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SCHWEIZ MÄRZ 2020, CHF 3.80

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

COOLER KOPF Wie Biathlet Niklas Hartweg im Laufschritt zur Ruhe kommt

STARKER PLAN

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Wie Regisseurin Lisa Brühlmann die USA erobert

MEISTER DER BALANCE DANNY MACASKILL über Training auf einem anderen Niveau und Perfektionismus auf Knopfdruck


Ganz neu: Forester e-BOXER 4x4 ab Fr. 38’150.– Neue Subaru Global-Plattform, neues Design, noch höheres Sicherheits- und Komfortlevel – das ist die neue Forester-Generation. Mit SUBARU e-BOXER, der den SUBARU-BOXER-Motor mit einem Elektromotor kombiniert. Das Resultat: Begeisternd kraftvoll auf der Strasse und beruhigend souverän auf jedem Terrain. subaru.ch SUBARU Schweiz AG, 5745 Safenwil, Tel. 062 788 89 00. Subaru-Vertreter: rund 200. multilease.ch. Unverbindliche Preisempfehlung netto, inkl. 7,7% MWSt. Preisänderungen vorbehalten. Abgebildetes Modell: Forester 2.0i e-BOXER AWD Luxury, Lineartronic, 150/16,7 PS, Energieeffizienz-Kategorie E, CO2-Emissionen kombiniert: 185 g/km, Treibstoffverbrauch kombiniert: 8,1 l/100 km, Fr. 46’350.– (inkl. Metallic-Farbe). Forester 2.0i e-BOXER AWD Advantage, Lineartronic, 150/16,7 PS, Energieeffizienz-Kategorie E, CO2-Emissionen kombiniert: 185 g/km, Treibstoffverbrauch kombiniert: 8,1 l/100 km, Fr. 38’150.– (Farbe Crimson Red Pearl).


E D I TO R I A L

WILLKOMMEN

EISKALT SERVIERT

GEFALLENER COVER-HELD

FRED MURRAY (COVER), GIAN PAUL LOZZA

Zugegeben, für den Trick auf unserem Cover brauchte Trial-Biker Danny MacAskill ein paar Anläufe. Doch dafür gibt es ja Turnmatten. Die geglückte Version: Seite 40

«Wir haben um jedes Wort gerungen.» Nach 17 Jahren im Biz singt Seven erstmals deutsch. Seite 14

THE RED BULLETIN 

Es ist okay, wenn du es nicht schaffst, halbwegs ansehnliche Eiskugeln zu formen. Ja, es kann sogar ein grosses Glück sein. Und zwar, wenn du dann erkennst, wozu du eigentlich imstande bist. Wie Lisa Brühlmann. Als Eisverkäuferin eine Katastrophe, bringt die Zürcher Schauspielerin als Regisseurin heute Hollywood zum Dahinschmelzen. Auch Marc Ziegler hat seine ganz ­besonderen Erfahrungen mit Eis: Für ihn bedeutet es Gefahr. Er ist der Chef der Alpinen Rettung Grindelwald. Und wenn er ausrückt, gibt es dafür nur einen Grund: Er muss Menschen aus der Eigernordwand bergen. Was ihn der Berg gelehrt hat, erzählt er im grossen Interview. Mit der Kälte kämpft auch Biathlet Nik Hartweg – er hat auf der Loipe gelernt, stets kühlen Kopf zu bewahren. Viel Spass mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion

CHRISTIAN PONDELLA

stieg tief ins Innere eines Gletschers und kehrte mit coolen Bildern zurück: Seite 20

21

km/h schnell fährt das E-Bike Manta5. Nichts Besonderes? Doch, dieses Tempo schafft es auf dem Wasser! Seite 50

ABSOLUT KONZENTRIERT

Wie Biathlet Nik Hartweg blitzschnell von Action auf Entspannung switcht: Seite 54

 3


I N H A LT

20

The Red Bulletin im März 2020

COVERSTORY

40 WORKOUT MIT BIKE

Trial-Profi Danny MacAskills eigenwillige Nutzung von Laufband, Schwebebalken & Co – ein absoluter Meister der perfekten Balance.

FOTOGRAFIE

20 ON THE ROCKS

Steig mit Eiskletter-Pionier Will Gadd in den Bauch der Gletscher Grönlands.

FILM

32 STARKER PLAN

Wie die Zürcher Schau­ spielerin und Regisseurin Lisa Brühlmann Hollywood ­eroberte.

HOLLYWOOD

36 D ER SENSIBLE RIESE

5-MINUTEN-COACH

52 SO LIEST DU GEDANKEN

Thorsten Havener durchschaut Personen schneller als andere. Hier zeigt er, wie das geht.

BIATHLON

54 COOLER KOPF

Hochkonzentriert: So kommt Biathlon-Star Niklas Hartweg im Blitztempo zur Ruhe.

62 H ELFER IN DER NOT

Immer einsatzbereit: Marc Ziegler rettet Menschen aus der Eigernordwand.

BALLETT

72 FIT FÜR DIE ZUKUNFT

Die Sportwissenschaft erfindet die traditionsreiche Tanzkunst gerade völlig neu.

guide

MUSIK

86  REISEN. Allrad in Albanien statt Alltag daheim: ein Abenteuer ­zwischen Bunkern und Bergen

So fühlst du dich in fremden Städten rasch zu Hause – Tipps von Sängerin Alice Merton.

INNOVATOR

50 Ü BERS WASSER RADELN Das steckt hinter dem Hydrofoil-Bike Manta5. Und: ein Hotel mit positiver Energiebilanz.

6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 PLAYLIST

4 



38

FLUGRETTUNG

Dave Bautista ist mit seinen Gefühlen im Reinen. Auch wenn er dafür fluchen muss.

38 HEIMAT IST KOPFSACHE

GLETSCHERBILDUNG Eiskletterer Will Gadd forscht für die Rettung des Klimas.

DEIN

PROGRAMM

NEUORIENTIERUNG Was Sängerin Alice Merton aus zwölfmal umziehen gelernt hat

62

90 E  VENTS. Wichtige Termine für die kommenden Wochen 92 R  ED BULL HOMERUN. Alles über das spektakulärste Skirennen der Saison. Plus: sechs Tipps von Snowboarder Markus «Mä» Keller 94 E  NTERTAINMENT. Red Bull TVHighlights, live & on demand

15 FUNDSTÜCK 16 LIFE HACKS 18 CLUB DER TOTEN DENKER

9 6 IMPRESSUM 9 8 PERFEKTER ABGANG

GLEICH HEBT ER AB Flugretter Marc Ziegler mit Einsatzrucksack vor dem Helikopter

THE RED BULLETIN

CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL, PAPER PLANE RECORD INT/DANNY JUNGSLAND, TERO REPO, RICK GUEST


72 LEICHTFÜSSIGE POWER Matthew Ball, Erster Tänzer des Londoner Royal Ballet, zeigt, wie’s geht.

THE RED BULLETIN 

 5


LOS ANGELES, KALIFORNIEN

Über­ irdisch Das irritierend anmutige Licht; der Schatten des Geländers an der Mauer dahinter, der aussieht wie gemalt; und dann macht auch noch einer ganz oben einen Handstand! Obwohl das Foto des Amerikaners Dan Krauss wirkt, als wäre es in einem Paralleluniversum aufgenommen worden, hat sich tatsächlich alles genau so zugetragen. Und kurz darauf wurde Parkourkünstler Joel Fridman-Rojas von einem Sicherheitsorgan aufgefordert, sofort mit dem Blödsinn aufzuhören. Instagram: @DanKrauss 6 


LOFOTEN, NORWEGEN

Völlig losgelöst Als Freeskier Sven Kueenle in diesem astronautenhaften einteiligen Anzug aufkreuzte, war für Fotograf Pally Learmond sofort klar, wie das Bild aussehen müsste: schwerelos, wie ein Spaziergang im All. Das mit dem Ausschalten der Schwerkraft bekam der Deutsche dann mühelos hin, für den Sternenstaub im Hintergrund sorgten ein paar vor dem Abflug über die Skispitzen verteilte Schaufeln Pulverschnee. Instagram: @pallylearmond


MARQUESAS, FRANZÖSISCHPOLYNESIEN

Hold the Line Man nehme: eine 370 Meter lange Slackline, gespannt in 72 Meter Höhe über die «baie des requins» (Haibucht; übrigens heisst sie nicht nur so) auf der Insel Ua Pou in der Südsee, und ­einen Mann wie den Franzosen Nathan Paulin, der es sich bei 50 km/h Wind zutraut, da drüberzugehen. Dann fehlt nur noch dieser magische Moment kurz vor Sonnenuntergang, der all ­diese Zutaten zu einem wirklich ­aussergewöhnlichen Bild verschmilzt. Voilà: Jeremy Bernard hat ihn mit ­seiner Kamera erwischt. Instagram: @jeremy_bernard_photography  9


10  


HUKA FALLS, NEUSEELAND

Wilde Wasser An dieser Stelle des Flusses Waikato in Neuseeland schiessen jede Sekunde 220.000 Liter Wasser durch eine 15 Meter schmale Felsdüse. Zum Vergleich: Mit diesem Wasserdruck könnte man ein olympisches Schwimmbecken in etwas mehr als elf Sekunden füllen. Und ja, es gibt Kajakfahrer, die Spass daran finden, sich einen Weg durch die Gischt zu bannen. Dieser hier heisst Zack und ist erst 14 Jahre alt. Instagram: @graememurraynz


Z AHL EN, BI T T E!

SAISONSTART

Brumm, brumm! Die Formel 1 ist zurück! Zum Saisonauftakt in Australien (15. März): die stärksten Zahlen aus der Königsklasse des Motorsports.

Kilo verlieren die Fahrer ­durchschnittlich pro Rennen – die Temperaturen im Cockpit erreichen bis zu 50 Grad.

250.000

68

Dollar war der Diamant an der Nase von Christian Kliens Jaguar R5 beim Grossen Preis von Monaco 2004 wert (ein PRGag). Der Österreicher crashte in der ersten Runde, der Stein ist bis heute verschollen.

Rennstrecken wurden seit Gründung der Serie 1950 in 25 Ländern befahren.

7

18

Weltmeistertitel errang Michael Schumacher, der bislang erfolgreichste F1-Pilot (307 Rennstarts, 91 Siege).

Mechaniker sind bei einem regulären Boxenstopp beteiligt. Bis 2009 waren zwei weitere Mechaniker zum Betanken dabei.

½

80.000

WM-Punkt erzielte die Italienerin Lella Lombardi beim Spanien-GP 1975. Ausser ihr gelang es keiner Pilotin, jemals in der WM-­ Wertung anzuschreiben.

24.

und Letzter wurde der Inder Narain ­ arthikeyan 2011 beim Grossen Preis K von Spanien. Es war der höchste jemals gewertete Rang, weil bei dem Rennen sämtliche ­Teilnehmer ins Ziel kamen.

Einzelteile hat ein F1-Auto.

1,8

4.093.305

Meter lang war die Karriere des Deutschen Ernst Loof: Bei seinem einzigen Start 1953 beim heimatlichen Grand Prix blieb er wegen eines Benzinpumpenproblems gleich wieder stehen.

Live-Zuschauer wurden bei den 21 GPs 2018 gezählt.

12  



THE RED BULLETIN

CLAUDIA MEITERT

km/h ist die höchste je in einem Rennen erzielte Geschwindigkeit: g­ efahren von Juan Pablo Montoya 2005 in Monza.

4

GETTY IMAGES (4), THOMAS BUTLER/RED BULL CONTENT POOL

372,6

0,09

Sekunden trennten beim ­Grand Prix von Italien 1971 fünf Autos, die hintereinander ins Ziel ­fuhren. Knapper geht’s nicht.


PL AY L IST

SEVEN

Premiere mit ganz viel Seele Nach 17 Jahren im Biz, mit zehn Alben und tausend Head­liner-Shows, singt Seven erstmals auf Deutsch. Wer hat ihn inspiriert? «Deutsch», sagt er, «war mein Lieblingsfach in der Schule.» ­Ausserdem verehrt er Dendemann und Samy Deluxe, und ganz be­­ sonders Joy Denalane. Als Seven Anfang 2018 bei einem von Joys Konzerten jede Zeile ihres 2002 aufgenommenen Albums «Mamani» mit­singen kann, ist das ein letzter Anstoss, auch eigene Songs auf Deutsch zu singen. Also ruft Seven ­Thomas D von den Fantas an. Dem bleibt erst mal die Luft weg. Doch dann legen die beiden los: «Wir haben um jedes Wort gerungen. Weil Deutsch viel grösser, viel tiefer als Englisch ist – und die Schlagerfalle weit offen.» Das Ergebnis: «Brandneu» mit fünf Songs und vier Bonustracks. Die Reaktionen live: «Wenn wir ‹Seele› spielen, gibt es immer Standing Ovations.»

Teesy

Joy Denalane

Max Herre

«Dende for President – ich bin ein absoluter Fan. Dende ist grandios, einfach einmalig. Vom Wortwitz her. Von der Informationsfülle, die er in seine Texte packt. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis dieses Album fertig war. Aber als es da war, war klar, da ist Dende drauf, da ist Dende drin – einen wie ­Dende gibt es kein zweites Mal.»

«Teesy ist ein guter Sänger und ein richtig guter Rapper. Und dabei brilliert er noch mit einer unverschämten Lockerheit. Für mich ist Teesy einer, der Generationen ­verbindet, einer, der souverän rappt, aber auch nicht vor dem ­Singen haltmacht – und das alles, ohne sich auch nur im mindesten an­zubiedern.»

«Ich kann jede Zeile auswendig. Dieses Album hat in mir eine tiefe Kerbe hinterlassen. Als ich Joy ­wieder gehört habe, war das ein letzter Wachrüttler für mich. ­‹Mamani› ist fast 20 Jahre alt – zu diesem Zeitpunkt hatte ich so etwas noch nicht gehört, weil es so etwas nicht gab. Wie sie mit der Sprache umgeht – so liebevoll, herrlich!»

«Den Soul, diesen Philly-Sound ins Deutsche zu ziehen – damit hat er etwas Besonderes geschaffen, davon ist Max der Papa. Da war er Vorreiter und ist darin bis heute ungeschlagen. Mit diesem Album hat er etwas Neues probiert, ohne dass es wie ein Versuch klingt – so einen Move zu machen gelingt den allerwenigsten.»

da nich für! (2018)

14  



Glücksrezepte (2014)

Mamani (2002)

Athen (2019)

THE RED BULLETIN

MARCO GROB

Dendemann

WOLFGANG WIESER

«Brandneu» ab 28. Februar; Tour im November, Termine:­sevenmusic.ch


DAN WINTERS

CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

F UND ST ÜCK

«THE WALKING DEAD»

Farben des Grauens Schminkpalette für das Make-up der Zombies in der TV-Serie «The Walking Dead», USA, 2011 Wir wissen: Untote, die Menschen bedrohen, gibt es nicht. Aber die Zombies in der 2010 gestarteten TV-Serie «The Walking Dead» sehen so realistisch aus, dass es zum Fürchten ist. Lohn der Übung: zwei Emmys für das beste Make-up, ein Golden Globe für die beste TV-Serie. Neue Staffel ab 24. Februar bei Sky.

THE RED BULLETIN 

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L I F E HACKS

SCIENCE-BASTLER

Tricks für Handy-Pics

AUSLÖSER

Knipsen mit Kopfhörer Die Lautstärke-Knöpfe der Ohrenstöpsel als Auslöser verwenden: nie wieder verwackelte Selfies!

Neue Ideen für die Dinge des Alltags, Volume 18: Mit diesen Fotografie-Hacks holst du aus deiner Smartphone-Kamera noch mehr raus.

BLITZ-TUNING

Romantisches Licht Fotos mit Blitz müssen nicht automatisch hässlich aussehen: So leuchtest du jedes Indoor-Foto sanft aus.

SCHWEBE-EFFEKT

Nur Fliegen ist schöner Wirkt mit Himmel als Hintergrund am besten: Telefon knapp an eine Stufe legen und Selbstauslöser aktivieren.

1 Finde heraus, wo auf deinem Smartphone das Objektiv, der ­Sensor und der Blitz liegen. Decke Objektiv und Sensor mit Klebeband ab. Nur der Blitz bleibt frei.

Ein Fuss schwebt über dem Objektiv, die Ferse des anderen Fusses steht fest, ist aber im Bild abgeschnitten.

2 Das Telefon waagrecht auf den Tisch legen. Von einer weissen (!) Kerze einen Wachstropfen direkt auf den Blitz tropfen.

FATA MORGANA IM SPIEGEL

Die Klebebänder wieder entfernen.

Spukhafte Verdopplung Die Panorama-Funktion nimmt viele Bilder hintereinander auf. So kannst du auf einem Foto zweimal erscheinen.

SASCHA BIERL

4 Mit Klebeband den Wachstropfen fixieren. Das Blitzlicht wird so besser im Raum gestreut. Mit der Pano-Funktion langsam über die Person vor dem Spiegel schwenken. In der Mitte des Schwenks dreht die sich schnell zum Spiegel und macht etwas Charakteristisches mit den Händen.

