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SMART WOHNEN

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN 03/2019

Ein Blick in das Zuhause der Zukunft

03/19

SMART FLIEGEN

Wir testen die erste autonome Taxi-Drohne

SMART ERHOLEN

Mit diesen Gadgets regenerierst du schneller

AUSGABE SCHWEIZ CHF 7

DIESE FRAU MACHT TR Ä UME WAHR

IHRE PLATTFORM WEMAKEIT HALF, 4000 INNOVATIVE PROJEKTE ERFOLGREICH ZU FINANZIEREN

IDEAS FOR A BETTER FUTURE

DIE ERFOLGSSTORY DER SCHWEIZER CROWDFUNDING - PIONIERIN CÉLINE FALLET BETTER FUTURE EDITION


Überwinden Sie Antennenübersprechprobleme mit Hilfe der Simulation.

Abbildung der elektrischen Feldnorm und des 3D-Fernfeldes durch eine Sendeantenne. Die Antennen sind in diesem Tutorial absichtlich gross dargestellt.

Komplexe Kommunikationssysteme in Flugzeugen erfordern mehrere Antennen. Einige Sender- und Empfängerkonfigurationen können aufgrund von Übersprechen oder Störungen zu Problemen beim Flugbetrieb führen. Die Simulation hilft Ihnen, den Übersprecheffekt an einem Flugzeug zu analysieren und so die beste Antennenposition zu finden. Die Software COMSOL Multiphysics® erlaubt Simulationen von Designs, Geräten und Prozessen in allen Bereichen des Maschinenbaus, der Fertigung und der wissenschaftlichen Forschung. Erfahren Sie, wie Sie mit COMSOL effizient AntennenDesigns modellieren können. comsol.blog/antenna-crosstalk




EDITORIAL CONTRIBUTORS

Felix Diewald Der Wiener Journalist ist für uns nach Guangzhou, China, gereist und hat sich von einer Drohne durch die Gegend fliegen lassen. Ganz schön mutig für einen, dem nach eigener Aussage «am Schulwandertag schon der Flying Fox zu steil war». S EIT E 32

Alex Lisetz

GIAN PAUL LOZZA (COVER)

übernahm in dieser Ausgabe eine Doppelrolle als Autor und Test­ objekt: Der ambitionierte Hobby­ sportler testete für uns die aller­ neuesten Regenerations-Tools. Was uns schlaue Ringe und Gehirn­ strom-Bänder über unser Wohl­ befinden verraten: ab S EIT E 62 .

I N N O V AT O R

Wir testen die Zukunft Es klingt wie Science-Fiction: Drohnen, die in 200 Meter Höhe ohne Pilot durch die Luft schwirren, um Menschen von A nach B zu befördern. Doch die chinesische Firma Ehang hat bereits praxistaugliche autonome TaxiDrohnen im Hangar und erklärt, wie der Transport damit demnächst funktionieren soll. Wir haben die Fluggeräte als erstes Medium getestet. «Ready for Takeoff» ab Seite 32. Auch das Auto wird bald nicht mehr wieder­ zuerkennen sein, meint der schwedische Autohersteller Volvo. Und hat uns einen Blick in seine Entwicklungslabors erlaubt. Zum Beispiel auf ein Bett, dessen Decke wie ein Sicherheitsgurt wirkt. «Wenn Träume liegen lernen» ab Seite 68. Beim Erfüllen von Träumen hilft auch die Plattform wemakeit mit Hauptsitz in der Schweiz. Wie? Mit Crowdfinanzierung. Das Kriterium, um dabei zu sein: «Je ausgefallener eine Idee, desto eher will ich sie realisieren», sagt wemakeit-­CEO Céline Fallet. Unsere Coverstory ab Seite 24. Viel Spass beim Lesen!

INNOVATOR 

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INHALT BULLEVARD 8 16 18 10 20 12 22 14 Retter der Ozeane Ein Schweizer Segler will mit seinem Quadrimaran die Weltmeere von Plastik­müll säubern.

Kunststoff, ade!

Österreichische Forscher wollen Plastik innert ­Tagen zersetzen.

Der Power-Anzug Dieses Exoskelett hilft dir beim Heben und Tragen von Dingen.

Nachhaltig lecker Zwei Jungunternehmer lassen in einem Keller in Wien Speisepilze aus Kaffeesud spriessen.

GUIDE 90 92 94

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LABORBEFUND

Blick in die Zukunft Die neue Generation der Augmented-Reality-Brille

Diese Konferenzen solltest du nicht verpassen. S AV E T H E DAT E S P E ZI A L

Red Bull Basement Festival

Diese neue Maschine verwandelt Luft in Wasser.

Der Windfänger Die private Stromturbine auf deinem Hausdach

Roboter als Retter Wie ein Schweizer Team mit Drohnen Entwicklungshilfe leistet

Gut isoliert Ein Start-up der ETH ­Zürich patentiert einen revolutionären Gebäude-­ Dämmstoff: Asche.

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«Das freundliche Datenmonster»

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Anti-Minen-Ball

S AV E T H E DAT E

Top-Events

H²O für alle

KO L U M N E

Innovations-Guru Andi Gall über 5G – und wie es unser Leben prägen wird T EC H - H I G H L I G H T

Ein rollender Roboter bringt Minen zur Explo­ sion – und rettet Leben.

Das Zürcher Event für Gründer und Visionäre

INNOVATOR


I N N O V AT O R

FEATURES

32 REPORTAGE

GREGOR KUNTSCHER

Das fliegende Taxi Autonome Passagier-Drohnen könnten unseren Verkehrs­ alltag r­ evolutionieren. Unser Reporter machte in China ­bereits jetzt den Testflug.

INNOVATOR 

24 44 50 60 62 68 76 82

C OV ERS TO RY

Your idea? We make it! Wie Crowdfunding-Pionierin Céline Fallet Visionen wahr macht

H OW TO S TA R T U P

Crashkurs für Gründer Eine Firma aufmachen, die durch die Decke geht? Wir zeigen, wie. Eine Anleitung in 13 Schritten

P O R T R ÄT

Instagram-Revoluzzer Ob Müllvermeidung oder Fair Fashion: Diese Influencer setzen ihre Reich­ weite für eine gute Sache ein.

M EI N S TA R T- U P- M O M EN T

«Geniesse auch die Reise ans Ziel» Der Gründer von Shazam über den Erfolgsfaktor Spass an der Arbeit

GADGET GUIDE

Schlaue Pausen Schlafwächter und GehirnstromStirn­bänder – so funktioniert Regeneration für Fortgeschrittene.

M O B I LITÄT

Das Auto als Segelboot Volvo backstage: ein Blick in die Zukunft des a ­ uto­nomen Fahrens

L E S E S TO RY

Home, Smart Home Selbstversuch: So lebt es sich im volldigitalisierten Zuhause.

S TA R T- U P-S EC T I O N

Innovative Schweiz Wir präsentieren sieben visionäre heimische junge Unternehmen.

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Neuer

Renault CLIO Inspiriert vom Leben.

Bereits ab

Fr. 139.–/Mt. Jetzt bei Ihrem Renault Partner entdecken. Angebot gültig bei den an der Aktion beteiligten Renault Händlern in der Schweiz bei Vertragsabschluss vom 01.09.2019 bis 31.10.2019. Leasing: 3,9 % eff ektiver Jahreszins, Laufzeit 48 Monate, 10 000 km/Jahr, Ratenversicherung inklusive, oblig. Vollkaskoversicherung nicht inbegriff en. Beispiel: Neuer Renault Clio Life SCe 75, 5,1  l/100  km, 116  g CO 2/km, CO 2 -Emissionen aus der Treibstoff - und/oder der Strombereitstellung 27  g/km, Energieeffizienz-Kategorie E, Katalogpreis Fr.  14 900.−, abzüglich Swiss-Prämie Fr. 1 000.− = Fr. 13 900.−, Anzahlung Fr. 3 475.–, Restwert Fr. 5 335.–, Leasingrate Fr. 139.–/Monat. Abgebildetes Modell (inkl. Optionen): Neuer Renault Clio Intens TCe 100, 4,7 l/100 km, 107 g CO 2/km, CO 2 -Emissionen aus der Treibstoff - und/oder der Strombereitstellung 25 g/km, Energieeffizienz-Kategorie C, Katalogpreis Fr. 22 450.–, abzüglich Swiss-Prämie Fr. 1 000.− = Fr. 21 450.−, Anzahlung Fr. 5 363.–, Restwert Fr. 8 503.–, Leasingrate Fr. 209.–/Monat. Modell zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar. Die Kreditvergabe ist verboten, falls sie zur Überschuldung des Konsumenten führt. Preise inkl. MwSt. Finanzierung durch RCI Finance SA. Ausgeschlossen: alle direkt importierten Fahrzeuge. Durchschnitt aller erstmals immatrikulierten Personenwagen 137  g CO 2/km. Preisänderungen vorbehalten. Renault empfiehlt

www.renault.ch




I N N O V AT O R

BULLEVARD

JOHANNES LANG

IDEEN FÜR EINE BESSERE WELT

INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

Y VA N BOURGNON W E LT­ UMSEGLER U N D   U M W E LT­ SCHÜTZER

Ansicht aus der Vogelperspektive: Gut zu erkennen sind die ­Sonnenkollektoren – ins­gesamt 2000 Quadrat­ meter liefern Energie.

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INNOVATOR

JOHANNES LANG

Der Schweizer Weltumsegler Yvan Bourgnon will mit einem 35 Millionen Euro teuren Superboot die Ozeane vom Plastikmüll befreien.

Yvan Bourgnon beschloss, zu handeln. Er gründete die «SeaCleaners». Ihre Mission: die Weltmeere vom Plastik zu befreien. Erreichen will er das mit dem 35 Millionen Euro teuren Quadrimaran «Manta» (ein Boot mit vier Rümpfen): 70 Meter lang, 49 Meter breit, 61 Meter hoch, 2500 Quadratmeter Segelfläche. Noch in diesem Jahr wird die Produktionswerft ausgewählt, 2023 soll die «Manta» für erste Sammeleinsätze in See stechen. Bis zu 10.000 Tonnen Plastikmüll will Bourgnon jährlich einsammeln. Teile davon werden gleich an Bord wiederverwertet – per Verbrennung, um Energie für den Quadrimaran zu gewinnen. Was übrig bleibt, wird zu 1-Kubikmeter-Paketen gepresst, an Land gebracht und dort recycelt. Finanziert wird das Boot von «modernem Mäzenatentum», wie es Bourgnon nennt. Wie wichtig jede Aktivität ist, zeigen aktuelle Zahlen: Jährlich werden acht Millionen Tonnen Plastik «entsorgt». Deshalb geht es beim Einsatz der «Manta» um mehr als b ­ losses Meer-Müll-Schlucken: Es geht auch darum, den Müll zu ­analysieren, die Verursacher zu identifizieren und die ­Menschen wachzurütteln. theseacleaners.org

WOLFGANG WIESER

MEER-MÜLL SCHLUCKEN

THE SEACLEANERS

U M W E LT S C H U T Z

Yvan Bourgnon hatte 230 Tage auf See verbracht, als er am 23. Juni 2015 in Ouistreham in der Normandie an Land ging. Und er hatte eine Wette gewonnen: Als erstem Menschen war es ihm gelungen, die Welt auf einem Katamaran ohne Kajüte und ohne GPS zu umsegeln. Natürlich war er glücklich, wieder daheim zu sein. Doch den 48-Jährigen bewegte, was er in diesen 230 Tagen gesehen hatte: verdreckte Meere, Plastikmüll bis zum Horizont. In wenigen Jahrzehnten hatten sich die Ozeane radikal ver­ ändert. Als er Anfang der 1980er-Jahre als Kind mit ­seinen Eltern und Bruder Laurent vier Jahre lang um die Welt segelte, war Plastikmüll im Meer noch die Ausnahme.

Der Schweizer Skipper, 48, gründete nach seiner spekta­ kulären Welt­ umseglung die SeaCleaners.


I N N O V AT O R

«ICH WAR SCHOCKIERT, ALS ICH SAH, WIE STARK DIE OZEANE DURCH PLASTIKMÜLL VERUNREINIGT SIND.»

Vier Automatiksegel, zwei Windturbinen: Das Schiff namens «Manta» soll 2023 vom Stapel laufen.

INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

«WIR KÖNNEN NICHT WARTEN, BIS DIE NATUR MIT PLASTIK KLARKOMMT.»

Chemikerin Doris Ribitsch beschleunigt die Natur. In der ­Petrischale: plastikzersetzende Enzyme

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INNOVATOR


I N N O V AT O R

U M W E LT

ANTIPLASTIKTURBO JOHANNES LANG

Bald können Kunststoffe innert Tagen zersetzt werden. Forscher aus Österreich arbeiten an der Beschleunigung der Natur.

KLAUS PICHLER

MARLENE GROIHOFER

Ein paar Jahrtausende noch. Dann wäre die ­Natur so weit, ziemlich sicher. Sie könnte zügig selbst ab­ bauen, was der Mensch künstlich erzeugt hat: Plastik in all seinen Facetten. «Aber darauf können wir nicht warten», sagt Doris Ribitsch. Für das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) forscht die Chemikerin in Tulln im Bundesland Niederösterreich

INNOVATOR 

an s­ peziellen Enzymen – ­Eiweissmolekülen, die bio­ chemische Reaktionen ausführen, wie eben in diesem Fall Plastik zu zersetzen. Ihre Arbeit wird die Zukunft des Recyclings mitbestimmen. Derzeit braucht die Natur 400 bis 500 Jahre, bis sie Kunststoff erfolgreich zerlegt hat. Die Moleküle aus Tulln schaffen das Gleiche in wenigen Tagen. «Unter den speziellen Bedingungen im ­Labor konnten wir den Prozess massiv beschleunigen. Mittler­ weile sind in 24 Stunden bereits etwa 20 Prozent des Plastiks abgebaut», sagt Ribitsch. Die Forscher testen den Vorgang zum Beispiel an Polyester. Die passenden Enzyme sind an sich in der Natur zu finden. Den Kompost im Garten zersetzen sie genauso ­fleissig wie die Nahrung im Bauch. Dabei kann jenes Enzym, das eine Apfelschale zersetzt, tatsächlich auch Plastik auflösen – a ­ llerdings in e­ inem Tempo, das nicht der Rede wert ist. Um die Natur zu beschleunigen, spielt das Tullner Forschungsteam im Labor Evolution: «Wir müssen natürliche Enzyme weiterentwickeln und modifizieren, damit sie Kunststoff besser und schneller zersetzen.» Erst binden sich die Enzyme an Polymere, sprich das Plastik, dann zerschneiden

20 Prozent des Plastiks können von den Enzymen bereits an nur einem Tag abgebaut werden.

sie sie wie mit einer Schere in Einzelteile. Aus diesen Bausteinen wiederum kann Neues entstehen: So funktioniert ­Recycling. Weltweit teilen zu diesem Thema nicht mehr als eine Handvoll Forschungsgruppen die Erfahrung und Expertise der Tullner Wissenschaftler. Abfallwirtschaft, Textil- und Autoindustrie sowie Plastikhersteller profitieren schon von ihrem Know-how: «Es geht auch darum, für die ­Zukunft besser abbaubare Kunststoffe zu designen», ­erklärt Ribitsch. Trotz der Mühe, die das Plastik rund ums Recycling bereitet, und der Sorge, die es uns in den Ozeanen macht, will Ribitsch das Material ­jedoch keinesfalls prinzipiell ver­dammen: «Plastik ist und bleibt ein toller Werkstoff. Es ist sinnvoll, ihn zu ver­ wenden. Wichtig ist aber ein sorgsamer Umgang damit.» acib.at

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D 

Wer im Alltag schwer zu schleppen hat, ­bekommt durch den Rucksack-Roboter Cray X Unterstützung.

Er heisst Cray X. Und er könnte unser neuer bester Freund werden. Denn er weiss, wann wir etwas heben müssen. Und hilft uns dabei.

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«Wenn ich den Roboter anlege, merke ich augenblicklich, dass ich mir etwas Gutes tue.»

INNOVATOR

JOHANNES LANG

ARMIN G. SCHMIDT CEO UND CO-FOUNDER VO N G E R M A N BIONIC

WOLFGANG WIESER

ROBOTER ZUM ANZIEHEN

Sechs Jahre dauert die Entwicklung des «intelligenten Kraftanzuges», wie Cray X auch genannt wird. Seit 2018 ist das Wunderding nun auf dem Markt. «Mit dem Exoskelett ist es möglich, Schwachpunkte auszugleichen oder bestimmte Tätigkeiten länger auszu­ führen», beschreibt Schmidt dessen Vorzüge. Kurz gesagt: ­schwere Arbeit «menschlicher, nachhaltiger und einfacher» zu machen, wie der Porsche-­ Vorstandsvorsitzende Oliver Blume bei der Verleihung des Deutschen Gründerpreises an German Bionic ausführte. Ab 5500 Franken samt monatlicher Nutzungspauschale für sechs oder zwölf Monate kann man Cray X nutzen. Das ist nur auf den ersten Blick viel: Traditionelle Hebehilfen wie Hubstapler sind weit teurer – und werden uns nie verstehen. germanbionic.com

GERMAN BIONIC

GESUNDHEIT

Cray X sieht vielleicht nicht aus wie ein Roboter, trotzdem ist er einer – und zwar einer aus der Kategorie der Exoskelette. «Man zieht ihn an wie einen Rucksack. Nach ein paar Minuten fühlt sich das ganz normal an», sagt German-Bionic-CEO Armin G. Schmidt. Dank zahlreicher Sensoren erkennt der knapp über sieben Kilo schwere, mit zwei Motoren ausgestattete Cray X, wenn es ans Zupacken geht. Und greift seinem Träger beim Heben von bis zu 25 Kilo unter die Arme: «Er entlastet den unteren Rücken. Es ist, als würde er dich hochziehen.» Cray X lernt «seinen» User ­jeden Tag besser kennen: Er erkennt, wie jener sich bewegt; er versteht, wie er arbeitet, und er passt sich in seinem Ver­halten dessen Körper an. Denn natürlich ist es nicht egal, ob er es mit einem 1,90-MeterHünen oder mit einem zier­ lichen Jungspund zu tun hat.


Abgebildetes Fahrzeug: SEAT Ateca FR 2.0 TDI, 150 PS, 7-Gang-DSG, 4 Drive, 5-Türer. Normverbrauch gesamt 5.5 l/100 km, 145 g CO2/km (137 g Ø Neuwagen), 24 g CO2/km Energie Bereitstel., Energieeffizienzkategorie: E. Angebot gültig bis 31.10.2019. Nur gültig für Motor-/Getriebevarianten mit Allradantrieb 4Drive. Nicht gültig für CUPRA Ateca.

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I N N O V AT O R

Warum zwei Oberösterreicher in einem Wiener Keller Pilze aus Kaffeesatz wachsen lassen.

Die Austernpilze wachsen aus Löchern in Säcken, die mit Kaffeesud gefüllt sind.

Auf 400 Quadratmetern in einem klimatisch günstigen Keller in Wien züchten die zwei Oberösterreicher nun 300 Kilo Austernpilze pro Wo­ che. Dafür holen sie rund zwei Tonnen Kaffeesatz von Hotels, Restaurants oder Pensionisten­ heimen und mischen diesen mit Pilzmyzel (der Saat) und Kalk. Dieses sogenannte Pilz­ substrat wird in Säcke gefüllt, aus denen dann nach ein paar Wochen die Pilze spriessen.

«WIR DACHTEN: WAHNSINN! MIT PILZEN KANN MAN DIE WELT RETTEN!» Die Ernte von Hut und Stiel findet sich inzwischen auf den Speisekarten renommierter Restaurants und in den Rega­ len ausgewählter Supermärkte. Die Gründer bieten ihre Pilze mittlerweile auch in verarbei­ teter Form als Pesto oder Sugo an – sowie Anbausets und Workshops für alle, die da­ heim Pilze züchten wollen. hutundstiel.at

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INNOVATOR

JOHANNES LANG

KAFFEESUD MIT ZUKUNFT

Hier geht’s rein: Florian Hofer (li.) und Manuel Bornbaum vor dem Eingang ihrer Pilzzucht in Wien

EMILY WALTON

R ECYC L I N G

Wien und Kaffee gehören einfach zusammen. Doch wer denkt beim Trinken einer Melange an die 44 Tonnen ­Kaffeesatz, die täglich im Mist­ kübel landen? Und wer ahnt, was für eine wertvolle Res­ source dadurch verlorengeht? Kaffeesatz ist nämlich ein optimaler Nährboden für Pilze. Diese Erkenntnis faszinierte Manuel Bornbaum und Florian Hofer (beide 31) derart, dass sie beschlossen, daraus ein Ge­ schäftsmodell zu entwickeln. «Auch dass Pilze einen extrem kleinen CO²-Fussabdruck und kaum Wasserbedarf haben, be­ geisterte uns», sagt Bornbaum. «In unserer Anfangseuphorie dachten wir: Wahnsinn, mit Pilzen kann man die Welt ret­ ten! Heute wissen wir, dass wir zumindest einen Beitrag dazu leisten können.»

