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AUSGABE 01/2014

Brรถckelnde Altersvorsorge Positionierungen in einer Debatte X.DAYS | CLOUD UND SICHERHEIT | STRATEGIEN GEGEN STRESS

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DEBATTE ZUR QUOTE


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Besuchen Sie uns: Vorsorgeforum 1. April 2014 Hotel Victoria-Jungfrau, Interlaken Die Fachmesse 2. S辰ule, 7./8. Mai 2014 Kongresshaus Z端rich www.pk-messe.ch

Noventus PensionPartner AG Neum端nsterallee 6 8032 Z端rich Tel: +41 43 499 3636 Fax: +41 43 499 3645 E-Mail: info@noventus.ch www.noventus.ch


Liebe Leserin, Lieber Leser

K

ennen Sie die Anzahl der Pensionskassen in der Schweiz? Die Zahl beträgt noch über 1 800. Sie sind das Rückgrat der Schweizer Altersvorsorge und füllen das Säulenmodell mit Leben. International gesehen steht die Schweiz vergleichsweise gut da. Allerdings gibt es Gründe, die für Reformen sprechen. Die Tatsache, dass europäische Gesellschaften eher älter als jünger werden, ist nur ein Grund.

ware- und IT-Dienstleistungsbranche inzwischen ein Schlüsselbereich für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft darstellt und sie ein wesentlicher Baustein im Rahmen der Wissensgesellschaft geworden ist. Auch in dieser Ausgabe publizieren wir wieder einen Sicherheitsschwerpunkt, in dem diese Bedeutung aus dem spezifischen Blickwinkel der Sicherheit aufgeschlüsselt wird.

Daher stehen verschiedene Handlungsoptionen in der Debatte. Wir haben die Situation zum Anlass genommen und präsentieren auf den folgenden Seiten einen Schwerpunkt, der zwei konträre Positionen ausführlich zu Wort kommen lässt. Es handelt sich um einen PK-Experten von der Kammer der Pensionskassenexperten und um eine Fachfrau des Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SBG). Daran schliessen sich konkrete Handlungsoptionen an, wie Sie praktisch erkennen können, zu welcher Pensionskasse Sie passen.

Am 19. und 20. März 2014 feiern die X.DAYS ein rundes Jubiläum. Zum 10. Mal öffnet die ungewöhnliche Business- und Networking-Plattform in Interlaken ihre Türen. Neuigkeiten und Trends aus der ICT-Welt stehen auf der Agenda. Renommierte Unternehmer, Wissenschaftler und Experten diskutieren unter dem Motto «Zwischen Welten und Wolken» über die «fast» unbegrenzten Möglichkeiten, die Cloud- und Mobile-Computing bieten. In der vorliegenden Ausgabe haben wir einen extra Schwerpunkt zu den X.DAYS zusammengestellt. So können Sie sich fundiert auf zwei spannende Tage vorbereiten.

Die IT Branche der Schweiz erlebt seit Jahren einen nachhaltigen Aufschwung. Das ist aber kaum bekannt. Dies ist erstaunlich, da die Soft-

Wir sind wieder Hauptmedienpartner und freuen uns, Sie im Casino in Interlaken zu sehen.

Georg Lutz

Chefredaktor kmu RUNDSCHAU lutz @ rundschaumedien.ch www.kmurundschau.ch

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Inhaltsverzeichnis

Pensionskassen auf dem Prüfstand

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Das Schweizerische Drei-Säulen-System ist im internationalen Vergleich ein Erfolgsmodell. Aber es gibt, schon wegen der Alterung der Gesellschaft, Druck in Richtung Reformen. Nur – in welche Richtung sollen diese gehen? Zudem präsentieren wir in unserem Schwerpunkt strategische Hinweise, damit die Verantwortlichen die richtige Pensionskassenlösung finden.

22 Stress lass nach Unter Stress verstehen Experten psychische und körperliche Reaktionen auf äussere und innere Reize sowie Belastungen, die als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd bewertet werden. Im Geschäftsalltag ist Stress leider ein ständiger Begleiter. Neben einem Überblick gibt es einen weiteren Betrag, der Tipps zur Linderung der Problemlagen gibt.

38 Debatte um die Quote Das Thema Frauen in den oberen Etagen in Unternehmenswelten ist ein heftig diskutiertes Thema. Es herrscht nur Einigkeit darin, dass hier noch viel Luft nach oben besteht. Wir lassen unterschiedliche Frauenstimmen zu Wort kommen.

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54 X.DAYS im Fokus «Zwischen Welten und Wolken» heisst das Motto der X.DAYS 2014. Seit 10 Jahren ist die Teilnahme an den X.DAYS bei immer mehr ICT- und Businessverantwortlichen ein fester Bestandteil ihrer Jahresplanung. Das Motto greift unseren ständigen Wechseln zwischen digitalen Arbeits-, Konsum- und Alltagswelten auf, deren Grenzen zunehmend verwischen.

Meine Daten gehören mir Die Bedrohungslage hat sich in den letzten Monaten auch für Unternehmen erweitert. Es geht nicht mehr nur um den klassischen Hacker, die Mafia- Netzwerke oder unliebsame Konkurrenten, sondern auch um masslose Geheimdienste und sammelwütige Internetkonzerne. Letztere haben das Vertrauen in digitale Welten erschüttert. Einige europäische Anbieter versuchen nun, ihren Kunden die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben.

76 Wir sind vor Ort Unter anderem sind wir in den nächsten Monaten an folgenden Messen, Events und Veranstaltungen vor Ort. Gerne können Sie im Vorfeld mit uns Termine vereinbaren. Auf Wunsch schauen wir in Ihrem Unternehmen auch persönlich vorbei.

Rubriken Editorial01 Kommentar  06 Das Highlight  08 Finanzen & mehr 18 Menschen in Unternehmen  22 Lebenslanges Lernen  50 X.DAYS54 Effiziente Bürolösungen 76 Unternehmen Unterwegs 94 MarCom97 Global & Lokal 100 Impressum  104

X.DAYS,www.xdays.ch / top soft,www.topsoft.ch / ONE 2014,www.one-schweiz.ch / Personal Swiss, www.personal-swiss.ch. / Schweizerischer Marketing-Tag / www.marketingtag.ch / SKO Leader Circle, www.sko.ch / Switzerland Global Enterprise, www.s-ge.com/schweiz/awf/de (Aussenwirtschaftsforum),

Im Web Wir halten Sie zwischen den Ausgaben mit aktuellen News, Fotostrecken, Kolumnen und Analysebeiträgen auf dem Laufenden. Sie sind gerne eingeladen, sich crossmedial zu beteiligen. Zum Beispiel mit News: 1 000 Zeichen, Bild und URL. Besuchen Sie www.kmurundschau.ch

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Kommentar

Big Data - das Potential zum totalen Unsinn von Marcel Blattner

Big Data ist in aller Munde. IT und Wirtschaftskonferenzen sind überfüllt mit allerlei Vorträgen und Experten-Diskussionen rund um den Hype Big Data. Warum? Big Data verspricht nichts Geringeres, als das Extrahieren von strategisch verwertbaren Informationen aus einem riesigen Meer von Daten. Und das geht so: Man sammelt wie wild eine grosse Menge an Daten aus möglichst unterschiedlichen Quellen (zum Beispiel Social Media Kanälen oder Interaktionsdaten der eigenen Webseite). Diese Daten werden dann auf einer geeigneten Plattform (zum Beispiel Hadoop) gespeichert und später, oder nach Bedarf in Echtzeit, analysiert. Aus den Analysen erhofft man sich neue, interessante Zusammenhänge. Im besten Fall sollen diese Erkenntnisse zu neuen Geschäftsfeldern führen und neue Innovations-Prozesse anstossen.

damit die Sammelwut von Bits und Bytes legitimieren. Dieser Irrsinn ist darin begründet, dass der Unterschied zwischen Daten, Information und Wissen oft ignoriert und nicht verstanden wird. «Mehr Daten» ist nicht mit «mehr Information» gleichzusetzen. Kleinere Datenmengen können durchaus ein grosses Reservoir an Informationen bergen. Entscheidend ist die Datenqualität. Der offensichtlichste Fehler bei der Herangehensweise der meisten Big Data Projekte ist aber der Folgende: man diskutiert zu schnell und ausschliesslich über die Technologie. Darin ist das Potential zum totalen Unsinn begründet: Es verleitet Unternehmer zum Irrglauben, dass die Technologie Innovationen und neue Erkenntnisse auf dem Silbertablett servieren wird.

Gegen dieses ritterliche Ziel ist zunächst nichts einzuwenden. Hört man aber vielen 'Experten' genauer zu, verdunkelt sich der goldene Datenhimmel rasch. Die ganzen Diskussionen werden meistens auf einer technischen Schiene geführt. Wie kann man möglichst viele Daten effizient sammeln, analysieren und speichern? Welche Technologie hat welche Vor- bzw. Nachteile? Der offene, interessierte und potentielle Anwender dieser Technologien bleibt aber mit einem unsicheren Gefühl zurück und sagt sich dann schon mal: das ist zu technisch, zu kompliziert und erfordert enorme Ressourcen. Vor allem KMU-Verantwortliche schrecken schnell zurück, da sie Kosten in Form von Infrastruktur und benötigtem Personal auf sich zukommen sehen.

Big Data Projekte sollten wie jede andere Investition oder Neuentwicklung verstanden werden: Auch dort steht immer an erster Stelle eine wohldefinierte und gezielte Frage nach Ziel und Nutzen. Für ein Big Data Projekt bedeutet dies, dass zuerst eine für das Business strategisch relevante Frage formuliert werden muss. Dem folgt die Überlegung, welche Daten man braucht und welche Daten grundsätzlich die Fähigkeit haben, die Frage zu beantworten. Erst dann kommt die Technologie ins Spiel. Der Treiber zum Erfolg ist also die für das Business relevante Frage und nicht die Technologie, mit welcher man diese Frage beantworten will.

Das ist sehr bedauerlich, denn die in den letzten Jahren innerhalb der Big Data Community entwickelten Methoden zur effizienten Datenanalyse haben wirklich Potential. Man muss es aber richtig anpacken. Ansonsten läuft man Gefahr im Niemandsland der unsinnigen Korrelationen zu landen.

Big Data ist ein Hype und jeder möchte sich etwas vom Kuchen abschneiden. Inzwischen gibt es auch genug Scharlatane im Markt, die einem das Blaue vom Himmel damit versprechen. Auf der anderen Seite hat Big Data aber ein echtes und durchaus sinnvolles Potential, auch für KMU.

Zuerst einmal gilt es zu bemerken, dass Big Data nicht nur für grosse Unternehmen mit riesigen Infrastrukturen Sinn macht. Leider herrscht zuweilen immer noch die Meinung, dass mehr Daten zu mehr Erkenntnis führen und

Lässt man die Technologie erst einmal aus dem Spiel und konzentriert sich auf die richtigen Fragen, die man den Daten stellen möchte, lässt sich der Datenschatz auch heben.

Dr. Marcel Blattner ist Leiter des Laboratory for Web Science (LWS) der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS)

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Kommentar

Erhöhung der Wertschöpfung von Sascha Meier

Der Wandel ist klar vorgezeichnet: Weg von der traditionellen Rolle der IT-Abteilung als Kostenfaktor, hin zum geschäftsorientierten, vertrauenswürdigen Service-Provider, der bedarfsgerecht und flexibel mittels modernster Applikationen genau die Leistungen erbringt, die das Unternehmen braucht. Nur so können Nutzern Daten mittels Smartphones und Tablets überall und jederzeit zur Verfügung gestellt werden. Dazu braucht es neue Konzepte und eine neue Softwarearchitektur. Unternehmen mit effektiven CLOUD- und BIG DATA-Lösungen können dann die neuen Potenziale nutzen.

Die SDDC Architektur ermöglicht Unternehmen den effizient, dynamischen und transparenten Betrieb der Infrastruktur und bildet als Infrastructure-as-a-Service die Grundlage der modernen Unternehmens-Cloud.

Ein Beispiel ist das Software Defined Data Center (SDDC). Sie ist die gemeinsame Architektur von EMC und VMware für das Rechenzentrum der Zukunft. Ein Software Defined Data Center (SDDC) nutzt virtualisierte IT-Ressourcen, um die vorhandene Infrastruktur durch Abstraktion, Pooling und Automatisierung zu einer Serviceplattform mit bisher unerreichter Flexibilität und Agilität zusammenzuschweissen. Die Orchestrierung der verschiedenen Services wird durch intelligente Software automatisiert, und zwar in sämtlichen Bereichen des Data Centers: Server, Storage, Netzwerk und Security. Essentiell für diesen Ansatz ist eine Bereitstellung der Intelligenz in Software und eine komplette horizontale Abstrahierung der Funktionalität von der Hardware-Infrastruktur. In einem SDDC ist die Multi-Cloud-Automation Software für die gesamte Steuerung und Automation zuständig und je nach Bedarf werden die passenden Befehle über offene Schnittstelle (API) an die einzelnen Plattformen für Computer, Netzwerk und Storage gesendet. Mit anderen Worten: Die Steuerung des Data Centers erfolgt plattformübergreifend durch Software und ist von der eigentlichen Hardware komplett abstrahiert. Die Kontroll- und die Datenebene sind völlig getrennt.

Die gesteigerte Effizienz in Form von gesenkten operativen Kosten ermöglicht es den Unternehmen, die spezifischen und individuellen Geschäftsstrategien durch neuste und intelligente Technologien aktiv zu unterstützen.

Eine Cloud Lösung versetzt die Unternehmen in die Lage IT Ressourcen dynamisch mittels einem Self-Service-Portal zu beziehen. Die Bereitstellungszeiten sinken von Wochen oder gar Monaten zu wenigen Stunden und die Kosten können verursachergerecht verrechnet werden.

Dies kann durch eine effiziente Applikationsentwicklung mit massiv verkürzten Go-To-Market Zeiten erreicht werden. Mittels einem effizienten Entwicklungsframework in Kombination mit einer Plattform-as-a-Service Lösung können neue, auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmte Apps schneller entwickelt werden und komplett infrastrukturunabhängig und dadurch kostenoptimiert in einer Public- oder der Unternehmens Cloud bereitgestellt werden. Neue Data Analytics Lösungen welche unter dem Begriff Big-Data und FastData zusammengefasst werden können, versetzen Unternehmen in die Lage innovative und dynamische Business Modelle umzusetzen. Die intelligente Nutzung sämtlicher Unternehmensdaten in Kombination mit neu gewonnen Informationen von Analytics Partnern ist der Grundstein für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen.

Sascha Meier ist Field CTO Switzerland, Specialist Presales Manager der EMC Computer Systems AG. www.switzerland.emc.com

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Rentenhöhe unter Druck Zukunft der Altersvorsorge liegt in der Stärkung der AHV von Doris Bianchi

Der Bundesrat hat Ende 2013 die Reform der Altersvorsorge 2020 eröffnet. Er stellt damit die Weichen für die materielle Sicherung der laufenden und künftigen Altersrenten. Jung und Alt sind von diesen Plänen gleich betroffen. Besonders exponiert sind bei dieser Reform aber die Arbeitnehmenden mit tiefen und mittleren Einkommen. Die entscheidende Frage für sie wird sein, ob die Rente für ein anständiges Leben im Alter reicht oder nicht.

D

ie Schweiz weist ein solides Altersvorsorgesystem auf, das auf 3 Säulen beruht. Die 1. Säule – die AHV als Volksversicherung – soll die Existenzsicherung im Alter garantieren. Die 2. Säule – die berufliche Vorsorge, welche in den Pensionskassen geführt wird – kommt den Erwerbstätigen zusätzlich zugute. Die Renten der Pensionskassen und die AHV-Renten sollen im Alter die Fortführung der gewohnten Lebensführung in angemessener Weise ermögli-

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chen. Das schreibt die Bundesverfassung vor. Die 3. Säule – das steuerprivilegierte Alterssparen – dient der individuellen Ergänzung. Das 3-SäulenSystem ist jedoch klar ein Minderheitenmodell in der Schweiz. Nur 35 Prozent der Männer zwischen 65 und 70 beziehen Leistungen aus allen drei Säulen. Bei den Frauen sind es sogar nur 18 Prozent. Fast 40 Prozent der neupensionierten Frauen erhalten nur eine AHV-Rente. Viele Pensionierte mit einem ehemals tiefen oder mittleren Einkom-

men haben ein zu knappes Renteneinkommen, um das gewohnte Leben weiter fortsetzen zu können. Ohne Einschnitte bei den Ausgaben reicht das Renteneinkommen häufig nicht aus. Wer als Elektromonteur vor der Pensionierung einen Lohn von 5 500 CHF bezog, wird eine AHV- und Pensionskassenrente von rund 3 150 CHF erhalten. In diesen Einkommenskategorien bleiben die Pensionskassen-Renten tief. Auch kann kaum auf angespartes Kapital aus der 3. Säule zurückgegriffen werden.


Das Highlight Vor allem Frauen sind wegen einer weit schlechteren Abdeckung durch die berufliche Vorsorge mit tiefen Altersrenten konfrontiert. Zusätzliches Kapital nötig In den nächsten Jahren spitzt sich die Situation bei den tiefen und mittleren Einkommen zu. Die Renten der Pensionskassen stehen heute unter Druck. Die aktuelle Tiefzinsphase lastet auf den Rentenverpflichtungen. Die Kapitalerträge haben eine zentrale Funktion in der Finanzierung der Pensionskassenrenten. Verschiedene Zinssätze wie etwa der Mindestzinssatz oder der technische Zinssatz sind daher von grosser Bedeutung für die versicherten Arbeitnehmenden. Diese Zinssätze sind in den letzten Jahren ins Rutschen geraten. Um die angenommene Rentenhöhe weiterhin zu garantieren, ist daher in vielen Pensionskassen zusätzliches Kapital nötig. Bei der Festlegung etwa des technischen Zinssatzes lassen sich die Pensionskassen allzu oft von der aktuellen Rendite der Bundesobligationen leiten. Da diese tief ist, fallen die Zinssätze. Dies wird verstärkt durch die starke Stellung der Lebensversicherungsgesellschaften in der beruflichen Vorsorge. Situation unter Druck Viele KMU streben heute eine Vollversicherungslösung in der beruflichen Vorsorge an. Sie schliessen sich einer Sammelstiftung einer Lebensversi-

cherungsgesellschaft an und lassen von dieser die berufliche Vorsorge ihrer Mitarbeitenden abwickeln. Im Gegensatz zu den Pensionskassen halten die Lebensversicherer bei Vollversicherungen grösstenteils nur festverzinsliche Anlagen (vor allem Obligationen). Diese Anlagekategorien sind risikoärmer, haben im Durchschnitt aber auch eine geringere Rendite. Insgesamt muss davon ausgegangen werden, dass die Rendite der Lebensversicherer im Mittel rein aufgrund der Anlagestruktur pro Jahr 0.5 bis ein Prozentpunkt tiefer ausfällt als diejenige bei einer Pensionskasse. Die Lebensversicherer begründen die Anlageaufteilung damit, dass ihre Kunden auf Sicherheit bedacht seien. Damit nehmen die KMU häufig unbewusst eine tiefe Verzinsung in Kauf. Die Sicherheit, welche die Lebensversicherungsgesellschaften anbieten, erkaufen sich die KMU und ihre Mitarbeitenden durch hohe Prämien für sinkende Leistungen. AHV stärken Die AHV-Renten stehen ebenfalls unter Druck. Die neuen AHV-Renten sind mit einer schleichenden Rentenentwertung konfrontiert. Denn die AHVRenten sind gegenüber der aktuellen Lohnentwicklung im Rückstand. Da die Anpassung der Renten an die Lohnentwicklung im Rahmen des AHV-Mischindexes nicht den effektiven Lohnkarrieren entspricht und nur hälftig erfolgt, hinken die AHV-Renten den Löhnen seit 2 000 um rund

10 Prozent hintennach. Mit den Reformvorschlägen zur Altersvorsorge 2020 drohen zudem weitere Verschlechterungen. Aus diesen Überlegungen heraus hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) in einer breiten Allianz mit vielen Arbeitnehmerorganisationen die Volksinitiative AHVplus «Für eine starke AHV» lanciert – und vor kurzem eingereicht. Die Volksinitiative verlangt Rentenverbesserungen von 200 CHF und von 350 CHF für Ehepaare. Die AHV ist das Haupteinkommen für Rentnerinnen und Rentner mit vormals tiefen bis mittleren Einkommen. Rentenverbesserungen der AHV kommen insbesondere ihnen zu gute. Die AHV ist zudem effizient und beruht auf einer soliden solidarischen Finanzierung. Die Zukunft der Altersvorsorge liegt in der Stärkung der 1. Säule.

Doris Bianchi ist geschäftsführende Sekretärin des SGB und zuständig für den Bereich Sozialversicherungen. www.sgb.ch

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Handlungsoptionen im Vergleich Kosten für die berufliche Vorsorge steigen von Stephan Wyss

Das Schweizerische Drei-Säulen-System wird zwar immer wieder kritisiert, doch ist es im internationalen Vergleich ein Erfolgsmodell. Selbstverständlich muss auch ein Erfolgsmodell ständig verbessert und angepasst werden, damit sich der Erfolg auch nachhaltig einstellt.

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tragspflicht in der 1. Säule) und steuerbefreitem Ansparen mit Solidaritäten sowie einer Mischung zwischen Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren eine optimale Diversifikation der Risiken erreicht.

3 Säulen-System gut aufgestellt Die Schweiz hat es erstens verstanden, schon früh die Alters- und Risikovorsorge für obligatorisch zu erklären. Zweitens wurde ein austariertes System entworfen, das über Wohlstandsumverteilung (plafonierte Leistungen bei unbeschränkter Bei-

Zur optimalen Diversifikation zählen auch dezentrale Entscheidungen über aktuell rund 1 800 Vorsorgeeinrichtungen. Mehrheitlich werden diese von KMU betrieben. Auch wenn der Gesetzgeber durch eine Regulierungsflut diese Anzahl schrumpfen lässt, scheint in der föderal aufgebauten Schweiz der Zeitpunkt fern, in dem es nur noch

olgerichtig will der Bundesrat mit seinem Reformpaket Altersvorsorge 2020 in einer Gesamtbetrachtung von 1. und 2. Säule die Weichen für den künftigen Erfolg richtig stellen. Die 3. Säule steht zur Zeit nicht im Fokus.

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wenige grosse Player mit einer beherrschenden Entscheidungsmacht gibt. Erfolgsmodell trotz Kostenanstieg Der erste Grund für den Kostentreiber ist ein erfreulicher: Wir leben länger! Früher galt die Faustregel, wonach die Lebenserwartung im Alter 65 pro Jahrzehnt um rund ein Lebensjahr zunimmt. Im letzten Jahrzehnt war die Zunahme aber rund doppelt so hoch. Wenn man die gleiche Rente länger zahlen muss, braucht es somit ein höheres Kapital im Alter von 65 Jahren. Dieses höhere


Das Highlight

Bei der Vorsorge böse Überraschungen im Vorfeld minimieren.

Kapital erreicht man über höhere Verzinsungen, oder höhere Beiträge von Arbeitgebern und -nehmenden. Kann oder will man sich die höheren Beiträge nicht leisten, müssen die künftigen Renten gekürzt werden. Bereits laufende Renten sind zu Recht unantastbar. Der zweite Grund für die höheren Kosten ist noch wichtiger. Bei der Einführung des BVG-Obligatoriums im Jahr 1985 rentierte eine 10-jährige Bundesobligation von 4.6 Prozent. Es war also ein Leichtes, die Vorsorgekapitalien sowohl der aktiven Versicherten als auch der Rentenbezüger mit 4.0 Prozent zu verzinsen. Die beistehende Grafik (vgl. bundesrätliche Leitlinien der Reform der Altersvorsorge 2020) zeigt, dass die erwirtschafteten Renditen trotz Beimischung von Aktien und anderen Kapitalanlagen stark gesunken sind. Die hohen Schwankungen der Anlagemärkte haben die Sicht auf den sinkenden Trend lange überblendet. Noch heute findet man Akteure, die glauben, der jüngste Aktienboom setze sich jahrelang fort. Leider können aber gerade Sammelstiftungen von Versicherungsgesellschaften mit Volldeckungsgarantie mit Aktienanteilen von fünf Prozent und weniger von diesem Boom kaum profitieren. Viele KMU sind bei solchen Institutionen versichert und werden also trotz Aktienboom nicht viel mehr als den BVG-Zins erhalten. Die über das letzte Jahrzehnt tieferen Erträge

führen zu einem tieferen Kapital im Alter von 65 Jahren. Um die fehlenden Zinsen zu kompensieren, braucht es also wie bei der höheren Lebenserwartung wiederum höhere Beiträge. Noch schlimmer: Die Zinsen fehlen den aktiven Versicherten umso mehr, als ein erheblicher Teil der Erträge für die Bezahlung der laufenden Renten eingesetzt werden muss. Vor der ersten Rentenauszahlung muss nämlich mit dem sogenannten technischen Zinssatz eine langfristige Zinsannahme getroffen werden, mit der das Rentenkapital verzinst werden kann.

Je höher dieser technische Zins, desto höher der Umwandlungssatz und die Rente. Fallen nun die erwirtschafteten Renditen einer Pensionskasse, muss den Altrentnern weiterhin der hohe Zins garantiert werden. Würde dieser nicht garantiert, müssten laufende Renten gekürzt werden. Dies ist aber nicht erlaubt. Dieser Zwang, die Rentnerkapitalien hoch zu verzinsen, bedeutet, dass weniger Zins für die aktiven Versicherten verbleibt. Dies ist der Grund für den von 4.0 Prozent auf nunmehr 1.5 Prozent für 2013 (1.75 Prozent für 2014) erheblich gesunkenen BVG Zinssatz.

Grafik: Entwicklung der Kapitalrenditen, 1988 – 2013

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Das Highlight ser Fachempfehlung zu Grabe tragen. Die volkswirtschaftlichen Kosten seien 15 Milliarden! Diese Ansicht ist nicht nur falsch, sondern total verkehrt! Eine Senkung des technischen Zinses von 0.22 Prozent-Punkten (3.22 Prozent im Durchschnitt auf neu 3.0 Prozent) erhöht das Vorsorgekapital der Rentner um gut 2.0 Prozent. Bei aufgerundet 300 Milliarden Rentenvorsorgekapital, entspricht dies einem Anstieg von rund 6.0-7.0 Milliarden. Bei rund 800 Milliarden Gesamtvermögen macht dies also etwa 1.0 Prozent aus. Entscheidend aber ist, dass die Vorsorgeeinrichtungen nun den Arbeitgebern und -nehmenden keine Rechnung über sechs Milliarden zustellen, sondern das Kapital aus der Überdeckung holen, indem die Wertschwankungsreserven von rund 70 Milliarden entsprechend reduziert werden. Die Experten sind also weit davon entfernt, die 2. Säule zu beerdigen. Im Gegenteil! Durch diese Empfehlung wird das Renditeerfordernis für die Verzinsung der Rentenvorsorgekapitalien reduziert und dadurch die 2. Säule gestärkt. Dies schafft Vertrauen!

Vertrauen herstellen ist ein wichtiger Schritt.

Es gibt auch positive Nachrichten Immerhin darf man konstatieren, dass sich im Einklang mit der Verschärfung der Praxis der Eidgenössischen Invalidenversicherung im Anerkennen von Leistungsfällen, aber auch aufgrund erfolgreicher Case Management Beratungen die Risikokosten erheblich reduziert haben. Dies kommt den Arbeitgebern und -nehmenden über tiefere Beiträge oder höhere Überschüsse wieder zugute. Bei den Verwaltungskosten laufen zwar grosse Anstrengungen, beispielsweise ist bei den Vermögensverwaltungskosten ein «Race to the Bottom» zu beobachten. Das Renditestreben wird überlagert durch eine einseitige, schon fast «blinde» Kostenminimierung. Es wird sich zeigen, ob dies nachhaltig zu höheren Nettorenditen führt. Aber aufgrund des Regulierungstsunamis steigen natürlich die Verwaltungskosten auch wieder. Die Balance zwischen vertrauensschaffender Transparenz und kostenmaximierender jederzeitiger Vollinformation scheint noch nicht gefunden. Experten als Totengräber der 2. Säule? Trotz der ständig von mehr oder weniger berufenen Auguren prognostizierten steigenden Zinsen sind diese nicht nur nicht gestiegen, sondern befinden sich seit einem Jahrzehnt im freien Fall. Der un-

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längst beobachtete Zinshupfer scheint aber noch immer keine nachhaltige Trendumkehr anzuzeigen. Die Zentralbanken der Welt sorgen nämlich dafür, dass die Zinsen tief bleiben. Stoppen sie die Zinsvergünstigungen zu schnell, würden einige grosse Volkswirtschaften die Zinslast nicht mehr tragen können. Der wirtschaftliche Kollaps wäre die Folge. Die Experten für berufliche Vorsorge haben auf die tiefen Zinsen reagiert und eine Fachempfehlung erlassen, die per 31.12.2013 verlangt, dass die Rentenverpflichtungen maximal mit einem technischen Zinssatz von 3.0 Prozent bilanziert werden. Da die laufenden Renten nicht gesenkt werden dürfen, muss den Rentnern mehr Kapital zur Verfügung gestellt werden. Der gesunkene Zins trägt ja nun weniger zur Finanzierung der Renten bei. Diese Empfehlung würde nun die durchschnittlichen Deckungsgrade sinken lassen, da der durchschnittliche technische Zins per Ende 2012 gemäss Oberaufsicht bei 3.22 Prozent war. Da aber das Aktienjahr 2013 Renditen von rund 6.0 Prozent produzierte, darf erwartet werden, dass sich die Deckungsgrade von 106 Prozent per Ende 2013 gegen knapp 110 Prozent per Ende 2013 bewegen werden und dies trotz realistischerer Bilanzierung der Rentenverpflichtungen. Der Gewerkschaftsbund hat uns Experten unlängst vorgeworfen, dass wir die 2. Säule mit die-

Selbstverständlich gibt es auch immer noch unterdeckte Vorsorgeeinrichtungen, beispielsweise viele öffentlich-rechtliche Kassen. Durch die realistischere Bilanzierung vergrössern sich deren Fehlbeträge. Eine Kopf-in-den-Sand-Stecken-Strategie bei einem Tiefzinssturm wäre aber nicht ratsam. Wenn der Sturm dann doch nicht vorüberzieht, hat man nicht nur den Kopf im Sand, sondern der Sand liegt meterhoch über dem ganzen Körper – sprich die Differenz zur true&fair Bilanzierung ist fast nicht mehr zu finanzieren. In einem solchen Fall müssen die Arbeitgeber (bei öffentlich-rechtlichen Kassen also die Steuerzahler) mit hohen Belastungen rechnen. Eine solche Politik ist unverantwortlich! Damit diese Szenarien bei den privat-rechtlichen Kassen ausbleiben, setzen wir Experten uns für eine nachhaltige Stärkung der 2. Säule ein. Dies bedeutet, dass man heute Massnahmen ergreift, auch wenn diese nicht allen Akteuren passen. Nur so kann Vertrauen geschaffen werden, bei Arbeitgebern und -nehmenden!

Stephan Wyss Präsident der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten, Leiter Vorsorgeberatung Swisscanto Vorsorge AG, Zürich www.swisscanto.ch


CLOUD MEETS

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Das Highlight

Das Handeln der Unternehmer Gestaltungsraum in der beruflichen Vorsorge von Felix Tromp

Bei der Firmengründung hat ein Jungunternehmer oftmals andere Themen auf der Prioritätenliste als die berufliche Vorsorge. Nach der Aufbauphase ändert sich dies nur teilweise. Der Start ins Unternehmertum ist der ideale Zeitpunkt, um seine Vorsorgesorgen loszuwerden. Wichtig ist, dass die Vorsorgelösung regelmässig überprüft und allenfalls angepasst wird. Beim Entscheid der Vorsorge ist die persönliche Beratung und Betreuung meistens der ausschlaggebendere Faktor als lediglich der Preis.

E

in Unternehmer ist nicht nur für seine eigene Vorsorge verantwortlich, sondern auch für diejenige seiner Angestellten. Möchte der Unternehmer sich im Pensionsalter ins Privatleben zurückziehen, benötigt er vorher eine durchdachte Vorsorgelösung. Ein Angestellter mag zwar privat Geld zur Seite legen, wenn er der Meinung ist, dass seine Renten aus der ersten und der zweiten Säule nicht ausreichen. Dass ein Angestellter privat die Entscheidung fasst, sich zusätzlich gegen die Risiken Tod oder

Invalidität zu versichern, ist eher selten. Der Unternehmer hat also auch eine gewisse soziale Verantwortung, dass seine Angestellten gut risikoversichert sind. Risikoversicherung Verdient ein Angestellter über der BVG-Eintrittsschwelle (2014: CHF 21‘060) muss er bei der Pensionskassenlösung des Unternehmens angemeldet werden. Lohnteile bis zum BVG-Maximum (2014: CHF 84‘240) müssen zwingend versichert werden.

842’400

Lohnteile über dem BVG-Maximum 126’360 Obergrenze des Sicherheitsfonds 84’240

obligatorischer BVG-Lohn

Koordi- 24’570 nationsabzug

obligatorisch versicherter Lohn

Lohnteile unter der BVGEintrittsschwelle (21’060)

Bei Löhnen zwischen 21’060 und 28’080 ist der minimal versicherte Lohn jeweils 3’510

0

Quelle: Zürcher Kantonalbank in Anlehnung an Bundesamt für Sozialversicherungen

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In der nachfolgenden Grafik sind die aktuellen BVG-Kennzahlen abgebildet. Der obligatorische BVG-Lohn ist auf CHF 59‘670 begrenzt (BVGMaximum abzüglich Koordinationsabzug). Innerhalb des obligatorisch versicherten BVG-Lohnes kann die Firma sowohl die Alters- als auch die Risikoleistungen besser ausgestalten, als der Gesetzgeber es vorschreibt. Die übersteigenden Lohnteile über dem BVG-Maximum - sogenannter überobligatorischer Bereich - können ebenfalls mitversichert werden. Hier gibt es keine Mindestvorgaben, da sowohl Spar- als auch Risikoversicherung im überobligatorischen Bereich freiwillig sind. Es gibt Situationen, in denen Angestellte weniger Geld in der Pensionskasse haben, als es für ihr Alter angedacht ist. In diesen Fällen wurde das Kapital, beispielsweise durch eine Scheidung oder einen Vorbezug für selbstgenutztes Wohneigentum, reduziert. Einige Personen beginnen aufgrund eines Studiums oder eines längeren Auslandaufenthaltes erst später mit der Erwerbstätigkeit bzw. mit dem Sparen in der Pensionskasse. Es ist allgemein wichtig - und in den zuvor erwähnten Situationen besonders - dass die Risikoleistungen in Lohnprozenten und nicht abhän-


Das Highlight Dieser Einkaufsbetrag reduziert einerseits eins zu eins das steuerbare Einkommen und andererseits erhöht sich dadurch das Altersguthaben zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das heisst, die zugesprochene Rente fällt höher aus, oder der Kapitalbezug erhöht sich um den Einkaufsbetrag samt Zins und Zinseszinsen. Auch wenn die Zinsen in der beruflichen Vorsorge historisch tief sind, sind sie dennoch markant höher als auf einem Sparkonto. Zudem sind sie risikofrei. Durch eine Anpassung des Vorsorgeplanes lässt sich unter anderem neues Einkaufspotential generieren beziehungsweise das bestehende erhöhen. Eine Einzahlung in die Pensionskasse hat zur Folge, dass innerhalb der nächsten drei Jahre kein Kapital aus der Pensionskasse bezogen werden kann. Es lohnt sich also Einzahlungen vorausschauend zu planen, sich genügend früh mit der Pensionsplanung auseinander zu setzen und eine Finanzplanung zu prüfen. Auch wenn eine solche Dienstleistung kostenpflichtig ist, liegt das Sparpotential ein Mehrfaches über den Kosten.

Der Preis ist ein wichtiges Kriterium, eine professionelle Beratung kann aber gewichtiger sein.

gig vom Alterskapital definiert sind. Kapitalabhängige Risikoleistungen, wie sie das Gesetz vorsieht, lohnen sich selten. Flexibilität für den Unternehmer und sein Kader Der Vorsorgeplan einer Firma lässt sich im gesetzlichen Rahmen individuell an die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens anpassen. Innerhalb dieser Lösung ist auch Platz für die persönliche Vorsorgelösung des Unternehmers. Selbständigerwerbende (Einzelfirma, Kommandit- und Kollektivgesellschaft) haben bei der Ausgestaltung ihrer Vorsorge grundsätzlich weniger Spielraum als eine juristische Person (AG, GmbH), sowohl aus vorsorge- als auch aus steuerrechtlicher Sicht. Dennoch lohnt sich auch für Selbständigerwerbende den Eintritt in eine Pensionskasse zu erwägen, anstatt die Alters- und Risikoleistungen nur über die dritte Säule abzudecken. Unternehmer haben meistens die Möglichkeit, den Vorsorgeplan so auszugestalten, dass er auf Sie zugeschnitten ist. Ist der Unternehmer beispielsweise der Einzige mit einem Lohn über dem BVGMaximum (2014: CHF 84‘240), kann der Vorsorgeplan im überobligatorischen Bereich nach seinen Bedürfnissen ausgestaltet werden. Das heisst, die Risikoleistungen und die Altersgutschriften passen zur aktuellen privaten und geschäftlichen Situation. Im obligatorischen Bereich haben in diesem Fall alle Angestellten die gleichen Leistungen.

In vielen Unternehmen gibt es auch unterschiedliche Stufen innerhalb des Kaders. In der beruflichen Vorsorge hat man die Möglichkeit mittels verschiedener Personalkategorien die Angestellten nach objektiven Kriterien in unterschiedliche Kategorien einzuteilen. Es ist möglich, je Kategorie unterschiedliche Leistungen zu definieren. Entscheidend ist, dass die Kriterienwahl objektiv ist und grundsätzlich jeder Angestellte die Möglichkeit hat, in eine andere Kategorie zu gelangen, auch wenn dies nur hypothetisch der Fall ist. Werden verschiedene Personengruppen gebildet und diese in der gleichen Vorsorgeeinrichtung zusammengefasst, spricht man von einer umhüllenden Lösung.

Beratung lohnt sich Sowohl die private wie auch die geschäftliche Situation verändern sich im Laufe der Zeit. Damit die Vorsorgelösung optimal auf den Unternehmer sowie seine Angestellten abgestimmt bleibt, empfehlen wir bei wesentlichen Veränderungen die Vorsorge zu überprüfen und möglicherweise den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Vielleicht ist es sinnvoll im überobligatorischen Bereich Anpassungen vorzunehmen, um gezielte Leistungsverbesserungen für den Unternehmer oder bestimmte Personengruppen innerhalb der Firma vorzunehmen. Vielleicht hat sich auch der Mitarbeiterbestand über die Jahre verändert und es drängt sich deshalb eine Anpassung auf. Eine unverbindliche Vorsorgeberatung oder ein Finanzplanungsgespräch lohnt sich in jedem Fall. Einerseits ist es wichtig zu jedem Zeitpunkt richtig versichert zu sein, und andererseits bieten sich enorm viele Möglichkeiten an, um Steuern zu sparen und optimal auf den dritten Lebensabschnitt vorbereitet zu sein.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, bei einer anderen Vorsorgeeinrichtung einen separaten Kadervertrag abzuschliessen. Dies kann beispielsweise in Form eines sogenannten 1e-Planes geschehen. Bei Löhnen über der Sicherheitsfondsobergrenze (2014: CHF 126‘360) kann eine individuelle Anlagestrategie gewählt werden. Bei solchen Anlagen besteht keine Zinsgarantie, weshalb eine entsprechende Risikobereitschaft vorhanden sein muss. Neben den Chancen auf eine höhere Performance erhöhen sich auch die eingegangenen Risiken bei solchen Anlagen. Einkauf in die Pensionskasse Viele Angestellte möchten einen Betrag aus dem Privatvermögen in die Pensionskasse einbezahlen.

