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Das Magazin abseits des Alltäglichen

august 2013

VOLLGAS! P S- O r g i e a m Pikes Peak

America’s Cup

FIGHT CLUB

Segeln am Rande des Wahnsinns


Die Welt von Red Bull

August 66 Das Speed-Boot

Groß wie ein Haus, schnell wie ein Hai. Wir segeln die America’s-Cup-Rakete AC72.

Coverbild: oracle team usa/guilain grenier. Bilder: oracle team usa/guilain grenier, sergei chyrkov

Willkommen!

Der America’s Cup 2013 sieht so gar nicht nach dem ältesten Sportbewerb der Welt aus. Wir ­haben es in der San Francisco Bay mit purem 21st Century Racing zu tun, einem Balanceakt am Abgrund des technisch Machbaren wie ­MotoGP oder Formel 1. Unglaublich schnell, spektakulär, faszinierend – und entsprechend gefährlich. Tragische Unfälle im Training haben die erwartbare Diskussion losgetreten, unser Statement ­finden Sie ab Seite 66. „Die Schöne ist ein Biest“ nennt Andreas Tzortzis seine Story, ­unser amerikanischer Redakteur recherchierte selbstverständlich vor Ort, und wenn wir „vor Ort“ sagen, meinen wir: ja, auch an Bord.“

Viel Vergnügen mit diesem Heft Die Redaktion the red bulletin

Fechtkönigin, Hardrock-Fan, ­Pin-up: Treffen Sie Olga, ab Seite 46.

„Das Shooting fürs Männermagazin hatte nicht nur gute Folgen.“ Olga Kharlan, Olympiasiegerin 3


Die Welt von Red Bull

August Auf einen Blick Bullevard

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10 18 21 22 24 26 27 28

Der will doch nur spielen

Fotograf Franco Banfi geht  mit gefährlichen Models  auf Tuchfühlung. Wir zeigen seine besten Bilder.

Hot Shots Bilder des Monats news  Das Wichtigste in Kurzform mein Körper  Ryan Sandes Kainrath  Kalenderblatt Formel  Die Wolke für zu Hause meine Welt  Neymar Santos jr. MUSIK GLobal Der Radio-Kult-Host Glückszahlen  One-Hit-Wonders

Features 30 Foto extrem

42  Elektro Guzzi

Eine analoge Techno-Band geigt auf.

44  Raphael Holzdeppe

Deutschlands menschliches Katapult

46  Fecht-Königin

Olga Kharlan mag Siege und Waffen.

76 Beat-Labor New York

Die Red Bull Music Academy holt die kreativsten Sound-Bastler der Welt in den Big Apple. Ein Lokalaugenschein.

50 Der König vom Pikes Peak

Wie Rallye-Champion Sébastien Loeb den Rekord beim legendären US-Berg­ rennen geradezu pulverisierte.

50 Loeb am Pikes Peak

Ein Rekord wohl für die Ewigkeit

60 „Großstadtklein“

Jungschauspieler lassen’s krachen.

66 I nside America’s Cup

Am radikalsten Segelboot der Welt

76  Red Bull Music Academy Talente lernen von Legenden.

Action!

21 Ryan Sandes’ Körper

„Schlaf ist wichtig“, sagt der Extremläufer. Bei 8000 absolvierten Kilometern pro Jahr glauben wir ihm das gern. 4



87 Springbrunnen im Club

Im „Joy Room“ in Mexico City duscht man mit Champagner und tanzt zu den prickelndsten Beats der Stadt.

86 87 88 89 90 92 94 96 97 98

Profi-Gear  Stefan Bradls Outfit CLub-Hits  „Joy Room“ in Mexiko City Reisen „Dune Bashing“ in Abu Dhabi WorkOut  Skaten mit Cecilia Baena City Guide  Best of Dublin Musik  Nick Littlemores Playlist Events  Nationale Top-Termine TV-Highlights  Red Bulls TV-Fenster Must-Haves Essenzielles im August Zeitsprung

the red bulletin

bilder: franco banfi, dan wilton/red bull content pool, flavien duhamel/red bull content pool, justin polkey, joy room

Franco Banfis gefährliches Hobby


Marc Webber for Pepe Jeans London


Contributors mit an Bord im august THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH General Manager Wolfgang Winter Verlagsleitung Franz Renkin Chefredakteur Robert Sperl

FRANCO BANFI

Ryan Inzana Die Werke des Comic-Künstlers und Illustrators finden sich in der „New York Times“ und im „Wall Street Journal“, Fußball beschäftigt ihn weniger. Bevor er Neymar für das Red Bulletin zeichnete („Meine Welt“, Seite 26), kannte Inzana Brasiliens Fußball-Superstar nicht einmal: „Ich dachte, Neymar ist der Name des Bootes von Ernest Hemingway.“ Und schmunzelnd: „Wir Amerikaner halten Fußball noch immer für eine Marotte – so wie das I­ nternet und Penicillin.“

GUILAIN GRENIER Auch wenn er in der Rue ­Ferrari in ­Marseille wohnt: Der Franzose ist ein wahrer Segel-Aficionado (und er weiß, was er fotografiert: 2008 überquerte er mit einem Segelschiff den Pazifik). Um die bizarre Schönheit der America’sCup-Yacht des Oracle-Teams perfekt zu präsentieren, charterte Grenier für die Red BulletinReportage einen Hubschrauber und verfolgte das Schiff während der Trainingsfahrten in der Bucht von San Francisco: Das atemberaubende Ergebnis finden Sie ab Seite 66.

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Während seiner Jugend am Luganersee ahnte der Schweizer noch nicht, dass ihm die Seen seiner Heimat bald zu eng werden würden. In­zwischen ist Banfi einer der weltbesten Unterwasserfotografen. Ob Krokodil oder Rochen, allen nähert er sich gleich furchtlos. Sein bisher gefährlichster Job war das Shooting einer gut gelaunten Anakonda in Brasilien: H ­ interher erfuhr Banfi, dass diese Schlangen sonst ausnahmslos alles verschlingen, was ihnen so nahe kommt. „Cheeese!“, Seite 30.

Creative Director Erik Turek Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Redaktion Alexander Macheck (Stv. Chefredakteur), Werner Jessner (Leitender Redakteur), Lisa Blazek, Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arek Piatek, Andreas Rottenschlager; Daniel Kudernatsch (App), Christoph Rietner (App) Mitarbeiter Stefan Wagner Lektorat Hans Fleißner Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Silvia Druml, Kevin Goll, Carita Najewitz, Esther Straganz Fotoredaktion Susie Forman (Creative Photo Director) Ellen Haas, Catherine Shaw, Rudi Übelhör Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Christian Graf-Simpson (App) Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits

Manuel Kurzmann

Marketing & Country Management Barbara Kaiser (Ltg.), Stefan Ebner, Stefan Hötschl, Elisabeth Salcher, Lukas Scharmbacher, Sara Varming Marketing-Grafik Julia Schweikhardt, Peter Knehtl

Die Recherche zu Til Schweigers neuester Filmkomödie „Großstadtklein“ (ab Seite 60) wird Red BulletinMitarbeiter Kurzmann ewig in Erinnerung bleiben: die Stimmung am Set in Berlin-Kreuzberg extrem locker, das Wetter ein Störfaktor (weshalb geplante Interviews mit den Schauspielern x-mal verschoben wurden), ein kaputter Handy-Akku und am Ende elf Stunden im Zug, weil der Flieger schon weg war. Stoff für ein weiteres Drehbuch, was meinst du, Til?

Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

„Ich dachte, Neymar ist der Name des Bootes von Ernest Hemingway.“ RYAN INZANA

Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

Abo und Vertrieb Klaus Pleninger, Peter Schiffer Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Martin Olesch; anzeigen@at.redbulletin.com Anzeigendisposition Sabrina Schneider O∞ce Management Manuela Gesslbauer, Anna Jankovic, Anna Schober IT Michael Thaler

Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise The Red Bulletin erscheint in Deutschland monatlich im Abonnement, im alternativen Vertrieb und als Eigenbeilage der Leipziger Volkszeitung. Weiters wird The Red Bulletin monatlich in folgenden Ländern vertrieben: Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kuwait, Mexiko, Neuseeland, Österreich, der Schweiz, Südafrika und in den USA.

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Deutschland, Continental Produktionsstätte, Korbach, Fahrradreifen Konfektion. Andreu Lacondeguy; bei Continental beschäftigt: Ulf Günzel | www.conti-fahrradreifen.de

„LaCONTIguy“

[Andreu Lacondeguy] fährt Produziert in Deutschland

REVO TUBELESS READY

Race King 2.2

REVO TUBELESS READY

X-King 2.4


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im Netz

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N e ape l , Itali e n

Rundflug Mit bis zu 400 Stundenkilometern jagt Kunstflugpilot Matthias ­Dolderer seine Zivko Edge 540 über den neapolitanischen ­Himmel. Sein Job: Die Zuseher der America’s Cup World Series in der italienischen Hafenstadt sollten ein wenig den Atem ­anhalten. En passant entstanden spektakuläre Luftaufnahmen (im Bild: Dolderer über dem Krater des Vesuv), für die Fotograf Olaf Pignataro eine GoPro-Kamera an die linke Tragfläche der Zivko geschraubt hatte. Pignataros zufriedenes Resümee: „Das Ding hat problemlos eine Belastung von 12 g überstanden.“ Dolderer im Netz: www.matthiasdolderer.com Bild: Olaf Pignataro/Red Bull Content Pool

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G l a s g ow, S c h ot tl an d

Kleinkram Vor vier Jahren kurvte Danny Mac­Askill mit s­ einem Fahrrad noch durch das Dörfchen Dunvegan auf der schottischen Insel Skye. Inzwischen hat der BMXEquilibrist via YouTube und Filmleinwand Karriere ­gemacht. Sein Rezept: ein tiefer Griff in die BMX-­ Trickkiste, katzenhafte Körperbeherrschung und ein Gespür für kreative Schauplätze. Letzteres lebte der Schotte zuletzt in seinem Videoprojekt „Imaginate“ hemmungslos aus, wie dieses Foto vom Set beweist. Sein Motto: „Wahre Größe kommt von innen.“ MacAskills „Imaginate“: www.redbull.com/imaginate Bild: James North

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Baku, A s e r bai d s c han

Fallstudie Die Stadt als Spielplatz, Häuserdächer als Hindernisse: Für Freerunner Ryan Doyle zählt nur die eleganteste Linie quer durch verbautes Gelände – per Hechtsprung, Salto oder Klettereinlage. Sein Trainingsgelände auf diesem Bild: das Dach des Heydar-Aliyev-Kulturzen­ trums in Baku. Seine Freerunning-Philosophie: „Leb nicht in Angst vor deinen Fehlern – leg einfach los.“ Ryans Reise um die Welt: twitter.com/ryan_doyle Bild: Samo Vidic/Red Bull Content Pool

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Magic Moment

Licht An!

Die Crowd tanzt im Berliner Mauerpark zu Red Bull Hosted By Modeselektor. Für einen Augenblick taucht ein Gesicht aus der Menge. Klick! Lorenz Holder hat seinen Schuss im Kasten. „Ich wollte eine Person aus dem Trubel herausheben, die sich voll und ganz der Musik hingibt“, erzählt der Münchner Fotograf. „Ich platzierte einen Blitz mit Spot-Vorrichtung auf der Bühne – und drückte ab, als ich die tanzende Frau entdeckte.“ Das Making-of-Video zum Fotoshooting: www.redbull.de/music

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Bild: lorenz holder

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Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Voll aufs Gas! Sie sind jung, talentiert, hungrig – und rocken wie die Hölle. Egal ob mit Synthesizern oder Gitarren. Ohren auf für die vier neuen Bands bei Red Bull Records:

Daniel Simon, 37, entwarf die futuristischen Vehikel für Filme wie „Oblivion“ und „Tron: Legacy“.

Five Knives Sängerin Anna und ihre ElectroPunks aus Nashville mixen Dub­ step-Sounds mit harten Drums.

zeit­ maschinen Raumschiffe und Rennautos der Zukunft: Daniel Simon holt sie in die Gegenwart. Er ist ein Visionär. Ein Automobildesigner mit Weitblick. Bei Bugatti als Senior Designer unter Vertrag, entwarf Daniel Simon in seiner Freizeit futuristische Autos und Raumschiffe. Sein erstes Buch „Cosmic Motors“ (2007) bescherte dem Deutschen prominente Fans wie Motorsport­

New Beat Fund Die kalifornischen Hipster klingen cool-krachig wie Beck in Bestform. Anspieltipp: „Scare Me“.

Blitz Kids Hart, aber herzlich: Die britischen Emo-Rocker lassen verzerrte Gitarren auf große Melodien prallen.

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legende Jacky Ickx und Jobs für Hollywoodfilme wie „Tron: Legacy“, für den er die Lichtrenner kreierte. Seine neue großformatige Buchserie „The Timeless Racer“ zeigt in ihrer ersten Folge fiktive Boliden aus den Jahren 1981 und 2027. www.danielsimon.com

Bilder des Monats

Moment  mal!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach per Mail an: phototicker@redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost.

Vila Franca do Campo

Cliff Diver Orlando Duque bringt portugiesische Kühe auf neue Ideen der Freizeitgestaltung. Dean Treml the red bulletin

Bilder: daniel simon (2), Tina Korhonen

BearTooth Caleb Shomo (2. v. li.) ist der Kopf dieser Metalcore-Truppe. BandMotto: Auf sie mit Gebrüll!


Kreativ Am 7. 9. wird die Olympiastadt 2020 ­bestimmt. Drei anregende MaskottchenGeniestreiche.

Gee Atherton (GBR) dominierte die ersten Saisonrennen. Nun will er das Regenbogentrikot holen.

Turin 2006 Schneeball Neve und Eisblock Gliz ließen die Herzen der Olympia-Fans 2006, äh, schmelzen.

Bilder: imago (2), Getty images (2), Picturedesk.com (2)

Lieber Weltmeister Bereits in der letzten Saison fuhr Gee Atherton bei jedem einzelnen Rennen aufs Podium. In dieser Saison ist er genauso konstant auf der obersten Stufe des Podests zu finden. Die Gründe: „Wir stellten das Training um und haben das beste Bike im Feld“, sagt der 28-Jährige. Für die WM in Pieter­ maritzburg (RSA) wird es Änderungen ­geben: „Weil es viel zu treten gibt, werden wir aufs Gewicht schauen, eine hydraulisch verstellbare Sattelstütze montieren und vielleicht auch größere Räder verwenden.“ Wer ihm gefährlich werden kann? „Greg Minnaar, Mick Hannah, ­Aaron Gwin, in Summe fünf, sechs Leute.“ Müsste er wählen: lieber Weltcup-Gesamtsieger oder Weltmeister? „Der Gesamtsieg sagt vielleicht sportlich mehr aus, aber der WM-Titel hat mehr Prestige. Außerdem trägt sich das Trikot mit den Regenbogenstreifen verdammt angenehm.“ UCI Mountainbike-WM, 26. 8.–1. 9., www.uci.ch

Peking 2008 Die Fuwas sollten die Fengshui-Elemente symbolisieren – ­sahen aber aus wie zahme Pokémons.

Bitte Lächeln! Trendsetter und Hitproduzent Pharrell Williams (40) über Pep, Zukunftspläne und seine neue Leidenschaft: Kinderfilmmusik. Er schreibt Hits wie andere Leute Einkaufszettel. Für sich selbst ebenso wie für andere Künstler. Allein in diesem Jahr war Pharrell Williams mit Kollegen wie Destiny’s Child und Daft Punk im Studio. Mit Letzteren schrieb er den Sommerhit „Get Lucky“. Was macht der Typ, um auszuspannen? Er schreibt Musik für Kinderanimationsfilme. Sein neuer Soundtrack: „Einfach unverbesserlich 2“. the red bulletin: Du ­arbeitest in vielen Genres. ­Gemein ist all deinen Songs aber: Sie haben Pep. pharrell williams: Wir erleben eine Tragödie nach der anderen, die Menschen sind abgestumpft. Ich denke, unser kollektives Bewusstsein sehnt

sich nach einem Lächeln. Schreibt man Musik für ­einen Kinderfilm anders als fürs Radio? Am Ende ist es das Gleiche. Allerdings musst du mit dem Drehbuchautor und dem Regisseur harmonieren. Die Stücke müssen außerdem einheitlich klingen und die Stimmung des Films widerspiegeln. Welche Projekte stehen bei dir als Nächstes an? Derzeit produziere ich die Platten von Jay-Z, Kylie ­Minogue, Miley Cyrus und Jennifer Hudson. Wahnsinn, dass sie alle mit mir arbeiten wollen. Ich muss mich oft zwicken, um das überhaupt glauben zu können. Ich hab überall blaue Flecken deswegen. www.pharrellwilliams.com Pharrell Williams auf der Bühne

Atlanta 1996 Izzy war blau, trug Sneakers und ein breites Grinsen. Die Idee für den Morph liegt im Dunkeln.

DAS GEWINNERBILD

Tokio Dieser akrobatische Red Bull Street Style-Teilnehmer wäre auch für den Limbo prädestiniert. Naoyuki Shibata the red bulletin

Hongkong

Mit kräftigen Schlägen treibt die Trommlerin beim Red Bull Dragon Roar ihre Bootsbesatzung an. Andy Jones

Potosí

Stuntrider Aaron Colton demonstriert auf Boliviens Straßen innovative Zugänge zum ­Thema Kurventechnik. Patricio Crooker

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Bullevard

Mit Top-Speed durch die Bucht Philipp Buhl (23), Skipper des deutschen Youth-America’s-CupTeams, über High-Speed-Fahrten und Psychotricks auf See. the red bulletin: Ihr vertretet ab 1. September Deutschland beim Red Bull Youth America’s Cup in San Francisco. Wie groß ist der Unterschied zwischen euren Booten und jenen der Königsklasse? philipp buhl: Sie sind halb so groß, also 13 Meter lang und 7 Meter breit, schaffen aber bis zu 30 Knoten (ca. 55 km/h; Anm.) Spitze. Mit diesem Top-Speed durch die Bucht zu heizen ist Adrenalin pur.

Weltmeister Philip Köster: Training auf Maui

Windsurf-Dominator Philip Köster (19) macht Jagd auf WM-Titel Nummer drei. Beim Videodreh auf Maui outete sich ein prominenter Gast als Fan.

Was ist deine Aufgabe an Bord? Ich bin Skipper, also der Taktiker des Teams. Außerdem bin ich der Psychologe der Gruppe. Ich muss die Stimmung hochhalten. Wie machst du das? Viel ist nicht zu tun, weil die fünf Jungs heiß auf den Wettkampf sind. Manchmal muss ich sie jedoch auf den Boden der Realität zurückholen (lacht). Was ist euer Ziel? Wir wollen mit Top-Teams wie Neuseeland oder den USA mithalten – trotz geringerem Budget. Das Podium wäre ein Traum.

„Philip ist groß, kräftig und springt höher als alle anderen“, schwärmte der achtfache Weltmeister Robby Naish (50) beim Drehtermin am Surf-Hotspot Ho‘okipa auf Maui. Für das Action-Shooting mit Köster krempelte der Großmeister des Windsurfens kurzerhand seinen Termin­ kalender um. „Normalerweise triffst du Robby nie am Strand – er hat immer was zu tun, reist ständig herum. Sich mit ihm eine Welle zu teilen ist eine Riesenehre!“, verriet Köster nach Drehschluss. Der Deutsch-Spanier, der mit seinen Eltern in Vargas auf Gran Canaria lebt, entschied in den vergangenen beiden Jahren die Windsurf-Königsdisziplin „Wave“ für sich. Das Training auf Maui nutzte Köster als Generalprobe für die letzten Weltcup-Stopps in Klitmøller, auf Sylt und in Chile. Seine Ansage: „Ich will meinen Titel verteidigen!“

www.americascup.com/events/red-bull-youthamericas-cup

Das Video zur Surf-Session: www.redbull.de/philipkoester

Herr am Katamaran: Skipper Philipp Buhl

Vancouver Fliegender Wechsel von

Bike auf Kajak bei der Outdoor-Challenge Red Bull Divide and Conquer. Bryan Ralph

20



Zeltweg Dieser Skydiver hatte bei der

AirPower13, Europas größter Airshow, alles gut im Blick. Red Bull Skydive Team

New York Wer wünscht sich nicht einen Treequencer – einen Klangbaum – mitten in seinem Tonstudio? Aaron Rogosin, Red Bull Creation the red bulletin

Bilder: balazs gardi/red bull content pool (2), Imago (2)

Mission Titel-Hattrick


Bullevard

Mein Körper und ich

Ryan Sandes

Der 31-jährige Extremläufer aus Südafrika legt jährlich die Strecke Paris –Peking zurück, zittert nur vor Kälte und gönnt sich viel Schlaf.

