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DEUTSCHLAND JULI 2018, € 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

FORMEL 1CH RENNFAHRER MAX VERSTAPPEN ERKLÄRT, WANN EGO GEWINNT

DIE STEINZEITFRAU MIRIAM LANCEWOOD LEBT SEIT ACHT JAHREN IN DER WILDNIS

SPIEL MIT MIR!

Fußball-Star TIMO WERNER und E-Sport-Champion CIHAN YASARLAR im Gespräch über Freundschaft, Adrenalin und mentale Stärke


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EDITORIAL

Zwei Männer, zwei Sportarten, ein Ziel: Fußballer Timo Werner und E-Sportler Cihan Yasarlar wollen in ihren Disziplinen Weltmeister werden. Aber dieser Traum ist nicht das Einzige, was die beiden Profis von RB Leipzig verbindet, wie sich im Interview ab Seite 46 herausstellt. Kurz vor der Fußball-WM in Russland sprachen sie mit The Red Bulletin darüber, wie sie lernten, sich auf den Punkt zu konzentrieren, was sie pusht und warum beide ihre besten Freundschaften Computerspielen verdanken.

Heimspiel: E-Sportler Cihan Yasarlar (li.) und Fußballprofi Timo Werner (Mi.) trafen sich mit The Red Bulletin-Redakteur David Mayer im Trainingszentrum ihres Vereins RB Leipzig zum Doppelinterview.

Wie Werner und Yasarlar um Tore kämpfen, ringt Künstler Butch Locsin um Kreativität: Ab Seite 70 erklärt er, wie er Rückschläge für Ideen nutzt und warum er sich einen Totenkopf aufsetzt, um das Leben zu feiern. Auch wer über den Atlantik rudert, erleidet Rückschläge. Wie man trotzdem heil ankommt, erfährst du ab Seite 64. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion

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MIT AN BORD IN DIESEM HEFT

JULIE GLASSBERG

Zwei Nächte in der bulgarischen Wildnis. In einem Gebiet mit Bären und Wölfen. Keine heiße Dusche, null Komfort. „Klar, mach ich!“ Die Pariser Fotografin zögerte keine Sekunde, als wir sie in die Rhodopen zu „Steinzeit“-Frau Miriam Lancewood schickten, die seit acht Jahren unter freiem Himmel lebt. Dann ging Glassberg erst mal einen Schlafsack kaufen. Was sie aus der Wildnis zurückgebracht hat, siehst du ab Seite 36.

IRIS RÖLL

Was macht Menschen stark? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Artikel der Münchner Journalistin (u. a. „Focus“). Die perfekte Autorin also für einen Text über Model und Moderatorin Betty Taube, die gerade Fliegen lernt und vom Red Bull Air Race träumt. „Hinter ihrem unbekümmerten Aussehen steckt eine große innere Kraft“, sagt Röll. Woher sie die Stärke nimmt, er erfährst du im Porträt ab Seite 54.

THE RED BULLETIN

CHRISTOPH NEUMANN, ILLUSTRATION: MINK COUTEAUX (COVER)

BEREIT FÜRS NÄCHSTE LEVEL


INHALT Juli

FEATURES

26 Erfolgreiches Ego

Max Verstappen hat das Zeug zum Formel-1-Weltmeister. Meint Max Verstappen. Interview mit dem Ausnahmetalent.

36 Die Frau aus der Steinzeit Miriam Lancewood hat die Zivilisation hinter sich gelassen. Und dabei mehr gefunden, als sie aufgegeben hat.

46 Spiel mit mir!

Fußballer Timo Werner und E-Sportler Cihan Yasarlar im Interview über mentalen Fokus, Adrenalin und Freundschaft.

54 Das fliegende Model

Betty Taube und ihr Traum vom Red Bull Air Race.

60 Klangkünstler Brian Eno Er arbeitete mit Coldplay und U2. Er schafft Räume zum Zuhören. Und er kennt die Formel für mehr Kreativität.

64 Die Atlantik-Ruderer

Von den Kanaren in die Karibik in 30 Tagen. Hitze, Wellen, Sturm: So fordernd ist die Talisker Whisky Atlantic Challenge. Tauch ein in die skurrile Welt von Künstler Butch Locsin.

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70 BUTCH LOCSIN

Vom Fitnesstrainer Fitness zum „Skeleton of Color“: der Werdegang eines USAmerikaners zum gefeierten Performance-Künstler.

MAX VERSTAPPEN

Bis dato jüngster Formel-1-Sieger, umstrittenster Fahrer im Feld. Das Interview.

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THE RED BULLETIN

ADAM FUJIOKA, REX/SHUTTERSTOCK, JULIE GLASSBERG

70 Lebenslust mit Totenkopf


BULLEVARD Life and Style Beyond the Ordinary

12 Mit Wetterballons in die

Stratosphäre – na ja, fast

14 Wieso Starkoch Sven Wassmer

gerne Ameisen serviert

16 Der weltschnellste Zweibeiner 18 Klettern: So überlebst du einen

Besuch bei den Göttern

19 Vier Song-Empfehlungen von

Art-Pop-Queen Janelle Monáe

20 Volkswagen ID R Pikes Peak:

Rennauto mit Rachemission 22 Das Tonstudio zum Mitnehmen 24 À la 007 auf 3000 Meter Höhe

GUIDE

Get it. Do it. See it. 78 Reise-Special: Island 80 MotoGP am Sachsenring 82 Highlights auf Red Bull TV 84 Top-Termine des Monats 90 Die beste Ausrüstung für einen

feuchtfröhlichen Sommer

94 Reifs Fußball-Kolumne 97 Impressum 98 Das Actionfoto des Monats

36 WILD WOMAN

Wieso Miriam Lancewood in die Wildnis zog, wie sie überlebt und was du dir von ihrem Lebensstil abschauen kannst. THE RED BULLETIN

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BULLEVARD L I F E & S T Y L E A B S E I T S D E S A L LTÄ G L I C H E N

THE ADVENTURISTS/ RICHARD BRANDON-COX

TOM GUISE

Der britische Abenteurer Tom Morgan am Himmel über der Savanne Botswanas im Süden

NEXT STOP: STRATOSPHÄRE Warum Tom Morgan beim Aufstieg einen Ballon nach dem anderen platzen ließ, erfährst du auf der nächsten Seite.

THE RED BULLETIN

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„S

chon mal vom Gordon Bennett Cup gehört? Das ist ein Gasballonrennen. Es begann 1906 mit einem totalen Desaster: Leute gingen verloren, mindestens fünf Ballonfahrer starben“, sagt der britische Abenteurer Tom Morgan. „Ballonrennen faszinieren mich, aber daran teilzunehmen kostet eine ordentliche Stange Geld. Ich finde, die Welt braucht ein Gasballonrennen für Arme.“ Der 38-Jährige ist Abenteurer von Berufs wegen. Nein, korrekter: Er ist Abenteuer Abenteuererfinder. Sein in Bristol ansässiges Kollektiv The Adventurists will unsere Neugier aufs Unbekannte stimulieren – und denkt sich dafür Dinge wie ein Oldtimer-Motorrad-Rennen auf gefrorenen sibirischen Seen oder Mangobaum-Floß-Segeltörns am Indischen Ozean aus. Ihr Motto: „Wir wollen die Welt zu einem weniger langweiligen Ort machen.“ Auf das letzte Puzzleteil für seine haarsträubende Idee eines Gasballonrennens stieß Morgan in „Popular Mechanics“, einem Wissenschaftsmagazin aus den 1920erJahren: „Darin beschrieb ein Artikel, wie man Luftschiffe in der Ära vor der ‚Hindenburg‘ repariert hat: Die Mechaniker fuhren einfach mal schnell mit

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Hilfe von Wasserstof Wasserstoffballons hinauf zum Schiff, erledigten ihren Job und landeten ganz lässig wieder am Boden.“ Für „Abenteuer 11“ (zuvor wurden im Kollektiv bereits zehn andere absolviert) wur wurden Wetterballons, Heliumkanister und zwei Gartenstühle in die Salzwüste in Botswana, die sogenannten Makgadikgadi Pans, geschickt. „Eine schöne offene Fläche ohne Hindernisse – und ohne Tiere, die einen auffressen wollen“, so Morgan, „und so weit vom Meer entfernt, dass man bei der Landung gute Chancen hat, nicht zu ertrinken.“ Morgan hatte sogar die Windverhältnisse in die Planung einberechnet. Das heißt: die Windverhältnisse in der Luft, nicht die am Boden. „Wir brauchten acht Stunden zum Aufblasen der Ballone. Dann knallte das ganze Bündel in einer Riesenböe auf den Boden und war kaputt. Am Ende der Woche gingen uns bei 40 Grad die Vorräte aus, und auch Ballone und Gas wurden knapp. Also flickten wir alle Löcher mit Gafferband und nützten ein winziges Zeitfenster mit guten Wetterbedingungen für den einen Flug, bei dem alles klappen musste.“ An ein Rennen war nicht mehr zu denken, also hob Morgan allein ab – in einem Campingsessel, an den 86 Heliumballone gebunden waren. „Das war unglaublich. Es herrschte absolute Stille, nicht vergleichbar mit irgendeiner anderen Erfahrung, auch nicht

mit einer Heißluftballonfahrt“, sagt er. „Ich flog mit einem Riesengrinser im Gesicht dahin.“ Das Grinsen verging ihm, als er die Inversionsschicht passierte. „Da zog es mich in einem Irrsinnstempo nach oben. Ich zerplatzte ein paar Ballone. Das musste schnell gehen, aber einen zu viel zer zerplatzen, das wäre keine gute Idee gewesen.“ Als Ballast benützte er Kanister, die Feinabstimmung nahm er per Pinkeln vor: „Damit veränderte ich meine Sinkgeschwindigkeit um 0,1 Meter pro Sekunde.“ Morgan blieb drei Stunden in der Luft, stieg fast 2500 Meter hoch und legte mehr als 25 Kilometer zurück. Für den Fall einer Begegnung mit einem Flugzeug hatte er ein Funkgerät dabei; die Bodenmannschaft sollte ihn mithilfe eines Ortungsgeräts finden. Am Ende landete er wohlbehalten – „fast so, als hätte ich gewusst, was ich da tue“. Vielleicht soll es schon im nächsten Jahr das erste Rennen geben, die Regeln sind übersichtlich kurz: „Wer am weitesten vom Startpunkt entfernt landet, hat gewonnen.“ theadventurists.com

THE ADVENTURISTS/ RICHARD BRANDON-COX

„ICH ZERPLATZTE BALLONE – UND DACHTE BEI JEDEM: HOFFENTLICH WAR DAS NICHT DER EINE ZU VIEL!“

THE RED BULLETIN


BULLEVARD

Nach drei Stunden Flugzeit landete Tom Morgan wieder wohlbehalten – „als hätte ich gewusst, was ich da tue“. THE RED BULLETIN

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BULLEVARD

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Süßsaure Provokation: Selleriepüree mit Waldameisen auf Selleriestücken

Küchenkünstler

„AMEISEN SIND DIE ZITRONEN DER BERGE“

Sven Wassmer ist ein KochAusnahmetalent. Er erobert Gaumen durch Beutezüge in Steilhängen, Rastlosigkeit und fruchtig-saure Waldbewohner.

Sven Wassmer, 31, ist im Juli Gastkoch im Restaurant Ikarus in Salzburg. Infos und Reservierung: hangar-7.com

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THE RED BULLETIN

CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

bringen“, so Wassmer. Also machte er sich über die heimi­ schen Waldameisen schlau, lernte ihre Eigenarten und experimentierte, wie man sie am besten zubereitet. Heute ist Sellerie mit Waldameisen eines seiner Vorzeigegerichte. Kreiert, nicht (nur) um zu provozieren, sondern weil es schmeckt. „Ameisen haben blumige Noten, sind rund auf dem Gaumen“, schwärmt der Koch. „Sie sind unsere Berg­ zitronen.“ So ungewöhnlich der Säure­ kick auch sein mag, bei man­ chen belebt er längst verges­ sene Kindheitserinnerungen wieder, wie Wassmer erzählt, „als das Verspeisen von Amei­ sen als Mutprobe galt“. svenwassmer.com

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er Restaurantführer „Gault & Millau“ kür kür­ te Sven Wassmer zum Aufstei­ ger des Jahres 2016. Branchen­ kenner sehen in ihm das größte Talent der Schweizer Koch­ szene. Er selbst bezeichnet sich lieber als Provokateur. „Man kann nur Erfolg haben, wenn man etwas anders macht als die anderen“, sagt Wassmer, 31 Jahre jung und seit 2015 Chefkoch im Restaurant 7132 Silver in der Bündner Gemein­ de Vals. Dort serviert er seinen Gästen schon mal Schweine­ schwanz oder Ameisen. Neue Wege zu gehen, Un­ gewöhnliches aufzutischen ist für Wassmer wesentlicher Be­ standteil des Kochens. Nicht nur um sich in der hart um­ kämpften Branche von Kolle­ gen abzuheben, sondern weil es mit seiner Philosophie ein­ hergeht: „Ich beziehe die Natur in ihrer Gesamtheit ein – in­ klusive Geschmäckern, die über die Jahre verlorengingen. So versuche ich, bei den Gäs­ ten Erinnerungen zu wecken oder neue zu kreieren.“ Wassmer kombiniert saiso­ nale und regionale Zutaten, die er sich selbst in den Wäl­ dern oder auf 2000 Meter Höhe besorgt, mit Kochtech­ niken und Inspirationen aus aller Welt. „Für die Kreativität ist es wichtig, über Grenzen hinweg zu denken, sich auszu­ tauschen und neue Kulturen zu erleben“, betont er. Bestes Beispiel: besagte Ameisen. „Ameisen habe ich erstmals in Mexiko gegessen. Dort sind sie ein normales Gewürzmittel. Das wollte ich in die Schweiz


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Kjeld Nuis

DER SCHNELLSTE ZWEIBEINER DER WELT

sain Bolt krönte sich 2009 in Berlin zum damals schnellsten Menschen der Welt: Bei seinem 100-mWeltrekord lief er 44,72 km/h. Am 28. März 2018 kam Kjeld Nuis auf mehr als das doppelte Tempo. Zugegeben, er lief auf Eis und im Windschatten. Dafür ging er aber auch ein weit höheres Risiko ein – unter anderem weil die Bahn nahe der schwedischen Küstenstadt Luleå aus gefrorenem Meerwasser bestand. „Natureis ist nicht flach und spiegelglatt, es hat Risse und Beulen“, sagt der 28-jährige Eisschnelllauf-Olympiasieger. „Und wenn deine Kufe bei 90 km/h stecken bleibt, reißt es dir den Fuß ab.“ Für seinen Rekordversuch ließ Nuis eigens Schlittschuhe mit speziellen, weniger gebogenen Kufen anfertigen. Kaum zu glauben, dass Nuis erst drei Tage vor dem Rekordversuch zum ersten Mal in diese für ihn ungewohnten Schuhe schlüpf schlüpfte. „Was hätte ich tun sollen? Ich war während der Tests bei den Olympischen Spielen. Wir arbeiteten eben via FaceTime an den Kufen.“ Keine Zeit blieb auch fürs Training mit dem Seat des schwedischen Tourenwagen-Profis Mikaela ÅhlinKottulinsky. Das machte es vor Ort nicht leichter: „Als der Seat beschleunigte, drehten die Räder durch. Als Driftkönigin kam Mikaela damit klar, aber

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„BLEIBEN DEINE KUFEN BEI 90 KM/H STECKEN, REISST ES DIR DEN FUSS AB.“

JARNO SCHURGERS/RED BULL CONTENT POOL

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es war schwer für mich, mitzubeschleunigen. Wir mussten später auch die Strecke verlängern, weil das Auto nicht das gewünschte Tempo erreichte. Und der Schild wurde mit Steinen beschwert, um nicht abzuheben.“ Am Ende übertraf er seine Erwartungen dennoch. „Beim ersten Blick auf die Strecke dachte ich: Wenn wir 50 km/h erreichen, bin ich zufrieden. Bis 30 km/h war es leicht. 50 waren ein hartes Stück Arbeit. Aber ab 70 saugte mich der Wind an den Schild ran, meine Beine zogen einfach mit.“ Und am Ende musste Nuis bremsen – bei fast 100 km/h auf Schlittschuhen. „Ich fuhr seitlich aus dem Windschatten. Das fühlte sich an, wie auf der Autobahn den Kopf aus dem Fenster zu stecken.“ Nun ist Nuis nicht nur der schnellste Eisschnellläufer aller Zeiten, sondern auch das schnellste Lebewesen auf zwei Beinen – selbst der Strauß bekommt nur 70 km/h hin. Trotzdem ist noch mehr drin, glaubt er: „Auf einer längeren Bahn könnte ich die 100 km/h knacken.“ Und von da ist es nicht mehr weit zum Gepar Geparden (104 km/h) … Was bedeutet ihm der Speed-Rekord im Vergleich zum doppelten Olympia-Gold in Pyeongchang? „Als Kind träumte ich davon, Olympiasieger zu werden. Doch in vier Jahren gibt es einen neuen Champion. Und das hier wird mir niemand wegnehmen!“ Sieh dir Nuis’ „Quest for Speed“ auf redbull.tv an.

TOM GUISE

93 km/h: Das ist um 48 km/h flotter als Usain Bolt und um 23 km/h schneller als der Vogel Strauß. Jetzt peilt der niederländische Eisschnellläufer 104 km/h an, also Geparden-Speed.

Risse, Beulen, Unebenheiten: Die Eisbahn auf dem Meer bei Luleå war gefährlich.

THE RED BULLETIN


BULLEVARD

Bei den Olympischen Spielen in Korea holte Kjeld Nuis Gold über 1000 und 1500 Meter – und in Schweden jetzt auch noch den Geschwindigkeitsweltrekord. THE RED BULLETIN

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BULLEVARD

Wie man …

EINEN BESUCH BEI DEN GÖTTERN ÜBERLEBT

weichen – du hast Glück oder bist tot. Am Anfang schoss uns jedes Mal das Adrenalin ein, nach sieben Tagen waren wir völlig abgestumpft. Die Felsstürze waren so normal wie die Tatsache, an nur einem Seil zu hängen – es müssten eigentlich drei sein, aber die hatte der Felsschlag kaputt gemacht.“

Der britische Abenteurer Aldo Kane hatte die luftige Idee, als erster Mensch den Amuri Tepui in Venezuela zu erklimmen. Doch die Götter hatten was dagegen.

Mach einfach weiter

„Eines Abends zog ein riesiger Gewittersturm auf. Ich war am Seil und konnte durch den Regen gar nicht hinaufschauen. Es war dunkel, Felsen zischten an meinem Kopf vorbei und zerschlugen Bäume am Boden. Ich war durch die Blitze geblendet, steckte fest, hing stundenlang am Seil und war unterkühlt.“

Halte nie die Klappe

Der ehemalige Royal­ Marines­Soldat Aldo Kane unterstützt Film­ und TV­Crews unter Extrembedingungen.

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sagt Kane. „Sie heißt so, weil der Schmerz erst nach 24 Stunden nachlässt.“

Sei auf alles vorbereitet

„Die Kletterei ist hart: Die ersten 100 Meter liegen im Schatten des Dschungels, du wirst pitschnass. John Arran war die ersten 50 Meter ungesichert – er hätte auf keinen Fall ausrutschen dürfen. Es gibt bei solchen Expeditionen weder Netz noch doppelten Boden, das muss dir klar sein.“

Arrangier dich

„Einmal pro Stunde hagelt es lebensgefährlich große Steine herab, egal ob Tag oder Nacht. Wenn du in der Wand hängst, kannst du praktisch nicht aus-

Akzeptiere Scheitern

„Nach sieben Tagen hatten wir drei Viertel der Strecke hinter uns. Wir hatten kaum mehr Nahrung und so gut wie kein Wasser, machten aber weiter. Wir stießen auf Gestein, das bei Berührung brach, und Ivan stürzte 40 Meter tief ab. Er riss die ganze Sicherung mit, fuchtelte wild herum und zog John am Seil in die Wand. Wir konnten uns nur mit einem Bohrhaken retten. Das war der Zeitpunkt, an dem wir beschlossen aufzuhören. Es ist eine feine Grenze zwischen ‚Ich setze mir ein Ziel und er erreiche es‘ und ‚Ich erzwinge es um jeden Preis‘.“ THE RED BULLETIN

MATT RAY

I

m „Haus der Götter“ haben Menschen nichts zu suchen. Die Einheimischen im Umland der so erhaben bezeichneten Tafelberge im südamerikanischen Hochland von Guayana wissen das. Abenteurer Aldo Kane, TV-Moderator Steve Backshall und die TepuiKletterveteranen John Arran und Ivan Calderon lernten es – und zwar auf die harte Tour, als sie 2015 die Erstbesteigung des 2200 Meter hohen Amuri Tepui angingen. Wer ins Haus der Götter platzt, muss mit deren Zorn rechnen – in Form von Blitzen, Killerfelsen und skorpionverseuchten Höhlen. „Ich wurde zweimal von einer 24-Stunden-Ameise gebissen“,

ALDO KANE

Du willst den Amuri Tepui erklimmen? Es erwarten dich Fels­ stürze, 24­Stunden­ Ameisen und jederzeit die Möglichkeit, dein Leben hierzulassen.

„An einer Felswand gehe ich davon aus, dass es meinem Partner gut geht – aber besser ist, sich davon auch zu über überzeugen. Denn dann hätte er vielleicht gesagt: ‚Eigentlich hatte ich den ganzen Morgen Durchfall und wurde von 24-Stunden-Ameisen gestochen. Ich fühle mich nicht gut.‘ Womöglich wird er ja plötzlich beim schwierigsten Teil des Aufstiegs bewusstlos. Missver Missverständnisse kosten Leben, rede also lieber zu viel als zu wenig: ‚Hast du genug Wasser getrunken? Bist du gut gesichert?‘“


Janelle Monáe

„PRINCE BRACHTE MICH ZUM HEULEN“ Die US-Queen des Art-Pop über die vier inspirierendsten Songs ihres Lebens.

