Taille wird die Coulotte modern interpretiert. Auch Flares und Girlfriend-Cuts mischen mit. Auffällig sind vor allem die Längen, die häufig noch über dem Knöchel enden.

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AT.P.CO

Closed

Dolores

Drome

Strenesse

Levi’s


MODE

Liu Jo

Marni

Nili Lotan

FTC Cashmere

Postyr

Pomandere

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MODE

Laid Back Hero

Formal Wear für Nonkonformisten, relaxte Casuallooks und kernige Outdooroutfits. Der einsame Wolf macht sich locker. Dabei treffen cleane No-Brainer Basics auf hochwertigste Verarbeitung und feine Materialien. Die ruhigen, erdigen Farben unterstreichen die Natürlichkeit der entspannten Silhouetten und Schnittführungen.

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Closed

Schneiders

Digel

Edward Copper

Weber+Weber

Floris van Bommel


MODE

Les Deux

Phil Petter

Luis Trenker

Marcel Ostertag

Mey Story

DL1961

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MODE

Oversize Softness

Zarte Cashmeres in glamourösen Volumenspielen, XXL-Maschen und Muster: Der Strick zeigt sich von seiner raffinierten Seite. Als satte Unis oder mit ausgeklügelten Strukturen setzen körperferne Silhouetten das Material dramatisch in Szene.

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360 Cashmere

Falconeri

Marlino

Phil Petter

Ella Silla

Essentiel Antwerp


MODE

Lalo

American Vintage

Mac

Maiami

Silk Sisters

Lamberto Losani

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MODE

Tech(no) Avantgard

Funktion trifft auf konstruierte Volumen, stark überzeichnete architektonische Schnitte finden ihre Form in ungewöhnlichen Materialkombinationen. Diese Athleisure Wear lebt von starken Farben wie Acid Orange und Colour-Blocking.

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FTC Cashmere

C.P. Company

Marc O‘Polo Denim

Drykorn

Save the Duck

Lala Berlin


MODE

Lemon Jelly

Chevignon

K-Way

Woolrich

North Sails

Sportalm

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MODE

BIG POW WOW

In Dekoration und Mustern feiert die Saison das kreative Mix and Match der unterschiedlichen Ethnien und Kulturen. Indianische Stickereien treffen auf grobe Lederpatches, Stiefel auf Grobstrick in Form von Ponchos und XXL-Cardigans.

Alpha Studio

Sportalm

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Marni

Ivko

Powderhorn

Drykorn

Colmar AGE x Shayne Oliver


MODE

Alberto

Tassel Tales

Sun 68

Lucky de Luca

Wunderfell

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VOR ORT WEIL HANDELN IMMER RICHTIG IST

Es braucht Freude, Leidenschaft, vielleicht sogar Besessenheit: Dann ist und bleibt der stationäre Handel der allererste Touchpoint – aller Umsatzverlagerung in Richtung online zum Trotz. Beispielgebende Läden werden hier vorgestellt.  Text: Isabel Faiss, Ina Köhler, Martina Müllner-Seybold, Veronika Zangl, Kay Alexander Plonka, Nicoletta Schaper


VOR ORT

Blue de Gênes/Hamburg

Fotos: Blue de Gênes

BLAUES BLUT

Mit dem neuen Standort in der Kaiser-Wilhelm-Straße hat Inhaber Stefan Kudla einen Sprung in die Hamburger Innenstadt gemacht. 2014 eröffnete er den weltweit ersten Laden des dänischen Denimlabels in Eimsbüttel, vier Jahre später war die Zeit reif für den Umzug in die Kaiser-Wilhelm-Straße der Hansestadt: „Wir haben die Ladenfläche um rund 100 Quadratmeter vergrößert und die Einrichtung umgestellt: Der Rugged-Style hat einem entspannteren Look Platz gemacht. Denn auch unsere Kunden haben sich verändert: War es vor Jahren noch der Hipster mit Vollbart, Raw-Denim und Holzfällerhemd, ist es jetzt eher der Werber mit Stretchjeans und weißen Sneakers.“ Geblieben ist die Liebe zum Heritage-Produkt, die dunklen Wände, liebevolle Details wie die Werkbank aus bearbeitetem Holz oder die Vintage-Roller. Schöne Lederaccessoires, Whiskey und gepflegte Hüte von Stetson ergänzen das Sortiment des Stores „for Gentlemen only“. „Menswear kann ich eben am besten“, meint Kudla, der in seiner Vertriebsagentur auch ausgewählte Labels aus dem Store wie The Good People aus Rotterdam führt.

Blue de Gênes Kaiser-Wilhelm-Straße 47, Hamburg/Deutschland Inhaber: Stefan Kudla Eröffnung: 2. Juli 2018 Verkaufsfläche: 180 Quadratmeter Marken: 40WEFT, A.B.C.L., Blue de Gênes, Bleu de Chauffe, Castañer Espadrilles, Glerups, Stetson, Schlesinger Hamburg 1842, The Good People, Welter Shelter, Wolverine 1000 Mile, von Dutch, Zespà Aix-en-Provence

Hier ist entspannte Menswear zu Hause: Stefan Kudla setzt vorrangig auf HeritageProdukte, die er auch vertreibt.

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Der cleane Eindruck im Eingang täuscht: Der Store Urban Speed ist voller Ăœberraschungen, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

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oder synthetischem Kristall von Mario Luca Giusti aus Florenz. „Allem gemeinsam ist die Energie“, sagt Emil Donkov. „Kein Teil ist so simpel, wie es zuerst den Anschein hat.“

Let me entertain you! Sabina Perfetti und Emil Donkov haben eine sehr subjektive Idee von Mode, die sie über Urban Speed teilen wollen.