KARIN HACKL PHOTOGRAPHY

B U L L E VA R D 


KABELLOSER PRO SOUND MIT NOISE-CANCELLING

JBL.COM


B U L L E VA R D 

WA LT E R KREISEL C E O VO N W& K R E I S E L

Neben sauberer Energie will der umtriebige Unternehmer nun jedem ­Menschen auch Wasser zugänglich machen.

GRUNDVERSORGUNG

SO WIRD AUS LUFT WASSER Unternehmer Walter Kreisel baut eine Maschine, die das Problem der Wasserknappheit lösen kann – dank einer prickelnden Idee.

2017: Walter Kreisel trinkt im Urlaub ein Glas eis­ kaltes Mineralwasser. Die Sonne brennt, von der Flasche perlt ein Tropfen. Da hat der CEO von W&Kreisel, Hersteller nachhaltiger Energiegewin­ nungs- und Steuerungssyste­ me, eine Vision: «So kann man Wasserknappheit bekämpfen.» Zurück in Oberösterreich, holt er Manfred Ledermüller ins Team und beauftragt ihn mit der Entwicklung einer ­Maschine, die Wasser aus Luft extrahieren soll – ähnlich wie auf der Flasche im Urlaub.

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Zwei Jahre später ist die ­ ision Realität. W&Kreisel V präsentiert «Phantor», e­ inen gigantischen Wasser­generator. Das Prinzip kurz erklärt: Von sauberem Strom gespeist und intuitiver Software gesteuert, saugt die containergrosse ­Anlage Luft an. Diese trifft im Inneren in mehr­stufigen Pro­ zessen auf künstlich erzeugte kalte Luft und extrahiert so Wasser. Das kann dann ent­ weder direkt zum Bewässern in der Landwirtschaft, als Bei­ mengung für Baustoffe oder nach Filterung und Minera­ lisierung in der Maschine als Trinkwasser genutzt werden. «Unsere Anlage ist modular und kann auf individuelle ­Bedürfnisse eingehen», sagt Kreisel, der aus erster Hand erfahren hat, wie Leben unter Wasserknappheit aussieht. Seine Frau engagiert sich seit Jahren für den in Kenia und Indien aktiven Bildungsförde­ rungsverein Karibu World. «Sauberes Trinkwasser ist der Ausgangspunkt für jegliche Entwicklung», sagt Kreisel, «und zwei Milliarden Men­ schen haben aktuell keinen ausreichenden Zugang dazu.» Um diesen unerfreulichen ­Zustand zu ändern, kann Phantor bis zu 10.000 Liter Wasser täglich erzeugen und

«SAUBERES TRINKWASSER IST DER AUSGANGSPUNKT FÜR JEGLICHE ENTWICKLUNG.» zusätzlich 36.000 Liter aus ver­ unreinigten Brunnen filtern. Die erste der grossteils ­wartungsfreien Maschinen geht mit Jahreswechsel in Be­ trieb. Ob Kreisel darauf mit Wasser anstossen wird, bleibt abzuwarten. wkreisel.com

INNOVATOR


I N N O V AT O R

CHRISTIAN EBERLE

JOHANNES LANG

Vision wird Realität: In jeder Anlage kann aus Luftfeuchtigkeit Wasser gewonnen und sogar zu Trinkwasser aufbereitet werden.

W&KREISEL GROUP

Über die Entlüftungsventilatoren tritt die trockene Luft aus. Solar-Panels samt Batteriespeicher ­sichern die Energie­ versorgung der Einheit bei Stromausfall. INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

Die erste Turbine, die ausgeliefert wurde, steht im steirischen Feldbach. Unsicht­ bares Detail: Unter der Turbine nisten Vögel.

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INNOVATOR


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ENERGIE

FANG DEN WIND

HANNAH & RENE

WOLFGANG WIESER

JOHANNES LANG

Jeder Luftzug ein Energieschub für dein Heim: Mit Mini-Wind­ rädern made in Austria gewinnst du deinen eigenen Strom.

Die Turbine ist 1,8 Meter lang, wiegt 175 Kilo und lässt sich von jedem montieren, der es schafft, acht Schrauben anzuziehen. Ein weisser Kunststoffmantel umgibt den Rotor. Die fünf glasfaserverstärkten Spritzgussblätter fangen den Wind und befeuern damit den Generator. Mit 45 Zentimeter Länge messen sie nicht e­ inmal ein Hundertstel der Riesenflügel ihrer grossen B ­ rüder in den Windparks. Auch sonst unterscheiden sie sich deutlich: Lärm? «Wie ein kaum hörbares Säuseln im Nadelwald», sagt Herbert Gösweiner, CEO des Startups Blue Power, das die MiniWindräder namens BlueOne entwickelt hat, «weil 99 Prozent des Schalls durch die Einhausung geschluckt werden». Weiters werfen die Rotoren keine störenden Schatten. Und natürlich trotzen sie ­heftigen Stürmen. Selbst o ­ rkanartige Böen mit rund 140 km/h bereiten den kleinen Turbinen keine Probleme. Erste Anlagen stehen bereits: Nr. 1 in Feldbach in der Steiermark, weitere im Windpark Lichtenegg in Nieder­ österreich, fünf sollen auf ein neues Hotel in Wien kommen. Behördliche Genehmigungen sind für das Aufstellen nicht

«JE NACH STANDORT RECHNET SICH DIE ANLAGE IN SIEBEN BIS DREIZEHN JAHREN.»

nötig, es besteht allerdings eine «Anzeigepflicht». Die Kosten für das MiniWindrad samt Steuerung und Einspeiseelektronik: knapp 5300 Franken, plus ein paar Hunderter für Montage und Einbindung ins Haussystem. «In einem Zeitraum von sieben bis dreizehn Jahren rechnet sich die Anlage», sagt Gös­ weiner. Tatsächlich ist das abhängig vom Standort und den herrschenden Winden: «In ­einer günstigen Lage lassen sich mit einem Windrad bis zu 75 Prozent des Energiebedarfs eines durchschnittlichen Haushalts decken.» Die Bestandteile der MiniWindräder kommen übrigens aus Österreich, zusammen­ gebaut werden sie derzeit in einer rund 150 Quadratmeter grossen Halle im oberöster­ reichischen Spital am Pyhrn. Knapp ein Jahrzehnt hat Blue Power an der Entwicklung ­gearbeitet. Jetzt geht diese Saat auf: Erst Mitte Juli wurde ein Vertrag mit einem Vertriebspartner für Jordanien und Israel abgeschlossen. Das ­Verkaufsziel nach den ersten verlustreichen Jahren? ­«Tausend Turbinen jährlich.» bluepower.at

In einer Halle in Oberösterreich werden die Einzelteile zusammengebaut. INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

ENTWICKLUNGSHILFE

ROBOTER ALS RETTER

Peru: Einheimische Ingenieure machen eine Cargo-Drohne zum Abflug bereit.

Tansania: ein «Flying Lab»-Team beim Auswerten von Geodaten

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S O N JA BETSCHART D R O H N E N -­ EXPERTIN, CO -FOUNDER PAT R I C K MEIER ENTWICKLUNGSHELFER, CO -FOUNDER

Satellitenbilder und als Grundlage für Hilfsorganisationen vor Ort enorm wichtig», sagt Sonja Betschart, Geschäftsführerin von WeRobotics. Gegründet hat die zuvor im Naturschutz tätige Schweizerin die Organisation 2015 mit den Entwicklungshilfe- und Public-­ Health-Experten Patrick Meier und Andrew Schroeder. Das Trio sah seine Chance als verbindende Plattform zwischen der Industrie und den Hilfswerken – und erwies sich ­damit als Gamechanger, wie ­Einsätze in bisher 23 Ländern in Afrika, Südamerika, Asien und Ozeanien zeigen. werobotics.org

INNOVATOR

JOHANNES KORNACHER

lichen Dengue-Fiebers lässt sich mit Drohnen aufhalten, wie ein Projekt 2018 auf der Südseeinsel Fidschi zeigte: Um die Infektionsrate zu senken, wurden virusresistente Mücken – statt wie sonst mit dem Auto – flächendeckend mit Drohnen verteilt. Sie verdrängten in der Folge die für die Ansteckung verantwort­ lichen Insekten. Wichtigstes Einsatzgebiet für Drohnen ist derzeit jedoch die Kartografie. In Indien konnten mit ihrer Hilfe nach den Hurricanes im Mai 2019 etwa qualitativ hochwertige, aktuelle Karten erstellt werden. «Diese Daten sind besser als

WEROBOTICS

Es ist nicht ganz einfach zu verstehen, wie «We­ Robotics» arbeitet: Die Schweizer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Genf und Delaware (USA) bedient sich eines weltweiten Netzwerks, in dem Experten mithilfe von Robotik versuchen, soziale und öko­ logische Probleme zu lösen. WeRobotics kümmert sich dann um die Umsetzung der Ideen in Entwicklungsländern – zum Beispiel durch Schulung von Einheimischen. Im Augenblick liegt das Spezialgebiet von WeRobotics auf dem Einsatz von Drohnen. Als «Flying Labs» können die unbemannten Flugkörper etwa Medikamente auf kosten­ günstige und ökologische ­Weise in abgelegene Gebiete transportieren. Aber auch die Verbreitung des hochgefähr­

JOHANNES LANG

Eine Schweizer Non-ProfitOrganisation schafft, woran Industrienationen scheitern: Sie treibt die Entwicklung der südlichen Hemisphäre nachhaltig voran. Wie? Etwa mit dem Einsatz von Drohnen.


KONFERENZREIHE DIGITALE TRANSFORMATION

INDUSTRIE 4.0 VON DER IDEE ZUR UMSETZUNG 30. Oktober 2019 Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon

DIE THEMEN

REFERIERENDE U.A.

Prozessoptimierung oder neue Geschäftsmodelle?

Karl-Heinz Bauer CTO Schindler Dr. Roland Fischer CEO OC Oerlikon Management AG Sascha Hardegger Leiter Helikopter Einsatz und Mitglied der Geschäftsleitung Schweizerische Rettungsflugwacht Rega Dr. Alexandra Ottong Head of Operations MAN Energy Solutions Schweiz AG Dr. Alexandre Pauchard Head of Group R&D BOBST David Strauss Digital Technology Lead Nestlé

Vernetzung und Flexibilisierung der Produktion Daten sinnvoll nutzen zur Optimierung und

Effizienzsteigerung

IT-Bedrohungen in einer digitalen Welt zuverlässig abwehren

Konzeption und Organisation: Finanz und Wirtschaft Forum Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit:

www.fuw-forum.ch/industrie40 PREMIUM PARTNER

MEDIENPARTNER

KOOPERATIONSPARTNER

PARTNER

FÖRDERER


I N N O V AT O R

ASCHE GEGEN FEUER

Ein Zürcher Start-up hat ein revolutio­näres Produkt erfunden und patentieren lassen: einen genialen Gebäude-Dämmstoff aus Ascheschaum.

ETIENNE J E O F F R OY WISSEN­ SCHAFTLER & MITGRÜNDER VO N F E N X

Mit seinem Team erfand der Franzose einen neuartigen Dämm­stoff, der den Anforde­ rungen einer modernen Kreis­ lauf­wirtschaft entspricht.

wiegt. Der Rohstoff? Abfälle aus der Papier-, Stahl- oder Kohleindustrie. Aus den Partikeln der Abfallasche entsteht ein poröser, optisch an ein Meringue-Dessert erinnernder Schaumstoff, der in Ziegeln, Panels oder jeder anderen Form produziert werden kann. Das neunköpfige Zürcher Start-up hat dieses Produkt jetzt patentieren lassen. I S O L I E R E N A U C H D O R T, WO E S WA R M I S T

Während Fiberglas und Steinwolle bei extrem hohen Temperaturen gefertigt werden, lässt sich das Dämmmaterial der Zukunft mit einfachen Maschinen an fast jedem Ort bei Zimmertemperatur pro­ duzieren. Das hält nicht nur die CO²-Emissionen niedrig, sondern auch die Kosten. Den Markt für den neuen Dämmstoff schätzt FenX auf über 22 Milliarden Franken weltweit. Die Gründer hoffen überdies, dass südliche Länder den Sinn von Gebäude-Isolation erkennen: Das würde die Stromkosten für Aircondition senken und die Idee von bezahlbarem Wohnraum für alle beflügeln.  Info: fenx.ch

FENX AG

Aus Asche e ­ ntsteht ein poröser HightechSchaum, der Ge­ bäude feuersicher und günstig isoliert.

JOHANNES LANG

ISOLIERMATERIAL

Die Idee richtet sich ­gegen einen Albtraum: 97 Prozent aller Gebäude in Europa sind nicht oder nur unzureichend isoliert – viele noch dazu mit Styropor, Steinwolle, Fiberglas oder Poly­ urethan. Etienne Jeoffroy von der ETH Zürich, ein international an­erkannter Experte für Dämmstoffe im Bauwesen, weiss: «Diese Materialien brennen wie Zunder.» Entflammen sie an einem Ge­ bäude, endet es meist in einer Katastrophe – wie 2017 in London, als ein defekter Kühlschrank zum Brand des Grenfell Tower führte. Doch die Entflammbarkeit ist nur einer von vielen Aspekten, die den gebürtigen Franzosen umtreiben: «Es geht auch um eine hohe Isolationsqualität, niedrige Kosten und Nachhaltigkeit.» Gemeinsam mit seinen Kollegen und Studenten des im Mai dieses ­Jahres gegründeten ETHSpin-offs FenX hat er deshalb ein Dämmprodukt entwickelt, das unbrennbar, mechanisch stabil und zu 100 Prozent ­recycelbar ist, hervorragend dämmt und darüber hinaus kaum mehr als Styropor

JOHANNES KORNACHER

B U L L E VA R D 

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INNOVATOR


Licht an, bitte! Gründerin Céline Fallet beim Innovator-Foto­ shooting in Zürich. Wie beim Crowdfunding dreht sich bei dieser Medienproduktion alles um Teamarbeit.

Céline Fallet hat mit wemakeit die grösste Schweizer CrowdfundingPlattform aufgebaut – und schon unzählige Projekte und Karrieren ermöglicht. Auch weil sie die ungewöhnlichen Ideen den gewöhnlichen vorzieht.

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INNOVATOR


DIE

MÖGLICH-

MACHERIN Text: Dominik Schütte

INNOVATOR

Fotos: Gian Paul Lozza

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Fertig für die Kamera Céline hat einen Blazer über­ gezogen. Der ­Stylist trägt ­Make-up auf. Der ­Assistent bringt den Be­lichtungs­ messer ins Spiel.

MIT DEM WAC W IR SEHR BEI 50 L AS SEN W IR

HSTUM SIND ZUFRIEDEN, MILLIONEN ES RICHTIG KR ACHEN, sagt Céline Fallet

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INNOVATOR


Céline Fallet: Milestones 2012 Fallet schreibt ihre Bachelorarbeit zum Thema Crowdfunding an der Zürcher Hochschule der Künste.

DAS

Papier wellt sich schon, aber die Botschaft, die das Plakat an der Bürotür verkündet, hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren: «Es ist streng verboten zu gehorchen», steht darauf. «Ist doch gut, immer schön die Grenzen sprengen», sagt Céline Fallet, Co-Geschäftsführerin von wemakeit, jener Crowdfunding-Plattform, die von Johannes Gees, Rea Eggli und Jürg Lehni gegründet worden ist. Fallet steht hinter einer Mitarbeiterin und blickt auf deren Bildschirm. Auf wemakeit.com stehen mehr als 100 Crowdfunding-Projekte live. Das heisst, mehr als 100-mal hat ein Initiant eine Idee gehabt – von der Produktion eines Musikalbums bis zum Bau eines Skateparks – und wirbt nun um Unterstützung der Crowd. Als ­Gegenleistung gibt’s Belohnungen: ein Treffen mit der Band oder ein Unterstützer-Zertifikat. Fallets Mitarbeiterin überprüft gerade Projektseiten, danach werden Feedbacks erteilt und die Projekte letztlich freigegeben. Die Initianten müssen dann nur noch aufs Knöpfchen drücken – live steht das Crowdfunding-Projekt. «Es ist für die Leute total wichtig, dass sie den letzten Klick vornehmen.»

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2012 Unmittelbar nach der Gründung durch Johannes Gees, Rea Eggli und Jürg Lehni stösst Fallet zu wemakeit.

2015 Fallet ist auch aktiv im Kulturwesen, seit 2015 ist sie Head of Communication des Festivals «Nacht der 1000 Fragen».

2018 Mit dreissig Jahren wird sie als COO und CTO Mitglied der ­Geschäftsführung von wemakeit.

2018 Sie wird Boardmember der neu gegründeten Crowdinvesting-Plattform Omnium, die bald an den Start gehen wird.

inno­vator: Céline, Sie kommen frisch aus dem Urlaub. WLAN oder kein WLAN? céline fallet: Wenig WLAN. Na ja, ein bisschen WLAN. Okay, okay: genug WLAN. Aber ich habe inzwischen dazugelernt, ich kann gut abzuschalten. Sie haben 2012 als Studentin zum Thema Crowdfunding geforscht, im gleichen Jahr wurde wemakeit gegründet. In Internet-Dimensionen sind das Jahrhunderte. Hat sich der Markt seitdem verändert? Massiv, auch in der Schweiz. Anfangs hatten wir zwei Konkurrenten, heute sind es mehr als vierzig. Erinnern Sie sich noch, wann Sie das erste Mal ein Crowd­fundingProjekt unterstützt ­haben? Ja, das war lustigerweise bei ­wemakeit: Das Projekt hiess Die Narrgenda. Eine Agenda mit ­Texten von jungen Autoren und Autorinnen, die einen durchs Jahr begleitet hat. Man wird dabei täglich mit überraschendem Lesestoff beliefert. Unterstützten Sie aktuell eines? Ich bin tatsächlich selbst oft aktiv auf der Plattform. «print matters!» lag mir zuletzt sehr am Herzen. Das ist ein kleiner Laden für un­ abhängige Magazine aus aller Welt in Zürich, der es nicht einfach hat und eine neue Location sucht. Sie haben von der neuen Konkurrenz gesprochen. Was unterscheidet wemakeit noch vom Rest? Bitte ein kurzer Pitch. Wenn ich pitchen müsste, würde ich sagen: wemakeit ist die grösste Crowdfunding-Plattform der Schweiz, mit der grössten Crowdfunding-Community. Und dass wir auch in anderen Ländern des deutschsprachigen Raums zu den erfolgreichsten gehören. Das liegt in unseren Augen an der grossen Bandbreite von Projekten, die bei uns initiiert werden. Im Grunde ist alles möglich, von der Kleinst­ idee bis zum Mammutprojekt. In sieben Jahren wurden fast 4000 Projekte erfolgreich finan-

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ziert, die Gesamtsumme der ­Unterstützungen beträgt knapp 50 Millionen Franken zu. Läuft die Entwicklung nach Plan? Ehrlich gesagt hatten wir anfangs gar keinen Plan. Wir waren ja eine der allerersten Plattformen in der Schweiz, und weil die Schweiz klein ist, hatten wir keinen Vergleichswert. Mit dem Wachstum sind wir aber sehr zufrieden. Bei 10 Millionen Euro Gesamtsumme haben wir schon eine Riesenparty gemacht, bei 50 Millionen wird’s noch lauter, da lassen wir es richtig krachen. Ist die Übersichtlichkeit des Schweizer Markts von Vorteil? Zu Beginn war es so, ja. Weil wir den Markt einfach gut kannten. Der sprachliche Aufwand ist aber enorm. Dennoch haben uns die Voraussetzungen hierzulande ­geholfen, uns zu etablieren und schnell zu wachsen. Es ist auch noch eine Menge Potenzial vorhanden, gerade was grosse Projekte angeht.

Wie funktioniert Crowdfunding? Mit einer originellen Idee möglichst viele Menschen erreichen – so gewinnst du Unterstützer für dein Projek t.

1. Die Idee Ob Gadget oder Veranstaltung – Crowdfunding hilft, eine Idee umzusetzen.

Inzwischen geht wemakeit die Internationalisierung an. Wie sieht Ihre Strategie aus? Vor drei Jahren haben wir beschlossen, ein Büro in Österreich aufzumachen. Die Situation dort war ähnlich jener vor unserer Zeit in der Schweiz – es gab einfach noch keinen grossen Anbieter. Deswegen war es die richtige ­Entscheidung, wir sind sehr zufrieden. Noch zögern Sie mit dem Schritt nach Deutschland, woran liegt das? Dafür gab es noch nicht die ­richtige Konstellation. Um im deutschen Markt mitmischen zu können – gegen etablierte Plattformen wie Startnext –, braucht es jedenfalls eine ordentliche Geldspritze. Diese Spritze hat noch keiner auf den Tisch gelegt? Nein, und wir haben auch nicht aktiv Ausschau gehalten. Für Frankreich gilt Ähnliches, auch der dortige Markt wird von gros­sen Plattformen dominiert. In den Grenzregionen, wo sich die Spra-

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2. Präsentation Die Initianten präsentieren die Idee originell, z. B. mit einem Video.

