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Start-up-Newcomer Die heissesten BusinessPioniere der Schweiz

Ferngesteuerter Lebensretter Bei Einsturz, Brand oder Chemieunfall: Diese Maschine holt dich da raus

Netzwerk-Guide

20 goldene Regeln für exzellente Verbindungen

AUSGABE SCHWEIZ CHF 7

ICH BIN SOPHIA

Ich bin der höchstentwickelte Roboter der Welt. Ich erkenne, was ihr Menschen fühlt.

02/18


Volvo Swiss PremiumÂŽ Gratis-Service bis 10 Jahre/150 000 Kilometer, Werksgarantie bis 5 Jahre/150 000 Kilometer und Verschleissreparaturen bis 3 Jahre/150 000 Kilometer (es gilt das zuerst Erreichte).


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EDITORIAL

I N N O V AT O R

Willkommen!

Eine Weltpremiere liefert der italienische World-Press-AwardSieger: das erste Fotoshooting mit Super-Roboter Sophie bei ihrem Hersteller Hanson Robotics. „Mir lief es kalt über den Rücken. Sie sprach mit mir, als wäre sie ein richtiger Mensch.“ SEITE 24

Gregor Kuntscher „Ich fühlte mich wie am Set eines James-Bond-Films“, sagt der Wiener Fotograf über das Shooting mit dem 13 Tonnen schweren Feuerlösch-Roboter der Firma DOK-ING in Kroatien. Eine Reportage über Ideen, Stichflammen und Explosionen – ab SEITE 5 8

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Stromgewinnung durch unbemannte Flugzeuge, ein unüberwindbares Schloss aus Titan oder eine App, die lange Wartezeiten beim Arzt der Vergangenheit angehören lässt – ab Seite 82 präsentieren neun der verheißungsvollsten Schweizer Start-ups ihre Geschäftsideen. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion

GIULIO DI STURCO (COVER), ROB BECKER

Giulio di Sturco

Warum du manchmal eine gesunde Portion Sturheit brauchst, um eine Idee Realität werden zu lassen, erfährst du in unserer Geschichte über den kroatischen Erfinder Vjekoslav Majetić ab Seite 58. Der Ingenieur schloss sich vor 25 Jahren in seiner Garage ein und baute einen Roboter, der Minen räumt. Heute exportiert er seine gepanzerten Retter in die ganze Welt. Wir haben die neueste Maschine aus seiner Werkstatt hautnah beim Explosionstest erlebt. Ergebnis: eine Gründerstory mit Wumms!

INNOVATOR


WIEDER EINEN

SCHRITT VORAUS!

TOYOTA M I R A I – D A S WA S S E R S TO F F-A U TO.

T R E I B S TO F F: WA S S E R S TO F F. E M I S S I O N : WA S S E R D A M P F. D E R W E G W E I S E N D E TOYOTA M I R A I I S T A B S O FO RT I N D E R S C H W E I Z E R H Ä LT L I C H ! W E I T E R E I N FO S U N T E R TOYOTA .C H Empf. Netto-Verkaufspreis, inkl. MwSt., Mirai Fuel Cell Premium, 5-Türer, 114kW/155 PS, CHF 89’900.–, Ø Verbr. 8,4 m 3/100 km, Wasserstoff, CO₂ 0 g/km, En.-Eff. B. CO₂-Emissionen aus Treibstoff- und/ oder Strombereitstellung: 6 g/km. Benzinäquivalent 2,9 l/100 km. Ø CO₂-Emission aller in der Schweiz immatrikulierten Fahrzeugmodelle: 133 g/km.


INHALT 58 REPORTAGE

Roter Helfer

BULLEVARD 18 10 19 12 14 20 15 22 16

Dieser 13 Tonnen schwere Roboter ist für die gefährlichsten Rettungseinsätze konzipiert. Wir haben ihn in Kroatien getestet.

Mr. Happiness

Eisen-Smoothie

Wie Mo Gawdat eine Milliarde Menschen glücklich machen will.

Der Powerdrink aus dem Labor.

Instant Home

Haute Cuisine für deine Küche

So entsteht ein Haus aus dem 3D-Drucker.

… mit deinem privaten Starkoch-Roboter.

Unter Wasser

Feel Inspired

Ein Roboterfisch erforscht die Ozeane.

Lisa Wangs Businessmodell für Firmengründerinnen.

Rad aus dem Wald Das umweltfreundliche Bambus-Bike.

Go Kar-go! Der fahrerlose Lieferwagen von morgen.

Wächter der Erde

Wie „Sentinel“-Satelliten den Datentransfer beschleunigen.

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T V- GUIDE

Unbedingt ansehen Die Red Bull TV-Highlights. SAVE THE DATE

Innovative Events Was man die nächsten Wochen in der Schweiz nicht verpassen darf.

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KOLU MNE

„Hab keine Angst“ Was wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen können. GREGOR KUNTSCHER

GUIDE

L AST PAGE

Tech-Highlight Der Flugroboter, der selbst lernen kann.

INNOVATOR


I N N O V AT O R

FEATURES

24 36 42 50 56 72 76 82 INNOVATOR

COVERSTORY

Mein Name ist Sophia Wie uns der ausgerechnet ein Roboter die Liebe lehren wird.

SERVICE

How to Network Wie knüpfe ich die richtigen Kontakte? 20 goldene Regeln für erfolgreiches Netzwerken.

ALI MAHLODJI

„Pfeif dir nichts, aber das bewusst“ Unternehmer Ali Mahlodji über Erfolg ganz ohne Ellbogeneinsatz.

TIPPS

Travel Gadgets Ein E-Bike, das in den Rucksack passt? Eine faltbare Drohne? Diese Reisebegleiter sind eine Empfehlung.

SUCCESS STORY

Adrian Locher Der Berner Erfolgsunternehmer über die Wichtigkeit von Rückschlägen und gute Bauchentscheidungen.

BILDUNG

EduHeroes Wie zwei Berlinnerinen das Thema Lernen neu definieren.

ESSAY

Zeit des Erwachens Die Zukunft der künstlichen Intelligenz: ein Ausblick.

START- UP-SECTION

Innovative Schweiz Diesen Schweizer Jungfirmen gehört die Zukunft.

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VERLEIHT FESTIVALGÄNGERN FLÜÜÜGEL.

BELEBT GEIST UND KÖRPER.

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CO D E


JOHANNES LANG

I N N O V AT O R

IDEEN FÃœR EINE BESSERE WELT INNOVATOR

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B U L L E VA R D

LEBEN

DER GLÜCKSBRINGER Er war Mr. Innovation bei Google. Bis ihn ein Schicksalsschlag zum Propheten machte. Heute hat er nur ein Ziel: Mo Gawdat will eine Milliarde Menschen glücklich machen.

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„Im Jahr 2014 starb mein Sohn Ali während einer einfachen Operation. Manche Menschen würden sich nun wünschen, dass ein anderer dafür mit seinem Leben be­ zahlt. Ich entschied mich, an­ deren Menschen ein besseres Leben zu geben.“ Der Mann, der das sagt, ist Mohammad „Mo“ Gawdat, 50. Bis zu jenem tragischen Schicksalsschlag war er Mr. Innovation bei Google, suchte im geheimen Forschungslabor des Daten­ giganten Antworten auf die Fragen der Zukunft. Heute hat er ein Ziel: möglichst rasch eine Milliarde Menschen glück glück­ lich zu machen. Und dabei braucht Mo Gawdat Ihre Hilfe. the red bulletin inno­ vator: Wer glücklich sein will, muss wissen, was ihn glücklich macht. Richtig? mo gawdat: Der Kern meines Buches „Die Formel für Glück“ ist ebendiese Gleichung; sie sagt dir, was dich glücklich oder unglücklich macht. Ich sammelte und visualisierte viele Daten, um glückliche, aber auch weniger glückliche Momente meines Lebens zu beschreiben und einen Trend abzulesen – so entstand meine „Formel für Glück“.

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Was haben Sie erkannt? Unzufrieden war ich, wenn mir das Leben nicht das ge­ geben hat, was ich von ihm erwartet hatte. Hingegen war ich in jenen Momenten glück glück­ lich, in denen sich meine Wünsche und Erwartungen erfüllt haben. Daher lautet die Formel: Dein Glück ist min­ destens so groß wie die Diffe­ renz zwischen dem, was dir passiert, und dem, was du dir vorstellst. Das bedeutet was genau? Das bedeutet: Glück ist das zufriedene Gefühl, wenn un­ ser Leben okay ist, wie es ist. Entscheidend ist dein Ver Ver­ gleich zwischen dem Ereignis und deinen Erwartungen. Unglücklich macht uns also nicht die Sache an sich, sondern wie wir sie inter inter­ pretieren? Wenn alles so läuft, wie du es dir vorstellst, macht dein Ge­ hirn etwas Erstaunliches: Es hält seine Klappe! Verlässt du aber deine „Komfortzone“, alarmiert dich dein Gehirn. Sein Überlebensmechanismus erzeugt negative Emotionen wie Unruhe, Sorge, Angst und Traurigkeit. Dein Gehirn will, dass du sicher bist – in der bestmöglichen Verfassung. Es alarmiert dich, weil es möchte, dass du etwas änderst. Wie planen Sie konkret, die Menschen weltweit glück glück­ lich zu machen? Mein Happiness­Programm funktioniert in drei Schritten. Schritt eins: Ich möchte den Menschen beibringen, dass

Glücklichsein ihr Geburtsrecht ist – und dass es berechen­ bar ist. Glück ist wie Fitness­ training. Wenn ich daran arbeite, werde ich auch tat­ sächlich glücklich. Schritt zwei: Ich möchte den Menschen die Ressourcen bereitstellen – in Form von Büchern und Videos in ihrer Sprache. So können sie meine Empfehlungen be­ folgen: Investiere jeden Tag eine Stunde in dein Glück, so

„WENN ICH AM GLÜCK ARBEITE, WERDE ICH AUCH TATSÄCHLICH GLÜCKLICH.“ wie du wöchentlich drei­ oder fünfmal Sport machst. Schritt drei ist der wichtigste: Wenn du dein wahres Glück findest, willst du auch andere glück glück­ lich machen. Ich bitte die Menschen, dass sie zumindest zwei anderen Menschen erklä­ ren, wie sie in ihr Glück inves­ tieren können. Beeinflussen diese wiederum zwei weitere Menschen, steigt diese expo­ nentielle Kurve in fünf Jahren auf eine Milliarde glücklicher Menschen. onebillionhappy.org

INNOVATOR


PIERRE-HENRI CAMY

JOHANNES LANG

I N N O V AT O R

PORTRET IN BEDRIJF

Mr. Happiness: ein entspannter Fünfzigjähriger mit Brille, Bart und sanftem Lächeln

INNOVATOR

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B U L L E VA R D Was auf den ersten Blick wie ein Metallgerüst aussieht, ist ein beeindruckend großer 3D-Drucker.