J

JUCO

FLORIAN OBKIRCHER

anelle Monáe ist Sängerin (Debütalbum: „The ArchAndroid“, ein Konzeptalbum nach Fritz Langs Science-Fiction-Epos „Metropolis“ aus dem Jahr 1927). Sie ist Schauspielerin („Moonlight“, „Hidden Figures“). Und sie hat was zu sagen – zum Beispiel mit ihrer ermutigenden MeToo-Rede bei den Grammys im Vorjahr. Ihr neues Album „Dirty Computer“, eine Mischung aus futuristischem Funk und Politik, ist ein weiteres Beispiel ihrer progressiven Pop-Ästhetik. Hier verrät sie vier musikalische Einflüsse, die sie zu der gemacht haben, die sie heute ist. jmonae.com

Janelle Monáe, 32, arbeitete mit Prince – noch kurz vor seinem Tod im Jahr 2016 – an ihrem neuen Album.

DAVID BOWIE „MOONAGE DAYDREAM“ (1972)

STEVIE WONDER „LOVE’S IN NEED OF LOVE TODAY“ (1976)

LAURYN HILL „THE MISEDUCATION OF LAURYN HILL“ (1998)

PRINCE „LET’S GO CRAZY“ (1984)

„Was Konzeptalben betrifft, Alter Egos und das Erfinden neuer Welten, hat mich Bowie stark beeinflusst. Als ich diesen Song zum ersten Mal hörte, katapultierte das meinen Musikgeschmack auf ein neues Level. Ich wollte, dass meine Texte genauso interessant klingen! Einmal spielte ich mit Of Montreal, einer meiner Lieblingsbands, ein Cover davon. David Bowie ist eine ewige Inspirationsquelle für mich.“

„2011 hörte ich jemand backstage bei einer Charity Gala in L.A. meinen Song ‚Tightrope‘ singen – es war Stevie Wonder. Ich war hin und weg, denn Stevie war immer schon ein Held für mich. Diesen Song von ihm singe ich oft mit meiner Familie. In den Nachrichten oder Social-Media-Plattformen dreht sich doch alles um Dinge, die einen Keil zwischen uns treiben. Dieser Song hilft uns, unseren Nächsten zu lieben.“

„Ich habe diesen Song bei einer Talentshow a cappella gesungen und damit drei Wochen in Serie gewonnen. Als junge Afroamerikanerin fühlte ich mich vom Text angesprochen. Ich wusste ja selbst noch nicht, wer ich war, was ich sagen und wie ich Musik machen wollte. Alles, was Lauryn in dem Lied sagt, hat meine Gedanken geprägt. Sie hat schon lange kein Album mehr rausgebracht, aber das ist okay.“

„Den Song habe ich auf Prince’ Wunsch bei einem Prince Tribute (BET Awards 2010, Anm.) gesungen. Er sagte: ‚Das ist ein Uptempo-Song, den wirst du toll hinkriegen. Er passt genau zu dir.‘ Dass er mir solchen Mut machte, rührte mich zu Tränen. ,Let’s Go Crazy‘ ist ja ein Protestsong, für alle, die wegen ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Identität oder ihrem Geschlecht benachteiligt werden.“

THE RED BULLETIN

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BULLEVARD

Volkswagen ID R Pikes Peak

DER RACHE-ENGEL

VOLKSWAGEN

MATT YOUSON

Dieses Auto hat nur eine Aufgabe: eine drei Jahrzehnte zurückliegende Schmach zu tilgen.

Der ID R Pikes Peak ist bullig – 5,2 Meter lang, 2,35 Meter breit –, aber mit 1100 Kilo samt Fahrer überraschend leicht.

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THE RED BULLETIN


ZIEL 31,2 Kilometer ab der Mautstelle, 4300 Meter hoch

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it 4302 Metern ist der Pikes Peak im Bundesstaat Colorado der höchste Gipfel der Southern Front Range der Rocky Mountains. Benannt wurde er nach dem US-Entdecker Zebulon Pike, der 1806 vergeblich ver versucht hatte, ihn zu erklimmen. Legendenstatus verliehen ihm aber nicht der Alpinismus, sondern der Motorsport – ist er doch Schauplatz des alljährlichen Pikes Peak Inter International Hill Climb. Bei diesem Bergrennen gibt es nur eine Regel: Jeder Teilnehmer hat – ohne Trainingslauf – einen einzigen Versuch, so schnell wie möglich ans

Ende der Mautstraße zu kommen. Selbst der Beiname „Race to the Clouds“ ist irreführend: Oft führt der Kurs geradewegs durch die Wolken, Regen und Nebel inklusive. Und oft schaf schaffen es nicht alle bis ins Ziel. Das Werksteam von Volkswagen schickte 1987 einen recht bizarren Golf II mit zwei Motoren ins Rennen (einen für die Vor-, einen für die Hinterräder). Das 652-PS-Auto brauchte 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Sieg schien zum Greifen nahe, bis das Auto 400 Meter vor dem Ziel mit Aufhängungsschaden liegen blieb. Die Blamage war riesig, und VW machte seitdem einen großen Bogen um das Rennen – bis jetzt. Drei Jahrzehnte später präsentiert Volkswagen den ID R Pikes Peak: Das zweimotorige

und diesmal vollelektrische Vehikel mit 680 PS (500 kW) beschleunigt in 2,25 Sekunden von 0 auf 100 km/h – und fliegt damit selbst Formel-1Autos davon. Vom Profil her ähnelt der neue VW einem LeMans-Boliden, aber der riesige Heckflügel verrät die wahre Berufung: Durch ihn erzeugt das Auto in den Kurven mehr Anpressdruck in der schnell dünner werdenden Luft. Außerdem verpflichtete Volkswagen Romain Dumas, der zweimal Le Mans und drei der letzten vier Hill Climbs gewann. Das Ziel des Franzosen: am 24. Juni den aktuellen Elektroauto-Rekord von 8:57,118 Minuten zu brechen. Und vielleicht sogar Sébastien Loebs Allzeitrekord von 8:13,878 Minuten. ppihc.org

29 km; 4078 m

25,7 km; 3895 m

22,5 km; 3627 m

20,9 km; 3487 m

17,7 km; 3218 m

DIE STRECKE

START 2860 Meter hoch, 11,2 Kilometer von der Mautstelle

THE RED BULLETIN

11,2 Kilometer nach der 2362 Meter hoch gelegenen Pikes-PeakMautstelle beginnt die Rennstrecke. Auf 19,99 Kilometern sind 156 Kurven und 1440 Höhenmeter zu bewältigen bei durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung der Straße (früher ein Mix aus Schotter und Asphalt, heute komplett asphaltiert).

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BULLEVARD

Mikme

WIE GOPRO – ABER FÜR AUDIO

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Ein Steirer erfand ein Tonstudio, das so klein ist, dass du es überallhin mitnehmen kannst.

Das echte Mikme ist 2cm kleiner als dieses Bild. Es synchronisiert Audio in Studioqualität mit dem Video von der Smartphone-Kamera.

TOM GUISE

or fünf Jahren hatte Philipp Sonnleitner ein Problem. Der steirische Musiker wollte seine Inspira­ tionen spontan festhalten, „aber es dauerte immer ewig, bis ich ein Gerät eingerichtet hatte, das den Sound in akzeptabler Qualität aufneh­ men konnte“. Experimente mit dem iPhone brach er ab, „die Tonqualität war misera­ bel“. Seine Lösung: „ein Auf Auf­ nahmegerät für superhoch­ wertige Tonaufnahmen, das per Knopfdruck bereit ist“. Keine schlechte Idee. Aber wie umsetzen? „Herkömmliche mobile Audiorekorder nützen eine minderwertige Mikrofonkap­ sel. Ich beschloss, eine große Kapsel mit Goldmembranen zu verwenden, wie in teu­ ren Studiomikros. Aber sie braucht Phantomspeisung, also diese superstabile Span­ nung, die man eigentlich nur von großen Studiomischern erhält. Das in ein kabelloses Gehäuse mit Akku und inter inter­ nem Speicher zu packen war schwierig.“ Der gelernte Toningenieur brauchte drei Jahre, um das Problem zu lösen, und stand prompt vor einer neuen Her Her­ ausforderung: zugleich per Smartphone ein Video und per Mikro den Ton aufzuneh­ men. Die Antwort: eine App, die Audio in Studioqualität perfekt mit dem Video vom Smartphone synchronisiert – drahtlos und in Echtzeit. Sonnleitner glaubt, dass sein Gerät Tonaufnahmen al­ ler Art revolutionieren könnte – von Podcasts bis zu Konzert­ mitschnitten. „Es ist wie die GoPro: Früher brauchte man teure Ausrüstungen, um hoch­ wertige Videos zu drehen. Nun schafft das jeder mit ein paar Hundertern.“ mikme.com

Erfinder Philipp Sonnleitner war früher Toningenieur bei der Akustikfirma AKG.

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THE RED BULLETIN


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Travel

BOND IM BERG

„Spectre-kuläre“ Architektur am Gaislachkogl: rechts das Panorama-Restaurant Ice Q, links die James-Bond-Erlebniswelt „007 Elements“.

Du willst dich wie James Bond fühlen? In dieser Erlebniswelt auf 3000 Meter Höhe wirst du zum Geheimagenten.

Sölden, ÖSTERREICH ein Name: Bond, James Bond. Seine bisher letzte Mission: „Spectre“, mit mehr als 880 Millionen Dollar Einspiel­ ergebnis einer der erfolgreichs­ ten Filme des Jahres 2015. Sein neues Zuhause: der Gais­ lachkogl in Sölden, Tirol. An einem der spektakulärs­ ten Drehorte des 24. Teils der Kino­Reihe, auf 3.048 Meter Höhe, steht „007 Elements“, eine 1.300 m² große Erlebnis­ welt mit neun Räumen, die sich wie eine Wendeltreppe in den Berg bohrt. Was sie beherbergt? „Eine cineastische Installation“, er er­ klärt Neal Callow, Art Director der letzten vier Bond­Filme und kreatives Mastermind hinter dem Projekt. Jedenfalls kein Museum. „Ein Museum ist etwas Statisches“, meint Callow, „hier tauchst du Raum für Raum tiefer in die Welt von James Bond ein, bis du selbst zum Agenten wirst.“ So betreten die Besucher das Gebäude durch einen Gang, der einem Gewehrlauf

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Innsbruck

Wandle auf den Spuren von James Bond: Daniel Craig, hier während der Dreharbeiten zu „Spectre“ in Sölden.

nachempfunden ist, spielen in Qs Labor mit einer explodie­ renden Uhr oder bekommen durch Modelle und Videos Einblicke in die Stuntszenen aus „Spectre“ – Panorama­ blick auf die Originalschau­ plätze inklusive. Callow: „Analoge, echte Action gehört zur DNA von James Bond. Bei uns lässt sie sich völlig neu erleben.“ Hilfe auf dem Weg zum Agenten bietet modernste Sound­ und Bildtechnik, gerüstet für den Einsatz bis zu minus 30 °C.

Eine Stunde Fahrzeit ins WintersportMekka Sölden im Ötztal. Von dort befördern zwei Seilbahnen Besucher in zwölf Minuten zur Spitze des Gaislachkogls – ein Aufstieg von 1677 Metern.

Denn dass man sich mitten in einem Berg befindet, vergisst man bei all den audiovisuellen Reizen und Gadgets (die Ski­ stock Kanone aus „Der Spion, stock­ der mich liebte“ darf natürlich nicht fehlen) glatt. Einzig Wodka Martini – geschüttelt, nicht gerührt, versteht sich – wird nicht serviert. Den müssen die Be­ sucher im 20 Meter entfernten Restaurant Ice Q bestellen – der Kulisse für die Hoffler Hoffler­ Privatklinik in „Spectre“. 007elements.com THE RED BULLETIN

007 ELEMENTS/KRISTOPHER GRUNERT, COLUMBIA PICTURES/EVERETT COLLECTION/PICTUREDESK.COM CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

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Max Verstappen bestreitet mit 20 Jahren bereits seine vierte Formel-1-Saison.

DIE FORMEL

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MAX VERSTAPPEN, der mit Abstand talentierteste Pilot der Formel 1, erklärt uns seine Ansicht, dass Nettsein in der Königsklasse eine ganz schlechte Idee ist. Interview WERNER JESSNER

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„FÜR ERFOLG MUSST DU DEINEN PLATZ BEHAUPTEN. NICHT JEDER WIRD DICH DAFÜR LIEBEN.“

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Max Verstappen über die Einstellung, die nötig ist, um in der Formel 1 zu bestehen

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THE RED BULLETIN


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üngster Formel-1-Pilot der Geschichte, Jüngster am Podest, jüngster Sieger und so weiter (siehe Seite 34). Der Niederländer Max Verstappen, 20, zer zertrümmert Rekord um Rekord. Vater Jos, selbst ehemaliger Rennfahrer, hat seinen Sohn gezielt auf diese Aufgabe vor vorbereitet: Zeig der Welt, dass du besser bist als der Rest! Wie funktioniert einer, der schon als Teenager Champions verzweifeln ließ und sich bei Tempo 330 genüsslich mit den Arrivierten anlegt? Was steckt für ein Mensch unter dem Helm? the red bulletin: Du hast einmal gesagt, du bist nicht in der Formel 1, um dir Freunde zu machen. max verstappen: Jeder, der es bis in die For Formel 1 schafft, will gewinnen. Wenn du am Weg dorthin Freunde unter den Fahrern findest – fein. Man verbringt ja auch viel Zeit gemeinsam in den kleineren Kategorien. Aber nicht alle schaffen es bis nach oben, und natürlich gibt es Konkurrenz. Wie viele gute Freunde hast du? Vielleicht zehn. Und wie viele dieser zehn haben einen RennHintergrund? Etwa die Hälfte. Zählst du aktuelle Formel-1-Fahrer zu deinen Freunden? Nicht zum engsten Freundeskreis. Aber mit Pierre Gasly, Stoffel Vandoorne oder Brendon Hartley bin ich in freundschaftlichem Kontakt. Wir senden einander regelmäßig WhatsApp-Nachrichten. Wenn dich ein Freund im Rennauto schlägt: Wie reagierst du? Ich unternehme alles, damit ich beim nächsten Mal schneller bin. Klar kann ich mich für ihn freuen, aber niemand verliert gern. Mein Job ist es, Rennen zu gewinnen und alles zu unternehmen, um dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Haben dich Freunde besiegt? Ist passiert, aber nicht allzu oft. Ich erinnere mich an ein Kart-Wochenende, wo ein Freund von mir das erste Rennen gewonnen hat, obwohl ich mich als den Schnelleren von uns beiden gesehen habe. Für mich war das die Extra-Motivation, die ich gebraucht habe, um die beiden restlichen Rennen zu gewinnen. Wo dürfte ich dich überholen? Auf der Straße. Auf der Kart-Bahn? Nein. Was dürfen Freunde, was andere Menschen nicht dürfen? Das Gespräch ist persönlicher. Und sie können mir selbstverständlich ihre Meinung sagen.

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Gibt es in der Formel 1 Fairness? Das Leben ist generell nicht immer fair. Man kann das nicht auf die Formel 1 beschränken. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, dass sich auf lange Sicht alles ausgleicht. Wie reagierst du, wenn du das Gefühl hast, unfair behandelt worden zu sein? Idealerweise bleibst du ruhig und sprichst das Thema an. Aber es hängt auch immer vom konkreten Anlass ab. Gerade als Rennfahrer kommst du ständig in Situationen, wo du dich unfair behandelt fühlst. Mit den Jahren wird es leichter, da ruhig zu bleiben. Du bist erst 20 Jahre alt. Ja, aber ich habe 14, 15 Jahre Erfahrung mit fair/unfair. So lange fahre ich schon Rennen. Und im normalen Leben? Sagen wir, jemand verschafft sich einen unfairen Vorteil. Drängelt sich beim Security-Check am Flughafen vor, so was in der Art … Selbstverständlich schicke ich ihn wieder zurück an seinen Platz und bitte ihn, zu warten wie alle anderen auch. Es sei denn natürlich, er hat einen guten Grund, dass er sich vordrängt. Dein ehemaliger Teamchef Franz Tost von Toro Rosso sagt: „Formel-1-Fahrer müssen Egoisten sein. Alles andere als sie selbst darf sie gar nicht interessieren.“ Stimmt das? Wenn du Erfolg haben willst, musst du deinen Platz behaupten, ganz klar. Und nicht jeder wird dich ausschließlich lieben dafür. Ohne Egoismus gibt es keinen Erfolg. Schafft man es ohne Egoismus überhaupt in die Formel 1? Tausende Rennfahrer weltweit wollen dorthin, und es gibt nur 20 Plätze. Ich würde das nicht auf die Formel 1 beschränken. Egal wo: Wenn du der Beste sein willst, wenn du die anderen schlagen willst, darfst du dir nicht ihre Köpfe zerbrechen. Nimm Fußball: Der Trainer stellt nur einen Stürmer auf, und das willst natür natürlich du sein. Du verzichtest nicht auf dein Trikot und gibst es einem Kollegen, weil er dir leid tut. So funktioniert das nicht. Wo endet gesunder Egoismus, und wo fangen schlechte Manieren an? Wenn du mit dem Team zu Abend isst und nicht alle haben ihre Teller bekommen: Beginnst du trotzdem zu essen? Mich stört nicht, wenn jemand früher beginnt. Ist doch besser, wenn jeder zu essen beginnt, bevor sein Essen kalt wird. Ich finde nicht, dass man schlechte Manieren darauf reduzieren kann. 30

„WIR ALLE LEBEN IN DER FORMEL 1, WEIL WIR GEWINNEN WOLLEN.“ Man fragt, ob es okay ist, wenn man schon beginnt, und damit hat es sich. Wenn du mit den Mechanikern isst: Bist du der Chef am Tisch? Nein, ich bin bloß einer der Jungs. Da gibt’s auch keinen Wortführer oder so. Das geht reihum. Wie würdest du dein Verhältnis zu ihnen beschreiben? Sie leben den Sport so leidenschaftlich wie ich. Das verbindet. Sie unternehmen alles, damit ich ein schnelles Auto habe und wir gewinnen. Und wenn wir nicht gewinnen, stehen wir das gemeinsam durch. Auch schlechte Zeiten schweißen zusammen. Im Grunde bist du ihr Boss. Immerhin bist du der, der 300 km/h schnell fährt, und nicht sie. Sie geben mir das Auto, um 300 km/h schnell zu fahren. Ohne ihre Arbeit kann ich das nicht. Da ist wechselseitiger Respekt vor der Arbeit des anderen. Wie reagierst du, wenn du merkst, dass jemand besonders fehleranfällig ist? Fehler gehören zum Geschäft. Jeder macht Fehler. Ich mache Fehler. Ich zerstöre ein Auto. Beklagen sich die Mechaniker? Nein. Du versuchst gemeinsam, wieder aufzustehen, das Auto fit zu kriegen und wieder auf die Strecke zu gehen. Mit 80 Prozent Leistung hast du in der Formel 1 nichts verloren. Einverstanden? Mit 80 Prozent hast du nirgendwo etwas verloren. Du musst immer 100 Prozent geben. Außer vielleicht, dein Auto ist so gut, dein Team so perfekt, dass ausnahmsweise 99 Prozent reichen. Wie bedankst du dich beim Team? Mit Resultaten. Wir alle leben in der Formel 1, weil wir gewinnen wollen. Zum letzten Saisonabschluss machte ich ein Buch für die Jungs, um uns alle daran zu erinnern, was wir gemeinsam durchgestanden hatten. Ich gebe ihnen Modellautos. Kleine Aufmerksamkeiten, die helfen. Stimmt der Eindruck, dass dir völlig egal ist, wie dich die Umwelt sieht? Die Formulierung ist zu stark. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren, und das geht eben am besten, wenn ich neutral bleibe.

FLORENT GOODEN/DPPI

Viele Menschen würden gern einen Formel-1Fahrer in ihrem Freundeskreis haben. Wie entscheidest du, wer wie nahe an dich ran darf? Meine engen Freunde kenne ich ohnehin. Wenn ich jemand Neuen kennenlerne, verlasse ich mich auf mein Gespür. Ich bin einfach ich selbst.

100.000 Italiener buhen dich in Monza aus. Das lässt dich kalt? Ich gebe die Antwort auf der Strecke. Ich kenne meinen Job und lasse mich nicht ablenken. THE RED BULLETIN


Was für ein Arbeitsplatz: Max durfte bereits Formel 1 fahren, als er noch keinen Führerschein hatte.

THE RED BULLETIN

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Publikumsliebling: Max hat die fußball­ verrückten Holländer zu Formel­1­Fans gemacht.

20. BIS 22. JULI

Ich würde ausflippen. Ganz so leicht lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Genießt du es, exponiert zu sein? Das gehört zum Job. Ich stelle dich mit einer Gitarre in ein aus­ verkauftes Stadion. Keine gute Idee. Ich kann nicht Gitarre spielen, und dann noch vor so vielen Menschen … Da wäre ich höllisch nervös – genau wie ich auf einem MotoGP-Bike verdammt langsam wäre. Selbstvertrauen kommt vom Wissen um deine eigenen Fähigkeiten. Vor Millionen TV-Zusehern im Rennauto: kein Problem. Das kann ich, das ist mein Leben. Eine Ansprache vor der kompletten Belegschaft von Red Bull Racing in Milton Keynes (dem Firmensitz in England; Anm.) halten: kein Problem. Da weiß ich, worüber ich rede. Du wurdest oft in deinem ureigenen Terrain kritisiert, nämlich für zu harten Fahrstil. Trifft dich das? 32

Natürlich habe ich diese Kommentare gelesen. Aber das war hauptsächlich in den Jahren 2015 und 2016. Seither ist viel Zeit vergangen. Hast du dir in deinem Sport jemals wehgetan? Aber ja. 2009 ist ein Kontrahent im Kart über mein Bein gefahren und hat die Muskeln im linken Sprunggelenk ruiniert. Eine Woche später bin ich auf Krücken zum nächsten Rennen gehumpelt, wir haben die Bremse ganz aggressiv eingestellt, dass ich nur wenig Druck aufbauen musste, und schon bin ich wieder gefahren. Verstehst du Sportler, die sich für ein Rennen zusammenflicken lassen? Dani Pedrosa oder Marc Márquez sind in der MotoGP mit frisch verschraubten Brüchen gefahren, aus dem Motocross gibt es unzählige Beispiele … Verstehe ich absolut. Ich würde dasselbe tun. Oder sagen wir: Ich würde es zumindest versuchen. Wenn sich ein Buchhalter das Bein bricht, bleibt er vermutlich zu Hause. Warum? Wenn ihm sein Job so großen Spaß macht, wird er vermutlich auch mit Gipsfuß ins Büro kommen.