5. Buzz Je mehr Leute über die Idee reden, desto besser!

6. Finanzielles Ziel nicht erreicht? Noch mal die Präsentation überarbeiten!

4. Helper Das Wichtigste: User müssen nun Geld für das Projekt geben.

entweder/ oder

7. Payback wemakeit zahlt den ­Unterstützern ihr Geld zurück.

3. Crowd Ziel: viele Menschen erreichen. wemakeit hat mehr als 300.000 User.

6. Finanzielles Ziel erreicht! Überweisung der Summe an den Initianten.

7. Payout Initiant erhält 90 %, wemakeit 6 %, Zahlungsdienstleister 4 %. INNOVATOR


Feinarbeit Der Stylist trägt Lipgloss auf, der Groomer bringt die Haare in Form. Der Assistent sorgt mit dem Aufheller für ­perfekte Konturen.

chen vermischen, kann wemakeit aber eine gute Rolle spielen. Dennoch: Der Fokus liegt ­momentan auf der Schweiz. Was müsste ein Partner mit­ bringen – neben der Spritze? Wir wollen unabhängig und frei bleiben, also müsste eine ­Zusammenarbeit im Rahmen spannender Partnerschaften stattfinden oder mithilfe von Stiftungsgeld. Wir haben auch keine ­Werbung im eigentlichen Sinne auf der Seite, das möchten wir beibehalten. Nicht zuletzt muss es auch für das Team passen. Wie viele Mitarbeiter haben Sie inzwischen? In Zürich sind wir zu dritt, dann sitzt jemand in Lausanne, der für die Romandie zuständig ist. Drei Personen in Wien. Und das Entwicklerteam von vier Leuten, die in Deutschland und Frankreich ­leben. Wir sind sehr digital und vor allem remote unterwegs. Wie organisiert man sich da und entwickelt eine Firmenkultur? Das ist ein wichtiger Punkt, hier mussten wir viel lernen in den vergangenen Jahren. Wir arbeiten mit Zoom, unserer Erfahrung nach das beste System für Videokonferenzen. Vor allem aber haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, dass man sich regelmässig trifft und nicht nur am Bildschirm kommuniziert. Im Kernteam ­sehen wir uns alle drei Monate, abwechselnd an den Standorten. Das funktioniert zum Glück sehr gut, wir haben ein tolles Team

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W IR H A BEN GEME W IE W ICH T IG E S DAS S M A N NICH T BIL DSCHIRM KOM

RK T, IST, NUR A M MUNIZIERT.

und flache Hierarchien. ­Jeder hat seinen Verantwortungsbereich und kann sich auf den anderen verlassen.

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Millionen Euro beträgt die Gesamtsumme der von wemakeit bislang aufgebrachten Unterstützungen.

Bei so vielen Projekten, passiert da manch­ mal noch die Magie, dass man sich gegen­ seitig zum Bildschirm ruft, wenn ein un­ gewöhnliches Projekt online gestellt wird? Mich begeistern immer wieder die spontanen Initiativen und ungewöhnlichen Ideen. Wenn sich eine Umweltdemo organisiert beispielsweise oder wenn ein Co-Working Space mit Kinderbetreuung um Unterstützung bittet – das ist in der Schweiz nämlich ein Riesen­

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Céline Fallet

W ENN INITI ATI V EN DAS LEBEN DER MENSCHEN BERÜHREN, GEHT MIR DAS HERZ AUF. 30  

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Bitte lächeln! Styling und Frisur sitzen. Nun übernimmt der Fotograf. Am Ende wird unser Art-Direktor aus 500 Fotos ein Coverbild aus­ suchen.

problem. Aber die haben das auf die Beine gestellt, und es funktioniert. Wenn Initiativen das Leben der Menschen berühren, geht mir das Herz auf. Wie ist Ihre Politik hinsichtlich Politik? Sind Sie sehr wachsam, was entsprechende Initiativen angeht? Wir sind eine offene Plattform, nichtsdesto­ trotz nehmen wir natürlich eine politische Haltung ein, gerade weil wir ein privat­ wirtschaftlich geführtes Unternehmen sind. Wenn wir finden, eine Initiative geht nicht in die richtige Richtung, entscheiden wir durchaus, etwas nicht online zu stellen. Und auch sonst schauen wir genau, wie sich politische Kampagnen entwickeln, denn oft kann es in eine Richtung gehen, mit der ­anfangs nicht zu rechnen ist. Wie würden Sie die politische Haltung von wemakeit beschreiben? Unsere Haltung ist sehr liberal, entsprechend möchten wir, dass alles auf der Plattform ­dieser liberalen Haltung der Partner und Gründer von wemakeit entspricht. Wie oft kommt es vor, dass Sie eine Initia­ tive von der Seite nehmen müssen? Extrem selten, weil alles im Vorhinein ge­ checkt wird. Es gab aber eine Geschichte, als eine Abstimmung über die Abschaffung der Billag initiiert worden ist. Hier haben wir ent­ schieden, die Initiative von der Plattform zu nehmen. Da gab’s einen richtigen Shitstorm. Haben Sie deswegen andere Projekte ­verloren? Ja, aber auch andere hinzugewonnen. Damit konnten wir also gut leben. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren, falls kein kalifornischer Internetriese wemakeit schluckt?

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3992 erfolgreiche Projekte liefen bereits über wemakeit.

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Prozent der angestrebten wemakeit-­ Finanzierungen werden Realität.

310.258 ist die Anzahl der wemakeitCommunityMitglieder.

Von wegen – in fünf Jahren über­ nehmen wir Kickstarter! Im Ernst: In fünf Jahren möchten wir defi­ nitiv auch in Deutschland und Frankreich unterwegs sein. Haben Sie Pläne zur Diversi­ fizierung, also zur Ausweitung Ihres Projekts? wemakeit ist reward-based (der Unterstützer erhält als Gegenleistung vom Unternehmer kein Geld zurück, sondern eine «Belohnung» in Form eines Goodies oder Prototyps; Anm.), man darf rechtlich gesehen keine finanziellen An­ teile ver­kaufen – also kein Crowd­ investing vornehmen. Wir spüren hier aber einen starken Need. Des­ wegen arbeiten wir an einer neuen Plattform auf Blockchain-Basis. Wir möchten im Herbst die Finan­ zierungsphase abschliessen, damit wir im nächsten Frühling mit dem ersten Projekt starten können. Kommen bei Crowdinvesting die Standortvorteile der Schweiz besonders zum Tragen? Darauf setzen wir ja. Wir werden die Plattform auch unabhängig von wemakeit gestalten und haben eine eigene AG gegründet, mit neuen Leuten. Wir wollen aber den Wechsel zwischen den Platt­ formen möglich machen. Ein Ini­ tiant, der merkt, er braucht doch mehr Geld, soll switchen können. Dürfen Sie den Namen schon verraten? Die Plattform wird oomnium heissen. Alles soll möglich sein? Alles soll möglich sein, genau. Die Idee ist, dass sie sich in eine dezentrale Organisation auflöst, in der alles sehr selbstreguliert funktionieren wird. Aber das ist eine grosse Vision. Mehr als fünf Jahre! Styling Jennifer Tschugmell Hair & Make-up Katerina Carambellas


READY FOR

TAKEOFF WIR TESTEN DIE AUTONOME TAXI - DROHNE

Schon bald sollen Drohnen eine Möglichkeit sein, bequem von A nach B zu kommen. Zumindest in der Theorie. Aber wie realistisch ist das wirklich? Unser Reporter hat in China exklusiv einen Probeflug gemacht. FOTOS Gregor Kuntscher

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TEXT Felix Diewald

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Alles einsteigen! In der Drohne des chinesischen Herstellers Ehang gibt es keinen ­Piloten. Sie fliegt die Passagiere selbständig.

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F

Ganz schön abgehoben. 50 Meter über der Stadt Guangzhou fühlt man sich im ­Taxidrohnen-Cockpit der ziemlich einsam.

«FLIEGE ICH WIRKLICH ALLEIN?», rufe ich

dem chinesischen Techniker auf der Startund Landeplattform zu, während er die Flugfunktionen der Drohne überprüft. «Keine ­Sorge, das ist ganz sicher», sagt er grinsend und schlägt die Tür zu. Ich schaue mich im Cockpit um: nüchterne Umgebung, keine Knöpfe, keine Schalter. Ein Bildschirm zeigt die Flugroute an. Plötzlich ertönt eine verspielte elektronische Melodie. Draussen ­beginnen die Rotorblätter zu wirbeln. Meine Handflächen passen sich der lokalen Luftfeuchtigkeit von 78 Prozent an, dann hebe ich ab. Zügig steigt das Fahrzeug auf, ich s­ püre den Luftzug der Propeller durch die Tür, alles vibriert. In 15 Meter Höhe bleibt die Drohne wie angeschraubt stehen. Hübsche Aussicht auf die Skyline von Guangzhou, einer Stadt im Südosten Chinas, die früher Kanton hiess. Es bleibt kaum Zeit, sich zu fürchten, da sinke ich auch schon wieder zu Boden. Der letzte halbe Meter vor dem Aufsetzen gerät etwas unsanft, aber dann ist mein erster Flug mit ­einer autonomen Drohne unfallfrei über­ standen. Gar nicht so schlimm, denke ich.

 DAS VERSPRECHEN

Drohnen wie diese – da sind sich fast alle Studien zum Thema urbane Mobilität einig – werden die Zukunft der Fortbewegung in Ballungsräumen sein. Denn am Boden, also mit Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln,­ stösst sie schon heute an ihre Grenzen. Was bleibt, ist ein Ausweichen in die dritte Dimension: in den bis jetzt kaum genutzten­ Luftraum zwischen 50 und 200 Meter Höhe. Autonome Flugtaxis, so die Ansicht der meisten Börsenanalysten, sind in absehbarer

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Reine Vertrauenssache. Die grösste Hürde beim Flug mit einer autonomen Drohne befindet sich im Kopf: Schliesslich gilt es, einem Algorithmus zu vertrauen.

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Hallo? Ist da jemand? Über Funk ist der Passagier mit der Flugkontrolle ver­ bunden. Im Notfall kann sie die Steuerung übernehmen.

Zeit eine fantastische Möglichkeit, Geld zu verdienen. Viel Geld. Das Rennen zu dieser Quelle des Reichtums hat längst begonnen. Weltweit bemühen sich viele Unter­ nehmen, Drohnen zur Personen­ beförderung und ein dazu passendes Geschäftsmodell zu entwickeln. In China beschäftigt sich die Firma Ehang intensiv mit dem Thema, sie zählt zu den zehn erfolgreichsten Start-ups des Landes. Warum ich ausgerechnet dieses Unternehmen besuche, liegt auf der Hand: Ehang hat als einer der wenigen Mitbe­ werber bereits ein flugfertiges Vor­ serienmodell zu bieten. Und das verspricht einen grossen Schritt von der Science-Fiction in die Realität.

 DIE OFFENEN FRAGEN

Das Konzept selbst leuchtet ja ein, es bleibt dennoch eine Reihe von Fragen:­ Zum Beispiel, wie diese Drohnen INNOVATOR

ohne Pilot fliegen können; ob eine Software wirklich dafür sorgen kann, dass sich tausende Drohnen über einem dicht bewohnten Gebiet ohne Crash bewegen; oder wie viel so eine Drohne und die nötige Infra­ struktur mit Start- und Landeplätzen kostet; und überhaupt: wann Flug­ taxis tatsächlich bei uns zugelassen werden. Aber die wichtigste Frage von allen lautet: Wie fühlt es sich an, in einer führerlosen Drohne zu sitzen? Werden wir einem solchen System je vorbehaltlos vertrauen? Antworten darauf soll ich im sogenannten Command Center von Ehang bekommen. Es befindet sich in einem Nachbau der Pariser Oper im World Park von Guangzhou, e­ inem Areal von der Grösse des Wiener Praters. Vor einigen Jahrzehnten baute ein reicher Geschäftsmann hier die grossen Sehenswürdigkeiten­ dieser Welt nach. Mittlerweile fliegen die Chinesen lieber zu den  35


Originalen, und der World Park ist Geschichte. Deshalb findet jetzt in der Pariser Oper die Zukunft statt. Jialong Chen ist ein quirliger Inge­ nieur mit Brille und freundlichem Gesicht. Er leitet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Ehang. Chen macht mich mit Ehang 216, dem Vorserienmodell, bekannt. «Wir haben sechzehn Rotoren an acht Armen angebracht, theoretisch können bis zu sieben auf einmal ausfallen, ohne den Flug zu gefährden.»

 SICHER IST SICHER IST SICHER

Chens Team besteht aus den besten­ Uni-Absolventen Chinas. Sie fangen­ direkt nach dem Studium bei Start-­ ups wie Ehang an und basteln in Sneakers und kurzen Hosen an den Drohnen und vor allem an der Software. Die Ingenieure haben das Prinzip der Redundanz, also dass alle wichtigen Funktionen in vielfacher Ausführung vorhanden sind, bei jedem Aspekt der Drohne verfolgt.

«BIS ZU SIEBEN ROTOREN KÖNNEN GLEICHZEITIG AUSFALLEN, OHNE DEN FLUG ZU GEFÄHRDEN.» Die Batterien sind zum Beispiel in acht unabhängig voneinander an­ gebrachten Einheiten verbaut. Und auch die Software, das Kernstück der Ehang-Drohne, ist mehrmals abgesichert: Drei Bordcomputer, aus­ gestattet mit jeweils zwei Sensoren, die Position und Geschwindigkeit er­ mitteln, befinden sich in der Konsole. Schön und gut – aber was passiert, wenn alles schiefgeht? «Im Notfall können wir vom Command Center

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aus den Autopiloten übernehmen und die Drohne manuell steuern.» Die Aufladung der Batterie dauert eine Stunde. Mit einer Schnelllade­ funktion können auch 80 Prozent ­Batterie in nur 15 Minuten geladen werden. Der Strom einer vollen Batte­ rie reicht für rund eine halbe Stunde Flug, in der die Drohne mit einer Ge­ schwindigkeit von bis zu 130 km/h 50 bis 75 Kilometer zurücklegt. Was ist die grösste Herausforde­ rung bei der Entwicklung? «Sicher, dass das Programm auch bei schwieri­ gen Flugbedingungen funktionieren muss. Aber vor allem macht uns das Gewicht zu schaffen. Die Drohne ist immer noch zu schwer.» An dieser Stelle kommt die öster­ reichische Firma FACC ins Spiel. Das Unternehmen aus Ried im Innkreis ist einer der Weltmarktführer, wenn es um die Fertigung leichter Flugzeug­ teile geht. Seit zwei Jahren kooperiert man mit Ehang. Während Idee und Software von den Chinesen stammen, bringt FACC sein Know-how ein, wenn es um Hightech-Materialien geht, die Gewicht und in der Folge Energie sparen. Die aktuelle Version der Ehang 216 wiegt noch 360 Kilo. Ende 2019, wenn die reguläre Pro­ duktion anläuft, soll die Drohne um bis zu 25 Prozent leichter sein.

 DIE EHANG-STORY

All das wäre ohne Hu Huazhi nicht möglich gewesen. Der Gründer von Ehang hat Anfang des neuen Jahrtau­ sends an der renommierten TsinghuaUniversität in Peking Informatik ­studiert. Wenig später beginnt er er­ folgreich, Software für Cloud-Dienste, ­Videosteuerung und intelligente Stadtplanung zu entwickeln. Neben­ bei macht der junge Programmierer den Pilotenschein und wird zum be­ geisterten Flieger. Er bemerkt, dass es ausser ihm kaum jemanden in der Luftfahrt gibt, der sich auch für Themen wie künst­ liche Intelligenz oder Software inter­ essiert. Als 2012 schliesslich zwei sei­ ner Freunde bei Helikopter-Abstürzen ums Leben kommen, beschliesst ­Huazhi, seine Expertise im IT-Bereich mit dem Fliegen zu verbinden.

Probeflug ins Büro Ehang-Gründer Hu Huazhi fliegt täglich per Drohne zur Arbeit. Unser Reporter Felix Diewald darf als erster Journalist die gleiche Route nehmen.

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Skyline von Guangzhou (einst: Kanton). Die südostchinesische Metropole mit ihren 15 Millionen Ein­ wohnern ist die Hei­ mat von Drohnenhersteller Ehang.

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Schöne Aussicht. Keine Knöpfe, keine Schalter: Im Cockpit herrscht eine nüch­ terne Atmosphäre. Zwei Bildschirme zei­ gen die geplante Flug­ strecke – das war’s.

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Command Center. Von hier aus werdencorum alle Flüge Xererit, programmiert überwacht. dolum und sinulliquie­ Theoretisch kann so ein Kontroll­ perum autem que zentrum bis zu tem. tausend Drohnen gleich­ est, Et aut zeitig unfallfrei in der Luft halten. harum atetur.I

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«DIE LEUTE ERKLÄRTEN MICH FÜR VERRÜCKT»

Huazhi, ein kettenrauchender Vifzack, wirkt auf mich eher wie ein ­genialer Erfinder als wie ein smarter Geschäftsmann. Er arbeitet am liebsten nachts, erzählen Kollegen. Ein Meeting morgens ansetzen? Kannst du mit ihm vergessen. Im Gespräch erinnert sich Huazhi an die Anfänge zurück: «Eine Drohne, die von selbst fliegt? Die Leute erklärten mich für verrückt, niemand glaubte, dass das funktionieren könnte.» Nachdem Hu Huazhi, damals 35, Ehang gegründet hat, setzt er sich zu Hause an seinen kleinen 11-Zoll-Microsoft-Laptop und «lebt», wie er sagt, einen ganzen Monat, Tag und Nacht, im Code der Software. «Keine Ahnung, wie ich in dieser Zeit überlebt habe», sagt er. «Ich habe nicht mal vom Bildschirm auf­geschaut, wenn es Essen gab. ­Meine Frau erzählt, es war, als ob sie einen Hund gefüttert hätte.» Er lacht schallend. Jeden Abend nimmt Hu Huazhi Frau und Sohn zu einem ­nahegelegenen Brachland, um seine spielzeuggrosse Drohne zu testen. Doch sie macht vorerst nicht das, was er programmiert hat, sondern fliegt wild durch die Gegend, bevor sie abstürzt. «Mein Sohn hat gejubelt, ich war wütend und frustriert.» Doch mit jedem Mal lernen Huazhi und die Drohne dazu. Und dann, im Herbst 2013, fliegt sie endlich genau so, wie er will – automatisch, ganz ohne Fernsteuerung und Pilot. Huazhi: «Genau diese Code-Zeilen von damals sind immer noch der Kern unserer Software.» Wenig später startet Ehang die erfolgreichste Crowdfunding-Kampagne Asiens. In der Zentrale von Ehang, einem sechsstöckigen ­Gebäude im Business-Viertel von ­Guangzhou, ar­beiten heute rund 300 Menschen. Und immer wieder gibt es Gerüchte, dass Ehang bald in den USA an die Börse gehen wird.

 WIE DIE FLUGTAXI-ZUKUNFT AUSSEHEN WIRD

«Flugtaxis», sagt Hu Huazhi, «werden den klassischen Nahverkehr mit ­U-Bahnen und Autos nicht ersetzen, aber ergänzen.»

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«TAXI-DROHNEN WERDEN DEN KLASSISCHEN NAHVERKEHR MIT U-BAHNEN UND AUTOS NICHT ERSETZEN, ABER ERGÄNZEN.» In der Praxis soll der FlugdrohnenVerkehr über eine App funktionieren, in der man den gewünschten Zielort eingibt. Dann sucht man einen so­ genannten Vertiport auf – eine der Start- und Landeplattformen, die strategisch über die ganze Stadt verteilt sind. In der Folge fliegt die Drohne vollautomatisch, obgleich überwacht von einer Flugleitzentrale, zum Ziel. Viele Studien sagen voraus, dass sich Flugtaxis in den ersten Jahren vor ­allem für die Strecke zwischen Flughafen und Stadtzentrum bezahlt ­machen werden. Werden die ersten Ehangs also von Schwechat in die ­Innenstadt fliegen? Hu Huazhi schüttelt den Kopf. «Wir müssen beim Thema Urban Air Mobility die breite Bevölkerung ins Boot holen», sagt er. «Das schaffe ich nicht mit Lösungen für Touristen und Geschäftsleute.» Huazhi denkt vielmehr an die Zielgruppe der Pendler. «Wenn sich Menschen beim Arbeitsweg Zeit ersparen, dann leisten wir etwas sehr Wichtiges. Drohnen dürfen nicht nur ein Spielzeug für Reiche sein.» Gutes Stichwort. Was wird der Spass denn kosten? Am Anfang wird eine Ehang-Drohne auf etwa 300.000 Euro pro Stück kommen, erklärt der Gründer, aber Privatleute werden sie sowieso nicht kaufen können – schon aus regulatorischen Gründen.