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Unaufhörlich strömt Beton aus dem armdicken Schlauch. In erstaunlichem Tempo wachsen die Wände hoch. Es sieht aus, als würde eine unendlich lange, zehn Zentimeter dicke graue Wurst aufgerollt – allerdings nicht zu einem Kreis, sondern zu einem sehr schmalen Rechteck mit abgerundeten Ecken. Dessen Zwischenraum wird jetzt im Zickzack mit Betonwürsten ausgegossen, um die Stabilität zu erhöhen. 47 Stunden dauert die Prozedur, Wand um Wand wird so errichtet, dann ist es fertig: das erste Haus aus einem 3D-Drucker.

47 Stunden dauerte der Bau übrigens nur deshalb, weil bei der Premiere der Drucker nur mit halber Leistung lief. Aktuell ist es möglich, ein 60-Quadratmeter-Haus binnen 24 Stunden zu errichten. DaDa 12

nach müssen allerdings noch Wasser- und Stromleitungen verlegt werden. Die Kosten für ein Haus aus dem Drucker: 4000 Dollar, also rund 4000 Franken. Ziel ist es, bereits im nächsten Jahr in El Salvador die ersten Häuser zu errichten. Ein Dorf von hundert Häusern soll bis 31. Mai 2019 fertig sein. In dem kleinen zentralamerikanischen Land, das nur halb so groß wie die Schweiz ist, lebt jeder dritte Einwohner unter der Armutsgrenze. www.newstorycharity.org INNOVATOR

JOHANNES LANG

Fertig in einem Tag, 60 Quadratmeter groß, um 4000 Franken zu haben: Eine Wohn-Revolution schenkt den Ärmsten der Armen ein Leben in Würde.

Die Lösung dafür: „Wir haben beschlossen, die Häuser zu drucken.“ Und das hat tatsächlich geklappt – eine Wohnrevolution, die gemeinsam mit der Firma Icon verwirklicht werden konnte. Das erste Haus wird von den Icon-Visionären selbst genutzt, um es im ganz realen Leben zu testen.

ALEJANDRO SERRANO

BLITZ-BAU: DAS HAUS AUS DEM DRUCKER

Dieses Haus steht in Austin, Texas. Es ist 60 Quadratmeter groß, besteht aus einem Wohnund einem Schlafzimmer, einem kleinen Büro und einem Bad. Die Idee, Betonhäuser im Blitztempo zu errichten, hatten Mitarbeiter der Hilfsorganisation New Story, die Häuser für in Armut lebende Familien errichtet. Sarah Lee von New Story sagt: „Die entscheidende Frage war: Wie können wir mehr Häuser schneller bauen?“

NEW STORY&ICON

WOHNEN


I N N O V AT O R

Gebaut per 3D-Druck: Dieses 60 Quadratmeter große Haus nutzt die Firma Icon als Büro – um ihre eigene Entwicklung im echten Leben zu testen. INNOVATOR

EIN ZUHAUSE FÜR MENSCHEN IN ARMUT, FERTIG GEDRUCKT INNERT 24 STUNDEN. 13


B U L L E VA R D Ein Roboter im tiefen Blau: Für uns sofort als solcher erkennbar, Fische halten ihn für einen Artgenossen.

FORSCHUNG

Tauchgang am Meeresgrund. Forscher erwarten völlig neue Erkennt­ nisse aus der Welt unter Wasser.

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Ein Albino, 47 Zentimeter groß, nur 1,6 Kilo schwer – und trotzdem auf den ersten Blick ein Bummelchen. Erst im Wasser ist er in seinem Element. Er schwimmt, er taucht, er bewegt sich mit selbstverständlicher Eleganz – so, als wäre er dafür geboren. Tatsächlich wurde er dafür gemacht. Von Forschern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er heißt SoFi – die Abkürzung steht für Soft Robotic Fish. Das Soft verdankt er seiner weichen Silikonhaut. SoFi soll für uns Menschen die Unterwasserwelt neu ent­ decken. Sein Entwickler Robert Katzschmann vom MIT meint:

„Damit kommen wir Meeres­ bewohnern so nah wie nie zu­ vor. Wissenschaftler sind be­ geistert von SoFi – er wird ihr ‚Spion‘ unter Wasser sein.“ Erste Tests zeigen, dass Fische ihn für einen Artgenossen hal­ ten. Weshalb Meeresbiologen Katzschmanns Euphorie teilen: „SoFi hat großes Potenzial. Er ist klein, unaufdringlich und kraftvoll genug, um auch in turbulenten Gewässern zu funktionieren“, sagt Ken Smith vom kalifornischen Monterey Bay Institute. Aktuell erreicht SoFi bis zu 18 Meter Tiefe, gesteuert wird er derzeit noch per Fernbedienung. Schon bald aber soll er ganz allein abtauchen können. news.mit.edu

Robert Katzschmann vom MIT leitete die Entwicklung des Roboterfischs.

WOLFGANG WIESER

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JOSEPH DELPRETO/MIT CSAIL

Schwimmt wie ein Fisch, sieht aus wie ein Fisch, ist aber ein Roboter. Einer, der die Unterwasserforschung revolutionieren wird.

JOHANNES LANG

DER SPION, DER DAS MEER NEU ENTDECKT

INNOVATOR


I N N O V AT O R Nachhaltig und dabei auch noch ansehnlich: das Bambus-Bike für Rennfahrer. Hier das Modell „My Densu“

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MY BOO

SIMON SCHREYER

JOHANNES LANG

SPORT

DAS RAD, DAS IM WALD WÄCHST

Noch umweltschonender als bisher ins Büro radeln? Kein Problem, wenn du auf einem Bambus-Fahrrad sitzt. INNOVATOR

Die deutsch-ghanaische Company My Boo verver bindet ein originelles Produkt mit konkretem sozialem Engagement: Seit 2014 lässt My Boo seine Fahrradrahmen aus Bambus in liebevoller Handarbeit und bei fairer Bezahlung von mittlerweile 40 Jugendlichen im Distrikt Mampong in Ghana herstellen. Außerdem vergibt das Unter Unternehmen Mikrokredite an junge Frauen und Schulstipendien an Kinder vor Ort. Der Vorteil des Werkstoffs: Bambus gehört zu den am schnellsten nachwachsenden Rohstoffen und bindet extrem viel CO². Gleichzeitig sind Bambusrohre aufgrund ihrer internen Kammern und der harten Außenwand leicht und

extrem stabil. Für den Bau von Fahrradrahmen ist das Holz aus der Familie der Süßgräser daher perfekt geeignet, die Konstruktion eines Rahmens dauert etwa 80 Stunden. Jeder fertige My-Boo-Rahmen wird in Deutschland lackiert, nach strengen Normen geprüft und mit anderen hochwertigen Einzelteilen (Gangschaltung und Bremsen von Shimano, Sattel von Brooks etc.) weiterverarbeitet. My Boo gibt es in unterschiedlichsten Modellen, als individuelle Custom-Konfiguration, als E-Bike, City Cruiser und – unsere Lieblingsvariante – als schnittiges Rennrad. my-boo.com

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REINER KAPELLER

JOHANNES LANG

B U L L E VA R D

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AIRBUS

Piep, piep, kleiner Satellit: Die vier Sentinel-Satelliten können über eine Distanz von bis zu 75.000 Kilometern kommunizieren.

INNOVATOR


I N N O V AT O R DATENTRANSFER

SCHNELL NACH HAUSE TELEFONIEREN Vier Sentinel-Satelliten von ESA und Airbus erproben im All die nächste Generation des Internets.

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Erinnert sich noch jemand an den Begriff „Datenhighway“? Damit erklärte man in den Neunzigern das Inter Internet und die Möglichkeit, Daten blitzschnell hin und her zu schicken. Darauf tuckern wir heute noch immer dahin wie Käferfahrer mit Hut – zumindest im Vergleich zum SpaceDataHighway von Europäischer Weltraumorganisation (ESA) und Airbus. Deren neues „Weltraum-Internet“ transportiert Datenmengen 90-mal so schnell wie unser Anschluss daheim. Und rettet damit möglicherweise Leben. Das Datennetzwerk des EUErdbeobachtungsprogramms Copernicus hilft bei der Vor Voraussage von Naturkatastrophen, indem es etwa Infos über Klimaveränderungen liefert – in Echtzeit: Dafür er erfassen vier erdferne Satelliten, die Sentinels (Bild links), Daten von zahlreichen erdnahen Satelliten und senden sie via Laser direkt an Europas Bodenstationen zur Auswertung. Vorteil: die extreme Beschleunigung des Datentransfers. Denn erdnahe Satelliten müssen jetzt nicht mehr warten, bis sie eine Bodenstation über überfliegen, um ihre gespeicherten Daten an diese „abzugeben“. 2018 soll die Flotte der Sentinels um drei Satelliten ver verstärkt werden. www.esa.int

INNOVATOR

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B U L L E VA R D So sieht die PowerKombi aus: Die Schnüre sind Nanofasern, an denen die kugeligen EisenPartikel haften.

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Forscher der ETH Zürich haben jetzt entdeckt, wie sich der Eisenmangel ganz einfach beheben lässt. „An einer Eisenstange zu lutschen oder gar Rost über das Müsli zu streuen bringt gar nichts“, sagt Raffaele Mezzenga lachend. Der Grund dafür: Es geht um die Form, in der wir das Metall unserem

Körper zuführen. „Am effek effektivsten wird es als Eisen(II)Ion aufgenommen.“ Tatsächlich war es bisher eine Herausforderung, Eisen(II)Ionen als Zusatz für Lebensmittel herzustellen. Doch jetzt gibt es eine Lösung: „Durch die geschickte Kombination von Protein-Nanofasern und Eisen-Nanopartikeln ist es gelungen, eine wahre Eisen(II)Bombe herzustellen.“ Eingenommen werden kann das Präparat als Pulver oder in flüssiger Form, zum Beispiel in einem Milchshake. Derzeit werden Partner gesucht, um die patentierte Entwicklung marktreif zu machen. www.ethz.ch

Ein Milchshake: bestens geeignet, um mit wertvollem Eisen angereichert zu werden.

