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DIE ERNÄHRUNG Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft 

VOLUME 41 | 03/04 2017

Leadership macht erfolgreich! Generation What? Wie tickt unsere Jugend? Seite 20 © Fotolia – Toniflap

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Seite 4

ABSTRACTED IN CHEMICAL ABSTRACTS ABSTRACTED IN SCOPUS


2 wirtschaft economy & ENTWICKLUNG FORSCHUNG

AUDITS & BERATUNG

SCHÄDLINGSKONTROLLE

LABORANALYSEN

Unsere Leistung Ihre Sicherheit. Als österreichisches Kompetenzzentrum für Lebensmittelsicherheit und Betriebshygiene agieren wir seit 1998 erfolgreich auf dem europäischen Markt. Unsere Erfahrung auf betrieblicher Ebene und Know-how in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, modernster Labordienstleistungen, Consulting und die Vernetzung mit externen Partnern schafft unsere breite Kompetenz.

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Unsere Kunden sind für uns Partner, die wir begleiten. Der Nutzen ergibt sich aus der individuellen Erarbeitung von Lösungswegen zur Sicherung gesunder Lebensmittel. Kompetenz, Praxiserfahrung und unternehmerisches Denken für alles, was Lebensmittel ausmacht.


3 inhalt content

INHALT —

04

WIRTSCHAFT economy 04 Leadership macht e­ rfolgreich! 20 Generation What?

08

EMPFANG reception 08 Ernährungs­bildung startet in der Schule

28

TECHNIK technology 28 Giftig oder ­unbedenklich? 32 Von der ­Wissenschaft in die Praxis

35

WISSENSCHAFT science 35 Hungry for Science – let’s talk about food 38 Adipositas im Kindes- und Jugendalter

44

RECHT law 44 Das Luther-Jahr 46 EuGH: Höchstmengen­regelungen für Nahrungsergänzungsmittel in Frankreich 46 Impressum

Liebe Leserin, lieber Leser, —

die Forderungen nach Reformulierungen, Zucker- und Fettsteuern oder Werbeverboten werden lauter. Driften wir immer stärker in eine Verbotsgesellschaft ab, wie es ­Thomas Mettke in seinem Artikel zum Lutherjahr postuliert? Und wollen wir das als moderne Gesellschaft überhaupt? Für mich ist dies ein Grund mehr, auf Ernährungs­ bildung zu setzen. Verbote haben freilich keine nachhaltige Wirkung – vielmehr braucht es Wissen über einen aktiven Lebensstil! Dieser Anspruch bestimmte auch den Jahresempfang der Lebensmittelindustrie Ende Mai am Campus der Wirtschaftsuniversität Wien. Rund 300 Gäste waren dem Motto „Generation What? Wie tickt unsere Jugend?“ gefolgt. Nach dem Auftakt durch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid zeigte Jugend­ forscher Peter Martin Thomas, was junge Menschen bewegt und wie sie sich für Ernährungs­ themen erreichen lassen. Einen Rückblick in Wort und Bild finden Sie ab Seite 8. Als Lebensmittelindustrie sind wir ein wichtiger Partner in der Ernährungsbildung. Wir nehmen unsere Verantwortung wahr und setzen auf Information. Ein Beispiel ist die Pausenzeitung für die Grundschule in Kooperation mit der Kleinen Zeitung. Zudem starten wir im Herbst mit einer Content­ plattform zur Herstellung von Lebensmitteln. Setzen Sie mit uns auf Fakten statt Vorurteile!

Katharina Koßdorff

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4 wirtschaft economy

LEADERSHIP MACHT ­ERFOLGREICH! Interview DIE ERNÄHRUNG SPRACH MIT MAG. DR. WOLFGANG HÖTSCHL, CEO VON KELLY ÖSTERREICH, ÜBER DIE UNTERSCHÄTZTE BEDEUTUNG VON WETTBEWERB UND FÜHRUNG FÜR DEN ERFOLG, ÜBER INNOVATION UND LEISTUNG SOWIE ÜBER DEN STANDORT ÖSTERREICH UND ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNGEN. OSKAR WAWSCHINEK

D

ie Ernährung: Wie ist Ihr Unternehmen aufgebaut und auf die Zukunft ausgerichtet? Welche Schwerpunkte setzen Sie? Wolfgang Hötschl: Wir haben eine Vision, aber bei einer Reise dieser Art weiß man nie genau, wo sie hinführt. Es gibt jede Menge äußerer Einflüsse, die zu Änderungen führen. Das Wichtigste ist dabei die geistige Flexibilität aller Mitarbeiter und die Bereitschaft, aktiv zu werden, neu zu denken und ausgetretene Wege zu verlassen. Neben Betriebsmitteln und Investments ist daher Recruiting für die Zukunft sehr wichtig! Nicht die Hierarchie macht es aus. Wenn ein Unternehmen 300 Mitarbeiter und davon fünf Führungskräfte hat, haben die fünf keine Chance, wenn sich die 295 anderen nicht bewegen! Entscheidend ist dabei Vertrauen: Die Leistung anderer respektieren, und gemeinsame Verantwortung tragen. Wenn das Geld weg ist, die Fabrik weg ist und die Marke weg ist, aber die Spitzen-Mitarbeiter bleiben, ist man in 10 Jahren wieder am alten Stand! Immerhin gibt es in der Wirtschaft selten so blitzartige Entwicklungen wie im Sport – da kann eine Verletzung das

Ende einer Saison oder gar der Karriere bedeuten! Leadership ist in diesem Sinn das Vorleben! Leider fehlt das immer mehr! Es greift ein Individualismus um sich, bei dem nur mehr gefragt wird: „Geht es mir gut? Die anderen sind mir hingegen völlig egal.“ Das Miteinander im Sinne von „Alle für einen, einer für alle“ gibt es nicht mehr. Diese „alten“ Klischees haben ihren Grund, weil sie immer wieder funktionieren! Das ist in Familien dasselbe und selbst bei Start-up-Finanzierungen. Wenn dabei der Geschäftsführer das frische Geld als Erstes dafür verwendet, einen Porsche Cayenne zu kaufen, wird die Firma nicht zum Erfolg geführt werden können. Was haben Sie im Jahr 2017 geplant? Hötschl: Für 2017 haben wir verschiedene neue Produkte in der Pipeline. Denn Fast Moving Consumer Goods sind kein Slow Food, wie schon der Name sagt! In dem hart umkämpften Markt zählt Bewegung. Alle Produkte unterliegen einer Art Lebenszyklus, und wir müssen laufend neue Felder testen und rechtzeitig erkennen. Unsere Kernkompetenz bleibt dabei

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aber immer salziges, würziges Knabbergebäck. Der gesellschaftliche Trend, Salz zu vermeiden, hilft da nicht – aber wir bemühen uns nach Kräften, unsere Produkte noch bekömmlicher zu machen. Da geht es auch um Themen wie gesättigte und ungesättigte Fette und Sonnen­blumenöl. Wir wollen unsere Produkte adaptieren und verbessern, aber nicht unbedingt neue Kategorien schaffen. Die Brezelchips sind so ein Beispiel, wo uns das gut gelungen ist. Die haben einen knusprigen Chipsgeschmack mit weniger Fett. Das Mundgefühl ist dabei besonders wichtig. Im Gemüsebereich geht es ebenfalls um diese Innovation – einfach Karotten zu frittieren, ist zu wenig. Meinung und Realität klaffen da auseinander. Ein gebackener Gemüsebrei hingegen ist auch vegan und glutenfrei. Aber: Backen ist teurer als Frittieren. Also muss man anders denken: Nicht Kartoffel, sondern Karotten oder Pastinaken könnten interessant sein. Wir sind diesbezüglich bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Salzarme Erdnüsse sind auch eine Variante. Aber eine andere Würzung ist nicht gleich eine Innovation!


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Welche Bedeutung hat der Export in Ihrem Unternehmen? Wie hoch ist der Exportanteil? Hötschl: Der Export spielt in der Inter­snack-Gruppe eine große Rolle. Unser Mainfokus liegt neben Österreich auf Slowenien, der Schweiz und den adriatischen Ländern. Soletti werden in 48 Länder der Welt exportiert, darunter auch die Arabischen Emirate. Wir sehen noch Wachstumspotenziale, z. B. in der Schweiz, in Albanien und Kroatien. Wie sehen Sie die Situation und Marktmacht im österreichischen Handel – wie gehen Sie damit um? Hötschl: Der österreichische Lebens­ mitteleinzelhandel (LEH) hat sich zweifellos in eine hervorragende Position gebracht. Das ist so – und wie das Wetter eben nicht zu ändern. Wir sehen es einerseits als Herausforderung und andererseits kommt der LEH auch nicht ohne Lieferanten aus. Da gibt es eine Art gegenseitiger Abhängigkeit. Die Markenartikler müssen aber immer ihre Produkte vorantreiben, sonst spielt der LEH seine Vorteile aus, die er durch die Datenmengen aus den Kundenkarten und dem erhobenen Kaufverhalten zur Verfügung hat.

Was ist das Erfolgsgeheimnis Ihres Unternehmens? Hötschl: Wir sind und bleiben beweglich und dynamisch! Leider gibt es in Österreich sehr oft die Tendenz, sich lieber ins Faulbett zu legen als sich voll zu engagieren. Das Leben ist aber täglicher Wettkampf und nur der Schnellere überlebt. Sehr oft wird aber die Bequem-

©  BEIGESTELLT, KELLY

Wie sehen Sie die Eigenmarkenentwicklung des Lebensmitteleinzelhandels? Ist das eine Gefahr für Markenartikel? Hötschl: Die Kernkompetenz der Markenartikler sind Produkte und Produktionstechnologien. Dabei kommt es nicht immer nur auf den Preis an, sondern mehr auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Markenartikler müssen attraktiv bleiben. Darin besteht der Wettbewerb. Man darf sich nicht in ein Eck drängen lassen, weder im Denken noch bei den Produkten. Denn nur Wettbewerb treibt an und jede Form von Protektionismus führt zu Rückschritten.