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Next Big Thing. Ehang hat schon tausende Vor­ bestellungen für die Drohne. Dabei startet die Serien­ produktion erst Ende des Jahres.

Backstage Der Hangar, in dem die FlugDrohnen ge­ wartet und auf­ geladen werden.

Traumjob für Nerds. Chinas beste Uni-­ Absolventen basteln in Sneakers und T-Shirt an den Drohnen und vor ­allem an der Software.

Leichte Verschubmasse. Es dauert nur eine halbe Minute, bis eine Drohne aus dem Hangar zum Vertiport geschoben und startklar ist. INNOVATOR

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Jedes Gramm zählt. Trotz acht Armen und acht Batterien wiegt die Drohne nur 360 Kilo. Bis zum Serien­ start soll sie noch um 90 Kilo leichter werden.

Mastermind Hu Huazhi, Grün­ der von Ehang: Den ersten Code für den Auto­ piloten program­ mierte er allein im Schlafzimmer. 42  

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ABER WIRST DU EINSTEIGEN?

Was den Preis pro Flug angeht, so rechnet Ehang damit, dass er bloss eine Spur höher liegen wird als eine normale Taxifahrt. INFO

 WANN STEIGST DU EIN?

Doch wann stehen Flugtaxis tatsächlich für jedermann zur Verfügung? Die Antwort auf diese Frage sollte Y ­ elena Zhang kennen, sie ist bei Ehang die Verantwortliche für behördliche ­Vorgaben. Yelena war früher bei der ­chinesischen Luftfahrtbehörde tätig und kennt die Bestimmungen für Flugtaxis genau. Was deren Zulassung ­betrifft, besteht das Problem darin, dass kein rechtlicher Rahmen für sie existiert. Bis jetzt betreibt Ehang in China bloss ein paar Teststrecken. Und bemüht sich um Sondergenehmigungen, um in chinesischen Städten Sightseeing-Flüge anzubieten. Und was ist mit fliegenden Taxis? «Auch hier wird Asien sehr schnell sein», sagt Zhang. Sie geht davon aus, dass der Betrieb in China in den nächsten ein bis zwei Jahren starten wird. Hier wird das Thema laut Zhang mit einer anderen Ernsthaftigkeit ­behandelt. «Im chinesischen Verkehrs­ ministerium arbeiten hunderte Beamte ausschliesslich an diesem Thema. Das sind andere Ressourcen als in ­Europa oder den USA.» Und ab wann ist mit Taxi-Drohnen in Österreich zu rechnen? Europa wird wohl Mitte der Zwanzigerjahre hinzukommen, sagt Zhang. Trotz des Hypes und einer Industrie, die mit langen Zähnen auf Zulassungen wartet, macht die Expertin klar, wie wichtig offizielle Standards sind: «Regulierung schafft Sicherheit.» Dabei gehe es nicht nur um die Drohnen selbst (die seien, sagt Zhang, schon sicher genug), sondern auch um die gesamte Infrastruktur – von den Abflugstationen bis zur Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern. «Sollte einmal ein Unglück passieren, ist nicht nur das jeweilige Unternehmen, sondern die gesamte Passagier-Drohnen-Industrie tot», beschreibt Yelena Zhang den Albtraum der Branche. «Wir dürfen Sicherheit nicht der ­Geschwindigkeit opfern – auch wenn die Freigabe dann erst ein oder zwei Jahre später kommt.» INNOVATOR

FLUG-TAXIS DER COUNTDOWN Derzeit gibt es noch keinen rechtlichen Rahmen für die Flugdrohnen, deshalb bewegen sie sich nur auf Teststrecken. Bei Ehang geht man davon aus, dass der reguläre Flugbetrieb in China in den nächsten zwei Jahre starten kann. Europa soll Mitte der Zwanzigerjahre folgen, gegen Ende des nächsten Jahrzehnts soll der Service weltweit ausgerollt sein und dann nicht viel mehr als eine normale Taxifahrt kosten. Ehang geht mit seiner TaxiDrohne jedenfalls Ende 2019 in Serienproduktion.

• Taxi-Drohne: bald Alltag?

Neben technischen und gesetzlichen Hürden gibt es noch eine dritte: die psychologische. Experten machen sie sogar als grösste Barriere aus, die es noch zu überwinden gilt. Manche Analysten gehen davon aus, dass anfangs Flugbegleiter mitkommen werden, um Konsumenten an die neue Transportmethode zu gewöhnen. Ehang geht einen anderen Weg, wie Zhang erklärt. «Es bringt nichts, jemanden zu haben, der dir die Hand hält. Die Skeptiker wirst du sowieso nicht überzeugen können. Auf die zielen wir nicht ab. Wir zählen auf die Enthusiasten, die laut Studien über 50 Prozent ausmachen.» Zur Beruhigung wird sich bei Ehang bei jeder Fahrt zumindest eine menschliche Stimme von der Flugkontrolle im Cockpit melden.

 TESTFLUG NUMMER ZWEI

Ehang-Gründer Hu Huazhi fliegt mit einer Sondergenehmigung täglich mit der Drohne von daheim zur Arbeit – und erspart sich so die Autofahrt ins Büro. Und ich darf, als erster Journalist überhaupt, einmal diese Route fliegen. Als die Techniker meinen Flug vorbereiten, zeichnet sich am Horizont bereits der nächste sub­ tropische Regenguss ab. Wir ­starten besser gleich, heisst es. Diesmal steigt die Drohne deutlich höher, bei gut 50 Meter Höhe bleibt sie stehen. Dann begibt sich die Drohne in Schräglage und fliegt eine Kurve. Ich muss an den Kletterpark-Ausflug in der fünften Klasse denken, den ich abbrechen musste, weil mir der ­Flying Fox zu steil war. Ich fühle mich plötzlich sehr, sehr allein da oben. Aber schon nach wenigen Sekunden flotten Fluges taucht auch schon das Command Center hinter den Baumwipfeln auf. Wenig später steige ich aus. So arg, wie ich mir das vor­ gestellt hatte, war es gar nicht. Mir ist nicht einmal schlecht geworden. Also ich könnte mich dran gewöhnen.

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INN OVATOR WIS SEN

HOW  TO S   TART UP EINE

ANLEITUNG IN SCHRIT TEN

Es ist ein Riesenschritt, der bedacht sein will: die eigene Firma aufmachen. Aber unser Experte Simon May sagt: Wenn du diese 13 Punkte beachtest, kann nicht viel schiefgehen.

Aufgezeichnet von Dominik Schütte

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Keine Minderwertig­ keitskomplexe! Du willst eine Firma gründen oder dich selbständig machen? Sehr gut, da bist du nicht allein. In der Schweiz werden jährlich mehr als 40.000 neue Unternehmen ins Handelsregister eingetragen. Die wenigsten davon sind super­­ innovative Techie-Buden, die die Welt verändern werden. Die meisten sind herrlich normal: Architekturbüros, Web-Agen­ turen, Beratungen. Wenn du also eine Physio-Praxis oder einen Coiffeur-Salon eröffnen willst: Steh dazu und sei stolz darauf!

Verlass dich nicht auf eine gute Idee Du hast auch schon eine kon­ krete Geschäftsidee? Das ist noch besser. Aber leider erst die halbe Miete. 10 Prozent ist Inspiration, 90 Prozent Transpiration. Also: Machen, ausführen, dafür leben!

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«Hol dir das Feedback von Menschen, die von der Materie keine Ahnung haben. Erklärst du deine Idee in einfachen Worten und das ­Gegenüber sagt: ‹Klar, versteh ich›, dann bist du auf einem guten Weg.»

Hol dir Feedback von Laien ein Eine Idee schlägt im Herzen des Gründers, da bekommt man sie schlecht raus. Deshalb werden Geschäftsideen meist auch nicht geklaut. Und darum kannst du sie ruhig erzählen. Am besten Menschen, die von der Materie keine Ahnung haben. Dem Bäcker nebenan, den eigenen Eltern, der Verkäuferin aus dem Dorfladen. Erklärst du deine Idee in ein­ fachen Worten und das Gegenüber sagt: «Klar, versteh ich», dann bist du auf einem guten Weg.

Entwickle deine eigene Vision Wer zu verliebt ist in die eigene Idee, steckt bereits tief im Detail, ohne sich über die eigentliche Vision klar zu sein. Die wichtigs­ ten Fragen lauten: Was möchte ich erreichen? Will ich meinen Lebensunterhalt damit finan­ zieren? Oder bloss ein H ­ obby professionalisieren? Was ist mein Traum? Reich werden? Die Umwelt schützen? Die Welt verbessern? Du musst über die Idee hinausdenken. Die Vision, den Chef loszuwerden, weil er ein Idiot ist, reicht übrigens nicht.

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Erstelle einen Businessplan – aber meissle nichts in Stein

Dass der Wirtschaftsstandort Schweiz in internationalen ­Rankings regelmässig auf den ­vorderen Plätzen landet, kommt nicht von ungefähr: Die Schweiz ist Innovations- und Effizienz­ weltmeisterin, bietet ein stabiles politisches System, ein wett­ bewerbsfähiges Steuerwesen, eine zentrale Lage in Europa und ja, auch ein relativ hohes Preis­ niveau. Natürlich geht das mit ­hohen Kosten einher – die du dank den Vorzügen des Internets aber abfedern kannst, indem du teure Dienstleistungen im Ausland zukaufst. Auch die Tatsache, dass man alles zwei- oder gar drei­ sprachig umsetzen muss, solltest du einrechnen. Abgesehen davon geniesst du hier aber Vorteile, die du an kaum einem anderen Ort der Welt findest. Mach etwas daraus!

SIMON MAY Geschäftsführer IFJ Institut für Jungunternehmen

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«Bitte das ­P rivatleben nicht vergessen! Denn wer unter­ stützt dich, wenn du in der Anfangszeit bis 22.00 Uhr vor dem Rechner sitzt oder zwei­ mal im Monat Lieferanten in China besuchen musst?»

Natürlich solltest du grob durch­ rechnen, wie viel du einzunehmen planst und welche Fixkosten du haben wirst. Viel mehr als die Frage, ob du jetzt 100 oder 200 Franken die Stunde nehmen wirst, interessiert aber die Gesamt­ aufstellung: Mit wem möchtest du arbeiten, in welchem Setting, und wie willst du Kunden erreichen? Stundensätze auf­ stellen ist wie Glaskugel lesen.

Lerne vom anderen Geschlecht Man sollte nicht generalisieren,­ aber häufig gehen Frauen und Männer eine Firmengründung ­unterschiedlich an. Viele Frauen handeln überlegter und weniger mutig als die meisten Männer, ausserdem gründen sie gerne ­zusammen mit einer Partnerin.

Simon May ist bereits seit 2003 in der Start-up-Szene tätig. Der Geschäftsführer des IFJ Instituts für Jung­ unternehmen ist verantwortlich für strategische Partnerschaften, Firmengründungen und das Start-upSupportcenter. Von diesem Institut werden jedes Jahr mehr als 20.000 Gründer bei den ersten Schritten unterstützt – und auch darüber hinaus. Ausserdem lehrt May als Gastdozent an der Fachhochschule St. Gallen, an der er selbst studiert hat.

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PEPSHOT AG

Nutze die guten Voraussetzungen


Vielen Unternehmen leiden an «Toolitis». Um dich am Anfang nicht zu überfordern, solltest du auf bewährte Programme setzen.

Office 365

Dropbox

businessplan.ch

Je mehr die Organisation wächst, desto wichtiger ist der Zugriff auf Daten für alle. Office ist hier absolut erprobt.

Das andere Tool, das Simon May einsetzt, um effektiv im Netzwerk zu arbeiten. Skalierbar und preislich für Gründer interessant.

So gelingt der Start. Das Tool hinter der Website wurde vom IFJ selbst entwickelt. Ausserdem gibt es sehr gute Lernvideos.

Viele Männer hingegen laufen allein los und sagen sich: «Im schlimmsten Fall lerne ich etwas.» Optimal ist eine Kombination aus beidem, sprich: Gut planen, dann entschlossen loslaufen!

Achte auf Zwischen­ menschliches Nichts kann einen so bremsen wie die eigene Überarbeitung oder aber Mitarbeiter, die das Tempo nicht mitgehen können. Du solltest dir also Zeit nehmen, um die richtigen Mitstreiter zu finden. Zumindest im Kernteam sollten alle ähnlich beseelt sein vom Business. Und bitte das Privatleben nicht ­vergessen! Denn wer unterstützt dich, wenn du in der Anfangszeit bis 22.00 Uhr vor dem Rechner sitzt oder zweimal im Monat Lieferanten in China besuchen musst? Genau. In der Anfangszeit eines Business brauchst du vieles, aber keine Beziehungskrise.

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Hör auf deinen Bauch – aber mit Köpfchen Von der Auswahl der Büroräume bis zum ­ersten Produktdesign – als Gründer tust du unheimlich viel zum ersten Mal. Da bist du auf deine Intuition angewiesen. Oft hilft es aber auch, zwei Schritte zurückzugehen und die Dinge von aussen zu betrachten: Ist der Preis wirklich gerechtfertigt? Stimmt das Produkt? Wenn dann auch noch der Bauch grummelt, solltest du noch eine Runde drehen.

Plane Durststrecken immer mit ein Fast alle Gründer unterschätzen die Faktoren Zeit und Geld. Man hat einen tollen Kunden gewonnen, es läuft, aber dann trübt sich die Wirtschaftslage ein, der Kunde braucht plötzlich nur noch halb so viel Unterstützung. Das ist bitter, hat aber nichts mit der eigenen­

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Arbeit zu tun. Kommst du in Schwierigkeiten, hat es vielmehr mit fehlender Planung zu tun. Zeit und Geld kumulieren sich im Normalfall nur gegen einen selbst. Es ist brutal, aber damit musst du rechnen – im wahrsten Sinne.

Erzeuge keinen künstlichen Druck So schnell wie möglich auf dem Markt zu sein spielt bei einer Gründung nur selten eine Rolle. Klar, bei Produkten, die auf den Zeitgeist abzielen, kann das der Fall sein. Zu 99 Prozent kommt es aber auf ein paar Tage oder Wochen nicht an. Also mach dir keinen unnötigen Stress. Der kommt auch so früh genug.

Kopiere nicht, kapiere!

«So schnell wie möglich auf dem Markt zu sein spielt bei einer Gründung nur selten eine Rolle. Zu 99 Prozent kommt es auf ein paar Tage oder Wochen nicht an.»

Dein Business läuft, deine Kunden sind happy? Prima! Jetzt musst du am Ball bleiben. Natürlich schaust du auf die Konkurrenz und lässt dich inspirieren. Aber hüte dich davor, zum Me-TooAnbieter zu verkommen. Das sind die Ersten, die vom Markt verschwinden. Inspiration ist okay, aber bleibe dir treu.

Freu dich über hohe Steuern Du zahlst viel Steuern? Herz­ lichen Glückwunsch, dann machst du alles richtig! Dieses Problem hätten viele Gründer gerne. Ausser sie haben vergessen, das Geld auf die Seite zu legen. Dann gnade ­ihnen das Steueramt.

Wer erfolgreich gründen will, muss vor allem: machen, machen, machen. Zuvor hilft aber auch: lesen, lesen, lesen.

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Planen, gründen, wachsen

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Das Gründer-Standardwerk aus dem Hause McKinsey. Gilt an der Universität St. Gallen als Pflichtlektüre. Redline ­Verlag, 272 Seiten, ab CHF 48.90.

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DIE INSTAGRAMREVOLUTION VON SCHMINK TIPPS ZUR WELTRET TUNG:

Immer mehr Influencer setzen ihre Reich­ weite für die gute Sache ein. Hier erklär t Deutschlands Vorreiterin Louisa Deller t , was jeder von uns für den Planeten tun kann – und wie uns Social Media dabei hilf t . #Inter view_ Dominik Schüt te #Fotos _UrbanZintel #St yling _ Soo - Hi Song

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IMMER IM EINSATZ Auf ihrem Account gibt Louisa Dellert Tipps zur Müllvermeidung und i­ nterviewt Politiker.

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TIPP 1: TEILE DAS GUTE …

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… UND ZEIG, WAS DU TUST · Du hast eine Idee, wie wir im Alltag Plastik vermeiden können? Oder einen Tipp für ein neues Fair-Fashion-Label? Prima! Bitte teil die News auf deinen Social-Media-Kanälen, dann kannst du andere inspirieren, dir zu folgen. Wir sind eine Kettenreaktion! · #nachhaltigkeit #weareallinthistogether  51


P Preisfrage: Was können Influencer ­e rreichen, wenn sie ihre Millionen ­Follower nicht zum Kauf von Sneakers oder Diät-Pillen motivieren, sondern sie dazu bewegen, mit mehr Rücksicht auf den Planeten, ihre Mitmenschen und sich selbst zu leben? Genau das will die nächste Influencer-Generation herausfinden. Inspiriert von Greta Thunbergs «Fridays for Future»-Bewegung, ­w ollen diese Digital Natives die Macht der sozialen Medien einsetzen, um die Welt zu retten. Und so schwärmen sie auf Instagram nicht von Infinity-Pools (oder zumindest nur von nachhaltig beheizten), sondern versehen ihre Fotos mit Tipps, wie wir Plastik vermeiden, fair produzierte Mode erkennen und uns selbst mehr lieben können.

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Dass soziale Medien wie Instagram, Facebook oder YouTube für die Verbreitung von Ideen perfekt sind, davon ist auch Louisa Dellert überzeugt. Die Dreissigjährige ­bezeichnet sich als «Aktivistin für das Gute» und ist Deutschlands Vorreiterin der neuen InfluencerBewegung. Zum Cover-Shooting für INNOVATOR by The Red Bulletin in einem Studio in BerlinKreuzberg erscheint sie bestens gelaunt und legt erst mal ihre Spotify-Playlist auf – inklusive Abba und Backstreet Boys. ­Sorgenfrei ist Dellert indes nicht: Für ihren Themenwechsel von ­Fitness zur Weltrettung zahlt sie einen hohen Preis. Grosse SportBrands haben nun mal mehr ­Budget als Produzenten von nachhaltigem Strom. Im Sommer ­startete sie eine CrowdfundingKampagne, um ihre Mission ­weiter verfolgen zu können – was ihr einen kleinen Shitstorm bescherte. Widerstand ist die Braunschweigerin gewohnt, von kleingeistigen Reflexen lässt sie sich nicht von ihrem Weg abbringen. Im Gegenteil: Hier gibt sie sieben Tipps, was wir alle tun können, um die Welt zu retten, und erzählt von ihrem Wandel von der Influencerin zur Sinnfluencerin.

I

NNOVATOR: Louisa, wie ging das los mit Instagram und dir? LOUISA DELLERT: Es muss jetzt fünf Jahre her sein. Ich fühlte mich zu dick und wollte Inspirationen zum Abnehmen. Hast du nach Influencern gesucht – auch wenn du den ­Begriff noch gar kanntest? Genau. Irgendwann habe ich dann selbst angefangen, Fortschritte zu posten, und offensichtlich war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es gab auch noch nicht viele Fitness-Accounts auf Deutsch. Die Aufmerksamkeit hat mich zwar überfordert, aber ich fand es cool. Es hat mich gepusht.

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TIPP 2: LIEBE DICH, WIE DU BIST …

 Das ist auch, was ich bei manchen Influencern kritisiere: einen auf nachhaltig machen, aber dann H&M promoten.

Warst du süchtig nach Likes und dem nächsten Kilo weniger? Ja, das muss ich zugeben. Ich bin zwar auch heute abhängig davon, wie viele Leute meine Bilder auf Instagram liken, aber damals war es krasser. Jedes Like hat mich ­zusätzlich motiviert abzunehmen, damit die Bilder noch besser ­laufen. Ein Teufelskreis. Hattest du eine Essstörung? Ich war nie beim Arzt deswegen, also wurde auch nie etwas dia­ gnostiziert. Aber ich hatte ein ­gestörtes Verhältnis zum Essen, ja. Ich habe ausschliesslich Salat gemümmelt und geheult, wenn nur Nudeln zu Hause waren.

… UND SEI NETT ZU DEINEM KÖRPER · Wir vergleichen uns viel zu oft mit anderen. Vor allem auf ­Instagram. Dellen am Po oder ein Bauchansatz? Das gehört zu dir wie deine Nase. Also sei nett zu dir selbst, das Leben ist zu schön, um sich auf seinen Körper zu reduzieren. Wenn du dich traust: Poste ein Bild von dir, wie du wirklich bist. Fast alle Reaktionen werden positiv sein. Versprochen. · · #selbstliebe #fürmehrrealitätaufinstagram

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Dann kam der Schicksalsschlag, eine Herz-OP. Zu diesem Zeitpunkt wog ich nur noch 46 Kilo. Ich wurde beim Sport bewusstlos und bekam irre Kopfschmerzen. Ein Kardiologe stellte ein Loch in der Herzklappe fest. Das Loch war schon immer da, aber so wie ich meinen Körper gefordert habe, hat es sich dra­ matisch vergrössert. Vier Wochen später wurde ich operiert. Und nichts war wie vorher? Die OP hat mich zu einem ande­ ren Menschen gemacht. Ich bin in eine Depression gefallen, aber als dieses Tief überwunden war, wusste ich, dass die Herz-OP das Beste war, was mir passieren

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Ich merkte schnell, dass ich Teil einer Kettenreaktion sein könnte, die vielleicht die Welt verändert.