Innere Stimme 

In Therapie 

1  Eiserne Reserve

Ein Vorteil auf langen Lauf­ distanzen ist klarerweise ­geringes Gewicht. Allerdings benötigt der Körper auch Fettreserven. Bei einer Größe von 1,78 Metern liegt mein Renngewicht zwischen 66 und 68 Kilogramm. Nach einem 100-Meilen-Lauf wiege ich um ein bis zwei Kilo weniger.

text: ulrich corazza. bild: justin polkey

Die häufigsten Verletzungen: Ermüdungsbrüche, Patella­ sehnenentzündungen, Läufer­ knie und Bänderdehnungen in den Knöcheln. Der Heilungs­ prozess dauert jeweils drei bis vier Wochen. Das Problem: Während dieser Zeit kompen­ siert der andere Fuß und wird dadurch überlastet. the red bulletin

4

Pro Jahr laufe ich 800 Stun­ den, was in Summe 8000 Kilo­ meter und 300.000 Höhen­ meter ergibt. Der Hauptfokus des Trainings liegt auf sauberer Lauftechnik – zweimal pro Woche arbeite ich mit einem Coach und einem Biokinema­ tik-Spezialisten. Für den beanspruchten Rücken regelmäßig auf dem Programm: Physio­ therapie und Chiropraktik.

GroSSes Zittern 

2 FuSSfessel

3

Wichtig sind lange Ruhe­ phasen – ich schlafe täglich acht bis neun Stunden. Am Morgen liegt mein Puls bei 47 Schlägen. Unter Extrem­ belastung schnellt er auf über 200. Auf häufiges ­Messen verzichte ich aber, ich achte lieber auf die Reak­tionen meines Körpers.

5

Krämpfe hatte ich – auch dank Kompressionsstrümp­ fen – bislang nur bei Ultra­ marathons in der Antarktis. Sobald du dort bei minus 20 Grad stehen bleibst, fällt die Körpertemperatur ­rapide ab, und die gesamte Muskulatur beginnt zu ­zittern und zu krampfen.

www.ryansandes.com

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illustration: dietmar kainrath

Bullevard

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the red bulletin


JEHTanZdeTl im erhältlich!

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AUF DVD!

Film: © 2012 Nitro Circus Live. Alle Rechte vorbehalten. Artwork: © 2013 Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.


Bullevard

Formelsammlung

Die Wolke für daheim

Gut fürs Raumklima? Wolken-Installation „Nimbus Minerva“ des Niederländers Berndnaut Smilde, Ronchini Gallery, London



bild: eeftinck schattenkerk. Illustration: Mandy Fischer

Künstler Berndnaut Smilde macht Wetter im Wohnzimmer. Unser Physiker* erklärt, wie. Schwebe-Kunst Ein Foto im Haus seiner Großeltern inspirierte den Amsterdamer Künstler Berndnaut Smilde zu seiner Wolke im Raum. Aber wie funktioniert diese Installation? Wolken bestehen aus kleinsten Wassertröpfchen, die in der Luft schweben. Damit sich die Tröpfchen bilden, muss der in der Luft gelöste Wasserdampf an kleinen Staubpartikeln kondensieren. Wasserdampf in der Luft ist uns als Luftfeuchtigkeit bekannt. Tropfen bilden sich, wenn die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent erreicht oder, anders formuliert, wenn die Luft keinen zusätzlichen Wasserdampf mehr aufnehmen kann. Der Gesamtdruck der Luft, p, ist die Summe des Teildrucks der trockenen Luft, pt, und des Teildrucks des Dampfes, pd. Überschreitet der Dampf-Teildruck einen gewissen Schwellenwert, den Sättigungsdampfdruck des Wasserdampfes in der Luft, tritt Übersättigung ein. Der Dampf kann kondensieren, und es können sich Wassertropfen bilden. Die relative Luftfeuchtigkeit ist als das Verhältnis des Dampf-Teildrucks zum Sättigungsdampfdruck definiert: f = pd/ps × 100. Der Sättigungsdampfdruck ist von der Temperatur, T, abhängig, wie die durchgezogene ­Linie, ps(T), in der Abbildung zeigt. Zieht nun ein feuchtwarmes Luftpaket durch eine kalte Bodenschicht, kühlt die Luft ab, der Teildruck des Wasserdampfes übersteigt den Sättigungsdampfdruck, und es bildet sich Nebel. Dieser Prozess ist durch die horizontale, gestrichelte Linie in der Abbildung dargestellt. Der Schnittpunkt mit der Kurve ps(T) ist der Taupunkt. Aber wie bringt der Künstler die Wolke ins Museum? Mit einem Trick. Übersättigung tritt auch dann auf, wenn zusätzlicher Wasserdampf in bereits gesättigte Luft gebracht wird. Daher befeuchtet Smilde die Luft in der Galerie zuerst ­intensiv mit einer Wassersprühflasche. Dann bringt er Dampf aus einer Nebelmaschine in den Raum. In der Grafik wird die Linie ps(T) von unten nach oben vertikal geschnitten. Es tritt Übersättigung ein, und die Wolke aus Wassertropfen bildet sich. Damit sie aber im Raum schwebt, darf sie weder rasch aufsteigen noch absinken. Die vertikale Beschleunigung eines Wolkenteilchens, aW, hängt vom Dichteunterschied des Wolkenteilchens und der umgebenden Luft ab. Ist die Dichte eines Wolkenteilchens, ρW, gleich der Dichte der umgebenden Luft, ρL, ist die Beschleunigung null – und die Wolke schwebt. Taupunkt und Dichten sind temperaturabhängig. Konkret heißt das: Um Wolken entstehen zu lassen, sollte die Temperatur unter 20 °C liegen. Mehr zum Wolken-Künstler: www.berndnaut.nl * Prof. Thomas Schrefl unterrichtet und forscht an der FH St. Pölten, Niederösterreich.

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Bullevard

Meine Welt

Neymar

Er hat mehr Follower als der Dalai Lama (auf Twitter), kickt mit Messi um den Titel in der Champions League und soll Brasilien zum Gewinn der Heim-WM führen. ­Fußball‑Wunderkind Neymar im Fact-Check.

Gut riechen

Der Zeitschrift „GQ“ verriet Neymar, dass er das Haus nie ohne Aftershave verlässt. Pelé rümpft über so viel Eitelkeit die Nase: „Der Junge soll sich aufs Fußballspielen konzentrieren.“

Start auf der Straße

Neymar da Silva ­ antos Júnior wird S am 5. Februar 1992 in Mogi das Cruzes geboren, 40 km östlich von São Paulo. Gemäß den Regeln für brasilianische Fußballstars beginnt er seine Karriere als Straßenkicker.

Nationalheld?

„Ein besonderer ­Spieler“, sagt Ronaldo über Neymar vor der WM. „Er verkompliziert alles“, sagt Carlos ­Alberto. „Ich spüre keinen Druck“, sagt Neymar. Wer’s glaubt.

Ende der Kindheit

Ab 2003 kickt Neymar für den Santos FC – das ist das Ende der un­beschwerten Kindheit. „Was mir sehr fehlt“, sagt er später, „ist das Kicken mit Freunden am Strand.“

„Ich habe mit Santos einen Vertrag bis 2014“, sagt Neymar dem „Time“-Magazin im Februar. Drei Monate später unterschreibt er bei Barcelona. Beim Meinungsumschwung behilflich: 57 Millionen Euro, die neunthöchste Transfersumme der Geschichte.

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Schönstes Goal Zwitschernd klettern

@Njr92 erobert die ­Twitter-Top-100. Bei Redaktionsschluss liegt er mit 7 Millionen Followern vor dem Dalai Lama (Platz 87). Vor ihm: Cristiano Ronaldo (19 Mio., Platz 16), aber der zwitschert auf Englisch, Neymar auf Portugiesisch.

Leben als Film

Als vor dem letzten seiner 225 Spiele für Santos im April die Nationalhymne erklingt, verdrückt der Held ein paar Tränen. Nach dem Spiel sagte er: „Mein ganzes Leben lief in diesem Moment wie ein Film vor mir ab.“

Seit 2009 schreibt die FIFA einen Award für das schönste Tor des Jahres aus, Neymar ist jährlich nominiert – ups, 2009 ist es der namensverwandte Landsmann Nilmar. 2011 erzielt Neymar das offiziell schönste Tor der Welt.

www.neymaroficial.com the red bulletin

text: paul wilson. illustration: ryan inzana

Planänderung


Bullevard

Xee und Moleshe sind die Radio-Hosts von „Globalize Yourself Stereo“.

Vollgas in Berlin

Bilder: globalize yourself, lance koudele, gepa pictures/red bull content pool, craig kolesky/red bull content pool, nina jelenc. Illustration: dietmar kainrath

Radio-Host Sakhile Moleshe über die Clubtrends der Welt: mächtige Synthesizer, „773 Love“ & portugiesischen Sprechgesang. Als Sänger des südafrikanischen Dance-Duos Goldfish bereist Sakhile Moleshe die Welt. Er spielt in den besten Clubs und bei den größten Festivals. Erfahrungen, die der Musiker nun für sein neues Projekt nützt: die Radiosendung „Globalize Yourself Stereo“. Zweimal pro Woche servieren Moleshe und sein Partner Xee von Kapstadt aus die frischesten ElektronikTunes aus aller Welt. Dienstags gibt’s ruhigere Tracks, samstags liegt das Tempo höher – um die Hörer in Partylaune zu versetzen. Der Musiker im Word-Rap über die aufregendsten neuen Trends und Tracks am globalen Dancefloor. the red bulletin: Welche Stadt gibt am besten Gas? sakhile moleshe: Berlin. Dort wollte ich letztens einen Club namens „about blank“ checken. Ich war um 23 Uhr dort – der Laden aber noch gar nicht offen. Als ich um 1.30 Uhr zurückkam, waren gerade einmal zehn Leute am Dancefloor. Um fünf Uhr morgens, als ich schon am Weg nach Hause war, reichte die Schlange dann um den Block. Welche Musiktrends findest du derzeit spannend? Kuduro. Das ist sehr harte, aggressive Tanzmusik mit por­tu­ giesischem Sprechgesang. Der Stil kommt ursprünglich aus Angola, mittlerweile läuft das Zeug aber auch in europäischen Clubs. Und die Leute flippen dazu völlig aus. Außerdem finde ich Shangaan Electro aufregend. Ein Trend aus meiner Heimat Südafrika. Der Beat ist unglaublich schnell, das doppelte Tempo von Rave-Musik. Und dementsprechend verrückt sind die Tanzschritte. Welcher Song läuft bei euch derzeit auf Heavy Rotation? „773 Love“ von Jeremih. Viele Jahre kam die spannendste House-Musik aus Berlin und London. Nun schlägt Amerika zurück. Mit einer Mischung aus Trap-Music und HouseBeats. Das bedeutet: mächtige Synthesizer, viel Bass, rauer Rap-Gesang – gepaart mit schnellen Rhythmen. Der Track von Jeremih schlägt voll in diese Kerbe. Wir wollen die Hörer von billigem David-Guetta-Kram wegholen und ihnen zeigen, dass es auch anspruchsvollere Club-Musik gibt. „Globalize Yourself Stereo“: jeden Dienstag und Samstag zwischen 19 und 20.30 Uhr (MEZ); www.redbullmobile.com/globalizeyourselfstereo the red bulletin

Die Sieger des Monats

Trickreichtum, Hartnäckigkeit und Mut zum Risiko machten sich für diese Herren bezahlt.

Mit den Tricks Front Blind Mobe, KGB, Tootsie Roll und Back Mobe sicherte sich Kitesurfer Aaron Hadlow (GBR) den Sieg beim Triple-S Slicks Invita­tional vor North Carolinas Küste.

Endlich überwand ­ ebastian Vettel den S „Fluch“, in Deutschland nicht gewinnen zu ­können. Der dreifache Weltmeister fuhr am Nürburgring seinen ersten Sieg vor heimischem Publikum ein.

Trotz einfacher Strecke und damit verbundener höherer Anzahl von Sieganwärtern ­feierte der Belgier Maxime Richard bei der Wildwasser-KanuWM in Solkan (SLO) seinen ersten Titel.

Mit einem riskanten zweiten Heat schnappte Julian Wilson (AUS) im Finale des ASP Prime Mr Price Pro Ballito dem Süd­afrikaner Jordy Smith noch den Sieg weg.

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Bullevard

Zahlen des Monats

One-Hit-Wonders Einmal einen Hit zu landen ist der Traum jedes Künstlers. Das Problem: Bei vielen bleibt es bei dem einen Mal. Kleine Geschichten über große Eintagsfliegen.

1

Hit per Handbuch: Edelweiss

Von Harper Lee oder Capote?

14

Das spanische Flamenco-Duo Los del Río, gegründet 1962, wartete 34 Jahre auf seinen ersten – und einzigen – Welthit. Der schlug dafür aber richtig ein: „Macarena“ ist der erfolgreichste Song eines OneHit-Wonders. Die Remix-Version stand 1996 für 14 Wochen an der US-Charts-Spitze, verkaufte sich weltweit 11 Millionen Mal und löste einen globalen Tanztrend aus.

264

Das erste One-Hit-Wonder der Geschichte? Johann Pachelbel mit „Kanon und Gigue in D-Dur“. 264 Jahre nach dessen Tod wurde das Stück ein Welthit: 1970, in einer Aufnahme von Jean-François Paillards Orchestre de Chambre, die sich zum Hochzeitsstandard entwickelte. Green Day, U2 und Alicia Keys haben die prägnante Akkordfolge für eigene Hits entlehnt.

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160

Bill Drummond und Jimmy Cauty hatten als The KLF sieben Songs in den britischen Top 10. 1988 teilten sie ihr Wissen auf 160 Seiten: „Das Handbuch. Der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit“. Das Wiener Spaß-Projekt Edelweiss folgte dem Hit-Knigge und er­ oberte mit dem Jodel-Hit „Bring Me Edelweiss“ 1989 prompt in vier Ländern Platz 1.

30.000.000 Kein Nr.-1Hit: Jimi Hendrix, Norah Jones, Iggy Pop

1961 gewann Harper Lee mit ihrem Erstling „Wer die Nachtigall stört“ den Pulitzer-Preis. Der Roman verkaufte sich 30 Millionen Mal, wurde 1962 mit Gregory Peck verfilmt und gewann drei Oscars. Ein Nachfolge­ werk blieb die Autorin schuldig. Was Gerüchte nährte, weite Teile des Romans stammten aus der Feder ihres Freundes Truman Capote, dem Lee bei „Kaltblütig“ beistand.

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Pachelbels Kanon in D-Dur

Los del Río: „Macarena“

1963 sollte der Werber Harvey Ball ein Logo für eine Lebensversicherung entwerfen. Nach kolportierten zehn Minuten war der Smiley geboren: gelb, rund und grinsend. Allein­bis 1971 wurden 50 Millionen der Aufstecker verkauft. Ball wurde durch den Smiley weltbekannt, aber nicht reich. Er hatte sich das Logo nicht schützen lassen – er erhielt für das Design 45 Dollar. the red bulletin

text: florian obkircher. bilder: ddpimages, rex features, frank w. ockenfels, shutterstock, xavier Martin

Was vereint Jimi Hendrix, Iggy Pop, Beck und Norah Jones? Sie sind eine Art One-Hit-Wonders. Keiner von ihnen konnte mehr als eine Single in den Top 40 der US-Charts platzieren. Beck ist – unter diesem zweifelhaften Aspekt – noch der Erfolgreichste:­1994 stand er auf Platz 10 – mit „Loser“.

Harvey Balls Smiley


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Cheeese! Franco Banfis Lieblingsmodels sind Haie, Anakondas, Stachelrochen und Krokodile. Protokoll einer 足h ochriskanten Leidenschaft. Text: Arek Piatek, Bilder: Franco Banfi

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Nahaufnahme

Close-up eines Blauhais vor den Azoren im Atlantischen Ozean in rund 15 Meter Tiefe.


Fotosession im Sumpf. Eine 8-Meter-Anakonda im Nahfokus des Schweizers

lötzlich bemerkt der Seeleopard den Taucher. Und lässt von dem verwundeten Pinguin ab, den er zuvor in einem gnadenlosen Ritual aus Schnappen und Wiederloslassen durchs Wasser gehetzt hat. Jetzt hat er den Mann mit der Unterwasserkamera im Visier: Der 300-Kilo-Räuber schießt einige Meter durchs Wasser und stoppt direkt vor dem Taucher. Auge in Auge. Wenn er wollte, könnte er sein Gegenüber jetzt töten. Sofort. Mit einem einzigen Biss seines gewaltigen Kiefers mit den dolchartigen Reißzähnen. Für Franco Banfi gehören derlei Situationen zum beruflichen Alltag. Der Schweizer ist 55 Jahre alt, kommt aus Lugano und zählt zu den gefragtesten ­Unterwasserfotografen der Welt. Und er hat schon ­alles, was einem im Wasser gefährlich werden kann, aus nächster Nähe abgelichtet: Krokodile, Haie, Anakondas, Seeleoparden, Riesenkalmare oder Stachelrochen. Er sagt: „Ich bevorzuge Spezies, die schwer zu fotografieren sind. Dafür riskiere ich mein Leben.“ Vor rund dreißig Jahren kam Banfi zur Unter­ wasserfotografie, durch Zufall: „Freunde überredeten mich zum Tauchen im Luganersee. Die Welt unter der Oberfläche faszinierte mich auf Anhieb.“ 32



Die Unterwasserfotografie wird für Banfi zur ­ assion. Das Handwerk bringt er sich selbst bei, auch P das Wissen über die Tiere. Und er merkt: „Um als ­Fotograf aufzufallen, musst du tun, was noch keiner getan hat.“ Sein Zugang: „Ich presche nicht sofort los für den Lucky Shot, sondern suche zuerst das Vertrauen der Tiere. Wenn dich gefährliche oder scheue Meeresbewohner in der Nähe dulden, bekommen deine Bilder eine neue Dimension.“ Mit 25 verkauft er erstmals Fotos dieser Art an ein italienisches Tauchmagazin – „für einen Spott“. Mit 34 gewinnt er die Weltmeisterschaft der Unterwasserfoto­ grafie auf Kuba. Zu diesem Zeitpunkt werden Banfis Fotos längst in Magazinen wie „BBC Wildlife“, „GEO“, „National Geographic“ und „stern“ veröffentlicht. Die Kunst, sich Tieren zu nähern, so Franco, sei ein Mix aus Wissenschaft und Erfahrung. „Jede Spezies regiert anders.“ Doch eine Überlebensregel gelte fast immer: „Zeige dem Tier Respekt, aber nie Angst.“ Letzteres hat ihm beispielsweise bei der Begegnung mit dem Seeleoparden das Leben gerettet: „Ich blieb standhaft und hielt ihm die Kamera entgegen. Er schwamm wieder weg.“ Ausnahmen gibt es immer: „Wird zum Beispiel eine Anakonda aggressiv, verschwindest du besser. Sie sind primitiv und brechen Attacken niemals ab.“ Dem Red Bulletin schildert Franco Banfi die ­Storys hinter seinen beeindruckendsten Fotos.