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lichkeit dem Wettbewerb vorgezogen. Die Leute wollen lieber einen Status Quo erhalten und alles bewahren. Das lähmt, statt Neues zu bringen. Diese Haltung erzeugt Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl, die keine Bestätigung mehr bekommen. Gesellschaftspolitisch ist diese passive Grundhaltung auch falsch. Denn nur vor dem Fernseher zu sitzen, ist vielleicht zwei Monate cool, dann aber entnervend. Wir setzen hingegen auf akzeptierte Leistung, das bringt den Menschen Selbstwert und Selbstachtung.

her äußert es sich meiner Meinung nach aber nur im Wahlverhalten – denn die meisten, die rechts wählen, sind keine verkappten Nazis, sondern wollen eine Botschaft oder einen Denkzettel an die anderen Parteien senden! Es gibt ja auch nicht 20 % Kommunisten in Graz, obwohl dieser Wert ein Wahlergebnis war! Mein Eindruck ist nur, dass Schwarz und Rot die Botschaft noch nicht verstanden haben. Und als Unternehmer lehne ich Konzepte wie die Maschinensteuer ab. Ich befürworte Wettbewerb statt Komfortzonen! Die Politik sollte die Lohnnebenkosten senken und die Effizienz beim Umgang mit Steuern und Steuergeld erhöhen. Das beste Beispiel dafür, wie man es nicht macht, ist sicher die Schaumweinsteuer!

Welche Vor- und Nachteile hat der Standort Österreich aus Ihrer Sicht? Hötschl: Das Problem ist hier, dass man sich Arbeit kaum mehr leisten kann. Die Differenz zwischen dem Betrag, den ein Mitarbeiter kostet und den er bekommt, ist viel zu hoch! Das halte ich für falsch, ja unverschämt! Da muss die Politik eindeutig die Effizienz im Staat steigern und mit Steuergeld verantwortungsvoller umgehen.

Was halten Sie von Ansätzen wie Zucker- und Fettsteuern oder Werbeverboten? Sind das Ansätze, die Ihrer Meinung nach gesellschaftliche Probleme wie Adipositas, Bluthochdruck etc. – meist im Zusammenhang mit mangelnder Bewegung – lösen können? Hötschl: Ich bin generell gegen solche Eingriffe in das Wirtschaftssystem. Das hat schon die Prohibition gezeigt, dass das nicht funktioniert. Ein „nanny state“ ist der falsche Weg. Die Salzsteuer in Ungarn ist gründlich danebengegangen und

Welche Wünsche haben Sie an die Politik? Hötschl: Ich wünsche mir, dass Politiker aufhören, Steuergeld ohne Verantwortungskonsequenz auszugeben. Die Leute haben das bemerkt und werden zunehmend böse darüber – das könnte sogar zu einer Revolution führen. Bis-

die Fettsteuer in Dänemark ebenso. Da geht es nur um zusätzliches Geld für den Finanzminister, aber nicht um eine Steuerung von Menschen. Beim Rauchen ist es doch so: Alle staatlichen Maßnahmen haben nichts gebracht und die Raucher stehen jetzt in der Kälte und holen sich eine Lungenentzündung. Was bringt das für Verbesserungen? Menschen unmündig zu machen und vor Entscheidungen zu bewahren, ist für mich purer Kommunismus. Die Menschen haben die Pflicht, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht andere verantwortlich zu machen für das eigene Handeln. Da braucht es entsprechende Bildung und die beginnt in der Schule! Wo sehen Sie gesellschaftliche Trends? Hötschl: Leider sehe ich, dass eine Generation heranwächst, die nur den eigenen Nutzen optimieren will, sich keine Gedanken um den Staat oder die Gesellschaft macht und mehr Wert auf Work-Life-Balance als auf Wettbewerb und Leistungsdenken legt. Alles ist auf sehr hohem Komfort-Niveau und es fehlen Feuer und Leidenschaft! Dabei geht es auch anders: Als ich einmal im Urlaub von San Diego mit einem Auto nach Tijuana in Mexiko gefahren bin, dauerte die Rückreise über die Grenze sehr lange. Während ich in dieser Autoschlange stand, haben ca. 250 Kinder versucht,

about

Zum Unternehmen — Die Kelly Ges.m.b.H. wurde 1955 gegründet, ist ein österreichisches Unternehmen amerikanischer Prägung und Teil der Intersnack-Group. Kerngeschäft ist Knabbergebäck. Marken sind u.a. Kelly’s und Soletti, funny-frisch, Chio, POM-BÄR und ültje. Auch Popcorn, Extruderprodukte und Nüsse sind im Angebotsportfolio enthalten. Kelly’s und Soletti haben einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und zählen zu den beliebtesten Lebensmittelmarken Österreichs. Rund 300 Mitarbeiter in Wien und Feldbach erwirtschaften rund 170

Factbox Kelly — Anteile der ­ eschäftsfelder: G BAKED: 35 % CHIPS & STICKS: 25 %

Mio. Euro Umsatz jährlich, wobei rund ein Drittel aus dem Auslandsabsatz stammt. Kartoffel kommen hauptsächlich aus Österreich.

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SPECIALITIES: 21 % NÜSSE: 19 %


7 wirtschaft economy

person

mir Produkte zu verkaufen – von Pepsi bis zu Souvenirs.

Wie wird in Ihrem Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit umgegangen? Hötschl: In unserem Unternehmen gab es in 62 Jahren ganze zwei Geschäftsführer. Ich bin seit 23 Jahren in der Firma Kelly tätig und habe drei Eigentümerwechsel mitgemacht. Das ist gelebte Nachhaltigkeit! Ich sehe es so, dass durch meine Arbeit am Ende mehr übergeben werden soll, als am Anfang da war. Das ist wie bei einem Erbhof in der Landwirtschaft. Die nächste Generation hat so eine Basis, auf der sie aufbauen kann. Ein Headhunter hat mir deshalb einmal mangelnde Mobilität vorgeworfen. Ich stehe aber zu dieser Kontinuität. In der Politik fehlt diese sehr oft – da wird nur an eine Legislaturperiode gedacht und zu wenig an die Zukunft. Welchen Stellenwert haben Innovation und Qualitätsmanagement in Ihrem Unternehmen? Hötschl: Einen sehr hohen! Mein Motto ist: Zufrieden sein, aber sich nie zufrieden geben! Das ist die Triebfeder von Fortschritt!

Zur Person — Niederösterreich-Wien. Nach Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Österreichischen Raiffeisenverband wechselte er als Geschäftsführer zur Agrana Marketing- und Vertriebsservice GmbH. Seit 1994 ist er bei Kelly GmbH Wien. Seit 2008 Group Chairman der INTERSNACK Management Unit Austria, Schweiz und Adriatics für die Warengruppe „Gebackene Knabberartikel“ für alle euro­päischen Gesellschaften.

©  BEIGESTELLT, KELLY

Und in Österreich? Hat es keiner mehr notwendig, aktiv zu verkaufen und Leistung zu erbringen? Hötschl: Ich habe mich auch lange in der Nachwuchsarbeit bei den Junior Capitals engagiert (Anm.: Vienna Capitals sind ein Wiener Eishockey-Verein; Kelly ist Sponsor). Da gibt auch eine Art Akademie nach Stamser Vorbild (Anm.: Schigymnasium in Tirol) zur Förderung von jungen Talenten. Da wir auch Erfahrungen mit ähnlichen Strukturen in Bratislava haben, sind die Unterschiede auffällig: In Wien werden die 7-Jährigen von der Mama mit dem dicken BMW zum Training gebracht und nachher abgeholt. In der Ost-Slowakei kommen sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad und sind bereit, im Training viel mehr auf sich zu nehmen und die berühmte „extra-mile“ zu gehen. Sie haben eine „better-life-­ vision“. Die verfolgen sie offensiv, nicht defensiv. Dieses Feuer bringt tschechische Spieler regelmäßig in die NHL und KHL (Anm.: aktuell jeweils rund 40). Wie viele Österreicher sind dort zu finden (Anm.: drei!)?

Biographie Wolfgang Hötschl, geboren am 3. Juli 1954 in Wien, Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Miami University Oxford Ohio, USA. Nach Abschluss seines Studiums Geschäftsführer des Studentischen Wohnungsservice, dann leitete er das Jugendmarketing der Ersten Österreichischen Spar-Casse und anschließend der Raiffeisenlandesbank Wie gehen Sie mit immer wieder auftauchenden Themen der Lebensmittelsicherheit um? Hötschl: Unsere Produkte braucht im Prinzip niemand zum Leben. Wenn diese dann noch problematisch ­wären … Wir müssen also immer das Beste bieten, das aktuell möglich ist. Wir h ­ aben ein Unterhaltungsprodukt. Das ist wie beim Fernsehen – da wechseln die Leute auch den Sender, wenn sie keinen Spaß haben. Daher müssen wir mit unseren Produkten immer top und das Leichteste, Bekömmlichste, Lustigste, Knackigste sein. Daher brauchen wir ein breites Spektrum an Produkten, ein Portfolio gewissermaßen. Da kommt es auf das Mundgefühl an, auf das Krachen etc. Diese Verantwortung tragen wir als Manager. Wie sehen Sie die verschiedenen Standards wie IFS und BRC? Können Sie diese Audits für die Verbesserung Ihrer Betriebsabläufe nutzen? Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die von Han-

Weitere Funktionen Vorstandsmitglied und Vizepräsident des Österreichischen Verbandes der Markenartikelindustrie, Lektor an der FH-Wien für Marketing & Sales sowie der FH Wiener Neustadt, Mitglied des Beirates des European Brand Forum, Präsident des Wissenschaftlichen Senats des Public Relations Verband Austria, Mitglied des Ausschusses des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. delsketten zusätzlich durchgeführten Audits? Hötschl: Aus meiner Sicht wird da maßlos übertrieben. Was da alles nachgewiesen werden muss, hat nicht diese Bedeutung, die da hineingelegt wird. Da ist vieles Selbstzweck und eigene Regeln werden geschaffen. Aber die Auditoren und Zertifizierer machen sicher gutes Marketing dafür. Bei Importprodukten wird nicht so genau nachgeschaut und die werden trotzdem fröhlich verkauft. Ich denke, weniger wäre da oft mehr. Was ist Ihr Lieblingsessen? Hötschl: Das ist schwer zu sagen! Ganz oben stehen sicher Tortillachips mit Chili, Paprika und Guacamole, dann mit Käse überbacken. Das ist köstlich und allen schmeckts! Aber auch einfache Nudeln mit Olivenöl und ein wenig Thunfisch sind köstlich. Wichtig ist mir jedenfalls immer, dass es ein gemeinsames Essen ist.