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THE RED BULLETIN

CLEMENS MAKANAKY

3


Photo © Roger Gruetter

ANOTHER BEST DAY

TEmplAR w impAcTS

NOVA CARVING ELEGANCE Leistung und Eleganz in schönster Verbindung für einmalige Carving-Erlebnisse, das ist das Versprechen von Rossignol für die neue Pistenski Kollektion NOVA. Die besonders hochwertigen NOVA-Ski bieten geschmeidige Schwünge für ein hervorragendes Carving-Gefühl dank der einzigartigen Konstruktion die auf die weibliche Anatomie abgestimmt wurde. Das Konzept der evolutiven Kraft macht NOVA zu einer Skilinie für alle Techniken. Sie ist intuitiv zu verstehen und leicht zu steuern, egal was die Anforderungen der Skifahrerinnen sind.

NOvA 14 Ti

puRE EliTE 120


D E R C LUB DE R TOT E N DE NK E R

FRIEDRICH SCHILLER

Macht Gaming mich zu einem besseren Menschen? Die grössten Denker aller Zeiten beantworten Fragen unserer Gegenwart, übermittelt durch den Philosophen Christoph Quarch. Diesmal: Friedrich Schiller verrät, wie wir spielend menschlicher werden.

A

ch, das Spielen – wie habe ich es doch ge­ liebt! Als junger Mann spielte ich nächtelang Karten, und so manchen Einfall zu einem Gedicht habe ich auf einer Spielkarte notiert. Später dann, als ich bei Caroline und Charlotte – meiner ­späteren Frau und ihrer Schwester – ein und aus ging, da liebten wir es, zu dritt Blinde Kuh zu spielen. Oh, das hatte einen leicht frivolen Reiz, den ich nicht leugnen kann und auch nicht leugnen möchte. Doch zu meiner Zeit, im späten 18. Jahrhundert, spielten alle. Und die anzüglichen Spiele schätzten wir am meisten.

Vielleicht fragt ihr nun: Was meint der Schiller, wenn er sagt, nur Schönheit sei ein würdiger Gegenstand des Spielens? Nun, ich meine nicht etwas, das hübsch an­ zusehen wäre. Sondern dasjenige, was den Eindruck erweckt, ganz in sich zu ruhen. Etwas, was um keines äusseren Nutzens willen da ist, sondern sich selbst genügt. Denkt dabei an eine schöne Musik. Sie folgt keinen äusseren Zwängen und Gesetzen. Sie ist einfach nur sie selbst. Und ebendeshalb ist sie schön. Und be­ denkt: Wir sagen nicht zufällig, Musik werde gespielt. Spiele sind also gerade dann sinnvoll, wenn sie für das Alltagsleben vollkommen nutzlos sind. Bei solchen Spielen kann man sich selbst vergessen – und sich ­genau deshalb frei und wirklich menschlich fühlen. Bei Glücksspielen ist das anders. Da spielt man nicht um des Spielens willen, sondern weil man sich das schnelle Geld erhofft. Ähnlich ist es bei dem, was man bei euch «Gamification» nennt. Da wird etwas als Spiel verpackt, um etwas zu erreichen, was nichts mit dem Spiel zu tun hat. Dabei werden Spiele instrumentalisiert, und das nimmt ihnen die Schönheit. Manchmal ist das vielleicht ge­ recht­­fertigt, etwa bei Lernspielen für Kinder, manchmal aber geht es nur darum, den Spielern still und heimlich bestimmte Verhaltensweisen anzu­ trainieren. Solche Spiele nehmen euch die Freiheit, statt sie euch zu schenken.

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FRIEDRICH SCHILLER (1759 – 1805) ist den meisten als Dichter und Dramatiker bekannt. Tatsächlich aber sind seiner Feder eine Reihe bedeutender Schriften zur Theorie von Kunst und Schönheit zu verdanken. Mit ihnen wurde er zum Wegbereiter der Romantik, deren Vordenker sich vor allem von Schillers in den Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» vorgetragenen G ­ edanken über die Bedeutung des Spielens inspirieren liessen. Mit seiner These, der Mensch sei nur da ganz Mensch, wo er spielt, wurde Schiller zudem zu einem Pionier der ­Lebenskunst-Philosophie des 20. Jahrhunderts.

THE RED BULLETIN

CHRISTOPH QUARCH

Denn es gibt viele verschiedene Spiele, darunter auch solche, von denen ich nicht behaupten möchte, sie zu spielen bedeute, wahrhaft Mensch zu sein. An welche Spiele ich dabei denke, steht in einem meiner Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen»: Der Mensch soll nur mit der Schönheit spielen. Davon kann ich bei einigen der bei euch gängigen Spiele nichts entdecken. Vor allem dann nicht, wenn es dar­ um geht, Geld zu gewinnen. Wettspiele zum Beispiel, oder Glücksspiele am Automaten.

Ich weiss, dass Blinde Kuh heute nicht mehr so hoch im Kurs steht und jedermann mit seinem Computer spielt. Ich will das auch keinem ausreden, aber gebt acht, dass diese Spiele euch nicht mehr fesseln als beleben; dass sie euch nicht süchtig machen, sondern euch die Chance geben, für eine Weile in eine gänzlich zweckfreie, fantasievolle Zauberwelt einzutauchen.

BENE ROHLMANN

«Schön ist das Spiel, weil es für das Alltagsleben nutzlos ist; und weil du als Spieler frei bist, dich selbst im Spielen vergisst.»

Ist also etwas dagegen einzuwenden, dass erwachsene Menschen spielen? Gewiss nicht, kann ich nur sagen, denn – wenn’s erlaubt ist, dass ich mich an dieser Stelle selbst zitiere – der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Womit auch die Ant­ wort auf die mir gestellte Frage ausgesprochen wäre. Doch ganz so leicht will ich es mir nicht machen. Schon als ich im Jahre 1792 diese Worte schrieb, haben sie nur wenige verstanden. Deshalb scheint es mir geboten, in groben Strichen darzulegen, von welcher Art des Spiels ich denke, dass es unbedingt zu einem guten Menschen­ leben nötig ist.


FRIEDRICH SCHILLER (1759–1805)

Dichter, Philosoph, Ur-Gamer: «Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.» THE RED BULLETIN 

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GRÖNLAND ON THE ROCKS Der kanadische Eiskletterer WILL GADD hat sich an einen Ort vorgewagt, an dem vor ihm noch niemand war: in eine Gletschermühle tief im Bauch Grönlands. Text ANDREAS WOLLINGER  Fotos CHRISTIAN PONDELLA


Kathedrale aus Eis Das ist ein Lieblingsbild von Fotograf Christian Pondella: Es fasst das Surreale und die Einzigartig­keit der Klettertour im Eisschild Grönlands auf eindrucksvolle Art zusammen.

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«Nach einem halbstündigen Flug setzte uns der Heli ab: nur flaches Eis, so weit das Auge reichte.»


Wüste in Weiss Eine Gletschermühle entsteht, wenn Schmelzwasser von der Oberfläche in die Tiefe sickert. Ihre Beschaffenheit erzählt eine Menge über das Abschmelzen des Eisschilds im Zuge des Klimawandels.

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Der Eiskönig Will Gadd, 52, muss nichts mehr beweisen. Als Eiskletterer hat er alles be­

wältigt, was denkbar ist – so ist es ihm etwa 2015 als Erstem gelungen, die Niagarafälle zu bezwingen. Warum ihn Grönland von innen interessierte? Ganz einfach: weil dort noch keiner gewesen war.

Ilulissat, Grönland

Das Dorf am Ende der Welt im Westen Grönlands war der Ausgangspunkt der «Beneath the Ice»-Expedition. Es liegt an der bekannten Disko-Bucht.


Ab ins Ungewisse Die «Moulins», wie Gletscher­ mühlen im Fachjargon heissen, er­ wiesen sich als bedeutend grösser und gefährlicher als ursprünglich gedacht. Besonders deshalb, weil ständig Eis abbricht und in die Tiefe stürzt. Wenn dich so ein Brocken trifft, dann gute Nacht.

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Eislaufplatz, senkrecht Steil fallen die Wände Richtung Abgrund ab, bevor nach rund 90 Metern der Boden erreicht ist. Ganz unten gibt es Wassertümpel, in denen Will Gadd eigentlich tauchen gehen wollte. Daraus wurde aber nichts: zu gefährlich.

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ÂŤIch feiere jeden Moment, in dem ich intensiv leben kann. Hier zu klettern fĂźhlt sich sehr lebendig an.Âť


In seinem Element Will Gadd klettert aus dem A ­ bgrund und lässt es aussehen, als wär’s ganz einfach. Den Soundtrack dazu kann man sich als permanentes ­Krachen, Knacken und ­­­Stöhnen des Eises vorstellen.

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Licht ins Dunkel Will Gadd und Jason Gulley, ­Professor an der University of ­South Florida am Grund der ­Gletscherhöhle. Die Expedition brachte wichtige Erkentnisse ­ für die Klimaforschung.


Aufwärmen am Eisberg

Bevor es in die Tiefe des Eisschildes ging, kletterte sich Will Gadd auf einigen Eisbergen vor der Küste Grönlands ein. Für Fotograf Christan Pondella ergab das ein paar wirklich grossartige Motive.

THE RED BULLETIN 

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«Ich dachte mir: Krass, das Universum will mir etwas sagen.» Lisa Brühlmann über ihre Entscheidung, an einem Drehbuch und nicht an Eiskugeln zu arbeiten

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THE RED BULLETIN


Lisa Brühlmann

«Die meisten Männer sind mir gefolgt» Lisa Brühlmann scheiterte als Eisverkäuferin, als Schauspielerin aber hat sie es geschafft. Jetzt erobert sie als Regisseurin sogar die USA. Hier erklärt sie das Geheimnis ihres Erfolges. Text RÜDIGER STURM  Foto MAURICE HAAS

Das Unerwartete ist die Spezialität von Lisa Brühlmann. Kaum hatte sich die 38-jährige Zürcherin erfolgreich als Schauspielerin etabliert, wechselte sie von heute auf morgen auf den Regiesessel. Mit dem Teenager-Drama «Blue My Mind» gelang ihr ein Überraschungsdebüt: Der gewagte Einsatz von Horror-Elementen machte sogar die Branche jenseits des Atlantiks hellhörig. Das Ergebnis: Engagements für ameri­kanische TV-Serien, etwa für den Psycho­ thriller «Killing Eve» – von dem eine Folge sogar für einen Emmy, den ­bedeutendsten Fernsehpreis der Vereinigten Staaten, nominiert wurde. Aber, Überraschung: Lisa Brühlmann wanderte nicht nach Hollywood aus. Im Interview erklärt die zweifache Mutter, was ihr Scheitern als Eisverkäuferin damit zu tun hat und weshalb es sinnvoll sein kann, kleine Kinder allein Tram fahren zu lassen.

the red bulletin: Noch ist Regie ein Beruf, in dem Frauen in der Minderheit sind. Warum war ­Ihnen klar, dass das Ihr Weg ist? lisa brühlmann: Ich habe das erst spät begriffen, auch wenn es in mir schon sehr früh angelegt war. Schon als Achtjährige hatte ich Visionen für Theaterstücke, die ich inszeniert habe, wobei ich dann meine Freunde herumdirigierte. Aber es erschien mir früher nicht als konkrete Möglichkeit. Erst später, da war ich schon Schauspielerin, hatte ich mit einer Freundin, einer Künstlerin, ein Gespräch über meine Pläne. Und da habe ich begriffen: Das möchte ich machen. Doch um Filme zu machen, reicht die reine Absicht nicht aus … Klar, das ist ja die teuerste aller Kunstformen. Es braucht einen ausgeprägten Willen und auch immer wieder Leute, die an einen glauben und einen motivieren. Ihren Durchbruch schafften Sie dann 2017 mit dem TeenagerDrama „Blue My Mind“ über eine junge Frau, die die gesellschaft­

THE RED BULLETIN 

lichen Grenzen sprengt. Haben Sie mit ihr etwas gemeinsam? Sie ist ein bisschen mein Alter Ego. Ich dachte als Teenager, dass ich ganz anders bin und nicht in die Welt passe. Die Figur ist nur destruktiver als ich veranlagt. Ich habe Ideen zu Geschichten, über die ich mit der Welt kommunizieren möchte, und die will ich umsetzen. Ich kann gar nichts anderes machen. Inwiefern hatten Sie das Gefühl, dass Sie anders sind? Es gibt eine gute Anekdote, auch wenn ich da schon älter war. Ich war auf der Filmhochschule, und da gab es einen Punkt, wo mein Geld nicht mehr reichte. Ich suchte mir also einen Nebenjob, und weil ich früher schon Eis verkauft hatte, bewarb ich mich wieder für so etwas. Der Besitzer des Ladens liess mich einen ­Probetag machen, und am Ende meinte er: «Guck, deine Kugeln sind nicht rund genug. Ich kann dich nicht einstellen.» Wie habe Sie darauf reagiert? Ich dachte mir: «Krass, das Universum will mir was sagen.» Nämlich? Ich muss jetzt dieses Drehbuch schreiben. Denn es ist das, was ich kann. Ich muss da meine ganze Energie reinstecken. Ich kann jetzt nicht an der perfekten Eiskugel arbeiten, sondern ich muss mich auf mein Skript konzentrieren. Und das habe ich dann durchgezogen. Allerdings brauchten Sie Geld. Das kam ganz automatisch, weil ich Drehbuchförderung gekriegt habe – eben weil ich mich auf das Richtige fokussiert hatte. Man muss genau das tun, bei dem man spürt: Das ist es! Das ist das, wofür man lebt.

  33


Lisa Brühlmann

Sie hatten sich allerdings ein Pro­ jekt ausgesucht, das ein wenig ab­ seits des klassischen Mainstreams liegt. Gab’s da keine Zweifler? Es waren sehr viele, die mich leicht schräg angeschaut haben: «Aha, du machst einen Film mit einer Meerjungfrau. Ja, dann viel Erfolg.» Aber die richtigen Leute haben an das Projekt geglaubt. Wie war es mit Ihren Eltern? Mussten Sie bei denen Wider­ stände gegen Ihre unkonventio­ nelle Berufswahl überwinden? Meine Mutter hat mich allein aufgezogen, und sie hat mich immer emotional unterstützt. Sie meinte: «Bis dreissig kannst du machen, was du willst.» Als ich allerdings Ende zwanzig fast nichts verdient habe,

wurde sie schon ein bisschen nervös. Ich selbst auch. Aber ich habe gespürt: Ich muss das weitermachen. Inzwischen ist das Weitermachen für Sie nicht mehr so schwierig. Für eine Folge der Serie «Killing Eve» wurden Sie sogar für einen ­Emmy nominiert. Läuft jetzt alles wie von selbst? Es baut alles auf meinem Debütfilm auf. Aber man muss weiter eine Vision von neuen Projekten haben und die vorschlagen. Es gibt ja auch Konkurrenz. Sie sind nicht nach Hollywood ausgewandert. Wollten Sie sich dem Trend verweigern? Ich habe Agenten in Los Angeles, die meinten: «Du musst nicht her-

kommen.» Die Amerikaner mögen Europa und europäische Filme. Und Europa ist meine Heimat und ein toller Ort für Inspiration. Auch wenn ich gern in L. A. bin – also leben könnte ich dort nicht. Die Amerikaner flippen ja zum Beispiel schon aus, wenn ich meine sechsjährige Tochter allein in den Kindergarten gehen lasse. Ihre Tochter geht allein in den Kindergarten – ein bisschen un­ gewöhnlich. Der ist ja nur drei Minuten entfernt. Ich finde es gut, Kinder zur Selb­ständigkeit zu erziehen. Wenn sie merken, dass sie etwas selbst können, dann gibt ihnen das Selbstbewusstsein. Ich bin selbst auch mit sechs allein mit der Tram zu meinem Kurs im Kindertheater ­gefahren. Regie ist ja ein Beruf, der einen ­total vereinnahmt. Wie bekommen Sie das mit Ihren familiären Ver­ pflichtungen unter einen Hut? Es ist sauschwierig, das zu organisieren. Der Vater, der auch Regisseur ist, und ich müssen von Projekt zu Projekt schauen, wie wir das bewerkstelligen. Doch letztlich müssen sich die Kinder darauf einstellen. Ich bin eine moderne Frau. Meine Mutter hat auch immer 100 Prozent gearbeitet. Deshalb war ich oft im Hort oder in den Ferien mal bei jemand anders. Das hat auch geklappt. Unsere Einstellung gegenüber den Kindern ist die: Wir sind eine Familie, die viel unterwegs ist, aber dafür habt ihr andere Vorteile.

Zwei Szenen aus Lisa Brühlmanns mehrfach ausgezeichnetem Film «Blue My Mind». Mit ihren wilden Freundinnen (ganz oben) feiert die 15-jährige Mia (Luna Wedler, oben links mit Zoë Pastelle Holthuizen) ausgelassene Partys – bis sie sich in eine Meerjungfrau verwandelt.

