KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 11 | 22

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E 148. Ausgabe

SO MUSS

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STADTMAGAZIN

MUSIK BETTEROV

JAMMERKULTUR IMMER WAS ZU MECKERN

S T A D T

LEBEN MEINE STADT MEIN LEBEN MEIN KOMPASS

Themen Mobil im Quartier Zeit des Hutzns Zwischen Zwickau und Budapest Gold und Geschmeide aus Plauen

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BETTEROV – »LIEBLINGSVIDEO«

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BIENCHEN & BLÜMCHEN – SEXUALERZIEHUNG

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WHO CARES – IST SORGEN WEIBLICH?

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TITEL

K L E I N E W E LT

14 CARE WORK Wenn Kümmern zur Falle wird 22 JAMMERKULTUR Immer was zu meckern ...

64 AUFKLÄRUNG VON ANFANG AN Wie sag ichs meinem Kind? TIPPS F ÜR KIDS 66 QUERBEET Unterhaltung für Augen und Ohren

K U N S T & K U LT U R THEMA 60 BETTEROV Auf Konfrontationskurs mit dem Leben FILM 62 HEIMKINO Filme von der Ladentheke MUSIK & LITERATUR 63 NEU IM HANDEL Rezensiert und vorgestellt

LEBENSSTIL REISE 68 VALENCIA Wo Geschichte und Moderne aufeinandertreffen TECHNIK 12 FLIEGENDE RÄTSEL »Skycam« spürt Himmelsphänomene auf

ER SIE ES DRUNTER & DRÜBER 06 WEITBLICK 360° über den Tellerrand THEMA 10 DIE BRAMMIBALS Im veganen Donut-Himmel

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INHALT

STADT DER KÜNSTE – EINZIGARTIGES FLAIR

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MUNDART 70 MODERN TEA TIME Inspiriert und neu interpretiert

KARRIERE BERUF 74 THRIVING Aufblühen im Job

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E DINHALTI T O R I A L GENÜSSLICHES BEISAMMENSEIN EINE TRADITION

WAS WILL ICH ERREICHEN? RAUS AUS DEM BERUFSTROTT

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S TA D T L E B E N LOKAL TOTAL 29 INHALT Meine Stadt, mein Leben, mein KOMPASS

U N T E R H A LT U N G KOLUMNE 79 DIE FÖRSTERIN IM STADTWALD 82 DAS KLEINGEDRUCKTE AUSSICHT 80 HOROSKOP Die Sterne im November

S TA N D A R D S 78 GEWINNZONE 81 IMPRESSUM

Liebe Lesende, von wegen: »Das bisschen Haushalt macht sich von allein.« Schon als der von Johanna von Koczian interpretierte Song im Jahr 1977 das Licht der Schlagerwelt erblickte, hielt er der konservativen Nachkriegsgeneration mit ironischem Zungenschlag einen Spiegel vor die Nase. Leider hat sich bis heute wenig in Sachen Anerkennung für Haushalt und Kindererziehung getan. Doch Einkaufen, Waschen, Putzen, Wehwehchen wegküssen, Fahrdienst, Familienmanagement – klingt nicht nur nach ganz schön viel Arbeit. Ist es auch und zwar vornehmlich die der Frauen. Und die Tatsache, dass sie unbezahlt ist, kann in mehr als einer Hinsicht zur Falle werden. Warum genau, das erfahrt ihr in »Who cares? Wenn Kümmern zur Falle wird.« Aber, wer will schon jammern? Na wir! Mal ist das Nachbarskind zu laut, der Kollege hat den letzten Kaffee ausgetrunken oder man steht mal wieder im Stau und ausgerechnet am Wochenende regnet es – Gründe zum Meckern finden sich immer. Aber warum tun wir das überhaupt? Eigentlich geht es uns in all dem Wohlstand doch gut. Also warum nicht lieber das Positive sehen? Brauchen wir unser kleinliches Gemecker und sind wir Deutschen darin wirklich so spitze, wie oft behauptet? Fragen, denen Redakteurin Vivien Schramm in »Jammerkultur: Immer was zu meckern ...« auf den Grund geht. Grau und nieselig macht der November seinem Namen alle Ehre. Kein Grund, sich gefühlsmäßig dem Wetter anzupassen. Denn im Spätherbst beginnt für viele auch die Zeit der Gemütlichkeit. Licht und Wärme spendet nun nicht mehr vornehmlich die Sonne, sondern kuschlige Kissen und Kerzenschein streicheln unsere Seelen. Für die meisten bedeutet es, mehr Zeit mit der Familie und Freunden zu genießen, aber auch mehr Zeit für kulinarische Genussmomente. Wie wäre es zum Beispiel mit einer »Modern Tea Time«? Der junge Hamburger Chef Pâtissier Marco D´Andrea lädt zu einem genüsslichen Beisammensein nach guter englischer Sitte ein. Tee ist unser Stichwort, denn nichts entspannt so wie ein schöner Pott würzigen Tees, warme Kuschelsocken und gute Lektüre! Und die liefern wir euch nur allzu gern mit der neusten Ausgabe unseres KOMPASS stadtmagzins. Die Redaktion

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INHALT

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MEILENSTEIN IN DER ALS-FORSCHUNG – MEDIKAMENT ZUGELASSEN Wer erinnert sich nicht an die sogenannte Ice Bucket Challenge, die im Sommer 2014 die Social Media Kanäle mit mehr oder weniger lustigen Videoclips schwemmte. Der Hintergrund zu den teils abenteuerlich anmutenden Stunts rund um das Eiswasser war allerdings ziemlich ernst. Es ging darum, Aufmerksamkeit für die bis dato unheilbare Erkrankung ALS (Amyotrophen Lateralsklerose) zu schaffen und Spendengelder zu generieren.

FORSCHUNG Dem medialen Hype folgten nicht nur hunderttausende Videoclips, die Challenge spülte auch weltweit rund 190 Millionen Euro an Spendengeldern in die Kassen der ALS-Forschung. Wie auf der Website der ALS Association zu lesen ist, konnte diese enorme Summe nicht unwesentlich zu wichtigen Forschungsfortschritten beitragen und ist in weiterer Folge auch mitverantwortlich für die jetzt erreichten Meilensteine. Denn wie FDA, die Food and Drug Administration, als zuständige Behörde mitteilte, wurde erst kürzlich das Medikament »Relyvrio« zugelassen.

Laut Studien führte das Medikament bei regelmäßiger Einnahme durch den betroffenen Patienten zu einer Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung gegenüber Patienten, die ein Placebo-Medikament gereicht bekamen. Und auch in einer Langzeitstudie beobachten die Forscher eine längere Gesamtüberlebenszeit bei Patienten, die mit Relyvrio behandelt wurden.

Bei der sogenannten Amyotrophen Lateralsklerose handelt es sich um eine eher seltene Erkrankung, bei welcher die für die Steuerung des Kauens, Gehens, Atmens und Sprechens zuständigen Nervenzellen angegriffen werden und absterben, wie die FDA weiter mitteilt. Die Krankheit sei eine fortschreitende und verläuft in der Regel tödlich durch akutes Atemversagen. Betroffenen bleibt im Durchschnitt – nach Auftreten von ersten Symptomen – eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren. Das neuzugelassene Medikament gibt Hoffnung, Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten verbessern zu können. Und das alles nicht zuletzt aufgrund hunderttausender ausgeschütteter Eiswasserkübel. Nicht schlecht! Foto | Grafiken Alex G. Ramos | Memed Nurrohmad // pixabay.com Info www.als.org

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13. NOV

ADAC TEST – AUTOBAHNRASTPLÄTZE MANGELHAFT Was erwartet man eigentlich von einem Autobahnrastplatz? Saubere WCs? Auf jeden Fall! Eine gepflegt Außenanlage? Gern genommen. Leider präsentieren sich Deutschlands Rastplätze nur in den seltensten Fällen genau so, sagt der ADAC. Der Automobilclub testete inkognito insgesamt 50 Rastplätze entlang der 15 längsten Autobahnen des Landes. TEST Anhalten oder weiterfahren, das ist hier die Frage. Gerade wenn man längere Distanzen auf Autobahnen zurücklegen muss, sind wiederkehrende Pausen praktisch unumgänglich. Doch nicht jede Raststätte entlang des Autobahnnetzes ist auch bewirtschaftet, entsprechend muss ab und an auch ein Rastplatz mit WC-Häuschen, von denen es übrigens mehr als 1500 gibt, genügen. Doch genau diese schneiden im aktuellen ADAC-Test alles andere als gut ab. Wie auf der ADAC Webseite zu lesen ist, deckten sich die Ergebnisse weitestgehend mit einer durchgeführten Online-Umfrage unter PKW-Fahrenden, wonach die Rastplätze oftmals ungepflegt wirkten und die Toilettenanlagen verschmutzt oder schlecht ausgestattet seien. Auch in Sachen Sicherheit und Barrierefreiheit gäbe es viel zu tun. Insgesamt habe sich die Situation seit der letzten Überprüfung im Jahr 2018 kaum verbessert. Immerhin 44 Prozent der überprüften Rastplätze wurden vonseiten der ADAC-Prüfer mit der Note »gut« oder »sehr gut« bewertet. Was allerdings nicht darüber hinweg täuschen kann, dass auch jede fünfte Anlage mit »mangelhaft« oder gar »sehr mangelhaft« beim Test durchfiel. Zwei Beispiele die unterschiedlicher nicht sein können gefällig? Der an der A1 (Bremen-Münster) gelegene Rastplatz Engelmannsbäke präsentierte sich »sauber und gepflegt, erschien ausreichend beleuchtet und effektiv geschützt gegen Lärm. Zudem gab es einen zentral gelegenen Notruf und einen Wasseranschluss im Außenbereich.« Er erhielt als eine von nur zwei Anlagen die Bewertung »sehr gut«. Ekelalarm hingegen erlebten die Tester auf dem Rastplatz Stadtwald an der A3 (Frankfurt-Würzburg). Hier fanden die Tester »extrem verschmutzte Dixi-Klos statt funktionsfähiger Sanitärhäuschen, leere Seifenspender, keine Behindertenparkplätze, keine ausreichende Beleuchtung« vor. Damit rangiert der Stadtwald als einer von fünf ebenfalls mit »sehr mangelhaft« bewerteten Raststätten auf den hinteren Plätzen. Foto | Grafiken Alexander Fox | Mohhamed Hassan // pixabay.com Info www.adac.com

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h c e e p s e t a h o n # CYBERMOBBING – FAST JEDER FÜNFTE JUGENDLICHE BETROFFEN Cybermobbing ist unter Kindern und Jugendlichen zum Dauerproblem geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach sind 16,7 Prozent aller Schülerinnen und Schüler betroffen.

STUDIE Mehr als 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche, so hoch ist die Anzahl der Schülerinnen und Schüler zwischen acht und 21 Jahren, die nach eigenen Aussagen schon einmal von Cybermobbing betroffen gewesen sind. Damit ist die Anzahl im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2020 zwar leicht gesunken (2020: 17,3 Prozent) stagniert aber auf einem bedenklich hohen Niveau, wie auch Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing, bestätigt. »Die Ergebnisse zeigen, dass Cybermobbing sich zu einem dauerhaften Problem an Schulen und im privaten Umfeld der Kinder und Jugendlichen entwickelt hat. Die Folgen von Cybermobbing werden in unserer Gesellschaft immer noch unterschätzt und die Täterinnen und Täter müssen mit keinerlei Konsequenzen rechnen.«

Die Coronapandemie habe das Problem noch verschärft. So gaben rund sieben von zehn Schülerinnen und Schüler an (65 Prozent), dass Cybermobbing seit Ausbruch der Pandemie zugenommen habe. Bestätigt wird dies von jeweils 46 Prozent der Eltern sowie von Lehrerinnen und Lehrern. Ein Grund für die Zunahme sieht Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, in Homeschooling und Kontaktbeschränkungen, die eine Zunahme der Online-Zeit mit sich brachten. Entsprechend würden auch Konflikte häufiger über das Internet ausgetragen. Dies könne für die Betroffenen gravierende gesundheitliche Folgen haben. »Neben körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen sind es vor allem die psychischen Auswirkungen von Mobbing und Cybermobbing, die Kinder und Jugendliche schwer belasten können. Dazu gehören beispielsweise Angst- und Schlafstörungen sowie Niedergeschlagenheit oder Depressionen«, so TK-Chef Baas.

Wichtige Maßnahmen, um Mobbing und Cybermobbing entgegenzutreten, seien Prävention und Aufklärung. »Am besten ist es, Mobbing bzw. Cybermobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. Daher unterstützt die TK bereits seit vielen Jahren Projekte zur Gewaltprävention, wie das Angebot ›Gemeinsam Klasse sein‹. Aber auch Hilfsangebote für den Akutfall, beispielsweise den ›Krisenchat‹.« Dort beraten professionelle Fachkräfte Kinder und Jugendliche zu verschiedenen Themen per Chat, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Foto | Grafiken un-perfekt | Deans Icons // pixabay.com Info www.tk.de

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SCHLEPPNETZFISCHEREI – DÄNEMARK ERWEITERT VERBOT »Historisch« nennt der Naturschutzverbund einen Beschluss der dänischen Regierungspartei von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, wonach man sich auf eine Ausweitung des Verbotes der Fischerei mit Grundschleppnetzen einigen konnte. Konkret geht es dabei um das Meeresgebiet zwischen Jütland und den Inseln Fünen, Seeland sowie Lolland, insgesamt also um knapp 6 Prozent der dänischen Territorialgewässer. NATURSCHUTZ Umstritten ist diese Art des Fischens schon seit Langem, doch mit 1. Januar 2023 schieben die Dänen ihr auch im Kleinen und Großen Belt, im südfünischen Inselmeer und im Langelandsbelt endgültig den Riegel vor. Für das Gebiet des Öresunds zwischen Dänemark und Schweden gilt das Schleppverbot übrigens bereits seit 1932. Erlassen wurde es damals aus Sicherheitsgründen für die Schifffahrt. Allerdings erkannte man sehr schnell, dass dadurch auch die biologische Vielfalt und ein natürlicher Fischbestand erhalten werden konnten, obwohl im Gebiet weiterhin umfangreich gefischt wurde. Das nicht jeder das Verbot begrüßt, liegt dabei wohl in der Natur der Sache. »Absurd« nannten Vertreter der Fischereiwirtschaft den Beschluss, er sei eine »grüne Bluffnummer«. Man wolle sich lediglich grüne Stimmen für die Wahl sichern, so der Vorwurf. Immerhin rund 80 Prozent des Fischfangs in dem Meeresgebiet fände derzeit mit Schleppnetzen statt, weshalb durch das Verbot nun viele Boote vor dem Aus stünden. Ganz anders der dänische Naturschutzverbund, dieser hält das neue Verbot zwar für einen guten Anfang, hofft allerdings auch auf eine Ausweitung südlich der Verbotszone. Immerhin werde hier derzeit am stärksten auf diese Art gefischt. Auch in Deutschland steht die Schleppnetzfischerei seit Jahren massiv in der Kritik. So fordern Wissenschaftler und Meeresschützer ein absolutes Verbot der bodenberührenden Fischerei, nicht zuletzt, weil ein Grundschleppnetz den Meeresboden nachweislich zerstört. Darüber hinaus werden dabei auch große Mengen des in den Sedimenten gespeicherten Klimagases CO2 freigesetzt.

Foto | Grafiken Elke | Kurious // pixabay.com

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Foto Annie Spratt // Unsplash

n a e g n e v m I ut-Himme n l o D KÖSTLICHE FOOD-RE VOLUTION AUS BE RLIN

Brammibal's Donuts zeigen: Nicht auf tierische Inhaltsstoffe, sondern auf guten Geschmack kommt es an. Die veganen Donuts aus Berlin haben jetzt auch ihren Weg nach Hamburg gefunden – und weitere deutsche Standorte scheinen nicht ausgeschlossen.

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ls Berliner führt inzwischen kein Weg mehr an Brammibal's vorbei. Mit einem Donut-Laden am Maybachufer fing alles an – hier steht man auch heute noch zu den Stoßzeiten länger an, um sich einen (oder gleich eine ganze Box) der beliebten veganen Hefeküchlein zu holen. Gründerin Jessica Jeworutzki ist eigentlich gelernte Krankenpflegerin. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Niederländer Bram van Montfort, hat sie das Business Stück für Stück aufgebaut. Beide leben vegan und hatten 2014 für eine Geburtstagsfeier einfach ein

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paar Donuts beisteuern wollen. Diese kamen so gut an, dass sie darin eine Chance sahen. Denn anders als heute, wo es ihnen sogar große Namen wie Dunkin Donuts gleichtun, gab es damals noch nirgends frische vegane Donuts zu kaufen. Der Name »Brammibal's« geht auf den Spitznamen von Bram zurück. Anfangs verkauften sie ihre teils farbenfrohen und immer leckeren Kreationen auf Berliner Märkten. Beide warben kaum mit ihren Produkten und das mussten sie auch gar nicht, denn die Mund-zu-Mund-

Propaganda funktionierte gut. So gut, dass sie sich schließlich von Freunden Geld liehen, um den Laden in Kreuzberg mieten zu können. Das Konzept mit kleiner Backstube und veganem Café ging auf: 2021 erzielte Brammibal’s rund sechs Millionen Euro Umsatz. Das schaffte das Duo natürlich nicht allein – mittlerweile verkauft Brammibal's mit über 100 Mitarbeitern an sechs Berliner Standorten, darunter sogar im prestigeträchtigen KaDeWe. Auch in Hamburg gibt es die frischen Leckereien inzwischen, da die Gründer immer wieder Anfragen von Fans für die Expansion erreichten.

» I N E I N E M L A»NDDI E, D B RAAS ME M S INB IACLHS T« M E H R G I B T «


ECHTES HANDWERKSPRODUKT Die veganen Donuts kosten zwischen 3,30 Euro und 3,90 Euro und sind damit nicht teurer als industriell gefertigte Produkte vieler anderer Ketten. Mit Supermarktprodukten kann und will man aber nicht konkurrieren, denn Frische und Qualität zahlt sich den Gründern zufolge aus. »Fertigmischungen kommen uns nicht in die Backstube – unsere BäckerInnen und KonditorInnen verwenden ausschließlich hochwertige Zutaten und stellen alles selbst her: vom Teig über die Glasuren und Füllungen bis hin zu den Toppings«, heißt es auf der Webseite.

Brammibal's expandiert Inzwischen gibt es Brammibal's nicht mehr nur in Berlin, sondern auch in Hamburg. Foto Mitch Altman // flickr.com

Text Kristina Baum Info brammibalsdonuts.de

Dieser ethische Aspekt zeigt sich auch in den Klima-und FairTrade-Bemühungen von Brammibal's: »Wir arbeiten mit tollen Nachbarn und Partnern zusammen, die om unsere Werte teilen – wie zum Beispiel der Kaffeerösterei Populus. Transpa- freepik.c // renz, Umweltfreundlichkeit und Chancengleichheit werden dort auf der l.com Suche nach der besten Kaffeebohne großgeschrieben. Durch die direkte Verbindung zu ihren Kaffeebauern gewährleisten Populus nicht nur beste Qualität, sondern auch ehrliche Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Unsere nachhaltige und faire Schokolade beziehen wir über Original Beans, die ihre Kakaobohnen direkt von den Kakaobauern kaufen. Der Einkaufspreis liegt hierbei 1,84x über dem Fairtrade Preis. Twisted Nut beliefert uns mit Nussbutter, die in Berlin von Hand geröstet und gemahlen wird. Außerdem verwenden wir ausschließlich Nüsse, Kokosraspeln, Vanillestangen und gefriergetrocknete Früchte aus nachhaltigem Anbau. Für unsere Fruchtglasuren pürieren wir ganze Früchte, bevorzugt aus nachhaltigem Anbau, wenn möglich.« Auch die Mitarbeitenden in der Backstube werden eigenen Angaben zufolge übertariflich bezahlt. Für das Team gilt deshalb aber ebenso: Sie sollten den veganen Lebensstil unterstützen, um sich mit den Produkten und der Marke identifizieren zu können. Fot oR aw pi xe

Besonders ist, dass die Donuts täglich frisch gebacken und verziert werden – in der firmeneigenen Backstube in Neukölln. In ihrer Berliner Donut-Manufaktur stellt Brammibal's mittlerweile täglich mehr als 10.000 Kringel her. Und alle sind zu 100 Prozent vegan: »Herkömmliche Donuts sind aus tierischen Produkten gefertigt. Im Teig sind Eier, Milch und Butter, die Glasuren werden häufig mit Gelatine verdickt, die Schokolade enthält oft Milchzucker und

die Streusel Farbstoffe. Industriell hergestellte Donuts besitzen außerdem viele Zusatzstoffe, da sie sonst nicht wochenlang halten würden. Wir verwenden nur pflanzliche Stoffe, wie Margarine und Pflanzenmilch und verzichten auf Eier, Gelatine und Farb- und Zusatzstoffe«, erklären Brammibal's in einem FAQ auf der Webseite des KaDeWe. Besonders ist auch das monatlich wechselnde Angebot. Bienenstich, White Choc & Berries, Cranberry Walnut, Cinnamon Sugar und Caramel Hazelnut, Tiramisu, Boston Cream – die Liste an schmackhaften Donuts mit und ohne Füllung ist tatsächlich lang. Zudem gibt es stets einen Donut, der wohltätige Zwecke unterstützt: »Jeden Monat spenden wir einen Euro von jedem verkauften Donut an verschiedene Organisationen und NGOs, die versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Seit der Einführung des Charity Donuts im Jahr 2018 haben wir 306.805 Euro für wohltätige Zwecke gespendet.« Das Geld ging unter anderem an den Tierschutz in Berlin, an Sea Shepherd und das Frauenhaus Cocon.

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Fliegende Rätsel EIN NEUES K AMERASYSTEM SPÜRT HIMMELSPHÄNOMENE AUF

An der Universität Würzburg hat ein Forscherteam um den Raumfahrtexperten Hakan Kayal ein Kamerasystem in Betrieb genommen, das mit Hilfe Künstlicher Intelligenz unbekannte Himmelsphänomene aufspüren und klassifizieren soll. Auch wenn sich die meisten dieser Phänomene erklären lassen, bleibt ein kleiner Prozentsatz, der nicht erklärbar ist. Kayal und sein Team wollen herausfinden, was sich hinter diesen unerklärbaren Sichtungen verbirgt.

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uch heutzutage birgt der Himmel über uns viele Rätsel. Menschen sehen immer wieder eigenartige Leuchterscheinungen oder objektartige Phänomene, die sie sich nicht erklären können. Oder sie finden Objekte auf Fotos, die sie beim Aufnehmen des Bildes nicht gesehen haben. Diese »Unidentified Aerial Phenomena« (UAPs) oder unbekannte Himmelsphänomene sorgen zwar immer wieder für Gesprächsstoff. Aber seriöse wissenschaftliche Forschung über sie ist selten. Wissenschaftler an der Uni-

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TECHNIK T H E M A

versität Würzburg wollen das ändern und betreiben seit einem halben Jahr ein Kamerasystem, das UAPs aufspüren und klassifizieren soll. Früher hießen diese Objekte »UFOs«, aber Wissenschaftler und Luftfahrt-Experten nutzten die neue Bezeichnung UAP. So wollen sie verhindern, dass jede Sichtung als Erscheinen außerirdischer Besucher in seltsamen Fluggeräten belächelt wird. »Die meisten dieser Beobachtungen betreffen bekannte Phänomene oder Objekte wie Vögel, Flugzeuge, Satelliten oder Wolken. Bei einem sehr kleinen Anteil bleibt die

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Himmelsbeobachter

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SkyCAM-5 auf dem Dach eines Gebäudes der Universität Würzburg. Foto Hakan Kayal // Universität Würzburg

Hakan Kayal und sein Team betreiben ein Kamerasystem zur Erforschung unbekannter Himmelserscheinungen. Foto Hakan Kayal // Universität Würzburg

Ursache aber auch nach intensiver Untersuchung durch Fachleute ungeklärt«, sagt Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Kayal beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen rätselhaften Himmelserscheinungen. Daher hat er an seiner Professur einen eigenen Forschungsschwerpunkt etabliert. Das Kamerasystem SkyCAM-5 ist das neueste Produkt dieser Arbeit. Es nutzt die Erfahrungen aus vier Vorgängerprojekten und ist seit Dezember 2021 in Betrieb.

Optiken, Radar oder Spektrometer. In der Astronomie dienen Spektrometer dazu, die chemische Zusammensetzung eines Sterns oder eines leuchtenden Gasnebels zu bestimmen.

WIE SKYCAM-5 FUNKTIONIERT Das System ist eine Testplattform, die autonom arbeitet. Äußerlich eine unscheinbare graue Box mit einer Kameraoptik, beobachtet es ständig den Himmel und sichert die Ergebnisse in einer Datenbank. Speziell entwickelte Auswertungsprogramme erlauben der SkyCAM, Objekte wie Vögel oder Luftfahrzeuge, aber auch Blitze oder Meteore zu erkennen. Kayal und sein Team greifen hier auf Künstliche Intelligenz zurück, um die Anzahl von Fehlortungen möglichst gering zu halten. Das System lernt aus Fehlern und wird mit der Zeit immer besser. So hat das System seit Dezember immer wieder Vögel, Flugzeuge und Hubschrauber erkannt und korrekt eingeordnet. Hakan Kayal und sein Team hoffen, mit einem Netz aus weiteren SkyCAMs die immer wieder auftretenden UAPs besser verstehen zu können. Ideal wären auch weitere Sensoren wie Infrarot-

Gewitter aus dem All Hintergrundbild: Diese Bild von Gewittern über Mexiko nahmen Astronauten auf der Internationalen Raumstation auf. Der rote Punkt über dem weißen Gewitterblitz im linken Bildteil ist ein ›Red Sprite‹. Das sind erst seit kurzem bekannte elektrische Entladungen über Gewittern, die oft als UFOs eingestuft wurden. Foto NASA

Kayals Interesse an UAPs mag exzentrisch erscheinen, zumal er einer der wenigen Wissenschaftler hierzulande ist, der sich mit ihnen beschäftigt. Dabei nehmen wissenschaftliche Institutionen und auch das Militär in anderen Ländern diese Phänome durchaus ernst. So veröffentlichte das US-amerikanische Verteidigungsministerium Mitte des vergangenen Jahres einen Bericht über UAP-Sichtungen durch US-Militär zwischen 2004 und 2021. Der Bericht umfasst 144 Vorfälle. Bei 80 UAPs handelte es sich um physische Objekte, die von verschiedenen Quellen gleichzeitig registriert wurden. Bis auf fünf Prozent konnten alle anderen auf Objekte wie Wetterballone, Flugzeuge, herrenlose Drachen, Lichtreflexe auf Wolken, Blitze und andere Naturphänomene zurückgeführt werden. Die französische Raumfahrtagentur CNES unterhält seit langem eine eigene Beobachtungsstelle für UAP-Sichtungen. Dort geht man von 3,4 Prozent nicht erklärbarer Beobachtungen aus. Zudem finden Wissenschaftler immer noch bislang unbekannte Phänomene in der Erdatmosphäre. So wurden im Laufe der 1990er Jahre erstmals elektrische Entladungen in sehr großen Höhen beobachtet, die meist im Umfeld von Stürmen und Gewittern auftreten. Oft sind sie nicht einfach weiß, wie ein gewöhnlicher Blitz, sondern beispielsweise rot oder blau. Auch auf Aufnahmen aus dem Weltraum sind sie zu sehen und sorgten lange für Rätselraten, bevor sich ihre wahre Natur herausstellte. ZWICKAUER-DEMOKRATIE-BUENDNIS.DE Text Friedrich List 11 22

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TITEL

CARE WORK »

Foto master 1305 // freepik.com

WENN KÜMMERN ZUR FALLE WIRD

Von wegen: »Das bisschen Haushalt mach sich von allein.« Einkaufen, Waschen, Putzen, Kinderbetreuung, Wehwehchen weg küssen, Fahrdienst, Familienmanagement – klingt nach ganz schön viel Arbeit. Ist es auch und zwar vornehmlich die der Frauen. Und sie ist unbezahlt, was in mehr als einer Hinsicht zur Falle werden kann.


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ines gleich vorweg: Ja, es geht um Gleichstellung und Gerechtigkeit und ja, wir wissen, dass nicht nur Frauen Unglaubliches für ihre Familien leisten, es gibt auch Männer und wir lieben sie dafür. Doch das Gros der unentgeltlichen sogenannten Care-Work (dt: Pflege- oder Sorgearbeit) wird weltweit nach wie vor von Frauen geleistet. Wem das Thema also zu feministisch daherkommt, dem sei empfohlen: Hör auf zu lesen! Für alle anderen gilt: Willkommen in der Wirklichkeit! Care-Arbeit ist weiblich

ZWISCHEN CARE WORK UND GENDER CARE GAP Das European Institute for Gender Equality (kurz: EIGE) definiert den Begriff1 kurz und knapp wie folgt: »Arbeit, bei der sich jemand um die körperlichen, psychologischen, emotionalen und Entwicklungsbedürfnisse eines oder mehrerer anderer Menschen kümmert.« Care-Arbeit beschreibt also sämtliche unbezahlten und bezahlten (re-)produktiven Tätigkeiten des Sich-Sorgens und Sich-Kümmerns. Empfänger dieser Pflege (Care) sind laut EIGE in der Regel Kleinkinder, Kinder im Schulalter, kranke Menschen, Menschen mit einer Behinderung und ältere Menschen. Damit unterscheiden wir eigentlich zwei grundsätzliche Formen von Care-Work, nämlich die professionelle, also bezahlte Pflegearbeit, wozu beispielsweise öffentliche oder private Gesundheitsdienste, aber auch Erzieher und Lehrer, Sozialarbeiter, öffentliche oder private Fürsorgeleistungserbringer und viele andere mehr hineingehören; und die unbezahlte Pflegearbeit, wozu sich Freiwillige und Organisationen im Bereich des Gemeinwesens, Glaubensorganisationen oder -netzwerke zählen dürfen. Und während das eine bezahlte Lohnarbeit darstellt, findet Zweiteres zumindest gesellschaftliche Anerkennung.