Dreißig Jahre Berufs­ erfahrung als Fotograf unter Wasser: Franco Banfi the red bulletin


Im Paarflug mit Mantarochen

Diese Riesenexemplare vor der mexikanischen Pazifikinsel Socorro akzeptierten mich schon nach wenigen Tagen. Ihre Haut ist rau wie Schleifpapier. Ich legte meine Hände an sie und ließ mich von ihnen durchs Wasser ziehen. Als ich losließ, kamen sie zurück, und wir wiederholten die Reise.


Die Zähne des Kaimans

Kaimane sind bis zu zwei Meter lang. Um tagsüber abzukühlen, öffnen sie im Wasser bedrohlich ihr Maul und ver­ bleiben in dieser Position. In Brasilien pirschte ich mich schwimmend an dieses Reptil heran. Bewusst von vorn. Denn zur Seite beißen Kaimane am allerliebsten zu.


Der Tiger unter den Haien

Der Tigerhai zählt zu den gefürchtetsten Vertretern seiner Spezies. Unberechenbar und mit einem Gebiss, das Schildkrötenpanzer knackt. Wir köderten die Tiere vor Afrikas Küste mit Fischblut. Dieser Hai kam mir gefährlich nahe: Man sieht den Schatten meiner Kamera auf seiner Schnauze.

Eistauchen mit Belugas

Dieses mehrfach ausgezeichnete Foto schoss ich im Weißen Meer im Norden Russlands: Weißwale sind in der Regel menschenscheu. Doch dieser extrem neugierige und verspielte Kerl war eine Ausnahme. Er kam so nah ran – ich musste ihn immer wieder mit der ­Kamera wegstoßen, um überhaupt ­fokussieren zu können. 35


Credit:


Jagd nach dem Jahrhundertfoto

Credit:

Noch keinem gelang es, die Geburt von Stachelrochen in Freiheit zu fotografieren. Ein Meeresbiologe und ich begleiteten dieses trächtige Weibchen eine Woche im Atlantik (und wir nahmen uns dabei vor seinem tÜdlichen Giftstachel in Acht). Leider verloren wir es aus den Augen. Was blieb, sind Fotos des Tieres auf seiner ewig langen Suche nach einem Laichplatz.



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Die satte Anakonda

Dieses Foto entstand in Brasiliens Sumpfgebiet Pantanal. Anakondas lauern ihren Opfern am Ufer auf und fressen sogar Krokodile. Dieses Exemplar hatte zuvor gespeist und beachtete uns kaum. Doch dann wurden wir ihm lästig, und es öffnete sein Maul 180 Grad weit – und zwar Richtung Kamera: unser Signal zum Rückzug.

Biss in die Kamera

Papua-Neuguinea, 2001. Ein Salzwasserkrokodil in der typischen ­Lauerstellung am Meeresufer. Ich kam von der Seite näher und näher und drückte auf den Auslöser. Plötzlich zuckte der Kopf in meine Richtung – und das Tier biss in die Kamera. Die Spuren seiner Zähne sind bis heute auf meinem Fotoapparat verewigt.

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Des Pottwals sechster Sinn

Wale spüren es, wenn du nervös bist. Und es beruhigt sie, wenn du Ruhe ausstrahlst. Dieses Foto ist Resultat einer Harmonie zwischen Mensch und Tier. Bei diesem Pottwal wusste ich vorher, dass er abtauchen würde. Ich ging zuerst in die Tiefe und machte das Bild, während er an mir vorbeiglitt und mich ansah.


Raubtierfütterung

Für Haiaufnahmen brauchst du immer einen Köder, den du ihnen so vorhältst, dass sie ihn zwar riechen, aber nicht erreichen können. In unserem Fall waren das Fischstücke in käfigartigen Boxen (links im Bild). Wenn die Räuber kommen, beginnst du zu knipsen. Das Foto zeigt mich vor der Küste der Bahamas auf 15 Meter Tiefe, umkreist von 25 Zitronenhaien.

Fotoscheues Monster

Riesenkalmare packen Taucher mit den Greifarmen und ziehen sie in die Tiefe. So etwas hört man oft. Dieser Koloss begegnete uns in 80 Meter Tiefe und war eher vorsichtig: Beim Blitzlicht zuckte er und flüchtete – um sich dann langsam wieder heranzuwagen. www.banfi.ch

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the red bulletin


l a m h c u a Wer , l l i w n e austeil . n e l h 채 w geht Firat Arslan, Profiboxer und W채hler

Am 22. September 2013 ist Bundestagswahl. www.Du bistdieWahl.de


Elektro Guzzi

Wie Maschinen, bloß besser

Lupenreiner Techno, handgespielt mit Bass, Gitarre und Schlagzeug, immer live, nie mit Synthesizer. Und, klar: Das neue Album erscheint auf Audio­ kassette. Interview mit der spannendsten Elektronikband der Stunde. Text: Florian Obkircher, Bild: Dan Wilton jakob schneidewind: Außerdem arbeiten wir mit Gitarren-Effektgeräten wie Filter und Delays. Wir sammeln diese ­musikalischen Tretminen seit Jahren. ­Jeder von uns hat im Studio ein Regal voll. Ihr verwendet Effektgeräte, aber keine Computer. Wo zieht ihr die Grenze? bh: Wir verwenden auf der Bühne keinen Sequenzer. Das heißt: Wir haben keine Geräte, die uns das Tempo oder Abläufe vorgeben. Wir wollen nicht unter der Fuchtel von Maschinen stehen.

the red bulletin: Wie kommt man auf die Idee, Techno mit RockInstrumenten zu spielen? bernhard breuer: Als wir vor zehn Jahren mit Elektro Guzzi anfingen, waren wir Techno-Fans, konnten aber nicht mit dem Computer umgehen. Und DJs waren wir auch keine. DesHandgespielter Techno, live on stage: Elektro Guzzi halb spielten wir unsere Lieblings­ musik mit den Instrumenten, die wir js: Unser Anspruch ist: Jeder Sound, der beherrschten: Gitarre, Bass, Schlagzeug. beim Konzert zu hören ist, wird von uns Aber warum besorgt man sich keinen live auf der Bühne gespielt. Ohne ZuspieSynthesizer, wenn man Techno mag? lungen oder zusätzliche Klangquellen. bb: Wir kommen alle aus der experimenSeid ihr eurem Konzept auch im Tontellen Musikszene. Da besteht die Herausstudio treu? forderung darin, seinem Instrument inter­ js: Klar. Wir spielen auf Platte alles live essante Klänge zu entlocken. ein. Es gibt keine zusätzlichen Spuren Wie erzeugt man Sounds mit der oder Instrumente. ­Gitarre? Ist das nicht ein Problem, weil euch bernhard hammer: Ich klemme kleine der Hörer ja nicht sieht? Er weiß nicht, Metallklammern auf die Saiten. Dadurch ­welche Instrumente ihr verwendet. verändert sich die Obertonstruktur, das bb: Genau darin besteht die Heraus­ erzeugt glockenartige Klänge. Oder ich forderung: Wie kreiert man mit nur drei stecke eine Metallplatte zwischen die SaiInstrumenten Klänge, die möglichst vielten, die das Magnetfeld der Tonabnehmer stimmig klingen? Das erfordert langes stört. Das klingt auch ziemlich arg. 42



Soundforschen. Der Trick: Es geht darum, wie die Parts zueinanderstehen und ineinandergreifen. js: Im Prinzip sind wir ein Drumcomputer und zwei Synthesizer. Nicht mehr. bb: Oder ein Synthie mit drei Modulen. Techno gibt’s seit fast dreißig Jahren. Ist es nicht komisch, dass vor euch noch niemand auf die Idee gekommen ist, ihn von Hand zu spielen? bb: Was Krautrock-Bands wie Can und Neu! um 1970 gemacht haben, kam der Idee von handgespieltem Techno schon recht nahe. Der monotone Beat von Schlagzeuger Jaki Liebezeit ist legendär. Einer seiner Mitmusiker sagte damals: „Jaki spielt wie eine Maschine. Bloß besser.“ Euer neues Album erscheint auf Audiokassette, nicht auf CD. Ist das die logische Fortführung eurer Computerskepsis? bb: Der Grund dafür ist sehr banal: Das Album erscheint bei einem Label namens The Tapeworm, das nur Kassetten veröffentlicht. Für uns war das eine Herausforderung: Weil man Stücke von der Länge und vom Spannungsbogen her anders aufbaut, wenn sie auf Kassette gehört werden. Besitzt ihr denn selbst noch Kassettenrekorder? alle drei: Ja. bh: Meiner spielt die Kassetten aber leider etwas zu langsam ab. bb: Was bei Techno ja kein Problem ist. Techno ist eh immer zu schnell (lacht). „Circling Above“ (The Tapeworm) erscheint im August; www.elektroguzzi.net

Die besten Songs von Elektro Guzzi hören Sie in der Red Bulletin Tablet Edition. the red bulletin

zusatzbild: kipC.at

Wer Elektro Guzzi auf der Bühne erlebt, denkt zuerst einmal an Sehstörungen. Das Auge sieht: Bass, Gitarre, Schlagzeug – klassische Rockbesetzung. Das Ohr hört: hypnotischen Techno. Das Wiener Trio spielt elektronische Musik ohne elektronische Klangerzeuger. Gitarrist Bernhard Hammer klemmt Metallklammern auf die Saiten, um seltsame Sounds zu kreieren. Red Bull Music Academy-Absolvent Jakob Schneidewind schleift seine Bassgitarre durch Effektgeräte, Schlagzeuger Bernhard Breuer ergänzt seine Trommeln um Kochtöpfe. Nach ihrem Konzert am renommierten Sónar ­Festival in Barcelona sprach die Band mit dem Red Bulletin.


Mitglieder Bernhard Hammer (Gitarre), Jakob Schneidewind (Bass), Bernhard Breuer (Schlagzeug), Mario Stadler (Tontechnik) Wohnort Wien, Österreich Einflüsse Techno-Künstler wie Jeff Mills und Basic Channel Alben Elektro Guzzi (2010) Parquet; Live P. A. (2011) Erfolg 2012 wurde der Band neben Kollegen wie Anna Calvi und Swedish House Mafia der European Border Breakers Award verliehen (Nachwuchs-Musikpreis der Europäischen Kommission)

Backstage am Sónar (v. li.): Bernhard Breuer, Bernhard Hammer und Jakob Schneidewind. Im Hintergrund: Mario Stadler


Raphael Holzdeppe

Das menschliche Katapult

Sein Arbeitsplatz: liegt in sechs Meter Höhe. Seine Aufgabe: Rekorde brechen. Deutschlands bester Stabhochspringer über Billighotels in China, Usain Bolts Top-Speed und seinen goldenen Traum von Moskau. Interview: Manuel Kurzmann, Bilder: Ray Demski

eines Materialfehlers oder weil sie porös Stabhochsprung ist kein Sport, bei dem the red bulletin: Vom deutschen sind. Mir ist zum Glück noch nichts Gröman reich wird. Schläft man da als ­Medizinwissenschaftler Thomas Franberes passiert. ­Athlet auch mal in miserablen Hotels? kenbach stammt das Zitat: „Sag mir, Was wäre der Worst Case? 2006 gab’s vor der U20-WM in Peking ein welchen Sport du treibst, und ich sage Dass man auf dem Stab-Einstichkasten Trainingslager in der Nähe der Stadt. Und dir, wer du bist!“ Kann man Stabhochaus Metall oder neben der Matte landet. das Hotel war ein Griff ins Klo. Wir waren springer an ihrem Charakter erkennen? In den USA gab es erst vor ein paar Jahinsgesamt 100 Leute – davon haben 95 raphael holzdeppe: Wir haben den ren einige Todesfälle (2009 landete z. B. Magen-Darm-Grippe bekommen. Ruf, uns von anderen Leichtathletik­ der 19-jährige Collegestudent Leon Roach So etwas wird dir bei der Leichtathletikdisziplinen abzusondern und eigene beim Training neben der Matte und verWM in Moskau wohl nicht passieren. Wege zu gehen. Außerdem werden wir starb im Krankenhaus; Anm.). Die Gefahr Welche Ziele hast du dir gesetzt? schnell laut, wenn etwas nicht passt. unseres Sports ist uns allen bewusst. Ich bin aktuell Nummer eins in DeutschSeid ihr Perfektionisten? land und Nummer zwei der Welt. Im Klar, denn unser Sport ist extrem Moment läuft es also super. Vielleicht kompliziert: Bei einem Sprung musst klappt’s ja mit dem Weltmeistertitel du pro Sekunde bis zu 24 Bewegungs– und auf den deutschen Rekord abläufe umsetzen. Jedes dieser Ele(6,01 Meter; Anm.) bin ich ja schon mente trainieren wir täglich, bis alles länger scharf. rund abläuft. Wie steht’s mit deinem Russisch? Klingt nach Hardcore-Multitasking. Einer meiner ehemaligen Betreuer Das geht schon beim Anlauf los: Je war Weißrusse. Ich kenne allerschneller du bist, desto schwieriger dings fast nur Schimpfwörter, weil wird es, den Sprung zu kontrollieren. er im Training immer rumgeflucht Dein Anlauf-Top-Speed? hat (lacht). Derzeit zwischen 35 und 36 km/h. Es gibt die magische Marke Serhij Usain Bolt war bei seinem 100-MeBubkas, der ukrainischen Legende ter-Weltrekord 2009 nur gut 7 km/h – 6,14 Meter, die seit 1994 nicht schneller (43,7 km/h; Anm.). WM-Hoffnung Raphael Holzdeppe (23): Hardcore-Multitasking mehr übertroffen wurden. Warum? Und er musste keinen Stab mitschlepWas geht in deinem Kopf vor, wenn du Weil er ein Ausnahmeathlet war, so wie pen (lacht). Nein, ernsthaft: Unsere einen gültigen Versuch nahe deiner Usain Bolt heute. Es wäre vermessen, zu Sportarten kann man kaum vergleichen. Bestleistung (bei Redaktionsschluss sagen, dass dieser Weltrekord auf meiner Wie schnell muss man überhaupt an5,91 Meter; Anm.) auf der Anzeigetafel To-do-Liste steht. laufen, damit sich der Stab beim Absiehst und die Latte höher gelegt wird? Der Laie mag denken: Das sind doch sprung durchbiegt? Ich versuche das auszublenden. Aber so bloß 23 Zentimeter. Das kommt auf Größe und Gewicht an, ganz klappt das kaum je. Oft machst du Für uns sind schon fünf Zentimeter Welda gibt’s keine feste Regel. Anfänger verin solchen Situationen Kleinigkeiten unten! Wenn du dich ständig am Leistungswenden Drei-Meter-Stäbe, unsere sind bewusst anders, weil dich das Adrenalin limit bewegst, ist jeder Zentimeter theo5,10 oder 5,20 Meter lang. Ein weiterer pusht und du alles zerreißen willst. Das retisch mehr, als du schaffen kannst. Faktor: Härtegrad und Material. Ich vergeht schnell mal schief. Ich versuche, meine Grenze Schritt für wende Carbonstäbe, weil sie leichter als Wie verarbeitest du Rückschläge? Schritt zu verschieben. Bis es irgendGlasfaserstäbe sind, sich schneller streIndem ich es immer wieder versuche, bis wann heißt: bis hierhin und nicht weiter. cken und man rascher hochkommt. Rekordversuche nichts Besonderes mehr Aber an diesem Punkt bin ich noch nicht. Wie groß ist die Gefahr, dass ein Stab IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaft: 10.–18. 8. sind. Irgendwann kommt der perfekte bricht? in Moskau; www.raphael-holzdeppe.net Moment. Man muss nur geduldig sein. Das passiert immer wieder. Meist wegen 44



the red bulletin


Name Raphael Holzdeppe Geburtsdatum/-ort 28. September 1989 in Kaiserslautern Beruf Stabhochspringer und Sportsoldat Erfolge Olympia-Bronzemedaille (2012 in London), EM-Bronze­ medaille (2012 in Helsinki), U23-Europameister Persönliche Bestleistung 5,91 Meter (Freiluft), 5,82 Meter (Halle) Wassersport-Bestleistung 1. Platz beim „TV total“Turmspringen (Synchron) mit Kollege Björn Otto (2012)


Olga steht auf

Marilyn

*

Olga Kharlan ist ziemlich wahrscheinlich die beste Säbelfechterin der Welt. Auf jeden Fall ist sie die attraktivste. Ein Interview über Männermagazine und Podiumsplätze. Text: Ruth Morgan, Bild: Sergei Chyrkov

A

ls kleines Mädchen träumte Olga Kharlan davon, Verkäuferin oder Ballerina zu werden – aber nur bis sie zehn Jahre alt war. Da hielt sie zum ersten Mal eine Blankwaffe in der Hand – und wollte Fechterin werden. Das ist ihr erstklassig gelungen: Olga, mittlerweile 22, ist mehrfache Europa- und Weltmeisterin, zweifache Olympia­medaillengewinnerin (Gold 2008 in Peking, Bronze 2012 in London). Bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Budapest vertraut sie auf ihren Säbel, Selbst­ gespräche und Marilyn Manson. the red bulletin: Fechten ist, sagen wir, keine der ganz großen Sport­arten dieser Welt. Wie bist du denn dazu gekommen? 46



olga kharlan: Ich erinnere mich genau an den Tag, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Ich war ein Kind voller Energie, die irgendwie rausmusste. Also war ich sehr viel tanzen. Aber als ich zehn war, sagte meine Mutter: „Oletschka, tut mir leid, aber wir können uns deine Tanzstunden nicht mehr leisten.“ Da schlug mein Patenonkel, der als Fecht­trainer ­arbeitete, vor, dass ich einfach zu ihm in den Klub kommen soll. Wann hast du gemerkt, dass Fechten mehr ist als nur eine Möglichkeit, überschüssige Energien abzubauen? Am Anfang war es nur Spaß. Zu einer ­Leidenschaft wurde es mit den ersten ­guten Resultaten bei Wettkämpfen. Da entwickelte ich plötzlich richtig Ehrgeiz.

Was ist das Tolle am Fechten? Es ist eine ungewöhnliche Sportart mit sehr vielen Facetten. Zum Beispiel muss man den Gegner überlisten, wenn man gewinnen will. Wettbewerbsmäßig wird mit Degen, Florett und Säbel gefochten. Warum hast du dich für den Säbel entschieden? Degen und Florett sind reine Stoßwaffen. Der Säbel ist die einzige Waffe, bei der man auch punktet, wenn man den Gegner mit der Klinge trifft, nicht nur mit der Spitze. Die Waffe ist sehr agil, die Gefechte sind wahnsinnig schnell, viel dynamischer als bei Degen und Florett. Manche behaupten, Fechten sei körper-

* Manson, nicht Monroe. the red bulletin


Olga Kharlan, 22, Europa- und Weltmeisterin, zwei olympische Medaillen


gut, denn manchmal geht sogar mir das Fechten auf die Nerven. Dein Freund ist ja ebenfalls Fechter. Geht das ohne Reibereien ab? Dima ist auch Säbelfechter. Wir sprechen oft über unsere Kämpfe und geben uns sogar gegenseitig Tipps. Meinen Trainern wäre zwar lieber, ich wäre Single. Aber Dima war bisher nur eine Unterstützung für meine Karriere. Welche Musik bringt dich vor einem Gefecht in die richtige Stimmung? Ich liebe Musik und höre sie überall – im Auto, zu Hause, beim Training. Musik ­gehört natürlich auch zu meiner Vor­ bereitung auf ein Gefecht. Ich habe alles Mögliche auf meinem iPod, von Metallica bis Justin Bieber. Wenn sich mein Freund meinen iPod schnappt, ist er immer wie­ der überrascht, neulich hat er die Kopf­ hörer abgesetzt, den Kopf geschüttelt und gesagt: „Hä? Marilyn Manson?“ Dein Aussehen verschafft dir genauso viel Aufmerksamkeit wie dein sport­ licher Erfolg. Happy mit dem Ruf als Fecht-Pin-up? Es schmeichelt mir, dass mich Menschen hübsch finden, aber Komplimente sind mir unangenehm. Das Fotoshooting für ein ukrainisches Männermagazin hat Spaß gemacht – aber die Folgen waren nicht nur positiv. Meine Eltern hatten nichts dagegen, aber meine Trainer haben nicht verstanden, warum wir (Olga und ihre beiden Teamkollegen; Anm.) das getan haben. Danach habe ich zwar gesagt, ich würde nicht mehr für ein Magazin ­posieren, aber wer weiß … Du lebst immer noch in der Stadt, in der du aufgewachsen bist: Mykolajiw

Touché! Olga Kharlan (li.) bei den Säbelfechtmeisterschaften in der Moskauer Druschba-Arena.

