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SCHWEIZ

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

BEI ALLEM RESPEKT:

SO WIRST DU TEST-PILOT Unsere Reportage aus der Mojave-Wüste

INMENTAL-CHECK THE ZONE

„ICH LEG „ICHLEG

DICH AUFS

KREUZ“

Wie Top-Athleten Spitzenleistungen abrufen

AUGUST 2017 CHF 3,80

SCHWING-STAR

REMO KÄSER ÜBER BÖSE, DIE GANZ LIEB SEIN WOLLEN


CONTRIBUTORS

EDITORIAL Stiernacken & Serpentine

Für das Covershooting mit SchwingStar Remo Käser ging der deutsche Fotograf an die Grenzen seiner körperlichen Belastbarkeit: „Die Fotosession in Remos Trainingskeller dauerte einen halben Tag. Remo und sein Partner zeigten hunderte Schwünge, ich knipste aus allen Lagen. Hinterher spürte ich meine Waden nicht mehr.“ „Im Kopf eines Bösen“: SEITE 5 4.

Jim Krantz

Der Fotograf aus Los Angeles ist berühmt für seine ikonischen Wildwest-Motive und eine kompromisslose Arbeitsweise. „Ich bin am liebsten inmitten der Action“, sagt Krantz, der sich für unsere Reportage übers Testpiloten-Training in der Mojave-Wüste etwa in eine Canyon-Spalte abseilte – und am Seil hängend die Düsenjäger im Tiefflug fotografierte. SEITE 22 .

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Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion

CHRISTOPH KÖSTLIN (COVER)

Christoph Köstlin

Wer mit ihm im Ring steht, läuft Gefahr, durch die Luft zu fliegen: Remo Käser ist erst 20, aber schon einer der großen Stars in der Schweizer Schwing­ szene. Uns schilderte er – in 13 Stichwörtern –, wor wor­ auf es beim Schwingen wirklich ankommt. Diese lauten „Böse“, „Respekt“, „Stiernacken“ oder „Zer „Zer­ mürben“, nur damit Sie die ungefähre Richtung erahnen. „Im Kopf eines Bösen“ ab Seite 54. Die Schweizer Alpenpässe zählen zu den schönsten Autostrecken der Welt. The Red Bulletin lud Jonas Hiller, Eishockey­Goalie der Schweizer Nati und bekennenden Autofreak, zu einer Spritztour über den Grimselpass. Hillers Gefährt: ein Mercedes­AMG C 43 Cabrio. Die Vorgabe: Gas geben, Spaß haben und ein bisschen davon erzählen. Ein motorisierter Lokalaugenschein mit geschmeidigen Serpentinen, flüssigen High­Speed­Passagen, atemberaubenden Bergen und dem gewissen Sound, den ein 367 367­PS­ Motor im Tunnel macht – „King of Kehre“ regt an zum Nachahmen (ab Seite 74).

THE RED BULLETIN


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INHALT August

Life and Style Beyond the Ordinary

GUIDE

Get it. Do it. See it. 84 Die Red Bull TV-Highlights

10 Präzision: die Anatomie eines 12 14 15 16 18 19 20

Formel-1-Boxenstopps „Game of Thrones“-Heldin Sophie Turner im Gespräch Dieser Elektro-Antrieb macht dein Skateboard schneller. So gelingt das perfekte Konzert-Foto. Hollywoods unbekannter Charakter-Mime, den jeder kennt Die Yoga-Meisterin für Hipster Das Bike der Zukunft Do it yourself: Räucherspeck selber machen

86 88 90 96 98

der kommenden Wochen Gisbert L. Brunner wählt die Uhren des Monats. Save the Date: Termine zum Markieren Unsere Auswahl: neue Gadgets für den Mann von Welt Impressum Makes You Fly: der ActionMoment des Monats

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KATHERYN WINNICK

spielt die Kriegerin Lagertha in der Erfolgsserie „Vikings“. Im Red Bulletin-Interview ver verrät die Kanadierin, wie man im wahren Leben Ziele erreicht.

54 REMO KÄSER

erzählt uns von Demut, Respekt, Ausdauer, Kameradschaft … und dass auch ein „Böser“ ganz lieb sein kann.

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THE RED BULLETIN

MIKO LIM, CHRISTOPH KÖSTLIN, JIM KRANTZ

BULLEVARD


FEATURES 22

Nerven aus Stahl

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Katheryn die Große

Zu Gast in der Mojave-Wüste: in der einzigen zivilen Testpilotenschule der Welt. Die „Vikings“-Kriegerin Katheryn Winnick spielt demnächst im „Dunklen Turm“.

44 In the Zone

Großartige Sportler unterscheidet von guten ein besonderer Geisteszustand.

54 Im Kopf eines Bösen

Remo Käser, 20 Jahre alt und 106 Kilo schwer, verkörpert die Zukunft des Schwingens.

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Leiden für die Wissenschaft

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Hast du ihn dir verdient?

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Spritztour auf 2164 Meter Höhe

Der Schweizer Christian Clot reiste in vier der menschenfeindlichsten Gebiete der Erde. Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner zum Thema Respekt. Der Grimselpass, ein Mercedes-AMG C 43 Cabrio, ein Auto-Fanatiker namens Jonas Hiller: ergibt einen PS-satten Roadtrip auf einer der schönsten Autostrecken der Welt.

22 TESTPILOTEN

Zu Besuch in der Mojave-Wüste in Kalifornien, wo angehende Testpiloten Düsenjäger außer Kontrolle bringen.


BULLEVARD

JOHN RUSSO/CONTOUR/GETTY IMAGES

LIFE

&

STYLE

ANDY SERKIS: „MEIN JOB LÄSST KEINE EITELKEIT ZU. “ SEITE 16 THE RED BULLETIN

BEYOND

THE

ORDINARY

Der weltweit bekannteste Performance-CaptureSchauspieler kehrt als Affenanführer Caesar zurück – in „Planet der Affen: Survival“.

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BULLEVARD

Standgas

Ein Formel-1-Boxenstopp besteht aus Präzision, Teamwork und Timing. Nachdenken verboten, nicht mal einen Augenblick lang.

WUNDER DER BOXENGASSE

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Und weg in 2,33 s

Kaum zu glauben, aber es gab Formel-1-Zeiten, als Mechaniker Sprit mit Kanister und Trichter nachfüllten. Heute ist der Boxenstopp ein Kunstwerk an Ef Effizienz. 2017 haben breitere, schwerere Reifen die Boxenstopps zwar verlangsamt (unvergessen der 1,92-Sekunden-Allzeit-Rekord von Red Bull Racing beim US-GrandPrix 2013, der 2016 von Williams in Aserbaidschan egalisiert wurde). Die 2017erBestmarke liest sich dennoch gewaltig und gehört wieder Red Bull Racing: Beim Großen Preis von Russland brauchte Max Verstappen nur 2,33 Sekunden. redbullracing.com

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1 REIFEN HINTEN

Drei Crew-Mitglieder für jeden Reifen: Einer nimmt das Rad ab, ein anderer bringt das neue, der dritte löst und fixiert per Schlagschrauber die Mutter.

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THE RED BULLETIN


4 WAGEN­ HEBER VORNE

Der schwenkbare Wagenheber ermöglicht es dem Mann am Gerät, noch vor Ende des Stopps seitlich wegzutauchen und den Wagen per Knopfdruck zu senken.

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3

5 FRONTFLÜ­ GEL RECHTS

Wie auf der linken Seite: ein Mann für Flügel- und Nasenanpassungen, ein weiterer als Support, wenn Flügel oder Nase getauscht werden müssen.

4 6 REIFEN VORNE RECHTS

GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL JUSTIN HYNES

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2 REIFEN VORNE LINKS

Die gleiche Crew-Konstellation wie bei allen anderen Reifen. Vorteile bringt die Technik – Schlagschrauber werden intern entwickelt, oft selbst gefertigt. THE RED BULLETIN

Noch mal drei Mann. Schlüsselmoment beim Wechsel: die Radmutter lösen und festschrauben. Die Teams arbeiten hart am perfekten Gewinde-Design, das die Mutter schnell öffnen und schließen lässt und nicht klemmt.

7 STABI­ LISATOR

Kontrolliert die Balance, während Wagenheber das Auto anlupfen.

3 FRONTFLÜGEL LINKS

Flügel-Anpassungen während des Rennens sind üblich, etwa um das Handling zu verbessern. Nach Kollisionen werden Flügel und Nase auch ganz getauscht.

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CONTOUR/GETTY IMAGES

RÜDIGER STURM

Sophie Turner: bereits mit drei auf der Bühne, mit vierzehn Debüt bei „Game of Thrones“

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THE RED BULLETIN


BULLEVARD

T Sophie Turner

Keine Figur in „Game of Thrones“ macht so viel durch wie Sansa Stark. Dar­ stellerin Sophie Turner gesteht vor dem Start von Staffel 7, dass sie viel dar­ aus gelernt hat – außer Kaffee kochen.

„NIEMAND SCHAFFT ES, MICH AN­ ZULÜGEN“

THE RED BULLETIN

he red bulletin: Sie waren vierzehn, als Sie vor mehr als sechs Jahren bei „Game of Thrones“ ein­ stiegen. Welchen Rat wür wür­ den Sie der Sophie Turner von damals geben? sophie turner: Einen ähn­ lichen, wie ihn Sansa Stark ihrem jüngeren Ich geben würde: Wach auf. Schau nicht durch eine rosa Brille auf die Welt. Hör gut zu und nimm deine ganze Umgebung in dich auf. Du wirst von allen Leuten, denen du begegnest, etwas lernen. Und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wirst du all diese Lektionen nutzen können. Sie haben die Welt durch eine rosa Brille gesehen? Das nicht, aber ich würde mir selbst raten: Schau gut hin, saug alles ein und entwickle dich weiter. Außerdem: Geh nicht davon aus, dass alles selbstverständlich ist. Es gibt aber auch noch andere Dinge, die ich an Sansa inspirierend finde, vor allem ihre Stärke und Unabhängigkeit. Mich hat das dazu motiviert, die Kon­ trolle über meine Karriere zu ergreifen. Ich will mich in kreative Entscheidungen ein­ klinken und die Richtung mei­ nes Lebens selbst bestimmen. In der letzten Staffel fing Sansa allerdings an, die Leute zu manipulieren … Sie hat eben von den Besten der Besten gelernt. Denn sie muss ja auch herausfinden, wer ihr gegenüber loyal ist. Wissen Sie, auf wen Sie sich verlassen können? Ich kann Menschen ziemlich gut lesen. Im Großen und Ganzen schafft es niemand, mich anzulügen. Wie haben Sie das gelernt? Das hab ich intuitiv drauf. Vielleicht habe ich das auch aus Sansas Erfahrungen ge­ lernt. Das hängt grundsätzlich mit meinem Beruf zusammen. Als Schauspielerin kennst du dich mit der Psychologie von Menschen aus, weil du sie stundenlang studierst.

Nehmen wir an, Sansa sollte auf dem Eisernen Thron landen – wäre sie eine gute Herrscherin? Ich denke schon, denn sie hat sich einen klaren Kopf bewahrt, obwohl sie so viel Schlimmes durchgemacht hat. Allerdings hat sie, glaube ich, überhaupt kein Verlangen nach so einer Position. Sie hat gesehen, wie furchtbar, ekel­ haft, gemein und hinterhältig die Leute am Hof sein können. Sie hat keine Lust, Teil so einer Welt zu sein. Aber wenn sie Herrscherin werden müsste, würde sie ziemlich viele Dinge verändern. Was würden Sie verändern, wären Sie Oberhaupt eines Landes? Meine erste allgemeine Ent­ scheidung wäre: Lasst uns niemanden aussperren oder benachteiligen, indem wir irgendwelche Richtlinien auf auf­ stellen. Alle Menschen haben gleiche Rechte. Bei „Game of Thrones“ müssten Sie sich mit Ihrer Herrscherkarriere ohnehin beeilen, denn die Serie endet im nächsten Jahr. Was löst der Gedanke daran bei Ihnen aus? Angst. Denn ich habe dann kein Sicherheitsnetz eines festen Jobs mehr. Aber das hat auch sein Gutes. Ich bin zu­ gleich aufgeregt, weil ich dann so viel mehr Freiheit haben werde. Das motiviert mich, loszuziehen ziehen und nach Projek Projek­ ten zu suchen, die genauso gut sind wie „Game of Thrones“. Angeblich suchen Sie auch nach einem Job bei Star Star­ bucks, weil Sie sich nach einem normalen Leben sehnen. Richtig, das ist tatsächlich ein Wunsch von mir. Aber ehrlich: Ich kann nicht Kaffee kochen. Bei Starbucks würde ich versagen. hbo.com/game-of-thrones

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Geil auf Kurven Mit Tempo 40 durch den Großstadtdschungel surfen: Das Mellow ist der erste elektrische Antrieb, der garantiert auf jedes Skateboard passt.

Wechselakku, 15 Kilometer Reichweite, 40 km/h – das Mellow Board ist „the small Tesla of Germany“.

D

as Mellow Board ist der Albtraum jedes Polizisten. Ein Elektro-Skateboard, leise, rasant, scheinbar unkontrollierbar und mit hoher Wahr Wahrscheinlichkeit von einem unter Drogeneinfluss stehenden Surfer gesteuert. So viel zum Klischee. Die Realität? Mellow ist ein von einem Ex-BMWIngenieur entwickelter Hightech-Antrieb, der auf jedes Board montiert werden kann. Maximal 40 km/h bringt das Board damit auf die Straße, der wasserdichte Akku garantiert 15 Kilometer Reichweite, ein duales Bremssystem die Fahrsicherheit. Das Fahr Fahrgefühl? Verbindet Surfen und Snowboarden. Spaß ist das eine, doch die zwei Gründer Johannes Schewe und Kilian Green wollen mit Mellow auch die urbane Mobilität revolutionieren. Scheint machbar: Wer will schon mit dem Auto im Stau stehen, wenn man die Kolonne auf seinem E-Board hinter sich lassen kann? mellowboards.com

DANIEL KUDERNATSCH

URBAN MOBILITY TRIFFT AUF HANG LOOSE

MELLOWBOARDS.COM

Smart: Die vier Fahrmodi des Mellow Boards werden über eine App gesteuert.

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THE RED BULLETIN


BULLEVARD

Musik durch die Linse

Fünf Tipps des besten britischen Musik­ fotografen – so gelingen hochwertige Bilder per Smartphone selbst von Livekonzerten.

FOTOS WIE VOM PROFI

auszuleuchten, die vor einem steht. Lichteffekte im Konzert sind selbst im besten Fall schwierig einzufangen, aber oft eine Frage des Timings. Je schneller sie sich verändern, desto geringer die Chance, sie einzufangen. Deshalb: einen Moment abwarten, in dem das Licht beständig ist.

2. Zoom nur dann

einsetzen, wenn unbedingt notwendig. Man erkennt mit Zoom vermutlich nicht viel mehr, aber die Bildqualität leidet erheblich. Gigs zeichnen sich nicht bloß durch den Frontmann aus, sondern durch die gesamte Show, und meist eignet sich eine Totale weitaus besser als Aufnahme.

3. SmartphoneKamera statt der Kamera-App verwen­

den, weil einige Apps nicht die gleiche Bildqualität erzeugen. Fotos also mit dem normalen Smartphone schießen und anschließend mit einer be­ liebigen App verarbeiten.

4. Fokus auf starke Lichtquellen vermeiden. Ist die Beleuch­

NICK PICKLES

FLORIAN OBKIRCHER

Warten heißt die Devise – Lichteffekte bei einem Konzert einzufangen ist eine Frage des richtigen Timings.

C

oldplay, U2, Sting, Radiohead – das sind einige der Ikonen, die Nick Pickles live abgelichtet hat. Seitdem er 2011 den Fotowettbewerb des Rock Archive Glastonbury gewonnen hat, ist er einer der gefragtesten Musikfoto­ grafen in Großbritannien – und publiziert weltweit. Hier nennt uns der in London an­ sässige Fotograf fünf Tricks für bessere Smartphone­Bilder von Livekonzerten.

1. Blitzlicht aus. Das Licht ist zu schwach, um mehr als den Rücken der Person THE RED BULLETIN

tung sehr hell, den gewünsch­ ten dunkleren Ausschnitt durch Tippen auf das Display fokussieren. Die meisten Tele­ fone passen die Darstellung an, sodass das Foto nicht zu hell wird. Ein paar Vorab­ versuche sind hilfreich.