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Wie ist es mit den Machos in der Branche – haben die schon mal versucht, Sie zu bremsen? Es gab zwei Fälle, aber da bin ich sachlich geblieben, habe mich einfach weiter auf meine Arbeit konzentriert. Dem einen habe ich gesagt: «Du musst mir jetzt vertrauen.» Er meinte: «Warum?» Und ich habe gesagt: «Weil ich die Regisseurin bin.» Und das hat er geschluckt. ­Wobei man festhalten muss: Die meisten Männer sind mir gefolgt und haben mitgemacht. Und ich weiss: Konflikte sind normal, aber ich lasse mich nicht darauf ein. Das raubt nur Energie. THE RED BULLETIN


Dave Bautista

Wenn Hollywood ein sensibles Muskelpaket braucht, ist Dave Bautista erste Wahl. Hier erklärt der Ex-Wrestler, warum seine ärmliche Kindheit ein Glück war, wie er ganz er selbst bleibt und warum er dafür fluchen muss. Text RÜDIGER STURM

Ob in «Guardians of the Galaxy», «James Bond: Spectre» oder «Blade Runner 2049» – Schauspieler Dave Bautista ist die Idealbesetzung für den Kämpfer mit Seele. Das ist kein Zufall: Der 51-jährige Ex-Wrestler (1,98 Meter, 132 Kilo) wuchs unter schwierigen Umständen auf, musste seine wahren Gefühle lange unterdrücken. Heute weiss er, wie wichtig es ist, sein Herz auf der Zunge zu tragen. Den richtigen Umgang mit seinen Emotionen lernte er als Rausschmeisser in einer Disco. the red bulletin: In «Der Spion von nebenan» spielen Sie einen CIA-Agenten, der es mit einem naseweisen Mädchen zu tun bekommt. Ihre Partnerin war die elfjährige Chloe Coleman. Konnten Sie etwas von ihr lernen? dave bautista: Sie ist einer der professionellsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Aber was ich an ihr liebe, ist, dass sie bei aller Pro­ fessionalität ein Kind geblieben ist.

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Steckt in Ihnen ein Kind? Aber ja. Ich versuche, mich wie ein Erwachsener zu verhalten, aber gleichzeitig nehme ich das Leben nicht zu ernst. Ich würde mich nie in einen Bürojob zwängen lassen. Da verlierst du die Tuchfühlung mit deinem Ich. Was ich an Kindern mag, ist, dass sie offen und ehrlich sind. Sind Sie das auch? Jetzt schon. Es gab eine Zeit in ­meinem Leben, in der ich versuchte, meine Gefühle zu kontrollieren. Dann habe ich begriffen: Solange du niemandem wehtust, ist es okay, emotional und auch mal wütend zu sein. Ich weiss, dass ich meine Gefühle nicht mit Fäusten ausdrücken muss. Und so darf ich mein Herz auf der Zunge tragen. Sie haben zwei erwachsene ­Töchter und einen zwölfjährigen Sohn. Wie haben Sie gelernt, ein guter Vater zu sein? Von meinem Vater – indem ich versuchte, anders zu sein als er. Ich wollte nicht die gleichen Fehler machen. Bei meinen Töchtern habe ich gelernt, dass ich irgendwann nicht mehr die Verantwortung für ihre Fehler übernehmen konnte. Für meinen Sohn (von Mutter Angie ist Bautista geschieden; Anm.) würde ich gerne mehr da sein. Er ist unsicher, hinterfragt sich ständig.

Und was haben Sie von Ihren ­Kindern gelernt? Ich bin versucht zu sagen, dass ich von ihnen Geduld gelernt habe. Aber das stimmt nicht. Ich habe Geduld gelernt, als ich 13 Jahre lang als Rausschmeisser in Nachtclubs gearbeitet habe. Also warte ich noch auf den Tag, an dem mein Sohn mir etwas beibringt. Aber bis dahin muss ich mit gutem Beispiel vorangehen. Beim Dreh zu «Der Spion von nebenan» haben Sie das nicht getan. Da musste jeder beim Gebrauch von Schimpfwörtern zahlen … Da habe ich eine Stange Geld verloren. Aber ich bin, wer ich bin. Ich komme von der Strasse, ich war Wrestler. In so einem Milieu benutzt du solche Ausdrücke – einfach, um deine Gefühle rauszulassen. Du musst zu deinen Gefühlen stehen. Sie haben angedeutet, dass Ihre Kindheit eher schwierig war. Oh ja! Es gab Zeiten, da hatte ich nicht einmal was zu beissen. Würden Sie sie gegen eine glück­ liche Kindheit tauschen wollen? In keiner Sekunde. Auf die Art habe ich gelernt, bescheiden und mit wenig zufrieden zu sein. Ja, ich war von Armut und Gewalt umgeben, aber ich hatte auch grossartige Zeiten. Und all das hat mich zu dem gemacht, was ich bin: ein Kämpfer. «My Spy – Der Spion von nebenan»: ab 12. März in den Kinos

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FRANCINE ORR/LOS ANGELES TIMES VIA CONTOUR RA

«Du musst zu deinen Gefühlen stehen»

Was wollen Sie ihm weitergeben? Er hängt ständig mit seinem Smartphone herum, schaut YouTube oder spielt Videospiele. Ich verstehe den Wert des Fortschritts, aber Kinder dürfen sich nicht abkapseln. Ich möchte, dass er sich mehr mit anderen Menschen beschäftigt, nur so kann er sich weiterentwickeln.


«In einem Bürojob ver­lierst du die Tuchfühlung mit deinem Ich.» Dave Bautista versucht, das Leben nicht zu ernst zu nehmen.

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Alice Merton

«Heimat ist Kopfsache» Nach zwölf Umzügen in vier Ländern: Sängerin Alice Merton erklärt, wie du dich in fremden Städten schnell zu Hause fühlst. Text BJÖRN SPRINGORUM  Foto DANNY JUNGSLUND

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the red bulletin: Kanada, die USA, England, Deutschland – du bist in vier Ländern und Kulturen aufgewachsen, weil dein Vater als ­Ingenieur oft umziehen musste. War das immer nur cool? alice merton: Ich hatte sehr oft keine Lust darauf, schon wieder umzuziehen. Das Schwierigste war ­immer, sich von Freunden oder der Familie zu verabschieden und wieder einmal ganz von vorne an­ zufangen. Durch meine vielen Um­ züge habe ich aber gelernt, flexibel zu sein, wenn ich es sein muss.

Du bist erst 26, hast aber schon in so unterschiedlichen Gegenden und Städten wie Connecticut, Ontario oder München gelebt und wohnst jetzt in Berlin. Wie schaffst du es, dich an einem fremden Ort einzuleben? Es gibt wenig, was dir beim Ankom­ men in einer neuen Stadt so sehr hilft, wie viel zu Fuss unterwegs zu sein. Ich gehe in die Shops und Cafés­ – dorthin, wo die Einheimischen hingehen. Mit Menschen in Kontakt zu kommen ist der Schlüssel – und ausserdem ist es wunderschön.

Dein Hit «No Roots» handelt ja genau davon. Aber hast du wirk­ lich keine Wurzeln? Meine Wurzeln finden sich zumin­ dest nicht im Boden. Mein Zuhause ist bei anderen Menschen. Ich habe an so vielen Orten gewohnt, dass ich nie Heimweh nach einem be­ stimmten Ort habe.

Und wie stellt man das an? Je offener du selbst bist, desto ­offener wirst du auch empfangen. Wir mögen alle aus verschiedenen Orten, Kulturen oder Hintergründen kommen, doch wenn wir uns wirk­ lich auf andere Menschen einlassen, finden wir überall Freunde. Dein Vater ist Ire, deine Mutter ist zwar Deutsche, ihr seid aber schon aus Deutschland weg­gezogen, als du noch ein Baby warst. Du hast erst mit dreizehn an einem Münchner Gymnasium richtig Deutsch gelernt. Ist dir das leicht­ gefallen? Sagen wir es so: Ich habe mich sehr oft darüber beschwert! Deutsch ist keine einfache Sprache, und ich brauchte Jahre, um es einigermassen sprechen zu können. Wenn ich allein an «der, die, das» denke …

Was machen Menschen eigentlich falsch, denen es schwerfällt, in ­einer neuen Stadt anzukommen? Das ist Kopfsache. Du musst zu­ lassen, dich irgendwo zu Hause zu fühlen, dann klappt es auch. Am wichtigsten: Urteile am Anfang erst mal nicht über die Menschen, nur weil etwas anders ist, als du es ge­ wohnt bist. In München granteln die Menschen zum Beispiel gerne, das nehmen viele Zugezogene schnell persönlich. Dabei gehört es einfach dazu und ist selten böse gemeint. Jeder Umzug ist auch ein Neu­ anfang. Hast du aus den vielen Neustarts etwas gelernt? Ich liebe es, das Leben zu beobach­ ten. Manchmal spiegelt sich das dann auch direkt in meiner Musik wider – aber nicht zwangsläufig. Wenn ich eine Stadt nicht gut kenne, setze ich mich einfach eine Weile hin und ­beobachte die Menschen auf der Strasse. Ich studiere gern, wie Menschen in anderen Ländern miteinander umgehen. Das sagt viel über ihre ­Kultur aus. Am Ende ist Integration auch einfach Übungs­ sache. Das Reisen hat mich viel offener gemacht. Früher war ich ziemlich schüchtern, heute finde ich es total schön, mit einem anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Du wurdest also von deinem früheren Nomadenleben gut auf deine Karriere vorbereitet? Auf jeden Fall! Ich reise sehr viel – und komme gut damit klar. Viele ­Kollegen sind nicht gern unterwegs. Das ist bei mir anders. Auf Tournee freue mich auf jede einzelne Stadt, die ich besuchen kann. alicemerton.com

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«Wenig hilft dir beim Ankommen so sehr, wie viel zu Fuss unterwegs zu sein.» Alice Merton über ihre Streifzüge durch neue Städte

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ANTRETEN ZUR

TURNSTUNDE Für viele Biker gehört das Gym zur Trainingsroutine. Doch Trial-Profi DANNY MACASKILL scheint da etwas missverstanden zu haben. Text RACHAEL SIGEE  Fotos FRED MURRAY

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Erhebendes Gefühl: MacAskill studierte seinen neuen Trick «Hook to Frontflip» extra für das «Gymnasium»-Video ein. «Ich wollte unbedingt ein Sprungbrett in den Clip ein­bauen», sagt er, «und den zusätzlichen Schwung für einen ausser­ gewöhnlichen Trick nützen.»


«IRGENDWANN HAST DU DIE ERLEUCHTUNG UND WEISST: DAS KRIEGE ICH HIN. AUCH WENN ICH DAFÜR 100 VERSUCHE BRAUCHE.»

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anny MacAskill ist als TrialMountainbiker eine lebende Legende. Seine YouTube-Videos sehen bis zu 90 Millionen Fans, einer von ihnen – ein gewisser Lance Armstrong – empfiehlt sie als «absolutes Must-watch». Darum wagte es vor ein paar Wochen auch keiner, Danny die Meinung zu seiner neuen Video-Idee ins Gesicht zu sagen. «Lasst uns einen Clip im Gym drehen», hatte er vorgeschlagen, «mit Turngeräten und Kraft­ stationen.» Alle hatten höflich genickt. Ein Fitnessvideo. Äh, nett. Jetzt sitzt der Schotte in seinem Van vor der Location und strickt mit den Fingern. Es ist spät im November, heute ist der erste Drehtag, und Danny MacAskill ist verdammt nervös. «Ich habe keine ­Ahnung, ob ich das überhaupt hinkriege», sagt er. «Für die Hälfte der Aufnahmen werde ich wahrscheinlich hunderte Versuche brauchen.» Bei der Planung des Drehs stellte sich nämlich heraus, dass Danny ein wichtiges Detail verschwiegen hatte. Das Video sollte kein Zirkeltraining für Trial-Biker sein, sondern ein Zirkeltraining mit dem Trial-Bike – und zwar in einem echten Turnsaal in seiner Heimatstadt Glasgow 42  



– komplett mit CrossFit-Bereich, Bällen, Steppern, freien Gewichten, Sprossenwänden, Trampo­li­nen, Sprungböcken und Balancierbalken. Seit einer Woche bereitet sich Mac­ Askill hier auf den Dreh vor. «Ich fühlte mich dabei wie ein Kind auf dem Abenteuerspielplatz», sagt der 34-Jährige. Doch heute ist keine Zeit mehr für Spielereien, heute muss er liefern – und Tricks zeigen, die die Welt so noch nicht gesehen hat. Er spricht sich Mut dafür zu. «Alles reine Gefühlssache», sagt er. «Der Trick muss im Kopf gelingen. Der Körper zieht dann nach, du musst ihm nur die richtigen Befehle geben.» Blöd nur, dass MacAskill Turnsäle und Fitnessstudios im Grunde nicht leiden kann. «Ich gehe nur hin, wenn ich un­ bedingt muss», sagt er. «Meistens war das, wenn ich nach einer Verletzung wieder Form aufbauen musste, nach einem Knochenbruch oder so.» Doch diesmal ist alles ein bisschen ­anders. MacAskill wird die ungeliebten Folterinstrumente heute als Rampen oder Hindernisse zweckentfremden, zum Überspringen oder Draufrumbalancieren. Zumindest hat er das vor. Denn der Weg zu einem bahnbrechenden neuen Video-

Ausbalancierter Lifestyle: «Ich wollte unbedingt einen ‹Fakie Nose Manual› auf dem Schwebebalken machen», sagt MacAskill über diesen Trick (Skizze auf Seite 45). «Das Rückwärtsrollen auf dem Vorderrad ist allerdings ein bisschen knifflig.» THE RED BULLETIN


Mit der richtigen Einstellung (oben) wagt sich MacAskill an den Sprung von Slackline zu Slackline (unten): «Einen Millimeter daneben, und der Reifen rutscht ab», erklärt er. «Da gehen von 100 Versu chen 99 schief.»

clip führt nur über die gute alte Trial-­ and-Error-Methode. «Die Idee ist, ein paar Sachen zum Wackeln oder Kippen zu bringen – aber ob’s funktioniert, weisst du erst, wenn du wirklich mit dem Bike draufspringst. Bei einigen Tricks bin ich schon auf dem halben Weg. Du probierst herum, und irgendwann hast du die Erleuchtung, wie es vielleicht gehen könnte. Ab da weisst du: Du wirst vielleicht hundert Versuche brauchen, aber am Ende wird es hinhauen.» Die Arbeit an einem Video beginnt ­allerdings schon lange davor. Bevor MacAskill am Set auftaucht (und eine komplette Filmcrew davon abhängig ist, dass er auf Knopfdruck absurd schwierige Tricks aus dem Ärmel schüttelt), geht er wochenlang jede einzelne Aufnahme im Kopf durch. «Zuerst scanne ich meine Umgebung nach balancierfähigen Kanten ab», sagt er, «dann zeichne ich meine Ideen mit Strichmännchen auf.» Unterwegs hat MacAskill immer ein Notizbuch für seine StrichmännchenFahrer dabei. Dort malt er ununterbrochen neue Ideen hinein – vielleicht für das nächste Projekt, vielleicht für eines in ferner Zukunft. Wer zufällig einen Blick darauf wirft, kann sich nur schwer vorstellen, dass das Gekritzel die Grundlage für ein atemberaubendes YouTube-

«MANCHMAL REICHT ES NICHT, EINEN TRICK MIT WORTEN ZU BESCHREIBEN.» 44  



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Dannys Originalskizzen: 1. Hook to Frontflip; 2. Plyometric Box Hops; 3. 360 Tyre Tap mit Sprung­ brett; 4. Jumps über Gewichte; 5. Nose Manual auf dem Schwebebalken; 6. Slackline-toSlackline Jump; 7. Hippy Hops; 8. Ghosty Bump Frontflips

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SKIZZEN DES IRRSINNS

Ein Blick in MacAskills Notizbuch für das «Gymnasium»-Projekt: Was am Papier so einfach aussieht, setzt im echten Leben neue Massstäbe. Ein Beispiel: «Die Gewichte wackeln, wenn ich auf sie springe», sagt er etwa über Trick 4. «Ich will, dass sie alle hinter mir umkippen – dafür werde ich 100 Versuche brauchen.» Noch mehr Kopfzerbrechen machte ihm vor dem Dreh Trick 8, die «Ghosty Bump Frontflips»: «Das ist einer der schwierigsten Tricks, die ich je versucht habe. Du hast beim Salto null Kontrolle über dein Bike. Wenn das hinhaut, ist es ein Wunder.»


«NORMALERWEISE BIN ICH HIER NUR, WENN ICH MUSS – ZUM BEISPIEL NACH VERLETZUNGEN, MEIST KNOCHENBRÜCHEN.»


Geräteturnen: So sieht es aus, wenn MacAskill eine seiner Bleistiftskizzen – in diesem Fall die «Plyometric Box Hops» – in die Realität umsetzt.

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«AM BIKE BIN ICH EIN PERFEKTIONIST – ABER NUR DA.»

Spinning einmal anders: MacAskill fährt sich am Lauf­ band warm – mit Wheelie.


Eine kurze Drehpause – und schon hat Danny die nächste Idee. «Für mich ist alles ein potenzieller Funpark.»