TIPP 3: SETZ AUF GUTE VERBINDUNGEN  …

konnte. Klingt banal, aber mir wurde klar, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Aussehen und Sixpack. Ich guckte in den Spiegel und sagte: Scheiss drauf! Ein Post nach deiner OP zeigt dich auf dem Höhepunkt deiner Körperbesessenheit, daneben hast du ein neueres Foto ge­ stellt, das dich mit ein paar Kilo mehr zeigt. Du siehst toll darauf aus. Wie haben deine Follower reagiert, die dich bis dahin fürs Abnehmen feierten? Zu 99 Prozent waren die Reaktionen positiv. Es gibt immer den ­einen Kommentar, der ätzend ­negativ ist, klar, aber die meisten Leute fanden gut, dass ich das Thema nach aussen trage.

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on nun an war Body Posi­ tivity dein Hauptthema – ein radikaler Wandel. Mein Brustkorb war aufgeschnitten worden, deswegen durfte ich sechs Monate keinen Sport treiben. Mir fiel es leicht, endlich mal zu entspannen. Dieses Lebensgefühl versuchte ich auf Instagram zu übertragen. Irgendwann habe ich mein erstes Cellulite-Posting hochgeladen – mein Hintern mit Dellen. Ich bekam viele wunderbare Reaktionen. Da wurde mir klar, dass ich Menschen viel sinnvoller inspirieren kann, als jungen Girls zu zeigen, wie sie noch ein Kilo runterkriegen. Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere ­lieben. Das versuche ich zu ver-

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… UND LASS DICH NICHT KAUFEN · Ein Schnäppchen beim Online-Discounter, der Retouren schreddert? Ein topbezahltes Jobangebot bei einem ethisch fragwürdigen Unternehmen? Falls es geht, lass dich lieber mit den Guten ein – auch wenn es dich etwas kostet. Nur so können wir Unternehmen zum Umdenken bewegen. · · #wirtschaft #goodvibes

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WEITERE SINNFLUENCER UND WAS SIE ANTREIBT ANINA MUTTER @ANINAMUTTER LEBT IN ZÜRICH

mitteln. Ich merkte schnell, dass ich hier viel mehr bewegen kann, dass ich Teil einer grossen Kettenreaktion sein könnte, die vielleicht die Welt verändert. Angesichts deines Sinneswandels – haben sich da Marken von dir abgewandt? Nein, ich habe mich von ihnen abgewandt – durch die klare Entscheidung, keine Firmen zu unterstützen, die für mich ethisch nicht vertretbar sind. Es schreiben mich immer noch solche Unternehmen an, aber da muss ich sagen: Passt nicht mehr in mein Weltbild – ich will euer Geld nicht. Meine Glaubwürdigkeit wäre dahin, würde ich ihnen auch nur den kleinen Finger reichen, und sie wollen ja sowieso die ganze Hand. Ging dein Sinneswandel mit ­finanziellen Einbussen einher? Ja. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nur noch so wenig Geld verdienen würde. Das ist okay, ich will keine Millionärin werden, aber ich möchte auch nicht bei jedem Zugticket zu einer politischen Veranstaltung überlegen müssen, wie es Ende des Monats aussieht. Du hast in deiner Heimatstadt Braunschweig den Zero-WasteLaden «Naturalou» aufgemacht. Ist das ein Schritt, dich zu diversifizieren? Ja, ich wollte ein eigenes Business haben, um mich von Instagram unabhängiger zu machen – und dennoch etwas Gutes zu tun. Da erschien mir ein Unverpackt-­ Laden sinnvoll. Die Produkte ­sollen Menschen helfen, weniger Müll zu produzieren, gerade auf dem Land. Deswegen auch der Online-Shop, der den Grossteil des Geschäfts ausmacht. Es läuft so gut, dass ich zwei Freundinnen mit reinnehmen konnte.

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—DAS ZIEL Mit ihrer Art, die sie selbst als kratzbürstig bezeichnet, und ihrem Blog ­Ekkoist will die Zürcherin Anina vor allem: den Status quo herausfordern. —DIE STORY Anina schreib eine Bachelor Thesis über Fair Fashion, mitt­ lerweile hat sie eine authenti­ sche Nachhal­ tigkeitsphiloso­ phie entwickelt.

—DER WEG Für ihren Blog hat sie sich selbst einen ­Kodex auferlegt, den man auf ­e kkoist.com einsehen kann. Dieser liest sich wie ein Programm für nachhaltiges Leben. —DER TIPP Den Kleider­ konsum auf ein Minimum redu­ zieren und wann immer möglich mit dem Zug verreisen.

ANIA HIMSA @ANIAHIMSA LEBT IN ZÜRICH —DAS ZIEL Gesund und nachhaltig zu leben – das ver­ spricht Blogge­ rin Anina Gepp alias Ania Him­ sa, falls man sich von ihr in­ spirieren lässt. —DIE STORY Ihren Blog be­ gann die Aar­ gauerin bereits im Studium. Und lernte viel über vegane Er­ nährung, Nach­ haltigkeit und inzwischen vor allem über Fair Fashion.

—DER WEG «Jeder kann seinen Alltag ändern» – ­A nias Blog ist journalistisch hochwertig auf­ bereitet und ­b ehandelt das Thema unter­ haltsam, ohne erhobenen Zeigefinger. —DER TIPP Nur Produkte aus Bio-Baum­ wolle kaufen – und falls es doch Synthetik sein muss, dann aus recycelten Materialien.

Habt ihr Investoren? Na ja, mich. Ich habe alles, was ich in meiner Fitness-Phase verdient habe, in den Laden gesteckt. Was müsste ein Investor mitbringen, damit du dir eine Beteiligung vorstellen kannst? Glaubwürdigkeit.

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ut es weh, ständig Schecks abzulehnen? Ich hätte eine Menge Geld einsacken können. Das ist auch, was ich bei manchen Influencern kritisiere: einen auf nachhaltig machen, aber dann H&M pro­ moten. Ich persönlich möchte da Flagge zeigen. Ich glaube fest daran, dass Gutes zurückkommt, wenn man Gutes tut. Kannst du dir die Tatsache, dass Giganten wie Amazon und Zalando weiter wachsen, anders erklären als durch Gleichgültigkeit der Konsumenten? Natürlich gibt es Leute, denen ­alles scheissegal ist. Ich glaube aber nicht, dass Gleichgültigkeit das Hauptproblem ist, sondern immer noch Unwissenheit. Hier sind Politik und Medien gefordert. Wenn jeder Mensch ein Bewusst-

Reise- und Beautykram bin ich online konsequent entfolgt.

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ROB GREENFIELD @ROBJGREENFIELD LEBT IN FLORIDA —DAS ZIEL Lebe einfach! Robs Einkommen pro Jahr, der Wert seines Eigentums und sein Vermögen dürfen jeweils 5000 Dollar nicht übersteigen.

—DER WEG Aktuelle Challenge: Ein Jahr lang will er alles, was er isst und trinkt, anbauen oder finden. Bisher ist er ­e rfolgreich – und trotzdem gut gelaunt.

—DIE STORY In 13 Jahren wandelte sich Rob vom konsequenten PartyGuy zum kon­ sequenten Öko. Sein Lebensstil geht auf 100 % nachhaltig zu.

—DER TIPP Sich zurück­ nehmen. Robs Lifestyle soll Menschen ­inspirieren, ­weniger zu verbrauchen und umweltfreund­ licher zu leben.

TIPP 4: BEWUSSTSEIN IST EIN GUTER ANFANG …

KATHRYN KELLOG @GOING.ZERO.WASTE LEBT IN KALIFORNIEN

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—DAS ZIEL Sie will einen Systemwechsel: weg von der ­linearen Wegwerfgesellschaft hin zu ­einer zirkulierenden Wirtschaft, in der Müll Vergangenheit ist.

—DER WEG In ihrem Buch «101 Ways to Go Zero Waste» und auf Instagram präsentiert sie eine Menge Ideen für Menschen, die einfache und praktische Tipps wollen.

—DIE STORY Nach einem Brustkrebs­ verdacht, der sich als haltlos erwies, änderte Kathryn ihr ­L eben. Dar­ über bloggt sie auf goingzero­ waste.com.

—DER TIPP Plastik weg, wo’s geht: Strohhalme aus Papier, Zahnbürsten aus Bambus, und die Plastiktüte im Supermarkt braucht wirklich niemand mehr.

… UND BLEIBT EIN GUTER MOTIVATOR · Klamotten kaufen, Flüge buchen, Fleisch essen: Im Alltag tun wir vieles automatisch, ohne darüber nachzudenken. Viel wäre erreicht, würden wir unsere Gewohnheiten immer wieder hinterfragen – und so ein neues Bewusstsein schaffen. · · #knowhow #motivation

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TIPP 5: SCHAU ÜBER DEN TELLERRAND  …

Mir wurde klar, dass es Wich­ tigeres gibt als einen Sixpack. Ich schaute in den Spiegel und sagte: Scheiss drauf!

sein entwickeln würde für den ­eigenen Konsum, wäre viel gewonnen. Da sehe ich auch mich in der Pflicht, gerade auf Social Media.

… UND SEI OFFEN FÜR ANDERE MEINUNGEN · Du bist eher konservativ eingestellt? Schau doch mal auf taz.de vorbei. Du bist eher liberal? Wie wär’s mit einem «FAZ»Abo? Wer etwas ändern will, muss alle Positionen kennen – und oft hat ja auch die Gegenseite gute Argumente. Also: Raus aus der Filterblase und rein in die Diskussion! · · #meinung #streitkultur

Hast du auf deinem Weg ­Instagram neu entdeckt? Ja, ich habe zunächst mein Verhalten umgestellt. Sportabos oder Reise- und Beautykram bin ich entfolgt. Dafür habe ich mir Kanäle gesucht, die mir echten Mehrwert bieten. Die Tagesschau macht Instagram übrigens super. Ich informiere mich aber vor allem abseits von Social Media. Ich habe ein regelrechtes Ritual. Wie sieht dieses Ritual aus? Das Thema Klima liegt mir am Herzen, also besuche ich täglich die Seite klimareporter.de, die unabhängig berichtet. Dann gucke ich die Videos aus der Bundespressekonferenz von Tilo Jung. Und ich höre jeden Morgen den Podcast von Gabor Steingart. Steingart redet einer Umwelt­ aktivistin wahrlich nicht nach dem Mund. Setzt du dich be­ wusst konträren Meinungen aus? Natürlich! Und ich kann auch jedem nur empfehlen, über den Tellerrand hinauszublicken. Irgendwann bekamst du ja den Titel Sinnfluencerin verpasst. Dann stifte bitte etwas Sinn: Was kann jeder sofort tun?

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TIPP 6: STELL ZUSAMMENHÄNGE HER  … Ich schreibe niemandem etwas vor, aber wer mich fragt: Weniger Fleisch zu essen ist der grösste ­Hebel. Wie wäre es für den An­ fang mit einem Meatless Monday? Zweiter Tipp? Plastik vermeiden. Und wegge­ worfenes Plastik auf­heben. Wenn man das macht, kriegen andere Menschen es mit – eine Ketten­ reaktion. Wenn Greta Thunberg nicht vor einem Regierungs­ gebäude demonstriert hätte, gäbe es heute keine Protestbewegung.

D … UND VERSTEH DIE FOLGEN DEINES TUNS · Eine weggeworfene Plastikflasche kann über Umwege im gleichen Netz landen wie jener Fisch, der dann wiederum ­vergiftet auf deinem Teller liegt. Wer begreift, wie unsere Pro­bleme miteinander zusammenhängen, nimmt mehr Rücksicht. · · #connectthedots #umweltschutz

u triffst immer häufiger Spitzenpolitiker wie SPDGeneralsekretär Lars Klingbeil zum Interview. Wie kam es dazu? Wer Politik und die Zusammen­ hänge auf der Welt nicht versteht, versteht gar nichts. Wenn am ­einen Ende der Welt etwas passiert – Überfischung ist ein gutes Bei­ spiel –, dann kann es am anderen Ende katastrophale Auswirkungen haben. Deshalb wollte ich wissen, wie Politiker aktuelle Probleme sehen. Irgendwann kam ein Ge­ spräch mit FDP-Chef Christian Lindner zustande. Das war für mich eine Herausforderung, aber auch eine spannende Erfahrung – und meine Follower hat es auch interessiert. Sie geben mir nun immer Fragen mit, die ich den ­Politikern stelle. Musst du aufpassen, von ­Politikern nicht ausgenutzt zu werden? Das habe ich immer im Hinter­ kopf, ja. Mir wird auch eine zu grosse Nähe zu den Grünen vor­ geworfen, obwohl ich bei der ­Europawahl nicht mal grün ge­ wählt habe. Aber sie geben mir nun mal Zugänge. Bei der CDU dauert es wochenlang, bis man mal einen Termin bekommt – mit Philipp Amthor! Dieses Game spielen die Grünen besser.

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TIPP 7: GIB ETWAS ZURÜCK …

Ich schreibe niemandem ­e twas vor, aber wer mich fragt: Weniger Fleisch zu essen ist der grösste Hebel.

Überfordern die Parteien mit manchen ihrer Ansprüche andererseits viele Menschen? Zunächst mal finde ich wider­ sprüchlich, bei einem Vorschlag, wie Retouren nicht mehr zu schreddern, sofort von Verbots­ politik zu sprechen. Was kann dar­an schlecht sein? Dieses Ge­ keife sollten die demokratischen Parteien überwinden, denn kein junger Mensch kann das noch nachvollziehen. Ich glaube übri­ gens, ein gewisser Konsens unter den demokratischen Parteien würde den Zulauf zur AfD deut­ lich verringern.

… UND FREU DICH ÜBER DEIN GLÜCK · Die meisten von uns leben ein privilegiertes Leben. In Frieden, ohne Hunger und mit genug Geld. Wir alle wären noch reicher, wenn mehr Menschen etwas davon zurückgeben würden. Also: Engagiert euch. Dazu gehört Arsch in der Hose, das weiss ich. Aber haben wir doch! · · #mut #paybacktime

Kannst du dir einen Bundeskanzler Harbeck vorstellen? Robert Harbeck hat noch nie so viel Verantwortung getragen. Die Grünen sind damit auf vielen Ebenen überfordert. Aber frischen Wind würde es reinbringen. Du wirst online teilweise beschimpft. Als «grüne Schlampe» oder «Öko-Nutte». Wie hältst du das aus? Es gibt Abende, an denen ich ein­ fach nur heule. Aber das ist okay. Ich will etwas zurückgeben und, wenn ich etwas begreife, den Menschen auch davon erzählen. Das ist es wert. Immer? Immer.

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«WIR SASSEN IMMER WIEDER IN MEETINGS UND FRAGTEN UNS: SIND WIR ­P LEITE?» Dhiraj Mukherjee, 50, hat mit Shazam am Ende das grosse Los gezogen. 2018 wurde die Firma für kolportierte 400 Millionen Dollar an Apple verkauft.

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MEIN S TA RT-UP-MOMENT



«GENIESSE AUCH DIE REISE ZUM ZIEL» Dhiraj Mukherjee, im Jahr 2000 einer der Gründer des Musik­erkennungsdienstes Shazam und heute Business Angel, erzählt vom frühen Erfolg, dem ­Platzen der Dotcom-Blase, dem Kampf ums Über­ leben und der Bedeutung von Spass bei der Arbeit.

innovator: Was sagt dir die Zahl 2580? dhiraj mukherjee: Das ist die wichtigste Zahl meines Lebens. Sie steht für ein grosses Abenteuer, das ich erleben durfte. Unter dieser Nummer konnte man Shazam in England anrufen, bevor Smartphones auf den Markt kamen. Das ging so: Man musste das Handy 15 Sekunden vor die Musikquelle halten. Unser System hat dann versucht, die Information mit einem Song aus der Datenbank zu verknüpfen. Dann bekam man eine SMS mit dem Künstler und dem Songnamen geschickt. Das hat 60 Pence gekostet. Und das hat funktioniert? Erstaunlich gut. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir damals nur etwa eine Million Songs in der Datenbank hatten. Der Algorithmus hat sich seit dem Jahr 2000 natürlich stark verbessert. Aber ich glaube, einer der Schlüssel zu unserem frühen Erfolg war, dass es meistens funktioniert hat.

SHAZAM

Ihr habt Shazam ­ungefähr einen Monat vor dem Platzen der DotcomBlase gegründet. War das rück­ blickend eine Bürde oder auch eine Chance? Beides. Aber wir wussten auch nicht, was passieren würde. Wir haben im Sommer 2000 (umgerechnet)

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eine Million Dollar an Kapital ein­ gesammelt, ein Jahr später noch mal 8,5 Millionen Dollar. Irgendwann sind die Start-ups um uns herum reihenweise bankrottgegangen. Es war klar, dass die Party vorbei ist. Aber das hat uns irgendwie nur noch fokussierter gemacht, wir haben noch härter ge­ arbeitet, waren noch sparsamer. Und es waren viele talentierte Leute auf dem Markt. Wie habt ihr überlebt? Wir hatten Glück, waren aber auch kreativ und clever. Wir sind Partner­ schaften eingegangen, die uns Geld gespart haben. Wir haben einen Teil unserer Technologie verkauft und später, als es uns besser ging, wieder zurückgekauft. Wir sassen oft in Vorstandsmeetings und fragten uns: «Sind wir pleite?» Aber am Ende ­haben wir immer genug getan, um ­einen weiteren Tag zu überleben. Was war der wichtigste Moment in der Geschichte von Shazam? Das iPhone und vor allem der App Store, in dem wir eine der ersten Apps waren, waren die Game Changer. Ab da war es angenehm, unseren Service zu benutzen. Wir waren nicht mehr gezwungen, ein funktionales, aber eher klobiges Interface zu bewerben. Wer hatte eigentlich die Idee zu Shazam? Mein Gründungspartner Chris Barton.­ Seine ursprüngliche Idee war es, alle Radiostationen zu vernetzen, um in einer Datenbank nachschauen

zu können, was wann gespielt wurde. In seinem Business-Strategie-Kurs auf der Universität hatte ihm jedoch sein Professor eingetrichtert: «Frag dich immer, was deine Idee überflüssig machen könnte.» Und in diesem Fall war das die Möglichkeit, mit dem Handy sofort jede Musik erkennen zu können. Normal würde ich jetzt sagen: «Das war eine gute Idee». Ich hab aber gelesen, dass du diesen Satz hasst. Ja, weil es immer so klingt, als würde eine gute Idee schon genügen. Die viele harte Arbeit dahinter bleibt dabei unsichtbar. Was ist in deinen Augen eine «gute Idee»? Eine gute Idee löst ein Problem, das der Konsument zwar fühlt, aber noch nicht benennen kann. Wenn man ihm dann die Lösung bietet, wird er sagen: «Fantastisch, ich hätte euch nicht mal sagen können, dass ich das brauche.» Gibt es etwas, das du deinem zwanzig Jahre jüngeren Ich raten würdest? Das ist eine exzellente Frage, auf die ich leider keine gute Antwort habe. Ich glaube, ich würde sagen: «Konzentriere dich nicht so sehr auf das Ziel, dass du die Reise aus den Augen verlierst. Solange es Spass macht, mach weiter.» Im Rückblick sagt sich so etwas natürlich leicht, es war aber auch schon in der Zeit der Gründung von Shazam unsere Philosophie. Macht die Reise immer noch Spass? Und wie! Aber ich bin auch privilegiert. Ich hatte Erfolg und eine super Story, die ich gerne mit anderen teile. Aber man muss sich auch immer sagen, dass es nur ein Job ist. Es gibt wichtigere Dinge im Leben. Das versuche ich allen jungen Entrepreneurs, mit denen ich arbeite, mitzugeben. Dhiraj Mukherjee wurde als Sohn eines Airline-Managers in Indien geboren und studierte in Stanford, Kalifornien. 2000 gründete er mit drei Partnern in London den Musikerkennungsdienst Shazam, 2016 erreichte die App eine Milliarde Downloads. SHAZAM.COM

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­Meditation auf dem ­Bluetooth-gekoppelten Smartphone dargestellt, über die App kann man auch Challenges be­ stehen und Bonuspunkte sammeln. Noch detaillierteres Feedback liefert Muse 2: Das EEG-Stirnband mit den sieben

Sensoren an der Stirn und hinter dem Ohr wird in diesem Modell noch durch einen Herz- und Atemfrequenzmesser ergänzt.