5. Der richtige Moment. Niemand findet es

Profiaufnahme: Nick Pickles, preis­ gekrönter Fotograf

gut, wenn jemand vor einem das gesamte Konzert über unablässig Fotos macht. Zu­ dem verschwendet man bloß Speicherkapazität und Akku­ laufzeit. Besser: im richtigen Moment, in dem die Beleuch­ tung gut ist, das Telefon so hoch wie möglich über das Publikum halten. Und dann sollte man die Show genießen. Denn dafür sind Konzerte da – für den visuellen und vor allem den akustischen Genuss. Pickles Arbeiten hier ansehen: music-photographer.co.uk 15


„Schauspieler zu sein war nie vielschichtiger als heute, ob in computergenerierten oder Live-ActionFilmen.“

Andy Serkis

Eine Vielzahl der berühmtesten Charaktere in den erfolgreichsten Hollywood-Filmen wurde von ihm verkörpert. Wenn er trotzdem unerkannt bleibt, ist genau das der Punkt.

chaust du Andy Serkis in die Augen, dann ertappst du dich bei dem Ge­ fühl, dies schon einmal getan zu haben. „Es kommen andauernd Leute auf mich zu und fragen mich: ‚Kannst du Gollum nachspielen?‘, oder: ‚Wer ist Supreme Leader Snoke?‘“, so der britische Schauspieler, des­ sen Darstellung des Ersteren in der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ großen Beifall erntete und die des Letzteren 2015 in „Star Wars: Das Er­ wachen der Macht“ immer noch heftige Debatten auslöst, wer denn nun hinter Supreme Leader Snoke steckt. Serkis ist der erfolgreichste Schauspieler im Bereich

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Performance Capture, einer Kunst, bei der Computer­ Grafik auf jede Bewegung und jeden Gesichtsausdruck ab­ gestimmt wird: Er spielte King Kong in Peter Jacksons Remake, und dieses Jahr ver­ körpert er erneut den Snoke in „Star Wars: Die letzten Jedi“, zudem Klaw in Marvels „Black Panther“ und diesen Monat zum dritten Mal seine wohl bedeutendste Rolle, den Herr­ scher­Schimpansen Caesar in „Planet der Affen: Survival“. THE rEd bullETin: Wie verkörpern Sie die Rolle eines sprechenden, hoch­ intelligenten Affen? andy sErkis: Viele Leute glauben, dass Performance

TOM GUISE

S

Capture etwas mit Pantomime zu tun hat, mit losgelösten Bewegungen und Grimassen. Das Gegenteil ist der Fall. Versetz dich hinein in das, was du tust, und es wird funktio­ nieren. Das, was die Kameras einfangen, ist sehr präzise. Sie können sich also vor­ stellen, einen Affenanzug zu tragen? Als ich erstmals Caesar ge­ spielt habe („Planet der Affen: Prevolution“, 2011; Anm.), sah ich in der Rolle ein Wesen, das fühlt wie ein Mensch in einem Affenanzug. Caesar ist mit Menschen aufgewachsen und spiegelt menschliches Verhalten wider. Ich habe mir damals einen echten Schimpansen zum Vorbild genommen. Der hieß Oliver, lief auf zwei Beinen und zeig­ te menschliche körperliche Gesten und Ausdrucksweisen. Er wurde als „Humanzee“ bezeichnet, und man glaubte, mit ihm das berühmte Missing Link gefunden zu haben. Er sah tatsächlich so aus wie ein Kerl in einem Affenanzug. Es gibt nach wie vor keinen Oscar für Performance Cap­ ture. Wird es nicht als echte Schauspielerei angesehen?

JOHN RUSSO/CONTOUR/GETTY IMAGES, FOX

DER MANN IM MILLIONENSCHWEREN AFFENANZUG

THE RED BULLETIN


BULLEVARD

Sein Regiedebüt feiert Andy Serkis dieses Jahr mit „Breathe“ – der wahren Geschichte von Robin Cavendish. Obwohl die längste Zeit seines Lebens von Kinderlähmung beeinträchtigt, war Cavendish ein Pionier für Medizintechnik.

THE RED BULLETIN

Sie fangen so langsam damit an, aber die Mühlen mahlen langsam … Ganz gleich, was du denen erklärst, sie fragen dich: „Und wie lange hat es gedauert, dich zu schminken?“ Wenn Sie geschminkt wären, dann würde man Sie also nominieren? Das ist das John-Hurt-Argument. Als John Merrick im Film „Der Elefantenmensch“ (Hurt war 1981 als bester Darsteller nominiert; Anm.) zeigte er eine erstaunliche Leistung, die auf der Kunst der Maske basiert. Heute verändert der Digital Artist die Physiognomie des Schauspielers in die eines Affen. Betrachtet man die zugrunde liegende Leistung, würde man eigentlich kaum einen Unterschied bemerken. Sie führten Regie in „Das Dschungelbuch“, in dem Benedict Cumberbatch die Motion-Capture-Figur Shere Khan verkörpert. Konnten Sie ihm etwas beibringen? Ich musste Benedict Cumberbatch definitiv nicht beibringen, wie man spielt. Er ist ein hochbegabter Schauspieler, eine Naturgewalt und verkörpert die Rolle sehr kraftvoll. Christian Bale spielt übrigens Bagheera, und Cate Blanchett ist Kaa, die Schlange. Hatten diese Schauspieler Schwierigkeiten, sich auf Performance Capture einzulassen? Sie sind in der Lage, sich in jeder Situation zurechtzufinden, weil ihr Vorstellungsvermögen enorm ist. Mehr braucht man nicht. Und Eitelkeit ist fehl am Platz, denn dein Gesicht wird auf der Leinwand nicht zu erkennen sein, nur deine schauspielerische Leistung. Apropos verhüllte Gesichter – wer ist denn jetzt Supreme Leader Snoke? Na los … Jetzt muss ich mich zurückhalten. Ich kann es nicht sagen, wirklich nicht. Das, was von Snoke bislang zu sehen war, ist ein Hologramm. Mehr kann ich nicht sagen … „Planet der Affen: Survival“ – ab 3. August im Kino

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BULLEVARD

Clotilde Chaumet treibt Pariser Hipster auf schräge Art an deren körperliche Grenzen. Ihr Ziel: eine Revolution im Kopf.

YOGA SCHWITZT DANK HIP-HOP

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„I

Don’t Fuck with You“ von Big Sean – explizite Titel wie dieser ge­ hören bei Clotilde Chaumet zum Yoga wie die Luft zum Atmen. „In einem normalen Yoga­Kurs wäre diese Musik falsch, aber ich biete keine normalen Yoga­Kurse!“ Hip­Hop und Yoga passten bisher tatsächlich nicht zu­ sammen, aber Clotilde, 27,

THE RED BULLETIN

ANAIS JAZMINE

Bewegung

aus Paris hat diese Liaison legalisiert. „Als ich Yoga noch für mich allein gemacht habe, wollte ich dazu Hip­Hop hören. Und: Alle Moves sollten zum Beat der Musik passen.“ Dar­ aus entstand TIHHY, kurz für très intense hip-hop yoga (sehr intensives Hip­Hop­Yog ­ ­Yog a). Gewagt, aber Clotilde war davon überzeugt. „Ich wusste, es würde funktionieren. Ich selbst bin im Training körperlich und geistig voll reingekippt. Hip­Hop hilft einem, loszulassen und körper körper­ lich über sich hinauszugehen“, so die drahtige Trainerin, die zudem eine Instruktorin von Dynamo Cycling ist, einer 2015 in Paris entworfenen Indoor Cycling­Spielart. Indoor­ Dyna… was? Clotilde er er­ klärt die Zutaten: „Ein dunkler Raum, exakt 43 Personen, die ihren Tag beginnen oder be­ enden und die bereit sind, körperlich total loszulassen. Ein leidenschaftlicher, mit­ reißender Trainer. 45 Minuten extrem intensive körperliche Anstrengung indoor auf einem Standrad. Und eine saugute Playlist.“ Das Resultat? Eine Revolution im Kopf. Die Musik ist die Basis. „Keine Playlist – kein Dynamo­Cycling­Kurs“, sagt Clotilde, die die Sessions als Experiment betrachtet. „Ich erlebe oft einen trance­ artigen Zustand, mein Körper zittert, ich habe Tränen in den Augen … häufig höre ich mich rappen, wenn ich rede, und das alles passiert völlig un­ bewusst. Ich bin so losgelöst, dass ich keine Anstrengung mehr spüre. Dieses Gefühl möchte ich bei allen 43 Per­ sonen auslösen – und durch die Musik noch verstärken.“ @chaumetclotilde

PIERRE-HENRI CAMY

„Bewegung, Geist und Hip-Hop werden eins“: Yoga im Stil von Clotilde Chaumet.


Zukunft gibt’s um den Preis einer Harley: Die Johammer J1 cruist in ihrer eigenen Liga.

JOHAMMER.COM

JUSTIN HYNES

I

rgendwie kommt die Zukunft dann netterweise vertraut daher: Das futuristi­ sche Design des derzeit welt­ weit spannendsten Elektro­ motorrads Johammer J1 sieht aus wie aus den Wellblech­ Überresten eines „Tante Ju“­ Flugzeugs gedengelt. (Es ist freilich Polypropylen, ein thermoplastischer Kunststof Kunststoff.) Die J1 ist die Erfindung des österreichischen Designers Johann Hammerschmid, sie ist emissionsfrei unterwegs und schlau konzipiert: Die Akkus verwandeln sich in ih­ rem zweiten Leben in Energie­ speicher für die hauseigene Photovoltaik Anlage. Das ein­ Photovoltaik­ stufige J1­Getriebe soll ein Leben lang wartungsfrei sein, gesteuert wird über eine zwei­ armige Radnabenlenkung. Die erinnert gemeinsam mit den hoch liegenden Lenkerenden samt Rückspiegel entfernt an eine Schnecke – behaupten

Johammer J1 böse Zungen und verweisen augenzwinkernd auf den für ein Bike der Über Über­20.000­Eu­ ro­Preisklasse bescheidenen Topspeed von 120 km/h. Doch darauf kommt es nicht an. „Die J1 beruht auf drei Prinzipien: maximaler Verwertung, Recyclebarkeit und Energieeffizienz“, sagt Hammerschmid. „Kein Ver Ver­ schleiß, kein Lärm, keine Abgase. Niemand wird ge­ nervt. Man genießt einfach den Ride.“ Was für eine Aussicht! johammer.com

Zweite Ebene im Rückspiegel: die Instrumente THE RED BULLETIN

Erdnuss, Schnecke, Flugzeug? Das Bike der Zukunft ist elektrisch, wartungsfrei und österreichisch.

AUS DEM LAND AM STROME

Wartungsfrei: E-Antrieb/Regler im Hinterrad

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BULLEVARD BAUCHSPECK ZU HAUSE RÄUCHERN 1 2 kg Schweinebauch mit Salz, Zucker und Nitrat* einreiben.

J

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3 Pack das Fleisch 5–7 Tage in einen geschlossenen Behälter und wende es täglich, damit alles gut einzieht. 4 Spüle die Gewürze mit Wasser ab und trockne das Fleisch 1–2 Tage im Kühlschrank. 5 Räuchere bei 155 °C für 2–3 Stunden – ein Weber Smoker ist gut geeignet. Fertig! *Man muss Nitrat nicht verwenden, doch man sollte, denn es verzögert die Oxidation. Wer Bauchspeck ohne Nitrat pökelt, erntet graues Fleisch.

Das Fleisch für die mediterran inspirierte Charcuterie im Cure stammt natürlich aus der Region.

Severino erö≠nete das Cure im Dezember 2011 in Lawrenceville, Pittsburgh.

Gut abschneiden

Justin Severino musste Vegetarier werden, um zu lernen, wie man Fleisch richtig behandelt.

FLEISCH MIT GEWISSEN THE RED BULLETIN

ANDREAS TZORTZIS

Fleisch kam portioniert, im Vordergrund standen andere Dinge. Das hat sich zum Glück geändert. Köche lernen wieder alte, traditionelle Techniken. Das ist gut für alle: Tiere, Bauern, Köche und Konsumenten.“ curepittsburgh.com

ADAM MILLIRON

ustin Severino beliefert einige der besten US-Restaurants mit exquisiten Wurstund Fleischspezialitäten, der sogenannten Charcuterie, und macht damit in jeder Hinsicht ein Schweinegeld – obwohl er ein Jahr lang als Qualitätskontrollor ausfiel: Amerikas „King of Charcuterie“ lebte zwölf Monate als Vegetarier. Erst seit er Chefkoch und Besitzer der renommierten Restaurants Morcilla und Cure in Pittsburgh, Pennsylvania, ist, isst er wieder Fleisch. Wie gerade er auf die Idee kam, Vegetarier zu werden? „Ich arbeitete damals in einem extrem guten Restaurant“, erzählt der Italoamerikaner, „und irgendwann begann mich zu interessieren, woher das Fleisch eigentlich kommt. So erfuhr ich all diese grausamen Dinge über die Massentierhaltung. Das war ein Schock. Ich schmiss den Job hin und schwor mir, kein Fleisch mehr anzurühren, bis ich es aus einer wirklich ethisch verträglichen Quelle beziehen kann.“ Severino ging die Sache konsequent an: Er lernte das Züchten, Töten und Verarbeiten seiner eigenen Tiere, vor allem von Schweinen, nach höchsten ethischen Standards. Und damit kein Stück in der Tonne landete, eignete er sich an, Fleisch haltbar zu machen, und gründete eine Fleischerei in Santa Cruz, Kalifornien, die er drei Jahre führte. Heute kooperiert er mit ausgewählten heimischen Bauern, verarbeitet das Fleisch in seinen Restaurants und berät einige Celebrity-Köche auf dieser Welt, etwa den Australier Curtis Stone. „Früher hatten Köche einen abstrakten Bezug zu Fleisch“, sagt Severino. „Man schlachtete oder räucherte nicht selbst, musste man auch nicht. Das

2 Gib Ahornsirup, schwarzen Pfeffer und Bourbon dazu.


STREET FOOD FESTIVALs TOUR2017 Bern Freigelände BernExpo 18.08.-20.08. Aarau Altstadt 01.09.-03.09. Basel Messegelände

04.08.-06.08.

07.09.-09.09.

Bellinzona Piazza del Sole

29.09.-01.10.

Thun

Lachenwiese Charity Partner:

STREETFOOD-FESTIVALS.CH

#nofoodwaste


NERVEN AUS STAHL

Testpiloten sind die Pioniere der modernen Luftfahrt. Sie sind die Ersten, die neue Flugzeuge fliegen und deren technische Limits festlegen. In der kalifornischen Mojave-Wüste lernen sie, wie man Düsenjäger außer Kontrolle bringt und im Sturzflug Daten sammelt. Ziel der Ausbildung: gelassen bleiben, egal wie schlimm dein Tag wird. TEXT: ANDREAS ROTTENSCHLAGER FOTOS: JIM KRANTZ


T-38-Trainingsjet der National Test Pilot School über der ­Mojave-Wüste, Kali­ fornien: Erfahrungen sammeln in den Grenzbereichen der Physik



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„WIR TASTEN UNS AN LIMITS HERAN. UND SUCHEN NACH DEN FEHLERN.“ Aufgenommen mit einer GoPro Hero5: Test­ piloten­Ausbilder Jim Brown, genannt „JB“, 62, im Cockpit der Northrop T­38. Was ihn überleben lässt? „Instinkt. Jahrelanges Training. Die Fähig­ keit, schneller zu denken als das Flugzeug.“




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PRÄZISION, MUT, HOCHKOMPLEXES FACHWISSEN: NUR WENIGE SCHAFFEN DEN JOB. Im Uhrzeigersinn von links: T-38 über dem Rainbow Canyon, Kalifornien. Helikopter bei der Startvorbereitung vor der Flugschule. Ein L-39-Trainings-Jet landet am Mojave Air & Space Port.

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A n seinem schlimmsten Arbeitstag trennen Jim Brown zwei Zehntelsekunden vom Tod. Es ist der 10. Oktober 2003, ein warmer Nachmittag in Kaliforniens Mojave-Wüste. Brown, 49, Testpilot bei Lockheed Martin, soll die Flügelspannung eines F-22-Kampfjets bestimmen. Ein Routineeinsatz, auch wenn der Testplan wie der durchgeknallte Stunt aus einem Hollywood-Drehbuch anmutet. Brown soll mit dem 240 Millionen Dollar teuren Düsenjäger die Schallmauer durchbrechen und die Maschine auf den Rücken drehen, ehe er eine Rolle um die Längsachse ausführt, die er am Ende des Manövers mit einem Ruck am Steuer Steuerknüppel abstoppt. Sensoren messen die Schwingung, die dabei in den Tragflächen entsteht. Es geht um Millimeter. Am Boden analysieren die Lockheed-Ingenieure die Daten in Echtzeit. Brown hat das Manöver zwei Stunden lang im Simulator geübt, als er um 13 Uhr von der Startbahn der Edwards Air Force Base abhebt. Der Himmel ist aquamarinblau. Die Sicht perfekt. 45 Minuten später durchbricht Brown die Schallmauer, im Cockpit des Hightech-Düsenjägers spürt man davon nur ein leichtes Rumpeln. Brown dreht die Maschine auf den Rücken. Sein Himmel ist jetzt karger Wüstenboden, seine Erde blauer Himmel. Über Funk gibt der Test-Ingenieur das Kommando durch: „Three – two – one – go!“ Brown kippt den Steuerknüppel nach rechts. Die Maschine dreht sich. Sofort merkt Brown, dass etwas nicht stimmt. Die Maschine rollt viel zu langsam, neigt ihre Nase Richtung Erde. Brown schießt mit Über Über28

NATIONAL TEST PILOT SCHOOL: DIE FAKTEN 2200 TESTPILOTEN

gibt es weltweit. Die National Test Pilot School in Mojave (NTPS) ist die einzige Schule, an der Zivil- und Militärpiloten aus mehreren Ländern gemeinsam lernen.

50 WOCHEN

dauert der „Professional Course“ für das Testpiloten-Master-Diplom. Kosten pro Student: eine Million Dollar.

750

FLUGSTUNDEN und technisches Wissen auf Bachelor-Niveau sind Voraussetzungen für die Anmeldung. Der Masterkurs richtet sich an Profis.

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FLUGZEUGTYPEN

umfasst die Flotte der NTPS. Neben Flügen in Helikoptern und Überschall-Jets stehen Physikund Simulator-Stunden auf dem Lehrplan.