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„Das Fotoshooting für das ukrainische ­Männermagazin hat Spaß gemacht – aber die Folgen waren nicht nur positiv.“

in der Nähe von Odessa. Du bist wohl eine lokale Berühmtheit? Nicht wirklich. Fechten ist in der Ukraine nicht besonders populär. Mein Auto fällt eher auf als ich – oder besser gesagt, das Nummernschild, weil es meinen Namen und die olympischen Ringe trägt. (Das Auto war ein Geschenk des ukrainischen Fechtverbandes nach Kharlans Olympiasieg; Anm.) Wirst du deine Heimatstadt je ver­ lassen? Ich habe immer schon in Mykolajiw ­gelebt. Alle meine Verwandten leben dort, und ich wohne mit meinen Eltern und meinem Hund gemeinsam in einem Haus. Meine Mutter hat immer etwas Leckeres für mich vorbereitet, wenn ich heimkom­ me – ich liebe ihren Borschtsch. Ich habe vor, mein ganzes hoffentlich langes und glückliches Leben dort zu verbringen. Du hast mit Fechten die ganze Welt kennengelernt. Reizt dich kein anderer Ort? Oh, Las Vegas ist toll. Wir hatten dort ein Turnier, vor drei Jahren, dann wurde es leider abgesagt. Für mich besonders schade, weil ich noch nicht 21 war, als wir dort waren – also habe ich Las Vegas nur als Sportlerin erlebt, nicht aber als Touristin. Das muss ich unbedingt einmal nachholen! Bist du nach all deinen Erfolgen immer noch nervös vor einem Gefecht? Immer! Selbstvertrauen ist eine komische Sache. In einer Minute hast du es, zwei Sekunden später ist es verschwunden. Das Wichtigste ist, sich von negativen Ge­ danken abzulenken. Meine innere Stimme hilft mir dabei. Deswegen führe ich oft Selbstgespräche – aber leise. www.redbull.com 

the red bulletin

Bild: daniel kolodin/red bull content pool (1)

lich kein besonders fordernder Sport. Du siehst das wohl anders? Natürlich. Man braucht viel Kraft und Ausdauer. Allein unsere Wettkampfposi­ tion: Die Beine sind immer abgewinkelt, das ist nötig, um schnell genug agieren und reagieren zu können. Aber es bedeu­ tet auch ständige Belastung für Knie und Rücken – und entsprechend oft Verletzun­ gen. Ganz abgesehen von den ständigen blauen Flecken von den Treffern. Wie ging es dir mit der Olympiabronze­ medaille in London um den Hals? Nach London kam ich mit dem Ziel, ­wieder Olympiasiegerin zu werden wie schon zuvor in Peking. Ich dachte, wenn ich das nicht schaffe, stürzt mich das in eine tiefe Depression. Dann gewann ich Bronze und fand heraus, dass es gar nicht so schlimm ist. Sobald du auf einem olympischen Podium stehst, bist du ein Gewinner. Wie anstrengend ist dein Training? Ich verbringe acht Stunden in der Turn­ halle, sechs Tage die Woche, mit allge­ meinem körperlichem Training und ganz spezifischem Fechttraining. Da üben wir gewisse Finten und Manöver und feilen an der Technik. Schon mal dran gedacht, den Wecker auszuschalten, die Turnhalle zu ver­ gessen und einfach mit Freunden abzu­ hängen wie eine normale 22-Jährige? So wenig Freizeit zu haben, das ist der härteste Teil meines Jobs. Wenn ich aber dann doch mal ein wenig Zeit habe, ver­ bringe ich sie mit zwei Freundinnen, die ich kenne, seit ich sechs war. Die haben nichts mit Fechten am Hut. Wir gehen ins Kino, quatschen, haben Spaß. Das tut mir


MInute n

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S e k u n d e n


H undertste l

Ewigkeit ist relativ im Motorsport, bloß: Diesen Rekord von Sébastien Loeb wird so schnell keiner brechen. Das ist die Geschichte des 91. Pikes Peak International Hill Climb, nicht zu Unrecht genannt Race to the Clouds.

Bild: flavien duhamel/Red Bull Content pool

Text: W ern er J essner


Bilder: flavien duhamel/red bull content pool

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„Ich will den Rekord“, sagt Sébastien Loeb, „aber ich weiß, es ist k e i n p l at z f ü r d e n k l e i n s t e n Fe h l e r. “


Peugeot Sport betrieb das Projekt „Pikes Peak ’13“ konsequent ernsthaft: Ein 875 PS starker 208-Allrad-Prototyp war die K ­ anone, Sébastien Loeb, weltbester Rallyefahrer, der Münchhausen und die endgültige Bestleistung das Ziel.

edes Jahr Ende Juni verlassen Eric, Mary und Mary-Joe, beste aller Schwiegermütter, das heimatliche Kansas und bereisen Amerika. Dieses Jahr hat sich Mary-Joe Colorado gewünscht: zuerst Pueblo, dann Colorado Springs, als Höhepunkt der ­Gipfelsturm auf America’s Mountain, den Pikes Peak. Vor 120 Jahren, am 22. Juli 1893, war Katharine Lee Bates auf diesem Berg der Text zur unsterblichen Hymne „America the Beautiful“ eingefallen, „und das 130-jährige Jubiläum werde ich wahrscheinlich nicht mehr erleben“, unkte ­Mary-Joe vom Rücksitz des Volvo. Die Straße wand sich auf den beliebten Ausflugsberg, eine Kurve folgte der nächsten, kein Ende in Sicht, alles war viel steiler und enger, als die drei es aus dem heimatlichen Kansas kannten. Mary klammerte sich an den Griff im Dachhimmel, im

Rückspiegel wippten Mary-Joes weiße Löckchen. Eric hatte alles im Griff: Klimaanlage ausgeschaltet (ein Schild bei der Mautstation hatte dazu aufgefordert), den niedrigsten Gang gewählt. Es gab kaum Leitschienen auf diesem Berg, Eric zwang sich, nicht zum Abgrund zu blicken. Seltsame Reifenspuren verunstalteten die ­engen Kehren, so eng, dass Eric jedes Mal stehen bleiben musste, um ums Eck zu schauen. Hinter ihm staute sich der Ausflugsverkehr, das machte Eric nichts aus. Manche der Reifenspuren führten in den Abgrund. Mary am Beifahrersitz atmete schnapp, Mary-Joe auf der Rückbank grinste entrückt. „Der Höhenrausch“, dachte Eric bei sich und navigierte die nächste Serpentine an. Am Gipfel des Pikes Peak blies ein ­eisiger Wind, kaum eine Dreiviertelstunde hatte der Anstieg gedauert, immerhin ­waren es über zwölf Meilen gewesen. Die drei wandten ihren Blick gen Osten auf die Great Plains, wo sie herkamen und wohin sie hoffentlich auch wieder unbeschadet zurückkehren würden, so es Gott gefiel. Im Souvenirshop kauften sie ein Sweatshirt, einen Aschenbecher und ein paar Kühlschrankmagneten, dann war es Zeit, sich wieder an den Abstieg zu machen. 1440 Höhenmeter weiter unten legten kundige Mechaniker zur selben Zeit ein letztes Mal Hand an jene Autos und Motorräder, die tags darauf bei der 91. Auflage des „Race to the Clouds“, des Bergrennens auf den Gipfel des Pikes Peak, jene zwan-


Credit

Bild: alastair ritchie


Credit

Das wilde Vieh mit den m채chtigen spoilern zoomt sich br체llend von einer Ecke in die n채chste d e n b e r g h i n a u f. 

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Gegner auf der strecke, fallen sich die Fahrer im ziel glücklich in die Arme.

Bilder: Alastair Ritchie (5), werner jessner (4), garth milan/red bull content pool (2), Flavien Duhamel/red bull content Pool (2)

Autos, Motorräder, Seiten­ wagen, Flügelmonster, Klassiker: Alles strebt nach oben. Die fröhliche Vielzahl der Kategorien bringt zweierlei: jede ­Menge Sieger und den ­Zuschauern einen ver­ gnüglichen Renntag

zig Kilometer in Angriff nehmen sollten, die zu den legendärsten der amerikanischen Rennhistorie zählen. Die Unsers, die Andrettis, die Millens, alle haben sich einst hier bewiesen. Ende der 1980er hatten die Europäer dem Rennen erstmals ihren Stempel aufgedrückt und mit ihren verrückten Rallye-Autos der Gruppe B den Streckenrekord pulverisiert. Mit mehr als 500 PS und Allradantrieb fiel auf der Schotterstraße zum Gipfel erstmals die 11-Minuten-Schallmauer. Seit 2012 ist die komplette Straße ­asphaltiert, und elf Minuten sind mittlerweile auch für viele der ambitionierten Einheimischen machbar. Längst ist die nächste Marke gefallen: Der 9 Minute Club jener Rennfahrer, die in weniger als zehn Minuten am Gipfel waren, zählt mit Ende 2012 bereits fünf Mitglieder: Rhys Millen (NZL, mit 9:46,164 aktueller Rekord­ halter), Romain Dumas (FRA, 17/1000 Sekunden langsamer), Nobuhiro Tajima (JAP) sowie die zwei schnellsten Motorradfahrer Carlin Dunne (USA) und sein Landsmann Greg Tracy. Letztere verbrennen 2013 bei ihrem Anlauf auf den Gipfel kein Benzin, sondern vertrauen auf elektrische Energie. Kaum ein Rennen ist dermaßen prädestiniert für den Einsatz elektrisch getriebener Fahrzeuge wie dieses: Alle konventionellen Motoren haben in der Höhe mit massivem Leistungsverlust zu kämpfen. Trotz großer Turbolader und kluger Elektronik findet sich nicht mehr genug Sauerstoff zum Verbrennen. Wer in der Höhe bloß ein Viertel seiner im Tal angetretenen Pferde einbüßt, hat seine Hausaufgaben gewissenhaft gemacht. Dieses Problem haben die Elektrischen nicht, dafür zwei andere: Die Akkus sind, selbst wenn sie bei diesem Rennen nicht sonderlich lange halten müssen, schwerer als eine Benzin-Antriebseinheit. Und auch wenn sich Autoher­ steller – etwa Mitsubishi – zu einigen der

Elektro-Projekte bekennen: Im Grunde ist das, was sie hier machen, doch Pionier­ arbeit und gehobene Bastelei. Damit wird man diesmal um den Gesamtsieg keine Silbe mitzuflüstern haben. Nicht, wenn der Gegner Sébastien Loeb auf einem 875 PS starken, 875 kg leichten Peugeot 208 T16 Pikes Peak heißt. Das einzige Thema hier am Berg ist nicht, ob Loeb den Rekord knacken kann, sondern bloß, um wie viel er ihn verbessern wird. Im Training hat er der Konkurrenz, darunter immerhin Millen und Dumas, mehrere Sekunden pro Kilometer abgenommen. ause zwischen zwei Trainingsläufen, der neunfache Rallye-Weltmeister Loeb hat sich in sein Wohnmobil ­zurückgezogen. Seine blauen Augen leuchten hell, was der inzwischen graumelierte Fünftagebart zusätzlich betont. Entspannt lümmelt der Neununddreißigjährige auf der Bank, und wiewohl von zarter Statur, legen die mächtigen Oberarme Zeugnis von seiner Arbeit ab, die da heißt: Domptieren eines gefährlichen Tieres. „Zuerst musste ich Vertrauen zum Peugeot aufbauen, herausfinden, wie nervös das Auto ist und was ich mit ihm machen kann. Bei einem Test in Frankreich haben wir die größten Probleme aussortiert – Übersetzung zu lang, Federung zu hart, Lenkung zu direkt –, und beim ersten Lauf hier in den USA hat das Auto das gemacht, was ich von ihm wollte. Ich weiß nicht, wie sich die Gruppe B ­angefühlt hat, aber dieses Auto ist schon verrückt schnell.“ Kann man hier überhaupt 100 Prozent Speed geben? Loeb zögert: „Sagen wir: 99 Prozent.“ Anders als in der Rallye-Weltmeisterschaft WRC gibt es hier keinen Beifahrer, der ihm unterwegs die Kurven diktiert. Wie genau kennt er die Strecke? Loeb lächelt: „Schon bevor ich hierhergekommen bin, hatte ich die Kurvenfolge komplett intus. Ich habe daheim OnboardVideos studiert, dann bin ich mit meinem Beifahrer Daniel Elena hergekommen, bin die Strecke abgefahren und habe ein Gebetbuch erstellt, ganz wie bei einer normalen Rallye-Sonderprüfung. In der WRC dürfen wir nur zweimal besichtigen: Beim ersten Mal erstellst du den Aufschrieb, beim zweiten Mal kontrollierst du ihn. Hier habe ich ab dem dritten Durchgang etwas für mich völlig Neues gemacht: Ich habe Daniel hundert Meter vor der nächsten Kurve gesagt, was 57


s gibt sie tatsächlich, die Stellen, an denen die Straße seitlich 500 Meter ins Nichts abbricht, ganz ohne Leitschiene. An manchen dieser Stellen, etwa in der poetisch „Devil’s Playground“ ge­ nannten Kurvenkombi­ nation auf 4000 Meter Seehöhe, erreichen die Autos der schnells­ ten, der „Unlimited“-Klasse Geschwindig­ keiten von weit über 200 km/h. Loeb: „Lenkst du mit einem derart starken Auto wie dem Peugeot einmal eine Nuance falsch ein, bist du Geschichte. Du musst unglaublich präzise sein. ‚Normale‘ Men­ schen können das vielleicht nicht ver­ stehen, aber früher auf Schotter war das einfacher: Da konntest du mit dem Auto viel mehr arbeiten.“ Wolken ziehen auf, für den Renntag prognostiziert der Wetterbericht eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 Prozent. Bereits um drei Uhr in der Früh wälzt sich eine kilometerlange Kolonne auf den Berg, vorbei an den Legionen von Cam­ pern, die schon am Samstag angereist sind. Am Gipfel ist es bitterkalt, das ges­ trige Schmelzwasser aus den Schneeresten neben der Straße ist noch gefroren. Als Erstes sind die Motorräder dran, große Helden allesamt. Supermotos, Ring-Geräte, Vintage-Eisen, sie alle machen sich den Berg untertan unter großen Ehrfurchts­ bezeugungen der Fans. Ein paar Uner­ schrockene erinnern daran, dass es Side­ cars noch immer gibt, ihr Herz ist größer als alles andere Menschenverwandte: Johnny Wood lädt seine Beifahrerin ­Giorgina Gottlieb in der vorletzten Kurve beinah ab; im Ziel hängt sie als weinendes Bündel um seinen Hals. Bruno Marlins Beifahrer, sein Sohn Jérémy, hängt im ­Eifer so weit aus dem Boot, dass sich der junge Franzose das Helmvisier am Asphalt anschleift. Es gewinnt der Amerikaner 58



Wade Boyd vor dem Japaner Masahito Watanabe. Obwohl Gegner auf der Strecke, fallen sie einander am Gipfel glücklich in die Arme. Nicht der Kontrahent ist der Gegner, es sind Berg und Uhr. Das gilt vor allem für Sébastien Loeb, den ersten Starter bei den Autos. Läuft ­alles nach Plan, dann wird er gewinnen, das ist klar. Interessant ist nur die Zeit. Lange bevor man ihn sieht, hört man ihn. Jeder Schaltvorgang ist eine Explo­ sion, die von den Felswänden der Rocky Mountains vervielfacht wird, und es ist ein Stakkato an Explosionen, das näher kommt, immer näher. Zwischen Devil’s Playground und dem Gipfel verschwindet die Straße immer wieder kurz, das Auge hat Mühe zu fokussieren. Eigentlich sollte die Silhouette des Peugeot 208 T16 Pikes Peak gleich da unten auftauchen, doch halt: Er ist schon beim nächsten Felsvor­ sprung eine Terrasse weiter. Das Ohr hat das Auge getäuscht, später wird die Tele­ metrie Spitzentempi von über 240 km/h auswerfen, jetzt die Beute nicht aus den Augen verlieren, das wilde Vieh mit dem mächtigen Spoiler zoomt sich brüllend von einer Ecke in die nächste, verschwindet, kommt wieder ins Bild, wischt vorbei, das waren locker 170 Stundenkilometer in dieser zweifachen 60-Grad-Rechtskurve, und im Ausgang lauern 300 Meter Ab­ grund. Das kurveninnere Vorderrad war am Scheitelpunkt exakt auf der weißen Linie, die das Ende des Asphalts markiert, ein Vorgang absoluter Präzision, einer ­jener Momente, wie sie im Auto einzig Loeb zustande bringt. Die Uhr im Ziel zeigt unglaubliche 8:13,878, jenseitige eineinhalb Minuten unter dem bestehenden Rekord. Die Mit­ gliedschaft im 9 Minute Club wurde an diesem Tag ein kleines bisschen weniger wert. Der Zweitschnellste, Vorjahressieger Rhys Millen, schaffte immerhin hochres­ pektable neun Minuten, zwei Sekunden, eh eine Ewigkeit besser als sein alter ­Rekord, aber halt doch eine andere Liga. Der große Meister zeigte sich oben auf 4300 Meter Seehöhe glücklich er­ leichtert: „Ich habe mich im Auto wohlge­ fühlt und beschlossen, voll zu attackieren. Der Pikes Peak war mein heuriger Saison­ höhepunkt, und dieser Rekord bedeutet mir wirklich sehr viel.“ Seinen letzten WRC-Lauf fährt er im Herbst in seiner Heimat Frankreich, ab 2014 startet er in der Tourenwagen-WM WTCC mit einem Citroën, der nur rund ein Drittel der Leis­ tung des Pikes-Peak-Peugeot haben wird. Zweifelsohne: Der neunfache RallyeWeltmeister hat die irre Woche in diesem unfassbar starken, radikalen und extra für ihn gebauten Auto sehr genossen.