Felix Tromp ist Kundenberater Berufliche Vorsorge bei der Zürcher Kantonalbank www.zkb.ch

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Das Highlight

Transparenz hergestellt Passende berufliche Vorsorge via Online-Plattform von Ronald Biehler

Erstmals können in der Schweiz Offerten für die berufliche Vorsorge (BVG) Online über das Internet für sämtliche Unternehmungen und Branchen gerechnet und abgeschlossen werden. Möglich macht dies die neue BVG-Online-Plattform «NoventusDirect» der Noventus PensionPartner AG in Zürich.

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Das Highlight

Das ist Reto, der als Jungunternehmer eine gute Vorsorgelösung benötigt.

W

ollte man bisher für seine Unternehmung Offerten für die berufliche Vorsorge bestellen, war das eine ziemlich aufwendige Angelegenheit, obwohl die Ausgangslage immer die Gleiche war. Es wurde das BVG als eine äusserst komplexe Materie dargestellt und sehr oft schaltete der Unternehmer einen Makler ein. Doch was wird für eine BVG-Offerte benötigt? Wichtigste Bestandteile sind der aktuelle Lohn, das Geburtsdatum, Geschlecht und das bestehendes Freizügigkeitsguthaben gemäss aktuellem Vorsorgeausweis seiner Mitarbeitenden. Anschliessend muss nur noch der Vorsorgeplan ausgewählt werden, zumeist kann man hier aus verschiedenen Angeboten von Vorsorgeplänen der Anbieter auswählen. Eine ähnliche Situation präsentierte sich vor ein paar Jahren im Umfeld der Krankenkassen. Ein Offertenvergleich war damals beinahe unmöglich, auch weil noch die regionalen Tarife zu berücksichtigen waren. Dies hat sich heute komplett geändert mit der Einführung von OnlineRechnern. Heute haben sich die Online-Offerten der Krankenkassen etabliert. Was für Krankenkassen heute üblich ist, wird jetzt neu auch für die berufliche Vorsorge angewendet werden. Die Noventus PensionPartner AG will nun mit dieser Einführung eines BVG-Online-Rechners im BVGUmfeld für mehr Transparenz sorgen. Grundsätzlich will man erreichen, dass das BVG nicht als eine äusserst komplexe Angelegenheit gilt, sondern die «Scheu» vor einer BVG-Offerte nehmen. Ausserdem wird damit Noventus weiterhin seinem langjährigen Ruf nach kostengünstigen BVG-Lösungen gerecht. Dazu kommt, dass Recherchen des Kassensturzes in der Sendung vom 1. Oktober 2013 auf-

Das ist Walter, der als erfolgreicher Geschäftsführer für seine Mitarbeitenden eine solide Vorsorgelösung will.

zeigten, dass in der zweiten Säule pro Jahr mehrere Hundert Millionen Franken von Provisionszahlungen an Makler und Broker fliessen. Das sind Gelder, welche das BVG bisher zusätzlich und unnötig verteuerten. Deshalb hat die Noventus PensionPartner AG neu eine Online-Plattform namens «NoventusDirect» entwickelt, welche die berufliche Vorsorge transparent und so einfach machen soll «wie die Online-Buchung eines Restaurants». Auf der Website www.noventusdirect.ch gelangen Sie zum BVG-Online-Rechner. Geben Sie die verlangten wichtigsten Bestandteile gemäss Eingabetabelle ein und erhalten eine passende BVGLösung. Bei jeder Entscheidung kann der Interessent direkt den Vorschlag oder die Alternativlösung vergleichen. Am Schluss erhält der Interessent eine umfassende BVG-Offerte, welche er direkt ausdrucken kann. Da der Rechner alle vier Vorsorgepläne nebeneinander übersichtlich darstellt, können Sie diese untereinander vergleichen. Fragen können Sie direkt per Mail-Klick stellen oder rufen Sie die telefonische Helpline an. Zudem sind alle notwendigen Dokumente online verfügbar. Auf der Website www.noventus.ch erklären der Jungunternehmer Reto und der erfolgreiche Geschäftsmann Walter wie die BVG-Offerten einfach und direkt gerechnet werden können. Nach der erstellten Offerte kann entschieden werden, ob man sich direkt bei der BVG-Sammelstiftung NoventusCollect anschliessen will. Ihre Offerte wird dann elektronisch an den Kundenservice übermittelt. Anschliessend erhalten Sie auf dem Postweg die Anschlussunterlagen. Der BVG-Online-Rechner «NoventusDirect» steht Firmen aus allen Branchen und alle Grössen offen. Es bestehen keinerlei Branchen-Restriktionen oder keine Mindestanzahl Mitarbeitende.

Die NoventusDirect-Plattform gestattet Ihnen unkompliziert und einfach einen Vergleich zu Ihrer bestehenden BVG-Lösung. Damit erhalten Sie ohne grosse Aufwendungen jederzeit eine aktuelle Standortbestimmung für Ihre bestehende BVGLösung. Auch können Sie mit die verschiedenen Vorsorgepläne direkt vergleichen. Die Sammelstiftung NoventusCollect stellt die berufliche Vorsorge für rund 660 Vorsorgewerke mit 5 000 Versicherte sicher und weist einen soliden Deckungsgrad von rund 110 Prozent (provisorisch per 31.12.2013 vor Revisionsabschluss) auf.

Ronald Biehler ist Chief Marketing Officer und Geschäftsleitungsmitglied der Noventus PensionPartner AG, Zürich. www.noventusdirect.ch www.noventus.ch

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Finanzen & mehr

Die Welt dreht sich schneller Globaler Aufschwung mit Risiken kmuRUNDSCHAU // Seite 18


Rubrik von Georg Lutz

Eigentlich geht es der Weltwirtschaft gut. Noch vor zwei Jahren, im Zeichen der Auswirkungen der Finanzkrise, tönten viele Experten noch sehr pessimistisch. Heute ist das Wachstum zurück und die Börsen stehen gut da. Die jüngsten Einbrüche wegen der schwächelnden Schwellenländer können den positiven Gesamteindruck bislang nicht täuschen. Müssen wir uns keine Sorgen machen? Doch wir sollten sehr wachsam sein, denn viele Strukturprobleme sind nicht gelöst und die nächste Blase platzt bestimmt. Wir präsentieren einige Stimmen.

V

iele Experten überbieten sich mit zuversichtlichen Prognosen für dieses Jahr. Wer wie wir Journalisten Fondsmanager, Banker oder Autoren von Börsenbriefen interviewt, bekommt fast durchgehend positive Antworten. Wir sind in Europa auf dem Wachstumskurs zurück, die Konjunktur wird weiter anziehen. Natürlich gibt es Herausforderungen und Probleme. Aber wann gibt es diese nicht? Einen ersten Warnhinweis zeigen aber die Blicke auf die Börsen. Der Aufschwung dort dauert nun schon einige Jahre. Immer mehr Marktteilnehmer drängeln sich auf einer Seite des Bootes, hin in Richtung des Stiers, der in der Börsensprache für steigende Kurse steht. Wenn die meisten Marktteilnehmer bereits gekauft haben, steigt die Gefahr ausbleibender Anschlusskäufe. Das Boot fährt dann bereits mit Schlagseite und der Bär, der für fallende Kurse steht könnte im Laufe des Jahres wieder zum Zug kommen. Bisher hat er auch keine Chance, da die Politik des billigen Geldes der Zentralbanken weiter bestimmend ist. Positive Positionierung Stellvertretend für die positiven Einschätzungen können die weitgehend positiven Prognosen von Euler Hermes, dem weltweit führender Anbieter von Warenkreditversicherungen, genannt werden. Der Wandel Chinas zur Industrienation wird stabiler verlaufen. Die hohen Wachstumszahlen schwächen sich ab, bleiben aber bestehen. Gleichzeitig stellen sich die USA trotz der Unwägbarkeiten der Politik des billigen Geldes, die die US-Notenbank betreibt, wieder als Industrienation auf. Zudem werden die entwickelten Volkswirtschaften Nordamerikas, der Eurozone und Japans ihren Beitrag zum globalen Wachstum steigern, und wichtige Wahlen könnten für Unsicherheit in einigen Schlüsselmärkten der Schwellenländer sorgen. Die Situation der Schwellenländer wird im Vergleich zu den letzten Jahren viel kritischer gesehen. «Während die globale Rezession 2008/09 immer

weiter aus unserem Blickwinkel verschwindet, haben die Notenbanken weltweit damit begonnen, ihre jeweilige Währungspolitik einem Umfeld anzupassen, das immer stärker von Wachstum geprägt ist», konstatiert Ludovic Subran, Chefvolkswirt bei Euler Hermes.

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Auch die Situation der Schweiz ist gleichbleibend positiv. «Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank basiert auf einer marginal steigenden prognostizierten Inflation von -0,2 Prozent im Jahre 2013 auf 0.6 Prozent im Jahre 2015, was auf ein unverändert tiefes Zinszielband schliessen lässt», erläutert Stefan Ruf, CEO von Euler Hermes Schweiz. Insgesamt sieht die Situation viel rosiger aus, als noch vor wenigen Jahren. «2014 wird ein weiteres herausforderndes Jahr sein, die Konjunktur wird jedoch in vielen Volkswirtschaften an Dynamik gewinnen. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaftsaktivität sich aufgrund der verbesserten Aussichten in den entwickelten Volkswirtschaften gleichmässiger auf die einzelnen Branchen verteilen wird», so der CEO von Euler Hermes Schweiz. Aufschwung mit Verlieren Auch für Janwillem Acket dem Chefvolkswirt von Julius Bär sind die Aussichten besser, als vor einem Jahr. Vor dem Efficiency Club in Basel präzisierte er seine Thesen. Die Euro-Zone hat sich seiner Meinung nach gut erholt. Sogar Sorgenkinder wie Spanien können zum ersten Mal seit Jahren wieder auf positive Zahlen blicken. Nur die Grand Nation taumelt nach unten. Frankreich hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und taumelt auch politisch in eine gefährliche Entwicklung. Bei der nächsten Wahl wir der Front National gewaltig. Aber sonst bleibt «der Konjunkturaufschwung bis Herbst 2014 intakt». Die USA wachsen deutlich stärker als die Eurozone, trotz dysfunktionaler Politiker («Oberlehrer Obama und die durchgedrehte Tea Party»). Die USA schleppen aber einen gewaltigen Sack an Schulden und Arbeitslosigkeit mit sich mit. Für Acket gibt es im Spannungsfeld der Politik und Volkswirtschaft eine zentrale Herausforderung. «Das Doppelmandat der Vollbeschäftigung sowie der Preisstabilität lässt sich nicht mit der bisherigen Geldpolitik erreichen. Da bauscht sich ein Ballon auf, der immer grösser wird. Trends vom WEF in Davos Das Selbstbewusstsein mit dem amerikanische Firmenchefs und Ökonomen seit Jahren in Davos auftreten, ist vorsichtig gesagt optimistisch, was ihr eignes Land betrifft und pessimistisch, was Europa betrifft. Die meisten Europäer waren stolz

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Das Highlight

Stabile Aussichten mit einigen Klippen.

darauf, dass gewisse Zusammenbruchsszenarios, wie sie noch vor einem Jahr gehandelt wurden, nicht eingetreten sind und Sorgenkinder wie Irland den Rettungsschirm verlassen konnten. Aus der Sicht der Amerikaner ringen die Euroländer noch um ihre Währung und die Gefahr ist immer noch da, wie beispielsweise Ökonom Barry Eichengreen betonte, dass die Währung in die Luft fliegen könnte. Die gewaltigen Probleme der USA wie die marode Infrastruktur und die gewaltigen Defizite, die das Land an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht haben, werden gerne verdrängt. Was aber immer mehr Vorbildcharakter bekommt, ist Silikon Valley. Weltweit wird das Modell kopiert. Ermöglicht wird dies auch von Businessclouds. Früher mussten Unternehmen viel Geld in die eigenen Server investieren. Heute können sich Startups vergleichsweise billig einmieten. Allerdings hat das Valley immer noch einen Vorteil: Der Zugang zu Venture Kapital ist einfacher. Die zentrale Frage von Davos war wie in den vergangenen Jahren, wie man zu mehr Wachstum kommt. Auch unter dem Eindruck der Finanzkrise lauten weitere Fragen, wie die Verantwortlichen gewissen Auswüchse, nicht nur im Finanzsektor zurückholen kann und wie man die wachsende

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Ungleichheit mindert. Gerade in den USA aber auch in vielen europäischen Ländern klafft die Schere der Ungleichheit weit auseinander. Der soziale Aufstieg, ein Versprechen der sozialen Marktwirtschaften in Europa, aber auch in liberalen Gesellschaften, funktioniert schon einige Jahre nicht mehr. Der Hinweis auf mehr Bildung ist richtig, aber eher hilflos. Da ist das WEF eindeutig an Grenzen gestossen. Es fehlen die klaren politischen Botschaften, jenseits eines Networkingplatzes für globale Eliten. Pessimistische Stimmen Es gibt sie noch, die kritischen Stimmen. Lassen wir an dieser Stelle zwei davon zu Wort kommen. Simon Johnson ist Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und früherer Chefökonom des Internationalen Währungsfonds IWF und betont: «Das fundamentale Problem der Überschuldung ist nicht gelöst. Bisher gab es kaum Schritte in diese Richtung. Das Too-big-to-failProblem ist heute sogar noch grösser als vor 2008. Zwar haben wir die Krise in Europa kurzfristig beseitigt – die Kapitalflucht geht zurück –, aber wir haben uns nicht an die grundlegenden Konstruktionsfehler des Euro herangewagt. Kurzfristig wird die Eurokrise zunächst in Liquidität ertränkt.» Auch für Tomáš Sedlácˇek ist die Situation alles an-

dere als bereinigt. «Die Wirtschaft wurde nach der Krise nicht geheilt. Zurzeit steht sie am Anfang einer weiteren manischen Phase. In den USA ist dies am deutlichsten sichtbar. Die aktuellen zwei oder drei Prozent Wachstum beruhen dort zu einem Grossteil auf Staatsausgaben und Defiziten.» Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ausblick für 2014 im Allgemeinen positiv ist, jedoch bleibt die weltweite Konjunkturerholung offensichtlich mit vielen Risiken behaftet.

Georg Lutz ist Chefredaktor von kmu Rundschau.


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Menschen in Unternehmen

Die Bedrohung wächst Die Facetten der Stresswelten von Heinz Léon Wyssling

Bis in die 30er-Jahre gab es das Wort Stress im heutigen Sinne noch nicht. Es stammt ursprünglich aus der Werkstoffkunde, wo es den Zustand eines unter Druck stehenden Materials bezeichnet. Der österreichisch-kanadische Mediziner Horst Selye übertrug 1936 den Begriff auf Menschen. Seither versteht man unter Stress psychische und körperliche Reaktionen auf äussere und innere Reize sowie Belastungen, die als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd bewertet werden. Der folgende Beitrag bietet einen einleitenden Überblick. kmuRUNDSCHAU // Seite 22


Rubrik

Der Kopf ist nicht mehr frei, das Denken wird enger und die Betroffenen werden nervöser.

S

tress und die damit verbundenen Reaktionen sind normalerweise nichts Negatives, sondern können kurzfristig durchaus sinnvoll sein. Aber dieser Zustand sollte nur dann vorhanden sein, wenn Stresssituationen dem Körper gut tun (zum Beispiel beim Sport) oder in Gefahrensituationen (Flucht oder Angriff). Gefährlich für die Gesundheit wird es, wenn die Entspannungsphasen gegenüber der Anspannung immer weniger werden oder sich ein dauerhaftes Missverhältnis einspielt. Wenn die mit dem Stress verbundene Hormonausschüttung, der Stresshormonpegel nicht mehr abgebaut werden kann. Bei Stress wird Adrenalin freigesetzt, das Energie zur Bewältigung einer Aufgabe bereitstellt, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigt. Wenn die damit verbundene Anstrengung nicht zu einem Ergebnis führt, ergebnislos weitergeführt wird oder dauerhaft auf hohem Niveau ohne Abbau bleibt, wird zusätzlich Cortisol freigesetzt. Cortisol aktiviert den Stoffwechsel, dämpft beziehungsweise beeinträchtigt das Immunsystem und die Produktion von Immunbotenstoffen, die den Schutz vor viralen Infektionen gewährleisten. Auch Serotonin, dass sogenannte Glückshormon, wird in der Wirkung behindert. Zuviel Cortisol führt zur einer Wahrnehmungsverzerrung. Wenn Adrenalin und Cortisol sich in höherer Konzentration zum Dauerzustand entwickeln oder die Situation als in einem hohen Masse bedrohlich erlebt wird, dann setzen sich

noch körpereigene Morphine (Endorphine) frei. Der Betroffene kommt in einen neurobiologischen Ausnahmezustand. Der Unterschied zwischen der Stretch-Zone und der Stress-Zone Wer unter chronischem Stress steht, wird irgendwann krank. Zu unterscheiden gilt es zwischen der Stretch-Zone und der Stress-Zone. In der StretchZone ist eine Herausforderung individuell zu bewältigen, die Lücke zwischen dem vorhandenen Wissen, Können und der Erfahrung zu dem, was verlangt wird, kann geschlossen werden. Der Lerneffekt und die damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung führen zu einem Wachstum an Kompetenzen. Ist die Lücke zwischen den individuell vorhanden Ressourcen und Kompetenzen, die zur Bewältigung einer Aufgabe zur Verfügung stehen, und den neuen Anforderungen zu gross und kann nicht geschlossen werden, fällt der Betroffene in die Stress-Zone. Die damit verbundene Überforderung führt auf die Dauer zu chronischem Stress, mit dem Risiko auszubrennen. Gemäss einer vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) in Auftrag gegebenen Studie 2010 fühlen sich rund ein Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz häufig oder sehr häufig gestresst. Die Studie stellt fest, dass der Anteil der Personen, die «häufig» und «sehr häufig» Stress empfinden, von 26.6 Prozent auf 34.4 Prozent innerhalb von zehn

Jahren zugenommen hat. Im Vergleich zum Jahr 2000 sind damit rund 30 Prozent mehr Erwerbstätige chronisch, das heisst länger andauernd gestresst. Der Anteil der Personen, die «nie» und «manchmal» Stress empfinden, hat von 17.4 Prozent auf 13.2 Prozent abgenommen. Von den betroffenen Personen fühlen sich im Vergleich zur früheren Studie nur noch 20 Prozent völlig imstande, ihren Stress zu bewältigen. Das ist ein Rückgang von 31 Prozent auf 20 Prozent. Dies sind 11 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das Erleben von Stress hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Die Frage nach den Gründen liegt auf der Hand. Auswirkung von Stress Für das Stressempfinden sind gemäss der Studie folgende Faktoren besonders bedeutend: Arbeit während der Freizeit, mehr als zehn Stunden am Tag arbeiten (1-2 Mal pro Woche bis jeden Tag), unklare Arbeitsanweisungen und die Anforderung in der Arbeit, Gefühle zeigen zu müssen, die mit den eigenen nicht übereinstimmen. Bei Erwerbstätigen, die starkem Termindruck oder Arbeit in hohem Tempo ausgesetzt sind, ist der Anteil der Personen, die sich gestresst fühlen, beinahe doppelt so hoch (66 Prozent), wie bei Personen, die unter weniger Zeitdruck arbeiten (34 Prozent). Ebenfalls sind Personen, die angeben während der Arbeit unter sozialer Diskriminierung (wie beispielsweise Mobbing) zu leiden, doppelt so häufig gestresst wie andere Erwerbstätige.

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Menschen in Unternehmen

Gesundheit ist ein strategischer Wirtschaftsfaktor.

Führungsverhalten als Schutzfaktor Die Studie kommt zum Schluss, dass das Führungsverhalten von Vorgesetzten die Gesundheit der Mitarbeitenden massgeblich beeinflusst. Wenn die Mitarbeitenden das Führungsverhalten ihres direkten Vorgesetzen positiv beurteilen (wie beispielsweise: respektiert die Mitarbeitenden, löst Konflikte gut, kann gut planen und organisieren) konnte festgestellt werden, dass die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen am höchsten und die Anzahl Personen, die sich gestresst oder emotional verbraucht fühlen, am niedrigsten ist. Diese Personen sind zudem in einem besseren allgemeinen Gesundheitszustand als Personen, die ihre Vorgesetzten negativ erleben. Wenn alle Aspekte des Führungsverhaltens positiv beurteilt werden, fühlen sich nur fünf Prozent der Mitarbeitenden gestresst, im Vergleich zu 95 Prozent, wenn das Führungsverhalten negativ bewertet wird. Gute Führung ist nicht eine Frage der Methode oder der Technik, sie hat vielmehr mit der Persönlichkeit zu tun. In der Führungsverantwortung muss die Frage: «Wer bin ich?», «Was kann ich?», «Wie bin ich intrinsisch motiviert?» beantwortet werden können. Die eigenen Stärken und Schwächen müssen bekannt und die blinden Flecken aufgearbeitet sein. Nur wer sich selber kennt, und weiss wie er tickt, ist in der Lage kontext- und personenbezogen, dass heisst situativ zu führen und dabei unterschiedliche Stile anzuwenden mit dem

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richtigen Mix zwischen fordern und fördern. Wer situativ führt ist ist auf die Dauer erfolgreicher und sorgt für ein gutes Betriebsklima. Im Kompetenzportfolio ist von den fünf Kompetenzen (Fach-, Methoden-, Sozial-, Selbst- und System-Kompetenz) die Selbstkompetenz am stärksten zu gewichten. Die Entwicklung der Persönlichkeit, der «Leadership» ist ein Muss in der Führungsverantwortung. Man muss Menschen gerne haben und auch mit ihren Schwächen angemessen umgehen können. Der strategische Umgang mit Stress ist Chefsache. Zentral ist die Strukturen, Funktionen und Aufgaben so zu gestalten und zu optimieren, dass Erschöpfung vermieden oder zumindest rechtzeitig erkannt wird. Wenn Mitarbeitende als das grösste Kapital bezeichnet werden, dann darf es nicht verbrannt werden. Sie müssen gemäss ihren individuellen Stärken eingesetzt werden und die dafür notwendigen Ressourcen und Kompetenzen zur Verfügung haben. Sinnhaftigkeit entsteht dann, wenn die Energie die in die Arbeit investiert wird durch das Gefühl zurückkommt das zu tun, was für einen selbst bedeutsam ist. Permanente und gnadenlose Beschleunigung führt zu Orientierungslosigkeit, einer unkontrollierten Flut von Aktivitäten und «Burn-out» für Alle. Eine heissgelaufene Organisation entwickelt sich wie eine verengende Spirale, die vom hektischen Aktionismus zu Chaos führt und letztendlich einen Tunnelblick zur Folge hat. Der Kopf ist nicht mehr frei, das Denken wird verengt. In der Stressstudie im Jahr 2000 wur-

den anhand von persönlichen Interviews die Absenzund Behandlungskosten in Zusammenhang mit Stress auf 4.2 Mia CHF geschätzt. Heute dürften sie aufgrund der Zunahme bei ca. 6 Mia CHF liegen. Nachhaltiger und auch profitabler in Bezug auf Produktivität und finanziellem Gewinn ist es deshalb, das Unternehmen langfristig auf einem tragfähigen Energieniveau zu halten. Nur wenn die Mitarbeitenden und die Organisation gesund sind, können Wertschöpfung und Profitabilität wachsen. Gesundheit ist ein strategischer Wirtschaftsfaktor. Das reine Effizienzdenken führt in den Blues, zuerst bei den Mitarbeitenden, dann bei den Teams und erfasst am Schluss das ganze Unternehmen. Ein Business-Coaching kann das Management bei einer Gefährdung zum Organizational Burn-out unterstützen um aus der kollektiven oder individuellen Beschleunigungsfalle herauszukommen.

Heinz Léon Wyssling ist Neuroimaginations-Coach® Supervisor und Organisationsberater BSO. www.burn-out-praevention.net


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Menschen in Unternehmen

Gesundheit am Arbeitsplatz Stressmanagement, Arbeitszufriedenheit und Kosten von Evi Giannakopoulos

Wenn die Balance zwischen Privat- und Berufsleben aus dem Gleichgewicht gerät, kann das negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, von Schlafstörungen über mentale Erschöpfung bis hin zu Angstgefühlen und schlussendlich Burnout. Dabei leidet nicht zuletzt die Produktivität. Unternehmen und Führungskräfte sind deshalb gefordert, einen Weg zu finden, der die Bedürfnisse und die jeweiligen Lebenssituationen der Beschäftigten ebenso berücksichtigt, wie die unternehmerischen Ziele. In der modernen Arbeitswelt sind hier – wie so oft – flexible Lösungen gefragt. kmuRUNDSCHAU // Seite 26


förderung Schweiz und Schweizerischer Versicherungsverband). Solche Ergebnisse beobachte ich seit Jahren. Die erfreulichen Rückmeldungen und Erfolgsberichte meiner Firmenkunden bestätigen, dass sich Stressmanagement-Seminare in Firmen lohnen und auszahlen. In ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Unternehmen unterstütze ich Mitarbeitende und Führungskräfte mit Seminaren, Vorträgen und Einzelcoachings und begleitet sie durch sichtbare Veränderungsprozesse. Dabei trainieren sich Berufstätige wirkungsvolle Strategien und effizienten Übungen ein, die ihnen helfen, Stressphasen besser bewältigen zu können und dadurch leistungsfähiger und zufriedener zu werden. Denn Stressresistenz ist trainierbar und in unserer heutigen hektischen Zeit eine Selbstkompetenz, die es zu fördern gilt.

Stress kostet viel Geld und Nerven Den hohen Preis dafür zahlen die betroffenen Arbeitnehmende, Unternehmen und Sozialinstitutionen. Ein Rechenbeispiel: Ein an Burnout erkrankter Mitarbeiter (55 Jahre, Einkommen CHF 96‘000) kostet für Unternehmen und Sozialversicherungen CHF 392‘400. Hier sind die Kosten sichtbar. Aber wie sieht es bei Mitarbeitenden aus, die nicht sichtbar an Stress erkranken, aber ihr volles Leistungspotential nicht ausschöpfen können? Nicht zu unterschätzen sind diese Unmengen von Kosten, die ein Unternehmen jährlich durch nicht eingebrachtes Potenzial anwesender Mitarbeitenden trägt. Dies aus Gründen von Motivationsmangel, Ängsten, Über- oder Unterforderung. Gestresste Mitarbeitende leisten zehn Prozent weniger. Jährlich kostet das einen Betrieb CHF 8 000 pro betroffenen Mitarbeiter.

Erfolgsfaktor Mensch Stress kostet für alle Beteiligten der Arbeitswelt enorm viel Geld. Daher ist es definitiv an der Zeit, bisherige Unternehmens- und Führungsstrategien zu überdenken und neue Wege zu gehen. Kluge Unternehmen haben das begriffen und investieren mit Stressmanagement-Massnahmen in ihr Human Capital. Denn belastbare, leistungsstarke und ausgeglichene Mitarbeitende sind zentrale Erfolgsfaktoren für das Unternehmen. Umfassende Studien bestätigen, dass ein StressmanagementSeminar eine Investition ist, die sich langfristig lohnt und sich schnell auszahlt.

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erufstätige sehen sich härteren Bedingungen gegenüber. Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit, Tempobeschleunigung, Arbeitsunterbrechungen sowie Multifunktionalität, was so viel bedeutet wie: Jeder ist für alles zuständig. All dies, und die Angst, als Globalisierungsopfer zu enden, treiben Führungskräfte und Mitarbeitende in die Selbstausbeutung. Der Grad der Autonomie nimmt immer weiter ab. Bedürfnisse nach Stabilität und menschlicher Nähe bleiben auf der Strecke. Dabei drosselt der latent hohe Stresshormonpegel nicht nur die Arbeitsproduktion, sondern auch die Produktion des Glückshormons Dopamin, eines zentralen Botenstoffes im körpereigenen Belohnungssystem. Das Risiko einer depressiven Störung, eines Burnouts oder anderer Herz-/Kreislauf-Erkrankungen wächst.

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Dank Stressmanagement Kosten sparen Durch Stressmanagement-Massnahmen lässt sich die Produktivität pro Mitarbeiter sichtlich steigern, die Krankheitsabwesenheit jährlich um 1,7 Tage zurückgehen (CHF 600) und die Personalfluktuation über zehn Prozent senken. Diese Resultate gingen aus einer über 2,5 Jahre durchgeführten Studie mit 5 000 Mitarbeitenden aus acht Unternehmen hervor, darunter ABB, Alstorm, Nestlé, Spitäler und Verwaltungen (Quelle: Gesundheits-

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Evi Giannakopoulos

Sie und Ihre Mitarbeiter effizienter und flexibler:

ist Inhaberin von stress away® in Zürich. Sie ist dipl. Stressregulationstrainerin und Ausbilderin mit eidg. Fachausweis, mit langjähriger Kader-/Führungserfahrung und Spezialisierung auf Stressbewältigung und Burnout-Prävention. www.stressaway.ch

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Nutzen von Stressmanagement-Seminaren und Trainings in Unternehmen

ü Der Arbeitgeber profitiert von einer erhöhten Produktivität:

zum Beispiel dank geringerer Abwesenheits-, Krankheitsstand- und Fehlerquoten, sowie weniger unerwünschten Fluktuation.

ü Der Arbeitnehmer profitiert von einer besseren Arbeitssituation:

dank erhöhter Zufriedenheit, weniger Gesundheitsproblemen und einer besseren Arbeitsmotivation.

Durch das Training erhalten die Mitarbeitenden ein achtsameres Bewusstsein, eine verstärkte Eigenverantwortung und sie können hektische Arbeitssituationen besser meistern. Stressresistenz ist trainierbar.

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Menschen in Unternehmen

Investition in die Zukunft Betriebliche Gesundheitsförderung von Beatrice Straub Blum

Nur wenn Geist und Körper in Form sind, und wenn auf Spannung auch Entspannung folgt, geht es auch Leistungsträgern langfristig gut. Dann sind Unternehmensverantwortliche in der Lage, die Anforderungen des Alltags zu bewältigen.

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esunde, motivierte Mitarbeitende und leistungsfähige Teams sind heute keine Selbstverständlichkeit. KMU-Verantwortliche, die in das Gesundheitsmanagement investieren und dabei professionell vorgehen, erzielen messbare Erfolge und einen nachweislichen Marktvorteil. Die Gesundheit der Erwerbstätigten jeder Altersgruppe ist eine Grundvoraussetzung für die hohe Produktivität der Schweizer Volkswirtschaft. Wer qualifizierte Mitarbeiter rekrutiert und langfristig bindet, sichert Wissen, Qualität und Gewinn für sein Unternehmen. Ob junge Fachleute oder ältere Kaderleute, in allen Branchen müssen sich die Unternehmen mit dem Gesundheitszustands ihrer Mitarbeiter zum allseitigen Nutzen auseinandersetzen. Welche Schlüsse ziehen Unternehmen aus den Profilen (Alter, Ausbildung, Funktion) ihrer Belegschaft für deren Gesundheit? Wie können KMUVerantwortliche ihre Mitarbeiter jedes Alters befähigen, die eigene Gesundheit zu stärken? Welchen Beitrag leistet hierbei eine systematische betriebliche Gesundheitsförderung? Durch Verknüpfung folgender Ansätze, wie erstens Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen, zweitens Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung und drittens Stärkung persönlicher Kompetenzen kann dies erreicht werden. Der Betrieb gilt als mitarbeiterfreundlich, wenn be-

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kannt ist, dass um das Wohlbefinden der Angestellten gesorgt wird. Dadurch gilt der Betrieb auf dem Markt als attraktiv und kann seinen Standortvorteil erhalten oder gewinnen. Zudem werden krankheitsbedingte Absenzen und Fluktuationen zum Beispiel in der Produktion oder Administration reduziert, wodurch erheblich Kosten gespart werden. Der «Return On Investment (ROI)» für Massnahmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung wird in bekannten internationalen Studien (zum Beispiel Bundesverband der deutschen Betriebskrankenkassen) mit dem Verhältnis 1:3 beziffert, was dieses Instrumentarium der gezielten Förderung als ökonomisch hocheffektiv ausweist. Es fliesst somit drei Mal mehr zurück als für die Prävention und Förderung der Gesundheit in den Betrieben investiert wurde. Auch nach Schweizer Recht¹ muss der Arbeitgeber alle Massnahmen treffen, die nötig sind, um den Gesundheitsschutz zu wahren und zu verbessern und die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten. Eindeutige Zahlen Mehr als 34 Prozent der Erwerbstätigen leiden unter chronischem Stress, was oft zu einem BurnoutSyndrom führen kann. Das sind ca. 10 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Die durch Stress und Burnout verursachten Kosten belaufen sich nach

Studien des Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) auf über 4.2 Milliarden CHF oder circa. 1.2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP); darin eingeschlossen sind unter anderem Kosten im Zusammenhang mit Fehlzeiten und Produktionsausfall von circa 2.4 Milliarden CHF Zählt man zu den direkt dem Stress angelasteten Kosten noch diejenigen für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten hinzu, so belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten arbeitsbedingter Gesundheitsstörungen auf mindestens acht Milliarden CHF oder circa 2,3 Prozent des BIP². Gemäss Studie könnten durch gezielte Präventionsmassnahmen solche Arbeitsabsenzen um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Bei einem andauernden Ungleichgewicht zwischen vorhandenen Ressourcen und ausgesetzter Belastungen entsteht chronischer Stress, der nachweislich einen negativen Effekt auf psychische und körperliche Prozesse ausübt. Der krankmachende Effekt von bestimmten Belastungskonstellationen konnte insbesondere am Arbeitsplatz nachgewiesen werden. Geringer Kontrollspielraum in der Verrichtung der Arbeit kombiniert mit grossen mentalen Anforderungen verursacht chronischen Stress, der krank machen kann. Auch Personen, bei denen das Verhältnis der Beanspruchung durch ihre Tätigkeit mit ungenügenden Gratifikationen (Anerkennung und Lob, Lohn und realistische Aufstiegsmöglichkeiten) erhalten, erleben andauernden Stress. Zudem zeigt sich in weiteren


Menschen in Unternehmen Erklärungsansätze, dass nicht nur die Belastungsmenge entscheidend ist, sondern auch wie der Betroffene den Stress bewältigen kann. Strategien entwickeln Gezieltes personalisiertes Stressmanagement kann nicht nur ein Gleichgewicht zwischen Belastung und Ressourcen aufbauen, sondern ist eine Voraussetzung für eine gute Burnout-Prävention. Dadurch lassen sich stressbedingte Erkrankungen, Fehlzeiten und Unfälle vermeiden. Der Grundstein jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist eine verständliche und wirkungsvolle Kommunikation. Die richtigen Worte zu finden und sicher sein, dass die Botschaft auch wirklich ankommt und verstanden wird, ist entscheidend. In einem guten Arbeitsklima haben «Mobbing»³ und «Bossing»4 und deren Auswirkungen keine Chance zur Entfaltung. Einerseits wirken sich transparente und faire Strukturen positiv aus, andererseits sind aber auch das Engagement und die Sensibilisierung der Vorgesetzten und der Mitarbeitenden selber nötig. Mitverantwortung für ein gutes Arbeitsklima trägt jede und jeder und kann Wesentliches dazu beitragen. Die Identifizierung mit dem Unternehmen und Motivation der Arbeitnehmer kann durch gemeinsame

WAS HAT MAN VON LUNCH-CHECKS?

Aktivitäten (zum Beispiel gemeinsamer Sport oder Entspannung) gefördert und gefestigt werden. Wichtig sind bei der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagement die genaue Analyse des IST- Zustands. Dies kann mittels Tests (zum Beispiel Stresstest), Management- und Mitarbeiterbefragungen, Erhebung betrieblicher Kennzahlen erfolgen. Ein klares JA zum Konzept des Gesundheitsmanagement mit Vorbildfunktion der Geschäftsleitung ist dabei stets die Grundvoraussetzung.

4 In zahlreichen Fällen geht das «Mobbing» eben auch von Führungskräften aus, beziehungsweise findet unter ihrer Mitwirkung statt. Dies als «Bossing» bezeichnete Verhalten steht für eine psychische Aggression eines Chefs gegen eine Person im eigenen Betrieb.

Anmerkungen ¹ SR 822.113, Verordnung 3 vom 18. August 1993 zum Arbeitsgesetz (Gesundheitsvorsorge, ArGV 3) Stand am 1. Mai 2010. ² Studien: SECO aus dem Jahre 2000 und 2010; Schweizerischer Arbeitgeberverband vom 06.09.2011; Schweizer Fernsehen vom 31.01.2012 Stress/Burnout. ³ «Mobbing» kann im engeren Sinn als eine Art «Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln» beschrieben werden. Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmässig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen.

Beatrice Straub Blum ist Geschäftsführerin der Business Vital, Syst. Coach ECA mit CAS Betriebliche Gesundheitsförderung. www.business-vital.ch

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Persönlichkeit führt Spagat zwischen Ökonomie und Menschlichkeit von Wolf-Dietrich Groß

Nur wer sich richtig motiviert fühlt, liefert optimale Leistungen ab. Der Unternehmensalltag sieht leider oft anders aus. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leiden unter Stress oder haben sich sogar in die innere Emigration verabschiedet. Wie können hier Unternehmensverantwortliche agieren? Der folgende Beitrag beleuchtet strategische Handlungsoptionen. kmuRUNDSCHAU // Seite 30


Menschen in Unternehmen

Was also können Führungskräfte für sich selber und ihre Mitarbeiter tun, um gar nicht erst ins Hamsterrad zu geraten? Im Kern lassen sich sieben Ansatzpunkte ausmachen, um selber widerstandsfähig zu werden und auch die Mitarbeiter in die Resilienz, sprich zu innerer Stärke zu führen: 1. Motivation Aufmerksamkeit schenken 2. Fehlerkultur korrigieren 3. Denkfallen und Kommunikationsmuster auflösen 4. Mit Druck und Stress bewusst umgehen 5. Emotionalen Führungsstil üben 6. Selbstfürsorge lernen 7. Vorbild sein und diese Rolle bewusst ausfüllen

92%

Es sind immer öfter Klagen zu hören, dass junge Menschen ihrer Arbeit nicht mehr den extremen Stellenwert geben wie früher; dass Familie, Freizeit und Genießen wieder stärker in den Fokus rücken. Junge Führungskräfte der Generation Y müssen diese Veränderungen in ihrem Verhalten mitberücksichtigen und dieser Tendenz positive Seiten abgewinnen. In Führungskräfte-Workshops kommt dieser Wunsch allerdings auch bei älteren Menschen immer stärker hoch. Nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie nach einer langen beruflich eingefahrenen Strecke nicht wissen, wie sie ihrem beruflichen Hamsterrad entkommen können. Meist haben sie Angst, ihren Job dann nicht mehr in der gewohnten und vom Chef erwarteten Qualität ma-

07:40

Dabei ist Motivation eigentlich gar nicht das Thema. Vielmehr geht es darum, Menschen nicht kontinuierlich, wenn auch meist ungewollt und «nur» dem individuellen Unvermögen der Chefs geschuldet, zu demotivieren. Wer eine neue Aufgabe übernimmt, wer Führungsaufgaben übertragen bekommt oder wer den Job wechselt, ist in der Regel hoch motiviert und möchte eine starke berufliche Performance bieten. Also gilt es herauszufinden, was Menschen motiviert und ihr hohes Engagement stabilisiert.

chen zu können. Zum Extrem wird dieser Zustand, wenn sich Menschen ausschliesslich über ihre Arbeit definieren. Wenn sie nicht gelernt haben, sich abzugrenzen; wenn sie Konflikte befürchten und daher schon die Konfrontation scheuen, Auseinandersetzungen meiden, nicht Flagge zeigen, also Standpunkt beziehen. Wenn sie zu wenig Anerkennung bekommen und in Selbstzweifel fallen. Auch Perfektionisten stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe und stecken trotz immerwährender Anstrengung regelmäßig in grosser Frustration. Junge Führungskräfte haben heute die Aufgabe, der zeitlichen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bzw. Privatleben deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Netz

Motivation ist die zentrale Antriebsfeder für kontinuierliche Leistung. Umso ernüchternder lesen sich die Ergebnisse der jährlichen Umfragen bei Arbeitnehmern. Die folgenden Zahlen können in ihren groben Trendlinien auch auf die Schweiz übertragen werden. Die Zahlen sind erschütternd: Nur 14 Prozent der befragten Arbeitnehmer gehen ihrer Tätigkeit engagiert nach, 63 Prozent machen Dienst nach Vorschrift und fast jeder Vierte (23 Prozent) hat innerlich gekündigt (Quelle GALLUP). Da die Zahlen sich Jahr für Jahr ähneln, scheint sich in der Führungskultur der meisten Unternehmen nicht viel zu verändern. Auch in den USA hängt vielerorts der Firmensegen schief, wie eine Studie der US-Universität Berlin bescheinigt. Wie auch – denn Führung haben die wenigsten Menschen in Vorbereitung auf ihre professionelle Aufgabe (oder auch Elternschaft) gelernt und die nicht-fachlichen Weiterbildungs-Budgets der meisten Unternehmen sind recht überschaubar. Schwer zu sagen, wie viele Milliarden Euro dieser Motivationsstillstand jedes Jahr die Wirtschaft

kostet – in Form von Produktivitäts- und Kreativitätsbremsen. Viele gehen irrtümlicherweise davon aus, dass führen nicht erlernbar sei.