JAKE MERRY

HELIKOPTERSTUDENT Der Australier, 32, über Theorie und Risiko im Testpiloten-Training. THE RED BULLETIN: Sie sind

Master-Student an der National Test Pilot School in Mojave. Was zeichnet einen guten Testpiloten aus? JAKE MERRY: Gute Nerven, technisches Fachwissen und dass er seinem Fluggerät in Gedanken immer voraus ist. Als Testpilot erkunden Sie die Grenzbereiche neuer Maschinen. Wie minimieren Sie das Risiko, wenn Ihnen sämtliche Erfahrungswerte fehlen? Durch Simulatoren-Tests und Studium der Theorie. Unsere Technikkurse haben das Niveau einer Ingenieurausbildung. Ich finde es spannend, 800 Seiten dicke Handbücher zu lesen. Warum? Weil mich Details interessieren. Außerdem kann dir dieses Detailwissen das Leben retten. Das motiviert zusätzlich.


MARCO LISI

FLUGZEUGSTUDENT

Der Italiener, 32, weiß, warum sein Kurs eine Million Dollar kostet. THE RED BULLETIN: Herr Lisi,

Ihr Arbeitgeber bezahlt eine Million Dollar für Ihre Testpiloten-Ausbildung. Was bekommt er dafür? MARCO LISI: Einen Piloten, der sämtliche Trägerflug­ zeuge auf hohem Niveau testen, bewerten und besser machen kann. Sie sind Eurofighter-Pilot, was nutzen Ihnen Flugstunden in Cessnas? Je mehr Flugzeuge du studierst, desto besser wirst du. Ich mag die Handarbeit in leichten Maschinen, bei denen man im Cockpit jeden Windstoß spürt. Sie werden später trotzdem eher mit Mach 1 fliegen. Wie gehen Sie mental mit den Gefahren Ihres Berufs um? Ich will nicht lügen: Du brauchst gute Nerven für den Job. Darüber hinaus gilt: Nimm jede noch so kurze Trainingseinheit ernst.

Oben: EurofighterPilot und TestpilotStudent Marco Lisi im Hangar in Mojave. Rechts oben: Ausbilder Jim Brown im Cockpit einer L-39 Albatros der Flugschul-Flotte. Unten: Reifenspuren am Runway des Mojave Air & Space Port in Kalifornien


JIM BROWN

AUSBILDERLEGENDE schallgeschwindigkeit auf den Wüstenboden zu. Schon nimmt die karge Landschaft sein gesamtes Sichtfeld ein. Brown starrt auf einen Kaktus, er erkennt Umrisse, Zweige. Brown reißt den Steuerknüppel mit voller Kraft nach links. Die Fliehkraft drückt seinen Körper mit dem Achtfachen seines Gewichts in den Sitz. Brown zwingt den Jet wieder in den Steigflug. Aus der Atemmaske schießt Sauerstoff in seinen Rachen. Nach der Landung berechnet Brown die Zeit, die ihn vom Aufschlag getrennt hat. Zwei Zehntelsekunden. Die Dauer eines Augenzwinkerns. Oder das Lesen eines kurzen Wortes: Huh!

M

ojave, Kalifornien, dreizehn Jahre später. Jim Brown, 62, Ausbilder an der National Test Pilot School, steht vor einem Flugzeughangar und analysiert seinen Beinahe-Crash: „Mich haben damals drei Dinge gerettet“, sagt er. „Instinkt. Jahrelanges Training. Die Fähigkeit, schneller zu denken als das Flugzeug.“ Brown, ein großer Mann mit kurzem grauen Haar, dessen Gesichtszüge ein wenig an den ehemaligen Präsidenten George Bush erinnern, ist einer der erfahrensten Testpiloten der USA. 9300 Stunden im Cockpit. Lizenzen für 152 Flugzeugtypen. Brown war an der Entwicklung der THE RED BULLETIN

F-22 beteiligt, des modernsten Jagdflugzeugs der Welt. Er flog wendige Cessnas, Linienmaschinen mit 300 Passagieren und testete die Navigationssysteme des achtzig Millionen Dollar teuren F-117-Tarnkappenbombers. Wer über Nervenstärke, Präzision und mentale Spitzenleistungen von Testpiloten sprechen will, ist bei Brown richtig. Testpiloten sind die Ersten, die neue Flugzeuge und Helikopter fliegen und deren technische Limits erkunden. Wie schnell fliegt das Fluggerät? Wie hoch steigt es? Wie verhält es sich im Sturzflug? Sind die Checks beendet, schreiben Testpiloten an den technischen Handbüchern der Flugzeuge mit. Sie decken Fehler auf, geben Entwicklern präzises Feedback. Oder wie es Brown ausdrückt: „Du musst Ingenieuren erklären, dass ihr Baby hässlich ist, ohne sie zu verärgern. Wir arbeiten für die Sicherheit des jungen Piloten, der seine Maschine im Sturm nach Hause bringen muss. Oder für die Crew am Steuer einer Boeing, die Familien in den Urlaub fliegt.“ Den Spagat aus fliegerischem Können, technischem Detailwissen und Mut schaffen nur wenige Menschen. Nachdem Brown 2016 bei Lockheed aufgehört hatte, dauerte es nur zwei Stunden, bis sein Handy klingelte. Männer mit Browns Erfahrung sind extrem rar. Am Ende des Gesprächs bot man ihm einen neuen Job an: Elite-Studenten zu Testpiloten ausbilden.

Der US-Testpilot, 62, über seine Karriere in 152 Flugzeugen. THE RED BULLETIN: Herr

Brown, was war Ihre höchste Reisegeschwindigkeit in einem Jet? JIM BROWN: Mach 2, also rund 2400 km/h, in einer F-4. Und ich war in einer F-15 auf 70.000 Fuß Höhe (ca. 21,3 Kilometer), da siehst du schon die Krümmung der Erde. Welche Kleidung tragen Sie auf Überschallflügen? Baumwoll-Unterwäsche, den Fliegeranzug aus feuerhemmenden Fasern und einen Druckanzug, der verhindert, dass dein Blut bei hohen g-Kräften in Arme und Beine gepresst wird. Das Blut brauchst du nämlich im Kopf. Was muss ein Testpilot besser können als ein sehr guter normaler Pilot? Viele verschiedene Flugzeugtypen sehr präzis fliegen: etwa die Geschwindigkeit auf 3 km/h genau halten, bei einem Speed von 1000 km/h.

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WIE MAN NOTFÄLLE ÜBERLEBT? „MIT SELBSTDISZIPLIN“, SAGT JIM BROWN.

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Browns Arbeitgeber, die National Test Pilot School, ist die einzige zivile Testpilotenschule der Welt. Sie betreibt fünf Hangars in Mojave, einem Wüstenstädtchen zwei Autostunden nörd‑ lich von Los Angeles. Eine Tankstelle, modrige Motels. Niemand würde hier freiwillig Halt machen, gäbe es nicht den Mojave Air & Space Port. Seine Runways zielen direkt in die Wüste, Amerikas legendärste Flugtestzone. Chuck Yeager durchbrach hier 1947 als erster Mensch die Schallmauer, der junge Testpilot Neil Armstrong pilotierte die aggressiven Raketenflieger der X‑15‑Reihe, bevor er als erster Mann auf dem Mond unsterblich wurde. An der National Test Pilot School lernen Flug‑ zeug‑ und Helikopterpiloten aus der ganzen Welt, wie man exakt beobachtet, präzises Feed‑ THE RED BULLETIN


back gibt und einen kühlen Kopf bewahrt – in Situationen, in denen 99 Prozent der Menschen ihre Nerven wegwerfen. Wie man das schafft? „Selbstdisziplin“, sagt Brown. „Nimm dir ein paar Augenblicke Zeit. Atme tief durch. Es gibt wenige Situationen, in denen du in Bruchteilen einer Sekunde Entscheidungen treffen musst.“ Auch in Notfällen? „Besonders in Notfällen“, sagt Brown. „Man kann jedes Problem schlimmer machen, indem man voreilig handelt. Krieg deinen Kopf frei. Bestimme das Hauptproblem. Versuch es zu lösen.“ Seine Erfahrung gibt Brown unter anderem an die Studenten des Professional Course weiter. Ein 50-Wochen-Lehrgang mit Flugtheorie, SimulatorTraining und Einsätzen in dreißig verschiedenen THE RED BULLETIN

Fluggeräten. Der Kurs endet mit einem MasterDiplom und kostet eine Million Dollar. „Du kannst dir vorstellen, dass Firmen und Militärs nur ihre besten Piloten schicken“, sagt Brown und grinst. Wer sind die Millionen-Dollar-Studenten? „Rede mit Marco.“

L-39-Jet über dem Mojave Air & Space Port in Kalifornien. Die drei Runways liegen am Eingang zur Mojave-Wüste, der legendärsten Flugtestzone der Vereinigten Staaten.

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er Millionen-Dollar-Student heißt Marco Lisi, 32, TestpilotenAnwärter der italienischen Luftwaffe. Sportliche Figur, blaue Augen, fester Händedruck. Gerade ist er auf dem Weg zum Training. Lisi soll eine Aermacchi Impala über der Wüste außer Kontrolle bringen und ihren Sturzflug studieren. Die Impala ist ein zweisitziger Jet-Trainer aus den 33


1960ern, dessen Rumpf an eine Zigarre erinnert. „Man kann sie relativ stabil taumeln lassen“, sagt Lisi. Es gibt YouTube-Videos der Impala-Tests. Man sieht die Zigarre hoch über dem Wüstenboden schweben. Dann kippt die Nase nach unten. Die Maschine beginnt sich wie ein Korkenzieher zu drehen, während sie auf die Erde zurast. Vier, fünf, sechs Spins – dann fängt sie der Pilot wieder auf. Die Schwierigkeit dabei: Testpiloten müssen das Flugzeug nicht nur retten, sondern während des Sturzfluges so gelassen bleiben, dass sie später von den Turbulenzen erzählen können. Wie schnell dreht sich der Jet? In welchem Winkel? Wie lange dauert es, bis Kontroll-Inputs greifen?

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er Mensch hat nur Panik vor Dingen, die er nicht kennt“, sagt Lisi. „Diese Panik kannst du schrittweise abbauen. Du lernst die Physik der Impala. Fliegst die Spins im Simulator. Nimmst den Ausbilder auf dem Rücksitz mit. Beginnst mit nur einer Drehung. Je sicherer du wirst, desto weiter öffnet sich dein Wahrnehmungsfenster.“ Tatsächlich strahlen Lisis Augen, wenn er von Sturzflügen erzählt. Nach dem Ende seiner Ausbildung wird er Eurofighter in Italien testen. Man zweifelt keine Sekunde daran, dass ihm der Job Spaß machen wird. Noch mal ein fester Händedruck. Abgang Marco Lisi. Der Nachmittag, im Hangar. Der aggressivste Jet in der Testschulen-Flotte ist die Northrop T-38, ein zweisitziger Überschalltrainer mit spitzer Nase und rasiermesserdünnen Flügeln. Jim Brown und sein Copilot werden ihn heute durch den Rainbow Canyon pilotieren, um Niedrigflugmanöver zu üben. Browns Flugziel ist eine fünf Kilometer lange Spalte aus Vulkangestein im Herzen der MojaveWüste. Seit zwanzig Jahren nutzen Jetpiloten den Rainbow Canyon für ihre Manöver. Es ist der beste Platz, um Düsenjäger im Niedrigflug zu beobachten, im legendärsten Testgebiet der USA. Schon am Vormittag postieren sich Flug-Fans mit Campingstühlen und großen Kühltaschen entlang der Schlucht und bringen ihre Teleobjektive in Stellung. Enthusiasten erkennt man an den Funkgeräten, mit denen sie den Bordfunk der Piloten anzapfen. Irgendwann ertönt ein Grollen in der Luft. Die T-38 ist zunächst nur als Punkt am Horizont auszumachen, ehe sie die Hügelkette überwindet und tief in den Canyon taucht. Die Zuseher blicken von oben auf das Cockpit. Wende links, 34

ED SOLSKI

FLUGTRAINER

Der TestpilotenCoach, 65, über Instinkt und brennende Triebwerke. THE RED BULLETIN: Herr

Solski, was sind die wichtigsten Lektionen, die Sie Ihren Testpiloten-Studenten mitgeben? ED SOLSKI: Trau deinen Instinkten. Sprich offen über Fehler. Kommuniziere klar und exakt. Ein Testpilot muss Feedback verständlich weiter­ geben können. Er ist der Übersetzer zwischen Flug­ zeugbauern und den späteren Piloten. Sie haben über 8000 Flugstunden gesammelt. Wann mussten Sie Ihr Können zuletzt voll ausreizen? 1998 auf einem Über­ stellungsflug in Kanada, als beide Triebwerke meiner F­18 über bewohntem Gebiet Feuer fingen. Was denkt man in so einem Moment? Ein Triebwerk? Okay. Aber beide? Das muss ein böser Traum sein. Ich konnte das Flugzeug trotzdem landen. Das Bier an diesem Abend schmeckte besonders gut.

Wende rechts, dann schießt Brown mit 800 Kilometern pro Stunde aus dem Canyon, über die Köpfe der Menschen hinweg steil in den Himmel. Allein der Sound reicht, um die Kräfte des Düsenjägers zu erahnen. Eine T-38 in Bodennähe klingt wie eine Kreissäge, die Metall schneidet, abgespielt über den Verstärkerturm eines Motörhead-Konzerts. Als der Donner verklingt, ist Browns Flugzeug nur noch ein Punkt am Himmel. Später, im Lehrsaal der Test Pilot School. Brown spricht über den Canyon-Tiefflug: „Du musst den Flugpfad antizipieren und trügerischen Schatten ausweichen. Der Copilot gibt dir Speed und g-Zahl durch. Du konzentrierst dich allein auf die Landschaft und deine Auge-Hand-Koordination. Dein Job ist es, nicht an der Wand einzuschlagen.“ THE RED BULLETIN


Brown sagt, jeder erfahrene Testpilot kenne Geschichten von Abstürzen. Er selbst verlor 2009 einen Freund bei einem Jet-Crash. Brown klopfte damals an die Tür der Witwe. Testpiloten verarbeiten Trauer unter anderem mit intensiven Feedbacks. Über jeden ihrer Flüge existieren Aufzeichnungen und Daten. Brown flog das Manöver seines toten Freundes im Simulator. Arbeitete an Lösungen, beschrieb mögliche Ur Ursachen, wertete Statistiken aus. Ein Jahr nach dem Crash trat Brown ans Podium der Society of Experimental Test Pilots, des Clubs für Testpiloten aus mehr als dreißig Ländern. Brown sagt: „Ein Grundpfeiler des Testpiloten-Daseins ist das Teilen von Fehlern. Nicht nur nach Unfällen, sondern im täglichen Leben und in der Ausbildung. Dein Team profitiert von Fehlern. Es muss immer Erkenntnisse geben.“ THE RED BULLETIN

Es ist vielleicht die wichtigste Lektion des Testpiloten-Berufs: Selbst schlimme Fehler bieten Chancen zur Entwicklung. Später am Abend spaziert Brown über den Runway der Testschule, der noch immer die Wärme der Mittagssonne ausstrahlt. Brown holt sein Logbuch aus der Jackentasche. Es enthält Daten, Flugzeugtypen und Kommentare zu jedem seiner Flüge, notiert mit der makellosen Handschrift einer Volksschullehrerin. Die Informationen sind präzise und emotionslos. Seinem Beinahe-Crash von 2003 hat Brown ganze drei Worte gewidmet: Near ground impact. Brown sagt, er habe damals keine Sekunde ans Aufhören gedacht. Es gäbe genug Arbeit für Testpiloten. Laut dem Eintrag in seinem Logbuch saß er acht Tage später wieder im Cockpit. www.ntps.edu

Testpiloten-Trainer Ed Solski im Cockpit der Aermacchi Impala. Studenten bringen den Jet über der Wüste gezielt außer Kontrolle und analysieren, wie sich das Flugzeug im Notfall verhält.