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8 empfang reception

ERNÄHRUNGS­ BILDUNG STARTET IN DER SCHULE DIE ÖSTERREICHISCHE LEBENSMITTELINDUSTRIE LUD AM 30. MAI 2017 ZU IHREM 16. JAHRESEMPFANG. IM ZENTRUM DES ABENDS STANDEN JUGENDLICHE, EINBLICKE IN IHRE LEBENSWELTEN UND WERTE, DIE ROLLE DER ERNÄHRUNG SOWIE DIE BEDEUTUNG VON ERNÄHRUNGSBILDUNG FÜR EINEN GESUNDEN LEBENSSTIL.

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und 300 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik sowie Partner entlang der gesamten Lebensmittelkette waren der Einladung des Fachverbands in die Mensa der Wirtschaftsuniversität in Wien gefolgt. Fachverbandsobmann Marihart fordert Wissen statt Ideologie Der Obmann des Fachverbands, GD KR DI Johann Marihart, wies auf die jüngste Ernährungsdiskussion hin: „Die intensiven Debatten rund um unsere Lebensmittel oder einzelne Zutaten wie Zucker haben gezeigt, wie unreflektiert damit umgegangen wird. Nicht einzelne Lebensmittel machen krank, sondern unausgewogene Ernährung, gepaart mit Faktoren wie wenig Bewegung, Stress oder Veranlagung. Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, sondern mehr Wissen, wie man durch einen aktiven Lebensstil ein gesundes Leben führen kann. Lebensmittelsteuern, Ampelregelungen, Reformulierungen von Produkten oder Werbeverbote werden die Menschen nicht zu einer ausgewogenen Ernährung und gesundem Lebensstil motivieren.“ Die Branche produziere hochwertige Produkte aus ausgezeichneten agrarischen Rohstoffen und nach strengsten Hygiene- und Qualitätsstandards. Mit Wissen statt Ideologie könne man Vorur-

OSKAR WAWSCHINEK

teilen entgegenwirken und die Verbraucher unterstützen. Getränkeautomaten aus Schulen zu nehmen und gleichzeitig Turnstunden zu reduzieren seien Maßnahmen, die einander aufheben. Mari­hart fordert daher ein Umdenken: „Der Schlüssel für ein gesundes Leben ist die Ernährungsbildung. Den Grundstein dafür legt man

Marihart:

Wir wollen junge ­Menschen auf ihrem Weg zu mündigen Konsumenten und einem gesunden Leben unterstützen bei den Kindern. Und zwar am besten in Familie oder Schule. Meines Erachtens braucht es einen Schulterschluss von Politik, Schulen, Wirtschaft und Wissenschaft. Da sind wir als Lebensmittelindustrie gerne Partner, um junge Menschen zu mündigen Konsumentinnen und Konsumenten zu machen.“ Bildungsministerin Hammerschmid betont den Stellenwert der Schule Bil-

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dungsministerin Dr. Sonja Hammerschmid verwies auf die Bedeutung der Schule für die Vermittlung eines gesunden Lebensstils: „Die Schule ist sicher einer der wichtigsten Orte, um Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit und Prävention zu diskutieren – also Themen, die viel mit dem eigenen Lebensstil und Ernährungsverhalten zu tun haben.“ Im Rahmen der fächerübergreifenden Gesundheitserziehung sowie in den einzelnen Unterrichtsgegenständen können diese Inhalte vermittelt werden. Das 2016 beschlossene Bildungsinnovationsgesetz zur Ganztägigen Schule unterstütze auch die Gesundheitsförderung: „Die tägliche Bewegungseinheit ist hier ein wichtiger Schwerpunkt, um die motorische Entwicklung zu fördern und Bewegungsmangel entgegenzuwirken.“ Zum digitalen Wandel hielt Hammerschmid fest: „Schülerinnen und Schüler müssen die Potenziale und Risiken neuer Technologien kennenlernen, damit sie diese sinnvoll nutzen können. Selbstbewusst, aber verantwortungsvoll, ist hier die Devise.“ Sie verwies auf die zu Jahresbeginn präsentierte Digitalisierungsstrategie „Schule 4.0“, die mit umfassenden Maßnahmen Schülerinnen und Schüler und Pädagoginnen und Pädagogen gleichermaßen auf die digitale Zukunft vorbereitet.


9 empfang reception

©  CHRISTIAN HUSAR

Peter Martin Thomas, Marie-Claire Zimmermann, Sonja Hammerschmid, Katharina Koßdorff, Johann Marihart

Jugendforscher Peter Martin Thomas gibt Einblick in Lebenswelten Jugendlicher Die Moderatorin des Abends, ORF-ZIB-Star Marie-Claire Zimmermann, begrüßte den Diplompädagogen Peter Martin Thomas zur Keynote-Speech. Der Jugendforscher leitet die SINUS-Akademie in Heidelberg. Er präsentierte exklusiv die Ergebnisse der europaweiten Umfrage „Generation What“ sowie der jüngsten österreichischen Sinus-Milieu® Jugendstudie zu Gesundheit, Körperbewusstsein und Ernährung.* In seiner Keynote gab Thomas einen Überblick über die Lebenswelten junger Menschen. Auch die Rolle der Ernährung und die Einstellung zu Körper, Fitness und Gesundheit waren wesentliche Elemente. Dabei ergab sich eine klare Botschaft: „Alle der befragten Gruppen interessieren sich fürs Essen und Trinken, nur in unterschiedlichem Ausmaß.“ Die Zuhörer bekamen einen lebhaften Eindruck, wie die junge Generation ihr Leben gestaltet und über welche Kommunikations-Kanäle sie erreichbar ist. Das Fazit von Peter Martin Thomas: „Wer Heranwachsende zu einem gesunden Lebensstil bewegen will, muss ihre Wünsche kennen, an ihrem Alltag andocken und ihre Sprache sprechen. Ein wichtiger Ort dafür ist sicher die Schule.“

Fachverbandsgeschäftsführerin Koßdorff setzt auf verstärkte Information über verschiedene Medien Daran knüpfte auch die Geschäftsführerin des Fachverbands, Mag. Katharina Koßdorff, an. „Um junge Menschen zu erreichen, müssen wir spielerisch den Zugang zu Lebensmitteln schaffen – und mit dem Wissen darüber kombinieren, wie diese hergestellt werden.“ Die Österreicherinnen und Österreicher können täglich aus einer großen Vielzahl an Produkten die beste Wahl für eine ausgewogene Ernährung treffen. Um den Konsumenten noch mehr Wissen an die Hand zu geben, wie Lebensmittel heute hergestellt werden, übernehme die Lebensmittelindustrie in ihrem Bereich Verantwortung durch verstärkte Information  – beispielsweise mit der Pausenzeitung für die Grundschule in Kooperation mit der Kleinen Zeitung oder einer ab Herbst geplanten Online-Wissensplattforum zur Herstellung von Lebensmitteln. „Darüber hinaus nehmen wir die Rolle unserer Branche in der Ernährungsbildung sehr ernst. Wir wollen ein starker Partner für die Politik, die Schulen und die Wissenschaft sein. So können wir das Knowhow dorthin bringen, wo die Zukunft unserer Gesellschaft beginnt“, ist Koßdorff überzeugt.

Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Die rund 200 Unternehmen mit ihren 26.000 Beschäftigten erwirtschafteten im Jahr 2016 ein Produktionsvolumen von 8,1 Mrd. €. Über 60 % davon werden in 180 Länder rund um den Globus exportiert. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung. DI Oskar Wawschinek, MAS MBA Pressesprecher für den Fachverband der Lebensmittelindustrie *In der Keynote-Speech zitierte Jugendstudien Für die dritte Sinus Milieu® Jugendstudie für Österreich befragten Integral und T-Factory 2016 über 1.000 junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren mit Fokus auf Gesundheit, Styling und Ernährung. Europas größte Jugendstudie „Generation What“ befasste sich mit Themen wie Arbeit und Bildung, Familie, Europa und Zukunft. Daran nahmen 35 Länder teil. Europaweit wurde 2016 fast eine Million junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren befragt, in Österreich waren es rund 60.000. www.generation-what.at; www.integral.co.at.

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10 empfang reception

Katharina Koßdorff, BM Sonja Hammerschmid, Johann Marihart

Friedrich Sövegjarto, Wolfgang Hermann, Andreas Müller

Andreas Rauch

Markus Liebl, Simone Hoepke, Stefan Schauer

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Ernst und Maria Polsterer-Kattus


11 empfang reception

Peter Koren, Ulrich Herzog

Peter Stallberger, Katharina Koßdorff, Manfred Müller

Ernst Klicka, Gerhard Gribl, Walter Neumayer

Daniela Muchna, Ingrid Kiefer

Wilhelm Leitner, Robert Schausberger

Friedrich Pernkopf, Franz Reisecker, Josef Plank, Nikolaus Morawitz, Anton Reinl

©  CHRISTIAN HUSAR

Thomas Spies, Stefan Obersteiner

Andreas Graf, Carolin Krejci, Dietmar Österreicher

Gerhard Staudinger, Charlotte Panuschka, Thomas Panuschka, Inge Panuschka, Bernhard Stöhr

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12 empfang reception

Johann Marihart

Marie-Claire Zimmermann, BM Sonja Hammerschmid

Johann Marihart, BM Sonja Hammerschmid, Katharina Koßdorff

Peter Thyri, Martina Winkelhofer-Thyri

Adolf Marksteiner, Peter Martin Thomas, Günter Griesmayr

Johann Sollgruber, Maria Panuschka, Josef Domschitz

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13 empfang reception

Christian Hauer, Brigitta Hauer, Walter Scherb

BM Sonja Hammerschmid

Johann Marihart, Josef Plank, BM Sonja Hammerschmid, Nikolaus Berlakovich, Katharina Koßdorff, Josef Domschitz, Michael Blass

©  CHRISTIAN HUSAR

Bernhard Stöhr, Josef Mayer

Michael Blass, Andreas Natterer

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14 empfang reception

Josef Plank, Robert Pichler Katharina Koßdorff, Marie-Claire Zimmermann

Stephan Mölls, Manfred Müller, Linda Toccafondi

Sylvia Paliege-Barfuß, Walter Barfuß, Brigitta Hauer, Christian Hauer

Bernhard Redl, Rudolf Mach, Robert Kastner, Christof Schwaiger

Harald Hauke, Germano Athanasiadis

Jürgen Hagenauer, Hans Staud, Josef Mayer

Johann Marihart, BM Sonja Hammerschmid, Katharina Koßdorff

Johann Brunner, Alexandra Wawra, Leopold Wolfslehner, Nicole Grob, Hans Peter Andres, Birgit Wagner, Rudolf Aigmüller