Video mit Millionen Views sein könnte. Doch MacAskills Strichmännchen-­ Methode scheint dafür genau der rich­ tige Weg zu sein. «Manchmal reicht es nicht, einen Trick mit Worten zu beschreiben», erklärt er, «vor allem nicht, wenn man ein so visu­ eller Mensch ist wie ich.» Mit ein paar Strichen hält er nicht nur die technischen Schwierigkeiten fest, sondern durchlebt auch alle damit verbundenen Emotionen: «Da ahne ich schon die 400 Versuche, die ich dafür brauchen werde.» Doch hin und wieder beisst sich Mac­ Askill an einer seiner Ideen die Zähne aus. Etwa am 180 Frontflip, an dem er in der Vorbereitung für dieses Video immer wieder scheiterte. «Zu Fuss ist der kein Problem, wenn du von einem kleinen oder grossen Trampolin abspringst. Aber mit einem Bike unter dem Hintern kannst du dich nicht so geschmeidig bewegen. Ich sage nicht, dass der Trick unmöglich ist, ich habe ihn sogar schon mal ­gesehen. Aber nicht auf dem Niveau, wie ich es gern hätte.» Am Set lernt man schnell, dass sein «So hätte ich es gern» nur eine freund­ liche Version von «So wird es auf Punkt und Komma genau umgesetzt, Ende der Diskussion» ist – vor allem, wenn er sich einen bestimmten Trick in den Kopf geTHE RED BULLETIN 

«ICH GEBE NICHT AUF, BIS ES GELINGT. AUCH WENN ICH 200 EXTRA­ VERSUCHE BRAUCHE.» setzt hat. «Dann gebe ich nicht auf, bis es mir gelingt – auch wenn ich 200 Extra­ versuche brauche und den Dreh um einen Tag verlängern muss.» MacAskills Alltagspersönlichkeit hat wenig mit seiner Bike-Persönlichkeit ­gemeinsam. «Du musst dir nur mal den Saustall in meinem Van ansehen. Bei allen anderen Dingen im Leben denke ich mir: ‹Ach, das passt schon so.› Nur am Bike bin ich ein absoluter Perfektionist.» Zum Glück hat er ein Team, auf das er sich hundertprozentig verlassen kann. Es besteht aus Freunden, mit denen er immer wieder zusammengearbeitet hat – wie Stu Thomson, dem Regisseur dieses Projekts, der auch MacAskills Filme «Imaginate» (2013) und «The Ridge» (2014) gedreht hat. «Ich kann mich auf mein Fahren konzentrieren und weiss,

dass sie die Geschichte perfekt erzählen, die Kameraeinstellungen im Griff haben, den Schnitt exakt so machen, wie ich mir das vorstelle.» Nur eine Sache gibt er nicht aus seinen Händen: die Musik. «Ich höre rund um die Uhr Musik. Und wenn ich Musik höre, sprudeln die Ideen nur so aus mir heraus.» Damit die Musik genau zu seiner Vision eines Clips passt, will er sich in Zukunft sogar an der Musikproduk­tion beteiligen. «Ich verbringe viel Zeit damit, Playlisten auf meinem Handy durchzu­ gehen, und stelle mir vor, wie ich in den Bergen Chinas oder irgendwo in einer mediterranen Stadt am Meer fahre», erklärt er uns. «Dabei habe ich immer auch die Skizzen aus meinem Notiz­buch im Hinterkopf.» Als die Klappe für den ersten Take des Tages fällt, hat er sich noch immer nicht für den Soundtrack entschieden, weil kein Song perfekt passen will. «Ich bin nie ganz zufrieden», sagt Danny, «aber ich arbeite daran, die Dinge lockerer zu sehen. In fünf Jahren will ich mir das Video ansehen und denken: Vielleicht ist nicht jeder Trick perfekt, aber wir haben 95 Prozent des Möglichen rausgeholt – und das ist genug.» Jetzt ansehen: Danny MacAskills neuer Clip «Gymnasium» auf redbull.com

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INNOVATOR Fliegendes Fahrrad: Tragflächen (Foils) aus Carbon sorgen für Stabilität und Auftrieb im Wasser.

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Mit dem Manta-5 sind Geschwindigkeiten von knapp 21 km/h möglich.

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Sieht aus wie ein eben gelandetes UFO, ist aber ein intelligentes Hotelprojekt – das Haus erzeugt mehr Energie, als es verbraucht.

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hältlich: ein pedalgesteuertes Fahrzeug auf Tragflächen, wie man sie aus dem Segel­ sport kennt. Der Fahrer sitzt dabei aufrecht am Lenker, be­ wegt mithilfe eines 460-Watt-­ Elektromotors die Antriebs­ schraube und hebt so ab. Top-Speed: knapp 21 km/h, Akkulaufzeit: eine Stunde. Wer vorher müde wird, geht auch nicht unter. Anders als normale Bikes schwimmt das Manta5.  manta5.com

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Luxus im Namen der Umwelt: Am Polarkreis Norwegens entsteht das weltweit erste Hotel mit einer positiven Energiebilanz.

S

chon die Lage des Hotels ist ikonisch: Das «Svart Resort» befindet sich genau am Polarkreis, unterhalb des Svartisen, des zweitgröss­ ten Gletschers Norwegens, am Ufer des idyllischen Holandsfjords. An einem solchen Ort ist ökologische Bau­weise fast Pflicht. Doch der Bauherr, Arctic Adventure of Norway, wollte noch ein Schauferl drauflegen: Das Hotel wird das erste mit einer positiven Energiebilanz nach dem Powerhouse-Standard sein. Das heisst, dass es über einen Zeitraum von sechs Jahren gerechnet mehr Energie erzeugt als es ­verbraucht – inklusive Bau, Nutzung und Abriss. Möglich macht dies einerseits die sorgsame

Auswahl der Materialien (deren Gewinnung und Transport wird in die B ­ ilanz mit eingerechnet), anderer­ seits eine intelligente Archi­ tektur: grosse Fenster für Wärmenutzung auch bei tiefstehender Winter­sonne, abgesonderte ­Terrassen für Schatten und natürliche Kühlung im Sommer. Zu­ dem sorgen Solarpaneele am Dach für Strom und Thermalquellen für die Heizung. Dadurch verbraucht das kreisförmige, auf Stelzen in den Fjord gebaute Hotel 85 Prozent weniger Energie als vergleichbare Projekte. Die Eröffnung ist für 2021 geplant. Gäste errei­ chen ihr Reiseziel übrigens nur per energieneutralem Bootsshuttle. (Öko)logisch! svart.no

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5- M IN U TE N - C OACH

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Mentalist THORSTEN HAVENER tritt in ausverkauften Häusern auf, weil er in andere hineinschauen kann – das glaubt zumindest sein Publikum. Dabei weiss er bloss, wie Menschen kommunizieren, und findet so heraus, was sie denken. Wie auch du andere entschlüsselst, verrät er hier. 00:18

Ich liebe Musik. Aber ich frage nicht: «Was ist deine Lieblingsband?» Ich frage: «Welches Lied magst du, obwohl es dir eigentlich peinlich ist? Bei mir ist das ‹My Heart Will Go On› von Celine Dion.» Indem ich eine Schnulze super finde, öffne ich mich und gebe zugleich etwas von mir preis. «Was machst du beruflich?» – Was für eine langweilige Frage! Schiess ­lieber deine Vermutungen ab: «Du bist bestimmt jemand, der in seinem Beruf viel mit Menschen zu tun hat.» Im schlimmsten Fall verneint dein Visavis – findet aber vielleicht, du hast eine ­interessante Seite an ihm gesehen. Auf jeden Fall steigst du gut ins Gespräch ein! Diese Taktik funktioniert beim ersten Date genauso wie in langen ­Beziehungen: «Was ist los?» – «Nix.» – «Ist irgendwas?» – «Nein.» Das sind ­geschlossene Fragen, die niemanden öffnen. Stattdessen solltest du Ich-Aus­ sagen senden, denen dein Gegenüber nicht widersprechen kann: «Ich hab den Eindruck, es gibt etwas, das dich beschäftigt. Wie kann ich dir helfen?»

Kalibriere deine Mitmenschen

Simuliere Nähe zu Fremden

Die grösste Freiheit des Menschen ist die, selbst zu entscheiden, was er von sich preisgibt. Deshalb spielen wir im Alltag oft Rollen. Als Ehemann oder als Tochter geben wir andere Dinge preis als im Job. So funktioniert unser Zusammenleben. Wer versteht, wie sich Menschen in Rollen darstellen, kann lesen, ob sie gerade spielen – oder echt sind. Wie? Indem man Muster im Verhalten erkennt – in der Psychologie nennt man das «kalibrieren». Das heisst, anhand einer Nulllinie Abweichungen zu erkennen. Beobachte: Wie sieht dein Gegenüber normalerweise aus, wenn er lobt? Wie schaut er, wenn er es ernst meinst? Gehen die Augenbrauen nach oben, rückt er nach vorn? Und dann vergleichst du: Wie sieht derjenige aus, wenn er gestresst ist und nur so tut, als meine er, was er sagt? Blinzelt er häufiger? Verschränkt er die Arme? Kalibrieren hilft dir, herauszufinden, ob jemand es ehrlich meint.

Du triffst jemanden, den du nicht kennst, trotzdem möchtest du den ­Eindruck erwecken, als wüsstest du ­alles über ihn. Beim ersten Date zum Beispiel. Das gelingt, wenn du eine ­feine Beobachtungsgabe hast und gut kombinieren kannst. Zum Beispiel schätzt du, wie alt dein Gegenüber 03:07 ist. Dann ist es leicht, dir auszumalen, wie die Sorgen oder Wünsche in diesem Lebensalter aussehen. Nehmen wir etwa an, dein Date ist Ende zwanzig. Da liegt es nahe, dass er oder sie sich fragt, wie es beruflich langfristig weitergeht. Menschen ­Mitte vierzig fragen sich dagegen, was ge­wesen wäre, wenn gewisse Entscheidungen nach der Matura anders Je besser die Stimmung, desto wahrscheinlicher die Zustimmung. In der gefallen wären. Das geht uns allen so, Hypnose gibt es dazu den Fachbegriff es sind hohe Wahrscheinlichkeiten «Rapport»: wenn die Kommunikation für Menschen in einem bestimmten nonverbal, allein mit Körpersprache ­Alter. Mit solchen Annahmen kannst funktioniert. Verliebt sein ist eine du den Eindruck tiefer Empathie ­Ex­tremform davon: Wenn der Partner erwecken.

Sei der Spiegel deines Gegenübers

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NICLAS SEYDACK

Gedanken lesen lernen

Stell bessere Fragen

SAMMY HART

SO TICK T DEIN G EG E N Ü BER


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nickt, nickt die Partnerin auch. Ich habe schon gesehen, dass sie einen Schluck aus dem Glas nimmt und er sich danach den Mund abwischt. Verliebte ergänzen und vervollständigen ihre Bewegungen. Diese Art v­ on Vertrautheit kann man auch simulieren. Ein Sofort-Tipp für den Job: Pass deine Körpersprache deinem Gegenüber an. Wenn dein Chef mit über­ einandergeschlagenen Beinen dasitzt, mach es auch. Unterbewusst werdet ihr euch beide wohler fühlen – weil ihr euch angleicht.

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Flunkere mit einem Lächeln

In seinem neuen Buch «Sag es keinem weiter» erklärt Thorsten Havener, wie ­Geheimnisse unser ­Leben prägen und warum wir sie brauchen – gerade in Zeiten von Big Data, ­Facebook und Co.

«Stell dir mal vor, wie der Fussboden in deinem Kinder­ zimmer aussah, als du fünf Jahre alt warst. Haben sich jetzt gerade deine Augen bewegt, weil du mit ihnen nach der Information in deinem Kopf gesucht hast?» Thorsten Havener

Wir gehen davon aus, dass Menschen immer die Wahrheit sagen. Wir suchen in Gesprächen unterbewusst nach ­Beweisen für diese Annahme. Trotzdem glaube ich: Flunkern ist einer der Schmierstoffe, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Die Frage «Geht’s dir gut?» und die Antwort «Ja» sind ein ­Ritual: Wir zeigen, wir haben uns wahrgenommen. Dir geht’s überhaupt nicht gut, aber du hast keine Lust, deine ­Lebensgeschichte zu erzählen? Dann musst du flunkern. Das geht am besten mit einem Lächeln, das spontan Nähe herstellt. Es gibt eine Methode, Kritik zu ­äussern, ohne jemandem zu nahe zu treten – ein sogenanntes «Sandwich»: «Das ist ein wunderschönes Kleid! Ich bin mir nicht sicher, ob der Schnitt zu dir passt. Aber diese Farbe, wow!» Lob, Kritik, Lob – Kommunikation ist ein Spiel, im Alltag sind solche kleinen Tricks erlaubt. Aber wenn es wirklich ernst ist – wenn es etwa um Liebe geht, um echte Emotion –, hilft nur ­eines: Dann musst du ehrlich sein.

05:00 THE RED BULLETIN 

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Mann mit Haltung: Stöcke unterm Arm, Gewehr auf dem Rücken, Blick voraus – Niklas in idealer Biathleten-Position

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DIE KUNST, COOL ZU BLEIBEN Auf Befehl ruhig und konzentriert sein: Geht das? Wir fragen jemanden, der diese Kunst in seinem Sport beherrschen muss: den Biathleten NIKLAS HARTWEG. Text WERNER JESSNER  Fotos GIAN PAUL LOZZA


«MEIN BLICK HEFTET SICH AN DAS ZIEL, ICH VERINNERLICHE ES.» Wenn der Zwanzigjährige durchs Visier blickt, ist keine Unsicherheit zu erkennen.


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m Start stösst er sich ­aggressiv mit den Stöcken in die Loipe, die Langlauf­ ski fauchen regelrecht über den harten Schnee: Der Schweizer Modellathlet Niklas «Nik» Hartweg, 20, die grosse Nachwuchshoffnung im Schweizer Biathlon, liegt bald auch bei diesem Bewerb in Obertilliach im österreichischen Osttirol in Führung – wie bei so vielen Rennen in den vergangenen Jahren. Sein Puls rast weit jen­ seits der 180 Schläge, die Muskeln müssen unter der Belastung mindestens so brennen wie die Lunge. Nun bremst sich der Mann von der Lenzer­ heide präzise am Schiessstand ein, nimmt sein massgefertigtes Gewehr, bei dem allein der Holzschaft über 2000 Franken kostet, vom Rücken. Legt sich auf die Matte. Repe­ tiert. Zielt. Von aussen ist kein Zittern, keine Unsicherheit zu erkennen. Peng. Das erste Ziel fällt. Peng. Peng. Peng. Peng. Fünf Schuss, fünf Treffer. Souverän. Nik wirft das Gewehr auf den Rücken und macht seine ersten kraftvollen Skating-Schritte, noch bevor er wieder in die Schlaufen seiner Skistöcke geschlüpft ist. Die Gegner liegen jetzt noch weiter hinter ihm als vor dem Schiessen. Doch wie geht das? Wie schafft man es, auf Knopfdruck ruhig zu bleiben, Leistung und Konzentration abzurufen? Können wir

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Der Könner und sein Werkzeug: Allein der Schaft kostet über 2000 Franken.

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Kraftvolle SkatingSchritte, die Stöcke parallel ausgerichtet – perfekte LanglaufTechnik à la Niklas

alle das erlernen, und was bringt diese ­Fähigkeit im Alltag? Hier sind Niks Tipps.

KOMME BEWUSST RUNTER

Biathlon vereint zwei Gegensätze: Auf der Loipe ist Aggression nötig, beim Schiessen Entspannung. Es ist unmöglich, den Schalter in der Sekunde umzulegen. Daher beginne ich rund 400 Meter vor dem Schiessstand bewusst, Gas rauszunehmen, um nicht voller Adrenalin und mit Puls 185 oder mehr auf der Matte zu liegen. Ideal ist, wenn ich den Puls auf 150 Schläge reduzieren kann. Noch wichtiger: Der Kopf muss ein paar Dutzend Sekunden lang Gelegenheit haben, aus dem Aggro-Modus in den Konzentrations-Modus zu wechseln. Wer also zu spät zu seinem Meeting kommt: Nicht bis zur Tür rennen, sondern schon im Lift bewusst langsam werden, den Atem beruhigen, die Frisur richten und bereits mit vollem Fokus auf die kommenden Aufgaben die Tür zum Seminarraum öffnen, anstatt gehetzt hineinzustürzen.

«VOM AGGRO-MODUS IN DEN KONZENTRATIONS-MODUS ZU WECHSELN BRAUCHT ZEIT.» 58  



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«IM IDEALFALL GERÄT MAN IN EINEN FLOW, IN DEM ALLES WIE VON SELBST PASSIERT.» DU BIST SO HEKTISCH WIE DEIN ATEM

Eine einfache Übung, die jeder selbst aus­ probieren kann: Wer es trotz Aufregung schafft, bewusst langsam und tief zu atmen, wird automatisch ruhiger. Das ist bei uns ­Biathleten ganz entscheidend. Am Schiess­ stand atmen wir «mit dem Schuss»: Wir ­koordinieren das Zielen und Abdrücken mit der Atmung. Bewegung und Luftholen ver­ schmelzen zu einer Einheit. Im Idealfall gerät man in einen Flow, in dem alles wie von selbst passiert. Zielen – Atemzug – Treffer. ­Prüfungsfrage – Atemzug – Antwort.

KONZENTRIERE DICH NUR AUF DAS ZIEL

Was man im aufgeregten Zustand nicht brauchen kann, sind zusätzliche Über­ raschungen. Ich nutze die letzten Sekunden vor dem Schiessen, um meine Umgebung ­abzuchecken: Hat es Wind und, wenn ja,

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Technik, die zweite: wieder von oben, diesmal in stilsicherer Hocke für die Abfahrt

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«ELIMINIERE ALLES, WAS DEINE KONZENTRATION SCHWÄCHEN KÖNNTE, SCHON IM VORFELD.»

Faszination Biathlon

Arena Lenzerheide: wo Kraft, Konzentration und Präzision auf­ einandertreffen Biathlon – ein faszinierender Sport, der viele Tugenden vereint, eine absolute Herausforderung für Körper und Geist. Wer mit Ruhepuls geschossen und es noch einmal mit erhöhtem Puls versucht hat, weiss, warum. Es gilt Kraft, Konzentration und Präzision zu bündeln, um Treffer zu landen. Die Biathlon Arena Lenzerheide bietet beste Bedingungen für Freizeit- und Profisportler: Es gibt unterschiedlich schwierige Loipen, einen weltcupkonformen Schiess­ stand mit 30 Plätzen und ver­ schiedene (Schnupper-)Kurse für einen gelungenen Biathlon-Start. biathlon-arena-lenzerheide.ch

wie stark und aus welcher Richtung? Mein Blick heftet sich ans Ziel, ich verinnerliche es, um mich nicht ablenken zu lassen. Wenn ich durch die Zielvorrichtung blicke, weiss ich genau, was mich erwartet. Es gibt keine Überraschungen mehr, ich kann mich auf mein Können, auf meine bewährten und tau­ sendfach trainierten Qualitäten verlassen. Deine Rede wurde von einem kleinen Raum in ein riesiges Auditorium verlegt? Nur keine Panik: Für das Ziel, deinen Vortrag, ändert die Grösse des Raumes genau gar nichts.