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KATHERYN DIE GROSSE

KATHERYN WINNICK ist der Kriegerin, die sie in „Vikings“ spielt, privat ­erstaunlich ähnlich. Das Geheimnis der kana­dischen Schauspielerin und Taekwondo-­Meisterin: Sie schafft es, ihre Visionen wahr zu machen. Text: Nora O’Donnell  Fotos: Miko Lim 

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Lange bevor sie zur furchtlosen Schildmaid in der Hit-Serie „Vikings“ wurde, weckte Katheryn Winnick ihre innere Kriegerin. Mit sieben begann sie, die in den Vororten von Toronto aufwuchs, Taek Taekwondo zu lernen, mit gerade 21 betrieb sie drei Kampfsportschulen. Ein paar Jahre später wechselte sie in die Schauspielerei, angelte sich zahlreiche Film- und Serienrollen (etwa in „CSI“, „Law & Order“, „Dr. House“, „Bones – Die Knochenjägerin“ und „Person of Inter Interest“) und beeindruckte in einigen davon auch mit ihrer Kampf Kampfkunst. Aber erst in „Vikings“ fand die heute Neununddreißigjährige als Lagertha schließlich eine Rolle, die ihrer ganzen mentalen und physischen Stärke Ausdruck verlieh. Während der Dreharbeiten für die fünfte „Vikings“-Staffel in Irland verriet Winnick, warum sie sich vom gnadenlosen Hollywood-Showbiz nicht stressen lässt, erzählte von ihrem neuen Film „Der Dunkle Turm“ und wie es ist, sich als Tattoo auf der Brust eines anderen zu sehen. the red bulletin: Deine Eltern brachten deine ganze Familie dazu, Taekwondo zu machen. Ist das nicht eine ungewöhn­ liche Art, als Familie Zeit miteinander zu verbringen? katheryn winnick: Überhaupt nicht! Taekwondo ist eine der wenigen Sportarten, die Kinder und Erwachsene gemeinsam trainieren können. Ich finde, jede Familie sollte gemeinsam Taekwondo machen, kaum etwas schweißt so zusammen. Du hast mit sechzehn deine erste Taekwondo­Schule ge­ gründet. Lag auch dieser Gründergeist in der Familie? Definitiv. Mein Vater war Unternehmer, von ihm lernte ich, was es heißt, Risiken einzugehen. Aber damals erschien es mir nicht so riskant, eine eigene Schule zu gründen, weil ich ja ein Dach über dem Kopf hatte und eine Familie, die für mich da war. Wir stammen aus einfachen Verhältnissen, ich hatte also keine finanzielle Unterstützung, dafür aber emotionale. Und meine Mutter half mir bei der Buchhaltung. Ich wollte Herrin über mein

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eigenes Leben sein, und das geht nur, wenn du dein eigener Boss bist. Was ich damals kannte, war Taekwondo – das nahm ich und machte das Beste daraus. Arbeitete, arbeitete, arbeitete. Ich wusste immer schon: Niemand schenkt dir etwas. Du musst dir alles hart erarbeiten. Die Schauspielerei kann ein ziemlich eigenartiger Beruf sein, der totale Stress während Dreharbeiten wechselt oft ab mit monatelangen Pausen. Wie bleibst du fokussiert, wenn du nicht arbeitest? Ich arbeite immer, deshalb fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Wenn ich nicht vor der Kamera stehe, bin ich eben Unternehmerin. Jetzt zum Beispiel baue ich eine Schule namens Win Kai Self Defense auf, in der Frauen Selbstverteidigung lernen. Die Ideen gehen mir sicherlich nicht aus! Ist dir diese Art von Unabhängigkeit wichtig, weil in der Filmbranche so viele Frauenkarrieren ein natürliches Ablaufdatum haben? Ich spüre diesen Druck nicht. Vielleicht, weil ich schon immer fest davon überzeugt war, dass ich die Einzige bin, die über mein Leben entscheidet. Niemand hat mir je irgendwas geschenkt, ich musste mein Handwerk lernen, vorsprechen und für alles kämpfen. Das ist meine Art, an Dinge heranzugehen, egal in welchem Bereich. Angst davor haben, etwas zu verlieren, ist das Falscheste, was du tun kannst. Das Leben steckt doch voller Möglichkeiten – manchmal kann ich vor lauter Ideen gar nicht schlafen! Du musst diese Möglichkeiten nur erkennen und sie ergreifen. Mein Vater brachte mir schon früh bei, THE RED BULLETIN


„Niemand schenkt dir etwas. Du musst dir alles hart erarbeiten.“


„Mein Vater brachte mir schon früh bei, dass ­deine Träume nur so groß sein ­können wie deine kühnste Vision.“

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„Herrin Ăźber dein eigenes Leben kannst du nur als dein eigener Boss sein.“


dass deine Träume nur so groß sein können wie deine kühnste Vision. Also warum nicht versuchen, die beste Version deiner selbst zu erschaffen? Selbst wenn das vielleicht nicht ganz gelingen sollte, glaube ich, dass du damit einen ziemlich großen Schritt in die richtige Richtung machst. In welchen Momenten fühlst du dich am stärksten? Wenn mir bewusst ist, wer ich bin und was ich will. Ich glaube, viele Menschen interpretieren das Wort „stark“ falsch. Sie denken an einen inneren Schutz­ wall. Doch du kannst auch stark sein, wenn du sanft bist, solange du nur weißt, was du willst und was nicht. Es gibt dir Macht, wenn du Selbst­ vertrauen hast und das offen zeigst. Ich fühle mich etwa am stärksten, wenn ich aufwache und un­ geschminkt bin. Ich muss nichts auf mein Gesicht schmieren, ich fühle mich wohl, so wie ich bin – auch wenn ich im Pyjama herumlaufe. Weil ihr gerade „Vikings“ in Irland dreht: Was sagst du dazu, dass dir deine Verehrer vor lauter Zuneigung sogar Tattoo-Kunstwerke widmen? Es ist überwältigend, dass es da draußen solche Hardcore­Fans gibt – und das überall auf der Welt, in jeder Kultur. Es ist manchmal echt faszinierend, überhaupt, wenn ich mindestens ein­ oder zweimal die Woche ein neues Tattoo sehe. Das verrückteste, das dir je untergekommen ist? Auf der Comic­Con hob ein Fan sein Hemd und zeigte mir auf seiner Brust ein Tattoo von Lagertha in der Opferszene (Staffel 4, Episode 18; Anm.). Ich fand es ein wenig verrückt, mich auf dem Körper eines anderen zu sehen. Aber ich will keine Spiel­

THE RED BULLETIN

„Es gibt dir Macht, wenn du Selbstvertrauen hast.“ verderberin sein, wenn sie sich solche Mühe geben. Ich finde es bloß er er­ staunlich, dass sie mich ihr ganzes Leben lang auf ihrem Körper behal­ ten wollen. Apropos Fankult: Du spielst in „Der Dunkle Turm“ mit, einem Film, der auf Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Saga beruht. Wie war es, bei der Verfilmung eines derart beliebten Werks dabei zu sein? Wie groß der Film eigentlich ist, kapierte ich erst, als wir in Kapstadt zu drehen begannen. Das Casting war schnell vorbei gewesen, und als ich zum eigentlichen Dreh nach Süd­ afrika kam, wurde mir erst bewusst, wie viele Fans diese Reihe um den Revolvermann und den Mann in Schwarz hat. Ich bin auch Stephen­ King­Fan, aber ich hatte echt keine Ahnung, dass es so viele sind. Wie war die Arbeit mit Matthew McConaughey und Idris Elba? (Spielen den Mann in Schwarz bzw. den Revolvermann; Anm.) Ein unglaubliches Vergnügen. Ihre Persönlichkeiten verleihen dem Film

eine ganz besondere Note. Die Fans haben lange auf die Verfilmung gewartet, aber sie werden nicht enttäuscht sein. Ich habe gelesen, dass du ein Vision Board (Collage aus Bildern und Stichworten zu den eigenen Zielen; Anm.) hast. Was sind deine aktuellen Zukunftspläne? Einfach weitermachen wie bisher – mit großen Regisseuren arbeiten, gesund und ausgeglichen bleiben. Vielleicht ein Haus kaufen. Es ist erstaunlich: Meine Vision Boards sind bisher immer Realität geworden, alles davon. Ich habe großes Glück gehabt, dass ich bislang alle meine Ziele er er­ reicht habe. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. „Der Dunkle Turm“ läuft ab 10. August im Kino. Folge Katheryn Winnick auf Instagram: @katherynwinnick

styling: Rachel Gold hair-styling: Diego Miranda Hair @BTS Talent make-up: Emily Dhanjal @BTS Talent; verwendete Produkte von Charlotte Tilbury nägel: Nickie Rhodes­Hill assistent des fotografen: Khalil Musa gingham-hemd: Rails jeans: Mango boots: Katheryns eigene lingerie-set & umhang: Laurence Tavernier seiden-top: Oui

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WEGE ZUM RUHM

Was unterscheidet gute Sportler von großartigen? Warum werden die einen Weltmeister und die anderen nicht? Talent allein ist es nicht, meinen die weltbesten Athleten. Der Weg zur Spitze ist vielmehr ein Mix aus Ernsthaftigkeit, Durchhaltevermögen und der Fähigkeit, sich mental „in the zone“ zu bringen. Sportgiganten­ berichten hier, wie du diesen magischen ­Zustand erreichst.

@TOMMYOPHOTO

TEXT: CLYDE BROLIN

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Olympiaheld Usain Bolt: ­absolute Konzen­tration als Superpower


Sport ist die perfekte Metapher fürs Leben.

MACH DIR EIN BILD VON DEINEM ZIEL MICHAEL PHELPS Michael Phelps, der Olympionike mit den meisten Medaillen – 28, davon 23 in Gold –, hatte schon immer Ziele. Als Vier Vierzehnjähriger setzte sich der Amerikaner Zeitlimits bis aufs Hundertstel einer Sekunde – und erreichte sie punktgenau. „Visualisierung war der Schlüssel zu meinen Erfolgen“, erklärt Phelps. „Du überlegst dir vor dem Start, wie dein Rennen ablaufen soll – und wie nicht –, damit du auf alles 46

vorbereitet bist.“ Nutzt du bei deinem mentalen Probelauf alle Sinne, kann das sogar die gleichen Muskeln beanspruchen wie echtes Training – mit dem Unterschied, dass du dabei vielleicht bequem im Bett liegst. Jessica Ennis-Hill, Siebenkampf-Olympiasiegerin 2012: „Wenn ich mir das per perfekte Rennen vorstelle oder den perfekten Sprung, ist das der erste Schritt zur Realität.“ Offiziell angewendet wurde die Technik der Visualisierung erstmals vor fünfzig Jahren in den Ostblockstaaten. Aber es gibt Hinweise, die noch viel weiter zurückreichen: Prähistorische Gemälde zeigen üblicherweise Menschen, die Tiere töten, und nicht umge-

kehrt – auch eine Art mentaler Vorbereitung. „Deine Phantasie ist das Navigationssystem deines Hirns; es kann dich zu deinen Träumen fahren“, sagt Mentalcoach Don Macpherson, der bereits mit Formel-1-Fahrern, Premier-League-Fußballern und Wimbledon-Champions gearbeitet hat. „Was du ‚sehen‘ kannst, kannst du ‚sein‘. Golfer müssen visualisieren, wie der Ball auf dem Fairway landet, nicht im Wasser. Jack Nicklaus, die Golf-Legende, etwa schlug nie einen Ball, bevor er die ,Hollywood-Filme‘ im Kopf durchgespielt hatte. Visualisierung lässt dich Produzent, Regisseur und Held deines Films sein.“ THE RED BULLETIN

CARLOS SERRAO

So abgedroschen der Vergleich von Sport und Leben auch sein mag, so sehr trifft er zu. Wenn es um Visionen geht, um Ziele, um Erfolge und Nieder­ lagen, ist es der Sport, der einer entscheidenden Frage am nächsten kommt: Was unterscheidet Menschen, die ihre Träume leben, von denen, die es nicht tun? Was ist so besonders an denen, die selbst die höchsten Ziele erreichten? Ich verbrachte sieben Jahre mit der Suche nach Antworten auf diese Frage. Ich sprach mit einigen der größten Sportler ihrer Zeit und vielleicht aller Zeiten. Ich wollte herausfinden, was sie so großartig gemacht hat – und was wir von ihnen lernen können. Eine Gemeinsamkeit erstaunte mich beson­ ders: Den Superstars sind nicht immer die offensichtlichsten Momente die wichtigsten. Nicht das erreichte Ziel, sondern der Prozess ist ihnen wichtig – und vor allem die Phasen „in the zone“. Dieser besondere mentale Zustand der totalen Konzentration ist die Heimat der Genialität. Hier sind Künstler am kreativsten, Wissenschaftler am intelligentesten, Sportler am erfolg­ reichsten. Ob du Chefkoch, Krankenschwester oder Lehrer bist, ob du eine Prüfung ablegst oder in der Kneipe Witze reißt – „in the zone“ bringst du deine beste Leistung. Ohne danach zu wissen, warum alles so gut geklappt hat – denn es fühlte sich alles fast wie ein Traum an. Und jetzt die beste Nachricht: Einige der größten Athleten der Welt ver­ raten dir, wie du in diesen magischen Zustand gelangen kannst.


„Visualisierung war der Schlüssel zu meinen Erfolgen.“


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GIB ALLES TONY HAWK Tony Hawk wurde bei den X Games 1999 mit dem ersten 900 der Skateboard-Geschichte zur Legende. Er hatte dafür elf Versuche gebraucht, aber seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Nachdem „Birdman“ den Trick gelandet hatte, hob sein Sport zu einem Höhenflug ab, eroberte Skateparks und Spielkonsolen in aller Welt. Für Hawk gibt es grundsätzlich keine halben Sachen: „Wenn du etwas machst, dann mit ganzem Herzen. Nichts passiert von selbst. Du musst an jedem Trick arbeiten, ihn respektieren und dich voll und ganz einbringen. Das gilt beim Skaten genauso wie im wahren Leben. Egal wie weit du kommst, wo du stehst, du musst üben, durchhalten und dich immer aufs Neue herausfordern. Das ist der einzige Weg zum Erfolg. Manchmal brauchst du dafür länger, als du dachtest, aber irgendwann kommst du an dein Ziel.“ Auch Greg Rutherford, der britische Weitsprung-Olympiasieger von 2012, ist davon überzeugt, dass Unbeirrbar Unbeirrbarkeit, Entschlossenheit und Siegeswille zum Erfolg führen. „Das Problem ist, dass wir zur Zufriedenheit programmiert werden“, sagt er. „Der Satz ‚Jeder ist ein Sieger‘ ist vielleicht sympathisch, aber er bremst unseren Antrieb, mehr erreichen zu wollen. Und wenn wir ehrlich sind: Es gibt keinen Lebensbereich, in dem dieser Satz gültig ist. Wenn sich zwanzig Leute für einen Job bewerben, gewinnt ja auch nur einer.“

THE RED BULLETIN

HARRY HOW/GETTY IMAGES, MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL

„Die Heraus­ forderungen beim Skaten gelten auch im wahren Leben.“


GENIESS ES MARC MÁRQUEZ Wenige haben ihren Sport so verändert wie Marc Márquez, der in seinen ersten vier Moto­ GP-Jahren dreimal Weltmeis­ ter wurde. Dabei sah es 2012 noch ganz anders aus: Die bei einem Sturz erlittene Ver­ schiebung der Netzhaut ge­ fährdete seine Karriere. „Es bestand die Gefahr, dass ich nie wieder hundertprozentig sehe – gut genug fürs normale Leben, aber nicht für den Rennsport“, sagt der 24-jährige Spanier. „Die Reha veränderte mein Denken. Ich sage jetzt immer, wir müssen das Leben genießen, weil wir nie wissen, was passieren wird.“ Dass Spitzensport die, die ihn ausüben, früh reifen lässt, beweist auch Nadia Comăneci, die 1976, mit 14 Jahren, als erste Turnerin der Olympia­ geschichte die Höchstnote ­erhielt: „Wenn du deine ­Leidenschaft und Liebe für das verlierst, was du tust, wirst du unzufrieden sein.“ Erfolg erfordert ein Aus­ maß an jahrelangem, müh­ samem Training, dass du es ohne Freude niemals durch­ ziehen würdest. „Eine nega­ tive Einstellung macht alles ­hundertmal härter“, sagt Missy Franklin, fünffache Olympia­ siegerin im Schwimmen. „Das bezieht sich auf jeden Aspekt deines Lebens. Ich bin dank­ bar für das, was ich im Sport fürs Leben gelernt habe.“

„Wir müssen das Leben genießen, weil wir nie ­wissen, was ­passieren wird.“


LEWIS HAMILTON Der allererste Schritt zum Erfolg ist, unerschütterlich an deinen Traum zu glauben. Denn nicht einmal Superstars sind vor Rückschlägen gefeit. Und genau wie wir haben auch sie diese Stimme im Kopf, die sagt: „Du schaffst das nicht. Lass es besser bleiben.“ „Ich sage zu Kindern: ‚Wenn du einen Traum hast, lass dir von niemandem ein­ reden, dass du ihn nicht leben kannst‘“, sagt Formel­1­Cham­ pion Lewis Hamilton. „Als ich zehn war, sagten meine Leh­ rer zu mir: ‚Du wirst nie Erfolg haben.‘ Tja, ich war anderer Meinung. Was überragende Menschen von allen anderen unterscheidet, ist der Antrieb, das ständige Ziel, Außer­ gewöhnliches zu erreichen.“ Ob in Sport, Musik, Kunst, Wissenschaft oder sonst wo, jeder kann Sportgrößen nach­ eifern – solange er sich vor Augen hält, dass der Weg zu großem Erfolg niemals leicht ist. Es ist wichtig, Zweifler zu ignorieren – darunter sehr oft auch unsere innere Stimme – und einfach weiterzumachen. „Die Leute denken, dass Champions als eigene Spezies auf die Welt kommen“, sagt Sir Chris Hoy, sechsmaliger Olympiasieger auf der Bahn, der mit BMX begann, nach­ dem er „E. T. – Der Außer­ irdische“ gesehen hatte. „Ich war als Kind nicht besonders gut. Aber ich lernte, dass du mehr erreichen kannst, als du dir jemals gedacht hättest, wenn du dich reinhängst und von nichts ablenken lässt.“

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„Die Lehrer sagten: ‚Du wirst nie Erfolg haben.‘ Ich war anderer Meinung.“

STEVE ETHERINGTON, DAN MULLAN/GETTYIMAGES

IGNORIERE DIE ZWEIFLER

THE RED BULLETIN


GLAUB AN DICH NOVAK DJOKOVIĆ Mit fast sechs Stunden war es das längste Grand-Slam-Finale der Tennisgeschichte. Nachdem Rafael Nadal bei den Australian Open 2012 im letzten Satz mit 4:2 in Führung gegangen war, wirkte Novak Djoković endgültig geschlagen. Aber der Serbe gab nicht auf – und holte mit 7:5 noch den Satz und den Sieg. „Im fünften Satz eines Grand-Slam-Finales hat der Körper keine Kraft mehr“, erinnert er sich. „Nur der Wille zum Sieg trägt dich bis ans Ende. Glaub daran, und du findest den mentalen Schub, den du brauchst. Ich war vier Jahre lang die Nummer 3 der Welt, hinter Rafa und Roger Federer. Der Schritt vom Semifinale zum Turniersieg mag klein wirken, ist aber riesig. Ab 2011 begann ich zu gewinnen. Warum? Weil ich begonnen hatte, daran zu glauben, dass ich die beiden bei den Majors schlagen kann.“ Viele Sportgrößen wissen um den Geist als Quelle wahrer Stärke. Beispielhaft verkörpert haben dieses Mindset etwa Muhammad Ali mit seinem Mantra „Ich bin der Größte“ oder Michael Johnson mit seinen goldenen Laufschuhen. „Die Macht des Glaubens macht den Unterschied“, ­betont Steve Redgrave, fünf­ facher Ruder-Olympiasieger. „Immer dranbleiben, bis zum Ende. Dann ist wirklich alles für dich möglich, egal wie ­beschissen die Situation auch aussehen mag.“

„Einfach nicht auf­geben – das macht dich erfolgreich.“


„Dein Fokus ent entscheidet, ob du dein Ziel erreichst.“


BLEIB FOKUSSIERT USAIN BOLT

SIEH DAS GLAS ALS HALB VOLL ALEX ZANARDI

„Meine Beine zu verlieren war für mich eine groß­ artige Chance.“

KALPESH LATHIGRA/GETTY CONTOUR, GARETH COPLEY/GETTY IMAGES

Usain Bolts erste Liebe war Cricket. Aber sobald ihm klar wurde, dass sein Platz auf der Rennstrecke ist, lernte er, sich darauf zu fokussieren – und zwar rasend schnell. Vor Rennen mag Bolt herum­ albern, aber seine Fähigkeit, umzuschalten und sich zu konzentrieren, wenn es darauf ankommt, ist verblüffend. „Nach einem 100­Meter­ Meter Meter­ Rennen kann ich dir von An­ fang bis zum Ende schildern, was um mich herum passiert, so bewusst nehme ich alles wahr“, sagt der Jamaikaner. „Es ist ein tolles Gefühl, genau zu wissen, was dir durch den Kopf geht.“ In diesem sportlichen Nir Nir­ wana fallen dir die härtesten Aufgaben so leicht, als würden sie sich von selbst erledigen.

