DIE ERNÄHRUNG VOLUME 40 | 06. 2016

Page 4

4 wirtschaft economy

„DIE WELT EIN ­W ENIG FROHER & BUNTER MACHEN!“ DIE ERNÄHRUNG SPRACH MIT CHRISTOPH PANUSCHKA, GESCHÄFTSFÜHRER VON HARIBO ÖSTERREICH, ÜBER CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE SÜSSWARENINDUSTRIE IN ZEITEN, IN DENEN ZUCKER SEHR OFT ALS SCHÄDLICH DARGESTELLT WIRD, ÜBER ERNÄHRUNGSTRENDS UND DIE REAKTIONEN VON HARIBO DARAUF SOWIE ÜBER VOR- UND NACHTEILE DES STANDORTS ÖSTERREICH. OSKAR WAWSCHINEK

D

ie Ernährung: Immer wieder wird Zucker als alleiniger Verursacher von Adipositas angeprangert. Auch eine Zuckersteuer – zumindest in alkoholfreien Erfrischungsgetränken – wird in Großbritannien diskutiert. Wie reagieren Sie auf die Diskussionen über die Rolle von Süßigkeiten bei Übergewicht, speziell von Jugendlichen, aus Sicht der Süßwarenindustrie? Machen sich diese Diskussionen im Umsatz bemerkbar? Christoph Josef Panuschka: Ich stehe hier voll hinter den Meinungen des österreichischen Lebensmittelverbandes und des f.eh. Keine seriöse wissenschaftliche Studie belegt, dass Zucker der alleinige Verursacher von Adipositas ist. Wir machen alle nur zu wenig körperliche Anstrengungen und Bewegung. Welche Entwicklungen sehen Sie in der Süßwarenindustrie allgemein und bei Haribo im Speziellen? Panuschka: Einige Kerntrends sind sicherlich vegane und zuckerre-

duzierte Produkte. Darüber hinaus sehen wir auch neue Produkte, die bis dato unbekannte Geschmacksverbindungen im Bekannten schaffen – so wie unsere neuen Haribo-Milchbären im Fruchtgummisegment Milch und Frucht zusammenführen oder unsere Bärchen-Pärchen, die süß und sauer in einem Produkt vereinen. Welche Bedeutung hat der Export in Ihrem Unternehmen? Wie sieht es in der Süßwarenindustrie generell aus? Panuschka: Mehr als 60% des Umsatzes kommen aus dem Export. Der Export verleiht uns einerseits kritische Masse, was Kapazitätsauslastung und die Größe der Organisation angeht. Andererseits bieten die Märkte außerhalb Österreichs, in die wir exportieren, attraktive Wachstumschancen aufgrund des dort meist recht niedrigen Pro-Kopf-Verzehrs. Dies sollte mehr oder weniger für alle in Österreich produzierenden Süßwarenhersteller gelten.

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 40 | 06. 2016

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Innovationen? Panuschka: Produktinnovationen, vor allem solche, die Freude aufgrund neuer Geschmackserlebnisse bereiten, sind bei uns im Haribo-Blut. Sie helfen uns, die Welt ein wenig froher und bunter zu machen und sichern den Fortbestand des Unternehmens in einem zunehmend wettbewerbsintensiveren Umfeld. Wie sehen Sie Ernährungstrends wie z.B. Veganismus – gerade Gummibären und Gelatine werden da immer wieder als Thema genannt? Panuschka: Ähnlich wie Millionen Menschen regelmäßig Fleisch essen, hat auch die überwiegende Mehrheit unserer Konsumenten nichts dagegen, Produkte zu konsumieren, deren Inhaltsstoffe teilweise einen tierischen Ursprung haben. Zudem führt der Einsatz von Gelatine zu der typischen und von Millionen Verbrauchern geliebten Konsistenz der unterschiedlichen Haribo-Produkte. Losgelöst davon setzt