Bleibt eigentlich nur eine Gruppe ungenannt: die familiären Kümmerer. Und die sind in der Regel weiblich. Warum man das so herausstellen muss? Weil es für diese Diskrepanz zwischen dem weiblichen und männlichen Kümmern einen Begriff gibt und der lautet: »Gender Care Gap«2. Mit diesem wird der prozentuale Unterschied der durchschnittlichen täglichen Zeitverwendung von Frauen und Männern für unbezahlte Sorgearbeit ausgewiesen. Dafür werden die Tätigkeiten der Haushaltsführung (einschließlich Reparaturarbeiten, Gartenpflege, Sorge für Tiere), Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenen sowie ehrenamtliches Engagement und informelle Hilfen für andere Haushalte einbezogen – jeweils einschließlich der dazugehörigen Wegezeiten. Wie im Zweiten Gleichstellungsbericht des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2015 zu lesen ist, wurde der Gender Care Gap »auf Basis der Daten der dritten Zeitverwendungserhebung aus den Jahren 2012 und 2013 ermittelt und liegt bei 52,4 Prozent. Frauen üben demnach ungefähr eineinhalb Mal so viel unbezahlte Sorgearbeit aus wie Männer. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind das täglich im Durchschnitt 87 Minuten mehr.« Das es sich dabei natürlich nur einem Mittelwert handelt, versteht sich von selbst.

Auch in Deutschland verrichten Frauen ungefähr eineinhalb Mal so viel unbezahlte Sorgearbeit wie die Männer. Foto Brooke Cagle // unsplash.com

ESSENZIELL UND UNVERMEIDLICH Wer gern etwas genauer wissen möchte, wie viel Zeit er/sie in die Sorgearbeit investiert, dem sei eine App namens »WhoCares« empfohlen. Die kostenlose App misst nicht nur die genaue Zeit, welche die Nutzer*innen für unbezahlte Care Work aufbringen, sie errechnet auch, wie viel man eigentlich verdienen müsste, würde diese bezahlt werden. Was damit bezweckt wird? Ganz einfach, es geht um die Frage: Was wäre wenn? Wenn man für das Putzen, Kochen, Einkaufen einen Lohn bekäme. Wie viel würde man mehr verdienen? Dabei geht es nicht um das schnöde Aufrechnen von Arbeitsleistung gegenüber dem Partner oder Partnerin – nach dem Motto: Ätsch, ich arbeite mehr als du! Das Problem ist viel größer und vor allem tiefgreifender, es geht um sogenannte Reproduktionsarbeit. Und diese definiert sich wie folgt:

»Reproduktionsarbeit vom Marxschen Begriff der Reproduktion der Arbeitskraft abgeleitete Bezeichnung für Arbeitsverrichtungen außerhalb des Sektors formeller Erwerbsarbeit, die dem Erhalt der individuellen Arbeitsfähigkeit und zur Sicherung der Erhaltung der Arbeitsbevölkerung dienen. Durch Reproduktionsarbeit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass diese Tätigkeiten zu den gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten zählen, d. h. Arbeit sind. Zur Reproduktionsarbeit zählen die Arbeiten des Gebärens, des Aufziehens und der Erziehung der zukünftigen Arbeitsbevölkerung, der physischen und psychischen Betreuung der Arbeitskräfte (einschließlich derer, die künftig Reproduktionsarbeit übernehmen werden) und des Erhalts ihrer Arbeitsfähigkeit, die Versorgung von Kranken und Arbeitsunfähigen.« (Quelle: https://eige.europa.eu/de/taxonomy/term/1351)

Gender Gap ... ... beschreibt allgemein die Kluft zwischen den Geschlechtern. Grafik fatmawatilauda // freepik.com

[1] https://eige.europa.eu/thesaurus/terms/1059?lang=de [2] https://www.gleichstellungsbericht.de/zweiter-gleichstellungsbericht.pdf

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Alles klar? Die im familiären Umfeld geleistete Sorgearbeit ist demnach essenziell. Um das wirtschaftliche System, von dem wir alle abhängig sind, aufrecht zu erhalten, braucht es die Kümmerer. Denn sie sorgen nicht nur dafür, dass wir erholt und wohlgenährt unseren Brotjobs nachgehen können, sondern auch dafür, dass es künftig überhaupt genügend Arbeitskräfte gibt. Und genau da setzt die App an. Sie will Aufmerksamkeit schaffen für das, was als selbstverständlich gilt. Wie viel ist meine unbezahlte Care-Arbeit wert? WhoCares ist eine App, mit der du deine tägliche Sorge- und Pflegearbeit zeitlich erfassen und in Lohn umrechnen kannst. Foto | Grafik Mehrpouya // unsplash.com | WhoCares

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FAMILIE UND KARRIERE

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[3] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/wer-gewinnt-wer-verliert-2020 [4] https://www.oxfam.de/system/files/2020_oxfam_ungleichheit_studie_deutsch_schatten-der-profite.pdf

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Apropos Selbstverständlichkeit: Entscheidet man sich für eine Familie, entscheidet man sich auch in aller Regel dafür, dass einer der beiden Partner*innen den Beruf, die Karriere zumindest zeitweise hintenanstellt. Das mag nicht in wirklich jedem Fall so sein, aber überwiegend doch. Schon deshalb, weil es weder genügend Kinderbetreuungsplätze gibt, noch genügend Vorgesetzte, die flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen wollen und manchmal auch branchenbezogen können. Die Entscheidungsfindung ist zumeist recht simpel: Wer verdient mehr Geld und wessen Karriereaussichten sind auf die nächsten Jahre vielversprechender? Eigentlich nachvollziehbar. In den meisten Familien wird die Antwort lauten: Die Frau nimmt sich der Kinder und des Haushaltes an, der Mann sorgt für den Familienunterhalt.

Bezahlte und unbezahlte Arbeit Männer arbeiten im weltweiten Durchschnitt 6 Stunden und 44 Minuten pro Tag und werden für 5 Stunden und 21 Minuten bezahlt – also für mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit. Frauen arbeiten hingegen durchschnittlich 7 Stunden und 28 Minuten am Tag, erhalten aber nur für 3 Stunden und 3 Minuten Lohn – also für rund 41 Prozent ihrer Arbeitszeit. Quelle https://www.ilo.org/global/publications/books/WCMS_633135/lang--en/index.htm

Mit gravierenden Folgen, wie eine Studie3 der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2020 verdeutlicht. Demnach verdienen Frauen, auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet, nur etwas mehr als die Hälfte der Erwerbseinkommen der Männer. In absoluten Zahlen erzielen Frauen im westlichen Teil Deutschlands – in Preisen von 2015 gerechnet – ein erwartetes durchschnittliches Lebenserwerbseinkommen (vor Steuern, Abgaben und Transfers, – also staatliche Leistungen wie das Eltern- oder Kindergeld – für das 20. bis 60. Lebensjahr) von rund 830.000 EUR, während Männer durchschnittlich rund 1,5 Millionen EUR verdienen. In Ostdeutschland fallen die erwarteten Lebenserwerbseinkommen insgesamt geringer aus. Während Männer rund 1,1 Millionen EUR erwerben, kommen Frauen nur auf rund 660.000 EUR. Diese Lücke im Lebenserwerbseinkommen nennt man übrigens Gender Lifetime Earnings Gap. Für die jüngsten Jahrgänge von Frauen, die heute Mitte 30-Jährigen, bedeutet dies, dass sie rund 45 Prozent auf das Einkommen ihrer männlichen Kollegen in Westdeutschland verlieren, in Ostdeutschland sind es 40 Prozent. Noch krasser erscheint die Kluft mit Blick auf das Qualifikationsniveau: »Bis zum Geburtsjahrgang 1974 erzielen hoch qualifizierte Frauen im Durchschnitt nur so viel Erwerbseinkommen wie gering qualifizierte Männer. Jüngere Akademikerinnen können immerhin ein ähnliches Lebenserwerbseinkommen wie mittelqualifizierte Männer erwarten und holen damit etwas auf.« Kinder führen somit nachweislich zu einer deutlichen Minderung der Lebenserwerbseinkommen ihrer Mütter. Der Grund: vermehrte Teilzeitbeschäftigung sowie längere Auszeiten vom Arbeitsmarkt. Angesichts derartiger Zahlen nehmen sich die 20 Prozent des viel diskutierten Gender Pay Gap (die Lücke in den Bruttostundenlöhnen zwischen Mann und Frau) vielleicht nicht wirklich wie »Peanuts« aus, aber sie »verschleiert, wie groß die Kluft zwischen Männern und Frauen beim Einkommen tatsächlich ist«, sagt Manuela Barišić von der Bertelsmann Stiftung. »Darüber hinaus ist die Lücke in den Lebenserwerbseinkommen auch ein Vorbote der Geschlechterlücke in den Rentenansprüchen.«

CARE WORK »


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WER PFLEGT VERLIERT Und das, obwohl Frauen laut der Oxfam-Studie »Im Schatten der Profite: Wie die systematische Abwertung von Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft«4 im globalen Durchschnitt und in jeder Region der Welt mehr Stunden pro Tag arbeiten als Männer. Allerdings werden sie im Unterschied zu ihren männlichen Pendants für mehr als die Hälfte ihrer Arbeit nicht bezahlt. »Männer arbeiten im weltweiten Durchschnitt 6 Stunden und 44 Minuten pro Tag und werden für 5 Stunden und 21 Minuten bezahlt, – also für mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit. Frauen arbeiten hingegen durchschnittlich 7 Stunden und 28 Minuten am Tag, erhalten aber nur für 3 Stunden und 3 Minuten Lohn – also für rund 41 Prozent ihrer Arbeitszeit.« (Im Schatten der Profite, S. 4) Ein zentraler Faktor für die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen sei somit, dass unbezahlte Hausarbeit, Pflege und Fürsorge weltweit zu drei Vierteln von Frauen geleistet werden, so der Bericht weiter.

WAS UNGLEICHHEIT FÖRDERT

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- In der Wirtschaft zählt nur »produktive« Arbeit, Fürsorgearbeit und Umweltkosten werden ausgeblendet. - Die meiste Fürsorge und Pflege muss in Familien geleistet werden, an öffentlicher Pflegeinfrastruktur mangelt es. - Nur wohlhabende Haushalte können private Pflegedienstleistungen hinzukaufen, wodurch Ungleichheit zwischen armen und reichen Haushalten vertieft wird. - Rollenbilder und Stereotype geben Frauen die Hauptverantwortung für Pflege- und Fürsorgearbeit. - Frauen und Mädchen verrichten einen Großteil der unbezahlten Fürsorgearbeit: kochen, waschen, putzen, Angehörige pflegen, Kinder erziehen. - Bezahlte Pflege- und Fürsorgearbeit sind schlechter entlohnt und ausgestattet als gleichwertige Arbeiten in anderen Branchen und werden zumeist von Frauen ausgeübt. - Sozial-, Steuerrecht und andere Gesetze und Politiken zementieren geschlechtliche Zuschreibungen.

WIE WIR UNGLEICHHEIT ÜBERWINDEN KÖNNEN + Wirtschaftliche Kennzahlen erkennen den Wert von Pflege und Fürsorge an. + Gerechte Steuersysteme ziehen alle – und insbesondere die Vermögendsten und wirtschaftlich Stärksten – zur Finanzierung gemeinsamer öffentlicher Aufgaben heran. + Unbezahlte Pflege- und Fürsorgearbeit werden durch den Aufund Ausbau öffentlicher Pflegeinfrastruktur reduziert. + Politiken der Gleichstellung tragen zur Veränderung von Rollenbildern und Stereotypen bei. + Arbeitszeit-, Familien- und Sozialpolitik machen es allen möglich, Fürsorgearbeit und Erwerbsarbeit zu kombinieren. + Unbezahlte Tätigkeiten werden innerhalb von Haushalten neu verteilt. + Pflegende sind sozial abgesichert, durch universelle Renten, Kindergeld und andere Leistungen. + Pflegende sind in Politik und Wirtschaft repräsentiert und finden dort Gehör. Quelle www.oxfam.de/system/files/2020_oxfam_ungleichheit_studie_deutsch_schatten-der-profite.pdf, S.9

TRADITIONELLER HUTZNOHMD 02.12. / 10.12. / 11.12.2022 17 bis 20 Uhr

Ein Unterhaltungsprogramm rund um das erzgebirgische Weihnachtsbrauchtum mit Neinerlaa und Schnitz- & Klöppelvorführung Informationen und Reservierung unter 037298 9394-0 www.bergbaumuseum-oelsnitz.de 11 22

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Natürlich spiegeln diese Zahlen die weltweite Situation wider, was nichts an dem Fakt ändert, dass auch in Deutschland im Jahr 2022 die Hauptlast der Care Work auf weiblichen Schultern lastet. Um sich der globalen wirtschaftlichen Dimensionen bewusst zu werden, hilft das Verständnis, dass alle genannten Arbeiten prinzipiell auch bezahlt und professionell als Erwerbsarbeit geleistet werden könnten. Stichwort: Erzieher*innen, Altenpfleger*innen oder Hausarbeiter*innen. Tatsächlich aber blenden wir in unserer Wirtschaft »Hausarbeit, Pflege- und Fürsorgetätigkeiten in Familien, Haushalten und Gemeinschaften systematisch aus. Diese Arbeit gilt als unproduktiv, nicht wertschöpfend und letztlich außer-ökonomisch. Würde diese Arbeit bezahlt, verfügte sie über einen ökonomischen Wert von jährlich mehr als 10,8 Billionen US-Dollar. Das ist eine 14-stellige Zahl und entspricht dem Dreifachen des weltweiten Umsatzes im IT-Sektor. Während dort aber fette Gewinne eingefahren werden, gehen die Pflegenden leer aus.« (Im Schatten der Profite, S.5)

Sich Kümmern Aufmerksamkeit schenken, sich einer Sache annehmen, helfen, sich um jemanden sorgen. Foto Matheus Ferrero // unsplash.com

BUCHTIPP KÜMMERN IST MEHRWERT Guter Rat ist bei dieser Faktenlage teuer. Genauso wie die Bereitschaft zur Care-Arbeit, zumindest für all jene, die sie leisten. Klingt bitter, ist es auch! Denn wer sich kümmert, leistet zwar viel, bekommt aber in aller Regel wenig – auch Rentenpunkte. Und was passiert, wenn die Partnerschaft zerbricht? Care-Arbeiter*innen müssen einerseits lernen, sich unabhängig von ihrem Partner abzusichern. Andererseits gehören darüber hinaus die politischen Rahmenbedingungen angepasst, finden die beiden Autorinnen Susanne Garsoffky und Britta Sembach. Sie fordern in ihrem Buch »Die Kümmerfalle« eine gerechtere und vor allem geldwerte Berücksichtigung der Care-Arbeit. Ideen liefern die Autorinnen auch gleich mit: So schlagen sie vor, das Ehegattensplitting durch ein Familiensplitting, welches all jene entlastet, die sich um Kinder kümmern, zu ersetzen. Und auch die Zugewinngemeinschaft halten die beiden Mütter für fragwürdig und plädieren anstelle dessen für eine Errungenschaftsgemeinschaft. Einem in Europa durchaus gängigen Prinzip, welches alle in der Ehe erwirtschaften Werte bereits während der Verbindung gerecht beiden Partnern zuteilt. Bisher wird in Deutschland erst im Falle der Scheidung geteilt. Ebenfalls angesprochen wird ein sogenanntes Rentensplitting, was zwar in Deutschland möglich sei, nur wisse kaum jemand davon. Zudem müssen sich beide Partner ausdrücklich dafür entscheiden. Die Schweizer lösen das im Übrigen wie folgt: Beide Ehepartner erhalten automatisch jeweils die Hälfte des gemeinsam erwirtschafteten Rentenanspruchs. Klingt doch vernünftig, oder? Diese und weitere Ideen lassen sich in dem »streitbar(en) und faktenreich(en)« (Brigitte woman vom 5. Oktober 2022) Sachbuch nachlesen.

Die Kümmerfalle Kinder, Ehe, Pflege, Rente – Wie die Politik Frauen seit Jahrzehnten verrät Susanne Garsoffky, Britta Sembach Verlag: DVA ISBN 978-3-421-04872-1 Preis: 18,50 EUR

Inhalt Frauen halten seit Jahrhunderten den Laden am Laufen, kümmern sich um Kinder und Angehörige. Sie investieren viel in Beziehungen und versuchen zudem, ihren beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Sie kämpfen an allen Fronten und verlieren dennoch. Vor allem in der Lebensmitte gehen immer mehr Ehen und Partnerschaften auseinander. Im Regen stehen diejenigen, die für die Fürsorgearbeit beruflich zurückgesteckt haben: Frauen. Die Politik verweist nur schulterzuckend auf die Gesetzeslage – und die ist aus frauenpolitischer Sicht ein Skandal. Wir sagen: Damit muss Schluss sein. Die Lebensleistung von Frauen – und damit meinen wir Fürsorglichkeit und die Übernahme von Verantwortung für andere – muss endlich anerkannt und sozial abgesichert werden. Frauen sind nun mal anders als Männer, und es ist das weibliche Prinzip, das unsere Gesellschaft zusammenhält.

Über die Autorinnen Susanne Garsoffky arbeitete bei der Berliner Morgenpost und als Autorin und Redakteurin beim WDR. Zuletzt gestaltete sie das frauenpolitische Magazin »frauTV« mit. Sie ist Mutter zweier Söhne. Britta Sembach arbeitete als Redakteurin, Reporterin und Autorin für die Nachrichtenagentur Reuters, diverse PrintSusanne Garsoffky medien und TV-SenFoto Gudrun Senger der, etwa den WDR. Seit mehreren Jahren ist sie neben ihrer journalistischen Arbeit in freier Praxis als Mediatorin BM® und Kommunikationstrainerin tätig. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne. Bei Pantheon ist von beiden Autorinnen bereits »Die Alles ist möglich-Lüge« (2014) erschienen. Britta Sembach Foto Gudrun Senger

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Finanzielle Absicherung fürs Alter ist ein wichtiges Thema, gerade für Frauen. Mit Finanzfachfrau und Sparkassenbetriebswirtin Nicole Klappstein sprach KOMPASS allgemein zu Vorsorgemöglichkeiten. HINWEIS: Nur eine individuelle Beratung kann wirklich Auskunft über maßgeschneiderte Produkte zur Vorsorge geben!

KOMPASS: Sind sich Frauen der entstehenden Finanzlücke bewusst und wo liegt die Herausforderung bei der Beratung?

Nicole Klappstein: Ich glaube, dass sich die Frauen nicht immer bewusst sind, dass es möglicherweise zu einer Benachteiligung kommt. Erst wenn man den Rentenbescheid in der Hand hält, den Bruttobetrag liest und realisiert, das ist noch nicht mal das, was ich tatsächlich netto Nicole Klappstein rausbekomme. Also ja, es könnte schon eine sehr Die Sparkassenbetriebswirtin große Lücke entstehen. Deshalb sollte man sich leitet die Innenstadtfiliale am Zwickauer Hauptmarkt. unbedingt mit dem Thema Altersvorsorge ausFoto JoKri einandersetzen. Gerade verheiratete Frauen wähnen sich oft grundsätzlich in einem anderen Sicherheitsnetz als beispielsweise alleinstehende. Da ist die Herausforderung, das Bewusstsein für eine eigene Absicherung zu fördern. Bei alleinstehenden Frauen, alleinerziehenden Muttis ist die Herausforderung eher die des finanziellen Budgets. Das Familienbudget einer kompletten Familie sieht nun mal zumeist anders aus, da ist eher ein Sparanteil möglich, als bei einer Mama, die das allein stemmen muss. In der Jugend sieht man oft noch nicht die Notwendigkeit, vorzusorgen. Das kommt meist erst später. Wann wäre aus ihrer Sicht ein idealer Zeitpunkt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen? Und gibt es vielleicht sogar eine Höchstgrenze? Der ideale Zeitpunkt ist eigentlich bereits dann, wenn man sein erstes eigenes Geld verdient. Da ist es am einfachsten, sich schon mal daran zu gewöhnen, einen Teil des Einkommens direkt für die Altersvorsorge aufzuwenden. Beispielsweise fünf Prozent von Netto- oder Bruttolohn – je nachdem, wie man es rechnen möchte – wegzupacken und vielleicht wirklich mit 25 EUR einfach mal zu starten, tut nicht so weh. Eine Grenze nach hinten würde ich so nicht festsetzen wollen, weil es auch dann darauf ankommt, wie der Geldbeutel aussieht. Man kann auch mit Einmalsummen durchaus noch etwas für die Altersvorsorge tun. Das ist immer ein wenig davon abhängig, wie lange ich vorhabe, im Berufsleben zu stehen. Auch das ändert sich gerade, viele arbeiten über das 65. Lebensjahr hinaus. Es ist natürlich recht einfach, mit einem guten Einkommen vorzusorgen. Aber gerade Frauen haben aufgrund von Teilzeitanstellung oder Berufswahl oft geringere Einkommen. Kann man auch mit kleinen Beträgen vorsorgen und lohnt sich das überhaupt? Es lohnt sich auf alle Fälle auch mit kleinen Beiträgen etwas zu tun. Selbst niedrige Beträge bessern das Alterseinkommen auf. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten der Förderung. Man kann zum einem über die RiesterZulage – zumindest im Augenblick noch – Zulagen für Kinder und sich selber nutzen, da stehen ganz verschiedene Produkte zur Wahl. Dort wird es allerdings in den nächsten Jahren sicherlich eine Änderung geben. Aber momentan erhält jeder eine ordentliche staatliche Zulage in Höhe von jährlich 175 EUR für sich selbst und für jedes Kind, welches nach 2008 geboren ist, bekommt er 300 EUR im Jahr als Zuschuss für die Altersvorsorge.

MONEY ON HER MIND

Der Podcast von Frauen für Frauen Nur knapp zehn Prozent der Frauen in Deutschland legen ihr Geld in Wertpapieren an. Dabei ist es für Frauen besonders wichtig, sich frühzeitig mit der eigenen Altersvorsorge und dem Vermögensaufbau zu beschäftigen. Wie man den Einstieg in das Thema findet und sogar Spaß an der persönlichen Finanzplanung haben kann, ist Thema der Podcast-Reihe „Money on Her Mind“ – von Frauen für Frauen. Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann und Moderatorin Tanja Heckert sprechen über alles rund um Female Empowerment und finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Der Podcast richtet sich vor allem an Frauen, die sich für Wertpapiere interessieren, aber bislang wenig oder noch keine Berührungspunkte mit der Geldanlage hatten. Ob Altersvorsorge, Budgetplanung oder auch das Erklären von wichtigen Finanzbegriffen: „Money on Her Mind“ ist unterhaltsam, informativ – und vor allem nahbar und verständlich.

Einfach mal reinhören! 11 22

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Foto Marten Bjork // unsplash.com

Und die zweite Variante, die man nutzen und gleichzeitig den Geldbeutel etwas schonen kann, ist eine betriebliche Altersvorsorge. Da spart man etwas an und profitiert von einem Steuervorteil, das funktioniert auch bei kleinen Einkommen. Diese werden oft im Rahmen einer Direktversicherung angeboten. Arbeitgeber sind verpflichtet, für diese einen gewissen Prozentsatz beizusteuern, nämlich ihre Einsparung an den Sozialabgaben. Das heißt für den Arbeitgeber entstehen keine weiteren Kosten? Nein. Nicht wenige steuern mittlerweile auch eigene Beträge zu, nach dem Motto: ›Pass auf, statt einer Lohnerhöhung bekommst du in deine betriebliche Altersvorsorge noch den Betrag x obenauf.‹ Das Ganze wird vom Bruttolohn abgeführt, was für den Arbeitnehmer den Vorteil hat, dass er von einer Steuereinsparung an dieser Stelle profitiert. Sprich, wenn er sich für 100 EUR Sparen entscheidet, wird er in der Regel nur mit 60 EUR aus seinem Nettoeinkommen belastet. Hinweis: Die geförderte Altersvorsorge-Säule ist mit einer Nachversteuerungspflicht und auch einer Rentenbesteuerungspflicht belegt! Es ist immer sinnvoll, die Altersvorsorge auf verschiedene Füße zu stellen. Das kann man beispielsweise mit einer privaten Altersvorsorge, wo ich am Ende niemanden Rechenschaft ablegen muss, ob ich mir die Summe im Ganzen nehme oder mir eine lebenslange Rente auszahlen lasse. Bei der Einmalzahlung wird einem sogar ein steuerlicher Vorteil gewährt, wenn man die sogenannte 12/62 nutzt. D.h. der Vorsorgevertrag muss mindestens bis zum 62. Lebensjahr laufen und mindestens 12 Jahre bestanden haben. Dann hat man da noch mal den Vorteil, dass die Erträge, die dort erwirtschaftet wurden, nur zur Hälfte versteuert werden. Nehmen wir ein fiktives Beispiel: Eine Mama von zwei Kindern hat 50 EUR als Spareinlage im Monat zur Verfügung. Wie würden sie vorgehen, wie würden sie die anlegen? Ich würde die Zulagen über Riester noch nutzen. Wir würden also schauen, was sie da konkret einzahlen muss. Dort ist ja der Vorteil, dass, wenn man wenig verdient, man auch nur wenig einbringen muss, um die vollen Zulagen zu erhalten. Das sind immer vier Prozent des Bruttolohnes. Man kann also mit einem relativ geringen Eigenbeitrag die Zulagen voll nutzen.

Das wären pro Kind die 300 EUR plus die eigene Zulage, sodass wir hier schon bei einem stattlichen Betrag von 775 EUR sind, die man im Jahr vom Staat dazubekommt, mit einer relativ kleinen Sparleistung. Steht mir die Zulage auch zu, wenn ich »nur« einen Minijob habe? Ja, wenn der Lohn rentenversicherungspflichtig ist. Das ist die Grundvoraussetzung, dann kann ich riestern. Oder mein Mann hat einen Riester-Vertrag dann sollte er, wenn möglich, nicht noch die Kinderzulagen einstreichen, sondern einfach seinen höheren Beitrag von Einkommen bezahlen und dann kann die Frau einen sogenannten Rucksackvertrag machen, auch wenn sie gar nicht berufstätig ist. Und was zahlt man dann? 60 EUR im Jahr, sprich fünf EUR im Monat. Lohnt es sich auch noch mit vierzig oder fünfzig Jahren mit einer Vorsorge anzufangen? Ja. Aber dann sollte man diese natürlich etwas offensiver gestalten. Das wäre auch der zweite Part zu der vorherigen Frage, denn von den 50 EUR würde in unserem Beispiel bei der Mama noch etwas übrig sein. Sie wird also nicht die gesamten 50 EUR für die Förderungen aufwenden müssen und dann kann sie natürlich dort als zweites Standbein eine private Altersvorsorge abschließen. Sie könnte das Geld auch in eine Fondspolice stecken, wo sie von Entwicklungen an Märkten und Renditechancen profitieren kann und am Ende dennoch selber entscheidet, wie sie ihr Geld verwenden möchte. Die Riesteranlage ist ja auf eine regelmäßige Rente ausgerichtet und die private Altersvorsorge kann man dann entweder als Rente oder als Einmalbetrag verwenden. Das gleiche Prinzip kann man ebenfalls für ältere Rentensparer nutzen.

Foto Jordan Rowland // unsplash.com

Es muss auch nicht immer zwingend eine Versicherung sein. Man kann auch in eine reine Aktienanlage investieren. Der Vorteil: Man ist flexibel, was die monatliche Besparung betrifft. Auch wenn man mal aussetzt oder mehr einzahlen möchte oder vielleicht – aus einer kleinen Erbschaft – einen Betrag extra zur Verfügung hat, den man in die Altersvorsorge geben will. Der Nachteil des Fondsvermögens ist allerdings die volle Versteuerung der Gewinne.

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Grundsätzlich gilt: Man muss sich immer die individuelle Situation der gesamten Familie anschauen. Was ist schon da, was zahlen vielleicht auch Firmen oder Zusatzversorgungskasse mit ein? Was bekomme ich von der gesetzlichen Rente? Das muss man wirklich genau analysieren, um aus dem Baukasten den richtigen Baustein herauszusuchen, welcher am besten in das vorhandene Budget passt. Dafür sollte man sich immer einen Berater an die Seite holen, dem man vertraut. Text JoKri

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Nicht nur vom Fach. Sondern von Audi. Ihr Audi in besten Händen: im Audi Zentrum Zwickau. Es sind die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Vertrauen Sie deshalb auf uns: Ihren Audi Partner in Zwickau. Unser Audi Service bietet Ihnen Leistungen, die speziell auf Sie und Ihren Audi abgestimmt sind. Damit Sie gut in den Herbst starten können und Ihnen unterwegs nichts Unerwartetes dazwischenkommt, empfehlen wir Ihnen einen saisonalen Check-up für Ihren Audi. Gehen Sie auf Nummer sicher mit dem:

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JAMMER-

KULTUR I M M E R WA S Z U M EC K E R N ...

Foto Nakaridore // freepik.com

Das Nachbarskind ist zu laut, der Kollege hat den letzten Kaffee ausgetrunken, man steht mal wieder im Stau und ausgerechnet am Wochenende regnet es – Gründe zum Meckern, Motzen und Jammern finden sich immer. Aber warum tun wir das überhaupt? Eigentlich geht es uns in all dem Wohlstand doch gut. Also warum nicht lieber das Positive sehen? Brauchen wir unser kleinliches Gemecker und sind wir Deutschen darin wirklich so Spitze, wie oft behauptet?

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eckern ist menschlich. In ihrem Buch »Deutschland, einig Jammerland« beschreiben die Diplom-Psycholog*innen Michael Thiel und Annika Lohstroh, dass Motzen im richtigen Moment ein wichtiges Ventil für innere Spannungszustände ist, dauerhaftes Jammern jedoch sogar krank machen kann. Natürlich darf auch negativen Gefühlen Raum gegeben werden: Fluchen, sofern es nicht zu einem Dauerzustand wird, kann beispielsweise Schmerzen lindern, wie eine Studie der Keele University nahelegt. Dennoch kann dauerhaftes Nörgeln der Mitmenschen zu einer Belastungsprobe der eigenen Nerven werden. Und manchmal ist es gar nicht so leicht, die persönlichen Grenzen des Zumutbaren zu erkennen und den richtigen Weg zu finden, sich von Dauergejammer zu distanzieren: Nicht in das Gemecker der Kolleg*innen oder Familienangehörigen einzusteigen, ist die niedrigschwelligste Form der Abgrenzung: Abschalten und Aushalten. Doch dass dies nicht immer gelingt, haben die meisten von uns schon persönlich erfahren. Mit stoischer Ruhe jede Tirade des Selbstmitleids an sich abprallen zu lassen, ist eben auch ein sehr hoher Anspruch. Also doch einfach augenrollend die Flucht ergreifen, wenn sich bei der Familienfeier über vermeintliche Ungerechtigkeiten beschwert wird? Es gibt Mittelwege.