HEIMSPIELE IN HOCKENHEIM Der Große Preis von Deutschland wird zur großen Fan-Feier.

Klare Sache: In Hockenheim steigt naturgemäß der Heim-Grand-Prix von Formel-1-Pilot Sebastian Vettel, der keine 50 Kilometer entfernt aufwuchs. Aber auch Max Verstappen darf sich auf breite Unterstützung freuen. Aus den Niederlanden werden zehntausende Fans eigens anreisen, um ihren Fahrer anzufeuern. Für Stimmung an der Strecke und auf den Campingplätzen sollte also gesorgt sein. Infos und Tickets unter: www.hockenheimring.de

Wie war das eigentlich 2012, als du den Kart­ Weltmeistertitel verpasst hast? Ich war an diesem Wochenende wirklich schnell. In einem Vorlauf hatte ich allerdings ein technisches Problem. Ich musste im Vorfinale von Platz zehn starten und habe gewonnen. Im Finale THE RED BULLETIN

ANDREJ ISAKOVIC/AFP/PICTUREDESK.COM, GEPA PICTURES/RED BULL CONTENT POOL

„WENN 100.000 ITALIENER MICH IN MONZA AUSBUHEN, GEBE ICH DIE ANTWORT AUF DER STRECKE.“


MAX VERSTAPPEN:

hat mich einer überholt, ich wollte die Führung sofort zurückholen. Da war ich zu gierig, das Risiko an der Stelle zu groß. Anstatt abzuwarten, habe ich ein Manöver probiert und bin abgeflogen. Leere Hände statt WM-Titel!

SEINE REKORDE Er hat sie alle – bis auf einen. Und selbst für den bleibt ihm noch Zeit.

Die Stimmung im Auto mit deinem Vater war sicher großartig. Er hat eine Woche lang kein Wort mit mir geredet. Ich wollte mich erklären, doch er wollte nichts davon wissen und hat mich in Italien an einer Raststation abgesetzt. Er ist dann zwar wieder wiedergekommen, aber das Gefühl vergisst du nicht. In Summe hat mich die Episode aber stärker gemacht. Ich wollte in der nächsten Saison alles daransetzen, die Scharte auszuwetzen. Und das ist mir dann ja auch gelungen.

Welche Rolle hat eigentlich deine Mutter gespielt? Sie war ja ebenfalls Rennfahrerin und hat mich immer unterstützt – auch wenn ich bei meinem Vater aufgewachsen bin. Hat sie dich jemals zur Vorsicht ermahnt? Ja, hat sie. Mein Vater übrigens auch. Was war dein härtester Sieg in der Formel 1? Mein erster. Es war mein erstes Rennen für Red Bull Racing, ich kannte das Auto und die Reifen noch nicht gut, ich hatte Kimi Räikkönen 30 Runden lang in meinem Rückspiegel. Das war keine Spazierfahrt. Ist das auch der Sieg, auf den du am meisten stolz bist? Schon. Und dann kommt gleich Malaysia, weil man nicht davon ausgehen konnte, dass wir so gut aussehen würden. Außerdem war ich krank und habe in der Nacht vor dem Rennen vielleicht eine Stunde geschlafen. Aber das habe ich natür natürlich niemandem gezeigt. Weil man an der Spitze keine Schwäche zeigt? Wenn du weißt, dass dein Gegner angeschlagen ist, gibt dir das einen mentalen Vorteil.

„IN DER FORMEL 1 HILFT ES, WENN DU VON KLEIN AUF HARTE ENTSCHEIDUNGEN GEWOHNT BIST.“ 34

17 Jahre, 166 Tage

Nummer 2: Lance Stroll (CAN), 18 Jahre, 148 Tage

JÜNGSTER FÜHRENDER IN EINEM GRAND PRIX Spanien 2016, 18 Jahre, 228 Tage

Nummer 2: Sebastian Vettel, Japan 2007, 20 Jahre, 89 Tage

JÜNGSTER FAHRER MIT WM-PUNKTEN Malaysia 2015, 17 Jahre, 180 Tage Das Siegespodest ist das natürliche Habitat von Max Verstappen, meint Max Verstappen.

Nummer 2: Lance Stroll, Kanada 2017, 18 Jahre, 225 Tage

JÜNGSTER FAHRER AUF DEM PODEST

Dein früherer Teamkollege Carlos Sainz jun. hat einmal gesagt: „Manchmal musst du ein Arsch sein, um zu gewinnen.“ Ja, trifft absolut zu. Manchmal musst du das. Du brauchst dieses Mindset, um Erfolg zu haben. Jenseits der Rennstrecke kannst du aber trotzdem ein netter Kerl sein.

Spanien 2018, 18 Jahre, 228 Tage

Wie siehst du Menschen, die diese Fähigkeit, „ein Arsch“ zu sein, nicht aufbringen und auf halbem Weg zur Spitze umkehren? Das ist sicher nicht leicht. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die vor sich selbst zugeben können, nicht für ganz oben gemacht zu sein, und dennoch ihr Glück finden. Traurig sind die, die es immer weiter versuchen, obwohl es aussichtslos ist.

Nummer 2: Sebastian Vettel, Italien 2008, 21 Jahre, 73 Tage

Nummer 2: Lance Stroll, Aserbaidschan, 18 Jahre, 239 Tage

JÜNGSTER SIEGER Spanien 2016, 18 Jahre, 228 Tage

SCHNELLSTE RUNDE Brasilien 2016, 19 Jahre, 44 Tage

Nummer 2: Nico Rosberg, Bahrain 2006, 20 Jahre, 258 Tage

Wenn du abends im Bett liegst: Denkst du an Dinge, die du hättest anders machen können? Man kann Dinge immer anders machen. Ich versuche, das Positive mitzunehmen, statt zu grübeln, was ich hätte anders machen können. Welchen Rat würdest du deinem 13-jährigen Ich aus der heutigen Perspektive mitgeben? Nicht großartig viel. Unser Weg war nicht so schlecht. Vielleicht würde ich sagen, dass der Dreizehnjährige darauf achten soll, was er isst. Und dass er nicht darauf vergisst, neben der Ausbildung eine Kindheit zu haben. Wie nahe an der Perfektion war deine Karriere bisher? Man versucht immer, so dicht an die 100 Prozent zu kommen, wie es nur irgendwie geht. Das muss der Anspruch sein.

JÜNGSTER WELTMEISTER

Sebastian Vettel, 2010, 23 Jahre, 134 Tage

Max Verstappens Geburtstag: 30. September 1997

Um Vettels Rekord zu schlagen, muss er spätestens in der Saison 2020 Weltmeister werden.

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HOCH ZWEI/DPA PICTURE ALLIANCE/PICTUREDESK.COM, GETTY IMAGES

Andere wären daran zerbrochen. Ich bin der Sohn meines Vaters. Für mich war das normal. Und der Erfolg gibt uns ja auch recht. In der Formel 1 hast du mit vielen harten Entscheidungen zu tun. Da hilft es, wenn du von klein auf harte Entscheidungen gewohnt bist. Hätte ich einen Sohn, ich würde ihn so erziehen, wie ich erzogen wurde.

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„Ich lebe wie in der Steinzeit“

DIE JAGD NACH DEM EINFACHEN SEIN

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Einst Vegetarierin, jagt Miriam heute ihr Essen mit Pfeil und Bogen.

Job, Wohnung, Handy, Sicherheiten: MIRIAM LANCEWOOD, 34, hat alles aufgegeben und ihr Leben auf einen 25-Kilo-Rucksack reduziert. Seit acht Jahren lebt die Niederländerin mit ihrem Ehemann in der Wildnis. Und hat dort gefunden, was jeder sucht: Glück, Freiheit und ein Allheilmittel, das keinen Cent kostet. Text WALTRAUD HABLE  Fotos JULIE GLASSBERG


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ie kann in Sekunden von der Bildfläche verschwinden. Als wäre sie vom Wald und seinen grünen Riesen verschluckt wor worden. Sogar mit Helikopter und Suchscheinwerfern wäre es schwierig, sie hier in den Rhodopen, dem südbulgarischen Gebirgsmassiv, zu finden, vier Stunden von Sofia entfernt. Miriam Lancewood legt es zwar nicht darauf an – „Warum auch? Ich habe nichts zu verbergen!“ –, aber die 1,66 Meter große Niederländerin weiß genau, wie sie sich zu bewegen hat, ohne Spuren zu hinterlassen. Natur und Tiere haben ihr das beigebracht. „Wenn ich im Wasser wate, bleiben keine Fußabdrücke oder Duftspuren zurück.“ Wildtiere, die ihre Witterung aufnehmen, trickst sie aus, indem sie in eine Baumkrone klettert. „Über den Wind können sie mich dann nicht mehr riechen, ich aber kann von oben auf sie zielen.“ Und fürs tägliche Feuermachen sammelt sie trockene Weiden- oder Pinienäste. „Die sind dichter als andere Hölzer. Mit ihnen lässt sich über offener Flamme kochen, ohne dass es viel qualmt und jemand meint, ein Großaufgebot der Brandschutzwache rufen zu müssen.“ Seit acht Jahren lebt Miriam Lancewood, 34, in der Wildnis. Immer an ihrer Seite: ein Jagdbogen – und ihr 30 Jahre älterer Ehemann Peter, der mit seinen langen grauen Haaren und der wetter wettergegerbten Haut locker als Gandalf aus „Der Herr der Ringe“ durchgehen würde. Lange hält es die beiden nie an einem Ort. Sie sind immer in Bewegung, in den Ber Bergen, weil in gottverlassenen Höhen selten jemand nach einer Campingerlaubnis fragt. Rund 5000 Kilometer hat das Duo bisher zurückgelegt. Sie, eine ehemalige Sportlehrerin aus einem kleinen Ort im Osten Hollands; er, Neuseeländer, auf aufgewachsen auf einer Schaffarm, gelernter Koch, Weltenbummler, Querdenker und Universitätslektor für Philosophie. Aus einer Reisebekanntschaft in Indien wurde mehr. Gemeinsam trekkten sie durch das Himalaya-Gebiet. Miriam folgte Peter in seine Heimat Neuseeland, versuchte dort, ein Leben aufzubauen. Nach außen hin passte alles: Lehrjob, Freunde, Wohnung. Innen drin herrschte Chaos: „Da hatte ich also vier Jahre studiert, nur um zu merken: Weder das Unterrichten noch die Arbeit 38

In den Rhodopen, dem grünen Gebirgsmassiv in Südbulgarien, geht Miriam vor allem nach Hasen auf die Pirsch.


mit Kindern machten wir Spaß“, erzählt sie. „Wenn ich ehrlich war, mochte ich nicht einmal Leistungssport, obwohl ich im Stabhochsprung auf die Olympischen Spiele hintrainiert hatte. Ich fühlte mich wie eine Versagerin, so viel Zeit und Ener Ener­ gie in etwas gesteckt zu haben, was offen­ bar überhaupt nicht zu mir passte.“ Der Druck, einen Alltag aufrechtzu­ erhalten, der sich nicht richtig anfühlte? Unerträglich groß. Die Sehnsucht nach Freiheit ebenso. „Dabei konnte ich nicht einmal festmachen, was Freiheit war. Woher auch? Wir wachsen ja alle nicht in Freiheit auf – wir sind wie Wellensittiche im Käfig, nicht wie Adler in der Luft. Ich wusste nur: Als Folge des ganzen Komforts, der mich umgab, hatte ich offenbar mein Rückgrat verloren. Ich fühlte mich unzu­ frieden, war aber zu bequem geworden, um etwas daran zu ändern.“ Peter dachte ähnlich. 2010 schmissen sie alles hin,, ver ver­ kauften, was sie besaßen, und zogen sich

Taschenmesser, Pfanne, Becher: Mit dem Messer zerlegt und häutet Miriam Hasen, das große Jagdmesser ist ein Fundstück aus dem Wald.

„Ich war Vegetarierin. Der Hunger machte mich zur Jägerin.“ 40

sieben Jahre in die Berge auf Neuseelands Südinsel zurück. Nun erkunden sie Europa, im Herbst soll es nach Australien gehen.

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ein Job, keine feste Wohnung, kein fließendes Wasser, keine Toi­ lette, kein Bett, kein Auto, keine Kranken­ oder Pensionsversiche­ rung, kein Smartphone, kein Computer, keine Sicherheiten: Miriam hat alles auf auf­ gegeben und für jedes Teil, das sie hinter sich gelassen hat, etwas zurückbekom­ men. Die Uhr kam weg. Dafür erhielt sie Zeit. Der Verkauf des Autos mobilisierte ungeahnte Willenskraft, es überallhin zu Fuß zu schaffen. Die eigenen vier Wände wurden gegen ein grünes Wohnzimmer eingetauscht, so groß, dass man nicht erkennen kann, wo es anfängt und wo es aufhört. Miriam schultert 25 Kilo. „Ich bin die Jüngere und Fittere“, so ihr trocke­ ner Kommentar. Peter, der seine 64 Jahre in den Hüften und Knien spürt, schleppt einen 15­Kilo­Rucksack. Kochgeschirr, ein Taschenmesser, Wechselkleidung, Zelt, Schlafsack. Wenn es tagelang regnet oder eiskalt wird, su­ chen sie Unterschlupf in leer stehenden Hütten, Ratten und Mäuse inklusive. „Aber lange halte ich es in geschlossenen Räumen nicht aus. Man hört weder die Vögel noch den Wind.“ Feste Schuhe besitzt das Duo nicht. Miriam und Peter tragen winters wie sommers offene Trekkingsandalen. „Socken oder Wander Wander­ schuhe würden bei uns ständig nass sein: durch den Morgentau, durch Schlamm und sumpfartige Landstriche. In Sandalen trocknen die Füße schneller.“ Sollte es im Winter wirklich kalt werden, steigt Miriam einfach in einen Bach. In fließen­ den Gewässern herrschen zumindest Temperaturen über null.

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er Miriams Geschichte hört, erwartet verfilzte Haare, ordentlich Dreck unter den Fingernägeln, den einen oder anderen fehlenden Zahn. Doch obwohl ihre letzte Dusche gut sechs Monate her ist und sie sich in kalten Quellen wäscht, riecht die 34­Jährige frisch wie der junge Morgen. Mehr noch: Lancewood könnte gut als Postergirl für einen Sportartikel­ hersteller werben. Hellwache grüne Au­ gen. Glatt rasierte Beine, ein perlweißes Gebiss. Ist die Zahnpasta aufgebraucht, behilft sie sich mit Asche. Und als in den ersten Wochen in der Wildnis die verhass­ ten Schuppen nicht verschwinden woll­ ten, wusch sie die Haare mit Eigenurin. Die Natur sei noch immer die beste Apo­

theke. „In einem alten Heilkundebuch hatte ich entdeckt, dass man Urin auf die Kopfhaut einwirken lassen muss. “ Grin­ sender Nachtsatz: „Es war ekelhaft. Ich schätze, damals habe ich auch die letzten sozialen Regeln über Bord geworfen.“ Die Schuppen kamen übrigens nie wieder. Miriam Lancewoods Körperhaltung verrät, dass sie nicht einknickt, wenn das Leben ihr Prügel vor die Füße wirft. Sie strotzt förmlich vor Gesundheit und Kraft. Nicht nur deswegen fühlt man sich neben ihr schnell blass, schwach und degeneriert. „Die Reduktion des Besitzes und das Jagen haben mich verändert“, meint sie und legt ihren Jagdbogen ins Gras, um einen Pfeil aus ihrem Rucksack zu fischen. „Ich bin durch das Leben drau­ ßen körperlich stärker geworden.“ Sie spannt den Bogen, kneift die Augen kon­ zentriert zusammen, der Bizeps zittert vor Anspannung. „Ich denke, genau das ist der Schlüssel zum Glück: Mit phy­ sischer Stärke verschwindet die Angst – und das Fehlen von Angst wiederum schafft Platz für Freude und Freiheit.“

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as Jagen hat übrigens nicht nur ihre Muskeln gestärkt und Sinne geschärft – Miriam kann mittler mittler­ weile Regen riechen und den leisesten Flügelschlag von Vögeln hören – es hat vor allem ihre Essgewohnheiten verändert. Denn Miriam Lancewood war Vegetarierin, sie wuchs gänzlich fleischlos auf. Als sie sich in die neuseeländische Wildnis zurückzog und der erste Winter an ihren Kräften und Vorräten zehrte, schmiss sie, getrieben von Hunger, ihre Prinzipien über Bord. Erst das Fressen, dann die Moral. Ein Opossum, eine Beutel­ ratte, in Neuseeland eine Landplage, musste dran glauben. Es dauerte Wochen, bis sie überhaupt eine zu fassen bekam. „Die Viecher laufen einem ja nicht einfach so vor die Füße.“ Miriam brachte sich selbst bei, Spuren zu lesen und Brunft­ geräusche nachzuahmen. Sie schaute sich von Tieren ab, sich immer nur entlang des Waldrandes zu bewegen, nie querfeldein. „Letztlich habe ich dem Opossum eine Falle gestellt, mit einem Pfeil oder meiner Jagdbüchse hätte ich anfangs nie getrof getrof­ fen. Der Versuch, meinen Fang mit einer Axt zu köpfen, ging schrecklich schief. Ich weinte stundenlang, weil das Tier so leiden musste. Und als das Opossum end­ lich tot war, kam das Häuten – es wurde ein blutiges, haariges Chaos.“ Nachsatz: „Jedem normalen Menschen hätte es nicht geschmeckt – zu zäh, zu intensiv im Geschmack. Aber ich kannte ja nichts THE RED BULLETIN


Miriam sammelt bis zu fünfmal täglich Holz. Das Lagerfeuer ist Heizung, Herd und Lichtquelle zugleich.

Mobiles Zuhause: Das Zelt hat vier Quadrat­ meter Schlaffläche und vier Quadratmeter zum Lagern des Holzes und der Rucksäcke.


„In völliger Abgeschiedenheit ohne Menschen sind wir immer kerngesund.“ anderes. Ich habe mittlerweile ein regelrechtes Verlangen nach wildem Fleisch, es enthält so viel mehr Energie als dieses wässrige Zeug aus dem Supermarkt, das wir in den Dörfern kaufen, in denen wir vorbeikommen.“

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iriam jagt, Peter kocht. So sieht die Arbeitsteilung in der Wildnis aus. Hasen, Wildziegen, Vögel werden mit der Minisäge und der ausklappbaren Klinge ihres zwanzig Jahre alten Schweizer Taschenmessers zerlegt. Sie besitzt kein Spezialwerkzeug, ein einfaches Jagdmesser, das sie zufällig im Wald gefunden hat, hilft bei größeren Aktionen. Knochenmark wird für Suppe verwendet, das Fleisch gekocht, nichts verschwendet. Am Ende entsteht daraus im verrußten Campingkochtopf meist ein Curry. Peter schwört auf die verdauungsfördernde Kraft indischer Gewürze. Wie sie erkennt, ob das gejagte Wild parasitenfrei war? „Fleisch, das komisch aussieht, essen wir nicht“, stellt Miriam klar. Und dass man auch ohne Anatomiebuch oder YouTube-Anleitung schnell ein Gefühl dafür entwickle, wie ein gesundes Herz, Leber und Lunge beschaffen sein müssen. „Von dem, was ich jage, habe ich mir jedenfalls noch nie eine Krankheit eingefangen“, meint sie. Sie selbst habe Typhus in Indien überlebt. Und einmal sei Peter fast an Malaria gestorben, der Schreck steckt ihr noch heute tief in den Knochen. Eine befreundete Ärztin stockt regelmäßig die Reiseapotheke auf. „In Europa, wo wir ja alle zwei Tage auf Menschen treffen, bekommen wir öfter Schnupfen. In der völligen Abgeschiedenheit Neuseelands hingegen waren wir stets kerngesund“, erzählt sie lachend. Was Miriam am schnellsten in der Wildnis gelernt hat: die Dinge so anzunehmen, wie sie kommen, sich ihnen hinzugeben. Der ständige Rauch der Lager Lagerfeuer reizt die Atemwege, doch bei einem Hustenanfall denkt sie nicht an Lungenkrebs, sondern beruhigt sich achselzuckend damit, dass der Mensch seit Jahrtausenden damit lebt. Findet sie ihren Löffel nicht, isst sie mit der Hand. Vermisst sie Musik, dann singt sie. Nur 42

SO FÜHLST DU DICH SOFORT FREIER

Wild Woman Miriam Lancewood gibt Tipps.

1.

Zwölfmonatsregel: Ent­ sorge alles, was du im ver­ gangenen Jahr nicht benutzt hast. Es wird dir nicht fehlen. Jedes Teil, das man weniger besitzt, macht Speicherplatz im Gehirn frei, weil man nicht mehr daran denken muss, es zu war­ ten oder sicher zu verstauen.

2.

Finde das Grün: Nimm die Natur täglich bewusst wahr und nicht nur am Wochenende. Das geht auch in der Stadt.

3.

