DIE ERNÄHRUNG VOLUME 45 | 02.2021

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Lila State of Snacking Die Ernährung sprach mit Diplomkauffrau Elisabeth Hülsmann, Managing Director für Mondelez Österreich, über die lila Erfolgsgeschichte, die Bedeutung von Herkunft, Nachhaltigkeit und CSR in unserer heutigen Gesellschaft sowie Trends und Innovationen zum „Mindful Snacking“ in Zeiten der CoronaPandemie. Oskar wawschinek

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ie Ernährung: Mondelēz hat weltweit Produktionsstandorte und rund 80.000 Mitarbeiter. Wie haben Sie im Unternehmen die Coronakrise bisher erlebt? Elisabeth Hülsmann: In dieser herausfordernden Zeit konzentrieren wir uns stets auf die Sicherheit und die Gesundheit unserer Kollegen und darauf, unsere Handelspartner best­ möglich zu bedienen. Als Unterneh­ men der kritischen Infrastruktur sind wir stolz darauf, täglich unseren Bei­ trag zu leisten. Sei es in unseren Wer­ ken, die unter höchsten Sicherheits­ auflagen produzieren, oder mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Außendienst, die im Handel auch als „helfende Hände“ unterstützen. Sind für Sie Änderungen bei den Umsätzen bemerkbar? Was hat sich durch Lockdowns und Homeoffice für Ihre Produktrange verändert? Hülsmann: Seit Beginn der Corona­ pandemie ist eine deutliche Veränderung des Snacking-Verhaltens zu verzeichnen. Ausnahmesituationen verlangen einen neuen Alltag, und damit verändert sich das Essverhalten, aber auch das allge­ meine Snacking-Verhalten. Ein Stück Schokolade schenkt Vertrautheit, bie­ tet ein Ritual und ist häufig auch Ner­ vennahrung in schwierigen Zeiten. Das

bestätigte auch unsere zweite State-ofSnacking-Studie, die wir im November letzten Jahres durchgeführt haben. Und Konsumenten greifen zu vertrauten und bekannten Marken – da liegt also der Griff zu einer Tafel Milka-Schokolade besonders nahe. Daher sehen wir einen Trend zu Produkten, die für den eigenen Verzehr gekauft werden, wohingegen Geschenke weniger relevant waren. Glo­ bal konnten wir im Jahr 2020 ein Um­ satzwachstum von 3% verzeichnen. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens? Hülsmann: Zum einen sind es un­ sere starken Marken. 120 Jahre Mar­ kenjubiläum – wer lila sieht, denkt an Milka. Eine so starke Marke ist natür­ lich kein Geheimnis, sondern mit nahe­ zu 100%iger Bekanntheit eines unserer größten Assets. Und zum anderen die Kolleginnen und Kollegen – ob bei mei­ nen internationalen Karrierestationen oder jetzt hier in Österreich – professi­ onell und mit österreichischem Charme, so kann man Themen voranbringen! Worin sehen Sie die Herausforderungen für die Lebensmittelbranche insgesamt und für Ihr Unternehmen im Speziellen? Hülsmann: Unser Ziel ist es, best­ mögliche Verfügbarkeit unserer Produk­ te für die Konsumenten, sprich, da wo sich Konsumenten aktuell am stärksten

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aufhalten, zu gewährleisten. Das sind ja im Moment leider nicht die Gastrono­ mie und der Away-from-Home-Bereich, sondern ganz klar die Kontaktpunkte im Lebensmitteleinzelhandel. Gemeinsam mit unseren Handelspartnern wollen wir hier attraktive Angebote schaffen. Für das Thema Lebensmittel ist die Be­ deutung von Onlinehandel nach wie vor gering, aber seit der Pandemie sehen wir hier zweistellige Wachstumsraten. Da liegt es also nahe, auch mit unseren Handelspartnern neue Wege zu denken, und wir bringen hier gerne unsere Ex­ pertise aus anderen europäischen und globalen Märkten ein. Welche Trends entwickeln sich aus Ihrer Sicht? Wie reagieren Sie darauf? Hülsmann: Konsumenten sind an­ spruchsvoller geworden. Marken müs­ sen einiges leisten – einen Zweck besit­ zen, innovativ, digital, überall verfügbar sein –, aber am wichtigsten ist nach wie vor, dass das Produkt schmeckt. Wir sehen Nachhaltigkeit und Wellbeing als Mega-Trends, wir beobach­ ten ein verstärktes Wellbeing-/Gesund­ heits-Bewusstsein bei den Konsumenten. Für Schokolade bedeutet dies: Authen­ tische Produkte sind gefragt, möglichst pur und simpel. Milka steht z. B. seit 120 Jahren für Natürlichkeit und Au­ thentizität. Seit Beginn an verwendet Milka 100 % Alpenmilch und hat da­