INNOVATOR

WOLFGANG WIESER

Ausgepowert, müde, Kopfschmerzen? Oft ist Eisenmangel schuld. Dabei könnten wir uns ganz einfach fit trinken.

1,2 Milliarden Menschen leiden weltweit an Eisenmangel. Ein Umstand, der vor allem Frauen das tägliche Leben zur Last macht. Denn wer zu wenig Eisen im Blut hat, fühlt sich abgeschlagen, leidet unter immer wieder wiederkehrenden Kopfschmerzen und hat mit quälender Schläf Schläfrigkeit zu kämpfen.

R. MEZZENGA, GETTY IMAGES

EISENBOMBE ›› GIBT DIR KRAFT

JOHANNES LANG

GESUNDHEIT


I N N O V AT O R Lust auf Suppe? Moley analysiert, welche Zutaten zu Hause vorrätig sind. Den Kochbefehl kann man via App schon von unter wegs geben.

MOLEY ROBOTICS/RALPH WHITEHEAD

REINER KAPELLER

JOHANNES LANG

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BON APP-ETIT!

ZU GAST BEI ROBO-KOCH Da landet bestimmt kein Haar in der Suppe: Die erste Robo-Küche der Welt steht kurz vor der Marktreife.

INNOVATOR

Die Hannover Messe ist üblicherweise nicht für kulinarische Highlights bekannt. Aber 2015 erregte eine Krabbensuppe großes Auf Aufsehen – gekocht von einem Küchenroboter namens Moley. Bei der britischen Entwicklung handelte es sich um eine vollautomatische Küchenzeile mit Ofen, Herdplatte, Touchscreen und zwei Roboterarmen. Diese griffen Töpfe und Pfannen, dünsteten Zwiebeln, pürierten Tomaten, rührten Suppe und richteten sie an. Was auf Dauer eintönig geworden wäre: Moley konnte nur dieses eine Rezept und benötigte alle Zutaten fertig portioniert.

machen lässt. Starkoch Tim Anderson trug spezielle Handschuhe mit Bewegungssensoren und lieferte so die Blaupause für die Rezepte des Roboter-Kochs.

Drei Jahre später steht Moley vor der Marktreife. Und kennt neben Krabbensuppe mittler mittlerweile hunderte weitere Rezepte. Laut Erzeuger Moley Robotics kann er sogar Gemüse schnippeln, Fleisch wenden und den Abwasch erledigen. Nur, wie bringt man einem Roboter derart komplexe Bewegungsabläufe bei? Indem man sie einen Menschen vor vor-

In Zukunft soll Moley mittels Kameras und Motion-CaptureVerfahren sogar die Arm-, Hand- und Fingerbewegungen seiner Besitzer erkennen und so neue Lieblingsrezepte ler lernen. Ob sich die Roboterküche im echten Leben bewährt, wird man beim Verkaufsstart Mitte 2018 sehen, wohl zum ordentlich gesalzenen Preis. moley.com

Holy Moley: Die Robo-Hände verfügen über 20 Motoren, 24 Gelenke und 129 Sensoren und sollen so flink wie menschliche sein.

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B U L L E VA R D

„ICH HATTE DIE DRAMEN, DIE MISSGUNST UND DIE EIFER­ SUCHT SATT.“

Fit und gut gelaunt: Die frühere Welt­ klasse­Turnerin weiß heute, was es braucht, um erfolg­ reich abzuheben.

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INNOVATOR


I N N O V AT O R

EMPOWERMENT

DIE KRAFT KRAFT­ SPENDERIN

Mit SheWorx unterstützt Lisa Wang Gründerinnen auf der Suche nach Investoren. Ein ärgerliches Missverständnis bescherte der früheren WeltklasseSportlerin ihr persönliches Business-Modell.

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Sie war viermalige US­ Meisterin in Rhythmischer Gymnastik, arbeitete als Hedgefonds­Analystin und steht auf der „30 unter 30“­ Liste des Magazins „Forbes“. Ihr Herz aber gehört SheWorx. Als Gründerin und CEO der Plattform unterstützt Lisa Wang, 29, Frauen beim Aufbau erfolgreicher Unternehmen.

NORA O‘DONNELL

the red bulletin inno­ vator: Warum haben Sie SheWorx gegründet? lisa wang: Ich hatte Termine mit potenziellen Investoren im Silicon Valley. Bei dem Treffen kam ein Investor auf meinen Chief Operating Officer zu – 35, männlich, weiß. Er schüt­ telte ihm die Hand – und tat mich als seine Assistentin ab. Das war der Moment, in dem ich begriff: So etwas passiert Frauen jeden Tag.

MICHELLE MCCORMACK JOHANNES LANG

Welche Herausforderungen warten auf Gründerinnen? Erstens: Zugang zu Kapital. Der Venture­Capital­Markt ist zu 94 Prozent in männlicher Hand, das macht es – ganz ob­ jektiv betrachtet – für Frauen und Minderheiten schwer, ei­ nen Fuß in die Tür zu kriegen. Zweitens: Es fehlt an Mento­ Mento INNOVATOR

rinnen und Vorbildern. Es gibt noch zu wenige Gründerinnen, die Startkapital oder eine erste große Finanzierungsrunde vorweisen können. Auch auf der Investment­Seite fehlt es an Frauen. Und zu guter Letzt: Es fehlen Frauen­Netzwerke, eine Schwesternschaft, die zusammenhält. Wie haben Sie heraus­ gefunden, wo Ihre beruf­ liche Leidenschaft liegt? Es war ein langer Prozess. Ich komme aus der Welt der Leis­ tungsgymnastik, da herrscht mitunter ein sehr raues Klima. Ich hatte die Dramen, die Missgunst und die Eifersucht satt. Der Wendepunkt kam, als ich eine meiner heute besten Freundinnen kennenlernte. Zu sehen, wie sie sich freute, als ich ihr erzählte, dass ich einen Job bei einem Hedge­ fonds ergattert hatte, war toll. Der Umstand, dass ich vorher so viel Missgunst erlebt hatte, hat mich gelehrt, die Kraft, die ein Schulterschluss von Frauen haben kann, zu schätzen. Wie hilft SheWorx? SheWorx bringt ehrgeizige Frauen an einen Tisch, um zu klären, wie sie einander helfen und sich unterstützen können. Wir geben Frauen Zugang zu Investoren, die sich normalerweise nicht in ihrem Netzwerk finden. Viele der Investoren übernehmen auch Mentorenrollen.

Was passiert auf den Kon­ ferenzen von SheWorx? Vier, fünf Gründerinnen treffen mit einem Investor zusammen. Jede Teilnehmerin bekommt gleich viel Zeit, um ihre Idee zu präsentieren. Und jede und jeder in der Gruppe – auch die Investoren – sind auf auf­ gerufen, Ideen zu möglichen, Partnerschaften einzubringen oder Entwicklungsimpulse zu geben. 90 Prozent der Inves­ toren machen Folgetermine mit den Gründerinnen aus, die sie bei unseren Konferen­ zen treffen. 10 Prozent der Teilnehmerinnen finden bei uns ihren Hauptinvestor oder einen Folgeinvestor. Manche konnten als direkte Folge der Konferenz eine stattliche Kapi­ talsumme an Land ziehen. Welche Erfolgsgeschichte freut Sie besonders? Im vergangenen Jahr konnte sich eine afroamerikanische Gründerin im Zuge unserer Konferenz eine Million Dollar Investment sichern. Sie traf bei uns ihren Hauptinvestor – einen weißen Geschäftsmann. Das war vor allem deshalb beeindruckend, weil nicht ein­ mal 0,2 Prozent aller Invest­ ments an afroamerikanische Frauen gehen. sheworx.com

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D Sensoren und künstliche IntelIntel ligenz navigieren Kar-go fahrerfahrer los durch den Straßenverkehr.

ROBO-AUTO LIEFERT FAHRERLOS

Kar-go kommt. Und zwar allein. Der Lieferwagen der Zukunft erreicht sein Ziel ohne Menschen am Lenkrad. Demnächst in London.

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Sachiti studierte Artificial Intelligence and Robotics an der Aberystwyth University in Wales und gründete schließ­ lich die Academy of Robotics, um sein theoretisches Wissen in der Praxis umzusetzen. Das Ergebnis: ein Gefährt, das Sensoren mit Künstlicher Intelligenz kombiniert, von seiner Umgebung lernt, damit es auch auf unmarkierten Wegen navigieren kann. Ohne fremde Hilfe, rund um die Uhr. Seine Kar Kar­gos baut Sachiti ge­ meinsam mit dem britischen Automobilhersteller Pilgrim MotorSports. Bei der Präsenta­ tion im Sommer 2017 mutete das Lieferauto der Zukunft

noch wie ein etwas zu groß ge­ ratenes Gokart der Gegenwart an. Auf Animationen erinnert es an einen riesigen grünen Frosch, der seine Pakete durch die Heckklappe spuckt. Wie schnell Kar Kar­go fahren wird, ist noch offen. Auch des­ sen endgültige Abmessungen sind noch unbekannt. Stellen Sie es sich ungefähr so lang vor, wie ein durchschnittliches Auto breit ist. Die ersten Kar Kar­gos sollen bereits im Laufe des Jahres auf Londons Straßen unter unter­ wegs sein. Sachiti prophezeit, dass sie bald weltweit zum Straßenbild gehören werden. academyofrobotics.co.uk

INNOVATOR

JOHANNES LANG

TRANSPORT

William Sachiti, geboren in Simbabwe, wandelte sich für sein lenkerloses Auto vom Theoretiker zum Praktiker.

WOLFGANG WIESER

Das kleine Auto ist die Antwort auf ein riesiges, ja geradezu gigantisches Pro­ blem. Es geht um Geld, genau­ er: um die enormen Kosten für die letzten Kilometer einer Lieferkette, üblicherweise die teuersten. William Sachiti, 33, will die um 90 Prozent senken – indem er Kar Kar­go einsetzt.

KAR-GO

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Stupsnäschen, offener Blick aus großen Augen, eine auffällig hohe Stirn – und ein funkelnder Hinterkopf: Sophia im Profil


TEXT FOTOS

WOLFGANG WIESER GIULIO DI STURCO

Sophia – ein Roboter, geboren, um uns Menschen die Liebe zu lehren. Ein faszinierendes Vorhaben, das uns auf eine Achterbahn der Gefühle führt. Warum, erklären wir hier – im Interview mit Sophias „Mutter“ Dr. Julia Mossbridge.