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as ist das hier? Ein privates Separee, eine Galerie oder am Ende doch ein Modeladen?, mag sich mancher Besucher von Urban Speed fragen. Ein solch gewonnener Eindruck ist durchaus gewollt, stimmt er doch darauf ein, dass Urban Speed keine übliche Fashionboutique mit einem erwartbaren 08/15-Sortiment ist.

Urban Speed/Wien

Fotos: Urban Speed, Markus Oberndorfer

ERWARTBAR IST DAS UNERWARTBARE Die Macher von Urban Speed sind fashionverrückt und riskieren was. Sie gewinnen auf ganzer Linie, denn ihr Store ist wunderbar speziell, eigenwillig und überraschend.

KURATIERTES CHAOS Wer vom Chaos ausgeht, weil Schuhe und Taschen auf dem Boden stehen oder Kleider scheinbar achtlos über Sessel oder Tische geworfen sind, liegt falsch. Jedes vermeintliche Chaos ist kuratiert, als Überraschung inszeniert und inspirierend. Was es hier gibt, will entdeckt werden. „Wir haben uns nie die Frage gestellt, was für ein Konzept wir haben“, sagt Emil Donkov, der mit seiner Partnerin Sabina Perfetti hinter Urban Speed steht. „Wir haben keins, wir verkaufen einfach schöne Dinge.“ Aber egal, ob türkisblaue Pferde aus recyceltem Karton, aufblasbare Pinguine in der Umkleide oder goldene Hasen auf dem Regal: Nichts wird wirklich dem Zufall überlassen. Urban Speed soll Bühne sein, für Objekte, Design, Mode. Zum Beispiel für coole Womenswear von Ports 1961 mit gewagten Schnittlösungen, High-end-Streetstyle von Kolor aus Japan oder zeitgemäße Eleganz von No 21. Zur Womenswear kommt Menswear, etwa Strick von Roberto Collina, Lässiges von Dondup, handgefertigte rote Boots und Suits mit Twist von Paul Smith, hinzu. Accessoires vervollständigen das Bild, mit Schmuck von Radà

ANSAGE GEGEN DEN MAINSTREAM Urban Speed spiegelt eine höchst subjektive Auffassung von Mode und ist eine klare Ansage gegen den Mainstream. „Manche fühlen sich provoziert, nicht jeder kann etwas mit uns anfangen“, so Donkov. „Wieder andere lassen sich von uns begeistern und mögen es wie wir, sich auszutauschen und etwas anzuprobieren, was sie vorher nicht für sich gesehen haben.“ Vor zwölf Jahren hat Sabina Perfetti Urban Speed in der Werdertorgasse 15 mit sportiver Streetwear und vielen Jeans eröffnet, bis der Laden vor zwei Jahren in das zentral gelegene, denkmalgeschützte Palais Batthyány in der Herrengasse umzog. Seit 2008 entwickeln Sabina Perfetti und Emil Donkov Urban Speed gemeinsam. „Bei der Order sind wir eigentlich nie einer Meinung, wir diskutieren ständig, dafür sind wir bekannt“, so Donkov. Wahrscheinlich ist es genau dieser Clash, der Urban Speed Dynamik und Spirit verleiht. „Nur Kleidung bereitstellen reicht nicht, es gibt heute so viel Auswahl“, so Donkov. „Dagegen werden die Leute Überraschung und Spaß immer lieben. Wir können vielleicht nicht konkurrieren – aber wir können besser sein.“ Urban Speed Herrengasse 21, Wien/Österreich www.urbanspeed.at Eröffnung: Oktober 2006 Inhaberin: Sabina Perfetti Anzahl der Mitarbeiter: 1 Verkaufsfläche: 200 qm Marken Frauen: 5Preview, Avant-Toi, Ahirain, Beyond, Borsalino, Cecilie Copenhagen, Dondup, Flower Mountain, Harris Wharf, Leather Crown, Kolor Japan, Marco Rambaldi, Maison Flaneur, Markus Lupfer, Mes Demoiselles, Mexicana, No 21, Paul Smith, Pierre Louis Mascia, Ports 1961, PE Nation, Roberto Collina, Rocco P., Sharon Wauchob, Shrimps, SJYP, Suzusan, Stand, Stella Pardo, Sold-out, Thomas/Victoria u. a. Marken Männer: Albero Fasciani, Antonio Marras, Avant-Toi, Ahirain, Borsalino, Dondup, Flower Mountain, Harris Wharf, Hosio, Kolor Japan, Laneus, Limitato, Maison Flaneur, No 21, Paul Smith, Roberto Collina, Rocco P., Transit u. a. Marken Accessoires: Frame Chain, Eye-Petizer, Monies, Muun, Numero10, Orciani, Radà, Stee u. a.

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Entschleunigt und auf das Wesentliche reduziert: Slowear ist ein Gegenkonzept zum Massenkonsum.

Slowear/München

If you buy better, you buy less ist das Motto von Roberto Compagno, der in Münchens Brienner Quartier den idealen Standort für den ersten deutschen Slowear-­ Store fand.

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Die Standortwahl in der ruhigeren und dafür sehr eleganten Brienner Straße in München ist kein Zufall. Es ist Kalkül und eine inhaltlich logische Ergänzung zu dem, was schon im Namen Slowear steckt: Hier geht es nicht um das Tempo, das kommerziell vollgestopfte Fußgängerzonen und Modeketten vorgeben. Hier geht es um die Sorgfalt, darum, sich die Zeit zu nehmen, um ein Produkt soweit zu entwickeln, dass es der anspruchsvollen Kundschaft gerecht wird. Das italienische Familienunternehmen Slowear produziert alle vier Marken, die hier angeboten werden selbst. Designer, CEO und Inhaber Roberto Compagno sucht zusätzlich jedes einzelne Accessoire selbst aus, das seine Vorstellung von einer perfekten Inszenierung der Slowear-Menswearkollektionen in einer Kulisse angelehnt an den Schick der 1970- und 1980er-Jahre vervollständigt. Für jede Produktgruppe gibt es einen Spezialisten: Incotex steht für elegante, scharf geschnittene italienische Hosen, Zanone für feine Strickkollektionen, Montedoro für Jacken und Mäntel und Glanshirt bringt die Hemden mit ein. Hochwertige Lederaccessoires und Schuhe kommen durch Officina Slowear hinzu, ebenso zahlreiche Accessoires wie Rollerhelme, Earphones oder Vinylschallplatten unter dem Titel Emporio. Weltweit gibt es bereits 29 Slowear-Stores unter anderem in Mailand, Tokio, Seoul, New York und Paris. Dies ist der Erste in Deutschland.