Keine Selfies. Man sucht ja doch nur nach etwas, was einen stört. Idealerweise verhängst du auch noch die Spiegel. Du wirst einen Unter­ schied bemerken.

4.

Umarme die Langeweile. Sie schärft deine Sinne. Wann hast du zum letzten Mal den Flügelschlag eines Vogels gehört? Eben.

5.

Trainiere deinen Körper. Physisch stark fühlt man sich weniger ohnmächtig. Auch schlafen macht stark, weil der Körper sich so regeneriert.

30 Jahre Altersunterschied machen sich bemerkbar: Miriam schleppt 25 Kilo, ihr Ehemann Peter 15 Kilo.


mit einer Sache hatte sie lange Zeit zu kämpfen: mit der Langeweile. „Ich ver ver­ misste die Stadt nicht. Aber einfach dazu­ sitzen, nichts zu tun und bewusst wahr­ zunehmen – das konnte ich nicht.“ In die Wildnis mitgebrachte Bücher wurden zig­ mal gelesen. Der Schlafplatz von Steinen und Ästen befreit, Miriam suchte krampf krampf­ haft nach Aufgaben, wollte effektiv sein, sich nützlich machen. „Obwohl man in der Wildnis ständig zu tun hat – man muss bis zu fünfmal täglich Feuerholz sammeln, ich wasche Geschirr und Kleidung in Flüs­ sen, begradige mit bloßen Händen das Erdreich für unser Zelt –, fühlte ich mich gelangweilt und unausgeglichen. Das Pro­ blem war: Ich hatte nach herkömmlichen Gesichtspunkten keine Ziele und keine Zukunft. Es war, als würde ich durch diesen undurchsichtigen Nebel gehen – und das war furchteinflößend.“

Körperwäsche. Die letzte Dusche hatte Miriam vor sechs Monaten.

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er Nebel lichtete sich, als sich die Sinne langsam schärften: „Wenn ich heute die Berge betrachtete, ist mir das nicht mehr langweilig – ich nehme nicht mehr nur ihre äußere Form wahr, sondern auch ihre Farben und Stimmungen. Ich rieche, wenn Regen aufzieht, ich spüre, wenn ein Wildtier mich beobachtet, ich höre den Wind in den Bäumen.“ Das mag nach Hippie klin­ gen, doch das Wort mag Miriam nicht. Hippies sind ihr zu idealistisch, zu wenig diszipliniert. „Das nomadenhafte Dasein gleicht eher dem eines Hochleistungs­ sportlers, es ist darauf ausgelegt, dass der Körper fit bleibt, sonst hält man diese Existenz gar nicht aus.“ Ohne Ruhe schaut es überlebenstech­ nisch ebenfalls schlecht aus. „Schlaf ist ein unterschätztes Allheilmittel“, sagt Miriam, und ihre Augen, von Natur aus weit aufgerissen, wirken plötzlich noch wacher. Sie habe es selbst nicht glauben wollen. Bis sie nach Wochen in der Wild­ nis und täglich zehn, zwölf Stunden Schlaf bemerkte, wie ihre Energie sich zu poten­ zieren begann. „Ich wundere mich immer,

„Ich bin kein Hippie. Mein Leben gleicht eher dem einer Hochleistungssportlerin.“ 44

Peter und Miriam sind rund 5000 Kilometer gemeinsam gewandert.

Nachts im Wald. Keine Bücher, kein Handy, nur eine Solarlampe


wie viel Geld Leute für sogenannte Super Super­ foods ausgeben. Sie schlafen fünf Stunden, übertünchen die Müdigkeit mit Koffein und glauben dann, dass gesundes Essen alles richten kann. Mein Rat ist: Leg dich zeitig schlafen, und schau, was passiert. Du wirst staunen. Oft liegen deine Pro­ bleme nur an chronischem Schlafmangel.“ Einen Arzt habe sie jedenfalls seit Jahren nicht aufsuchen müssen. Ihre Batterien seien zu 100 Prozent aufgeladen, sagt sie. „Ich mag zwar wie eine primitive Wilde leben, aber ich bin nicht verrückt. Würden wir krank werden, gingen wir natürlich zum Arzt. Dafür haben wir Rücklagen, wir sind ja nicht mittellos.“

„Man muss kein Millionär sein, um mit dem Arbeiten aufhören zu können.“

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lle paar Wochen steigen Miriam und Peter ins Tal hinab, fischen ihre Bankkarte aus dem Ruck Ruck­ sack, kaufen Vorräte ein und schicken der Familie über Computer in Bi­ bliotheken und Internetcafés ein Lebens­ zeichen. Rund 3.000 Euro pro Jahr geben sie gemeinsam für Essen, Kleidung und Wanderausrüstung aus. Kosten für Busse oder Züge fallen selten an, Miriam ist überzeugte Autostopperin. Genau genom­ men sind die 3.000 Euro ein Nullsummen­ spiel, denn ihr Leben bestreiten sie von den Zinsen ihres Ersparten. „In Neusee­ land lassen sich Rücklagen noch mit drei bis vier Prozent anlegen“, so Miriam. Vor Jahren habe Peter sein Hab und Gut ver ver­ kauft und umgerechnet rund 60.000 Euro gebunkert. Die Summe, so sagen sie, sei bisher relativ konstant geblieben. „Wenn wir in der Zivilisation sind, mache ich zu­ dem Straßenmusik, und ein Verlag hat unsere Erlebnisse als Buch herausgebracht. Wir haben Geld. Wir wollen nur so wenig wie möglich davon ausgeben.“ Denn für Miriam bedeutet Geld vor allem eines: Lebenszeit. „Leiste ich mir ein teures Auto, dann muss mir bewusst sein: Um das Ge­ fährt abzubezahlen, muss ich mich fünf oder zehn Jahre in einem Job abstram­ peln. Gebe ich das Geld aber gar nicht erst aus, bleibt es mir für andere Dinge – Leben zum Beispiel“. Dafür verzichtet sie gern auf den Komfort einer heißen Dusche oder einer sauberen Toilette. Damit ist Miriam auch schon beim eigentlichen Thema. Dem Thema, das sie und Peter treibt. „Man muss kein Millionär sein, um mit dem Arbeiten aufhören zu können“, sagt sie. „Sicherheit kann auch den gegenteiligen Effekt haben. Ich sehe oft wunderschöne Häuser, wenn ich durch Ortschaften wandere. Viele sind den ganzen Tag verwaist, weil die Besitzer in der Arbeit sind, um sich das leisten zu THE RED BULLETIN

Jagdtrophäe: die Hörner eines erlegten Zickleins. „Es ist ein Symbol für den Kreislauf des Lebens, das Kitz ist ein Teil von mir.“

können. Wenn ich einen Kredit abstottern müsste, wäre ich nervös, ob ich das Geld stets zusammenbekomme.“ Wer aufhöre, nach Sicherheit zu suchen, bekomme zu­ mindest die Chance, herauszufinden, was Freiheit ist. In ihrem Fall bedeutet Frei­ heit: alle Zeit der Welt zu haben und die Natur zu spüren. Der Wald ist für sie ein Zuhause mit grünem Dach, fließendem Wasser aus Bächen, kein Schauplatz aus Grimms Märchen. „Dieses Leben geht aber nur, weil wir uns bewusst gegen Kinder entschieden haben“, stellt Miriam klar. „Mit Kindern musst du zwangsweise zurück in die Zivilisation. Der Nachwuchs kann ja nichts dafür, dass ich diese Lebens­ weise für mich gewählt habe.“

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ollte Peter bettlägerig werden oder das Alter mehr in den Kno­ chen spüren als jetzt, wäre eben­ falls Schluss mit dem jetzigen Leben. In einem sterilen Krankenzimmer ihren Mann zu pflegen, das sieht Miriam nicht. „Wir würden dann etwas suchen, wo wir ein, zwei Jahre Station machen. Das wäre aber nach wie vor ein Platz in der Natur.“ Peter nickt. Und erzählt, dass er fürs Erste die Anschaffung eines Esels überlege, damit er auf langen Märschen sein Gepäck nicht mehr tragen müsse. Sorgen nicht zulassen. Sich um das Pro­ blem kümmern, wenn es da ist, aber keine

Sekunde früher. So lautet Miriams Motto. „Angst ist ansteckend. Das kann jeder selbst austesten: Ist jemand in unmittel­ barer Nähe nervös, wird man es plötzlich auch.“ Mitunter würden sich sogar Men­ schen auf die Couch beim Psychologen legen, um über Ängste zu sprechen, die gar nicht ihre sind, sondern nur auf sie übertragen wurden. „Natürlich habe ich auch manchmal Angst, zum Beispiel bei schlimmen Unwettern, wenn neben mir jederzeit der Blitz einschlagen kann“, er er­ klärt sie. „Aber mir ist mittlerweile auch bewusst: Angst vergeht so schnell, wie sie kommt – außer du fütterst sie mit deinen Gedanken, die nähren das Feuer.“ „Lebt ihr überhaupt richtig, oder ist es nur blankes Überleben?“, fragen manch­ mal Wanderer, die ihren Weg kreuzen. „Beides“, sagt Miriam dann. Manchmal reiche es schon, durch den Tag zu kom­ men. Manchmal sei es mehr. „Wenn du einen schlimmen Sturm überlebst, dann fühlst du dich am nächsten Morgen un­ beschreiblich lebendig.“ Die Ohnmacht, den Elementen ausgesetzt zu sein, weicht einem kurzen Gefühl der Macht, auch diese Herausforderung bestanden zu haben. Miriam glaubt nicht an die Apo­ kalypse. Sie findet auch nicht, dass ihr Lebensentwurf automatisch der bessere ist. Sie lebt mit einem Fuß in der Stein­ zeit, mit dem anderen im Jetzt. Man kann mit ihr über das Gerben von Tierhäuten, aber genauso über Elon Musk oder Arti­ ficial Intelligence diskutieren. Sie trainiert ihre Überlebenstechniken nicht für den Katastrophenfall. „Das wäre eine traurige Existenz.“ Dennoch gibt es ihr ein gutes Gefühl, zu wissen: Falls etwas passiert, kann sie sich den Rucksack umschnallen und losmarschieren. Sie wird zurecht­ kommen. „Vor vielen Jahren hatte ich das Gefühl, dass alles seinen Platz hatte – nur ich selbst nicht“, sagt sie. „Jetzt habe ich einen Platz, und der ist hier in der Natur. Es ist so, als ob aus meinen Fußsohlen lange Wurzeln wachsen.“ Dann geht sie wieder los. Fast lautlos durchs Gras, den Bogen geschultert. Sekunden später ist sie weg, vom Wald verschluckt. Die Bewegung eines Zweiges verrät, dass sie eben noch da war. Viel­ leicht war es aber auch nur der Wind.

Miriam Lancewoods Leben als Buch: „In der Wildnis bin ich frei“, 408 Seiten (Knaur Verlag) 45


DER E-SPORTLER Name:

Cihan Yasarlar

Alter: 25 Sportart: „FIFA 18“ Größter Erfolg: Europameister 2017 Markenzeichen: verschleißt die Vorwärts-Taste als Erstes (aus Liebe zum Offensivspiel)

Bullen unter sich: Timo und Cihan spielen beide für RB Leipzig – in der Fußball-Bundesliga bzw. auf E-Sport-Turnieren.

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GIPFEL DER


DER PROFI-KICKER Name:

Timo Werner Alter: 22 Sportart: Fußball

Größter Erfolg: Confederations-Cup-Sieg 2017 Markenzeichen: sprintet jedem Verteidiger davon (auf 30 Metern fast so schnell wie Usain Bolt)

Wenige schießen präziser aufs Tor als sie: Nationalstürmer TIMO WERNER mit dem Fuß, Red Bull-E-Sportler CIHAN YASARLAR mit dem Controller. Beide wollen in ihren Disziplinen Weltmeister werden – und haben auch sonst mehr gemeinsam, als du denkst. Text DAVID MAYER Fotos CHRISTOPH NEUMANN

ENDGEGNER


Durchstarter: Im Alter von 17 Jahren und 164 Tagen spielte Timo Werner zum ersten Mal in der Bundesliga.

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the red bulletin: Timo, Cihan, ihr gehört in euren Bereichen zu den Besten der Welt. Eine herausragende Stärke, die euch verbindet: auf den Punkt genau fokussieren zu können. Ist diese Fähigkeit anan geboren? timo: Im Gegenteil! In der Schule konnte ich nie stillsitzen. Mir war alles zu langweilig. cihan: Ich war nach außen hin in der Schule ganz artig, ganz ruhig. Dafür war ich manchmal innerlich höchstens zu 30 Prozent anwesend (lacht). Wie habt ihr diese einstigen SchwäSchwä chen in Stärken verwandelt? timo: Das geht von selbst. Vor 50.000 Zuschauern schießt Adrenalin durch deinen Körper, das gibt dir einen extremen Fokus. Dein Körper funktio­ niert anders, du nimmst alles anders wahr.

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en Stuttgarter, 22, und den Berliner, 25, verbindet viel mehr als der ge­ meinsame Verein RB Leipzig (ja, Leipzig spielt auch in der virtuellen Bundesliga): Beide hatten als Jugend­ liche von einer Karriere als Profi­Fuß­ baller geträumt, beide erfüllten sich den Traum – jeder auf seine Weise. Der Schwabe Timo Werner debütierte mit 17 Jahren in der Bundesliga­Elf des VfB Stuttgart, gewann 2017 mit der deutschen Nationalmannschaft den Confederations Cup und gilt auch bei der Weltmeisterschaft in Russland als Sturmhoffnung der DFB­Auswahl. Der Deutsch­Türke ­­Türke Cihan Yasarlar trainierte, nachdem er seine Nach­ wuchskarriere auf dem Rasen verlet­ zungsbedingt hatte beenden müssen, wie besessen für eine Karriere als E­Sport­Profi, im virtuellen Fußball­ spiel „FIFA“ von EA Sports. Er wurde 2015 bei einem Show­Spiel auf der Internationalen Funkausstellung ent­ deckt und gewann seither zweimal deutsche ESL Meisterschaft und die Europameisterschaft. Ach ja, eine weitere Gemeinsamkeit: Keiner der beiden zockt auf „FIFA 18“ mit dem virtuellen Timo Werner. THE RED BULLETIN

Inwiefern? timo: Du bist völlig im Moment, dein Körper reagiert in dieser Extrem­ situation eher instinktiv als rational. Lücken in der Abwehr oder frei­ stehende Mitspieler erkennst du binnen Millisekunden. Cihan, bei dir ist das mit dem AdreAdre nalin wohl ein wenig schwieriger, oder? Du spielst deine Matches maximal vor ein paar hundert ZuZu schauern. cihan: Dafür schauen Hundert­ tausende online zu – das hab ich jeder­ zeit im Hinterkopf. Und allein das zu wissen, pusht mich unglaublich. Ausdauer-Athlet der anderen Art: Cihan trainiert bis zu acht Stunden am Tag.

„WENN ICH MEINE FREUNDE JUBELN HÖRE, IST DAS DER GEILSTE SOUND DER WELT.“ CIHAN YASARLAR 49


„ADRENALIN GIBT DIR EINEN EXTREMEN FOKUS, DU NIMMST ALLES ANDERS WAHR.“ TIMO WERNER

Wie viel habt ihr in eurer Jugend an der Konsole gezockt? timo: Zwei bis drei Stunden pro Tag, nicht mehr, dann haben meine Eltern an die Tür geklopft. Aber Cihan, so gut, wie du spielst, haben deine Eltern wahrscheinlich nicht geklopft, oder? cihan: Doch, aber ich habe nicht aufgemacht (lacht) (lacht). Außerdem habe ich fast immer nachts gespielt, online gegen meine Freunde, stundenlang. Dabei waren wir über unsere Headsets miteinander verbunden und haben über alles Mögliche gesprochen – Schule, Fußball, Mädchen. Daraus sind Freundschaften fürs Leben entent standen.

Aber der Stadionsound fehlt dennoch … cihan: Der kommt aus meinen Kopfhörern. Über die höre ich den Gamesound oder Hip-Hop, zum Beispiel Berliner Rap oder Klassiker wie 2Pac. Da geht es mir ganz ähnlich wie Timo, ich kann alles um mich herum vergessen. Einfach Adrenalin triggern? Reicht das wirklich für Fokus, der Höchstleistungen möglich macht? timo: Nein. Um wirklich fokussiert sein zu können, brauchst du davor vor allem eines: Leidenschaft für das, was du tust. Es war immer mein Traum, Fußballprofi zu werden. Deswegen war ich schon als Jugendlicher 90 Minuten bei der Sache – und da gab es kein Stadion-Getose, da waren vielleicht 50 Zuschauer. Aber wenn du mit Leib und Seele für etwas brennst, fällt dir Konzentration leicht. cihan: Auch da geht’s mir ähnlich. Ich habe mit Anfang zwanzig alles auf eine E-Sport-Karriere gesetzt, wollte unbedingt mein Geld mit „FIFA“ ver verdienen. Da bin ich im Spiel versunken, habe Stunde um Stunde um Stunde gezockt. Konzentration war da nie ein Problem, nur Müdigkeit, wenn es plötzlich vier Uhr früh war.

timo: Nein, nie! Da würde ich mich viel zu sehr aufregen, wenn der virtuelle Timo nicht trifft oder einen entscheidenden Fehlpass spielt (lacht). cihan: Für mich kommt Timo bei „FIFA 18“ leider auch noch nicht in Frage, ich spiele schließlich im Ultimate-Team-Modus. Das bedeutet, ich stelle mir die elf besten Spieler der Welt zusammen – inklusive Legenden wie Patrick Vieira, die im wahren Leben schon lange nicht mehr auf dem Platz stehen, virtuell aber über überragende Wertungen haben. In diesen Sphären befindet sich leider noch kein Spieler von RB Leipzig.

Dass Zocken im wirklichen Leben Freundschaften entstehen lässt, ist aber keine mehrheitsfähige Ansicht. timo: Ist aber bei mir auch so! Viele meiner besten Freunde von zu Hause sind lustigerweise gar nicht so beeinbeein

Auf Augenhöhe: Mit 22 Jahren gilt Timo bereits als einer der besten Stürmer der Welt.

Timo, kaum jemand weiß, dass du unter den analogen deutschen Fußballern tatsächlich zu den besten digitalen Kickern zählst. Spielst du bei „FIFA 18“ ab und zu auch mit deinem virtuellen Gegenpart? 50

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Doppelt gut: 2018 gewann Cihan zum zweiten Mal den nationalen Titel der ESLFrĂźhjahrsmeisterschaft. THE RED BULLETIN

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Echte Spieler: Timo gilt als bester Gamer in der RB-Kabine, Cihan schaffte es als Kicker bis in die Oberliga.

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druckt von meiner Fußballer-Karriere. Nach meinem ersten BundesligaEinsatz oder meinem ersten großen Vertrag hat sich kaum einer gemeldet. Aber als der Score des virtuellen Timo Werner in „FIFA 18“ auf über 80 auf aufgewertet wurde, kamen ohne Ende WhatsApp-Nachrichten.

cihan: Da hatte ich das entscheidende Spiel um den vorzeitigen Einzug in die WM-Runde der letzten 16 verloren. Ich hatte wahnsinnig oft aufs Tor geschossen, aber nur zweimal getroffen, mein Gegner hatte bei drei Schüssen dreimal getroffen. Das hat sich unglaublich ungerecht angefühlt.

Ich möchte wissen, mit welchen Tricks und Ritualen ihr vor einem wichtigen Spiel eure Konzentration hochfahrt. Timo? timo: Ein bisschen Musik in der Kabine zur inneren Sammlung, und los geht’s. Manche Spieler haben komplexere Routinen. Gehen immer 15 Minuten vor dem Aufwärmen für eine letzte Massage zum Physio, fünf Minuten vorher auf die rechte Toilette und so weiter. Im Camp Nou, dem Stadion in Barcelona, steht ja sogar eine Kapelle für die Spieler.

Zum Glück hast du die nächste Runde später doch noch erreicht. Abgesehen davon: Timo Werner würde nicht sagen, eine Niederlage sei ungerecht, nur weil er den Ball wieder und wieder am Tor vorbeigesemmelt hat. cihan: Weil er es allein in der Hand hat! Aber bei E-Sport spielt immer auch die Programmierung des Spiels eine Rolle – der gegenüber du machtlos bist. Aber aus der Erfahrung in Barcelona habe ich gelernt, dass solche Ausbrüche den Frust nur verstärken. Ich konnte drei Tage lang an nichts anderes mehr denken als an diese Niederlage. Unnötig! Da habe ich mir vorgenommen, gelassener zu werden.

Cihan? cihan: Ich bete auch vor jedem Match, aber nur innerlich. Ich bitte um Kraft und Ruhe für das Spiel, das gibt mir einfach eine große Sicherheit. Wirklich überhaupt nicht nervös vor dem Anpfiff? timo: Nein, gar nicht … außer – doch, kurz – in diesem einen Moment, wenn wir das letzte Mal einen Kreis gebildet haben und auf unsere Positionen laufen – da rutscht mir manchmal einen Moment lang das Herz in die Hose. Am meisten hilft dann aber Bewegung. Sobald der Ball rollt, laufe ich Vollgas den Gegner an, dann ver verdrängt Energie die Nervosität. Bei dir, Cihan, ist das mit dem Lossprinten nicht so drin: Als E-Sportler sitzt du auf einem Stuhl. cihan: Und trotzdem gilt es die Nerven unter Kontrolle zu behalten, genau darin liegt die größte mentale Herausforderung bei „FIFA 18“. Es gibt ein Video, das zeigt, wie du dir nach einer Niederlage vor Wut die Trainingsjacke vom Leib reißt und wild durch die Halle brüllst.