Die Zeit verlangsamt sich, du wirst eins mit deiner Um­ gebung. Der Schlüssel dazu? Egal wie turbulent es rund um dich zugeht, in dir die totale Ruhe zu finden. „In einer Qualifying­Runde hast du keine Zeit, an etwas anderes zu denken“, sagt der viermalige Formel­1­Champion Sebastian Vettel. „Du musst den Kopf frei bekommen, ab­ solut fokussiert sein auf jeden Meter der Strecke.“ Ebendas ist auch die Basis spiritueller Traditionen wie des Zen­Buddhismus. Deswegen greifen auch immer mehr Athleten auf Achtsamkeits­ techniken zurück, um noch besser zu fokussieren, um „in the zone“ zu gelangen. Freestyle­Motocross­Star Robbie Maddison: „Ich habe diesen Zustand erreicht, indem ich Risiken eingegangen bin. Aber jeder kann ihn durch Meditation erreichen. Wenn du den Geist abschaltest, bist du zufrieden, einfach zu sein.“

„In the Zone: How Champions Think and Win Big“ von Clyde Brolin, Bonnier Books, 17,99 Euro THE RED BULLETIN

Selbst als Ex­F1­Rennfahrer Alex Zanardi 2001 bei einem Horror Rennunfall beide Beine Horror­ verlor, blieb sein Siegeswille ungebrochen. Der Italiener lernte, mit Beinprothesen zu gehen, fuhr bald darauf wieder Rennen, begann in seinen Vierzigern mit dem Handbiken und gewann viermal Paralym­ pics­Gold – all das dank seiner unbändigen Zuversicht. „Der Mensch ist eine un­ glaubliche, in vieler Hinsicht noch unerforschte Maschine“, sagt Zanardi. „Wenn du dich dauernd fragst, warum gerade dir so was Schlimmes passieren musste, bringt dich das nicht weiter. Ich habe immer ver ver­ sucht, das Glas als halb voll zu sehen. Alles, was ich jetzt tue, verdanke ich dieser Fähigkeit. Zugespitzt könnte man sagen, dass der Verlust meiner Beine eine der größten Chancen in meinem Leben war.“ Zanardi hält sich nicht für einen Superhelden: „Jeder kann diese mentale Stärke aufbringen! Das Geheimnis ist, auch dann optimistisch zu bleiben, wenn uns die schreck schreck­ lichsten Dinge widerfahren.“ Das beginnt bei der Wortwahl. „Es ist schwierig, bei sehr schlechten Nachrichten ‚posi­ tiv‘ zu bleiben“, sagt Mental­ coach Don Macpherson. „Doch egal, was du überstehen musst, negative Wörter schwächen dich wie Kryptonit Superman. Unterdrück sie nicht, sondern ersetze sie durch positivere. Kontrolliere deine Wörter, oder sie kontrollieren dich.“ Auch für Parkour Parkour­Superstar Ryan Doyle sind Hindernisse, egal ob wörtlich oder meta­ phorisch, wesentlich: „Sie lehren uns, es noch mal zu ver ver­ suchen, falls etwas schiefgeht. Wir können froh sein, dass wir danach wissen, wie man es nicht macht. Wer’s nach einem Fehlschlag nicht noch einmal probiert, verpasst etwas.“ 53


IM KOPF EINES BÖSEN

SCHWINGEN HAT 800 JAHRE VERGANGENHEIT UND 106 KILOGRAMM ZUKUNFT: JUNGSTAR REMO KÄSER, ­GERADE MAL 20 JAHRE ALT, ERKLÄRT UNS IN 13 WÖRTERN SEIN LEBEN ZWISCHEN ALPHORN UND RAP. DAS ENDE DER KAMERADSCHAFT. UND DIE SEKUNDEN, IN DENEN IHN SEIN NACKEN RETTET. TEXT: STEFAN WAGNER  FOTOS: CHRISTOPH KÖSTLIN



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RESPEKT

Was Schwingen so besonders macht? Das ist vor allem der Zusammenhalt. Unter Schwingern besteht ein Grundsatz der Kameradschaft. Vor und nach dem Gang (dem Kampf; Anm.) sind wir Kameraden, umschalten musst du erst in den letzten Momenten vor dem Kampf, du steigst ins Sägemehl, gibst deinem Gegner die Hand, und dann zählt nur noch, ihn aufs Kreuz zu legen. Nach dem Kampf, wenn man dem Verlierer den Rücken abgewischt hat, ist alles wieder vorbei. Man ist auch nicht nachtragend, egal wie hart der Kampf war. Der Handschlag vor und das Abwischen des Rückens nach dem Kampf sind mehr als nur schöne Gesten. Sie drücken Respekt aus, ehrlichen Respekt. Respekt und Kameradschaft, das sind die wichtigsten Be­ griffe unter uns Schwingern.

SCHWEIZ

Man könnte es so ausdrücken: Am Schwingplatz zeigt sich die Schweiz von ihrer besten Seite. Alle Werte, welche die Schweiz groß gemacht haben, spiegeln sich in unserem Sport. Schwingen ist auch deswegen für so viele Leute inter­ essant, weil es bei uns keine Krawalle gibt. Wir feiern gemein­ same Feste, ohne Pöbelei, da kannst du sogar dein Porte­ monnaie herumliegen lassen, ohne besorgt zu sein, dass es wegkommt. Das Eidgenössische Schwingfest, unser Höhepunkt, alle drei Jahre, ist wie ein Familientreffen mit 300.000 Festival­ besuchern, allein 52.000 davon in der Arena. Viel Heimat­ gefühl, und alle sind auf du.

BÖSE

Die besten Schwinger werden „Die Bösen“ genannt. Wieso? Ich weiß es ehrlich nicht, keine Ahnung. Ich bin doch so ein Lieber! (Lacht.)

LEBENSSCHULE

Schwingen ist eine Lebensschule. Zu hundert Prozent. Schon den jüngsten Schwingern werden Fairness, Kamerad­ schaft, Höflichkeit, Bescheidenheit, Boden­ ständigkeit, Demut beigebracht. Von klein auf, in jedem Training. Du trainierst nicht nur Technik und Kraft, sondern auch nach diesen Werten zu leben. Du lernst auch, dass dir nur geholfen wird, wenn du auch anderen hilfst, und dass du nur auf diesem Weg eine Chance hast, ganz nach oben zu kommen. Nur mit Hilfe deiner Konkurrenten kannst du ein Böser werden. Du musst helfen, dann wird dir geholfen, dann ist allen geholfen.

MÜRBE

Ein Gang dauert normalerweise sechs Minuten. In diese Zeit investierst du alles, was du dir erarbeitet hast. Du bist in diesen Minuten deinem Gegner extrem nah. Du merkst, wie er pocht, du kannst spüren, wie es ihm geht, wie viel Kraft er noch hat. Dann kommt irgendwann der Moment, in der vierten, fünften Minute, in dem du weißt: Jetzt ist er mürbe. Wenn ich jetzt ziehe, fällt er. Nicht, weil mein Schwung so perfekt ist, sondern weil er einfach zu erschöpft ist, um sich auf den Beinen zu halten. Talent bringt dich vielleicht weit, aber Wille bringt dich weiter. Davon bin ich überzeugt. Ich bin keiner, der Gänge schnell gewinnt, mit einem einzigen Manöver. Meine größte Stärke ist meine Ausdauer. Ich bin einer, der den Gegner müde macht, der ihn zermürbt, Sekunde für Sekunde beharrlich an ihm arbeitet. Je länger ein Gang dauert, desto besser für mich.

STIERNACKEN

Remo Käser beim The Red BulletinShooting: „Am Schwingplatz zeigt sich die Schweiz von ihrer besten Seite.“

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Schwingen hat einfache Regeln: Es geht darum, dass du deinen Gegner mit dem Rücken ins Sägemehl drückst. Wer das schafft, hat gewonnen. Umgekehrt heißt das: Du musst unbedingt verhindern, auf dem Rücken zu liegen zu kommen! Wenn dein Gegner einen guten Schwung angebracht hat – es gibt über hundert Tricks und Techniken –, du zum Liegen gekommen bist, weißt, dass du aus der Lage nicht mehr rauskommst, du nichts anderes mehr tun kannst, als dich irgend­ THE RED BULLETIN


Über Arbeits­ moral: „Talent bringt dich viel­ leicht weit, aber Wille bringt dich weiter. Davon bin ich überzeugt.“


Über das Ende der Kameradschaft: „Du gibst deinem Gegner die Hand, und dann zählt nur noch, ihn aufs Kreuz zu legen.“

wie über die Zeit zu retten, dann ent­ scheidet die Kraft des Willens – und die Kraft des Nackens. Du liegst in der Brücke, drückst den Hinterkopf mit aller Kraft ins Sägemehl, um die Schultern vom Boden fernzuhalten. Wir trainieren den Nacken von klein auf, mit der Zeit bekommst du immer stärkere Nacken­ muskeln, einen Stiernacken. Schwingen ist kein besonders gefähr­ licher Sport. Am gefährdetsten sind die Knie, die Kreuzbänder, wenn du mit dem Fuß im Sägemehl stecken bleibst, dann kann natürlich passieren, dass du dir das Knie verdrehst.

ARBEIT

Es gibt ein rundes Dutzend Schwinger, die vom Sport leben könnten. Aber Voll­ profi, das ist trotzdem niemand. Es ist Tradition, dass wir alle einen bürgerlichen Beruf ausüben. Ich habe eine Lehre als Spengler absolviert, jetzt bin ich Prak­ tikant als Videojournalist bei TeleBärn. Diese Arbeit kommt mir sehr entgegen, zumal ich den Kontakt zu Menschen schätze und auch wieder etwas Neues dazulernen kann. Ich finde es richtig, dass wir alle arbeiten. Schwingen ist ein Kraftsport, da kannst du pro Tag ohnehin nicht mehr als zwei oder drei Stunden trainieren, den Rest der Zeit brauchen die Muskeln zur Erholung. Arbeit gibt deinem Tag Struktur, die Zeit einfach mit Games oder dem Handy totzuschlagen wäre falsch. Es ist besser, du nützt die Zeit sinnvoll, in der sich deine Muskeln erholen.

DAVID

„SCHWINGEN IST LEBENSSCHULE. ZU HUNDERT PROZENT.“

Im Schwingen gibt es keine Gewichts­ klassen, da kämpft einer mit 1,60 Metern gegen einen Zwei­Meter­ Meter Mann. Das macht Meter­ es interessant, weil es nicht nur um Kraft geht, sondern auch um Taktik, Technik, Finesse. David gegen Goliath, ja, das gibt es im Schwingen. Natürlich kannst du mit 1,60 Metern niemals Schwingerkönig (Sieger des Eidgenössischen Schwingfests; Anm.) werden, aber du kannst mithalten. Es ist auch nicht gesagt, dass ein Christian Stucki mit seinen fast zwei Metern und 160 Kilo gegen einen gewinnt, der die Hälfte wiegt. Mir sind die Kleinen nicht praktisch. Es fühlt sich für mich an, als hätte ich nichts in den Fingern. Ich kämpfe lieber gegen die Großen, da wirkt meine Kraft in einem anderen Winkel. 59


Über die Kraft der Fans: „Ich werde immer besser, je größer die ­Anlässe sind, ich kann das, mich vom Publikum be­ flügeln lassen.“ Über seine Taktik: „Den Gegner ­zer­mürben, den Gegner abar­ beiten, ihm keine Ruhe geben.“

REMO KÄSER Geboren: 19. 11. 1996 Gewicht: 106 Kilo Größe: 1,89 Meter Partner: Aldi Suisse, Suzuki, Fors, Red Bull, Tissot Der Alchenstorfer Remo Käser ist Sohn des Schwingerkönigs von 1989 (Adrian Käser). Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2016 festigte er vor 52.000 Fans mit Platz drei seine Position als große Zukunftshoffnung. Demnächst zu sehen ist Remo beim Unspunnenfest in Interlaken (unspunnenfest. ch), das nur alle sechs ­Jahre stattfindet.


RAP

Bevor ich in einen Kampf gehe, setze ich mir Kopfhörer auf und höre Rap und House. Das ist natürlich ein extremer Kontrast, draußen die Volksmusik und die Alphörner, drinnen in den Kopfhörern Rap. Aber ich brauche das zum Aufladen. Vor einem Kampf Volksmusik zu hören, das ginge nicht, ich brauche ja ein gewisses Tempo, ich muss mich ja pushen, es geht um die beats per minute, wach sein, bereit sein, da gehört schon was Schnelleres her.

ZERMÜRBEN

Wichtig ist, dass du immer am Kämpfen bist. Dass du immer weiterkämpfst, weiterarbeitest an deinem Gegner, am Sieg. Den Gegner zermürben, den Gegner abarbeiten, ihm keine Ruhe geben. Natürlich ist das manchmal hart, wenn du sechs solche Kämpfe an einem Tag hast, beim Eidgenössischen sogar acht an zwei Tagen, aber das ist mein Weg zum Erfolg. Das Kämpferherz, die Ausdauer, bis der Gegner nicht mehr weiß, wie er stehen soll. Und dann den entscheidenden Schwung anbringen. Ein Trainer hat einmal gesagt, meine größte Schwäche ist mein großer Ehrgeiz. Das stimmt vielleicht. Ich weiß, was er damit gemeint hat: Ich habe früher oft hinter dem Rücken meines Trainers trainiert. Wenn er gesagt hat, morgen ist Pause, da regenerierst du, war ich trotzdem heimlich im Krafttraining. Wenn er mich danach gefragt hat, ob ich wirk wirklich pausiert habe, habe ich es ihm gestanden, weil lügen kann ich ja auch nicht. Erst in der letzten Zeit habe ich gelernt, die Regenerationszeiten besser einzuhalten. Ich habe auch gelernt, auf andere zu hören, Rat anzunehmen, ich bin jetzt weniger stur.

PROMINENZ

Vor 50.000 Leuten in eine Arena hineinzumarschieren, da läuft es dir schon eiskalt den Rücken runter. Ja, da bist du nervös, im ersten Kampf ist jeder nervös. Aber danach löst sich das bei mir. Dann hilft mir das Publikum sogar. Wenn du in der letzten Minute eines Gangs schon an der Grenze bist, macht die Energie vom Publikum bei mir noch Reserven frei, die ich allein, die ich im Training nicht frei machen kann. Ich werde auch immer besser, je größer die Anlässe sind, ich kann das, mich vom Publikum beflügeln lassen. In der Schweiz werde ich oft angesprochen, aber ich muss nur in ein Flugzeug steigen und bin anonym. Mir gefällt beides, die Anerkennung und die Anonymität. Ich bin dankbar für die Wertschätzung in der Schweiz, dafür, dass die Leute Freude haben an dem, was ich mache. Das ist ein sehr schöner Lohn für einen Sportler! Aber ich bin auch froh, wenn ich nach der Saison mit meinen Freunden ins Ausland fahren kann, wo einem nicht so auf die Finger geschaut wird. Da kann man sich dann wie ein normaler Zwanzigjähriger benehmen, das ist zwischendurch auch nötig. THE RED BULLETIN

ANGRIFF

Es gibt beim Schwingen verschiedene Wege zum Erfolg. Ein Koloss wie Christian Stucki, zum Beispiel, wenn der nicht ver verlieren will, verliert er nicht, da gibt es eben einen gestellten Kampf (Remis; Anm.). Meine Devise ist aber klar: Wenn man gewinnen will, muss man angreifen. Wer immer angreift, dem Gegner keine Sekunde zum Verschnaufen lässt, dem Gegner die eigene Schwingweise auf aufzwingt, der verteidigt sich schon dadurch.