SORGE FÜR BEQUEMLICHKEIT

Im Biathlon sind es eine Liegeposition, bei der nichts drückt, und ein Gewehr, das per­ fekt in der Hand liegt: Das erlaubt es mir, in kürzester Zeit das Ziel sicher zu treffen. Neue Befindlichkeiten haben in Situationen grosser Anspannung nichts verloren, genau wie alte Probleme, die du mitschleppst. Der Schuh drückt? Weg damit! Mach dir dein Leben nicht zusätzlich schwer und ­eliminiere alles, was deine Konzentration schwächen könnte – idealerweise im Vorfeld, aber notfalls auch coram publico. Ich drücke den Abzug nicht, solang ich meine ideale ­Position nicht gefunden habe. Es lohnt sich, die Komfortzone in einer unkomfortablen Umgebung zu suchen.

LERNE, MIT DINGEN ZU LEBEN, DIE DU NICHT ÄNDERN KANNST

Die Matte ist eisig, der Nachbar am Schiess­ stand hat mich schon zum dritten Mal un­ absichtlich mit seinem Ski angerempelt? Das wird immer wieder vorkommen, also ­ignoriere ich es, so gut es geht. Ich lasse Ge­ danken, die mich nicht weiterbringen, nicht in meinen Kopf kriechen, sondern bleibe geistig ganz bei meinem Ziel. Ein Verkehrs­ stau löst sich auch nicht schneller auf, bloss weil ich mich darüber ärgere. Ich habe da­ nebengeschossen und muss auf eine Straf­ runde? Ist bereits passiert, warum also die Energie des Sich-Ärgerns darauf vergeuden? Lieber blicke ich nach vorn.

SCHALTE DEN KOPF AUS

Leichter gesagt als getan, ich weiss. Und den­ noch lohnt es sich immer wieder, sich das vorzusagen, wenn es losgeht. Es gibt nur das Ziel, nichts anderes. Was die anderen grad von dir denken, welche Grimasse du ziehst, wie schön die Krawatte gebunden ist? Irrelevant, sobald du deine Rede begonnen hast. Es geht ums Tun, nicht darum, wie du wahr­ genommen wirst.

ROUTINE IST DEIN FREUND

Ich verschiesse pro Jahr rund 15.000 Patro­ nen – unter allen möglichen äusseren Um­ ständen. Bei Sonnenschein und Regen, bei Wind und Schnee. Im Training provozieren wir Ablenkungen: Teamkollegen stehen in meinem Rücken und reissen dumme Witze, während ich ziele. Oder der Trainer stellt eine Box mit lauter Musik neben meinem Kopf auf. Daher ist es mir egal, ob ich vor tausenden lärmenden Zuschauern performe oder im Wintersturm allein im Wald. Über­ raschungen sind beinahe ausgeschlossen. Ich kann mich auf das verlassen, von dem ich weiss, dass ich es kann. Und muss mich nicht mit neuen Situationen herumschlagen, die mich nervös werden lassen könnten.

Nik bei einem Bewerb in Lenzerheide: Geschossen wird nur in der perfekten Position.

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ALAMY

LEBE MIT DER NERVOSITÄT

Es ist völlig normal, aufgeregt zu sein. Eine gewisse Grundspannung gehört einfach dazu. Beruhigungsmittel vor einer wichtigen Prüfung? Schwachsinn! Ich geniesse es, ­meinen rasenden Puls zu spüren, wenn ich mich am letzten Schiessstand zum stehenden Schiessen aufstelle. Ich fühle mich wach und lebendig. Positiver Nebeneffekt: Je schneller das Herz schlägt, desto flacher schlägt es auch – desto einfacher ist es, eine ruhige Hand zu behalten. Dagegen anzukämpfen wäre also kontraproduktiv.


Niklas Hartweg: Junger Mann mit klarem Blick – selbst im Fotostudio bleibt er stets fokussiert.


Einsatz in der Mordwand MARC ZIEGLER rettet Bergsteiger mit dem Helikopter aus der berühmt-berüchtigten Eigernordwand. Hier erzählt er über seinen hochfliegenden Job, den Umgang mit dem Tod und seinen schwersten privaten Kampf. Text DIETER LIECHTI  Fotos TERO REPO


Rettung naht: Marc Ziegler auf seinem luftigen Posten unterhalb des Helikopters

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«Angst? Nein, Angst vor der Eigernordwand hatte ich noch nie.»

Die Rotorblätter des Helikopters surren schon: Marc Ziegler schleppt den Retter-­ Rucksack an Bord.

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THE RED BULLETIN


MARC ZIEGLER geboren am 10. Septem­ ber 1965, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Das Motto des Betriebs­ ökonomen, Bergführers und ­Helikopterpiloten: «Never ever give up.» ­Erklärtes privates Ziel: endlich einen Wheelie mit dem Mountainbike schaffen.

M

arc Ziegler legt den Pager auf den Tisch, setzt sich auf einen Stuhl und geniesst den Blick von seinem Balkon in Grindelwald auf die imposante Berner Oberländer Bergwelt: Wetterhorn, Mettenberg, Fiescherhorn und – natürlich – den Eiger. Diese steingewordene, 3970 Meter hohe Trutzburg, deren Nordseite sich lange gegen ihre Besteigung gewehrt hat. Mehr als 70 Menschen verloren im Duell mit der Eigernordwand ihr Leben – zuletzt im vergangenen Jahr der Schweizer Profi-­Bergsteiger Julian Zanker, 28. ­Ausgerutscht. Abgestürzt. Geborgen von Marc Ziegler, dem Rettungschef der Alpinen Rettung Grindelwald. «Leben und Tod liegen in den Bergen nahe beieinander», sagt Ziegler. Er hat in seiner 20 Jahre dauernden Karriere als freiwilliger Bergretter und Helikopter-­ Rettungsspezialist Dutzende Bergsteiger aus der Nordwand geborgen. «Leider auch Tote.» Seit der Erstbesteigung der bis dahin als unbezwingbar geltenden «Mordwand» am 24. Juli 1938 durch die Österreicher Fritz Kasparek und Heinrich Harrer sowie die beiden Deutschen Andreas Heckmair und Ludwig Vörg (siehe Seite 71) wurden an der 1800 Meter hohen Eigernordwand immer neue Routen ausgetüftelt, immer

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schneller ging’s nach oben: 2015 stellte der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck mit 2 Stunden und 22 Minuten über die Heckmair-Route den aktuellen Rekord auf. Eineinhalb Jahre später, am 30. April 2017, kam er bei einem ­Unfall am Nuptse, nahe dem Mount ­Everest, ums Leben. Marc Ziegler steht auch auf Tempo. Aber nicht beim Klettern, sondern auf seinem Motorrad, auf Ski oder dem Mountainbike – und wenn er über den ­Pager alarmiert wird. «Dann bleiben mir nur sechs, sieben Minuten, bis mich der Helikopter der Rega hinter dem Haus oder beim Arbeitsplatz abholt.» In dieser kurzen Zeit muss er sich umziehen, das benötigte Material packen und sich mental auf den Einsatz vorbereiten. «Das tönt einfacher, als es ist», erklärt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen. «Zehn Minuten nach dem Alarm hängst du auf fast 4000 Meter Höhe unter einem Helikopter an der 90-Meter-Winde – oder im Extremfall an der bis zu 225 Meter langen Long Line – und versuchst, Leben zu retten. Da musst du schon sehr konzentriert sein, denn Fehler können verheerende Folgen haben.» Hilft ihm dabei seine jahrelange Routine als Helikopter-Rettungsspezialist? «Routine? Nein, so etwas gibt es bei der Bergrettung nicht. Jeder Fall ist anders»,   65


«Gottlob sind nie Menschen gestorben, die wir über Nacht hatten zurücklassen müssen.» sagt er. «Wo müssen wir retten? Wie ist der gesundheitliche Zustand des Opfers? Was macht das Wetter? Es gibt so viele Faktoren, die wir nicht beeinflussen kön­ nen, die jedoch über das Gelingen einer Rettung entscheiden. Möglicherweise über Tod oder Leben. Da kann man sich keine Routine leisten, sondern muss im Team unter schwierigsten Bedingungen im Hochgebirge funktionieren, Entschei­ dungen in Sekundenbruchteilen fällen.» Stets mit dem Ziel, die Menschen um jeden Preis zu retten? «Nein, nicht um j­ eden Preis», korrigiert der Chef der ­Alpinen Rettung Grindelwald. «Im Vorder­ grund stehen die eigene Sicherheit und die des Rettungsteams. Kein Unfall bei der Rettung – das ist höchstes Gebot. Ist das nicht gewährleistet, bricht man ab.» Und lässt Menschen am Berg zurück? «Ja, wenn es gefährlich wird für das Ret­ tungsteam. Vor allem in der Eigernord­ wand kann es vorkommen, dass man die Bergung wegen Steinschlags auf den frühen Morgen des nächsten Tages ver­ schiebt – auch wenn man Menschen am Berg zurücklassen muss.» Ist ihm das schon passiert? «Schon ein paarmal. Und es ist ein Scheissgefühl.» Haben die zurückgelassenen Berg­ steiger überlebt? «Ja! Gottlob sind in den vergangenen Jahren nie Menschen in der Nordwand gestorben, weil wir sie über Nacht zurücklassen mussten. Dafür bin ich wirklich dankbar.»

T

rotzdem spielt der Tod eine wich­ tige Rolle in Marc Zieglers Leben. Und er, der längst aus der Kirche ausgetreten ist, hat über die Jahre gelernt, damit umzugehen. «Am Anfang meiner Karriere habe ich die Einsätze in allen Details meiner Frau geschildert», sagt er. «Das war keine gute Idee – ich hatte zwar meinen Ballast abgeladen und schlief wie ein Baby, aber meine Frau machte kein Auge mehr zu.» An den Tod will er sich zwar bis heute nicht gewöhnen, aber er weiss, wie man so etwas mental verarbeitet. Und im Not­ fall können die Bergretter auf ein profes­ sionelles Careteam, den Dorfpfarrer oder den Psychiatrischen Dienst der Rega zu­ rückgreifen. «Das sind gute Werkzeuge», hat ihn die Erfahrung gelehrt. «Aber auch Gespräche unter Kollegen und im Team helfen – oder das Vorträgehalten. 66  

ALLES GUTE KOMMT VON OBEN Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) in Zahlen

11.000

Einsätze fliegen die Rettungshelikopter der Rega jährlich. Am häufigsten werden sie zu Einsätzen infolge von Krankheit sowie bei Wintersport-, Verkehrs-, ­Arbeits- und Bergunfällen gerufen.

1952

wurde die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega gegründet, um medizinische Hilfe aus der Luft zu leisten. Sie beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Nach den Grundsätzen des Roten Kreuzes rettet sie unabhängig vom Ansehen der Person, der finanziellen Mittel, der sozialen Stellung, der ­Nationalität, der Rasse, des Glaubens oder der politischen Überzeugung.

1414

ist die Notfall-Rufnummer, mit der man rund um die Uhr medizinische Hilfe anfordern kann.

30

Franken im Jahr kostet die Rega-­ Gönnerschaft für eine Einzel­ person, 70 Franken für eine Familie.

25

Prozent der Rega-Helikopter­ einsätze finden in der Nacht statt. Als erste zivile Rettungs­ organisation setzte die Rega in den 1980er-Jahren Nachtsichtgeräte ein, damit die Piloten auch im Dunkeln fliegen können.

18

Rettungshelikopter und drei ­Ambulanzjets bringen jährlich gut 10.000 Patientinnen und Patienten medizinische Hilfe.

12

Rega-Basen in der Schweiz ermöglichen den Rega-Crews, ihren Einsatzort innerhalb weniger Flugminuten zu erreichen.

3,5

Millionen Gönnerinnen und Gönner unterstützen die Rega mit einem jährlichen Beitrag.

1

App. Schon tausenden von Menschen hat die Rega-App in der Not geholfen. Sie übermittelt bei einer Alarmierung ­automatisch den Standort des Alarmierenden an die Rega-Einsatzzentrale. rega.ch


Ein Anblick, den hilflos in der Wand hängende Menschen lieben: Marc Ziegler lässt sich vom Helikopter herab.


Teamgeist: Die Besatzung eines Rettungs­ hubschraubers besteht aus vier Personen.

Denn je mehr man über die Schicksale und Einsätze spricht, desto besser und schneller kann man sie verarbeiten.» Tönt logisch und funktioniert fast ­immer. «Wenn ich die Opfer einer ­Bergung nicht kenne, dann ist es für mich Arbeit. Ein Auftrag, den ich nach bestem Wissen und Gewissen erledige.» Ganz anders sieht es aus, wenn Ziegler Opfer bergen muss, die er persönlich kennt. Dann g ­ erät auch er aus dem Gleichgewicht. «Oder Kinder», Marc Ziegler schüttelt den Kopf. «Das ist das Schlimmste. Ein Horror! Auf das kann man sich nicht vor­bereiten. Und man fragt sich immer: Wieso?» «Wieso?» Eine Frage, die sich der ­studierte Betriebsökonom und Leiter des «Ausbildungszentrums Seilbahnen Schweiz» vor ein paar Jahren monatelang gestellt hat. Denn der ältere seiner beiden Söhne, Pascal, kämpfte mit zehn Jahren gegen den Krebs. «Seine Lymphdrüsen waren befallen», erinnert sich Marc Ziegler an seinen schwersten und längsten Einsatz. «Und dann stehst du am Bett deines Kindes und merkst, dass dir all dein Wissen und deine Erfahrung als Retter nicht helfen.» Pascal hat die Krankheit inzwischen besiegt. Und Marc Ziegler, der sich beim Gespräch vehement dagegen gewehrt hat, in dieser Story als Held bezeichnet zu werden, hat am Krankenbett seines Sohnes seine eigenen Helden gefunden. «Es ist unglaublich, was das Personal in den Spitälern leistet», schwärmt Ziegler. «Wir fliegen zum Unfallort, bergen und übergeben die Unfallopfer den Sanitätern oder Ärzten. Dann ist unser Job 68  



BLITZSCHNELL EINSATZBEREIT In der Alpinen Rettung arbeiten 3000 Freiwillige.

Die Alpine Rettung Schweiz (ARS) leistet Einsätze für in Not geratene und hilfsbedürftige Menschen im alpinen, voralpinen und schwer zugänglichen Gebiet der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. Die ARS ist eine selbständige gemeinnützige Stiftung, die durch die Rega und den Schweizer Alpen-Club SAC getragen wird. Die 86 Rettungsstationen der sieben Regionalvereine sind so über Voralpen/ Alpen und Jura verteilt, dass die in ­diesem Gebiet organisierten rund 3000 freiwilligen Retterinnen und ­Retter in kürzester Zeit einen Einsatzort erreichen können. Mit vier Steuer-­ Rappen pro Jahr unterstützt jeder ­Einwohner und jede Einwohnerin der Schweiz die Alpine Rettung.

erledigt. Doch in den Spitälern werden viele Patienten wochen-, monate- oder sogar jahrelang betreut. Rund um die Uhr. Das ist eine immense Belastung, und ich bewundere die Ärzte und das Pflegepersonal für diese Leistung und Hingabe. Sie sind die wahren Helden.»

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en Heldenstatus sucht er nicht, Geld für die Rettung gibt’s nur ­wenig. Warum also begibt sich Marc Ziegler in Gefahr, um anderen, meist fremden Menschen zu helfen? Ein Helfersyndrom? «Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht. Ich habe keine schlüssige Antwort darauf. Aber natürlich ist es ein zutiefst befriedigendes Gefühl, wenn man Menschen aus einer misslichen oder gefährlichen Situation retten kann. Ob das

Leinen los? Marc Ziegler wirft einen prüfenden Blick nach unten, bevor es endgültig ernst wird.

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REGA

«Je mehr man über die Schicksale und Einsätze spricht, desto besser und schneller kann man sie verarbeiten.»

THE RED BULLETIN 

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Im Extremfall baumelt Ziegler in 4000 Meter Höhe an einer 225 Meter langen Leine, der «Long Line».


«Die meisten Menschen wollen das Erlebte vergessen.»

Marc Ziegler, ein offenherziger Retter: «Als Kletterer bin ich nie in die Nordwand gestiegen.»