Slowear. Brienner Straße 7, München/Deutschland, www.slowear.com Eröffnung: Oktober 2017 Verkaufsfläche: 85 qm Marken: Emporio, Glanshirt, Incotex, Montedoro, Officina Slowear, Zanone

Foto: Slowear

BUY BETTER, BUY LESS


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The Bespoker/Düsseldorf

Fotos: The Bespoker

MÄNNERWELT Tell only your best friends, steht an der Eingangstür von The Bespoker. Exklusiv im Sinne von ausschließend ist das nicht gemeint, sondern als Empfehlung, wie man sie seinen Freunden geben würde. „Ein am Reißbrett entstandenes Konzept gab es nicht, das Ganze ist organisch gewachsen“, erzählt Virgile Bourgueil. Nach seiner Ausbildung zum Maßschneider arbeitete er unter anderem bei Unger in Hamburg als Einkäufer, später verantwortete er bei P & C den Einkauf für das Menswear Premium Exquisitressort. „Ich habe bei all meinen Stationen viel über Service, Kundennähe und Produkt gelernt“, so Bourgueil. Die Maßschneiderei ist Kern von The Bespoker, dazu gibt es, was der anspruchsvollen Klientel außerdem gefallen könnte. Nicht in Mengen, sondern in komprimierter Auswahl: wunderbare Strickblazer von Maurizio Baldassari, lässige Wollsakkos von Weber + Weber oder Jeans von Re-Hash. Zusätzlich Sneakers von Zespa, Hemden von Luigi Borrelli und Cabans von Camplin. Der Gin von Jacquemain oder die erstmals Ende der 1870er-Jahre kreierten Karaffen in Fischform von Gluckigluck sind ebenso wahre Insiderprodukte. Leute miteinander zu vernetzen, begeistert Bourgeuil, er liebt es, wenn die Kunden in seinem Laden im Gespräch Gemeinsamkeiten entdecken und sich inspirieren. Diese Stärke prägt auch die Events. Im Dezember haben sich die Kunden zur Christmas-Corner vor dem Geschäft getroffen, mit heißen Würstchen, Glühwein und Spenden für einen guten Zweck. Ob Buchlesung oder das 19/22 New Thursday Late Night Shopping: Virgile Bourgueil serviert seine Auswahl von Menswear fein und spannungsreich.

Inhaber Virgile Bourgueil hat sein Konzept mit Gespür und Stilempfinden verwirklicht.

The Bespoker Wildenbruchstraße 41, Düsseldorf/Deutschland www.thebespoker.de Eröffnung: März 2015 Inhaber: Virgile Bourgueil Anzahl der Mitarbeiter: 2 Verkaufsfläche: 96 qm Marken Männer: Briglia, Baldassari, Camplin, Circolo, Cruciani, Les Garcons Faciles, Luigi Borrelli, Re-Hash, Weber + Weber, Zespa Marken Accessoires: Deumer, Gluckigluck, Jacquemain Gin, Leander Riedl

Mit bester Empfehlung: Was es bei The Bespoker gibt, ist eine erlesene Auswahl von Marken und Nischenprodukten.

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Ein heller Innenraum und die großzügige Raumaufteilung laden zum Verweilen bei Roya’s ein.

Roya’s bei Motzigkeit/Hannover

INNIGE VERBUNDENHEIT Im Herzen von Hannover eröffnete Alvin Motzigkeit im Jahre 1952 ein auf Herrenhosen spezialisiertes Geschäft, das ab 1991 von seinem Sohn Rolf fortgeführt wurde. 20 Jahre später übernahm der langjährige Mitarbeiter Frank Winkler den mittlerweile auf Premiumsportswear spezialisierten Laden und modernisierte ihn ein weiteres Mal. Jetzt hat die Familie Winkler erstmals in der Firmenhistorie das Sortiment um ein Konzept für Damen erweitert.

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A

ls Landeshauptstadt von Niedersachsen ist Hannover nicht nur eine Shoppingdestination für benachbarte Städte wie Wolfsburg oder Braunschweig, sondern hat einen überaus großes Einzugsgebiet. Unmittelbar an der Markthalle und der Marktkirche in der Innenstadt gelegen, befindet sich Motzigkeit am selben Ort wie zu seiner Eröffnung vor über 65 Jahren. Familiengeführt von Frank und Roya Winkler in nunmehr dritter Generation. Der Herrenladen hat rund 160 Quadratmeter Verkaufsfläche und führt Marken wie Daniele Fiesoli, Circolo 1901, Mason’s und Phil Petter. Die angrenzende Fläche für das neue Damenkonzept ist durch einen Mauerdurchbruch hinzugekommen, die Eingangstür teilen sich die beiden Läden. Nach der Rückkehr aus einer kurzen Babypause hat Roya Winkler, die mit 13

Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kam, das Konzept gemeinsam mit ihrem Ehemann Frank umgesetzt. „Viele Frauen, die ihre Männer beim Einkaufen begleitet haben, fragten immer und immer wieder nach einem Konzept nach dem Vorbild des Männerladens“, erklärt Roya Winkler. Das Sortiment im Roya’s ist breit und trotzdem exklusiv aufgestellt. Seit der Herbst-/Winter-Saison sind noch Marken wie No. 1 Como, Blonde No. 8, Paul x Claire und Grace hinzugekommen. Die Panorama und die Premium gehören für die Winklers zu den wichtigsten Messen. Geordert wird dann traditionell in Düsseldorf. Von Strick und T-Shirts über Tuniken, Jeans, Chinos,


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Unzertrennlich: Frank und Roya Winkler führen die beiden Stores gemeinsam.