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15 empfang reception

Claudia Riedmann, Katharina Koßdorff

Hans Mikl, Brigitte Mehlmauer, Josef Domschitz, Theresa Imre, Robert Kastner, Wolfgang Berger

©  CHRISTIAN HUSAR

Peter Reinecke, Johann Marihart, Gisela Reinecke, Katharina Koßdorff, Markus Liebl, Ernst Klicka

Andreas Urban, Jutta Kaufmann-Kerschbaum

Peter Martin Thomas

Thomas Gratzer, Michael Fischer, Anton Jarmer, Robert Künzl, Bruno Mayer

Walter Wallner

Bettina Koller-Garber, Elisabeth Damm, Roland Raffer, Ursula Trattner

Norbert Friedrich, Viktoria Friedrich, Udo Tegtmeier

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16 empfang reception

Helmut Safer, Maria Safer

Peter Martin Thomas

Sigrid Amann, Jürgen König

Martin Lotz, Otto Bloder, Johann Marihart

Josef Mayer, Nikolaus Berlakovich, Otto Prieler

Robert Falkinger, Angela Teml

Bernd Berghofer, Andreas Kogler, Walter Trybek, Rita Kogler

Andrea Bretschneider, Adolf Brugger, Sandra Haindl, Hubert Stritzinger, Dorothea Roubicek, Helmut Plakolm, Andreas Stiglmayr

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17 empfang reception

Stefan Obersteiner, Roumen Tchetchkin, Andreas Hagen

Katharina Koßdorff, Markus Liebl

Konrad Brustbauer

Markus Dürrschmid, Julian Drausinger, Thomas Spies, Christof Schwaiger, Peter Stallberger, Hannes Scherbichler

Gerhard Gribl, Karin Steinhart, Walter Neumayer, Florian Tschandl

©  CHRISTIAN HUSAR

Birgit Wagner, Christoph Henöckl, Ursula Huber

Sissy Gartner, Michael Gartner, Alexandra Wawra, Karl Kern

Claudia Ertl-Huemer, Robert Fitzthum

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18 empfang reception

Ingrid Kiefer, Franz Floss, Nikolaus Berlakovich, Birgit Beck

Dolly Blach, Franz Ernstbrunner, Irene Braunsteiner, Christian Schügerl

Johann Marihart

Martin Krasny, Christine Schober

Roland Raffer, Elisabeth Damm

Gebhard Bechter, Christian Gessl, Michael Blass, Fritz Gattermayer

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19 empfang reception

Petra Rust, Marlies Gruber, Helga CvitkovichSteiner

Katharina Koßdorff, Marie-Claire Zimmermann

Daniela Muchna

Adrian Perco, Manfred Müller, Rochus Nepf, Bernhard Redl

©  CHRISTIAN HUSAR

Marie-Claire Zimmermann, Oskar Wawschinek

Stephanie Bartolich, Rita Konstantin, Andrea Weinzetl, Birgit Wagner

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20 wirtschaft economy

GENERATION WHAT? Wie tickt unsere Jugend? VOLLKORNBROT IST NICHT DAS LIEBLINGSESSEN JUNGER MENSCHEN IN ­ÖSTERREICH. ABER ES SIND AUCH NUR 14 %, DIE OHNE JUNK-FOOD – ALSO OHNE BURGER, POMMES UND PIZZA TO GO – NICHT GLÜCKLICH SEIN ­KÖNNTEN. DAS HAT ZUMINDEST DIE UMFRAGE „GENERATION WHAT?“ BEI 60.000 ­JUGENDLICHEN UND JUNGEN ERWACHSENEN ERGEBEN. PETER MARTIN THOMAS

W

as ist jungen Menschen in Österreich wichtiger als Burger, Pommes und Pizza? Dazu müssen die Themen, die im Leben junger Menschen relevant sind, ebenso betrachtet werden wie der Alltag und die Gestaltung ihrer Wohnräume zuhause. Von Interesse ist auch, wie und auf welchen Kanälen junge Menschen für das Thema Ernährung und Lebensmittel interessiert werden können. Wenn wir wollen, dass junge Menschen sich gut ernähren und zu kompetenten Verbrauchern werden, müssen wir sie verstehen. Wenn wir die Haltungen der jungen Menschen zu ihrem Körper, Gesundheit und Ernährung kennen, finden wir die richtigen Ansatzpunkte für Gesundheits- und Ernährungsbildung. Junge Menschen in Österreich wachsen auf in einer globalisierten Welt, mit vielen Gemeinsamkeiten und manchen Unterschieden zu ihren europäischen Nachbarn. Seit April 2016 konnten sich junge Menschen in zahlreichen europäischen Ländern am Projekt „Generation What?“ beteiligen und zu vielfältigen Themen ihre Meinung abgeben.

Werden alle gesammelten Aussagen in einer Tag-Cloud zusammengefasst, ergeben sich sehr verschiedene Sichtweisen der jungen Menschen. Diese reichen von • Generation Schwierig • Generation ohne Pension oder • Generation, die alles ausbaden muss bis zu • Generation Hoffnung und • Generation der vielen Möglichkeiten. In Österreich wurde das Projekt begleitet vom ORF. Mehr als 60.000 junge Österreicherinnen und Österreicher haben teilgenommen. Aus dem gemeinsamen Europabericht des Projektes können wir nun einige Ergebnisse he­ rausarbeiten: Für junge Menschen in Österreich ist Arbeit eher Broterwerb als Selbstverwirklichung – im Gegensatz zu den Italienern, Spaniern und Griechen. 35 % der jungen Österreicherinnen und Österreicher beschreiben das Verhältnis zu ihren Eltern als ideal, 45 % immerhin als entspannt. Damit liegen sie an der Spitze in Europa. Entsprechend kann sich auch nur weniger als die Hälfte vorstellen, selber ohne Kinder glücklich zu sein. Bei den Deutschen und den Schweizern wäre

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es jeweils für eine knappe Mehrheit in Ordnung, ohne Kinder zu leben. Die Mehrheit der jungen Menschen in Europa kann nach eigener Einschätzung auch ohne Junk-Food glücklich werden. Bei der Frage, ob es im Leben um „Fressen und gefressen werden“ geht, hat hingegen nur in Deutschland und Österreich eine erkennbare Mehrheit mit „Ja“ geantwortet. In allen anderen europäischen Ländern fühlen sich die jungen Menschen in dieser Hinsicht weniger bedroht. Fasst man die Ergebnisse also kurz zusammen, kann man sagen: Die jungen Menschen in Österreich haben ihre ei-


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Grafik 1: Jugendmilieus Österreich 2016

Spezifika österreichischer Jugendlicher Was genau die jungen Menschen in Österreich von jenen in anderen Ländern unterscheidet, wollten die Forschungsinstitute INTEGRAL und tfactory im vergangenen Jahr mit einer Studie zu den 14- bis 29-Jährigen herausfinden. Befragt wurden sie zu zahlreichen Themen, unter anderem • zum Körperbewusstsein,

• zu ihrer Haltung zur Gesundheit, • zum Thema Styling, • zur Mode • und zum Thema Ernährung. Die jungen Menschen in Österreich unterscheiden sich nicht nur von den jungen Menschen in anderen europäischen Ländern. Es gibt auch eine große Vielfalt der jungen Menschen in Österreich. Um diese Vielfalt greifbar zu machen, wurden sechs Jugendmilieus definiert, die in einer sogenannten „Kartoffelgrafik“ dargestellt werden (Grafik 1). ©  FOTOLIA – STYLE-PHOTOGRAPHY, MARKUS MAINKA

genen Ansichten und Werte. Oft finden sie Gleichgesinnte in anderen Ländern in Europa. Manchmal haben Sie aber auch einen eigenen Kopf, der sie deutlich von allen anderen unterscheidet.

Die Grafik zeigt die Ausdifferenzierung der jungen Milieus nach Werten, Lebensstilen und ästhetischen Präferenzen auf der horizontalen Achse. Zusätzlich bildet die vertikale Achse die Differenzierung nach Bildung und Einkommen ab. Je weiter oben eine „Kartoffel“ liegt, desto höher die Bildung, der Beruf und das Einkommen. Die Hedonisten haben also im Durchschnitt eine geringere Bildung als die Performer. Je weiter rechts eine „Kartoffel“ liegt, desto moderner die Werte und der Lebensstil. Die Konservativ-Bürgerlichen haben viele traditionelle Werte. Die Digitalen Individualisten wollen Machen, Erleben und widersprüchliche Werte miteinander vereinbaren. Die Größe der „Kartoffel“ zeigt den Anteil an der Gesamtbevölkerung. So wird erkennbar, dass es deutlich weniger postmaterielle Weltverbesserer als Vertreter der neuen modernen Mitte der Adaptiv-Pragmatischen gibt. Diese sechs Lebenswelten – die junge Generation in Österreich insgesamt  – bewegen sich zwischen • Verunsicherung, • Überforderung und • Faszination.