Über Rap: „Vor einem Kampf Volksmusik zu hören, das ginge nicht, ich brauche ja ein gewisses Tempo, ich muss mich ja pushen.“

KONZENTRATION

Während eines Kampfes höre ich nichts. Sobald das „Gut!“-Kommando vom Kampf Kampfrichter kommt, bin ich in meiner eigenen Welt. Da kann mir einer von draußen zurufen, was er will. Ich höre es nicht. Dieses Reinsteigern bei einem Wettkampf, das erzeugt eine Intensität, die ich im Training niemals erreichen kann. Nach einem Training – das kann noch so hart gewesen sein – geht es mir am nächsten Tag gut. Aber nach einem Wettkampf, da fühle ich mich wie ein Fünfzigjähriger. Das kommt daher, dass dein Körper irgendwann sagt: Halt, hier ist die Grenze, weiter geht’s nicht. Und diese Grenze kannst du im Training nicht überwinden. Aber im Wettkampf hörst du nichts, nicht einmal den eigenen Körper. remokaeser.ch 61


W I E R E A G I E R T U N S E R G E H I R N I N E X T R E M S I T U AT I O N E N ? ZU VERSUCHSZWECKEN RISKIERTE DER FORSCHER CHRISTIAN CLOT SEIN LEBEN – UND REISTE IN DIE VIER MENSCHENFEINDLICHSTEN GEBIETE DER ERDE. T E X T: PAT R I C I A O U D I T

FOTOS: LUCAS SANTUCCI / ZEPPELIN

ANPASSUNG ODER TOD

58 IRAN

°C

FÜR FORSCHER SIND SO EXTREME GEGENDEN EIN BESONDERER STRESS-TEST, SAGT CHRISTIAN CLOT. ABER: „DIE GRENZEN WERDEN VERSCHOBEN, WAS WIEDERUM DIE ERKENNTNIS VORANBRINGT.“ 62


A

ugust 2016 in der Wüste Dascht-e Lut im Osten Irans. Temperatur: 58 Grad Celsius, drei Prozent Luftfeuchtigkeit. Seit fünf Tagen kauert Christian Clot unter einer Plane, die ihn notdürftig vor der sengenden Sonne schützt. Unfähig, einen Arm zu heben, zu kraftlos, um auch nur eine Zeile zu lesen. „Um nicht in Panik zu verfallen, die sich nach und nach breitmacht, zähle ich ohne Unter Unterlass vor mich hin.“ Denn der Forscher weiß, dass ihm in dieser endlosen Weite, wo nichts wächst und nichts lebt, plötzlich abstruse Dinge passieren können. „Die Zellen im Gehirn können sehr schnell absterben, wenige Minuten später tritt der Tod ein. Die totale Isolation wird zur mentalen Folter.“ Fünf Tage Zeit für die Frage, ob man mit nur 5,5 Liter Wasser täglich und vorprogrammierter Dehydration überlebt: Der Forscher und Abenteurer Christian Clot setzt sich dieser Tortur mit dem Projekt „Adaptation“ ( frz.: Anpassung; Anm.) freiwillig aus. Ziel dieser Grenzerfahrung von ständiger Bewegung in lebensfeindlicher Umgebung? Das erste vollständige Protokoll über die menschliche Fähigkeit, sich diesen Verhältnissen anzupassen. Nach der Wüstenhitze Irans lässt sich Clot von der Feuchtigkeit Patagoniens quälen, den Urwäldern Amazoniens und der ostsibirischen Kälte des Werchojansker Gebirges: Nie zuvor lieferte sich ein Mensch innerhalb von nur vier Monaten derart unterschiedlichen klimatischen Bedingungen aus, Todeszonen mit Temperaturen von plus 58 Grad (Iran) bis zu minus 58 Grad (Sibirien), einer Luftfeuchtigkeit von 3 bis 100 Prozent, der Weite der Wüste, den Beklemmungsgefühlen im Urwald. Im Verlauf dieser vier Monate aufeinander aufeinanderfolgender Expeditionen, mit jeweils einigen Wochen Pause dazwischen, gibt es bestenfalls zwei Stunden täglich, in denen der Körper nicht beansprucht wird. Ein Körper, der sonst permanent Übungen unterzogen wird, die der Entscheidungsfindung, Gedächtnisspeicherung und Raumwahrnehmung dienen. „Das war wie bei diesem Spiel auf meinem PC, in dem ich mich in einem Labyrinth, das sich im Laufe des Tages verändert, orientieren musste“, so Clot. Eine der Fähigkeiten, die zuerst verloren-

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DIE THEORIE V O N C L O T:

„Das Gehirn ist form­ bar. Wir wissen: Es bildet neue Verbindun­ gen, neue Neuronen, neue Fähigkeiten. Wir wissen aber kaum, wie diese Vorgänge ablau­ fen, vor allem in kom­ plexen Umweltsituatio­ nen. Für die Messung dieser Vorgänge habe ich ,Objektive‘ verwen­ det, um Daten über meinen Zustand (Kör­ pertemperatur, Herz­ rhythmus etc.) zu ge­ nerieren und so Tests und Übungen durch­ geführt. Zudem wurde zwischen den einzel­ nen Expeditionen in 18 MRT­ MRT Durchgängen eine ,Kartografie‘ des Gehirns durchgeführt, um mögliche Verände­ rungen zu erkennen.“

gehen, ist der Orientierungssinn. Clot: „Ich habe viel mit meiner Kamera gesprochen, um die Realität des Moments mit der Vorstellung, die man sich im Nachhinein macht, zu ver vergleichen.“ Clot spricht auch mit seinem Hut, um nicht durchzudrehen: „Eine absolute Notwendigkeit für das soziale Wesen Mensch!“ Adaptation ist ein Projekt außerhalb der Norm. Tausend ohne Unterstützung zurück zurückgelegte Kilometer, tausende vor Ort gesammelte Daten, dazu kognitive, psychologische und klimatische Tests – ein reales Labor unter freiem Himmel. Spricht man mit Clot dar darüber, sprudeln Fragen und Antworten nur so aus ihm heraus. Er zeigt seine Fingerspitzen, die vorübergehend taub waren. Er erzählt, dass Blutentnahmen, je nachdem, wo man sie durchführt, variieren: „In Patagonien und in Sibirien fließt das Blut nicht, es tröpfelt. Im Iran sprudelt es dagegen wie ein Geysir.“ Clot weiß längst mehr über das Verhalten des Gehirns in Extremsituationen als wir alle zusammen. Vor allem nach den Kältenächten in Sibirien: Bei minus 58 Grad ist es wichtig, die Luft vor dem Einatmen zu erwärmen,

THE RED BULLETIN


IRAN AUGUST – SEPTEMBER 2016

58

°C

LUFTFEUCHTIGKEIT: 3% 180 Kilometer zu Fuß, das Gepäck auf einem 150-KiloHandwagen, nur 500 Kalorien pro Tag waren erlaubt. „Im Iran hat die Sonne meine Haut nicht verbrannt. Ein Phänomen, das noch erforscht werden muss!“ Vom Geheimdienst behindert, konnte Clot das Projekt nur zum Teil realisieren.

Als Experte der Anpassung an extreme Bedingungen hielt Christian Clot trockene Hitze für „verträglich“.


66  


LUFTFEUCHTIGKEIT: 98%

OKTOBER – NOVEMBER 2016

410 Kilometer im Kajak unterwegs. „Hier waren der rasche Klimawechsel und zwölf Tage Sturm die Herausforderung. Jeder Paddelschlag erforderte Konzentration, was das Tempo stark einschränkte. Vom heftigen Wind, der mit bis zu 130 km/h dahinfegte, ganz zu schweigen.“

P ATA G O N I E N

−7

°C


Zu Beginn jeder seiner Adaptation-Expeditionen trifft sich Clot drei Tage lang mit Wissenschaftlern, damit die gleiche Sprache, wenn es um die Erstellung der Protokolle geht.“

damit die Lunge nicht brennt. In Patagonien kentert er mit seinem Kajak und kämpft 17 Minuten lang (wie seine GoPro-Kamera belegt, die weiterfilmte) dagegen an, nicht in vier Grad kaltem Wasser zu ertrinken. Obwohl Clot austrainiert – mit sieben Prozent Körperfett – aufbricht, kommt er entkräftet und mit 15 Kilo weniger Muskelmasse zurück: Der Körper hat ihm die Klimaschocks nicht verziehen. „Ich glaubte zu wissen, was Kälte ist, aber Sibirien hat mir gezeigt, dass das falsch ist. Ich war – wie im Iran – kurz davor aufzugeben. Dort war es der mentale Leidensdruck, der mich gequält hat. Leidensdruck, der normalerweise dann auftritt, wenn man seine physischen Grenzen überschritten hat. Dann fühlt man sich völlig hilflos.“ Warum will man Forscher werden, wenn man bereits in der Grundschule lernt, dass ohnehin schon alles entdeckt wurde? Clot er erklärt es: Im Schweizer Jura geboren, vertreibt er sich schon im Alter von vier Jahren die Zeit im Wald und dringt immer weiter vor in unbekannte Gefilde. „Auslöser war eine Reise nach Québec mit meinen Eltern. Vom Flugzeug aus entdeckte ich Wälder, die so groß waren, wie ich es mir niemals hätte vorstellen können. Mit sechzehn bin ich erneut dort hingereist.“ Dank dieser Reise into the wild mit dem Kanu und zu Fuß entdeckt Clot die Bühne „einer anderen Form der Forschung“. Er kommt mit einem Verlangen nach Abenteuer zurück, betreibt nun BASE-Jumping, 68

Extrem-Kajaking, Fallschirmspringen, wird Stuntman. Und definiert sein Lebensziel: in der Natur unterwegs sein, sich für sie begeistern, davon erzählen. Als er 1999 in den äußersten Westen Nepals reist, stellt er fest, dass das Gebiet nicht kartografiert ist. „Ich habe dort Menschen getroffen, die noch nie Plastik oder Glas gesehen hatten. Und mir gedacht, dass wir noch längst nicht alle Geheimnisse unseres Planeten entdeckt haben.“ 2003 ein weiterer Knackpunkt: Clot stellt fest, dass Wissenschaftler Interesse an seinen Daten haben, die er aus den von ihm bereisten Gebieten mitbringt, seine bis heute erlebten Extremsituationen aber nicht analysieren können. 2012 beschließt er deshalb, ein ganzheitliches Projekt aufzubauen: Wissenschaftler sollen sämtliche psychologischen, kognitiven und ethologischen Aspekte berück berücksichtigen. Jedoch ist die Reserviertheit gegenüber dieser Idee groß. „Der Erste, der sich traute, mit mir zu arbeiten, war Étienne Koechlin, ein Spezialist für Entscheidungsprozesse an der Pariser Hochschule ENS.“ Inzwischen sind weitere Wissenschaftler mit an Bord. Und Clots Forschungshypothesen zum Teil bestätigt: Das mit Grenzsituationen konfrontierte Gehirn hat die Fähigkeit, sich innerhalb kurzer Zeit anzupassen. Clots waghalsige darwinistische Übungen ohne irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen belegen, dass weder die Stärksten noch die Intelligentesten überleben, sondern diejenigen, die sich am besten anpassen können. Und sie belegen, dass der Mensch aufhören muss, der Natur Befehle zu erteilen – sie selbst bestimmt. Clots zusätzliches Resümee: „Man kann sich einem neuen System nur anpassen, wenn man etwas findet, das man daran mag. Ohne Sympathie und Hoffnung und die eine Sekunde Glück Glückseligkeit, die doch immer dabei war, hätte ich aufgegeben.“ Sein nächstes Projekt: erneut in die lebensfeindlichen Gebiete reisen, diesmal in Begleitung von je zehn Männern und Frauen – zur Bestätigung der Erfahrungen der Solo-Tour. christianclot.com

S I B I R I E N FEBRUAR – MÄRZ 2017

LEIDEN FÜR DIE WISSENSCHAFT


− 58

°C

LUFTFEUCHTIGKEIT: 60 % 180 Kilometer auf Skiern mit einem 100 Kilo schweren Pulka. „Ich mache alles in Fausthandschuhen, verwende einen Stift anstelle eines Computers, die Nächte ohne Schlaf häufen sich.“ Das ständige Schlagen von Wasserlöchern in den gefrorenen Fluss kostet wertvolle Energie.

A M A Z O N I E N DEZEMBER 2016 – JANUAR 2017

44

°C

LUFTFEUCHTIGKEIT: 100% 280 Kilometer zu Fuß und im Schlauchboot durch den Urwald. „Eine ‚grüne Hölle‘, in der man nur im Gänseschritt vorankommt, nur wenige Kilometer pro Tag macht.“ Massive Regenfälle, die oft über mehrere Tage anhielten, drosselten das Tempo zusätzlich.

Als Forscher riskiert Christian Clot mehr denn als Abenteurer, wenn es darum geht, Wissen zu erlangen.


RESPEKT! Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner darüber, wie man ihn verdient, behält und vor wem er ihn hat.

GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL

Interview: Werner Jessner

70  


D

er am Steuer durchschnittlich begabte englische Rennfahrer Christian Horner avancierte mit Mitte 20 zum erfolgreichsten Teambesitzer der höchsten Nachwuchsserie und kurz darauf zum jüngsten Teamchef in der Geschichte der Formel 1. Er hat keine Universität absolviert, nur wenige Pokale zeugen von seinen Erfolgen auf der Strecke. In einer Welt, die ebenso schnell vergisst wie sie fährt, etabliert er sich in kürzester Zeit nachhaltig und wird als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen – weil er seine Werte lebt: Zielstrebigkeit, Handschlagqualität, kein Bullshit. Bei allen Erfolgen in der Geschichte von Red Bull Racing stand Christian Horner am Kommandostand. Mit gerade einmal 40 Jahren erhob ihn die Queen in den Ritterstand.

War denn der Altersunterschied kein Problem? Nicht für mich. Nicht nach oben und nicht nach unten. Meine Überzeugung ist, dass man dich für das respektiert, was du tust, nicht für dein Alter. Respekt kann man nicht verlangen. Man muss ihn sich verdienen – immer und immer wieder. Okay, die Fahrer auf der Rennstrecke machen sich das schon aus: meine Kurve, deine Kurve. Mein Bremspunkt, dein Bremspunkt. Aber im Geschäftsleben? Halte dein Wort. Steh zu deinen Prinzi­ pien. Hab Handschlagqualität. Trau dich, unpopulär zu sein. Steh auf, wenn dir etwas wichtig ist. Und allein damit verschafft man sich Respekt? Dazu erzähle ich Ihnen eine Anekdote aus der Frühzeit. Ich war noch keine dreißig und hatte ein Team in der Formel 3000, der Nachwuchsklasse unter der Formel 1. Für die bevorstehende Saison sollte die

Zahl der Teams von 25 auf 12 reduziert werden, und mein Team stand auf der Liste jener, die eliminiert werden sollten. Was habe ich gemacht? Ein geharnischtes Fax an Bernie Ecclestone geschrieben, dass sein Vorgehen EU­Recht wider­ spreche, dass ich alle Instanzen durch­ gehen würde, um diesen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung zu verhindern. Keiner hat sich das getraut. Ich schon. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Da konnte ich mich auch mit dem mäch­ tigsten Mann im Sport anlegen. Und dann? Keine 45 Minuten später hatte ich ihn am Telefon. Verdammt, war ich nervös. „Was soll der Scheiß?“, hat er getobt. Und dann hat er mir gesagt, dass ich in allen Punkten recht hätte, er aber trotzdem keinen Milli­ meter nachgeben würde. Das konnte ich so natürlich auch nicht stehen lassen, und ich begann zu kämpfen. Schließ­ lich fanden wir eine Lösung: Ich konnte ein anderes Team übernehmen und ver­

Zwei Tage vor seinem 37. Geburtstag gewann Christian Horner im November 2010 mit Sebastian Vettel und Mark Webber sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurs-WM – als jüngster Teamchef der Geschichte.

„ E C C L E S T O N E H AT G E S A G T, DASS ICH IN ALLEN PUNKTEN R E C H T H ÄT T E – E R A B E R

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TROTZDEM KEINEN MILLI­ METER NACHGEBEN WÜRDE.“ handelte in Zukunft die Position aller Teams gegenüber Ecclestone. Ich hatte seinen Respekt gewonnen. Weil Sie sich getraut hatten, die großen Karten zu spielen? Weil ich für meine Überzeugung auf­ gestanden bin. Das hat ihm imponiert. Und ich respektiere seine Art, Business zu machen – bis heute. Ist Egoismus Respekt zuträglich? Manchmal lohnt es sich, über den Teller Teller­ rand zu schauen und den Blick auf das THE RED BULLETIN

GETTY IMAGES (2)

the red bulletin: Sie waren 31, als Sie ins Haifischbecken Formel 1 geworfen wurden. Die großen Namen damals waren Bernie Ecclestone, Max Mosley, Flavio Briatore, Frank Williams oder Ron Dennis – lauter Männer, die doppelt so alt waren wie Sie. Wie verschafft man sich in diesem Umfeld Respekt? christian horner: Ja, diese Männer waren wohl etabliert. Ich habe ihnen zugehört, und wenn ich in der Runde den Mund aufgemacht habe, dann hatte ich etwas zu sagen. Rede nicht um des Redens willen. Das ist ein guter Anfang.


große Ganze zu behalten – und manch­ mal ist es kontraproduktiv. Ein Beispiel: die hässlichen Heckflossen der aktuellen Autos. Sie beleidigen mein Gefühl für Ästhetik, darum möchte ich gern, dass sie verschwinden. Als ich das zu Saison­ beginn den anderen Teams vorgeschlagen habe, wurden sie hellhörig: Was führt er im Schilde? Welchen persönlichen Vorteil verspricht er sich davon? Die alte Garde vor zehn Jahren hätte noch gesagt: „Gute Idee, Junge, machen wir.“ Vielleicht ist das auch eine Art von Respekt, der einem entgegengebracht wird: dass hinter allem, was man tut, eine verborgene Absicht vermutet wird. Muss man Risiken eingehen, um sich Respekt zu verdienen? Ja, aber kalkulierte Risiken. Viel wagen, aber nie dumm sein. Oh ja, ich habe in

Weil ich kapiert hatte, dass Menschen der Schlüssel zu allem sind. Weil ich selbst nicht gut genug war, habe ich alles dafür getan, um die besten Ingenieure, die bes­ ten Mechaniker für mein Team zu gewin­ nen. Diese Leute antworten nicht auf Job­ Inserate. Du musst sie selbst finden und überzeugen. Meine Leute haben gespürt, dass ich keine Kompromisse mache. Diese Einstellung bekommen auch die Gegner mit. Als Team­Eigner war ich es, der abends Pizza für die Mechaniker geholt oder die Räder gewaschen hat.