Fotos: Maria Brinkop

Kleidern bis zu Blazern und Jacken – sämtliche Warengruppen sind im Roya’s zu finden. Besonders unverzichtbar sind Accessoires wie Schals, Gürtel und Taschen sowie Schuhe.

Motzigkeit GmbH Karmarschstraße 40, 30159 Hannover/Deutschland www.motzigkeit.de Eröffnung: 5. Februar 2018 Inhaber: Familie Winkler Store Manager: Roya Winkler Anzahl der Mitarbeiter: 3 Verkaufsfläche: 58 qm Marken: Blonde No. 8, Calvin Klein, Cambio, Cockaigne, Colmar, Duno, Frogbox, Ghoud, Grace, Ilse Jacobsen, Mason’s, Miss Goodlife, No. 1 Como, Parajumpers, Paul x Claire, Peuterey, True Religion u. a.

WAS ZUSAMMENGEHÖRT „Die meisten meiner Kundinnen sind gestandene, aktive und attraktive Frauen über 30, die wissen, was ihnen steht und was sie tragen wollen. Viele Businessfrauen, oftmals selbstständig, manche sind Ärztin oder Anwältin, die meisten von ihnen sind verheiratet und Mutter. Ihren Modestil haben sie klar vor Augen. Sie kombinieren schicke Basics zu einem edlen, lässigen Look mit einem Hauch Femininität, ergänzen das Outfit individuell mit Schmuckstücken und Accessoires. Meine Stammkundinnen bevorzugen sportliche, elegante und Casual Looks. Die einen wissen, was sie wollen, die anderen lassen sich gezielt von uns beraten oder auch überraschen und inspirieren“, erzählt Roya Winkler, selbst Mutter einer vierjährigen Tochter. Auf den Social-Media-Kanälen, die in Eigenregie mit Unterstützung einer Fotografin und einer Werbeagentur betrieben werden, bekommen die Kunden

nicht nur Inspiration, sondern auch die Infos zu regelmäßig stattfindenden Aktionen und Events. „Am Wochenende stehen immer Tapas und Getränke bereit, meistens legt ein DJ auf und manchmal gibt es Cocktails vom Barkeeper oder saisonale Specials. Wir kreieren so etwas wie eine Wohnzimmeratmosphäre, eine Destination, an der die Kunden sich wohlfühlen und wohin sie gerne wiederkommen, wenn auch manchmal nur schnell auf einen Espresso und ein kurzes Gespräch“, schildert Roya Winkler und fügt hinzu: „Wichtig ist mir, dass sich das Angebot von Roya’s an unser Herrengeschäft Motzigkeit anpasst. Wenn Paare bei uns zusammen einkaufen, sollen sie auch modisch-optisch zusammenpassen.“

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Style & Select/Bochum

GENAU GEGENÜBER Treffpunkt Bochum-Stiepel, rund zehn Kilometer von der Innenstadt entfernt. Hier eröffneten Stephanie und Bernd Gräwe vor zwölf Jahren ihren Store Style & Select, vor fünf Jahren kam schließlich genau gegenüber Style & Select Man hinzu. Man sieht sich durchs Fenster, lacht Bernd Gräwe. Ihre Lage fernab der turbulenten, staugeplagten Innenstadt schätzen sie sehr, auf Laufkundschaft sind sie längst nicht mehr angewiesen, denn wer Style & Select kennt, genießt den freien Parkplatz vor der Tür. Stilistisch überträgt sich die Entspanntheit der Inhaber auf ihr Sortiment. Bernd Gräwe hat sich vor längerem von Formalanzügen verabschiedet und setzt auf sportliche Casuallooks, die er um die beiden Kernkollektionen von Dondup und Stone Island als Zugpferde im Sortiment herum dekliniert. In seiner Männerwelt steht die persönliche Atmosphäre im Vordergrund: „Wir haben Kunden, die lange im Voraus einen Termin vereinbaren – oder einfach mal reinschneien, wenn sie in der Gegend sind. Gerne trinken wir mal gemeinsam ein Bierchen oder laden unsere Kunden zur Currywurst ein. Der Kicker steht nicht umsonst im Laden“, beschreibt der Inhaber seine Leidenschaft für das Metier, das er irgendwann an seinen Sohn übergeben möchte. In Stephanie Gräwes Damenboutique auf der gegenüber liegenden Straßenseite spielt die familiäre Atmosphäre eine ebenso große Rolle. Sie nimmt ihre Mitarbeiterinnen wenn möglich immer zu Orderterminen – größtenteils in Italien – mit, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Auf das Sortiment übersetzt, bedeutet das modische Looks, die italienische Eleganz von Marken wie Bazaar Deluxe mit sportiven Elementen von Kollektionen wie Closed kombinieren und so einen aussagekräftigen Stil kreieren. „Ich selbst bin eher sportiv, möchte mit meiner Auswahl aber auch eine sehr modische Kundin ansprechen“, sagt Stephanie Gräwe. Buchstäblich über die Grenzen Bochums hinaus hat sich die Familie Gräwe mit Style & Select einen Namen gemacht.

Vor allem in Italien findet Stephanie Gräwe die Kollektionen mit dem besonderen modischen Dreh.