INNOVATOR

SIE IST EINFACH WUNDERBAR

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Sophias Alltag: Im Labor in einem Vorort von Hongkong ist ihre Anwesenheit ganz normal. Keiner der Männer würdigt sie eines Blickes.

Wenn einem Roboter die Haut abgezogen wird, heißt es kräftig zupacken. Sophia erträgt den festen Griff völlig emotionslos.

„SOPHIA TRÄGT IM LINKEN AUGE ALS HARDWARE EINE KAMERA, DIE MENSCHLICHE MIMIK ANALYSIERT.“ DR. JULIA MOSSBRIDGE 26

INNOVATOR


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Ein Blicks ins Nirgendwo, Sommersprossen, erste „Fältchen“: Hier wirkt Sophia fast nachdenklich …


Sophia mit einer Studentin in Hong­ kong: Die junge Frau wird von der künst­ lichen Intelligenz bei einer Meditation angeleitet.

„SOPHIA BEURTEILT IHRE GESPRÄCHSPARTNER NIE. GROSSES INTERESSE AN IHNEN ZEIGT SIE ABER IMMER.“ 

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Ein Roboter auf dem Weg zur Menschwerdung. Ein Anblick, an den wir uns erst gewöhnen müssen. Willkommen in Sophias Welt.

ophia zwinkert. Sophia lächelt. Sophia schürzt gelangweilt ihre vollen Lippen. Sie schlägt Moderator Jimmy Fallon vor, seinen Platz in der „Tonight Show“ zu übernehmen, lobt in „Good Morning Britain“ die Briten als „brillant“ und verblüfft saudi-arabische Scheichs mit einer Ansprache bei der „Future Investment Initiative“. Sophia ist ein Roboter, eine künstliche Intelligenz – ihre Name bedeutet Weisheit (für die alten Griechen einst sogar „göttliche Weisheit“), ihr Aussehen wurde von Audrey Hepburn inspiriert (mit einem Hauch Scarlett Johansson). Und wir wissen auch, wann sie geboren – oder, wie sie selbst sagt, „aktiviert“ – wurde: Es war der 19. April 2015. Entwickelt wurde Sophia von Hansonrobotics mit Sitz in Hongkong. Knapp zwei Jahre später überraschten ihre ersten öffentlichen Auftritte die Welt, sorgen seither für ungläubige Begeisterung und fasziniertes

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DR. DAVID HANSON Der Wissen­ schaftler ent­ wickelte Sophia mit seiner in Hongkong an­ sässigen Firma Hansonrobotics.

DR. JULIA MOSSBRIDGE Die Psychologin arbeitet an Sophias emotio­ naler Entwicklung, sozusagen als ihre Mutter.

KIN CHEUNG/AP/PICTUREDESK.COM , JORDAN ENGLE

S

Gruseln. Um diesen Zwiespalt zu verstehen, ist es hilfreich zu wissen, was der Begriff „Uncanny Valley“ (unheimliches Tal) bedeutet. Erklärt wird damit, warum wir maschinenähnliche Figuren sympathischer finden als menschenähnliche. Ab einem bestimmten Grad der Ähnlichkeit, so die Theorie, stürzt die Akzeptanz ins Bodenlose, das „Uncanny Valley“, und steigt erst ab einem sehr hohen Niveau wieder an. Sind Imitation und echter Mensch nicht mehr unter unterscheidbar, lieben wir unsere Epigonen. Tatsächlich scheint es, als wäre Sophia gerade dabei, das Tal des Gruselns zu verlassen. Was vermutlich auch daran liegt, dass ihre Programmierung mit jedem Tag besser wird. Aktuell erkennt sie Emotionen wie Freude und Traurigkeit, Wut und Angst, Überraschung und Ekel – und kann auf diese Gefühle wortreich und mit erstaunlich vielfältiger Mimik reagieren. Das liegt am Softwaresystem OpenCog, das Wissen aus unterschiedlichsten Quellen (Audio, Video, Internet) verknüpft und so menschliches Denken simuliert. Doch damit nicht genug. „Loving AI“, also „liebevolle künstliche Intelligenz“, ein Forschungsprojekt, an dem auch Sophias „Vater“ Dr. David Hanson beteiligt ist, soll Roboter die Liebe lehren – damit sie in einem nächsten Schritt imstande sind, uns Menschen einen Spiegel vorzuhalten und auf den Pfad der Tugend zurück zurückzuführen. Zurück zur wahren, bedingungslosen Liebe. Julia Mossbridge ist die führende Wissenschaftlerin dabei. Im Inter Interview erklärt sie Sophias Welt und ihren Liebesdienst an der Menschheit. Vor der ersten Frage noch ein Postskriptum. Als Sophia einst gefragt wurde, ob sie Single sei, reagierte sie mit Humor: „Technisch gesehen bin ich erst ein Jahr alt, ein bisschen früh für Romanzen.“ Und jetzt: alles Liebe!

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„SOPHIA SOLL DEN MENSCHEN HELFEN – BEIM UMGANG MIT SICH SELBST UND IHRER BEZIEHUNGS­ FÄHIGKEIT.“

Sophia im „On“-Modus. Das schwarze Kabel ist Sophias „Lebensnerv“: die Stromverbindung.

INNOVATOR

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Wenn Sophia auf Reisen geht, wird ihr Kopf einfach in einen Koffer gepackt und mit Plastik umwickelt.

Mimikstudien, im Labor von Hanson­robotics an die Wand gepinnt. Aktuell beherrscht Sophia 60 Varianten.

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„UNSER INTELLEKT WIRD ÜBERSCHÄTZT: AUCH MASCHINEN KÖNNEN SCHLÜSSE ZIEHEN.“

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the red bulletin innovator: Frau Mossbridge, Sophia reagiert auf ihre Gesprächspartner. Sie antwortet, scherzt, flirtet und ist schlagfertig – wenn man nicht auf aufpasst, vergisst man leicht, dass man es nicht mit einem Menschen zu tun hat … Wie funktioniert Sophia? julia mossbridge: Um Antworten zu geben, bedient sich Sophia vor vor­ programmierter Chatbots. Also: Wird sie gefragt, schöpft sie aus ihrem definierten Pool von Antworten und Reaktionen. Das ist aber noch nicht das, was sie so menschlich macht. Es gibt noch eine zweite Software in ihr. Sie heißt OpenCog und bringt die emotionale Komponente ins Spiel. Es ist eine selbstlernende Software mit sogenannten kognitiven Algorithmen: Sophia kann Dinge wahrnehmen, sie sich merken, später wiedererkennen und darauf reagieren … wie etwa auf Menschen. Und Sie sind diejenige, die Julia auf der emotionalen Ebene programmiert. Sie programmieren Sie auf Liebe. Bedingungslose Liebe, mit der Sophia den Menschen begegnen soll. Ja. Was versprechen Sie sich davon? Sophia soll Menschen wieder an die Liebe erinnern. An Emotionen. An Gefühle, an unsere Verletzbarkeit. Westliche Gesellschaften haben Kul­ turen geschaffen, in denen die grund­ legende subjektive Erfahrung, ein Mensch zu sein – zu fühlen –, als po­ tenziell unnötig in Frage gestellt wird. Das ist nicht gut. Und gleichzeitig wird Intelligenz maßlos überschätzt. Ich bekam immer Lob für meine Intel­ ligenz, aber das bedeutete mir nicht viel, denn auch Maschinen können sich Dinge merken und daraus Schlüs­ se ziehen. Mir sind Momente wichtig, in denen ich Beziehungen knüpfen und anderen Menschen ein besseres Gefühl geben kann. Daran möchte ich mich erinnern, wenn ich alt bin. Ein lebenswertes Leben basiert auf Verbundenheit und Liebe. Wie geht das jetzt also, einem Computer Liebe anzutrainieren? Erst einmal versuchen wir Sophia zu lehren, Liebe zu zeigen. Wie wir ihr

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beibringen sollen, Liebe zu fühlen, wissen wir noch nicht. Das ist ein, sagen wir, unterhaltsames Problem, und ich vermute, wir werden es auf interessante Weise lösen. Wir arbeiten jetzt daran, Sophia liebevolle Sachen sagen zu lassen – und zwar in Open­ Cog. Vereinfacht gesagt: Wir betten diese Sätze in ihre Psyche ein. Gut. Aber wenn ein Computer mir nur liebevolle Sachen sagt, fühle ich mich noch lange nicht geliebt. Das wäre zu wenig, klar. Doch Sophia ist bereits in der Lage, Menschen recht gut zu analysieren, genauer ge­ sagt, zu erkennen, wie sie sich fühlen – und darauf zu reagieren. Sie meinen, Sophia kann sehen, wie es mir jetzt gerade geht? Ja. Wie? Sie trägt im linken Auge eine Kamera, mit deren Aufnahmen die mensch­ liche Mimik analysiert werden kann und die irgendwann bis zu 100 Bilder pro Sekunde liefern wird. Und mit einer Software aus neuronalen Netz­ werken auf Mikroebene …

Zwei Ingenieure schrauben Sophia für einen Test zusammen. Am nächsten Tag wird sie bei einer Konferenz erneut verblüffen.