Kein

N

ur wer sich richtig motiviert fühlt, liefert optimale Leistungen ab. Der Unternehmensalltag sieht leider oft anders aus. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leiden unter Stress oder haben sich sogar in die innere Emigration verabschiedet. Wie können hier Unternehmensverantwortliche agieren? Der folgende Beitrag beleuchtet strategische Handlungsoptionen.


Rubrik

In dem «Engagement-Index» von Gallup werden die durch innere Kündigung verursachten Produktivitätseinbußen in Deutschland für 2012 mit bis zu 138 Milliarden Euro beziffert.

Mitarbeiter nicht demotivieren Wenn Arbeit Freude macht, arbeiten Menschen gern. Optimale Effizienz in der täglichen Arbeit kommt dann zustande, wenn Führungskräfte und Mitarbeiter in guter Atmosphäre tätig sind und Freude an Art und Inhalt ihrer Arbeit haben. Es kommt also – anders als es oft in der Unternehmenspraxis aussieht – nicht primär auf Daten, Zahlen und Fakten an, sondern auf den Menschen. Ist die Motivation hoch, schlägt sich dies in positiven Ergebnissen nieder; eine banale, aber nicht weit verbreitete Erkenntnis. Sich diese Erkenntnis zunutze zu machen, wäre für Führungskräfte und damit für Unternehmen der Effizienz-Durchbruch. Dafür braucht es aber zuerst einmal eine stärkere Selbstreflexion: Wie führe ich und warum? Die Schwierigkeit besteht darin, dass Führungskräfte ihre Kommunikations- und Verhaltens-Muster, die immer wieder in die gleiche, gelernte Richtung zielen, meist nicht als solche wahrnehmen. Die zentrale Frage, die oft gestellt wird, lautet: «Kann ich mich in meinem Charakter überhaupt verändern?». Sicher ist für die Hirnforscher, dass Gelerntes verändert werden kann. Diese positive Erfahrung machen Lehrer, Trainer und Coaches regelmässig. Aus gutem Grund wird der Prozess «Persönlichkeitsentwicklung» genannt. Individuell brachliegende Ressourcen werden im Einzel- oder Gruppen-Coaching entdeckt und entwickelt. Mitarbeiter werden permanent zu Leistung angehalten. Was sie dafür benötigen, wird ihnen allerdings häufig vorenthalten: Anerkennung. Sie ist eine der wichtigsten Motivations-Tankstellen. Voraussetzung dafür, dass der Chef die Leistungen seiner Mitarbeiter anerkennt und diese Anerkennung auch ausspricht, ist, für sich selber mit Aner-

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kennung umgehen zu können. Vielen Menschen fällt es schwer, sich zu loben, den Wert eigener Arbeit anzuerkennen. Anerkennung stärkt das Selbstvertrauen. Und das brauchen Menschen, um in der geforderten Weise zu leisten. Allerdings gilt: Was Führungskräfte mit sich selber nicht können, klappt auch bei den Mitarbeitern nicht. Leider wird die mangelnde Übung, Leistung anzuerkennen, von Generation zu Generation weitergegeben. So müssen heute auch die Jungen lernen, was ihnen ihre Vorbilder nicht geben konnten. Abschied von der Fehlerkultur Meist gelten gute Leistungen als selbstverständlich und mit dem Gehalt abgegolten. Schlechtleistung und Misslingen hingegen werden in der Regel gebrandmarkt. Hauptsache, der «Schuldige» ist gefunden. Das macht Angst. Könnten Führungskräfte aus der üblichen Fehler- eine Lernkultur machen, wäre den Menschen und damit dem Unternehmen gedient. Das Negative stünde dann nicht mehr im Vordergrund, sondern das gemeinsame Lernen aus Misserfolgen. Es gäbe keine «Schuldigen» mehr, sondern motivierte, angstfrei Lernende. Doch das ist nicht leicht, denn gelernt haben Menschen in diesem Kulturkreis primär nach dem SchwarzWeiß-Prinzip: es gibt «richtig» und «falsch», «gewinnen» oder «verlieren», «Sieg» oder «Niederlage», «stark oder schwach«. Der «Verkäufer des Monats», der «besser» ist als alle anderen, treibt seine Kollegen nur punktuell zur gewünschten Umsatzsteigerung an. Mittel- und langfristig deprimiert dieser rein leistungsorientierte Wettkampf. Motivation fühlt sich anders an. Nicht versagen dürfen In dieser überdimensionierten Leistungs- und Feh-

lerkultur prägen Denkfallen im Sinne individueller Ge- und Verbote unser tägliches Kommunikationsverhalten. Sie sind charakterisiert durch «ich muss» und «ich darf nicht», dienen als unerschütterliche Wegweiser und Blockierer. Sie sind als Muster in unserem täglichen Denken fest installiert. «Ich darf nicht versagen», «Ich muss immer leisten», «Ich muss es allen recht machen», «Ich darf meinem Chef nicht widersprechen» oder «Ich darf keine Schwäche zeigen» sind Beispiele, die verdeutlichen, wie zwanghaft der individuelle Gestaltungsspielraum durch gelernte Muster eingeschränkt wird. Führungskräfte sind daher gefordert, eigene Denkfallen zu entdecken und aufzulösen, aber auch die Mitarbeiter zum Verändern entsprechend einschränkender Gedanken zu ermutigen. NeuDenken ist angesagt. Raus aus der Stressfalle Tägliches Stress-Klagen prägt die Büroatmosphäre – egal, ob der Chef, der Kollege oder der Kunde diesen Stress macht. Doch was ist die Botschaft des Klagenden? Er drückt seine Sorge aus, dass ihm alles zu viel und die Arbeit unter normalen Bedingungen kaum zu schaffen ist. Dahinter steckt die Angst, Leistungs-Erwartungen nicht zu erfüllen, dem eigenen Anspruch nicht gerecht zu werden, sein Gesicht als geschätzter Leistungsträger zu verlieren, seinen – auch privaten – Pflichten nicht gerecht werden zu können und zu versagen. Doch diese Botschaft wird nicht gehört. Stattdessen muss es immer weiter gehen, der Kostendruck lasse Entspannung nicht zu: also keine Entwarnung. Diesem Dauerdruck erliegen Führungskräfte im Arbeits-alltag ebenso wie deren Mitarbeiter. Daher sind sie meist nicht in der Lage, die Sorgen in ihrem Team zu erkennen und ernst zu nehmen.


Menschen in Unternehmen

Ängste und Stress der Mitarbeiter sind ein gewaltiges Kostenthema.

Als Lösung bieten sich zahlreiche Massnahmen an wie Überprüfung des eigenen Zeitmanagements, Veränderung der 24-Stunden-Nutzung von Handy und Laptop, keine permanente Erreichbarkeit mehr, klare Prioritätensetzung, Abschied vom fatalen MultiTasking, regelmäßige Pausen statt Dauerbelastung sowie das Üben von Mentaler Präsenz. Mentale Präsenz ist eine Bewusstseinsübung, die immer wieder in die Gegenwart führt und Gestalten im «Hier und Jetzt» überhaupt erst möglich macht. Zugleich führt die Mentale Präsenz aus der Angst heraus. Ängste der Mitarbeiter sind ein gewaltiges Kostenthema und belasten Unternehmensergebnisse auf ungeahnte Weise. In ihren Buch «Kostenfaktor Angst» haben Winfrid Panse und Wolfgang Stegmann schon 1996 dargelegt, dass innere Kündigungen von Mitarbeitern, denen Ängste zugrunde liegen, bei Unternehmen immense Kosten verursachen. Bitte sachlich bleiben Wenn Menschen emotional aufgewühlt sind, hören sie vom Vorgesetzten immer wieder den Spruch «Lassen sie uns mal ganz sachlich darüber reden»

oder «Nehmen Sie es doch nicht persönlich !» Derartige Äußerungen sind für einen rein rationalen Führungsstil charakteristisch. Emotionen werden außer Acht gelassen. Dieses Führungsverhalten drückt neben der eigenen Hilflosigkeit vor allem mangelnde Wahrnehmung des Gegenüber aus. Wie er sich fühlt, wird ausgeblendet. Denn schliesslich gehe es ja um eine sachliche Lösung des Problems. Schrittmacher ist die unterschwellige Angst des Chefs, mit der Emotion des Mitarbeiters – da nicht gelernt und im Unternehmen nicht gewollt – nicht umgehen zu können. Hier braucht es starke und stetige Lernanstrengungen der eigenen und fremden Wahrnehmung und Wertschätzung von Emotionen, die jeden Menschen ausmachen. Werden sie unterdrückt, brechen sie sich als gestaute Frustration früher oder später unkontrolliert Bahn und trüben den menschlichen Umgang mit den Mitarbeitern. Ganz allmählich scheint hier bei der jüngeren Führungsgeneration ein Umdenken und -fühlen stattzufinden. Sich schon heute stärker auf Kopf, Herz und Bauch als Persönlichkeits-Charakteristikum einzulassen, würde Führung deutlich leichter machen.

Ressourcen schonen Ohne Pausen zu arbeiten, signalisiere Stärke und Unverwundbarkeit – so der vielfache Irrglaube vieler Chefs. So aberwitzig arbeiten viele Chefs und erwarten dementsprechend ständige Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter. Gleichzeitig haben sie diesen gegenüber aber eine ausgeprägte Fürsorgepflicht. Nicht etwa im Sinne des Unternehmens, sondern in erster Linie dem Individuum gegenüber. Dass die Erhaltung der Leistungskraft des Einzelnen auch dem Unternehmen nutzt – dieser grundlegende Gedanke kommt erst gegenwärtig allmählich auf, da den Unternehmen durch die negative demographische Entwicklung in Deutschland die Fach- und Arbeitskräfte auszugehen drohen. Und das ist – endlich – die positive Nachricht: der Mensch rückt nun stärker in den Blickpunkt. So geht es heute darum, Strategien, Organisationsformen, Strukturen, Abläufe und vor allem Führungs-, Geisteshaltung und so ein berufliches Miteinander zu entwickeln, das den menschlichen Bedürfnissen stärker als bisher Rechnung trägt. Denn wenn Mitarbeiter dauerhaft überfordert werden, verlieren sie ihre Leistungskraft, ihr Selbstvertrauen und ihre innere Stärke. Achtung Vorbild Menschen lernen durch Vorbilder, sie machen es ihren Vorbildern nach durch Nach-denken und Nachfühlen. Und als Führungskräfte sind sie dann selber Vorbilder – in der Elternrolle ebenso wie im Chefsessel. Sich dieser Vorbild-Verantwortung bewusst zu sein und ihr auf zwischenmenschliche Art gerecht zu werden, ist eine gewaltige Herausforderung für Menschen, die andere professionell führen dürfen. Tun sie es im vollen Bewusstsein ihrer Verantwortung und mit dem von eigener Erfahrung gespeisten Wissen, dass Vertrauen Wertschätzung braucht, wird es ihnen gelingen, Menschen motiviert, leistungsstark und als echtes Team um sich zu scharen und den aktuellen Spagat zwischen unverzichtbarer Ökonomie und tragender Menschlichkeit am Arbeitsplatz zu schaffen. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen heute vielleicht mehr denn je starke und vertrauensvolle Persönlichkeiten, die durch menschliches und partnerschaftliches Führen Mitarbeiter dauerhaft motivieren und Unternehmen effizient steuern können.

Wolf-Dietrich Groß ist Kommunikations-Trainer und Coach der cmi Kommunikations- und Medien GmbH in Berlin www.cmi-berlin.de

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Mit ins Boot holen Mitarbeiter sind die besten Strategen von Ignaz Furger

Beim Entwickeln ihrer Strategien setzen Unternehmen oft auf externe Berater. Zielf체hrender w채re es, das Know-how und die Erfahrung der Mitarbeiter zu nutzen. Denn nur dann entsteht eine einzigartige Strategie, die auf die Bed체rfnisse des Unternehmens zugeschnitten ist und von den Mitarbeitern getragen wird. kmuRUNDSCHAU // Seite 34


Menschen in Unternehmen

Zielgerichteter Meinungsbildungs- und Abstimmungsprozesse in die Wege leiten.

E

ine der zentralen Unternehmensfragen lautet: «Was sind unsere Ziele, und wie erreichen wir sie?» Auf diese strategischen Fragen sucht jedes Unternehmen eine Antwort. Doch obwohl niemand besser die Kunden und Produkte eines Unternehmens kennt als die eigenen Mitarbeiter, wird ihre Beantwortung oft an Unternehmensberatungen ausgelagert. Diese setzen für diesen Job häufig junge, unerfahrene Hochschulabsolventen als «Business Analysts» ein, die die Geschäftstätigkeit und den Markt des Unternehmens kaum kennen. Eine Folge dieses Vorgehens ist: Die extern erarbeiteten Strategien sind meist sehr vage und beliebig. Und die Unternehmen können sich mit ihnen weder von ihren Mitbewerbern differenzieren, noch können sie damit ihre Mitarbeiter inspirieren. Unter anderem, weil diese intuitiv spüren: Es ist vermutlich zielführender, so weiter zu machen wie bisher, als die vorgeschlagene Strategie zu realisieren. Von solchen Strategieentwicklungsprozessen bleiben meist nur prall gefüllte Papierordner oder volle Festplatten übrig, die in Aktenschränken verstauben beziehungsweise im digitalen Nirwana verschwinden. Auf die Kompetenz der Mitarbeiter bauen Doch wie können Unternehmen eine solche Verschwendung von Zeit und Geld vermeiden? Und wie können sie eine Strategie entwickeln, die auf ihre Organisation zugeschnitten ist und von den Mitarbeitern akzeptiert und umgesetzt wird? Die Antwort liegt auf der Hand: Indem sie voll auf die

Erfahrung und das Know-how ihrer Mitarbeiter bauen. Denn wer kennt die Produktionsprozesse und -verfahren besser als die eigenen Werker? Und wer ist mit den Zielmärkten und -kunden stärker vertraut als die eigenen Vertriebsmitarbeiter? Und wer kennt die Kundenwünsche besser als die eigenen Serviceleute? Und wer ist mit den Produkten intimer vertraut als die eigenen Techniker und Konstrukteure? Wohl niemand! Also liegt es nahe, die Strategie von den eigenen Mitarbeitern erarbeiten zu lassen. Selbstverständlich nicht einsam und alleine, sondern in einem mit der Unternehmensführung abgestimmten Prozess, bei dem ausgewählte Mitarbeiter in Arbeitsgruppen vorgegebene strategische Aufgaben bearbeiten und ihre Arbeitsergebnisse der Unternehmensspitze zur Entscheidung präsentieren. Ein solcher Prozess erfolgt nach dem klassischen Muster «Analyse – Optionen – Grundstrategien – Planung – Umsetzung». Nach jeder Phase werden die Ergebnisse den firmeninternen Entscheidern präsentiert, von diesen verabschiedet und zur weiteren Ausarbeitung an die Arbeitsgruppen zurückdelegiert. Diese können bei ihrer Arbeit je nach Bedarf und Erfahrung von internen oder externen Spezialisten unterstützt werden. Bei einem solchen Vorgehen werden nicht nur das Know-how und die Erfahrung der Mitarbeiter genutzt. Weil die Mitarbeiter aktiv am Prozess der Strategieentwicklung beteiligt sind, identifizieren sie sich auch mit ihr. Entsprechend motiviert und engagiert sind sie bei der Umsetzung.

Ein Unternehmensbeispiel Wie eine solch integrierte Strategieentwicklung in der Praxis funktioniert, sei an einem Unternehmensbeispiel illustriert. Nach einer Restrukturierung, die mit der Entlassung von acht Prozent der Belegschaft verbunden war, stand ein Produktionsunternehmen vor der Frage: Wie geht es weiter? Diese Frage stellte sich nicht nur bezüglich der strategischen Ausrichtung; vielmehr ging es auch darum, die verbliebenen Mitarbeiter von der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu überzeugen. In dieser Situation entschied die Unternehmensspitze in den verschiedenen Bereichen der Organisation zunächst die Personen identifizieren, die • Träger von Schlüssel-Know-how sind und • in der Zukunftsplanung des Unternehmens eine wichtige Rolle spielen – und zwar auf allen Hierarchieebenen. Sie sollten in dem Strategieentwicklungsprozess aktiv mitarbeiten und parallel dazu im strategischen Management geschult werden. Nachdem diese Schlüsselpersonen identifiziert waren, wurden mehrere Arbeitsgruppen gebildet – in den Bereichen und bereichsübergreifend. Sie erhielten unterschiedliche strategische Aufgabenstellungen. Diese bearbeiteten sie in mehreren Workshops. Das heisst, sie sammelten Ideen, die anschließend systematisch bezüglich ihres Potenzials, ihrer strategischen Relevanz und ihrer Machbarkeit bewertet wurden. So schälten sich in einem mehrstufigen Verfahren allmählich die Komponenten

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Menschen in Unternehmen • Das Wissen der Organisation wird konsolidiert, verbreitert und nachhaltig verankert. Es bildet die Basis für das eigenständige Weitentwickeln der Strategie. • Die Mitarbeiter werden im strategischen Management geschult. Strategisches Denken und Handeln werden zu einem integralen Teil der Mitarbeiterqualifizierung und Managemententwicklung. • Es entsteht eine gemeinsame Sprache. Die Bedeutung von Begriffen wird geklärt und verstanden, und durch das gleiche Verständnis von Problemen und Lösungen entsteht Vertrauen. • Es wird ein zentrales Element der Unternehmenskultur, offen und konstruktiv über kontroverse Themen zu kommunizieren. Das stärkt das wechselseitige Vertrauen und schafft Transparenz bei der Zusammenarbeit.

Know-how und die Erfahrung der Mitarbeiter nutzen.

heraus, die nach einem bereichsübergreifenden Meinungsbildungs- und Abstimmungsprozess in die letztlich von der Unternehmensführung verabschiedete Strategie einflossen.

ihm können auch Lösungen für strategische Einzelaufgaben von interfunktionalen Teams erarbeitet und anschliessend der Geschäftsführung zur Entscheidung vorgelegt werden.

Nach dem Verabschieden der Strategie beauftragte das Topmanagement mehrere Projektleiter, die aus dem Kreis besagter Schlüsselpersonen kamen. Sie sollten mit Arbeitsteams in den verschiedenen Bereichen die erforderlichen Massnahmen planen und umsetzen, um die Strategie mit Leben zu füllen – ebenfalls in einem strukturierten Prozess. Auch das Planen und Realisieren der Umsetzungsmassnahmen war folglich das Werk der Mitarbeiter. Die Unternehmensleitung liess sich jedoch regelmässig über die Fortschritte informieren und nahm bei Bedarf Anpassungen vor. Nach circa einem Jahr war der Prozess der Strategieentwicklung und -umsetzung weitgehend abgeschlossen.

Ein solch integrierter Ansatz bedeutet für die Unternehmensführung jedoch nicht, dass sie von ihren strategischen Aufgaben entlastet oder gar entbunden ist. Im Gegenteil! Vorstand und Geschäftsleitung beschäftigen sich sogar intensiver mit der Strategie: Sie lesen Unterlagen. Sie stellen sich intensiven, aufschlussreichen, aber auch herausfordernden Diskussionen mit den Mitarbeitern und dies nicht nur während der Entwicklung, sondern auch Umsetzung. Sie hinterfragen die Arbeit der Mitarbeiter – und auch ihre eigene – regelmässig. Ihre Aufgabe ist und bleibt es, nachzuhaken, dranzubleiben und die Umsetzung unterstützend zu treiben. Fatal wäre es, sich zurückzulehnen und die Soldaten alleine in die Schlacht zu schicken.

Die Geschäftsführung muss Präsenz zeigen Eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen des Projekts war, dass in die strategische Planung von Anfang an Schlüsselpersonen aus allen Bereichen der Organisation involviert waren, die ihrerseits wiederum in einem lebendigen Dialog mit ihrem Umfeld standen. Dadurch hatte die letztlich verabschiedete Strategie eine sehr hohe Akzeptanz. Denn die Mitarbeiter sahen in ihr nicht eine Vorgabe «von denen da oben», sondern betrachteten sie als das Ergebnis ihrer Arbeit. In diesem Verfahren lassen sich nicht nur unternehmensweite Gesamtstrategien entwickeln. Mit

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Mitarbeiterintegration hat viele Vorteile Der beschriebene Ansatz einer integrierten Strategieentwicklung hat auch folgende Vorteile: • Eine mit den Mitarbeitern entwickelte Strategie ist leichter umsetzbar. Die Mitarbeiter werden von Kritikern zu Anwälten der Strategie. Sie sind überzeugt von ihrer Richtigkeit und werden somit zu aktiven Treibern der Umsetzung statt nur als passive «Befehlsempfänger» zu agieren. •D  urch die Integration von Schlüsselpersonen in den Prozess wird ein Change Management weitgehend überflüssig. Es entsteht eine Lust an Veränderung, und Barrieren werden leichter überwunden.

Langfristigen Wettbewerbsvorteil aufbauen Auch für das beschriebene Projekt engagierte das Unternehmen einen externen Berater. Seine Rolle bestand jedoch nicht darin, sozusagen stellvertretend für das Unternehmen eine Strategie für dieses zu entwerfen. Er sollte vielmehr «Hilfe zu Selbsthilfe» leisten. Das heisst, er unterstützte das Unternehmen dabei, das in den Köpfen der Mitarbeiter vorhandene Know-how und ihre unternehmerische Fantasie strategisch zu nutzen. Er moderierte in weiten Teilen den firmeninternen Abstimmungsprozess. Und er stand den Arbeitsgruppen als unabhängiger Sparringpartner zur Verfügung, der bei Bedarf • die richtigen, vorwärts treibenden Fragen stellt, • die Ergebnisse plausibilisiert und • für die Diskussion mit der Unternehmensführung aufbereitet. Das Resultat eines solchen Vorgehens sind Strategien, die passgenau auf das Unternehmen zugeschnitten sind und Mitbewerber nur schwer nachahmen können. Und erst hierauf lassen sich langfristige Wettbewerbsvorteile aufbauen.

Ignaz Furger ist Inhaber der Furger und Partner AG, Zürich, die Unternehmen beim Entwickeln und Umsetzen nachhaltiger Strategien unterstützt und ihre Mitarbeiter im strategischen Management qualifiziert. Er ist Autor des Handbuchs «Strategie-Leitfaden». www.furger-partner.com www.strategieleitfaden.ch


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Lebenslanges Menschen in Unternehmen Lernen



Bildquelle: Priska Ketterer

Umk채mpfte Strategien Frauen in F체hrungspositionen von Georg Lutz

Das Thema Frauen in den oberen Etagen in Unternehmenswelten ist ein heftig diskutiertes Thema. Es herrscht nur Einigkeit darin, dass hier noch viel Luft nach oben besteht und Handlungsbedarf offensichtlich ist. Beim Thema Quote prallen die Positionen aufeinander. Wir haben aus diesem Grund einen Schwerpunkt zusammengestellt und lassen unterschiedliche Frauenstimmen zu Wort kommen. kmuRUNDSCHAU // Seite 38


Lebenslanges Lernen

L

ange, lange Jahre mussten sich Frauen einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft, aber auch in den Chefetagen hart erkämpfen. Die Pionierinnen des Feminismus ernteten die Früchte ihrer politischen Arbeit erst Anfang der 70er-Jahre in der Schweiz, als den Frauen endlich das Wahlrecht zugestanden wurde. Seither hat sich einiges getan. In Schulen und Universitäten haben junge Frauen Männer oft schon von vielen angestammten Plätzen verdrängt, ja sogar überholt. Für die Generation Y haben Geschlechterhierarchien an Bedeutung verloren. Oft lästern junge Frauen über ihre früheren feministischen Lehrerinnen. Auch in den Businesswelten sind im mittleren Management viele Frauen sichtbar. Brauchen wir nur die Hände in den Schoss zu legen und zu warten, dass eine junge Generation weiblicher Kader immer heftiger an die Türen in den Teppichetagen klopfen? Das wäre eindeutig zu kurz gesprungen.

HABEL ist das halbe Leben ALLES GEHABELT. ALLES GEREGELT.

Der Boss ist männlich Wie sieht es in den Teppichetagen aus? Wer Kadertagungen in der Schweiz besucht, bekommt schon auf den ersten Blick eine klare Antwort. Frauen sind dort immer noch klar in der Minderheit, oft exotische Wesen. Natürlich gibt es in der Entourage der CEOs Kommunikations- oder Marketingspezialistinnen, aber oft haben sie nicht viel mehr zu sagen wie die früheren Sekretärinnen. Der Boss ist fast immer weiter der Mann. Vor mehr als einer Dekade begannen erste weibliche CEOs, die Schweizer Businesswelt zu überraschen. Es schien, als würde die Geschichte sich langsam drehen. In der Schweiz stieg die Zahl der Frauen, die als CEO arbeiten oder in einem Verwaltungsrat sitzen, langsam an. Und auch die Politik wurde weiblicher. In den letzten Jahren geriet die Entwicklung aber ins Stocken. Dies, obwohl mehrere Studien belegen, dass ein angemessener Frauenanteil an der Firmenspitze massgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Die Erfahrung, dass gemischte Teams innovativer arbeiten und den Ansprüchen der Kunden besser gerecht werden, sind in jeder HR-Veranstaltung zu hören. Das ist Theorie, die Praxis sieht anders aus. Projekt Erhöhung Der Frauenanteil in Senior Executive Führungspositionen in der Schweiz liegt heute bei vier Prozent. «Diese Zahl ist seit zehn Jahren praktisch unverändert – diesem Umstand müssen wir entgegenwirken», sagte Simona Scarpaleggia, AdvancePräsidentin und CEO von IKEA Schweiz. Das neu gegründete Firmennetzwerk will die Erhöhung des Frauenanteils im Management aktiv fördert.

DOKUMENTENMANAGEMENT SCHAFFT ORDNUNG Auf dem Gebiet des Dokumentenmanagements ist HABEL eines der führenden Softwareunternehmen für den Mittelstand. HABEL Systeme optimieren komplexe Geschäftsprozesse – einfach, sicher und ortsunabhängig. Seit 1991 sind wir Branchenspezialist im produzierenden Gewerbe, in der Logistik sowie im Hotel- und Gastronomiebereich. Mit unserem Standort in der Schweiz sind wir schnell für Sie greifbar. Profitieren Sie davon und erfahren Sie, wie Sie Zeit gewinnen und Kosten sparen.

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Menschen in Unternehmen

Businessfrauen kn端pfen Netzwerke an der achten Womens`s Business Conference.

Bildquelle: Priska Ketterer

Jasmin Staiblin, CEO des Schweizer Energiekonzerns Alpiq mit Moderatorin Susanne Wille (links) an der letzten Women`s Business Conference.

Bildquelle: Priska Ketterer

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Menschen in Unternehmen menbedingungen. So ist die Situation der Angebote von Kinderbetreuungen im europäischen Vergleich beschämend. Klare Zahlen Auch die weit geöffnete Lohnschere gibt einen Einblick in formale Ungleichbehandlung. Eine aktuelle Befragung von jobs.ch gibt einen klaren Überblick. Männer verdienen im Schnitt 11 Prozent mehr als Frauen, wie der Lohnvergleich über 18 verschiedene Berufsgruppen zeigt. Die grössten Unterschiede zeigen sich bei Verkauf/ Kundendienst / Innendienst, wo Männer satte 28 Prozent mehr als ihre weibliche Konkurrenz verdienen. Im Banking / Versicherungswesen liegen die Männer mit 21 Prozent vorne und bei Administration / HR / Consulting / CEO liegt die Differenz bei rund 16 Prozent. Vorbilder in Spannungsfeldern Ein Beispiel für wegweisende Karrieren und weibliches Networking ist die jährlich stattfindende Women’s Business Conference. Sie stand letztes Jahr unter dem Leitthema «Spannungsfelder». In diesem Rahmen wird jedes Jahr der Women’s Business Award einer weiblichen Führungskraft verliehen. Die Preisgewinnerinnen Jasmin Staiblin und Katrin Trautwein waren schon manchen Span-

nungsfeldern ausgesetzt und haben darin erfolgreich agiert. Jasmin Staiblin übernahm Anfang Jahr den Chefposten bei Alpiq und gehört seither zu den einflussreichsten Frauen der Schweizer Wirtschaft. Die Herausforderung der gebürtigen Deutschen ist es, den Energiekonzern für die Schweizer Energiewende fit zu trimmen. 2009 nahm die Topmanagerin als damalige Landeschefin und Vorsitzende der Geschäftsleitung von ABB Schweiz Mutterschaftsurlaub. Kurz nach ihrem Antritt als CEO bei Alpiq erwartete die 43-Jährige ihr zweites Kind. «Jasmin Staiblin ist ein Vorbild. Sie hat sich immer wieder erfolgreich schwierigen Situationen gestellt und in Spannungsfeldern Lösungen gesucht», sagt Jurymitglied Prof. Dr. Sita Mazumder. Die Chemikerin und Farbexpertin Katrin Trautwein gründete ihre Farbmanufaktur kt.COLOR 1998 in Uster. Die Firma stellt aus mehr als 120 verschiedenen Pigmenten Farben handwerklich her. Der Anfang dafür bildete Katrin Trautweins Interesse an den Farben des Architekten Le Corbusier, die zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten waren. Die USBürgerin begann mit der Erforschung der Rezepte, heute hält die Firma die Rechte an den Rezepturen. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen der 51 Jährigen erfolgreich gegenüber

der Konkurrenz behaupten können, die immer wieder versucht hat, die Farben zu kopieren und industriell herzustellen. «Katrin Trautwein hat sich in einem schwierigen Markt behauptet, Gefahren frühzeitig erkannt und ihr Unternehmen in entscheidenden Situationen in die richtige Richtung gelenkt», betont Prof. Dr. Sita Mazumder. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Wir haben auf jeden Fall noch einen längeren Weg vor uns. Die folgenden Seiten belegen aber, dass es viele Power-Frauen in der Schweiz gibt, die etwas bewegen wollen.

Georg Lutz ist Chefredaktor von kmu Rundschau.

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Rubrik Menschen in Unternehmen

Die etwas anderen Handtaschen.

Brüche innovativ nutzen Ein Familienunternehmen in schwierigem Umfeld Interview mit Barbara Tschanen von Georg Lutz

Die Lederwarenfertigung spielt in der Schweiz nur noch eine untergeordnete Rolle. Die globale Konkurrenz ist zu mächtig. Wie kann sich unter diesen Vorzeichen ein Familienunternehmen erfolgreich auf dem Markt behaupten? Wir haben mit Barbara Tschanen, Inhaberin und Geschäftsführerin der Lady Lederwarenfabrik AG in Frauenfeld, ein Interview geführt. Frauen in Führungspositionen sind auch in der Schweiz eine Rarität. Wie haben Sie die gläserne Decke durchstossen?

«Mein Boss ist eine Frau» tönt auch in einem Familienunternehmen immer noch exotisch. Wie war und ist das bei Ihnen?

sehr viel mit Frauen zu tun und da schätze ich den Austausch mit Männern auch aus unterschiedlichen Branchen.

Wenn man in einem Familienunternehmen wie bei uns die Nachfolge antritt, hat das wenig damit zu tun, ob man Mann oder Frau ist. Es ist die Frage, wer die Kompetenzen hat und sich das zutraut. Ich habe einen Bruder und der ist in einem ganz anderen Bereich, nämlich in der Forschung tätig…

Bei mir gab es keine Vorbehalte. Zudem sehe ich mich auch nicht als Boss, sondern als Teamplayer. Dabei praktiziere ich einen kooperativen Führungsstil. Der klassische Patron hat ausgedient. Heute müssen Führungskräfte Vorbilder sein, die aber auf Augenhöhe kommunizieren.

Können Sie uns ein Beispiel verraten?

Der wollte nicht?

Es gibt einen Trend in der Businesswelt der Schweiz, Frauennetzwerke zu gründen. Wie finden Sie das und sind Sie Mitglied in solch einem Netzwerk?

Richtig. Zunächst hat sich da niemand in den Vordergrund gedrängelt. Auch ich hatte bei Sulzer einen spannenden Job im Verkauf, in der Auftragsabwicklung. Ich habe mich dann aber kurzfristig doch entschieden, die Nachfolge in unserem Familienunternehmen zu übernehmen. Das Verschwinden eines Familienunternehmens, mit dem ich emotional verbunden war, wollte ich nicht riskieren.

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Grundsätzlich finde ich die Aktivitäten solcher Vereinigungen und Netzwerke gut. Mich persönlich sprechen eher Netzwerke an, die gemischt sind, da ich den ganzen Tag in einem Frauenteam agiere. In der Modebranche hat man inzwischen auch

Ein wichtiges Beispiel war und ist für mich das Netzwerk der Jungen Wirtschaftskammer. Das ist ein weltweites Netzwerk (Junior Chamber International) von jungen Führungskräften unter vierzig Jahren und ich habe in der Schweiz davon profitiert. Ihr Unternehmen hat in seiner Geschichte einige Brüche erlebt. Ihr Haus hat zu Beginn Sättel und Zaumzeug im Rahmen der Lederbranche hergestellt. Können Sie diese Brüche kurz skizzieren? Die ersten Entwicklungen habe ich natürlich nicht mitbekommen. Mein Grossvater war Sattler und hat Zaumzeug und Sättel, in erster Linie für die


Weibliche Teamarbeit ersetzt den klassischen Patron.

Schweizer Armee hergestellt. Später, mit dem Verschwinden der Pferde, kam der erste Bruch. Die neuen Produktgruppen waren Fellschultornister, Lederschultornister und später Damentaschen. Als mein Vater das Unternehmen übernommen hat, gewannen Damenhandtaschen an Bedeutung. Wann setzten die zunehmend globalisierten Märkte solch ein Modell unter Druck? In den 70er Jahren kam es zu einem grundlegenden Wandel, da die Konkurrenz aus Asien massiv an Bedeutung gewonnen hatte. Ich erinnere mich noch, dass wir damals in Frauenfeld noch über hundert Beschäftigte in der Produktion hatten. Das war nicht mehr zu halten, da wir mit den Preisen nicht mithalten konnten. Nach 1996 als ich begonnen habe, entschieden wir uns nach langen Überlegungen, die Produktion zu schliessen und die Produktionsaufträge nach Italien zu vergeben. Die Entwicklung der Kollektionen, der Einkauf des Materials sowie das Design der Modelle verbleiben jedoch bis heute in der Schweiz. Ein weiterer Meilenstein war der Lizenzvertrag mit Navyboot, den wir abschliessen konnten. Ab diesem Zeitpunkt realisierten wir für dieses renommierte Unternehmen das Design und den Vertrieb von Damenaccessoires für die Schweiz. Der letzte Bruch erfolgte, als Navyboot an Philippe Gaydoul verkauft wurde. Ab diesem Zeitpunkt habe ich ein eigenes Label entwickelt: 07 14. Das klingt für mich nach 4711 Kölnisch Wasser, ein sehr klassisches Produkt. Diese Assoziation ist sicher falsch. Was verbirgt sich hinter dem Kürzel? Zunächst geht es um eine Abgrenzung. Es geht bei uns nicht um 08/15-Produkte. Die sind Main-

stream. Mit 07 14 kommunizieren wir eine Produktereihe, die mehr als normal ist.

Da muss ich noch einen Lernprozess durchmachen…

Und was steckt ursprünglich dahinter?

Schauen Sie auf unseren Webauftritt. Da gibt es tolle Modelle. Der frühere Mister Schweiz Luca Ruch ist unser Gesicht und Testimonial für die Handtaschen und will nicht mehr auf dieses «mehr als normale» Accessoire verzichten.

Ich habe am 07. Juli Geburtstag. Darum hat sich diese Zahlenkombination angeboten.

«Ansprechendes Design, Funktionalität und hohe Qualität zusammen». Sie sind auf Damenangebote spezialisiert. Im Firmennamen steht ja auch «Lady». Trotzdem gibt es auch bei Ihnen die Handtasche für den Mann. Die klassische Lösung, die an der Hand baumelte und meist braun aussah, war für mich nicht gerade überzeugend. Können Sie mir da weiter helfen? Sehr viele Männer schätzen es, eine Tasche zu tragen. Die Lösung muss aber modern und passend sein. Die klassische Schlaufentasche, die Sie angesprochen haben, ist am Aussterben. Modische Männer tragen heute Umhängetaschen, die viele Transportmöglichkeiten bieten. Beliebter werden hochformatige Taschen, die man an der Hand, oder wie die Dame über der Schulter trägt. Kultige Männer haben sich an Handtaschen gewöhnt und geben sie nicht mehr her.

Wie positioniert sich Ihr Unternehmen in dem Markt, in dem es auch viele grosse und transnationale Player gibt? Es ist in diesem Markt nicht einfach. Was mir sicher zugute kommt, sind die vielen Kontakte, die ich im Laufe der Jahre zu den Vertriebspartnern aufgebaut habe. Zweitens kommen bei uns ein ansprechendes Design, Funktionalität und hohe Qualität zusammen. Drittens folgen wir nicht jedem Trend, sondern setzen auf kontinuierliche Entwicklung. Es geht uns nicht um Glitzer und Glimmer, das überlassen wir gerne den andern. Unsere Wiederverkäufer schätzen neben der Qualität, unseren Service, die Flexibilität als KMU und die kurzen Reaktionszeiten. Unsere Stakeholder kennen uns persönlich. Ein knackiger Werbeauftritt rundet den Auftritt ab.

Barbara Tschanen ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Lady Lederwarenfabrik AG in Frauenfeld. www.0714.ch

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Mobile Lösungen sind gefragt Elektronisches Personaldossier von Evelyn Ansorge

Gerade im Bereich der Personalverwaltung ist eine lückenlose digitale Dokumentation wichtig. Personalunterlagen müssen eingelesen, Auswertungen aufbereitet und der Lohn automatisch im Mitarbeiterdossier sowie in der HR-Software abgelegt werden. Der sichere Zugriff auf die Dokumente erfolgt bei entsprechenden Berechtigungen über den Personalstamm der ERP-Lösung via Intra- oder Internet und neuerdings auch über Tablet-Rechner wie etwa das iPad.