Timo, so ein Ausbruch wie bei Cihan wäre bei dir kaum denkbar. Täuscht diese Abgeklärtheit, die du ausstrahlst? timo: Ich merke, dass mit der Zeit auch die Gelassenheit zunimmt, ja. Irgendwann habe ich kapiert: Selbst wenn ich eine hundertprozentige Chance vergebe, verliere ich nicht gleich meinen Stammplatz. Anders ausgedrückt: Ich weiß, ich kann mich darauf verlassen, dass ich ein guter Fußballer bin, weil ich’s schon oft bewiesen habe. Das nimmt Druck weg. Was hilft dir gegen den extremen Druck vor einem Elfmeter? Wenn jeder ein Tor von dir erwartet? timo: So schnell wie möglich schießen. Da musst du einfach durch. Selbst einem Cristiano Ronaldo siehst du vor einem Strafstoß die Anspannung im Gesicht an, aber dann atmet er einmal durch und zimmert den Ball in den Winkel. Schwieriger wird es, wenn nach dem Pfiff erst mal der Videobeweis kommt, du mit dem Ball am Punkt warten musst … … und dir zehntausende Fans beim Nachdenken zuschauen. timo: Da musst du aufpassen, dass das Kopfkino nicht losgeht. Ganz falsch wäre, wenn du zum Beispiel darüber zu grübeln anfängst, was der Torwart vorhat. Manchmal gehe ich

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„ZU WISSEN, DASS HUNDERT HUNDERT­ TAUSENDE ONLINE ZUSCHAUEN, PUSHT MICH UNGLAUBLICH.“ CIHAN YASARLAR

dann zu einem Mitspieler und fange ein banales Gespräch an, etwa über die letzte Spielsituation, einfach um mich kurz abzulenken. Cihan, für dich gehört Warten auch zum Sport. Auf Turnieren spielst du manchmal sieben Spiele zu je 15 Minuten. Was machst du in der Zeit dazwischen, das sind ja Stunden, die du totschlagen musst! cihan: Zum Glück reise ich meistens mit zwei, drei Freunden an, die lenken mich in den Pausen ab. Du bist digitaler Sportler, dein Zuhause ist die virtuelle Welt! Wieso nimmst du nicht das Smartphone zum Ablenken? cihan: Das lenkt wieder zu sehr ab. Übers Smartphone kommuniziere ich ja mit meinen Fans, auf Facebook, Twitter und Instagram schreibe ich ihnen, wo ich gerade bin, was ich mache. Aber auf Turnieren setze ich vor dem ersten Spiel eine Nachricht ab – „Jetzt geht’s los“ –, dann aktiviere ich den Flugmodus. Außerdem feuern mich meine Kumpels während der Spiele an. Wenn ich sie nach einem Tor jubeln höre, ist das der geilste Stadionsound der Welt.

Auf Instagram: @cihanyasarlar @timowerner 53


DIE TAUBE HEBT AB Text IRIS RÖLL  Fotos DETLEF SCHNEIDER


SchĂśne neue Welt: Seit kurzem verbringt Model Taube viel Zeit auf dem Flugplatz in Tannheim.

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„Ich wollte schon immer allen zeigen, dass Heimkinder auch was können.“ Flugschülerin mit Haut und Haaren: Bettys Tattoo zeigt Matthias’ Rennflugzeug.


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enn man irgendwo in Deutschland die maximal mögliche Entfernung vom ModelInstagram-Promi-Kosmos sucht, ist der Flugplatz Tannheim im südlichen BadenWürttemberg ein ziemlich guter Tipp: sehr weites, sehr flaches Land, ein paar Hangars, ein drei Stockwerke hoher Tower. Auf der Terrasse der Flugplatz-Gaststätte herrscht Campingplatz-Atmosphäre, am Horizont ist die 2400-Einwohner-Gemeinde nur noch zu erahnen, zehn Meter entfernt starten und landen kleine Sportflugzeuge. Und mittendrin sitzt Betty Taube-Günter, 23 Jahre alt, Model, Moderatorin, Instagramund Facebook-Schwergewicht mit zusammengerechnet knapp 1,9 Millionen Fans. Schwarze Leggins, lockeres T-Shirt, einen etwas über überdimensionierten Verlobungsring am Finger und eine knallrote Sonnenbrille über den vielen Sommersprossen auf der Nase. Inter Interessiert hier erst mal niemanden, hier ist sie die Betty, die neun Flugstunden absolviert hat und jetzt Landungen üben muss. Drei Stunden hat sie heute schon hinter sich. „Gestern war so viel Wind, dass ich nach einer halben Stunde aufgegeben habe“, sagt sie. Aufgeben: Das ist eigentlich ein Wort, das in Bettys Wortschatz nicht vorkommt. „Ich suche mir immer neue Herausforderungen – und ziehe die dann durch“, sagt die Frau mit der braunen Lockenmähne. Was klingt wie der etwas ausgeleierte Satz eines Motivationstrainers, füllt sich rasch mit Leben, wenn man sich Bettys Biografie anschaut. Mit elf Jahren kommt sie ins Heim, getrennt von der über überforderten alleinerziehenden Mutter, von der Großstadt Berlin ins ländliche Brandenburg. Viele ihrer damaligen Freunde sind an der Schule oder am Leben gescheitert – in die Kriminalität oder ins Drogenmilieu abgerutscht. Betty nicht. Hinter ihrem unbekümmerten Äußeren steckt eine große THE RED BULLETIN

innere Stärke. Eine ungeheure Lust darauf, sich Aufgaben zu stellen, die eigentlich viel zu groß für sie sind – und dann an ihnen zu wachsen. „Ich wollte immer allen zeigen, dass Heimkinder auch etwas können“, wie Betty sagt. Als sie 18 Jahre alt ist, meldet sie ihr bester Freund bei der Casting-Show „Germany’s next Topmodel“ an. In Heidi Klums knallharter Glitzerwelt setzt sich die Abiturientin bis ins Halbfinale durch, schafft anschließend den Sprung in die Medienwelt – und hält sich dort bis heute: Laufsteg-Auftritte auf der Berlin Fashion Week, Minirollen in „Verbotene Liebe“ oder dem Kinofilm „Der Nanny“, Moderationsjobs rationsjobs im Disney Channel und bei rations ProSieben. Und dann eben Facebook oder Instagram, wo Fans Emoji-geschmückte Kommentare über „Deine supercoole Hose!!!“ schreiben oder sich beschweren, weil Betty im Restaurant Fleisch gegessen hat. Und sowenig sie und ihr Lebenswandel auf den ersten Blick zur Camping-Atmosphäre am Flughafen in Tannheim passen mögen, so konsequent ist es am Ende dann vielleicht doch, dass sie genau hier sitzt. Wieder einmal will Betty Taube höher hinaus. Sie will fliegen! Vergangenen August hob Betty, zum ersten Mal als Passagier in einem Kleinflugzeug ab, kurz darauf hat sie sich zur Ausbildung angemeldet, im Winter legte sie ihre theoretische Prüfung ab, im August könnte sie die praktische schaffen. Und dabei soll es nicht bleiben. Betty will sogar mehr als fliegen – sie will Loopings, Rollen, Sturzflüge hinlegen. Das Ziel bis zum Ende des Jahres: der Kunstflugschein – und danach Red Bull Air Race-Pilotin werden. Bei dieser globalen Rennserie fliegen die Piloten mit bis zu

WIE LERNE ICH FLIEGEN?

Kurzanleitung für alle, die auch davon träumen, einmal als Pilot abzuheben: Privatpilotenlizenz, kurz PPL (A), heißt der Flugschein für einmoto­ rige Flugzeuge bis zwei Tonnen Gewicht korrekt. Mit 17 Jahren darf man die Prüfung ablegen. Ganz am Anfang steht die Unter­ suchung durch den Fliegerarzt. Gibt der sein Okay, kann man sich bei einer privaten Flugschule anmelden oder im Verein mit der Ausbildung beginnen. Auch nötig: ein Auszug aus dem Flens­ burger Punkteregister und ein polizeiliches Führungszeugnis! So soll die charakterliche Eignung des künftigen Piloten geprüft werden. Die 120 Theoriestunden (u. a. Navigation, Mechanik, Meteorologie) kann man oft in Kompaktkursen absolvieren. Dazu kommen 45 Flugstunden, mindestens 25 davon mit Lehrer und mindestens 10 allein. Kostenpunkt: rund 14.000 Euro. Für Segelflugzeuge, Hubschrau­ ber oder Ultraleichtflugzeuge gelten ähnliche Regeln. Mehr Infos zum Beispiel unter: www.flugplatz-tannheim.de

Wer ist denn diese Taube? Red Bull Air Race-Pilot Matthias Dolderer musste seine Tochter fragen, welcher Instagram-Star da so euphorisch seine Postings teilte.

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Ungeheurer Wille: Schon im August könnte Betty als Pilotin abheben.

DIE TAUBE LANDET ...

370 Stundenkilometern durch den Parcours. Wer hier startet, braucht Nerven aus Stahl, einen Magen aus Beton und verdammt viel Erfahrung. Die besten Rennpiloten der Welt gehen hier bei jedem Wettbewerb an ihre Grenzen. Nicht unbedingt das erste Ziel, das sich eine Anfängerin nach neun Flugstunden setzen sollte, oder? Matthias Dolderer sieht das anders. Auf der Flugplatz-Terrasse in Tannheim steht er neben Betty und lupft kurz die silberne Pilotenbrille. Dolderer gewann 2016 als erster deutscher Rennpilot die Red Bull Air Race Weltmeisterschaft. Und er ist der Grund, war warum Betty Taube in der schwäbischen Provinz Fliegen lernt. Im vergangenen Jahr wunderte sich der 47-jährige ruhige Schwabe, welcher Instagram-Star mit mehr als 900.000 Fans denn so begeistert seine Posts teilte und kommentierte. Er habe erst einmal seine Tochter fragen müssen, wer denn das sei – diese Taube. 58

Viele Profis hätten wohl über die Begeisterung des Mediensternchens gespottet, Dolderer ist anders. Er schreibt Betty an und lädt sie ein mitzufliegen. Betty, die als Kind mit ihrer Mutter nahe am Flughafen Schönefeld wohnte, vom Balkon Flugzeuge guckte und vom Fliegen träumte, ergreift die Chance, und Dolderer fliegt das volle Programm. „Ich war kurz mal ohnmächtig nach ein paar krassen Manövern, aber es war fantastisch!“, sagt sie. Dolderer beschließt, sich Bettys anzunehmen. Mittlerweile hat er ihr einen Plan aufgemalt, welche Meilensteine sie wann geschafft haben könnte: im Herbst den Kunstflugschein, dann weitere Lizenzen und 2022 die Challenger-Klasse beim Red Bull Air Race fliegen. „Auch ich hatte Mentoren, jetzt gebe ich mein Wissen an Betty weiter. Sie ist smart, schnell im Kopf, und sie hat eine große Leidenschaft fürs Fliegen“, sagt er über seine Schülerin. Die beiden verstehen sich ganz offensichtlich. Da sitzen nicht mehr das Model und der Starpilot beisammen, sondern zwei Menschen, die eine große Begeisterung fürs Fliegen teilen. Ob Betty wirklich eine Chance als Rennpilotin hat, traut sich Dolderer noch nicht zu prognostizieren: „Das zeigt sich frühestens in ein paar Jahren.“ Für Betty Taube stellt sich diese Frage ohnehin nicht. Während andere zweifeln, fliegt sie los. Wo sie landet, wird sie dann schon sehen. Instagram: @bettytaube, @matthiasdolderer

… in Bremen zum Red Bull Flugtag 2018 am 1. Juli. Das große Schaufliegen der Crash-Piloten kehrt zurück nach Deutschland: Beim Red Bull Flugtag am Bremer Europahafen treten Teams mit selbst gebauten Flugobjekten an. Vor tausenden Zuschauern starten sie von einer sechs Meter hohen Rampe und landen im Hafenbecken. Eine Jury, zu der auch Betty Taube und Matthias Dolderer zählen, bewertet Weite, Kreativität der Entwürfe und Showeinlagen. Alle Infos unter: www.redbullflugtag.de

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„Ich war kurz mal ohnmächtig nach ein paar krassen Manövern – aber es war fantastisch!“

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„Das geht auch ohne Drogen“ Wie du Musik hörst, die es noch nicht gibt. Wie du dein Leben denkst wie ein Kind. Pop-Mastermind BRIAN ENO über diesen Schalter in unserem Kopf – und Orte, die uns helfen, diesen umzulegen. Text MARCEL ANDERS  Fotos SHAMIL TANNA


Von U2 bis Coldplay reißen sich Stars darum, ihre Platten von ihm produzieren zu ­lassen: von Brian Eno.

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er Name Brian Eno steht in der Popmusik wie kein anderer für Innovation. Für Experiment. Für Andersdenken. Das ist seit den frühen 1970er-Jahren so. Mit seinen schrägen SynthesizerSounds war der Brite seiner Zeit vor voraus – und maßgeblich für den Erfolg seiner Glam-Rock-Band Roxy Music verantwortlich. Wenig später erfand er das Musikgenre Ambient und produzierte David Bowies legendäre „Berlin“-Album-Trilogie. Seitdem ist er der wohl begehrteste wie auch wählerischste Produzent der Musik Musikbranche. Er verhalf Stars wie U2 und Coldplay zu Hits und einem neuen Sound, den Red Hot Chili Peppers er erteilte er laut deren Sänger Anthony Kiedis sechsmal eine Abfuhr. Der Grund für Enos Popularität unter Kollegen: Er fordert sie, musikalisch wie intellektuell. Er ermutigt sie, aus alten Denkmustern auszubrechen und Neues zu probieren. „Ich will Musik hören, die es noch nicht gibt“, sagte er einmal. Diesen Anspruch stellt er auch an sich selbst: Letztes Jahr veröffentlichte er ein App-Album mit unendlicher Spieldauer, das sich bei jedem Anhören verändert, für Galerien erschafft er atmosphärische Klangwelten, die den Besucher selbst zum Komponisten machen. Zur Eröffnung seiner neuen Sound-Installation in Berlins Martin-Gropius-Bau traf er sich mit The Red Bulletin zum Interview.

„Brian stellte uns jeden Tag eine Aufgabe. Nach dieser Aufgabe richteten wir unsere Arbeit aus. Damit definierte er das Auf­ nehmen im Tonstudio neu. Sein Motto: Du musst schon am Morgen mit deinen Gewohn­ heiten brechen, um Improvisa­ tion in dein Leben zu bringen.“ DAVID BOWIE 62


„Brian ist mehr als ein Produzent. Im Studio ist er ein Bandmitglied. Wir musizieren mit ihm, und das macht großen Spaß. Denn er kommt mit diesen Ideen und Sounds daher, die anfangs seltsam klingen, am Ende aber für unsere Platten un­ verzichtbar sind.“ CHRIS MARTIN, COLDPLAY

ALBERTO TERENGHI / PICTUREDESK.COM , PETER KRAMER/GETTY IMAGES, PIERRE VILLARD / PICTUREDESK.COM

the red bulletin: Herr Eno, Mitte Mai feierten Sie Ihren 70. Geburts­ tag. Musikerkollegen in Ihrem Alter recyceln meist nur noch alte Ideen. Sie dagegen sind stets auf der Suche nach Neuem. Was treibt Sie an? brian eno: Es ging mir immer dar darum, etwas zu erschaffen, was ich an einem gewissen Punkt meines Lebens vermisst habe. Die ruhigste Musik, die ich je gemacht habe, entstand zu der Zeit, als ich in New York lebte – an einer der verkehrsreichsten Straßenkreuzungen der Stadt. Dort habe ich Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre „Ambient 4: On Land“ aufgenommen. Ein leises Album, das klingt, als wäre es in der Natur entstanden. Heute leben Sie in London. Was vermissen Sie dort? Im Prinzip das Gleiche. Deshalb reizt es mich, Klanginstallationen für Orte zu entwerfen, die ein Gegengewicht zur Hektik der Metropole bilden. Wir genießen das Leben in der Stadt mit ihren vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. Aber da ist noch ein anderer Teil von uns, der genährt werden muss. Ein Teil, der Raum zum Sitzen, Denken, Entspannen und Reflektieren braucht. Solche Orte sind heute wichtiger denn je. Nennt man diesen Ort nicht Zu­ hause? Nicht unbedingt. Die MainstreamMedien sind voll auf Alarm getrimmt. Auf ein kontinuierliches Bombardement mit Meldungen über Kriege und Terroranschläge. Nach dem 1975 entwickelte Eno ein Kartenspiel („Oblique Strategies“), um Kollegen aus der Kreativblockade zu helfen.

Motto: „Schaut, was gerade wieder Schreckliches passiert ist.“ Diese Dinge belagern konstant einen Teil unseres Gehirns, wir sind permanent im Ausnahmezustand. Und dieses Gefühl begleitet uns via Mobiltelefon bis ins Schlafzimmer. Wo findet der moderne Stadt­ mensch also einen Ort der Kon­ templation? Früher hatten wir dafür Kirchen, die nichts anderes als Zufluchtsorte sind, an denen man für kurze Zeit in eine andere Welt eintauchen kann. Für viele Menschen haben Galerien heute diesen Zweck übernommen. Deshalb liebe ich es, meine Kunst den Menschen dort zur Verfügung zu stellen. Wie bringt Ihre Kunst die Besucher dazu, in sich zu gehen? Bei meinen Ausstellungen tut sich nichts, es gibt keine Handlung. Das wird den Leuten schon nach zwei, drei Minuten klar. Trotzdem bleiben die meisten lange und genießen es. Hat das mit dem hypnotischen Effekt der Wiederholung zu tun? Ein Stilmittel, das Sie oft bei Ihren Arbeiten einsetzen. Sicher. Wiederholung fasziniert den Menschen. Dabei würden die meisten Wieder Wieder­ holung spontan mit Langeweile assoziieren, nicht? Egal was sich wiederholt: Die Bandschleife, die Melodie, was auch immer – eigentlich bist du es, der sich verändert. Ein Beispiel: Wenn Sie die Sprachaufnahme der Phrase „Something Like“ im Loop abspielen, werden Sie nach und nach etwas anderes hören. Etwa „sunlight“, „I am light“ oder „light me up“. Sprich: Die Bedeutung beginnt sich zu verändern. Weil aber immer dieselbe Klangfolge läuft, kann das nur am Hörer liegen, nicht am Loop. Das Gehirn rekonfiguriert sich. Es ist durch die permanente Wiederholung so gelangweilt, dass es daraus etwas anderes macht. Und insofern ist Wiederholung eine Chance für das Gehirn, zum Komponisten von etwas Neuem zu werden. Und, im größeren Kontext, das Leben anders wahrzunehmen.

Wie verändere ich meine Wahr­ nehmung, wenn ich keinen Zugang zu Ihren Klanginstallationen habe? Als ich jung und naiv war, hatte ich einmal ein anregendes Erlebnis auf Meskalin: Ich ging an einem ver verregneten Herbsttag in London spazieren. Die Straßen waren grau, nass und voller brauner Blätter. Ich dachte mir: „Wie trist!“ Doch je intensiver der halluzinogene Effekt wurde, desto mehr fand ich Gefallen daran. Ein Aufruf zum Drogenkonsum? Was ich damit sagen will: Anhand dieses Erlebnisses wurde mir klar, dass es im Gehirn einen Schalter gibt, den ich umlegen kann. Den jeder umlegen kann – auch ohne Drogen. Einfach indem man in sich geht und sich erlaubt, zu denken, Ruhe zuzulassen.

„Mein Motto: Arbeite nie mit Leuten, die Fans von dir sind. Brian war kein Fan von uns. Gerade deshalb war die Arbeit mit ihm immer so befruchtend. Er offenbart dir eine neue Seite an dir selbst. Was wir drauf­ hatten, wusste ich. Brian zeigte uns, was uns fehlte.“ BONO VOX, U2

Hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit? Der Großteil meiner aktuellen Arbeit ist auf gewisse Weise ein Resultat dieses Erlebnisses. Denn seither bin ich in der Lage, im Kopf immer neue Farbkombinationen zu entwickeln. Und zwar solche, die ich noch nie zuvor gesehen habe (lacht). Es befähigt mich, auch mit siebzig noch wie ein Kind zu denken und spielen. Und am Ende ist es das, was ich bin: ein Kind mit einem Malkasten.

Neu erschienen: Brian Enos 6-CD-Box „Music for Installations“ (UMC) 63


IN 30 TAGEN ÜBER DEN ATLANTIK 5550 Kilometer über offenes Meer, haushohe Wellen, durch Stürme, gleißende Sonne, Panik­ attacken. Wie bereitet man sich auf so etwas vor? Und was nimmt man aus dem Abenteuer mit? The Red Bulletin sprach mit drei Teams der Talisker Whisky Atlantic Challenge. Text MAX SPRICK

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BEN DUFFY

Allein oder im Team (hier: Team Antigua) quer über den Atlantik – das ist die Talisker Whisky Atlantic Challenge, das härteste Ruderrennen der Welt.

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Es

sind bisher mehr Menschen in den Weltraum geflogen als über den Atlantik gerudert, und bei der Talisker Whisky Atlantic Challenge von der kanarischen Insel La Gomera zur Karibikinsel Antigua wird klar, warum das so ist: Nicht allein die schiere Distanz – ziemlich genau 3000 Seemeilen (rund 5550 Kilometer) – macht das Unterfangen zur härtesten Ruder-Herausforderung der Welt, sondern auch Stürme, Wellen, die Ausgesetztheit und die extreme psychische und physische Belastung. Jeden Dezember – erstmals 1997 – rudern etwa dreißig Teams bzw. Einzelkämpfer in sieben Meter langen, mindestens 60.000 Euro teuren Booten los. Hier erzählen drei Teilnehmer, wie sie das Ziel erreicht haben: der Niederländer Mark Slats, 40 Jahre alt, der das Solo-Race 2017 in 30 Tagen, 7:49 Stunden gewann und damit den Weltrekord für Solo-Atlantiküberquerungen um – je nach Bootsdefinition – 5 respektive 19 Tage gebrochen hat; Luca Baltensperger, 26, der mit seinen drei Schweizer Teamkollegen Antigua nur erreichte, weil einer seinen Nagelknipser mit an Bord genommen hatte; und die Britin Dianne Carrington, 61, die mit zwei weiteren „Atlantic Ladies“ als älteste Frau überhaupt über den Atlantik gerudert ist.