Erschöpfter Jubel in über 4000 Meter See­ höhe: Sébastien Loeb nach dem Gipfelsturm

Inzwischen hat sich der Berg erinnert, warum die Menschen dem Rennen auf seinen Gipfel den Namen „Race to the Clouds“ gegeben haben. Regen, Hagel, Schnee, Nebel, Wind wechseln sich ab, es dauert den gesamten Nachmittag, um die letzten 24 Autos den Berg raufzuschleusen. Von guten Zeiten kann längst keine Rede mehr sein, wie denn auch: Jetzt fahren die Bastelkisten, die Eigen-, Um- und Ver­ bauten, Familienteams, Stammtische und Ergebnisse langer Winterabende. Die Zu­ schauer begegnen noch dem Letzten von ihnen mit großem Respekt und ehrlichem Enthusiasmus, völlig zu Recht. Sébastien Loeb steckt noch immer am Gipfel fest, mitten in Graupelschauer und Nebelsuppe. Abgefahren wird gemeinsam: der Hobbykrieger und der Rekordhalter. Vor dem Berg sind sie alle gleich. Im Best Western Hotel in Manitou Springs, in das sich Eric, Mary und MaryJoe zur Erholung von den Strapazen des Vortages zurückgezogen haben, herrscht längst schläfrige Ruhe. Mary-Joe schnarcht auf der Veranda, Mary schmökert im ak­ tuellen Ausgabe des „National Enquirer“. Eric hat die Kopfhörer in sein iPad ein­ gestöpselt und sieht sich die Übertragung des Rennens auf redbull.com an. Schon ein Teufelskerl, dieser Loeb. Nächstes Jahr wird er die zwei Mädels mit der Zahnrad­ bahn auf den Gipfel schicken, nimmt sich Eric vor. Er wird den Weg zum Gipfel ­allein bewältigen und bergauf in keiner einzigen Kurve mehr bremsen. Nehmen Sie Platz im Cockpit von Weltmeister Sébastien Loeb und rasen Sie zum Rekord in der Red Bulletin Tablet Edition. the red bulletin

Bild: Flavien duhamel/red bull content pool

kommt, und er hat mich kontrolliert. Ich habe gesagt: ‚120 links‘, und er hat mich beispielsweise korrigiert: ‚120 links plus.‘ Insgesamt sind wir den Kurs neunmal ­abgefahren, und bei den letzten drei Mal habe ich keinen einzigen Fehler mehr gemacht.“ Genau das ist auch nötig: Perfektion. Séb wollte es nicht anders. „Ich bin den Pikes Peak angegangen wie all meine ­Projekte: professionell, mit einem guten Team und höchstem Anspruch. Herzu­ kommen und nur mitzufahren hätte mich nicht gereizt. Ich will den Rekord. Aber ich weiß, dass hier kein Platz für den ­geringsten Fehler ist.“


die sau

rauslassen

wi e e i n profi

Heulen, küssen, baggern – alles auf Kommando. Vier Jungschauspieler aus T i l S c h w e i g e r s n e u e r K o m ö d i e „ G r o SS ­ sta dt k l e i n “ v e r r at e n i h r e F i l m -T r i c k s . T e x t: M a n u e l K u r z m a n n , B i l d e r : N o r m a n Ko n r a d

e

r ist Anfang zwanzig und lebt in einem Kaff in Mecklenburg-Vorpommern. Er liebt sein Moped und die örtliche Tankstelle, an der er mit seinen Kumpels abhängt. Ole ist Landmensch und glücklich. Bis ihm Opa Karl einen Praktikumsplatz verschafft – in Berlin. Mit diesem Story-Konzept in der Tasche bat Jungregisseur ­Tobias Wiemann 2010 um Filmförderung. Produzent Til Schweiger sagte zu. Im Sommer 2012 wurde das Nachwuchs­projekt in nur 30 Drehtagen realisiert. Rechtzeitig zur Kinopremiere von „Großstadtklein“ am 15. August verraten uns die Darsteller Klaas Heufer-Umlauf, ­Jacob Matschenz, Kostja Ullmann und Pit Bukowski, wie sie die drei brenzligsten Situationen vor der Kamera gemeistert haben. Merke: Tränenstift ist keine Lösung.

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1. Lektion

das erste mal

TV-Star Klaas HeuferUmlauf über sein KinoDebüt in „Großstadtklein“, falsche Flirts mit der Kamera und seine Vater­ figur Tobias Moretti.

Kino-Debütant: Klaas HeuferUmlauf: „Experte für jede Form des Schwachsinns.“



the red bulletin: Manche Leute werden sich fragen: „Was macht der Heufer-Umlauf in einem Film?“ Schauspielerei ist ja nicht gerade dein Steckenpferd. klaas heufer-umlauf: Nö. Ich bin eher Experte für jede Form des Schwachsinns. Hattest du vor dem Drehstart Angst, dass dich deine Kollegen nicht ernst nehmen? Ich dachte, dass sie genervt sind, weil so ein TV-Dödel daherkommt und ihnen in die Kunst pfuscht. Aber alle waren sehr nett. Sogar Tobias Moretti, der dich mit einem Augenzwinkern an die Wand spielt. Er hat mich auf seinen Bauernhof in Tirol eingeladen. Man kann sagen, wir haben mittlerweile ein enges VaterSohn-Verhältnis (lacht). Als Produzent und TVModerator tanzen alle nach deiner Pfeife. War es schwierig, mal nicht Chef sein zu dürfen? 61


Diese Art von Eitelkeit musst du hier gleich ablegen, sonst gibt’s Probleme. Wenn der ­Regisseur sagt: „Bitte mal Ruhe!“, hörst du keinen Pieps mehr, weil jeder seine Autorität respektiert. Und weißt du, was wirklich irre ist? Was? Jeder ist pünktlich! Meine Kollegen beim Fernsehen sind es gewöhnt, dass ich sie mal ein paar Minuten warten lasse. Es gab nur eine einzige 15-minütige Verspätung – ­wegen eines verpassten Fliegers. Deine Fernseh-Gags passieren meist spontan. Ist es leichter, einen vorgegebenen Text lustig zu spielen? Würde ich nicht sagen. Ich musste mir zum Beispiel ab­ gewöhnen, beim Sprechen ­direkt in die Kamera zu schauen, wie man es beim Mode­ rieren macht. Das mögen die Leute beim Film gar nicht – es sei denn, man dreht „Funny Games“ mit Michael Haneke. Wie hast du das mit der Schauspielerei angelegt? Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich nach einem Take gedacht habe: „Boah, das war jetzt richtig scheiße.“ Man macht als Anfänger oft den Fehler, Emotionen bereits zu zeigen, bevor dein Gegenüber den Satz ausgesprochen hat – weil man ja wegen des Drehbuchs weiß, was als Nächstes kommt. Wie hast du dieses Problem gelöst? Ich habe mich an ein Zitat von Jürgen Vogel erinnert. Der meinte: „Wenn du in ­einem Film so tun musst, als würdest du in ein Schaufenster schauen, dann guck einfach wirklich rein.“ Das habe ich auf meine amateurhafte Art und Weise nachzuvoll­ ziehen versucht. Wird man dich in Zukunft öfter auf der Kinoleinwand sehen? Für „Großstadtklein“ kam ­alles zusammen: tolles Buch, ich hatte Sommerpause, den Regisseur kenne ich schon seit Jahren – und die wollten mich auch noch. Wenn diese vier 62



sehr unrealistischen Faktoren nochmals zusammenkommen, bin ich gerne wieder dabei. Also: Angebote direkt an mich und großräumig vorbei an Joko Winterscheidt (lacht).

Zur Person: Klaas Heufer-Umlauf (29) ist Produzent und Moderator von FernsehShows wie „MTV Home“ (2009–2011) und „Circus HalliGalli“ (seit Februar 2013 auf ProSieben zusammen mit Joko Winterscheidt). Der gelernte ­Friseur lebt in Berlin und ist mit der ­österreichischen Fernsehmoderatorin Doris Golpashin liiert.


2. Lektion

Knutschen für Fortgeschrittene

Jacob Matschenz ist Antiheld Ole. Der Berliner über Romantik am Set und sein Duell mit 007.

Hauptdarsteller Jacob Matschenz: „Du küsst im Film wie im echten ­Leben – außer du spielst einen Ober-Nerd.“



the red bulletin: Du spielst einen Jungen vom Land, der nach Berlin zieht und sich zum ersten Mal richtig ver­ liebt. Gibt es Parallelen zwi­ schen dir und deiner Rolle? jacob matschenz: Nicht wirklich. Ich bin waschechter Berliner und kenne mich auf dem Land nicht so aus. Aber klar: Auch bei mir gab’s in dem Alter die eine oder andere Frau, die mich gefühlsmäßig zur Weißglut trieb (lacht). Wie hast du dich auf die ­Rolle vorbereitet? Ich musste auf den letzten Drücker den Führerschein machen, weil wir im Film viel herumfahren – zum Beispiel mit Schwalben (Kult-Motor­ roller aus der DDR; Anm.). Ansonsten nimmt man sich vor allem für die emotionalen Einstellungen Zeit. Liebes­ szenen klappen meistens nicht beim ersten Take. Wie funktioniert der per­ fekte Filmkuss? Im Prinzip küsst man wie im echten Leben auch – außer man spielt irgendeinen OberNerd, der noch nie im Leben

den Mund einer Frau aus der Nähe gesehen hat. Sind dir Sexszenen unan­ genehm? Wir haben beim Dreh für „Großstadtklein“ gleich mit einer Bettszene begonnen. Man fühlt sich wie unterm Mikroskop, weil rundherum 30 Leute stehen. So etwas wie Routine gibt es in solchen ­Situationen nicht – aber das ist okay, sonst wirkt die Szene nicht authentisch. Man ver­ sucht halt, so gut wie möglich auf den anderen einzugehen. Mir ist wichtig, vor dem Dreh mit meiner Filmpartnerin über die Szene zu sprechen, damit die Atmosphäre ein bisschen lockerer wird. Kommt es vor, dass sich zwi­ schen den Darstellern echte Gefühle entwickeln? Es gibt oft so was wie kurz­ zeitige Liebe. Die verfliegt aber meistens sehr schnell – weil man nach einem Dreh wieder in sein normales Leben zurückkehrt und seinen FilmCharakter gewissermaßen in die Schublade packt. Romantiker oder Schurke: Welche Rolle ist dir lieber?

Jeder will den Bösewicht spie­ len. Man hat mehr Freiräume und kann so richtig die Sau rauslassen. Welchen Bösewicht würdest du gerne verkörpern? Einen Gegenspieler von James Bond. Als Deutscher hat man da recht gute Chancen, oder? Eine Marvel-Comic-Verfilmung wäre auch geil. Warum bist du Schauspieler geworden? Weil du für eine gewisse Zeit ein anderer Mensch sein kannst. Zum Beispiel der tota­ le Player, auf den das schönste Mädchen der Stadt steht. Oder eben ein Bad Boy, der sich an keine Regeln hält. Es ist wie im Kindergarten: Du sitzt im Buddelkasten und kannst dich so richtig austoben.

Zur Person: Jacob Matschenz (29) gewann 2005 für seine Hauptrolle in „Das Lächeln der Tiefseefische“ den Max Ophüls Preis als bester Nachwuchsschau­spieler und war seither in Filmen wie „Bis aufs Blut“ (2010; dafür erhielt er 2011 den Bayerischen Filmpreis) oder „Dreileben“ (2012) zu sehen.

„ W i r h ab e n gleich zu beginn die Bettszene g e d r e h t. 3 0 L e u t e schauten Uns zu. Du fühlst Dich wie unterm M i k r o s k o p. “ 63


3. Lektion

Heulen auf Kommando

Kostja Ullmann und Pit Bukowski spielen Oles beste Freunde. Das Duo über Künstlerpartys und echte Tränen am Set.

the red bulletin: Wart ihr am letzten Drehtag traurig? kostja ullmann: Ein bisschen. Das ist so eine Gefühlsmischung aus „Schön, wir haben etwas gemeinsam erschaffen“ und „Ach, so könnte es noch ’ne Woche weiter-­ gehen“. pit bukowski: Die ganze Euphorie fällt von dir ab. Viele Schauspieler werden deshalb nach Drehschluss krank. ullmann: Vorher gibt’s aber noch ein großes Abschlussfest. Da werden wir gemeinsam ­anstoßen – danach bleibt genügend Zeit, um krank im Bett herumzuliegen (lacht). Weil wir gerade über große Gefühle reden: Wie heult man auf Kommando? bukowski: Wenn du ein paar Jahre dabei bist, bekommst du einen Clou, wie man Emotionen quasi auf Knopfdruck herstellt. Ich finde weinen viel leichter, als richtig laut zu lachen. Was haltet ihr von Tränenstiften oder der altbekannten Zwiebel-Taktik? ullmann: Emotionen wirken so halt nicht echt. Ich versuche, so banal es klingt, mich einfach in meinen Charakter hineinzuversetzen: Was macht 64



Gesichtsakrobaten Pit Bukowski (li.) und Kostja Ullmann. Ullmann war früher introvertiert.

„Beim Film kannst du super viel Asche in Extrem Kurzer Zeit v e r d i e n e n . “ –  „Sc h ö n wä r’s! “ er gerade durch, wie würde ich mich in einer ähnlichen Situation fühlen? bukowski: Für uns sind solche Emotionen fast wie Sport. Da trainiert man auch jahrelang, bis man einen Trick oder eine Bewegung draufhat.

Seid ihr auch im echten Leben Menschen, denen es leichtfällt, Emotionen zu zeigen? ullmann: Ich war früher sehr ruhig und introvertiert und habe erst durch die Schauspielerei gelernt, meine anderen Seiten auszuleben – das hat mir auch im Privatleben geholfen. In einem Satz: Was ist für euch das Besondere an der Schauspielerei? bukowski: Dass man super viel Asche in extrem kurzer Zeit verdient (lacht). ullmann: Schön wär’s! bukowski: Und Autogramme

schreiben ist extrem geil – ich habe Jahre investiert, um mir eine schöne Unterschrift anzutrainieren.

Zur Person: Kostja Ullmann (29) wurde 2007 für seine Rolle in „Verfolgt“ mit dem New Faces Award als bester Nachwuchs­ schauspieler ausgezeichnet. Der Ham­ burger spielte in Kinoproduktionen wie „Stellungswechsel“(2007) oder „Schutzengel“(2012). Pit Bukowski (25) feierte sein Spiel­ filmdebüt 2003 in „Sie haben Knut“. Seither wirkte er unter anderem in „Dorfpunks“ (2009) oder Theater­ produktionen wie „Ansichten eines Clowns“ (2012) mit. „Großstadtklein“: Premiere am 15. 8. the red bulletin


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Bild: ORACLE TEAM USA/Guilain GRENIER

Dieses Schiff kann fliegen: Bereits ab 9 km/h Wind heben sich die Rümpfe der AC72 aus dem Wasser.


Die Schöne ist

ein biest

 Hoch wie ein Zinshaus, schön wie die Sünde, schneller  als ein Hai:  Das ist die AC72, vulgo das Boot, mit dem der  America’s Cup bestritten wird. The Red Bulletin war  an Bord: So fährt sich das Biest.

Text: Andreas Tzortzis

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Mit bis zu 72 km/h rast das Boot durch die Bay. Nur Schwerter und Steuerruder tauchen ins Wasser.

einer Vorausscheidung von drei Booten aus Schweden, Neuseeland und Italien. Der Kampf wird mit Carbon-Katamaranen ausgetragen, die auf dolchartigen Rümpfen über das Wasser schießen, angetrieben nicht von einem herkömmlichen Segel, sondern von einem CarbonFlügel, größer als der einer Boeing 747. „Niemand, nicht einmal wir Profis, hatte noch vor ein paar Jahren irgendeine Ahnung von dem, was heute Realität ist“, sagt Spithill. „Hinter uns liegt ein Quantensprung. Peng!“ Diese AC72 genannten Boote sind die

größte Herausforderung, der sich Segler jemals zu stellen hatten. Sie sind schneller, aggressiver, spektakulärer als alles, was bisher vom Wind übers Wasser getrieben wurde – und sie sind gefährlicher. Anfang Mai brach das schwedische Boot Artemis, der britische Olympiasieger Andrew ­Simpson starb, nachdem er zehn Minuten unter Wasser eingeschlossen gewesen war. Der Unfall trat weltweit heftige Diskussionen los, Skeptiker und Befürworter der neuen Generation von Segelbooten prallten aufeinander, Regeländerungen wurden diskutiert, unter anderem eine the red bulletin

Bilder: Cameron Baird/Red Bull Content Pool

er Wind schießt durch die Pfeiler der Golden Gate Bridge wie eine prügelnde Gruppe von Hafenarbeitern durch die Tür einer Bar. Er peitscht Schaumkronen auf die Wellen in der San Francisco Bay, rüttelt an den hübschen Hügeln von Angel Island, pfeift durch die Fenster von Alcatraz und reißt den Touristen ihre Schirmkappen von den Köpfen. Auf dem Wasser hängen die Boote schräg, die Enden ihrer Segel flattern scharf in den 25-Knoten-Böen (über 46 km/h). Aber auf dem 72-Fuß-Kata­ maran (knapp 22 Meter lang) mit dem 13-stöckigen Flügel als Segel ist es still. „Der Flügel macht kein Geräusch“, sagt Jimmy Spithill. „Das ist das Allercoolste dran.“ Der Australier ist Skipper des Team Oracle USA. Rothaarig, 34 Jahre alt, der jüngste Skipper, der je die Trophäe gewann, als er nämlich Larry Ellisons abenteuerlichen Blade-Runner-trifft-­ Waterworld-Trimaran zum Sieg im America’s Cup 2010 steuerte. Im September wird er als Chef einer hochkarätigen elfköpfigen internationalen Crew in der 34. Ausgabe des weltweit ­ältesten sportlichen Wettkampfs den Titel verteidigen. Herausforderer ist der Sieger


„Eine kleine Unacht-   samkeit genügt, und   das Boot reißt dich in   Stücke“,  sagt Oracle-   Skipper Jimmy Spithill.   Vor einem Jahr zerbrach   sein Schiff bei einem   „Nosedive“.  the red bulletin

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„Jeder an Bord arbeitet    unglaublich hart, alles passiert   im Grenzbereich,  aber wenn    dann alles klappt … das ist    einfach nur geil.“ 

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Keine Sekunde Pause. Von der Crew fordert das Boot athletische Leistung auf Olympia-Niveau.

war damals vier Jahre alt. Sieben Jahre später gewann er sein erstes Rennen in ­einem Holz-Dingi, das er mit seiner Schwester und seinem Vater vom Schrott gerettet hatte. Heute ist er der Skipper eines Boots, dessen Kosten nicht geschätzt werden können (die gesamten Kampagnekosten des Syndikats liegen bei 200 Millionen Dollar), die Mitglieder seiner Crew kommen aus acht Nationen. Nie zuvor hat ihn das ­Segeln so sehr in seinen Bann gezogen.