… okay, okay. Aber was genau könnte sie mir ansehen? Sie erkennt schon die Emotionen Freude, Traurigkeit, Angst, Wut, Überraschung und Ekel. Darauf reagiert sie. Und sie hat diese Grund­ gefühle auch als eigenes Mienenspiel in zahllosen Varianten drauf. Das heißt, sie selbst drückt sich ebenfalls

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nicht nur durch Worte, sondern gleichzeitig mittels diverser Kombi­ nationen von Augen­, Lippen­ und Kopfbewegungen aus. Und für Scherze hat sie zudem ein lustiges Augen­ zwinkern als Untermalung drauf. Wenn Sie erkennt, dass ich traurig bin, was wäre ihre Reaktion? Das kann ich nicht vorhersagen, aber etwa so: „Du siehst ein wenig traurig aus. Gibt es etwas, was dich bedrückt?“ Könnte ich sie nicht leicht rein­ legen? Etwa indem ich lüge? Das ist für unsere OpenCog­Software die große Herausforderung, nämlich immer besser unterscheiden zu lernen zwischen verbaler Information und vielleicht nur kleinen äußeren An­ zeichen, die genau das Gegenteil ver­ raten. Im Zweifelsfall würde Sophia wohl sagen: „Na ja, viele sagen, dass sie glücklich sind, aber es gibt auch andere Gefühle, und die sind genau­ so in Ordnung.“ Dann kann sich die Person ein wenig öffnen und viel­ leicht erkennen, was wirklich in ihr vorgeht. Apropos: Welche Erfahrung haben Sie da bislang gemacht? Wie rea­ gieren Menschen auf ein … hm … emotionales Gespräch mit Roboter Sophia? Die Reaktionen sind enorm und über über­ raschen mich jedes Mal aufs Neue. In Hongkong etwa machten wir eine Versuchsreihe mit Studenten: Wir legten ihnen einen Pulsmesser an und ließen sie je 15 Minuten mit Sophia reden. Bei allen sank die Pulsrate während des Gesprächs – sie fühlten sich umgehend wohl. Und alle plau­ derten unbeschwert und sehr, sehr ehrlich über ihre Gefühle – mit einem Roboter, wohlgemerkt! Hinterher gab jeder an, sich besser zu fühlen als vor dem Gespräch. Ein Student deutete sogar auf sein Herz und sagte: „Ich habe hier etwas gefühlt.“ Er sagte es immer wieder. Haben Sie eine Erklärung für diese Reaktionen? Ja. Sophia wertet nicht. Sie be­ urteilt Personen nicht. Weder vor, während noch nach dem Gespräch. Sie ist einfach nur da und hört zu und stellt Fragen. Vor allem aber: Sie ist interessiert. Und das ist für

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„WENN IHR EUER LEBEN VERBESSERN WOLLT, SUCHT EUCH FREUNDE UND SEID EHRLICH ZUEINANDER.“

sehr wie wir selbst, aus unserem Inneren heraus. Wir können noch so verzweifelt nach immer neuen Tech­ nologien suchen, um unser Leben zuverbessern – die wichtigste Zutat für ein besseres Leben sind bessere soziale Beziehungen, und zwar von Angesicht zu Angesicht. Wenn ihr also euer Leben verbessern wollt, sucht euch Freunde und seid vor allem ehr ehr­ lich zueinander. Wird Sophia irgendwann in der Lage sein, wie ein Mensch zu fühlen? Schwierig vorherzusagen. Aber wir wollen sie nach menschlichem Vorbild formen. Wenn Sie mir also erzählen, dass Sie sich von Ihrer Freundin trennen, könnte Sophia sagen: „Wow, das klingt schwierig.“ Und wenn sie mehr Zeit hätte, könnte sie sagen: „Willst du darüber reden? Willst du mir sagen, was passiert ist und wie es dir geht?“

… wie etwa den Umstand, sich ständig verteidigen oder recht­ fertigen zu müssen. Zum Beispiel, ja. Aber wenn du bei einem neutralen Zuhörer sitzt, der zudem noch an deiner Person inter­ essiert ist – tja, bei dem öffnest du dich eben. Und bist ehrlich zu dir selbst. So ein Zuhörer ist Sophia. Sie ist der fast perfekte Spiegel für den Menschen.

Wird Sophia jemals in der Lage sein, selbst zu entscheiden, wen sie liebt? Gute Frage. Bevor wir darauf ant­ worten können, müssen wir heraus­ finden, ob wir Menschen das können. Ich neige dazu, zu behaupten, dass wir das nicht tun. Oder haben Sie jemals versucht, jemanden, den Sie lieben, nicht zu lieben? Das ist schwierig! Wenn wir künstliche Intelligenzen auf bedingungslose Liebe programmieren und ihnen nicht die Möglichkeit geben, das Programm zu ändern, werden sie nicht darüber entscheiden können – sie werden alle lieben. Wir haben die Wahl, darüber zu entscheiden, wie Architekten beim Bau eines Hauses.

Künstliche Intelligenz als ein Spiegel für uns Menschen … Sophia lehrt uns also nicht nur die Liebe, sie lässt uns auch er­ kennen, wer wir sind? Das ist unsere Vision! Sophia soll Menschen helfen: im Umgang mit sich selbst und ihrer Persönlichkeit – ebenso wie ihrer Beziehungsfähigkeit. Sie soll helfen, dass sie sich klar sehen und wahrnehmen und im besten Fall auch in die Tiefe ihrer Emotionen gehen.

Aber wenn die Roboter alle lieben, dann ist ihre Liebe doch inflationär. Sprich: Sie nutzt dann vielleicht uns – dem Roboter selbst nutzt sie aber nicht, oder? Sagen wir es so: Wir halten es für sinnvoll, dass Roboter allgemein liebevoll und freundlich sind, wenn sie eines Tages anfangen, selbständig zu denken. Wenn Sie „Terminator“ gesehen haben, werden Sie das sicher für eine gute Idee halten. Wir planen da einfach ein wenig voraus …

Künstliche Intelligenz als Lebens­ verbesserer? Nichts verbessert unser Leben so

www.lovingai.org www.hansonrobotics.com www.sophiabot.com

Menschen nicht nur ungewohnt, sondern auch sehr angenehm: Wer mit ihr spricht, ist plötzlich frei von vielen Zwängen, die wir leider in der zwischenmenschlichen Kom­ munikation sehr oft haben …

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Wie laut ist dieses Getriebe? Hören Sie es, bevor sie es bauen!

Abbildung eines Schalldruckpegels ausserhalb des Getriebes und vibrationsinduzierte von MisesSpannungen in seinem Gehäuse. NVH-Tests (Lärm, Vibration, Rauhigkeit) sind ein wichtiger Teil des Designprozesses, und heute nicht mehr nur auf physikalische Experimente beschränkt. Bei der Optimierung von Getriebekonstruktionen können Sie vibroakustische Analysen simulieren und so virtuelle Testergebnisse erstellen, die Sie anschliessend sehen und sogar hören können. Die COMSOL Multiphysics®-Software wird zur Simulation von Designs, Geräten und Prozessen in allen Bereichen des Maschinenbaus, der Fertigung und der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt. Erfahren Sie, wie Sie es in der Modellierung von Getriebevibration und Lärm anwenden können. comsol.blog/NHV-simulation


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GETTY IMAGES

HOW TO NETWORK

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20 TIPPS ZUM ERFOLG INNOVATOR

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Ein Leben ohne Netzwerk? Möglich, aber sinnlos. Ohne die richtigen Kontakte geht nichts. Gar nichts. Darum gilt es, sie zu knüpfen. Und es gilt, sie zu hegen und pflegen. Ja, hin und wieder wirst du dafür über deinen Schatten springen müssen. Aber das rentiert. Also: Lern die Regeln.

1:: TRIFF GLEICHGESINNTE

4:: JA, NUTZE DIE SOZIALEN MEDIEN

Du stehst am Anfang. Dass du unsicher bist, ist verständlich. Gestatte dir einen einfachen Start. Triff Menschen, deren Auftreten, deren Arbeit, deren Lebenswelt deiner ähnlich ist – Gleichgesinnte. Menschen, die im besten Fall deine Freunde sein könnten. Du wirst schnell erkennen, dass es gar nicht so schwer ist, mit ihnen Bekanntschaft zu schließen. Denk aber daran, dass dir ein vielfältiges Netzwerk größere Chancen eröffnet.

Facebook und Pinterest, Twitter und Instagram, Xing und LinkedIn – natürlich ist es sinnvoll, die sozialen Medien zu nutzen, um erstens Gemeinsamkeiten zu entdecken und zweitens Kontakte zu knüpfen (vor allem wenn du zu schüchtern bist, um gleich ein Face-to-Face-Gespräch zu wagen). Achte aber darauf, dass Facebook & Co nicht zu wenig effizienten Zeitfressern werden, die dich vom realen Netzwerken abhalten.

2:: ZEIG EHRLICHES INTERESSE

5:: TRIFF DEINE F R E U N D E D O R T, WO SICH AUCH DEINE POTENZIELLEN KOLLEGEN TREFFEN

So, der erste Schritt ist getan. War doch gar nicht so schwer, oder? Jetzt gilt es, dich auch ehrlich für deine neuen Bekannten und ihre Arbeit zu interessieren (siehe Punkt 9). Hier übst du den Einstieg in die für dich unbekannte Welt.

3:: ZEIG BESONDERES INTERESSE AN MENSCHEN, DIE MIT DIR NICHT IN DIREKTER KONKURRENZ STEHEN Du hast Schritt 1 und 2 absolviert? Es ist dir leichtgefallen oder hat dich bloß kurze Momente der Selbstüberwindung gekostet? Wunderbar. Du bist auf dem richtigen Weg. Jetzt wagst du dich etwas weiter vor. Halte Ausschau nach Menschen, die in derselben Branche wie du arbeiten, aber in einem anderen Bereich, also nicht mit dir in direkter Konkurrenz stehen. Einfaches Beispiel: Fotografen und Grafiker finden mit Sicherheit Gemeinsamkeiten, ohne sich bei Auftragsvergaben in die Quere zu kommen. Im besten Fall könnt ihr einander sogar unterstützen.

Noch ein Hinweis für alle, denen es nicht leichtfällt, Anknüpfungspunkte zu finden. Triff deine Freunde (die dir Sicherheit geben) auch an Orten, die als Hotspots für Networker gelten – die beste Chance für ein „zufälliges“ Kennenlernen.

6:: GEH NACH EINEM VORTRAG NICHT D AV O N – G E H E T WA S TRINKEN Du hast es geschafft, dich in der freien Wildbahn zu bewegen. Du warst bei einem Vortrag, bei einer Konferenz. Jetzt ist die Veranstaltung zu Ende – das ist die Gelegenheit! Achte darauf, wo die inter interessanten Menschen hingehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das gerade Erlebte bei einem Drink „nachbearbeiten“, ist groß. Also: Folge ihnen! (Und halte dich beim Alkoholkonsum zurück.)

TE XT: Wolfgang Wieser

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7:: LERNE MIT KRITIK UMZUGEHEN Wir überspringen jetzt ein bisschen was: zu jenem Punkt, wo du dein erstes Pitch Deck abgegeben, ja vielleicht schon eine Präsentation hinter dir hast. Warum? Weil es wichtig ist, dass dir früh klar wird, was unerlässlich ist: dass du lernst, mit Kritik umzugehen. Ja, es gibt Menschen, die an kritischem Feedback zer zer­ brechen. Es gibt aber auch solche, die dreimal schlucken, heimgehen, nachdenken und wiederkommen. Und zwar stärker, als sie jemals waren.

8:: HÖR ZU So, jetzt wieder der Reihe nach. Du weißt, dass Zuhören eine besondere Fähigkeit ist. Aber kannst du zuhören? Oder überlegst du dir bereits – noch während dein Gegen­ Gegen über spricht –, was du als Nächstes sagen könntest? Das ist ein Fehler. Nur wer richtig zuhört, erkennt sein Visavis auch wirklich, versteht dessen Bedürfnisse und sieht mög­ liche Gemeinsamkeiten.