Style & Select. Kemnader Straße 334, Kemnader Straße 327–329, Bochum/Deutschland, www.styleandselect.de Eröffnung: 2006 und 2013 Verkaufsfläche: ca. 50 qm und 100 qm Mitarbeiter: 3 Marken: American Vintage, Bazar Deluxe, Brigitte Herskind, Closed, Colmar, Destin, Dondup, Essentiel Antwerp, Faliero Sarti, Harris Wharf, Hugenberg, Ivi, Jumper, Nice Brands, Nine in the Morning, Paul x Claude, Philippe Model, Roqa, Semi Couture, Tagliatore, Zanellato 200

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Fotos: Style & Select

Stephanie (links) und Bernd (rechts) Gräwe haben ihre beiden Stores inhaltlich nach Damen- und Herrenmode und räumlich durch eine Straße getrennt.


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Der Conceptstore Cabinet zeigt Stil und Haltung für ein ebenso kaufkräftiges wie konsumkritisches Klientel.

Cabinet/Zürich

Fotos: Cabinet

STIL, GEFÜHL UND HALTUNG Zürich gilt als bourgois und gediegen, auch ein bisschen posh. Auf den Conceptstore Cabinet im Westend der Stadt trifft das definitiv nicht zu. Viel Reiz kommt von dem Raum selbst. Die Viaduktbögen, eingebaut in eine über 100-jährige Brücke, haben durch die alten Steinmauern und ein Gewölbe mit einer Höhe von bis zu neun Metern ihre eigene Ausstrahlung. Aber Jeroen van Rooijen und seine Frau Nina van Rooijen sind ganz offenbar die Richtigen, diesen Raum entsprechend zu bespielen. „Unser Sortiment ist voller Überraschungen und Besonderheiten aus aller Welt, wir importieren aus fast allen Kontinenten der Erde Dinge, die uns ansprechen und hoffen, dass dieser Funke auf unsere Kunden überspringt“, sagt Jeroen van Rooijen, der sich lange vor Cabinet einen Namen als Stilexperte für Menswear und Journalist gemacht hat. „Wir mögen Produkte mit einem starken Charakter und einer nicht allzu glatten und perfekten Oberfläche.“ So ist beiden für Kleidung in erster Linie Komfort und eine alltagstaugliche Selbstverständlichkeit wichtig. Zum Beispiel die Kollektion von Nina van Rooijen selbst, die typisch maskuline Styles feminin übersetzt. Dazu kommt beispielsweise Lässiges von Humanoid Arnhem und die zeitgemäße, entspannte Menswear von Man1924. „Zusätzlich bieten wir alles mögliche, von der Bioseife von Sukha aus Amsterdam bis zum gläsernen Dom mit Schmetterlingen von Christoph Klein“, erklärt van Rooijen. Gemeinsam mit Nina van Rooijen kümmert er sich um Einkauf und Strategie, beide sind das Gesicht von Cabinet und vor allem samstags dort zusammen anzutreffen. Dass Jeroen van Rooijen auch mal an der Nähmaschine im Laden sitzt, gefällt den Kunden und trägt zum spürbar entschleunigten Konzept ebenso bei wie die Tatsache, dass ihnen bewusst Zeit und Raum gelassen wird. „Wir inszenieren unsere Produkte mit viel Aufwand und Hingabe“, so van Rooijen. „Wir folgen nicht einer merkantilen Logik oder einem kommerziellen Impetus, sondern einem Stil, einem Gefühl und einer Haltung.“ So hat Cabinet auch wenig mit den typischen Luxusläden gemein, die an der Bahnhofstraße und der Storchengasse zu finden sind. Van Rooijen: „Die Innenstadtmieten lassen kaum Experimente zu, doch unsere Vermieterin, die Stiftung Preiswerter Wohn- und Gewerberaum, hält die Flächenpreise bewusst tief. Wir könnten das, was wir hier ausprobieren, in der Innenstadt nicht machen.“

„Die Menschen schätzen unsere Auswahl und den Entdeckergeist“, sagt Jeroen van Rooijen, der mit seiner Frau Nina van Rooijen hinter Cabinet steht.

Cabinet Store Viaduktstraße 83, Bogen 2, Zürich/Schweiz www.cabinet-store.ch, Instagram@cabinetzurich Eröffnung: Dezember 2015 Inhaber: Nina und Jeroen van Rooijen Anzahl der Mitarbeiter: 4 Verkaufsfläche: 150 qm Marken Frauen: Atelier Sukha, Black Crane, Horror Vacui, Humanoid, I love Mr. Mittens, Nina van Rooijen, The Loom u. a. Marken Männer: Bevilacqua, Hannes Roether, Man1924, Roberto Collina, SNS Herning, The Chino Revived u. a. Marken Wohnen und Accessoires: Aeyde, Arno Wolf, Ay Illuminate, Bella Ciao, Blue & True, Butts & Shoulders, Canal St. Martin, Charlotte Wooning, Coral & Tusk, Fair Trade Originals, Foulalà, Future Archive, Jars, Lola Hats, Lovat & Green, Muun, Mismo, Studio Corkinho, Sukha u. a.

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Sany stylt jede Frau individuell. Wenn es sein muss, werden Teile verkehrt herum getragen.

Sany/Wiener Neustadt

Kreativität ist Sabine Raab ein Anliegen.

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„Wir wollten es klein und fein, überschaubar und zum Wohlfühlen.“ Sabine Raab und Conny Reindl wurden in Wiener Neustadt fündig und gründeten Sany, eine Boutique für Damenmode. „Inzwischen fragen aber schon alle, wann wir endlich einen Herrenstore eröffnen“, schmunzelt Raab. „Wir wechseln unser Schaufenster fast täglich, es wird ständig umgestellt und neu arrangiert. Unsere Kunden sind ganz begeistert von diesem Konzept. Das Handy läuft auch nach Öffnungszeit weiter, mit der Bitte, die gezeigten Teile unbedingt zu reservieren. Selbst unsere Möbel stehen nie lange an einem Fleck. Diese Kreativität spiegelt sich auch im Sortiment. Wir führen Marken wie Schella Kann, Odeeh oder American Vintage und entwerfen bei Bedarf sogar selbst. Von den großen Playern lassen wir uns nicht unter Druck setzen, dafür lieben wir Mode zu sehr. Das geben wir auch an unsere Kunden weiter.“