SPÄTER GIPFELSIEG

Wie ein deutsch-österreichisches Quartett erstmals die Eiger­ nordwand bezwang. «Halb erfroren, zerschlagen und zerschunden erreichten wir endlich die höchste Spitze.» So beschrieb Fritz ­Kasparek den historischen Moment am 24. Juli 1938: Er und sein österreichischer Landsmann Heinrich Harrer sowie die beiden Deutschen Andreas Heckmair und Ludwig Vörg waren am Gipfel ihrer Bergsteiger-Träume an­ gekommen – als erste Menschen hatten sie nach drei Tagen die bis dahin als ­unbesiegbar geltende Eigernordwand bezwungen. Dutzende Seilschaften aus ganz Europa waren zuvor gescheitert. Viele Bergsteiger bezahlten mit ihrem Leben. «Die Wand ist eine Besessenheit für Geistesgestörte», warnte das britische «Alpine Journal» – bis es dem Quartett gelang, den Mythos der un­ besiegbaren Nordwand zu brechen. THE RED BULLETIN 

ein Helfersyndrom ist? Möglicherweise.» Feiert man erfolgreiche Rettungseinsätze? «Das ist das Berner Oberland und nicht Hollywood», sagt Ziegler und lacht. «Doch wenn alles bestens geklappt hat und die Hilfesuchenden gerettet wurden, dann setze ich mich gerne hin und rauche eine Zigarette. Und das, obwohl ich eigentlich Nichtraucher bin. Die ominöse ‹Zigarette danach› hat es in sich.» Bleibt er mit den Geretteten in Kontakt? «Selten. Die meisten Menschen wollen ja mit dem Unfall abschliessen und das Erlebte vergessen.»

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elchen Einsatz wird er nie vergessen? «Eine BASE-Jumperin aus den USA ist an einem Felsvorsprung der Nordwand hängen geblieben», erinnert sich Ziegler. «Sie hing hilflos an der Wand, beide ­Beine gebrochen. Als ich sie befreit und gesichert hatte und dem Heli das Signal zum Hochziehen gab, fragte sie mich ganz ängstlich: ‹Is this safe?›» Aber auch

die Koreaner, die er mit der Long Line aus der Wand geholt hat, haben sich in seinem Gedächtnis verewigt: «Kaum ­hatten sie wieder festen Boden unter den Füssen, zückten sie die Rega-Gönnerkarte und freuten sich: ‹We have insurance …›» Der Pager, den Marc Ziegler während elf Wochen Pikettdienst pro Jahr mit sich trägt, bleibt heute still. Sein Dienst dauert nur noch bis Ende dieser Woche. Dann ist mehr Büroarbeit angesagt. Theo­ rie statt Praxis. Und am Abend schraubt er an seinem Motorrad. Nach zwei erfolglosen Versuchen soll die Maschine endlich den Lärmtest beim Strassenverkehrsamt bestehen. «Das ist eines meiner aktu­ ellen Ziele», erklärt Ziegler. «Denn ohne Ziele funktioniere ich nicht.» Wie wär’s mit einer Besteigung der Eigernordwand? «Nein, danke. Als Retter kenne ich ­ohnehin fast jede Ecke», meint Ziegler schmunzelnd. «Aber als Kletterer bin ich nie in die Nordwand gestiegen. Dazu bin ich zu wenig gut.»   71


Hochleistungskunst Wie die Sportwissenschaft Ballett neu erfindet

Text MARK BAILEY Fotos RICK GUEST


74 Kilogramm leicht­ füssige Power: der Londoner Meister­­ tänzer Matthew Ball



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Auf der Bühne: Schönheit und Grazie. Hinter den Fassaden: Schmerzen, Leistungsdruck, geschundene Körper, entzündete Muskeln. Jetzt macht eine neue Tänzergeneration des Londoner Royal Ballet die alte Tante Ballett zukunftsfit. Und nutzt dafür die neuesten Erkenntnisse innovativer Sportwissenschaft.

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enn Gemma ­Pitchley-Gale nicht gerade mit rosa Spitzenschuhen im Londoner Royal Opera House ­Pirouetten dreht, stemmt sie in der Kraft­kammer gusseiserne Langhanteln. Die zierliche Tänzerin des welt­berühmten Londoner Royal Ballet schafft im Kreuzheben 97,5 Kilo, also mehr als das Doppelte ihres Körpergewichts von 47 Kilogramm. «Die Leute halten uns für zerbrechlich», sagt die Südlondonerin, «aber da liegen sie falsch.» Beispiele gefällig? Ihre Kollegin Claire Calvert trainierte mit Squats und 100-Kilo-Gewichten für ihre Rolle als Zuckerfee im «Nussknacker». Der Waliser William Bracewell schafft beim Wadenheben mit seinem eigenen Körpergewicht 45 Wiederholungen. Der Australier Alexander Campbell, ein weiterer Tänzer aus Pitchley-Gales Ensemble, bewegt während einer durchschnittlichen Fitness-Einheit insgesamt dreieinhalb Tonnen – das ist so viel wie ein vollbeladener Ford Transit. Und Matthew Ball, ein Liverpooler mit dem Aussehen eines Boygroup-Stars, legt sich für ­seine einbeinigen Kniebeugen das Vierfache ­seines Körpergewichts auf. «Muss sein», sagt der 26-Jährige, dessen Adern bei jeder Geste dick am Bizeps hervortreten. «In der Aufführung

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­ irken bei jedem hohen Sprung 500 Kilogramm w auf meine Beine.» Ballett mag eine hochästhetische Kunstform sein. Zugleich ist es aber eine Mordsschinderei: Für Klassiker wie «Schwanensee», «Aschen­ brödel» oder «Romeo und Julia» proben die ­Tänzer sechs Stunden am Tag, dazu kommen vier Auftritte pro Woche. Die von blutigen Blasen, blauen Flecken und Schrammen gemarterten Füsse der rund hundert Tänzer des Royal Ballet tanzen pro Jahr 12.000 Schuhe durch. Und da ist das, was als «richtige» Verletzungen gilt – Dinge ab Bänderriss oder Verstauchungen –, noch gar nicht eingerechnet. Genau 6,8 solcher Blessuren sind es im Schnitt pro Jahr und Tänzer, genauso viele wie beim American Football. Am Morgen schlurft müde eine Kompanie schlaksiger Figuren mit markanten Wangen­ knochen in das luftige Probestudio – die Frauen in Tutus und Beinstulpen, die Männer in engen Shorts und weiten Oberteilen. «Zu dieser Tageszeit tut hier jedem alles weh», sagt Pitchley-Gale und lacht. 75 Minuten Aufwärmen, dann beginnt die harte Arbeit, manchmal durchgehend von zwölf bis halb sieben. Von der Probe geht es direkt zum Auftritt, einer schillernden Feier vollendeter Körperbeherrschung vor 2250 Zuschauern. «Vor eins bin ich nie zu Hause», sagt Campbell, «und um 9.30 Uhr beginnt schon die nächste Probe.» Fast unglaublich: Bis vor kurzem wurden die körperlichen Belastungen, denen Balletttänzer ausgesetzt sind, nicht wirklich professionell ­untersucht. Erst 2013 eröffnete das Royal Ballet die Mason Healthcare Suite – eine hochmoderne Einrichtung mit 17 Sport- und Ernährungs­ wissenschaftlern, mit Physiotherapeuten, THE RED BULLETIN


Beweglichkeitstraining: Claire Calvert an ­einer  hochmodernen Gyrotonic-Maschine

­ asseuren und Psychologen. Ihr Ziel: bessere M Erholung, weniger Verletzungen, höhere Leis­ tungsfähigkeit. «Anfangs hat mich das Arbeitspensum der Tänzer richtiggehend schockiert», sagt Klinik­ leiter Greg Retter, der zuvor britische Olympia-­ Athleten betreute. «Hochleistungssportler stim­ men ihre Form auf Saisonhöhepunkte ab. Doch Balletttänzer müssen permanent 100 Prozent ­geben, bei jeder Probe, mehrmals am Tag, von September bis Juni. Und manchmal studieren sie gleichzeitig sechs Choreografien ein.» Das Ziel dieses brutalen Trainings nennt sich neuronale Plastizität, auf gut Deutsch also «an­ passungsfähiges Muskelgedächtnis». «Niemand kann komplexe Bewegungsmuster so schnell und so gründlich verinnerlichen wie Balletttänzer», sagt Retter. Ebendiese Fähigkeit macht Ballett so anspruchsvoll – und so ästhe­ tisch. «Ein Balletttänzer setzt jeden Schritt in makelloser Perfektion. Die Position jedes Arms, jedes Fingers ist in jeder Sekunde genau vor­ gegeben», erklärt Calvert. Das Problem dabei: Unser Körper ist nicht fürs Balletttanzen geschaffen. «Schon die THE RED BULLETIN 

Grundstellung, das ‹en dehors› (die Ausdrehung der Beine, bei der Knie und Zehen nach aussen zeigen; Anm.), ist einfach unnatürlich.» Retters Team begann, Daten zu sammeln, von der Aufprallenergie bis zu Muskelaktivierungs­ mustern. Zum Einsatz kamen dabei die gleichen Kraftmessplatten, mit denen auch die Astro­ nauten der Europäischen Weltraumorganisation trainieren, dazu Sauerstoffmasken sowie Elektro­ myographie- und Herzfrequenzgeräte zur Mes­ sung der Muskelaktivität. Der nüchterne Blick der Sportwissenschaft förderte Erstaunliches zutage. Denn nicht nur Laktatüberschuss, Herzüberlastung und Sauer­ stoffnot sind Dauerbegleiter der Tänzer. Bei der Landung von Tanzfiguren müssen männliche Tänzer Kräften von bis zu 6000 New­ ton standhalten – um ein Fünftel mehr als bei ­einem Kinnhaken von Schwergewichtsboxer ­Anthony Joshua. Bei Tänzerinnen sind es 4000 Newton, mehr als ein knochenbrechendes Tackle im Rugby. Dazu kommt der Stress: In einer Aufführung kann der Laktatwert noch einmal um acht Pro­ zent ansteigen.   75


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och warum kamen Tänzer – anders als Sportler, Abenteurer und Soldaten, die seit Jahrzehnten von der Arbeit mit Sportwissenschaftlern profitieren – nie in den Genuss von professionellem Krafttraining, Ernährungstipps, Erholungsplänen oder tech­ nischen Innovationen? Und warum nahm man die Schmerzen und Verletzungen infolge unmenschlicher Belastun­ gen unwidersprochen in Kauf? «Ich habe 2005 meinen Abschluss an der ­Royal Ballet School gemacht, und in meiner Zeit dort hat man uns nur ein bisschen Pilates und Stretching angeboten», sagt Pitchley-Gale. Während sie selbst einen Personal Trainer ­engagierte, gingen andere mit ihrem Körper ­weniger sorgsam um: Der damalige Solist Eric Underwood gab zu, dass er getrunken, geraucht und Burger gegessen hatte. Und der ukrainische Tänzer Sergei Polunin nahm sogar Drogen und feierte exzessive Partys.

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s war jedenfalls Zeit für einen Paradig­ menwechsel. Aber davor galt es, noch eine Hürde zu nehmen. Denn Tänzer sind keine Athleten, sondern Künstler, die durch den Ausdruck ihres Körpers Emotionen auslösen möchten. Klassische Werte wie Anmut und Eleganz haben für sie instinktiv mehr Be­ deutung als knallharte Daten wie Beinkraft oder Sprunghöhe. Dazu kommt die Tradition. Ballett ent­ stand an den Renaissance-Höfen im Italien des 15. Jahrhunderts, und viele der berühmtesten Stücke stammen aus dem 19. Jahrhundert, ­darunter «Dornröschen» (1890 uraufgeführt), «Der Nussknacker» (1892) und «Schwanensee» (1895). Bis heute dient Tradition den Tänzern auch als Inspiration. Doch sie grenzt auch die Möglichkeiten ein – und verhindert die ­Weiterentwicklung. Vielleicht hat Klinikleiter Greg Retter ja eine Perspektive gefunden, die beide Welten ver­ binden kann. «Kraft, Fitness, psychisches Wohl­ befinden und ausgewogene Ernährung sind kein Selbstzweck», sagt er seinen Klienten, «sondern die Voraussetzung dafür, dass du eine komplexe Choreografie performen und deine Leidenschaft auf die Bühne übertragen kannst.» Die Revolution brach nicht nur im Royal ­Ballet aus. Im Jahr 2012 taten sich mehrere britische Tanz-Institutionen und Universitäten zum Natio­ nal Institute of Dance Medicine and Science (NIDMS) zusammen, um die Forschung in dieser Disziplin zu fördern. Die Erkenntnisse waren ohne Übertreibung bahnbrechend: Eine Studie wies nach, dass ein Jahr Krafttraining die Verletzungshäufigkeit von Tänzern um 59 Prozent senkt. Eine andere, dass schon sechs Wochen Konditionstraining die ­tänzerischen Kernkompetenzen Bewegungs­ 76  



kontrolle, räumliches Bewusstsein, Timing und Rhythmusgefühl deutlich verbessern. Seit diese Daten auf dem Tisch liegen, kam es bei vielen aufgeschlossenen und ehrgeizigen Tänzern allmählich zu einem Umdenken gegen­ über ­Innovationen. «Ballett ist eine alte, fest in der Tradition verhaftete, stark formalisierte Kunstform. Aber das heisst nicht, dass wir nicht weiterlernen können», sagt Ball. Im hauseigenen Fitnessstudio ist die Zeiten­ wende schon im Alltag angekommen. Jeden Tag schwingen hier fliegengewichtige Tänzer Kugel­ hanteln und Battle Ropes oder schwitzen beim Squat-Training mit schweren Gewichten. Das Krafttraining schützt sie vor Muskelverletzungen, fördert die Knochengesundheit, verbessert die Sprungkraft und hilft beim Abfedern der Aufprallenergie. Damit die Grazie beim Muskelaufbau nicht verlorengeht, wenden die Sportwissenschaftler innovative Techniken an. Kraftmessplatten messen die Explosivkraft, Langhantel-Sensoren Geschwindigkeit und ­Wiederholungen. «Ich dachte, ich würde im Fitnessstudio dicke Beine kriegen. Aber wir trainieren intelligent, damit genau das nicht passiert», verrät Calvert. Als ideal erwiesen sich schwere Gewichte und wenige Wiederholungen, die mit hoher Ge­ schwindigkeit ausgeführt werden. Denn das ­maximiert die Kraft durch effizientere Muskel­ kontraktion und stärkere elektrische Impulse in den Muskelfasern – ohne dass dabei dicke Muskelpakete entstehen. Der Effekt? «Ich stecke die Proben jetzt viel besser weg als früher», sagt Bracewell, «und ­meine Kreuz-, Sprunggelenks- und Knieprobleme sind fast völlig verschwunden.» Auch auf der Bühne merkt er einen deut­ lichen Unterschied. «Wenn du beim Kreuzheben Gewichte gehievt hast, die fünfmal so schwer sind wie deine Tanzpartnerin, werden Hebe­ figuren plötzlich zum Kinderspiel.»

AUSDAUER: Claire Calvert Als Erste Solistin (der Rang knapp unter der Haupttänzerin) spielte Calvert unter a­ nderem die Fliederfee in «Dorn­ röschen». 2013 erlitt sie eine osteochondrale Läsion, eine kleine Knorpelverletzung am Sprunggelenk. Der mitbetroffene Muskel schrumpfte auf die Hälfte seiner normalen Grösse und hinterliess ein 1,5 Zentimeter gros­ ses Loch im Knorpel. Um Gelenke und Muskeln zu stärken, machte sie Kreuzheben und Knie­ beugen mit schweren Gewichten. «Ich trai­ niere, seit ich elf bin», sagt die 31-Jährige, «aber jetzt weiss ich erst, wie sehr Fitness­ training mir hilft, eine bessere T ­ änzerin zu werden.»

«Unser Körper ist anpassungsfähig», sagt Claire Calvert, «aber niemand ist fürs Ballett geboren.»

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ClairetoCalvert muscle half itsvereint normal geballte Kraft mit ge­ size and leaving a 1.5cm holeradezu in the übermensch­ cartilage. She licher Biegsamkeit. started doing heavy


FITNESS: Alexander Campbell Der 34-jährige Primo­ ballerino aus Sydney spielte schon berühmte Rollen wie den Prinzen im «Nussknacker». «Du wirst besser, je mehr du trainierst. Aber umso schlechter, je ­müder du bist», sagt er. Darum trainiert er am Ruder­gerät und gleicht dabei sein Pensum an die Ansprüche bevorstehender Rollen an. «Ich kam mit fünf Jahren zum Ballett, spielte aber auch Aus­tralian Football, Cricket und Fussball. Als ich zum ersten Mal Recovery Boots und Eisbäder ­vorschlug, hielten mich alle für verrückt. Jetzt verwenden wir sie die ganze Zeit.»

Primoballerino Alexander Campbell ist Teil der sport­ wissenschaftlichen Revolution.


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uch Matthew Ball, der Nachwuchsstar der neuen Tänzergeneration, findet, dass Krafttraining das Niveau seiner Darstellung deutlich verbessert hat: «Ich liebe hohe Sprünge – und Squats mit ­schweren Gewichten sind dafür die perfekte ­Vorbereitung.» Doch wie hilft die technologische Unter­ stützung genau, die Bühnen-Performance des ­Royal Ballet zu verbessern? Elektromyographie-Tests helfen den Tänzern, eher vernachlässigte, fussstabilisierende Muskeln wie den medialen Gastrocnemius (auf der Rück­ seite der Wade) zu stärken. Kraftmess­platten zeigen, wie man schonender landet. Und dank den Herzfrequenztests kann sich ­jeder Tänzer sein Fitnessprogramm perfekt ­massschneidern lassen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Re­ge­ neration. Mit Gyrotonic-Maschinen trainiert man durch ein Seilsystem die Dehnbarkeit. Für die Kältetherapie werden die gleichen «Game Ready»-Beinwickel eingesetzt, die auch die Fussballer von Manchester City verwenden. Und ­aufblasbare RP-X-Erholungsstiefel pressen nach den Proben und Trainings die Milchsäure aus den Muskeln. «Du fühlst dich, als würde wieder frisches Blut durch deine Beine pumpen», sagt Pitch­leyGale. All diese Aktivitäten werden mit «Smarta­ base» überwacht, einer Datenanalyse-Plattform, die auch von dem National-Football-League-­ Team der Dallas Cowboys verwendet wird.