„ I C H H A B E K A P I E R T, D A S S MENSCHEN DER SCHLÜSSEL ZU ALLEM SIND. DU MUSST SIE

GETTY IMAGES (2)

FINDEN UND ÜBERZEUGEN.“

diesem Geschäft viel riskiert. Aber zu viel? Niemals. Wie lernt man das? Instinkt. Ich habe die Schule mit acht­ zehn verlassen, danach habe ich aus dem Bauch heraus agiert. Ich wurde Renn­ fahrer, obwohl ich kein Geld hatte. Die günstigste Art war, auf Kredit ein eigenes Auto zu kaufen und Mechaniker anzu­ heuern, statt mich in ein fertiges Team einzumieten. Plötzlich war ich Team­ chef. Ich bin in die Management­Rolle reingestolpert. Aber ab diesem Moment habe ich alles dafür getan, um zu über über­ leben. Später wurde ich in die Formel 1 geschmissen und hatte keine Ahnung, ob das gutgehen würde und wie lang. Ja, das alles war riskant. Aber was hatte ich schon zu verlieren? Was hat man im noch immer jungen Christian Horner gesehen, um ihm die Führung eines mehrere hundert Leute starken Unternehmens anzuvertrauen? Helmut Marko war mein Gegner in der Formel 3000. Ich habe ihn und sein Team THE RED BULLETIN

Von 228 Rennen am Kommandostand hat Horner mit Vettel, Webber (Bild), Ricciardo und Verstappen unglaubliche 52 gewonnen. Lehrmeister auch: Bernie Ecclestone (li.)

zwei Jahre hintereinander geschlagen. Er ist ein Racer mit viel Erfahrung. Er wusste, mit welchen Mitteln ich ihn geschlagen hatte. Wir haben einander respektiert. So wurden aus Gegnern Partner. Dennoch hatten Sie den Teamchef-Job anfangs nur auf Probe … Ehrlich: Hätte ich mir darüber den Kopf zerbrechen sollen? Ein wenig Selbst­ vertrauen darf schon sein. Als Rennfahrer waren Sie eher durchschnittlich. Sogar die Mutter von Max Verstappen hat Sie geschlagen … Moment, die hat sogar David Coulthard geschlagen! Okay, was ich sagen wollte: Der durchschnittliche Rennfahrer Christian Horner wechselt die Position, bleibt aber im selben Geschäft. Warum wird er in der neuen Rolle mehr akzeptiert als in der alten?

Warum? Damit sie sehen, dass ich mir für nichts zu schade bin und alles tue, um dem Team zu helfen. Daran denken sie, wenn es abends wieder länger dauert und sie noch reinbeißen müssen, während in den anderen Boxen bereits das Licht aus ist. Leading by example? Du kannst von niemandem etwas ver­ langen, zu dem du nicht selbst bereit bist. Das ist meine volle Überzeugung. Nur wenn du die Menschen rund um dich und ihre Arbeit respektierst, hast auch du Respekt verdient. Und noch etwas: Gib in einer Führungsrolle klare An­ weisungen. Organisationen respektieren keine Leader, die rumeiern. Großer Preis von Österreich: 7. bis 9. Juli, Tickets auf: www.projekt-spielberg.com

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KING OF 74


KEHRE

TRAUMROUTE

Eishockey-Ass Jonas Hiller, der Grimselpass und ein MercedesAMG C 43 Cabrio: ein Plädoyer für den Umweg, vorzugsweise in Traumautos auf Traumstraßen. Text: Alex Lisetz  Fotos: Janosch Abel


DER FAHRER 76

JONAS HILLER, 35

Jonas Hiller (1,87 Meter, 88 Kilo) ist der wohl beste Schweizer Eishockey-Torhüter überhaupt. Er spielte neun Jahre lang als Torwart in der NHL, der besten Liga der Welt. Mit einer Abwehrquote von 91,4 Prozent in 404 NHL-

Quali-Spielen führte er zuerst die Anaheim Ducks und dann die Calgary Flames von Sieg zu Sieg. (Und wurde 2011 als zweiter Schweizer – nach Mark Streit 2009 – für das All-Star Game eingeladen.) Im Vorjahr zog er der Familie zuliebe zurück in die Schweiz

und unterschrieb einen Dreijahresvertrag beim EHC Biel. Hiller wohnt in der Nähe von Bern, ist seit vier Jahren verheiratet und Vater einer dreijährigen Tochter.

THE RED BULLETIN


„V

on unten raus“, sagt Jonas Hiller, „anschiebt. Spürt ihr die? Und dann gleich, aber.“ Wir haben keine Ahnung, wovon Jonas Hiller spricht. Die kehligen Brunftschreie seines V6-Biturbos röhren zu laut. Ihr Sound tönt tief aus den Eingeweiden des 367 PS starken Mercedes-AMG C 43, hallt von den Felswänden wider und rüttelt an den unter unterirdischen Frühstückstischen der Murmeltier-Anrainer. „Elastokinematik“, sagt Hiller, „Zwischengasfunktion. Und wenn du dann aus der Kurve.“ In Hillers Sonnyboy-Gesicht sitzt seit drei Kilometern ein Grinser, der in jeder Kehre ein bisschen breiter wird. Die Details seines Vortrags mögen im AMG-Sound verlorengehen. Die Grundbotschaft ist angekommen.

367 PS FÜR 33 KILOMETER

Es ist zehn Uhr morgens, ein Samstag Mitte Juni, und der Tourismusverband hat sich für uns mächtig ins Zeug gelegt. Der Himmel ist blitzblau poliert, das Weiß der Gipfel makellos, die 33 Kilometer lange Straße ohne Unterbrechung vom Berner Oberland bis ins Wallis ausgerollt. Beste Bedingungen also, um die Sportwagen- und Motorradforen kritisch zu hinter hinterfragen, die den Grimselpass zu den schönsten Pässen der Schweiz, der Alpen, der Welt hochjazzen. Als Messinstrument schien uns der zweitstärkste AMG der Mercedes-C-Klasse angemessen, ein Kraftprotz mit automatischem 9-Gang-Getriebe und offenem Verdeck. Auch für den beschwerlichen Job, mit diesem Traumauto einen Tag lang in der Postkartenidylle des Grimsels spazieren zu fahren, fand sich ein Freiwilliger: Jonas Hiller, 35, größter Autonarr und einer der besten Eishockeyspieler der Schweiz, Nationaltorwart, Ex-NHL-Star, derzeit im Sommer Sommertraining für eine weitere Saison beim EHC Biel. Spoiler: Die Foren haben recht.

DER ZAUBER DES UMWEGS

Jonas Hiller beim Kurven-Carven: V6-Biturbo-Sound, Fliehkraft und Höhensonne sind bitte hinzuzudenken.

THE RED BULLETIN

Hiller ist an der nördlichen Schokoladenseite des Passes gestartet, am Grimseltor in Innertkirchen. Von hier aus sind es 26 Kilometer, zwölf Serpentinen und 1500 Höhenmeter bis zum Scheitelpunkt auf 2164 Meter Seehöhe. Der Anstieg begann nach zwei Kilometern, in sanft in die Landschaft gekratzten, weit ausladenden Bögen, auf perfektem Asphalt ohne Belagswechsel oder Frostbrüche. „Die Landschaft, das Auto, der Sound in den Tunnels“, sagt Jonas Hiller, „das ist zusammen schon sehr, sehr, sehr geil.“ Hiller ist relativ abgebrüht, was den Geilheitsfaktor großzügig motorisierter Autos und schöner Straßen angeht. Er misst sich regelmäßig mit Freunden auf der Rennstrecke, in seiner Garage stehen unter 77


DER GRIMSELPASS

ist einer der schönsten Schwei­ zer Alpenpässe und die einzige direkte Verbindung zwischen Wallis und Berner Oberland. Die sechs bis sieben­ einhalb Meter breite Passstraße führt die 33 Kilometer von Innertkirchen nach Gletsch. Land­ schaftlich am be­ eindruckendsten ist die 26 Kilometer lange Nordrampe.

WARUM DU DEN PASS FAHREN SOLLTEST Mehr Fahrspaß geht nicht: Die perfekt ausgebaute Pass­ straße kombiniert lange S­Kur­ ven mit engen Serpentinen. Sie führt mit maximal 11 Prozent Steigung durch eine pracht­ volle Hochgebirgslandschaft und ist wegen ihrer geringen technischen Schwierigkeit auch für Einsteiger geeignet.

DAS PERFEKTE FAHRZEUG

Den meisten Spaß macht ein wendiges Cabrio, ein Touren­ Motorrad oder ein leichtes Rennrad (Leihmöglichkeit im Tal). Skurrile Alternative: die Passüberquerung im Postbus mit 15 Stationen.

SCHÖNSTE RUNDE

In der Nähe des Grimselpasses befinden sich weitere tolle Bergstraßen. Die klassische Runde führt über Furka­, Grim­ sel­ und Sustenpass (119 km). Nimmt man noch Gotthard und Nufenen dazu, kommen 202 Kilometer zusammen.

WO EINKEHREN?

Am besten im historischen Alpinhotel Grimsel Hospiz, dem ältesten Gästehaus der Schweiz. Tipp: die windstille Sonnenterrasse mit Traum­ blick auf den Stausee. www.grimselwelt.ch

23 km nach Innertkirchen

Grimselsee

Passhöhe: 2164 m

Totensee

10 km nach Gletsch

Auf der Nordrampe überwindet die Straße 1500 Höhenmeter, im Süden kann man direkt zum Furkapass abbiegen.

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Wie gemacht für einen Eishockey-Star: Am Pass in 2164 Meter Seehöhe sieht es auch im Sommer noch winterlich aus.

DAS AUTO

MOTOR: V6-Biturbo HUBRAUM: 2990 cm3 LEISTUNG: 367 PS 0–100 KM/H: 4,8 sec TOP-SPEED: 250 km/h (elektronisch begrenzt)

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MERCEDES-AMG C 43 4MATIC CABRIOLET

Pass-Spaß: Die 367 PS des C 43 Cabrio erleichtern gerade in Steilstücken jeden Überholvorgang. Bei der Kurvenhatz unterstützt das Sportfahrwerk ein 9G-TRONIC-Automatikgetriebe – auf Wunsch mit extrakurzen Reaktionszeiten.


„WOLLEN WIR UNSERE ZEIT WIRKLICH MIT ZEIT­ SPAREN VER­ SCHWENDEN?“

anderem mehrere 911er, ein Chevy Camaro von 1967 und ein 1983er 1983er­Quattro. „Im Alltag fahre ich Zug oder Tesla“, sagt er, „aber meine Auswärtstermine zelebriere ich. Dann mache ich einen Umweg über zwei, drei Pässe und konzentriere mich nur aufs Fahren. Auf den Flow der Serpentinen, auf die saubere Linie in den Kurven, auf das Herausbeschleunigen in die Gerade. Man glaubt gar nicht, wie frei man dabei im Kopf wird.“ Wir lernen das erste Para­ doxon des Pässefahrens: Der gerade Weg von A nach B mag uns Zeit sparen. Aber sollen wir unsere Zeit wirklich mit Zeitsparen verschwenden?

WEITER IST SCHNELLER

Dass der Umweg fix in jeden Alpenpass eingebaut ist, führt uns zum zweiten Paradoxon des Pässefahrens. Der effizien­ teste Weg zu einer Passhöhe folgt stets Kurven, Schnörkeln und Serpentinen, ein klarer Punktesieg der Natur gegen den menschlichen Ordnungs­ sinn mit seinem neurotischen Faible für geometrische Formen. Die 1894 ausgebaute Grimselpassstraße ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Sie schmiegt sich den Geländeformen so harmonisch an, dass sie im Schnitt nur 5,9 und an keiner Stelle steiler als 11 Prozent ist. Vor allem die in den Fels gesprengten Serpentinen unterhalb des Räterichsbodenstausees sind große Ingenieurskunst. „Am krassesten finde ich aber den Belag“, sagt Hiller, der neun Jahre Wahl­Amerikaner war, „besser als in Kalifornien auf der Autobahn.“ Hiller nimmt die technischen Großtaten am Straßenrand nur aus dem Augen Augenwinkel wahr. Die mächtigen Staumauern von Räterichsboden­, Grimsel­ und Oberaarsee. Die Gelmerbahn, die steilste Stand­ seilbahn der Welt. Oder, knapp unterhalb der Pass­ höhe, das älteste Gästehaus der Schweiz, das Grimsel Hospiz, anno 1932 das erste elektrisch beleuchtete Hotel der Welt. Ihn interessieren allein die technischen Groß­ taten, die die AMG­Ingenieure unter der Motorhaube verwirklicht haben. Bis zum Scheitelpunkt hat er alle fünf Fahrprogramme durchgewalkt und ist – wenig überraschend – bei Sport Plus hängen geblieben. Für die Abfahrt nach Gletsch, drüben auf der Walliser Seite, stuft er auf Sport zurück, um den etwas ruppi­ geren Untergrund auszugleichen. Hiller hat sich jetzt an das Auto gewöhnt, er fährt schnell und flüssig und verschenkt in den Kurven keinen Schwung. Hast du schon bemerkt, wo die Grenzen des Autos liegen, Jonas?

Wann das Heck nervös wird, bei welchem Tempo es dich aus der Kehre schiebt? Hiller sagt etwas Bemerkenswertes: „Dazu habe ich zu viel Respekt vor fremdem Eigentum. Wenn ich in den Grenzbereich will, gehe ich auf die Renn­ strecke, alles andere ist verantwortungslos.“ An der Kreuzung in Gletsch holt ihn ein Motorrad­ polizist ein. Er mustert Hiller mit langem, durch­ dringendem Blick und nickt ihm dann zeitlupenlang­ sam zu. „Ich habe ein Auge auf dich, weil du schnell unterwegs bist“, sagt diese Geste, „aber ich sehe, dass du mit Hirn fährst.“ Das dritte Paradoxon des Pässe­ fahrens: Man kann auf Pässen sportlich unterwegs sein, ohne andere zu gefährden oder das Gesetz zu brechen – zumindest am Grimselpass, an dem viele Kurven schon von weitem gut einsehbar sind.

VON SHERLOCK BIS 007

Die Begegnung mit dem wachsamen Cop bringt Hiller auf eine verrückte Idee: Man darf den Mercedes C 43 auch langsam fahren. Nun versteht man sogar von der Rückbank, wor wor­ über Hiller redet. Über seine Kiteboarding­Firma GIN („Meine zweite Leidenschaft neben dem Eishockey“), über seine Familie („Hat mich gelehrt, dass Sport eben nur Sport ist“), über seinen Perfektionismus („So wie ich mir Custom­Carbon­Schlittschuhe anfertigen ließ, damit ich im Tor eine Hundertstelsekunde schneller reagieren kann, schraube ich auch an meinen Autos herum, um irgendein Detail zu optimieren“). Und noch etwas ist im Cruising­Tempo ­­Tempo anders: Man nimmt jetzt die Attraktionen neben der Straße viel deutlicher wahr. Den Ausblick hinüber auf den Furkapass, auf dem James Bond 1964 in seinem Aston Martin DB5 Auric Goldfinger verfolgte. Die Abzweigung zum Reichenbachfall, wo der Showdown zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty stattfand. Den Totensee auf der Passhöhe.

SIEBEN MONATE WINTER

Der marketingtechnisch problematische Name dieses grünblauen Naturjuwels verrät, dass Postkarten­Idylle und ungezähmte Hochgebirgs­Wildheit am Grimsel­ pass nah beisammenliegen. Schon im 14. Jahrhundert kämpften hier Handelsreisende mit den Härten der Natur, wenn sie Hartkäse und Vieh ins Piemont und Wein und Reis zurück in die Schweiz transportierten. Die Winter sind noch heute respekteinflößend: Die Grimselpassstraße muss sieben Monate lang gesperrt bleiben, Schneehöhen von zwölf Metern sind zu Jahresbeginn keine Seltenheit. Als die Sonne am Ende unseres Fotoshootings hinter dem Finsteraarhorn untergeht, verbreitet die aufsteigende Kälte eine Ahnung davon, was es heißt, wenn die Natur hier das Kommando übernimmt. Wir packen zusammen und fahren zurück Rich­ tung Innertkirchen, Jonas Hiller allein vorne weg. Auf halbem Weg kommt er uns wieder entgegen. „Ich habe was vergessen“, sagt er, der Gesichts­ ausdruck todernst. Dann heult sein Biturbo auf, und er verschwindet winkend hinter der nächsten Kurve. Ein kleiner Umweg war noch immer drin. www.mercedes-amg.com 81


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guide Get it. Do it. See it.

WATCH IT

NOW DIE REISE INS UNBEKANNTE

JOHN WELLBURN

Abenteurer in der Wildnis trifft auf MountainbikeAction: In „Follow the Fraser“ folgen drei Biker dem gleichnamigen Fluss in British Columbia, Kanada. Jetzt auf redbull.tv

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GUIDE

See it

LIVE DABEI Musik, Motorsport, Mountainbiking: Diesen Monat bringt Red Bull TV Events der Superlative auf deinen Screen.