Sany. Brodtischgasse 15, Wiener Neustadt/Österreich, www.sanylooks.at Eröffnung: März 2017 Inhaberin: Sabine Raab Verkaufsfläche:45 qm Marken: 7 for all Mankind, 8 PM, ADD, American Vintage, AOS, Larens, Max Mara Leisure, Odeeh, Schella Kann, Semicouture, Stand

Foto: Sany

KREATIVES MODEDUO


VOR ORT

Stories/Salzburg

Fotos: Stories

VIEL LIEBE „Frauen lieben Shopping. Deshalb will ich es ihnen so angenehm wie möglich gestalten. Nur wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind, macht Einkaufen auch tatsächlich Spaß. Und darum geht es mir hauptsächlich.“ Inhaberin Sonja Clodi-Kathriner hat klare Vorstellungen für Stories. Im Juni 2018 eröffnete sie die Boutique im Herzen Salzburgs. Eine spontane Idee. „Eine Freundin meinte schon ewig, ich solle ein Geschäft aufmachen. Dann habe ich das Ladenlokal im Palais Küenburg in der Sigmund-Haffner-Gasse im Februar gesehen und wusste, das ist es. Im Juni feierten wir bereits Eröffnung.“ Kurz entschlossen und zielstrebig, dafür ist Sonja Clodi-Kathriner, die auch die Modeagentur SCK betreibt, bekannt. „Ich will kein High-endStore sein, sondern setze auf besondere Momente: tragbar, klassisch, italienisch, trendig und ein wenig Ethno. Speziell Marella und iBlues aus dem Haus Max Mara, das von mir auf Agenturseite betreut wird, performen sehr gut auf dem Markt. Deshalb führe ich sie in meinem Geschäft als Hauptmarken.“ „In einer Stadt wie Salzburg muss man die Altstadtlage aufgrund der vielen Touristen nützen. Außerdem hat die Sigmund-Haffner-Gasse hier eine Art Vorplatz zum Seele-baumeln-Lassen. Wir bieten Sitzmöglichkeiten, wo man zwischendurch auch etwas trinken kann. Da wird Shopping zu dem Erlebnis, von dem ich vorhin gesprochen habe. Man soll bei Stories keinen Druck verspüren. Einfach nur abschalten und genießen.“ Eingerichtet hat Sonja Clodi-Kathriner den Store selbst und verrät, „ich habe 20 Jahre Agenturerfahrung, komme aber eigentlich aus der Innenarchitektur. Da das Palais Küenburg denkmalgeschützt ist, haben wir uns am Vorhandenen orientiert. Der alte Terrazzoboden im 60 Quadratmeter großen Ladenlokal ist toll, aber unruhig. Deshalb habe ich ihn mit Ausstattung im Stil der 1960er-Jahre und einem verspiegelten Ladentisch kombiniert. Das korrespondiert wunderbar und wird durch das Gewölbe hervorragend ergänzt.“

Kunden kaufen bei Stories in entspannter Atmosphäre mit viel Liebe und Sorgfalt ausgesuchte Mode.

Stories. Sigmund-Haffner-Gasse 16, Salzburg/Österreich www.welovestories.at Inhaberin: Sonja Clodi-Kathriner Eröffnung: 27. Juni 2018 Verkaufsfläche: 60 qm Marken: Arma Leder, Gimo’s, Hemisphere, iBlues, Maliparmi, Marella, Max Mara Leisure, White T, Yoga Jeans

Für Stories setzt Inhaberin Sonja Clodi-Kathriner bewusst auf die Altstadtlage.

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Die 26-Jährige Medo Diet bringt im Homegirl auf den Punkt, was sie begeistert: lässige Styles, Hip Hop, Kunst und eine entspannte Atmosphäre, die viel Raum für Kreativität lässt.

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„I

ch war überrascht, wie aufgeschlossen und entgegenkommend auch größere Marken wie Mads Norgaard bei der ersten Order waren“, sagt Medo Diet, die ihr Marken-Set-up für den Start von Homegirl Ende Oktober 2018 überwiegend auf den Messen Premium, Bright und Seek in Berlin fand. Lachend gesteht sie: „Ich habe nach Sympathie geordert.“ Wer die 26-Jährige kennt, weiß allerdings, dass sie ihr Bauchgefühl mit fundiertem Know-how hinterlegt, denn Medo Diet arbeitete zuvor für verschiedene internationale Streetwearmarken unter anderem im Bereich Production Monitoring. „Mir ist es wichtig, wie die Marken produzieren. Ich möchte auf keinen Fall, dass hier Mode verkauft wird, die unter schlimmsten Bedingungen entsteht. Das geht nicht in die Ecke Fair Trade – das decke ich mit maximalen Preislagen zwischen 250 und 300 Euro einfach nicht ab. Aber meine Erfahrung aus der Produktion hat mir genau gezeigt, wo ich hinschauen muss.

Homegirl Store/München

„ICH BIN KEIN JASAGER“

Fotos: Homegirl

Eine Nachricht mit Seltenheitswert: Das Glockenbachviertel ist um einen jungen, progressiven Store reicher. Homegirl, über die Inhaberin Medo Diet nicht nur eng mit der lokalen Musik- und Event­szene verknüpft, sondern vor allem auch eine Plattform für kreative Ideen, einen ausgefallenen Markenund Stilmix, die Relax-Zone für einen Plausch unter Gleichgesinnten – was hier nicht als WIR-unddeshalb-nicht-IHR-Label verstanden wird.