Die Boote, jedes mindestens 60.000 Euro wert, vor dem Start der Atlantik-Überquerung

Start Ziel

LA GOMERA

ANTIGUA

DIE ROUTE Ziemlich genau 3000 Seemeilen (rund 5550 Kilometer) sind es vom Startpunkt San Sebastián de La Gomera zum Ziel in English Harbour auf Antigua in der Karibik. 66

Fackeln nach dem Sturm: Solo-Ruderer Mark Slats bei seiner Zielankunft in Antigua

THE RED BULLETIN


TEAM ROW4CANCER

MARK SLATS Er ruderte für seine krebskranke Mutter zum Rekord.

the red bulletin: Wie kommt man auf die Idee, allein über den Atlantik zu rudern? mark slats: Umsegelt hatte ich die Welt schon dreimal, also war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung (lacht). Stimmt es, dass du davor nur wenig Rudererfahrung hattest? Gar keine! Ich hatte nie davor gerudert. Vor einigen Jahren lern­ te ich auf Teneriffa zwei Jungs kennen, die sich gerade anschick anschick­ ten, in die Karibik zu rudern. Ich dachte: „Cool, das will ich auch!“ 2016 meinte ein Freund, ich müs­ se mein Vorhaben langsam in die Tat umsetzen. Zurück in Holland, ging ich zum erstbesten Ruder Ruder­ klub, den ich auf Google fand. Wie trainiert man sich in 12 Monaten von null auf Weltrekord? Zunächst prüfte ein Arzt, wie viel ich meinem Körper zumuten kann. Ich bin zwei Meter groß und wiege 100 Kilo, vertrage also ein bisschen was. Und dann betrieb ich mein Training wie eine mili­ tärische Mission, mit gut 40 Stun­ den pro Woche. Ich ruderte jeden Sonntag 50 Kilometer, fuhr 120 bis 150 Kilometer Fahrrad und schwamm zehn Kilometer.

BEN DUFFY

Woher kam deine Motivation? Ich wollte es für meine Mutter schaffen. Sie hat Lungenkrebs. Ich hatte immer diesen einen Gedanken im Kopf: Mir mag es gerade schlecht gehen, aber mei­ ner Mutter geht es viel schlechter. Und da war die Sache mit meiner Freundin. Die letzten Monate vor dem Rennen hatten wir kein Wort miteinander gesprochen, dann stand sie auf La Gomera plötz­ lich vor mir. Sie war einfach her her­ THE RED BULLETIN

Mark Slats: in einem Jahr vom Ruder-Anfänger zum Weltrekordler, mit 14.000 Kalorien pro Tag

geflogen, um mir vor der Abfahrt Glück zu wünschen. Wir kamen wieder zusammen – und wenn du frisch verliebt bist, hast du die Energie von zehn Männern. Und mit dieser Energie rudert man dann solo nur 17 Stunden langsamer als das siegreiche Vierer-Team? Ich bin ein Wettkampftyp. Sogar wenn jemand neben mir am Herd ein Spiegelei brät, will ich meins schneller braten. Neben meinem Sitz hatte ich einen Bildschirm, auf dem ich meine Daten kontrol­ lieren konnte. Außerdem wurde mir die Position der anderen an­ gezeigt. Wann immer ich ein Mo­ tivationsproblem hatte, schaute ich auf diesen Bildschirm. Deine Taktik? Drei Stunden rudern, eine Stunde schlafen und essen. Ich ruderte

täglich 16 bis 18 Stunden. Bis die Halluzinationen zu heftig wurden. Dann ruderte ich nur zwei Stun­ den, ehe ich eine Pause machte. Manchmal dachte ich, ich rudere mitten durch eine Einkaufsstraße oder durch einen Wald. Ich hatte zwei psychische Zusammen­ brüche, auch Panikattacken, weil ich fürchtete, ich würde beim Schlafen vergessen, mich anzu­ leinen, und über Bord fallen. Wie konntest du diese Phasen überwinden? Einmal habe ich acht Stunden am Stück geschlafen. Als ich auf auf­ wachte, aß ich eine Mahlzeit von 8000 Kalorien – und es ging mir wieder gut. Essen ist der Schlüssel: Du musst dir tausende Kalorien reinzwängen. An guten Tagen nahm ich 14.000 Kalorien zu mir. War es eine gute Idee, über den Atlantik zu rudern? Definitiv – auch wenn ich jedes Mal weinen muss, wenn ich mir heute Videos von meinem Trip ansehe, weil ich mich an die Schmerzen erinnere. 67


TEAM ATLANTIC LADIES

DIANNE CARRINGTON

the red bulletin: Dianne, spielt das Alter eine Rolle, wenn es darum geht, sein Ziel zu erreichen? dianne carrington: Wir nahmen an der Challenge teil, um zu beweisen, dass weder Alter noch Geschlecht ein Hindernis sind. So viele jüngere Leute sagten zu mir, sie könnten nicht über den Atlantik rudern, weil sie zu alt seien. Frauen sagten, sie könnten das nicht, weil sie zu schwach seien. So ein Quatsch! Ich bin 61 und habe für die Challenge eigens Rudern gelernt! Warum haben Sie es geschafft? Mein Motto ist: „Lebe dein Ziel, statt davon zu träumen!“ Und was mir auf hoher See vor allem half: Visualisierungen. Schon beim Training stellte ich mir vor, ich sei schon auf dem Atlantik und nicht auf einem englischen Kanal. Als ich dann am Ozean war, malte ich mir immer wieder aus, wie es sein wird, auf Antigua anzukommen. Führ dir immer wieder vor Augen, wie es sich anfühlen wird, dein Ziel zu erreichen. Ihre beiden Mitruderinnen sind jeweils 54 Jahre alt. Hatten Sie mit Vorurteilen zu kämpfen, als Sie sich zur Teilnahme entschlossen haben? Überhaupt nicht. Meine Familie und meine Freunde wissen, dass ich durchziehe, was ich mir einmal vorgenommen habe. Ich habe das zum Teil auch für sie gemacht: Zwei enge Familienangehörige erhielten vor kurzem eine Krebsdiagnose, ein guter Freund hat nur noch eine geringe Zeitspanne zu leben. Ich wollte ihnen zeigen, dass man im Angesicht eines Unglücks kämpfen muss. Das gilt auch für mich persönlich. Inwiefern? Ich litt unter Angst-Depressionen. 68

Ich wollte auf dem Ozean neue Zuversicht gewinnen, denn die hatte ich während meiner Krank Krankheit verloren. Diese Reise sollte meine Lebenskraft festigen und mir als Person mehr Stärke geben. Und, hat sie das? Oh ja. Ich dachte keinen einzigen Moment ans Aufgeben. Auch nicht im bittersten Moment der Challenge: 50 Seemeilen vor dem Ziel. Die letzten 18 Stunden waren unsere schwersten, weil eine von uns starke Schmerzen im Bein hatte. Wir telefonierten mit der Helikopter-Rettung, die sagten zwar, sie holen uns da raus, aber ich schaute auf die riesigen Wellen, und mir war klar: Da kann uns keiner rausholen. Wir mussten dieses Problem selbst lösen. Wir überstanden die letzten Stunden, weil wir total unter Adrenalin standen. Der einzige Weg, unser Ziel zu erreichen, war, dass wir es aus eigener Kraft schaffen.

Wer auf ruhige See hofft, wird enttäuscht. Meterhohe Wellen begleiten die Teams vom ersten bis zum letzten Tag.

Die beste Kleidung ist so wenig Kleidung wie möglich. Nass wird man sowieso durchgängig.

Diane Carrington, 61: nach 60 Tagen im Ziel, als älteste Atlantikbezwingerin im Ruderboot überhaupt Immer der Sonne ausgesetzt: Schützende Laken aufzuhängen ist verboten – sie könnten als Segel dienen. THE RED BULLETIN

BEN DUFFY(2), ATLANTIC CAMPAIGNS, SWISS MOCEAN(2)

Eine Ruder-Überquerung des Atlantiks als Antidepressivum.


Luca Baltensperger: vom Zürichsee auf den Atlantik

Team Swiss Mocean

LUCA BALTENS­ PERGER ALLTAG AN BORD, ZUM THEMA … … Essen & Trinken

Jedes Team muss Proviant für mindestens 60 Tage an Bord haben, die Vorgabe lautet: 60 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Sprich: Wer 100 Kilogramm wiegt, muss mindestens 6000 Kalorien pro Tag mitführen. Trinkwasser wird über eine Meerwasser-Aufbereitungsmaschine gewonnen.

… Schmerzen

Um Blasen an den Händen zu vermeiden, schüttet man Desinfektionsalkohol drüber. Dieser brennt drei Tage lang furchtbar, sorgt aber dafür, dass sich extreme Hornhaut bildet. Was man nicht in den Griff bekommt: Wunden und Ausschläge am Hintern, da kaum Luft ans Gesäß kommt, dieses ständig nass ist und auf dem Sitz reibt.

… kuriose Begegnungen

Fliegende Fische sind bei Tag nett anzusehen, weil sie bis zu 60 Meter weit springen. Bei Nacht sind sie eine Plage, weil sie das Boot nicht wahrnehmen – dass einem ein fliegender Fisch nachts gegen den Kopf hüpft, kommt schon mal vor.

… Stoffwechsel

Die Kabine ist schlecht durchlüftet und erwärmt sich auf 50 Grad. Schlafen wird dann zur Qual. Scham? Nach einigen Tagen guckt man sich beim Klogang in die Augen, da es keinen abgetrennten Bereich gibt.

Ein Nagelknipser rettete das Schweizer Team aus Seenot. the red bulletin: Luca, kaum wart ihr aus dem Windschatten der Kanarischen Inseln draußen, überrollte eine Welle euer Boot und spülte dich und deinen Kollegen Laurenz fast von Bord. luca baltensperger: Das war die Feuertaufe für uns Schweizer, die wir zuvor nur auf dem ruhigen Zürichsee gerudert hatten. Die Welle zerstörte unser Steuerruder. Das bedeutete: Seenot, hilflos auf hoher See umhertreiben. Wir setzten erst mal Anker, um unsere Position zu halten. Dann diskutierten wir einen Nachmittag lang, was wir machen. Wir hatten zwar ein Ersatzruder, aber um es anzubringen, mussten zwei Leute unter das Boot tauchen und bei fünf Meter hohen Wellen ein Rohr durch ein enges Loch führen – das man erst noch bohren musste. Wir sprachen mit der Rennleitung, jeder riet uns davon ab, dieses Risiko einzugehen. Aufgeben war aber keine Option, wir waren ja gerade erst ins Rennen gestartet! Wie löst man Probleme unter Druck? Nachdem wir das nötige Loch gebohrt hatten, passte das neue

THE RED BULLETIN

Ruder nicht durch, Eisenspäne blockierten das Rohr. Gott sei Dank hatte mein Kollege Marvin seinen Nagelknipser eingepackt. Darüber hatten wir uns vor dem Rennen noch lustig gemacht, immer gesagt: „Da kommt wieder der mit dem Nagelknipser!“ Auf hoher See rettete uns das Teil, weil wir mit ihm die Späne abknipsen und dann das Ersatzruder anbringen konnten. Wie motiviert man sich als Team zum Weitermachen, auch wenn die Lage aussichtslos scheint? Mit reden! Über den Vorfall selbst, um die Angst abzubauen und sich zu beruhigen. Und sonst führten wir unendlich lange Gespräche, um uns von der Anstrengung abzulenken. Wir redeten über wirk wirklich alles. Aber wie tiefgründig ein Gespräch auch begann, es endete immer beim Essen. Wir malten uns aus, was wir bestellen würden, wenn wir wieder zu Hause sind, und schwärmten uns von Steaks, Schnitzeln und Käsespätzle vor. Trotz der Zeit, die ihr durch den Ruderbruch verloren habt, kamt ihr in Antigua als drittes Boot an – nach 30 Tagen, 4:59 Stunden. Und damit nur zwei Stunden hinter dem Zweiten und vier vierzehn hinter dem Sieger. Klar überlegten wir, was hätte sein können, wenn das Ruder nicht gebrochen wäre. Wir hätten das Rennen gewinnen können! Aber: Auch so unterboten wir den vorigen Weltrekord. Und ich glaube, wir lernten durch den Ruderbruch mehr, als uns ein Start-Ziel-Sieg gebracht hätte. Und zwar was genau? Es gibt Sachen, die außerhalb deiner Macht liegen und dein Leben trotzdem beeinflussen. Du musst im Moment bleiben, du musst immer weitermachen, weil keiner kommt, um dir zu helfen.

Anmeldung bis zum 01.09. unter: www.taliskerwhiskyatlantic challenge.com 69


DIESER MANN

FEIERT DAS LEBEN (AUCH WENN ER NICHT SO AUSSIEHT)

FRANCISCUS LANUDJAJA

Totenkopfmasken, Nebelgranaten, durchgeknallte Outfits: Der Amerikaner BUTCH LOCSIN erobert von Los Angeles aus die Performance-Kunstwelt. Sein Erfolgsgeheimnis: Er weiß, wie man Rückschläge in Kreativität umwandelt. Text FLORIAN OBKIRCHER

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THE RED BULLETIN


Hauptsache bunt: Seit zwei Jahren ist der US-Künstler Butch Locsin regel­ mäßig irgendwo in Los Angeles bei einer halb geheimen Per­ formance zu sehen.


Ein Polizeiauto fährt vor. Statt Locsins Performance abzubrechen, outet sich der Officer als Fan: „Ich folge dir auf Instagram!“

Künstler und Handwerker: Das Selbstvertrauen, das Locsin vor Hunderten von Fotografen auftreten lässt, verdankt er seinen selbst gemachten Masken. Er hat 35 Stück davon.


Locsin im Flussbett des Los Angeles River. Die Nebelgranate hat er an einem alten Stück Stoff befestigt, den er vor Ort gefunden hat. „Wer draußen unterwegs ist, muss kreativ sein.“

HECTOR LANDEROS, BUTCH LOCSIN

A

lte Tankwagen rosten auf einsamen Glei­ sen vor sich hin, sogar die Graffiti an ihren Außenwänden sind verblasst. Sieht fast so aus, als wäre seit den Sprayern niemand mehr hier gewesen. Aber heute ist alles anders an diesem trostlosen Platz im Osten von Los Angeles. Rund 80 Foto­ grafen, die Kameras griffbereit, drängeln sich um die besten Plätze, als würden sie einen Hollywoodstar erwarten. Wer dann tatsächlich erscheint, ist ein Mann mit grüner Totenschädelmaske, dem Stil der Verkleidungen am mexikanischen „Tag der Toten“ nachempfunden. Die grüne Maske ist mit Sonnenblumen deko­ riert. Mit ausgestreckten Armen wirbelt der Mann an kurzen Seilen befestigte Nebelgranaten in einem wilden Spektakel durch die Luft, während er auf die er er­ staunten Fotografen zutanzt. THE RED BULLETIN

Es dauert keine zehn Minuten, und ein Polizeiauto fährt vor. (Der Künstler wird später erklären, dass wohl ein besorgter Anrainer den Notruf gewählt hatte, der dachte, es sei ein Feuer ausgebrochen.) Zwei Polizisten nähern sich dem Spek Spek­ takel. „Das war’s wohl für heute“, flüstert ein Fotograf. Die Polizisten machen jedoch keine Anstalten, die Performance zu unter unter­ brechen. Ganz im Gegenteil. Am Ende der Show sagt einer der Polizisten zu dem Mann in der Maske: „Ich folge dir auf Ins­ tagram. Du bist richtig cool!“ Im Laufe der letzten zwei Jahre ver­ anstaltete Butch Locsin – Künstlername „The Skeleton of Color“ (etwa: „Das farbige Skelett“) – jede Menge solcher Auftritte überall in seiner Heimatstadt Los Angeles. Die Videos davon gingen viral, der 31­Jährige ist mittlerweile ein Shooting­ Star der internationalen Performance­ Kunstszene. Kürzlich brachte „Great Big Story“, der Jugendkanal von CNN, ein Videoprofil Locsins, das innerhalb weniger Monate mehr als eine halbe Million Klicks erreichte. Die Emo­Rockband Fall Out Boy engagierte ihn für das Video ihres

2017 erschienenen Songs „Hold Me Tight or Don’t“. Aber eigentlich wollte er ja nie Perfor Perfor­ mance­Künstler werden. the red bulletin: Deine Karriere ist in den letzten zwei Jahren geradezu durch die Decke gegangen. Wer warst du, bevor du zum Wunderkind der Performance Art wurdest? butch locsin: Personal Trainer in einem Fitness­Studio. Vor fünf Jahren habe ich beschlossen, dass ich mich weiterbilden möchte, und bin aufs College gegangen. Anstatt irgendwas in Richtung Physio­ therapie zu studieren, habe ich mich aber für ein Kunststudium entschieden, weil ich Malerei liebe. Wie hast du dann in der Kunstszene Fuß gefasst? Das war zu Beginn alles andere als ein­ fach. Ich verglich mich immer mit meinen Kommilitonen und fand sie viel besser als mich. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass Kunst immer etwas Sub­ jektives ist. Vergleiche mal Picassos späte Werke mit seinen frühen, das sind zwei 73


„Der Totenkopf feiert das Leben. Er soll auf positive Weise daran erinnern, wozu wir einmal werden.“

Starker Raucher: Während einer 24minütigen Vorstellung verbraucht Locsin 40 Nebelgranaten. Die Exemplare, die an beiden Enden Rauch ausströmen, reichen nur für zehn Sekunden.


die ganz aufgeregt und wollten alles fotografieren. Sie waren begeistert und luden die Fotos auf Instagram hoch. Dann ging die Sache viral. Und ich wurde regelrecht gezwungen, kreativ zu sein, meine Kunst immer weiter voranzutreiben. Verwandelst du dich in eine andere Person, wenn du eine Maske aufsetzt? Zu Beginn dachte ich, der Mann hinter der Maske bin ich selbst – aber das stimmt nicht. Eine Maske verändert dich. In meinem Fall in eine stärkere Person – mit genug Selbstvertrauen, vor Hunderten von Fotografen aufzutreten. Mit der Maske vor dem Gesicht liebe ich es, vor Publikum aufzutreten. Kannst du dich an die erste Totenkopf Totenkopf­ maske erinnern, die du gemacht hast? Ja, es war eine simple gold- und bronzefarbene Maske, ich brauchte zwei Wochen dafür. Meine Masken, mittlerweile besitze ich 35 Stück, bestehen hauptsächlich aus Styropor. Die schwerste wiegt rund ein Kilo, aber die meisten sind leicht wie eine Feder. Das macht die Auftritte leichter. Was kostet eine Maske, wenn ich sie dir abkaufen möchte? Sorry, nicht verkäuflich. Mit dem Regenschirm kontrolliert Locsin bei seinen Performances den Rauch.

verschiedene Arten zu zeichnen, die eine ist nicht besser als die andere. Das Wichtigste in der Kunst ist, seinen eigenen Stil zu entwickeln, das musste ich erst lernen.

FRANCISCUS LANUDJAJA, BUTCH LOCSIN

Und wie hast du deinen eigenen Stil entwickelt? Im Leben geht es darum, Probleme zu er erkennen und kreative Lösungen zu finden. Ich wusste, dass ich nicht viel kann und nicht viel besitze, dass ich nicht mit goldenen Löffeln aufgezogen wurde, aber mörderisch coole Masken machen, das konnte ich. Also habe ich das getan. Ich habe meine Einschränkungen genützt, um meine Kreativität zu fördern. Und irgendwann wurdest du zum Skeleton of Color … Wenn du in Los Angeles aufwächst, ist mexikanischer Einfluss allgegenwärtig. Der Día de Muertos, der Tag der Toten, hat mir immer schon gefallen – vor allem diese bunt verzierten Totenschädel. Was genau fasziniert dich daran? Die meisten Menschen verbinden den Totenschädel mit etwas Negativem, was THE RED BULLETIN

er ja streng genommen auch ist. Beim Tag der Toten steht er aber als Symbol dafür, das Leben der Verstorbenen zu feiern. Er soll auf positive Weise daran erinnern, wozu wir einmal werden. Leben und Tod, komplementäre Farben – ich liebe Gegensätze. Wie kam es zur Idee deiner Perfor­ mances? Zufall! Es war nie mein Plan, Perfor Performance-Künstler zu werden. Ursprünglich wollte ich nur Fotos von meinen Totenschädeln, meinen Outfits und dem Rauch machen, um anschließend alles malen zu können. Dann lud mich ein Freund ein, mit ihm zu einem Photo Meet zu gehen (einem wöchentlichen Fotografentreffen an verschiedenen Orten in Los Angeles; Anm.). Da waren 200 Fotografen, und als ich in voller Montur auftauchte, wurden

„Meine Masken? Sorry, nicht verkäuflich!“

Du bist ein Künstler, der seine Kunst nicht verkauft? Ich habe sehr früh verstanden, dass die Maske mein Alleinstellungsmerkmal ist; sie ist es, die mich von anderen Künstlern unterscheidet, sie ist mein Markenzeichen, sie macht meine Auftritte einzigartig. Hätte ich irgendwann begonnen, sie zu verkaufen, wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich heute bin. Mein Rat ist: Wenn du eine Sache hast, die gut funktioniert und die sonst keiner hat, dann behalte sie für dich. Hört sich ja ganz gut an, aber wie ver ver­ dienst du Geld? Meine Masken nicht zu verkaufen war ein Risiko, aber es hat sich ausgezahlt. Begonnen hat ja alles damit, dass ich nur Fotos haben wollte, um sie dann malen zu können. Plötzlich begann das mit den Vorführungen, und der Stein kam ins Rollen. Anstatt meine Kunstwerke zu ver verkaufen, bekomme ich jetzt Angebote, in Musikvideos aufzutreten und Werbung zu machen. Trotzdem möchte ich irgendwann meine Masken und meine Bilder auch verkaufen. Mein Weg zeigt, wie wichtig es ist, auf die richtige Gelegenheit zu warten und nicht bloß auf die erste. Instagram: @butch_locsin_from_la 75


CH-BIO 004 EU/NICHT-EU Landwirtschaft


guide Get it. Do it. See it.