Verantwortung übernehmen Wir meckern um von unserer eigenen Schuld an einer unangenehmen Situation abzulenken. So schützen wir unser Ego. Foto Raychan Bob // unsplash.com

MECKERN ALS AUSDRUCKSFORM Meckern will gelernt sein Jammern ist bei Kindern das beliebteste und erfolgreichste Druckmittel, mit dem sie ihre Ziele erreichen können. Aus diesen Erfolgen lernen wir und wenden die Strategie auch als Erwachsene an. Foto Mick Haupt // unsplash.com

Haben wir uns nicht alle schon einmal bei dem Gedanken ertappt, dass es unserem meckernden Gegenüber gar nicht um das eigentliche Thema, sondern vielmehr um generelle Aufmerksamkeit geht? Damit liegt man womöglich nicht falsch. Vielleicht kennt man sogar Situationen, in denen man selbst aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat. Vielleicht wurde einem dann sogar zugehört? Unser Gehirn hat es sich gemerkt und je öfter Nörgeleien uns an das gewünschte Ziel führen, umso automatischer kommt diese Strategie zum Einsatz. So ist es möglich, dass sich eine Person über das eigene Meckerverhalten gar nicht im Klaren ist. Vielleicht tut man es sogar selbst? Ganz sicher sogar, lässt sich doch mit einem aufgebrachtem Vor-sich-hin-Knurren und -Brummen mit einfachen Mitteln Druck ablassen. Diese Momente muss sich auch niemand nehmen lassen. Dennoch kann es sich lohnen, das eigene Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen: Habe ich einen Automatismus, eine Bewältigungsstrategie entwickelt, die mir gar nicht bewusst ist und die für Andere oder sogar mich selbst belastend wird? Denn jammern heißt im Grunde ertragen, dulden und aushalten: Man packt das Problem nicht an. Nicht vergessen werden sollte, dass Beschwerden ein durchaus wichtiges und positives Potenzial haben: Sie machen auf Dinge aufmerksam, die verbessert werden können. Dies trifft natürlich nicht auf jedes Gemecker zu: Passt jemandem das Wetter nicht, entsteht daraus wohl keine konstruktive Kritik. Unzufriedenheit sei der erste Schritt zum Erfolg, meinte einst Oscar Wilde. Doch ob er damit gemeint hat, den Blick für das Gute zu verlieren und seinen Fokus auf all die Ungerechtigkeiten und nervtötenden Kleinigkeiten des Alltags zu beschränken, ist zu bezweifeln. Die eigene Unzufriedenheit wahrzunehmen ist wichtig, doch die Art und Weise wie man mit diesem Gefühl umgeht ebenfalls. Wenn wir jammern, drücken wir Unzufriedenheit aus – im Grunde ganz pur und ungefiltert: Wir erlauben uns ein »Dampfablassen« ohne Vorschläge zum Ändern der uns missfallenden Situation parat zu haben. Meckern ist ein spontaner Gefühlsausbruch, könnte man meinen. Doch die Psycholog*innen Thiel und Lohstroh sind ganz anderer Meinung: Jammern verschleiere in Wirklichkeit unsere wahren Gefühle und diene vielmehr als Ablenkungsmanöver: Anstatt sich mit seinen Emotionen auseinandersetzen, suche man lieber die Schuldigen. Als Beispiel führen die Autor*innen einen Wespenstich an. Ein Gefühlsausbruch wäre: »Aua! Ich habe Schmerzen!« Jammern hingegen ist: »Wespen sind furchtbar! Wer hat denn das Fenster offen gelassen?«

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REISSAUS VOR DEN JAMMERLAPPEN Motzen und Jammern kann durchaus ein Ausdruck echter Sorge sein. In diesem Fall auf Veränderungsmöglichkeiten hinzuweisen oder Hilfe anzubieten, kann für die Nörgler*innen eine große Erleichterung sein, die Helfenden jedoch schnell überlasten. Denn nicht alle Jammernden sind Opfer, sondern versuchen andere für ihre eigene Unzufriedenheit verantwortlich zu machen. Wird beispielsweise in einer Freundschaft ständig von einer Seite Dampf abgelassen, während die andere geduldig zuhört oder sogar versucht, die fremden Probleme aus der Welt zu schaffen, sollte eine Grenze gezogen werden. Leider gibt es keine allgemeingültige Formel für den Umgang mit unseren motzenden Mitmenschen: Während sich die einen gar nicht helfen lassen wollen, hilft bei anderen ein kleiner Schubs in die Realität. Denn jedem Jammernden ist der eigene Anteil an seiner Unzufriedenheit bewusst – und sei es auch nur im verstecktesten Winkel seines Hirns. Nur ist es leider herrlich einfach, andere die Suppe auslöffeln zu lassen, die man selbst versalzen hat. Ob man nun das Gegenüber darauf hinweisen möchte, dass der Missstand, über den gemotzt und gemosert wird, (auch) Konsequenz des eigenen Handeln ist, muss man wohl oder übel für jede Situation neu abwägen: Was sich die beste Freundin zu Herzen nimmt, kann der Chefin übel aufstoßen.

WeltmeisterInnen Die Deutschen gelten im Ausland als Dauernörgler*innen. Michael Thiel und Annika Lohstroh sind der Meinung, dass uns unsere historische Vergangenheit tatsächlich unverhältnismäßig meckern lässt. Foto Moritz 320 // pixabay.com

MOTZEN MACHT KRANK

JAMMERN – EINE DEUTSCHE TRADITION

Doch leidet nicht nur die Lebensqualität der Menschen, die von Dauergejammer beschallt werden, auch die Nörgelnden selbst nehmen Schaden: Einer Studie der Stanford University zufolge wirkt sich ein Fokussieren auf Negatives auf die Gesundheit aus. So kann Unzufriedenheit unser Gehirn verändern und den Hippocampus, der für unsere Gedächtnisfähigkeit verantwortlich ist, schrumpfen lassen. Im Jahr 2018 nahm der belgische Gesundheitsminister die schädlichen Folgen des Jammerns sogar derart ernst, dass er zu einem meckerfreien Monat aufrief. Schimpfen und Beschweren setzen das Stresshormon Cortisol frei, welches das Risiko für Adipositas, Herzinfarkte und Diabetes erhöht.

Jammern scheint also kein rein deutsches Problem zu sein. Trotzdem gelten wir im Ausland als pessimistische Nörgler*innen, wie beispielsweise ein Artikel aus »The Economist« verrät: »Cheer up!« wird uns da empfohlen, denn eigentlich ginge es uns gut. So ganz Unrecht hat der Autor nicht. Auch Thiel und Lohstroh verstehen Jammern als deutsche Methode, um durchs Leben zu kommen. Gründe dafür seien in unserer Geschichte zu finden. Und während ihrer Expedition ins deutsche Jammertal graben die Autor*innen tief: Unter Karl dem Großen (747–814) bis Karl IV. (1316–1378) habe das Volk unter der Unmündigkeit gegenüber den Herrschenden gelitten. Die Leibeigenschaft wurde erst im frühen 19. Jahrhundert aufgehoben – zugunsten der Industrialisierung, welche die Deutschen erneut in ausbeuterische Machtverhältnisse drängte. »Diese hierarchischen Strukturen führten zu einem Wertesystem, das man bis heute mit preußischen Tugenden verbindet: Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Fleiß, Gehorsam, Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Härte, gegen sich selbst fast mehr noch als gegen andere, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Redlichkeit, Sparsamkeit, Treue, Unterordnung, Zurückhaltung und Zuverlässigkeit«, heißt es in »Deutschland, einig Jammerland«. Diese Eigenschaften, die uns Deutschen bis heute nachgesagt werden, sprächen eine Sprache der Unterwerfung: Kreativität, Verantwortung und Optimismus bleiben dabei außen vor. Darüber hinaus habe sich die Erfahrungen aus unzähligen Kriegen in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt und auch habe das »Geflecht aus Denunziation, Misstrauen und Angst während der Zeit des Nationalsozialismus genauso Spuren hinterlassen wie später der Mauerbau und der Kalte Krieg.« All diese historischen Entwicklungen hätten dazu beigetragen, dass sich die Deutschen unzufrieden fühlen und gleichzeitig die Verantwortung dafür an »die da oben« abtreten.

Krankgejammert Häufiges Meckern versetzt den Körper in einen Stresszustand: Das ausgeschüttete Hormon Cortisol kann zu Herzkreislaufproblemen, Übergewicht und Diabetes führen. Foto The Ian // unsplash.com

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UMGANG MIT UNZUFRIEDENHEIT Doch was machen wir nun? Ständiges Motzen nervt und macht krank. Wie können wir uns davon befreien? Ist vielleicht ein unerschütterliches positives Denken der Weg aus unserem lautstarken Leiden? Die sozialen Medien quellen vor Beiträgen über, die uns erklären, dass wir mit einem positiven Mindset alles erreichen können – Unsere Träume sind zum Greifen nah, wenn wir doch nur endlich unser Gemecker hinter uns lassen. Doch der Versuch, Probleme einfach wegzulächeln, kann großen Schaden anrichten. Denn wer am unermüdlichen Glücklichsein früher oder später zwangsläufig scheitert, fühlt sich schlecht. Die Philosophin Sandra Richter schlägt einen »verantwortungsvollen Optimismus« vor: Dieser sei durch die Wirklichkeit abgesichert, denn ein Blick in unsere Geschichte zeige, dass es uns heute besser geht als früher. Der Glaube daran, dass sich unsere Lebensqualität verbessere, sei also historisch betrachtet keineswegs als naiv oder gar gefährlich abzutun. Doch diese Weltanschauung fordert Engagement und Anstrengung: Denn Optimismus heißt nicht, sich in blindem Fortschrittsglaube zurückzulehnen und darauf zu warten, dass am Ende alles gut wird. Optimismus meint optimistisches Handeln: »Die Umwelt beispielsweise liefert offensichtliche Argumente für optimistisches Denken und Handeln«, schreibt Richter. »Der ökologische Pessimist meint nämlich, dass es nichts nützt, wenn er Strom spart, weniger Auto fährt und den eigenen Müll reduziert. Wenn dies alle denken, dann geht unsere Welt dem sicheren Kollaps entgegen.« Ein optimistisches ökologisches Denken glaubt hingegen daran, dass auch andere Menschen im Sinne des Umweltschutzes handeln. Entsprechend werden sie ihr eigenes Konsumverhalten als sinnvollen Beitrag zum Allgemeinwohl ändern. Neben dieser selbstverantwortlichen Haltung zum Optimismus kann auch ein Pessimismus, der konstruktiv und achtsam ist, einen Mittelweg zwischen Jammern und Jauchzen darstellen. In seinem Buch »Anleitung zur Schwerelosigkeit: Was wir im All fürs Leben lernen können« beschreibt der Astronaut Chris Hadfield seinen Weg zum Erfolg, der nicht auf einem optimistischen Glauben beruhe. Er sei vielmehr das Resultat davon, »dass ich mir immer wieder vorgestellt habe, zu scheitern – und dann überlegt habe, wie ich das vermeiden kann.« Gemeinsam ist beiden Ansätzen der Grundsatz, selbst zur Tat zu schreiten, wenn der Schuh drückt – anstatt lamentierend auf den zu spät kommenden Schuster zu warten.

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Gruppengefühl Im Arbeitsalltag wird oft in Gruppen gejammert, denn gemeinschaftliches Meckern verbindet. Man erfährt Aufmerksamkeit und Verständnis. Foto Tiendat Nguyen // unsplash.com

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MOTZEN IN MAßEN Bei all den Appellen zum Handeln statt Heulen, sei auch einmal ganz klar gesagt, dass nicht jedes Unwohlsein auf die Straße getragen werden muss! Denn beim Meckern geht es meist um sehr individuelle Befindlichkeiten. Dadurch kann Jammern und Motzen zum einen zu einem starken Gemeinschaftsgefühl mit jenen Mitmenschen beitragen, die sich von einer Situation ebenso persönlich benachteiligt fühlen wie man selbst. Zum anderen geht im Tunnelblick auf subjektive Bedürfnisse die Wahrnehmung größerer Zusammenhänge allzu schnell verloren: Die eigene Selbstbestimmung, Freiheit und Zufriedenheit wird als viel wichtiger wahrgenommen als die aller Anderen und darf im Zweifelsfall auch zum Schaden und Nachteil der Mitmenschen durchgesetzt werden. An dieser Stelle wird es für eine demokratische Gesellschaft problematisch.

BUCHTIPPS

Deutschland, einig Jammerland – Warum uns Nörgeln nach vorne bringt Annika Lohstroh, Michael Thiel Verlag: Gütersloher Verlagshaus ISBN 978-3-641-05331-4 Preis: 13,99 EUR

Inhalt Annika Lohstroh und Michael Thiel blicken auf humoristische Weise in die deutsche Jammerseele. Mit Augenzwinkern und psychologischem Sachverstand analysieren sie die Nörgeltaktiken in Erziehung, Beziehung, Job, Medien, Wirtschaft und Politik.

Leben wie auf Instagram In den sozialen Medien tummeln sich Einträge, die versprechen, dass jeder Mensch durch einfache Einstellungsveränderungen für immer glücklich werden könne. Doch negative Emotionen gehören zum Menschsein dazu und nicht jede Krise ist einem »negativen Mindset« geschuldet. Foto alyssasieb // nappy.co

Was für ein Ärger. Kann übers Meckern am Ende auch nur gemeckert werden? Ja und nein. Woran wir uns alle versuchen können, ist ein besseres Meckern: Die eigene Unzufriedenheit zu erkennen und die damit verbunden Gefühle auch zuzulassen. Und um den Kopf wieder freier zu bekommen, darf der Dampf abgelassen werden: Schimpfen und Zetern schafft Platz für neue Gedanken. Wird Jammern allerdings zu einem Dauerzustand, verlieren wir uns im lähmenden Pessimismus. Denn geht eine Beschwerde in die nächste über, fehlt der entscheidende Schritt, der Nörgeln für uns nutzbar macht: Ist das Problem erkannt, wird es Zeit, Lösungen zu suchen. Dies ist der mühsame Teil und nach den ersten Schritten auf der Brücke über das Jammertal darf man ruhig eine Pause einlegen. Mit Blick nach vor.

Lob des Optimismus – Geschichte einer Lebenskunst Sandra Richter Verlag: C.H. Beck ISBN 978-3-406-72997-3 Preis: 16,95 EUR

Inhalt Der Pessimist gilt als freudlos, aber glaubwürdig, der Optimist als verträumt und verführt von einem falschen Glück. Wie kann man da heute noch optimistisch sein? Sandra Richter erzählt in ihrem Buch, wie Leibniz den philosophischen Optimismus erfand, wie Voltaire ihm schon bald heftig widersprach und wie der Optimismus im Laufe der Jahrhunderte durch den Streit mit seinen Kritikern erwachsen wurde.

Der Hausmeister mäht den Rasen, während ich konzentriert auf meinen Laptop schaue, um ein Fazit für diesen Artikel zu schreiben. Ich brummel »Ausgerechnet jetzt!«, mache das Fenster zu und atme tief durch.

Text Vivien Schramm

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TITEL

« MECKERN, MOTZEN, JAMMERN


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INHALT S TA D T L E B E N THEMA 30 MOBIL IM QUARTIER Mikromobilität im Alltag 34 ZEIT DES »HUTZNS« Flackernde Grubenlampen und tobende Feuer 36 MÁT YÁS SARUDI Zwischen Zwickau und Budapest 40 EINE TALENTSCHMIEDE DIE BEWEGT Die Potential.Akademie eG VERANSTALTUNGEN 44 PROMOTION Aktuelles aus der Region 50 DIE HIGHLIGHTS DES MONATS

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Sebastian Krumbiegel 11 22

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Fotos Gerd Altmann // pixabay.com | Annie Spratt // unsplash.com

Mobil r e i t r a u im Q

W I E M I K R O M O B I L I TÄT D E N A L LTA G E R L E I C H T E R T

Seit gut zwei Jahren sorgt die Mobilstation der Alippi GmbH als ein Baustein des Leuchtturmprojektes »Zwickauer Energiewende demonstrieren« kurz (ZED) im Zwickauer Stadtteil Marienthal für mehr individuelle Mobilität. Die fünf E-Mobile und zwei Elektro-Lastenräder sollten den meist älteren Bewohnern des Quartiers rund um den Eschenweg/Pappelweg zu mehr selbstbestimmter Bewegungsfreiheit verhelfen. Zeit Resümee zu ziehen, KOMPASS sprach mit Projektleiterin Carolin Alippi.

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M I K R O M OM B IRL. I TS ÄNTO IWM» A L LT A G »


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arienthal, der westlich des Zwickauer Zentrums gelegene Stadtteil, erfreut sich seit Jahrzehnten äußerster Beliebtheit. Hier entstanden in den 1950er bis 1970er-Jahren größere Neubaugebiete, Heimstätte für Tausende junge Familien. Für viele galt: einmal Marienthal immer Marienthal. Doch so einfach ist es nicht mehr. Der demografische Wandel hat wie überall Einzug gehalten und er ging Hand in Hand mit einem infrastrukturellen Umbau. Nahversorger zogen an den Stadtrand und auch der Bäcker ums Eck ist schon lange in Rente. Für die meisten Bewohner des Quartiers ein Problem, denn sie sind ebenfalls mit ihrem Viertel gealtert. Genau hier setzte das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt »Zwickauer Energiewende demonstrieren« an. Es ging um nicht weniger als die Zukunft des Stadtteiles. Unter Federführung der Stadt Zwickau wurden gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft – und vor allem mit den Marienthalern – zukunftsfähige Technologien im Bereich Energieversorgung und Mobilität erprobt und daraus alltagspraktische Maßnahmen entwickelt. Nutzerfreundlich, alltagstauglich und attraktiv sollten sie sein, so wie die im Juli 2020 als Baustein der Quartierentwicklung eröffnete Mobilstation am Eschen-/Pappelweg gegenüber dem ehemaligen Edeka-Markt.

KOMPASS: Welche Bedeutung hat Mikromobilität für die Menschen? »Allgemein gesprochen kann Mikromobilität eine sehr gute Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr sein. Es geht um den Weg, den man sonst erlaufen müsste, meinetwegen die letzten ein, zwei Kilometer von zu Hause bis zur nächsten Station. Da greift man auf den Roller, das E-Mobil, das Rad zurück und fährt damit zur Bahn.« Aber eben auch für Gebiete, die strukturell nicht so gut erschlossen wie manche Großstädte sind, macht Mikromobilität durchaus Sinn. So ermöglicht sie gerade älteren und wenig mobilen Menschen Grundwege zu sichern, sprich selbstbestimmt Dinge des Alltags wie einen Supermarkt- oder Arztbesuch ohne fremde Hilfe zu realisieren. Dafür muss man sich nicht einmal selbst ein E-Mobil zulegen, dank der Mobilstation in Marienthal kann man es einfach leihen. Die angebotenen Elektromobile sind allesamt ohne Führerschein fahrbar und da sie als behindertengerecht klassifiziert sind, kann man mit ihnen sogar auf Gehwegen cruisen oder in den Supermarkt hineinfahren. Und das alles bei einer Höchstgeschwindigkeit von sportlichen 6 km/h. Aber natürlich kann man auch »nur« bis zur nächsten Bahnhaltestelle fahren. Alle Fahrzeuge sind mit GPS ausgestattet und müssen nach der Ausfahrt – im Gegensatz zu dem bekannten E-Scootern – wieder in die Verleihstation zurückgebracht werden. Gerade ältere Leute haben, wenn es darum geht, neue Technologien für sich zu erschließen, eine gewisse Hemmschwelle.Wie kann man diese Vorbehalte abbauen und wie einfach ist es so ein Mobil auszuleihen oder auch zu bedienen?

Neues wagen Bereits zur Eröffnung sorgte die Mobilstation für breites Interesse.

»Der Gedanke war, die Mobilität der Marienthalerinnen und Marienthaler im Alltag zu sichern. Denn die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist in diesem Gebiet eher schlecht als recht«, sagt Carolin Alippi, die das Projekt für die Alippi GmbH leitete. »Im Fokus standen dabei Menschen, die häufig auf fremde Hilfe angewiesen waren, um zum Supermarkt oder zum Arzt zu gelangen. Aber auch für jüngere Leute, die mithilfe von Elektrolastenfahrrädern ihren Wocheneinkauf oder einen Baumarktbesuch organisieren können.«

»Da muss man unterscheiden. Gerade Herren, die schon immer Auto gefahren sind, gehen in der Regel etwas forscher ans Werk. Frauen sind da schon eher zurückhaltend, vielleicht auch weil sie nie selbst Auto gefahren sind – das ist in der jetzigen älteren Generation noch verbreitet – da ist dann die Hemmschwelle sehr groß. Sie muss man wirklich aktiv ansprechen und auch mal Probe fahren lassen. Da laufen wir dann nebenher, wir drehen einfach mal eine Runde und erklären es. Dann sagen eigentlich alle: Das trau ich mir zu!« Auch die Geschwindigkeit lasse sich manuell regeln. Oft fange man im Schildkrötenmodus an, lacht Carolin Alippi augenzwinkernd mit Blick auf die bebilderten Geschwindigkeitsmodi, aber bereits nach der ersten Runde drehten die meisten schon hoch auf den »rasenden« Hasen. Es sei also zunächst Erklärungsbedarf, aber die Mobile sind allesamt sehr bedienerfreundlich.

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»Insgesamt sind es nur 4 oder 5 Knöpfe und ein digitales Display, sehr einfach gehalten, damit es auf den ersten Blick erkennbar ist.« Somit ist es auch bei kognitiven Erkrankungen nutzbar. Die Reichweite der flotten Flitzer beträgt übrigens zwischen 30 und 40 Kilometer, danach müssen sie erst mal wieder an die Ladestation. Angst vorm Umkippen muss übrigens keiner haben, die drei- und vierrädrigen E-Mobile liegen gut und sicher in der Kurve, verspricht die Projektleiterin. Sobald man das Gas loslässt, stehe das flotte Vehikel. Eine Bremse ist also nicht nötig. Auch während der zweijährigen Testphase sei es noch zu keinem Malheur gekommen. Zwar gäbe es schon den einen oder anderen, der die Höhe eines Bordsteins ein wenig unterschätze und dagegen »gerumst« sei, aber Gröberes sei noch nicht passiert, scherzt die Fachfrau. Was braucht es denn, um das Thema Mikromobilität und speziell dieses Projekt flächendeckend attraktiv zu machen? »Aus unserer Erfahrung möchten die Leute nicht weiter wie 300 bis 400 Meter laufen, ansonsten könnten sie vermutlich auch den gesamten Weg zu Fuß zurücklegen. Entsprechend wären deutlich mehr Stationen innerhalb des Stadtgebietes notwendig. Nicht zuletzt deshalb haben wir das Konzept auch weiterentwickelt. Hier im Pilotprojekt Marienthal haben wir eine Mobilstation, wo bisher tatsächlich immer ein Ansprechpartner vor Ort war. Zum einen, weil die Mobile erklärungswürdig sind, aber auch weil wir Ansprechpartner für das gesamte Projekt sein wollen.«

24 Stunden am Tag ausleihen, ist also unabhängig von eventuellen Öffnungszeiten. Einfach die Chipkarte am Kartenlesegerät einlesen und mit »ja« bestätigen. Das ist für uns die Rückversicherung, dass der Kunde ganz bewusst das Mobil entleihen und starten will.« Erst im Februar 2022 wurde das Angebot um eben jene Mobilbox am Standort Zwickau/ Pauluskirchplatz erweitert. Wie war und ist die Resonanz der Anwohner des Quartiers Marienthal? Wird das Angebot genutzt? »Die Resonanz ist sehr gut. Gerade die älteren Anwohner vor Ort sind teilweise regelrecht abhängig davon. Wir haben das gemerkt, als wir im Winter zwischen Weihnachten und Neujahr vorübergehend geschlossen hatten. Da sind die Leute kurz vorher nochmals gekommen, um ihre Einkäufe und Ähnliches zu erledigen, immer mit der Begründung, sie kämen dann eben nicht mehr raus. Es wird also sehr gut angenommen. Natürlich muss man es erst mal erklären. Nicht jeder kannte die Elektromobile. Gerade am Anfang des Projektes hörten wir oft: ›Was sollen wir damit, wir sind doch viel zu alt.‹ Was aber daran lag, dass sie eher an E-Roller gedacht hatten. Nachdem sie die Mobile allerdings gesehen hatten, war die Akzeptanz sofort sehr hoch. Wir bekommen auch

Barrierearmer Zugang Ausleihe und Handhabung des E-Mobils sind leicht verständlich.

Auf Dauer lässt sich der personelle Aufwand leider nicht abbilden. Weshalb der regionale Versorger im nächsten Schritt auf eine sogenannte Mobile-Box setzt. Im Unterschied zur Station sei der Betrieb ohne personellen Mehraufwand zu stemmen. »Da steht dann das E-Mobil drin. Der Nutzer erhält eine Chipkarte mit persönlicher ID. Wir sind bewusst weggegangen von Smartphone und Apps, um es für die Generation, die derzeit den Mobilitätsbedarf hat, möglichst barrierearm zu gestalten. Entsprechend ist das System ganz einfach gehalten. Mit der Chipkarte kann man das Mobil

Mobilität 2.0 Bereits nach einer kurzen Einweisung geht es auf große Fahrt. Bequem und flexibel zum Einkauf oder zum Arzt.

ständig Nachfragen, wie es nach der offiziellen Beendigung des geförderten Projektes mit Ende Oktober 2022 weitergeht.« Und wie geht es nun weiter? Die gute Nachricht zuerst: Beide Standorte, am Eschen-/Pappelweg ebenso wie am Pauluskirchplatz, werden weiterbetrieben. Am Eschenweg werden sich lediglich die Öffnungszeiten mit Ansprechpartner vor Ort etwas ändern, ausgeliehen werden kann allerdings wie auch am Pauluskirchplatz rund um die Uhr. Unterstützt wird das Zwickauer Unternehmen von Freiwilligen und Ehrenamtlern, denen die eigene Mobilität zu bewahren am Herzen liegt. Auch die Ausleihgebühren sollen weiterhin überschaubar bleiben. Abgerechnet wird nach Nutzungsdauer, die Preise sollen sich am ÖPNV orientieren.

Um das Projekt flächendeckend für alle Quartiere in Zwickau anbieten zu können, benötigt es vermutlich einen Schulterschluss mit Wohnungsbaugesellschaften und nicht zuletzt der Stadt selbst. Für die Anwohner im Quartier Marienthal allerdings steht schon heute fest: Sie wollen ihre neugewonnene Flexibilität und Unabhängigkeit nicht mehr missen. Bedeuten sie doch ein Stück weit selbstbestimmter, den Alltag auch im höheren Alter zu meistern.

Text JoKri Fotos Alippi GmbH

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FLACKERNDE GRUBENLAMPEN UND TOBENDE FEUER

Jahrhundertelang bestimmte das Feuer im Erzgebirge das Leben und Überleben tausender Menschen – unter- und übertage. Auch wenn heute kein Hämmern mehr im Berg erklingt, so sind das Feuer und seine Wärme doch geblieben. Kaum ein erzgebirgisches Haus kommt ohne Kamin aus, meterhoch stapelt sich das Holz für den Winter in den Vorgärten.

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ZEIT DES HUTZNS


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ie Zeit des Hutzns ist gekommen, wenn Familie und Freunde bei Glühwein und Geschichten am Feuer dicht zusammenrutschen. Kaum verwunderlich also, dass die Erzgebirger im Einheizen ihre Passion finden. Alpenofen – nicht etwa ein Ofen aus den Alpen, sondern aus dem erzgebirgischen Langenberg. Den Namen erhielt der Outdoor-Ofen, da Familie Mau ihre Öfen zunächst hauptsächlich an gastronomische Einrichtungen in der Alpenregion verkaufte. Inzwischen sind die Öfen aber auch im Erzgebirge und dem »Flachland« beliebt.

das schon geil«, erzählt Steffen Mau, Erfinder des Ofens. Ein runder Stehtisch mit Platz für 10 Personen, unter der Tischplatte die heimelige Wärme des Feuers, die nach allen Richtungen die Hände und Füße wärmt – selbst dann, wenn es regnet oder schneit. Ein großer integrierter Schirm schützt die Kaminrunde wie ein Refugium vor ungemütlichem Wetter. Für besonders viel Heimeligkeit ergänzt man den Ofen um eine Zapfanlage für heiße Getränke und einen heißen Stein zum Grillen.

Steffen und Jana Mau sind das Gründer-Ehepaar und Erfinder des Alpenofens. Während Steffen sich auf die Produktion fokussiert, stemmt Jana Vertrieb, Marketing, MesseOrganisation und betreibt nebenbei auch noch auf dem Verkaufsgelände einen bezaubernden Deko-Laden. Denn was wäre der Abend am Ofen schon ohne magisches Licht, weiche Sitzkissen und die passenden Glühwein-Dippl!?

DER FIRETUBE DER ALPENOFEN Bekannt wurden die Alpenöfen durch ihr TVDebüt bei »einfach genial«. »Wir wussten natürlich nicht, ob ihn wirklich jemand braucht. Natürlich fand ich mein Produkt klasse, aber ob es sich verkauft und man davon leben kann, ist ja eine ganz andere Frage. Als dann der erste kam und gesagt hat ›Das will ich haben‹, war

»Da lernst du deine Nachbarn kennen«

Jeder firetube ist ein Unikat. »Unsere Öfen bestehen aus einzelnen, teilweise drehbaren Modulen. Damit sind sie wie ein Chamäleon – sie passen sich der Lebenssituation an«, erklärt Axel Schmitz. Die runde Brennkammer kann um Kochplatten, Back- und Speicherofen und Wassertank ergänzt oder auch zurückgebaut werden – bspw. »wenn man umzieht oder eine Solaranlage aufs Dach bekommt und den Ofen umbauen will zur Wasseranlage.« Die Idee für die heutigen firetube-Öfen entstand in Alaska. Bei einem Gespräch über Kachelöfen gestehen die Alaskaner schnell »I better love my barrel stove« (barrel stove = einfacher Ofen aus einem runden Ölfass). Es ist die Geburtsstunde der unverkennbaren firetubes. »So kam ich dazu, die einfachen, runden Barrel Stoves mit Kachelofentechnik zu frisieren«.