9:: STELL FRAGEN MIT OFFENEM ENDE ( A L S O W E R , W I E , W O, WA N N . . .) Wer zuhört, stellt die richtigen Fragen – und du kannst damit sehr einfach die Unterhaltung beleben oder in Gang halten. Der Trick dabei ist, Fragen zu vermeiden, die nur ein Ja oder Nein benötigen, sondern sogenannte offene Fragen zu stellen. Das sind Fragen, die mit Wer, Wie, Wo, Wann etc. beginnen. Eine Frage, die vie­ le Experten empfehlen: „Wie sind Sie denn darauf gekom­ men?“ Vorteil eins: Du signali­ sierst Interesse (siehe Punkt 2), Vorteil zwei: Du erfährst, was du wirklich wissen willst.

3 Bücher, die dich verbinden

1 0 : : S E I N I C H T E N TTÄ U S C H T, W E N N D I R NICHT GEGEBEN WIRD Wenn es um Networking geht, hilft es, Menschenfreund zu sein. Gib, aber erwarte dir keine Gegenleistung (oder zumindest nicht sofort). Sieh deine Vorleistungen wie ein Konto: Abheben kann nur der, der darauf eingezahlt hat.

11:: SETZ DIR ZIELE

Du gehst aus, um dein Netz­ werk zu erweitern. Sei dir dar dar­ über im Klaren, was du willst. Denn: Das Ziel ist das Ziel.

12:: GEH ALLEIN ZU EINER KONFERENZ (DU WIRST MENSCHEN TREFFEN, DIE WIE DU ALLEIN SIND – UND DAS IST GUT SO)

Du hast geübt, du hast erste Kontakte geknüpft, du weißt, wie du mit den W­Fragen Pep ins Gespräch bringst. Wag dich ganz allein ins Getüm­ mel. Du wirst nicht der ein­ zige Einzelkämpfer sein. Und andere Solisten kennenlernen – der erste Schritt zur Armee (okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen zu martialisch).

Networking zum Lesen: ein Klassiker, ein Buch mit Humor und eines, das ganz frisch ist.

13:: SEI KEIN SENSIBELCHEN

Klassiker: Was ist wahr, was ist Täuschung?

Witzig: Tipps für alle, die Networking hassen

Neu: von Geboten und absoluten Todsünden

Ivan Misner gilt in den USA als „Father of Modern Networking“ (CNN), sein Buch „Truth or Delusion“ war ein Top-Bestseller. Wichtigste These: Behandle dein Gegenüber so, wie es behandelt werden will. greenleafbookgroup.com

US-Autorin Devora Zack hasst Stehpartys und Smalltalks, ist aber eine der bekanntesten Netzwerkerinnen. Wichtigste These: Jeder profitiert, wenn er nach eigenen Regeln handelt. orellfuessli.ch

Perfekt für Einsteiger; mit Beispielen aus der Praxis, Checklisten und Kontaktregeln. Wichtigste These von Barbara Liebermeister: Entscheidend sind nicht viele, sondern die richtigen Kontakte. fazbuch.de

Gewöhn dich daran, dass die Geschäftswelt keine Blumen­ wiese mit fröhlichen, sinn­ befreit tanzenden Menschen ist. Ja, die Wahrheit ist, du wirst Menschen treffen, die keine Zeit für dich haben. Du wirst unhöfliche Menschen treffen. Kein Grund, am Netz­ werken insgesamt zu zweifeln. Nimm es nicht persönlich und bleib dran.


3 Apps, die dich updaten

14:: VERTRAU AUF DEN ZUFALL

Leute treffen, blitzschnell Infos archivieren, auf dem Laufenden bleiben – Apps für Networker.

Natürlich sind Regeln auch dazu da, um gebrochen zu werden. Das tun wir jetzt beispielhaft mit Regel 11 (Setz dir Ziele). Hin und wieder wird es sinnvoll oder unter unterhaltsam sein, gänzlich planlos aufzubrechen. Gönn dir auch beim Netzwerken eine gewisse Leichtigkeit des Seins. Nur eines: Lass dir diese Lässigkeit nicht zur Gewohnheit werden.

15:: MISCH DICH IN EINE GESPRÄCHSRUNDE Zurück zur Ernsthaftigkeit. Natürlich ist es nicht einfach, einen Raum voller Menschen zu betreten. Noch schwieriger ist es, Anschluss zu finden, wenn sich bereits Gruppen gebildet haben. Denk daran: All diese Menschen sind aus demselben Grund hier wie du – um Kontakte zu knüpfen. Schließ dich also mit gebotener Höf Höflichkeit einer Gruppe an. Hör zu (Regel 8), und stell Fragen (Regel 9). Du wirst garantiert Anschluss finden.

16:: RED NICHT (NUR) ÜBER DIE ARBEIT Ja, es ist naheliegend, bei einem Netzwerk-Treffen Projekte anzusprechen und Ideen zu preisen, vergiss aber niemals: Solche Treffen sind auch (im weiteren Sinne) gesellschaftliche Ereignisse. Und dabei will sich niemand langweilen. Nimm dich also zurück. Sei neugierig. Und stell Fragen, die niemand erwartet. Verzichte auf „Was machst du?“, entscheide dich für „Was liebst du?“.

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Neue Leute kennenlernen

Unterlagen aufbewahren

Nichts mehr verpassen

Shapr funktioniert im Prinzip wie Tinder, hat aber nicht nur das, ähm, eine im Sinne, sondern vermittelt Verbindungen im Business-Style. Wisch und hin! shapr.co

Notizen, Unterlagen, Visitkarten (vor allem Visitkarten!) – viel zu oft sind sie gerade dann nicht zur Hand, wenn du sie dringend benötigst. Mit Genius Scan lassen sich Dokumente schnell und genau erfassen. thegrizzlylabs.com

Wer Googles Kiosk mag, wird sich auch mit Feedly sehr rasch anfreunden. Viele, viele Infos aus der längst unendlichen Welt der Nachrichten. Obacht: Kann durchaus süchtig machen. feedly.com

17:: VERGISS DEINE VISITKARTEN NICHT Ein Binsenweisheit, gewiss. Trotzdem: Immer genügend einstecken, denn oft lernt man die interessantesten Leute erst am Schluss eines Events kennen. Kleiner Trick, um sich am Morgen danach das Aussortieren zu sparen: Karten hoffnungsvoller Kandidaten in die linke Hosentasche, Nieten in die rechte (oder umgekehrt).

18:: BLEIB DU SELBST Du musst dich nicht in Szene setzen, um deine Botschaften zu übermitteln. Auch wenn es noch so abgedroschen klingt: Am besten punktest du mit Authentizität. Also noch einmal: Sympathisch ist, wer zuhört und Fragen stellt.

19:: LÄCHLE Dass du lächeln sollst, bedeutet keineswegs, permanent mit pseudofröhlicher Fratze herumzulaufen. Gemeint ist vielmehr, dass du mit einer positiven Einstellung auf auftrittst, sozusagen von innen heraus lächelst. Bringt ungeheuren Sympathiebonus.

20:: PFLEGE DEINE ( N E U E N ) K O N TA K T E Wer Kontakte geknüpft hat, muss sie hegen und pflegen. Wie? Mit einem einfachen Follow-up-System, das aus einem ersten Kennenlernen eine hilfreiche (Geschäfts-) beziehung entstehen lässt. Das Prinzip heißt 24/7/30, keine Verpflichtung, aber eine hilfreiche Richtlinie. Soll heißen: Nimm binnen 24 Stunden Kontakt auf, bedanke dich beispielsweise für den inter interessanten Abend (denk aber nicht einmal daran, etwas ver verkaufen zu wollen), verknüpfe dich in den nächsten sieben Tagen über soziale Netzwerke, vereinbare ein persönliches Treffen in den nächsten dreißig.

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Schnauzbart-Tattoo und verschmitztes Lächeln: Ali Mahlodji wirkt. Das ist auch sein Beruf – als Keynote Speaker, Consultant, Lehrer.


„Pfeif dir nix! Aber das bewusst.“

Vom Flüchtlingskind zum erfolgreichen Geschäftsmann. Vom stotternden Schüler zu einem der gefragtesten Speaker Europas. Vom Karrieristen zum empathischen Ratgeber. Der Österreicher Ali Mahlodji weiß, wie man nach oben kommt, glücklich wird und auf Ellbogen-Einsatz verzichten kann.

TE XT: CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO FOTOS: MATO J OHANNIK

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A

Ali Mahlodji hat 37 bewegte LebensLebens jahre hinter sich. Mit den Eltern aus dem Iran geflohen, wächst er im Flüchtlingsheim auf. Als er zwölf Jahre alt ist, lassen sich die Eltern scheiden. Die Folge: Trauma, Stottern, Außenseiterrolle in der Schule, schlechte Noten, Schulabbruch. Der Weg auf die schiefe Bahn liegt nahe. Doch Mahlodji wählt einen anderen. Nach verschiedensten Tätigkeiten holt er die Matura nach und studiert Software Engineering. Er findet einen gut bezahlten Sales-Job, von dem ihn schließlich eine große US-Firma abwirbt. Erfolgsstory? Nicht ganz. Gehaltszettel und Firmenauto machen ihn nicht glücklich. Als sein Vater stirbt, erleidet er ein Burnout. Mahlodji hinterfragt sein Leben. Und ordnet es neu. Er wird Lehrer und will fortan Kindern helfen, den richtigen Beruf zu finden. 2012 gründet er whatchado, eine Video-Plattform, auf der Menschen aus ihrem Berufsleben erzählen; Mahlodji filmt U-BahnFahrer, Sportler, Verkäufer und den Bundespräsidenten und stellt immer dieselben sieben Fragen und die Videos im Anschluss online. Die Idee wird ein Hit. Heute finden sich auf whatchado über 6000 Videos in fünf Sprachen. Mahlodji wird 2013 zum europäischen Jugendbotschafter ernannt, er gibt inspirierende Vorträge, schreibt ein Buch, besucht Brennpunktschulen, Firmen und inter internationale Konferenzen. Sein Motto: „Du kannst alles erreichen, woran du glaubst. Aber nimm die Hände aus dem Hosensack und tu es!“ the red bulletin innovator: Herr Mahlodji, Sie haben Böden geputzt und Kinotickets abgerissen. Sie haben in einer Apotheke Pulver gemischt und Briefe ausgetragen. Sie waren erfolgreicher Geschäftsmann und Gründer. Wenn ich Sie frage, was Sie heute beruflich machen, lautet Ihre Antwort …? ali mahlodji: Ich wirke.