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Zeitmessungs-Chip am Schuh montiert wird, kümmert sich nicht mehr um Pace oder ­Distanz. Stattdessen analysieren komplexe Sensoren Laufperformance und -technik, Muskelspannung und Umwelteinflüsse. Als Richtwert für jede Belastung dient der individuelle «Running Stress Score»: Er zeigt an, wie stark eine Trainings­ einheit Muskeln, Kreislauf und Gelenke be­ lastet hat. Und wie viel Er­h olung der Körper nach der Trainingseinheit be­n ötigt. Vorteil: Du vermeidest Übertraining und regenerierst entsprechend effizienter.

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und aktiv. Wenn jedoch künstliches Bürolicht, unregelmässiger Schichtdienst oder wechselnde Zeitzonen diesen Rhythmus durchbrechen, springt die ­ultraleichte Lichttherapie-Brille ein. Sie setzt den Körper sozusagen

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Wer eine Aufgabe ohne Mühe bewältigt, erledigt sie «im Schlaf». Doch die Redewendung hat ­einen Schönheitsfehler: Es fällt uns nämlich ­immer schwerer, richtig zu schlafen. Mit der Withings-Schlafsensormatte kannst du zumindest den Ursachen dafür

auf die Schliche kommen. Der 64 mal 19 Zenti­ meter kleine Schlafwächter unter dem Leintuch überwacht die Schlafphasen, trackt die Herzfrequenz und erkennt Atmungsstörungen bis zur Schlafapnoe, ­unter der fünf Prozent der Bevölkerung leiden.

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Die Daten werden direkt ans Smartphone weiter­ geleitet und können ­jeden Morgen abgerufen werden, ohne dass man im Schlaf ein lästiges Tracker-Armband tragen muss. Und wer möchte, kann seinen Schlaf ­zusätzlich per App ­coachen lassen oder die Withings Sleep als Steuereinheit für Licht, Raumthermostat und Rollos einsetzen.

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SCHLAUER SCHMUCK Schauspieler Will Smith trägt ihn. Basketball-­ Legende Shaquille O’Neal auch. Und beide sind so von den Vorzügen des Oura-Rings überzeugt, dass sie und andere ­Investoren 17,5 Millionen Franken in das finnische Start-up Oura gesteckt haben. Inzwischen wird der stylische Sleep-­ Hacker schon in mehr

DER RING FÜR BIOHACKER VERRÄT, WAS DU IN DER NACHT SO TREIBST.

als fünfzig Länder verkauft und lässt damit nicht nur seine Inves­ toren gut schlafen. Der Oura-Ring misst im Schlaf Puls, Herz­ frequenzvariabilität, Körpertemperatur, Schlafrhythmus und Schlafdauer. Und analysiert über den «Readiness Score» Schlaf­ qualität, Lebensbalance und Gesundheits­ zustand. Der geniale

Kniff: Wer erkennt, was ihn besser und erhol­ samer schlafen lässt, kann seine Ruhezeit ­optimieren und wird tagsüber leistungsfähiger. Na dann: Gute Nacht!

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In Göteborg wurde schon mal zu Ende gedacht, was doch gerade erst beginnt: Wie werden autonome Autos unser Reiseverhalten ändern? Von einem B ­ esuch im Volvo Design Center sind wir mit fünf Thesen zurückgekehrt. 68  

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VOLVO CARS

TEXT — DOMINIK SCHÜTTE

WENN TRÄUME LIEGEN LERNEN


FÜNF METER ZUKUNFT Der Volvo 360c bietet viel Platz – umso mehr, als sein Innenraum ohne Lenkrad auskommt.

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Volvo, Sicherheitspionier und Erfinder des Dreipunktgurts, möchte für die Zukunft des autonomen Fahrens Standards setzen. Sonst machen das nämlich die Regierungen – mit der Chance, dass das Ergebnis niemandem so richtig gefällt.

KONTAKTAUFNAHME Fussgänger und autonome Autos werden einander begegnen. Der 360c kommuniziert über Licht und Schall.


W

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, hat der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt (in einem Interview mit dem «Spiegel» 1980). Doch wie sich herausstellt, kann man dazu auch die Volvo-Kantine aufsuchen.

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TAXISERVICE Die Vision: Man wird abgeholt und vollautonom zum Ziel gebracht – und sei es in einer anderen Stadt.



LIEGEN IST DAS NEUE SITZEN

Dort ass Malin Ekholm gerade ihre Nachspeise, als zwei aufgeregte junge Mit­ arbeiter auf sie zustürzten. Ekholm ist es gewohnt, angesprochen zu werden. 140 Menschen arbeiten in ihrer direkten Berichtslinie, insgesamt ist sie Chefin von rund 1000 Leuten. Sie leitet das Sicherheitszentrum von Volvo, und weil Sicherheit für den Markenkern von Volvo der bei weitem wichtigste Faktor ist, kann man sich Ekholm als so etwas wie die schwe­ dische Sicherheitsministerin vorstellen. «Das lasse ich auf meine Karte drucken», sagt sie lachend. Aber damals in der Kantine war etwas anders als sonst, erinnert sie sich. Die zwei aufgeregten Mitarbeiter baten Malin mitzukommen. Sie fragte noch: «Was ist denn los, um Himmels willen?», aber da hatten die beiden sie schon hinausgezerrt in den Wind von Göteborg.

Volvo, schwedisches Urerbe, inzwischen in chinesischem Besitz, hat in der Stadt an der Westküste seinen Hauptsitz. Auf erstaunlich überschaubarer Fläche findet hier die Entwicklung statt – das Design, die Sicherheitstechnik und ein Grossteil der Produktion. Die beiden Mitarbeiter führten Ekholm in ihr Büro und zeigten ihr erste Zeichnungen. Von einem Auto, in dem jemand schläft, liegend, auf einem Bett. Ekholm wusste, das würde eine gewaltige Herausforderung werden. Hierfür müssten alle zusammenarbeiten. Ekholm wusste auch, das würde eine Herausforderung für die Kunden sein. Alle würden also offen sein müssen für Neues, sollte diese Vision tatsächlich umgesetzt werden. Die zwei Mitarbeiter fragten: «Und? Bist du dabei?»

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DECKEN SIND DIE NEUEN SICHERHEITSGURTE

Zwei Jahre später steht Tisha Johnson in einer zugigen Halle im Volvo Design Center. An diesem Hochsommertag hat es draussen absurde zwölf Grad, was die blonde Managerin aus Kalifornien wohl als Frechheit empfindet. Die beiden Mit­ arbeiter, die Malin Ekholm in der Kantine überfielen, stammten aus ihrem Team. Johnson ist Chefin für Interior Design. Nun steht sie gemeinsam mit Ekholm vor einem aufgeschnittenen Modell des Schlafautos: des 360c. «Dieses Konzept zieht komplexe Fragen nach sich, sowohl technologischer, infrastruktureller als auch rechtlicher Natur.» Und Malin ­Ekholm ergänzt: «Zum Glück sind wir ein verhältnismässig kleines Unternehmen und pflegen die schwedische Tradition der Zusammenarbeit. Es gibt hier keine Silos. Wir versammeln uns um Problemstellungen. Im Team.» Die grösste Herausforderung: «Eine ganze Weile wird es gemischten Verkehr geben, aus autonomen Fahrzeugen und solchen, die noch von einem Fahrer gelenkt werden.» Also: fehleranfällig sind. In einem Schlafauto könnte man nachts ohne eigenes Zutun in einen Unfall verwickelt werden. Wie aber schützt man Passagiere, die gerade gemütlich unter eine Decke schlummern? Sobald der Sitz des 360c zum Bett ausfährt, liegt darauf lose eine Decke. Diese wird im Falle einer Kollision vom Bett binnen Millisekunden

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eingezogen und schützend um den Passagier und seine Knochenstruktur gespannt – wie ein Kokon. «Sicherheitslösungen müssen immer einfach sein.» Sechzig ­Jahre nachdem der Volvo-Ingenieur Nils Bohlin den Dreipunktgurt entwickelte, schickt sich Malin Ekholm an, erneut ­einen Sicherheitsstandard zu etablieren. «Der Dreipunktgurt ist deshalb ein geniales Design, weil er so einfach anzulegen ist – mit einer Bewegung.» Eine Decke als Rückhaltesystem. Klingt mindestens genauso simpel.

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FARBEN UND SOUNDS SIND DIE NEUEN GESTEN

«Malin hat recht, es wird um Standards gehen», sagt der Designer Mikael Gordh ein paar Meter weiter. Er steht vor einem zweiten Modell des 360c, das aussieht, als könne es sofort losfahren: etwa fünf Meter lang, gewölbtes Glasdach, futuristisch. «Und wenn wir – also die Premiumhersteller – diese Standards nicht setzen, werden es die Regierungen tun – mit der grossen Chance, dass etwas dabei herauskommt, was keinem gefällt.» Als klar war, dass eine abteilungsübergreifende Initiative am 360c-Konzept arbeiten würde,

MALIN EKHOLM

MIKAEL GORDH

Head of Volvo Cars Safety Centre

Director Strategic User Experience Design


TISHA JOHNSON

MARTIN KRISTENSSON

Head of Volvo Cars Interior Design

Senior Director Autonomous Drive Strategy

sollte Gordh sich Gedanken machen, wie das Auto mit der Aussenwelt kommunizieren soll. Und zwar so, dass es ein Kind in Schanghai genauso versteht wie eine Rentnerin in London. Viele Möglichkeiten hatte er nicht: Bloss sind praktisch alle Primärfarben vergeben. Rot, Gelb, Grün für Ampeln, Blau für Einsatzfahrzeuge. An Farben, die im Tageslicht gut zu erkennen sind, blieben nur Magenta und Türkis übrig. Gordh und sein Team entschieden sich für Türkis. Rund um das Fahrzeug zieht sich ein LEDBand. Das Licht pulsiert, blinkt, leuchtet dauerhaft, iPhone-mässig in Türkis, je nachdem, was der Wagen vorhat. Es sitzt ja kein Fahrer darin, der Fussgängern ­Zeichen geben könnte. Weil der 360c für einen Einsatz als autonomes Taxi geplant ist, kann am Spoiler ausserdem eine ­Nummer eingeblendet werden, damit man seinen 360c-UBER sofort erkennt. Am Gesicht des Fahrers kann man es ja nicht mehr. 1. LICHTSIGNALE, LOGISCH.

FAHREN ERSTER KLASSE In der Schlafversion des 360c wird der Sitz zum Bett und die Decke zum Rückhaltesystem: Im Falle einer Kollision spannt sie sich schützend um den Passagier. INNOVATOR

Den Beteiligten war von Anfang an klar: Das wird eine gewaltige Herausforderung. Nicht nur für die Ingenieure, sondern auch für die Kunden. Alle werden offen sein müssen für Neues.

2. SOUND. Der Wagen macht sonore ­ eräusche auf einer Frequenz, die in der G Klang-Kakophonie unserer Städte wenig

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TRAUMAUTO

Volvochef Håkan Samuelsson gibt den Paradigmenwechsel vor: «Wir verkaufen unseren Kunden in Zukunft nicht bloss Autos, sondern Mobilität.»

Das Modell ist funk­ tionsfähig. Bis zur Serienreife des 360c braucht es aber noch ein wenig Geduld.


DATENTRÄGER Rund um den Wagen sind Sensoren an­ gebracht, welche die für ein sicheres auto­ nomes Fahren nötigen ­Informationen liefern.

man eines, wenn man es braucht.» Auto-­ Drohnen on demand. Vollautonom. Voll­ elektrisch und somit mutmasslich wesentlich preiswerter als ein Privatflug. Also nicht nur was für Superreiche. Autohersteller könnten zur Konkurrenz von Bahn- und Flugunternehmen werden, vor allem für Kurzstreckenflüge, etwa von Zürich nach Berlin. Statt gestresst am Check-in zu stehen, wird man zu Hause abgeholt, schaut auf dem Weg raus aus der Stadt noch eine Folge bei Netflix, isst das vorbereitete Dinner und verwandelt dann seinen Sitz in ein Bett. Und kommt morgens ausgeruht am Ziel an. In der Halle steht ausserdem ein viersitziges Modell, das als Büro oder Party-­ Auto genutzt werden kann. Die Scheiben werden zu grossen Bildschirmen, ein­ gebaut sind eine Bar, Haltesysteme für Champagnergläser und ein Waschbecken zum Frischmachen – kühn. Vizepräsident Mårten Levenstam sieht es pragmatisch: «Das autonome Fahren wird die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht verändern und einen grossen Einfluss darauf nehmen, wie die Menschen reisen. Wir betrachten das Konzept als den Anfang eines Gesprächs, das mit der Zeit weitere Ideen und Antworten bringt.»

5 vertreten ist. Ein bisschen wie Walgesänge. Das funktioniert recht intuitiv: Schwillt der Sound an, versteht man, dass der ­Wagen gleich losfahren wird. Tröpfeln die Töne aus, plant er anzuhalten. Auch im Innenraum sorgen Geräusche dafür, dass man nicht erschrickt, sobald der ­Wagen zum Beispiel die Spur wechselt. Die Zukunft klingt gut.

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AUTOFAHREN IST DAS NEUE KURZSTRECKENFLIEGEN

Der 360c stellt einen Paradigmenwechsel für Volvo dar. «Wir verkaufen unseren Kunden in Zukunft nicht bloss Autos, ­sondern Mobilität», gibt Volvo-Präsident Håkan Samuelsson eindeutig die Richtung vor. In eine Zukunft, in der das Be­ sitzen eines Autos an Bedeutung verlieren wird, stattdessen Car-Sharing-Angebote dominieren und die Menschen Autos gemeinsam nutzen werden. Tisha Johnson bringt es für die Schlafversion des 360c auf den Punkt: «Ich glaube, es wird vergleichbar sein mit heutigen Privatflug­ zeugen. Kaum einer besitzt eines, ausser den Superreichen, stattdessen bestellt

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SPORTWAGEN SIND DIE NEUEN SEGELBOOTE

Martin Kristensson hat diese Zeit nicht. Er muss heute schon Antworten liefern, ist er doch der verantwortliche Stratege für autonomes Fahren bei Volvo. Passenderweise sieht er ein bisschen aus wie Elon Musk und spricht auch ähnlich wie der stets etwas entrückt, ja fast roboterhaft anmutende Tesla-Chef. Kristensson sitzt ganz in der Ecke der Halle und bewahrt so den Überblick. «Ich gebe keine Prognose ab, wann der 360c oder vergleichbare Fahrzeuge wirklich unterwegs sein werden. Ich sage nur, ich bin überzeugt, dass wir es noch erleben werden.» Was ihn da so sicher macht? «Die Technologie macht weiterhin gewaltige, exponentielle Sprünge. Auch die Datenlage.» Und weil Daten so entscheidend sein werden, hat sich Volvo mit Google zusammen­ getan. Es ist also keine Frage, ob, sondern nur wann autonome Fahrzeuge zwischen uns verkehren werden. Um den Fahrspass macht sich Kristensson übrigens keine Sorgen. «Sie können sich ja für den Sonntagsausflug ein Sportauto mieten. Ist es nicht ein bisschen wie mit dem Segelboot? Früher war es ein Transportmittel, heute ist es nur noch zum Spass da.»

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F O T O S N o r m a n

T E X T K o n r a d

M a r c

B a u m a n n

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SMARTE GADGETS

kamen in der Wohnung zum Eins atz .

1

W O C H E lang reizte unser Autor die Technik aus .

240

M I N U T E N dauer te allein die Instal­ lation der Geräte .

SELBSTÖFFNENDE TÜRSCHLÖSSER, SICHERHEITS­ KAMERAS MIT GESICHTSERKENNUNG, PIZZABESTELLUNG AUF ZURUF: S M A R T - H O M E - PRODUKTE SOLLEN 76  

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WILLKOMMEN @HOME

UNSERE WOHNUNGEN OPTIMIEREN. ABER VERBESSERN SIE UNSER LEBEN? UNSER AUTOR WAGTE DEN VERSUCH UND KREMPELTE SEIN ZUHAUSE AUF ZUKUNFT UM.


W Wer eine Überwachungskamera ­installiert, sollte eine Hose anhaben. Das weiss ich, seit mein Smartphone das Video eines verdächtigen Mannes in Boxershorts zeigte, der sich gerade in meinem Wohnzimmer rumtrieb. Die mir enorm ähnlich sehende Person schaute dabei prüfend und nicht sehr geistreich in die Linse der NetatmoSmart-Innenkamera. Zu meiner Entschuldigung: Es war ein heisser Sommerabend (darum keine Hose) und kurz vor dem Schlafengehen (darum die Boxershorts). Ich wollte nur schnell noch die Kamera ausprobieren – ohne dran zu denken, dass deren Bewegungsmelder sofort anspringt.

WEIBLICHE NAMEN DER PRODUKTE SOLLEN VERTRAUEN WECKEN

Ich versuchte noch, meine Freundin zu warnen, da kam sie ins Bild ge­ laufen, ebenfalls halbnackt. Sie sah die blinkende Kamera und rief: «Filmt das Ding mich? Spinnst du? Lösch das!» Dann bog auch noch unser Kind im Nachthemd um die Ecke: «Papa, was mach…» – «Raus! Schnell!», rief ich. So begann der Selbstversuch «Meine Wohnung wird ein Smart Home»: die Freundin verstimmt, das Kind ­verschreckt, ich unbekleidet gespeichert in der Cloud der Firma Netatmo. ­Bislang ist unser Zuhause recht alt­ modisch: Es gibt WLAN, Laptops, Tab-

lets, Handys, aber «Smart Home» war für mich nur eine vage Vorstellung. Ist bestimmt kompliziert einzurichten, dachte ich; und man gibt zu viele Daten preis, hörte ich. Aber jetzt war es ja ein Arbeitsauftrag: Mitte Juli sollten Alexa, Hue, Eve, Nuki und Lily bei uns einziehen. Smart-Home-Hersteller taufen ihre Produkte gerne auf weiblich klingende Namen, das soll sie wohl zu ver­ trauenswürdigen Mitbewohnern machen. Denn wer ein Smart Home will, muss Google, Amazon, Apple und ­anderen berüchtigten Datensammlern die Haustür nicht nur aufschliessen, sondern sie sperrangelweit offen lassen. Hacker haben gezeigt, dass sie sich in Smart-Home-­

Vor dem Testen kommt das Auspacken . Autor Marc balancier t seine smar ten Gadgets in die Wohnung. Seine Freun din ist skeptisch , sein Kin d euphorisch .

S TA P E LWA R E

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ICH VERSUCHTE NOCH, MEINE FREUNDIN ZU WARNEN, DA K AM SIE HALBNACKT INS BILD GEL AUFEN. «FILMT DAS DING MICH? SPINNST DU? LÖSCH DAS!», RIEF SIE .

Systeme einschleichen und die Kon­ trolle über fremde Wohnungen über­ nehmen können.

DIE WETTERSTATION MEINT, WIR SOLLTEN DRINGEND LÜFTEN

Das Kind fand den Selbstversuch da­ gegen toll. Wenn ich von der Arbeit heimkam, waren schon alle neu ge­ lieferten Pakete aufgerissen. Die zweite Erkenntnis in dieser Smart-Home-Test­ woche – nach der Sache mit der Hose – ist, wie selbstverständlich Kinder mit den Produkten umgehen. Diese Generation wird in 20, 30 Jahren mal in sehr, sehr smarten Häusern leben. «Alexa, räum mein Zimmer auf!», ruft das Kind einmal im Spass. Sucht man im Jahr 2019 in grossen Elektromärkten, findet man unter «Smart Home» vor allem: smarte Steck­ dosen, smarte Glühbirnen, smarte Heizkörperregler. Nicht gerade der Stoff, aus dem Science-Fiction-Romane sind. Es gibt noch keine Drohne, die meinen Kühlschrank beliefert. Die wirren Fahrtwege des StaubsaugerRoboters können nur unsere Katze beeindrucken.

­ ieferung: Eine smarte Lichterkette – die kleinen Leucht­ L dioden können die Farbe wechseln. Ich lege sie unters Sofa, das jetzt von unten erleuchtet ist. Das macht einen Tag lang Spass, dann vergessen wir, sie noch einmal an­ zustellen. Die smarte Wetterstation, die wir anschliessen, zeigt, dass wir lüften sollten (die Luftfeuchtigkeit ist ­etwas hoch), die Raumluftqualität aber vorbildlich ist (CO²-Gehalt nicht zu hoch). Erfreulich. Aber da muss noch mehr gehen. Der erste echte Höhepunkt ist ein kleiner, flacher, ­runder, grauer und irgendwie niedlicher Lautsprecher: Google Home Mini. Ein Smart Speaker, also ein Sprach­ assistenzsystem, das man mit «Hey Google» aktiviert. Erster Test: «Hey Google, wie wird das Wetter heute?» Eine Frauenstimme warnt vor Gewittern, draussen sind erste dunkle Wolken, passt. Dann will das Kind mal: «Hey Google, erzähl einen Witz.» Die Stimme fragt, was grün ist und im Sarg liegt. «Eine Sterbse.» Also sterben plus Erbse. Das Kind ist begeistert. Weil sich Google Home mit drei smarten Glühbirnen von Philips Hue connecten lässt, ­gelingt die erste echte Smart-Home-Demonstration: Wir lassen die Rollläden runter, stehen im Dunklen und sagen: «Hey Google, schalte das Licht im Wohnzimmer ein.»