Als 1,5 Mann-Unternehmen in Stuttgart gestartet, sind in der Produktion in Elterlein heute 7 weitere Personen beschäftigt – unter anderem Axel Schmitz’ Söhne Jim und Tom, die schon bald die Geschäftsführung übernehmen werden.

»Ein Ofen wie ein Maßanzug« Keine Katalogware: »Das Potenzial der Öfen steckt in den Ideen unserer Kunden. Deshalb nennen wir uns auch Ideenschmiede: Der Schlosser schmiedet den Ofen, wie wir zuvor mit unseren Kunden die Ideen.« Die runde Brennkammer hat bedeutende Vorteile: Die Abgabetemperatur ist höher und auch Kleinstmengen an Holz verbrennen sauber. Zudem kann man im firetube mit dem passenden Zubehör sogar kochen, garen und grillen. Axel Schmitz organisiert regelmäßig firetube-Kochkurse.

WELCHER OFEN-TYP BIST DU? Du bist bei Wind und Wetter am liebsten draußen? ALPENOFEN Wenn deine Nachbarn kommen, versteckst du dich immer hinterm Auto? FIRETUBE Du hast mehr Weihnachtsdeko im Haus als am Haus? FIRETUBE Raclette vor Schmortopf? ALPENOFEN Wilde Gartenparty statt ruhiger Spieleabend? ALPENOFEN Glühwein schmeckt dir nur selbst gezapft? ALPENOFEN Du liegst gern nackt auf dem Teppich? FIRETUBE Kamin-TV war schon immer dein liebster Fernsehsender? FIRETUBE

Text Magda Lehnert Fotos Magda Lehnert Infos www.alpenofen.at | www.firetube.de 11 22

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Zwischen Zwickau und Budapest

U N T E R W E G S I M D D R - K U LT W A G E N

1991 lief der letzte Trabant beim VEB Sachsenring in Zwickau vom Band. Über 30 Jahre später ist der Wagen längst Kult geworden. Dem Charme der Rennpappe aus Duroplast ist auch der Budapester Mátyás Sarudi verfallen. Vor Kurzem fand der 26-Jährige sein zweites Zuhause in der Geburtsstadt des Trabis.

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Wie verdoppelt man den Wert eines Trabis? – Volltanken!«, wird in dem Film »Go Trabi Go« aus dem Jahre 1991 gescherzt, in dem sich die ostdeutsche Familie Struntz auf dem Weg nach Italien macht. Erst nach etlichen Pannen erreichen sie ihr Traumland. Ganz ohne Pannen legte Mátyás Sarudi vor einigen Monaten die 740 Kilometer von Budapest nach Zwickau in seiner heißgeliebten Rennpappe zurück. Seitdem hat der 26-jährige gebürtige Ungar in der Robert-SchumannStadt seine zweite Heimat gefunden.

OSTALGIE AUF RÄDERN Hupen und Winken sowie Daumen-Hoch-Gesten seien die häufigsten Reaktionen, wenn er in seinem Ost-Mobil in Zwickau unterwegs ist. »Hin und wieder kommen auch Leute auf mich zu und erzählen von ihrem ersten Trabant. Andere finden es wiederum toll, dass ich mich für die Ostflitzer interessiere«, erzählt der Budapester lächelnd. Die Faszination für das ostalgische Gefährt auf vier Rädern begann bei dem 26-Jährigen schon früh. Besonders ein Trabant-Kombi, Baujahr 1967, der im Grundstück einer älteren Dame vor sich hinrostete, hatte es ihm angetan. »Über Monate hinweg habe ich das Auto wieder hergerichtet. Das war vor neun Jahren.«

Leichtgewicht li. Seite: Seit neun Jahren ist der Trabant-Kombi, Baujahr 1967, der treue Begleiter von dem Budapester und um stolze 29 Jahre älter als sein Besitzer. Foto Mátyás Sarudi

KULTIG DURCH BUDAPEST Der Ostflitzer ist nicht sein einziges Gefährt. Zeitweise stand eine ganze Kolonne in seiner Werkstatt in Budapest. Die Rennpappen bot er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Balázs Ackerman für Trabi-Sightseeing-Touren an. »Die Idee, Touristen die Highlights der Stadt bei einer Rundfahrt mit den Zweitaktern zu zeigen, hatte damals Balázs. Wir hatten sowieso immer einige restaurierte Autos, die wir hin und wieder auch an internationale Filmteams, die in Budapest drehten, vermieteten, bereitstehen. Das Angebot kam bei Gästen so gut an, dass wir schnell einen vollen Terminkalender hatten. «Nach einer kurzen Einweisung in die Besonderheiten der Viergang-RevolverHandschaltung durften die Touristen die Fahrzeuge dann selbst steuern. Gefragt waren die Touren besonders bei Besucher*innen unter anderem aus Dänemark, den Niederlanden oder auch Spanien. Vor zwei Jahren begannen die beiden dann zusammen auf Auto-Shows und bei öffentlichen Veranstaltungen in Ungarn mit TrabiStunts für Aufsehen zu sorgen. Nur auf zwei Rädern fahrend steuert dabei Balázs das Ostmobil, währenddessen Freund Mátyás seitlich auf das Fahrzeug klettert. »Balázs fing mit solchen Stunts schon vor 15 Jahren an. Ich habe Vertrauen in ihn, dass er, währenddessen ich aufs Dach steige, das Auto auf zwei Rädern hält«, so Mátyás. Mit ihren Vorführungen waren die Ungarn sogar schon im ungarischen Fernsehen zu sehen.

Leichtgewicht Mit einem zarten Gewicht von 600 Kilogramm gilt der Trabi als Leichtgewicht unter den Automobilen, wie hier Mátyás Sarudi (rechts) und Balázs Ackermann eindrucksvoll beweisen. Das liegt vor allem an dem Material des Fahrzeuges, das aus dem Kunststoff Duroplast besteht.

Blickfang o.: Im bunten Pappflitzer konnten Touristen mit den beiden Tourguides Mátyás Sarudi und Balázs Ackermann auf Sightseeing-Touren die Budapester Sehenswürdigkeiten aus der Trabi-Perspektive entdecken.

Geübt ist geübt Mit ihren waghalsigen Stunts auf ihren Trabis traten Mátyás Sarudi und sein Freund Balázs Ackermann in Autoshows und bei öffentlichen Veranstaltungen auf. Sogar im ungarischen RTL waren die Beiden damit schon zu sehen.

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»WEG« AUS UNGARN? Fragt man den Budapester nach den Gründen, warum er der ungarischen Hauptstadt, in der er aufwuchs, den Rücken kehrte, kommt das Gespräch schnell auf die rechtskonservative Fidesz-Partei. »Ich verfolge die Propaganda der Regierungspartei schon seit einigen Jahren und sehe, wie Ereignisse von heute in der Zeitung von morgen verdreht werden. Wir haben Probleme im Bereich der Bildung, im Gesundheitssektor – von dem Besuch in einem ungarischen Krankenhaus würde ich jedem abraten. Die Zustände sind unerträglich – und mit Korruption. Die Löhne liegen in den meisten Fällen bei 360 bis 600 Euro Netto monatlich. Viele junge und gut ausgebildete Fachkräfte, wie Lehrer*innen und Ärzte wandern in den Westen ab. Ich sehe, wie viele andere, einfach keine Perspektive mehr in meinem Heimatland«, so der 26-Jährige. Vergangenes Jahr habe er von einem Bekannten dann von dem Onlineversandhandel und der Reparaturwerkstatt Trabantwelten in Zwickau gehört. Nach einer Bewerbung folgte für den Budapester, der in Ungarn außerdem als Facilitymanager für ein Unternehmen, welches Ferienwohnungen und Unterkünfte an Touristen vermietet, gearbeitet hatte, eine Probewoche und kurz darauf der Arbeitsvertrag.

Große Liebe Foto Mátyás Sarudi

Der Anfang sei für ihn in Zwickau etwas holprig gewesen. »Besonders der sächsische Dialekt hat mir zu Beginn zu schaffen gemacht. Inzwischen kann ich schon mit meinen Kollegen über Ersatzteile fachsimpeln«, schmunzelt der TrabiLiebhaber. Fragt man nach seinen Zukunftswünschen muss er nicht lange überlegen. »Ich möchte in Deutschland gerne Fuß fassen. Vielleicht bietet sich mir die Möglichkeit irgendwann wieder Trabi-Sightseeing-Touren anzubieten. Was auch immer die nächsten Jahre für mich bereithalten, Trabis werden immer ein Teil meines Lebens bleiben.«

LAGE DER DEMOKRATIE IN UNGARN

Reporter ohne Grenzen zufolge kontrolliere die Fidesz-Partei inzwischen den Großteil der Nachrichtenmedien. Laut einem Bericht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurden die Wahlen zuletzt im April 2022 unter dem Eindruck von »einschüchternder und fremdenfeindlicher Rhetorik, voreingenommenen Medien und undurchsichtiger Wahlkampffinanzierung« durchgeführt.

Text Susanne Streicher Fotos Balázs Ackermann Info www.facebook.com/retroautorodeo

Mit einer Mehrwertsteuer von 27 Prozent (laut statista.com, Stand März 2022) liegt Ungarn in einem Ranking an der Spitze der Mitgliedsländer der Europäischen Union, was vor allem die große Zahl der Geringverdiener belastet.

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Vogtland-Zwickau

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08.10. 08.10. 08.10. 15.01. 15.01. 15.01.

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Eine Genossenschaft, die dem Namen

Potential

Foto Marissa Groote // unsplash.com

alle Ehre macht

DAS PERSONAL ALS DIE WICHTIGSTE RESSOURCE UNSERES SCHAFFENS VERSTEHEN

Begriffe wie Fachkräftemangel, Betriebsnachfolge, Personalengpass oder personelle Fluktuation sind heute in aller Munde. Fand man früher einen ganz klassischen Arbeitgebermarkt vor, der sicherstellte, dass ausreichend qualifiziertes und motiviertes Personal immer zur Verfügung stand, so sprechen wir heute von einem Arbeitnehmermarkt. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer oder Auszubildende, die sich neuen Herausforderungen stellen wollen oder vor dem Einstieg ins Arbeitsleben stehen, aus einer Vielzahl von Angeboten wählen können.

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EINE TALENTSCHMIEDE DIE BEWEGT »


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ie im vorstehenden Absatz geschilderte Situation stellt aus Arbeitnehmersicht die komfortable Lage dar, nach einem wirklich passenden Angebot für die berufliche Karriere zu suchen und, wenn die Qualifikation stimmt, diese Stelle auch über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, beginnt dieser Prozess schon in der Zeit, in der man noch auf der Suche nach einem Ausbildungsberuf ist. Ein Blick in die Kataloge der Möglichkeiten, einen Ausbildungsberuf zu finden, der zu einem passt, überfordert viele junge Menschen; ja selbst die meisten Eltern dürften damit Probleme haben, denn man kennt vielleicht das direkte Umfeld des eigenen Berufs, aber dann? Das heißt auch, dass Arbeitgeber schnell in die Situation kommen, auf dem schon arg dezimierten Arbeitsmarkt kaum noch Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Dabei spielt die Höhe von Lohn oder Gehalt längst nicht mehr die entscheidende Rolle für die Wahl oder eben auch Nichtwahl eines bestimmten Arbeitsplatzes. Faktoren wie Flexibilität der Arbeitszeit oder Unternehmenskultur haben einen deutlich höheren Einfluss auf die Attraktivität des Jobs, als das noch vor zehn Jahren der Fall gewesen ist. Dass in diesem Prozess die Coronapandemie mit den vielfältigen Möglichkeiten der Flexibilisierung der Arbeit Pflöcke eingeschlagen hat, die Wegmarken darstellen, die heute bei vielen schon als eingepreist gelten, kommt noch hinzu.

NIMMT SICH GENAU DIESES THEMAS AN: DIE POTENTIAL .AKADEMIE EG Es muss aber doch Möglichkeiten geben, dachten sich vor bereits mehr als sechs Jahren Verantwortliche der Volksbank Chemnitz eG, Prozesse und Methoden zu entwickeln, die diesem Zustand entgegenwirken. Fündig geworden ist man damals bei der NaturTalent Stiftung gemeinnützige GmbH in München, die die sogenannte Talenteschmiede entwickelte, deren Kerngedanke darin besteht, Schülerinnen und Schülern vor dem Schulabschluss eine talentbasierte Berufsorientierung zu ermöglichen. Den Gedanken folgten Taten; gegründet wurde die potential.akademie eG. Das »G« ganz am Ende des Namens steht für Genossenschaft und der Genossenschaftsgedanke stellt das prägende Wesensmerkmal dar: Unternehmen und Menschen aus der Region schließen sich zusammen, um gemeinsam einen Mehrwert für die Region zu generieren. Und dieser Mehrwert besteht darin, im weitesten Sinne auszuloten, was getan werden kann, damit die persönlichen Talente, die jeder besitzt und das, was er beruflich macht, so gut wie möglich zusammenpassen; das nützt dem Einzelnen und natürlich auch dem Unternehmen – und, ja, das sind große Worte, aber sie stimmen – es nützt am Ende auch der Gesellschaft. Ziemlich spannend, denke ich mir, als ich mich im Internet ein wenig kundig gemacht habe. Und um im Sprachbild zu bleiben: Da müsste doch tatsächlich Potential vorhanden sein, um einen interessanten Beitrag für den KOMPASS zu schreiben.

Strengthfinder In der »Talenteschmiede bewegt« wird nach Stärken und Schwächen geforscht.

MIT WELCHEM MODUL ALLES BEGANN Gesagt, getan; ich mach mich auf den Weg nach Zwickau, wo ich mich mit Steffi Neidl verabredet habe. Steffi Neidl ist Projektmanagerin und Unternehmensbetreuerin bei der potential.akademie eG. Sie gehört mit vier weiteren Kolleginnen und einem Kollegen zum festangestellten Team der potential.akademie eG, welches durch dreizehn Mentorinnen und Mentoren in der Arbeit mit den Schulen komplettiert wird. Es dauert keine drei Minuten und wir tauchen im Gespräch tief ein in all die Fragen, die weiter oben bereits Steffi Neidl angerissen worden sind. »Das erste Modul, das Projektmanagerin und wir aufgelegt haben, war das Projekt ›TalenteUnternehmensbetreuerin bei der potential.akademie eG. schmiede bewegt‹, das sich ganz zielgerichtet an Schülerinnen und Schüler aus Oberschulen und Gymnasien unserer Region richtet, die vor der schwierigen Ausbildungsoder Studienwahl stehen und nicht sicher sind, was wirklich zu ihnen passt. Dieser Herausforderung stellen wir uns und schauen, über welche Talente, Kompetenzen und Interessen die Jugendlichen verfügen, damit dann ein zu diesen Stärken passender Beruf gefunden werden kann«, erläutert mir Steffi Neidl. »Wichtig ist«, so führt sie weiter aus, »dass auf die Schülerinnen und Schüler keinerlei Kosten zukommen und wir damit einer Benachteiligung vielleicht sozial schwächer gestellter Elternhäuser entgegenwirken.« Steffi Neidl scheint meinen etwas erstaunten Blick zu deuten. Das Ganze, so geht es mir tatsächlich durch den Kopf, muss doch aber etwas kosten? »Tut es natürlich auch«, klärt sie mich auf, »die entstehenden Kosten werden durch die Volksbank Chemnitz und weitere einhundertzwanzig Partnerunternehmen getragen, die am Ende natürlich auch davon profitieren, wenn sie Berufsnachwuchs durch Praktika oder Ferienarbeit akquirieren können und dieser mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Unternehmen passt.« Das leuchtet mir ein.

ZAHLEN ZUR »TALENTESCHMIEDE BEWEGT« Eine starke Gemeinschaft Das Team der Mentorinnen und Mentoren.

Das Portfolio der Ergebnisse, die sich um die Arbeit mit den jungen Menschen ranken, ist beeindruckend. Fast Eintausend junge Menschen konnten allein im Schuljahr 21/22 an den Talenteschmiede-Workshops teilnehmen. Diese kamen aus mehr als dreißig Oberschulen und Gymnasien aus der Region. Inzwischen übersteigt das Interesse der Schulen sogar die aktuellen Kapazitäten des Talenteschmiede-Teams, sodass einige Schulen sich mit einem Platz auf einer kleinen Warteliste begnügen müssen. Die beteiligten Partnerunternehmen stellten in besagtem Zeitraum mehr als 170 Praktikumsplätze zur Verfügung und bei nicht wenigen Praktikanten ist es nach dem Praktikum auch zum Abschluss eines Lehrvertrages gekommen. Runde 98 % der Teilnehmenden empfehlen die »Talenteschmiede bewegt« weiter und die Durchschnittsnote, die von den Schülerinnen und Schülern vergeben wird, ist herausragend: eine 1,2 nach dem Schulnotensystem. 11 22

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WAS DIE POTENTIAL .AKADEMIE EG NOCH ANBIETET Mit der »Talenteschmiede bewegt« endet das Portfolio der potential.akademie eG aber noch lange nicht. Im Modul potential.kompass können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit dem Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung neu reflektieren. Im Fokus von Stärken und Talenten werden hierbei Fragestellungen erläutert, Entwicklungschancen erörtert und geeignete Handlungsschritte gemeinsam erarbeitet. Somit werden passende berufliche Ziele klar fokussiert und Potentiale gehoben, die sowohl auf die persönliche Selbstverwirklichung als auch den wirtschaftlichen Unternehmenserfolg einzahlen. Oder mit den potential.workshops in Unternehmen werden ganz gezielt die Stärken von Teams und ganzen Belegschaften mittelständischer Unternehmen in den Fokus gestellt. An den Workshoptagen werden hierbei die persönlichen Talente erarbeitet, in eine gegenseitige Wertschätzung gebracht und in den tagtäglichen Aufgabenbereich übertragen. Diese und weitere Module sind hierarchie- und branchenübergreifend einsetzbar, unabhängig davon, wie groß oder klein ein Unternehmen ist. Die in diesen Modulen angesprochenen Themen reichen von Fragen der Entwicklung der Unternehmenskultur bis hin zu Fragen einer für alle Seiten günstigen Nachfolgeregelung. Ich hole erst einmal Luft. Nicht mal eine Stunde hat Steffi Neidl gebraucht, um mir ein Themenfeld umfassend zu erläutern, das sich mir bisher eher nur vom Hörensagen offenbarte. Jetzt weiß ich: Da steckt Potential drin.

Verknüpftes System Eine Übersicht der kooperierenden Schulen.

Text Stefan Tschök Fotos potential.akademie eG Info www.potential.akademie eG

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erzgebirge-gedachtgemacht.de Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Die Mitfinanzierung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erfolgt auf der Grundlage des vom Deutschen Bundestag beschlossenen Haushaltes.


EINE PHANTASTISCHE WELT IM MONDSTAUBTHEATER

ADVENT IM BERGBAUMUSEUM OELSNITZ/ERZGEBIRGE Foto Veranstalter | Info www.bergbaumuseum-oelsnitz.de

Gemütlich am Kachelofen oder in der guten Stube zusammensitzen, hat im Erzgebirge eine lange Tradition. Dabei werden der neuste Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Dass die Erzgebirger dabei die Handwerkskünste pflegten, die Klöppel sprangen und die Späne beim Schnitzen flogen, versteht sich von selbst. Das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge greift diese Tradition auf, interpretiert sie neu und macht aus der Tradition einen kulturell-kulinarischen Hutznohmd mit Unterhaltungsprogramm und Neinerlaa. Dabei handelt es sich um eine neunteilige Speisenfolge. Musikalisch untermalt wird der traditionelle Hutznohmd im historischen Speisesaal am 2. Dezember von de Spakörble, am 10. Dezember vom Bergmaa Nils Weigel und am 11. Dezember von de Haamitleit. Für ein stimmungsvolles Ambiente verwandelt das Museumsteam den Saal in eine vorweihnachtliche Hutznstub: wundervoll mit Schwibbogen und großem Adventsstern geschmückt. Weitere Informationen gibt es unter www.bergbaumuseum-oelsnitz.de und der E-mail: info@bergbaumuseum-oelsnitz.de

Foto Mondstaubtheater | Info www.mondstaubtheater.de

Nach zwei Jahren Pause präsentiert das Mondstaubtheater in diesem Jahr wieder eine eigens entwickelte Weihnachtsproduktion. Die Darstellerinnen und Darsteller laden herzlich ein und entführen Menschen ab 10 Jahren in eine fantasievolle Welt mit zauberhaften Orten. Die Besucherinnen und Besucher können die Protagonistin Clara durch ihre Welt aus Fragen begleiten, auf die es weder ein klares JA noch ein eindeutiges NEIN als Antwort gibt. Das Stück mit dem Titel »Ja? Nein? Error!« nimmt alle mit auf eine Entdeckungsreise in das spannende DAZWISCHEN. Wie gewohnt ist die Weihnachtsproduktion ein gemeinsames Werk von Mitgliedern unterschiedlicher Mondstaubtheater-Kurse. Das Theaterstück für die ganze Familie ist erlebbar in der Horchstraße 2 in Zwickau (ehemals Sachsenring Werk 2). Neben speziellen Vorstellungen für Schulen sind folgende Aufführungstermine im Freiverkauf: Freitag, den 2.12.2022 um 17 Uhr, Samstag, den 3.12.2022 14.30 Uhr und 17 Uhr sowie Sonntag, den 4.12.2022 um 11 Uhr und um 14.30 Uhr. Kartenvorbestellungen bitte per E-Mail unter: kontakt@mondstaubtheater.de oder telefonisch: 0375 / 606 10 655.

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Fr Sa So Do Fr Sa

25.11. 26.11. 27.11. 1.12. 2.12. 3.12.

20.00 Uhr 20.00 Uhr 16.00 Uhr 19.00 Uhr 20.00 Uhr 20.00 Uhr

Beachten Sie auch unsere Gaststücke und Kinderstücke im November! 11 22

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Nov

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Dez

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20.00 Uhr 16.00 Uhr 19.00 Uhr 20.00 Uhr 20.00 Uhr 16.00 Uhr

Eine fröhliche Weihnachtszeit wünscht Ihnen das gesamte Team des Fritz Theaters!


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DIE WEIHNACHTSBÄCKEREI 2022 Fotos Morris MacMatzen | Info www.c3-chemnitz.de

Nach dem Erfolg des Weihnachtsbäckerei Musicals 2018 im Hamburger Tivoli Theater und der großartigen Resonanz auf die allererste »Die Weihnachtsbäckerei – Das Musical« Tournee 2019, geht die Geschichte um Jonas, Paul, Emily, Hund Muffin und ihrem Weihnachtsabenteuer 2022 in die dritte Runde.

Das seelenwärmende Stück wird auch 2022 in über 20 Städten live erlebbar sein, zum Mitsingen und Träumen einladen und die Weihnachtszeit mit Rolf Zuckowskis schönsten Weihnachtsliedern einläuten. Die Geschichte: Als die Eltern von Jonas, Paul und Emily wegen eines Schneetreibens nicht nach Hause kommen können, sind die Drei auf sich allein gestellt, um die heimische Weihnachtsbäckerei ins Leben zu rufen. Am nächsten Morgen werden die Großeltern erwartet, weshalb natürlich genügend Plätzchen parat stehen müssen. Doch der Kühlschrank ist leer, das Rezept verschwunden und kein Geld ist im Haus. Daher müssen sich die Geschwister so einiges ausdenken, um an ihr Ziel zu gelangen. Mitreissende Musik, eine liebenswerte Geschichte, Akrobatik, Tanz und ganz viel Herz – »Die Weihnachtsbäckerei – Das Musical« verbreitet auch im Jahr 2022 wieder Weihnachtsstimmung in ganz Deutschland. Die Show gastiert am 4. Dezember 2022 in der Stadthalle Chemnitz.

3. Dezember 2022 | 17 Uhr MESSE CHEMNITZ

life time

Die einmalige Show aus Turnen, Theater, Artistik und Varieté.

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IT'S CHRISTMAS TIME

VERDIS REQUIEM

Foto Veranstalter | Info www.v-ph.de

Unter diesem Titel lädt die Vogtland Philharmonie zu einigen festlich-glamourösen Konzerten rund um die besinnliche Zeit ein. Dabei kann sich die Riege der musikalischen Mitstreiter sehen lassen: Mit Fernsehstar Stefanie Hertel, dem ehemaligen Adoro-Tenor Nico Müller und dem Frauentrio Voc A Bella hat Intendant GMD Stefan Fraas wieder erfolgreich in die Kiste der Publikumslieblinge gegriffen. Er führt die Weihnachtsprogramme der bekannten Künstler in einem Konzert zusammen und kleidet sie im sinfonischen Gewand des Orchesters neu ein. Auch das Programm selbst soll nichts Althergebrachtes werden, sondern bewegt sich zwischen besinnlich und humorvoll, hält ebenso Klassiker wie Eigenkompositionen parat und stellt Weihnachtslieder aus der ganzen Welt vor. »Lassen Sie sich doch mal überraschen.« schmunzelt Fraas auf Nachfrage und gibt mit dem »Rachermannl in Brazil« nur eine ungefähre Ahnung von einigen »tollen Neufassungen«. Los geht es am Mittwoch, 30. November 22, 19.30 Uhr im Neuberinhaus Reichenbach. Danach folgen weitere Konzerte in Zwickau, Greiz, Cottbus, Schleiz, Plauen und Glauchau. Die genauen Termine und Ticketinfos gibt es unter www.v-ph.de.

Foto Veranstalter | Info www.v-ph.de

Am Sonntag, 20. November 2022, widmet sich die Vogtland Philharmonie zusammen mit den Arcis-Vocalisten München und vier hockkarätigen Solisten der wohl eindrucksvollsten Totenmessen, die die Musikgeschichte je hervorgebracht hat. Unter Leitung von Chefdirigent Dorian Keilhack bringt sie die Messa da Requiem von Guiseppe Verdi um 17 Uhr in die Stadtkirche nach Mylau. Das Werk gleicht einem Wechselbad der Gefühle, da es an gleichzeitiger Gewalt und Einfühlsamkeit kaum zu überbieten ist. Einst als »seine größte Oper« verspottet, reißt es seine Zuhörer mit brachialer Brutalität aus den Bänken, wenn am Tag des Jüngsten Gerichts die Welt in Asche niederbrennt, doch berührt es sie auch mit leisen, den versöhnlichen Tönen. Als exzellenter Dramatiker ließ Verdi hier kein Register seines Könnens ungezogen. Kurz nachdem er mit dem Triumph-Marsch in Aida eine der monumentalsten Opernszenen überhaupt komponierte, nahm er aus musikalischer Überzeugung und tiefer Trauer über den Tod eines Freundes und Kollegen die einst verworfenen Pläne zur Vertonung der katholischen Totenmesse wieder auf. Karten für die Aufführung des monumentalen Werkes gibt es über Eventim oder den Ticketshop Thüringen sowie ohne Onlineaufschläge und mit möglichem Abo-Rabatt in der Tourist-Information Reichenbach 03765 / 3259240 bzw. Vogtlandhalle Greiz 03661 / 62880.

CLARAS GUTE STUBEN – KLASSIK GEFÄLLIG? Foto Veranstalter | Info www.schloss-voigtsberg.de

Obwohl Johann Sebastian Bach ein Komponist des Barock ist, sind seine Goldberg-Variationen längst zum Klassiker geworden. Sie sind die Krönung der besonderen Form der Aria variata. Dabei wird eine Aria, ein zweiteiliger Satz, so verarbeitet, dass jede Variation ihr harmonisches Gerüst beibehält, Taktart, Tempo und Melodie aber nach Belieben verändert. Im Kammerkonzert des Theaters Plauen-Zwickau auf dem altehrwürdigen Schloß Voigtsberg kommen am 26. November 2022 um 19.30 Uhr ausgewählte Teile in einer Fassung für Streichertrio zu Gehör, zudem dürfen sich die Gäste auf Franz Schuberts »Streichertrio in B-Dur« (D581) und Beethovens »Bläseroktett in Es-Dur« (op. 103) im opulenten Fürstensaal freuen. Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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THE KELLY FAMILY – DIE MEGA CHRISTMAS-SHOW Foto Veranstalter | Info www.semmel.de

Sie sind ein Musik-Phänomen, eine Bank in den Charts und ein wunderbares Beispiel dafür, was Familie neben reiner Blutsverwandtschaft alles sein kann: Inspiration, Motor, Mission, Berufung, Leidenschaft, Meinungsvielfalt und trotzdem eine eingeschworene Gemeinschaft. 2017 meldete sich »The Kelly Family« nach über zehn Jahren mit ihrem »Comeback des Jahres« zurück: Sie veröffentlichten zwei Nr.1-Alben (»We Got Love« und 2019 »25 Years Later«) und wurden auf ausverkauften Tourneen und Open Air-Shows in Europa euphorisch gefeiert.

TERMINE DER REGION

MEHR: WWW.V-PH.DE

3. SINFONIEKONZERT

Ingolf Turban / Violine • Dorian Keilhack / Dirigent

Mi, 09.11.22, 19.30 Uhr, Reichenbach, Neuberinhaus 03765-12188 Fr, 10.11.22, 19.30 Uhr, Greiz, Vogtlandhalle 03661-62880 Konzerteinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn im großen Saal

verdi.REQUIEM

Susanne Winter / Sopran • Marlene Lichtenberg / Alt • Roman Payer / Tenor • Thomas Gropper / Bass

Arcis-Vocalisten München • Dorian Keilhack / Dirigent

Die Zeit vor Weihnachten war für die Kelly Family immer eine sehr intensive, denn bis vor einigen Jahren waren ganz außergewöhnliche Weihnachtskonzerte ein Bestandteil ihrer Live-Aktivitäten. Unter dem Titel »One more happy christmas« veröffentlichte die Familie letztes Jahr eine Weihnachts-EP, die nicht nur zwei brandneue Songs im Gepäck hatte, sondern zeitgleich ihr wunderbares neues Weihnachtsalbum für den 21. Oktober 2022 ankündigte. In diesem Jahr wird die Familie endlich auch wieder live auf der Bühne zu erleben sein: Eine großartige ArenaTour, die mit einem einmaligen Programm in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen sein wird: The Kelly Family – Die Mega Christmas-Show wird die Weihnachtsparty des Jahres 2022 und ein weiterer Höhepunkt in der Live- Historie der Band, die seit Jahrzehnten immer wieder in unterschiedlichen Besetzungen zusammenkommt. Kathy, Patricia, Jimmy, John, Joey und Paul werden neben weltbekannten Weihnachtssongs, natürlich auch viele der größten Hits der Band spielen. Eine riesengroße Weihnachtsparty mit fantastischer Stimmung, aber auch stillen Momenten – einfach ein großartiger Abend mit der Kelly Family. Und um das vorweihnachtliche Familiengefühl perfekt zu machen, werden Joeys Kinder als Special Guests bei einigen Shows mit auftreten. Die Kelly Family gastiert mit ihrerer Mega Christmas-Show am 25. November 2022 in der Messe Chemnitz.

