Spitzen-Aussicht Der Moment, für den man aufsteigt: wenn die eigenen Ski als Erstes in einen frisch verschneiten Hang eintauchen.
SKITOUREN FÜR EINSTEIGER
Aller Anfang ist leicht Wer diesen Winter mit dem Skitourengehen beginnen möchte, muss nicht sofort ins anspruchsvolle Gelände. In den Alpen gibt es zahlreiche aufgelassene Pisten, auf denen Einsteigerinnen und Einsteiger sich auch ohne große Erfahrung mit dem neuen Sport vertraut machen können: zehn Anfängerrouten und die wichtigsten Tipps für die erste Skitour. Text: Mara Simperler
PACKLISTE Tourenausrüstung (Ski mit Tourenbindung, Felle, Skitourenschuhe, eventuell Harscheisen) Wärmere Kleidung für Gipfelpausen und Abfahrt
FOTO: WILFRIED FEDER
Trinken und Verpflegung
86 BERGWELTEN
Lawinenausrüstung (LVS-Gerät, Sonde, Schaufel) Biwaksack Helm für die Abfahrt Kartenmaterial, Handy
TIROL, ÖSTERREICH
SALZBURG / BAYERN
Sattelberg
Rossfeld
Wo früher die Talstation der Sattelbergbahn war, startet man heute auf die beliebte Skitour zum Sattelberg. Die Route über die ehemalige Piste ist deshalb meist schon gut gespurt (außer man kommt sehr früh) und führt erst durch eine Waldschneise, später dann in offenem Gelände zum Gipfel auf 2.098 Meter. Bis auf die letzten 50 Höhenmeter vor dem Gipfel ist die Tour relativ lawinensicher.
Direkt über den Rossfeldgipfel verläuft die Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Auf den viel begangenen Skitourenberg führen Routen aus beiden Ländern, von Salzburg aus startet man von der Raspenhöhe bei Bad Dürrnberg und folgt der ausgeschilderten Route für Tourengeher. Da es am Rossfeld auch ein kleines Skigebiet gibt, muss man die lokalen Tourenregeln beachten.
Ausgangspunkt: Parkplatz Seebach, Gries am Brenner Dauer: 2,5 h Strecke: 3,3 km Höhendifferenz: 900 m
Ausgangspunkt: Tourengeher- Parkplatz Raspenhöhe Dauer: 3 h Strecke: 4,4 km Höhendifferenz: 750 m
BERGWELTEN 87
Linien ziehen Der oder die Erste auf einem frisch verschneiten Hang hat den anstrengendsten Part: die Spur anzulegen.
TOURENPLANUNG Empfehlungen von Magdalena Habernig, ÖAV / Bundeslehrteam Alpin
Lawinenlagebericht Von 1 ( gering) bis 5 (sehr groß) reicht die Skala der Lawinengefahr. Da der Bericht für große Regionen erstellt wird, muss man bei jeder Tour die Verhältnisse vor Ort berücksichtigen.
Route Wetter und Lawinen lagebericht entscheiden über die Routenwahl. Wichtig bei Skitouren: nicht einfach GPS-Tracks aus dem Internet folgen, sondern die Route an die aktuellen Verhältnisse anpassen. Spezielle Apps oder Karten weisen die Hangneigung aus.
BAYERN, DEUTSCHLAND
URI, SCHWEIZ
Grüntenhütte
Winterhorn
Erst geht es durch eine breite Waldschneise, die sich später teilt – es ist egal, welchen Weg man wählt, denn sie führen auf einer großen Wiese wieder zusammen. Den Weiterweg weisen Schilder des DAV, es geht eine schmalere Schneise entlang. Dann teilweise neben der Rodelstrecke zur Grüntenhütte; weiter oben kann es auch so steil werden, dass man Spitzkehren einsetzen muss.