ERIC PARKER/RED BULL CONTENT POOL

ABSPRUNG IN EINE ANDERE WELT

Im Vorjahr hatte Island sechsmal so viele Besucher wie Einwohner. Daran ist auch Instagram schuld: Diese wilde Insel, irreal schräg und überirdisch anziehend, hat keine Filter nötig. Hier sind die Insider-Tipps für das ultimative Abenteuer im Land aus Feuer und Eis. Text: EVELYN SPENCE

THE RED BULLETIN

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Do it

24 STUNDEN Wo, wenn nicht in Reykjavík, kann man um 7 Uhr morgens landen, mittags an einem Vulkan abhängen, abends Papageientaucherbrust dinieren und bis 4 Uhr morgens zur nächsten Björk tanzen? Richtig: nirgends. Los geht’s mit dänischen und isländischen Donuts in der fast 100 Jahre alten Bäckerei Sandholt. Derart gestärkt ist man bereit für Inside the Volcano, eine Tour in die Eingeweide des Thrihnukagigur außerhalb der Stadt. Zum Beinevertreten geht es danach auf den Gipfel des Mount Esja. „Von hier hat man einen Traumblick auf Reykjavík“, sagt der australische Guide Scott Drummond, zusammen mit einem Schotten und einem „Íslendingar“ Gründer der Outdoor-Agentur „Hidden Iceland“. Zurück in der Stadt, sollte man durch die Hlemmur Mathöll schlendern, eine neue Fresshalle im ehemaligen Busbahnhof (unbedingt Skal probieren, eine Art gesalzene Fischkroketten). Danach muss ein Ticket für die Harpa Concert Hall her. Beim Ausgehen zeigt Reykjavík seine KleinstadtSeite: Wer sich auf der Haupteinkaufsstraße Laugavegur danebenbenimmt, trifft die Augenzeugen noch die ganze Nacht lang. Die besten Live-Events verrät der „Reykjavík Grapevine“. Tanzwütig? Dann ab in die Pablo Discobar – so kitschig, dass sie schon wieder hip ist.

Frostig: Stand-up-Paddling am Jökulsárlón-See

Für Partynächte: die Pablo Discobar in Reykjavík

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SCHLAFEN Ion City Hotel, ein Design-Hotel direkt auf der LaugavegurStraße, mischt isländische mit futuristischen Akzenten. Das Kex Hostel, früher Keksfabrik, ist heute auch Bar, Pub und Konzertlocation. ESSEN Radio-Moderator Gulli Helgason empfiehlt das unprätentiöse 3 Frakkar für Puffin, Wal-Sashimi und den berüchtigten Hákarl (fermentierten Hai). Das Dill gilt als bestes Restaurant der Stadt. Sein Chefkoch fährt per Fahrrad zur Arbeit, damit er am Weg noch Zutaten fürs Abendessen sammeln kann. TRINKEN Tristan Gribbin, eine US-Auswanderin mit Meditationsstudio, schwört auf den Kaffee bei Reykjavík Roasters im Zentrum. Bryggjan Brugghús ist Islands erste Mikrobrauerei; Epizentrum von Reykjavíks Party-Szene ist das Kaffibarinn: am frühen Abend chillig und nach Mitternacht krachvoll mit Tanzenden. BADEN Um das milchigtürkise Wasser der Blue Lagoon ist ein wahrer Hype entstanden, inzwischen herrscht hier statt Spa-Beschaulichkeit Spring-Break-Trubel. Besser, man weicht zum Nauthólsvík Geothermal Beach aus, wo heiße Pools und eiskalter Atlantik nur ein paar Schritte voneinander entfernt sind.

Für Entdecker: Islands größter Gletscher, der Vatnajökull, lädt zum Entdecken seiner Eishöhlen ein.

ISLAND IN EINEM

LANGEN WEEKEND „Das Beste an Island sind die Extreme“, sagt Drummond. „Marslandschaften neben üppigem Grün, gigantische Gletscher und darunter aktive Vulkane, die alle drei, vier Jahre ausbrechen.“ Für einen Einblick in die bizarre Schönheit von Islands Natur reichen schon ein paar Tage. Ein guter Anfang ist die zweitägige Glacier Lagoon Tour von „Hidden Iceland“ mit allen Must-Sees der Südküste: dem schwarzen Sandstrand und den verschachtelten Basalt-Säulen von Reynisfjara, dem 60 Meter hohen Wasserfall Seljalandsfoss und Europas größtem Gletscher Vatnajökull. Der Durchschnittsbesucher schippert mit dem Boot durch die Jökulsárlón Glacier Lagoon, mit Drummond kommt man am Stand-up-Paddel-Board hautnah an die busgroßen Eisblöcke heran. Zurück in Reykjavík mietet man am besten ein Auto und macht sich auf einen Road Trip entlang des Golden Circle, einer 300 Kilometer langen Schleife

SCHLAFEN Das schicke Ion Adventure Hotel liegt auf Lavafeldern nur einen Katzensprung vom Thingvellir National Park entfernt, wo vor 1000 Jahren das isländische Parlament tagte. ESSEN Im Farmhotel Efstidalur II stammen die Burger von einheimischen Kühen. Tipp: der „Farmer’s Son“ mit Heidelbeer-Marmelade, Erdnussbutter und hausgemachtem Eis. (Ja, schmeckt wirklich genial.) Das geothermisch beheizte Gewächshaus Friðheimar produziert täglich eine Tonne Tomaten und betreibt ein Restaurant.

THE RED BULLETIN

BEN HORTON(2), SIGURJON RAGNAR, ALEX REVERS/RED BULL CONTENT POOL, RAGNAR TH. SIGURDSSON/ARCTIC IMAGES

ISLAND IN


Travel: Island Outdoor-Action: KitesurfProfi Ruben Lenten in Islands Westfjorden

SCHLAFEN Das Gästehaus Kirkjubol i Bjarnardal ist ein abgelegener, familiengeführter Bauernhof in Önundar­ fjörður, mit spektaku­ lärem Fjord­Blick. (Ach­ tung, in der Nähe gibt es auch andere Häuser gleichen Namens.) ESSEN Es gibt keine Speisekarte im Tjöruhúsið in Ísafjörður, serviert wird der frische Fang des Tages. „Kein Scheiß, nur gute Zuta­ ten“, sagt Stefánsdóttir. Einheimische und Touristen teilen sich Gemeinschaftstische; Live­Band­Stimmung bis in die Nacht.

ISLAND IN

EINER WOCHE

BADEN In Laugarvatn Fontana kann man zwi­ schen warmen Quellen und dem eisigen See wechseln und danach Brot essen, das im hei­ ßen Sand neben dem Wasser gebacken wird.

durch das südliche Hochland. Drummonds Geheimtipp: die 3,2 km lange Wanderung vorbei an Dampflöchern ins Reykjadalur­ Reykjadalur­Tal ­Tal mit seinem 39 Grad heißen Fluss. In Silfra kann man in außergewöhnlich klarem Was­ ser schnorcheln – und befindet sich dabei genau im Riss zwischen den tektonischen Platten Eurasiens und Nordamerikas.

Ion Adventure Hotel: eine Stunde (und eine Welt) von Reykjavík entfernt

THE RED BULLETIN

Nur jeder zehnte Island­Urlauber schafft es bis zu den Westfjorden. Die 3300 km2 große Halbinsel hinein in die Dänemark­ straße hat etwas vom Ende der Welt: mit Straßen, die hauptsächlich aus Schlaglö­ chern bestehen, wilden Stürmen und weiter Leere – von Seevögeln und Polarfüchsen abgesehen. Der Vogelfelsen Látrabjarg ist einer der größten Brutplätze von Papageien­ tauchern und Tordalken, gelegentlich treibt auch ein Eisbär aus Grönland auf einer Eis­ scholle an. „Es ist der perfekte Ort, um allein mit der Natur zu sein und sich klein und bedeutungslos zu fühlen“, sagt die in Reykjavík aufgewachsene Wissenschaftlerin Guðrún Stefánsdóttir. „Es ist so unglaublich friedlich hier.“ Rund um Hornstrandir wird es sogar den Einheimischen ein bisschen zu ungemütlich. Diese wilde Halbinsel mit grünen Hängen und raubtiergebisshaften Klippen ist nur mit dem Boot von Ísafjörður, der größten Stadt der Westfjorde, aus erreichbar und voll mit Ruinen verlassener Bauernhäuser und Werkstätten. Wer will, kann hier eine vier­ tägige Wanderung entlang 450 Meter hoher Klippen, versteckter Täler und durchschei­ nender Basaltdeiche machen. Unvergess­ lich: eine Nacht im Schlafsack im Horn­ bjargsviti­Leuchtturm, der jeden Sommer für Besucher geöffnet ist. Für alle, die mit Karten und GPS­Navigation nicht ganz so vertraut sind, stehen Guides zur Verfügung. (Eine sechstägige Tour bietet beispielsweise Trek Iceland an.)

BADEN Via Schotter­ straße durchs winzige Nest Djúpavík gelangt man nach Krossnes­ laug, zu einem abgele­ genen Pool an einem felsigen Strand. Die kleinen heißen Quellen von Pullurinn („die Pfüt­ ze“) sind nur wenige Mi­ nuten von Tálknafjörður entfernt, eine von ihnen ist mehr als 46 °C heiß.

Island liegt direkt unter dem Polarkreis – dafür ist das Klima überraschend gemäßigt.

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GUIDE

Do it

13. bis 15. Juli: GoPro MotoGP Deutschland

HÖLLENRITT AM SACHSENRING Steile Anstiege, wilde Abfahrten, verrückte Fans: Der Motorrad Grand Prix Deutschland auf dem Sachsenring gilt als Rennen der Extreme. Pilot Stefan Bradl erklärt die Strecke aus Fahrersicht. Tickets unter: www.srm-sachsenring.de

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kurve 8 SachsenBAUCHSACHE

„Mein Highlight: Bergab mit Tempo 270 auf diese Kurve zurasen – da kitzelt’s im Bauch. Dann hart bremsen und trotzdem Kurvenspeed mitnehmen.“

kurve 9 Queckenberg-

Dominator: der fünffache Sachsenring-Sieger Marc Márquez

BERGFEST

MotoGP-Pilot Stefan Bradl

„KRASSE BELASTUNGEN“

Streckenchecker: Stefan Bradl fährt heute als Testpilot für Red Bull Honda

Achterbahn aus Asphalt: Sein ständiges Auf und Ab, kombiniert mit engen, tückischen, abfallenden Kurven, macht den Sachsenring zum Höllenritt. Und überall dieser Lärm. Von den brüllenden Motoren – logisch –, vor allem aber von den schreienden, trötenden, singenden Fans. Sie gelten als die verrücktesten im MotoGP-Zirkus. Kaum ein Fahrer kennt das Rennen besser als der Bayer Stefan Bradl. Hier erklärt er, warum Piloten den Kurs verfluchen und warum sie trotzdem nie auf ihn verzichten wollten.

Der Sachsenring in Zahlen

3,7 80

Kilometer lang ist eine Runde auf dem Sachsenring. Aufgrund seiner vielen Kurven ist er einer der langsamsten und gleichzeitig einer der spektakulärsten Kurse. 2017 fuhr der deutsche Pilot Jonas Folger die bisherige Bestzeit von 1:21,442 Minuten. Als eine der wenigen Strecken im MotoGP-Kalender wurde der Sachsenring nicht hauptsächlich für Rennen gebaut, sondern für Fahrsicherheitstrainings.

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200.000

Zuschauer und mehr pilgerten schon zum MotoGP-Wochenende am Sachsenring. Sie kommen wegen des Motorsports, aber auch wegen des Angebots neben der Strecke. In einem Zirkuszelt steigt der Red Bull Rennzirkus mit LiveBands, Show-Bikes sowie Stunt-Auftritten des Freestyle-Trial-Athleten Adrian Guggemos. Vor der Festivalbühne wird bis 4 Uhr morgens gefeiert.

THE RED BULLETIN

GOLD & GOOSE/RED BULL CONTENT POOL(3), MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL, ANDREAS KRETSCHEL(2) DAVID MEYER KEVIN GOLL

„Hier entscheidet sich, ob du mit 280 oder 295 Sachen auf die Zielgerade einbiegst. Weil die Kurve bergauf führt, musst du spät bremsen und extrem schnell umlegen.“


Juli kurve 6 Nord-

Kurve 5 Volkswagen-

LINKE NUMMER

DIE UNTERSCHÄTZTE

„Seit der Kleinen Kuppe geht es linksherum, eine krasse einseitige Belastung. Jetzt brennt der linke Oberschenkel und viele verkrampfen. Am besten die gesamte Linkspassage mit einer gewissen Lockerheit angehen.“

Kurve 7 Fahrerlager-

„In normale Kurven fährst du wie ein ‚V‘ – spitz rein und spitz raus. Diese ist nur leicht gebogen und führt steil bergauf, da kannst du nicht beschleunigen. Also mit Vollgas rein, Schräglage – und riskieren, dass du die Ideallinie verlässt.“

WECHSELBAD

„Du bist 30 Sekunden auf der linken Seite gefahren, jetzt wechselst du bei Tempo 200 auf rechts, wo die Reifen kalt und dadurch rutschig sind. Leg so früh und schnell wie möglich um, dann hast du genug Gewicht am Vorderrad, und es bleibt in der Spur.“

6

1

Sport-Kurve 1 Auto-Motor-

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DIE RUTSCHBAHN

„Auf den Start folgt gleich die gefährlichste Stelle. Die Kurve ist brutal eng und fällt nach außen ab. Wer zu viel Schräglage riskiert, rutscht sofort weg.“

START / ZIEL

B

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5

3

Kleine Kuppe 3 Kurve

2

GUTE AUSSICHTEN

„Im Training schiele ich von hier manchmal zum Riesenrad auf dem Ankerberg. Die Festivalstimmung gehört einfach zum Sachsenring.“

4

Karthallenkurve

HEIMSPIEL

„Hier sitzen die verrücktesten Fans. Aus dem Augenwinkel nimmst du wahr, wie alle ihre Fahnen schwenken. Da geht ein Kribbeln durch einen.“

THE RED BULLETIN

Kurve 2 OmegaTIEFPUNKT

4

„Hier geht’s bergab rein und bergauf wieder raus. Nur nicht zu schnell rein, denn in der Kurve selbst musst du in die extreme Schräglage und hast keine Chance mehr zu korrigieren.“

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GUIDE

See it

STURM UND KLANG

Diesen Monat auf Red Bull TV: Surfer auf Hawaii im Clinch mit El Niño, Mountainbiken am Limit, die besten Skateboard-Filmemacher bei der Arbeit.

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart-TV. Alle Infos: redbull.tv

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9 Juli

ON DEMAND

NERVOUS LAUGHTER

Für die 18 Meter hohen Wellen in Jaws pilgern die besten Profi-Surfer der Welt an die Nordküste von Maui. Dort stiehlt ihnen regelmäßig die lokale Crew die Show. Das Erfolgsgeheimnis der SurferGang: Gruppendruck und ein gesundes Rivalitätsgefühl innerhalb einer Gemeinschaft langjähriger enger Freunde. Der Film begleitet sie hautnah durch die El-Niño-Saison 2015/16 und erzählt von strapazierten Nerven, Verletzungen, Triumph und wahrer Freundschaft.

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Juni/July Angstlust auf Maui: Die Wellen hier zählen zu den furchteinflößendsten der Welt.

Ausgewählte Musik und inspirierende Künstler-Interviews. Aktuelle Empfehlung:

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Juni

LIVE

CRANKWORX LES GETS

Der Gewinner des fünftägigen Events in Frankreich holt sich den ultimativen MTB-Preis: die Triple Crown of Slopestyle. 2016 fiel das Spektakel ins Regenwasser, im Vorjahr gab es dafür ein umso fetteres Event.

Jaws-Moment: Surf-Freunde Joao Marco Maffini und Tyler Larronde

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TAKE SHELTER PRODUCTIONS, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, ISAAC BOXALL

BIEN BUENA

7

18

Juli

LIVE

DOWNHILL /CROSS COUNTRY Skids, Skills,Thrills: Beim siebenten Saison-Stopp 2018 macht der Mountainbike-Weltcup in Val di Sole in Norditalien Station – auf einer extrem steilen Downhill-Strecke und einem physisch fordernden Cross Country-Kurs.

Juni

ON DEMAND

ROLLING: WITHOUT FOOTAGE IT’S FICTION Die Backstage-Doku folgt Skateboard-Filmemachern wie Ty Evans (L. A.) und Henry Edwards-Wood (London) bei der Produktion ihrer atemberaubenden Videos.

20 Juni ON AIR

Was ist die direkteste Verbindung von New York City, Lateinamerika und der Karibik? Antwort: eine der spannendsten neuen Red Bull Radio-Shows. Gibt es jeden dritten Mittwoch im Monat (22:00 – 24:00 MESZ), wird präsentiert von den Moderatoren Uroot Andy und Riobamba. Serviert werden die neuesten Tracks der Genres Reggaetón, Cumbia, LatinTrap und Champeta, und als Überleitung gibt’s Background-Storys aus der Latino-Community.

AUFDREHEN: REDBULLRADIO.COM

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GUIDE

Do it

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bis 24. Juni Hurricane Festival Vollgasveranstaltung im hohen Norden: Zum 22. Mal verwandelt das Hurricane Festival das Gelände des Eichenrings in Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen in den Mittelpunkt der Rockwelt. Zu den Headlinern in diesem Jahr zählen Weltstars wie die Arctic Monkeys, Arcade Fire, The Prodigy und Billy Talent. Aber auch aufstrebende deutsche Künstler wie IndieDurchstarter Drangsal bekommen ihren Platz auf der Bühne. Rund 78.000 Besucher werden erwartet. www.hurricane.de

1

Juli Deutsche Post Ladies Run Lauf doch, wie du willst: Bei dieser Stadtlaufserie können die Teilnehmerinnen wählen – 5 oder 10 Kilometer, mit Zeitnahme oder ganz entspannt ohne, gehend, nordic walkend oder laufend. Nach dem Event in Bremen (1. 7.) geht es weiter in Dortmund (29. 7.), Leipzig (19. 8.) und Wiesbaden (26. 8.). deutschepost-ladiesrun.de

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Juni /Juli Juli Red Bull Pump Track Endlich auf der schiefen Bahn: Die Red Bull Pump Track World Championship gastiert in GroßUmstadt bei Darmstadt. Mountainbikefahrer starten in einem Asphalt-Parcours inklusive Steilkurven und eingebauter Wellen. Die Gewinner qualifizieren sich für das World-Championship-Finale im September in Flims-Laax in der Schweiz. redbullpumptrackworldchampionship.com

22

bis 24. Juni

ACTIONSPORT: MUNICH MASH

Leibesertüchtigung der nächsten Generation: Auf dem Festival im Münchner Olympiapark treten Wakeboarder wie Felix Georgii (li.), BMX-Fahrer und Skateboarder in innovativen Varianten ihrer Disziplinen an. Beim Red Bull Rollercoaster etwa messen sich Star-Skateboarder erstmals in einem eigens entwickelten Slopestyle-Parcours mit Street- und Ramp-Elementen. www.munich-mash.com

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LUKE DANIEL/RED BULL CONTENT POOL, WORLD FITNESS DAY

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und 14. Juli World Fitness Day Zusammen trainiert sich’s weniger allein: Zum World Fitness Day treffen sich rund 35.000 Besucher auf dem Gelände rund um die Frankfurter Commerzbank-Arena. In neun verschiedenen Erlebniswelten erklären Coaches aktuelle Fitnesstrends, Sportswear Lables präsentieren ihre neuen Kollekweartionen, und Social-Media-Stars wie FitnessBloggerin Sophia Thiel bieten eigene Workouts zum Mitmachen an. www.worldfitnessday.de

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Auf einem Roadtrip gibt es keine Eile. Alles auf dem Weg ist genauso interessant wie das Ziel.

FOTOS: PHIL PHAM

DAS PERFEKTE WOCHENENDE Dominik Wagner und Benny Urban sind schon seit geraumer Zeit Freunde. Als reisende Pro-Snowboarder können sie die Anzahl der Tage, die sie zu Hause verbringen, an ihren Händen abzählen. Dieses Wochenende bot somit eine perfekte Möglichkeit, um wieder das nachzuholen, was sie am liebsten tun: shredden – egal ob im Schnee, auf der Straße oder im Wasser.


Das ist, worum es beim Snowboarden geht: mit seinen Freunden den Berg erkunden, geheime Spots finden, herumkurven und einfach nur Spaß haben.

LAAX Erstes Ziel für das perfekte Wochenende: das Snowboard-Mekka Laax. Das Ende der Saison war Dominiks und Bennys Anfang. Somit hatten sie im Grunde die Pisten für sich selbst, weil die meisten Teilnehmer der Pleasure Spring Session schon mit einem üblen Kater auf dem Heimweg waren. Schnee gab es noch reichlich, aber die plus zehn Grad Celsius verwandelten das weiße Pulver in spielerischen „Slush“.


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MILANO

FOTOS: PHIL PHAM

Es sind nur drei Stunden Fahrt von den Bergen in Laax bis in die Straßen von Mailand. Snowboards weg – Skateboards raus. Am Hauptbahnhof fanden sie den perfekten Spot für eine morgendliche Skate Session – kurz bevor es wieder zu regnen anfing.