Sonntag

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17 00 Uhr

STADTKIRCHE MYLAU Onlinetickets: Eventim, ticketshop-thueringen.de Tickets auch mit Abo-Rabaa: Tourist-Info Reichenbach 037653259240, Vogtlandhalle Greiz 03661-62880

IT‘S CHRISTMAS TIME

Weihnachtsgala mit Stefanie Hertel, Nico Müller & Voc A Bella

TICKE T

Verlosung auf Seite 78

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INTERNATIONALE BUILD PEACE FRIEDENSKONFERENZ 2022 Foto Veranstalter | Info www.howtobuildpeace.org

Vom 4. bis 6. November 2022 wird in Chemnitz die Internationale BUILD PEACE Friedenskonferenz stattfinden. In Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation Build Up und der Technischen Universität Chemnitz organisiert der Chemnitzer Verein ASA-FF e. V. die Konferenz mit 300 regionalen, nationalen und internationalen Gästen, Partner*innen und Speaker*innen unter dem Motto »Exploring the Unseen – Ungesehenes sichtbar machen«. Interessierte Chemnitzer*innen sind herzlich an den Campus der Universität an der Reichenhainer Straße zum Mitreden und Mitmachen eingeladen. In den vergangenen Jahren fand BUILD PEACE in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt statt, unter anderem in Tijuana (Mexiko), Bogota (Kolumbien), Zürich (Schweiz) oder Belfast (Nordirland) – dieses Jahr kommt sie nach Chemnitz! Die Konferenz beschäftigt sich seit ihrer ersten Ausgabe 2014 mit den neuen Herausforderungen für den Frieden im digitalen Zeitalter. Friedensthemen haben dieses Jahr besondere Relevanz. Ein Angriffskrieg in Europa, gesellschaftliche Spannungen wegen der Gasknappheit – Schlagwörter beherrschen die mediale Berichterstattung. BUILD PEACE öffnet einen Raum, um sich mit den darunterliegen Fragen zu widmen. Wie kann präventive Friedensarbeit auch in

Europa gestaltet werden? Was ist das Ungesehene in der Arbeit für sozialen Zusammenhalt in anderen Teilen der Welt, während Europa mit großen sicherheitspolitischen Fragen ringt? Das breit gefächerte Programm der BUILD PEACE 2022 gliedert sich in drei leitende Unterthemen: Umbrüche, Rassismus und Polarisierung, sowie Verbindungsräume. Die Teilnehmer*innen erwarten Workshops, Vorträge und ganztägige Installationen, die sowohl von Speaker*innen aus der ganzen Welt, aber auch von regionalen Akteur*innen angeboten werden. Die internationale Build Peace Friedenskonferenz Konferenz findet vom 4. bis. 6. November 2022.

NOVEMBERTAGE 2022: ERINNERN, GEDENKEN UND ZUSAMMENKOMMEN Fotos Alter Gasometer e. V. | Info www.alter-gasometer.de

Seit 2012 zeichnet sich das Koordinierungsbüro der Demokratiearbeit des Alter Gasometer e.V. für die Organisation der NOVEMBERTAGE verantwortlich. Es vernetzt Akteure, ist bei der Projektplanung und Projektfinanzierung behilflich, übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit und das Projektmarketing. Daneben beteiligen sich die Arbeitsbereiche des Vereins Demokratie-, Kultur- und Jugendarbeit mit einer Vielzahl unterschiedlicher Formate an der Veranstaltungsreihe. An rund 15 Tagen ab Ende Oktober organisieren die Mitglieder des Bündnisses für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region durchschnittlich 30 Veranstaltungen. Rund um den schicksalhaften und geschichtsträchtigen Monat November wird zurück in die Historie des Landes und der Stadt Zwickau geblickt. Reichspogromnacht, friedliche Revolution und der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) sind Ereignisse, mit denen man sich auseinandersetzen will und muss. Oder anders gesagt: Nationalsozialismus und Menschenfeindlichkeit damals und heute, DDR-Unrecht, aber auch der Mut der Menschen, sich dagegen aufzulehnen für Werte, die für nachfolgende Generationen inzwischen selbstverständlich sind. Hier wollen die Veranstalter nicht nur in die Vergangenheit schauen, sondern auch das Leben in Gegenwart und Zukunft gestalten. Dies tun sie in diesem Jahr wieder mit unterschiedlichen Formaten. Neben Konzerten, Lesungen und Diskussionen wird eine Geocach-Schnitzeljagd mit dem Namen »Rundweg friedliche Revolution« eröffnet. Vor allem für

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Menschen mit Hang zur Bewegung an der frischen Luft ist das ein ganz neues digitales Format, um Informationen über die Stadtgeschichte Zwickaus zu erhalten. Die Ausstellung »Zwischen Erfolg und Verfolgung« beleuchtet das Schicksal jüdischer Sportstars und jüdischer Sportgeschichte, zu der auch in Zwickau geforscht wurde. Die Spuren führen zur Geschichte eines jüdischen Fußballspielers in Zwickau, welche in besagter Ausstellung thematisiert wird. Wichtiger Meilenstein wird zudem die Auftaktveranstaltung des Bürger/innendialogs »Den NSU-Komplex aufarbeiten: Wie gehen die Menschen in Zwickau damit um?« Auch das »klassische« Gedenken an geschichtsträchtigen Orten der Stadt Zwickau wird nicht fehlen. Mit dieser Bandbreite an Veranstaltungen und Formaten möchten die Veranstalter einen lebhaften und modernen Rahmen für alle Generationen und Geschmäcker bieten.

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»GYMMOTION« DIE FASZINATION DES TURNENS MIT NEUEM PROGRAMM Fotos Bertrand Guay | Info www.faszinationturnen.de

Auch in diesem Jahr können sich die Besucher der einzigartigen Turngala »Gymmotion« wieder von erstklassigen Akrobaten und eindrucksvollem Entertainment verzaubern lassen. Die Faszination des Turnens bringt am 3. Dezember 2022 wieder Sportler, Künstler und Besucher auf ganz besondere Weise in der Messe Chemnitz zusammen.

»life time« – besser kann ein Showtitel die Dynamik und Faszination des Turnens nicht ausdrücken. Die atemberaubende Show der »Gymmotion« verbindet bereits zum 11. Mal Sportler, Künstler und Besucher auf ganz besondere Weise in der Messe Chemnitz. Die einzigartige Turngala zeigt Turnen, Theater, Artistik und Varieté auf höchstem Niveau. Spektakuläre Bewegungskünstler und Musikartisten zeigen Spitzensport und bieten ein schönes Turnerlebnis für die ganze Familie. Erleben Sie die Créme de la Créme des Varietés, Circus und Sport-Business in einer atemberaubenden Show. Es ist mehr als eine Show: Ein Lebensgefühl, eine kurze Zeitreise auf dem Weg in die Zukunft und ein schönes Turnerlebnis für die ganze Familie. Die Show Acts in diesem Jahr sind: Duo red – Schleuderbrett, Duo Racers, Goldene Garde, LegendTrick, Jens Ohle, Nationalmannschaft Rhythmische Sportgymnastik Deutschland, Breakdance – B Boys Germany, Trio Ghost, Men in Black u. v. m.

ANDREAS GABALIER ›DIRNDL – WAHNSINN – HULAPALU!‹ Fotos Stall Records | Info www.semmel.de

Mit Streamings im Milliardenbereich, Gold- und Platinawards, weiteren zahlreichen begehrten Auszeichnungen, mehreren Hallen- und einer ausverkauften Stadiontournee (2019) sowie unvergessenen Stadionshows mit immer neuen Zuschauerrekorden, einem kürzlich verliehenen Diamant-Award für 1 Million verkaufte Einheiten seiner Hit-Single »HULAPALU«, zählt Andreas Gabalier zu den populärsten und erfolgreichsten Musikern und Entertainern im gesamten deutschsprachigen Raum. Seine legendären Volks-Rock’n’Roll-Shows gelten als absoluter Publikumsmagnet – wo er auf der Bühne steht, gibt es kein Halten mehr. Fantastische Nachrichten für alle Fans von Andreas Gabalier: Nach der Veröffentlichung seines mit Hochspannung erwarteten neuen Albums »Ein neuer Anfang« (Electrola) und einem bombastischen Open-Air-Sommer startet nun endlich die Vorbereitung für ein intensives Live-Jahr 2023. Unter dem Motto »Dirndl – Wahnsinn – Hulapalu« wird DER VolksRock’n’Roller ab April 2023 erneut auch sein einmaliges Talent als Entertainer in acht großen ArenaShows unter Beweis stellen und neben den Songs des neuen Albums natürlich auch seine altbekannten legendären Hits zum Besten geben. Nun macht Andreas Gabalier seinen treuen Anhängern ein einmaliges Geschenk: Es wird zusätzliche Open Air Shows in den schönsten Freilicht-Locations im deutschsprachigen Raum so z. B. auf der Waldbühne in Schwarzenberg am 2. Juni 2023. Alle unter dem Motto »Dirndl – Wahnsinn – Hulapalu!« und mit Sicherheit wieder absolute Publikumsmagneten.

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Fr 20.00 Uhr Malzhaus, Plauen

Foto Ralf Jerke

Foto Pauline Strassberger

Foto Lothar Sell

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Fr 19.00 Uhr H.-Hartm.-Haus, Oelsnitz / Erzg.

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Sa-So 10.00 Uhr Wasserschloß, Klaffenbach

Götz Widmann

20. Werkkunstmarkt

Vom 4. November bis zum 18. Dezember präsentiert die Galerie eine Gruppenausstellung unter dem Titel Himmelsboten. Gezeigt werden Gemälde, Grafiken und Plastiken von mehr als einem Dutzend Künstlern aus dem Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen und darüber hinaus, die sich auf ganz unterschiedliche Weise der Engelsgestalt zuwenden. Wenngleich die himmlischen Wesen kaum einem Menschen jemals leibhaftig vor Augen getreten sind, haben sie seit Jahrtausenden die menschliche Phantasie angeregt. Engel und ähnliche geflügelte Wesen finden sich in allen Kulturkreisen der Erde. Insbesondere im christlich geprägten Europa haben sie einen großen Stellenwert in der Kunstgeschichte. Bis in die heutige Zeit tauchen Engel immer wieder als Motiv auf.

Na, mal wieder Lust auf Spaß? Herzhaft lachen, losgelassen feiern und so richtig schön einen drauf machen? Dann ab zum Spezialisten! Ein Abend mit Götz Widmann ist immer wieder eine Frischzellenkur für die Seele. Deutschlands unanständigster Liedermacher, zurück auf Tour. Die elementare Power der Musik, der Zauber menschlicher Begegnung, positiver Gedanken und purer Lebensfreude. Jetzt ist die Zeit für Glücksextasen und gute Laune. Unbeschwerte, leuchtende Stunden, singen, tanzen und einfach mal wieder Party machen, dass es kracht. Das verspricht ein wunderbar, unterhaltsamer Abend zu werden! Liedermacher Götz Widmann wurde in Bad Brückenau geboren und wuchs in Heidelberg auf.

Vom 5. bis 6. November lädt das Wasserschloß Klaffenbach zu einem Einkaufsbummel der besonderen Art ein. Ausgewählte Kunsthandwerker und Designer präsentieren und verkaufen im historischen Ambiente Originelles, Individuelles und Hochwertiges für jeden Geschmack und Geldbeutel. Dekorative Heimtextilien, zarte Porzellane, überraschend andere Schmuckstücke, filigrane und witzige Papierarbeiten, wärmende und kleidsame Mode, Spielmittel für Jung und Alt u. v. m. begeistern in ihrer handwerklichen Qualität, in ihrem Ideenreichtum und der nachhaltigen Umsetzung. Ausgewählte Absolventen deutscher Gestaltungshochschulen zeigen Abschlussarbeiten und gewähren spannende Einblicke in die Designhaltung des gestalterischen Nachwuchses.

www.heinrich-hartmann-haus.de

www.malzhaus.de

www.werkkunstmarkt.de

Foto Stefan Zinsbacher

Ausstellung

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Sa 20.00 Uhr Malzhaus, Plauen

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Sa 20.00 Uhr Alter Gasometer, Zwickau

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So 19.00 Uhr Sankt Barbara, Lichtentanne

Lesung mit Sascha Lange

Remode

Amy Warning & Band

Gruftis und Waver in der DDR – das waren vor allem Fans von The Cure, Die Ärzte und Depeche Mode. Plus Anne Clark, Sisters of Mercy, Joy Division und vielen anderen. In schwarzen Klamotten, mit ausladenden Frisuren und einer Musik im Spannungsfeld zwischen Depression, Melancholie und poppigen Melodien entwickelten Jugendliche ein ganz besonderes Lebensgefühl in der Zeit des Verfalls eines ganzen Landes. Turbulent und legendär war am 4. August 1990 das Kontert von »The Cure« in der Noch-DDR. Mit dem eigenverantwortlich von Gruftis organisierten ersten Wave Gothic-Treffen im Mai 1992 in Leipzig schließt sich der Kreis. Die Lesung zu dem in diesem Jahr erschienen Buch wird umrahmt von zahlreichen Fotos via Beamer.

Mit ihrer kraftvollen rockigen Art covern »Remode« ihre Vorbilder nicht nur, sondern sie wecken Emotionen, die man so nur auf einem Konzert von Depeche Mode erleben kann. Mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz und bestechender Authentizität bringen Remode auch die kritischsten Stimmen schließlich zum Mitsingen. Von Depeche Mode erwartet die Fangemeinde viel, von einer Tributeband ungleich mehr. Dieser Herausforderung stellt sich die Band ohne Kompromisse. Remode ist die angesagteste Depeche Mode Tributeband aus Deutschland. Keine andere reicht so nah an die Power und Leidenschaft der Jungs aus Basildon heran wie diese Band aus Bielefeld. Nun kommen sie endlich nach Zwickau in den Alten Gasometer.

Ihre langsam groovenden Beats erinnern an die Golden Era des 90ies Hip-Hop. Die reduzierten und ungeschliffenen Instrumentals lassen auch Reggae und Latin durchschimmern. Vor allem aber lassen sie Platz für Amis große Stimme, die alleine schon soviel erzählt – weich und unerschütterlich gleichzeitig. Ob wir kurz vorm Ende der Welt stehen, wissen wir nicht. Das zeitweise Gefühl, dass es noch nie so schlimm war – egal, ob im Privaten oder gesellschaftlich – das kennen aber wohl die meisten. Und manchmal braucht es genau diese Weltuntergangsstimmung, um die Perspektive zu wechseln – denn kurz vorm Ende der Welt sehen wir klarer. Ohne Schmerz kein Glück. Und ohne Mut keine Kunst.

www.malzhaus.de

www.alter-gasometer.de

www.liederbuch-zwickau.de

STADTLEBEN V E R A N S T A LT U N G E N

HIGHLIGHTS IM NOVEMBER


Foto Sebastian Fery

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Do 19.30 Uhr Theater, Crimmitschau

ZWIK

Eberhofer unterwegs

Die Firmenkontaktmesse ZWIK ist der Termin des Jahres für Deine Karriere! Zur ZWIK knüpfst Du persönliche Kontakte zu den besten Arbeitgebern und bereitest Dich auf Deinen optimalen Berufseinstieg vor. Karrierevorträge, spannende Stellenanzeigen und spannender 1-zu-1-Austausch – alles in direkter Nähe zu Deiner Hochschule. Sei dabei! Besucher können sich u. a. freuen auf: Unternehmenspräsentationen, kostenfreie professionelle Bewerbungs- und Lebenslaufchecks sowie Bewerbungsfoto-Shootings. Teilnahme kostenfrei. Alle aktuellen Infos und Aussteller findest Du auf unseren Social-Media-Kanälen und unter der unten aufgeführten Website.

Erfolgs-Autorin Rita Falk, Christian Tramitz (bekannt aus Hubert & Staller) und Florian Wagner präsentieren live auf der Bühne die frechsten Highlights und die schrägsten Geschichten aus dem Eberhofer-Kosmos. Dorfpolizist Eberhofer muss mal an die Luft! Raus aus dem Kaff Niederkaltenkirchen mit seinen bleichen Winterkartoffelknödeln, der »dampfnudelbluesigen« Stimmung und dem an jeder Ecke lauernden Sauerkrautkoma. Franz muss raus in die weite Welt. Und rauf auf die Bühne, wo er die Geschichten so erzählen kann, wie er will und keiner ihm dauernd dazwischenredet oder gar widerspricht, ganz nach seinem Motto: »Obacht! Die Oma wird ned g’schubst!«. Auch der Bezzel darf mal zuhause bleiben.

www.zwik.net

www.crimmitschau.de

Foto Kultour Z.

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Do 10.00 Uhr Stadthalle, Zwickau

Bezaubernde Stücke zu Weihnachten In der Vorweihnachtszeit gibt es zwei tolle Inszenierungen zu erleben: Ab 13.11.2022 Oh, wie schön ist Panama (Janosch), ab 4 Jahren, im Puppentheater Der kleine Bär und der kleine Tiger sind dicke Freunde. Eines Tages findet der kleine Bär eine Kiste, die von oben bis unten nach Bananen riecht. Auf der Kiste steht »Panama«. Vielleicht ist es da noch schöner als zu Hause? Die Sehnsucht ist geweckt, und der kleine Bär und sein Freund, der kleine Tiger, machen sich auf den Weg nach Panama, in das Land ihrer Träume. Ab 26.11.2022 Die unendliche Geschichte (Koproduktion mit dem Theater PlauenZwickau), ab 6 Jahren, im Gewandhaus Bastian liebt Bücher. Er flüchtet sich am liebsten in deren heldenhafte Geschichten und hinaus aus seinem eigenen, sehr einsamen Alltag. Als er die geheimnisvolle unendliche Geschichte findet, verfängt er sich direkt in die wundersame Wirklichkeit Phantàsiens. Puppentheater Zwickau Gewandhausstraße 3, Telefon 0375/ 2713290, www.puppentheater-zwickau.de @Puppentheaterzwickau #PuppentheaterZwickau Puppentheater Zwickau 11 22

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Foto Yakub Zeyrek

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Do 20.00 Uhr Sankt Barbara, Lichtentanne

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So 20.00 Uhr Bio-Seehotel, Zeulenroda

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Do 17.30 Uhr August-Horch-Museum, Zwickau

Matze Knop

Christian Geistdörfer

Leidenschaftliche Tänze, faszinierende Musik und andalusische Emotionen vereint in einer hochklassigen Bühnenproduktion. »Flamenco ist lebendig. Er ist klar und prägnant. Die reinste Ausdrucksform des Menschen. Er offenbart uns allen auf die direkte und kraftvolle Art und Weise, was wir alle gemein haben – Freude, Leid, Liebe, Verlust. Alles Schöne aber auch alles Hässliche. Er ist das Messer, welches das Unbedeutende durchtrennt und die tiefsten und verwundbarsten Bereiche unserer Herzen und unserer Gedanken erreicht.« (Antonio Andrade). Úrsula Moreno absolvierte ihr Tanz- und Schauspielstudium am »Real Conservatorio de Música y Danza de Málaga«. Ihre Flamenco Ausbildung erweiterte sie bei Flamenco Größen wie »Tona Radely«.

Im deutschen Comedy-Business hat Matze Knop den wahrscheinlich Größten … Abstand zwischen seinen Schneidezähnen natürlich! Und ausgerechnet diese Zahnlücke hat ihn jetzt zum Titel seines neuen Live-Programms inspiriert: »Mut zur Lücke«. Dort nimmt er die Absurditäten des Alltags, die Tücken der Technik und die Peinlichkeiten von Promis und Politikern scharfsinnig auf die Schippe. Matthias »Matze« Knop (geboren am 11. November 1974 in Lippstadt), auch bekannt als Supa Richie, ist ein deutscher Comedian, Moderator, Sänger, Schauspieler und Imitator. Die Zuschauer erwartet Improvisation, Humor und viele Überraschungen auf der Bühne im Saal des Bio-Seehotels.

Christian Geistdörfer war von 1975 bis 1990 aktiv. Er war der Mann hinter den großen Erfolgen, Weltmeistermacher und Souffleur des »Jahrhundertrallyefahrers« Walter Röhrl. Nun stellt er im August Horch Museum eines seiner Bücher vor. Neben Auszügen daraus, präsentiert er auch spannungsreiche Video-Clips aus dem Cockpit des Fahrzeugs und kommentiert diese. In lockerer Atmosphäre wird er über seine Erfahrungen und Erfolge im Rallyesport berichten und die Fragen des interessierten Publikums beantworten. Auch der legendäre Audi Quattro S1 wird nicht fehlen. Für einen Imbiss sowie Getränke in der Pause ist gesorgt. Geistdörfer wird die zum Verkauf angebotenen Bücher signieren und selbst für Fotos zur Verfügung stehen. Die Veranstaltung läuft von 17.30 bis 22 Uhr.

www.liederbuch-zwickau.de

www.seestern-eventz.de

www.august-horch-museum.de

Foto Manfred Esser

A. Andrade & C. Flamenca

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Sa-So 14.00 Uhr Festhalle, Plauen

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So 20.00 Uhr Bio-Seehotel, Zeulenroda

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So ganztags Museum, Burg Posterstein

Hobby-Künstler-Markt

Bernd Stelter

Krippen-Ausstellung

In diesem Jahr findet der Hobby-Künstler-Markt am ersten Adventswochenende wieder in der Festhalle Plauen statt. Es wird ein Weihnachtsmarkt mit Hobby- und kunsthandwerklichem Angebot, Geschenkideen und weihnachtlichen Artikeln. Für eine gemütliche Stimmung sorgen neben funkelnden Sternen ein kulinarisches Angebot, Mitmachangebote für Kinder und unterhaltsame Showeinlagen u. a. durch die Tanzwerkstatt Plauen (Samstag) und die Drachenburg Musikanten (Sonntag). Lassen Sie sich auf die Weihnachtszeit einstimmen und bestaunen Sie Hobbykünstler bei ihrer Arbeit. Genießen Sie den ersten Advent beim Hobby-Künstler-Markt in der Festhalle Plauen!

Hurra, Bernd Stelter ist wieder da und am 27. November zu Gast in Zeulenroda! In seiner gewohnt sympathischen und extrem humorvollen Art präsentiert er sein neues Programm »Hurra, ab Montag ist wieder Wochenende!« Seine Show eignet sich besonders für alle, die über Montage mosern, über Dienstage diskutieren, die Mittwoche mies und Donnerstage doof finden. Bernd Stelter (geboren am 19. April 1961 in Unna) ist deutscher Karnevalist, Komiker, Schauspieler, Schriftsteller, Sänger und Fernsehmoderator. Tipp: Kombinieren Sie Ihren Event-Abend mit einem Arrangement im BioSeehotel und gönnen Sie sich Entspannung und Kultur für Körper und Seele. Buchung: www.bioseehotel-zeulenroda.de

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit zeigt das Museum Burg Posterstein eine Auswahl aus seiner umfangreichen Weihnachtskrippen-Sammlung. Die Sammlung umfasst über 500 Exponate mit Krippen aus vier Kontinenten. In diesem Jahr liegt der thematische Schwerpunkt auf Weihnachtskrippen und weihnachtlichen Traditionen aus Deutschland, von denen einige zu sehen sein werden. Weihnachtsberge, auch Weihnachtswinkel genannt, erfreuten sind vor allem in Böhmen und im Erzgebirge großer Beliebtheit. Meist wurde zum Aufstellen eine Ecke (Winkel) des Zimmers gewählt und auf einem entsprechenden Regal oder Tisch entstanden zum Teil ganze Dörfer oder Bergwerke, die als Spielort der Geburt Christi dienten. Die Ausstellung geht vom 27. November 2022 bis zum 8. Januar 2023.

www.festhalle-plauen.de

www.seestern-eventz.de

www.burg-posterstein.de

STADTLEBEN V E R A N S T A LT U N G E N

HIGHLIGHTS IM NOVEMBER


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Foto Lena Semmelroggen

Foto EnricoMeyer

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Fr 20.00 Uhr Alter Gasometer, Zwickau

Sebastian Krumbiegel Ein Mann am Klavier … ein Sänger … ja, eine Legende! Sebastian Krumbiegel ist einer der berühmtesten deutschen Musiker. Mit den »Prinzen« füllt er mühelos Arenen und Hallen, er ist Autor und Interpret zahlloser Hits. Doch abseits der ganz großen Bühnen gibt es noch den anderen Sebastian Krumbiegel: Den Chansonier, den Pianisten, den Solisten. In seinem über zweistündigen Soloprogramm spielt und singt er eigene, bekannte und unbekannte Songs, gewürzt mit Coverversionen etwa von Rio Reiser oder Udo Lindenberg. Er erzählt Geschichten aus dem Leben im Allgemeinen und aus seinem Leben im Speziellen. Sebastian Krumbiegel solo ist authentisch, humorvoll und vor allem mitreißend. Eine Veranstaltung im Rahmen der »Novembertage«.

25.11.2022 Chemnitz Messe SO MUSS

STADTMAGAZIN

www.alter-gasometer.de

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Vorschau

Fr

2. Dezember 2022, 20.00 Uhr Wasserschloß, Klaffenbach

Musikalisch kommen im November vor allem Nostalgiker auf ihre Kosten, denn mit Remode (12.11.) ist eine vielgelobte Depeche-Mode-Tribute-Band im Haus, außerdem steht mit Die Seilschaft (18.11.) Gerhard Gundermanns ehemalige Band auf der Bühne und mit Sebastian Krumbiegel (25.11.) haben wir sogar einen Prinzen dabei. Zudem erfüllen Pippo Pollina & Palermo Acoustic Quintet (13.11.) mit italienischen akustischen Klängen den Saal. Und auch neben der Musik ist Leben auf der Bühne: Die Magier – Die Freakshow Tour (19.11.) entführen in mystische Sphären und Tutty Tran (23.11.) strapaziert mit seinem Programm »Augen zu und durch« die Lachmuskeln.

Foto Eisbrenner

0800 - 80 80 123

Blicke zurück und nach vorn

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Vorschau

Sa

3. Dezember 2022, 20.00 Uhr Festhalle, Plauen

Tino Eisbrenner

Spirit of Irish Christmas Tour

Heilige Nacht Tour 2022 – Kunst- und Volksweisen zur Winterzeit aus deutschen Jahrhunderten. Vom Sänger aufgespürt und gesungen. Nicht, um ihnen Modernität einzuflößen. Eher um sie auf ihre Zeitlosigkeit zu prüfen und damit dem Zuhörer zeitlose Räume zu öffnen. Natürlich ordnet Eisbrenner dieser Idee auch Eisbrenner-Songs und ein Quantum Internationales zu. Unterstützt von einem musikalischen Trio, das seiner Intention spielend folgt. (M. Wiesenhütter - git ; H. Frauendorf - bajan ; A. Soto Lacoste - p.,git,voc) Ein Konzertabend voll heimatlichem Klang aber ganz ohne Heimattümelei – Humorvoll. Beschaulich. Manchmal gar temperamentvoll bis rebellisch. Immer vom Herzen getragen bei klarem Verstand.

Jedes Land hat seine ganz besondere Art und Weise, Weihnachten zu feiern. Irland bildet da keine Ausnahme. Die Danceperados of Ireland bringen uns mit ihrer »Irish Christmas Show« Weihnachtsbräuche der Grünen Insel näher. Sie entführen uns mitten in diese besondere Zeit, die einige sehr eigenwillige Blüten treibt, als Irland noch ursprünglich und Weihnachten noch eine spirituelle Angelegenheit war. Mit besonderer Deko, Projektionen von winterlichen Landschaften und einer Lightshow mit winterlich-weihnachtlichen Tönen schaffen die Künstler zusätzlich zum Tanz und Musik ein herrliches Ambiente. »This is the spirit of Irish Christmas«. Jetzt kann Weihnachten kommen, freuen Sie sich drauf!

www.c3-chemnitz.de

www.festhalle-plauen.de

Im Kino Casablanca ist der November ebenso vielfältig. Lieber Thomas (8.11.) wirft einen Blick auf das bewegte Leben des Autors Thomas Brasch, Die Küchenbrigade (15.11.) lässt eine Kantine zur Gourmet-Küche werden, in Alcarrás – Die letzte Ernte (22.11.) kämpft eine Familie um ihr Lebenswerk und Into the Ice (29.11.) zeigt eindrucksvolle Bilder aus dem, leider nicht mehr ganz so ewigen, Eis. Außerdem bieten die Novembertage ein reichhaltiges Programm mit fast 30 Veranstaltungen. www.wir-gemeinsam-zwickau.de Mehr Infos und das vollständige Programm gibt es unter www.alter-gasometer.de Alter Gasometer e.V. Soziokulturelles Zentrum Kleine Biergasse 3, 08056 Zwickau Telefon: 0375 / 277 21 0 www.alter-gasometer.de 11 22

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old & Geschmeide aus Plauen

E I N B L I C K Ü B E R D I E S C H U LT E R V O N B I A N C A H A L L E B A C H Hinter den Kostbarkeiten der vogtländischen Künstlerin Bianca Hallebach verbergen sich Geschichten der Region. Die Goldschmiedemeisterin und Gestalterin lässt die Spuren ihrer Heimat in ihr kreatives Werk einfließen. Wie genau? Das haben wir uns angesehen.

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KULTUR LOKAL T H E M A

BIANCA HALLEBACH »


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m Herzen Plauens liegt das Geschäft von Bianca Hallebach. Die Goldschmiedin bereichert die Stadt mit ihrer außergewöhnlichen Arbeit. Dabei gehen Tradition und Moderne stets Hand in Hand. Schon beim ersten Blick durch das große Schaufenster fallen die Besonderheiten der Schmuckstücke ins Auge. Bianca Hallebach lässt in ihren Werken die Tradition der Region mitschwingen, aber auch die Landschaft und ihre Historie. Sie greift, im wörtlichen oder übertragenen Sinne, die Elemente der Natur auf. Steine und Minerale werden verwendet oder dienen als Inspiration. Pflanzen, Farben, Stimmungen spiegeln sich in Geschmeide und Zierrat. In den Arbeiten von Bianca Hallebach schwingt immer eine Erzählung mit. Sie verändern sich, mit jedem Betrachter und mit jedem Träger.