Das Feeling

„Das erste Mal an Bord war richtig ­einschüchternd. Wir hatten eine Ahnung davon, was uns erwartet, schließlich ­hatten wir unzählige Stunden mit den ­Ingenieuren über das Design diskutiert, die CAD-Zeichnungen und alles. Aber das Boot zu konstruieren war Ponyreiten – auf dem Boot zu stehen war, wie auf einem Vollblut zu sitzen. Sobald das Boot zu Wasser gelassen und der Flügel angebracht ist, fängt es an zu leben. Du spürst richtig seine Ungeduld, wie es drängt, dass es losgeht. Alles ist so aggressiv, so konsequent, so zugespitzt: 9 km/h Wind reichen, um einen Rumpf fliegen zu lassen. Und eine kleine Unachtsamkeit genügt, und das Boot reißt dich in Stücke. Jeder an Bord arbeitet unglaublich hart, alles passiert im Grenzbereich, aber wenn dann alles klappt … das ist dann einfach nur geil.“

Bilder: ORACLE TEAM USA/Guilain GRENIER

Der Respekt Reduzierung der maximal zulässigen Windgeschwindigkeit bei Rennen von 33 auf 23 Knoten (ca. 61 auf 43 km/h; Anm). Spithill und seine Crew entkamen im Oktober des Vorjahres einer Katastrophe nur um Haaresbreite, als ihr 72er, am ­gerade einmal achten Trainingstag auf dem Boot, vornüber kenterte; bei diesem so­genannten Nosedive zerbrach das Boot und schleuderte die elfköpfige Besatzung ins kalte, raue Wasser der Bay. Den offensichtlichen Gefahren steht das unglaubliche Potential dieser Boote the red bulletin

gegenüber, die Segeln nicht nur als Sport, sondern auch als Medienereignis auf eine neue Stufe heben. Die AC72er sollen dem America’s Cup jene TV-Zahlen bescheren, die er – wie der gesamte Segelsport – dringend braucht, um die Hunderte von investierten Millionen zu rechtfertigen. Niemandem ist das klarer als Spithill. Er schwört, sich noch an den J­ ubel um die „Australia II“ erinnern zu können, die 1983 als erstes nichtamerikanisches Boot seit der ersten Austragung des America’s Cup im Jahr 1851 den ­Titel gewann. Er

„Da ist keine Gefahr, dass du das Boot ­unterschätzt, dazu stehst du zu sehr unter Strom. Du musst 100 Prozent fokussiert sein. Bei anderen Booten kannst du dir zwischendurch einmal eine Pause erlauben, aber hier: Denk nicht mal dran. Es bleibt nicht mal Zeit, jemanden zu warnen oder jemanden auf etwas vorzubereiten: ‚Hey, pass auf‘, ‚Achte auf das und das‘ – vergiss es. Du musst ganz kühlen Kopf bewahren, während das Boot rast. Und deine Leute müssen die richtigen Entscheidungen treffen, jeder für sich, auch wenn sie schon völlig erschöpft sind. Du brauchst unglaublich smarte Burschen. Du kannst den fittesten Athleten der Welt an Bord haben – wenn er kein exzellenter 71


Stratege ist und kein Weltklassesegler, der ganz genau weiß, was abläuft und was auf ihn zukommt, wird er es nicht schaffen. Du kannst den genialsten Taktiker haben, doch wenn er kein super Athlet ist, wird er nur im Weg herumstehen. Langsam ­bekommen wir auch die Anerkennung, die wir verdienen. Wir hatten Fußballer als Gäste an Bord, Rugbyspieler, Renn­ fahrer, denen blieb der Mund offen stehen. Dass es so abläuft, das hätten sie sich nie vorstellen können.“

Die Risiken

„Wir reden von einem 22-Meter-KohlefaserKatamaran mit einem 40-Meter-Flügel. Wenn dir da nicht klar ist, dass so ein Ding auch ein gewisses Risiko bedeutet, ist dir nicht zu helfen. Am Ende des Tages sind die Segler auf dem Boot, weil sie dort sein wollen. Ihnen ist klar, dass das eine riskante Sache ist. Alles im Leben birgt ein gewisses Risiko. Es sind Menschen, die sich gerne Heraus­ forderungen stellen, die sich gerne pushen und letztlich durch solche Erfahrungen wachsen. Das gefährlichste Manöver ist der Punkt, wenn du vom Kurs abkommst und das Boot mit offenem Flügel vom Gegen­ windkurs so lenkst, dass der Wind von hinten kommt. Das Boot hat in diesem Moment eine starke Tendenz zum Nose­ dive. Das heißt, du brauchst extrem gute Koordination zwischen Steuermann, ­Flügeltrimmer und Vorsegeltrimmer und den ganzen Kerlen an den Winschen (Kurbeln; Anm.). Das muss wahnsinnig präzise ablaufen – und wenn es gelingt, belohnt

dich das Boot mit einer explosionsartigen Beschleunigung auf bis zu 40 Knoten (ca. 74 km/h). Ein unglaubliches Gefühl.“

Verantwortung

„Eine einzige falsche Entscheidung auf diesem Boot kann zur Katastrophe führen. Und für eine Entscheidung hast du selten mehr Zeit als den Bruchteil einer Sekunde. Das heißt: Du hast nur dann eine Chance, wenn du gedanklich immer einen oder zwei Schritte voraus bist. Keine Frage, das Thema Verantwor­ tung ist präsenter als früher. Wir dürfen nie vergessen, wir sind Mannschaftssport­ ler. Wenn der Fahrer beim MotoGP oder der Formel 1 einen Fehler macht, bringt er sich selbst in Gefahr. Bei uns kann ein einziger Fehler ein ganzes Team in wirk­ lich ernste Schwierigkeiten bringen. Diese ganz besondere Verantwortung muss dir immer bewusst sein.“

Die Arena

„Wenn du einmal in der San Francisco Bay gesegelt bist, hast du das Selbstver­ trauen, dass dir auch schwierigste Bedin­ gungen nichts ausmachen, du bist mit ­Nebel, Fähren, Alcatraz, Strömungen klargekommen – und mit einem Revier, dessen Charakter sich täglich ändert. Die ­Herausforderung ist jedes Mal neu. Und wenn du dann wieder im Dock bist, weißt du, du hast wirklich etwas geleistet. Du musstest viel geben … aber du hast eine Menge dafür bekommen.“

Mein Fazit

„Endlich kann es unser Sport wirklich in jeder Hinsicht mit allen anderen Sport­ arten aufnehmen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Einrumpfboote, ich liebe die vielen Facetten des Segelsports. Es war auch immer schon richtig, uns mit der Formel 1 zu vergleichen, aber eben vor allem im technischen Bereich, in der Leistung der Ingenieure und Konstruk­ teure. Jetzt kam noch dieser unglaubliche Anspruch an die Athletik dazu. Ihr könnt mir glauben, wenn ich abends nach Hause gehe, kann ich den nächsten Morgen kaum erwarten. Was wir hier tun, ist die coolste Sache der Welt. Es verlangt Opfer von dir, viel Zeit, die Familie kommt zu kurz. Aber es ist ­jedes Opfer wert.“

Bilder: ORACLE TEAM USA/Guilain GRENIER

 „Du musst präzise sein,    dann belohnt dich das    Boot mit einer    explosionsartigen    Beschleunigung.“    „Was wir hier tun, ist die    coolste Sache der Welt.    Das Boot verlangt Opfer    von dir, aber es ist    jedes Opfer wert.“ 


Die AC72 des Team Oracle hat angeluvt und f채hrt jetzt hart am Wind in der Bucht von San Franciso. Im Hintergrund streckt sich die Golden Gate Bridge 체ber die Bay.

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Die BayArena Wind knapp unter 40 km/h, der im September verlässlich jeden Nachmittag einsetzt. Eine Bucht, die von Wasser und Land aus gut überschaubar ist. Ein Regattakurs, der die riesigen Katamarane ganz nah an die Halbinsel heranführt. Die San Francisco Bay ist der ideale Schauplatz für dieses Rennen der seglerischen ­Extraklasse. Unser Karte auf dieser Seite gibt Übersicht und zeigt die Details.

Die Heraus­forderung  Vom 4. Juli bis 30. August kämpfen drei Teams im Louis Vuitton Cup um das Recht,    Team Oracle im September im America’s-Cup-Finale herauszufordern.    Die wichtigsten Fakten und Argumente in drei Punkten. 

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Die Teams

Eine Bucht, eine Rennklasse, ein Rennen – und doch hat jede Crew ihre ureigenen Herausforderungen zu bewältigen, wenn sie beim America’s Cup vorn mitfahren will. Welche, verrät Kimball Livingston *.

Bilder: Guilain GRENIER, Chris Cameron, Luna Rossa, Sander van der Borch, picturedesk.com (3), getty Images. Illustration: sascha bierl

T e am O r a c l e

Em i r at e s T e am N e w Z e ala n d

Golden Gate Yacht Club, San Francisco CEO: Russell Coutts (NZL) Skipper: Jimmy Spithill (AUS)

Royal New Zealand Yacht Squadron CEO: Grant Dalton (NZL) Skipper: Dean Barker (NZL)

„Coutts hat Dean Barker früh geholt (1995 für Team New Zealand, Anm. der Red.), und er hat Jimmy Spithill früh geholt. Es gibt bisher keinen Hinweis, dass das ein Fehler gewesen sein könnte. Der Titelverteidiger ist stark, gut aufgestellt, und Oracle hat auf den 45ern viel gewonnen – im Sommer 2012 wurden auf 45-FußVersionen der aktuellen Boote die America’s Cup World Series gefahren. Letztlich geht’s um die Zuverlässigkeit und einfach ums ‚Kriegsglück‘. Noch nie gab es einen America’s Cup mit so vielen Variablen.“

„Derzeit haben die Kiwis das beste Boot, das eingespielteste Team, die meiste Zeit auf dem Wasser und das größte Selbstvertrauen. Ihre mentale Situation ist sogar besser als jene von Team Oracle. Außerdem arbeiten sie mit der Einstellung, dass sie ­gewinnen müssen – denn wenn sie es diesmal nicht schaffen, kappt die Regierung die Finanzierung. Die Neuseeländer sind das einzige Syndikat mit Regierungsunterstützung – aber der Verlust dieser 30 Millionen Dollar würde ihnen einen kompletten Neustart aufzwingen.“

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Prominente Meinungen Wer ist Ihr Favorit für den America’s Cup 2013?

Luc Alphan d Ex-Weltcup-Skirennfahrer, Sieger der Rallye Dakar

„Im Finale ist Oracle der klare Favorit. Sie haben in Sachen Technik und Taktik die Nase vorn. Bei den Herausforderern sehe ich das Emirates Team New ­Zealand herausragen. Wie der America’s Cup nun insgesamt aufgestellt ist, finde ich großartig. Es muss nicht immer alles nur in alten ­Traditionen verharren. Hier gibt es jetzt noch mehr Professionalität, P ­ ower und innovative Technik, die den Beteiligten in vielen Details noch mehr abverlangt. Ich kenne das von meinen Sportarten. Ich liebe das Prinzip und die Kultur der Herausforderung.“ M i c k e y Ha r t Musiker, Grateful Dead, komponiert die offizielle Musik zum America’s Cup „Mir geht’s um den Rhythmus der ganzen Sache. Für mich ist der America’s Cup ein Tanz, ein Ballett auf dem Wasser zwischen Mensch, Schiff und Ozean. Diese Kerle hier bewegen sich an der Kante, und sie sind Meister des Rhythmus. Wer gewinnen wird? Hey, das ist ein Haufen Typen, die um die Wette segeln. Wichtig für mich ist, dass sie diesen Tanz kreieren. Ich will wissen, wie das klingt – das Boot, das Wasser; das setze ich dann in meiner Musik für den Amercia’s Cup ein.“

Luna Ros sa C h all e n g e

Arte m i s

Circolo della Vela Sicilia CEO: Patrizio Bertelli (ITA) Skipper: Max Sirena (ITA)

Royal Swedish Yacht Club CEO: Paul Cayard (USA) Skipper: Iain Percy (GBR)

„Max Sirena hat schon in verschiedenen Kampagnen Erfahrung gesammelt. Unter anderem war er an Bord des Oracle Trimarans, der 2010 den Cup gewann. Auf dem P ­ apier ist dieses Syndikat stark, aber ihr Schiff ist im Wesentlichen eine Kopie des neuseeländischen Boots – das das Team New Zealand aber weiterentwickelt hat. Und wir wissen nicht, wie sich die Italiener in der Bay zurechtfinden.“

„Dieses Syndikat wird sich niemals vollständig von der Tragödie um ­Andrew Simpson erholen. Seit dem Trainingsunfall gab es eine Reihe von Abgängen aus dem Team, und solange sie das Ersatzboot nicht fertiggestellt haben, haben sie nicht ­einmal einen Anhaltspunkt, wo sie stehen. Sie haben die wenigste Zeit aller Teams auf dem Wasser verbracht. Ihre Aufgabe ist, wie berg­auf in tiefem Schotter zu laufen.“

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* Der Experte: Kimball Livingston ist nicht nur seit Jahrzehnten   selbst Segler in der San Francisco Bay, sondern auch Buchautor und berichtet seit 1980 von jedem America’s Cup. Die älteste Regatta der Welt ist derzeit auch Gegenstand von Livingstons Unterricht an der University of California in Berkeley.

E ddi e Jordan Ex-F1-Rennfahrer/-Rennstall-Besitzer und Segel-Aficionado „Ich denke, wenn es richtig windig ist – wobei die Amerikaner vermutlich versuchen werden, das Rennen absagen zu lassen, wenn der Wind stark ist … Egal, wenn also der Wind richtig bläst und die Neuseeländer segeln dürfen, werden die ­Kiwis dieses Rennen gewinnen.“ N e v i ll e C r i c h t o n Millionär, Yachting-Enthusiast, Sieger der Sydney-Hobart-Regatta 2009 „Wenn es zur direkten Auseinandersetzung zwischen Oracle und New Zealand kommt, hat ­Oracle Vorteile bei Kursen gegen den Wind, New Zealand hingegen ist auf Kursen schneller, bei denen der Wind eher von hinten kommt. Team New Zealand ist den anderen Teams generell überlegen.“ Video aus der San Francisco Bay: Die AC72 in Action gibt es in der Tablet Edition des Red Bulletin zu sehen.

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Nachtaktiv im Studio: Teilnehmer Louis Baker (oben) an der ­Gitarre, andere jammen mit dem Drumcomputer.

Frühstücken mit Blondie, jammen mit James Murphy, komponieren mit Philip Glass und singen, bis die Kirche schweigt. Lokal­ augenschein bei der Red Bull Music Academy in New York City. Text: Florian Obkircher  Bilder: Dan Wilton & Christelle de Castro 76



Unseren täglichen

Beat gib uns heute

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D as Mischpult, groß wie ein Auto, mutet mit seinen Knöpfen und Reglern an wie das Steuermodul eines Raumschiffs. Daneben: Lautsprecher, Mikrofonständer, ein Schlagzeugset. Mit dem Rücken zum Pult sitzt ein Mann mit zerzaustem Haar und angegrautem Vollbart. „Wie ich ­meinen Drum-Sound so trocken hinbekomme, wollt ihr wissen?“, fragt er mit breitem Grinsen in die Runde. Das Tonstudio ist bis in den letzten Winkel mit Zuhörern gefüllt. „Also gut“, sagt der Mann an den Drums, „ich verrate es euch: Ich zerschneide ComputerMousepads und klebe sie auf die Trommeln.“ Er greift zum Gaffa-Band, klebt Pads auf das Schlagzeug, nimmt den Stock und klopft auf die Snare-Drum. Poch! Poch! Poch! „Klingt doch schon ganz gut, oder?“ Staunen und ehrfürch­ tiges Nicken im Publikum.

Der Bastler heißt James Murphy. Mit seinem Label DFA gibt der New Yorker Trends am Dancefloor vor. Mit seiner Band LCD Soundsystem verkaufte er Millionen Alben und war für drei G ­ rammys nominiert. Derzeit produziert der 43-Jährige die Platte der Indie-Rock-Heroen Arcade Fire. Murphys Publikum an diesem Abend: 31 Jungmusiker. Schauplatz: eines von neun Tonstudios im Haupt­ quartier der Red Bull Music ­Academy in Manhattan. Seit 1998 bereist die Red Bull Music Academy den Globus. Alljährlich macht sie für vier Wochen halt in Musikmetropolen wie Kapstadt, Berlin, Melbourne, São Paulo und – wie zuletzt im Spätfrühling – in New York. Konzept: ein altes ­Gebäude im Stadtzentrum renovieren und mit Tonstudios und einem Hörsaal ausstatten. Dann 62 junge Instrumenta­ listen, Produzenten, Sänger und DJs aus ­aller Welt und verschiedenen Genres einladen. Aufgeteilt in zwei zweiwöchige Terms, können diese sich ganz ihrer Leidenschaft hingeben: gemeinsam Musik machen, sich austauschen, voneinander lernen. Mit Rat und Tat zur Seite stehen den Teilnehmern der Red Bull Music ­Academy dabei die Big Names ihrer Zunft. In New York sind das Vortragende wie Klangvisionär Brian Eno, TechnoMogul Richie Hawtin, Komponist Philip Glass oder erwähnter James Murphy.

12 Jahre DFA Records: Die Red Bull Music Academy feierte den Geburtstag von James Murphys (re.) Label mit einer wilden Party in New York.

„Für mich ist die Red Bull Music ­Academy ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten“, sagt Louis Baker. Mit Gleichgesinnten aus Viele der Geschichten, die Musikgrößen auf der Couch der Red Bull Music Academy erzählen, beginnen mit Sätzen wie „Ich war dabei, als der erste Synthesizer eingeschaltet wurde“. Während der vier Wochen in New York saßen unter anderem Debbie Harry (li.) und Giorgio Moroder (re.) auf dem Sofa.


„Ich zerschneide Mouse-Pads und klebe sie auf Trommeln.“ james murphy

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29 Ländern musizieren? ­Internationale Branchenkontakte knüpfen? Feedback von Profis einholen? In s­ einer Heimat Neuseeland geht das nicht so einfach. Dort fühle man sich als junger Musiker etwas ab vom Schuss, sagt der 23-jährige Songwriter. Als ihm Freunde schließlich von dem Musikcamp erzählten, witterte er seine Chance, bewarb sich – und wur­de aufgenommen. „Neuseeland ist toll. Trotzdem fühlt man sich mit seinen Ideen dort oft allein“, sagt er. „Bei der Academy realisierst du schnell: Du bist nicht der einzige Verrückte, der mit Leidenschaft seinen Traum verfolgt. Das gibt Mut und Kraft.“ Seit eineinhalb Wochen ist er nun schon in New York. Für Sightseeing war bisher keine Zeit. Denn im AcademyHauptquartier gibt’s genug zu tun. Stress pur, sagt er, doch der beste Stress, den er sich vorstellen kann. Um 10 Uhr auf­ stehen. Beim Frühstück die Party der ­letzten Nacht diskutieren. Untertags zwei Lectures mit Profis. Dazwischen: an Songs arbeiten und dem hauseigenen ­Radiosender oder internationalen Medien Interviews geben. Nachts wird im Studio Musik aufgenommen oder in die Clubs der Stadt ausgeschwärmt, in denen sich Legenden und Teilnehmer Bühnen und Plattenteller teilen. Heute Nacht ist Baker selbst dran. Nach James Murphys Studio-Vortrag packt er seine Gitarre und macht sich mit einer Horde Mitstudenten auf. Ziel: die West-Park Presbyterian Church auf der 86. Straße. Eine Backstein-Kathedrale aus dem späten 19. Jahrhundert. Dort soll ­Baker heute das Vorprogramm des deutschen House-Avantgardisten Pantha du Prince bestreiten, der tags zuvor seinen

Teilnehmer Sinjin Hawke aus ­Kanada lebt in Barcelona – und ist einer der heißesten ­Beat-Bastler der Stunde.

Nach Louis Bakers Konzert in der Kirche machen sich viele der Academy Participants auf Richtung Chinatown. Im Club Le Baron tritt der nigeria­ nische Teilnehmer Kraftmatiks (Mitte) mit vier seiner Kollegen auf. Im Publikum: der House-Pro­ duzent Bok Bok (oben) aus London, der am Tag davor auf der Interview-Couch saß. Geküsst wird er von einem Teilnehmer von 2011: Nick Hook.

Neun Tonstudios stehen den Teil­ nehmern zur Ver­ fügung. Hier feilen Carrot Green (Bra­ silien) und Pleasure Cruiser (Japan) an einem gemein­ samen Track.