Der perfekte Begleiter für diesen Roadtrip war der Jeep® Wrangler. Echt, unverfälscht und ein moderner Klassiker, ist er auch noch für jedes Terrain geeignet. Im fünftürigen Wrangler Unlimited war genug Platz für die Jungs, all ihre Reisetaschen und die Boards. Die Surfbretter passten gut aufs Dach, aber fast genauso wichtig war das überraschend volumige Soundsystem mit Subwoofer, das den ganzen Tag vibrieren ließ.


Das ist Gabo Raso. Der tätowierteste Typ in Levanto. Und auch der freundlichste Boxer hier. Er weiß alles über die Wellen in Levanto und reitet sie schon seit den frühen Neunzigern.

Check die ganze Story und den Clip auf: jeep.de/redbull

FOTOS: PHIL PHAM

LEVANTO

Levanto war dann nur noch zwei Autostunden entfernt. Dieser Ort ist nicht wirklich für das Surfen bekannt. Die Strände sind die meiste Zeit ruhig und verlassen. Von Zeit zu Zeit tobt hier jedoch der Wind, und wenn dann die Wellen kommen, dann kommen sie richtig. Dominik und Benny hatten nicht nur das Glück, den Wellengang mitzuerleben, sondern diesen auch mit dem lokalen Surfer Gabo Raso reiten zu können.


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„WENN MAN AM MEER ANKOMMT, HAT MAN IMMER DAS GEFÜHL, DASS SICH DAS TEMPO VERLANGSAMT. DIE ENDLOSEN WELLEN ZU BETRACHTEN IST EINFACH MAGISCH UND DIE PERFEKTE FORM DER HYPNOSE.“


WASSER MARSCH Die beste Ausrüstung für einen feuchtfröhlichen Sommer. Text CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO 1

SURF& SURF & FUN Ob See oder Meer: So machst du überall eine gute Figur.

1 CROSLAKE GRAND TOUR CAMO Du stehst auf Wassersport? Und willst dabei gut aussehen? Eine stylishe Option bietet dieses SUP-Board im Camouflage-Look mit griffiger Quadratprägung. Ab 1160 Euro; croslake.com 2 PICTURE NEO 20 PALM TREE 2018 So schön kann Umweltbewusstsein sein. 50 Prozent dieser Badeshorts stammen aus recycelten Plastikflaschen. Angenehmer Nebeneffekt: trocknen ultraschnell. 89,99 Euro; pictureorganic-clothing.com

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3 ICEBREAKER SIREN BIKINI + BRA Die ideale Unterwäsche für Wanderinnen auf dem Weg zum Bergsee. Der zum Großteil aus Merinowolle bestehende Stoff sorgt für Tragekomfort und Robustheit, die Passform für guten Eindruck vor und nach dem Sprung ins Wasser. 81,90 Euro; icebreaker.com

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GUIDE

1 KEEN EVOFIT ONE Auf Küstenfelsen klet­ tern oder einfach nur an der Uferpromenade fla­ nieren. Diese Wasser­ sandalen sorgen dafür, dass du nie den Boden unter den Füßen ver ver­ lierst. 129,95 Euro; keenfootwear.com

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2 COLMAR RESEARCH Glänzend: Die mit Polyurethan­Harzen beschichtete Jacke schützt Trägerinnen vor plötzlichem Platz­ regen und verleiht ih­ nen einen futuristisch­ technischen Look. 289 Euro; colmar.it 3 BLACK YAK LIGHTWEIGHT CORDURA STRETCH PANTS Trekkinghose mit ge­ wichtigen Vorteilen (wind­ und wasserfest, extrem robust und elas­ tisch), aber nur 320 g Gewicht. 139 Euro; blackyak.com 4 BURTON BIG AGNES X RABBIT EARS 6 Dank Regenüberzelt aus Polyester stehst du auch bei Sommer­ gewittern souverän da. Und „stehen“ trifft’s bei einer Innenzelthöhe von zwei Metern wirklich. 336 Euro; burton.com

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REGEN-PROFI REGEN PROFI Gut gerüstet – egal wie nass das Wetter wird.

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GUIDE

1 GLORIFY G13 Ob sie im vollen Ruck­ sack gequetscht wird oder ob du bei einer wilden Beachparty ver­ sehentlich drauftrittst – diese Sonnenbrille ist auf Biegen und Brechen nicht kleinzukriegen. 139 Euro; glorify.com

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2 BUFF HIGH UV DHARMA BLUE Ein Muss, wenn es heiß hergeht. Das Multi­ funktionstuch blockt 95 Prozent der UV­ Strahlen und wirkt da­ bei schweißregulierend. 16,96 Euro; buff.com

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STILFRAGE Gut aussehen auf dem Weg zum Strand.

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3 ADIDAS TYCANE PRO OUTDOOR Wasserspritzer, Schweißtropfen oder Tränen, weil der Som­ mer zu Ende geht – das hydrophobe Glas dieser Sonnenbrille weist alles ab und sorgt so für kla­ re Sicht. 209 Euro; adidassporteyewear.com 4 THULE HULLAVATOR PRO Kajakfahren ist schön, der Kajaktransport we­ niger – es sei denn, dein Dachträger reduziert das Gewicht des Kajaks beim Auf­ und Abladen dank Gasdruckfedern gleich um 18 kg. Nur im Wasser bist du ganz auf dich allein gestellt. 720,95 Euro; thule.com


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1 JACK WOLFSKIN HYDRATION SYSTEM 3.0 Ob Biker, Trailrunner oder einfach nur im Stress: Wer keine Zeit zum Stehenbleiben, aber viel Durst hat, ist mit dem 3-Liter-Pack für den Rucksack gut versorgt. 39,95 Euro; jack-wolfskin.com 2 SALOMON SOFT FLASK 150 ML Je mehr du trinkst, desto kleiner wird die Flasche. Sie zieht sich Schluck für Schluck zusammen und verhindert so lästiges Hinund-her-Schwappen. 13 Euro; salomon.com

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3 SALEWA THERMOFLASCHE 0,5 L Edelstahlflasche mit Top-Isolationswerten. Wichtiges Detail, wenn jeder Handgriff zählt: beim Aufsetzen des Deckels, der auch als Becher dient, wird der offene Verschluss automatisch verriegelt. 30 Euro; salewa.com

TRINK DICH FIT Flüssigkeit für unterwegs. 2

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GUIDE

Read it

Marcel Reif

TV-Kommentator, Sportjournalist, Buchautor: Der Fußballexperte hat dank seiner Leidenschaft und Präzision eine große Fangemeinde – auch wenn seine scharfen Analysen mitunter das Publikum spalten. Diesmal fragt sich Reif anlässlich der WM in Russland, ob der Videobeweis wirklich den Fußball kaputtmacht oder die aktuellen Probleme des Sports nicht ganz woanders liegen.

FANGT

DIE SCHWALBEN ENDLICH EIN 94

igentlich wollen wir uns ja auf wunderbaren Fuß­ ball bei der Weltmeisterschaft in Russland freuen. Auf spektakuläre Tore, atem­ beraubende Dramen, altbekannte und völlig neue Helden und Fans aus allen Ländern, die ihr Fußballfest hoffentlich ohne Randale zelebrieren. Ein Thema trübt die Partystimmung jedoch: Die Angst vor dem Videobeweis geht um. Während sich FIFA­Präsident Gianni Infantino selbstverliebt als Pionier inszeniert, hegt sein UEFA­Pendant Aleksander Čeferin massive Bedenken und lässt sich mit der Einführung der unbestechlichen Elektronik für mindes­ unbestech tens eine weitere Saison der Champions League Zeit. Sein Urteil: zu früh, zu un­ ausgereift, noch in der Testphase. Das Flaggschiff des europäischen Fußballs sei keine Spielwiese für Experimente. Ehe­ Ehe malige Spitzenschiedsrichter prophezeien sogar ein WM­Desaster und zweifeln an

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BLAGOVESTA BAKARDJIEVA

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Reif für die Bundesliga

der Kompetenz derjenigen Referees, die den Videobeweis in ihren Ligen noch nicht praktizieren konnten. Ich kann all diese Totschlagargumente nicht nachvollziehen und bleibe ein großer Verfechter der elektronischen Hilfsmittel – denn nicht mehr und nicht weniger sind sie. Der Videobeweis sorgt für mehr Gerechtigkeit im Fußball, ohne Anspruch auf Fehlerlosigkeit zu erheben. Geben wir etwa unsere Autos ab und steigen in die Kutsche um, wenn wieder einmal ein tödlicher Verkehrsunfall passiert? Solange in den Videokontrollzentren Menschen beteiligt sind, werden ohnehin Fehler passieren. Oder wollen wir etwa Roboter einsetzen? Dann könnten wir uns gleich in Richtung eSports bewegen. Und schon gar nicht teilen kann ich die Auffassung der Engländer: Die Premier League lehnt den Videobeweis ab, weil er den Flow des Spiels und die Stimmung in den Stadien zerstöre. Die sollen sich lieber ihre Ticketpreise angucken – schlimmer kann man die Stimmung nicht killen. Das ist bornierte Sturheit und Kapitulation vor menschlichen Schwächen.

Endlich Fußball-WM! Die Freude ist groß, wäre da nicht die Diskussion um den Videobeweis. Mein Appell: Erklärt die Entscheidungen, akzeptiert, dass die Technik nicht perfekt ist, und setzt sie noch konsequenter gegen das eigentliche Problem des Sports ein – gegen Schwalben und Provokationen.

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er Videobeweis ist bei weitem nicht perfekt, aber er ist das kleinste gemeinsame Vielfache des guten Willens aller Beteiligten. Vor wenigen Wochen hatte ich ein Gespräch mit Zvonimir Boban aus dem Generalsekretariat des Weltverbandes, dem Hirn des legendären AC Milan aus den Neunzigern. Er versicherte, es werde bei der WM im Gegensatz zur Premierensaison in der Bundesliga kalibrierte Linien geben, die eine Abseitsstellung wesentlich leichter erkennbar machen. In Zeiten, in denen Menschen daran denken, zum Mars zu reisen, muss es wohl auch möglich sein, diese technische Herausforderung zu meistern. Natürlich gibt es beim Videobeweis viel Luft nach oben: Kommunikation ist alles. Die Fans müssen mitgenommen werden, wie etwa in der National Football League in den USA. Dort werden sie sofort über den genauen Grund informiert, war warum eine Entscheidung revidiert worden ist. Die FIFA will die Bilder nicht live einspielen, weil sie Randale befürchtet. Der Kompromiss: Auf der Video-Wall wird den Zusehern mittels SMS aus dem Video Operation Room schriftlich mitgeteilt, warum etwa der Herr Thomas Müller vor vorschnell gejubelt hat.

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ching Zone will ich gar nicht reden. Unappetitlich, verwerflich und schon gar nicht im Geiste des Spiels. Es geht nicht nur um Abseits, Rote Karten oder Elfmeter – ich fordere einen Konsens aller für anständigen Umgang miteinander. Die Bundesliga sollte sich endlich zusammensetzen und sachlich evaluieren, warum der Videobeweis tatsächlich notwendig wurde. Nicht wegen der immer extremer werdenden Schnelligkeit des Fußballs, sondern weil ein lang geltender, stiller Ehrenkodex durch die galoppierende Kommerzialisierung gnadenlos ausradiert worden war. Mit Köln und Freiburg, die den Fehler Fehlerteufel im System in dieser Saison prak praktisch abonniert hatten, muss man Mitleid haben. Wenn ich an Christian Streich denke, bricht mir das Herz. Er muss aus nichts Gold machen, und dann kommt auch noch Pech dazu, wenn man ohnehin kein Glück hat. Ich sage nicht, dass Bayern München in manchen Szenen bevorteilt wurde, aber vielleicht denkt doch mancher Videoassistent intensiver darüber nach, ob er eine Entscheidung tatsächlich zu Ungunsten der Münchner revidiert …

I Mein Appell geht an alle Beteiligten, den Videobeweis als ein Instrument zu akzeptieren, das dieses Spiel besser und schöner macht. Leider wurde dieses Hilfsmittel in Deutschland zu Tode reguliert. Zu viel Spielraum bei der Auslegung, dauernd neue Anweisungen durch den DFB, keine Transparenz – dabei ist Rechtssicherheit nicht nur in einer Demokratie lebenswichtig.

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enn ein Videoassistent etwas Spielentscheidendes sieht, muss er meiner Meinung nach sogar noch konsequenter eingreifen als bisher. Dazu zählen für mich auch diese vielen unerträglichen vorgetäuschten Fouls in der Bundesliga. Die deutschen Schwalbenkönige halten sich mittlerweile schon Körperteile, die quasi meilenweit von denen entfernt sind, die im Verdacht zu stehen, eventuell getroffen worden zu sein. Und von den permanenten Provokationen auf dem Platz und in der Coa-

m Gegensatz zur Bundesliga waren die Erfahrungen mit dem Videobeweis in der italienischen Serie A positiv. Und ich traue mich zu sagen, dass es auch in Russland funktionieren wird – nur kann es keine Garantie auf perfekte Entscheidungen geben. Aber die FIFA steckt so tief im Sumpf der Korruption und Beratungsresistenz, dass man ihr bei all den Grausamkeiten die Botschaft „For the Good of the Game“ nicht mehr abnimmt. Und viel wichtiger als die Diskussion um den Videobeweis sind für mich die wahren Spaßbremsen im Fußball: Stoppt endlich den Wahnsinn, die Marke WM in vier Jahren mit einem auf 48 Mannschaften aufgeblähten Turnier rettungslos zu beschädigen. Ich fürchte, dass wir dann absurd schlechten Fußball zu sehen bekommen – aus dem Großmarkt und nicht aus dem Delikatessenladen. Hört auf damit, mit dem Nations Cup der UEFA quasi eine Gegenveranstaltung zur Weltmeisterschaft zu installieren, die als Reaktion der FIFA geradezu reflexartig den Plan einer Klub-WM mit 24 Vereinen provoziert hat. Damit wird nur erreicht, dass Messi und Ronaldo bei der WM endgültig platt sind.

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GUIDE

Check it

THE RED BULLETIN WELTWEIT

SCHWEIZ ANNA BADER

Frauen, die Grenzen im Spitzensport verschieben, ein analog-digitaler ShowShow down zur Fußball-WM und der weltweltschnellste Zwanzig Zwanzigjährige: jährige: Glanzlichter unserer globalen Ausgaben im Juli.

Die Cliffdiverin springt aus 22 Metern ins Wasser. Und bezeichnet sich als Angsthäsin. Ein Gespräch über Mut ab Seite 34.

The Red Bulletin als E-Paper: redbulletin.com

”I TRY TO MAKE WHAT’S MISSING IN MY LIFE” Brian Eno’s name is synonymous with innovation. Since the early ’70s, when his out-there synthesizer sounds were an integral part of glam-rock band Roxy Music’s success, the Suffolk-born musician has been ahead of his time. Eno is credited as the inventor of the ‘ambient music’ genre, and has shared his talents as a producer, most notably on David Bowie’s late-’70s ‘Berlin Trilogy’: the albums Low, Heroes and Lodger. He’s also a successful audio-visual artist with numerous exhibitions to his name. The 70-year-old is still a highly sought-after – and selective – producer: he has helped U2 and Coldplay reinvent themselves, but turned down the Red Hot Chili Peppers eight times, according to the band’s singer, Anthony Kiedis. The reason for Eno’s popularity among his peers? He challenges them, musically as well as intellectually. He encourages them to overcome habitual thinking patterns and to try something new. “I wanted to hear music that had not yet happened,” Eno once said of his own creative process. With this in mind, the release of his 2017 album, Reflection, 52

SHAMIL TANNA

He launched Roxy Music, inspired Bowie, reinvented Coldplay, and invented a music genre. He’s a successful visual artist, too. Affable overachiever Brian Eno on the power of play, the myth of repetition, and finding contemplation in the modern world Words MARCEL ANDERS

THE RED BULLETIN

GROSSBRITANNIEN BRIAN ENO Der Mann hinter Roxy Music und PopProduktionen von U2 oder Coldplay verrät, was ihn zu neuen Ideen inspiriert.

Agarrada: Coxsey tiene la mirada en el oro olímpico.

SÓLO EXISTE UN CAMINO

„KONZENTRIERE DICH AUF DINGE, DIE DU BEEINFLUSSEN KANNST.“

Las habilidades de SHAUNA COXSEY en el bouldering la han convertido en una de las escaladoras de competencia más exitosas en Gran Bretaña. Pero cuando la escalada haga su debut en Tokio 2020, comprenderá tres disciplinas y en dos de ellas no tiene experiencia. La campeona mundial tendrá que ser estudiante una vez más Texto MATT BLAKE Fotografía RICK GUEST 50

MEXIKO SHAUNA COXSEY Wieso die Kletter-Weltmeisterin im Bouldern ihren Sport neu lernen muss.

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FRANKREICH PIERRE GASLY Der Formel-1-Youngster und Cover Coverheld der französischen Ausgabe weiß, wie man seine Ziele erreicht.

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Juli

IMPRESSUM DER E-SPORTLER Name:

DER PROFI-KICKER

Cihan Yasarlar

Name:

Alter: 25

Chefredakteur Alexander Macheck

Alter: 22 Sportart: Fußball

Sportart: „FIFA 18“ Größter Erfolg: Europameister 2017

Größter Erfolg: Confederations-Cup-Sieg 2017

Markenzeichen: verschleißt die Vorwärts-Taste als Erstes (aus Liebe zum Offensivspiel)

Markenzeichen: sprintet jedem Verteidiger davon (auf 30 Metern fast so schnell wie Usain Bolt)

Wenige schießen präziser aufs Tor als sie: Nationalstürmer TIMO WERNER mit dem Fuß, Red Bull-E-Sportler CIHAN YASARLAR mit dem Controller. Beide wollen in ihren Disziplinen Weltmeister werden – und haben auch sonst mehr gemeinsam, als du denkst.

Bullen unter sich: Timo und Cihan spielen beide für RB Leipzig – in der Fußball-Bundesliga bzw. auf E-Sport-Turnieren.

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DEUTSCHLAND

Timo Werner

Text DAVID MAYER Fotos CHRISTOPH NEUMANN

GIPFEL DER ENDGEGNER DEUTSCHLAND DIE SPIELER

Profikicker Timo Werner und E-Sportler Cihan Yasarlar im Doppelinterview – ab Seite 46.

ÖSTERREICH MAX VERSTAPPEN Keiner war in der Formel 1 so schnell so erfolgreich wie der Zwanzigjährige. Warum das so ist und wo sein Weg hinführt, verrät er in unserem Interview.

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Country Project Management Natascha Djodat Anzeigenverkauf Martin Olesch, martin.olesch@ de.redbulletin.com Abo Abopreis: 21,90 EUR, 10 Ausgaben/Jahr, www.getredbulletin.com, abo@de.redbulletin.com Druck Prinovis GmbH & Co. KG, Betrieb Nürnberg, 90471 Nürnberg

Stv. Chefredakteure Waltraud Hable, Andreas Rottenschlager Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (Stv. CD), Miles English Head of Photography Fritz Schuster Deputy Head of Photography Marion Batty Photo Director Rudi Übelhör Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Redaktion Stefan Wagner (Textchef), Christian Eberle-Abasolo, Arek Piatek Freie Mitarbeiter Werner Jessner, Florian Wörgötter, Iris Röll Grafik Marco Arcangeli, Marion BernertThomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Global Head of Media Sales Gerhard Riedler Head of Media Sales International Peter Strutz Head of Commercial Publishing Birgit Gasser Head of Publishing Development & Product Management Stefan Ebner Head of Creative Markus Kietreiber Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart Country Management & Marketing Sara Varming (Ltg.), Magdalena Bonecker, Julia Gerber, Kristina Hummel, Melissa Stutz Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Michael Menitz (Digital) Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher Office Management Yvonne Tremmel IT Systems Engineer Michael Thaler Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldaş Yarar (Abo)

CARISSA MOORE’S BALANCING ACT As the three-time world champion surfer has discovered, the quest for real greatness sometimes begins with a journey to figure out who you really are. Words JEN SEE

Photography TREVOR PIKHART

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USA CARISSA MOORE Besuch in der künstlichen Welle: Die 25-jährige Surferin aus Hawaii hat den Frauen-Surfsport neu definiert. Nun ist sie selbst an der Reihe.

THE RED BULLETIN

“It’s just so hard on the body,” says Moore, describing what it’s like to surf the pool at Surf Ranch, where she was photographed for The Red Bulletin on April 27.

Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

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GUIDE

Action-Highlight

Makes you fly

Wo andere Holz sehen, sieht Manuel Lettenbichler einen Abenteuerspielplatz: Drei Tage lang tobte sich der Enduro-Pilot im Sägewerk Binderholz in Tirol aus – pflügte durch Berge an Sägespänen, sprang über Holzstapel und balancierte über Stämme. Das Video erscheint in Kürze auf: youtube.com/redbull

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 10. Juli 2018. 98

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DANIEL DEAK BARDOS/RED BULL CONTENT POOL

Manuels Stamm-Strecke


PACKENDE GESCHICHTEN von außergewöhnlichen Schauplätzen BRILLANTE FOTOGRAFIEN, großzügig präsentiert MEHR EINBLICK dank ausführlicher Berichterstattung EUR 7,– pro Ausgabe, 6-mal jährlich

terramatermagazin.com

© Nick Garbutt

ENTDECKEN


Einfach mal machen.

Der neue Ford Mustang ist authentisch und souverän. Mit anderen Worten: Gönnen Sie sich markantes Design und 331 kW (450 PS) Leistung mit cleveren Extras, wie dem adaptiven MagneRideTM -Fahrwerk, dem neuen 10-Gang-Automatikgetriebe und zahlreichen Sicherheits- und Assistenzsystemen.

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis. Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach § 2 Nrn. 5, 6, 6a Pkw-EnVKV in der jeweils geltenden Fassung): 19,0–16,6 (innerorts), 8,8–8,2 (außerorts), 12,4–12,1 (kombiniert). CO2-Emissionen: 277–270 g/km (kombiniert).

The Red Bulletin Juli 2018 - DE  
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