So hat sie beispielsweise für einige ihrer Ringe die Oberflächenstrukturen einzelner Gesteine aufgenommen, abgegossen und nachempfunden. Der Schmuck trägt somit die Geschichte des Steins mit sich. Und damit auch ein Stück der Geschichte der Region. Jahre und Jahrzehnte schrieben sich in die Oberfläche der Felsen ein. Man trägt mehr als ein Schmuckstück. Man trägt Erinnerung. Man kann die Finger über die feinen Linien gleiten lassen, über die Höhen und Tiefen. Man kann innere Landschaften entstehen lassen. Licht und Schatten schimmern im Silber. Man kann den Wind auf der Haut spüren. Blätter rauschen, in den Wipfeln verstecken sich Sperling, Amsel und Zaunkönig. Weiches Moos wächst am Fuße der Berge. Collier »Zeitsprünge« li. Seite: Silber mit Abdruck vom Diabas und Segment vom Wappen der Vögte von Weida, Plasma (Quarzvarietät) vom Kemmler Plauen

Bianca Hallebach Die vogtländische Künstlerin ist stets auf der Suche nach besonderen Gesteinen aus ihrer Heimat

»DON QUICHOTTE« – Auftakt des neuen Ballettdirektors Sergei Vanaev Bianca Hallebach lässt sich von ihren Erlebnissen beflügeln, ist ein aufmerksamer Beobachter bei ihren Spaziergängen durch die lokale Landschaft. Sie hält die Augenblicke und Momente in Zeichnungen, Grafiken und Schmuckdesigns fest. So bleiben ihre Stärke, ihre Kraft. Neue Verbindungen, Legenden und Sagen tun sich auf. Zu regelmäßigen Terminen, beispielsweise dem jährlichen »Tag des Geotops«, kann man gemeinsam mit Bianca Hallebach die Region erkunden und all dies selbst erleben. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen. KOMPASS: Du prägst seit vielen Jahren die Kulturszene in Plauen mit deiner Handwerkskunst. Wie hat das alles begonnen?

Bianca Hallebach: In den Aufbruchturbulenzen der Wendezeit 1991 habe ich mich bereits mit 21 Jahren in die Selbstständigkeit begeben und es trotz vieler Hürden, die genommen werden mussten, nicht bereut. Der Umzug nach Plauen erfolgte 2003. Was macht für dich den Reiz deiner Arbeit aus? Menschen glücklich zu machen. Sei es die Reparatur eines Stückes, an dem liebevolle Erinnerungen hängen, oder die Anfertigung eines Schmuckes, der dem Träger Freude bereiten soll. Die Verarbeitung von beständigem Edelmetall in sinnigem Design ermöglicht dem Schmuck dauerhafter Begleiter von Liebenden, Eltern und Kindern oder Freunden zu sein, über Generationen hinweg.

Don Quichotte – Einem der größten Träumer der Literaturgeschichte widmet der neue Ballettchef Sergei Vanaev seinen ersten Tanzabend für das Theater Plauen-Zwickau. Und er tut dies mit viel Humor und tänzerischer Energie. Don Quichotte, der »Ritter von der traurigen Gestalt«, ist der Antiheld aus dem Roman von Miguel de Cervantes. Stoisch ignoriert er die miserable Realität und sieht in allem etwas Großes. Stets an seiner Seite der Gefährte Sancho Panza, dem es nicht immer gelingt, die Folgen von Don Quichottes Wahrnehmung abzuwenden. Vanaev erzählt mit viel Sympathie die Geschichte von einem, der glaubt, dass er die Welt bewegen kann und doch immer der Verlierer bleibt. Liebevoll ironisch geht der Ballettdirektor in seinem Stück mit Tradition um. Er choreografiert zeitgenössisch zu der bekannten Ballettmusik von Léon Minkus von 1869. Dabei verbindet er akrobatische Elemente mit klassischem Stil.

Vorstellungen im Gewandhaus Zwickau: 19.11.2022 – 19.30 Uhr / Premiere 11.12.2022 – 18.00 Uhr 17.12.2022 – 19.30 Uhr 29.12.2022 – 19.30 Uhr 06.01.2023 – 19.30 Uhr 20.01.2023 – 19.30 Uhr 26.03.2023 – 16.00 Uhr 29.03.2023 – 19.30 Uhr 15.04.2023 – 19.30 Uhr www.theater-plauen-zwickau.de Theater Zwickau 0375 27 411 4647/4648 Vogtlandtheater Plauen : 03741 2813 4847/4848 11 22

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Man merkt deiner Arbeit an, dass jedes Schmuckstück ein individuelles Kunstwerk ist. Und deine Arbeit hat nicht nur den persönlichen Bezug zum jeweiligen Träger oder der jeweiligen Trägerin. Sie setzt sich auch mit Ihrem direkten Umfeld auseinander, spiegelt und interpretiert dieses. Beispielsweise hast du die berühmte »Plauener Spitze« in deinem Schmuck eingearbeitet. Besondere Aufmerksamkeit hast du zudem mit den sogenannten »Felsenringen« auf sich gezogen. Könntest du uns ein bisschen darüber erzählen, was hinter jenem Konzept steckt? Das Vogtland besitzt eine spannende geologische Geschichte, man kann von Süd nach Nord ganze fünf Erdzeitalter durchwandern, was sich in zahlreichen Felsen und Gesteinen zeigt. Meist sind sie namenlos und unbeachtet, trotz faszinierender Schönheit. Das wollte ich ändern. Ich ging hinaus in diese Landschaft, in die Natur, und habe Tuschezeichnungen und Fließcollagen der Felsen angefertigt. Diese zeige ich nun in Ausstellungen, aber nur mit Koordinaten versehen. Die Namen sollen die Besucherinnen und Besucher selbst geben! Das weckt den Entdeckergeist bei den Betrachtern. Dadurch wurden auch fast vergessene Wege wieder häufiger besucht. Zum Schluss habe ich oft die Felsen selbst beklettert und befühlt und die reizvolle Ästhetik der Oberfläche wahrgenommen, welche deren Entstehung ausdrückt und für jeden Felsen charakteristisch ist. Diese Eindrücke lasse ich in meine Goldschmiedearbeit einfließen. Ich nehme Wachsabdrücke, forme daraus Modelle, die ich selbst im Schleudergussverfahren in Edelmetall gieße. Der haptische Reiz der Oberfläche soll an den Ort in der Natur erinnern, wo der Stein herkommt, und etwas von seiner Ruhe und Kraft in unseren Alltag transferieren.

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KULTUR LOKAL T H E M A

Für Trauringe ist der »Fels in der Brandung« natürlich ein sehr passendes Motiv und vor allem, wenn beide zusammen sich ihren Stein suchen und somit ein schönes Erlebnis in der Natur haben. Die Ringe bestechen in ihrer natürlichen Schönheit, denn sie sind authentisch, das Metall kommt aus dem Fels. Die Trageeigenschaften sind angenehm, es sind richtige Alltagsbegleiter. Zudem kann ich Gold der Familie mit einschmelzen, welches in den neuen Ringen weiterlebt. Warum liegt es dir am Herzen, in deiner Arbeit auch die Verbindung zur Region und zu lokalen Traditionen und Wurzeln zu suchen? Reisen ist eine schöne Sache, aber manche vergessen in welcher wundervollen Gegend wir wohnen. Ein hiesiger Maler beschrieb das Vogtland einmal als eine »gutmütige Landschaft«. Durch meine geführten geologischen Wanderungen vermittele ich viel Wissenswertes über Geologie als Basis, Altbergbau und Frühbesiedlung, aber auch Botanik und Regionales. Manches Kind hat deswegen schon eine kleine Mineraliensammlung angelegt und freut sich, in der Natur etwas zu entdecken. Die Erwachsenen sind erstaunt über Wissen und Zusammenhänge, sie betrachten ihre Umgebung mit ganz anderen Augen. Und das ist auch mein Wunsch für die Zukunft: Bewusstes Sehen und Schätzen, Kraft und Erkenntnis aus der weisen Natur ziehen. Flügel sollen wachsen, aber Wurzeln »erden« im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Schmuck kann ein Transmitter sein.

« BIANCA HALLEBACH

Trauringe Weißgold 585/Abdruck vom Schiefer / Naturgraue Brillanten

In der Arbeit von Bianca Hallebach steckt das kulturelle Erbe der Region. Deshalb ist man vom ersten Augenblick an davon mitgerissen. Man ist fasziniert von der Lebhaftigkeit eigentlich stummer Objekte. Denn in ihnen liegt der Klang der Erinnerungen. Es lohnt sich, diesem leisen Gesang zu lauschen. Text Dorothea List Fotos Bianca Hallebach Info www.goldschmiede-hallebach.de


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PUPPEN UND PUPPENKÜCHEN. DIE WEIHNACHTSAUSSTELLUNG DER PRIESTERHÄUSER ZWICKAU

Die Weihnachtsausstellung im Museum für Stadt- und Kulturgeschichte Priesterhäuser Zwickau widmet sich in diesem Jahr dem Thema Puppen und Puppenküchen. Daneben sorgen Pyramiden, Räuchermännchen, Nussknacker und Weihnachtskrippen für einen stimmungsvollen weihnachtlichen Glanz.

Puppenküchen begeistern die Kinder bereits seit mehr als 200 Jahren. Liebevoll mit kleinen Töpfen, Pfannen, Geschirr, verschiedenen Rührund Schöpfkellen, Waffeleisen, Mörser und anderem mehr ausgestattet, boten diese Küchen vielerlei Spielmöglichkeiten. Das wichtigste Utensil war natürlich der Herd, der meist mit Spiritus oder Öl beheizt wurde, so dass wirklich gekocht werden konnte. Mit ihrer zeittypischen Möblierung und Einrichtung geben uns diese historischen Puppenküchen einen Einblick in die Lebensverhältnisse vergangener Zeiten.

Puppen gibt es ebenfalls schon sehr lange. Sie zählen zu den beliebtesten Kinderspielzeugen. In der Ausstellung finden sich Puppen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die in ihrer Gestaltung und Kleidung die Mode der jeweiligen Zeit zeigen. Sowohl die Puppen als auch die Puppenküchen dienten nicht nur dazu, den Kindern ein Spielvergnügen zu bereiten, denn mit diesen Spielzeugen war gleichzeitig die erzieherische Absicht verbunden, Mädchen auf ihre künftige Rolle als Hausfrau und Mutter vorzubereiten. Die Priesterhäuser Zwickau besitzen in ihrer umfangreichen Sammlung eine Reihe von sehr schönen Puppen und Puppenküchen. Das älteste Schauobjekt ist eine Puppe aus der Biedermeierzeit um 1850. Besonders reizvoll ist auch eine erst kürzlich erworbene Puppenküche aus den 1920er Jahren. Sie besitzt nicht nur eine sehr umfangreiche Ausstattung mit vielen schönen Details, sondern auch einen funktionierenden Wasserhahn, der es den Kindern ermöglichte, sogar das Geschirrspülen nachzuspielen. Die hauseigenen Bestände werden diesmal von Leihgaben aus der Sammlung Flämig und mit Objekten privater Leihgeber ergänzt.

Vom 26. November 2022 bis 8. Januar 2023

Samstag, 26. November 2022, 11.30 – 17 Uhr Eröffnungstag mit Weihnachtsmann und Weihnachtsquiz | Eintritt frei

Samstag, 3. Dezember 2022, 13.30 Uhr Weihnachtliche Familienführung durch die historischen Priesterhäuser | Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro

Mittwoch, 14. Dezember 2022, 16 Uhr Öffentliche Führung mit Vorstellung des Objekts des Monats Dezember: Eine Puppenküche mit Mobiliar, um 1920 | Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro

Freitag, 16. Dezember 2022, 15.30 Uhr Weihnachtliche Familienführung durch die historischen Priesterhäuser | Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro

Priesterhäuser Zwickau Domhof 5-8 08056 Zwickau Info www.priesterhaeuser.de

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STADTLEBEN K U N S T & K U LT U R

AUSSTELLUNG


KABOOM! AUSSTELLUNG »POMPEJI UND HERCULANEUM«

Die Ausstellung in Sachsens Archäologiemuseum entführt das Publikum in die beiden pulsierenden Städte Pompeji und Herculaneum im Golf von Neapel. Hier am Fuße des Vesuvs, einem seit Jahrhunderten inaktiven Vulkan, genoss man in der Antike das süße Leben – la dolce vita. Doch dem setzte eine Katastrophe ein jähes Ende: Im Jahr 79 nach Christus brach der Vesuv aus! In der antiken Stadt Pompeji gingen Steinbrocken, Asche und giftige Dämpfe auf Mensch und Tier nieder. Über das nur 15 Kilometer entfernte Herculaneum raste mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern ein Strom aus Asche und Gas. Durch dessen Hitze verdampfte im Bruchteil einer Sekunde alles Wasser aus den Körpern der Lebenden. Meterhohe Schichten vulkanischen Materials bedeckten die Überreste der beiden antiken Städte.

Heute sind Pompeji und Herculaneum weltberühmt. Archäologische Ausgrabungen befreiten einen Großteil der Ruinen von den Vulkan-Ablagerungen und lieferten faszinierende Momentaufnahmen römischen Lebens vor 2000 Jahren. Die Schau zeigt einige der berühmten Gipsabgüsse der Menschen im Augenblick ihres Todes. Schmuck und Tafelgeschirr, im letzten Moment versteckt, machen ihre Hoffnung sichtbar, nach der dramatischen Rettungsaktion in ihr Zuhause zurückkehren zu können. Brote, Früchte, Holzmöbel und Wandmalereien haben sich nirgends sonst in dieser Qualität erhalten. Sie zeugen vom Alltag, aber auch vom Luxus im Römischen Reich. Öffentliche Führungen jeden Donnerstag, 17 Uhr, und jeden Samstag, 15 Uhr.

Zwei der berühmten Gipsabgüsse aus Pompeji. Sie zeigen Menschen im Augenblick ihres Todes vor 2000 Jahren. Leihgeber Pompeii, Orto of Fuggiaschi | Foto Alex Susanna, Expona o. links: Modell im Maßstab 1:5 eines im Original 14 Meter langen Transportschiffes aus dem Hafen des antiken Neapolis. Modell/Foto Centre Camille Jullian, AMU/CNRS, Aix-en-Provence, France o. rechts: Auf ihrer vergeblichen Flucht vor dem Vulkanausbruch versteckten die Menschen ihre Wertsachen mit – so auch den goldenen Armreif in Form einer Schlange. Leihgeber/Foto Neapel, Museo Archeologico Nazionale

Vom 11. November 2022 bis 12. März 2023 Info www.smac.sachsen.de/pompeji

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Sonderausstellung 11.11.2022 - 12.03.2023

Leben und Sterben unter dem Vulkan smac.sachsen.de/pompeji 11 22 #apocalypsewow #pompejiimsmac

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BETTEROV Auf Konfrontationskurs mit dem Leben

ZUM BEMERKENSWERTEN D E B Ü TA L B U M V O N B E T T E R O V

Eigentlich stammt Betterov, der mit bürgerlichem Namen Manuel Bittorf heißt, vom Land. »Dörfliche Weltvergessenheit irgendwo in der thüringischen Pampa. Von da, wo man sofort wegzieht, wenn man alt genug ist«, schreibt seine Plattenfirma über seine Herkunft. Genauer gesagt handelt es sich um ein 900-EinwohnerDörfchen nahe Eisenach, wo er eine Ausbildung als Industriemechaniker beginnt, diese aber abbricht, um sein Abitur zu machen. Schon früh fühlt sich Betterov von der Musik angezogen, doch in dem ländlichen Umfeld fehlen Struktur, Szene und Vorbilder zum Musikmachen, die seinen Vorstellungen entsprechen.

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KUNST & KULTUR T H E M A

»BETTEROV«


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in erster Befreiungsschlag ist die Arbeit am freien Theater in Eisenach. Eine lebensverändernde Entscheidung, wie er später sagt: »Hier gab es Scheinwerfer und Texte, ich wusste schnell: So ein Ort kann für einen Menschen wie mich nicht schlecht sein.« Betterov übernimmt zwei Jahre die musikalische Produktion am Theater. Parallel macht er die ersten musikalischen Schritte, auf der Abschlussparty eines Festivals spielt Betterov spontan ein paar eigene Songs auf der Akustikgitarre. Das Feedback ist grandios und so trifft er die Entscheidung umzuziehen. 2015 zieht es den Schauspieler und Musiker deshalb, wie so viele, nach Berlin. Diese völlig neue Welt mit ungewohnten Eindrücken verarbeitet Betterov während erster Gigs in Bars und Kneipen in seinen Songs. Und es dauert nicht lange, bis er die ersten Support-Slots für Acts wie Enno Bunger und die Kaiser Chiefs spielt.

MUSIK ALS OUTLET Anfang 2020 releast der heute 28-Jährige seine erste EP mit dem Namen »Viertel vor Irgendwas« – darauf treffen Indierock, Post Punk und Pop Noir aufeinander. Kein Easy Listening, sondern ein interessantes Spannungsfeld, das in der deutschsprachigen Musikszene für Aufsehen sorgt. Sein Song »Angst« wird Ende 2020 auf Platz eins der Hörer-Jahrescharts des Berliner Radiosenders FluxFM gewählt. Mit seiner 2021 folgenden Single »Dussmann« landet Betterov zudem auf den Jahreslisten von Musikerkollegen wie Casper und Kraftklub. In dem Song behandelt der Musiker die fehlende Wertschätzung für die Kunst und Kultur in Form einer symbolischen Exkursion durch das bekannte Berliner Kulturkaufhaus:

»Im Dussmann aus der vierten Etage springen An den Romanen in der Dritten vorbei Und innerhalb eines Wimpernschlags Komm ich unten in der Vinyl-Abteilung an Im allerletzten Flug meines Lebens Zieht die ganze Kultur an mir vorbei Vielleicht wär das ein stilvoller Abgang Für so ein merkwürdiges Leben wie meins« »Dussmann« von Betterov

»Betterovs Musik ist eine Auseinandersetzung mit sich selbst, bei der er eine ganze Sammlung von Gegenentwürfen zeichnet. Songs vom Sich-Auflehnen. Vom Kampf. Vom Durchbrechen der inneren Barrikaden. Und vom Aufbau, bei dem er sich all den Ängsten und Selbstzweifeln entgegenstellt, um negative Emotionen in positive Energie zu transformieren. Eine Art der Selbstbespiegelung.« Universal Music

»Olympia« von Betterov Selbstfindung, Liebe, Hoffnung – das Debütalbum von Betterov behandelt die großen Themen des Erwachsenwerdens. Foto Universal Music

Seinen Künstlernamen hat er von einer Nebenfigur der dänischen Serie »Die Olsen-Bande« übernommen – Ähnlichkeit zum eigenen Nachnamen erwünscht. Als Sänger und Multiinstrumentalist, der Klavier, Violine und Gitarre beherrscht, bringt Betterov die besten Voraussetzungen mit, echte Hits zu schreiben. Diese behandeln die großen Themen seiner Generation: Aufwachsen, das Gefühl, sich von seinem Zuhause verabschieden zu müssen, Selbstoptimierungsdruck und mentale Gesundheit. Beim Preis für Popkultur erhält der Künstler 2022 für seine musikalische Arbeit Auszeichnungen in den Kategorien »Hoffnungsvollster Newcomer«, »Lieblingsvideo« und »Beeindruckendste Liveshow«.

BETTEROV AUF TOUR - TERMINE IN DER REGION 4. Dezember 2022 15. Februar 2023 16. Februar 2023

Leipzig, Naumanns Dresden, Chemiefabrik Jena, Kassablanca

Am 14. Oktober 2022 ist sein Debütalbum »Olympia« erschienen, das Betterov während der Corona-Zeit geschrieben hat. Ein passender Name für den Musiker, der auch seit Jahren großen Spaß am Leichtathletiksport hat. Der Titeltrack ist aber weniger leichtfüßig, als man es vermuten könnte. Er fasst den Peak der Lockdown-Phase zusammen: »Am Ende schaut man nur noch YouTube-Videos, liegt rum, versinkt in alten Olympiavideos und lässt gelähmt die Stunden verstreichen, während auf dem Bildschirm Menschen in 47 Sekunden 100 Meter schwimmen und damit ihr komplettes Leben und die Welt verändern.« Auf dem Album geht es mit eindrucksvollen Worten um schwere Zeiten, Selbstfindung, verlorene Liebe, aber letztlich auch immer um die Hoffnung am Ende eines langen Tages.

Betterov Betterov heißt eigentlich Manuel Bittorf und sorgt mit seinem Debütalbum derzeit für Aufsehen. Foto Rebecca Kraemer // Universal Music

Text Kristina Baum Info www.betterov.de 11 22

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KINO Anzeige

Ab 3. November 2022 im Kino

Hui Buh und das Hexenschloss Auch wenn Hui Buh (Michael Bully Herbig) mittlerweile 500 Jahre auf dem Buckel hat, ist er nach wie vor kein Gespenst, das anderen einen gehörigen Schrecken einjagt. Nachdem mal wieder eine seiner Gruselshows nach hinten losgegangen war, scheint er die Hoffnung auf eine Karriere als Schreckgespenst aufgegeben zu haben. Unerwartet wendet sich die kleine Hexe Ophelia (Nelly Hoffmann) an Hui Buh und bittet ihn um Hilfe. Sie ist im Besitz eines sehr wertvollen Zauberbuchs, das unter keinen Umständen in die falschen Hände gelangen darf. Doch die böse Hexe Erla (Veronika Bellova) ist bereits hinter dem mysteriösen Werk her. Also macht sich das Schlossgespenst Hui Buh gemeinsam mit seinem Freund Julius (Christoph Maria Herbst) auf den Weg in den sagenumwobenen Hexenwald. Ein Abenteuer, bei dem eine Frage ganz deutlich wird: Wer hat hier eigentlich vor wem Angst? TICKE

Filmpalast Astoria Zwickau

https://zwickau.filmpalast.de/

STREAM

Ab 29. November im Handel

Streaming Film | ARD Mediathek

Streaming Doku | ARD Mediathek

Meine Stunden mit Leo

Pelikanblut

Wie Gott uns schuf

Nancy Stokes, eine verwitwete, ehemalige Lehrerin, sehnt sich nach Abenteuern, zwischenmenschlicher Nähe und gutem Sex, der ihr in ihrer stabilen, aber langweiligen Ehe vorenthalten wurde. Nancy ist fest entschlossen, möglichst viel davon nachzuholen, und engagiert einen Callboy für eine Nacht glückbringender neuer Erfahrungen. Sie trifft den jungen Leo Grande in einem anonymen Hotelzimmer außerhalb der Stadt. Der ist wie erwartet äußerst attraktiv, aber womit Nancy ganz und gar nicht gerechnet hat: Leo ist nicht nur ein Experte in Sachen körperlicher Liebe, sondern auch ein interessanter und witziger Gesprächspartner ...

Wiebke betreibt einen Reiterhof, wo sie Pferde für die Polizei trainiert. Sie kümmert sich um ihre Adoptivtochter Nicolina. Eines Tages will sie ein zweites Kind und adoptiert die 5-jährige Raya, die Verhaltensstörungen aufweist und an schwerem Trauma leidet. Wiebke ist fest entschlossen, dem Mädchen bei ihren Gewaltausbrüchen und Wutanfällen zu helfen. Sogar als die Spezialisten ihr raten, Raya in eine spezialisierte Einrichtung zu geben, gibt sie nicht auf. Kann ein 5-jähriges Adoptivmädchen das Böse in sich tragen? Klingt nach Horrorfilm, aber »Pelikanblut« von Katrin Gebbe ist mehr: Die Adoptivmutter durchlebt den Albtraum einer alle Grenzen sprengenden Mutterschaft. Der Film ist in der ARD-Mediathek noch bis zum 24. Dezember 2022 streambar.

Hundert Gläubige im Dienst der katholischen Kirche outen sich. In dieser exklusiven ARD-Dokumentation wagen sie gemeinsam den Schritt an die Öffentlichkeit. Sie alle sind queer und erzählen vom Kampf um ihre Kirche. Die ARD-Dokumentation »Wie Gott uns schuf« könne die katholische Kirche in eine weitere Glaubenskrise stürzen, so kündigte der Sender den Film Anfang des Jahres an. In der Kategorie »Beste Dokumentation/Reportage« wurde der Film nun mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Für den Film von Hajo Seppelt, Katharina Kühn, Marc Rosenthal und Peter Wozny wurden 100 Menschen interviewt, die lesbisch, schwul, bisexuell, queer, oder nicht-binär sind. Die Dokumentation ist noch bis zum 24. Januar 2023 streambar.

Foto SWR // ARTE

Foto ARD

Verlosung auf Seite 78

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Verlosung auf Seite 78

DVD

Foto EuroVideo Medien // Entertainment Kombinat

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Poetenweg 6-8 | Telefon 0375/ 35 36 41 0

T

Foto Warner Bros.

KUNST & KULTUR

FILM | STREAM


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BUCH

HÖRBUCH

Seit 26. Oktober im Handel

Im Handel

OLAF SCHUBERT Olaf Schubert bewertet die Schöpfung

RICHARD DAVID PRECHT, HARALD WELZER Die vierte Gewalt

Alles wird bewertet. Von Allen. Auf unterschiedlichsten Plattformen. Dem Großteil der Bewertenden mangelt es jedoch an Fachwissen, Urteilskraft und Objektivität, weshalb deren Expertisen oft unsachlich und vor allem unvollständig sind. Von daher wurde es zwingend erforderlich, dass eine kompetente Instanz die relevanten Dinge nun endlich professionell und endgültig bewertet. Und zwar nicht nur die kleinlichen Details, sondern das Gesamtwerk: Die Schöpfung – in all ihrer Gänze! Solch eine Herkulesaufgabe zu stemmen, ist niemand imstande, außer ein Titan wie er – Olaf Schubert! Als besonderen Service bietet er sein Werk in appetitlichen, alphabetisch geordneten Häppchen an, mit einem bewährtem Punktesystem. Ein Buch wie das Internet, nur seriöser und ausführlicher. Alles wurde bereits bewertet – aber noch nicht von Olaf Schubert, dem Bewerter mit Hinter- und Vordergrundwissen. Im Oktober erscheint sein brandneues Buch »Olaf Schubert bewertet die Schöpfung – Von Abba bis Zyankali«.

Was Massenmedien berichten, weicht oft von den Ansichten und Eindrücken großer Teile der Bevölkerung ab – gerade, wenn es um brisante Geschehnisse geht. So entsteht häufig der Eindruck, die Massenmedien in Deutschland seien von der Regierung oder »dem Staat« manipuliert. Aber die heutige Selbstangleichung der Medien hat mit einer gelenkten Manipulation nichts zu tun. Die Massenmedien in Deutschland sind keine Vollzugsorgane staatlicher Meinungsmache. Sie sind die Vollzugsorgane ihrer eigenen Meinungsmache: mit immer stärkerem Hang zum Einseitigen, Simplifizierenden, Moralisierenden, Empörenden und Diffamierenden. In ihrem ersten gemeinsamen Hörbuch analysieren die Bestseller-Autoren Richard David Precht und Harald Welzer die Mechanismen, die in diese Sackgasse führen: Wie kann eine liberale Demokratie mit pluraler Medienlandschaft sich selbst so gefährden? Wie ist es in Deutschland, dem Land mit einer vorbildlichen Qualitätspresse und eines im internationalen Vergleich ebenso vorbildlichen öffentlich-rechtlichen Rundfunks dazu gekommen?

Foto Fischer Verlag

Verlosung auf Seite 78

VERANSTALTUNGS-

TIPPS

STADTHALLE CHEMNITZ | STADION CHEMNITZ CARLOWITZ CONGRESSCENTER CHEMNITZ MESSE CHEMNITZ | WASSERSCHLOSS KLAFFENBACH

Foto Der Hörverlag

ALBUM

PODCAST

Ab 4. November im Handel

Streaming Podcast

FIRST AID KIT Palomino

LINO UND NIKLAS Verbrechen für Weicheier

»Palomino« ist das mit Spannung erwartete neue Album von First Aid Kit, dem von der Kritik gefeierten schwedischen Folk-Duo. Der erste Track des Albums, »Angel«, wurde bereits vor der Ankündigung des Albums veröffentlicht. Mit der Ankündigung von »Palomino« und dem Erscheinungsdatum des Albums wurde auch die neue Single »Out Of My Head« bekannt gegeben. First Aid Kit ist ein schwedisches Indie-PopDuo, bestehend aus den Schwestern Johanna und Klara Söderberg, die aus Enskede, einem Stadtteil von Stockholm, stammen. Im April 2007 begannen die Schwestern, ihre selbstgemachten Songs auf die Social Networking-Website MySpace hochzuladen. Sie schickten auch eine Demo ihres Songs Tangerine an einen schwedischen Radiosender und landeten einen Sommerhit.

Lino und Niklas sind zwei Weicheier, die Bock auf True Crime haben, aber immer heulend aus dem Zimmer rennen, wenn es um Mord und Totschlag geht. Deshalb behandeln sie in ihrem Podcast Verbrechen der eher harmloseren Sorte aus Deutschland und der ganzen Welt – alles von Casino-Heists und Banküberfällen bis hin zu Kunstdiebstählen und mehr oder weniger genialen Finanzcoups. Hauptsache, es wird nicht zu gruselig. Bisher gibt es insgesamt 41 Folgen der Podcastserie von Lino und Niklas. Alle ihrer Podcasts beinhalten Folgen mit Verbrechen, die auf einer wahren Begebenheit basieren. Auch wenn keiner zu Tode kommt, es keinen Mörder gibt und kein Blut fließt – der Gruselfaktur und die Spannung bleiben auf jedem Fall trotzdem nicht auf der Strecke.

Foto Sony Music

Foto podcasts.de

TICKETS AN ALLEN BEKANNTEN VORVERKAUFSSTELLEN UND UNTER WWW.C3-CHEMNITZ.DE 11 22

L I T E R AT U R | M U S I K

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Foto Bess Hamiti // pixabay.com

g a s e i W m e n i e m ichs Kind ?