­ eitertanzen», sagt Calvert. Inzwischen folgen w die Tänzer den ausgeklügelten tanzgerechten ­Ernährungsplänen von Royal-Ballet-Diätologin Jacqueline Birtwisle. Sie hat schon für das ­Rugby-Team der Leicester Tigers und den Ruder­ verband British Rowing gearbeitet. Um ihren enormen Energiebedarf zu decken, essen die Tänzer leicht verdauliche Lebensmittel wie Porridge, Rührei, Risotto, Hummus, Salat, ­griechischen Joghurt, Baked Beans oder Buddha-­ Bowls. Dann Omega-3-reiche Fische wie Lachs, Makrele, Sardelle, Sardine und Hering, um die Muskelregeneration zu unterstützen. Und ge­ kocht wird mit Oliven- statt Sonnen­blumenöl, um Entzündungen vorzubeugen.

Balletttänzer haben das gleiche Verletzungsrisiko wie American-Football -Spieler.

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och Balletttanzen ist nicht nur harte körperliche Arbeit. Auch Psychologie und Neurowissenschaft können dich zum besseren Tänzer machen. So hilft die Arbeitspsychologin Britt Tajet-Foxell den Künstlern, negative Gedanken mit positiven ­Bildern zu überblenden. Eine Tänzerin verglich ihren verletzten Knö­ chel zum Beispiel mit einem gebrochenen Zweig – und lernte, sich beim Gedanken daran lieber Bilder von fliessendem Wasser und einem blau­ en Himmel vorzustellen. «Nach einem Beinbruch hatte ich Angst vor den Landungen», erinnert sich auch Pitchley-­ Gale, «jetzt habe ich gelernt, in solchen Situa­ tionen gezielt an frühere Erinnerungen erfolg­ reicher Auftritte anzuknüpfen.» Auch gegen allgemeinen Stress gibt es einen Trick: Die Tänzer werden angewiesen, die ver­ schiedenen Bereiche ihres Lebens – wie Ballett, Familie, Finanzen – in imaginäre Räume auf­ zuteilen und diese «aufzuräumen», einen nach dem anderen. Der hektische Probenplan macht auch die Planung regelmässiger und ernährungsphysio­ logisch einwandfreier Mahlzeiten zur Heraus­ forderung. «In 15 Minuten Pause kannst du dir kein Menü reinschieben und danach sofort

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Während einer durchschnittlichen Workout-Session stemmt Campbell in Summe das Gewicht eines Klein­transporters.

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Bracewells RP-X ­Recovery Boots ­verbessern mittels Muskelkompression die Durchblutung nach dem Training.

PRÄZISION: William Bracewell Der in Swansea ge­ borene 28-jährige Erste Solist ist es gewohnt, schwierige Rollen zu übernehmen. Aktuell spielt er an aus­gewähl­ ten Terminen die Haupt­ rolle in der Royal-­BalletProduktion von «Romeo und Julia». «Am härtes­ ten war ‹Obsidian Tear›» (Ballett von Choreograf Wayne M ­ cGregor aus dem Jahr 2016, Anm.), sagt Bracewell. «Diese 25 Tanzminuten waren unfassbar intensiv.» Sein Ernährungsplan für eine optimale Per­ formance: «Zwei Stun­ den vor einer Show ­Pasta für die Energie. Und danach Pro­teine, um die Muskeln zu repa­ rieren.» Bracewell lernte auch Visualisierungs­ techniken. «Ballette sind sehr verschieden», sagt er. «Ich stelle sie mir als unterschied­ liche Gebäude vor. Im Buckingham Palace benimmst du dich ja auch anders als in ­einer Lager­halle. So zu denken hilft mir, mich zu konzentrieren.»


KRAFT: Gemma Pitchley-Gale Als «First Artist» ist die 32-Jährige aus ­Südlondon ein hoch­ rangiges Mitglied des Corps de Ballet, das auf der Bühne auf­ wendig choreografierte Gruppentänze aufführt. ­Neben anmutigen Posen und Backstage-Selfies finden sich auf ihrer ­Instagram Site auch ­Videos vom Gewicht­ heben im Fitnessstudio. «Keine Ballerina will wie eine Bodybuilderin aussehen. Doch wenn man es richtig macht, wird man stärker, ohne Muskelpakete zu bekommen. Ich fordere meinen Trainer immer dazu auf, auf die Beinpresse mehr Scheiben draufzugeben, und er kann es kaum fassen, welche Gewichte ich ­heben kann.»



«Die meisten Leute haben keine Vorstellung davon, wie viel Kraft in uns steckt.»   81


Oben: Gemma Pitchley-Gale trainiert ihre Kraft am hochmodernen Pilates-Reformer. Rechts: Claire Calvert schafft Kniebeugen mit mehr als dem Doppelten ihres Körpergewichts.

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Gut gegen Lampenfieber: Erinnerungen an erfolgreiche Auftritte von früher

Nach der Vorstellung, wenn es zu spät für schwer verdauliches Essen ist, wird die verbrauchte Energie durch Erdnussbutter- und Milchshakes ersetzt. Und weil die Tänzer so viel Zeit in geschlos­ senen Räumen verbringen, wird zusätzlich ­Vit­amin D verabreicht. Es verbessert nicht nur das Immunsystem, sondern steigert auch die ­iso­metrische Kraft der Tänzerinnen und Tänzer, die man mit «statischen» Übungen wie dem Planking verbessert – um sagenhafte 18,7 Prozent.

PHOTOGRAPHIC ASSISTANT: FRANKIE LODGE

G

egen Ende unseres Besuchs führt uns Retter zu der überwältigenden Bühne des Royal Opera House. Sie befindet sich hinter einem drei Tonnen schweren purpurroten Vorhang. Und erinnert ihn täglich nachdrücklich daran, worum es in seiner Arbeit wirklich geht: um tänzerische Exzellenz vor ­einem kritischen Publikum. «An den historischen Errungenschaften des Royal Ballet ist nicht zu rütteln», sagt er. «Unsere Aufgabe besteht also nicht darin, das Ballett zu verändern, sondern die Tänzer bei ihrer Performance zu unterstützen. Sportler federn ihre ­Landungen in der Hüfte, den Knien und den Knöcheln ab. Aber im Ballett musst du mit gestreckten Beinen landen. Das können wir nicht ändern. Aber wir können die Tänzer stärker ­machen, damit sie solche Belastungen besser aushalten.» Den objektiv belegbaren guten Ergebnissen zum Trotz sind nicht alle Tänzer von den neuen Ideen und wissenschaftlichen Ansätzen angetan. «Der Konflikt schwelt noch immer, doch er polarisiert nicht mehr so stark wie früher», räumt Retter ein. «Erstens, weil angehende Tänzer der Royal Ballet School früh lernen, wie wichtig ­körperliche Leistungsfähigkeit ist. Und zweitens, weil auch Startänzer einsehen, dass ihr künst­ lerischer Ausdruck durch die neuen Methoden nicht beeinträchtigt, sondern verbessert wird.» In dieser Saison meldeten sich 80 Prozent der Tänzer für freiwillige Tests in der Mason Healthcare Suite an – so viele wie nie zuvor. «Und nicht nur das. Sie nahmen die Ergebnis­ se ernst und steckten sich Ziele», berichtet Greg Retter. «Zum Beispiel wollten sie ihre maximalen Sprunghöhen verbessern, nachdem sie dazu Feed­back vom künstlerischen Personal und vom ­Ballett-Direktor ­Kevin O’Hare erhalten h ­ atten.

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FOKUS: Matthew Ball Im März 2018 kam ein Anruf vom Direktor des Royal Ballet: Der Erste Tänzer David Hallberg hatte sich verletzt. Ball musste für die Haupt­ rolle des Albrecht in ­«Giselle» einspringen, obwohl er sie bis dahin nur einmal getanzt ­hatte. «Wenn du keine Wahl hast, folgst du deiner ­Intuition», sagt Ball. Er wurde später zum Haupttänzer be­ fördert und ist nun an ausgewählten Terminen in der Hauptrolle von «Romeo und Julia» zu sehen. «Ich nahm ein Taxi, zog mich um, liess mein Make-up machen und war weniger auf­ geregt als sonst.» Ball entwickelte Strategien, um sich auf der Bühne besser zu konzentrieren. «Dein Hirn braucht ­etwas Vertrautes. Wenn mein Herz pocht, lege ich meine Hand darauf und fokussiere meine ganze Energie auf diese Stelle.»

Ich erlebte zum ersten Mal e­ inen regelrechten Austausch und nicht nur das blosse Aufzeigen von Schwach­stellen, die es zu verbessern gilt.» Das Fazit: Auch weiterhin wird das Talent wichtiger sein als die Wissenschaft, wenn es um die Umsetzung künstlerischer Ästhetik geht. Doch wenn es die Aufgabe eines Tänzers ist, die Grenzen seines Körpers auszuloten, um damit emotionale Reaktionen im Publikum auszulösen, wenn er damit Athletik zur Kunstform erhebt – dann kann Wissenschaft dabei helfen. «Ein Läufer muss einfach nur laufen», sagt Calvert. «Aber wir müssen uns präzise bewegen, gut aussehen, überzeugend lächeln und beim Zuschauer Gefühle erzeugen – selbst wenn wir am Ende fast draufgehen. Kniebeugen helfen mir nicht, wenn ich dreissig Fouettés (Das ist eine schnelle Drehung, bei der ein Bein zum Knie an­ gewinkelt wird; Anm.) machen will. Ich muss ja die Abfolge genau üben. Aber ich habe Kraft und Vertrauen dazugewonnen und kann mich deshalb besser auf die Handlung oder meine Rolle konzentrieren.» Und davon haben nicht nur die Tänzer etwas – sondern letztlich auch das Publikum. roh.org.uk

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SO BLEIBT DIE FASNACHT AUF KURS.


guide Dein Programm

EVENTS

HOMERUN

RED BULL TV

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SEITE 94

Steil: wo sich die besten Freerider der Welt talwärts stürzen

Spektakulär: alles zum verrücktesten Skirennen der Saison

Schnell: Duelle mit Tempo – live bei der WRC-Rallye in Mexiko

KARO PERNEGGER

REISEN

Allrad in Albanien statt Alltag daheim: ein Abenteuer zwischen Bunkern und Bergen SEITE 86

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Reisen

Albanien (im Hintergrund die Hauptstadt Tirana) erkundet man am besten o≠road. Viele Orte erreicht man anders nicht.

ABENTEUER

ALBANIEN QUERFELDEIN Unser Reporter fährt fast nie Auto. Wir schickten ihn ­trotzdem für eine Allrad-Tour durch die wilden Berge Albaniens. Ein steiniger, aber schöner Weg.

I

ch hab’s versucht. Zwei Fahr­ zeuglängen Abstand zum Vor­ derwagen halten, das war die Anweisung. Doch schon bald be­ finde ich mich, weit abgeschlagen von der Gruppe, auf irgendeinem Bergpfad. Vor mir nur eine Staub­ wolke, die mir die anderen hinter­

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lassen haben. «Fahrzeug neun, bitte aufschliessen», tönt es un­ geduldig aus dem Walkie-Talkie. Jaja, bin gleich da, murmle ich überfordert. Albanien ist das touristisch wohl unbekannteste Land Euro­ pas. Denn es war unter dem lang­

Nach dem Fahren auf die Fähre – nach Korfu, Griechenland

THE RED BULLETIN


guide

REISE-TIPPS

OFFROAD -IDYLLE

Was du beachten musst, bevor du dich mit dem Auto ins Gelände wagst.

Albanien Tirana

Elbasan Berat

Dreckige Freiheit: O≠road-Fahren ist in Albanien relativ unreglementiert möglich. Gjirokastra Saranda

DAS RICHTIGE OFFROAD-SET-UP Einfach so von der Strasse abfahren ist keine gute Idee. Mit diesen fünf Tipps der Škoda-O≠roadExperten bist du besser für ein A ­ benteuer auf­ ­unbeständigem Untergrund vorbereitet: 1. INSPEKTION Vor dem Start das Auto von aussen begutachten: Wie lang und breit ist es? Und einmal von unten: Wo hängen die Fahrzeugteile besonders tief? So weisst du, ob du besser links oder rechts über Hindernisse fährst.

KARO PERNEGGER

FELIX DIEWALD

Sightseeing durch die Windschutzscheibe: unser Autor, ausnahmsweise entspannt

jährigen sozialistischen Diktator Enver Hoxha bis zum Fall des Kommunismus komplett von der Aussenwelt abgeschottet. Wir wollen drei Tage lang abseits der grossen Strassen das Hinterland durchstreifen, in der Kolonne von der Hauptstadt Tirana in drei Tagen bis in den Süden an die Mittelmeerküste. Albanien erkundet man am besten offroad, sagt Erald Der­ vishi, der mit Off Limits Albania Touren durchs ganze Land an­ bietet: Viele Orte erreicht man auf andere Weise nämlich gar nicht, schon gar nicht mit dem Bus. «Und dort draussen triffst du noch auf Menschen, die neugierig auf dich sind.» Ausserdem ist das

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«Es sind Passagen zu meistern, bei denen du denkst: Wer, um Himmels willen, soll hier fahren?» Geländefahren im Vergleich zu anderen Ländern in Albanien noch relativ unreglementiert möglich. Manche der Routen sind zwar in Online-Karten verzeich­ net, Dervishi empfiehlt aber, sich nicht auf eigene Faust, sondern unbedingt in der Gruppe und mit einem lokalen Guide ins Aben­

2. KENNZEICHEN UNGELÖST Bevor du die Strasse verlässt, verstärke die Be­ festigung des Nummernschilds oder schraube es ­überhaupt ab – das ist als Erstes weg. 3. AB IN DEN HOCHSITZ Stell den Sitz aufrecht und hoch ein. Du brauchst Über­ sicht, um den Boden direkt vor dir sehen zu können. 4. LUFT RAUS Wenn der Untergrund matschig und rutschig wird, bekommst du mehr Grip, wenn du etwas Luft aus den Reifen lässt. 5. ALLES IM BLICK Richte die Rückspiegel auf die Hinterräder ein. So hast du alle Reifen im Blick und weisst, wo du durchkommst.

GELÄNDEWAGEN-TOUR Off Limits Albania, Bulevardi Bajram Curri, 1001 Tirana, Albanien; Tel.: +355 69 204 04 40. Zum Beispiel die drei­ tägige Tour von Tirana nach Durrës an die Küste, ­weiter in die Berge nach Berat, durch den Osumi-­Canyon nach Gjirokastra in den Süden und zurück. Inkl. Gelände­ wagen, Übernachtungen und Frühstück ab 270 Euro. offlimitsalbania.com

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Reisen

«Es macht ‹klunk›, wenn ich einen Stein erwische. Aber langsam beginnt der O≠road-Fahrer in mir zu erwachen.»

Stopp am Stausee Banjë: Wasserkraft dominiert in Albanien.

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Wagen packt es leicht – dank des «intelligenten 4×4-Antriebs», wie ich später erfahre. Wir erklimmen steile Felstreppen, schlängeln uns auf schmalen Geröllwegen durch die Gebirgslandschaft, die gut 70 Prozent der Landes­fläche ausmacht. Jetzt besser nicht schauen, wie weit der Hang rechts abfällt. Immer wieder kommen wir an kleinen Betonbunkern vorbei, die verloren in der Landschaft herum­stehen, ein Überbleibsel aus der Vergangenheit. Der paranoide Diktator Enver Hoxha isolierte das Land in den Siebzigern und Achtzigern international und liess mehr als 170.000 Bunker im Land errichten – um Feinde ab­ zuwehren, die nie kamen. Mittlerweile werden sie von Bauern zum Teil als Ställe oder Getreidelager genutzt. Pause, kurz durchatmen. Die anderen mitgereisten Journalisten wirken auf mich wie eine Gruppe abgebrühter Rallye-Fahrer – die kühne Strecke scheint ihnen nichts auszumachen. Ich hin­ gegen besitze eine Jahreskarte für die Öffis, mehrere E-ScooterApps, habe noch nie ein eigenes Auto besessen und die Führerscheinprüfung erst beim zweiten

Antritt geschafft. Gut, dass mein Co-Pilot ein erfahrener MotorJournalist ist. Vom Beifahrersitz aus lotst er mich durch die Offroad-Passagen und bringt mir in einem Live-Crashkurs die Basics fürs Fahren abseits der Strasse bei. Und obwohl ich versuche, fachgerecht durchs Gebirge zu brettern, macht es immer wieder «klunk», wenn der Autoboden ­gegen einen Stein kracht. Aber dann, langsam, beginnt der Offroad-Fahrer in mir zu erwachen. Ich kann das Gelände immer besser deuten. Die Funksprüche, wo ich denn bleibe, werden weniger. Ich kann mit dem Tempo der anderen einigermassen mithalten. Auch wenn ich immer noch ängstlich wie ein Fahrschüler über die Motorhaube schiele. Irgendwann tut sich hinter ­einer Bergkuppe das Ionische Meer auf und gibt den Blick auf die griechische Insel Korfu frei. Als wir von der Offroad-Schotterpiste auf eine befestigte Gebirgs­ strasse wechseln, kommt mir diese so weich vor wie ein luxuriöser Samtteppich. Hallo Asphalt, du grossartiges Material! Wir cruisen das letzte Stück Richtung Fähre. Ende Gelände.