Academy-Gastvortrag gehalten hat. Auf dem Weg erzählt Baker, dass er nervös ist. Weil dies sein erster Gig außerhalb von Neuseeland ist. Eine Stunde später steht er am Bühnenaufgang. Einmal tief durchatmen, dann geht’s los. Nur zwei Minuten später lässt er alles Geschnatter in der Kirche verstummen. Mit einer Stimme, so sanft und mächtig wie die von Jeff Buckley. Mit Folksongs, die kollektive Gänsehaut auslösen. Andächtig hängt das Publikum an den Lippen des jungen Musikers. Das Szenario ist beinah surreal: Ein Mann und seine Gitarre versetzen hunderte Menschen in Trance. „Der Junge ist unglaublich“, befindet Just Blaze nach dem Konzert, „von dem werden wir noch viel hören.“ Blaze produzierte Jay-Z, Eminem und Kanye West. Der 35-Jährige ist einer von vier Red Bull Music Academy Studio-Tutoren. Erfahrene


Musique Non-Stop (v. li. n. re.): Sound-Visionär Brian Eno auf der Interview-Couch. Tänzerin auf der DFA-Party. Verteilerin der Red Bull Music Academy-Tageszeitung „Daily Note“. ­Teilnehmerin Shadowbox aus New York beim ­Konzert. Ein Party-Zebra zur Sperrstunde.

zusatzbild: anthony Blasko

Musiker, die den Teilnehmern von früh bis spät zur Seite stehen. Das erste Mal war er 2006 in Melbourne als Vortragender dabei. Und war von der Atmosphäre des Camps so angetan, dass er diesmal mehr beitragen und mehr Zeit in der Academy verbringen wollte. „Früher klebten viele DJs die Aufschrift ihrer Schallplatten ab, damit ­niemand sehen konnte, welche Musik sie auflegten. Man hielt sich bedeckt“, erklärt er. „Das hat sich durch Projekte wie die Red Bull Music Academy geändert. ­Wissen zu teilen ist heute ein wichtiger Teil der Musikkultur.“ Worin er seine Aufgabe als Studio-Tutor sieht? Er hilft Jungmusikern im Studio mit seiner Erfahrung und seinem technischen Wissen. Er berät sie auf ihrem musikalischen Weg. Oder ­unterhält sich mit ihnen über eine seiner privaten Leidenschaften: Rastafari-Hunde. Auch er profitiert vom Austausch mit den Youngsters. „Wenn ich mit jemandem wie Louis im Studio arbeite, inspiriert mich das sehr“, sagt er und zeigt auf den Neuseeländer. „Kommst du noch mit ins Le Baron?“, fragt einer und hält ihm die ­Taxitür auf. Reizvoll wäre es, schließlich treten in dem Club in C ­ hinatown vier ­weitere Teilnehmer auf. Doch Baker winkt ab. Genug für heute. Schließlich hat sich für den nächsten Tag hoher Besuch auf der Vortragenden-Couch der Academy angekündigt. Kurz nach dem Frühstück betritt eine Frau mit schwarzem Ramones-T-Shirt und Sonnenbrille den Hörsaal. An ihrer Seite ein Mann mit grauem Haar: Debbie Harry und Chris Stein. Zusammen: Blondie. New Yorks Punk-Ikonen. Die personifizierte Coolness. Über eine Stunde erzählen die the red bulletin

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Techno-Legende Richie Hawtin (o.) entführt die Teilnehmer bei seiner Lecture in eine Zeit, als elektronische Tanzmusik noch in den Kinderschuhen steckte. Dubstep-Pionier Skream ­(Mitte) war selbst noch ein Youngster, als er 2006 auf der Interview-Couch Platz nahm: 20 Jahre alt – jünger als viele der Teilnehmer damals. Heute ist er ein Superstar und brachte den New Yorkern im Rahmen einer Red Bull ­Music Academy-Party den britischen Bass-Sound näher. Dâm-Funk (re.) ­dagegen zeigte bei seiner Session, wie räudiger Funk fürs 21. Jahrhundert klingt. Bodentanzeinlage inklusive.

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Er remixt für Stars wie Jesse Ware und Disclosure: T Williams, Teilnehmer aus England.

„Keine Scheu, schraubt nach Herzenslust.“ Mathew Jonson

Hip-Hop-Starproduzent Just Blaze (u.) ist Teil des Studio-Teams der Red Bull Music Academy. Wie lange er mit den Teilnehmern nachts arbeitet? „Meistens bis fünf Uhr früh“, sagt er. „Aber das ist gut so. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an.“

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beiden, wie es denn damals war in den Siebzigern an der Lower East Side: Wie Harry anfangs Kerzen verkaufte, um in New York überleben zu können. Wie sie und Stein sich die Nächte mit Andy ­Warhol und den Ramones im Club Max’s Kansas City auf der Park Avenue um die Ohren schlugen. Und wie sie mit Disco-­ Pionier Giorgio Moroder (der übrigens eine Woche zuvor selbst hier auf der ­Academy-Couch saß) den Blondie-Hit „Call Me“ aufnahmen. Als der Song ­„Denis“ angespielt wird, verzieht Harry das Gesicht. Sie könne das Stück nicht ­leiden, sagt sie. „Ihr müsst verstehen, sie singt darin ständig ‚doo-be-doo‘“, sagt ihr Partner Stein. „Das ist für niemanden einfach.“ Gelächter im Auditorium. Für einiges Schmunzeln sorgt auch die Lecture im Anschluss: Lee Perry. DubMusic-Pionier, Produzent etlicher BobMarley-Platten, Meister am Mischpult. Ein Jamaikaner, der Reggae so klingen lässt, als käme er vom Mars. Dazu passt sein Outfit: eine mit Spiegeln beklebte Baseballkappe und ein pink-rötlich gefärbter Bart. In charmant durchgeknallter Weise erklärt der 77-Jährige seine Welt. Warum es sein Ziel ist, den Teufel zu töten. Warum Reggae wie Sex ist. Warum sich das ganze Leben in der Bass-Drum wider­ spiegelt. Die Wirkung seines kosmischen Vortrags: Für zumindest eine Stunde meint man, die Zusammenhänge des ­Universums begriffen zu haben, ganz ohne illegale Substanzen. Beim Abendessen diskutieren die einen noch über Perrys Weisheiten, die anderen haben sich schon in den Tonstudios verschanzt. In den abendlichen Studio-Stunden entwickelt sich die Academy zu einer magischen Spielwiese. Junge Produzenten pendeln aufgeregt mit Drumcomputer und Kopfhörer unterm Arm zwischen den

kleinen Studioräumen. Am hiesigen Flohmarkt erstandene Platten werden von Hip-Hop-Liebhabern auf ihre SampleTauglichkeit geprüft. Just Blaze sitzt in einem der Ton­ studios und starrt auf den Computer­ bildschirm. Er arbeitet gerade mit Sinjin Hawke aus Barcelona an einem neuen Track. Die beiden ziehen eine Soul-­ Gesangsspur in das Arrangement-Fenster der Software und kurbeln die Tonlage nach oben, bis sie wie eine Mickymausstimme klingt. Blaze meint: „Da fehlt noch eine Harfe.“ Hawke nickt. Das File wird importiert. Dann drückt er auf Play. Ein Bass-Music-Monster knallt aus den Studiomonitoren. Prädikat: Bläst in jedem Club die Decke weg. „Ist noch nicht fertig“, meint Hawke. „Aber es wird schön langsam.“ Im Nebenstudio leitet der kanadische Techno-Connaisseur Mathew Jonson ­einen Audio-Workshop. Die Fragen: Wie kommt’s, dass Jonsons Tracks so ultrafett klingen? Wie sieht sein Live-Set-up aus? Und wie bändigt man den wandschrankgroßen Synthesizer mit all den Kabeln zu seiner Rechten? Die Jungmusiker ­umringen den Studio-Tutor und folgen dessen Ausführungen mit ehrfürchtigem Schweigen. Dann holt Mathew sie an die Regler: „Keine Scheu, schraubt nach ­Herzenslust!“ Binnen Minuten entwickelt sich eine wilde House-Music-Session. Ständig kommen weitere Studenten dazu, schnappen sich einen Synthesizer und jammen mit. Schichten von Klangwolken stapeln sich, reguliert einzig vom stampfenden Beat. Eine hypnotische Erfahrung, meint einer der Teilnehmer. „Es war, wie in eine Zeitkapsel zu steigen.“ Mittlerweile ist es vier Uhr morgens. In den Studiogängen herrscht Rushhour. Auch Louis Baker ist noch aktiv. Gerade hat er für ein R&B-Stück des nigerianischen Teilnehmers Kraftmatiks die Gitarre eingespielt. Seine sechste Zusammen­ arbeit während der Academy, erzählt er. „Das Motto: ­Probier alle Genres aus, leg deine Scheuklappen ab, nimm die Herausforderung an.“ Doch für heute reicht es. Baker wirft sich seine Jacke über die Schulter. Er ist schon auf dem Weg zum Ausgang, da ruft jemand seinen Namen. Anna Love, A ­ cademy-Teilnehmerin aus den USA. ­Baker ist ihr noch eine Gesangsspur schuldig. „Komm schon, Louis, du hast mir versprochen, dass wir das heute noch aufnehmen!“ Baker schnauft kurz, überlegt einen Moment – und trottet zurück ins Studio. Mit einem Lächeln. Er weiß: Schlaf kann man später nachholen. Diese Erfahrung nicht. www.redbullmusicacademy.com

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WETTER AUF DEN PUNKT GEBRACHT. Der Wetterdienst von Meteorologen für alle, die einfach besser informiert sein wollen. Wetter.tv bietet aktuelle und punktgenaue Prognosen, Wetterradar-Filme und über 2500 Webcams – damit Sie nicht im Regen stehen. AUCH ALS GRATIS-APP ERHÄLTLICH!

wetter.tv ist ein Service der UBIMET GmbH – Institut für ubiquitäre Meteorologie.


Taucher hören Musik mit dem Jochbein: Playlist, Seite 92.

Dein Programm im August

ac t i o n !

Bilder: xtremedesert.com, Finis

R E i s e n / E q u i p m e n t / P a r t y / W o r k O u t   / c i t y g u i d e / MUSI k / E v e n t s / TV

Wüstlinge

Mit Vollgas 400 Meter hohe Dünen raufbrettern

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Keine Verkehrsregeln, keine Regelhüter und 650.000 Quadratkilometer Platz. Die Wüste Rub al-Chali ist die geilste Buggy-Achterbahn der Welt.

REISEN, Seite 88.

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Action!

Profi-Gear

HiTECHR E tter Druckluftsystem Erkennt die Elektronik einen Sturz, ist der Airbag in 30 Millisekunden mit 4 Litern vollständig gefüllt.

Airbag Messungen haben gezeigt: Die Kräfte, die bei einem Sturz auf die Schulter wirken, werden um bis zu 85 % reduziert.

Für den Ernstfall

Arai VX-3 Weniger Risiko für Ersthelfer: Die Wangenteile lassen sich von außen lösen. Das reduziert die Gefahr von Halswirbelverletzungen. Telemetrie D-air zeichnet die von den Sen­ soren gesammelten Daten auch auf. Das erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil.

Integration Das komplette System wiegt 650 Gramm. Elektronik und Druckluftsystem stecken im Rückenhöcker der Lederkombi.

www.araihelmet.com

Neck Brace Nur noch die Kreativsten finden Ausreden gegen das Tragen von Neck Braces im Gelände: Es schützt die Wirbelsäule.

Stefan Bradl (GER) fährt für das Team LCR Honda in der MotoGP-Klasse.

Der Airbag am Rücken MotoGP Wie die Technologie funktioniert, die Stefan Bradl (23) schon viele Wochen Krankenhaus erspart hat. „Sicher zwanzig Mal“ hat der deutsche MotorradYoungster Stefan Bradl die Vorzüge des von ihm mitentwickelten Dainese D-air Racing bereits am eigenen Leib erfahren. „Der Airbag löst eigentlich immer aus, wenn wir stürzen“, erklärt er. „Letzte­ Saison in Indianapolis bin ich nach einem wilden Highsider auf der Schulter gelandet. Ohne D-air

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Elektronik Der AktivierungsAlgorithmus erhält Daten von drei Bewegungsmessern, drei DrehratenSen­soren und ­einem GPS.

hätte ich mir zumindest das Schlüsselbein gebrochen. So aber ist der Sturz glimpflich verlaufen.“ Der Airbag, in 30 Millisekunden aufgeblasen, umhüllt Schulter, Schlüsselbeine und Hals, stabilisiert außerdem den Helm. Bradl: „Er trägt sich bequem und ist im Falle des Falles für mich da.“ www.dainese.com

POC Spine Vest Voller Schutz bei größtmöglicher Bewegungsfreiheit: Das Gilet mit ein­ gebautem Protector am Rücken passt unter jede Jacke. www.pocsports.com

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Bilder: kurt keinrath, hersteller (4), GEPA pictures/Gold and Goose

www.leatt-brace.com


Action!

party

MEZ C ALTest Damit feiert man in Mexiko

Tequila kennt jeder. Wer wissen will, wie echter Mezcal schmeckt, muss diese beiden Sorten probieren.

¡Mucho Party!

text: alejandro garcÍa williams. Bilder: Rodrigo JardÓn (2), Joy Room (2)

Mexico City ChampagnerDuschen, Springbrunnen, House-Beats: Der Joy Room ist der Hotspot der Reichen und Schönen von Mexiko. Die Schlange vor dem Joy Room ist lang. Immer. Schon seit der Club vor fünf Jahren im feinsten ModeEinkaufstempel von Mexiko-Stadt eröffnet hat. Denn nirgends sonst im Land lässt sich dermaßen stil­ gerecht abfeiern wie hier – in edlem Interieur mit Springbrunnen neben der Tanzfläche und Champagner­ duschen zu später Stunde. Dementsprechend hoch ist die Promi-Dichte auf der Tanzfläche. Hier trifft man Stars der The Black Eyed Peas oder von Coldplay. Denn wenn internationale Big Names für Konzerte in die Stadt kommen, findet die After-Party im Joy Room statt. Wenn das Fußball-National­ team gewinnt, lässt es dort die Korken knallen. Apropos: „Prost!“ heißt auf Mexikanisch „¡Salud!“. JOY ROOM Antara Fashion Hall Mexico City, MX, 11520 www.joyroomantara.com

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800 Tänzer tummeln sich bis 3 Uhr früh auf dem Dancefloor.

Die DJs im Joy Room servieren vorwiegend House-Beats.

Ta n z e n i m Modetempel

Mezcal Los Danzantes Früher der Feierabendtrunk der mexikanischen ­Arbeiterklasse. Hergestellt aus dem Fruchtfleisch verschiedener ­Agavenarten. Der Geschmack: mild und ein wenig ­rauchig mit einem Alkoholgehalt um 45 Prozent.

Neben dem Joy Room gibt’s in der Antara Fashion Hall auch Clubs ohne Champagner-chic.

FAT CROW Intime Live-Bar mit „Twin Peaks“-Interieur. AkustikGigs für 80 Besucher. RAGGA Großraumdisco mit jüngerem Publikum und Sushi-Bar im Lokal. VOILÀ Samtroter Konzertsaal für Indie-Konzerte inter­natio­naler Bands wie Ratatat.

Mezcal Pierde Almas Der Name dieses Gourmet-Brands bedeutet übersetzt „verlorene Seelen“. Bei 45 Prozent ­Alkohol auch kein Wunder. Der harte Tropfen wird im Süden des Landes in Kleinserien hergestellt. Mit FairTrade-Garantie.

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Action!

Reisen

1001 nacht Best of Abu Dhabi (Racer-VErsion)

Gas Geben Wer nach der Wüste noch nicht genug hat: Den Yas Marina Circuit, Abu Dhabis Formel-1Strecke, kann man auch im MietAston-Martin bezwingen. www.yasmarina circuit.com

Essen fassen

Dune Bashing EIn Buggy, viel Sand, null Regeln: Bei der Rallye durch Abu Dhabis Hinterland trennen sich Wüstenfüchse von Hobbyfahrern. Man muss kein Genie sein, um zu erraten, warum die Dünenlandschaft südwestlich von Abu Dhabi „The Empty Quarter“ heißt. Das „Leere Viertel“ markiert den östlichen Ausläufer der Rub-al-Chali-Wüste – mit 650.000 Quadratkilometern (etwa die Fläche Frankreichs) der größte Sandhaufen der Welt. Klingt ­langweilig? Ist es aber keinesfalls! Denn das Fehlen jeglicher Straßenverkehrsordnung macht das Leere Viertel zum perfekten Ort für „Dune Bashing“ – auf gut Deutsch: um in der Wüste hinter dem Steuer die Sau rauszulassen. Die Wahlmöglichkeiten: einen Chauffeur mit Allrad-Jeep mieten oder im 70-PSWüstenbuggy selbst Gas geben (Spitze auf flacher Strecke: 100 km/h). „Ich bin schon oft durch Wüsten gereist, aber nichts kann mit dem Empty Quarter mithalten“, sagt Joost Welmers, 29, Digital Marketing Director aus Gorinchem, Niederlande. „Du fühlst dich wie auf dem Mond. Die Anstiege sind bis zu 400 Meter hoch und extrem steil. Dein Guide zeigt dir den Weg. Dann bretterst du Vollgas rauf und ­runter, als würdest du Dünen-Achterbahn fahren.“ Preis: Die Zweitagestour im Wüstenbuggy gibt’s ab € 829. Anbieter-Website: www.xtremedesert.com

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Abu Dhabi ist berühmt für seine Steaks. The Blue Grill im Yas Island Rotana Hotel serviert die besten Cuts der Stadt in opulentem Ambiente. www.rotana.com

Kraft Tanken

TIpp für müde Racer BOXENSTOPP im Sand

Ein Fünf-Sterne-Resort im Leeren Viertel? Kein Problem, sagt Buggy-Tester Welmers: „Das Qasr al-Sarab eignet sich perfekt zum Relaxen – vor allem nach zwei Tagen voller Schweiß und Sand.“ Buchungen: www.qasralsarab.anantara.com

Lust auf noch mehr Sand und Speed? Dann ist Blokarting ein heißer Tipp: Langen Sandstrand finden, rein in den Drei-RadSegelbuggy, und ab geht die Post. www.dreamdays.ae

Nie ohne deinen Partner! „In der Wüste gibt es keine Warnschilder“, sagt Maurits Knopjes von

xtremedesert. „Nichts weist auf eine plötzliche Senke oder auf sich änderndes Terrain hin. Deshalb werden alle unsere Touren von Guides geleitet. Ins Leere Viertel fährt man nicht allein!“

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text: ruth morgan. bilder: Xtremedesert.com (2), shutterstock (2)

Die Düne und du

Mit Vollgas durch die Wüste: Dune Bashing kennt keine Verkehrsregeln.


Action!

workout

Cecilia Baena in Action. Hier verrät die amtierende Weltmeisterin Tricks für ambitionierte Inlineskater. Cecilia Baena, 26, ­Kolumbien, 6-fache Inlineskating-Welt­ meisterin und 500-Meter-Welt­ rekordhalterin.

Die Sache mit dem ­ roten Fleisch

text: Ulrich corazza. Bilder: camilo rozo/red bull content pool (2). illustration: Heri Irawan

Profi-Tipps für Inlineskater Cecilia Baena über Kniebeugen, Crunches, Ernährung und: Was du bei einem Sturz niemals tun solltest. Regel Nummer eins: Nicht nur reden, son­ dern tun. Bei Cecilia sind es 4000 Kilome­ ter pro Jahr, die sie im Training auf Skates und auf dem Rennrad zurücklegt. Dreimal pro Woche stehen auch Einheiten in der Kraftkammer mit Übungen wie Kniebeu­ gen (mit 100 kg), Kreuzheben (mit 80 kg) oder 100 Crunches auf dem Programm. Wichtig: Ernährung. Erster Schritt: von spontaner Mahlzeitgestaltung auf einen Plan umsteigen. Cecilia: „Vor langen Trai­ ningseinheiten musst du deinen Kohlen­ hydratspeicher auffüllen, sonst verlierst du an Gewicht. In Wettkampfphasen esse ich hauptsächlich gebratenes Huhn oder Fisch. Rotes Fleisch löst bei mir Krämpfe aus.“ Abschließender Rat der Weltmeisterin: „Stürze nie mit den Händen abfangen! Du riskierst schwere Ver­letzungen der Hand­ gelenke und Finger.“ Besser: auf den – ­geschützten! – Ellbogen und Knien landen. https://twitter.com/ChechyBaena

S c h n e l l k r a f t & A u s d a u e r f ü r S k at e r M u s k e l n „Diese beiden einfachen Übungen, jeweils für ein paar Minuten täglich trainiert, schulen die Technik und bauen die nötige Ausdauer und Schnellkraft in den Schenkeln auf.“

1

Beine ca. 100 Grad abwinkeln, Oberkörper nach vorn beugen.

Mit dem linken Bein eine langsame Kniebeuge ausführen.

Der rechte Fuß berührt dabei nicht den Boden, die Arme schwingen mit.

Diese Übung fünfmal wiederholen, danach das Bein wechseln.

Explosiven Sidestep nach rechts machen, die linke Hand vor den Körper.

Den Schwung der Arme mitnehmen und mit rechts ­kräftig abspringen.

Auf demselben Fuß landen und die Übung zur linken Seite wiederholen.

2

S ervi c e-Ti pps So pflegst du deine Radlager

Wie geschmiert

„Ich empfehle, die Radlager der S ­ kates alle zwei Wochen mit Benzin zu reinigen. Ist das Metall trocken, sollte man die Lager mit Öl einfetten. Entscheidend ist die Wahl der richtigen Rollen – abhängig vom Untergrund. Lass dich im Fachgeschäft beraten.“

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Ausgangsposition wie bei der Übung oben einnehmen.