Etwas fortgeschrittener ist die Tour auf das Winterhorn (2.662 m), dafür landschaftlich wunderschön: vom Bahnhof Hospental erst auf der Alten Gotthardstraße zum Tunnel, dann über die ehemaligen Skipisten zum verlassenen Bergrestaurant auf 1.958 Metern. Man kann die Tour entweder an der Bergstation des aufgelassenen Skilifts (2.340 m) beenden oder auf den Gipfel steigen – dabei ist aber Erfahrung vorausgesetzt.
Ausgangspunkt: Parkplatz Kammer egger Weg bei Kranzegg Dauer: 1,5 h Strecke: 2,4 km Höhendifferenz: 440 m
AUFSTIEG Empfehlungen von Stefan Baumgartner, Freerideschool Saalbach
LVS-Gerät prüfen Für den doppelten LVSCheck stellt der Erfahrenste sein Gerät auf „Senden“, alle anderen auf „Suchen“ und gehen an ihm in Abständen vorbei. Dann stellt die Gruppe auf „Senden“ und geht wieder am Checker vorbei, der auf „Suchen“ gestellt hat und danach „Senden“ aktiviert.
Ausgangspunkt: Hospental Dauer: 4 h Strecke: 4,5 km Höhendifferenz: 1.210 m
Technik-Basics Die Ski in großen Schritten über den Schnee ziehen.
Gelände Die Routenwahl hängt von der Lawinensituation, der Gruppengröße, der Erfahrung der Teilnehmer, der Hangneigung und dem Wetterbericht ab.
OBERÖSTERREICH
Viehtaleralm
88 BERGWELTEN
FOTO: MATTHIAS FEND
Ausgangspunkt: Kleinreifling, Niglalm Dauer: 1 h Strecke: 2,6 km Höhendifferenz: 300 m
Das LVS-Gerät gehört auf jede Tour mit, selbst wenn die Lawinen gefahr gering ist.
FOTO: MATTHIAS FEND
Spitzkehren
Schon der Ausgangspunkt liegt auf über 800 Metern, damit ist diese Skitour relativ schneesicher. Wer bis zur Bergstation des ehemaligen Schlepplifts aufsteigt, bleibt im leichten Gelände mit weniger als 30 Grad Steigung. Steiler wird’s, wenn man auf den Kühberg (1.415 m) weitergeht. Der Ausblick auf die Haller Mauern und das Gesäuse ist aber auch schon weiter unten sehr schön.
Für steileres Gelände sollte man Spitzkehren beherrschen (und die vorher im Flachen viel geübt haben): auf die Stöcke gestützt stehen, den Talski belasten. Dann den Bergski anheben und die Spitze mit in die neue Richtung drehen. Nun steht man mit gegrätschten Beinen da, belastet den gedrehten Fuß und setzt den zweiten Ski mit einem schwungvollen Kick nach.
BERGWELTEN 89
TIROL, ÖSTERREICH
BAYERN, DEUTSCHLAND
Rauthhütte
Geigelstein
Eine gute Einsteigertour, die auch für Kinder machbar ist: Obwohl die Piste zur Rauthhütte aufgelassen ist, wird sie nach wie vor gewalzt. Das macht vor allem die Abfahrt für SkitourenNeulinge sehr einfach. Vom kosten pichtigen Parkplatz im Leutascher Ortsteil Moos geht es immer leicht ansteigend zur Hütte. Wer dort etwas konsumiert (wir empfehlen die selbst gemachte Wildwurst), bekommt die Parkplatzgebühr rückerstattet.
Ein Klassiker im Chiemgau: Auf einer eher achen Forststraße geht es erst bis zur Priener Hütte (1.410 m). Wer nur wenig Erfahrung hat, kann von hier auf dem Aufstiegsweg wieder abfahren. Wer bis zum Gipfel des Geigelsteins (1.813 m) will, sollte schon Geländeerfahrung haben, da der Gipfelbereich mit seinen steileren Wänden bei schlechten Verhältnissen lawinengefährdet sein kann.