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FELIX DIEWALD

Albtraum für Putz-Personal: Berat, auch bekannt als die «Stadt der tausend Fenster»

KARO PERNEGGER

teuer zu stürzen. Welcher Weg passierbar ist, kann sich in den rauen Bergen Albaniens nämlich jederzeit ändern. Und die Beschaffenheit der Strecke ist ein ganz eigenes Kapitel. Es sind Passagen zu meistern, bei denen du denkst: Wer, um Himmels willen, soll hier fahren? Die Antwort ­geben höhergelegte Uralt-Kisten aus den Siebzigern, die uns immer wieder entgegenkommen und auf wundersame Weise auf diesen ­sogenannten Strassen unterwegs sind. Albaner pflegen e­ inen eher wilden Fahrstil. Das könnte damit zu tun haben, dass es bis in die Neunzigerjahre hinein überhaupt nur wenige tausend Autos im Land gab – reserviert für die ­Partei-Elite. Private Autos hin­ gegen waren verboten. Unser Gerät: der Škoda Karoq Scout, ein Geländewagen, der auf mich Auto-Null nicht wirklich wie eine Offroad-Karre wirkt. Niemals wäre ich auf die Idee ­gekommen, mit dem Ding solche Routen zu befahren. Aber der

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ALPHATAURI.COM


Events

20

Februar Rückkehr einer Legende Im September 2019 erschien sein zweites Soloalbum, «Why Me? Why Not.», die Single «Shock­ wave» schoss in Grossbritannien direkt auf Platz 1: Oasis-Legende Liam Gallagher feiert seine Auf­ erstehung mit einer grossen Tournee, die ihn auch in die Schweiz führt. Wir freuen uns auf seinen Auftritt in der Halle 622. Halle 622, Zürich; halle622.ch

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März Treffpunkt für Sneaker-Fans Wenn dein Herz beim Anblick (bestimmter) Sneakers höher­ schlägt, dann ist klar, dass du die Swisssneaks nicht ver­ passen darfst. Dort treffen Menschen aufeinander, für die Sneakers mehr sind als Sport­ schuhe – hier wird gestaunt, gehandelt, gelebt. Und zwar auf grandiosen Sohlen. Casino de Montbenon, Lausanne; swisssneaks.com

27

bis 29. März Hier dreht sich alles ums Rad Mit dem Rad entspannt durch die Stadt, Hügel rauf- oder runter­treten, über aufregende Parcours sprinten: Wenn du dein Rad liebst, bist du beim «Urban Bike Festival» richtig. Zu den Highlights des dreitägi­ gen Events gehört der «Cyclo­ cross», der über Volleyball­ felder, Treppen, Wassergräben und das Viadukt in Zürich-West führt. Schiffbau, Zürich; urbanbikefestival.ch

19 SODIETANZT SCHWEIZ bis 21. März

Im Vorjahr war sie eine der Gewin­ nerinnen der «Demotape Clinic», heuer tritt die Elektrokünstlerin und Produzentin La Colère (Bild), die mit einem Mix aus Trip-Hop, Ambient und Elektro experimen­ tiert, beim m4music-Festival in Zürich erneut ins Rampenlicht. Ausserdem aus der Schweiz mit dabei: Amami, Blind Butcher, ­Mimiks. Internationaler Headliner: Bombay ­Bicycle Club (einziges Schweiz-Konzert!), Modeselektor. Schiffbau und Exil, Zürich; m4music.ch

VALENTIN MÜLLER, FREERIDEWORLDTOUR/J. BERNARD

21

bis 23. Februar Swiss Freeski Tour Der Weg zum Pro-Freeskier führt über die Kicker der nationalen Swiss Freeski Tour. Nach dem ­Start auf dem Glacier 3000 im Dezember führen eine Reihe spektakulärer Stopps bis zum grossen Finale auf dem Corvatsch im Engadin (14. bis 19. April). Freestyle-Liebhaber tragen den 21. Februar fett im Kalender ein: Im Herzen von Davos am Bolgen findet anlässlich des Davos Open der Big Air Europacup statt. Bolgen, Davos; alle Tourdaten: swiss-ski.com

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guide

28

März bis 5. April Der Berg für die Allerbesten

Die allerletzte Etappe der Free­ride World Tour – an einem Ort, dem alle entgegenfiebern: An der ­legendären Flanke des Bec des Rosses treffen beim Verbier ­Xtreme die besten Freerider aufeinander, um in vier Kategorien ihre Weltmeister zu küren. Start ist auf 3223 Meter ü. M., das Ziel liegt auf 2700 Metern. Dazwischen: ein mit Felsen gespickter Hang mit bis zu 60 Grad Gefälle! Bec des Rosses, Verbier; ­freerideworldtour.com

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bis 13. April Mangamania in Montreux Mehr als 40.000 Besucher ka­ men im Vorjahr zur Polymanga in Montreux, wo sich alles um – erraten – Manga, Video­ spiele und Popkultur dreht. Im 16. Jahr ihres Bestehens warten 16 Neuerungen auf die Besucher – neue Shows, ein Polymanga-Messenger und neue Orte für das Künstler-Dorf. 2M2C, Montreux; polymanga.com

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13

bis

April Expedition in die Welt des Gamings Als die ersten Computerspiele vor rund 50 Jahren auf anfänglich simple Art die ersten Gamer in ihren Bann zogen, war noch nicht absehbar, ­wohin die Reise führen würde: Heute spielen weltweit 2,5 Milliarden Men­ schen. «Games» bietet einen Einblick in die Entwicklung der Spiele vom Be­ ginn bis zu den aktuellen, hochkom­ plexen virtuellen Welten von heute. Landesmuseum, Zürich; landesmuseum.ch

19

Mai Kraftwerk am Airport Unglaublich, aber wahr: Seit 1970 haben die Elektronik-­ Pioniere von Kraftwerk nichts von ihrer Faszination ein­ gebüsst. Zu ihrem 50-jährigen Bestehens spielt die Band, die den Soundtrack für das ­digitale Zeitalter geliefert hat, im neuen «Sound Absorber» des Flug­hafen Genf eine ihrer spekta­ku­lären Shows. Flughafen, Genf; antigel.ch

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Events

4. April

RED BULL HOMERUN: DAS GROSSE RENNEN

Massenstart in den Bergen: Bei diesem Fun-Event fahren rund 500 Teilnehmer um die Wette – auf Skiern und auf Snowboards. Preise gibt es nicht nur für die Schnellsten.

W

ild gewordene Riesenhasen auf der Piste, spektakuläre Verfolgungsjagden zwischen Ski- und Snowboardfahrern, feiernde Zuschauer an der Strecke: Am 4. April erwartet Besucher in Davos Action der besonderen Art. Denn an diesem Samstag kehrt der Red Bull Homerun in die Schweiz zurück. Los geht’s um 17 Uhr mit dem grossen Massenstart bei der Jatzhütte (die Startnummern gibt es von 9 bis 14 Uhr im Zielbereich, Bolgen Plaza). Zunächst sprinten die rund 500 Teilnehmer zu Fuss bis zur Wechselzone im Parc fermé, wo

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DOMINIC ZIMMERMANN/RED BULL CONTENT POOL (2), DOMINIC BERCHTOLD/RED BULL CONTENT POOL (2)

Die Teilnehmer beim Le-Mans-Start: 200-Meter-Sprint zu den Sportgeräten

ihre Sportgeräte liegen. Auf denen stürzen sie sich anschliessend die Piste hinunter. Ü ­ brigens: Neben Preisen für die schnellsten Damen und Herren auf Ski und auf Snowboard gibt es noch eine Auszeichnung für das beste Kostüm – und zum Schluss eine grosse Après-Ski-Party für alle: mit der Ber­ liner Band ABCD, Tänzerinnen und den DJs Schowi, Chrome und Bazooka.

Du willst beim spektakulärsten ­Massenstart des Jahres dabei sein? Dann melde dich jetzt an unter: redbull.com/homerun

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SCHNELLE FACTS 500

Teilnehmer können beim Red Bull Homerun an den Start gehen.

6800

Meter ist die Strecke lang, die Skifahrer und Snowboarder ­bewältigen müssen.

1020

Meter liegen zwischen Start (in 2560 m ü. M.) und Ziel (in 1540 m ü. M.).

5:39 Minuten sind zu unterbieten. So lange brauchte Sieger Gian Ragettli 2019 für die Strecke.

Nicht immer ist Tempo alles: Auch für das beste Kostüm gibt es eine Auszeichnung.

57 Lifte und Seilbahnen umfasst das

Skigebiet Davos Klosters. Teilnehmer am Homerun erhalten einen 20-Prozent-Rabatt auf ihr Ski-Ticket.

TIPPS Markus Keller, Freeski-Star

6 TIPPS FÜR DAS EVENT

«Es lohnt sich, beim Start Gas zu geben.» Markus «Mä» Keller trainiert schon für den Red Bull Homerun.

the red bulletin: Das ­Rennen dauert ­zwischen fünf und zehn Minuten. Wie bereitet man sich darauf körperlich am besten vor? Markus Keller: Genau ­betrachtet ist der Homerun mindestens so lange wie ein Abfahrtsrennen. Somit wäre es am besten, wenn man ­solche Pfosten von Beinen wie diese Abfahrer hätte. Aber da dies alles übersteigt, würde ich sagen, geht einfach viel auf die Piste und schaut, dass ihr fitte Beine habt. Es gibt einen Massenstart – wo ist die beste P ­ osition? Da gibt es nur eines: von ­Anfang an vorne mit dabei sein! Es lohnt sich, beim Sprint nach dem Start Gas zu geben. Aber auch das sollte kalkuliert sein, weil es dann ja auf die lange Fahrt geht. Wo sind die besonders ­kritischen Passagen? Was gilt es dabei zu beachten? Heikle Passagen sind dort, wo es steiler, schneller und technischer wird. Dort gibt es die meisten Engpässe,

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­ ontakte und Stürze, welche K ganz klar zu vermeiden sind. Wer bis zum Flachstück am Schluss noch Power hat, dem hilft eine tiefe Position oder im Windschatten zu fahren. Wie bereitet man Ski oder Snowboard vor? Wie ent­ scheidend ist das Wachs? Darf man den Wetter­bericht ignorieren? Speziell wegen des Flach­ stücks zum Schluss durch den Wald ist Wachsen sehr wichtig. Dazu gehört natürlich auch, den aktuellen Wetter­ bericht zu kennen. Zur Kleidung: alles egal oder doch auf Windschnittig­ keit achten? Mit einem Riesenpanda-­ Kostüm zu fahren ist bestimmt kein Vorteil, aber es geht ja in diesem Fall nicht um Hundertstelsekunden. Deine aktuellen Pläne? Ich bin schon schwer in den Vorbereitungen für den Home­ run, mache Start-Training, Windkanal und übe die Strap-in-Technik.

SPASS IM SCHNEE Wie der Winter noch unterhaltsamer wird – drei schnelle Tipps SPORT GENIESSEN Wer Schneesport liebt, klickt auf das Schweizer Schneesport-Portal – mit vielen News, Videos und Hintergrund-Storys. welovesnow.ch

SKI GEWINNEN Der Laser GS von Stöckli: ein Ski, gemacht für hohes Tempo. Stöckli verlost ­unter allen ­Teilnehmern zwei Paar dieser Renn­ maschinen. stoeckli.ch PARTY MACHEN Beim Homerun findet ihr am Start unseren «Old El Paso»-Stand. Schaut vorbei, knipst ein Foto und ­gewinnt mit ein bisschen Glück eines von drei FajitaParty-Sets. oldelpaso.ch

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Entertainment

Erlebe Action im US-Snowpark, auf Mexikos Höhenstrassen und in einem ­kanadischen Eiskanal direkt in deinem Wohnzimmer: Das sind die Highlights von Red Bull TV in diesem Monat.

Rundflug über Vail: Miyabi Onitsuka wurde 2019 Dritte im Slopestyle.

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bis 28. Februar   LIVE 

BURTON US OPEN

Der Event in den Bergen von Vail im US-Staat Colorado ist ­ so etwas wie das Wimbledon für Snowboarder. Der grösste Unterschied zum wichtigsten Tennisturnier der Welt: Wenn die Ausnahme-Athleten in den Disziplinen Halfpipe und ­Slopestyle ihre Künste zeigen, will keiner hart aufschlagen. Mit Red Bull TV bist du bei allen Semifinal- und Finalläufen der Herren und Damen live dabei.

13

bis 16. März   LIVE 

RALLYE MEXIKO

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine g ­ lobale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, zu empfangen rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart-TV. Alle Infos: redbull.tv

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Flotter im Schotter heisst die Devise für die weltbesten Rallye-Fahrer beim dritten Stopp der World ­Rally Championship im mexikanischen Hochland. Extra-Highlight: Die verwinkelten Schotterstrassen führen dabei auf eine Höhe von bis zu 2700 Metern.

22

Februar   LIVE 

RED BULL ICE CROSS

Auch in Quebec, Kanada, gilt: Wer vier stramme Athleten in Schlitschuhen zugleich in einen steilen Eiskanal steckt, darf erwarten, dass es richtig eng zugehen wird. Das garantiert blaue Flecken bei den Läufern sowie packende Action für die Zuseher.

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AARON BLATT/RED BULL CONTENT POOL, JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL, MARK ROE/RED BULL CONTENT POOL

STIL, SATZ UND SIEG

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WIR LAUFEN FÜR ALLE, DIE NICHT LAUFEN KÖNNEN.

3. MAI 2020

SEI DABEI!

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IMPRESSUM

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell ­erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Am Cover unserer Frankreich-Ausgabe: Schauspieler und Regisseur Franck Gastambide, der mit seiner Serie über französischen Rap für Furore sorgt. Mehr Storys abseits des Alltäglichen gibt’s auf: redbulletin.com

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Chefredakteur Alexander Macheck Stv. Chefredakteure Andreas Rottenschlager, Nina Treml Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (stv. CD), Miles English, Tara Thompson Head of Photography Eva Kerschbaum Deputy Head of Photography Marion Batty Photo Director Rudi Übelhör Textchef Andreas Wollinger Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina de ­Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas, Tahira Mirza Head of Commercial & Publishing Management Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnership Lukas Scharmbacher Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Mia Wienerberger B2B-Marketing & -Kommunikation Katrin Sigl (Ltg.), Agnes Hager, Teresa Kronreif, Stefan Portenkirchner Executive Creative Director Markus Kietreiber Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger (Ltg.), Elisabeth Staber (Ltg.), Mathias Blaha, Raffael Fritz, Marlene H ­ interleitner, Valentina Pierer, Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith ZöchlingMarchart Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier, Florian Solly Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung Veronika Felder Produktion Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Sandra Maiko Krutz, Nenad Isailović, Josef Mühlbacher MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Alexander Peham, Yvonne Tremmel Assistant to General Management Patricia Höreth Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus ­Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), ­Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Nina Treml, Wolfgang Wieser Lektorat Hans Fleissner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy KirnbauerWalek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Country Channel Management Meike Koch Media Sales Marcel Bannwart (D-CH), marcel.bannwart@redbull.com Christian Bürgi (W-CH), christian.buergi@redbull.com Abo The Red Bulletin Leserservice, ­Postfach, CH-6002 Luzern, +41 41 329 22 00, abo@ch.redbulletin.com Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o.o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei der Schweiz Country Project Management Natascha Djodat Media Sales Matej Anusic, matej.anusic@redbull.com Thomas Keihl, thomas.keihl@redbull.com

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A NZ E I GE

must-haves

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1  E-BIKE OHNE KOMPROMISSE

2 MÄNNERPFLANZE

3  FÜR DEN PERFEKTEN AUFTRITT

4  STYLISCHER ZEITMESSER

5  MEHR SPASS IM ALLTAG

6  SWISSTOOL – DAS MULTITALENT

Kein Display, keine Fahrmodi-Wechsel, keine sichtbare Batterie, keine spürbaren Gangwechsel. Dabei maximaler Fahrkomfort, nur 18,5 Kilogramm Gewicht, höchste Fertigungsqualität und makel­ loses Design. Das ASFALT LR beweist, dass weniger keinen Verzicht bedeutet, sondern Besinnung aufs Wesentliche. asfalt.ch

NORQAIN ist eine junge unabhängige Schweizer Uhrenfirma in Familienbesitz mit Sitz im Kanton Biel im Herzen der Uhrenindustrie in der Schweiz. Die stylischen Zeitmesser sind ausschliesslich ­mechanische Automatikuhren in hochwertiger ­Verarbeitung. Jede Uhr wird mit viel Liebe zum ­Detail von den Uhrmachern von Hand gefertigt. norqain.com

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Wer meint, Männer und Pflanzen hätten nichts miteinander am Hut, der irrt. Denn auch Männer mögen das Schöne. Mann und Pflanze gehören dementsprechend zusammen, weswegen es auch hochoffiziell Männerpflanzen gibt – Pflanzen für den Mann, der nicht zwangsläufig über einen grünen Daumen, aber einen Sinn für wohliges Grün verfügt. maennerpflanze.ch

Mach dich bereit auf heisse Battles. Ob im Büro, Wohnzimmer oder Garten, die Man’s World Mini Ping Pong Tische finden grossen Anklang, unab­ hängig von Alter und Hierarchie. Achtung: Sucht­ potenzial. Der Tisch kann auf drei unterschiedliche Höhen eingestellt werden und lässt sich nach ­Gebrauch wieder platzsparend versorgen. mansworld.com

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