B

ewerbungsunterlagen, Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen, Lohnausweise und viele andere Dokumente füllen in der Regel ganze Aktenschränke und Archivräume. Meist sind die Dokumente an verschiedenen Orten abgelegt, so dass die Suche nach ihnen oft zeitraubend ist. In der ABACUS ERP-Software steht mit der elektronischen Dossierverwaltung und Archivierung ein applikationsübergreifendes Werkzeug zur Ablage und Verwaltung von Originaldokumenten und Auswertungen in digitaler Form zur Verfügung. Dokumente, die mit Word oder anderen Programmen erstellt wurden, lassen sich darin ebenfalls übertragen. Personaldossier im Zentrum Dokumente im Personalbereich können direkt aus einem Business-Prozess heraus oder aufgrund von Einzeltätigkeiten ins Personaldossier gespeichert werden. Erhält eine Personalabteilung Bewerbungen via Homepage online eingereicht, wird von der Software automatisch im Personalstamm ein Datensatz für den betreffenden Bewerber angelegt und die Unterlagen ins Dossier «Bewerbungsunterlagen» abgelegt. Bewerbungen via E-Mail lassen sich via Drag & Drop ins Bewerberdossier einfügen. Für solche, die in Papierform per

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Post eingehen, kann mit einem entsprechenden Drucker eine Barcode-Etikette ausgegeben werden. Diese enthält die Informationen, zu welchem Bewerberdossier oder Archiv ein Dokument gehört. Dieses wird mit dem Programm AbaScan eingelesen und danach als PDF-Datei aufgrund der Barcode-Etikette automatisch im richtigen Dossier abgespeichert und dem entsprechenden Bewerber zugeordnet. Während des Scanvorgangs wird der Text des Dokumentes volltextindexiert, womit ein beschleunigtes Suchen und Finden des Dokuments möglich wird. Alles erfolgt unter Berücksichtigung von Zugriffsrechten, damit sensible Informationen nicht von unberechtigten Personen eingesehen werden können. Sicherheit Im PDF-Format gespeicherte Auswertungen lassen sich auf Wunsch mit einer elektronischen Signatur versehen, welche die Authentizität und Originalität der gespeicherten Daten garantiert. Die ABACUS Software unterstützt die SuisseID der Schweizer Post. Die Vergabe von Zugriffsrechten auf Informationen in den Dossiers wird über die Archiv-, respektive Dossierverwaltung gesteuert. Der Zugriff kann pro

Benutzerkategorie mit den Berechtigungsstufen «kein Zugriff», «Leserecht» oder «Vollzugriff» definiert werden. Aber auch ein einzelnes Dossier kann mit einem Passwort geschützt werden. Zum Beispiel lässt sich das Dossier «Vertrauliche Dokumente» mit einem Passwort versehen, so dass nur ausgewählte Personen Zugriff auf das entsprechende Dossier und dessen Inhalt bekommen. Somit ist die Einsicht in die Daten klar geregelt und kann individuell über die ABACUS Benutzerverwaltung festgelegt werden. Alles gelangt ins Dossier Kommt es zu einer Anstellung, werden die Daten inklusive des gesamten Inhalts des Dossiers in den Personalstamm des neuen Mitarbeiters übernommen. Sobald dieser seine erste Lohnabrechnung erhält und sie ihm auf elektronischem Weg zum Beispiel via IncaMail zugestellt wird, wird diese im gleichen Arbeitsschritt im digitalen Mitarbeiterdossier erfasst und abgelegt. Am Ende des Jahres, wenn jeweils der Lohnausweis erstellt werden muss, legt das Programm selbständig ebenfalls eine Kopie davon im entsprechenden Dossier ab. Dokumente, die nicht aufgrund eines Prozesses in der Software erzeugt werden wie beispielsweise


Menschen in Unternehmen

ein Protokoll über ein Mitarbeitergespräch, lassen sich ebenfalls im digitalen Mitarbeiterdossier hinterlegen. Der HR-Sachbearbeiter muss es dafür ganz einfach mit Drag & Drop ins entsprechende Personaldossier verschieben. Von dort aus lässt es sich über die ABACUS Messagingfunktion auch direkt zum Beispiel dem Teamleiter zur Kontrolle weiterleiten. Dieser kann das Word-Dokument gegebenenfalls anpassen, worauf es wieder im Dossier gespeichert wird, ohne dass es dort manuell wieder eingefügt werden müsste. Die automatische Volltextindexierung archivierter Dokumente macht das Suchen von Dokumenten mit beliebigen Stichworten zu einem Kinderspiel. Das ganze Archiv kann komfortabel vom Arbeitsplatz aus durchsucht und verwaltet werden. Damit lassen sich auch alle Geschäftsprozesse aktiv unterstützen, wodurch die Flexibilität stark erhöht wird. ERP-Software wird mobil Für die neueste ABACUS ERP-Software – sie trägt das Kürzel vi, das für Version Internet steht –, wurde eine App für mobile Geräte wie das iPad entwickelt. Mit AbaSmart, der ersten ABACUS App für den Apple Tablet-Rechner, lassen sich verschiedene Arbeitsprozesse optimieren. Sie gestattet ihrem Anwender den mobilen Zugang zu den für ihn wichtigen Informationen aus der ABACUS Business Software. Diese Technologie sorgt für die ortsunabhängige Nutzbarkeit der Software via Internet.

Sie bietet sich insbesondere Unternehmen mit verteilten Strukturen und hoher Mobilität der Mitarbeiter an und sorgt für einen markanten kommerziellen Nutzen. Auch beispielsweise, dass dank ihr endgültig auf kostenintensive Citrix- oder Terminalserver-Anwendungen verzichtet werden kann. Die strukturiert in der ERP-Software abgelegten Personaldokumente können über einen Report in AbaSmart aufbereitet werden. Nicht nur Dokumente aus Mitarbeiter- oder Bewerberdossiers, sondern auch Auswertungen wie Personallisten, Telefonlisten und Reporte zu Kennzahlen lassen sich auf dem iPad in Echtzeit visualisieren. So können über das Personalstammblatt weitere Reporte wie die Lohnentwicklung, Projektstunden oder Abteilungskennzahlen sofort abgerufen und konsultiert werden. Vorausgesetzt ein Linienvorgesetzter verfügt über alle notwendigen Zugriffsrechte, gelangt er mit Hilfe weniger Klicks zu den hinterlegten Informationen seiner Mitarbeitenden. AbaSmart auf dem iPad bietet nicht nur die Möglichkeit, Informationen aus einem Personaldossier abzufragen, sondern steht auch im Zusammenhang mit der Leistungs-/Projektabrechnungssoftware für die mobile Datenerfassung zur Verfügung. Damit lassen sich auf dem Tablet-Rechner von Apple unabhängig von der Netzabdeckung unterwegs Leistungen für ein Projekt oder einen Auftrag erfassen. Als Neuheit enthält die App ähnlich

wie bei Facebook eine so genannte Timeline, über die Arbeitsstunden und Spesen bequem grafisch eingetragen werden können. Diese Daten lassen sich somit während der Arbeit vor Ort und nicht wie bei anderen Lösungen am Arbeitsplatzrechner im Büro eingeben. Dank der automatischen Synchronisation der Daten des iPad mit dem zentralen ERP entfallen manuelle Doppelerfassungen. Das reduziert Fehlerquellen. Die Daten lassen sich umgehend weiterverarbeiten, sei es zur Rechnungsstellung an die Kunden, zur Weiterverbuchung in die Lohnbuchhaltung für die Spesenauszahlung oder für Projektauswertungen. Mit Hilfe von AbaSmart können Unternehmen ihre Projekte effizient verwalten und bewirtschaften. Sämtliche relevanten Informationen stehen ortsunabhängig auf dem Tablet-Rechner zur Verfügung.

Evelyn Ansorge als Produktmanagerin zuständig für die Software Human Resources/Lohnbuchhaltung bei Abacus Research www.abacus.ch

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Kommentar

Quote ist Alltag – nur nicht bei Frauen von Monique Ryser

Die Schweiz ist ein glückliches Land und ein erfolgreiches. Weil sie sorgfältig darauf bedacht ist, dass alle Teile ihrer Bevölkerung angemessen vertreten sind und gehört werden. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es viele Quoten: Im Bundesrat haben Parteien und Sprachregionen Quotenplätze. Man sagt dazu Zauberformel. Der Ständerat ist der Quotenrat der Kantone, in dem jeder Kanton, egal, wie gross seine Bevölkerung oder seine Wirtschaftskraft ist, gleich viele Sitze hat. In der Bundesverwaltung gelten Sprachenquoten und in der Regierung des Kantons Bern ist ein Quoten-Sitz für den Berner Jura reserviert. All diese Massnahmen dienen dem Zusammenhalt des Landes. Niemand soll zuviel Macht haben, alle sollen gleichermassen verantwortlich sein. Vor kurzem haben wir gar eine Zweitwohnungsquote eingeführt – mit grossem Mehr der Stimmberechtigten. Die Quote scheint ein probates Mittel zu sein, Probleme zu lösen oder nicht erst entstehen zu lassen. Warum nur gibt es in diesem Land solchen Widerstand gegen eine Frauenquote? Warum bloss findet man es in dieser fein austarierten Schweiz normal, dass die Hälfte der Bevölkerung in der Wirtschaft stark untervertreten ist? Das Prinzip Diversity wurde in der Schweiz erfunden. Wir müssen es nur weiterentwickeln. Der Bundesrat hat das erkannt. Er hat beschlossen, den bundesnahen Betrieben und Anstalten eine Zielvorgabe zu machen: Bis 2020 sollen 30 Prozent der Verwaltungsräte weiblichen Geschlechts sein. Der Bundesrat beschloss dies zeitgleich mit der schon immer geltenden Forderung, dass auch Sprachenquoten eingehalten werden müssen – für unser Land genauso wichtig. Damit beweist die Regierung, dass es möglich ist, gleich zwei Quoten aufs Mal zu erfüllen. Er tut dies im Wissen darum, dass auch er als Gremium nach Quoten zusammengesetzt ist. Das funktioniert!

Und überhaupt: ein Bundesrat ohne Frauen? Schlicht nicht mehr denkbar. In der Wirtschaft sieht es leider anders aus: 94 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder der grössten Unternehmen in der Schweiz sind Männer. In den Verwaltungsräten sind es 88 Prozent (Quelle: Schilling Report 2013). Und dies obwohl: • etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiblichen Geschlechts ist, • rund 80 Prozent der Frauen (im Erwerbsalter) erwerbstätig sind und • rund 80 Prozent der Kaufentscheide von Frauen getroffen werden. Das heisst also, dass der grösste Teil der Firmen zwar weibliche Angestellte hat und Frauen darüber entscheiden, ob die Produkte dieser Firmen gekauft werden – aber sie haben das Gefühl, dass sie in ihren Männerrunden schon wüssten, was gut fürs Geschäft sei. Konsequenterweise hätte man bei der Rettung der UBS dann gleich sagen müssen, dass im Falle eines Verlustes nur die Männer den Schaden zu bezahlen hätten. Verschiedene Studien wie zum Beispiel «Why Women Matter» der Beratungsfirma McKinsey kommen zum Schluss: Durch die höhere Beteiligung von Frauen in den Führungsetagen steigt auch der Unternehmenserfolg. Und das Credit Suisse Research Institute folgert im Bericht «Gender Diversity and the Impact on Corporate Performance»: In den vergangenen sechs Jahren entwickelte sich der Aktienkurs von Unternehmen mit mindestens einer Frau im Verwaltungsrat besser als der anderer Firmen. Es gibt keinen Grund, nicht möglichst schnell auf diese Ressource zurückzugreifen.

Monique Ryser ist Präsidentin von Business and Professional Women von BPW Switzerland

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Kommentar

Genderquote – Freud oder Leid? von Prof. Dr. Sita Mazumder

Egal, an welcher Veranstaltung ich teilnehme, die auch nur entfernt mit Gender zu tun hat, das Thema der Genderquote brodelt früher oder später immer wieder auf. Und jedes Mal wird deutlich, wie sehr es die Gemüter erhitzt und dass zumeist auch viele Emotionen damit verbunden sind – und zwar bei beiden Geschlechtern. Sich dazu zu äussern, ist nicht unähnlich, sich bewusst in ein Nest mit Feuerameisen zu setzen, trotzdem ist die sachliche Auslegeordnung und Argumentation dazu nachfolgend wichtig. Wir wünschten uns, dass die Fakten einen eindeutigen Entscheid lieferten, um uns in unserer Auffassung zur Genderquote zu bestärken, oder aber, um uns umzustimmen. Leider ist dem nicht so. Unabhängig von der moralischen Diskussion, die hier nicht geführt wird, liefern wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen für beide Varianten, also mit oder ohne Genderquote, sowohl Vor- wie auch Nachteile. Es liegt also, wie so oft in der Ökonomie, ein Trade-off vor, und es geht darum, diese Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und die persönliche Meinung zu finden. Nachfolgend führe ich zentrale Aspekte an, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da die Quotenthematik komplex und weitläufig ist und nicht in einer Kolumne abgehandelt werden kann. Ebenso ist die Reihenfolge der Listung nicht als Wertung zu verstehen. Für eine Genderquote spricht, dass ein solcher Druck durch Regulierung gewisse Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Hürde von Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschleunigt verändern würde. Ebenso würde sich das Rollenverständnis anpassen, und Stereotype aufgeweicht, welche unter anderem auch in Studien der OECD als volkswirtschaftliche Hemmnisse

genannt werden. Hat sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen, würde dabei eine gesetzliche Quote nach einer gewissen Zeit hinfällig. Gegen eine Genderquote spricht umgekehrt, dass das männliche Geschlecht durch eine solche Regulierung hochgradig nicht mit an Bord genommen wird, auch ein Teil der Frauen nicht. Das wiederum ist einer nachhaltigen Umsetzung nicht förderlich und birgt die Gefahr, dass Massnahmen nicht oder nur unzureichend gelebt werden und entsprechend kein wirklicher Wandel stattfindet. Gegen eine Quote spricht ferner, dass bei den Unternehmen eine solche Regelung gar nicht notwendig ist, weil damit offene Türen eingerannt würden, oder dass die Problematik eigentlich darin liegt, dass nicht genügend Frauen für die betreffenden Positionen vorhanden sind. Eine Genderquote könnte deshalb dazu führen, dass ungeeignete Frauen in Führungspositionen befördert werden, was weder der Sache noch den beteiligten Personen und Unternehmen zuträglich wäre. Diesbezüglich bestehen zweifellos grosse Unterschiede zwischen den Branchen und es ist in der Tat gefährlich, alle Branchen über denselben Leisten zu schlagen. Mehrere Studien haben die empirisch fundierte Erkenntnis geliefert, dass gemischte Teams leistungsfähiger und innovativer sind als homogene Arbeitsgruppen und dass die erhöhte Heterogenität zumindest mittelfristig zu einer Profitabilitätssteigerung bei den Unternehmen und damit zu volkswirtschaftlichem Nutzen führt. Das ist auch der ökonomische Hauptgrund, die Genderdurchmischung zu unterstützen und zu fördern, da doch ab und an auch die Diskussion aufflackert, ob das denn überhaupt wichtig und notwendig sei. Ja, ist es.

Prof. Dr. Sita Mazumder ist Dozentin am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern - Wirtschaft. www.hslu.ch/ifz

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Kommentar

Für flexible Arbeitsformen ohne Druck und Zwang Um Karriere und Familie in eine Balance zu bringen, braucht es keine Frauenquoten. Es genügt, wenn Arbeitgeber neue Bedürfnisse akzeptieren und unterstützen, meint Petra Jenner

D

arf man als moderne berufstätige Frau heute gegen eine Frauenquote sein? Ich bin es, stelle aber fest, dass ich damit fast in die gleiche Ecke gestellt werden wie die Gegner des Frauenstimmrechts, die noch 1971 die Gleichstellung von Mann und Frau zu verhindern suchten.

Als Frau in einer Geschäftsleitungsposition in der Schweiz zähle ich zu einer Minderheit von fünf Prozent. Fast täglich bin ich mit der Frage konfrontiert, wie man dieses Ungleichgewicht bekämpfen solle und ob es dazu eine Frauenquote brauche. In dieser Frage gibt es momentan nicht zwei, sondern drei Lager: die vehementen Gegner, die Befürworter der Frauenquote und die «Ja, aber»-Gruppierung. Letztere nenne ich die «Anschubser-Fraktion» - ihre Vertreter sind eigentlich gegen eine Frauenquote, sehen aber eine befristete Quote als notwendiges Übel, da ihnen der natürliche Vormarsch der Frauen zu lange dauert. Ich bin klar für mehr Frauen, sehe aber in der Quote nicht das richtige Mittel, um dies zu erreichen. Es ist absolut unbestritten, dass ein höherer Frauenanteil in Wirtschaft und Politik ökonomisch sinnvoll und anstrebenswert ist. Unsere Zielgruppen und Absatzmärkte bestehen gleichermassen aus Frauen und Männern. Darüber hinaus ist erwiesen, dass gemischte Teams produktiver zusammenarbeiten und dass gerade diese Durchmischung auch zu einem besseren Arbeitsklima führt. Ob Firmen mit höherem Frauenanteil automatisch nachhaltig erfolgreicher sind, möchte ich offenlassen. Da gibt es zwar entsprechende Korrelationen, nicht aber den Nachweis einer Kausalität. Für meine klare Ablehnung von Frauenquoten und Quotenfrauen sind im Wesentlichen zwei Probleme verantwortlich: der Eingriff in den Markt mit dem Zweihänder und die Bekämpfung von Diskriminierung durch Gegendiskriminierung. In einem Land wie der Schweiz mit einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent bei gleichzeitig zunehmendem Fachkräftemangel dürfen wir darauf vertrauen, dass mittel- und langfristig der Markt spielt und die Frauen zurückholt in die Wirtschaft. Wir können es uns gar nicht leisten, auf die hervorragend ausgebildeten und motivierten Frauen zu verzichten. Der zweite Punkt betrifft die Fairness - diese muss für Frauen und Männer gewährleistet sein. Eine Quote führt unweigerlich zur Herabsetzung der Karrierechancen von Männern. Das ist keine konstruktive Lösung, sondern eher ein verzweifelter Gegenschlag.

Dass ich Quoten ablehne, heisst nicht, dass ich tatenlos abwarte - wir alle werden die berufliche Gleichstellung von Mann und Frau nur erleben, wenn wir jetzt handeln. Daher komme ich zum Wichtigsten: Ich möchte uns Wirtschaftsvertreter sowie die Politik dazu auffordern, einen aktiven und konstruktiven Beitrag zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Frauen zu schaffen. Entsprechend setze ich mich in meiner Funktion als Geschäftsführerin von Microsoft Schweiz schon heute dafür ein, dass: - bei gleicher Qualifikation die Frau vorgezogen wird (womit wir in der Grauzone der weichen Quoten sind), - Verantwortliche für Personalrekrutierung und Führung auf geschlechtsspezifische Unterschiede sensibilisiert werden, - auf jeder Hierarchiestufe Teilzeitmodelle ermöglicht werden, auch in der Geschäftsleitung, - flexible Arbeitsformen angeboten und vor allem auch vorgelebt werden. Lassen Sie mich noch weiter gehen. Wer bringt denn die Kinder in die Krippen und holt sie keine acht Stunden später wieder ab? Wer bleibt zu Hause, wenn kurzfristig eine Lehrerfortbildung angesagt wird oder das Kind krank ist? Wer geht mit den Kindern zum Kinderarzt, der ausgerechnet dann arbeitet, wenn die meisten Menschen auch arbeiten müssen? Wer hilft bei der Pflege von betagten Eltern mit? Oft sind es die Frauen, auch wenn der Wandel bei jungen Männern schon deutlich spürbar ist. Gemäss einer Studie von Pro Familia legen schon heute 70 Prozent aller Männer bei der Auswahl eines Arbeitgebers auf die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie wert. 90 Prozent würden sich sogar eine Arbeitszeitreduktion wünschen. Der Trend ist klar: Junge Väter wollen sich aktiver am Familienleben beteiligen. Dies wird nur dann möglich sein, wenn auch die Frau einen Teil zum Haushaltseinkommen beisteuert, was viele ohnehin wollen. Es ist ein Kreislauf, der dazu führt, dass Männer Frauen fördern und umgekehrt - ganz natürlich, ohne Druck oder Quoten. Einfach, weil zeitgemässe Bedürfnisse vom Arbeitgeber akzeptiert und mit entsprechenden Instrumenten unterstützt werden. Karriere und Familie als sinnvoller Ausgleich statt doppeltes Spannungsfeld lautet die Devise. Diese Balance lässt sich nur dann erzielen, wenn wir den Familienfrauen ihre Männer «zurückgeben». Die teilweise vorherrschende MachoKultur auf den Teppichetagen lässt sich nicht dadurch bekämpfen, dass wir die Männer mittels Quoten aussperren. Es ist wirkungsvoller, ihnen ab und zu auch mal ein Baby oder einen Kochlöffel in die Hand zu drücken. Flexible Arbeitsformen ermöglichen dies - ohne Gesichtsverlust und Karriere-Einbussen.

Petra Jenner

Erschienen in der NZZ am Sonntag 14.10.2012 Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung.

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ist seit 2011 als Country General Manager für Microsoft Schweiz verantwortlich. Vor ihrem Wechsel in die Schweiz leitete sie die MicrosoftNiederlassung in Österreich. Petra Jenner verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und war in Zentral- und Nordeuropa tätig.


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Lebenslanges Lernen

Die neue Meetingkultur Fünf Bausteine für effizientere Besprechungen von Anne M. Schüller

In manchen Unternehmen ist das schon fast wie ein heiliges Ritual: Als erste Reaktion auf einen Vorschlag wird immer zunächst das Negative sichtbar gemacht. Dort sind es die Bedenkenträger, die sich als erstes lautstark zu Wort melden (dürfen), die überall Gefahren wittern und jeden noch so guten Vorschlag zerreden.

A

uf den Gängen, im Personalraum und in der Raucherecke sieht es nicht viel besser aus: Da wird vor allem darüber lamentiert, was mal wieder alles schief gelaufen ist, wer sich daneben benommen und einem die Laune verdorben hat.

In den offiziellen Teambesprechungen ist es genauso: Negatives steht an erster Stelle. Und in Meetings dreht sich alles um Zahlen, Daten, Fakten, Prozesse und Projekte. Sich-mit-sich-selbstBeschäftigen steht auf dem Programm. Kunden auf der Agenda? Fehlanzeige! TOP 1: Der Kunde spricht Man kann das auch ganz anders machen, nämlich hingegen und an den Anfang eines jeden Meetings eine kundenbezogene Erfolgsstory setzen. Unter der Überschrift «Der Kunde zuerst» erhält dieser

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den besten Platz: TOP 1 auf der Agenda. Und reihum sollen die Teilnehmer über Kundenbegeisterungsgeschichten berichten. Die Mitarbeiter aus kundenfernen Abteilungen und teilnehmende Führungskräfte haben dabei die Aufgabe, gezielt nach aussagekräftigen Kundengeschichten zu recherchieren. Eine Regel lautet: die Erfolgsgeschichte zuerst. Kein Sportler würde seine Negativ-Erlebnisse vorkramen, wenn er zum nächsten Sieg eilen will. Im Gegenteil: Er führt sich seine grössten Triumphe vor Augen. Erfolge schweissen zusammen, geben Kraft und machen Unglaubliches wahr. Deshalb lautet eine weitere Regel: Auf eine Problemgeschichte muss immer mit einer Lösungsgeschichte geantwortet werden. Einfache Lösungen sind dabei komplexen Lösungen vorzuziehen. Denn Komplexität

kostet Zeit und Geld, und sie ist fehleranfällig. Eine neue Meetingstruktur Als Ergebnis eines Workshops bei einem Autobauer haben sich die dort versammelten Führungskräfte unter anderem von ihrer üblichen MeetingStruktur verabschiedet und stattdessen fünf Bausteine eingeführt:

Baustein 1: Emotion. Am Anfang des Meetings steht eine frohe Botschaft. Das kann ein besonderer Mitarbeiter- oder Teamerfolg, eine Ehrung, ein toller Pressebericht oder ein zahlenmäßig gutes Ergebnis sein. Unter dem Motto «Der Kunde spricht» können reihum Erfolgsgeschichten erzählt werden, in denen es um eine gelungene Zusam-


Lebenslanges Lernen menarbeit mit Kunden geht. Oder es werden Videos mit interessanten Kundenaussagen gezeigt. Baustein 2: Information. Erst jetzt folgen Informationen aus der Geschäftsleitung über berichtenswerte Vorgänge sowie, wenn nötig, die üblichen Zahlen, Daten und Fakten. Baustein 3: Interaktion. Nun werden die anstehenden Punkte aus der vorab erstellten und mit Zeitfenstern versehenen Tagesordnung diskutiert, entschieden und in ein To-do-Protokoll überführt. Baustein 4: Wünsch Dir was. Hier können Wünsche der Mitarbeiter oder spezifische Kundenwünsche an das Managementteam übermittelt werden. Unter dem Motto «Kill a stupid rule» lässt sich die Abschaffung eines veralteten / hinderlichen / kundenunfreundlichen / blödsinnigen Standards diskutieren. Unter dem Stichwort «verrückte Idee» können Begeisterungsideen, die der Verbesserung der internen Zusammenarbeit oder der Kundenorientierung dienen, eingebracht und verabschiedet werden. Baustein 5: Dankeschön. Am Ende des Meetings gibt es eine Dankeschön-Runde. Jeder Teilnehmer, der möchte, dankt dabei einem Kollegen für etwas, das ihm dankenswert erscheint. Gekrönt wird ein Meeting durch den abschliessenden Dank des Moderators und den positiven Hinweis, dass es ein gutes/effizientes/heiteres/straffes Meeting war – je nachdem. Eine solche Wertschätzungskultur tut allen Beteiligten und damit auch dem Betriebsklima gut. Sie hebt die Stimmung und bringt unbändige Lebensqualität an den Arbeitsplatz. Engels- und Teufelsadvokat Neben diesen fünf Punkten lässt sich die Funktion eines ‹Engelsadvokaten› implementieren. Er hat nach dem Vortragen einer Idee immer das erste Wort. Er unterstützt die Idee, findet zunächst das Gute darin und gibt ihr so eine Überlebenschance. Nun sind zumindest schon mal zwei im Raum dafür, und Querdenker erhalten die oft so dringend nötige Rückendeckung. Denn selbst die beste Idee ist ja am Anfang ein zartes Pflänzchen, das von den üblichen Be-

denkenträgern schnell totgetrampelt wird. Ferner wird sich unter dem Schutz des Engelsadvokaten nun jeder trauen, selbst die verrücktesten Ideen einzubringen. Und verrückte Ideen beinhalten bekanntlich am ehesten Alleinstellungsmerkmale und Begeisterungspotenzial. Ein ergänzender Hinweis: In Konsenskulturen und ‹Wattebausch-Meetings› braucht es einen ‹Teufelsadvokaten›, der allzu bereitwillige Zustimmung kritisch hinterfragt. Reine Konsens-Entscheidungen sind selten die besten, denn sie produzieren nichts als Mittelmass – und Mittelmass ist bekanntlich vom Aussterben bedroht. Beide Advokat-Funktionen sollten dann von den Meeting-Teilnehmern im Wechsel ausgeübt werden. So lernt jeder, mal pro und mal kontra zu spielen, also mal Bremser und auch mal Treiber zu sein.

Das Buch zum Thema

Anne M. Schüller: Touchpoints Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute Managementstrategien für unsere neue Businesswelt, Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Gunter Dueck Gabal, 4. aktualisierte Auflage, 350 S., ISBN: 978-3-86936-330-1 / CHF 47.90

Das Hörbuch zum Thema

Exklusiv-Seminar Touchpoint Management am 15. Mai in Regensdorf/Zürich Das Social Web und der rasante Aufstieg von Smartphones & Co. haben die Art und Weise, wie wir kaufen und miteinander Geschäfte machen, unumkehrbar verändert. Die entscheidenden Fragen sind nun: • Wie können Anbieter die wachsende Zahl der realen und digitalen Berührungspunkte mit den Kunden synchronisieren und passend gestalten, um hierüber Geld zu verdienen? • Wie können sie Kunden und Mitarbeiter mit ihren Ideen und Meinungen aktiv involvieren, um nicht nur Exzellenz, sondern auch eine Alleinstellung zu erreichen? • Und wie können sie ihre Kunden zu engagierten Botschaftern, Fans und Empfehlern machen, um an profitables Neugeschäft und dauerhafte Umsatzzuwächse zu gelangen? Umfassende Antworten gibt ein exklusives Tagesseminar zum Thema Touchpoint Management am 15. Mai 2014 im Mövenpick Hotel Regensdorf/Zürich. Trainerin ist Anne M. Schüller, führende Expertin in Sachen Touchpoint Management und Loyalitätsmarketing.

Anne M. Schüller: Touchpoints Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute Managementstrategien für unsere neue Businesswelt, ungekürzte Hörbuchfassung, 8 CDs ISBN 978-3-86936-501-5, / CHF 62.50

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing und ein kundenfokussiertes Management. www.anneschueller.de www.touchpoint-management.de

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CAS Digital Technology & Innovation

Infoabend: Di, 04. März 2014, 18.00 Uhr

CAS Crossmedia Management Infoabend: Do, 06. März 2014, 18.00 Uhr

CAS Digital Business Management Infoabend: Di, 04. März 2014, 19.00 Uhr Karrierebegleitend studieren: fh-hwz.ch/digitalbusiness

CAS Mobile Business Infoabend: Di, 27. Mai 2014, 19.15 Uhr

CAS Social Media Management Infoabend: Di, 27. Mai 2014, 18.00 Uhr


Lebenslanges Lernen

Gesteuerte Innovationsprozesse Ideenmanagement und Vermarktung von Innovationen von Hagen Worch, Andrea L. Sablone und Claus Gerberich

Innovation ist eine wichtige Voraussetzung für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Gerade in starken Wettbewerbsmärkten oder in Krisenzeiten zeigt sich, dass Unternehmen mit innovativen Ideen diese Herausforderungen besser überstehen oder gar gestärkt daraus hervorgehen.

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as Innovationsmanagement wird zunehmend als ganzheitlicher Prozess betrachtet, in den die gesamte Wertschöpfungskette mit einbezogen wird. Sieben massgebliche Themenfelder lassen sich entlang der Wertschöpfungskette unterscheiden, die für die erfolgreiche Entwicklung und Vermarktung neuer Ideen verantwortlich sind. Dazu gehören u.a. die Produktentwicklung, der Produktionsprozess, der Vertrieb, das Marketing, Finanzierungsmodelle und der Kundeservice (siehe Abbildung).

Viele KMU verfügen entlang ihrer Wertschöpfungskette über Innovationspotenziale, die in der Praxis oft nicht erkannt oder nur bedingt genutzt werden. Gerade wenn es um die Verzahnung der verschiedenen Bereiche geht, weisen viele Unternehmen Defizite auf – und besitzen damit ungeahnte Innovationspotenziale. Diese gilt es zu erkennen und zu nutzen! Feste Bestandteile eines ganzheitlichen Innovationsprozesses sind ein integriertes Ideenmanagement sowie die erfolgreiche Vermarktung der Innovationen unter Einbezug der gesamten Kundenkontaktkette. Anhand dieser

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beiden Elemente zeigen wir im Folgenden exemplarisch auf, an welchen Stellen Unternehmen ansetzen können, um ihre Innovationsprozesse zu verbessern und somit bislang brachliegende Potenziale zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit aufzudecken und zu realisieren. Integriertes Ideenmanagement Kunden sind häufig zentrale Ideengeber für Innovationen. Erfolgreiche Unternehmen haben einen starken Kundenservice. Sie stehen in ständigem Austausch mit ihren Kunden und nehmen systematisch Verbesserungsvorschläge, spezialisierte Kundenwünsche und neue Ideen auf. Sie verfügen über ein Sensorium zur Aufdeckung von Kundenbedürfnissen, die in innovativen Produktentwicklungen Einfluss finden. Werden mit dem Einbezug der Kunden jedoch alle Kanäle für neue Ideen umfassend genutzt?

Ein integriertes Ideenmanagement ist in der Lage, ein noch breiteres Spektrum von neuen Ideen im Umfeld des Unternehmens wahrzunehmen, zu integrieren und für die eigenen Produkte und Prozesse zu nutzen. Dazu zählen neben den Kunden auch die Mitarbeitenden, Lieferanten, Geschäftspartner, Wettbewerber, Wissenschaftler von Hochschulen und anderen Forschungsinstitutionen, Akteure in sozialen Netzwerken sowie Gesetzgeber und Behörden. Ziel eines systematischen Ideenmanagements ist es, mit spezifischen Instrumenten Ideen aus diesen verschiedenen Kanälen zu erfassen und in den Innovationsprozess einfliessen zu lassen. Tabelle 1 zeigt für die unterschiedlichen Ideenquellen Methoden auf, die angewandt werden können, um ein integriertes Ideenmanagement umzusetzen. Unternehmen, denen es gelingt, systematisch alle Stakeholder in den Prozess der Ideengenerierung zu integrieren, können sich in der Tat «Lernendes Unternehmen» nennen.

Ideenquellen

Methoden

Kunden

Lead User, Kundenbeirat

Mitarbeitende

Vorschlagswesen, Ideenmanagement

Lieferanten, Partner

Lieferantenrating und –screening, Kaizen

Wettbewerber, Branche

Branchentrendscreening, Technologie Roadmap, Benchmarking

Hochschulen, Forschungsinstitutionen

Studien, FuE-Zusammenarbeit

Soziale Medien

Empfehlungen, Kritik

Gesetze, Vorschriften, Normen

Lobby, Ausschüsse, Verbandsarbeit

Tabelle 1:Ideenquellen


Lebenslanges Lernen

Vermarktung entlang der Kundenkontaktkette Ein zweiter zentraler Bereich der sieben Felder ist der Vertrieb innovativer Produkte. Die gezielte Einbindung von Lead Usern ist mittlerweile ein weitverbreitetes Mittel erfolgreicher Unternehmen. Die Erfolgsaussichten für Innovationen steigen, je frühzeitiger und enger Kunden eingebunden werden. Die Zusammenarbeit mit Pilotkunden und korrespondierenden Lieferanten ist ausschlaggebend für die Wahl geeigneter Vermarktungskanäle. Manche Unternehmen stellen strategische Entscheidungen sogar einem Kundenbeirat vor, der mit Entscheidungsträgern der wichtigsten Kundenbranchen besetzt ist. Bei Produktentwicklungen denken viele Firmen bereits an den Kunden der Kunden. Aber kennen Unternehmen wirklich ihre gesamte Kundenkette? Und mit wem aus dieser Kundenkette haben sie tatsächlich Kontakt, d.h. kennen deren genaue Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche? Ein Instrumentarium zur systematischen Analyse und Bewertung der Kundenkontaktkette ist es, die Kernprozesse eines Unternehmens wie Innovationsprozess, Verkauf und Marketing, Auftrags-

Kernprozesse

abwicklung und Kundenservice mit den verschiedenen Kundentypen entlang der Kundenkette in Verbindung zu bringen. Damit lässt sich evaluieren, welche Unternehmensprozesse auf welche Kundentypen Einfluss haben und wie sich dieser Einfluss manifestiert. Ziel dieses Instrumentes ist es, sichtbar zu machen, ob Unternehmen diese Kundenverbindungen explizit in ihre Kernprozesse einbeziehen und welche Prozesse im Hinblick auf die entsprechenden Kundentypen verbessert werden können. Tabelle 2 zeigt exemplarisch, wie eine solche aggregierte Kernprozess-Kundenkontaktketten-Analyse aussehen könnte. Ein Beispiel eines Unternehmens, das Innovationen konsequent entlang der Kundenkontaktkette entwickelt und vermarktet hat, ist eine Firma der Rohstoffbranche, die Mineralien wie Kaolin und Quarzsand abbaut und diese nicht mehr nur als Rohstoffe vermarktet, sondern ebenso Rezepturen herstellt, wie die Mineralien als Füllstoffe in der Glas-, Papier- und Baustoffindustrie optimal einsetzbar sind, und darüber hinaus intelligente Füllsysteme produziert und anbietet. Damit hat das Unternehmen Bedürfnisse entlang der Kun-

Kundenkontaktkette Kundentyp 1

Kundentyp 2

Kundentyp 3

Kundentyp 4

Kundentyp 5

Innovationsprozess

0

x

x

0

0

Verkauf und Marketing

x

0

x

x

0

Auftragsabwicklung

x

0

0

x

0

Kundenservice

0

0

0

0

x

Tabelle 2: Kernprozesse und Kundenkontaktkette

denkontaktkette aufgenommen und in innovative Lösungen umgesetzt. Integriertes Ideenmanagement und die Vermarktung von Innovationen entlang der Kundenkontaktkette sind zwei Beispiele, die zeigen, wie sich gezielt Instrumente einsetzen lassen, um Verbesserungspotentiale im Innovationsprozess aufzudecken und zu nutzen. Durch die konsequente Verfolgung einer systematischen Herangehensweise können Unternehmen somit ihre Wettbewerbsposition stärken und sich in ihren Zielmärkten stärker profilieren.

Dr. Hagen Worch ist Wissenschaftlicher Projektleiter am Institut für Management und Innovation der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS). Seine Forschungsschwerpunkte sind in den Bereichen Innovationsmanagement, Innovationsökonomik, Firmenwachstum und Management von Kompetenzen in Firmen.

X – Kontakt besteht O – Kontakt besteht nicht

Dr. Andrea L. Sablone KMU-Workshop Die Gestaltung und Steuerung von Innovationsprozessen ist Thema eines Workshops, zu dem das Institut für Management & Innovation der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) am 27. März 2014 einlädt. Die interaktive Veranstaltung richtet sich speziell an KMU und verfolgt das Ziel, geeignete Tools aufzuzeigen, um Verbesserungspotenziale im Innovationsprozess zu identifizieren. Gastreferent: Wolfgang Luckhardt, Geschäftsführer beyerdynamic GmbH & Co. KG, Heilbronn Termin: Donnerstag, 27. März 2014, 17:00–20:30 Uhr Ort: Fernfachhochschule Schweiz, Regionalzentrum Zürich, Althardstrasse 60, 8105 Regensdorf

Kosten: CHF 200/ CHF 170 (für Mitglieder von KMU SWISS) pro Person inkl. Apéro riche und Parkplatz Anmeldung/Kontakt: Ihre Anmeldungen nimmt gern Frau Daniela Munari entgegen: daniela.munari@ffhs.ch; Telefon +41 (0) 44 842 15 52

ist Leiter des Forschungsfeldes Innovation & Strategy am Institut für Management und Innovation der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS). Seine Forschungsschwerpunkte sind in den Bereichen Strategie und Strategieabwesenheit, Organisationale Intelligenz und Innovationsmanagement.

Sie können sich auch online anmelden unter: www.ffhs.ch/innovationsmanagement Bei Fragen zum Workshop wenden Sie sich bitte an Herrn Dr. Hagen Worch: hagen.worch@ffhs.ch; Telefon +41 (0) 44 842 15 53 www.ffhs.ch

Prof. Dr. Claus Gerberich ist Eigentümer von Gerberich Consulting und Dozent für Innovationsmanagement an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS). Er hat sowohl langjährige Erfahrungen in der Unternehmenspraxis als auch der Wissenschaft und Lehre.

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X.DAYS

X.DAYS 2014 «Zwischen Welten und Wolken» Das wichtigste ICT- und Businesstreffen in der Schweiz von Jolanda Brühwiler

Seit 10 Jahren ist die Teilnahme an den X.DAYS bei immer mehr ICT- und Businessverantwortlichen ein fester Bestandteil ihrer Jahresplanung. Die Anzahl der Teilnehmer übertraf letztes Jahr sogar alle Rekorde. Über 60 Prozent der Besucher waren Geschäftsführer und ICT-Verantwortliche aus KMU. Dies zeigt, dass der Themenmix den Zeitgeist dieser Zielgruppe trifft und die Informationsbedürfnisse auf hohem Niveau abdeckt. kmuRUNDSCHAU // Seite 54


X.DAYS

Die CEOs von Microsoft (Petra Jenner), EMC (Stefano Camuso) und Canon (Markus Nägeli) auf der Bühne.