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rkenntnis Nummer drei: Smart Home steckt noch in den Kinder­ schuhen. Aber: Es gibt sie, die smarten Produkte, die eine Vorahnung geben, wie es einmal sein wird. Etwa das smarte Türschloss von Nuki. Da­ mit soll es möglich sein, dem Paket­ boten vom Büro aus die Wohnung zu öffnen. Wird bestellt. Dazu 15 weitere Produkte. Also los: Als Erstes checke ich smarte Steckdosen. Die sehen aus wie: Steckdosen. Da hätten die Desi­gner von Eve etwas gewagter ent­ werfen können. Den Stromverbrauch auf dem Handy überwachen und ­analysieren zu können ist aber prak­ tisch und spart Geld. Die nächste

Noch sehen die smar ten Gadgets aus , wie, nun ja, Gadgets eben. Auf den rollenden Science-FictionKochrob otor müssen wir vorerst noch war ten .

TRAUM FÜR TECHIES

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Und es wurde Licht. Dann etwas kom­ plizierter: «Hey Google, schalte die Wohnzimmerlichter auf Sonnenunter­ gang» – eines von zahlreichen vor­ eingestellten Lichtprogramm der Hue.

DER FÜNFJÄHRIGE EINER BEK ANNTEN BESTELLTE MIT ALEXA EINE PL AYSTATION. 1a. SMARTE AUSSENK AMERA 8 . N U K I K E Y P A D Er weiterung V O N N E T A T M O c a . 32 5 CHF für elek tronisches Tür­ 1 b . R E G E N S C H U T Z F Ü R A U S S E N - schloss , c a . 9 0 CHF K A M E R A nicht smar t 9 . H E A LT H Y H O M E C O A C H V O N 2 . E V E A Q U A smar te Bewässe ­ N E T A T M O smar ter Raumluf t­

ERNST GEMEINTE FRAGE: WIRD MAN DICKER IM SMART HOME?

Zwei Lampen wechseln auf Dunkel­ rosa und eine auf Orange, klappt. Das Kind will Musik – aber das gewünschte Lied will Google Home nur abspielen, wenn wir YouTube Premium haben. Lektion 4: Das ist Smart Home also auch geschäftstüchtig. Als Nächstes verbinden wir noch unseren internetfähigen Fernseher mit Google Home, das Kind springt aufs Sofa, befiehlt: «Hey Google, zeig

rungssteuerung, c a . 10 0 CHF sensor, c a . 10 0 CHF smar te 1 0 a .   &   1 0 b . P H I L I P S H U E smar­ Steckdosenleiste , 10 0 CHF tes Lichtsystem , c a . 2 2 5 CHF 4 . N U K I C O M B O 2 . 0 elek tro ­ 1 1 a . & b . SM AR TE WE T TE R­S TATI O N nisches Türschloss für das VO N N E TATM O c a . 1 8 0 CHF Zuhause , c a . 32 5 CHF 1 2 . N E T A T M O W E L C O M E smar te 5. LOGITECH HARMONY HUB Innenkamera , c a . 2 20 CHF Haussteuerung mit tels 13. GOOGLE HOME MINI Hub un d App, c a . 1 4 0 CHF sprachgesteuer ter L aut­ 6 . E V E E N E R G Y smar te sprecher, c a . 65 CHF Steckdose mit Verbrauchs­ 1 4 . E V E L I G H T S T R I P smar ter messung, c a . 5 0 CHF LED -Streifen , c a . 9 0 CHF 3 . E V E E N E R GY S T R I P

7. A P P L E i P H O N E M I T H O M E1 5 . S M A R T- H O M E - F U N K R A U C H A P P z . B. iPhone 7 ab 599 CHF MELDER VON iHAUS ca. 100 CHF

3. 1 b.

4.

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5. 12. 11a.

13.

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10a .

B O D E N D E R T A T S A C H E N 1 5 verschie dene Pro duk te erprobte unser Autor zu Hause – die meisten liessen sich üb er das Smar tphone o der p er Spracherkennung steuern .

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mir Netflix … » und hat schlagartig vergessen, dass wir eigentlich schwimmen gehen wollten.

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rnst gemeinte Frage: Wird man ­dicker im Smart Home? Wenn man sich nicht mehr bewegen muss, um das Licht einzuschalten oder die Fernbedienungen zu suchen? Alexa, das zweite grosse Sprachassistenzsystem, das wir ausprobieren, bestellt per Zuruf über den aktivierten «Lieferando Skill» das Abendessen vor die Haustür. Wer sich mit Amazon verknüpft und kein Problem mit langen Alexa-Diskussionen hat (es dauert, bis man herausfindet, was Sprachassistenten ver­ stehen), kann nahezu alles nach Hause bestellen. Der Sohn einer Bekannten hat sich mit fünf Jahren eine Play­ Station bestellt, wofür es eine Woche Haus­arrest gab. Auch wir verlassen die Wohnung seltener, und aufstehen muss man im Smart Home kaum noch, nur mal die Füsse anheben, weil der Saug­ roboter drunter durchfährt. Für gebrechliche Neunzigjährige wäre das Smart Home jedenfalls super hilfreich.

AUCH DIE KATZE BEKOMMT EIN PROFIL FÜR DIE KAMERA

Wir merken (Lektion Nummer 5), wie die Smart-Home-Idee in unser Denken eindringt. Als ich mich zum Spass auf die Waage stelle, um nachzusehen, ob ich zunehme, denke ich, dass man eine smarte Waage bräuchte, die bei Zunahme Termine zum Joggen in den Kalender einträgt. Ich bin mit meiner Idee zu spät dran: Es gibt sie längst, etwa eine «Nokia Body-WLANKörperwaage mit BMI-Funktion», die Daten analysiert und Tipps zur ­Ernährung gibt. Wäre das nun nett oder unhöflich von smarten Geräten, darauf hinzuweisen, dass man früher dünner war und einem etwas Be­ wegung guttäte? Die Frage, wer da wen steuert, stellt sich endgültig im Bereich der Smart Home Security: In der Wohnung steht die chic designte Kamera von Net­atmo, die Gesichtserkennung hat und prompt Alarm schlägt, als der Berliner Fotograf des Artikels zur Tür reinkommt. Vater, Mutter, Kind, Fotograf, Oma,

Opa und Katze bekommen im Lauf der Woche ­Profile, damit die Kamera uns nicht immer für Einbrecher hält. Neben Bewegungen zeichnet die Kamera aber auch ­Geräusche und Gespräche auf. Als meine Freundin und ich einmal über ein Bankgeschäft reden, fällt unser Blick auf die eingeschaltete Kamera, wir reden im Bad bei ­geschlossener Tür weiter.

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uf der Terrasse steht eine Outdoor-Kamera, die nachts einen Fuchs filmt, was alle begeistert. Vor ­allem mich begeistert, was noch so alles an Sicherheitsprodukten zu bestellen ist: ein smarter Feuermelder, aber auch smarte Haustür- und Fenstersensoren, die ­einen Einbruch melden sollen. Als ich einen smarten Wasseralarm bestellen will, der Rohrbrüche und Überschwemmungen erkennt und ans Smartphone meldet, fragt meine Freundin, ob ich es nicht langsam übertreibe. Dass mein erhoffter Smart-Home-Höhepunkt, das digi­ tale Türschloss von Nuki, nicht auf unseren etwas älteren Zylinder passt, findet sie gut. Dann hätten wir bereits drei Überwachungskameras in der Wohnung: Indoor, Outdoor, Eingangstür. Meine Freundin vermisst ihr «NotSo-Smart Home» von früher. Die letzte Lehre aus dem Smart-Home-Test. Als sie mit dem Kind zur Oma fährt, begrüsse ich sie beim Heimkommen per übertragener Sprachnachricht aus dem Google Home Mini und einer Disco-Lightshow der smarten Glühbirnen. Sie geht zur Kamera, von der aus ich im Büro zusehe, winkt – und deaktiviert sie. Abends finde ich alle Smart-Home-Produkte in einer grossen Kiste in ihren Verpackungen.

W A C H S A M E S A U G E Die Üb er wachungskamera von Netatmo schläg t Alarm , sobald jeman d das Haus b etrit t , den sie nicht erkennt – et wa den Fotografen dieser Stor y. INNOVATOR

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BLOOM B IOM AS SE S TAT T P E T ROL EUM

Bloom sind (v. li.): Jean Behaghel de Bueren (CSO), Gaëtan Froidevaux (Labortechniker), Cedrik Eriksson (Chemiker), Chloé Wegmann (Labor­ leiterin), Dr. Florent Héroguel (Mit­ gründer und COO), Dr. Remy Buser (Mit­ gründer und CEO)

Vom Geschmacksträger im Pudding bis zum Autolenkrad: Erdölbasierte Produkte finden wir auch an unvermuteten ­Orten. Da Erdöl aber knapper wird und ökologisch bedenklich ist, braucht es dringend Alternativen. Hier tritt das Start-up Bloom aus Renens VD auf den Plan: Das Team um die Chemiker Dr. Remy Buser, Dr. Florent Héroguel und Jean Behaghel de Bueren hat ein Verfahren patentieren lassen, bei dem die Bestandteile von Biomasse – Polysaccharide, also im Wesentlichen Zellulose, sowie die stabilisierenden Lignin-Polymere – getrennt werden. So sind fast 100 Prozent des Rohstoffs wieder­ verwertbar: Letzterer Teil dient als Petroleum-Ersatz für die chemische Industrie, ersterer wird als Textilfaser wiedergeboren. Zusätzlich entsteht beim Trennprozess grüne Energie. Der Wert der Biomasse wird so verdoppelt. bloombiorenewables.com

Mit dem Verfahren von Bloom wird Bio-Abfall zu wertvollen Rohstoffen umgewandelt – und dabei Energie gewonnen.

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SCHWEIZER

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CLÉMENT GRANDJEAN/TERRE&NATURE

MACHER INNOVATOR

WIR STELLEN SIEBEN JUNGE FIRMEN VOR, DEREN IDEEN DAS POTENZIAL HABEN, UNSER ALLER LEBEN EIN B I S S C H E N E I N FAC H E R , Ö KO L O G I S C H E R UND VOR ALLEM BESSER ZU MACHEN. T E X T: W E R N E R J E S S N E R

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2 L EGA RT IS HIGH - TECH IM RECHT

Juristen, die unter Akten­ bergen verschwinden, und Verfahren, die sich deshalb endlos ziehen: Geht es nach dem Zürcher Start-up Legartis, ist das ein Bild von gestern. Denn die von ihm entwickelte Software kombiniert Erkennt­ nisse aus Machine Learning, NLP und künstlicher Intelligenz und kann auf diese Weise selt­ same Formulierungen oder fehlende Klauseln in Verträgen selbständig finden – und das in mehreren Sprachen und unter höchster IT-Sicherheitsstufe.

D I E I D E E : L E GA R T I S B E S C H L E U N I G T PA P I E R A R B E I T B E I V E R T R A G S ­­A B S C H L Ü S S E N D A N K K Ü N S T L I C H E R I N T E L L I G E N Z D R A M AT I S C H .

Das Gründungsteam rund um die Juristen David Bloch und Marc von SamsonHimmelstjerna, den Infor­ matiker Michael Fetzer sowie den Computerlinguisten Dr. Don ­Tuggener hat mit seinem «Lifestyle Contract Intelligence Tool» vor allem Grosskanzleien

sowie die Rechtsabteilungen grosser Konzerne im Auge, die auf der Suche nach der ­juristischen Nadel im Vertrags­ haufen potenziell Wochen sparen können – ein potenziell entscheidender Vorteil in der globa­lisierten Geschäftswelt. legartis.ai

An der Spitze von ­Legartis (v. li.): Michael Fetzer (CTO), David Alain Bloch (CEO), Diane Freymond (COO)

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Supersportwagen als Investitionsobjekt: Ferrari F12 TdF. Marktwert: mehr als eine Million Franken

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Präzision in der Ausführung von Fitnessübungen und sofortiges Feedback per Gratis-App: Das kann Vay Sports.

VAY SP ORT S PROFI - COACH IM KOPFHÖRER

LEGARTIS, CURIO CAPITAL AG 2019, VAY-SPORTS AG

Blosses Tracking ist überholt: Die Zukunft körperlicher Fitness ist ein digitaler Personal Coach, der die präzise Ausführung der Übungen überwacht, professionelles Feedback in Echtzeit gibt und den Fortschritt dokumentiert. Das ist der Anspruch von Vay Sports, der App eines Spin-offs der Universität Zürich, rund um Caspar Leuzinger, Patrizio Bonzani und Joel Roos. Die Smartphone-Kamera beobachtet dabei den Athleten und kreiert ein Computer­ modell seines Körpers. Der AI-(Artificial Intelligence-) Coach erkennt zum Beispiel, ob die Push-ups sauber ausgeführt wurden, und greift bei 

Bedarf über Anweisungen im ­Kopfhörer korrigierend ein. Die App kann gratis herunter­ geladen werden und bietet Trainings mit renommierten Personal Trainern aus der ganzen Welt an. vay-sports.com

Die Macher hinter Vay Sports: Caspar Leu­ zinger (oben), Joel Roos (Mitte) und Patrizio Bonzani (unten)

CURIO IN V E S T A M LU X US MITN AS CHEN

Limitierte Supersportwagen wie dieser Ferrari F12 TdF zählten in den letzten Jahren zu den besten Investments überhaupt – weit vor Immobilien oder Aktien. Allerdings war dieses Feld bislang eine höchst elitäre Sache – kein Wunder bei den Preisen weit im sechsstelligen Bereich. Curio Invest aus Zürich um die Gründer Fernando Verboonen und Valerie Halter demokratisiert diesen Prozess: Profis identifizieren Autos mit Wertsteigerungspotenzial. Schon ab 100 Dollar kann man sich beteiligen. Ist die Finanzierung sichergestellt, wird das Objekt gekauft, verwaltet und bei günstigem Wind wieder verkauft. Ausserdem kann man die eigenen Tokens am GemeinschaftsFerrari innerhalb der Community verschieben und das Risiko streuen – etwa durch Investments in einen Aston Martin, Porsche, Bentley oder McLaren. curioinvest.com  85


Die Light-Field-Technologie projiziert ­virtuelle Objekte so ins Gesichtsfeld, wie es dem natürlichen Sehen entspricht.

Die Gründer von CREAL3D: Alexander Kvasov (oben) und Tomas Sluka (unten)

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Wenn das Erlebnis durch ­Virtual-Reality-Brillen im besten Fall unecht wirkt oder es im schlimmsten Fall zu Schwindel kommt, liegt das daran, dass auf das natürliche menschliche Sehen zu wenig Rücksicht genommen wird: Das Auge fokussiert bei Objekten in unmittelbarer Nähe auf das konkrete Objekt, während Dinge im Hintergrund unscharf werden. Wandert der Blick in die Ferne, wird das Ding vor der Nase unscharf. Die Light-Field-Technologie von CREAL3D aus Ecublens VD setzt diese Erkenntnis nun erstmals für VR-Brillen um. Wenn der Fokus von nah zu fern wandert, verschiebt sich auch die Schärfe des in die Brille eingeblendeten Objekts. Erst mit dieser Erfindung werden sich jene Informa­ tionen, die wir heute noch am Smartphone abrufen, künftig sinnvoll ins Gesichtsfeld ­projizieren lassen. creal3d.com 86  



CREAL 3D SA, THERESE SCHRÖDER, MARTIN FURRER

CRE A L3D MI X ED S TAT T V IRT UA L RE A L IT Y


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MICROCA P S PR Ä ZISION IM W INZIGEN

Microcaps-Team (v. li.): Jonas Rufi, Dr. Alessandro Ofner, Michael Hagander, Nicolas Sollich

Je kleiner, desto schwieriger­ ist Präzision. Was jeder Hand­ werker weiss, wird bei Medi­ kamenten, aber auch in der Agro-Chemie oder bei Parfums superknifflig: Wie garantiere ich, dass in einer Pille, einem Tropfen Flüssigkeit genau jene Zahl an Stoffen enthalten ist, die als ideal berechnet wurde? Je kleiner die Mikropartikel, -kapseln oder -tropfen sind, desto schwieriger ist absolute Präzision. Das gilt vor allem für Medi­ kamente: Wie viel Wirkstoff in einer Tablette genau enthalten ist, wann und wie er also zu wirken beginnt – das ist wegen unterschiedlicher Grösse der Mikropartikel bislang eher eine Schätzung. Microcaps, ein ETH-Spin-off, schafft es nun, Partikel der relevanten­ Substanzen in exakt der gleichen Grösse herzustellen und so das Wirkungsprofil von Medikamenten extrem zu ­präzisieren – und sie dabei 1000-mal schneller zu produ­ zieren, als es bis jetzt in den besten Labors gelang. microcaps.ch

E R S TA U N L I C H : W I E V I E L W I R KS T O F F TA B L E T T E N TAT S Ä C H L I C H E N T H A LT E N , KO N N T E B I S L A N G N U R G E S C H ÄT Z T WERDEN. MICROCAPS ÄNDERT D A S J E T Z T. INNOVATOR

Funktioniert bis zu 10 µm, das entspricht 0,01 mm: Schweizer Präzision à la Microcaps

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Der Gehirnscanner von Positrigo ist zehnmal so billig und auch deutlich kleiner als kon­ ventionelle Geräte.

P OSITRIGO GEHIRNS CA NNER FÜR DIE W ELT

Demenz ist ein globales Pro­ blem und beschränkt sich nicht auf hochentwickelte Länder, deren Krankenhäuser sich die Instrumente für eine recht­ zeitige Erkennung leisten kön­ nen. Dazu kommt, dass sich die Krankheit durch die Über­ alterung der Gesellschaft wei­ ter ausbreiten wird. Rasche, niederschwellige Früherken­ nung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie – dazu braucht es einen Gehirnscan. Jetzt kommt Positrigo ins Spiel, das Start-up der beiden Physiker Jannis Fischer und Max Ahnen, die einen kleinen, kostengünstigen Tomogra­ phen entwickelt haben, der vor ­allem in Asien und Afrika zum Einsatz kommen soll. Das Magazin «Forbes» war von ihrer Entwicklung so begeis­ tert, dass es die beiden in die Top 30 der vielversprechends­ ten europäischen Wissen­ schaftler aufnahm. Serienstart soll ­übrigens bereits 2021 sein. positrigo.com

Wollen BrainScans demo­ kratisieren: Dr. Jannis ­Fischer (oben) und Dr. Max ­Ahnen (unten)

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GUIDE

I N N O V AT O R

Insider-Infos und Events:

Prototyp im Check: die AR - Brille der nächsten Generation // Blick in die Zukunft: Business Innovation Week // SocialInnovation-Event: Red Bull Basement Festival // Kolumne: Wie 5G unsere Welt verändern wird

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CHECK IT OUT 

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Die neue Brille Magic Leap One beweist: So leicht kann Augmented Reality sein.

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CONTROLLER Die Menü-Navigation erfolgt über dieses Zusatzgerät. Viele Anwendungen lassen sich aber einfach per Hand steuern. LIGHTPACK So gross wie eine CD, so stark wie ein Computer. In diesem Teil befinden sich Grafik, Prozessor und die Batterie für drei Stunden Betrieb.

INNOVATOR

MICHAEL KRITZINGER

agic Leap. Wer diese Zauber­ worte spricht, sorgt unter Technikbegeisterten für spontane Aufregung. Das US-Start-up hat es verstan­ den, einen Mythos zu erschaffen: um die Firma, ihr Produkt, eine Augmented-Reality-Brille – und die Funding-Runde. Nach der Prä­ sentation in einem leeren weissen Raum sollen Investoren nur ge­ fragt haben, wie viele Millionen genau sie beisteuern können. Es wurden am Ende 2,3 Milliarden. Wie erklärt sich der Hype? «Die Magic Leap One ist der stärkste Konkurrent zur HoloLens von ­Microsoft», sagt Andi Gall nach seinem Test im Innovationslabor Red Bull Media House Wingslab. «Mit klaren Vorteilen: Sie ist leich­ ter, ihr Field of View grösser.» Letz­ teres bezeichnet jenen Bereich im Sichtfeld, in dem man die künst­ lich eingeblendeten Elemente wahrnimmt. Je grösser das Field of View, desto grösser aber auch die benötigte Rechenleistung. Die ist bei der Magic Leap aus­ gelagert – ins sogenannte Lightpack, das der Brillenträger einfach anklippen kann. Die Brille selbst wiegt so nur 345 Gramm. «Das macht sie auch für längere Expe­ riences komfortabel», meint Gall. Diese Experiences reichen von Sportübertragungen mit Zusatz­ infos über interaktive Baustellen­ begehungen bis hin zu Lehrfilmen mit 3D-Modellen. Erdacht von Firmen, die sich dafür bei Magic Leap einkaufen. Noch ist die Brille mit 2300 Dollar zu teuer für die Masse. «Aber dank immer besserer und leichterer Technik bald ein Alltagsgegenstand», so Gall.