AUFKLÄRUNG VON ANFANG AN

Zugegeben, nicht jeder fühlt sich bei dem Thema sexuelle Aufklärung im Kindesalter wohl. Dennoch brennen selbst den Kleinsten bereits Fragen nach den offensichtlichen Unterschieden auf dem Seelchen und spätestens wenn sich ein Geschwisterkind ankündigt, steht die Frage im Raum: »Wie kommen eigentlich die Babys in den Bauch?«

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KLEINE WELT T H E M A

STARKE KINDER


Weshalb von Anfang an gelten sollte: Liebe und Sexualität sollten möglichst positiv gestaltet werden. »Wenn im Elternhaus über Sexualität, Lust, Körper, Grenzen geschwiegen wird, kommt dabei nur eines heraus: Unsicherheit«, sagt die Sexualwissenschafterin Christiane Kolb. »Ein kleiner Mensch, der keine Ahnung hat, wohin mit sich und seinen Gefühlen. Der keinen guten Bezug zum eigenen Körper findet. Der kein Bewusstsein für die eigenen Grenzen entwickeln kann, keine Worte, um über sexuelle Themen zu sprechen. Wie kann das gut werden? Ebenso: Wer ohne Wissen und Selbstgewissheit in erste Erfahrungen schlittert, ist schlecht gerüstet.« Im Resultat führte dies oft »zu schmerzhaften und unschönen Erfahrungen, vom schrecklichen ersten Mal bis zu mangelnder Verhütung oder Übergriffen. Man kann an so einer Erfahrung wachsen – oder zerbrechen.« Eine gute Sexualerziehung beginnt also im besten Fall lange bevor sich das Kind des Unterschiedes zwischen den Geschlechtern bewusst wird. Doch was müssen Kinder in welchem Alter wissen? Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wie reagiere ich richtig auf allzu neugierige Fragen? Genau mit diesen Themen hat sich die Hamburger Autorin in ihrem kürzlich erschienenen Buch »Aufklärung von Anfang an« gewidmet. Und nein! Hier geht es nicht nur um Fortpflanzung. Wie schon der Untertitel »Mit Kindern über Körper, Gefühle und Sexualität sprechen« verrät. So geht die selbst zweifache Mutter auf die verschiedenen Entwicklungsschritte der Kindheit ein und zeichnet Situationen, die in der Praxis immer wieder vorkommen, nach. Gleichzeitig bietet sie auch konkrete Formulierungshilfen, wenn wir mal »sprachlos« sind und fordert die Eltern/Erziehenden zur Eigenreflexion im Umgang mit Sexualität. Sicher, das »Darüber« sprechen ist nie ganz leicht, es wird aber dank Christiane Kolbs Buch deutlich einfacher. Mehr Informationen, viel Wissen, aber auch Anregungen und wichtige Hilfsangebote finden sich auf der Homepage »lieben-lernen.info« der Autorin.

DREI FRAGEN AN CHRISTIANE KOLB, AUTORIN DES BUCHES »AUFKLÄRUNG VON ANFANG AN« KOMPASS: Warum heißt Ihr Buch »Aufklärung von Anfang an«? Heißt das, man soll möglichst früh damit beginnen? Christiane Kolb: »Das ist nicht die Idee. Mir ist stattdessen wichtig zu zeigen: Wir Eltern leben von Anfang an eine Grundhaltung zu sexuellen Themen vor und prägen das Empfinden unseres Kindes rund um Körper, Gefühle, Liebe und Intimität. Zum Beispiel darin, wie wir über Genitalien sprechen, wie wir Liebe und Scham vorleben, auch ohne Worte. Die Idee meines Buches lautet: Es ist gut, wenn Erziehende bewusst damit umgehen. Dazu brauchen sie mehr Wissen über die kindliche Entwicklung und Achtsamkeit für die besonderen Erziehungsmomente. Dafür steht mein Buch.« Inwiefern sind sexuelle Themen schon für Kinder relevant? »Sie sind nicht als ›Sex-Themen‹ relevant, sondern verwandelt – etwa in der Vermittlung eines guten Körpergefühls, sicherer Bindung, als Fähigkeit, den eigenen Körper anzunehmen oder eigene Gefühle und Grenzen zu erkennen. So funktioniert übrigens auch Schutz und Prävention. Hier brauchen Eltern Sicherheit. Darum gebe ich viel Wissen zur körperlichen und psychischen Entwicklung mit. Ich glaube, es sind einige Fakten dabei, die Eltern bislang nicht klar waren. Denn: Darüber redet man ja eigentlich nicht. Das geht nach der Lektüre leichter.« Was war der Auslöser, über das heikle Thema zu schreiben? »Das waren konkrete Momente, die mir selbst beim Erziehen begegnet sind und Fragen, die ich immer wieder von Eltern höre: Was sind gute Namen für Genitalien? Inwieweit ist die kindlich-tabulose Neugier auf Genitalien normal und okay? Wie gehen wir mit Doktorspielen um? Wie erklärt man erwachsene Sexualität? Wir Eltern sind schnell perplex bei sexuellen Themen – obwohl wir uns für total entspannt im Umgang damit halten. Eine meiner wichtigsten Thesen ist übrigens, dass viele von uns selbst nicht gut aufgeklärt wurden, was in der Aufklärung der eigenen Kinder leider nicht hilft. Da setze ich an und möchte helfen, dass Eltern gute Antworten finden – und Kinder gute Antworten bekommen.

BUCHTIPP Aufklärung von Anfang an Mit Kindern über Körper, Gefühle und Sexualität sprechen Für Eltern von Kindern von 0 bis 10 Christiane Kolb Verlag: Kösel ISBN 978-3-466-31189-7 Preis: 20,00 EUR

Inhalt Oft sind Eltern überrumpelt, wenn es um Sexualität geht – und bei jüngeren Kindern scheint das Thema noch weit weg. Weil Kinder auch auf heikle Fragen gute Antworten brauchen, bietet dieser Ratgeber Orientierung. Er schildert Meilensteine der Entwicklung, erklärt typisches Verhalten und zeigt an Beispielen, wie man gelassen, achtsam und altersgerecht auf die kindliche Neugier reagiert. So entwickeln Kinder einen natürlichen Bezug zum eigenen Körper, werden vor negativen Erfahrungen geschützt und finden in ihren Eltern vertrauensvolle Ansprechpartner*innen. Verlosung auf Seite 78

Christiane Kolb Magazinautorin mit Masterstudium der angewandten Sexualwissenschaft Foto Dirk Uhlenbrock

Christiane Kolb schloss 2018 ein Masterstudium der Angewandten Sexualwissenschaft an der Hochschule Merseburg ab und gibt ihr Wissen inzwischen in Projekten der Bildung und Beratung, an Elternabenden und in Büchern weiter. Außerdem schreibt sie seit 20 Jahren als Magazinautorin, u. a. für die Zeitschriften »Eltern Family«, ELTERN, Women’s Health und Anders Handeln über Liebe und Partnerschaft sowie Gesundheit und Gesellschaft. Sie ist Mutter zweier Töchter und lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Foto Vitor Vitinho // pixabay.com

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s gibt tatsächlich noch immer Menschen, die glauben, dass Körperbewusstsein und Sexualität rein gar nichts im kindlichen Kosmos zu suchen haben. Dabei ist es doch das Natürlichste auf der Welt. Schließlich geht es darum, ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln, sich selbst und anderen Grenzen aufzeigen zu können und nicht zuletzt mit der eigenen Scham umgehen zu lernen.

Text JoKri Info lieben-lernen.info 11 22

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KINO

DVD

Seit 27. Oktober im Kino

Ab 17. November im Handel

Eine Gruppe Jugendlicher nimmt bei einem Gewinnspiel teil und wird dafür in einen Escape Room gelockt. Doch wider Erwarten werden sie vor Ort Teil eines sozialen Experiments. Zwei Wissenschaftler haben eine künstliche Intelligenz entwickelt, um so die Spiele exakt auf die Stärken, Schwächen und Eigenschaften der Teilnehmer auslegen zu können. Doch die KI ist intelligenter als gedacht und beginnt, die Spieler gegeneinander auszuspielen und sie mit ihren größten Ängsten zu konfrontieren. Während die Freundschaft der Gruppe auf die Probe gestellt wird, beginnt auch noch ein gefährliches Spiel um Leben und Tod.

Beyond The Summit Eine schicksalhafte Begegnung bei eisiger Kälte. Kaum jemand wäre so verrückt und würde mitten im Winter einen 8091 Meter hohen Berg im Himalaya besteigen. Doch Matteo wagt den folgenschweren Aufstieg ... Foto Eurovideo Verlosung auf Seite 78

Ab 17. November im Handel

E.T. – Der Außerirdische

Fotos Tobis Film

Steven Spielbergs unvergesslicher Abenteuerfilm erscheint zu seinem 40. Jubiläum mit brandneuem Bonusmaterial! Erlebe die Abenteuer und die Magie eines der beliebtesten Filme aller Zeiten, »E.T. – Der Außerirdische«, vom Oscar-prämierten Regisseur Steven Spielberg. Foto Universal

BUCH

HÖRBUCH | CD Ab 23. November im Handel

Ab 9. November im Handel

GREGOR EISENBEISS, CHECKER TOBI

CATHERINE KALENGULA

Coole Wissensvermittlung auf Augenhöhe!

Emily in Paris Als Emily Cooper einen Job bei der Pariser Marketingagentur Savoir landet, kann sie ihr Glück kaum fassen. Ein Traum wird wahr – wären da nicht die sprachlichen Barrieren sowie ihre neue Chefin und die Kollegen, die sie nicht ganz so herzlich empfangen, wie erhofft.

Welche Rechte haben Kinder in Deutschland und sind diese auf der ganzen Welt die gleichen? Wie funktioniert ein Schulparlament und warum sind Wahlen eigentlich geheim? Ein humorvolles Sachhörspiel für die ganze Familie, vollgepackt mit wissenswerten und spannenden Infos!

Foto Blanvalet

Foto cbj audio

Ab 9. November im Handel

Ab 2. November im Handel

THALITA REBOUÇAS Bekenntnisse eines schüchternen Nerds

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INGO SIEGNER

Der kleine Drache Kokosnuss – Das Songalbum

Der 16-jährige Davi hat sich endlich getraut, sich für den Astrologiekurs anzumelden, den er schon immer machen wollte. Dort lernt er Milena kennen, ein unglaubliches Mädchen, deren mitreißende Art ihn begeistert. Doch als er Gonçalo kennenlernt, beginnt für Davi die Welt Kopf zu stehen.

Mit dem kleinen Drachen Kokosnuss Englisch lernen – spielerisch mit Musik und Humor! Diese CD enthält die 16 schönsten Lernsongs aus den fünf Englischlern-Abenteuern des kleinen Drachen Kokosnuss. Ob das ABC, die Zahlen oder die Uhrzeit, mit Musik lernt sich der Wortschatz gleich viel leichter.

Foto cbt

Foto cbj audio

KLEINE WELT Q U E R B E E T

TIPPS FÜR KIDS



Reisetipp

HIER TREFFEN GESCHICHTE UND MODERNE AUFEINANDER

Foto Pexels // pixabay.com

Es ist die besondere Kombination aus historischem Flair und futuristischem Look, die der sonnenreichen spanischen Stadt Valencia heute jährlich Tausende Besucher beschert. Zudem bemüht sich der Touristenort um ein zunehmend klimafreundliches Image.

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LEBENSSTIL R E I S E

VALENCIA


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eute ist Valencia ein beliebtes Reiseziel, doch noch vor einigen Jahrzehnten hatte Valencia mit Problemen zu kämpfen: Teile der spanischen Stadt standen leer, verfielen und wurden als Drogenumschlagplätze genutzt, was einigen Vierteln einen gefährlichen Ruf einbrachte. Dieses Image hat sich mittlerweile allerdings um 180 Grad gedreht. Inzwischen sind die einst heruntergekommenen Ecken zu aufstrebenden Vierteln geworden, die auch viel junges Publikum anziehen.

DIE STADT DER KÜNSTE UND WISSENSCHAFTEN Ein Besuch der Stadt der Künste und Wissenschaften ist ein Muss bei einem Besuch in Valencia. Erdacht wurde sie vom Architekten Santiago Calatrava und besteht aus mehreren Gebäuden, die heute als wichtige moderne Sehenswürdigkeiten der Stadt gelten. Sie sind ein essenzieller naturwissenschaftlicher und kultureller Freizeitkomplex am ehemaligen Flussbett des Turia.

OCEANOGRÀFIC Das L’Oceanogràfic ist das größte Aquarium Europas: Es verfügt über sieben Meeresräume, in denen man fast 45.000 Exemplare von 500 unterschiedlichen Arten sehen kann – darunter Delfine, Weißwale, Walrosse, Seelöwen, Robben, Pinguine und Haie.

HEMISFÈRIC Das Hemisfèric ist ein digitales 3D-Kino mit einer 900 Meter langen, konkaven Leinwand, die sich um die Zuschauer spannt. Täglich werden verschiedene Filme, darunter auch kindgerechte Dokus, gezeigt.

NATURWISSENSCHAFTLICHES MUSEUM Hier gilt das Motto »Nicht anfassen verboten«: Das Naturwissenschaftliche Museum hat etliche interaktive und unterhaltsame Ausstellungen zu bieten. Der Eintritt ins Erdgeschoss mit einer temporären Ausstellung, Geschäften, Toiletten und Restaurant ist frei. Für die restlichen Ausstellungen ist ein Ticket erforderlich.

PALAU DE LES ARTS Der Palau de Les Arts ist von Oktober bis November Schauplatz von Opern, Konzerten oder Ballettaufführungen.

UMBRACLE Der Umbracle ist ein über 17.000 Quadratmeter großer, frei zugänglicher Garten. Darin gibt es mediterrane Pflanzen oder zeitgenössische Skulpturen zu bestaunen. In den Sommermonaten öffnet abends die Terrasse Mya, wo Drinks bei Mondschein serviert werden.

CAIXAFORUM Der Mehrzweckraum bietet Platz für temporäre und permanente Ausstellungen, Live-Musik, Konferenzen und Shows.

Valencia ist immer eine Reise wert Moderne und Tradition im Einklang – das ist Valencia. Foto Tim Christopher Klonk // unsplash.com | Foto Will Araya // unsplash.com

L'ASSUT D'OR Ein weiterer Bau des valencianischen Architekten Santiago Calatrava ist die Brücke L’Assut d’Or. Sie überquert das ehemalige Flussbett des Turia zwischen dem Naturwissenschaftlichen Museum und dem Gebäude L’Ágora. Sie hat mehrere Spuren für den Verkehr in beide Richtungen und in der Mitte gibt es einen Fußgängerübergang, der die beiden Ufer des Jardín del Turia miteinander verbindet. Valencia wurde 138 v. Chr. von den Römern gegründet und liegt im Osten Spaniens an der levantinischen Küste und der Mündung des Flusses Turia. Die Stadt, in der an 300 Tagen pro Jahr die Sonne scheint, befindet sich also direkt am Mittelmeer und kann einen fast 20 Kilometer langen Strand vorweisen. Schiffe fahren von hier aus direkt zu den Balearischen Inseln, nach Madrid dauert es mit dem Zug nur etwa anderthalb Stunden.

PRÄCHTIGE ALTSTADT MIT EINZIGARTIGEM FLAIR Das Barrio del Carmen gilt als das älteste Viertel der Mittelmeermetropole. Anzugspunkt ist die Kathedrale, in der sich Einflüsse aus der Romanik, Gotik und dem Barock finden lassen. In den vielen kleinen Gassen und verwinkelten Straßen spaziert es sich gut umher, denn überall lassen sich Tapasbars, Cafés, Boutiquen und kreative Street-Art finden. Autos haben hier nichts zu suchen, sodass ein Bummel in den Morgenstunden besonders schön ist. Im 15. Jahrhundert brachten die Produktion und der Handel mit Seide und anderen Gütern viel Geld in die Kassen der Stadt. So entstanden Bauten wie die gotische Seidenbörse, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgte zudem der Orangenanbau für weiteren Reichtum, sodass prächtige Jugendstil-Bauwerke in und um die Altstadt herum erbaut werden konnten. Dazu zählt auch der Nordbahnhof, der sich durch zahlreiche Mosaikverzierungen auszeichnet. Weil hier traditionelle Handwerkskunst, mediterranes Design und Moderne bis heute koexistent sind, wurde Valencia zur Welthauptstadt des Designs 2022 gekürt. Ein Lifestyle-Gesamtpaket also, das Flair, Genusskultur, Handwerk und Design verbindet, um mit seinen vielen Vorzügen auch zukünftig für Einheimische und Besucher attraktiv zu sein. Bis 2025 soll der Tourismus in der drittgrößten Stadt Spaniens CO2-neutral sein. Die Bemühungen sind schon jetzt spürbar: In Valencia gibt es überall Radwege, weniger Autoverkehr und instandgesetzte Parkanlagen. Bis 2030 strebt Valencia sogar komplette CO2-Neutralität an. Text Kristina Baum Info visitvalencia.com 11 22

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MODERN TEA TIME

Grau und nieselig macht der November seinem Namen alle Ehre. Kein Grund, sich gefühlsmäßig dem Wetter anzupassen. Denn im Spätherbst beginnt für viele auch die Zeit der Gemütlichkeit. Licht und Wärme spendet nun nicht mehr vornehmlich die Sonne, sondern kuschlige Kissen und Kerzenschein streicheln unsere Seelen. Für die meisten bedeutet es, mehr Zeit mit der Familie und Freunden zu genießen, aber auch mehr Zeit für kulinarische Genussmomente.

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LEBENSSTIL M U N D A R T

MODERN TEA TIME »

Foto: © Mike Hofstetter // Südwest Verlag

GENÜSSLICHES BEISAMMENSEIN


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raditionen für eine nachmittägliche kleine Mahlzeit gibt es viele. Hierzulande werden zumeist Kaffee und Kuchen zum »Kaffeetrinken« gereicht. Auch die Skandinavier setzen auf Kaffee und Naschwerk: »Fika« nennen die Schweden ihr gemütliches Beisammensein und die Finnen titulieren das »Schälchen Heeßen« am Nachmittag schlicht »Ltakahvi«. Ebenfalls sehr viel Erfahrung, sowohl mit schlechtem Wetter als auch mit ausgiebigen Nachmittagsritualen haben bekanntermaßen die Briten. Der »Afternoon Tea« erfreut sich praktisch weltweit äußerster Beliebtheit. Grund genug, einen genaueren Blick zu riskieren, denn entgegen landläufiger Meinungen vereint die britische Tea Time Gemütlichkeit mit vielfältigem Genuss und ist nicht nur für Naschkatzen ein absolutes Must-have. Zurückführen lässt sich die Tradition des Nachmittagssnacks wohl auf eine Hofdame Königin Victorias namens Lady Bedford (1783–1857). Eben jene fühlte sich nachmittags des Öfteren ein wenig unwohl, da man damals mittags nur ein leichtes Mahl einzunehmen pflegte. Um die Zeit bis zum Dinner, welches in der Regel erst nach 19 Uhr serviert wurde, zu überbrücken, ließ sich die Gute zur Stärkung regelmäßig eine Tasse Tee und einen kleinen Imbiss bringen. Auch ihren Gästen servierte die adlige Dame diese Zwischenmahlzeiten im Salon. Die Resonanz war überwältigend und ihr Afternoon Tea wurde sehr bald zum beliebten Event des britischen Adels. Bis heute wird dieser zwischen 15 und 17 Uhr

eingenommen und besteht in der Regel aus drei Gängen: Sandwiches, Scones und kleinem Gebäck (Kuchen und Kekse). Selbstverständlich wird dazu schwarzer Tee (mit Milch!) getrunken. Wer jetzt abwinkt im Glauben, eine Tea Time sei nur etwas für die nach Mottenkugeln riechenden älteren Damen der höheren Gesellschaft, der irrt gewaltig.

INSPIRIERT UND NEU INTERPRETIERT Auch der junge Sternekoch Marco D'Andrea hat es nicht so mit steifem Zeremoniell und »die Vorstellung, mit lauter zugeknöpften Menschen in einem Salon zu sitzen, um mit gespitzten Lippen und abgespreiztem kleinen Finger an einer Teetasse zu nippen«, findet er – »mit Verlaub – beängstigend.« Dennoch mag er es, »wenn viele Menschen an einem Tisch sitzen, die Gläser klirren lassen, sich gegenseitig Schalen und Teller reichen, essen, genießen, sich unterhalten und es bunt und lustig zugeht.« Und weil derartige Aufeinandertreffen nicht zwingend abends bei Wein und Bier stattfinden müssen, ist die Tea Time aus Sicht des Spitzenpâtissiers mit italienischen Wurzeln geradezu perfekt, weil sie all das vereint. Und so offeriert er dem interessierten Leser seines Buches »Modern Tea Time« nicht nur ein wunderbar buntes Potpourri feinster Gaumenfreunden, er verfeinert das Ganze mit historischem Hintergrund, mit einem kleinen Einmaleins des Teewissens und viel Charme. Von traditionell über raffiniert bis hin zu ausgefallen, die Rezepte in D'Andeas Modern Tea Time überzeugen ganz ohne Steifheit oder Staubansatz und, dank unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade, findet wohl jeder den richtigen Einstieg in das Thema. Mit zwei Köstlichkeiten aus Marco D'Andreas Neuinterpretation eines genüsslichen nachmittäglichen Beisammenseins dürfen wir euch mit freundlicher Genehmigung des Südwest-Verlages auf Seite 72 schon mal Gusto auf Mehr machen.

Text JoKri

BUCHTIPP MODERN TEA TIME Süße und herzhafte Rezepte für genussvolle Momente Marco D´Andrea Verlag: Südwest ISBN 978-3-517-09918-7 Preis: 25,00 EUR

Inhalt Der mehrfach ausgezeichnete Pâtissier des Jahres kann mit seinem außergewöhnlichen Talent in der Welt der süßen Kulinarik durchschlagende Erfolge verzeichnen. In diesem Buch gibt er einer der besten britischen Traditionen eine deutsche Heimat – It’s Teatime! Geselliger Genuss mit kleinen Häppchen in süß und sauer, in scharf oder mild. Bei Marcos Teatime ist nichts verboten. Er liefert eine Fülle von Rezepten für verschiedenste gesellige Anlässe, gibt Tipps zur wirkungsvollen Dekoration und zur richtigen Getränkebegleitung.

Über den Autor Marco D’Andrea ist ein echtes Multitalent, seine Leidenschaft findet er jedoch in der hohen Kunst der perfekten Nachspeise. Diese Mischung aus Ideenreichtum und dem Bewahren des kompakten Geschmackes lassen seine süßen Kunstwerke einzigartig werden. Seit Sommer 2017 ist der Überflieger Chef Pâtissier im Luxushotel »The Fontenay« in Hamburg und bereichert von dort aus die Welt des Desserts! Seine aktuelle Leidenschaft ist die Tradition der britischen Teatime, bei der er auch über die Süßspeisen hinausgeht. 2019 ist er Pâtissier des Jahres für die Zeitschrift Rolling Pin und 2020 für den Gault Milleau.

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R e ze p t

KE THE CA NE, INGWER

FI-ZITRO THYMIAN L A M A T MI RONEN UND ZIT

Foto: © Mike Hofstetter // Südwest Verlag

ORIN INPIL MIT STED TRÜFFEL-PEC UN

Foto: © Mike Hofstetter // Südwest Verlag

BROT CH S E H C S I LIGUR EN, SCHNITTLAU O Z

R e ze p t

ZITRONENKUCHEN

LIGURISCHES BROT

1000 g Mehl | 650 ml Wasser | 100 ml Olivenöl | 50 g Hefe 30 g Salz | 20 g Zucker Alle Zutaten zusammen verkneten. Den Teig abgedeckt für 2 Stunden ruhen lassen. Anschließend aus der Schüssel nehmen und wieder verkneten. Den Teig in 150 Gramm schwere Kugeln rollen und erneut abgedeckt circa 1 Stunde ruhen lassen. Die Teiglinge ausrollen, mit der Hand auseinanderziehen, sodass ein dünner Rand überbleibt. Mit etwas Olivenöl beträufeln und im vorgeheizten Ofen bei 300˚C circa 6–8 Minuten backen. Das Brot aus dem Ofen nehmen.

MARINIERTE STEINPILZE

300 g frische, kleine Steinpilze | 80 ml Olivenöl Saft und Abrieb von 1/2 Zitrone | 1 Prise Salz frisch gemahlener schwarzer Pfeffer aus der Mühle etwas Piment d’Espelette | 1/4 Bund Schnittlauch Die Steinpilze putzen und dünn hobeln. Mit Olivenöl, Zitronensaft, Zitronenabrieb, Salz, Pfeffer, Piment d’Espelette und fein geschnittenem Schnittlauch vorsichtig marinieren.

ANRICHTEN

30 g Trüffel-Pecorino | 1/4 Bund Schnittlauch etwas Zitronenabrieb Die Brote mit marinierten Steinpilzen belegen, mit etwas TrüffelPecorino verfeinern und mit Schnittlauch und Zitronenabrieb bestreuen.

90 g Eiweiß | 165 g Butter | 165 g Zucker + 10 g | 60 g Eigelb Saft und Abrieb von 2 Zitronen | 30 g Pflanzenöl | 165 g Mehl 10 g Backpulver | 100 ml Zitronensaft Außerdem: Silikonbackformen Das Eiweiß aufschlagen. Die Butter schaumig schlagen, nach und nach den Zucker (165 Gramm) dazugeben. Die Eigelbe nach und nach dazugeben sowie den Zitronensaft und -abrieb und das Pflanzenöl. Das Mehl mit dem Backpulver mischen, auf die Butter-Eigelb-Mischung sieben und unterrühren. Zum Schluss den Eischnee unterheben. Die Silikonformen einfetten und den Teig darin halb voll einfüllen. Die Kuchen im Ofen bei 180˚C circa 20 Minuten backen, bis sie goldbraun sind, und auskühlen lassen. Die Kuchen mit einem langen Holzspieß einstechen. 10 Gramm Zucker in 100 Milliliter Zitronensaft auflösen und erwärmen, damit die kleinen Kuchen tränken. Kurz anfrieren, damit der Überzug besser daran hält.

ÜBERZUG

50 g Kakaobutter | 150 g weiße Schokolade 40 g geröstete, gehackte Mandeln Die Kakaobutter zusammen mit der Schokolade schmelzen. Die Nüsse dazugeben und die kleinen angefrorenen Kuchen damit überziehen.

ZITRONENTHYMIANCREME

1 Blatt Gelatine | 1/2 Vanilleschote | 270 g Sahne | 3 g Salz 5 g Zitronenthymianzweige | 145 g weißeSchokolade 5 g Trimoline (Invertzucker) Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Das Mark aus der Vanilleschote kratzen. Die Sahne mit Vanille und Salz aufkochen. Den Zitronenthymian waschen, trocken schütteln, die Blättchen abstreifen und dazugeben, abgedeckt 15 Minuten ziehen lassen. Noch mal erwärmen und über die Kuvertüre und ausgedrückte Gelatine geben. Den Zucker zugeben. Mit einem Mixstab emulgieren und für 24 Stunden auskühlen lassen.

FINISH

etwas Zitronenabrieb | ein paar essbare Blüten Die Creme aufschlagen und auf die kleinen Kuchen spritzen. Mit etwas Zitronenabrieb und ein paar Blüten dekorieren. Ergibt circa 10 – 12 kleine Kuchen. 11 22

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LEBENSSTIL M U N D A R T

« M H EOI D MEARTN I M T EG A LTAI SM E


Schloss Osterstein

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THRIVING

AUFBLÜHEN IM JOB

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KARRIERE B E R U F

Foto 8photo // freepik.com

Arbeit bedeutet für viele Menschen Stress, Verpflichtung, Fremdbestimmung oder einfach nur schuften, um sich das Leben leisten zu können. Wir regen uns auf über den Chef, die Kunden, die Kollegen, finden das Büro ungemütlich, der Arbeitsweg ist zu umständlich und eigentlich hat man sich seine berufliche Zukunft früher ganz anders vorgestellt. Doch der Job muss nicht immer nur Alltagstrott sein: Thriving bedeutet, im Job aufblühen und gedeihen zu können – denn auch das ist möglich.

THRIVING »


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ag für Tag grüßt das Murmeltier: Der Wecker klingelt um 6 Uhr am Morgen, im Zug kennt man die anderen Pendler und auch deren lange, unfreundliche Gesichter an jedem Morgen. Im Büro wartet der gleiche Ablauf, die gleichen Menschen, Woche für Woche, Monat für Monat. Früher hatte man ganz andere Vorstellungen davon, was Arbeit eigentlich bedeutet. Man dachte, der Job sei wie ein Hobby, die größte Leidenschaft. Jeden Tag Action, jeden Tag Abenteuer. Am Anfang mag es das vielleicht auch gewesen sein, aber hat man sich erst einmal eingegroovt, kennt alles, dann wird es fast schon etwas langweilig. Aber das Jammern hilft nicht, denn Geld muss schließlich verdient werden. Und so wird der Job über die Jahre für viele zur reinen Pflichtveranstaltung. Das eigentliche Leben und die eigentliche Erfüllung, die findet außerhalb der Arbeitszeit statt. Wobei, Moment mal: Dann ist man ja immer müde und k.o. und hängt am liebsten nur noch auf der Couch ab. Schon anstrengend, dieses Arbeitsleben, oder?

Thriving Arbeiten bedeutet nicht immer nur Stress und Verpflichtung – der Job kann durchaus auch zu Selbstwirksamkeits- und Kompetenzerleben beitragen. Foto Bruce Mars // unsplash.com

Foto geralt // pixabay.com

Doch muss es immer so sein, dass Arbeit gleich Stress und irgendwann eben Langeweile und Routine bedeutet? Nein – und Thriving zeigt genau die andere Seite der Medaille auf. Denn das berufliche Leben kann auch wunderbar erfüllend sein … vorausgesetzt, man hat den richtigen Job und verrichtet eine Tätigkeit, die zu einem passt und bis zu einem gewissen Grad fordernd ist. Thriving bedeutet so viel wie aufblühen, gedeihen und zeigt eine neue Strömung auf. Weg von der Defizitorientierung des Berufs, hin zu seinen Stärken und den Faktoren, die uns als Mensch wachsen lassen. Denn so ist es durchaus möglich, dass wir uns durch unseren Beruf positiv entwickeln, wir reifen, lernen, erleben uns als kompetent und selbstwirksam. Natürlich ist es nicht immer nur der Job an sich, sondern es sind auch die Arbeitsbedingungen, die zu uns als Mensch und unseren Eigenschaften passen müssen. Nicht jeder mag es, selbstbestimmt zu arbeiten. Manche Menschen mögen klare Strukturen und Anweisungen, brauchen Ansprechpartner bei Fragen und Ruhe am Arbeitsplatz. Andere hingegen lieben das kreative Chaos, ihnen reicht es, das Endprojekt vorzustellen, sie brauchen Stress, damit sie in Höchstleistungen performen können.