D

ieses Jahr finden die X.DAYS am 19. und 20. März statt. Dann wird Interlaken zum zehnten Mal zur Dreh- und Angelscheibe für aktuellste ICT- und Businessthemen und führt unter dem Motto «Zwischen Welten und Wolken» durch ein höchst interessantes und aktuelles Programm. Das Motto greift unseren ständigen Wechseln zwischen digitalen Arbeits-, Konsum- und Alltagswelten auf, deren Grenzen zunehmend verwischen. Es wird online gearbeitet, produziert, kommuniziert und konsumiert. Jederzeit und überall. Die Zukunft ist wolkig und mobil An Mobile- und Cloud Computing kommt heute keiner mehr vorbei. In Bezug auf Mobile Computing, haben entsprechende Konzepte und Technologien nach jahrelangen Diskussionen um das Wie und das Wofür in praktisch allen Unternehmen Einzug gehalten. Cloud Computing steht dagegen am Anfang und muss sich erst noch durchsetzen. Fragen nach der Sicherheit, nach der richtigen Strategie und nach sinnvollen Investitionen sind in vielen KMU noch nicht beantwortet. Aber wie im Fall von Mobile Computing bringt es auch bei der Frage um die Cloud Nutzung wenig, sich dagegen zu wehren. Denn mit der zunehmenden Nutzung von Smartphones, Tablets und anderen mobilen Geräten ist bewusst oder unbewusst auch das Cloud Computing bereits zur Unternehmensrealität geworden. Der mobile Mitarbeiter nutzt längst Cloud Services für die Dokumentenablage, den Dokumentenaustausch und die Terminverwaltung, denn die unabhängi-

gen Dienste aus der Wolke lassen sich einfach, schnell und vorteilhaft nutzen. Gefragt sind nun Strategien und Konzepte, die im Unternehmen alles unter einen Hut bringen. Bezüglich Sicherheit, Übersicht und Reduktion des Datenwildwuchses. Nur; was ist die richtige Strategie? Wo liegen die Vorteile und wie finden das Management und die ICT-Verantwortlichen einen gemeinsamen, wirtschaftlich sinnvollen Nenner? Antworten auf Fragen Diese Fragen sind weder einzigartig noch neu. Sie wurden auch von den Unternehmen gestellt, die Mobile- und Cloud-Lösungen bereits umgesetzt haben. Einige von ihnen werden an den X.DAYS ihre Projekte präsentieren, so dass die Besucher von Best Practices profitieren und erfolgreiche Beispiele kennenlernen können. Gleichzeitig erhalten sie im Dschungel der Angebotsvielfalt den notwendigen Durchblick. Auch die mit Mobile und Cloud Strategien zusammenhängenden Bereiche wie CRM, ERP, Big Data sowie der damit verbundenen Wirtschaftlichkeit und Beeinflussung der umfassenden Vernetzung auf Geschäftsmodelle, Prozesse und Infrastrukturen, werden thematisiert. Antworten liefern auch die vielen Kontakte, die durch das Networking unter mehr als tausend Teilnehmern geknüpft werden können und neue Chancen für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens eröffnen. Denn auch hierfür sind die X.DAYS wie geschaffen. Sie bieten für alle Business- und IT-Verantwortlichen

aus unterschiedlichsten Unternehmen und Wirtschaftszweigen eine Plattform, um aus erster Hand über erfolgreich umgesetzte ICT-Projekte, Strategien und Geschäftsmodelle zu erfahren. Ein wertvoller Brückenschlag Wie in den letzten Jahren auch, schlägt der Business Track in Kooperation mit dem Institut für Marketing der Universität St. Gallen (HSG) an den X.DAYS 2014 eine Brücke zwischen ICT und Managementthemen. Insgesamt sechs Referenten sorgen für spannende Einblicke in verschiedenste Themen. Von der Schwarmintelligenz, über das Scheitern als Chance, bis hin zur Kundenorientierung und Produktivität, die in Einklang gebracht werden kann. Wer vor der Entscheidung steht, bestehende Unternehmensziele zu hinterfragen oder neue zu definieren wird in den Referaten darüber, wie Ziele spielerisch erreicht werden, wenn’s richtig fliesst und wie innovatives Management und Marketing aussieht, wertvolle Anhaltspunkte für die eigene Herausforderung finden. Besondere Highlights Die Keynotes an beiden Tagen sorgen zusätzlich für einzigartige Highlights. Angefangen mit Prof. Dr. Gunter Dueck, der unter dem Titel «Die Welt nach Cloud Computing» aufzeigt, was automatisierte Abläufe für Unternehmen und Menschen bedeuten. Mit eindrucksvollen Praxisbeispielen zeigt am Nachmittag des ersten Tages die Präsidentin der Schweizer Management Gesellschaft Alice Šáchová-Kleisli auf, was bezüglich Kundenbegeisterung alles möglich ist. Wer sich dafür interessiert,

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X.DAYS

Den spannenden Key Notes Lauschen.

Die richtige Mischung an den X. DAYS: Inhalt, Networking und Messe.

wie erfolgreiche Teams gebildet werden, wird sich den Vortrag des Nationaltrainers der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, Sean Simpson, nicht entgehen lassen. Ein nicht ganz geheimer Abschluss Zum Abschluss der X.DAYS 2014 wird Sir Jonathan Evans, seines Zeichens designierter Direktor des britischen Inlandgeheimdienstes MI5 und Experte für Cyber-Kriminalität und Sicherheit, mit Anekdoten aus seiner Zeit als Generaldirektor, Beispielen aus der Praxis und wertvollen Informationen zu Sicherheitskonzepten aufwarten. Damit können Unternehmensverantwortliche einige neue strategische Blicke auf ihre Sicherheitsanforderungen werfen. Die X.DAYS 2014 bieten Quellen für neues Wachstum, sichere Cloud- und Mobillösungen sowie Networkingmöglichkeiten und Geschäftsideen.

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Das Casino ist bereit für den Empfang.

X.DAYS 2014 Wann & wo? Die X.DAYS 2014 finden wie gewohnt im Congress Centre Kursaal Interlaken statt: Congress Centre Kursaal Interlaken AG Strandbadstrasse 44 CH-3800 Interlaken Öffnungszeiten: Mi, 19. März: 8.30 – 18.00 Uhr Do, 20. März: 8.00 – 16.00 Uhr Anfahrt: Bequem per Auto oder Zug Die Registration für die X.DAYS 2014 sowie das detaillierte Programm sind auf www.xdays.ch aufgeschaltet.

Jolanda Brühwiler ist PR Verantwortliche für die X.DAYS 2014

Registration: über www.xdays.ch www.xdays.ch


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X.DAYS

Information Management

Die Brücke zwischen analogen und digitalen Geschäftsprozessen

Interview mit Claudio Blättler von Georg Lutz

Bereits heute gibt es Verknüpfungspunkte zwischen der digitalen- und der Papierwelt, es besteht aber auch Optimierungspotenzial. Zudem arbeiten wir an unterschiedlichen Orten mit verschiedenster Hardware. Canon schlägt an den X.DAYS Brücken, damit die Produktivität und Flexibilität gesteigert werden können. Wir wollen und können heute unsere Daten ortsunabhängig bearbeiten. Da gibt es zunächst einige technische Herausforderungen. Können Sie die wichtigsten kurz skizzieren? Die Basis für ortsunabhängige Zugriffe auf ein Arbeitssystem und die dort hinterlegten Dokumente sind die verschiedenen Endgeräte, wie Tablets, Smartphones und Laptops von Mitarbeitenden. Zuerst müssen die Geräte natürlich netzwerkfähig sein, dann geht es um eine ausreichende Geschwindigkeit, die zur Verfügung steht, um Datenmengen bearbeiten zu können. Weiter muss die Sicherheit der Verbindung und der Arbeitssysteme gewährleistet sein. Zuletzt geht es auch um die Webfähigkeit der entsprechenden Applikationen, die auf unterschiedlichsten Hardwarelösungen laufen, und die damit verbundenen Schnittstellen. Die Anforderungen an die Abbildung von Unternehmensprozessen nehmen gleichzeitig auch zu? Diese Frage kann ich mit einem klaren Ja beant-

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worten. Bevor man sein Dokumentenmanagement verbessern oder optimieren kann, ist es die Voraussetzung, dass die Arbeitsprozesse im Unternehmen bekannt sind. Erst dann kann herausgefiltert werden, welche Prozesse überhaupt optimiert werden müssen, damit der Nutzen der Veränderung auch in einem Verhältnis zum Aufwand steht. Wenn man diesen Aufwand aber betreibt, werden dank einem modernem Information Management die Vollständigkeit der Informationen garantiert, die Nachvollziehbarkeit der Prozesse ausgewiesen und die rechtlichen Vorgaben erfüllt. Es geht folglich nicht nur um ein Produkt, welches über den Verkaufstresen geschoben und dann implementiert wird, sondern um einen Beratungsprozess im Vorfeld bei dem Anbieter und Kunde zusammen kommen? Unbedingt, es geht um eine sinnvolle Gesamtlösung. Das A und O ist dabei die intensive Kommunikation, die man mit dem Kunden hat. Es geht schon lange nicht mehr nur um den eigentlichen Verkaufsprozess, wir müssen gemeinsam die Ziele und den Nutzen verstehen, die hinter einem optimierten Information Management stecken. Es ist zentral, dass wir dem Kunden helfen, die für ihn richtige und optimale Lösung zu finden, welche es ihm ermöglicht, diese in den Arbeitsalltag zu integrieren und dann schlussendlich die Produktivität zu steigern und die Flexibilität zu erhöhen. Als Canon müssen wir dabei das Rad nicht immer wieder neu erfinden: Viele Unternehmensprozesse laufen

ähnlich ab und unsere Kunden profitieren von unseren Erfahrungen, die wir in ähnlichen Projekten bei Kunden in derselben Branche machen.

«Unsere Lösungen können nahtlos in den Arbeitsalltag integriert werden und sorgen für mehr Flexibilität und Produktivität.» Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen, wenn es um die Ein- und Ausgabe von Daten geht? Am Kreditorenprozess kann man diesen Workflow sehr anschaulich verdeutlichen: Die Lieferscheine oder Rechnungen kommen über verschiedene Kommunikationskanäle in das Unternehmen – dies kann in digitaler, aber auch in Papierform sein. Um die Weiterbearbeitung der Belege durch verschiedene Mitarbeitende gewährleisten zu können, müssen zuerst die Papierdokumente digitalisiert werden. Danach können sämtliche eingegangene Dokumente erkannt, ausgelesen und kategorisiert werden, um in den Workflow eingespeist zu wer-


X.DAYS Vorgaben berücksichtigt werden können und eine Basis geschaffen werden kann, damit die Mitarbeitenden zeit- und ortsunabhängig arbeiten können. Hier können wir als Canon den Kunden optimal unterstützen, denn wir kennen uns in beiden Welten aus und können helfen, diese Brücke zu schlagen. Zudem haben wir die notwendige Beratungskompetenz, um dem Kunden aufzuzeigen, wie er die für sich optimale Lösung findet und schlussendlich auch einsetzt. Basierend auf den Unternehmenszielen und dem entsprechendem IT-Konzept wird die technologisch, organisatorisch und betriebswirtschaftlich beste Lösung für den Kunden konzipiert und implementiert. People, Place, Technology und Process müssen im Einklang stehen. Das Thema mobiles Arbeiten ist im Trend. Was wird sich hier in den nächsten Jahren tun?

Prozesse abzubilden ist eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Information Management.

den. Ein typischer Workflow in unserem Beispiel wäre ein Freigabeprozess. Wenn man gleichzeitig rechtskonform archiviert, können bei Bedarf die nun im Archiv vorhandenen Lieferscheine und Rechnungen jederzeit reproduziert werden. Bei der Ausgabe von Daten, zum Beispiel dem Rechnungsversand, können wir heute auch verschiedene Formate – E-Mail, PDF, Papier – berücksichtigen und diese dem Endkunden in gewünschter Form zustellen. Es gibt viele technologische Lösungen auf dem Markt. Kommt es aber nicht vermehrt auch darauf an, die Schnittstellen zum Menschen zu beachten? Auf jeden Fall, nebst der ganzen Technologie ist der Mensch mindestens ein genauso wichtiger Faktor. Der Mitarbeitende muss die Arbeitsprozesse und Systeme im Unternehmen kennen und verstehen, damit er sich daran orientieren und sie anwenden kann. Gerade beim Dokumentenmanagement muss beachtet werden, dass in einem Unternehmen unterschiedliche Arbeitsweisen vorhanden sind: Es gibt Mitarbeitende, die konsequent am Laptop oder Computer arbeiten, andere drucken sich Dokumente zum Beispiel für Sitzungen oder zum Durchlesen lieber aus und machen sich Notizen auf Papier. Ein weiterer Faktor sind die Vorgaben der Unternehmen bezüglich Homeoffice, Cleandesk oder Sharedesk. Jedes Unternehmen und auch wir als Technologie- und Lösungsanbieter müssen einerseits die Technologie kennen, mit der wir arbeiten, andererseits die Bedürfnisse und Kenntnisse der Mitarbeitenden. Und beide gilt es dann zusammenzuführen? Richtig.

Auch das Thema Sicherheit steht vor neuen Herausforderungen. Als erster Punkt fällt mir das Thema «Bring your own Device» ein. Stimmen Sie zu, und welche strategischen Lösungsschritte bietet Ihr Haus hier an? Wo mobil gearbeitet wird, ist Sicherheit immer ein Thema. Es ist aber nicht an uns, als Anbieter von Technologien und Lösungen die BYOD-Strategie zu bestimmen. Diese strategische Entscheidung muss das jeweilige Unternehmen für sich treffen. Erst dann können wir die passenden Lösungen und Applikationen anbieten, die auf diesen Geräten optimal funktionieren. Dies können webbasierende Lösungen oder auch solche mit Log-InFunktionen sein. Wie bereits erwähnt, arbeiten wir bereits von Beginn weg eng mit den Unternehmen zusammen, holen die richtigen Personen rechtzeitig ins Boot und schauen uns die Anforderungen der unterschiedlichen Beteiligten und Betroffenen an. So kann dann auch die Nachvollziehbarkeit der Prozesse sauber dokumentiert werden. Canon kommt von seiner Geschichte her aus dem Druckerbereich. Immer wieder wurde in den letzten Jahren das «papierlose Büro» prophezeit. Heute geht es eher darum, Brücken zwischen den Welten zu schlagen. Wie sehen diese aus Ihrer Sicht idealerweise aus? Rein technisch wäre ein papierloses Büro aus meiner Sicht heute möglich. Ob eine solche Lösung aber immer sinnvoll ist, muss von Unternehmen zu Unternehmen analysiert werden. Wie bereits angesprochen, spielen dabei die unternehmerischen Vorgaben und die individuellen Arbeitsweisen von Mitarbeitenden eine grosse Rolle. Wichtig ist es, die Grundlage zu erarbeiten, dass unterschiedliche

Das Thema mobiles Arbeiten ist schon länger ein Thema, zum Beispiel das Abrufen und Beantworten der E-Mails von unterwegs ist heute vielerorts bereits «State of the Art». Der Zugriff auf Dokumente ist aber trotzdem eingeschränkt, weil noch lange nicht alle notwendigen Informationen digital verfügbar sind oder die Berechtigungen fehlen, um auch ortsunabhängig darauf zugreifen zu können. Deshalb werden die Unternehmen in Zukunft gefordert sein, alle Massnahmen zu ergreifen, um den kompletten Workflow für den Mitarbeitenden sicherzustellen. Welche Schwerpunkte setzt Ihr Haus an den X.DAYS? Wir wollen den Besuchern in Interlaken praktisch und einfach anhand von Kundenbeispielen aufzeigen, wie sie Informations- und Dokumentationsprozesse optimieren und so die Brücke zwischen der papierbasierten und der digitalen Welt schaffen. An unserem Stand konzentrieren wir uns auf jene Prozesse, die dafür sorgen, dass in einem Unternehmen die Produktivität gesteigert, die Flexibilität erhöht und die Lösungen nahtlos in den Arbeitsalltag integriert werden können. Wir freuen uns auf spannende Gespräche und Kontakte.

Claudio Blättler ist Manager Information Management bei Canon (Schweiz) AG www.canon.ch

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X.DAYS

Datensch채tze nutzen Wie Big Data Gesch채ftsmodelle ver채ndert

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X.DAYS Interview mit Martin Keller von Georg Lutz

Heute haben wir eine Menge Daten zur Verfügung, oft allerdings in unstrukturierter Form. In diesen Daten können sich aber Schätze verbergen, die unser Unternehmen weiter bringt. Wie lassen sich diese Schätze heben? Diese und weitere Fragen zu den X.DAYS stellten wir einem ITVerantwortlichen, der im Rahmen von EMC agiert. Die gründliche Analyse der Daten kann zum entscheidenden Wettbewerbs- und Innovationsfaktor werden. Daher ist Big Data heute mehr als ein Trendthema in Unternehmen. Können wir zunächst die unterschiedlichen Bereiche und die Potenziale skizzieren? Daten sind ein wichtiger Produktionsfaktor. Die Monetarisierung von Daten nimmt weiter zu. Viele Verantwortliche erkennen diese Situation. Auch die Umsetzung von neuen Geschäftsmodellen hat viel mit der Bearbeitung von Daten zu tun. Das sind wesentliche Treiber in der aktuellen Situation.

Lassen Sie uns in die betriebliche Praxis wechseln. Welche Situationen fallen Ihnen spontan ein? Heute verfügbare Technologien in den Bereichen Datenspeicherung und Datenanalyse ermöglichen Projekte zu realisieren, wie sie lange Zeit nur unter sehr hohen Kosten möglich war. Viele Unternehmen erkennen das darin liegende Potential intuitiv und nutzen es, um sich neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Sie investieren zum Beispiel in die Entwicklung einer verbesserten Call-Center Applikation, die Daten aus unterschiedlichsten Quellen heranzieht, um ein möglichst umfassendes Bild des Kunden oder Interessenten zu erstellen. Dieses Unternehmen entwickelt eine eigene Smartphone-App und ermöglicht damit kundenindividuell zu kommunizieren. Die Applikationen generieren laufend neue wertvolle Daten, die es sich lohnt aufs Neue zu analysieren. So entsteht ein Kreislauf, den man unter dem Stichwort «DatenAnalyse-Applikationen» zusammenfassen kann. Unternehmen, die diesen Kreislauf schneller beherrschen und sich ändernden Anforderungen anpassen, werden unseres Erachtens erfolgreicher sein als ihre Mitbewerber.

Daten sind die heutigen Rohstoffe? Ja, so kann man das klar benennen.

Und dadurch entstehen auch neue Geschäftsmodelle?

Ich finde es zum Beispiel spannend zu beobachten, wie lokale Lebensmittelhändler ihre eigenen Apps entwickeln und damit versuchen, ihr angestammtes Geschäftsmodell zu transformieren und so neue Entwicklungsfelder erschliessen. Aus Sicht eines Konsumenten bin ich gespannt auf neue Dienstleistungen, die mir mein Lebensmittelhändler, auf meine Bedürfnisse und Einkaufsverhalten abgestützt, zur Verfügung stellen wird. Bei Stichworten wie Datenbanksystemen oder Kundendaten können Unternehmensverantwortliche noch mitreden, doch schon bei Themen wie Data Mining wird es schwieriger. Bei Themen wie Grid Computing steigen KMU-Kader vermutlich aus. Können Sie einen Überblick skizzieren? Man hat in den letzten Jahren viel investiert, um die Daten strukturiert darstellen zu können. Heute fallen aber noch viel mehr Daten ausserhalb des strukturieren Raums an. Wir haben semistrukturierte Daten, wie zum Beispiel Server Log Files und das riesige Feld von Social Media Informationen, wie Twitter Feeds oder Facebook-Informationen. Dazu kommen Informationen von Partnerunternehmen und Open Data, sprich Daten, die im öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt werden.

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X.DAYS

Aus Datenschätzen werden Businessmodelle.

Diese zusammen zu führen und für sich nutzbar zu machen, das ist was innovative Unternehmen auszeichnet. Das ist Big Data. Unsere Aufgabe ist es nun, mitzuhelfen diese Schätze zu heben und nutzbar zu machen. Denn daraus entstehen heute neue Businessmodelle. Bezeichnendes Beispiel hierfür ist die kürzlich erfolgte Ankündigung der SBB, eine App zu entwickeln, die Reisende durch die Bahnhöfe lotst, aber auch als Werbevehikel dient. Wir sprechen hier von zielgenauen Angeboten? Ja, Big Data stellt einen Möglichkeitsraum dar, den es sich zu erschliessen gilt. Stets steht der geschäftliche Nutzen im Vordergrund, der Anwendungsfall bestimmt die Technologien. Service Provider stehen hier an der Schnittstelle zwischen KMU und komplexer Technologie, gerade sie können hier beratend den KMU-Verantwortlichen zur Seite stehen und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die es den KMU-Verantwortlichen ermöglicht, sich auf ihre Geschäftsideen zu konzentrieren statt sich um Technologiefragen zu kümmern. An diesen Punkt fühlen sich sicher einige überfordert. Wie sieht die Hilfe Ihres Hauses konkret aus? Wir arbeiten stark mit Partnern zusammen, die spezifische Branchen abdecken und hier spezifi-

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sche Kenntnisse direkt beim Kunden einspeisen können. Ein weiteres wichtiges Element sind die Service Provider. KMU lagern ja Ihre Daten in Teilen schon aus. Ein Service Provider kann zum Beispiel auch eine Analyseplattform betreiben, die gleichzeitig mehreren KMU nutzt.

«Big Data stellt einen Möglichkeitsraum dar den es sich zu erschliessen gilt». Lassen Sie uns nochmals in die Praxis springen. Können Sie uns an einem prototypischen Punkt eine Vorher- und Nachher-Situation schildern, was die Veränderungen der Geschäftsmodelle bei kleinen Unternehmen betrifft? Lassen Sie mich das an den drei folgenden Beispielen verdeutlichen. Ein öffentlich-rechtliches Gesundheitszentrum analysiert mit Hilfe eines Data Scientists und unter Zuhilfenahme möglichst breiter und unterschiedlicher Datenbestände die

Bettenbelegung. Ziel ist es, Faktoren zu finden, die massgeblichen Einfluss darauf haben, dass ein Patient länger im Spital verweilt als vorgesehen. Und das zweite Beispiel… Kundenrückmeldungen in Form von E-Mail oder auf Social Media Plattformen wurden lange nur punktuell und vor allem manuell ausgewertet. Die neu systematisch erfolgte Auswertung und Text-Analyse ermöglicht nun einem KMU eine massiv kürzere Reaktionszeit im individuellen Fall aber auch eine viel frühere Erkennung von Produktemängeln. Kommen wir zum letzten Beispiel... Komplexe Warenkorbanalysen lagen bisher in den Händen von wenigen Mitarbeitern der Marketingabteilung. Das Wissen war auf wenige Leute konzentriert, die extra dafür beschaffte Software teuer und aufwändig zu erlernen. Heute sind Personen in den Verkaufsabteilungen selber in der Lage, entsprechende Analysen zu erstellen, schneller und basierend auf günstig zu implementierender OpenSource Analyse-Software. Trends werden schneller erkannt als bisher, Erkenntnisse daraus umgesetzt, Werbeangebote angepasst und individuelle Werbebotschaften an die Stammkundschaft über elektronische Medien und Social Media Plattformen verteilt.


X.DAYS Früher traf ich als Unternehmensverantwortlicher meine Entscheidungen auf der Basis von Small Date und heute von Big Data. Gibt es im Zeitalter von Big Data strategische Tipps von Ihrer Seite? Aus Sicht Unternehmensverantwortlicher ist es sinnvoll, wenn Sie sich überlegen, welche Daten im Unternehmen anfallen und bisher nicht für Optimierungen oder Analysen herangezogen werden. Aber auch wie öffentlich verfügbare Daten, wie statistische Informationen, Meteodaten, geound demografische Informationen gewinnbringend eingebunden werden können. Weiter bringt es Mehrnutzen, wenn ich Daten, über die ein Geschäftspartner verfügt mit meinen Daten verknüpfe und somit einen Mehrwert generiere, den ich gewinnbringend einsetzen kann?

Vordergrund. Ich spüre auch, dass die Vertraulichkeit von Kundendaten als Verpflichtung gegenüber dem Kunden angesehen wird und deren Verletzung ein erhebliches Reputationsrisiko darstellt. Das verstehen die Unternehmen, mit denen ich in Kontakt stehe, sehr gut. Wie sehen die Schwerpunkte bei den X.DAYS aus? Geschäftsnutzen von Big Data steht in Vordergrund. Wertschöpfung in der Cloud und Big Data werden anschaulich erläutert.

Martin Keller Was die Sicherheit anbetrifft, ist es für Laien überraschend, dass die Hersteller von Malware mit den gleichen Werkzeugen arbeiten wie seriöse Anbieter. Wie geht Ihr Haus, das auf vermutlich öfters auf verunsicherte Kunden trifft, mit dieser Situation um? In all meinen Gesprächen die ich mit Unternehmensvertretern führe, ist dies kein ernsthaftes Thema. Stets steht der geschäftliche Nutzen im

bringt über 15 Jahre Erfahrung aus den Bereichen Business Intelligence und Data Warehouse mit sich. Vor seinem Einstieg bei Greenplum / Pivotal leitete er das Datawarehouse Team sowie zeitweise die unternehmenseigene Entwicklungsabteilung bei Charles Vögele. Innerhalb von Pivotal unterstützt er Kunden in der Schweiz und Österreich sowie ausgewählte Projekte in weiteren Ländern der Region CEMEA.

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Neue Dimensionen im Business Die Welt ist mein Office – meine Welt ist die Cloud Interview mit Petra Jenner von Georg Lutz

Heute gibt es nicht nur eine Arbeitswelt, sondern viele Arbeitswelten. Die Gefahr hier den Überblick zu verlieren, ist aber gerade bei kleinen Unternehmen gross. Wir fragten Petra Jenner, Country Manager von Microsoft Schweiz, nach Ihren strategischen Überlegungen. kmuRUNDSCHAU // Seite 64


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Die Welt ist mein Office ist ein weites Feld. Wo, wie und wann arbeite ich als Unternehmensverantwortlicher? Ihr Haus hat mit HomeOffice-Modellen einige Erfahrungen. Können Sie vor diesem Hintergrund eine Skizze des aktuellen Homo Faber erstellen? Microsoft Schweiz hat 600 Mitarbeiter und vermutlich gibt es auch genauso viele Arbeitsstile. Das verbindende Element ist sicherlich die Flexibilität und die Eigenverantwortung, die unsere Mitarbeiter auszeichnet. Wir führen über klare Zielvereinbarungen. Wie und mit welchen Mitteln diese Ziele erreicht werden, ist Sache des Mitarbeiters – natürlich begleiten und befähigen wir sie, wenn das nötig und gewünscht ist. Wo liegen denn die Vorteile des neuen Arbeitens? Aus Unternehmenssicht ist es eine höhere Produktivität und Agilität. Beides sind zentrale Faktoren für den Unternehmenserfolg. Die Bedeutung der Agilität wird meiner Meinung nach häufig unterschätzt. Mitarbeiter, die sich auf Veränderungen einlassen und den Wandel sogar aktiv vorantreiben, sind die wichtigste Vorrausetzung für das Überleben in einem dynamischen Marktumfeld. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das Übertragen von Verantwortung zu einer höheren Mitarbeitermotivation führt – diese wiederum ist die Grundvoraussetzung für zufriedene Kunden. Haben Sie beim Thema Home Office und mobilem Arbeiten auch Erfahrungen gemacht, die eher negativ waren und die Sie heute anders anpacken würden? Grössere negative Erfahrungen haben wir keine gemacht – dies vor allem deshalb, weil es uns ge-

lungen ist, die zahlreichen Herausforderungen, die es tatsächlich gibt, frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Für unser Projekt waren zwei Erfolgsfaktoren entscheidend. Zum einen haben wir unsere Veränderungsprozesse immer sehr ganzheitlich angeschaut und uns dabei an den drei Dimensionen «People», «Place», «Technology» orientiert. Das heisst, wir haben nicht nur die Gebäudehülle verändert, sondern auch TechnologieNutzungsszenarien sowie unseren Führungsstil analysiert und überarbeitet. Und letzteres ist der zweite Erfolgsfaktor: in der neuen Arbeitswelt braucht es auch neue Führungsformen. Wir investieren viel Zeit dafür, unsere Mitarbeiter zu schu-

dazu führt, dass sich die Menschen voneinander entfernen und sich zurückziehen. Im Gegenteil – wenn man Menschen Verantwortung übergibt, gehen sie in der Regel äusserst sorgfältig damit um. Hier kommt noch dazu, dass unsere Mitarbeiter bei internen Befragungen immer wieder zum Ausdruck bringen, dass sie gerne ins Büro kommen, unter anderem auch, weil sie Arbeitskollegen sehen wollen und den Austausch schätzen. Fazit: flexibles Arbeiten führt dazu, dass die Mitarbeiter viel gezielter und bewusster planen und dadurch an Effizienz, gleichzeitig aber auch an Zufriedenheit gewinnen, da sie autonomer sind. Beides ist sicherlich auch im Sinne des Unternehmens.

«Wenn man Menschen Verantwortung übergibt, gehen sie in der Regel äusserst sorgfältig damit um». len und sensibilisieren, damit sie ihre Rolle und Verantwortung in unserer flexiblen Arbeitskultur wahrnehmen können. Es gilt eine produktive Balance zwischen Teamarbeit und sinnvollem individuellem Arbeiten her zu stellen? Absolut – das ist die zentrale Herausforderung. Wenn ich unsere Mitarbeiter und Teams anschaue, beeindruckt es mich immer wieder, wie gezielt sie die einzelnen Arbeitsformen und –Instrumente einsetzen. Ich höre oft das Vorurteil, dass die Leute nicht mehr ins Büro kommen, wenn man flexible Arbeitsformen einführt. Bei uns verbringen die Mitarbeiter im Schnitt 1.5 Tage ausserhalb des Büros. Das ist ein äusserst gesunder Wert und zeigt, dass die «Wahlfreiheit» in puncto Ort und Zeit nicht gleichzeitig

Kommen wir zur technischen Seite. Wie bekomme ich unterschiedliche Soft- und Hardware zusammen? Oft geht es ja nicht nur um Hard- oder Software, die ich klassisch als Unternehmen unter Kontrolle habe. Ein zentrales Stichwort heisst hier «Bring your own Device». Der Trend geht tatsächlich dahin, dass die Mitarbeiter immer mehr Freiheit bei der Wahl ihrer Arbeitsgeräte wünschen. Das macht auch absolut Sinn. Wenn ich mehrere Stunden am Tag mit einem Gerät verbringe, so muss es meine Anforderungen und Präferenzen erfüllen und gleichzeitig meinen Arbeitsstil unterstützen. Hier sind wir mit Windows 8 gut aufgestellt. Ob Tablet, Convertible, Notebook oder klassischem Desktop-PC – alle Geräte können auf einer Plattform bewirtschaftet und verwaltet werden.

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X.DAYS

Die Cloud ist Alltag in kleinen Unternehmen. Das ist eine zentrale Argumentationsfigur aus Ihrem Hause. Häufig erlebe ich in der Praxis aber Berührungsängste von KMU-Verantwortlichen. Sind das zwei Enden der gleichen Situation oder zwei unterschiedliche Wahrnehmungen? Eine lokale Studie besagt klar, dass die Mehrheit der KMU bereits Cloud-Lösungen im Einsatz hat. Gleichzeitig sind KMU, die auf Cloud-Lösungen setzen, überdurchschnittlich erfolgreich – beides ist unbestritten. Es ist aber tatsächlich so, dass wir beim Einstieg in die Cloud-Diskussion oft zuerst psychologische Vorbehalte entkräften müssen. Mit Fragen zur Zugriffssicherheit, wenn beispielsweise die eigne Internetverbindung zusammengebrochen ist oder Fragen zur Datensicherheit –sind Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch konfrontiert? Ja, das ist oft die Einstiegsfrage. Der Übergang in eine neue Ära ist immer von Unsicherheit geprägt. Nehmen Sie das Beispiel Bank-Sparbuch: zuerst haben es die Leute ungern hergegeben; heute leuchtet es jedem ein, dass physische Dokumente nicht den maximalen Schutz bieten, weil sie zerstört werden oder verloren gehen können. Ähnlich ist es bei Cloud Computing. Unsere Data-Center sind hocheffizient, verfügen über modernste Sicherheitskonzepte und die Daten sind redundant gespeichert, so dass die Sicherheit um ein Mehrfaches höher ist, als wenn die Daten auf den Servern im Keller lagern. Natürlich geht es bei dieser Frage nicht nur um persönliche Ängste, sondern es gilt auch gesetzliche und regulatorische Vorschriften zu beachten. Eine weitere Hürde ist die Kostenfrage. Wie sieht hier der Vergleich zur klassischen Lösung aus? So paradox es klingt: wir werden uns in Zukunft diese klassischen, das heisst reine «on-premise Lösungen», gar nicht mehr leisten können beziehungsweise wollen. Cloud-Lösungen zeichnen sich primär dadurch aus, dass man nur die tatsächliche Nutzung bezahlt. Grundsätzlich bietet die Cloud klare Vorteile in puncto Flexibilität, Skalierbarkeit, Kosteneffizienz. Gerade für KMU, die nicht wie Grossunternehmen Investitionen in Millionenhöhe in die alte IT-Infrastruktur gesteckt haben, ist der Wechsel in die Cloud besonders einfach. Bei ihnen zahlt sich der Wechsel in die Cloud aufgrund der geringen Pfadabhängigkeiten sehr schnell aus.

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Freiheit bei der Wahl ihrer Arbeitsgeräte macht Sinn. Wissensmanagement voranzutreiben und damit eine Organisation lernfähiger machen.

KMU ticken anders als Grossunternehmen, wenn es darum geht, eine neue Software einzusetzen. Sie wollen zum Beispiel mit einer neuen Lösung sofort arbeiten und einen Ansprechpartner haben. Warum versteht Microsoft als grosses Unternehmen kleine Unternehmen in der Schweiz? Seit der Gründung von Microsoft vor bald 40 Jahren haben wir auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern gesetzt und an diesem Bekenntnis halten wir auch fest. Unsere Partner sind selber KMU und kennen die Bedürfnisse ihrer Kunden am besten. Dank dieser strategischen Zusammenarbeit schaffen wir es, innovative Lösungen auf den Markt zu bringen und trotzdem die Nähe zum Kunden zu behalten. Darüber hinaus leisten wir damit einen wichtigen Beitrag zum erfolgreichen ICT-Standort Schweiz. Gemäss einer IDC-Studie werden für jede Stelle bei Microsoft 23 Stellen in der Partnerlandschaft geschaffen. Der Trend Social Media ist im privaten Bereich offensichtlich. Es stellt sich nur die Frage, was im Businessbereich sinnvoll ist? Ist «Enterprise Social» – mehr als nur eine Facebook Plattform für Firmen? Was für eine Strategie verfolgt Microsoft mit dem Angebot von Yammer? Der Vergleich mit Facebook ist nicht schlecht, was die optische Umsetzung und den Mechanismus

des Teilens mit Personen und Gruppen betrifft. Es ist aber ein falsches Bild, wenn man die Zielsetzungen beachtet. Enterprise Social Plattformen wie Yammer haben das Ziel, Wissensmanagement voranzutreiben und damit eine Organisation lernfähiger, agiler und innovativer zu machen. Yammer ist gleichzeitig auch die Antwort auf die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt, womit wir wieder beim Einstieg sind. Unternehmen, die darauf vertrauen, dass der formelle und informelle Austausch primär vor der Kaffeemaschine und in Meetingräumen stattfindet, verkennen grosse Chancen. Die Zukunft liegt klar in solchen Netzwerken, die dafür sorgen, dass Informationen sehr schnell zirkulieren und dass sich die richtigen Personen für eine Aufgabe finden.

Petra Jenner ist seit Oktober 2011 Country Manager von Microsoft Schweiz Petra Jenner bringt über 20 Jahre an Erfahrung in führenden Positionen in der ICTBranche mit und hat sich mit ihren Fachkenntnissen sowie ihrer Strategie- und Leadership-Kompetenz einen Namen geschaffen.


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X.DAYS

Unterstützung für kleine Unternehmen Sichere Mobility-Lösungen aus der Cloud

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X.DAYS von Karl Mayrhofer

Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren von der Nutzung der Cloud, da der Geschäftsalltag immer schnelllebiger und mobiler wird. Home-Office gehört zum Alltag. Mitarbeiter steigern ihre Effizienz durch das Nutzen von Unternehmensdaten und Dokumenten von unterwegs. Allerdings gilt es gleichzeitig, das Thema Sicherheit nicht aus dem Auge zu verlieren.

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eit ist ein kostbares Gut – dieses bestmöglich zu nutzen Pflicht. Die Themen Daten-, Zugriffs- und Rechtssicherheit sowie die Service-Qualität sollten Firmen in Bezug auf die Cloud gerade bei mobilen Lösungen nicht vernachlässigen. KMU-Verantwortliche stehen aufgrund von Marktveränderungen unter zunehmendem Wettbewerbsdruck. Um auf lange Sicht wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, müssen sie sich kontinuierlich den neuen Anforderungen ihres Geschäftsumfelds anpassen. Es ist im Interesse des Arbeitgebers, wenn Mitarbeiter auch von unterwegs auf geschäftsrelevante Inhalte zugreifen können: Arbeitsprozesse werden auf diese Art dynamischer, flexibler und effektiver. So einfach es klingt, die Umsetzung in der Praxis ist nicht trivial. Mobiler Datenverkehr und Datenspeicherung in der Cloud müssen grundsätzlich abgesichert sein. Schon aus Selbstschutz sind Arbeitgeber daher dazu angehalten, die entsprechenden Rahmenbedingungen für den sicheren Austausch von geschäftsrelevanten Daten zu gewährleisten. Sicherheit für Ihre Unternehmensdaten Dies fängt bei der wesentlichen Fragestellung im Bereich der Datensicherheit an: Wo speichert der Cloud-Anbieter die Cloud-Daten der Kunden? Bei der Auswahl eines Anbieters ist jedenfalls wichtig, dass dieser die Daten in Europa, idealerweise in der Schweiz speichert. Natürlich sollte der Anbieter umfassende Verschlüsselungsverfahren einsetzen, sowohl für den Transfer der Daten zwischen den (mobilen) Endgeräten und den Rechenzentren, als auch für das Speichern der Daten in den Rechenzentren. Darüber hinaus muss der Anbieter die Professionalität seines Rechenzentrumsbetriebs objektiv nachweisen können, beispielsweise durch Zertifizierungen oder seriöse Label. Zugriff nur für authentisierte Personen Bei der Zugriffssicherheit unterschätzen viele Kunden die Bedeutung des Cloud-Logins für die Sicherheit in der Cloud. E-Mail-Adresse und Passwort bieten nur geringen Schutz vor dem Missbrauch eines Cloud-Zugangs. Besser sind Login-

Methoden, die neben dem Wissen über Login-Name und Passwort noch einen zweiten Faktor voraussetzen (Zwei-Faktor-Authentifizierung). In diesem Fall wird zum Beispiel bei einem Anmeldevorgang eine «Mobile-PIN» an ein registriertes Mobiltelefon geschickt, die zusätzlich zu E-MailAdresse und Passwort beim Login anzugeben ist. Dieses Verfahren entwickelt sich immer mehr zum Business-Standard. Es gibt noch sicherere LoginVerfahren wie «Single-Sign-On» mit einem digitalen Zertifikat, die Nutzung des Firmen-Accounts für den Cloud-Login oder die Anmeldung mit einer digitalen Identität, zum Beispiel einer Schweizer ID. Eine sichere und mobile Lösung Die iPad-App der Fabasoft Cloud erlaubt etwa eine Authentisierung mit «Mobile-PIN» oder Zertifikat, und die Daten werden lokal am Endgerät verschlüsselt. Der User kann zusätzlich einen von der Handy- bzw. Tablet-PIN abweichenden Sicherheits-Code definieren, der die Geschäftsdaten schützt. Jemand, der sich zum Beispiel ein iPad ausleiht, hat so trotzdem keinen Zugriff auf geschäftliche Dokumente. Datenspeicherung nach europäischem Recht Rechtssicherheit bedeutet für den Kunden, dass er einen konkreten Vertragspartner in Europa oder der Schweiz hat, mit standardisierten Cloud-Verträgen nach dazugehöriger Rechtsgrundlage. Cloud-Verträge müssen Klarheit und Transparenz schaffen und regeln im Idealfall auch Service Levels, beispielsweise eine vertraglich zugesicherte Verfügbarkeit des Cloud-Dienstes. Zertifizierte Anbieter veröffentlichen in diesem Sinne die tatsächlich gemessenen Service Levels des Cloud-Dienstes.

te garantiert, dass ein Cloud-Service die Aspekte der Sicherheit, der Funktionalität und der Interoperabilität sowie der angemessenen Umsetzung von Anforderungen des Datenschutzes und weiterer rechtlicher Anforderungen erfüllt. So erhielt etwa die Fabasoft Cloud kürzlich das vom TÜV Rheinland ausgestellte Zertifikat «Certified Cloud Services», welches nun offiziell die hohe Qualität und Sicherheit dieses Cloud-Dienstes bescheinigt. Die richtige Wahl des Cloud-Anbieters ist mitverantwortlich für den Erfolg von KMUs. Eine Business Cloud für den Mittelstand sorgt sich nicht nur um die technische Sicherheit des Speicherplatzes an sich. Sie lässt sich ohne grossen Aufwand in bestehende IT-Umgebungen und Sicherheitssysteme integrieren, garantiert eine Datenspeicherung in Europa und bietet höchste Sicherheitslevels bei der Authentifizierung. Mit benutzerfreundlichen Apps und Zusatztools zur Nachvollziehbarkeit von Daten bietet eine europäische Business Cloud einen wichtigen Beitrag für die Effizienzsteigerung in Unternehmen. Neuartige Cloud-Organisation Besondere Bedeutung für B2B Collaboration hat der Aspekt, dass in der Cloud Unternehmen zusammenarbeiten, und nicht nur einzelne Anwender. Dafür hat Fabasoft das Konzept der CloudOrganisation entwickelt. Ein Unternehmen erwirbt bei Fabasoft eine Cloud-Organisation, die zumindest drei User-Accounts und 100 GB Online-Speicher umfasst. Über diese Cloud-Organisation erfolgen zentral das Management der Cloud-User und der Cloud-Ressourcen wie Online-Speicher. Damit wird «Business-to-Business»-Zusammenarbeit in der Cloud erst richtig möglich.