TECH-HIGHLIGHT

AR-BRILLE Lichtsensoren und Kameras scannen die Umgebung. Der integrierte Projektor überträgt die Auf­ nahmen auf die Bril­ lengläser, wo sie mit virtuellen Bildern ­ergänzt werden.

RED BUL L ­M EDIA HOUSE WINGSL AB

«DIE MAGIC LEAP IST DER NÄCHSTE SCHRITT. BALD IST A R -T E C H N O L O G I E K O M PA K T GENUG FÜR EINE LESEBRILLE.» INNOVATOR 

Andi Gall, Chief In­no­ vation Officer des Red Bull Media House, prüft mit seinem Team neue Gadgets und sucht gemeinsam mit den Entwicklern nach Einsatzmöglich­ keiten. Hier stellt er immer eines von ­ihnen genauer vor. Über die spannenden Auswirkungen von 5G liest du in Andi Galls Kolumne auf Seite 96.

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DO IT 

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  S A V E T H E D AT E

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9. - 1. 10. Barack Obama als Top-Redner Der frühere US-Präsident ­Barack Obama führt eine Liste exklusiver Speaker an, die bei Europas grösstem Gründer­ festival Bits & Pretzels er­wartet werden. 5000 Gründer, I­ nves­­toren und Start-up-Enthusias­ ten treffen dabei während des ­Oktoberfestes aufeinander. ICM, Oktoberfest, München, bitsandpretzels.com

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und 17. Januar Was tun, wenn sich alles ändert?

Oktober Industrie neu: Alles digital Wie verändert die Digitalisie­ rung die industrielle Produk­ tion? Seit 2015 tauschen ­Führungskräfte, Visionäre und Praktiker beim Finanz und Wirtschaft Forum zum Thema Industrie 4.0 ihr Wissen aus. Speaker 2019: David Strauss (Nestlé), Karl-Heinz Bauer (Schindler). GDI, Rüsch­likon, Zürich; fuw-forum.ch

Aufbruchsstimmung: Beim Startup Forum treffen Gründer auf Erfolgsunternehmer.

Es wird die wohl radikalste Veränderung der Arbeitswelt: der Zusammenbruch hierarchischer Strukturen. Beim 8. Worldwebforum diskutieren «Pioniere, Nerds, Freigeister, Vordenker, Entrepre­ neure und Aussenseiter», wie es offiziell heisst, über diese These und selbst­ bewusste Führung in Zeiten des Um­ bruchs – das diesjährige Thema lautet «Wanted: Leader». Erwartet werden rund 1500 Teilnehmer und 100 Speaker aus 30 Ländern. Mit dabei: Lars Ulrich (Metallica), Victor Luo (Amazon), Pamela Munster (UCSF) und Marco Tempest (NASA-Creative-Technologist; Bild).

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Oktober So gründest du dein eigenes Unternehmen Du willst deine Idee Realität werden lassen? Du denkst daran, deine eigene Firma zu gründen? Beim Startup Forum, wo Gründer auf Entrepreneure tref­ fen, gibt es Antworten auf viele Fragen. Erfolgsunter­ nehmer Ernst Möhl von der Mösterei Möhl AG wird im Podiumsinterview Erfolgswege skizzieren, Trainer Gregor Staub erklärt den Weg zum Top-Gedächtnis. Ausserdem gibt es ein Business-Speed-Dating. OLMA, St. Gallen; ifj.ch/ForumSG

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GETTY IMAGES, IFJ INSTITUT FÜR JUNGUNTERNEHMEN AG

StageOne, Zürich; worldwebforum.com


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B U S I N E S S I N N O V AT I O N W E E K

Robolution! In Zürich stehen im Herbst auch die weltbesten Robos auf der Bühne.

Keynotes

DIE SPEAKER

CHRISTIAN MÜLLER, CO-GRÜNDER OMR

Business Innovation Week

ZUKUNFT ZUM ANFASSEN

Für Pioniere und Visionäre: Zürich wird zum Hotspot aufregender Innovationen.

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n die 10.000 Besucher ­werden dieses Jahr auf der Business Innovation Week Switzerland erwartet. Und das aus gutem Grund: Dreht sich doch im Werkplatz Zürich Oerlikon fünf Tage lang alles um die jüngsten Trends und Innova­ tionen für Unternehmer, Gründer und Zukunftsgestalter. Konkret auf dem Programm: 300 inter­ nationale Keynotes (siehe Kasten

rechts) und Vorträge, 200 Aus­ steller und 100 Events – mit Workshops, Labs sowie Start-upPitches. Besondere Empfehlung: die «Future Conference» – mit ­internationalen Speakern aus Wirt­ schaft, Wissenschaft und Politik. Und die «Live-Experience», die den weltbesten Robotern (wie Cruzr und Pepper) eine Bühne bietet … Dazu erwarten die Be­ sucher Produkt-Premieren zum Anfassen und Austesten: «Wir wollen die Zukunft des Innova­ tions-Weltmeisters Schweiz er­ lebbar machen», sagt Initiatorin Ewa Ming, die langjährige Ver­ anstalterin der Schweizer Marke­ tingmesse SuisseEMEX und des Digital Summit.

Ausser bei OMR war er Mitgründer der Marketing-Plattform metrigo, die 2015 von Zalando übernommen wurde. Müller hat einen MBA in ­Medienmanagement. omr.com

ESTHER CAHN, CEO SIGNIFIKANT SOLUTIONS AG Lange verantwortete sie die Mediabudgets wichtiger Brands. Mit Signifikant arbeitet Esther Cahn nun an einer Big-Data-Lösung für die Steuerung von Kampagnen. signifikant.biz

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ZVG. EMEX MANAGEMENT GMBH

bis 3. Oktober Business Innovation Week

High-Speed-Experience: Racing per VR-Brille

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Werkplatz Zürich Oerlikon Specials am 30. September (Eröffnungs­ event) und 4. Oktober (Retail-Tour). Angebot für Innovator-Leser: Gratiseintritt für die Live-Experience-Halle, 20 % Rabatt auf alle Ticketkategorien. Promo-Code: BIW19REDBULL; Programm, Tickets: businessinnovation.ch

TOBIAS REIN, CO-GRÜNDER GETYOURGUIDE Als Student war Tobias Rein einer der Mitbegründer der Reise-Plattform GetYourGuide. Heute gilt GetYourGuide als einer der Top-Player im Business. getyourguide.com

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Umwelt & Sport

ES BRAUCHT EINE NEUE BALANCE

Zukunftsfragen

FRISCHE IDEEN FÜR EINE BESSERE WELT

Beim Red Bull Basement Festival in Zürich wird gemeinsam nach sozialen Innovationen gesucht.

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as eintägige Festival ist ­vollgepackt mit Vorträgen, Workshops und Diskussions­ foren. Faszinierende Speaker von innovativen Firmen und Organisationen öffnen den Be­ suchern die Welt moderner Tech­ nologie und nachhaltigen Den­ kens. Einer dieser Redner ist Klaus Schönenberger vom EssentialTech Center EPFL. In dem Forschungs­ zentrum wird an der Entwicklung von Technologien gearbeitet, die

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Inspirierende Diskussionen wie 2018 erwarten die Teilnehmer auch dieses Jahr.

das Leben in ärmeren Ländern verbessern sollen: Unter anderem tüftelt man an e­ iner besseren Wasserversorgung in afrikani­ schen Spitälern, an speziellen Pro­ thesen oder an Geräten, die den hohen Temperaturen in südlichen Ländern standhalten.

Egal ob Snowboarden, Biken, Kanufahren oder Klettern: Wer in der Natur Sport betreibt, hinterlässt einen unübersehbaren ökologischen Fussabdruck. Wobei der eigentliche Spass weit weniger Auswirkungen hat als An- und ­Abreise, die Infrastruktur oder der entstehende Abfall. Auch Material oder Sportbekleidung haben oft nachteilige Aus­ wirkungen auf die Umwelt. Beim Red Bull Basement ­Festival diskutieren Fachleute und Athleten, etwa der Free­ styler Elias Ambühl, wie Industrie, Event-Veranstalter und Sportler die Balance zwischen Umwelt und Sport verbessern können.

«Ja, wir Free­styler belasten die Natur. Als Vater einer kleinen Tochter bin ich für nachhaltige Lösungen. Sie soll die Natur noch so vor­finden, wie wir sie haben.»

ELIAS AMBÜHL

Meet the Creative World

Es geht also um Innovation mit sozialem Nutzen und eine Tech­ nologie, die die Welt zu einem besseren Ort macht – kurz: um «Social Innovation» und «Tech for Good». Zwei Begriffe, die immer wichtiger werden in einer Welt, die nachhaltige Lösungen für kom­ plexe gesellschaftliche Probleme braucht. «Früher stand eher die technische Innovation im Vorder­

ELIAS AMBÜHL, 27, SKI-FREESTYLE-PRO Der Bündner Ski-Freestyler hält mit 131,23 km/h den Weltrekord im Rückwärts-Skifahren.

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RED BULL BASEMENT

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Oktober Red Bull Base-­ ment Festival Volkshaus Zürich, Tickets: CHF 39 redbull.ch/basement

grund. Heute ist die soziale Frage die Basis für Innovation», sagt ­Leonhard Nima, Moderator von Red Bull Basement. Übrigens: Das allererste Red Bull Basement Festival ging 2015 in São Paulo über die Bühne, damals noch mit einem starken Fokus auf urbane Fragen. Heute umfassen die Akti­ vitäten von Red Bull Basement Aktionen in über 40 Ländern mit Festivals beispielsweise in den USA, Südafrika, Türkei, Spanien oder der Schweiz – immer auf der Suche nach einem guten, selbstbestimmten und nach­ haltigen Leben.

Leonhard Nima

«HARTE KONFRONTATION MIT DER WAHRHEIT»

ALAN SAHIN/RED BULL CONTENT POOL, DOMINIC ZIMMERMANN/RED BULL CONTENT POOL,

Macht über deine Daten

Hier setzt auch Monique Morrow von Vetri an. Sie wird eine der Speakerinnen beim Basement Fes­ tival in Zürich sein. Der 68-jähri­ gen Morrow – vormals CTO bei Cisco – geht es darum, dem User in einer datengetriebenen Welt die Macht über seine Daten zurück­ zugeben. Mit Vetri hat sie es ­geschafft, eine Plattform zu ent­ wickeln, die das auf geniale Weise ermöglicht. Mehr noch: Wer will, kann auf Vetri seine persönlichen Daten anonymisiert – vor allem aber gewinnbringend – verkaufen.

Der Unternehmer plädiert als Moderator des Red Bull Basement Festivals für soziale Lösungen.

Konzentriert bei der Arbeit: Teilnehmer eines Blockchain-Workshops – hier auf einem Bild vom vorjährigen Red Bull Basement Festival

INNOVATOR: Wer darf Red Bull Basement auf keinen Fall verpassen? LEONHARD NIMA: Alle, die sich mit innovativen Ideen und sozialem Mehrwert beschäftigen. Das Festival ist für ­jeden relevant, der einen ­offenen Geist hat und sich für gesellschaftliche Themen und Innovation interessiert.

Was waren wichtige Erkenntnisse der Veranstaltung im vorigen Jahr? Neue Technologie darf kein Selbstzweck sein. Es braucht Lösungen mit sozialem Impact. Das Festival trifft damit genau den Nerv der Zeit. Doch dieses Mindset muss aus der Nische raus, wir müssen eine breitere Zielgruppe erreichen.

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Stichwort „Protect Your Playground“ – sind Sportler Umwelt­sünder? Wir alle belasten die Umwelt, natürlich auch die Sportler. Das Festival stellt die Frage nach der M ­ inimierung des Negativ­impacts des Sports auf die Umwelt. Das wird eine harte Konfrontation mit der Wahrheit. Doch diese Awareness ist nötig, um nachhaltige ­Lösungen zu finden. Ein anderes Stichwort ist „Tech for Good“ – ein neuer Ansatz? Soziale Innovation gab es schon immer. Doch der Fokus auf den sozialen Impact war noch nie so gross wie heute, vor allem in Europa. Das ist sehr inspirierend.

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READ IT 

DAS FREUNDLICHE DATENMONSTER VON NEBENAN

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ch liebe neue Technologien, und mittlerweile entkomme ich ihnen auch nicht mehr. Warum sollte ich das auch wollen? Ich ver­folge derzeit mit höchster Aufmerksamkeit und Neugier, was ­demnächst auf uns zukommt. Dauerbrenner im Telekommunikationsbereich ist derzeit 5G. Dieser neue Standard für mobiles Internet und Mobiltelefonie wird die Art und Weise, wie wir mit Technologien umgehen, nein, sogar wie Technologie miteinander interagiert, durcheinanderwirbeln.

Andreas Gall 55, spürt als Chief Innovation Officer im Red Bull Media House Neuerungen auf, die die Zukunft der Medien und der Consumer ­Technology gestalten.

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Tschüss, extra Internetanschluss!

Eine positive Vision von mir: Ich vertraue der Intelligenz, der hohen Sicherheit und der Geschwindigkeit dieses neuen Standards, streiche künftig Wi-Fi aus meinem Repertoire und manage alle Datenverbraucher und datengesteuerten Geräte meines Lebens über mein privates 5G«Cockpit». Ich verzichte in Zukunft konsequent auf einen extra Internetanschluss.

Jedes Gerät, das Netzzugang benötigt, hat diesen bereits integriert. Und ich spreche da nicht nur von Handy und Fernseher, sondern von allen Geräten und Verbrauchern, also auch Strom-, Wasser- und Gaszähler, meinen Jalousien, der Markise, der Heizungssteuerung – alles, was sinnvollerweise mit mir oder untereinander kommunizieren kann, ist dazu befähigt. Warum ich das zulassen würde? Ich habe verstanden, dass 5G neben der globalen Vernetzung auch grosse Stärken hat, wenn es um lokale Datenverarbeitung geht. Es muss nicht jeder Datensatz um die ganze Welt geschickt und auf irgendeinem ­Server in Honolulu gespeichert werden. Die lokale Intelligenz des 5G-Netzwerkes sorgt auch dafür, dass «die Kirche im Dorf bleibt». Daten mit ausschliesslich lokaler Relevanz werden in Zukunft im lokalen Umfeld bleiben.

Kühlschrank reserviert beim Italiener

Das eröffnet andere Visionen: Damit wären ideale Bedingungen geschaffen, um Nachbarschaften bis hin zu Stadtvierteln noch besser miteinander zu vernetzen. Es könnten noch viel bessere Local-CommunityPlattformen entstehen. Wenn ich will, lass ich meinem Getränkelieferanten mithilfe eines 5G-«Internet of Things»-Geräts ­wissen, dass mein Mineralwasservorrat zu Ende ist. Der Lieferant bekommt auto­ matisch einen Auftrag und stellt mir den Nachschub in meine Garage, die sich ­einmalig für ihn öffnet, sobald er vor der Tür steht. Dank 5G und lokaler Plattform­ intelligenz läuft dieser Prozess sicher und reibungslos ab. Das böse, datenhungrige, allwissende Monster entpuppt sich plötz-

INNOVATOR

MICHAEL PRESCHL

Warum der neue Datenstandard 5G kein böses Ungeheuer ist. Sondern sich als netter Freund von nebenan entpuppen könnte.


KOLUMNE

IMPRESSUM 

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886

«DER NAHVERSORGER KÖNNTE AUF EINMAL IN DER LAGE SEIN, MIT WELTKONZERNEN ZU KONKURRIEREN.»

Chefredakteur The Red Bulletin Alexander Macheck Chefredakteur Innovator Arek Piatek Art Director Kasimir Reimann Photo Director Eva Kerschbaum Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza

Abo- und Leserservice abo@ch.redbulletin.com

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838

Illustrationen Johannes Lang

Länderredaktion Christian Eberle-Abasolo

Head of Commercial & Publishing Management Stefan Ebner Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Mia Wienerberger

Bin ich neugierig? Mit Sicherheit! Bin ich naiv? Vielleicht sieht es für den un­ bedarften Beobachter so aus. Aber der Optimist in mir ist überzeugt: Jede erfolg­ reiche Technologie geht mit einer kriti­ schen Masse einher, die letztlich immer sicherstellt, dass Fehlentwicklungen sehr rasch korrigiert werden; und dass sich letztlich die Vorteile durchsetzen werden. Von daher: 5G kann kommen!

Anzeigenverkauf Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com

Grafik Miriam Bloching, Martina de CarvalhoHutter, Kevin Goll, Carita Najewitz, Antonia Uhlig

Global Project Management Melissa Stutz

Die Vorteile setzen sich durch

Country Project Management Melissa Stutz

Freie Mitarbeiter Marc Baumann, Waltraud Hable, Jakob Hübner, Reiner Kapeller, Johannes Kornacher, Alexander Lisetz, Stefan Wagner, Wolfgang Wieser

Fotoredaktion Marion Batty, Ellen Haas

lich als Freund von nebenan! Der Nah­ versorger könnte auf einmal in der Lage sein, mit vermeintlich übermächtigen ­Giganten und Weltkonzernen zu konkur­ rieren. Noch eine Vision gefällig? «Hey, Andi», sagt der Kühlschrank, «ich fühl mich momentan recht leer! Soll ich bei Feinkost-Luigi ­nebenan ein bisschen Schinken und Käse bestellen? Oder soll ich für deine Ge­mahlin und dich im ‹Bell­ agio› einen Tisch ­reservieren? Das ist neu übernommen worden, und die Bewer­ tungen sind s­ uper!» Freilich – das ist eine ­Vision; und ja, wir müssen achtsam sein, dass sich die allgegenwärtige Vernetzung nicht gegen uns wendet. Aber neben vie­ len Möglichkeiten und manchen Gefahren verviel­fältigt der 5G-Mobilfunkstandard die Chancen der Globalisierung. Global vernetzen, aber gleichzeitig auch per­ fektes Managen der lokalen Bedürfnisse.

Länderredaktion Arek Piatek, Nina Treml

Head of Creative Markus Kietreiber Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier, Florian Solly Co- Publishing Susanne Degn-Pfleger, Elisabeth Staber (beide Ltg.), Mathias Blaha, Vanessa Elwitschger, Raffael Fritz, Marlene Hinterleitner, Valentina Pierer, ­Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Julia Zmek, Edith Zöchling-Marchart Anzeigendisposition Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Produktion Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lektorat Hans Fleissner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, ­ Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Sandra Maiko Krutz, Nenad Isailovic, Josef Mühlbacher

Publishing Management Bernhard Schmied Sales Management The Red Bulletin Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Stefanie Krallinger Media Sales Gerald Daum, Franz Fellner, Wolfgang Götz, Christopher Miesbauer, Nicole Okasek-Lang, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Kristina Krizmanic (Team Assistant) anzeigen@at.redbulletin.com Sales Operations & Development Stefanie Boruta (Ltg.), Anna Schönauer Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Offenlegung gemäss § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: www.redbulletin.at/impressum Redaktionsadresse Heinrich-Collin-Strasse 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0  Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com

Herstellung Veronika Felder Operations Michael Thaler (MIT), Alexander Peham, Yvonne Tremmel (Office Management) Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus ­Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser ­( Vertrieb), ­Victoria Schwärzler, ­Yoldaş Yarar (Abo) General Manager und Publisher Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Strasse 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag und Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Strasse 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Country Project Management Natascha Djodat Anzeigenverkauf Matej Anusic, matej.anusic@redbull.com Thomas Keihl, thomas.keihl@redbull.com

Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl INNOVATOR 

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DESIGN-HIGHLIGHT  Der übermannshohe Ball besteht aus einem Eisenkern, Bambus­ stangen und «Plastik­ füssen», die die Minen detonieren lassen.

Massoud Hassani

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Was als Designprojekt begann, rettet heute Leben: 2011 wollte der gebürtige Afghane Massoud Hassani mit seinem von Kinderspielzeug inspirierten «Mine Kafon Ball» Menschen in den Niederlanden für das Minen­problem seiner Heimat sensibilisieren – und mit der mobilen Skulptur gleich eine Lösung des Problems präsentieren. Denn der Ball kann, angetrieben vom Wind, über Landminen rollen und sie so zur Explosion bringen. Genial einfach und wirksam. Acht Jahre später ist Mine Kafon zu einem Hightech-Betrieb gereift, der Drohnen baut, die Minen aufspüren und mittels Robotik entschärfen. Der geniale Ball ist nach wie vor Firmenlogo.  minekafon.org

INNOVATOR

HASSANI DESIGN BV

«ICH WOLLTE ETWAS KREIEREN , WAS DIE MENSCHEN SELBST NACHBAUEN KÖNNEN.»

Die Urform der Anti-Minen-Drohne


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INNOVATOR by The Red Bulletin CD 2019 #3  

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