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Action!

city Guide Dublin City

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Top Fünf Meine Dublin-Highlights

Street Artist Maser prägt das Stadtbild Dublins seit zehn Jahren.

Pizza aus dem Doppel­ deckerbus

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South Richmond Street Das alte Pub verwandelte sich in einen verrückten Spot: Du kannst Ausstellungen ansehen und dir im Garten aus einem Doppel­ deckerbus Pizza holen. Dazu dröhnt die ganze Nacht Musik.

Dublin Ein inspirierendes Gefängnis, ­durch­geknallte Plattenläden und eine ­Bade– Session mit U2-sänger Bono? Street Artist ­Maser ­empfiehlt uns seine Heimatstadt. Mit dem Mauerslogan „Maser loves you“ machte sich der Graffitikünstler in Dublin einst einen Namen, heute finden seine Paintings in den USA, in England, Schweden und Spanien große Beachtung. Seiner Heimatstadt blieb der „irische Banksy“ aber immer treu: „In Dublin lebe und male ich am liebsten. Du spürst hier ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Sogar Touristen behandelt man wie die eigene Familie. Und dazu die vielen verrückten Locations, wo ich ­abhängen und mich inspirieren lassen kann.“ www.maserart.com

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Drei Prickelnde Alternativen zum St. Patrick’s Day

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gend, keine großen Einkaufsket­ ten, dafür das Herz der Stadt. Mit Menschen, die wirkliche Freund­ lichkeit vermitteln. Hier male ich oft, quatsche mit Passanten.

4 Kilmainham Gaol

Inchicore Road Dieses Gefängnis aus dem 18. Jahrhundert inspiriert mich je­ des Mal aufs Neue: Den Film „Im Namen des Vaters“ drehten sie hier, außerdem war vor 300 Jah­ ren Irlands Nationalheldin Anne Devlin da eingekerkert. Von ihr malte ich in Dublin 8 ein Porträt.

samhain festival 20.000 schrill gekleidete Menschen prozessieren am 31. Oktober durch die Straßen Dublins und begehen so das irisch/kel­ tische Halloween. Highlight: das Feuerwerk am Ende dieses Totenfestes. www.visitireland.com

Fringe Festival 16 Septembertage lang verwandelt das Fest Dublin in eine Bühne für ­internationale Künstler: Mit 500 Events, darunter Tanz-, Musik- und Theateraufführungen sowie jährlich 150.000 Besuchern. www.fringefest.com

Electric Picnic

2 All City Records

Temple Bar Ein seltsamer Plattenladen, der Graffitifarben anbietet. Dazu ­haben sie eine Street Art Gallery, verdammt guten Kaffee, und wer will, kann sich hier sogar die Haare schneiden lassen.

3 Dublin 8

Kevin Street/Umgebung Das alte Dublin. Keine reiche Ge­

5 Hawk Cliff

Vico Road Diese legendäre Klippe liegt nah am Haus von U2-Sänger Bono. Es ist Oldschool-Baden: Von den Felsen springst du ins Wasser. Nur Bono habe ich leider noch nie vorbeischwimmen gesehen.

Das irische „Glastonbury“ erfreut sich Jahr für Jahr größerer Beliebtheit. 2013 haben Top Acts wie Fatboy Slim, Björk, Arctic Monkeys, The Knife, Eels ihr Kommen zugesagt. Der Termin: 30. 8–1. 9. www.electricpicnic.ie

the red bulletin

Text: Ruth Morgan. Bilder: Courtesy of Maser (2), The BErnard Shaw, All-City Records, lusciousblopster

est oad W n’s R

Emmet Road

Kilmainham

Victoria Quay

oh St. J

Irish National War Memorial Park Con Colbert Road oad ore R Inchic

Smithfield

Street

Conyngham Road

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Nort King Street

Church

Dublin, Irland

t ree St

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Phoenix Park

Bo lto n

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5

Marley Park

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stoneybatter

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North Bull Island

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Capetown, South Africa

Phoenix Park


Action!

Tipps vom Top-DJ

playlist

Fünf goldene Regeln für das Überleben im Musikgeschäft

Nick Littlemore, 35, ist eine Hälfte des aus­tralischen Duos ­Empire of the Sun.

Ihre Kostüme sind so farbenprächtig wie ihre ­Synth-Pop-Hits: Empire of the Sun sind die neuen Märchen­prinzen der Popwelt, ihre Musik vereinigt Disco-Rhythmen mit der Opulenz von Disney-Filmen. Nachzuhören auf dem neuen Album „Ice on the Dune“ – und bei der aktuellen Cirque-du-SoleilShow Zarkana, für die Empire-of-theSun-Hälfte Nick Littlemore die Musik komponierte. Der Australier sprach mit dem Red Bulletin über die fünf Songs, die seine Fantasie beflügeln.

Fünfmal Flesh for Fantasy Nick Littlemore Mississippi-Blues, französischer Electro und ­Folksongs aus Nordirland: Diese ­Stücke prägten das neue Album von Empire of the Sun.

Hörproben und Sommer-Tourdaten: www.empireofthesun.com

Seth Troxler wurde zum besten DJ des Jahres 2013 gewählt.

1 Wenn du’s mit der Musik ernst meinst, musst du alles andere aufgeben. Keine Nebenjobs, keine Ablenkungen.

2 „I Walk on Gilded Splinters“

Als 21-Jähriger stieß ich auf diesen Song von Dr. Johns Debütalbum „Gris-Gris“. Was mir gleich imponierte: der Teil, in dem er und fünf Sänger leicht zeitversetzt dieselbe Phrase in ein gemeinsames M ­ ikrofon singen. Dadurch entsteht ein menschliches Echo. Genial. Mein großes Ziel ist es, diesen Effekt einmal genauso gut hinzubekommen.

2

Brian Eno

„By This River“

Ein Song von Enos fünftem Album „Before and After Science“. Ruhig, zart, fantastisch. Dieses Stück beweist eindrucksvoll Enos Talent, Harmonien und Song-Elemente auf ihre Essenz runterzukochen. Er spielt keinen Ton zu viel, und jeder einzelne sitzt perfekt. Einen Song so einfach und trotzdem spannend zu halten, das ist wahrlich große Kunst.

4 The Korgis

5 Soak

In den frühen Neunzigern lief ein Remix dieses Songs bei Rave-Partys, auf die ich mich als Teenager schlich. Seitdem wurde das Stück unzählige Male nachgespielt. Aber keine Version kommt an das Originalstück von 1980 heran. Für mich ist das Lied das Paradebeispiel eines perfekten Popsongs: schlicht, emotional und einprägsam.

Soak ist eine Musikerin aus Nordirland. Ihr Song „Sea Creatures“ beeindruckt mich. Nicht nur, weil sie erst 17 Jahre alt ist. Ich stehe auf Melodien und Texte, und in diesem Stück greifen beide Elemente perfekt ineinander. Das Lied handelt vom Erwachsenwerden, geschrieben aus der Perspektive eines Kindes. Sehr einfühlsam.

„Everybody’s Got to …“

92



„Sea Creatures“

3

Ruth

„Polaroïd/Roman/Photo“

Paris ist die coolste Stadt der Welt. Ich wuchs in Aus­ tralien auf und verfolgte immer mit, was in Frankreich musikalisch abgeht. Ruth ist eine sträflich über­ sehe­ne Pariser Band. „Polaroïd/Roman/ Photo“ hat einen unglaublich geilen Groove. Ich verstehe zwar nicht, wovon der Mann singt, aber immer, wenn dieser Song läuft, steigt meine Laune.

U nter Was s er Musik-Gadget des Monats

Finis Neptune Perfekt für musikaffine Taucher: ein wasserdichter MP3-Player, dessen ­Kopfhörer nicht am Ohr, sondern am ­Jochbein platziert werden. Über dieses ­werden die Schwingungen direkt ins Innenohr übertragen. www.finisinc.com

Sei immer höflich und nett. Wenn du ein Arschloch bist, weiß das innerhalb kürzester Zeit jeder.

3 Triff Leute, knüpf Kontakte. Die meisten Labels arbeiten nur mit Künstlern, die sie persönlich kennen.

4 Wenn du dein Demo an ein Label schickst, gestalte es persönlich. Niemand reagiert auf einen Soundcloud-Link.

5 Veröffentliche nicht mehr als vier Singles pro Jahr. Denn wenn du einmal danebenhaust, ist das ­Interesse der ­Presse sofort weg. www.redbullmusic academy.com/ lectures/seth-troxler

the red bulletin

text: florian obkricher. bilder: universal music (2), finisinc.com, christelle de Castro/red Bull Content Pool

1

Dr. John


© Harald Illmer, Red Bull Content Pool

23. und 24. sep tem

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! o r p r u o go with y

z un d In A s s o l r A c t I m e tr AInIer Ager r AImund bAumschl

Tipps, Tricks und exklusive Einblicke von den Meistern höchstpersönlich. Erlebe ein unvergessliches Training mit Carlos Sainz und Raimund Baumschlager am Red Bull Ring und am Erzberg. Streng limitierte Teilnehmerzahl – am besten sofort Platz sichern! Informationen und Anmeldung unter www.projekt-spielberg.at, fahrerlebnisse@projekt-spielberg.at oder T: +43 3577 202-27031


Action!

Events

Bayerischer Gypsy-Brass auf Tour: LaBrassBanda ­fegen über deutsche Bühnen.

save the date Wo es diesen Monat sonst noch fun & Action gibt

17 Samstag

Red Bull R.Evolution Der BMX-Super­ cross-Event der Superlative kehrt zurück. Alle Facts, Ticketpreise (ab 5 Euro) und Web­ cast-Infos unter: www.redbull.de/ revolution. 17. 8., Mellowpark, Berlin

18 Sonntag

DTM am Nürburgring 49 Runden zu je 3,629 Kilometern, 250 km/h High­ speed, völlig un­ berechenbares Wetter: Der Kurs in der Eifel zählt zu den größten Herausforderun­ gen im DTM-­ Rennkalender. 16.–18. 8., Nürburgring

16. August, ServusTV

LaBrassBanda

Zum Start der Sendereihe „Musikrausch – Der Konzertsommer“ präsentiert ServusTV eine Konzert-Aufzeichnung der zünftigen Art: Die bayerische Blasmusik-Combo LaBrassBanda vermischt Stile wie Ska, Techno, Funk oder ­Reggae und schaffte es mit ihrem aktuellen Album „Europa“ auf Platz drei der deutschen Charts. Live tourt die Band noch bis Ende November durch Deutschland. Infos: www.servustv.com und www.labrassbanda.com

8. 8., deutschlandweit

Filmpremiere: „Lone Ranger“ 23.–25. 8., Übersee

Kult-Reggae am Chiemsee Dieses Jahr am „Chiemsee Reggae Summer“-Line-up: Gentleman, Patrice und Panda-Rapper Cro. www.chiemsee-reggae.de

94



Mit einem Budget von mehr als 250 Millionen US-Dollar bringt Produzent Jerry Bruckheimer einen der teu­ ersten Filme des Sommers ins Kino. Handlung: India­ ner Tonto (Johnny Depp) und der Ex-Texas-Ranger John Reid (Armie Hammer) kämpfen gegen Verbrecher. www.disney.go.com/ the-lone-ranger

ADAC Rallye Deutschland Als fixer Bestandteil der RallyeWM lockt das Rennen jährlich 200.000 Zuschauer nach Rhein­ land-Pfalz. Vor allem der neun­ fache Champion Sébastien Loeb liebte die abwechslungsreichen Wertungsprüfungen auf Asphalt, die von scharfen Abzweigungen und Spitzkehren geprägt sind: Loeb konnte die Rallye neunmal gewinnen. 2011 wurde er von Landsmann Sébastien Ogier ­besiegt, der diesmal Favorit ist. www.rallye-deutschland.de

21

Mittwoch

Gamescom In Köln Auf 140.000 Qua­ dratmeter Aus­ stellungsfläche präsentieren 480 Firmen die neuesten Entwick­ lungen auf dem Computer- und Konsolenmarkt. 21.–25. 8., Messe, Köln

the red bulletin

Bilder: getty images, ddpimages, Adac Motorsport

22.–25. 8., Trier


/redbulletin

AUGUST 2013 DAS MAGAZ

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FIGHT CLU B

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JETZT ABO BESTELLEN! HIMMELSSTÜRMER Was wirklich geschah: Der Mann, der schneller war als der Schall, erzählt seine Geschichte.

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Action!

TV-Highlights

M ust See

Volles Programm

Helden auf Ihrem Bildschirm

das red bull tv-fenster bei servus-tv Der Louis Vuitton Cup 2013 – live und in HD auf ServusTV

Highlights vom Erzberg Der eiserne G ­ igant wurde wieder bezwungen: Dieses Jahr war Graham Jarvis Schnellster. 19. 8., 22.45 Uhr

Die besten FMXRider der Welt sind zurück in der Plaza de Toros von Madrid. 3. 8., 12.00 Uhr

Ab Samstag, 17. 8., 22.15 Uhr

Live: Louis Vuitton Cup 2013

Artemis Racing, Emirates Team New Zealand und Luna Rossa Challenge 2013 – das sind die Teilnehmer am Louis Vuitton Cup 2013, der letzten Qualifikationsrunde vor dem traditionsreichen America’s Cup. Am 30. August entscheidet sich in der Bucht von San Francisco (USA), zwischen der Gefängnis-Insel Alcatraz und der Golden Gate Bridge, wer von ihnen den ­Titelverteidiger Oracle Team USA beim wichtigsten Segelbewerb der Welt herausfordern darf. Auf ServusTV sehen Sie dieses Event live und in HD. Mittwoch, 7. 8., 21.15 Uhr

Play! Am Anfang war der Sport

Montag, 5. 8., 22.45 Uhr

Sonntag, 11. 8., 23.10 Uhr

WRC Finnland

Che Guevara: Chevolution!

Vom Mittelmeer geht es für unsere Fahrer in den kühlen Norden. Auf ServusTV ­sehen Sie die Highlights des 8. Saisonrennens.

Ein Bild, das zum Inbegriff der Revolution wurde. Wie das Porträt des Ernesto „Che“ Guevara die Welt für immer veränderte.

96



Samstag, 17. 8., 12.00 Uhr

UCI MontSainte-Anne Die Mountainbike-Elite ist zurück beim Klassiker in Kanada. Mit am Start: Vorjahressieger Aaron Gwin und Gee Atherton (Bild).

Sport ist Philosophie, und Ziné­ dine Zidane, Serhij Bubka oder ­Katarina Witt sind seine Philo­ sophen. Mit atemberaubenden Bildern und tiefschürfenden ­Interviews zeigt „Play!“, wie aus dem Urantrieb des Menschen, sich mit anderen zu messen, die schönste und aufregendste Freizeitbeschäftigung der Welt wurde. Ob Fußball, Olympia oder bei ethnischen Wettkämpfen: „Play!“ zeigt großen Sport und die größten Sportler aller Zeiten.

Bullit – The Documentary Chuck Patterson möchte der Erste sein, der die „Jaws-Wellen“ mit Skiern bezwingt. 18. 8., 17.00 Uhr

Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter

0800 100 30 70 the red bulletin

Bilder: corbis (2), red envelope entertainment llc, sven martin/red bull content pool, gepa pictures/Citroen, getty images, samo vidic/red bull content pool, predrag vuckovic/red bull Content pool

Red Bull X-FighterS


p ro m ot i o n

Must-haves! Mako Ti – Der kleinste Profi im Outdoor-Bereich Das extrem leichte und kompakte „Mako Ti“Fahrrad-Pocket-Tool bietet neun wichtige Funktionen, die dich unterwegs auf dem Trail oder der Straße beim Instandsetzen des Bikes unterstützen, damit du schnell wieder unterwegs sein kannst. Die neuen Modelle „Piranha“ und „Brewzer“ runden die kompakte Produktpalette ab. Mehr Infos auf: 1

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2 D  OSH „Aeros“ – MADE IN SYDNEY Einzigartiges Design, 100 % wasserfeste Materialien, handlich und praktisch un­ zerstörbar – das sind die unglaublichen Dosh®-Geldbörsen aus Sydney/Australien. Die Weltneuheit im Hinblick auf Design, Konstruktion und Fertigung ist unverzichtbar beim Einsatz im Extremsport und ein Eye­ catcher im City-Jungle! Hol dir jetzt die beste Geldbörse des Sommers. Die gesamte Kollektion gibt’s nur bei uns – check it out!

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3 Alle lieben CRUCIANI Die Cruciani-Armbänder sind per Nadel aus Makrameespitze gefertigt und zu 100 % made in Italy. Sie haben sich zu einem echten Must-have entwickelt, zu einem Symbol der Seele und der Lebendigkeit. Bei allen Motiven wie z. B. dem Kleeblatt („Quadri­ foglio“), dem Herz („Amore“) oder dem Schmetterling („Libertà“) ist das Cruciani-C wichtigstes Erkennungs­merkmal. Mehr Infos dazu unter:

www.timemode.com 4 Blue Tomato Fashion! Von Merchandise-T-Shirts zur Fashion-Line. Vor zirka eineinhalb Jahren startete Blue ­Tomato mit ihrer eigenen Design-Linie, die neben Logo-T-Shirts nun auch stylische Streetwear wie Sweater, Tanktops, Shorts und Hemden beinhaltet. Alle Produkte ­werden in Schladming, im Headquarter, ­designt und in Europa produziert. Es wird besonders darauf geachtet, dass ein Großteil der Produkte aus Biobaumwolle her­ gestellt wird. Genaueres erfährst du auf:

www.blue-tomato.com

5

S PORTLICH-TRENDY Auf DIE POLEPOSITION Die neue Sports-Fashion-Kollektion von Red Bull Racing Eyewear besticht durch ­modische Farben, sportliche Formen und funktionelle Eigenschaften. Klassische Retro­ styles sorgen für einen coolen Look, leichte Materialien bieten an­genehmen Komfort, und hochwertige Gläser mit bunten Spiegeln gewähren eine weltmeisterliche Sicht. Ein Must-have für Top-Performer und Trendsetter. ­Simply spectacular! Alle Modelle auf: 5

www.spectacular-eyewear.com


Zeitsprung

Ein Leben ohne Flügel

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 3. September 2013. 98



the red bulletin

Bild: gamma-keystone/getty images

Nicht immer waren Behelfs­ mittel zur Überwindung der Schwerkraft so unkompliziert zugänglich wie in unseren mo­ dernen Zeiten. Das erschwerte den Alltag ungemein. So war etwa das Erreichen erhöhter Positionen, um Sportereignis­ sen aus privilegierter Perspek­ tive beizuwohnen, von Einfalls­ reichtum und Ingenieursmut abhängig – dies mitunter im Wortsinn, wie diese Aufnahme vom 31. Juli 1968 belegt. Sie zeigt die Schwedin Wiggy Strongscalpsson beim Besuch der 1. Coiffeur-Weltmeister­ schaft in Oslo.


SEGELN BEI SERVUS TV.

© Balasz Gardi/Red Bull Content Pool

Louis Vuitton Cup, The Red Bull Youth America‘s Cup und America‘s Cup.

IMMER HART AM WIND – DIE ÜBERTRAGUNGEN DER FINALRENNEN LIVE UND EXKLUSIV. Kommentiert von Gerhard Leinauer mit der Unterstützung der SegelDoppelolympiasieger Hans-Peter Steinacher und Roman Hagara. LOUIS VUITTON CUP. Ab Samstag | 17.08. | 22:15 live THE RED BULL YOUTH AMERICA‘S CUP. Ab Sonntag | 01.09. | 00:15 AMERICA’S CUP. Ab Samstag | 07.09. | 22:15 live ServusTV ist in Deutschland, Österreich und in der Schweiz über Satellit, Kabel und IPTV empfangbar. Kostenfreie Service-Hotline 0800 100 30 70 | www.servustv.com

Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung.


The Red Bulletin August 2013 – DE  

Fight Club: Der America’s Cup bedeutet Segeln am Rande des Wahnsinns. The Red Bulletin war mit an Bord.

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