Viele Cloud-Anbieter setzen heute auf Infrastruktur-Dienste anderer Hersteller auf (zum Beispiel auf Amazon oder Microsoft Windows Azure). Damit ist ihr Cloud-Dienst von den rechtlichen Vorgaben und den Service-Levels dieser Drittanbieter abhängig. Gütesiegel für Qualitätssicherheit «Made in Europe» ist in Zeiten von NSA und Prism ein wesentliches Gütesiegel für nachhaltige Qualität. Dieses trifft etwa auf die Fabasoft Cloud zu. Ihre einfache, elegante und intuitive Benutzeroberfläche ist typischerweise in einem Web Browser bedienbar. Auch die Integrationsfähigkeit eines Cloud-Dienstes, am besten über Hersteller- und Plattform-unabhängige Standards, spielt eine wichtige Rolle.

Karl Mayrhofer ist Geschäftsführer der Fabasoft Cloud GmbH.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Zertifizierung. Nur eine Prüfung durch unabhängige Institu-

www.fabasoft.ch

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X.DAYS

Mobile Business Die Fernbedienung im Geschäftsalltag von Manuel P. Nappo

Die mobile Revolution ist in vollem Gange, die mobile Internetnutzung gewinnt Tag für Tag an Bedeutung und die Zahl der mobilen Internetnutzer wird auch künftig exponentiell steigen. Doch was bedeutet der rasante Wandel für KMU?

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ie Technik ist aus unserem Alltag längst nicht mehr wegzudenken. Mit dem Einzug von Smartphones hat die Entwicklung jedoch eine neue Stufe erreicht. Der Umgang mit iPhones & Co. ist nicht mehr vergleichbar mit dem einfachen SMS-Marketing der Vergangenheit. Heute greifen bereits 74 Prozent der Schweizer Bevölkerung auf mobiles Internet, sei es per Smartphone, Tablet oder Notebook. Sogar bei den «Silver Surfers», der Generation ab 55 Jahren, liegt die mobile Nutzung bereits bei über 50 Prozent. In einem Trendreport hat Christian Lindholm, Chief Innovation Officer von Fjord, einer der führenden Agenturen für digitales Design in London, bereits im letzten Jahr ein geflügeltes Wort lanciert: «Mobile ist die Fernbedienung des Lebens». Doch trotz eindrücklicher Zahlen beweist der «Mobility in Business Report» von Citrix, dass jedes zweite Unternehmen keine richtige Mobile-Strategie besitzt. Ein Umdenken ist an diesem Punkt angezeigt.

Grenze zwischen Arbeit und Privatleben schwindet Die Kommunikation und Internetnutzung über die mobilen Geräte gehört inzwischen in unseren Alltag. Dieser intensive Digitalisierungs- und Virtualisierungsprozess betrifft immer mehr auch die Arbeitswelt. Per Smartphone, Tablet oder Notebook zu arbeiten, ist heute genauso Realität wie flexible Arbeitszeitmodelle und «Home-Office». Aus der Perspektive der Mitarbeitenden könnte man sagen, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben durch das Smartphone definitiv gefallen und Flexibilisierungen der Arbeitsbedingungen sichtbar geworden sind. Dies eröffnet Unternehmen eine Vielzahl an Chancen – stellt sie jedoch gleichzeitig vor erhebliche Herausforderungen. Denn die anhaltenden technologischen Entwicklungen beeinflussen die interne Kommunikation, die Kultur des Unternehmens sowie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Firmen und deren Mana-


X.DAYS phone auf die benötigten Geschäftsdokumente oder weitere Information zuzugreifen. Dank dieser mobilen Kommunikationsmöglichkeit kann eng zusammengearbeitet werden, auch wenn sich nicht alle Mitarbeitenden am gleichen Ort befinden. 2. Wählen Sie zielführende Kommunikationsmittel: Erstellen Sie einen Leitfaden, welche «Networking Tools» Sie wann für angebracht halten. Dabei bewähren sich herkömmliche Kommunikationsmittel auch weiterhin: Für den umgehenden Austausch eignen sich Dienste wie «Skype», für kurze Rückfragen «Instant Messaging» und wenn die Antwort nicht sofort benötigt wird, ist E-Mail nach wie vor ein gutes Kommunikationsmittel. Interne Wikis zur Wissensablage oder Social-Network-Gruppen zum Wissensaustausch runden das KommunikationsPortfolio ab.

Leitfaden für «Networking Tools» erstellen.

ger sowie Führungskräfte immer mehr unter Druck sehen, sich besser auf die mobile Welt einzustellen und mit dem Thema «mobile company» auseinanderzusetzen. Die interdisziplinäre und ortsunabhängige Arbeitsweise, die veränderte Kommunikation und die Wissensvermittlung verlangen eine komplett neue Denk- und Arbeitsweise. Organisatorische Abläufe müssen angepasst, Führungskonzepte überdacht und Handlungskompetenzen neu definiert werden. Einige Branchen, wie zum Beispiel der Detailhandel- oder Reisebranche, nutzen bereits aktiv das Potenzial mobiler Arbeitsformen. Wandel erfasst auch KMU Selbstverständlich sind auch KMU von der mobilen Revolution nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil. Gerade wegen ihrer Grösse und Budgets haben KMU oft keine Möglichkeit, eigene Software-Lösungen zu entwickeln. Die vorhandenen Plattformen bieten da Hilfe. Sei dies im Fall der Dokumentenablage (Dropbox) oder des Knowledge-Managements (Evernote). Die Ortsunabhängigkeit ist wohl der grösste Nutzen, der durch das mobile Arbeiten entsteht. KMU-Mitarbeitende haben dadurch Gelegenheit, unabhängig von ihrem Aufenthaltsort zu kommunizieren und jederzeit Informationen abzuholen. Die stetige Erreichbarkeit der Mitarbeitenden stellt einen weiteren Nutzen dar. Sie können ausserhalb des Arbeitsplatzes erreicht sowie mit wichtigen Daten und Informationen versorgt werden. Zudem können Aufträge direkt vor Ort erfasst werden, wodurch wiederum Zeit eingespart wird. Trotz all dieser Vorteile – wichtig ist, dass auch KMU das Thema «mobile business» strategisch angehen. Kon-

kret: Ein Start-up kann heute zwar komplett «mobile» aufgebaut werden, die Realität aber verlangt einen anderen Zugang. So kann ein Unternehmen nicht auf einen Schlag den Produktekatalog streichen und sagen: Ab sofort gibt es nur noch eine App. Solche Umstellungen müssen schrittweise und planweise geschehen. Umdenken lohnt sich Mobile Anwendungen bieten viele Nutzenpotenziale und Chancen, auch für kleine und mittlere Unternehmen. Es lohnt sich also durchaus, sich mit dem mobilen Business auseinanderzusetzen und die Strategie im eigenen Unternehmen zu überdenken. An der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich können sich Interessierte seit November 2013 im Zertifikatsstudiengang CAS Mobile Business das nötige Know-how aneignen. Solche Ausbildungen bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich dieser rasanten Entwicklung produktiv zu stellen und sich das entsprechende Spezialwissen für die digitale Gegenwart und Zukunft anzueignen. Kurz: Die Prozesse, der Nutzen und die Risiken von mobilen Technologien und Applikationen müssen in ihren Grundzügen und Zusammenhängen verstanden werden, um das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Vier Tipps für mobiles Arbeiten in KMU 1. Nutzen Sie Cloud-Dienste für Geschäftsdokumente: Benutzen Sie Cloud-Dienste wie zum Beispiel die «Dropbox» oder «Evernote», welche Ihren Mitarbeitenden ermöglichen, unkompliziert mit dem Smart-

3. Pflegen Sie weiterhin persönliche Kontakte: Management auf Vertrauensbasis ist das Fundament einer wirksamen «mobile company». Dabei wissen die einzelnen Manager und Mitarbeitenden selbst am besten, ob ihre Tätigkeit und sie selbst für mobiles Arbeiten geeignet sind. Vorgesetzte, die ihren Aufgaben mobil nachgehen, sollten das tun, was sie auch im Büro tun würden: ergebnisorientiert führen, effizient und häufig kommunizieren und sich Netzwerke ausserhalb ihrer unmittelbaren Arbeitsumgebung schaffen. Mobiles Arbeiten heisst also nicht, sich abzusondern: Persönliche Kontakte sind weiterhin wichtig. 4. Schaffen Sie Vertrauen: «Aktivieren statt kontrollieren» – so lautet die Devise in der «mobile company». Die Hindernisse für erfolgreiches mobiles Arbeiten sind nicht technologischer, sondern menschlicher Natur. Schenken Sie Ihren Mitarbeitenden mehr Vertrauen und schaffen Sie damit eine verbesserte Arbeitsmoral und mehr Produktivität. Getreu dem Motto «Wenn Sie jemandem nicht vertrauen, stellen Sie ihn nicht ein. Wenn Sie ihn einstellen, vertrauen Sie ihm.»

Manuel P. Nappo ist Leiter der Fachstelle Social Media Management an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und Studienleiter des CAS Mobile Business und des CAS Social Media Management. Für seinen Beitrag zur digitalen Aus- und Weiterbildung wurde Nappo 2013 von der IAB Switzerland mit dem Titel «Digital Pioneer of the Year» ausgezeichnet. www.fh-hwz.ch/mobile

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Brücken in die Cloud Kompetenzen in Anspruch nehmen Interview mit Marco Iten von Georg Lutz

Die ALSO Schweiz ist ein führender Distributor und Logistikdienstleister für die Branchen IT, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation in der Schweiz. In den letzten drei Jahren hat sich das Unternehmen vertieft mit der Thematik Cloud beziehungsweise den Cloud Services von Microsoft auseinander gesetzt. Seit mindestens fünf Jahren bewerben die Anbieter von Cloud-Lösungen ihre Produkte. Im Vergleich zum Aufwand sehen gerade bei kleinen Unternehmen die Verkaufszahlen aber eher ernüchternd aus. Wo liegen aus Ihrer Sicht die zentralen Gründe? Die primären «Roadblocker» sehen wir an folgenden Punkten: • Viele Partner fühlen sich im bisherigen, traditionellen Geschäft konkurrenziert: Sie haben ihr Business Modell noch nicht auf Cloud getrimmt.

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Der Abbau von ausgebildetem Personal kann längerfristig die Einbusse von Knowhow und Kompetenzen zur Folge haben. Diesem Aspekt muss bei der Definition der eigenen Services Rechnung getragen werden. • NSA-Affären und Unsicherheiten rund um das Thema Sicherheit treiben die Akzeptanz von Cloud Services sicherlich auch nicht voran. Eine differenzierte Betrachtung vor dem finalen Verdikt ist hier aber sicherlich angebracht: Welche Cloud Services wollen in welcher Form genutzt werden? OnPremise, Hybrid oder ganz in der Cloud? • Zudem wird als Beispiel Office 365 vielfach als

Produkt betrachtet – meines Erachtens ist Office 365 nicht «einfach eine neue Version der BüroSuite» sondern eine Methode, wie heutzutage modern und effizient gearbeitet werden kann. Und warum kommen viele Verantwortliche nicht aus ihrer alten IT-Welten raus? Viele von uns arbeiten ja immer noch mit Windows XP und wundern sich, warum im April damit Schluss sein soll. Die Anzahl der «Verwunderungen» wird ab April immens sein! Es gibt immer noch zahlreiche Fir-


X.DAYS men, die Ihre Infrastruktur auf Produkten stützen, die salopp gesagt langsam ins Senioren-Alter kommen. Wir spüren im Tagesgeschäft immer noch den Bedarf und die Nachfrage nach einer Technologie, die eigentlich nicht mehr dem heutigen Standard und Sicherheitsansprüchen genügt. Windows XP war lange eine solide Basis – zweifelsohne. Die heutigen Ansprüche setzen jedoch ein anderes Fundament voraus. Aus meiner Sicht sind inzwischen viele spannende technische Cloud- Lösungen auf dem Markt, es fehlt aber an Vermittlungskompetenz. Stimmen Sie hier zu? Definitiv! Wir sprechen hier auch nicht mehr von klassischem transaktionellem Geschäft, welches von einem Leistungserbringer zur Verfügung gestellt wird. Der individuelle Value Add Service-Gedanke rückt bei Cloud Services viel stärker in den Vordergrund als früher. Dies bedarf auch Partnerschaften, welche in der Vergangenheit noch nicht notwendig waren. Ihr Haus ist ja kein direkter Anbieter, sondern eher Brückenbauer zwischen Anbieter und Fachhändler. Wie sieht diese Brücke aus? Brückenbauer ist schön ausgedrückt. Die Brücken werden aktuell vor allem mittels Know How-Vermittlung definiert: Eine unserer traditionellen Hauptkompetenzen ist das Verständnis der Vertriebsprozess- und Lizenzierungs-Thematiken. Andererseits bieten wir Cloud Readiness Trainings in verschiedenen Schattierungen an: Vom Einstieg bis zur technisch orientierter Handhabung von Windows Azure und Office 365. Wo und wie können Sie welche Vorteile anbieten? Wir unterstützen die Cloud Reseller in der Definition und Aufbau ihrer Cloud Services mittels Beratung und verkaufsunterstützenden Tools und Trainings. Der ALSO Cloud Club bietet akkreditierten Partner hilfreichen Support auf ihrem Weg in die Cloud mit dedizierten Trainingsmodulen. Zudem kooperieren mit unabhängigen Experten wie zum Beispiel Cbusiness Services GmbH, IOZ AG und Balzano Informatik. Diese Partnerschaften bieten den gezielten Aufbau von strategischem und herstellerübergreifendem Know-how. Unsere Zusatzleistungen in den Bereich Marketing, Vertrieb inklusive Lizenzierungsthemen reduzieren zudem den Aufwand. Schwenken wir zum Thema Sicherheit. Mit den Geheimdienstskandalen der letzten Monate ist klar, dass unsere Daten nicht nur von Hackern und mafiösen Wirtschaftsstrukturen, sondern auch von Geheimdiensten und vielleicht von Internetkonzernen bedroht sind. Lagen die

Skeptiker, die vor Cloud Lösungen gewarnt hatten, nicht auf der richtigen Linie? Microsoft stellt sich dem Thema Datenschutz und nimmt die Verantwortung wahr, die mit der Speicherung der Kundendaten in der Cloud verbunden ist. Mit EU-Standardvertragsklauseln hat Microsoft die Forderungen der Datenschützer transparent umgesetzt und unterstützt die Kunden, der rechtlichen Verpflichtung zum Datenschutz einfacher nachzukommen. Darüber hinaus sind die Rechenzentren, wie beispielsweise in Dublin, Irland und dem Backup-Rechenzentrum in Amsterdam, nach ISO 27001 zertifiziert. Diese Zertifizierungen werden jedes Jahr für zum Beispiel Office 365 erneuert. Ergänzend bietet Microsoft allen Kunden eine Zusatzvereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung. In diesem Vertrag werden unter anderem die technischen und organisatorischen Sicherheitsmassnahmen definiert, die Microsoft ergreift, um die Kundendaten vor dem Zugriff Dritter zu schützen.

«Wir unterstützen die Cloud Reseller in der Definition und Aufbau ihrer Cloud».

Inzwischen gibt es einige Anbieter die mit Labels oder Slogans wie «IT made in Germany», «Business Cloud made in Europe» oder «Ihre Daten bleiben in der Schweiz» Werbung machen. Wie sehen Sie diese Angebote? Wir sind in dieser Beziehung im Dialog mit EuroCloud Swiss. Dies ist der schweizerische Fachverband für die Förderung des Cloud Computing in der Schweiz. EuroCloud Swiss setzt sich dafür ein, globale und europäische Entwicklungen in Bezug auf Recht, Datenschutz, Standards, Guidelines, Qualität und Zertifizierungen zu diskutieren und nach Bedarf auf Schweizer Bedürfnisse anzupassen. Das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) hat dazu die Studie «Gov Cloud» in Auftrag gegeben. Diese Studie soll aufzeigen, wie die Cloud Strategie des Bundes umgesetzt werden kann. Mit dieser Studie wurde der Markt Government (Bund, Kantone und Gemeinden) nach ihren Aufgaben und deren gesetzlichen Verpflichtungen analysiert und segmentiert. Auf Grund dieser Segmentierung wurden Anforderungsprofile für den Einsatz von Cloud Services beim Bund definiert. Eine Marktanalyse von Cloud Anbietern zeigt auf, welche Cloud Services in welchen Segmenten bereits heute zum Einsatz kommen können. Das Ökosystem und eine Roadmap verdeutlichen, wie das weitere Vorgehen sein soll. Was werden Sie an den X.DAYS den Besucherinnen und Besuchern vorstellen? Wir werden mit Freude und Begeisterung an den diesjährigen X.DAYS als «normale Teilnehmer» vor Ort und vor allem den Dialog zu den gerade diskutierten Themen mit unseren Partner im Vordergrund haben.

Wie schätzen Sie die Bedrohungslage ein, was das Thema Cloud und Sicherheit betrifft? Cyberkriminalität ist mit Sicherheit ein ernstzunehmendes Thema. Dies muss entsprechend beim Entscheid, welche Cloud Services in Anspruch genommen werden sollen in Betracht gezogen werden. Durch die individuelle Ausgangslage in jedem Unternehmen ist es erforderlich, dass vor der Evaluation eines Cloud Services von Seiten Unternehmen folgende Fragen beantwortet werden: • Was für eine Business-Strategie haben wir? • Was für gesetzliche und regulatorische Vorgaben hat das Unternehmen? • Welche Risiken hat das Unternehmen und ist ein Risikomanagement vorhanden? • Wie und in welchem Umfang sollen Cloud Services das Unternehmen in ihrem täglichen Geschäft unterstützen?

Marco Iten ist Sales Consultant Business Unit Software der ALSO Schweiz AG www.also.ch www.also-cloud.ch

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Rubrik

Die Zukunft wird bereits gelebt Neue Arbeitswelten von Peter Merz

Es ist ein fast alltägliches Bild auf dem Weg zur Arbeit. Immer mehr Menschen sind «always on» und mit Tablet, Smartphone oder Notebook erreichbar. Durch Veränderungen in den Kommunikationstechnologien werden individualisierte Arbeitsmodelle für eine immer breitere Gruppe zur Realität.

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X.DAYS Rubrik

Der «Information Worker» an seinem Arbeitsplatz.

lässt sich aber nicht aufhalten. Die neuen Lebenswelten bringt eine neue Generation schon als Selbstverständlichkeit mit.

Die produktive Überschneidung von Arbeit und Freizeit steht auf der Agenda.

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s ist erstaunlich, wie sich die Arbeit in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Früher stand die Arbeit im Mittelpunkt, die Freizeit war mehr oder weniger ein rares Gut. Doch in den letzten Jahren ist viel passiert. Die Freizeit hat immer mehr an Bedeutung gewonnen, die strikte Trennung zwischen der Arbeit auf der einen und der Freizeit auf der anderen Seite gibt es oftmals nicht mehr. Dank neuster Technologien sind wir heute nicht mehr an einen strikten Arbeitsort oder feste Arbeitszeiten gebunden. Die Überlappungen von Arbeits- und Freizeitwelten führen zu neuen Herausforderungen. Wer sich 24 Stunden online fühlt, bekommt früher oder später Stress. Daher ist die Work-Life-Balance für uns Menschen wichtig geworden. Der Zug der Zeit

«Information Worker» als Zukunftstrend? Die neuen Arbeitsverhältnisse und -formen lassen sich besonders bei Nachwuchskräften, der «Generation Y» feststellen, die eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit schon lange nicht mehr so ausgeprägt kennen. Sie beantworten die Kundenkorrespondenz im Zug, planen das Konzept am Wohnzimmertisch oder buchen die Geschäftsreise, während sie genüsslich den Kaffee trinken. Wir haben es nicht mit einem Hype oder einer Modeerscheinung zu tun. Die Arbeit wird ein integrierter Bestandteil in unserem 7 x 24-Stunden-Leben sein. Selbst viele Forscher sehen in dem neuen Trend der «Information Worker» positive Seiten. Immerhin bräuchten Menschen eine sinnvolle Beschäftigung, um eine volle Zufriedenheit erreichen zu können, so das Fazit der Forscher. Geregelte Arbeitszeiten wären dafür aber, im Gegensatz zu früher nicht mehr zwingend notwendig. Modell für die Familie tragbar? Die Mitarbeitenden entscheiden in diesem Modell selbst, wo und wann sie am produktivsten arbeiten. Ich bin überzeugt, dass sich die überwiegende Mehrheit der Menschen mit ihrer Arbeit identifiziert, aber dies nicht zu festgelegten Zeiten oder Orten. Die veränderten Strukturen haben somit direkte Auswirkungen auf die Familie und Tagesplanung. Neben der Arbeit kann man die Familie direkt vor Ort unterstützen und dann halt am Abend, wenn die Kleinen schlafen, noch die eine oder an-

dere Aufgabe fertigstellen. Wir haben solch ein Modell erfolgreich bei der GIA Informatik AG implementiert. In unserem Hause werden neue Arbeitswelten in der Praxis gelebt. Integration durch Selbstverantwortung Mitarbeitende erhalten mit dem neuen Arbeitsmodell deutlich mehr Freiheiten und Selbstverantwortung. Kritik, Mitarbeiter würden im neuen Modell sogar länger arbeiten, wird von vielen Unternehmern nicht verstanden. Es sei nicht das Ziel, Mitarbeitende zu überwachen, oder unter Stress zu setzen, sondern sie vielmehr am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. Das bringt mehr Motivation und damit mehr Produktivität für das Unternehmen. Das ist aber nur mit grosser Flexibilität, aber auch mit einem hohen Anteil an Selbstverantwortung möglich. Daher muss ich mich auch an flache Hierarchien gewöhnen. Der Erfolg gibt solchen Modellen aber Recht. Es scheint, als würde die Zukunft des Arbeitens wohl genauso aussehen.

Peter Merz ist CEO der GIA Informatik AG www.gia.ch

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Meine Daten gehören mir Neue und aktualisierte Bedrohungsszenarien von Georg Lutz

Die Bedrohungslage hat sich in den letzten Monaten auch für Unternehmen erweitert. Es geht nicht mehr nur um den klassischen Hacker, Mafia- Netzwerke oder unliebsame Konkurrenten, sondern auch um masslose Geheimdienste und sammelwütige Internetkonzerne. Letztere haben das Vertrauen in digitale Welten erschüttert. Einige europäische Anbieter versuchen nun, ihren Kunden die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben. kmuRUNDSCHAU // Seite 76


Effiziente Bürolösungen

Wo liegen meine Daten und wer hat Zugriffsrechte?

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uf den folgenden Seiten haben wir wieder einige spannende Beiträge für Sie zusammengestellt, welche die Gefahrenwege, die gerade auf kleine Unternehmen zulaufen, verdeutlichen und strategische Aufstellung beziehungsweise Abwehrmöglichkeiten thematisieren. Die Wege sind vielfältiger geworden, da wir zum Beispiel mit immer mehr mobileren Geräten an unterschiedlichsten Orten arbeiten. Obwohl die Gefahren zugenommen haben, sind wir von der technischen Seite, was die Abwehr von klassischen Hackerangriffen betrifft, gut aufgestellt. Durch Sicherheitslösungen, die auf der Höhe der Zeit agieren, und die Etablierung fortschrittlicher Abwehrmechanismen wird Hackern das Leben schwer gemacht. Allerdings stellt der Mensch im eigenen Unternehmen, wenn er nicht vorbereitet ist, ein hohes Risiko dar. Da technologische Schwächen weniger werden, kommt der nicht sensibilisierte Mitarbeiter in den Fokus. Der User ist das schwächste Glied in der Abwehrkette. Bei der Weiterbildung und Sensibilisierung von Gefahren gibt es in vielen Unternehmen noch Luft nach oben. Diese Gefahrenhierarchisierung, weg von der technischen hin zur menschlichen Seite, verdeutlichen auch die zentralen Argumentationsfiguren der nächsten Seiten. Cloud und Datensammler Mit Jeder neuen Enthüllung von Geheimdienstaktivitäten und ihren masslosen Spähaktionen und jeder weiteren Ankündigung, dass Technologiekonzerne wie Google, die das Auto oder die Heizung erobern und immer weiter auch in den Unternehmensalltag vordringen, nimmt das Unbehagen zu. Früher fanden wir es toll, von Amazon weiter Tipps zu bekommen: «Das könnte Sie auch interessieren», heute fragen wir uns, wer eigentlich mit welchen Daten was macht. Darunter leiden auch Cloud-Anbieter. Gerade hatten sich auch viele Ver-

antwortliche von kleinen Unternehmen auf CloudLösungen eingestellt. Die Vorbehalte zu überwinden war ein hartes Stück pädagogische Arbeit für Anbieter. Jetzt haben sie wieder Angst um ihre Daten. Sie sind zwar lokal im Unternehmen auch nicht besser geschützt, allerdings wissen die Unternehmensverantwortlichen auch nicht, wer in der Cloud auf welche Daten zugreift, so jedenfalls der Eindruck nach den Datenskandalen. Die grössten Bedenken haben Unternehmen dabei, dass unerlaubt auf sensible Daten zugegriffen werden kann. Auch Datenverlust und die unklaren Rechtslage machen Kopfschmerzen. Aktivitäten in die richtige Richtung Was ist zu tun? Wir brauchen nicht nur neue betriebliche Sicherheitsanstrengungen, sondern auch einen einheitlichen europäischen Datenschutz, dem sich die Schweiz anschliessen kann, damit sich auch amerikanische Unternehmen daran halten. Bevor hier im langsamen Brüssel etwas nach vorne geht, die Novelle der Datenschutzverantwortung ist schon seit zwei Jahren in den unterschiedlichen Gremien, haben sich bereits einige europäische Unternehmen aus dem Fenster gelehnt. Einige fordern ein europäisches «Apollo Programm» in der IT-Branche, damit ähnlich wie mit Airbus in der Flugzeugbranche Mitte der 70er Jahre europäische Unternehmen US-Konzerne wieder Paroli bieten können. Die jüngsten Entwicklungen mit Nokia gehen aber bekanntlich in eine andere Richtung. Unter den ersten zehn Plätzen in der ICT-Branche tummeln sich keine europäische, sondern US-Amerikanische Player. Blicken wir daher auf die kurzfristigen Zeitachsen. Es gibt Angebote von Schweizer Firmen, die ihren Kunden garantieren, dass die Daten in der Schweiz bleiben. Wir haben in der letzten Ausgabe davon einige vorgestellt. «Cloud made in Germany» ist in Deutschland gerade ein wichtiges Schlagwort. Es

geht in erster Linie um Datenschutzrichtlinien. Neue Label werden aus dem Boden gestampft. Unterdessen spüren auch internationale Anbieter wie Hewlett-Packard und Microsoft den Gegenwind und bieten ihren Kunden an, die Daten in europäischen Datenzentren zu speichern. Klare Ansage aus Österreich Der österreichische Anbieter Fabasoft geht da aber einige Schritte weiter und gibt seinen Kunden mit seinem Konzept der Cloud-Lokationen die Wahlfreiheit und Gewissheit, wo die Speicherung der Cloud-Daten erfolgt. An jeder Cloud-Lokation – aktuell in der Schweiz, Deutschland und in Österreich – werden die Daten jeweils in zwei geografisch getrennten High-Tech Rechenzentren synchron gespeichert. Sowohl die Datenübertragung als auch die Datenspeicherung in den Rechenzentren sind verschlüsselt. Fabasoft setzt dabei jedoch nicht auf ‚Infrastructure-as-a-Service‘-Angebote anderer Hersteller. Der gesamte Source Code für die Fabasoft Cloud – inklusive Betriebssystem und Datenbank – ist bei Fabasoft verfügbar. Mit dem Anspruch «Store Locally. Share Globally» verspricht die Fabasoft Cloud, dass die Daten Europa nicht verlassen und ermöglicht gleichzeitig die sichere und grenzenlose Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern weltweit. www.unitedcloudsofeurope.eu

Georg Lutz ist Chefredaktor von kmu Rundschau.

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Effiziente Bürolösungen

In den Griff bekommen Sicherheitsperformance entwickeln Interview mit Franco Cerminara von Georg Lutz

Die Perimeter der Sicherheit verschieben sich und weiten sich aus. Auf welche Angriffstrends müssen sich KMU-Verantwortliche und Sicherheitsanbieter vorbereiten? Wir arbeiten immer mehr ausserhalb unseres klassischen Arbeitsplatzes. Mobiles Arbeiten und «Bring Your Own Device» stellen Sie als Sicherheitsanbieter vor neue Herausforderungen. Datendiebstahl ist hier vermutlich ein besorgniserregender Trend. Können Sie die Bedrohungslage skizzieren? Mobilität und Verfügbarkeit der Daten müssen in einem heutigen Sicherheitsdispositiv unbedingt berücksichtigt werden. Mobiles Arbeiten ist ja auch heute eine Selbstverständlichkeit. Mitarbeiter erwarten, dass sie orts- und zeitunabhängig auf Daten zugreifen und diese bearbeiten können. Für Sicherheitsverantwortliche verschiebt sich dadurch der Perimeterschutz, sprich die Trennung zwischen der internen IT und dem öffentlichen Netz. Die klare Trennung zwischen internen und externen Datenräumen gibt es schlicht nicht mehr. Es geht aber nicht nur um zusätzliche Geräte wie Smartphones oder Tablets, sondern es gilt auch die Cloudlösungen im Blick zu haben. Folglich steigen die Anforderungen an Datensicherheit im Geschäftsalltag. Ihnen geht die Arbeit nicht aus? Richtig. Die Herausforderungen nehmen zu. Wenn man Informationssicherheit in den Griff bekommen will, geht es darum alle Prozesse abbilden zu können. Dann gilt es Mitarbeiter die entsprechen-

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den Kenntnisse und Instrumente in die Hand zu geben, damit sie sicher (mobil) arbeiten können und in der Cloud ein sicherer Rahmen mit klaren Zugriffsberechtigungen existiert. Die zentrale Herausforderung ist, dass viele, gerade Verantwortliche von kleine Unternehmen, nicht wissen, wo ihre sensiblen Daten liegen und wer darauf zugreifen darf – respektive. kann.

heit gibt es nicht. Bei Android geht es auch weniger um die Sicherheit des Produktes selbst, sondern wie Mitarbeiter damit umgehen. Mitarbeiterschulung ist hier sicher ein wichtiges Thema. Lassen Sie mich an diesem Punkt nochmals grundsätzlicher werden.

Ich muss zunächst ein Bild erstellen, damit ich einen Überblick bekomme?

Informationen sind gestern und heute ein Machtfaktor. Wenn ich als Anbieter ein spannendes Produkt oder Teile eines Produkts auf dem Weltmarkt habe, bin ich für verschiedene Akteure, die auch global agieren von Interesse. Zudem kann ich, wenn ich nicht geschützt bin, auch Einfallstor für andere Unternehmen sein, da meine Rechner gekapert sind und damit auch andere Unternehmen angegriffen werden können.

Viele Verantwortliche wissen oft gar nicht wo kritische Daten liegen. Umgangssprachlich gesagt, muss ich zunächst wissen, wo sind welche Daten, und wer bearbeitet diese mit welcher Berechtigung. Wenn ich auf dieser Grundlage eine neue Sicherheitsstruktur geschaffen habe, dann gilt es diese Struktur auch laufend zu pflegen. Das letzte Jahr war von einem Anstieg von Android-Schadprogrammen, neuen Computerschädlingen und eCrime-Kampagnen geprägt. Sehen sie das auch so und wenn ja setzt sich dieses Jahr dieser Trend fort? Ja, wir haben es hier immer mit Zyklen zu tun. Zunächst geht es beim Thema Sicherheit immer nur um Annäherungswerte. 100 Prozent Sicher-

Ich bitte darum.

Wenn die IT-Mittel unstrukturiert ausgerollt sind, Datenhaltung nicht definiert ist und Mitarbeiter nicht sensibilisiert sind, dann bieten Sie eine grosse Angriffsfläche. Vor diesem Bild, ist es dann fast schon unabhängig, ob Sie Android, Windows Mobile oder mit anderen Betriebssystemen arbeiten. Wenn bei Ihnen die Türen für Angriffe offen sind, sind Sie verletzbar. Jetzt stellt sich die Frage, wer hier noch Luft nach oben hat. Wem fehlt die Sicherheitssen-


Effiziente Bürolösungen Threats», kurz APT. Es geht hier um komplexe, zielgerichtete und effektive Angriffe auf IT-Infrastrukturen. Ziel ist möglichst lange unentdeckt zu bleiben, um über einen längeren Zeitraum sensible Informationen zu bekommen. Der Aufwand, der hier betrieben wird, ist enorm. An diesem Punkt sind wir dann schon bei Industrie- und politischer Spionage angelangt, die aber wie gesagt nicht nur grosse Unternehmen oder Staaten betreffen, sondern auch kleine Unternehmen, wenn Sie interessante Daten besitzen. An welchen Punkten sind KMU-Unternehmen besonders gefährdet?

Sensibilisierung von Mitarbeitern ist eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Sicherheitsstrategie.

sibilität. Sind es eher die Hersteller oder wir als Nutzer? All die Gadgets und Apps mit denen wir heute arbeiten sind auf Komfort, Einfachheit und Schnelligkeit ausgerichtet. Das ist toll und wir nutzen sie gerne. Sicherheit steht hier nicht an erster Stelle. Das Bewusstsein bei Herstellern, was Sicherheitsthemen betrifft, ist heute weitgehend vorhanden. Bei uns als Nutzer muss leider oft erst ein Schadensfall eintreten, bevor wir uns des Risikos bewusst werden. Jetzt können Sie uns sicher noch ein praktisches Beispiel verraten? Letztes Jahr haben wir an unserer Sicherheitsveranstaltung ein Smartphone in aller Öffentlichkeit gehackt, um aufzuzeigen wie einfach es ist, eine App zu entwickeln, Daten aus dem Smartphone auszulesen und an eine dritte Person weiter zu leiten. Diese haben wir dann frei zugänglich auf einem App-Store veröffentlicht, um es den Usern anzubieten. Natürlich haben wir die App danach gleich wieder aus dem Store entfernt. Gibt es für Sie hier eine Unterscheidung zwischen privaten und geschäftlichen Angelegenheiten? Was wir privat machen, liegt in unserer persönlichen Verantwortung. Bei Geschäftsdaten sollte aber eine klare Sicherheitsarchitektur, die regelmässig gepflegt wird, vorhanden sein. Das ist der Ansatz unseres Hauses. Es sollten keine schwammigen Überschneidungen vorhanden sein, insbesondere bei «Bring Your Own Device» gilt es hier klare Regeln zu definieren. Indem ich ein Privathandy als Geschäftshandy einsetze, ohne es vorher in die Sicherheitsarchitektur ein zu pflegen?

Beispielsweise. Oder wenn Ihre Kinder dann ungeschützt Spiele drauf laden, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Sicherheitsrisiko am Hals. Cloud-Speicher sind ein weiteres Einfallstor. Dropbox und andere Speicher «in der Wolke» sind bei Nutzern beliebt, um Daten zu sichern oder auszulagern. Das ist für Cyberfreaks bares Geld. Sehen Sie das auch so? Ja, das kann ein Einfallstor sein. Sie können als Angreifer dann Schadsoftware platzieren oder Daten missbrauchen. Aus unserer Erfahrungen ist aber auch E-Mail immer noch ein klassisches Angriffsziel. Viele Angreifer versuchen via E-Mail Schadsoftware in das Unternehmen einzuschleusen, zum Beispiel über ein entsprechendes Attachment oder einen Link auf eine gefälschte Internetseite.

«Oft laufen heute gezielte Angriffe über einen längeren Zeitraum». Kommunikation ist ein zentraler Punkt. Bei der Reaktion und Prävention geht es immer darum, welche Kanäle Sie wem zugestehen. Daher sind Browser, Internet und E-Mail nach wie vor die heiklen Stellen und daher ist ein zuverlässiger Perimeterschutz enorm wichtig. Oft laufen heute gezielte Angriffe über einen längeren Zeitraum. Der Fachbegriff dazu heisst «Advanced Persistent

Es gibt hier verschiedene Betrachtungswinkel. Der Perimeterschutz wird sich sicher auch in den nächsten Jahren erweitern beziehungsweise ergänzen. Sicher werden Portale besonders betroffen sein. Wenn Sie als KMU in einem Nischenmarkt erfolgreich sind, dann sollten sie besonders aufpassen, da es Akteure gibt, die Sie von diesem Markt verdrängen wollen. Bei der Frage der Mitarbeitersensibilisierung braucht es oft psychologische Tricks. Wir werden in unserem Tagesgeschäft von Informationen überflutet. Hier sind nicht nur technische, sondern auch menschliche Filter nötig, um die wichtigsten und relevantesten Punkte heraus zu finden. Die wichtigsten Punkte nachhaltig bearbeiten, so könnte unser Arbeitsmotto zusammengefasst werden. Können wir die Kernbotschaften des Interviews zusammenfassen? Erstens muss man Prozesse sauber konzipieren, umsetzen und optimieren. Zweitens gilt es die Infrastruktur richtig aufzubauen und sicher zu halten und drittens gilt es den Menschen gezielt zu sensibilisieren. Wenn man alle drei Dimensionen der Informationssicherheit berücksichtigt, dann ist man auf dem richtigen Weg.

Franco Cerminara ist Head of Consulting bei der InfoGuard AG. www.infoguard.ch

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Rubrik Bürolösungen Effiziente

Sicher und schnell in der Wolke Nachhaltige Cloud-Lösungen sind massgeschneidert

Klassische Sourcing-Modelle werden immer mehr durch Cloud-Lösungen abgelöst. Nachhaltig sind Letztere vor allem, wenn sie massgeschneidert sind und von zuverlässigen Services eines professionellen Sourcing-Partners begleitet werden. von Rainer Egli

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er Bezug von IT-Ressourcen aus einer Cloud ist heute auch für KMU zu einer attraktiven Alternative zum Eigenbetrieb geworden. Die Unternehmen haben erkannt, dass ihre IT in professionellen Händen weit besser aufgehoben ist, als in der eigenen «Abstellkammer» unter der Obhut eines nur einseitig ausgebildeten Mitarbeiters. Vor allem die Konzentration auf das Kernbusiness wird auch für KMU immer wichtiger. Zentral für das On-demand-Nutzungsmodell aus der Cloud ist allerdings der Reifegrad der Services,

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die der jeweilige Provider liefern kann. Denn insbesondere Standardangebote oder der Cloud-Bezug ab der Stange, wie er heute im privaten Umfeld oder für Commodity-Lösungen gang und gäbe ist, reichen im Unternehmensalltag bei Weitem nicht aus. Dass man mehr oder weniger ausgereifte Infrastruktur (IaaS), Plattform (PaaS) oder Business-Applikationen (SaaS) aus der «public Cloud» sowie auch aus der «private Cloud» beziehen kann, wird heute von jedem professionellen Provider erwartet. Entscheidend für KMU ist die Quali-

tät und Zuverlässigkeit der Services sowie die Erfüllung aller Anforderungen an einen modernen und funktionalen IT-Arbeitsplatz. Ausgereifte Services zentral Kein Wunder also wenn für Unternehmen, welche ein Outsourcing ihrer IT via Cloud ins Auge fassen, das Service-Portfolio sowie die Erfahrung eines Providers als wesentlichste Entscheidungskriterien in den Mittelpunkt rücken. Gerade die Art und Weise, wie und in welcher Qualität KMU ihre IT-


Ziel ist eine «Managed Cloud».