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Bildung und Einkommen

Niedrig 3

Mittel 2

Hoch 1

Performer 38%

KonservativBürgerliche 39%

Postmaterielle 61%

AdaptivPragmatische 27%

Digitale Individualisten 35%

Hedonisten 27%

Ø = 36% © INTEGRAL

Grundorientierung

A Tradition

B Moderne

C Postmoderne

Grafik 2: Hoher Stellenwert gesunder Ernährung

Bildung und Einkommen

Niedrig 3

Mittel 2

Hoch 1

Performer 86%

KonservativBürgerliche 82%

Postmaterielle 93%

AdaptivPragmatische 77%

Digitale Individualisten 77%

Hedonisten 72%

© INTEGRAL

Grundorientierung

A Tradition

Ø = 80%

B Moderne

C Postmoderne

Grafik 3: „Etwas“ Interesse für gesunde Ernährung

Verunsicherung entsteht durch weltweite Krisen, aber auch durch die Sorge vor abnehmender Sicherheit und materiellen Verschlechterungen. Überforderung wird empfunden durch Reizüberflutung und Entscheidungsunfähigkeit – nicht nur in den Medien oder bei der Frage nach der richtigen beruflichen Perspektive, sondern vielleicht auch manchmal vor dem Lebensmittelregal. Faszination wiederum ergibt sich durch weltweite Vernetzung, Vervielfältigung der Möglichkeiten und Digitalisierung des Alltages. Daraus entsteht eine interessante Kombination aus allgemeinem Pessimismus und individuellem Optimismus. Rund 40 % blicken pessimistisch in die gesellschaftliche Zukunft. Zugleich blicken jedoch nur 7 % in die eigene Zukunft. Man kann sich das so vorstellen, dass

die Jugendlichen mit dem Gefühl leben, auf einem untergehenden Schiff unterwegs zu sein, aber zugleich darauf hoffen, dass es nicht sinkt, bevor sie selber das Ziel ihrer Reise erreicht haben. Um diese Unsicherheit zu bewältigen, sich ein Zuhause und eine gute Zukunft aufzubauen • setzen ca. zwei Fünftel auf „alte“ konsistente Wertesysteme – sie beharren auf der alten Ordnung, hoffen auf Selbstverwirklichung im Privatleben und Beruf oder bleiben sogar Globalisierungs-Optimisten. • Weitere zwei Fünftel entwickeln einen egotaktischen Pragmatismus, d. h. sie zeigen entweder ein defensives Sicherheitsstreben („Macht die Grenzen dicht, bevor mir jemand etwas wegnimmt!“) oder offensives Experimen-

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tieren („Ich will alles ausprobieren und die Welt erobern.“). • Ein Fünftel verweigert sich dem Gedanken an die Zukunft – sie leben im Moment, im Hier und Jetzt, suchen Action, Fun und Ablenkung. Stellenwert gesunder Ernährung Die jungen Menschen wurden nach ihrem Körpergefühl, Ernährung und Gesundheit gefragt. Und genauso wie bei den Werten, den Lebensstilen und den Strategien für die Zukunft zeigt sich beim Körper, bei der Gesundheit und der Ernährung eine große Vielfalt der Haltungen und Verhaltensweisen. Wenn diese Vielfalt genauer analysiert wird, ist erkennbar, wie junge Menschen für das Thema gute Ernährung gewonnen werden können. Nicht alle junge Menschen finden das Thema „Gesunde Ernährung“ gleichermaßen interessant. Wenn man konkret fragt, wie sehr sie sich dafür interessieren, antworten immerhin 61 % der Postmateriellen mit „Sehr“, aber nur 27 % der Hedonisten (Grafik 2). Die, die die Welt besser machen wollen, achten genauer darauf, was sie essen und trinken als die, die vor allem den Spaß im Leben suchen. Nimmt man aber jene dazu, die sich wenigstens „etwas“ für das Thema „Gesunde Ernährung“ interessieren, dann sind es auch bei den Hedonisten schon 72 %, die wenigstens hin und wieder über das Thema „Ernährung“ nachdenken (Grafik 3). Insgesamt sind es dann 80  % der jungen Österreicherinnen und Österreicher. Wir können also sagen, dass das Thema „Ernährung“ für fast alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen zumindest hin und wieder interessant ist. Am Beispiel von drei verschiedenen Lebenswelten werden diese Zusammenhänge dargestellt. Dazu wurden bewusst nicht die super-interessierten Postmateriellen ausgesucht, sondern drei durchschnittlich bis weniger interessierte Jugendmilieus: • die Konservativ-Bürgerlichen, • die Hedonisten und • die Digitalen Individualisten. Im Bild 1 sind typische Eindrücke aus den Räumen und Lebenswelten der Konser-


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Eine Affinität besteht jedoch für regionale und saisonale Lebensmittel. Sie sind wenig experimentierfreudig bei der Auswahl der Speisen – traditionelle Hausmannskost ist weit verbreitet. Der Anteil der Raucher sowie der Alkoholkonsum liegen unter dem Durchschnitt. Wenn Alkohol konsumiert wird, dann eher nur in Maßen, weil das Gefühl der Selbstkontrolle sehr wichtig ist. Der Lebensstil ist darauf ausgerichtet, durch eine ausgewogene Ernährung und vernünftige Lebensweise gesund zu bleiben. Gesundheit und Wohlbefinden spielen eine wichtige Rolle im Leben der Konservativ- Bürgerlichen. Dazu eine Aussage eines männlichen Jugendlichen, 25 Jahre: „Du bist, was du isst, also prinzipiell hat es schon einen hohen Stellenwert. Ich habe einen Fleischhauer meines Vertrauens, da gibt es immer gute, selbstgemachte Dinge zu Mittag und am Abend gibt es dann eine Jause, Kornspitz usw. Ich koche gerne, aber nur bei Gästen, wenn jemand auf Besuch kommt.“ Die nächste Gruppe sind die Hedonisten (Bild 2). Sie sind die spaß- und

konsumorientierten Mainstreamverweigerer auf der Suche nach einer Lebensnische. Wichtig sind ihnen die momentane Lust, der aktuelle Thrill. Man holt sich in der Besonderheit der eigenen Gruppe das, was einem die bürgerliche Normalwelt verweigert. Man identifiziert sich mit anti-bürgerlichen Szenen und Gruppen. Ziel ist ein angenehmes Leben ohne allzu große Anstrengungen. Gute Beziehungen zu Familie und Freunden sind prinzipiell wichtig. Allerdings kann es auch öfters mal krachen. Über K ­ osmetik, Styling und Kleidung zeigt man die eigene Gruppenzugehörigkeit. Marken und Shopping spielen eine wichtige Rolle, wenn es die eigenen finanziellen Möglichkeiten zulassen. Hedonisten und Ernährung Ein 18 Jahre alter Jugendlicher: „Ich esse, wie ich gerade Hunger habe. Ist jetzt nicht wirklich, dass ich jeden Tag Frühstück, Mittag und Abendessen hab. Sondern wenn ich einmal einen Tag wenig Hunger hab, ess ich nur Mittag und am nächsten Tag ess ich zweimal. Das ist immer unterschiedlich.“

©  FOTOLIA – PHOTOGRAPHEE.EU

vativ-bürgerlichen jungen Menschen zu sehen. Diese sind familien- und heimat­ orientiert mit einem bewusst konservativen Lebensstil. Sie streben nach Harmonie und Sicherheit, nach beruflicher und sozialer Etablierung. Sie planen die klassische Normalbiographie. Österreich, ihr lokales Umfeld und die Natur haben eine hohe Bedeutung für sie. Die Familie hat einen hohen Stellenwert. Freundschaften sollen stabil und beständig sein. Modetrends, Marken und Shopping spielen keine Rolle in ihrem Leben. Sie kaufen unter Berücksichtigung der Qualität ein, nicht nach Markenimage. Das spiegelt sich in folgender Aussage (weiblich, 26 Jahre) gut wider: „Ich koch auch immer saisonal. Wie der Spargel war, hab ich irrsinnig viele Rezepte ausprobiert und auch gemacht und eben im Sommer, wenn ich etwas backe, schau ich immer, welche Früchte gerade reif sind.“ Ernährung hat für Konservativ-Bürgerliche einen hohen Stellenwert, auch in sozialer Hinsicht. Gemeinsames Essen mit der Familie wird als äußerst wichtig erachtet. An gesunder Ernährung sind Konservativ-Bürgerliche nur durchschnittlich interessiert.

Bild 1: Konservativ-Bürgerliche

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©  FOTOLIA – RAWPIXEL.COM

wirtschaft economy

Bild 2: Hedonisten

Hedonisten praktizieren eine eher wenig gesundheitsbewusste Ernährung – gegessen wird meist, was schmeckt, kostengünstig und schnell verfügbar ist. Gesunde Ernährung ist jedoch interessant, wenn es ein starkes Interesse an Sport gibt, etwa im Zusammenhang mit Muskel­aufbau. „Naja, man fühlt sich halt gut, wenn man ins Fitnessstudio geht. Man denkt sich: So, oh ich hab jetzt Sport gemacht. Yeah! Jetzt kann ich wieder zum Mäci gehen,“ sagt eine 15 Jahre alte Jugendliche. Ernährung stellt oft ein Spezialinteresse dar, dem man sich verschrieben hat. Produktionsweise und Herkunft der Lebensmittel sind wenig interessant. Es besteht eine geringe Bereitschaft, für gesunde Lebensmittel mehr auszugeben. Aber es besteht auch eine gewisse Experimentierfreude, z. B. hat diese Gruppe die meiste Erfahrung mit essbaren Insekten oder auch mit vorübergehend veganer Ernährung – auch wenn das dann in sich wieder ein Widerspruch ist. Man teilt mit den Digitalen Individualisten die vielfältigste Nutzung unterschiedlicher Rauchwaren (Zigaretten, Shisha, Zigarren, E-Zigaretten, Pfeife). Der Lebensstil ist darauf ausgerichtet, Spaß zu haben und das Leben zu genießen. Restriktionen bei der Ernährung oder im Lebensstil würden diesem Prinzip zuwiderlaufen.

Besuchen wir schließlich auch noch die Digitalen Individualisten (Bild 3). Diese können wir als erfolgsorientierte Life­ style-Elite auf der Suche nach neuen Erfahrungen beschreiben. Digitale Individualisten sind immer auf der Suche nach spannenden Projekten, wollen sich weiterentwickeln und verstehen auch sich selbst als Projekt. Sinn und Ziel des Lebens ist die kreative Welterkundung. Man gestaltet souverän ein individuelles Wertepatchwork mit Pflicht, Leistung, Erfolg, Karriere, Selbstverwirklichung, intensivem Erleben und Hedonismus. Man grenzt sich ab von der bürgerlichen Etabliertheit und versteht sich selber als stilistische Elite. Man navigiert selbstverständlich in der digital erweiterten modernen Welt. Die hohe Geschwindigkeit des postmodernen Arbeits- und Gesellschaftslebens regt an und treibt an. Digitale Individualisten wollen sich vielfältig vernetzen, aber nirgendwo hängenbleiben. Es gibt nur wenige, enge Freunde, denen man vertraut und viele weniger enge Bekanntschaften, mit denen man eher oberflächliche Beziehungen pflegt. Das eigene Erscheinungsbild und Körperästhetik haben eine hohe Bedeutung. Marken sind eine wichtige Möglichkeit zur Selbststilisierung. Was Digitale Individualisten essen Digitale Individualisten zeigen zwar nur ein durchschnittliches Interesse an ge-