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Maslows Bedürfnispyramide adaptiert auf Mitarbeiter-Engagement:

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ZUGEHÖRIGKEIT

🙁

BEDEUTUNG

🙂

EINIGERMASSEN ENGAGIERT Ich bin Teil von etwas Größerem. Ich bin aber auch weg, wenn ich was Besseres finde.

nd iere

ENGAGIERT Ich leiste einen entscheidenden Teil zum Gesamtergebnis. Meine Arbeit ist wichtig und ich habe Erfolg dabei.

VERWIRKLICHUNG

tiv Mo

HOCH-ENGAGIERT Ich liebe es, hier zu arbeiten. Ich hoffe, ich kann andere durch meine Arbeit inspirieren.

SICHERHEIT

DIENST NACH VORSCHRIFT Ich arbeite hier nur, um Geld zu verdienen. Es ist nur ein Job.

ÜBERLEBEN

nd iere

NICHT ENGAGIERT Die bezahlen mir eigentlich nicht genug. Hauptsache, ich habe einen Job.

Quelle www.karrierebibel.de/dienst-nach-vorschrift

WAS MACHT MICH GLÜCKLICH? Natürlich sollte zu Beginn jeder beruflichen Entscheidung die Frage stehen, was einem Freude macht und wie man dies beruflich umwandeln kann. Jemand, der kreativ ist, wird sich in einer Verwaltung mit starren Abläufen wohl kaum wohlfühlen. Zudem sollte man wissen, was einem im Arbeitsumfeld wichtig ist. Und wenn man es nicht weiß, dann lautet die Devise: Learning by doing – also einfach ausprobieren und schauen, was das mit einem macht. Wer nicht zufrieden ist, sollte immer die Möglichkeit der Umorientierung in Betracht ziehen. Dies meint nicht, einen komplett neuen Weg einzuschlagen und noch einmal ein neues Studium zu beginnen. Manchmal reicht auch schon der Wechsel in ein anderes Unternehmen, um bessere Arbeitsbedingungen vorzufinden, was in diesem Kontext meint, dass diese zu einem passen sollten – und das ist am Ende des Tages eine rein individuelle Entscheidung. Was will ich erreichen? Wer sich mit seinen beruflichen Zielen auseinandersetzt, diese in Einklang mit seinen Interessen, Potenzialen und Werten bringen kann, dem kann Thriving im Job gelingen. Foto icon8 Team // unsplash.com

Auch der Arbeitgeber kann dazu beitragen, dass Thriving gelingt: So sollte in Mitarbeitergesprächen herausgefunden werden, was den Angestellten wichtig ist, welche Freiheiten oder Strukturen sie benötigen, in welche Richtung sie sich gegebenenfalls weiterentwickeln wollen, welche Kompetenzen sie ausbauen möchten, welche Potenziale der Einzelne hat und was ihm generell im Berufsleben wichtig ist. So kann geschaut werden, wie jeder Mitarbeiter optimal gefördert und wie dadurch Möglichkeiten geschaffen werden, dass Thriving im Job erlebt werden kann. Dies hat für beide Parteien Vorteile: So kommt es auf Seiten der Angestellten nicht zu einer inneren Kündigung, Burnout und Boreout können verhindert werden, das Interesse und die Leistungsfähigkeit werden gesteigert. Das Unternehmen profitiert durch die gesteigerte Motivation und weniger Fehlzeiten sowie verringerter Fehlerquote beim Arbeiten. Wer es schafft, Thriving im Unternehmen zu implementieren und ein Umdenken bei den Mitarbeitern zu erreichen, der schafft es, dass Menschen sich beruflich verwirklichen. Auf Angestelltenseite sollte immer überprüft werden, wie man selbst mit dem Thema in Kontakt steht: Jammert man viel, macht man nur noch Dienst nach Vorschrift, steigen die Fehlzeiten, dann sollte die Tätigkeit dringend überdacht werden. Es ist wichtig, herauszufinden, was einem fehlt, was man sich selbst beruflich wünscht, was die eigenen Werte sind und wie man diese beruflich verwirklichen möchte. Und dann heißt es: Verantwortung übernehmen und handeln. Nur so kann am Ende aus dem Beruf auch eine Leidenschaft werden, die dazu führt, dass man am Morgen gerne aufsteht und sich auf seinen Job freut.

Text Jessica Laqua

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KARRIERE B E R U F

« THRIVING


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GEWINNZONE

Mia and me – Das Geheimnis von Centopia Als Mia mit ihrem Großvater in das alte Familiensommerhaus zurückkehrt, leuchtet plötzlich der Stein in ihrem magischen Armreif auf – ein Hilferuf aus Centopia! Durch ein funkelndes Portal wird sie in die fantastische Einhornwelt von Centopia hineingezogen. Dort lernt sie das Einhorn Stormy und Iko, einen Elfen von der Lotusinsel, kennen, der dringend ihre Hilfe braucht. Toxor, ein monströser, krötenhafter Bösewicht will die Insel mit dunkler Magie erobern. Mia und ihre Freunde müssen sich zusammenschließen, um Toxor zu besiegen. Ihre Suche nach den Steinen wird zu einem lustigen und aufregenden Roadtrip. Mia muss eine schwierige Entscheidung zwischen ihrem Leben in der menschlichen Welt und dem Schicksal Centopias treffen. Dabei lernt sie, was es wirklich bedeutet, eine Heldin zu sein. Denn wahre Stärke liegt nicht in der Macht, einen Feind zu besiegen, sondern im Mut, diesen Feind in der Not als Freund zu behandeln. KOMPASS verlost 5 DVDs. Schreibt eine E-Mail mit dem Betreff ›Mia and me‹ ! Foto Constantin Film | Info www.constantin-film.de

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UNTERHALTUNG

GEWINNZONE


D I E F Ö R S T ER I N I M S TA D T WA LD

Let's talk about ... Morgenwahn

E

s soll ja unter uns tatsächlich Menschen geben, denen es leichtfällt, morgens aus dem Bett zu kommen. Sogar einen offiziellen Terminus gibt es dafür, man nennt sie klangvoll Lerchen. Federleicht und gut gelaunt sollen sie sein. Konrad Adenauer war wohl einer von ihnen und soll den Spruch geprägt haben: »Unmittelbar nach dem Aufwachen ist man am klügsten.« Aha! Also, ich weiß ja nicht, in welcher Welt ihr so lebt, aber in meinem näheren Umfeld fällt keiner in diese Kategorie. Wir sind also weder früh wach, noch besonders schlau am Morgen. Ich selbst sehe mich eher so als Modell »zauselige Käuzin«, die sich jeden Morgen um 5.30 Uhr halb blind und tiefgekrümmt zum Kaffeeautomaten schleppt und bitte weder angeschaut, noch angesprochen und schon gar nicht angeatmet werden will. An meiner Seite der Göttliche (mir angetraut), gleiches Alter und Modell, ähnlich mürrisch. Auch Käuze kümmern sich um ihren Nachwuchs! Also bereiten wir Frühstück und warten auf unsere Fortpflänzchen, die sich ebenfalls und nach mehrfacher Aufforderung nur mühselig aus den Kissen erheben. Und dann sitzen wir da, kauen schweigend unser Müsli und starren vor uns hin. Und das jeden Tag!

Menschen auf sogenannte Schlafgene. Begleitend wurde erhoben, ob sich die Probanden eher als Morgentyp oder als Abendmensch sehen. Tatsächlich stellten die Wissenschaftler bei den Morgentypen 15 ähnliche Positionen im Erbgut fest, von denen sieben dieser Abschnitte sogar in der Nähe von bereits bekannten Genen lagen, die vermutlich den Schlaf-WachRhythmus regulieren. Hinzu kommt, dass bei Spätmenschen die Körpertemperatur erst später ansteigt als bei Frühaufstehern und sogar die Ausschüttung des Botenstoffes Melatonin, auch bekannt als SchlafWach-Hormon, ist bei uns verschoben. Wir können also schlicht nicht beeinflussen, zu welchem Chronotyp wir gehören. Dem erholsamen Schlaf kommt eine wichtige Grundaufgabe zu, geht es um die Gesunderhaltung unseres Körpers, das steht wohl außer Frage. Nicht wenige Studien sehen in einem Leben gegen den inneren Rhythmus sogar eine Gefahr. Folgen können Diabetes, Übergewicht (Ah daher!) oder Konzentrationsstörungen sein. Warum haben wir dann nicht mehr Respekt vor unserer inneren Uhr? Nur Kleinkinder und Rentner sind schon früh auf den Beinen, sagt man. Fragt mal im Wirtschaftsund Bildungsministerium nach, vielleicht wissen die Bescheid – oder aber, wir einigen uns gleich hier auf: Adenauer. (War der nicht auch schon ganz schön betagt, als er Bundeskanzler wurde?) Kleiner Scherz!

Jetzt fragt ihr zurecht, warum tut ihr das? Ganz einfach, weil irgendwem irgendwann eingefallen ist, dass Schule und Bildung der Lerchen Zier sein sollten! (Vielleicht war es ja der Adenauer) Und der Schulalltag in einigen Schulen bereits Achtung(!) Trommelwirbel(!) um 7.05 Uhr startet! Und manche Menschen nicht direkt ans Schulgebäude angrenzend wohnen und auf Schulbusse und längere Anfahrtswege angewiesen sind. Deshalb!

Wie ihr rausbekommt, welcher Typ ihr seid? Das Leibniz Institut hat einen Fragebogen1 entwickelt, der eure Gewohnheiten ziemlich genau unter die Lupe nimmt. Ich gehöre übrigens in die Kategorie »moderater Abendtyp« – also doch Käuzin!

Dabei können wir gar nicht wirklich etwas dafür, wie sich erst vor ein paar Jahren herausstellte. Denn unsere Gene tragen zumindest eine Mitschuld. So untersuchten Forscher das Erbgut von etwa 90.000

[1] https://www.ifado.de/fragebogen-zum-chronotyp-d-meq/

Eure Försterin

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M O N AT S H O R O S K O P

November Zeit, zur Ruhe zu kommen Das Grau in Grau im November muss sich nicht auf den persönlichen Gemütszustand legen. Das Horoskop im November verspricht einen ruhigen und angenehmen Herbst, in dem man sich auch Zeit für sich selbst nehmen sollte. Außerdem ist im November besonders auf die persönliche Gesundheit zu achten.

Liebe

STEINBOCK

WASSERMANN

FISCHE

Etwas Bewegung

Ausgeglichene Zeit

Mehr Abstand nehmen

Gesundheit

Beruf

Du bist sehr besitzergreifend, aber was dir gehört, das liebst du und pflegst du. Für manche Menschen kann deine Loyalität aber auch erdrückend wirken. Akzeptiere es, wenn Freunde oder Partner um Raum und Zeit bitten – kein Grund, es direkt persönlich zu nehmen. Wer dich liebt, wird immer zurückkommen. Du darfst jetzt nicht stagnieren. Bloß nicht die Füße hochlegen! Zu viel Ruhe kann dich sogar depressiv machen. Daher: Raus aus dem Haus, rein in die Sportschuhe. Auch ein Homeworkout tut dir gut, aber einmal am Tag solltest du den Kreislauf hochtreiben. Ernähre dich gesund und trinke viel Wasser. Du brauchst dein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Am Arbeitsplatz bist du unverzichtbar. Man schätzt dein Urteilsvermögen und vor allem deinen Fleiß. Halte dich daher nicht zurück. Du kannst auch nach einer Gehaltserhöhung fragen, die Planeten begünstigen schwierige Gespräche.

Liebe

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Gesundheit

Beruf

Deinem Wunsch nach mehr Innigkeit solltest du nachgeben. Du brauchst gerade viel Zuneigung und Anerkennung, gibst es aber auch zurück. Deine Freunde und Partner schätzen gerade vor allem deine Empathie und Hilfsbereitschaft sehr. Dein Sozialleben blüht auf. Vermeide schweißtreibende Workouts. Yoga oder eine Wanderung tun dir sehr gut. Frische Luft und Sonne lassen deine Gesundheit aufblühen. Du fühlst dich wohl in deiner Haut und bist ganz verbunden mit dir und der Außenwelt. Natur und tiefe Atemzüge sorgen für eine ausgeglichene Zeit. Genieß es in vollen Zügen! Dein Leistungsvermögen ist wirklich bewunderungswürdig. Deine Kollegen und Vorgesetzten schätzen deine Meinung wert. Du bist ein wertvoller Teil deines Arbeitsumfeldes. Du kannst dir ruhig etwas gönnen, aber achte auf deine Finanzen, gib nicht zu viel Geld aus!

Liebe

Gesundheit

Beruf

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – kaum ein Satz wird das Liebesleben eines im Sternzeichen Fische-Geborenen besser zusammenfassen. Deine Sensibilität ist eine Stärke, die dich aber auch sehr belasten kann und verletzlich macht. Es lohnt sich, etwas Abstand von deinen Beziehungen zu nehmen. Lass die Dinge fließen. Du fühlst dich kräftig und energiegeladen, aber du solltest nicht gleich alles geben. Halte dich etwas zurück und bewahre dir einige Reserven. Sonst wirst du dich direkt ausgelaugt fühlen. Achte auf deine Gesundheit und Ernährung, greife nicht so oft zu Genussmitteln. Du bist sehr schnell gestresst. Selbst Kleinigkeiten sorgen dafür, dass du dich belastet fühlst. In diesen Zeiten ist es eine Herausforderung, etwas Ruhe zu bewahren und nicht direkt an die Decke zu gehen. Kümmere dich um dein Innenleben, damit du am Arbeitsplatz belastbarer wirst.

WIDDER

STIER

ZWILLING

Die innere Mitte

Weniger Druck

Neue Hobbys

Gesundheit

Beruf

Du fokussierst dich gerne auf eine Person, der du deine ganze Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt. Dadurch fühlen sich aber deine anderen Freunde vernachlässigt. Verteile deine Zuneigung gleichermaßen, dann wird weniger Eifersucht herrschen. Du bist sehr besitzergreifend, arbeite an mehr Vertrauen. Bewegung tut dir auf jeden Fall gut, aber übertreiben musst du auch nicht. Trinke weniger Alkohol und greife zu weniger Genussmittel, du hast deine innere Mitte verloren. Das wird zu Problemen führen. Eine kleine Auszeit und bewusste Atemzüge tun dir jetzt gut. Du hast das Gröbste überstanden. Eine sichere Arbeitsroutine etabliert sich und gibt dir Stabilität und Halt. Sozialisiere mit deinen Kollegen und arbeite an einem angenehmen Arbeitsklima. Das wird sich bezahlt machen. Organisiere deinen Schreibtisch, miste aus.

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Liebe

UNTERHALTUNG A U S S I C H T

Liebe

Gesundheit

Beruf

Deine Freunde und Partner bringen dir Verständnis und Toleranz entgegen. Jetzt wäre der Zeitpunkt gut dafür, dich zu öffnen und anzusprechen, was dich belastet. Das können Sorgen sein oder Probleme in Beziehungen. Bleibe dabei sachlich und ruhig. Du wirst die Hilfe bekommen, die du brauchst. Du fühlst dich schlapp und ausgelaugt. Kein Wunder, bei deinem Programm! Setze dich nicht so sehr unter Druck. Was du jetzt brauchst, sind Vitamine und Wasser, viel Wasser. Trinke genug und sorge für ausreichenden Schlaf. Dann wirst du bald wieder mehr Energie haben, keine Sorge. Es wäre gut, wenn du organisierter und motivierter zur Arbeit kommst. Erstelle dir eine Liste mit realistischen Zielen. Hole dir Unterstützung, wenn du sie dabei brauchst. Deine Kollegen erkennen deine Lernbereitschaft und loben deine Motivation, also scheue nicht vor Fragen zurück.

HOROSKOP

Liebe

Gesundheit

Beruf

Du bist zu besitzergreifend, das führt zu Eifersucht und Neid. Gib deinen Mitmenschen mehr Raum! So haben sie auch die Möglichkeit, dir mehr Zuneigung zu zeigen. Habe Vertrauen darin, dass die richtigen Menschen dich schätzen und dir loyal bleiben werden. Nur keinen Grund zur Eifersucht suchen! Du hängst alle ab, dein Körper strotzt vor Energie. Gleichzeitig bist du zielstrebig und organisiert. Perfekte Zeit also, um ein neues Hobby anzugehen oder alte Gewohnheiten wieder aufzunehmen. Los gehts! Du trittst selbstsicher auf, das kommt am Arbeitsplatz sehr gut an. Deine Kollegen schätzen das Wissen und die Erfahrung, die du mitbringst. Scheue dich nicht, dein Können unter Beweis zu stellen. Es ist aufgefallen, dass du deinen Job gerne machst. Das wird dir bald Lorbeeren einbringen.


Liebe

KREBS

LÖWE

Etwas Entspannung

Eiserne Disziplin

Gesundheit

Beruf

Trautes Heim, Glück allein – so lautet deine Devise. Am liebsten willst du dich jetzt mit deinem Liebling einknuddeln und ein gemütliches Zuhause einrichten. Du solltest aber deine Freunde nicht vernachlässigen. Nimm dir bewusst Zeit für soziale Interaktionen und plane diese in deinem Kalender ein – am besten zweimal wöchentlich. Gönne deinem Körper Wellness und Entspannung. Du hast dieses Jahr bereits sehr viel geleistet! Sei stolz auf dich. Jetzt ist die Zeit für Regeneration und Auszeit da. Ein paar Spaziergänge an der frischen Luft halten dich fit. Genieße die Herbstsonne, damit du keine Winterdepression bekommst. Du wirkst ausgeglichen und Kollegen schätzen dich sehr wert. Das liegt daran, dass du nicht arrogant bist, aber gleichzeitig dein Licht auch nicht unter den Scheffel stellst. Du sorgst für ein angenehmes Arbeitsklima, da du Menschen wahr nimmst und einbindest.

Liebe

Gesundheit

IMPRESSUM

Beruf

So charmant und anziehend hast du lange nicht mehr gewirkt. Und du bist dir dessen auch durchaus bewusst. Kleine Spielchen und Abenteuer vollbringst du wie ein Profi. Du genießt jede Aufmerksamkeit – aber bist du vielleicht auch abhängig davon? Wie weit würdest du gehen, nur damit dich andere bewundern? Langsam, langsam. Eine Fitnessbombe wie du es bist, muss sich manchmal selbst ausbremsen. Du hast dir klare Ziele gesetzt, und die erreichst du auch. Mit deiner eisernen Disziplin musst du keine Angst haben, auch mal eine Pause einzulegen. Dein Körper wird es dir danken! Du solltest jetzt keine Teamaktivitäten planen oder den Anspruch haben, ein guter Teamplayer zu sein. Momentan ackerst du am besten alleine durch. Kompromissbereitschaft war noch nie deine große Stärke, aber aktuell bist du besonders rechthaberisch.

JUNGFRAU

WAAGE

Voller Energie

Zeit für Umstellungen

Herausgeber: KOMPASS agentur für event + verlag UG KOMPASS Stadtmagazin ist ein Produkt der KOMPASS agentur für event + verlag UG, vertreten durch Anja Uebel Scheringerstraße 1, 08056 Zwickau , Tel. 0375 2898980-2, Fax 0375 2898980-9, info@deinkompass.de, www.deinkompass.de Layout, Satz & Grafik: KOMPASS agentur für event + verlag UG

Titelbild: naeim jafari // unsplash Anzeigen: Anja Uebel, info@deinkompass.de

Liebe

Gesundheit

Beruf

Deine Beziehungen sind von Konflikten geprägt. Du bist wie ein Funke, der schnell explodieren möchte. Tritt einen Schritt zurück und atme tief durch, bevor du Dinge ansprichst. Vor allem solltest du nicht alles persönlich nehmen. Arbeite daran, mehr Vertrauen in die Menschen in deiner Umgebung zu haben. Deine Beziehungen werden sich bessern. Du profitierst von viel Energie und Leistungsfähigkeit. Es ist gut, wenn du das im Sport auslebst – nicht nur wirst du deine Fitness verbessern, sondern auch belastbarer werden und dich nicht mehr so schnell aufregen lassen. Also: Ab ins Fitnessstudio für ein schweißtreibendes Workout! Deine Leidenschaft und Lebensfreude verleitet dich zum Geld ausgeben. Genieße ruhig das Leben, aber achte auf deine Finanzen. Sonst wird dich das teuer zu stehen kommen! Auch beruflich bist du bei allem am Start. Sehr motiviert willst du alle Projekte angehen. Aber suche keinen Konflikt mit Kollegen.

Liebe

Gesundheit

Beruf

Du hast einen guten Zugang zu deinen Gefühlen und merkst, wer dir wichtig ist und guttut. Zeige es und lass die Menschen in deinem Leben spüren, wie wichtig sie dir sind! Spare nicht an Liebe und Zuneigung, schließlich kommt alles zu dir zurück. Räume einmal richtig auf und wirf alles weg, was du nicht brauchst. Diese Befreiung wird dir neue Energie geben. Beim Sport solltest du jetzt vor allem auf deinen Rücken achten und ihn stärken, aber nicht zu viel. Wenn du ein Workout machst, beginne immer langsam. Dein Körper braucht gerade viel Zeit für Umstellungen. Du hast viele Ziele vor Augen, aber um diese auch zu erreichen, musst du dich definitiv mehr anstrengen. Eine Liste kann helfen; jedenfalls musst du dich mehr organisieren. Auch Teamwork kann dir helfen, von deinen Kollegen zu lernen und dich von ihnen inspirieren zu lassen.

Mitarbeiter an dieser Ausgabe: Katy Wolff, Sarah Wirth, Kati Störch, JoKri, Kristina Baum, Stefan Tschök, Dorothea List, Vivien Schramm, Susanne Streicher, Dr. Sandy Alami, Jessica Laqua, Friedrich List, Jörg Fischer, Frank Borchert, Conny Reichel, Aaron Förster Verteilung und Vertrieb: An über 550 Auslagestellen in Zwickau, Chemnitz, dem Erzgebirge, dem Vogtland sowie dem Altenburger Land. Kostenloser Vertrieb an ausgewählten Kultureinrichtungen, Restaurants, Bars, Cafés, Händler & Geschäfte, medizinische Einrichtungen (z. b. Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken, Physiotherapien), Sport- und Freizeitstätten, Hotels, Kinos, Friseursalons, Kosmetikstudios, Sonnenstudios, Tankstellen etc. Druck: Akontext

Liebe

SKORPION

SCHÜTZE

Etwas Zeit für dich

Emotional öffnen

Gesundheit

Beruf

Sehr charmant und mysteriös wirkst du auf deine Mitmenschen. Du hältst dir das Feuer gerne warm, hast aber Angst, dich auf etwas einzulassen. Dein Herz hängt noch an der Vergangenheit. Nimm dir Zeit, alte Beziehungen zu verarbeiten, bevor du dich auf etwas Neues einlässt. Zu frisch ist noch dein Herzschmerz. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, deinen Körper einmal ordentlich zu entgiften. Detox und Wellness stehen auf dem Programm. Außerdem solltest du Zeit in Vorsorge stecken. Wie wäre es mit einem Kontrollbesuch beim Zahnarzt? Ein Blutbild kann auch nicht schaden. Scheue dich nicht, deine Kollegen um Rat oder Hilfe zu bitten. Das kommt gut an und zeigt deine Lernbereitschaft. Heikle Aufgaben solltest du nur im Team angehen, da du aktuell zu Flüchtigkeitsfehlern neigst. Trotzdem schaffst du dein Pensum gut und brauchst dein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Liebe

Gesundheit

Beruf

Du hast Angst, dich zu binden. Warum? Auf deine Mitmenschen wirkst du manchmal kühl, dabei trägst du so viel Liebe in dir. Zeige sie ruhig deinem engsten Umfeld! Habe Mut, dich authentisch zu geben und deine Gefühle zuzulassen. Du kannst deine Innenwelt nicht ewig abriegeln. Kümmere dich ernährungstechnisch um ein stärkeres Immunsystem: Iss regional und saisonal. Gesundheitlich geht es dir sonst gut, nur deine Verspannungen machen dir öfters mal zu schaffen. Das lässt sich ändern, wenn du Emotionen offen zeigst und sich weniger in deinem Körper anstauen muss. Dein Körper wird dir sehr dankbar sein. Was du aussendest, kommt auch wieder zurück. Biete deinen Kollegen Rat oder Unterstützung an, gebe dich kompromissbereit und anpackend. Zu späteren Zeiten wird sich das sehr bezahlt machen.

Erscheinung: am Ende eines Monats für den Folgemonat Nächster Redaktionsschluss: 10. November 2022 Nächster Anzeigenschluss: 14. November 2022 Der Abdruck von Veranstaltungshinweisen erfolgt ohne Gewähr. Nachdruck, Speicherung, Vervielfältigung und Verbreitung in elektronischen und nichtelektronischen Medien vollständig oder auszugsweise nur mit verheriger schriftlicher Genehmigung. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. Urheberrechte für Beiträge, Fotografien, Zeichnungen und Anzeigenentwürfe bleiben beim Verlag bzw. bei den Autoren. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Vorlagen kann keine Garantie übernommen werden. Veranstalter, die honorarpflichtige Fotos zur Ankündigung ihres Programms an die KOMPASS agentur für event + verlag UG übergeben, sind für die Forderungen des Urhebers selbst verantwortlich. Überschriften und Einleitungen werden vom Verlag gesetzt. Leserbriefe, Anzeigen und namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. 11 22

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DAS KLEINGEDRUCKTE

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er hier monatlich versucht, euch mit dem KLEINGEDRUCKTEN ein wenig aufzuheitern, ist selber leidenschaftlicher Radfahrer. (Die dummen Witze mit nach oben buckeln und nach unten treten könnt ihr jetzt lassen.) Das Radfahren habe ich mir angewöhnt, als wir vom Dorf in die Stadt gezogen waren und nicht mehr für jeden Weg das Auto angeworfen werden musste. Dort, wo wir bis dahin gewohnt hatten, lag der nächstgelegene Bäckerladen ungefähr sechs Kilometer entfernt; inklusive einiger nicht unerheblicher Anstiege sowie des eigentlichen Einkaufs hätte die Nutzung des Rades zum Bäcker das samstagmorgendliche Frühstück mit Sicherheit um mindestens eine Stunde nach hinten verschoben, was die Nutzung des Autos aus meiner Sicht rechtfertigte. Der Umzug in die Stadt legte den Bäcker sozusagen in sogar fußläufige Entfernung; trotzdem fahre ich relativ regelmäßig mit dem Rad – ja, bei richtigem Sauwetter lasse ich den Drahtesel dann doch stehen, aber Kälte oder kleine Hügel stören mich eher nicht. Da ich, wie eben erwähnt, auch mit dem Auto fahre, habe ich den Vorteil, beide Perspektiven – also die mit der Lenkstange in den Händen und die mit dem Lenkrad in den gleichen, zu bewerten. Und was bei dieser Bewertung herauskommt, ist teilweise hanebüchen. Widmen wir uns als erstes also der Autofahrersicht. Als Beispiel bemühen wir mal den seitlichen Abstand, den man einhalten soll,

wenn man mit dem Auto einen Radfahrer überholen will. Die Vorschrift spricht ja von 1,5 Metern. Wow, 1,5 Meter! Bei nicht ganz so breiten Straßen kommt man da ganz unweigerlich in die Gegenfahrspur, die ja aber – das wissen wir natürlich – im Regelfall dem Gegenverkehr vorbehalten ist. Und dem wiederum ist mein Überholwunsch relativ (nein, falsch, besser ist absolut) schnuppe. Nun kann man davon ausgehen, dass ein durchschnittlich trainierter Radfahrer so um die 20 km/h fährt. Bis auf ein paar Ausnahmen gelten aber auf Stadtstraßen 50 km/h als erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Es gibt also eine nicht unerhebliche Differenz zwischen beiden Geschwindigkeiten. Nun gibt es ganz pauschal betrachtet zwei grundlegende Möglichkeiten, dieses Dilemma aufzulösen. Möglichkeit Nummer eins besteht darin, als Autofahrer brav hinter dem zuckelnden Rad herzufahren und doch auf eine Lücke im Gegenverkehr zu warten, die das Überholen mit dem gebotenen seitlichen Abstand ermöglicht. Das hat natürlich zur Folge, dass man auch alle hinter einem herfahrenden Gefährte auf 20 km/h (in Worten: zwanzig) abbremst. Möglichkeit Nummer zwei besteht darin, eine irgendwie geartete günstige Gelegenheit abzupassen, wie man doch an dem Radfahrer vorbeischnippeln kann, ohne ihn in Gefahr zu bringen. Ich weiß, dass das eigentlich keine Möglichkeit darstellt, denn es ist ja im Zweifelsfall nicht erlaubt, mit geringerem Abstand zu überholen. Ihr müsst deshalb wissen, dass das wirklich nur eine VÖLLIG THEORETISCHE MÖGLICHKEIT darstellt. Widmen wir uns nun aber gern auch dem gleichen Vorgang aus der Sicht des

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UNTERHALTUNG

GLOSSE

Wie schwer

Radlers. es sein kann, »Oh, schiet«,T h e m a die geltenden denkt der, »ich fahreL o r e Regeln m I p snicht um ja schon so zu verletzen weit wie möglich rechts.« Da der gute Mann (respektive Frau und so weiter) nämlich auch Auto fährt (wie in meinem Beispiel) merkt er natürlich, dass sich hinter ihm eine nicht unbeträchtlich lange Schlange gebildet hat, von der er jetzt der Kolonnenführer ist, mit 20 km/h (nochmals in Worten: zwanzig). Und schneller treten gibt irgendwie die Pumpe nicht her. Auch hier gibt es zwei Alternativen. Erstens lässt man sich einfach nicht stören, was mir so leider noch nie gelungen ist. Und die zweite Alternative? Man schnippt mal schnell auf den Fußweg, da kommt ja gerade niemand. Ist zwar verboten, aber … AUCH NUR VÖLLIG THEORETISCH! Man sieht, die regelkonforme Beteiligung am Straßenverkehr birgt für Verkehrsteilnehmer aller Hubraum- und Schadstoffklassen teilweise kaum zu überwindende Hürden. In diesem Sinne lautet mein heutiger Gruß: gute Fahrt für alle auf unseren Straßen, euer

Stefan Tschök


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