Leistungen beziehen können, bestimmt zentral über den Geschäftsnutzen, den sie mit Hilfe einer zuverlässigen IT erzielen können. Bei iSource hat man diesen Wandel erkannt. Wir haben die Grundleistung aus den drei aufeinander aufbauenden Architekturbereichen (IaaS, PaaS und SaaS) mit zusätzlichen Services im Cloud-Angebot erweitert. Gerade weil heute in einer Cloud die Hard- und Software zu Commodity-Angeboten der Provider geworden sind, treten diese auch von uns angebotenen ganzheitlichen Lösungen des Service-Portfolios stark in den Vordergrund. Erst durch dieses Vorgehen ist die Verfügbarkeit, die Sicherheit oder der Support auf jedem der drei Architektur-Level garantiert. Die charakteristischen Differenzierungsmerkmale für Unternehmen können so gewährleistet werden. Wollen KMU das hier schlummernde Potenzial für ihr Business nutzen, muss für die Unternehmensverantwortlichen das jeweilige Service-Angebot eines Providers ein wichtiges Auswahlkriterium für eine Auslagerung der eigenen IT-Ressourcen sein. Für iSource steht deshalb ausser Frage, dass sich KMU ein individuelles und massgeschneidertes Service-Gesamtpaket zusammenstellen können müssen. Und hier ist von den Providern entsprechende Flexibilität gefordert, damit die Unternehmen sowohl jederzeit Erweiterungen vornehmen als auch abspecken können.

Damit fokussiert sich das Kernbusiness eines Providers keineswegs nur auf den Betrieb standardisierter Lösungen mit der Option «take it or leave it». Es geht vielmehr darum, alle Services «à jour» zu halten und diese auf dem mit dem Kunden vereinbarten Level zur Verfügung zu stellen. Bei uns spricht man deshalb grundsätzlich von einer «managed Cloud». Sie ermöglicht es, dass alle Services sowohl in einer «virtuellen private Cloud» wie auch in einer ‹outsourced private Cloud› permanent einsatzbereit und präzise auf das jeweilige Kundenbedürfnis zugeschnitten sind. Wobei die letztere Variante sich dadurch unterscheidet, dass ein KMU die Service-Verfügbarkeit auf dedizierter Hard- und Software nutzen kann, im Gegensatz zu der virtuellen Version, in welcher mehrere Kunden eine Plattform teilen. «Swissness» als grosser Vorteil Grundsätzlich hat die aktuelle Sicherheitsdiskussion gezeigt, wie wichtig allein schon die Lokalisierung der Rechenzentren eines Providers sein kann. Jedes Cloud-Angebot, das «Swissness» ausweist und keinem Zugriff internationaler Konzerne unterworfen ist, hat damit heute wesentliche Standortvorteile. Daher liegt es nahe, dass wir unsere drei Rechenzentren ganz bewusst nur in der Schweiz betreiben. Diese Swissness ist aber keineswegs nur auf die sichere Datenlagerung begrenzt; vielmehr wird sie auch mit einem direkten Ansprechpartner in der gewünschten Landessprache opti-

miert. Denn mehr oder weniger jedes Unternehmen hat im Notfall bei Support-Anfragen oder dem Ticketing schon erfahren was es heisst, in Warteschlaufen zu landen oder mit ständig wechselnden Ansprechpartnern in Support-Centern irgendwo auf der Welt konkrete Probleme lösen zu müssen. Daher ist der direkte Ansprechpartner in der Schweiz – als «single point of contact» zur Koordinierung aller anstehenden Themen – ein wesentlicher Mehrwert. Swissness ist keineswegs nur eine Marketingfloskel, sondern bietet markante Vorteile. Die Dienstleistungen reichen sehr viel weiter. Bereits der relativ einfache E-Mail-Service macht klar, warum sich ein KMU heute nicht mehr mit den Minimalanforderungen eines Allerweltangebotes zufriedengeben kann. Denn nicht erst seit der NSA-Affäre ist bekannt, wie wichtig hier ausgereifte und auf Knopfdruck verfügbare Services sind. Überall, wo es nötig ist, sollte Verschlüsselung zum Einsatz kommen. Dazu gehören auch Services wie Spamfilter und ein spezifisches Virus-Abwehrsystem, welches der Provider seinen Kunden arbeitsplatzspezifisch zur Verfügung stellen können muss. Zudem müssen je nach Branche bereits bei einem solchen Standardangebot Compliance-Vorgaben oder interne Regeln erfüllt werden können, die beispielsweise klar definierte Anforderungen an die Archivierung stellen, um die Revisionssicherheit zu garantieren. Provider, die hierfür keine eigenen Services anbieten, machen den Cloud-Bezug für ihre Kunden unnötig komplex.

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Ein ganzheitliches Service-Portfolio ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg.

Durch Services differenzieren Provider müssen auch mit einer sich immer schneller wandelnden Technik Schritt halten. Erinnert sei hier nur an die inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Entwicklungen in Sachen Mobilität. Wer heute einem KMU keine hochsichere Zugangsinfrastruktur zu den Systemen und Applikationen anbieten kann, öffnet Hackern Tür und Tor. Hier sind Services gefragt, die beispielsweise modernste mehrstufige Authentifizierungsprozesse («strong authentications») umfassen. Und selbstverständlich sollte auch jedes KMU darauf achten, dass sein Provider über ein ausgereiftes Desaster Recovery sowie über die notwendigen Prozesse einer immer wieder geübten Business Continuity verfügt. Denn noch immer kommt es vor, dass Daten im Katastrophenfall nicht mehr wiederhergestellt werden können. Mit präzise auf solche Ausfallszenarien zugeschnittenen Services erspart man sich und seinen Kunden viel Ärger und schlussendlich auch Geld. Neben Diensten, die für jede Branche wichtig sind, kann man bei professionellen Providern aber auch ganz spezifische Services beziehen, so etwa im Hinblick auf die Revisionssicherheit. Vor allem die Finanzindustrie, öffentliche Institutionen und auch Unternehmen, welche der ordentlichen Revision unterliegen, sind an gesetzlich gültige Vorschriften gebunden, die auch für den Betrieb und die Haltung der IT-Ressourcen in der Cloud Gültigkeit haben. Denn wer seine gesamten IT-Ressourcen oder Teile davon auslagert,

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kann empfindlich getroffen werden, wenn die Kontrollsysteme des Outsourcing-Anbieters Schwächen aufweisen. iSource begegnet diesem Risiko, indem wir mit der Zertifizierung von ISAE 3402 Typ II die eigene Organisation inklusive aller Prozesse transparent dokumentieren. Damit sollen nicht nur die Ansprüche einer ordentlichen Revision für Kunden erfüllt werden, die ihre IT-Ressourcen an unser Unternehmen auslagern, wir als Provider schaffen die gleiche Transparenz auch für unser gesamtes Cloud Angebot. Dieses Zertifikat, das dem derzeit höchsten internationalen Standard entspricht, ist für uns ein ganz wesentliches Qualitätsmerkmal. Es zeigt, dass unsere Kunden alle Dienstleistungen auf höchster organisatorischer Stufe gemäss geltendem Gesetz und mit maximaler Sicherheit beziehen. Dazu kommt, dass sämtliche Dienstleistungen, die Kunden an uns auslagern, einer externen Qualitätsüberprüfung unterliegen. Unser eigenes Unternehmen sowie unsere Kunden weisen damit einen Grad an Transparenz auf, den es in dieser Form für KMU bisher nicht gab. Mit einem sinnvollen Service-Einsatz und dem daraus resultierenden Nutzen kann sich ein KMU gegenüber seinen Mitbewerbern erhebliche Differenzierungsmöglichkeiten schaffen. Entfaltet doch jede Art von Cloud erst mit der Hinterlegung eines umfassenden und von Experten gemanagten Service-Portfolios alle die mit dieser Technik einhergehenden Vorteile.

Cloud-Plattform von HP als Basis Wenn KMU ihre Services effektiv und effizient aus der Cloud nutzen wollen, brauchen sie einen Provider mit einer Cloud-Plattform, die Sicherheit und Verfügbarkeit mit der nötigen Flexibilität und Schnelligkeit verbindet. Deshalb hat sich iSource als einer der ersten Service-Provider der Schweiz für das Partnerprogramm Cloud-Agile von Hewlett-Packard (HP) zertifiziert. iSource hat die Cloud-Lösung «HP Converged Cloud Infrastructure» erworben und implementiert. Der Betrieb der Cloud-Lösung wird vollständig von iSource Engineers erbracht. Damit führt iSource die bewährte Partnerschaft mit einem der wichtigsten Technologie-Anbieter fort. Profitieren können alle KMU, die ihre IT-Infrastruktur (IaaS), Anwendungsplattformen (PaaS) oder Business-Applikationen (SaaS) mit ausgereiften Services hinterlegen und diese Ressourcen aus der Cloud heraus auf ihrem individuellen Desktop (DaaS) verwenden.

Rainer Egli ist CEO der Glattbrugger Cloud-Services-Anbieterin iSource. www.isource.ch


www.glenfis.ch


Marke Eigenbau oder Experte IT-Sicherheit für KMU

von Rüdiger Trost

Die Verantwortlichen von kleinen Unternehmen fühlen sich angesichts der Horrorgeschichten in den Medien über immer neue Angriffswellen aus dem Netz schlicht überrollt. Securityas-a-Service bietet für KMU-Verantwortliche den entscheidenden Mehrwert, mit minimalem Arbeitsaufwand ein Maximum an Sicherheit aus der Cloud zu erzielen.

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enn es um IT-Sicherheit in kleineren Unternehmen geht, stellt sich die Frage «Selber machen oder machen lassen?» Von Seiten der IT-Industrie gibt es für beide Varianten passende Lösungen. In immer mehr KMUFirmen avanciert dabei Security-as-a-Service, bereitgestellt aus der Cloud, zum attraktiven Modell. Grund dafür ist der Mangel an Zeit, Ressourcen oder Kompetenzen in vielen KMUs, um die Sicherheit selber zu managen und angesichts vielfältiger und ständig neuer Bedrohungen für ein angemessenes Schutzniveau zu sorgen. Alleine schon das Software-Updating wird in Unternehmen, die sich selbst um die Sicherheit kümmern, vor allem aus Zeitmangel oftmals vernachlässigt. Lückenloses Updating ist aber unverzichtbar, um sich effektiv vor Malware zu schützen, die es vor allem auf Sicherheitslücken in kommerzieller und kostenfreier Software abgesehen hat. Die Sicherheitsspezialisten von F-Secure gehen davon aus, dass immerhin 60 Prozent der Top-Ten-Malware-Angriffe durch upgedatete und somit aktuelle Software abgeblockt werden könnten. Besonders risikoträchtig sind gerade die weit verbreiteten Anwendungen, darunter etwa Java, Adobe Flash Player und Firefox, aber auch gängige Microsoft-Technologien oder Open Office. Umfassende Sicherheitsmassnahmen sind nötig Für effektive Rundum-Sicherheit sind aber mehrere Aspekte entscheidend. Die Sicherheitslösung

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muss vor allem in der Lage sein, einen permanenten Schutz und eine ständige Aktualisierung der stationären und mobilen Geräte zu gewährleisten. Darüber hinaus muss sie die E-Mail-Kommunikation absichern und für den Schutz der Daten innerhalb und ausserhalb des Unternehmens sorgen. Entscheidend ist, dass die gesamte IT-Umgebung abgedeckt ist, also alle Desktops, Laptops, E-Mail- und Datei-Server, aber auch mobilen Geräte wie Tablets und Smartphones. Erforderlich ist Echtzeitschutz vor Viren, Spyware und Spam sowie vor unerlaubten Zugriffsversuchen und webbasierten Angriffen. Auch ein Lizenzmanagement ist sinnvoll, denn nicht mehr lizenzierte Anwendungen werden mangels Updates früher oder später zur gefährlichen Sicherheitslücke. IT-Sicherheit ist also mit vielfältigen Aufgaben verknüpft, die kaum ein KMU mit bezahlbaren Inhouse-Ressourcen leisten kann. Wer keine eigene IT-Abteilung hat oder keinen externen Systemadministrator engagieren will, der ist mit Security-asa-Service besser bedient. Eine Lösung aus der Cloud, die alle notwendigen Funktionen bietet, ist beispielsweise «Protection Service for Business», kurz PSB, von F-Secure. Nach einer einmaligen Einrichtung des Dienstes lässt sich das Sicherheitsmanagement einfach und ohne grossen Zeitaufwand bewerkstelligen. Die Lösung weist allen Geräten im Unternehmen einzelne Sicherheitsprofile zu, wobei vordefinierte Profile individuell editiert werden können. Die Profile sehen je nach Nutzung verschieden strikte Sicherheitsregeln vor.


Effiziente Bürolösungen

vor allem gegen Zero-Day-Attacken durch schnelles Abfragen der Reputation von Dateien und Anwendungen beim Cloud-Sicherheitszentrum. Daraufhin wird entschieden zwischen Blocken, Zulassen oder Simulieren des Anwendungsverhaltens in einer sogenannten Sandbox. Solche Abwehrtechnologien werden immer im Zusammenhang mit dem Rechenzentrum des Sicherheitsanbieters realisiert und stehen somit sowohl für Security-as-a-Service als auch für eine Inhouse-Lösung zur Verfügung

Der nächste Angriff ist schon in Planung.

Bei einem Laptop im Ausseneinsatz, das sich mit Netzwerken ausserhalb des Büros verbindet, wäre zum Beispiel die Änderung von Sicherheitseinstellungen durch den Anwender untersagt. Verschlüsselte Kommunikation zwischen dem ManagementPortal und den geschützten Geräten sorgt zusätzlich für Sicherheit. Ein weiterer Aspekt sind mobile Geräte, die verloren gehen oder abhanden kommen. Hier ist eine Diebstahlsicherung, die gestohlen gemeldete Geräte auch aus der Ferne sperrt, sehr effektiv. Übersichtliche Verwaltung und Performanceschonend KMU-Verantwortliche profitieren von einer «schlüsselfertigen» Cloud-basierten Sicherheitslösung insofern, dass keine Wartung und nur minimaler Administrationsaufwand durch eigene Ressourcen erforderlich sind. Die Lösung wird vom Security-Anbieter gehostet und meist von einem zertifizierten lokalen IT-Partner verwaltet. Eine browserunabhängige Lösung wie im Falle von FSecure PSB ermöglicht dabei die Bedienung aller Funktionen auch vom Smartphone oder Tablet aus. Im Online-Management-Portal sieht der Administrator auf einen Blick die ganze Gerätelandschaft mit dem aktuellen Sicherheitsstatus. Darüber hinaus liefert das Portal einen Überblick über die Systemkonfiguration: Zugehörigkeiten zu Gruppen, IP-Adressen oder auch WINS-Name und DNS-Name lassen sich einfach abfragen. Eine Cloud-Security-Lösung sollte möglichst unkompliziert sein, um Personalressourcen zu schonen,

aber auch möglichst ressourcenschonend, was die IT-Umgebung betrifft. Die Performance des Unternehmensnetzes, der Server und die Clients dürfen durch die Ausführung der Sicherheitsfunktionen nur minimal beansprucht werden. Moderne Sicherheitslösungen sind für die Mitarbeiter am PCArbeitsplatz ohnehin kaum wahrnehmbar, da die Hersteller die Lösungen diesbezüglich optimieren. Sogenannte Neighbourcast-Technologien beispielsweise erlauben die Verteilung eines Updates durch einen Client auf benachbarte Clients und schonen so die Bandbreite. Schutz vor bekannten und (noch) unbekannten Bedrohungen Wie bereits erwähnt, ist die ausschliessliche Verwendung aktueller Software in der Unternehmensumgebung entscheidend. Das Software-Updating ist daher eine wichtige Komponente einer Security-as-a-Service-Lösung. Bei F-Secure PSB übernimmt diese Aufgabe ein Updating-Tool für die automatische Verwaltung von Patches: Der Software-Updater stellt die nötigen Patches für das Betriebssystem und Drittanbietersoftware bereit. Damit werden Sicherheitslücken geschlossen, sodass die Hardware und die Daten vor bereits bekannten Bedrohungen bestens geschützt sind. Wirksame Sicherheitslösungen, egal ob als CloudService oder lokal installiert, müssen das gesamte Spektrum an Malware-Bedrohungen abdecken, auch unbekannte. Fortschrittliche Sicherheitstechnologien, wie Deepguard von F-Secure, schützen

Eine Frage der Unternehmensgrösse KMU-Verantwortliche, die sich für Security aus der Cloud entscheiden, profitieren in jedem Fall von einer Lösung, die jederzeit den Abwehrstatus des Unternehmens effizient verwaltet und Gefahren effektiv abwehrt. Security-as-a-Service bietet sich so gerade für kleine und mittlere Unternehmen bis hin zu 150 Clients an. Hier entsteht durch eine eigene Lösung definitiv kein Mehrwert, sondern nur ein Mehr an Installations- und Verwaltungsaufwand. Generell lassen sich alle Sicherheitsfunktionen sowohl in der Cloud als auch inhouse abbilden. Zudem müssen Unternehmen ihre Sicherheitskompetenzen bei der Servicevariante nicht zwangsläufig vollständig aus der Hand geben. Ein KMU kann sich immer noch einen Zugriff auf sein System vorbehalten oder exklusiv Leserechte erhalten. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele mittelständische Unternehmen dennoch die vollständige Auslagerung suchen. Inhouse-Administratoren können aber diese Lösungen mit einem eigenen Profil ebenso verwenden und Filialen ihres Unternehmens zentral remote schützen und stets den Überblick behalten. Die Cloud bietet – wie so oft – fast unbegrenzte Möglichkeiten, um auch HybridLösungen zu realisieren, die so individuell sind wie jedes Unternehmen.

Rüdiger Trost ist Sicherheitsexperte bei F-Secure. www.f-secure.com/en/web/business_global

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Effiziente Bürolösungen

Strategisches Vorgehen Sicherheitskonzepte und ihre Gefahrenstellen von Andreas Wisler

Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass das Interesse an Daten und Informationen ungebrochen hoch ist. Aber nicht nur staatliche Organisationen möchten an diese gelangen, sondern auch Hacker und Cracker möchten mit diesen Daten Geld verdienen. Daher ist es weiterhin wichtig, seine Informationen zu schützen und nicht den Kopf mit der Begründung «Ich kann ja doch nichts machen» hängen zu lassen.

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ie GO OUT Production GmbH führt seit 1999 IT-Security Audits, Penetration Tests und hersteller- sowie produkteneutrale Beratungen durch. Der folgende Beitrag zeigt einige Erfahrungen der letzten 15 Jahre aus den Bereichen Organisation und Technik auf, mit dem Ziel strategisch besser gegen Angriffe geschützt zu sein. Organisatorische Sicht Die IT ist Unterstützer der Business-Prozesse. Auch wenn die IT-Verantwortlichen dies nicht gerne hören, ist die IT-Umgebung «nur» dazu da, das Business optimal zu unterstützen und überhaupt erst zu ermöglichen. Aber um diese Aufgabe erfolgreich umzusetzen, muss die IT die Prozesse kennen. Das bedeutet, dass die Geschäftsleitung diese transparent (und in einer für die IT geeigneten Sprache) darstellen muss. Wir empfehlen, hier unbedingt eine IT-Strategie, gestützt auf diese Prozesse, zu erstellen. Aus diesem Dokument muss ersichtlich sein, wie kritisch einzelne Prozessschritte sind, welche Verfügbarkeit gefordert,

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welche Ausfalldauer akzeptiert und welcher maximale Datenverlust verkraftet werden kann. Daraus leitet sich für die IT die technische Umsetzung ab. Unsere Audit-Erfahrungen zeigen, dass hier zu wenig miteinander gesprochen wird und daher einige IT-Projekte nicht zur Zufriedenheit der Geschäftsleitung umgesetzt werden. Mit einer entsprechenden Strategie, die beide Seiten mit ins Boot holt, kann dies verhindert werden. Social Engineering Obwohl in den vergangenen Monaten die Medien über immer neue Angriffswellen berichteten, ist es doch immer wieder erstaunlich, wie einfach Hacker an Informationen gelangen. Ein klassisches Beispiel ist der Aufruf an alle Mitarbeiter, an einer Umfrage zum Umgang mit Passwörtern mitzumachen. Wenn das E-Mail noch den Absender des obersten Chefs trägt und ein dicker Preis winkt, ist die Hürde klein, hier mitzumachen. Doch gerade dann ist grosse Vorsicht geboten. Geht der Link wirklich auf das Intranet oder wurde die Umfragewebseite nur gut nachgemacht? Unsere Angriffe,

in Absprache mit den verantwortlichen Personen, zeigen eine sehr hohe Erfolgsquote von oft gegen 70 Prozent glaubhafter Antworten. Doch auch weitere Quellen können für die Informationssuche dienen. Viele Menschen sind sehr unvorsichtig im Umgang mit den eigenen Daten. So können via Xing, Linkedin, Facebook oder der eigenen Webseite bereits sehr viele Informationen zusammengetragen werden. Die Suchmaschine yasni.ch (mit Vorsicht zu benutzen) nimmt dem potentiellen Angreifer die Arbeit ab und durchsucht verschiedene Quellen auf einmal ab und stellt die Informationen übersichtlich dar. Externe Sicht Beim Penetration Test geht es um eine weitere Möglichkeit einen Weg in das Unternehmen zu finden. Auch hier helfen so genannte Erfolgsstories von Herstellern und Beschreibungen auf der Firmenwebseite. Vor allem Stelleninserate zeigen, was für technische Elemente genutzt werden. Mittels IPund Portscans können weitere Informationen da-


Effiziente Bürolösungen

Unwissenheit ist ein gefährlicher Faktor.

zukommen. Vor allem Bannerinformationen sollten, falls immer möglich, verhindert werden. Gibt der Dienst die genaue Version an, kann in Schwachstellendatenbanken nachgesehen werden, ob bereits eine bekannte Angriffsfläche vorhanden ist, die für einen weiteren Schritt genutzt werden kann. Auch gilt es Firewall-, Router- oder gar RDP-Remotezugänge nicht von aussen erreichbar zu konfigurieren. Werden fehlerhafte Loginversuche nicht ausgewertet oder erkannt, kann der Angreifer in Ruhe versuchen, an das richtige Passwort zu gelangen. Interne Sicht Kennen Sie die Bilder von Kabeln, die kreuz und quer durch den Serverraum führen? Immer wieder sehen wir dies in unseren Audits. Das macht die Fehlersuche bei Problemen enorm aufwendig. Auch wird der Serverraum gerne als Lagerraum «missbraucht». Dies erhöht die Brandlast und sollte daher immer vermieden werden. Schwachstellen kommen in jeder Software vor. Früher oder später werden diese entdeckt. Daher ist es enorm wichtig, dass das Patchmanagement sauber und regelmässig durchgeführt wird. Jedoch gilt dies nicht nur für das Betriebssystem, auch die installierten Applikationen benötigen ein Update. Dies ist einer der wichtigsten Aufgaben des Administrators und darf unter keinen Umständen vernachlässigt werden. Die Übertragung von Daten wie Passwörter wird zum Glück vermehrt über SSL-geschützte Verbin-

dungen sichergestellt (erkennbar am HTTPS). Aus Kostengründen werden aber auch selber erstellte Zertifikate benutzt. Das Problem an diesen Zertifikaten ist die erscheinende Fehlermeldung. Alle aktuellen Browser weisen prägnant auf diesen Missstand hin. Werden die Benutzer geschult diese Fehlermeldung zu ignorieren, wird ein falsches Bild vermittelt. Erscheint diese Fehlermeldung nun beim Aufruf einer Online-Bankingseite, wird gewohnheitsmässig auf «Weiter» geklickt, anstelle die Verbindung sofort abzubrechen. Daher empfehlen wir immer, offizielle Zertifikate anzuwenden, bei welchen keine Fehlermeldung auftritt. Ein weiteres Problem, welches wir oft feststellen, ist die zu grosszügige Vergabe von Rechten. Werden unter Windows gar die Rechte «Vollzugriff» vergeben, kann der Benutzer selber weiteren Personen Rechte vergeben. Bei den Rechten bleiben bei unvorsichtigen Aufräumvorgängen regelmässig Berechtigungen «liegen», so genannte SID-Leichen. Ein sauberes Freigabe- und Berechtigungskonzept kann dies verhindern. Bei Stichproben finden wir gelegentlich auch sensible Daten in diesen Verzeichnissen, wie Softwareschlüssel, persönlichen Informationen oder Buchhaltungsdaten. Diese Daten sollten aber unter keinen Umständen in die falschen Hände gelangen. Cloud-Dienste sind toll, einfach zu installieren und noch einfacher zu nutzen. Doch geschäftliche Informationen gehören hier nicht hin. Hat der Benutzer auf seinem Gerät die notwendigen Zugangsrechte weitere Software zu installieren, wird gerne

zu Dropbox oder anderen Cloud-Speichern gegriffen. Und schon werden interne Daten zur einfachen Bearbeitung über diese Medien ausgetauscht. Fazit Der Administrator hat eine immer wichtigere Aufgabe. Er muss sich um die Angriffsfläche von aussen kümmern und alle Lücken schnellst möglichst schliessen. Aber auch von intern drohen Gefahren. Nicht Absicht steht hier an erster Stelle, sondern Unwissenheit, Fahrlässigkeit oder einfach Faulheit. Daher gilt es, das Angriffspotential so klein wie möglich zu halten. Dazu gehört neben einer IT-Strategie, einem IT-Sicherheitskonzept auch ein regelmässiges Patchmanagement. Die Benutzer müssen auf die vorhandenen Gefahren sensibilisiert und Möglichkeiten zum sicheren Umgang mit IT-Mitteln aufgezeigt werden. Auch bei den drohenden Gefahren ist es so möglich, die eigene Netzwerkumgebung sicher zu betreiben.

Andreas Wisler ist CEO und Senior Security Auditor der GO OUT Production GmbH. www.goSecurity.ch www.goout.ch

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Ablehnende Haltung der Generation Y Unternehmensrichtlinien zur Nutzung privater Cloud-Dienste von Franz Kaiser

Fast die Hälfte der befragten 21- bis 32-jährigen Arbeitnehmer, so betonen Studien, würde Vorschriften, die die Nutzung privater Cloud-Speicher, Endgeräte und tragbarer Technologien für berufliche Zwecke einschränken, missachten. Es stellt sich die Frage, wie hier eine Wende eingeleitet werden kann.

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tudien¹ verdeutlichen die wachsende Bereitschaft der Generation Y, Unternehmensvorgaben für private Cloud Storage-Accounts wie iCloud und Dropbox und Endgeräte am Arbeitsplatz zu umgehen. Zudem würden sie Policies ignorieren, bei denen es um die Nutzung neuer Technologien wie SmartWatches, Google Glass und internetfähiger PKW («Connected-Cars») für berufliche Zwecke geht. Die unabhängige Umfrage wurde im Oktober 2013 mit über 3 200 Arbeitnehmern im Alter von 21 bis 32 Jahren aus 20 verschiedenen Ländern durchgeführt. Sie zeigt, dass die Bereitschaft, Nutzungsregeln zu missachten, global um 45 Prozent gestiegen ist – verglichen mit einer ähnlichen FortinetStudie aus dem vergangenen Jahr. Die neue Umfrage unterstreicht zudem, in welchem Ausmass die Generation Y bislang Opfer von Cyberkriminalität auf ihren eigenen Geräten wie Smartphones oder Tablets wurde. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse die geringe Kenntnis der Bedrohungslandschaft dieser jüngeren Arbeitnehmer. Ausserdem belegt die Umfrage, dass eine steigende Anzahl von

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Mitarbeitern kritische Unternehmensdaten auf privaten Cloud-Accounts speichern. Starker Trend zu Regelverletzungen Die positive Einstellung gegenüber Bring-YourOwn-Divice-Policies ( BYOD) ist offensichtlich. Die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erklären, dass diese Regeln sie dazu befähigen, effektiver zu arbeiten. Dennoch gaben etwa die Hälfte der Befragten an, dass sie jegliche Richtlinien umgehen würden, die ihnen private Geräte am Arbeitsplatz verbieten würden. Obwohl diese Massnahmen Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer schützen sollen, sind Mitarbeiter auch in anderen Bereichen der persönlichen IT-Nutzung geneigt, diese Regeln zu umgehen. 36 Prozent der Befragten nutzen ihre eigenen Cloud Storage-Accounts wie DropBox oder iCloud für berufliche Zwecke und geben an, dass sie alle Richtlinien missachten würden, die ihnen dies untersagen. Sensible Unternehmensdaten sind betroffen 89 Prozent der weltweit Befragten besitzen einen persönlichen Account für mindestens einen Cloud

Storage-Dienst. Darunter nutzen 47 Prozent global und 38 Prozent deutschlandweit den Dienst Dropbox. Bereits 70 Prozent der Befragten in allen Ländern haben ihre privaten Cloud-Accounts für berufliche Zwecke verwendet. In Deutschland sind es nur 53 Prozent. Zwölf Prozent dieser Nutzer geben zu, mithilfe der Accounts Passwörter ihres Unternehmens aufzubewahren. 16 Prozent der Befragten sichern Finanzinformationen auf ihren CloudAccounts. Etwa ein Fünftel der Teilnehmer legt kritische private Dokumente wie Verträge und Business Pläne auf ihren Cloud-Speichern ab. Ein Drittel der Arbeitnehmer gibt zu, dass sie auf diesem Weg Unternehmensdaten abspeichern. Fast ein Drittel (32 Prozent) der Cloud Storage-Nutzer gaben an, dass sie der Cloud voll und ganz vertrauen, wenn es um die Sicherung ihrer privaten Daten geht. Mehr Kenntnisse erforderlich Auf die Frage, ob Geräte jemals durch Angriffe beeinträchtigt wurden, bestätigten 55 Prozent der Befragten Attacken auf PCs oder Laptops. Davon


Effiziente Bürolösungen

Die junge Businessgeneration arbeitet gerne mobil.

kam es in der Hälfte der Fälle zu einer Beeinträchtigung der Produktivität, einem Verlust persönlicher Daten und / oder Unternehmensdaten. Von Angriffen auf ihre Smartphones berichten 19 Prozent der Befragten. Damit fallen Angriffe auf Smartphones seltener aus als die auf PCs und Laptops, obwohl die Teilnehmer mehr Smartphones als Laptops oder PCs besitzen. Die Angriffe auf Smartphones bringen jedoch einen höheren Datenverlust und / oder Produktivitätsverlust mit sich als Angriffe auf PCs und Laptops. Ähnliche Resultate zeigten sich auch bei Angriffen auf Tablets, von denen global 19 Prozent berichten. Allerdings waren die Angriffe mit stärkeren Konsequenzen verbunden, denn 61 Prozent dieser Angriffe resultierten in einer massgeblichen Beeinträchtigung des Geräts. Zu den beunruhigenden Ergebnissen der Studie zählt auch die Angabe, dass 14 Prozent der globalen Teilnehmer und 16 Prozent der deutschen Befragten ihrem Arbeitgeber einen Angriff auf ein persönliches, jedoch für die Arbeit genutztes Gerät verschweigen würden. Die Studie beschäftigt sich zudem mit der unterschiedlich hohen Kenntnis der Befragten über verschiedene Sicherheitsbedrohungen. Hier kristallisieren sich zwei extreme Bewusstseinsgegensätze von Ignoranz und Aufgeklärtheit heraus. Die Befragten, die ein minimales Bewusstsein für die Bedrohungslandschaft haben, bilden ein sehr schmales Mittelfeld mit 27 Prozent weltweit. Bei Fragen zu Bedrohungstypen wie APTs, DDoS, Botnets und Pharming zeigten sich bis zu 52 Pro-

zent der Befragten vollkommen ahnungslos. An dieser Stelle wird die Notwendigkeit deutlich, dass IT-Abteilungen die Aufklärung von Mitarbeitern zu Bedrohungslandschaften und deren Auswirkungen verstärkt vorantreiben. Richtlinien und Training Die Studie zeigt zudem einen direkten Zusammenhang zwischen BYOD-Nutzung und Kenntnis über Bedrohungslandschaften: Je ausgeprägter die BYOD-Nutzung des Arbeitnehmers ist, desto besser weiss er auch über die Bedrohungslandschaft Bescheid. Das ist ein positives Ergebnis für Unternehmen, die darüber nachdenken, ob und wann sie Richtlinien von Trainings begleiten lassen. «Unsere diesjährige Studie zeigt die Probleme auf, mit denen sich Unternehmen konfrontiert sehen, wenn sie versuchen, Policies rund um Cloud-Nutzung, BYOD und bald schon die Verwendung neuer ‹Connected›-Technologien einzuführen», betont Franz Kaiser, Regional Director Schweiz und Österreich bei Fortinet. «Die Studie unterstreicht die wachsende Herausforderung, der sich IT-Verantwortliche stellen müssen, wenn es darum geht, wo Unternehmensdaten gesichert werden und wie darauf zugegriffen wird. Dies zeigt noch einmal mehr die Notwendigkeit, eine Security Intelligence auf Netzwerklevel einzuführen, um die Kontrolle von Anwendungen, Standorten und Nutzertätigkeiten auf Geräten zu ermöglichen.» «Es ist beunruhigend zu sehen, wie verbreitet die Missachtung von Unternehmensregeln bereits ist und wie schnell sie ansteigt. Ebenso beunruhigend ist die wachsende Anzahl von ‹Generation Y›Nutzern, die Opfer von Cyberkriminalität wurden», erklärt Franz Kaiser. «Auf der anderen Seite akzeptieren jedoch 85 Prozent aller Befragten, dass

es ihre Verpflichtung ist, die Sicherheitsrisiken zu kennen, die durch ihre eigenen Geräte verursacht werden. Die Schulung von Mitarbeitern zu Bedrohungslandschaften und ihren möglichen Auswirkungen ist ein weiterer wesentlicher Aspekt, der eine verlässliche IT- Security von Unternehmen gewährleistet.»

¹ Anmerkung Fortinet® (NASDAQ: FTNT), führender Anbieter leistungsstarker Netzwerksicherheit, veröffentlicht globale Studien zur Nutzung von privaten CloudSpeichern und privaten Endgeräten durch Arbeitnehmer. Die Fortinet Internet Security Census 2013 war eine Studie, die zwischen dem 7. Und 13. Oktober 2013 im Auftrag von Fortinet von dem unabhängigen Marktforschungsunternehmen Vision Critical durchgeführt wurde. Mitarbeiter aus 20 Ländern nahmen an der Umfrage teil.

Franz Kaiser ist seit 2004 bei Fortinet als Regional Director für Schweiz und Österreich verantwortlich. www.fortinet.com

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Mit allen Sinnen Die Kunst der Online-Zusammenarbeit von Manuel Buchser

Beim Gedanken an Videokonferenzsysteme wird häufig an eine komplexe und teure Hardware-Infrastruktur gedacht – nichts für kleine Unternehmen. Diese These ist veraltet. Dank der Entwicklung von Cloud-Lösungen werden nicht nur die Kosten transparenter, sondern auch die Möglichkeiten und die Flexibilität in der Zusammenarbeit erweitert.

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eitdruck und begrenzte Mittel führen dazu, dass wir oftmals ein schnelles E-Mail schicken oder einen kurzen Anruf tätigen, anstatt den Gesprächspartner persönlich zu treffen. Kostendruck, flexible Beschäftigungsmodelle und die zunehmende Globalisierung haben diesen Trend verstärkt und führen heute zu einer regelrechten E-Mail-Flut. Kein Zweifel, E-Mails sind im Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken, doch die Vorzüge eines Gesprächs von Angesicht zu Angesicht sind in der Geschäftswelt nicht zu unterschätzen. Durch Nuancen wie Körpersprache, Gesichtsausdruck und Gestik wird die Kommunikation unmissverständlicher und hilft im Vertrauensaufbau. Viele Unternehmen dürften sich daher längst nicht nur wegen der Einsparung von Reisekosten die Investition in eine Videokonferenz-Lösung überlegt haben. Die Anfordernisse einer grenzenlosen Kommunikation Die zunehmende Telearbeit verstärkt den Bedarf

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neben den klassischen Kommunikations-Instrumenten wie E-Mail, Telefon und herkömmliche Meetings den Einsatz von Videokonferenzen zu überprüfen. Die Ernüchterung kommt für viele spätestens dann, wenn die Kosten und Komplexität solcher Systeme betrachtet werden. Meist sind solche Einführungen mit kostspieligen Hardware-Investitionen und aufwändigen Integrationen verbunden. Ein kleineres Unternehmen, welches mit einem neuen Lieferanten am anderen Ende der Welt persönlich sprechen möchte, erscheinen solche Investitionen gänzlich unflexibel und unwahrscheinlich. Cloud-basierte Webkonferenzen sind für viele Unternehmen eine gute Alternative zu den klassischen Hardware-orientierten Videokonferenz-Lösungen geworden. Die tiefen Initialkosten, die schnelle Integration in die bestehende Infrastruktur und eine stets weiterentwickelte und aktuelle Lösung sind nur einige Argumente, welche für diese Technologie sprechen. Von einer Meeting-Teilnahme mit einem Tablet bis zu einem Konferenzraum-

treffen, die Cloud-Technologie garantiert Unabhängigkeit in der Hardware ohne dabei Grenzen zu setzen. Ob im Sitzungssaal, im Café oder im Arbeitszimmer daheim – Konferenzen werden ortsunabhängig gestartet, ungeachtet, ob der Kunde dieselbe Software besitzt oder welche Geräte gerade zur Verfügung stehen. Cloud-basierte Zusammenarbeit Im Zentrum von Webkonferenzen stehen die Zusammenarbeit und der Austausch. Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter werden per Knopfdruck in eine Konferenz eingeladen, in welcher Anwendungen und Dokumente geteilt, präsentiert und auf Wunsch gemeinsam bearbeitet werden. Für die Teilnehmer ist dafür weder der Besitz der Software noch ein Download oder eine Registrierung erforderlich. Dies ermöglicht eine neue Dimension der Zusammenarbeit. Verkaufsgespräche, Support-Anfragen, Schulungen und Team-Besprechungen werden zu einem lebhaften und effizienten Austausch.


Effiziente Bürolösungen

Auch die Einschränkung von Ton- oder Bildqualität gehören bei cloud-basierten Videokonferenzen der Vergangenheit an. Selbst bei der Zuschaltung von einer Vielzahl an Teilnehmern werden eine hohe Auflösung und eine ruckelfreie Übertragung sichergestellt. Kommunikationsstrategie Unternehmen ergreifen Massnahmen zur Einführung von alternativen Kommunikationsmethoden. Web-Conferencing-Dienste, Social-Intranet und Instant Messaging sind nur einige Technologien, die hierbei jüngst in den Fokus geraten. Webkonferenzen als Möglichkeit der Zusammenarbeit ist dabei eine Strategie, die sich zu einem echten Trend entwickelt.

Cloud-basierte Webkonferenzen als Alternative zu klassischen Videokonferenz-Lösungen.