Genialer Sound und Festival-Fun sind garantiert.

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart TV. Alle Infos: www.redbull.tv

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Juli/August Nur ein paar der Highlights 2017: Chance the Rapper, Arcade Fire und Run the Jewels

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bis 6. August

LIVE

LOLLAPALOOZA 2017, CHICAGO

Das Lollapalooza, 1991 als Tour‑Event gegründet, hat die moderne globale Festival‑Kultur revolutioniert. Zusätzlich zum Hauptevent im Grant Park in Chicago gibt es mittlerweile Ab‑ leger in Chile, Argentinien, Bra‑ silien, Deutschland und Frank‑ reich – mit einem einzigartigen genreübergreifenden Perfor‑ mance‑Mix. Feiere die Party mit den Hosts Sal Masekela und Hannah Rad live auf Red Bull TV.

JOE GALL/RED BULL CONTENT POOL (2), JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, JOHN WELLBURN

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bis 30. Juli

LIVE

WRC: RALLYE FINNLAND

Ouninpohja darfst du dir nicht entgehen lassen: Eine der spektaku‑ lärsten Sonderprüfungen der gesamten FIA World Rally Champion‑ ship begeistert Fans mit Top‑Speed und bis zu 57 (!) Meter weiten Sprüngen inmitten finnischer Wald‑ und Seenlandschaften.

bis 6. August

LIVE

UCI MTB-WELTCUP, KANADA

Kein UCI Mountainbike‑Weltcup‑Kalender ohne Mont Sainte‑Anne. Der kanadische Ferienort nördlich der Stadt Québec ist bereits zum 27. Mal Rennschauplatz, und das zu Recht: Die innovativen, technisch anspruchsvollen Kurse begeistern Rider und Fans gleichermaßen.

Juli

ON DEMAND

FOLLOW THE FRASER

Eine faszinierende Reise Richtung Norden, immer den Fraser River in British Columbia entlang: wie drei Star‑Mountainbiker das Gelände rocken, wie sie die Stätten ihrer Kindheit neu entdecken und schließ‑ lich ein geheimnisvolles Ziel erreichen.

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GUIDE Redaktion: Gisbert L. Brunner

Get It

ZENITH HERITAGE PILOT EXTRA SPECIAL CHRONOGRAPH

In luftiger Höh’

Diese Bronze­Uhr ist wasserdicht bis 100 Meter, eigentlich aber für eine andere Umgebung gebaut: das Cockpit. Zwiebelkrone und griffig profilierte Drücker sind für Pilotenhandschuhe gemacht. zenith-watches.com

Taucher takten ihre Dekompressions­ stopps mit der Keramik­Lünette

AUF ZU NEUEN UHREN-UFERN! Am 28. April 1947 stach Thor Heyerdahl gemeinsam mit fünf Crewmitgliedern von Peru aus in See – auf einem einfachen Balsaholz-Floß mit Namen „Kon-Tiki“. 101 Tage und fast 8000 Kilometer auf dem Pazifik später hatte der norwegische For Forscher – trotz fünf Meter hoher Wellen, der Begegnung mit einem neun Meter langen Walhai und monatelanger Isolation – bewiesen, was er vermutet hatte: dass die Indianer Südamerikas schon Jahrhunderte vor Kolumbus in der Lage waren, Polynesien zu besiedeln. Erst ein Riff nahe Tahiti stoppte Heyerdahls historische Reise.

ETERNA KONTIKI DIVER BRONZE MANUFACTURE

SCHIFF AHOI! Nachdem die „Kon-Tiki“-Crew in Polynesien angekommen war, pflanzte man eine südamerikanische Kokosnuss. Diese Palme sollte nicht das einzige Vermächtnis der historischen Reise bleiben: Heyerdahl hatte wegen deren sprichwörtlicher Genauigkeit und Zuverlässigkeit eine Eterna-Uhr als Expeditions-Zeitmesser gewählt. Zur Hochsee-Navigation ohne elektronisches Equipment oder GPS benötigte man einen Marinechronometer (und einen Sextanten, der an Bord war). Davon inspiriert, bauen die Schweizer Uhrmacher seither KonTiki-Uhren. Zum 70-Jahr-Jubiläum des historischen Abenteuers kommt das erste Bronze-Modell in limitierter 300-Stück-Auflage. Das Gehäuse ist bis zu 200 Meter Tiefe wasserdicht und widerstandsfähiger gegen Seewasser-Korrosion als Stahl. eterna.com

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ANONIMO NAUTILO BRONZE BLUE

Schön tief

Die Italiener von Anonimo ver­ bauen Bronze seit den 90ern. Der Refresh der Nautilo kommt mit neuem Zifferblatt sowie 44­Milli­ meter­Gehäuse aus rötlicher Alu­ miniumbronze und hypoallergener Titanium­Rückseite. Wasserdicht bis 200 Meter. anonimo.com

PANERAI LUMINOR SUBMERSIBLE 1950 3 DAYS AUTOMATIC BRONZO

Gut gealtert

Die Kupfer­Zinn­Legierung für 47­Millimeter­Gehäuse, Krone, Lünette und Kronenschutzbrücke erhält mit der Zeit eine witterungs­ bedingte Patina. Was der Wasser­ dichte bis 300 Meter keinen Ab­ bruch tut. panerai.com

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DTM 2017

22. - 24. SEPTEMBER 2017 AM RED BULL RING JETZT TICKETS SICHERN! PROJEKT-SPIELBERG.COM


GUIDE

Do it

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August / September

bis 16. September

PERSKINDOL SWISS EPIC

Geniale Singletrails, atemberaubendes Bergpanorama, internationale Starter: Das Swiss Epic ist – angelehnt an den südafrikanischen Mountainbike-Klassiker Cape Epic – ein mehrtägiges Abenteuer im Race-Format. Pros wie Freizeitrider nehmen dabei in Zweier-Teams die Strecke von Grächen über Leukerbad nach Zermatt in Angriff. Vier Rennformate zur Auswahl: Das anspruchsvollste – „Swiss Epic“ – dauert sechs Tage und umfasst 350 Kilometer sowie 12.000 Höhenmeter. Anmeldungen auf: swissepic.com

Whisky und Zigarren. Massschuhe und Masshemden. Custombikes und schnelle Autos. Auf dieser LifestyleMesse für Männer können Stilbewusste zwei Tage lang die neuesten Herren-Brands entdecken, kulinarisch Exquisites degustieren, networken – oder sich einfach einmal am Rennsimulator austoben. Beaulieu, Lausanne; mansworld.com

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bis 13. August Rocky Mountain Trail Games Einzigartiger Trail-Event mit hohem Spassfaktor: In Zweierund Dreier-Teams absolvieren Mountainbiker auf Corviglia ausgefallene Bergprüfungen – etwa eine Stage zweimal in möglichst gleicher Zeit fahren oder einen Gegenstand unversehrt vom Start ins Ziel bringen. Abends? Party und Barbecue. Corviglia, St. Moritz

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September Red Bull Seifen­ kistenrennen In selbstgebauten Seifenkisten eine steile Asphaltstrecke runtersausen: Das Prinzip des Red Bull Seifenkistenrennens ist simpel. Von den Startern wird jedoch neben Mut (spektakuläre Crashes!) auch Kreativität verlangt, schliesslich gibt es für die schönste rasende Fledermaus oder die schnittigste Bananenkiste Extrapunkte … Zuschauen und anfeuern ist gratis. Avenue d’Ouchy, Lausanne; redbullsoapboxrace.com

bis 20. August Open Air Gampel Über 100.000 Fans lockte das internationale Rockfest in Gampel-Bratsch letztes Jahr in die Walliser Berge. Kein Wunder, heizten doch Stars wie Eagles of Death Metal, K.I.Z und Sum 41 der Hörerschaft gewaltig ein. 2017 setzen die Veranstalter noch einen drauf: etwa mit Deutschlands Panda-Rapper Cro, US-Hip-Hop-Rüpel Lil Wayne und DJ-Legende Paul Kalkbrenner am Line-up … Headliner? Die Toten Hosen, die nach ihrer Gampel-Absage 2015 ihr Versprechen wieder wiederzukommen nun einlösen. Infos und Tickets: openairgampel.ch

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ALEX BUSCHOR, CHRISTIAN PFAMMATTER/VISP/SCHWEIZ

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& 2. September Man’s World


GUIDE

DER MANN VON I N S E I N E R E VO LU T I O N S ­ THEORIE SPRICHT C H A R L E S DA RW I N ( 1 8 0 9 – 1 8 8 2 ) VO N D E R N AT Ü R L I C H E N AU S L E S E . T H E R E D B U L L E T I N P R Ä­ S E N T I E RT D E M M O D E R N E N M A N N E I N E AU SWA H L S C H L AU E R H I L FS M I T T E L , UM DIE SELEKTIONS­ FA K TO R E N S E L B ST Z U B E E I N F LU S S E N . 90

W ELT THE RED BULLETIN


GUIDE

TÄGLICHE BEGLEITER Die wichtigsten Gegenstände trägt der Mensch von jeher nah am Körper. Heute allerdings selten Waffen zur Verteidigung oder Utensilien, um in rauer Wildnis überleben zu können. Aus unserem Alltag sind die modernen Helfer dennoch nicht wegzudenken – sie schützen, informieren und unterhalten uns oder fangen bedeutende Momente unseres Lebens ein. Im Uhrzeigersinn von links oben: Nixon Showtime Bi-Fold ID Zip-Geldbörse, nixon.com; Suunto Essential Ceramic CopperUhr, suunto.com; Breitling Colt Skyracer-Uhr, breitling.com; Smith Comstock Flecked Mulberry Tortoise-Sonnenbrille, smithoptics.com; Sony RX100 V-Kompaktkamera, sony.com; Adidas Training-Sonnenbrille, adidas.com; Tudor Heritage Black Bay 41-Uhr, tudorwatch.com; Swatch Ligne De Fuite-Uhr, swatch.com; Huawei Honor 9-Smartphone (zeigt Wistla Soziale Netzwerke-App, huawei.com, wistla.com); Buff Single Layer Hat Ciron Black-Mütze, buff.eu; Electric California Reprise OHM Bronze-Sonnenbrille, electriccalifornia.com

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GUIDE

GESICHTSERKENNUNG Auch Männerhaut will gepflegt werden, um stets frisch auszusehen – beim frühen Geschäftstermin wie bei der After-Work-Party. Im Uhrzeigersinn von links oben: Lab Series Pro LS All-In-One Face Cleansing Gel, labseries.com; Mr Burberry-Gesichtspeeling, burberry.com; Bulldog Original Moisturiser, bulldogskincare.com; Mühle Edition No. 3 Silvertip Badger-Rasierpinsel, muehle-shaving.com; Quip elektrische Zahnbürste, getquip.com; L’Oréal Men Expert Hydra Energy X Tattoo-Bodylotion, lorealparis.com; Carsons Apothecary Arabian Pomegranate Facial Hair Conditioner, thegroomingclinic.com; Grüum Oska-Rasierer, gruum.com; CornerstoneRasierer, cornerstone.co.uk; Braun Series 9-Rasierer mit titaniumbeschichtetem Trimmer, braun.de

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STIL-IKONE

Egal welchen Stil du bevorzugst – kaum ein anderes Kleidungsstück kann so viel über dich aussagen wie das einfache T-Shirt. Richtig eingesetzt und kombiniert, machst du damit zu jedem Anlass zuverlässig gute Figur. Im Uhrzeigersinn von links oben: Nixon Westgate S/S Shirt, nixon.com; Dare 2b Mountainous Peacoat Marl T-Shirt, dare2b.com; Jack Wolfskin Tropical T, jack-wolfskin.com; O’Neill Hollow Days T-Shirt, oneill.com; Mons Royale PK Pocket T, monsroyale.com; Burton Vault Short Sleeve T-Shirt, burton.com; iLabb Strike 2.0 Camo Tee, ilabb.com; DC Shoes Evansville Lily White Storm Print Pocket T-Shirt, dcshoes.com

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WEGGEFÄHRTEN Seitdem die Menschheit vor rund fünf Jahrtausenden das Pferd zähmte, ist die Art der Fortbewegung neben praktischer Notwendigkeit auch persönliches Symbol von Einstellung und Status. Dank technologischer Fort Fortschritte haben wir nun Vehikel, die uns stets verlässlich in pulsierenden Städten, unberührter Natur oder auch über mächtige Wellen begleiten. Im Uhrzeigersinn von links oben: 2nd Gen Boosted Board, boostedboards.com; Mazda CX-5, mazda.com; CrosLake Bellagio 12.0 Paddleboard, croslake.com; Urb-E Pro GT faltbarer ElektroScooter, urb-e.com; Canyon Urban 8.0 Citybike, canyon.com; Lib Tech Round Nose Fish Redux by …Lost Surfboard, lib-tech.com

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THE RED BULLETIN WELTWEIT

IMPRESSUM Editorial Director Robert Sperl Chefredakteur Alexander Macheck Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (Stv. CD), Miles English Photo Director Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Managing Editor Daniel Kudernatsch Redaktion Stefan Wagner (Textchef), Ulrich Corazza, Arek Piatek, Andreas Rottenschlager Freie Mitarbeiter: Werner Jessner, Clemens Stachel, Florian Wörgötter

Aktuell erscheint The Red Bulletin in sieben Ländern. Im Bild: das Cover der mexikanischen Ausgabe mit der legendären AlternativeRock-Band Kinky. Mehr Storys abseits des Alltäglichen gibt’s auf: redbulletin.com

Web Christian Eberle, Vanda Gyuris, Inmaculada Sánchez Trejo, Andrew Swann, Christine Vitel Grafik Marco Arcangeli, Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Rudi Übelhör (Deputy Photo Director), Marion Batty, Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Head of Sales Franz Renkin Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Martina Maier, Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart Country Management & Marketing Stefan Ebner (Ltg.), Magdalena Bonecker, Thomas Dorer, Manuel Otto, Kristina Trefil, Sara Varming Marketing Design Peter Knehtl (Ltg.), Simone Fischer, Alexandra Hundsdorfer Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Michael Menitz (Digital) Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Maximilian Kment, Karsten Lehmann Office Management Kristina Krizmanic, Petra Wassermann

THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886

THE RED BULLETIN Mexiko, ISSN 2308-5924

Länderredaktion Arek Piatek

Länderredaktion Luis Alejandro Serrano

Lektorat Hans Fleißner

Redaktion Marco Payán, Inmaculada Sánchez Trejo

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Lektorat Alma Rosa Guerrero

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Abo The Red Bulletin Leserservice, Postfach, CH-6002 Luzern, +41 41 329 22 00 abo@ch.redbulletin.com Druck Prinovis GmbH & Co. KG, Betrieb Nürnberg, 90471 Nürnberg

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THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Ulrich Corazza

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion Andreas Rottenschlager Lektorat Hans Fleißner Country Channel Management Isabel Schütt

Lektorat Hans Fleißner Country Project Management Thomas Dorer Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Bernhard Schmied, anzeigen@at.redbulletin.com

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Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

Redaktion Tom Guise, Florian Obkircher

Geschäftsführer Christopher Reindl, Andreas Gall

Länderredaktion Justin Hynes

Lektorat Nancy James (Ltg.), Davydd Chong Publishing Manager Ollie Stretton Anzeigenverkauf Mark Bishop, mark.bishop@uk.redbull.com

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PROMOTION

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1 CRAFT GRIT TAPED JACKET

Die wasser- und windabweisende Beschichtung der Grit Taped-Jacke bietet dem Läufer auf seiner Strecke optimalen Schutz bei schlechtem Wetter. Die Kapuze mit durchdachten Details wie Gummizug und Kordelstopp hält auch den Kopfbereich trocken. craftsportswear.com

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Die neue Luminox Tough Viking-Uhr hält selbst widrigsten Wetterbedingungen stand. Der robuste «Swiss Made»-Zeitmesser ist bis 200 Meter wasserdicht, durch das Gehäuse aus Karbongemisch unglaublich leicht und liefert dank der energieunabhängigen Luminox Light Technology (LLT) eine einmalige Nachtsicht – 25 Jahre, sieben Tage die Woche. luminox.com

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Es ist wieder Zeit für die Gartenarbeit! Die neuen Modelle K 7 und K 5 der «Full Control Plus»-Reihe von Kärcher machen das Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger besonders komfortabel – auch im Garten. kaercher.ch

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Leicht, steif und bereits mit allen erdenklichen Lorbeeren des MTBSports gesegnet: Das rundum neue Spark RC 900 World Cup, wie es Olympiasieger Jenny Rissveds und Nino Schurter fahren, ist das perfekte Cross-Country-Fully für harte Etappenrennen wie das Swiss Epic. scott-sports.ch

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Action-Highlight

Der Sieg bei der Heim-WM 2013 in Südafrika war Greg Minnaars Karriere-Highlight, im Trophäenschrank des dreifachen Downhill-Weltmeisters ist aber noch Platz. Dass er mit 35 zehn Jahre älter als Titelverteidiger Danny Hart (GBR) ist? Kein Problem, wenn man ein eigenes Trainingsgelände vor der Haustür hat. UCI MTB World Cup 2017: alle Rennen auf Red Bull TV

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„Schwer zu sagen … keine Ahnung, was die Jungs machen.“ Downhill-Mountainbiker Greg Minnaar auf die Frage, was er im Training anders – und womöglich besser – macht als seine Gegner

KELVIN TRAUTMAN

Pietermaritzburg, Südafrika

Makes You Fly

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 10. August 2017.

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LIVE AUF

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The Red Bulletin August 2017 - CHD  

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