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Nemo's Garden H igh - T ech G ewächshäuser unter W asser // Bereits bei Jules Vernes Science Fiction Roman »20.000 Meilen unter dem Meer« ernten die treuen Seemänner des Kapitän Nemo Gemüse vom Meeresgrund. Bei Jules Verne war es noch eine Fiktion, im italienischen Noli wurde es nun Realität. Mit dem passenden Namen »Nemo's Garden« begannen zwei Italiener vor der ligurischen Küste, unter Wasser Kräuter und Erdbeeren anzubauen. Kapitän Nemo wäre begeistert.

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s ist zu kalt, zu heiß, zu trocken, zu nass - immer öfters sind die Bauern Wetterkapriolen ausgesetzt, die ganze Ernten zerstören. Warum nicht den Anbau unter den Meeresspiegel verlegen? Das dachten sich zwei tauchbegeisterte Italiener, als sie erfuhren, dass die Ernte des angebauten Basilikums auf dem Festland aufgrund zu kalten Wetters sehr schlecht ausfiel und die Bauern kurz vor dem Ruin standen. Die Entwicklung und Umsetzung der Unterwasser-Gewächshäuser verlangte das ganze Engagement der Sporttaucher und war von Pannen und Rückschlägen geprägt. Doch die beiden ließen sich nicht entmutigen und lernten daraus.

Aus einer kuriosen Idee wird ein neues Anbaukonzept Sergio Gamberini ist leidenschaftlicher Sporttaucher. Sein Geld verdient er mit dem Verkauf von Tauchausrüstungen. Die Leidenschaft des Tauchens und die Beziehung zum Ozean sind tief in ihm verwurzelt. Sein Leben könnte man in wenigen Schlagworten so beschreiben: harte Arbeit, Familie und der Ozean. Er hörte während der Sommerferien an der ligurischen Küste von den ansässigen Bauern, dass deren Basilikumernte dem kalten Wetter zum Opfer gefallen war. So kam es, dass er auf eine sehr ausgefallene Idee kam. Er tätigte einige Anrufe und begann mit seinem Team der Ocean Reef Group eine Reihe kleiner transparenter Ballons zu konstruieren. Diese wurden dann unter Wasser gebracht, mit Luft gefüllt, am Boden befestigt und schließlich mit Pflanzgefäßen im Inneren bestückt. Die Idee, die Gamberini hatte, war, sich die Eigenschaften unter Wasser zunutze zu machen - die konstante Temperatur in Verbindung mit der natürlichen Verdunstung an der Oberfläche im Inneren - und somit ein Gewächshaus unter Wasser zu konstruieren.

Aller Anfang ist schwer

Experimentierfreude Zunächst wurden Kräuter und Tomaten in herkömmlicher Erde gepflanzt, bevor hydroponische Kulturen angelegt wurden.

Die ersten Prototypen auf dem Meeresboden fielen nach einigen Tagen einem starken Sturm zum Opfer. Alles war zerstört. Sie gaben nicht auf. Sie experimentierten jahrelang, konstruierten verschiedene Biosphären, säten Gemüse, streamten in Echtzeit direkt aus den Unterwasser-Gewächshäusern, führten Studien durch und sammelten Daten. Die Geduld, Ausdauer und das Engagement haben sich gelohnt. Das Projekt hat eine neue Stufe erreicht: Die Anzahl der Gewächshäuser ist größer, es wird anderes Material verwendet, mehr Sensoren, Verkabelung und Kameras wurden eingebaut, hydroponische Kulturen sind angelegt worden, also Pflanzen, die keine Erde benötigen.

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Lebensstil M undart

G emüseanbau U nterwasser

KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 5 | 18  
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