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sunder Ernährung, verfügen aber über ein relativ hohes Wissen. Gegessen wird häufig auswärts. Ernährungsfragen oder die Herkunft bzw. Produktionsweise der Nahrungsmittel stehen nicht im Fokus. Sie haben eine hohe Rate an fast täglichem Konsum von Fleischprodukten, legen dabei jedoch durchaus Wert auf die Qualität der Produkte. „Essen hat für mich einfach insgesamt einen wahnsinnig hohen Stellenwert, weil es für mich teilweise nichts Besseres gibt, als einfach was richtig Gutes zu essen. Das gönne ich mir dann einfach auch dezidiert einmal. Z. B. eine meiner Lieblingsspeisen ist einfach so ein richtig geiles Medium Rare Steak. Da geht nichts rüber. Das ist halt so eine superfeine Sache. Das muss man voll genießen.“ Die Aussage stammt von einem Mann, der 21 Jahre alt ist. Und sie zeigen eine gewisse Experimentierfreude: „Ich hab doch mal ein bisschen mehr gewogen und dachte mir, nein, ohne Zucker könnt ich nie. Und ich mag halt auch die Herausforderung, auch mich selbst wirklich unter Disziplin zu setzen. Dann hab ich mir gedacht, ich könnt es nie und deshalb mach ich’s. Und dann hab ich‘s eben ein Jahr lang gemacht.“ (weiblich, 24 Jahre) Es wird viel geraucht und durchschnittlich Alkohol konsumiert. Der Lebensstil ist von Spontanität und Experimentierfreude geprägt – dies gilt auch im Zu-


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©  FOTOLIA – SANNEBERG

wirtschaft economy

Bild 3: Digitale Individualisten

sammenhang mit Ernährung & Gesundheit. Will man diese drei Milieus ganz einfach vergleichen, dann kann man auch fragen, ob sie exotisches Essen mögen. Bei den Digitalen Individualisten lautet die Antwort meistens „Ja“. Bei den Konservativ-Bürgerlichen sagt die große Mehrheit „Nein“. Und bei den Hedonisten ist es mal so und mal so.

Hohes Körperbewusstsein Der Körper ist also für junge Menschen wichtig, auch wenn nicht alle gleichermaßen zufrieden sind mit ihrem eigenen Körper. Nicht wenige junge Menschen haben sich schon mit Diäten beschäftigt oder versucht, ihre Ernährung zugunsten eines gesünderen oder mehr ihren Idealen entsprechenden Körpers umzustellen. Teilweise zeigen die jungen Menschen ein großes Interes-

se und umfassendes Wissen zum Thema Ernährung und Lebensmittel. Es gibt aber auch junge Menschen, die weder nach der Herkunft ihrer Lebensmittel fragen noch in besonderer Weise auf gesundheitliche Aspekte achten. Von den drei untersuchten Lebenswelten junger Menschen sind die Konservativ-Bürgerlichen am ehesten zufrieden mit ihrem eigenen Körper. Sie achten zugleich stärker auf Qualität und Herkunft der Lebensmittel und ihre Gesundheit. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass hier ein Zusammenhang besteht. In den anderen beiden Gruppen ist der Umgang mit Ernährung spontaner und genussorientierter. Im Zusammenhang mit persönlicher Fitness, Sport und Schönheit wird die bewusste Auswahl der Lebensmittel und die gute Ernährung aber auch hier interessant. Insgesamt kann gesagt werden, dass mit dem Alter und der Bildung das Interesse am Thema „gesunde Ernährung“ ansteigt. Frauen interessieren sich mehr für „gesunde Ernährung“ als Männer. Anders ausgedrückt: Es ist wichtiger und zielführender, Jungs in der Grundschule oder im Sportverein den Wert guter Lebensmittel zu vermitteln, als einen veganen Kochkurs für Studentinnen an der Universität anzubieten. Auch wenn das ebenfalls sinnvoll sein kann. Es gibt übrigens auch kleine, aber erkennbare Unterschiede zwischen Wien, Tirol und Vorarlberg auf der einen Seite, Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten auf der anderen Seite. In den erstgenannten Bundesländern ist das Interesse an gesunder Ernährung ein wenig größer als in den anderen. Dafür

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kann ich aber keine Erklärung anbieten. Der eigene Körper ist für junge Menschen also ein wichtiges Thema. Aber es gibt natürlich noch viele andere Themen, die sie im Alltag beschäftigen. Konservativ-Bürgerliche wollen beispielsweise • ihre Lieben verwöhnen, • Kochen, Backen, Heimwerken, • Freunde einladen, Grillen und • für ihre Gesundheit sorgen. Hedonisten wollen • Spaß, Feiern und viel erleben, • sie besuchen Szene-Veranstaltungen und Konzerte, • Freunde und Familie sind ebenso wichtig wie • Mode und Lifestyle. Die Digitale Avantgarde ist stets auf der Suche nach • Abenteuer und Erlebnis, • sie strebt nach Selbstverwirklichung, • sie prägt Lifestyle-Trends und ebenso sind • Fun-Sport und Outdoor relevant. Aus allen diesen Themen ergeben sich weitere gute Anknüpfungspunkte für das Thema Ernährung und Lebensmittel. Essen und Trinken spielen überall dort eine Rolle, wo junge Menschen sich mit Freundinnen und Freunden treffen, feiern, Konzerte besuchen, gut aussehen und gut ankommen wollen, Sport treiben oder relaxen. Es ist daher sinnvoll und notwendig, das Thema Ernährung nicht abstrakt von der Seite der Herkunft der Lebensmittel, der Produktion oder gar der chemischen Zusammensetzung zu behandeln, sondern am Alltag der jungen Menschen anzudocken. Ganz sicher ist dabei die Schule – insbesondere im Hinblick auf Kinder und jüngere Jugendliche – ein hervorragender Ort für Bildung zum Thema Ernährung und Lebensmittel. Darüber hinaus können aber auch andere Orte genutzt werden, die jungen Menschen wichtig sind: • Sportvereine, • Fitnessstudios und Schwimmbäder, • Bars und Restaurants, • Kulturveranstaltungen, • Jugendzentren, • Kinos u.v.m. Und natürlich sind auch die Social-Media-Kanäle interessant: WhatsApp,

SnapChat, Instagram und – bei den ­Älteren – auch noch Facebook. Sonderfall Social Media Die sozialen Medien sind Eltern-freie Zonen, quasi nicht-pädagogische Welten. Die Jugendlichen wollen nicht von Erwachsenen mit Ernährungs-Tipps in ihrer Freizeit bedroht werden. Facebook ist sowieso für sie das soziale Netzwerk ihrer Eltern. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein junger Mensch mit einem Hersteller von Wurstwaren oder Teigprodukten auf SnapChat anfreundet, ist reichlich gering. Lohnenswert ist es hingegen, auf beliebten Kanälen der jungen Menschen mit sogenannten Influencern – Einflusspersonen – für das Thema Ernährung zu kooperieren. Bei den Konservativ-Bürgerlichen fällt uns das nicht schwer. Sie sind schon Fans von z. B. Cooking Catrin. Für die Hedonisten in Österreich haben wir ApoRed als Influencer identifiziert. Immerhin hatte er schon das Video „Den größten Burger der Welt essen!“ online. Eine gewisse Affinität zu Ernährungs-Themen liegt also vor. Und im Hintergrund auf der Speisekarte ist auch Salat zu sehen – mit extra Fleisch! Als Einflussperson der Digitalen Avantgarde ist Superwoman ein gutes Beispiel. Sie hat beispielsweise das Video „10 weird but yummy food combinations“ (10 komische, aber leckere Essens-Kombinationen) online. Getestet hat sie u. a. Pizza mit Honig, Vanille-Eis mit Soja-Sauce oder auch Hot Dogs mit Marmelade. Solche YouTube-Stars als Kooperationspartner zum Thema Ernährung zu gewinnen, wäre sehr interessant – wenn auch vermutlich nicht ganz kostengünstig. Die Mehrheit der jungen Menschen – wie wohl die Mehrheit aller Österreicherinnen und Österreicher – agiert bei Essen und Trinken eher spontan als geplant. Das meiste passiert – im wahrsten Sinne des Wortes – eher „aus dem Bauch heraus“, lust- und genuss-orientiert. Wie ich meine: Zum Glück! Bei jungen Menschen mit schmalem Budget ist die Quantität zum kleinen Preis oftmals wichtiger als die Qualität der Lebensmittel. Wollen wir junge Menschen für das Thema gute Ernährung und bewussten Lebensmittelkon-

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sum gewinnen, dürfen wir nicht nur an die Vernunft appellieren, sondern müssen die Gefühle, den Genuss, die Freude am Leben ansprechen. Wir sollten weniger den Kopf oder den Geldbeutel und mehr den Körper ansprechen. Weil Essen und Trinken in Geselligkeit immer dabei ist, weil junge Menschen das Zusammensein mit Freundinnen und Freunden lieben, sind Essen und Trinken immer ein wichtiges Thema im Alltag junger Menschen. Weil für die meisten jungen Menschen ihre Gesundheit und ihr Körper in Form von Wellness, Fitness und Schönheit bedeutsam sind, kann auch gute und gesunde Ernährung ein interessantes Thema für sie sein. Viele Orte können dazu beitragen, dass junge Menschen zu kompetenten Lebensmittelkonsumenten werden. Die Schule muss jedoch unbedingt für das notwendige Wissen und Bewusstsein den Grundstein legen. Peter Martin Thomas Diplompädagoge und Leiter der ­SINUS:akademie Heidelberg

DIE ÖSTERREICHISCHE SINUS-MILIEU®-­ JUGENDSTUDIE: Zielgruppe: 14–29 Jahre Qualitative Phase: 47 persönliche Tiefen­ interviews 1.028 Online-Interviews Die gesamte Studie ist bei INTEGRAL Marktforschung und T-FACTORY Trendagentur erhältlich. Kontakt: office@integral.co.at, trend@tfactory.com


27 firmenbericht company report

DIE BEDEUTUNG DES HUMANEN MIKROBIOMS FÜR DAS METABOLISCHE SYNDROM

D

as Projekt PATH­ WAY-27 widmet sich der Untersuchung von bioaktiven Stoffen und deren Gesundheitswirkung. Unter bioaktiven Stoffen sind Bestandteile von Lebensmitteln zu verstehen, denen gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Dazu zählen beispielsweise der Ballaststoff Beta-Glucan, der Farbstoff Anthocyanin und die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure. Ziel des Konsortiums von PATH­ WAY-27 ist es, mithilfe molekluarbiologischer Methoden und sogenannter ­„omics“-Techniken den Stoffwechselweg dieser bioaktiven Stoffe aufzuklären, ihre ­Gesundheitswirkung zu erforschen und in Interventions­ studien nachzuweisen. Ein zentrales Thema der Forschung im Rahmen von PATH­ WAY-27 ist der Kampf gegen das metabolische Syndrom. Diese Krankheit betrifft ge-