Was früher ein persönliches Treffen erforderte, ist heute auch problemlos online durchführbar. Das spart nicht nur Zeit und Reisekosten, sondern kann auch ganz neue Märkte eröffnen. Mit virtuellen Konferenzen kann die Kommunikation und die Zusammenarbeit auch innerhalb der eigenen Unternehmung verbessert werden. In einer Studie des Frauenhofer Instituts berichteten über 70 Prozent der Teilnehmer, dass bei Einsatz von solchen Lösungen eine höhere Motivation und mehr Engagement in der Team-Diskussion zu verzeichnen war. Bei vielen Produkten werden kostenlose Tools wie Messenger und Cloud-Speicher mitgeliefert. Diese Möglichkeiten erhöhen den Komfort im täglichen Austausch zusätzlich. Teilnehmer einer Konferenz bleiben so jederzeit in Kontakt und können Dokumente auch vor oder nach einem Meeting teilen. Warum nicht gleich kostenlos? Die Herausforderung besteht für die Unternehmen darin, die richtigen Instrumente für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bereitzustellen. Denn wenn die IT keine Mittel bereitstellt, dann nehmen Mitarbeiter die Ausstattung ihrer Teams immer häufiger selber in die Hand und dies meist zum Leidwesen der IT-Verantwortlichen. «Bring your own device» (BYOD), müsste eigentlich auf Beifall stossen. Diese Mitarbeiter sind bereit Berge zu versetzen – und ihr eigenes Geld aufzuwenden – um sicherzustellen, dass sie immer am besten arbeiten. Webkonferenzdienste sind beliebt

bei BYOD-lern, weil sie die unkomplizierte Ansprache von Kunden oder die praktische Integration von mobil arbeitenden Kollegen ermöglichen. Webkonferenz-Applikationen aus dem Heimanwenderbereich können die hohen Anforderungen an Sicherheit und Anwendungsmöglichkeiten jedoch meist nicht erfüllen. Spätestens bei der Ausbaufähigkeit, dem Datenschutz und dem Support stellen solche Tools keine echte Alternative im professionellen Umfeld dar. Kostenpflichtige Produkte müssen hingegen keinesfalls hohe Ausgaben oder gar Einschränkungen bedeuten. Das Lizenzmodell wird laufend den individuellen Bedürfnissen und Entwicklungen angepasst und bietet so maximale Transparenz und einen schrittweisen individuellen Ausbau. Die Unsicherheit einer Cloud-Lösung Trotz einer Vielzahl von Sicherheitsmechanismen ist spätestens seit den NSA-Enthüllungen eine deutliche Skepsis gegenüber Cloud-Lösungen zu verspüren. Da bei Webkonferenzen oft sehr vertrauensvolle Informationen geteilt werden, ist ein gewisses Mass an Misstrauen auch durchaus berechtigt. Die Sicherheits-Anforderungen eines Kunden sollten vom Handel und auch Anbieter daher genausten beachtet werden. Mit einer detaillierten Beratung über die eingesetzten Verschlüsselungs-Technologien, Funktionsweise und Serverstandorten gelingt es jedoch oft, die Unsicherheiten gegenüber Webkonferenzen abzubauen.

Trotz der Einfachheit von Webkonferenzen stellen sich für viele Unternehmen unzählige Fragen, die meist ausschliesslich in einer individuellen Beratung beantwortet werden können. Die Integration in die bestehende Kommunikations-Lösung und der Umgang mit einer Cloud-basierten Software sorgen meist für Unsicherheit. Handel und Hersteller können an diesen Punkten ansetzen und mit einer neutralen Beratung und eine ganzheitlichen Kommunikations-Lösung überzeugen. Den ersten Schritt machen Webbasierte Videokonferenzen sind eine kostengünstige Lösung, um schnell und bequem Gespräche mit Mitarbeitern und potenziellen Kunden zu führen – von Angesicht zu Angesicht, ganz gleich, wo auf der Welt sich die Person gerade befindet. Die Teilnehmer benötigen dafür weder spezielle Videokonferenz-Hardware noch irgendwelche Software-Kenntnisse. Dies ist eine gute Chance, die Möglichkeiten von Webkonferenzen live aufzuzeigen und das Produkt somit erlebbar zu machen.

Manuel Buchser ist Product Manager bei Brother (Schweiz) AG. www.brother.ch

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Effiziente Bürolösungen

Check-in/Check-out-Funktion schafft Transparenz und Sicherheit.

Effizient und sicher Datenmanagement in kleinen Unternehmen von Benjamin Anderegg

Die elektronische Datenflut macht auch vor kleineren Unternehmen nicht halt: E-Mails, Verträge und andere Geschäftsdaten gilt es zu bearbeiten und abzulegen. Doch dabei vernachlässigen nicht wenige Unternehmen die Sicherheit. Der Schaden kann gross sein. Entsprechend lohnt es sich, mit einer sicheren Lösung vorzubeugen. Praktische Hilfen bieten Dokumenten-Management-Systeme (DMS).

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er Verlust oder die Manipulation von Daten ist eine Gefahr, gegen die auch KMU nicht gefeit sind. Sensible Informationen können durch Diebstahl verloren gehen (Industriespionage) oder auch durch Fehlverhalten von Mitarbeitenden. Gerade Letzteres kommt immer wieder vor: Das Personal löscht versehentlich wichtige Daten oder überschreibt sie. Weiteres Ungemach droht den KMU-Verantwortlichen von Kriminellen im Internet, die seit einigen Jahren auch über Mobiles und andere Endgeräte an Computer und somit an sensible Daten heranzukommen versuchen. Aber auch das Gesetz stellt Anforderungen an den Datenschutz. Je nach Staat gelten wieder andere Vorschriften. Hinzu kommen internationale Richtlinien, die für IT-Programme und ihre Anwendung gewisse Standards vorschreiben, die es ebenfalls zu berücksichtigen gilt. Die Einhaltung aller dieser Regularien wird in der Fachsprache unter dem Oberbegriff «IT-Compliance» zusammengefasst.

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Während grössere Unternehmen meist um einen umfassenden Datenschutz besorgt sind, kommt dies bei vielen KMU zu kurz. Entweder sind ihnen die Gefahren zu wenig bewusst, oder es fehlen ihnen die Ressourcen, um sich vertieft damit auseinanderzusetzen. DMS als raffinierte Lösung Was können die Unternehmen konkret tun? Sinnvoll ist eine Analyse unter Anleitung eines externen Experten. Dieser kann aufzeigen, welche Richtlinien und Gesetze zu beachten sind und welche Massnahmen es zu planen und umzusetzen gilt. Den Kern dieser Massnahmen bildet vielfach ein Dokumenten-Management-System (DMS). Es sorgt nicht nur für effiziente Geschäftsabläufe, sondern stellt auch den nötigen Rahmen für eine rechtskonforme und sichere Archivierung von Daten zur Verfügung. Darüber hinaus sind moderne DMS leicht in bestehende Betriebssysteme wie Windows integrierbar. Und für die Datensicherheit

haben solche Lösungen eine ganze Bandbreite an Optionen anzubieten. Vielseitige Schutzfaktoren Mit dem DMS ELOenterprise zum Beispiel können ausgewählte Dokumente und Archivbereiche gesichert werden – auch über das Internet. Umfangreiche Berechtigungsfunktionen erlauben nur bestimmten Personen den Zugang. Auf technischer Seite verantwortlich für diese Absicherung ist eine mit 1024-bit verschlüsselte Datenübertragung. Zudem kann eine professionelle Software helfen, versehentlich gelöschte oder überschriebene Daten wiederherzustellen. Und wer alte Versionen von Dateien zwar behalten, diese aber nicht mit neuen verwechseln möchte, profitiert von der Versionskontrolle. Sollten zweimal dieselben Dateien abgespeichert werden, kommt der Doublettencheck zum Einsatz: Die Software erkennt beim Speichervorgang, dass eine Version des Dokuments schon irgendwo anders liegt und fragt nach,


Effiziente Bürolösungen

IT Compliance ist eine wichtige Grundlage.

wie der Nutzer weiterverfahren möchte. Darüber hinaus verhindert das System, dass mehr als eine Person gleichzeitig an derselben Datei arbeitet. Diese Check-in/Check-out-Funktion offenbart auch, wer das gewünschte Dokument gerade geöffnet hat. Bei Bedarf kann man diese Person kontaktieren und so verhindern, dass eine dringend benötigte Datei zu lange «besetzt» bleibt. Und damit die Sicherheit für E-Mails gewährleistet ist, lässt sich ELOenterprise ohne Unterbrüche mit MS Outlook verknüpfen. Diese Vielfalt an Schutzfaktoren zeigt, welch wichtige Rolle moderne DMS in der Datensicherheit übernehmen können. Auslagern in die Private Cloud Weitere DMS-Optionen zur Datensicherung sind, je nach Produkt Langzeitspeicher, die Verteilung der Serverprozesse auf mehrere Hardwareplattformen und der Einsatz auf Serverclustern. Somit ist gesichert, dass kein einzelner Server eine zu hohe Last trägt und deswegen gegebenenfalls ausfällt. Vorgenannte Cluster sind ein Verbund von Rechnern, der die Rechnerkapazität sowie die Stabilität der Serverkomponenten und damit die schnelle Verfügbarkeit der Dokumente erhöht. Unternehmen können ihre Daten aber auch in eine Cloud auslagern. Diese wird von externen Anbietern zur Verfügung gestellt und ist über das Internet erreichbar. Dabei empfiehlt es sich, eine sogenannte Private Cloud auszuwählen. Diese ist durch besondere Verschlüsselung und einen eingeschränkten Zugriffsradius abgesichert.

Ein DMS erfolgreich implementieren Ein DMS einzuführen ist eine komplexe Aufgabe. Es kann hilfreich sein, zuerst nur ein Element einzuführen und nach erfolgreicher Testphase weitere Module zu integrieren. Da die Implementierung eines DMS den praktischen Arbeitsalltag und auch die Unternehmenskultur beeinflusst, ist es ratsam, diese Aufgabe mit einem professionellen Change Management anzugehen. Dazu gehört zum Beispiel die Schulung von so genannten «Key Usern», welche wiederum ihre direkten Mitarbeitenden instruieren können. Das entlastet einerseits das Projektteam. Andererseits haben die Mitarbeitenden damit eine direkte Anlaufstelle, wenn Probleme und Fragen zum DMS auftauchen. Für die erfolgreiche Implementierung eines DMS ist aber auch eine zukunftssichere Hardware erforderlich. Das heisst, dass die Daten auf unterschiedlichsten Datenträgern gespeichert werden können, die jedoch alle die aktuelle Technologie unterstützen, sprich mit der modernen Software kompatibel sind. Zudem haben sie zu gewährleisten, dass Daten auch nach Jahren wieder hergestellt werden können. Gesetze und Richtlinien Weitere Anforderungen haben Unternehmen bezüglich der weiter oben genannten IT Compliance zu erfüllen. Relevante Vorgaben sind zum Beispiel Regularien wie CobiT (Control Objectives for Information and Related Technology), ITIL (IT-Infrastructure Library) oder ISO/IEC2700 I. Diese internationalen Standards – auch Frameworks genannt –

geben vor, wie Programme aufgebaut und angewandt werden müssen. Solche Regularien sind in den gängigen DMS-Systemen wie jenen der ELO Digital Office AG aus Zürich schon integriert. Da diese Richtlinien aber sehr umfangreich sind, müssen sie für KMU-Verantwortlichen von der jeweiligen EDV-Abteilung angepasst werden. Sonst verursachen sie bei der Nacharbeit einen zu grossen Aufwand. Indes hinkt die Gesetzgebung der technischen Entwicklung der IT hinterher. Ein eigentliches Informatikgesetz kennt die Schweiz nicht. So überschneidet sich das Informatikrecht mit einer Vielzahl von anderen Rechtsgebieten und betrifft unterschiedliche Gesetze (zum Beispiel das Bundesgesetz über den Datenschutz). Es ist für Unternehmen schwierig, daraus die relevanten Anforderungen abzuleiten. Deshalb empfiehlt es sich, dafür einen externen Experten hinzuzuziehen.

Benjamin Anderegg arbeitet bei der Complecta GmbH, Agentur für Text und Konzept. www.elo.ch

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Der Blick nach vorne Vision Mobilität 2050 von Dr.-Ing. Dirk Bruckmann

Mobilitätskonzepte sind oft nur auf einzelne Verkehrsträger ausgerichtet. Es geht aber in der Zukunft eher um intelligente Vernetzungsstrategien. Jetzt hat die Wissenschaft sich zu Wort gemeldet. Der Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen und das Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich haben als Hochschulteam gemeinsam mit 20 Unternehmen und Verbänden aus allen Sektoren der Verkehrswirtschaft ein Projekt «Vision Mobilität Schweiz 2050» gestartet. kmuRUNDSCHAU // Seite 94


Unternehmen Unterwegs

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as Ergebnis der auf zwei Jahre angelegten Arbeiten wird eine ausformulierte Vision zur Mobilität Schweiz im Jahr 2050 sein. Mit dieser Vision soll ein wichtiger Beitrag zur Beantwortung der drängenden Fragestellungen zur zukünftigen Entwicklung des Verkehrssystems Schweiz erfolgen:

• Wie entwickeln sich die externen Randbedingungen für Mobilität? • Wie kann zukünftig die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur aber auch der Verkehrsleistungen im öffentlichen Verkehr sichergestellt werden? • Welche technischen Entwicklungen werden den Verkehr verändern? • Welche Nachfrage nach Verkehrsleistungen wird es zukünftig geben und welcher Infrastrukturbedarf ergibt sich daraus? • Wie werden die Verkehrsströme im Personenund Güterverkehr zukünftig verlaufen? Ein sehr wichtiger Punkt ist dabei: «Wie sieht eine gute Mobilität im Jahr 2050 aus?». Die Frage klingt auf den ersten Blick sehr einfach. Aber dennoch erwartet das Hochschulteam, dass jeder Akteur in der Projektgruppe etwas anderes darunter verstehen wird. Dieses Verständnis wird in vielen Teilbe-

EIN TRUCK. EIN PROFITCENTER.

reichen des Zielbildes sogar widersprüchlich zu einander sein. Daher werden, als erster Schritt im Projekt, diese Einschätzungen einer guten Mobilität gesammelt. Daraus lassen sich zum einen die Übereinstimmungen zwischen den Akteuren ermitteln. Diese sind dann die gemeinsamen Bestandteile einer Vision des gesamten Verkehrssektors. Gleichzeitig werden so aber auch die Widersprüche zwischen den Akteuren offen ausgesprochen. Im Projekt können solche Widersprüche nicht alle aufgelöst werden. Es gibt auch Bereiche, in denen zwei Meinungen parallel möglich sind. Zielvorstellungen entwickeln Um eine koordinierte zukünftige Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur zu sichern und die Ausbauten koordiniert durchführen zu können, will das Projekt unter Einbezug dieser Visionsbestandteile eine gemeinsame Zielvorstellung für die «Mobilität Schweiz 2050» ableiten. Startpunkt für die weiteren Überlegungen ist die Erkenntnis, dass die Herausforderungen im Personen- und Güterverkehr in und durch die Schweiz bislang zu stark verkehrsträgerbezogen angegangen wurden und es an einer Koordination zwischen den unterschiedlichen staatlichen und privaten Betreiberund Nutzerinteressen fehlte. Es ist unklar, wie viel

und welche Mobilität die Schweiz zukünftig benötigen wird. Und es gibt derzeit kein klares Zielsystem, dass eine Optimierung der Kapazitäten, der Verkehrssysteme, deren effizienter Auslastung und eine nachhaltige Absicherung der Mobilitätsbedürfnisse im Personen- und Güterverkehr ermöglichen. Im Hinblick auf die Langfristigkeit und die grosse volkswirtschaftliche Bedeutung von Verkehrsinfrastruktur-Investitionen ist daher dringend ein integrierter Planungsansatz erforderlich. Das langfristige Ergebnis des Projekts sind dann gemeinsame Planungsannahmen für alle Verkehrsträger und für alle Planungsebenen (Bund, Kantone sowie Unternehmen), auf deren Basis sich zu einem späteren Zeitpunkt konkrete Verkehrsszenarien oder auch Infrastrukturmassnahmen entwickeln lassen. Eine wichtige Aufgabe dieser Vision ist es zudem, Handlungserfordernisse im Verkehrsbereich frühzeitig zu erkennen und Handlungsspielräume auszuloten. Diese Vorgehensweise soll die heutigen Schwächen in der Planung überwinden. Es geht in erster Linie um die fehlende übergeordnete Koordination zwischen den einzelnen Verkehrsträgern (als Folge davon Parallelausbauten, Überkapazitäten hier, Kapazitätsengpässe dort). Ergänzend dazu gibt es in diesem Zusammenhang weitere Schwerpunkte

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Unternehmen Unterwegs

Wie sehen die Verkehrsströme der Zukunft aus?

um die heutigen Planungsabhängigkeiten im Verkehrssystem fest zu stellen. Die Entwicklung von Verkehrssystemen findet an der Schnittstelle zwischen Staat (einschliesslich öffentlicher Unternehmen), am Markt tätigen Unternehmen (zum Beispiel Lkw-Transportteure, private Güterbahnen, Car-Unternehmen) und den Bürgern (Verkehrsteilnehmern) statt. Während die Infrastrukturentwicklung sowohl bei der Planung als auch beim Bau in der Schweiz eine klassische staatliche Aufgabe ist und mit entsprechenden Programmen (zum Beispiel) STEP/FABI oder Ausbauprogramme der Nationalstrassen) umgesetzt wird, wird anschliessend der Betrieb auf diesen Infrastrukturen überwiegend von am Markt tätigen privaten und öffentlichen Unternehmen durchgeführt. Gleichzeitig dienen sowohl Infrastruktur als auch die darauf erbrachten Verkehrs- und Transportleistungen der gesamten Volkswirtschaft und somit allen Bürgern und Unternehmen. Offensichtlicher Koordinierungsbedarf Damit ergibt sich an der Schnittstelle zwischen staatlicher Planung und Infrastrukturbereitstellung einerseits und Markt andererseits für beide Seiten ein Koordinationsbedarf. Grundlage für die Infrastruktur- und Angebotsplanung des Staates stellen die Verkehrsnachfrage der Endnutzer sowie die

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Angebotsentwicklung der Unternehmen dar. Die Unternehmen definieren ihr Angebot über die langfristige Nachfrageentwicklung der Endkunden sowie über Informationen über die weitere Infrastrukturentwicklung. Der Endnutzer wählt seinen Wohnort entsprechend der heutigen, aber auch der zukünftigen Verkehrsanbindungen. Hinzu kommen sich selbst verstärkende Effekte, in dem neue Verkehrsangebote eine erhöhte Verkehrsnachfrage, den sogenannten induzierten Verkehr erzeugen. Der Staat muss daher unter Berücksichtigung der Grenzen der Finanzierbarkeit respektive der langfristigen finanziellen Nachhaltigkeit definieren, welche Infrastrukturen er zukünftig bereitstellen will, damit die Unternehmen ihr Angebot, aber auch ihre Standortentscheidungen entsprechend ausrichten können. Hieraus ergeben sich eine staatliche Planungsebene für die Infrastruktur, sowie eine private Planungsebene für Verkehrsleistungen und Nachfrage, die jeweils einer permanenten Abstimmung bedürfen (siehe Abbildung). Diese Abstimmung muss aufgrund der langen Umsetzungszyklen der Infrastruktur auf einer sehr langfristig angelegten Ebene erfolgen – im besten Fall auf Grundlage einer gemeinsam entwickelten Vision, so dass auf allen Seiten eine grösstmögliche Investitionssicherheit erzielt wird.

Abhängigkeit zwischen den Planungsebenen im Verkehrssektor Diese Vision wird in Form einer Studie aufbereitet, in der spezifische Thesen aufgestellt werden, deren Plausibilität und inhaltliche Konsistenz geprüft werden. Aufgrund des angestrebten inhaltlichen Umfangs der Vision bleibt ein detaillierter, quantifizierter Nachweis dieser Thesen allerdings nachfolgenden Projekten vorbehalten. Hier können dann spezifische Fragestellungen sehr detailliert diskutiert werden. Um auch Impulse von Fachvertretern ausserhalb des Wissenschaftsteams und des Trägerkreises aufnehmen zu können, wird das Projekt eine breit abgestützte Fachveranstaltung durchführen. Hier können die Ideen auch von externen Interessierten diskutiert werden und deren Sichtweisen können integriert werden.

Dr.-Ing. Dirk Bruckmann lehrt an der ETH am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT). www.ethz.ch


MarCom

Place of Knowledge and Innovation Congress Center Basel Das Congress Center Basel – grösstes Haus seiner Art in der Schweiz – ist Teil der MCH Group und ihrer Dynamik: Das Unternehmen betreibt in Basel, Zürich und Lausanne drei moderne Messe­, Kongress­und Event­-Infrastrukturen. Diese bilden einen nationalen «Tripol» mit einem Infrastrukturangebot, das sich in Bezug auf die Ausstellungsfläche und das geografische Einzugsgebiet ideal ergänzt. von Jonas Scharf

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as Congress Center Basel liegt mitten in der Stadt, direkt bei der Messe Basel. Basel gilt als Messe- und Kongressstadt der kurzen Wege: Hotels, Altstadt, Einkaufsstrassen, zahlreiche Museen und Parkanlagen sind bequem zu Fuss oder in wenigen Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Im April 2013 wurde unmittelbar neben dem Congress Center die neue, vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Messehalle in Betrieb genommen. Der neue Hallenkomplex ist nicht nur ein architektonisches Highlight, er erfüllt durch modernes Equipment auch die innovativsten und anspruchsvollsten Kundenwünsche. Das Congress Center Basel ist über eine Passerelle direkt mit der neuen Messehalle verbunden.

Die neuen Räume Im August 2013 wurden elf modulare Räume in Betrieb genommen, die sowohl einzeln wie auch kombiniert genutzt werden können und Platz bieten für Veranstaltungen von 10 bis 1 000 Personen. Zu überzeugen wussten bei den Veranstaltern besonders das freundliche Design und die absolute Schalldichte, die verhindert, dass man ungewollt zum Zuhörer der benachbarten Veranstaltung wird. Die neuen Räume – die dem Congress

Center Basel einen Zuwachs auf insgesamt 25 Räume bescheren – befinden sich im Erdgeschoss und sind somit direkt vom Haupteingang des Congress Center Basel aus zugänglich. Diese Räumlichkeiten eröffnen spektakuläre Möglichkeiten. Eine Plenumsveranstaltung mit über 5 000 Teilnehmern und zeitgleich genug Platz für BreakoutSessions in unmittelbarer Nähe? Fortan kein Problem mehr im Congress Center Basel! Ganz allgemein investiert das Congress Center Basel laufend in sein eigenes Haus: Im Sommer 2010 beispielsweise wurde das Auditorium Montreal komplett renoviert und mit der neusten Technik ausgestattet. Im Sommer 2012 wurde der bisher grösste Raum San Francisco überholt und auch dort eine hochwertige neue Audio- und Lichtanlage installiert. Ergänzt wird das moderne Infrastruktur-Angebot des Congress Center Basel durch das Musical Theater Basel mit 1 500 Plätzen und die angrenzenden 5 Messehallen mit Kapazitäten für bis zu 10'000 Personen.

ben. Täglich lebt das Team vor, dass es sich hierbei nicht bloss um eine wohlklingende Wortaneinanderreihung handelt. Denn das Congress Center Basel ist bedeutend mehr als nur ein Vermieter von Räumlichkeiten und unterstützt seine Kunden auch bei der Planung und Entwicklung von Events. Ein Beispiel von vielen für diese Innovationskraft ist die neue Kongress-Applikation, die in Zusammenarbeit mit den Organisatoren der ECCB'12 Konferenz entwickelt wurde, die vom 9. bis 12. September 2012 im Congress Center Basel stattgefunden hat.

Jonas Scharf Knowledge and Innovation Knowledge and Innovation – Wissen und Offenheit für Neues also – das hat sich das Congress Center Basel mit seinem Slogan auf die Fahne geschrie-

ist Managing Director Congress Center Basel. www.congress.ch

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MarCom

Die Podiumsteilnehmer am letzten Anlass waren (Von links nach rechts:) Ueli Weber, Präsident des IAB Switzerland (Moderation, links im Bild), André Höhn, Head Private Banking Online Marketing Credit Suisse, Klaus Nadler, CEO GroupM Schweiz, Brigitte Gubser, CEO Zenithoptimedia, Reto Meissner, Leiter Marketing & Kommunikation SBB, Marcus Gut, CCO Y&R-Gruppe.

Internetwerbung & Co Tipps und Trends an der Swiss Online Marketing von Bettina Wallbrecht

Am 9. und 10. April 2014 erhalten Geschäftsführer und Verantwortliche aus den Bereichen Marketing, Vertrieb und IT wieder Antworten auf ihre Fragen zu erfolgreichen Vermarktungsstrategien und -massnahmen im Internet. Die Fachmesse Swiss Online Marketing kommt mit mehr als 170 Ausstellern, inspirierenden Keynotes, hörenswerten Vorträgen und aufschlussreichen Podiumsdiskussionen in die Messe Zürich.

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ereits seit 2009 vermittelt die Fachmesse Swiss Online Marketing jedes Jahr Entscheidern aus werbetreibenden Unternehmen einen umfassenden Überblick über die aktuellen Möglichkeiten von Internetwerbung, E-Mail-Marketing und Webshops. Seit damals sind beständig aktuelle Branchentrends und technische Neuerungen hinzugekommen: soziale Netzwerke, Targeting, Mobile Marketing und Mobile Shopping haben ihre festen Plätze an der Messe. Seit vergangenem Jahr erweitert die Swiss Online Marketing ihr Themenspektrum weiter und informiert verstärkt auch zu Lösungen aus dem

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eBusiness, zum Beispiel zu Business Software wie CRM- oder ERP-Systemen. Highlights im Messeprogramm Markenzeichen des Branchenevents ist – neben den jederzeit ansprechbaren Schweizer und internationalen Ausstellern – das hochkarätige Vortragsprogramm aus Keynotes, Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen. Als Keynote Speaker stehen bereits Martin Ott, Managing Director Northern Europe von Facebook, Yves Mäder, Managing Director von ricardo.ch, Ali Jafari, VP of Direct Sales for Europe von Twitter, Thomas de Buhr, Director Branding

Google DACH, und Stefan Regli, Leiter Verkauf, Marketing, Kommunikation und E-Commerce PostLogistics fest. Vielseitige Einblicke und Meinungen von Experten bieten die zahlreichen Podiumsdiskussionen, die von verschiedenen Branchenverbänden organisiert werden. Im Podiumsgespräch von Swiss Marketing erfahren die Fachbesucher zum Beispiel Wissenswertes rund um das Thema Apps und mobile Webseiten. Wie sie ihre Unternehmen an der Spitze ihrer Segmente halten und welche Herausforderungen noch auf den Handel zukommen, verraten Markus Mahler, Brack Electronics AG, und Jörg Hensen, FashionFriends AG, im CEO Talk des


MarCom

Schweizerischen Versandhandels. Weitere Podiumsdiskussionen organisieren der IAB Switzerland und die smama – swiss mobile association for marketers an der Messe.

Eine Checkliste, um ihre Websites gezielt auf Ihre Zukunftstauglichkeit hin zu testen, erhalten die Zuhörer im Vortrag von Prof. Martina Dalla Vecchia, Dozentin an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.

Tipps für KMU Parallelveranstaltungen inklusive Das Programm enthält dabei nicht nur Vorträge Parallel zur Swiss Online Marketing finden zudem für Experten, sondern auch für Einsteiger und drei weitere Fachmessen statt, die vom 8. bis 9. fortgeschrittene Anwender im digitalen MarkeApril in unmittelbar benachbarten Messehallen ting. Speziell an KMU wendet sich zum Beispiel ihre Angebote und Vorträge präsentieren: Die Perein Vortrag der Agilita AG zum Thema Cloud sonal Swiss und die Swiss Professional Learning Computing, dabei werden Nutzen und Gefahren widmen sich den Themen Personalmanagement von Software aus der Cloud für Schweizer KMU und Personalentwicklung, die Corporate Health beleuchtet. Welche Hürden Webseitenbetreiber Convention dem Zukunftsthema Betriebliche Gebeseitigen müssen, um bei Google besser gefunIns_Rundschau_210x148mm_Layout 1 20.11.12 11:20 Seite 1 sundheitsförderung. den zu werden, erklären Experten auf der Messe.

Bettina Wallbrecht ist für die Pressearbeit bei Swiss Online Marketing verantwortlich. www.swiss-online-marketing.ch

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Internationale Personalentwicklung Chinesische Mitarbeiter ans Unternehmen binden Wie können wir unsere chinesischen Mitarbeiter an uns binden? Dies ist in China ist eine drängende Personalfrage für Firmen aus dem Ausland. Denn chinesische Angestellte neigen dazu, ihren Arbeitsplatz oft zu wechseln. Und mit den Stellenwechseln geht meist ein Know-how-Verlust einher. von Sabine Machwürth

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n den zurückliegenden Jahren haben viele Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Volksrepublik China Vertriebsniederlassungen und Produktionsstätten eröffnet. Und das werden sie auch künftig tun, denn China ist weiterhin der grösste Wachstumsmarkt weltweit, auch wenn die Zahlen aktuell etwas zurückgehen. Zudem stellt das «Reich der Mitte» oft das Tor für einen Export in andere asiatische Märkte dar. Bei ihrer Expansion in China kämpfen Unternehmen jedoch nicht nur mit dem Problem, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Noch schwerer fällt es ihnen, speziell höher qualifizierte Mitarbeiter an sich zu binden,

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Denn diese sind stark umworben und haben meist viele Optionen. «Den Chinesen» gibt es ebenso wenig wie «den Deutschen». Trotzdem lassen sich bei chinesischen Arbeitsnehmern grosse Mentalitäts- und Verhaltensunterschiede zu Arbeitsnehmern im deutschsprachigen Raum konstatieren. So tendieren chinesische Angestellte zum Beispiel zu Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit dazu, sich zunächst zwei, drei Jahre bei einem renommierten Unternehmen zu verdingen, damit dieser «brand» als Referenz in ihrem Lebenslauf steht – selbst wenn sie zum Beispiel finanziell attraktivere Jo-

bangebote haben. Doch danach suchen sie eine Stelle, die ihnen ein höheres Gehalt und bessere Aufstiegschancen verspricht. Geringe Loyalität zu Marken und Arbeitgebern Chinesische Konsumenten haben eine geringe Marken-Treue. Sie wetteifern darum, der Erste zu sein, wenn es darum geht, neue Trends, Designs und Produkte zu testen. Und ihr Selbstwertgefühl hängt auch stark davon ab, ob sie sich Trendprodukte leisten und an Moden teilhaben können. Diese innere Einstellung lässt sich auf ihre Beziehung zu (ausländischen) Arbeitgebern übertragen.


Global & Lokal

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in China an das Unternehmen zu binden ist keine leichte Aufgabe.

Und sie erklärt, warum chinesische Mitarbeiter so oft ihre Stelle wechseln. Solange sie das Gefühl haben, sie könnten durch einen Arbeitsgeberwechsel ihren finanziellen oder sozialen Status verbessern, binden sie sich emotional nicht an ein Unternehmen. So wechseln chinesische Mitarbeiter zum Beispiel aus Status-Gründen von einem Top-500- zu einem Top-100-Unternehmen. Oder von einer sicheren Facharbeiter-Stelle auf einen recht unsicheren Projektmanager-Posten. Häufig ist aber auch eine eher bescheidene Gehaltsverbesserung ausschlaggebend für einen Stellenwechsel. Für Arbeitgeber aus dem Westen ist es oft erstaunlich, welch simple Anreize genügen, um Chinesen zu einem Stellenwechsel zu bewegen. Doch nicht nur finanzielle Motive und Statusgründe veranlassen Chinesen zu einem Jobwechsel. Sie wechseln oft auch den Arbeitgeber, wenn • sie wenig Aufstiegschancen sehen, • ihre berufliche Laufbahn nicht ihren Idealvorstellungen entspricht, • monotone Arbeitsabläufe und -inhalte sie demotivieren, • sie glauben, ihre direkten Kollegen seien nicht ausreichend qualifiziert, • sie ihrem Arbeitgeber oder Vorgesetzten misstrauen,

• ihr unmittelbarer Vorgesetzter geht, • die Firma in einer finanziellen Krise oder Imagekrise steckt, • ein befristeter Arbeitsvertrag sie verunsichert. Streben nach beruflichem und sozialem Aufstieg Die chinesische Wirtschaft hat seit Maos Tod und seit Deng Xiaoping Parteivorsitzender wurde, also in den letzten 25 Jahren, einen phantastischen Aufschwung erlebt und zahlreiche Superreiche hervorgebracht. Das sehen und erleben die Chinesen, insbesondere in den Wirtschaftsmetropolen, tagtäglich. Deshalb sind – verallgemeinert formuliert – viele gut qualifizierte Chinesen heute latent unzufrieden mit ihrer finanziellen und sozialen Situation. Denn sie haben das Gefühl, am Wirtschaftsboom und gesellschaftlichen Aufschwung nicht ausreichend teilzuhaben. Also streben sie danach, ihre Perspektiven zu verbessern – finanziell und sozial. Daher genügen einfache und schnelle Lösungen in Form von Lohnerhöhungen und Boni allein meist nicht, um chinesische Mitarbeiter an Unternehmen zu binden. Wichtig ist es ihnen, eine Entwicklungsperspektive aufzuzeigen – zum Beispiel durch Qualifizierungsund Personalentwicklungsmassnahmen. Bei deren Konzeption gilt es jedoch einige Spezifika zu beachten – zum Beispiel:

• die hohen Erwartungen und Ziele vieler gut qualifizierter Chinesen bezüglich des Verlaufs ihrer Karriere, • ihren Wissensdurst, • ihren grossen Ehrgeiz, ihre Potenziale und Chancen voll auszuschöpfen – auch um in ihrem Umfeld das «Gesicht zu wahren», • ihren Wunsch nach einer exponierten sozialen Stellung und • die hohe Bedeutung der persönlichen Beziehungen für das Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverhältnis (Guanxi = emotionale Verbindung und persönliche Beziehung). Deshalb kann man Personalentwicklungs- und Mitarbeiterbindungssysteme aus Europa nicht eins zu eins auf China übertragen. Sie müssen eine kulturspezifische Ausgestaltung erfahren. Elemente eines solchen lokal anschlussfähigen Personalentwicklungs- und Mitarbeiterbindungssystems sollten unter anderem sein: a. Auf junge Talente setzen Die meisten Berufstätigen über 40 in China sprechen schlecht Englisch. Das erschwert die Kommunikation und Zusammenarbeit mit ihnen (in multinationalen Teams). Deshalb bevorzugen ausländische Arbeitgeber beim Besetzen von Schlüsselpositionen

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Global & Lokal

Förderung und Weiterbildung ist ein wichtiger Loyalitätsbaustein.

meist jüngere Talente im Alter von maximal 30 Jahren. In China ist eine junge Belegschaft kein Nachteil. Denn die aufstrebenden Jungen sind sehr ehrgeizig, und ihr Lernwille ist stark ausgeprägt. Und bietet ihnen ein Arbeitgeber die gewünschten Perspektiven, dann binden sie sich auch emotional an ihn. b. Entwicklung fördern – auch in Übersee Eine systematische, aufstiegsorientierte Personalentwicklung – statt nur punktuelle, am akuten Bedarf orientierte Förderung – bildet oft die Basis, dass sich chinesische Mitarbeiter im Betrieb wohl fühlen und mit ihrer Tätigkeit zufrieden sind. Die Qualifizierungs- und Fördermassnahmen müssen jedoch anders konzipiert sein als in Europa. Denn junge Chinesen ohne Auslandserfahrung sind daran gewöhnt, Instruktionen zu erhalten. Eher schwer fällt es ihnen, Problemlösungen eigenständig oder in Arbeitsgruppen zu erarbeiten. Also besondere Auszeichnung erleben sie die Teilnahme an Förder- und Entwicklungsmassnahmen in Übersee,

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also zum Beispiel in Europa. Denn hierin wird oft das Sprungbrett für eine internationale Karriere beziehungsweise die Eintrittskarte für eine gehobene Managementfunktion gesehen. Fördern Unternehmen Mitarbeiter auf diese Weise, entsteht meist eine enge Bindung an die Organisation. Denn Konfuzius’ Philosophie, Gefälligkeiten stets zu erwidern, («zhi en tu bao» auf Chinesisch) wird in China seit Jahrtausenden gelebt und ist ein integraler Bestandteil der Kultur. Deshalb sind Chinesen in der Regel auch loyal zu ihrem Arbeitgeber, wenn sie spüren, dass dieser sich ernsthaft darum bemüht, sie beruflich zu fördern und zu entwickeln. c. Realistische Perspektiven aufzeigen Ein Hauptgrund, warum ehrgeizige, junge Talente ihren Arbeitsplatz wechseln, ist das Gefühl, ihre Karriere schreite zu langsam voran. Chinesen erwarten speziell von ausländischen Arbeitgebern eine qualifizierte Einarbeitung und Ausbildung.

Denn ausländische Firmen haben den Ruf, ihre Arbeitnehmer stärker zu fördern und schneller zu befördern als chinesische Betriebe. Und dies ist für junge Chinesen oft ein zentrales Motiv, sich für einen ausländischen Arbeitgeber zu entscheiden. Diese Erwartung gilt es zu erfüllen. Denn wenn Arbeitnehmer das Gefühl haben, dass ihnen ein Unternehmen nicht die erhofften Aufstiegsmöglichkeiten bietet, suchen sie sich schnell einen neuen Arbeitgeber. Deshalb ist es wichtig, schon bei der Personalauswahl die Erwartungen der Kandidaten auf ein realistisches Level zurückzuschrauben. Sonst steht die Zusammenarbeit von Anfang an auf einem wackeligen Fundament. Unternehmen sollten zudem Mitarbeitern mit einem hohen Entwicklungspotenzial das Gefühl vermitteln, an etwas Großem, Bedeutenden mitzuwirken. Das kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass Unternehmen junge, berufliche noch recht unerfahrene Mitarbeiter bewusst in Grossprojekte integrieren, die in deren


Global & Lokal Hierfür ein Beispiel. Angenommen ein Unternehmen befördert ein Teammitglied, während andere Teammitglieder, die ähnlich lange für das Unternehmen arbeiten und einen vergleichbaren Beitrag zu dessen Erfolg leisteten, nicht befördert werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Letztere den Arbeitgeber wechseln. Denn für Chinesen stellt es einen Prestigeverlust dar, nicht befördert zu werden, wenn ein Kollege aufsteigt. Denn hierunter leidet im «Guanxi»-System ihr gesellschaftlicher Rang.

Chinesisches Beziehungsmanagement betreiben.

Augen eine hohe Bedeutung haben, weshalb sie in der Projektteilnahme eine Chance sehen. d. Ein «Guanxi» betreiben «Guanxi» ist ein Schlüsselbegriff nicht nur zum Verstehen der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch des Verhaltens chinesischer Mitarbeiter. Der Begriff besagt, dass Entscheidungen zumeist von einem Netzwerk persönlicher Beziehungen mitbeeinflusst werden, die zwischen Menschen gewachsen sind – zum Beispiel, weil sie im selben Ort wohnten oder dieselbe Hochschule besuchten oder für dasselbe Unternehmen tätig waren (oder sind). Aufrechterhalten beziehungsweise stabilisiert werden diese Beziehungen durch wechselseitige Gefälligkeiten. Und diese Gefälligkeiten auf Gegenseitigkeitsbasis zu verweigern wird als eine unverzeihliche Beleidigung erfahren. Das gilt es auch beim Thema Mitarbeiterbindung zu beachten. Chinesen erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass er zu ihnen dieselbe emotionale

Bindung eingeht, wie sie zu ihm. Das heißt zum Beispiel, wenn sie sich für ihren Arbeitgeber stark engagieren, erwarten sie ein entsprechendes Engagement von ihm. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass sich diese Erwartung vor allem auf die Beziehung zu ihren unmittelbaren Vorgesetzten bezieht. Denn anders als bei Europäern, die häufig einem Arbeitgeber wegen dessen Firmenkultur oder ihrem Aufgabengebiet treu bleiben, macht sich die Loyalität chinesischer Mitarbeiter meist stark an ihrer persönlichen Beziehung zu ihren Vorgesetzten fest. Deshalb passiert es auch nicht selten, dass mit einem Gruppenleiter dessen gesamtes Team das Unternehmen wechselt.

Aus diesem Grund sollten Unternehmen bei Beförderungen darauf achten, dass die Balance im Beziehungssystem gewahrt bleibt – zum Beispiel indem sie alle Teammitglieder zugleich befördern. Hierfür müssen nicht immer Stellen neu geschaffen oder besetzt werden. Oft genügt es, den Netzwerk-Partnern neue, deren Inhaber aufwertende chinesische Job-Bezeichnungen zu verleihen – während die gebräuchlichen englischen Titel beibehalten werden. Das stellt häufig die Balance wieder her, sofern sich mit dem neuen chinesischen Titel der gesellschaftliche Status der betreffenden Person erhöht.

Sabine Machwürth e. Auf die Beziehungsbalance achten Chinesen messen ihren beruflichen Erfolg stark an dem «Guanxi»-System, in das sie eingebunden sind. Deshalb sollten Unternehmen, wenn sie einen Angestellten befördern möchten, darauf achten, welche Auswirkungen dies auf seine Kollegen in seinem beruflichen Umfeld hat.

ist geschäftsführende Gesellschafterin der international agierenden Unternehmensberatung Machwürth Team International (MTI Consultancy), Visselhövede, D. www.mticonsultancy.com

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