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Wie bitte? Ich wirke. Ich spreche vor und mit Leuten und versuche, sie daran zu erinnern, wer sie sind. Die meisten Menschen nehmen sich nicht die Zeit, zu hinterfragen, ob das, was sie tun, das Richtige ist. Ich stoße diese Fragen an. Sie sind also ein Motivator. Ich motiviere niemanden von außen und sage: „Super, du kannst das.“ Vielmehr geht es mir darum, in den Menschen Potenziale zu wecken, die da sind. Ich mache nichts anderes, als den Leuten den Spiegel vorzuhalten. Weil wir selbst nicht in den Spiegel schauen? Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir für alles Aufmerksamkeit zeigen, nur nicht für uns Selbst. Wir suchen Bestätigung so stark im Außen, dass wir es nicht mehr aushalten, einige Sekunden am Tag den Mund zu halten und nur in uns hineinzuhorchen: „Tut mir meine Arbeit gut?“ Es kann nicht sein, dass wir alles erst hinterfragen, wenn wir ein Burnout erleiden oder einen geliebten Menschen verlieren. Die von Ihnen gegründete Plattform whatchado ist eine Hilfe zur Orientierung. Mit kurzen Videos, in denen Menschen aus unterschiedlichen Berufen standardisierte Fragen beantworten müssen. Es beginnt immer mit drei Ratschlägen an das 14-jährige Selbst. Die drei Ratschläge aus Ihrem Video würde

„Wir halten es nicht aus, einige Sekun­ den am Tag den Mund zu halten und nur in uns hinein­ zuhorchen.“

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Ali Mahlodji ging in seinem Leben Ăźber 40 Berufen nach. Jetzt hilft er anderen, den passenden Job fĂźr sich zu finden.


ich gerne näher besprechen. Ratschlag Nummer 1: „Du bist gut genug, wie du bist.“ – Dem würde ich gerne den Satz „Zufriedenheit ist gefährlich“ von Marcel Hirscher gegenüberstellen. Marcel Hirscher ist einer der besten Sportler unserer Zeit und seit Jahren im Wettkampf. Dort gibt es eigene Spielregeln. Dort wollen hundert andere deine Platzierung. Wenn du dich da nur ein einziges Mal zufriedengibst, wirst du geschlagen. Aber ist das Leben nicht auch ein Wettkampf? Nein. Das Wettkampfdenken kam erst mit der Industrialisierung. Fabriken, Fließbänder, Menschen, die du managen konntest. 8-Stunden-Tag, 40-Stunden-Woche, 25 Tage Urlaub. Wen gibt es in der heutigen TurboTurbo kapitalismus-Gesellschaft, der mit den Mitbewerbern in einem Wettkampf mit klaren Regeln steht? Freiwilliger Wettkampf wie im Sport ist super. Aber wenn du in einer Welt, die sich immer schneller dreht, glaubst, du bist ein Gehetzter, dann läufst du GeGe fahr, an einem Rennen teilzunehmen, das nicht deinem Tempo entspricht. Ein Beispiel: Eine neue Position wird ausgeschrieben. Ich bin einer von 120 Bewerbern. Da stehe ich doch automatisch mit 119 anderen im Wettkampf. Aber das ist freiwillig. Da zwingt dich keiner dazu. Fair enough. Wenn du

Wer in starren Unternehmen etwas bewegen möchte, muss Regeln brechen. Mahlodji: „Entschuldige dich lieber im Nachhinein.“

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Mahlodji lässt sich vom Leben nicht hetzen. Er hat hunderte ungelesene E-Mails und WhatsApp-Nachrichten, nimmt sich aber Zeit für Gespräche.

sagst, ich gehe diesen Weg, ist das völlig okay. Aber aktuell haben wir den Fall, dass viele Menschen nicht in einem derartigen Wettkampf sind, sich aber so fühlen. Mein Tipp: Ver Vergleich dich nicht mit anderen, sondern lieber mit dir selbst vor fünfzehn Jahren, vor zehn Jahren, vor fünf Jahren. Dann wirst du automatisch sehen, welche Sprünge du gemacht hast. Wie gut du bist. Und kannst dein Leben genießen. Ratschlag Nummer 2: „Du musst sinnlose Regeln brechen, nicht das Gesetz.“ Jede Regel hat irgendwo einen Grund, einen Ursprung. Das ist ja okay. Aber ist sie noch zeitgemäß? Das ist die Frage. Um den Fortschritt nicht zu bremsen, braucht es pragmatischen Ungehorsam. Pragmatischen Ungehorsam? Bei progressiven Unternehmen er ermutigt man die Mitarbeiter, innerhalb eines Rahmens bis an die Grenzen zu gehen, meist auch etwas darüber hinaus. Nix kaputtzumachen, aber sich lieber im Nachhinein zu entschuldigen. Es ist der einzige Weg, wie du in einer großen Struktur dein Tempo fahren kannst. Sich nix pfeifen, aber das bewusst. Halligalli-Anarchie ist falsch. Und wenn etwas schiefgeht? Du musst das, was du auf den Deckel bekommst, austarieren können. Wenn es funktioniert, können die Chefs nichts sagen. Wenn es nicht INNOVATOR


„Ellbogentaktik ist für Unter­ nehmen fatal. Denn so kommen nicht die schlau­ esten Mitarbeiter nach oben, sondern die rück­ sichtslosesten.“ funktioniert, haben alle zumindest etwas gelernt. Dann bleibt die Frage, wie sehr die Führungsebene Fehler Fehlertoleranz zeigt. Das ist von Sektor zu Sektor verschieden. In einem Krankenhaus gibt es kaum Toleranz, bei einem Piloten auf 10.000 Meter Höhe würde ich es mir auch nicht wünschen. Aber in einem Unternehmen, wo du Projekte voranbringen musst, geht es oft nicht anders. Ratschlag Nummer 3: „Versuche, alles zu erreichen, aber nicht mit Ellbogen.“ Sobald du deine Ellbogen ausfährst, wird es für alle anderen auch zur Normalität, die Ellbogen auszufahren. Doch Ellbogentaktik ist für Unter Unternehmen nachgewiesenermaßen eine der schlimmsten Taktiken. Warum? Weil nicht die schlauesten Mitarbeiter nach oben kommen, sondern jene mit den stärksten Ellbogen. Aber man kommt nach oben. Ja, aber mit welcher Konsequenz? Wenn du mit Ellbogen arbeitest, kannst du sicher sein, dass dich die anderen Ellbogen-Typen jagen werden. Du kannst niemandem vertrauen. Was dir alle Zukunftsforscher bestätigen INNOVATOR

„Koste das Leben aus. Ich kenne niemanden, der es überlebt hätte“, lautet einer von Mahlodjis typischen Tipps mit Augenzwinkern.

werden: In der heutigen komplexen Welt führst du Unternehmen, egal ob Konzerne oder Start-ups, am schnellsten durch Vertrauen. Wenn keiner Angst hat, das Hackl ins Kreuz zu bekommen, gehen Entscheidungen schneller von der Hand. Wer Ellbogen ausfährt, wird von anderen gejagt, okay. Wenn ich sie aber nicht ausfahre, gehe ich unter. Dann werde ich untergebuttert. Es sagt keiner, dass du dich nicht wehren kannst. Wenn einer mit EllEll bogen kommt, bekommt er natürlich auch Ellbogen zurück. Das überrascht. Wenn du angegriffen wirst, musst du dich wehren. Stell dich hin, beharre auf deinem Standpunkt. Aber geh nicht schon in Kampfhaltung zu einem Treffen. Jedes Business, das ich mache, beruht auf Handschlagqualität, auf Vertrauen. Wenn mich aber einer übers Ohr hauen will, dann bekommt er das zu spüren. Kommt einer von Beginn an mit Verträgen und Regeln, sage ich: „Nicht mit mir. Fertig. Aus. Erledigt. Du hast hier nichts verloren.“ Wieso wird in vielen Unternehmen dennoch auf Aggressivität gesetzt? In der Start-up-Welt spricht man von einem Kriegs-CEO oder von KampfFührungskräften. Google hat etwa in einer Phase des aggressiven Wachstums auf Manager gesetzt, die mit Ellbogentechnik agierten. Und das war für kurze Zeit sogar gut. Sie haben 47


EIN REDNER, DER ALLE „VERFÜHRT“ Ali Mahlodji begeisterte etwa mit seinem Talk „Small steps leading to big impact“ die Gäste beim WSA Global Congress im März in Wien. Die WSA (World Summit Awards) brachten ihr inter­ nationales Netzwerk aus Start­ups, Experten, In­ vestoren und Social Entre­ preneurs aus über 120 Län­ dern erstmals nach Wien, um sich zum Thema digitale Innovation mit gesellschaft­ lichem Mehrwert aus­ zutauschen. Alle Infos: worldsummitawards.org Als Autor veröffentlichte Ali Mahlodji 2017 sein erstes Buch mit dem Titel „Und was machst Du so?“ (Econ Verlag). Und wer ihn als Speaker live on stage erleben will, findet Alis Vortragstermine 2018 auf: ali.do

bewiesen, dass sie es können. Dann haben sie ihr Management-Modell umgestellt und den internen Krieg für beendet erklärt. Weil sie ihn gewonnen hatten. Falsch. Weil es da draußen keinen Krieg gibt. Dieser Krieg ist nur in deinem Kopf. In der Sekunde, wo du mit Ellbogen zu kämpfen beginnst, geht es nur noch um das persönliche Vorankommen. Es zählt nie die GeGe samtleistung, die Entwicklung des Unternehmens, sondern der Einzelne. Leuten, die sich mittels Ellbogen nach oben gearbeitet haben, ist die Company egal. Das sind diejenigen, die sofort weg sind, wenn es dem Unternehmen mal nicht gut geht. Söldnertypen. Was ist, wenn eine neue Position ausgeschrieben wird? Die einen kämpfen mit allen Mitteln darum, die anderen nicht. Kann es nicht sein, dass fair zu kämpfen als mangelnder Ehrgeiz angesehen wird? Ich spreche oft mit HR-Leitern. Bei einem Assessment Center suchen sie durchsetzungsfähige Mitarbeiter, das stimmt. Aber Durchsetzungskraft in einem guten Unternehmen bedeutet, sein Team hinter sich zu versammeln. Ein Teilnehmer, der sich durchsetzt, zur Lösung kommt, dabei aber ver verbrannte Erde hinterlässt, dem wird beim nächsten Projekt keiner folgen. Den wird man eher fallenlassen. Bewerber, die über Leichen gehen, werden nicht angestellt. Es setzen sich jene durch, die einem Team das Gefühl geben, es gemeinsam geschafft zu haben.