Das ist für mich der Grund, warum ich einen Store aufmache, weil Onlinehandel per se einfach nicht so fair abläuft, wie es oft dargestellt wird. Da verliert der Kunde schnell den Bezug zum Produkt und seinem Preis.“ DAS KONZEPT: FLEXIBEL UND WANDELBAR Medo Diets Service ist bedingungslos ehrlich. „Wer mich nach meiner Meinung fragt, bekommt eine ehrliche Antwort.“ Sie wünscht sich, dass sich in ihrem Store jede Kundin am richtigen Platz und gut beraten fühlt. Dementsprechend vielseitig ist das Sortiment gestaltet, das skandinavischen Businesschic mit modischen Streetstyles und cleanen Casuallooks so kombiniert, dass vom edgy Szenegirl bis zur berufstätigen Mutter jede Kundin etwas findet. Neben Kollektionen wie Nümph, Yaya, Mads Norgaard oder Lemon Jelly legt sie kleine, teils lokale Brands, die „zwar nicht den Laden füllen, aber etwas besonderes sind“. Im Eingangsbereich des nach hinten schmal zulaufenden Stores in der Reichenbachstraße hat Medo Diet die Einrichtung so flexibel gestaltet, dass sie das Erscheinungsbild häufig verändern kann. An den 3,80 Meter hohen Wänden ist außerdem im Handumdrehen Platz für Events wie Ausstellungen oder Vernissagen mit lokalen Künstlern geschaffen. Über Instagram und ihre eigene Website will sie Homegirl eng mit der lokalen Szene verknüpfen, in der sie ihre Kernzielgruppe sieht. Außerdem arbeitet sie mit Stylisten, Presseagenturen, ausgesuchten Bloggern und Onlineplattformen wie Findeling und AirBnB zusammen. Medo Diet hat auf ihre Weise ein ganz eigenes

Rezept gefunden, ihre Leidenschaft für Hip Hop, Streetwear, Streetart und Mode mit jeder Menge Bodenhaftung zu einem authentischen Wohlfühlerlebnis zu verpacken. Homegirl lädt zu etwas ein, das für Medo Diet „die schönste Sache der Welt ist: Shopping“.

Weniger ist mehr. Homegirl Medo Diet hält nichts vom visuellen Überangebot. Sie reduziert ihr Sortiment auf das Wesentliche: gute Produkte.

Homegirl Store Reichenbachstraße 30, 80469 München/Deutschland www.homegrl.de Eröffnung: Oktober 2018 Inhaberin: Medo Diet Anzahl der Mitarbeiter: 1 Verkaufsfläche: 42 qm Marken Frauen: Akjaerbede, Apres Ski, Heaters, Le Bonnet, Lemon Jelly, Mads Norgaard, Majune, Native Youth, Nümph, Shanghai Tofu, Tango, Yaya

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„Die Zusammenarbeit mit Heikaus war von Anfang bis Ende großartig“, lobt Sari Heuser die Architekten und Ausführer des Komplettumbaus auf 500 Quadratmeter.

SONDERSTATUS „Eigentlich ist alles außer den Schaufensterpuppen neu“, sagt Inhaber Tilo Heuser über den Umbau des Modehauses Bratfisch. Wohlgemerkt: „Die sind auch nicht besonders alt.“

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er gerne mal die gängigen Thesen von Wirtschaftspropheten, Trendforschern und Beratungsunternehmen widerlegt sehen möchte, der reise nach Gießen. Mittelhessen, 86.000 Einwohner und eine der sieben Sonderstatusstädte des Landes. Und mittendrin – aber nicht mal in Toplage – Bratfisch. Hinter Sonderstatus möchte man jetzt instinktiv ein Ausrufezeichen setzen – und seit dem Umbau im Sommer 2018 am besten drei. Eines für jede Etage des seit 1911 im Familienbesitz befindlichen Modehauses. „Wir haben immer wieder modernisiert, aber irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man es richtig anpacken muss“, sagt Tilo Heuser über die Motivation für den Komplettumbau.

AUFS GANZE GEHEN Seit 2008 sind Sari und Tilo Heuser am Werk. Jeder auf seine Art unprätentiös, jeder auf seine Art leidenschaftlich. „Am liebsten bin ich immer noch bei den Kunden“, sagt Sari Heuser und man glaubt ihr aufs Wort. Mit Empathie und Ambition hat sie die Damenabteilung eingeführt und Saison für Saison auf neue Höhen gepusht. Im Umsatz haben die Damen die Herren längst hinter sich gelassen, in Sachen Image und Marken hat Sari Heuser ihr Zwischenziel erreicht. „Der Umbau ist für

Fotos: Heikaus

Bratfisch/Gießen


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mich Startschuss für ein weiteres Trading-up, ganz klar. Das Ziel muss sein: Die Bons weiter erhöhen, indem wir hochwertigere Stücke verkaufen.“ Die Leidenschaft für ihr Metier wie fürs Unternehmertum macht Sari und Tilo Heuser zum Powerpaar. Ein Unternehmen, das vor Gesundheit nur so strotzt, und Inhaber, die einen Teufel tun würden, in das übliche Branchenlamento einzustimmen. Weil Bratfisch seine eigene Konjunktur geschaffen hat, seine eigene Marke ist und seine Kunden von Jung bis Alt kennt, berät und bindet. Wie das alles gelungen sei? „Durch Arbeit“, stellt Tilo Heuser in seiner staubtrockenen Art fest. Und jetzt, wo der Staub des Umbaus dem Glanz des neuen Ladens gewichen ist, werden die Heusers genau das wieder tun: arbeiten. Damit sich noch ein paar mehr vermeintliche Experten, die Städte wie Gießen für die Todeszone des gehobenen Modeeinzelhandels halten, revidieren müssen. Bravo!

Tilo und Sari Heuser haben mit Bratfisch unter Beweis gestellt, dass sich die Detailarbeit an allen Stellschrauben des unternehmerischen Erfolges lohnt.