Ausgangspunkt: Leutasch/Moos Dauer: 1,5 h Strecke: 2 km Höhendifferenz: 430 m
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Holzerhütte, Innerwald Dauer: 4 h Strecke: 13,8 km Höhendifferenz: 1.130 m
ABFAHRT Empfehlungen von Wolfgang Pohl Berg- & Skischule Vivalpin
Technik Die Ski sollten parallel zueinander und maximal hüftbreit sein. Sprung-, Knie- und Hüftgelenk sind leicht gebeugt, der Oberkörper ist gerade. Der Stockeinsatz bringt den Impuls für kurze Schwünge. Die Hände sind bei der Abfahrt im freien Gelände nicht in den Schlaufen.
Abstand halten Grundsätzlich sollte man bei der Abfahrt zu anderen 30 Meter einhalten, ist es sehr steil (über 35°), fährt man einzeln ab.
SALZBURG, ÖSTERREICH
Vor mehr als 20 Jahren wurde das hiesige Skigebiet geschlossen, 2014 wurde der Ronachkopf als dezidierter Skitourenberg wieder eröffnet. Die Route verläuft über Trassen, aber auch über steileres Gelände und die Pistenabfahrt. Dank der nordseitigen Lage gibt es hier oft lange Pulver. Einkehren kann man auf der Enzianhütte (1.260 m) – von hier sind es nur noch 15 Minuten auf den Gipfel. Mit der richtigen Technik klappt auch die Abfahrt im Gelände. Am liebsten natürlich im Pulverschnee.
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Ausgangspunkt: Thumersbach, Tourengeherparkplatz Dauer: 1,5 h Strecke: 2,5 km Höhendifferenz: 500 m
FOTO: ELIAS HOLZKNECHT
Ronachkopf
Ein prüfender Blick auf den Hang, bevor die Belohnung für den Aufstieg folgt: eine Abfahrt durch den Tiefschnee.
Tipps
Detaillie r te Infos und Videos z ur richti gen Sk itoure ntechnik bergwe lte skitoure n .com/ n -tipps
VORARLBERG, ÖSTERREICH
Mäderbeiz
Hirschberg
Die Route auf die Mäderbeiz bei Davos wird gerne als Nachtskitour begangen. Der Aufstieg vom PischaParkplatz der Talstation führt über die ehemalige Piste „Pischa Standard“ bis zum Bergrestaurant Mäderbeiz und ist mit einer halben Stunde Gehzeit sehr leicht. Jeden Donnerstag hat die Beiz für den Tourengeherabend bis 21 Uhr geöffnet. Die Abfahrt erfolgt auf dem Aufstiegsweg.
Von der ehemaligen Talstation des Liftes steigt man auf meist weiten Hängen bis zur Bergstation auf 1.440 Metern auf. Links an den Gebäuden vorbei, dann sind es noch etwa 100 Höhenmeter zu einer sanften Kuppe, von der man dann wieder abfährt. Der Gipfel des Hirschbergs wird eher selten bestiegen, da der Aufstieg dorthin im Gegensatz zur restlichen Route lawinengefährdet ist.
Ausgangspunkt: Pischa-Parkplatz, Davos Dauer: 0,5 h Strecke: 1,1 km Höhendifferenz: 200 m
Ausgangspunkt: Parkplatz Hütten, Bizau Dauer: 2 h Strecke: 3,3 km Höhendifferenz: 750 m
92 BERGWELTEN
SKITOUREN LERNEN Um die Basics des Ski tourengehens zu lernen, empfehlen wir, einen mehrtägigen Kurs zu absolvieren. Die alpinen Vereine und Bergschulen bieten Ausbildungen an, bei denen die Grundlagen von Tourenplanung, Lawinenkunde sowie Aufstiegsund Abfahrtstechniken vermittelt werden. alpenverein.at alpenverein.de sac-cas.ch
FOTO: MATTHIAS FEND
GRAUBÜNDEN, SCHWEIZ