©  BEIGESTELLT, LVA

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schätzte 25% der Weltbevölkerung und gilt somit als weltweite Epidemie. Unter dem Begriff „metabolisches Syndrom“ wird eine ganze Reihe von Symptomen zusammengefasst. Dazu zählen Diabetes, Übergewicht, Blut­ hochdruck und hohe Cholesterinwerte im Blut. An der Universität Bologna betreibt eine spezialisierte Expertengruppe Forschung auf dem Gebiet des menschlichen Mikrobioms, das ist die Gesamtheit der mikroskopischen Lebensformen in und auf dem menschlichen Körper. Die DiSTAL Mikrobiologie-Fachgruppe untersucht die Zusammensetzung der Darmflora und deren Stoffwechselaktivitäten. Der Einfluss dieser mikrobiel-

len Faktoren auf die Ausbildung des metabolischen Syndroms soll erforscht und beschrieben werden. Es gehört zu den wissenschaftlich anerkannten Fakten, dass Veränderungen der Darmflora eine zentrale Rolle in der Krankheitsentwicklung bei Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Hypercholesterinämie spielen. Die Mechanismen, die diesen Auswirkungen zugrunde liegen, sind höchst komplex und werden z.B. von Toxinen ausgelöst, die ihrerseits zu entzündlichen Vorgängen führen. Diese chronische Entzündung bewirkt die Entwicklung von Insulinresistenz und kann zu Diabetes führen. Chronisch entzündliche Prozesse bilden

auch die Basis für biochemische Reaktionen, die Übergewicht und Bluthochdruck nach sich ziehen. Die Erkenntnisse der Forscher rund um Andrea Gianotti und Lorenzo Nissen von der Universität Bologna fließen in die projektbezogene Produktentwicklung gesundheitsfördernder Lebensmittel für PATHWAY-27 ein und begleiten die Ernährungsstudie mit Probanden aus mehreren europäischen Ländern. Dabei wird praktische Erfahrung für das Design, den Aufbau und die Auswertung von Studien gesammelt und dokumentiert, die für zukünftige Health-­ClaimsForschungen wegweisend sein wird. Weiterführende Informationen bietet die Projektwebsite auf http://www.pathway27.eu/

DIE LVA-SEMINARE GEHEN IN DIE SOMMERFRISCHE

as Aus- und Weiterbildungsprogramm der LVA rund um das Thema Lebensmittelqualität und -sicherheit ist Themenführer in Österreich. Ziel der LVA-Seminare ist die kompakte und praxisnahe Vermittlung von Wissen durch externe Experten aus einer breiten Palette von Fachbereichen. Der Erfolg der Weiterbildungslinie soll nun in den späten Sommer hinein verlängert werden. Das Jahr 2017 erlebt die Premiere der ersten „Lebensmittelrecht Summer School“ in Öster-

reich, die die LVA gemeinsam mit der sraAcademy und dem Fachverband der Lebensmittel­ industrie veranstaltet. Lebensmittelrecht ist ein komplexes Thema. Zahlreiche Vorschriften sind einzubeziehen, um die rechtliche Compliance für Produkte und Verpack­ ungen, Handel und Logistik sicherzustellen. In der Summer School befassen sich die Teilnehmer unter der Anleitung ausgewiesener Experten eingehend mit aktueller Lebensmittelrechtsprechung und horizontalen Themen, wie freiwilliger Kennzeichnung, Food Fraud oder Novel Food.

Für einen praxisorientierten Zugang zum Lebensmittelrecht sorgt der „Moot Court“, ein fiktives Gericht, in dem von den Teilnehmern ein realer oder fiktiver Fall verhandelt wird. Diese Fallbeispiele erleichtern das Verständnis und bieten Unterstützung für die individuellen Fragen in der eigenen betrieblichen Praxis. Die Summer School erlaubt es, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und sich mit den neuesten Entwicklungen im Lebensmittelrecht in der wunderschönen Umgebung des Wolfgangsees vertraut zu machen.

Tipp —

Seien Sie bei der Premiere dabei! LVA – sraAcademy Summer School 13.–15. September 2017 Plätze für diese sommerfrische Premiere sind noch unter http:// www.lva.at/summer-school-2017.html erhältlich.

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28 technik technology

GIFTIG ODER ­ NBEDENKLICH? U In-Vitro-Bioassays eröffnen neue Möglichkeiten der Risikobewertung IMMER WIEDER WIRD DISKUTIERT, OB SUBSTANZEN, DIE VOM VERPACKUNGS­ MATERIAL IN DIE WARE MIGRIEREN KÖNNEN, GESUNDHEITSSCHÄDLICH SIND. UM SICH DIESER FRAGE ANZUNEHMEN, MUSS ZUNÄCHST GEKLÄRT WERDEN, UM WELCHE SUBSTANZEN ES SICH DABEI HANDELT. WELCHE ANALYSEMETHODEN HIER ANTWORTEN LIEFERN KÖNNEN, UND WO SIE AN IHRE GRENZEN STOSSEN, WEISS MAN AM OFI.

S

teigende Ansprüche Der traditionelle Fokus bei der Risiko­ bewertung von Kunststoffen lag immer auf den für die Herstellung der Kunststoffe eingesetzten Ausgangsmaterialien: Monomere, Additive, Farbstoffe, Polymerisationshilfsstoffe etc. Zumindest in der Theorie wusste man daher, wonach man suchen sollte. Eine gezielte chemische Analytik auf bekannte Aus-

CHRISTIAN KIRCHNAWY

gangsprodukte von Lebensmittelverpackungen stellt dementsprechend heute keine besonders große analytische Herausforderung mehr dar. Anders ist das bei der Risikobewertung unbeabsichtigt eingebrachter Substanzen, so genannter NIAS (non-intenionally added substances). Strengere gesetzliche Vorgaben Spätestens seit Jänner 2016 muss für

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 41 | 03/04 2017

Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff gemäß der europäischen Verordnung (EU) 10/2011 neben der Sicherheit von bewusst eingesetzten Substanzen auch die toxikologische Unbedenklichkeit von unbeabsichtigt eingebrachten Substanzen (NIAS) garantiert werden. Es gibt aber noch keine analytischen Methoden, mit denen diese neuen Vorgaben auch tatsächlich umgesetzt werden können.


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©  FOTOLIA – SERGEY RYZHOV

technik technology

„Wissenschaft und Industrie arbeiten bereits fieberhaft an der Erarbeitung neuer Konzepte für die Risikobewertung von NIAS. Am OFI sehen wir vielversprechende Möglichkeiten in In-Vitro-Bioassays“, erklärt Dr. Johannes Mertl. Spezialisiert auf die Detektion hormonell wirksamer Substanzen, setzt sich der junge Wissenschaftler bereits seit sieben Jahren intensiv mit In-Vitro-Bioassays auseinander. „An-

fangs waren wir noch ziemliche Exoten in der Verpackungs-Branche. Doch spätestens seit bekannt ist, dass große Lebensmittelkonzerne bei der Risikobewertung von Verpackungen mit Bioassays arbeiten, ist das Interesse enorm“, so Mertl. Fehlende Daten Wie soll man die Sicherheit einer detektierten Substanz bewerten, wenn man gar nicht weiß,

Kanalabscheider

um welche Substanz es sich dabei handelt? Vor diesem Dilemma stehen Verpackungshersteller im Rahmen von NIAS-Analysen sehr häufig. Vielfach werden mehr als 50 Substanzen über 10  µg/L in einem Migrat einer Verpackung detektiert. Im Rahmen von NIAS-Analysen stößt man dabei fast immer auch auf Substanzen, die man nicht identifizieren kann. Wenn man aber nicht einmal weiß, um was für

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30 technik technology

person

Zur Person —

©  CREATIVE PRESS PICTURES

DI Dr. Christian Kirchnawy ist Projektleiter im Bereich Mikrobiologie & Zellkultur am OFI. Als Experte für die Erfassung endokriner Disruptoren ist er international gefragt und bringt sein Know-how bei der Prüfung, Entwicklung und Optimierung von Lebensmittelverpackungen ein.

©  FOTOLIA – CALEB FOSTER

Internettipp — www.ofi.at

Factbox In-Vitro-­ Bioassays In-Vitro-Bioassays sind ANALYSEMETHODEN anhand derer, z.B. mithilfe von Zellkulturen oder Bakterien, die biologische Wirkung einer Probe untersucht werden kann. Statt einzelner Substanzen können dabei ganze Substanzgruppen mit einer ähnlichen biologischen Wirkung erfasst werden.

eine Substanz es sich handelt, ist eine toxikologische Evaluierung schlichtweg nicht möglich. Die gesetzliche Forderung, das Risiko durch NIAS zu evaluieren, kann daher derzeit in der Regel nicht zufriedenstellend umgesetzt werden. Die Dosis macht das Gift Generell ist die Identifizierung aller detektierten Substanzen nicht nur extrem kostenintensiv, sondern auch technisch gar nicht möglich. Es gibt eine Unzahl von NIAS, und nicht alle gebildeten Abbauprodukte, Polymerisationsnebenprodukte etc. können bisher eindeutig identifiziert werden. Der überwiegende Teil dieser Substanzen geht nämlich nur in sehr geringen Konzentrationen in das Lebensmittel über. Auch die meisten toxischen Substanzen stellen in diesen geringen Konzentrationen aus heutiger Sicht keinerlei Gesundheitsrisiko dar.

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Vergessen werden darf nicht, dass es Substanzen gibt, die bereits in geringsten Mengen gesundheitsschädlich sind. „Unser Ansatz ist daher auszuschließen, dass solche hochkritischen Substanzgruppen in das Lebensmittel übergehen. In-Vitro-Bioassays können dabei sehr hilfreich sein, weil man damit nicht nur einzelne Substanzen, sondern eine biologische Wirkung detektieren kann“, erklärt Dr. Michael Washüttl, Abteilungsleiter Verpackung & Lebensmittel am OFI. „An innovativen Lösungen orientiert, arbeiten wir als ACR-Mitglied sowohl mit anderen Forschungsinstituten als auch mit der Industrie eng zusammen, um Lösungen zu generieren, die zur Verbesserung der Lebensqualität des Einzelnen beitragen.“ Dr. Christian Kirchnawy Teamleitung Mikrobiologie & Zellkultur


31 firmenbericht company report

CRYOGEN -RAPID ®

Sorgt für Frische und Saftigkeit BEI DER VON MESSER AUSTRIA ENTWICKELTEN CRYOGEN®-RAPID-METHODE KOMMT FLÜSSIGER STICKSTOFF ODER FLÜSSIGES KOHLENDIOXID ZUM EINSATZ. DADURCH BLEIBEN NÄHRWERT, KONSISTENZ UND GESCHMACK DER LEBENS­ MITTEL ZUR GÄNZE ERHALTEN.