Bratfisch Neuenweg 17, Gießen/Deutschland Umbau: August 2018 Inhaber: Tilo Heuser Anzahl der Mitarbeiter: 14 Verkaufsfläche: 500 qm Marken Frauen: AG Jeans, Brunello Cuccinelli, Dorothee Schumacher, Fabiana Filippi, Herno, Hogan, Moncler, Otto d’Ame, Odeeh, Parajumpers, Santoni, Tagliatore, Ugg, Woolrich u. a. Marken Männer: Better Rich, C.P. Company, Eton, Etro, FTC, Kiefermann, Moncler, Officine Creative, Phil Petter, PT01, Stone Island, Sun68, Tiger of Sweden, Windsor, Woolrich, Zanone, Z Zegna u. a.

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EDITOR’S LETTER

IMPRESSUM

Eigentümer/Verleger/ Redaktion/Anzeigen UCM-Verlag B2B Media GmbH & Co KG Salzweg 17, 5081 Salzburg-Anif Österreich T 0043.6246.89 79 99 F 0043.6246.89 79 89 office@ucm-verlag.at www.ucm-verlag.at www.style-in-progress.com Geschäftsführung Stephan Huber

Besser machen

Chefredaktion Stephan Huber

„Handel im Wandel“ war schon vor beinahe 30 Jahren eine ebenso beliebte wie abge­droschene Headline. Heute krame ich sie völlig unironisch wieder hervor, denn zumindest gefühlt war sie nie zutreffender. Digitalisierung, Kryptowährungen, künstliche Intelligenz, kassenlose Stores … Nicht wenige selbsternannte oder auch tatsächliche Experten entwerfen ein regelrecht dystopisches Bild, wenn sie die Zukunft des (stationären) Handels skizzieren.

stephan.huber@ucm-verlag.at Martina Müllner-Seybold martina.muellner@ucm-verlag.at Art Direktion/Grafik/Produktion Elisabeth Prock-Huber

Ich habe mich, auch an dieser Stelle, sehr oft mit diesen Veränderungen befasst. Mein Blick darauf in vollem Bewusstsein war, dass wir tatsächlich das It-Word der Stunde, nämlich Disruption, verwenden dürfen, um Impakt und Geschwindigkeit dieses Wandels zu beschreiben, dennoch immer positiv. Und zwar positiv, was die Zukunft des stationären Handels betrifft. Genauer gesagt, die Bedeutung des stationären Kanals innerhalb der Omnichannel-Realität eines von den Endverbrauchern bestimmten Marktes. (Siehe Editor’s Letter style in progress 4/2018).

elisabeth@ucm-verlag.at Autoren dieser Ausgabe Petrina Engelke Isabel Faiss Ina Köhler Kay Alexander Plonka

Für meinen Optimismus gilt aber eine nicht ganz unwesentliche Einschränkung: In der aktuellen Situation reicht es nicht, einfach passiv irgendwie in der Hoffnung mitzuschwimmen, sich so irgendwie durchmogeln zu können. Die von vielen beschworenen „guten alten Zeiten“ kommen nicht zurück. Doug Stephens drückt es im Longview dieser Ausgabe noch ein wenig drastischer aus: „Wer sich an die Vergangenheit klammert, kann die Zukunft nicht mit offenen Armen empfangen. Die Ära, in die wir aufbrechen, hat mit der alten nichts gemein. Wenn wir also die alte nicht sterben lassen, können wir niemals erfolgreich in die neue starten.“

Nicoletta Schaper Veronika Zangl Anzeigenleitung Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at Verlagsassistenz/Vertrieb

Ich stimme dem zu, muss aber etwas Wesentliches ergänzen. Die neue Ära, von der Stephens spricht – sie hat längst begonnen – verlangt nämlich gar nicht, dass alles und jedes neu erfunden oder anders gemacht werden muss. In vieler Hinsicht geht es vielmehr um eine Rückbesinnung auf Selbstverständlichkeiten, die in einer fast nur noch umsatzgetriebenen Wirtschaft zunehmend verblasst sind.

Sigrid Staber sigrid.staber@ucm-verlag.at Christina Hörbiger christina.hoerbiger@ucm-verlag.at Bildbearbeitung

Das große Bild: Die freie Marktwirtschaft als Fundament einer demokratischen Gesellschaft muss von uns allen gegen ihre Feinde von innen verteidigt werden. Also gegen jene, die dieses Fundament gezielt untergraben, indem sie ständig den Unfug wiederholen, dass Freiheit bedeutet, dass es keine Regeln gibt. Das kleine, persönliche Bild: Service, Service, Service – egal auf welchem Kanal. Die Kunden tatsächlich ernst nehmen! Storytelling. Investitionen in das Personal!!! Offen sein für Ideen von Mitarbeitern, auch oder insbesondere für junge Ideen. Mut, ausgetretene Wege zu hinterfragen, beispielsweise im Sortiment. Nur kaufen, was man auch verkaufen kann, dabei aber offen für Neues und Überraschendes sein. Die Digitalisierung endlich als Chance begreifen! Die Kunden tatsächlich ernst nehmen! (Stimmt, das hatte ich schon. Aber man kann es nicht oft genug betonen.) Kurz gesagt: Einfach besser machen! Das ist es nämlich, was die neue Ära von uns allen verlangt. Und das werden wir auch schaffen! Ihr Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at 208

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Johannes Hemetsberger Lektorat Johannes Seymann Druck sandlerprint&packaging 3671 Marbach, Österreich Druckkoordination Manfred Reitenbach

Nächste Ausgabe 23. April 2019


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#1/2019

„DIE MACHT LIEGT NICHT MEHR BEIM HÄNDLER.“ DOUG STEPHENS

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SO WIRD 2019: BESSER MACHEN, STATT BESSER WISSEN TAKTUNG Wann welche Ware und wenn ja, wie viel davon? OMNITAIL Handel, immer, überall. ERNEUERUNG Die Pflicht, sich in Frage zu stellen.

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style in progress 1/2019 – Deutsche Ausgabe  

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