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ittlerweile hat sich das Frosten als die effektivste und nachhaltigste Methode zur Konservierung von Lebensmitteln etabliert. Doch Frosten ist nicht gleich Frosten. „Denn schließlich sollen die Produkte optisch ansprechend, mit einer möglichst langen Haltbarkeit, und ohne jeglichen Qualitätsverlust in die Regale des Lebensmittelhandels bzw. auf die Tische der Endverbraucher kommen“, erläutert Angelika Grininger, Technischer Vertrieb Lebensmittel von Messer Austria. „Nur wer die zurecht immer kritischeren Konsumenten mit einwandfreier Tiefkühlware überzeugen kann, wird am Markt bestehen können“, ist sie überzeugt. Eine Herausforderung, für die Messer Austria ein spezielles Gefrierverfahren entwickelt hat: Das Cryogen®-Rapid-System. Die vermeintlich einfache Formel heißt: schnelle Kälte.

ditionsunternehmen Messer Austria hat sich auch in diesem Segment als der Innovationsführer Österreichs einen Namen gemacht, indem es laufend an neuen Verfahren und Methoden zur Haltbarmachung von Lebensmitteln arbeitet. „Mit unserem jahrzehntelangen Know-how beim Frosten von Lebensmitteln helfen wir unseren Kunden dabei, noch erfolgreicher zu werden“, erläutert Angelika Grininger einen zentralen Anspruch ihres Unternehmens. Beim Cryogen®-Rapid-Verfahren wird die hohe Kälteenergie von flüssigem Stickstoff (LIN) und flüssigem Kohlendioxid (LCO2) genutzt, um eine hohe Gefriergeschwindigkeit von über 5 cm/h zu erreichen und so die Zellstruktur der Lebensmittel zu erhalten. Außerdem kommt das Gefriergut bei diesem Verfahren direkt in Kontakt mit unseren kryogenen Gasen. „Dadurch können

wir Tropfverluste, die beim Einsatz von konventionellen Anlagen bis zu 5% ausmachen, auf unter 1% reduzieren“, beschreibt Angelika Grininger einen wesentlichen Vorteil der Methode. Austrocknungs- und Gewichtsverluste während des Frostvorgangs gehören somit der Vergangenheit an und die Produkte sind auch nach dem Auftauen so saftig wie davor. „Auch der Wartungs- und Reparaturaufwand dieser Geräte ist sehr gering“, fügt Angelika Grininger hinzu. Das Cryogen®-Rapid-Verfahren ist darüber hinaus sofort betriebsbereit und sehr einfach zu bedienen. Außerdem benötigt es wenig Platz, da beispielsweise die Tanks im Freien stehen. Messer Austria GmbH, Tel.: +43 (0)50603 0 Fax +43 (0)50603-273 info.at@messergroup.com

Die Vorteile des Cryogen ® Rapid-Verfahrens Das heimische Tra-

www.messer.at

©  MESSER AUSTRIA GMBH

Internettipp —

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32 technik technology

VON DER ­W ISSENSCHAFT IN DIE PRAXIS 3. Symposium für Lebensmittelsicherheit in Graz DIE HÄUFIGSTE FRAGE LAUTET: AN WELCHEN SCHRAUBEN MUSS MAN DREHEN, UM LEBENSMITTEL­SICHERHEIT ZU GEWÄHRLEISTEN? DABEI KANN IM DSCHUNGEL DER RICHTLINIEN, VERORDNUNGEN, LEITLINIEN UND EMPFEHLUNGEN SELBST EINEM GESTANDENEN PROFI SCHON EINMAL SCHWINDLIG WERDEN.

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undierte Antworten lieferte das 3. Symposium für Lebensmittel­s icherheit in Graz, veranstaltet von Hygienicum und GLi GmbH. Unter dem Titel „Von der Wissenschaft in die Praxis“ stand vor allem die praxisnahe Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und anerkannter Methoden zu Food Safety im Mittelpunkt. Illustre Gäste, praxisnahe Vorträge und spannende Diskussionen sorgten erneut

WOLFGANG OBERMAYR

für sehr gutes Teilnehmer-Feedback der bis zum letzten Platz ausgebuchten Tagung. Stephan Tromp, seines Zeichens Managing Director des IFS (International Featured Standards), machte den Anfang und sprach über die mit Spannung erwartete IFS-Version 7. Das in Verbindung mit HACCP und GMP möglicherweise oft zu wenig beachtete Thema „Prerequisite Programs“ wurde von Dr. Michael Stelzl (Institutsleiter

Hygienicum) beleuchtet. Das Thema Hygienic Design und seine möglichen Auswirkungen stellte DI Dr. Marija Zunabovic-Pichler von der Universität für Bodenkultur plastisch dar. Das „an den Schrauben Drehen“ aus der Eingangsfrage kann dabei teilweise wörtlich genommen werden. Speziell im GLi-Branchenprojekt „Verhinderung von Rekontamination mittels Prozessund Anlagendesign bei der Herstellung von Fleischwaren“ setzt sich die

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ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 41 | 03/04 2017


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Wissen­schaftlerin seit Jahren mit diesem Thema auseinander. Durch die vielen Praxisbeispiele konnten sich die Anwesenden einen sehr guten Überblick über dieses Thema verschaffen. Anschließend konnte die Campylobacter-Expertin Dr. Monika Matt (AGES) in ihrem Vortrag diesen pathogenen Keim umfassend darstellen. Von der Erregerbiologie bis hin zur Frage, warum vor allem Geflügelfleisch im Fokus stehen soll, waren ihre Ausführungen ausgesprochen informativ. Neu waren diesmal Workshops zu den Themen HACCP, Probenahme und Lebensmittelverpackungen. Die Teilnehmer konnten selbst ihre Erfahrungen und ihr umfangreiches Wissen einbringen. So entstanden im Austausch und beim gemeinsamen Erarbeiten von Erkenntnissen abseits der üblichen Frontalvorträge spannende Ergebnisse. Der Praxisbezug war immer gegeben und ein Teil des Erfolges der Workshops. Der erste Tag wurde beim Abendessen mit einem kurzen, aber umso lustigeren Auftritt der „Lebensmittel Combo“ beendet. Moderator und

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technik technology

Stephan Tromp

Marija Zunabovic-Pichler

Mitveranstalter Dr. Michael Stelzl bewies seine Saxophon-Künste und der Fleischhauer/Jazz-Sänger Hans Moser bei einem stimmgewaltigen Gastauftritt, dass Kunst und Handwerk zusammengehören. Der zweite Tag begann mit der Zusammenführung der Ergebnisse der

Workshops vom Vortag. Dem Thema Listerien widmete sich Prof. Dr. Martin Wagner von der Veterinärmedizinischen Universität. Über „Food Fraud“ oder die Verfälschung von Lebensmitteln mit allen möglichen Aspekten der Analytik und Auswirkungen berichtete Prof. Erich Leitner von der TU Graz.

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Gottfried Schafzahl, Kurt Klein, Wolfgang Leger-Hillebrand, Oskar Wawschinek, Alfred Czech

moderierte die anschließende Podiumsund Publikumsdiskussion. Dabei trafen Vertreter verschiedener Sichtweisen bezüglich der Gefährdungspotenziale im Rahmen von Food Defense aufeinander. Mag. Gottfried Schafzahl konnte auf seine Beratungserfahrungen zurückgreifen und den Teilnehmern viele Aspekte der Führung und Unternehmenskultur nahebringen. Der Spezialist für Arbeitsrecht,

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Neue Konzepte zur Risikobewertung von Lebensmittelverpackungen stellte anschließend Dr. Christian Kirchnawy von OFI Technologie und Innovation GmbH vor. Dann ging es auch schon in den Endspurt mit der Frage nach Sinn oder Unsinn bzw. „Sense or Nonsense“ von Food Defense. DI Oskar Wawschinek von Food Business Consult führte gewohnt pointiert ins Thema ein und

Michael Stelzl, Martin Messner, Johannes Bergmair, August Staudinger

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Rechtsanwalt Dr. Kurt Klein, zeigte die Grenzen auf, die geltendes Recht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zieht. DI Wolfgang Leger-Hillebrand von Quality Austria gab einen Einblick in die Sichtweise von Auditoren und Zertifizierungsstellen. Alfred Czech von Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH, der sich auch mit den Themen Werksspionage und professionelles Sicherheitsmanagement auseinandersetzte, führten eine durchaus zum Teil kontroverse und angeregte Diskussion. Als Fazit von zwei spannenden Tagen mit Expertenvorträgen, Diskussionen und Aha-Momenten bleibt die Gewissheit, dass Lebensmittelsicherheit in Österreich möglich ist, solange sich Wissenschaft und Wirtschaft – so wie am 3. Symposium für Lebensmittelsicherheit – auf Augenhöhe begegnen und austauschen können. Oder wie der bekennende Feinschmecker und britische Premier-Minister Winston Churchill zu sagen pflegte: „Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.“ Wolfgang Obermayr GLi GmbH, Linz


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TERMINE __

11.–15.09.2017

12.09.17

MÜNCHEN

WIEN

Drinktec – Weltleit­ messe der Getränke- und ­Liquid-Food-Industrie

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www.drinktec.com

www.lva.at

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27.09.17

07.10.–11.10.17

15.11.–16.11.2017

WIEN

KÖLN

MALMÖ

f.eh-Symposium: Essen ­lernen – aber wie? Ernährungs­ bildung der Zukunft office@forum-ernaehrung.at

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ANUGA – Weltfachmesse der Ernährungsindustrie www.anuga.de

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Nordic Organic Food Fair Lebensmittelmesse für Bio-Lebensmittel im ­nordischen Raum www.nordicorganicexpo.com

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7. f.eh-Symposium

EssEn – n E n lEr ABER WiE? iStock/demachi

g n u d il b S g n u r H ä n Er der Zukunft 27. September 2017 n ie W , rk a tp d ta S m A , n to il H

DIE ERNÄHRUNG VOLUME 41 | 03/04 2017  
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