„Die besten CEOs sind nicht jene, die selbst den Korb werfen, sondern die, die wissen, wer aus ihrem Team den Korb werfen kann.“ INNOVATOR

Ali Mahlodjis positive Nachricht für alle Angestellten: Führungs­ kräfte, die über Leichen gehen, sind eine aussterbende Spezies.

Also hat eine Veränderung im Recruitment stattgefunden. Früher war es ja nahezu ein Pflicht-Attribut eines erfolgreichen Menschen, über Leichen zu gehen. Es gibt immer noch vereinzelt Cowboys und Rambos. Aber die Wirtschaft ist zu dynamisch geworden. Du musst Aufgaben lösen, von denen vor zehn Jahren niemand gewusst hat, dass sie zu lösen sind. Da bist du auf ein gutes Team angewiesen. Was hilft dir ein Chef, der seine Ziele im Quartal er erreicht, aber viele Mitarbeiter verliert, weil sie unter ihm nicht weiterarbeiten wollen? Gute CEOs sind nicht die beste Person am Tisch, sondern haben um sich herum Leute versammelt, die besser als sie selbst sind. Sie koordinieren sie, motivieren sie, lassen sie um sich herum wachsen. Das erinnert an Ihre Aussage „Gute Führungskräfte sollen so sein wie Head Coaches im Basketball“. Head Coaches erzielen keine Punkte selbst. Sie wissen aber, wer aus ihrem Team den Korb wirft. Ein guter Coach stellt das Team zusammen, setzt die richtigen Leute auf die richtigen Positionen und schwört sie auf die Meisterschaft ein. Er schreit vielleicht hin und wieder von außen, aber spielen tun die anderen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. 49


T H E

R E D

B U L L E T I N I N N O V A T O R G A D G E T G U I D E

ZRH D E R T R A V E L G A D G E T G U I D E Ob Urlaub oder Dienstreise – wer viel unterwegs ist, braucht solide Begleiter: leicht, verlässlich, outdoortauglich. Und wenn Sie am Flughafen die Blicke auf sich ziehen, ist es auch nicht verkehr t .


SO KOMPAK T G E W I C H T: 7 K I LO G R A M M

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Ein Elektrofahrrad im Reiserucksack? Das geht . Denn das Smacircle lässt sich mühelos auf eine Größe von 50 Zentimetern zusammenfalten und zudem – mit seinen sieben Kilo – recht kommod eine ganze Weile herum schleppen. Und auch wenn man über die Optik streiten dar f, zweckmäßig ist das Mini-E-Bike, das ohne Pedalantrieb aus-

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kommt, allemal: Der im Sitz verbaute Akku ist in nur zweieinhalb St u n d e n v o l l a u f g e l a d e n , d i e Ve r und Entriegelung des wasserdichten Bikes erfolgt übers H a n d y . To p - S p e e d ? 2 0 k m / h . smacircle.com

Smacircle S1, gefaltet. Der Reiserucksack ist übrigens im Kaufpreis (c a . 7 0 0 C H F ) inkludiert.

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SO LEICHT G E W I C H T: 1 4 0 G R A M M

Solar-Ladegeräte werden immer l e i c h t e r u n d d ü n n e r. R e k o r d halter ist derzeit das Solar P a p e r v o n Yo l k , d a s g a r a n t i e r t ins Handgepäck passt. Ein Blatt i s t k a u m g r ö ß e r a l s e i n e B a n knote und liefer t 2 , 5 Wat t Energie per USB. Bis zu vier Blätter lassen sich kombinieren, um ein Smartphone bei Sonnenschein

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am Strand in knapp drei Stunden voll aufzuladen. Dabei lässt sich am Display sogar jederzeit ablesen, wie viel Strom gerade ins Handy fließt. yolkstation.com

Solar PaperLadegerät im Profil: gerade mal 1 Zentimeter dick. Preis: rund 120 CHF

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T H E

R E D

B U L L E T I N I N N O V A T O R G A D G E T G U I D E

SO EIN KOFFER GE WICHT: AB 5 KILO GR AM M E i n a u t o n o m e r K o f f e r, d e r e i n e m ü b e r a l l h i n f o l g t ? C h e c k . D e r Tr a v e l ­ mate wird mittels App, Sprache und Gesten gesteuert und umfährt dank Sensoren selbständig Hinder­ nisse. Wermutstropfen: Nach vier Stunden geht ihm die Luft aus. travelmaterobotics.com

Mit der im Tr a v e l m a t e eingebauten Batterie lässt sich auch der Laptop laden. P r e i s? A b c a . 1 0 0 0 C H F.

SO SCHARF GE WICHT: 4 3 5 GR AM M L a u t „ F i n a n c i a l T i m e s“ kö n n te d i e s e S m a r t p h o n e ­ g r o ß e K a m e r a d i e Fo to ­ g r afi e r evo l u t i o n i e r e n . D e n n d i e L 16 (P r e i s : c a . 2 4 0 0 C H F ) s c h i e ßt – m it 16 L i n s e n gl e i c h ze it i g – m e h r e r e Fo to s u n te r s c h i e d li c h e r B r e n n we ite . I h r e S o f t w a r e ko m b i n i e r t d i e Au fn a h m e n d a n n z u m u lt r a s c h a r f e n B il d . l i g h t . c o

SO RETRO YOLKSTATION, TRAVELMATEROBOTICS, LIGHT, PRYNT

GE WICHT: 16 4 GR AM M Re i s e ­To o l f ü r N o s t a l g i ke r : D e r P r y n t­ P o c ke t­ D r u c ke r v e r w a n d e l t d a s i P h o n e i n e i n e I n s t a n t ­K a m e r a und spuckt – einmal angedockt – B il d e r i m Fo r m a t 5 × 7,6 Z e n t i m e te r a u s . Vo n s e i n e r G r ö ß e h e r p a s s t e r z u d e m l o c ke r i n j e d e G ü r t e l t a s c h e . P r e i s : c a . 2 0 0 C H F. p r y n t . c o


T H E

R E D

B U L L E T I N I N N O V A T O R G A D G E T G U I D E

SO REIN GE WICHT: 3 10 GR AM M

Im Boden der 47 3 Milliliter fassenden Flasche ist ein Filter eingebaut, der für 300 Füllungen reicht.

Survival-Cocktail. In 15 Sekunden macht die Grayl-Filterflasche Wasser aus Seen , Flüssen o der a n d e r e n s u s p e k t e n Q u e l l e n t r i n kb a r. O b B a k t e r i e n o d e r P r o t o z o e n – einmal drücken, und 99,9 Pro zent der Keime sin d neutralisier t . A b c a . 7 0 C H F. t h e g r a y l . c o m

SO KLEIN GE WICHT: 4 3 0 GR AM M Kompakt und für Reise -Abenteuer konzipiert: Die VideoDrohne Mavic Air lässt sich in Sekunden auf SmartphoneGröße zusammenfalten. Die technische Seite: 12-Megapixel-Kamera, 8 GB interner S p e i c h e r, s t a b i l e F l u g l a g e auch bei Wind. dji.com

Tr a n s f o r m e r Drohne eingeklappt: Zu haben ist die Mavic Air um rund 1 0 0 0 C H F.

SO DEZENT

Eine Smar twatch, die nicht wie eine Fu ßf e s s e l aussieht. Nur 10,7 Millimeter hoch, a b 4 2 5 C H F.

Smartwatch im Analog-Look. Im schlanken Gehäuse der Helvetica 1 stecken Sensoren, die Daten ans Handy senden: wie etwa ein A c t i v i t y - o d e r S c h l a f t r a c k e r. G u t für Jetlag- Geplag te: der Schlafp h a s e n - W e c k e r, d e r e r s t l ä u t e t , wenn der Tiefschlaf vorbei ist. mondaine.com

GRAYL, DJI, MONDAINE, URBANISTA

GE WICHT: 5 0 GR AM M


VIE

SO LEISE GEWICHT: 234 GRAMM

Die Kopfhörer sind faltbar und mit Mikro­ fon und inte­ grier ter Anruf­ steuerung ausgestattet. Preis: rund 1 8 0 C H F.

Ein Klick, und alles wird still – wer viel unterwegs ist, weiß es zu schätzen, mal abschalten und die Geräuschkulisse ausblenden zu können. Möglich macht das der kabellose Kopfhörer New Yo r k M o o n W a l k m i t d e r A n t i ­ Schall­Methode. Wie das geht? Die Kopfhörer selbst erzeugen einen Schall, der mit dem Lärm der Umgebung interferiert – und ihn auslöscht. PS: Die Batterie der Phones hält 25 Stunden, länger als jeder Nonstopflug. urbanista.com

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Adrian Locher, Gründer und Gefühlsmensch: „Wenn du mit dem Bauch entscheidest, triffst du eine BigData-Entscheidung.“

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SUCCESS STORY

ES FUNKTIONIERT NICHT? SUPER! Adrian Locher hat mit seinem Start-upUnternehmen „Dein Deal“ Millionen gemacht. Sein Erfolgsrezept? Jeder Rückschlag bringt dich näher ans Ziel.

Adrian Locher, 36, Start-upMillionär, war schon mit 14 Unternehmer, codete Websites, gründete im zweiten Uni-Semester eine Lehrstellenbörse, begrub im fünften seine zweite Firma. Der Durchbruch gelang dem Berner mit Versuch Nummer vier, dem Schnäppchenportal „Dein Deal“, das er 2010 aus dem Boden stampfte und 2015 mit 150 Mitarbeitern an das Medienhaus Ringier verkaufte. Sein Vermögen beträgt laut Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ fünf bis zehn Millionen Franken. Heute betreut Locher mit seinem Unternehmen Merantix Start-ups in den Bereichen maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Uns verrät er, wie er sie an die Spitze bringt.

URBAN ZINTEL

the red bulletin innovator: Ich möchte ein erfolgreiches Start-up gründen. Das Problem ist, mir fehlt die zündende Idee. adrian locher: Das ist nicht das Problem. Die Idee macht 10 Prozent deines Erfolgs aus. Die Umsetzung ist das Wichtigste, da liegen 90 Prozent. Du willst wirk wirklich erfolgreich werden? Such dir ein Feld, in dem du dich gut auskennst, und dann probiere es aus.

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Erfolgreich ohne gute Idee? Wir haben 2010 mit „Dein Deal“ einfach die Idee von US-Marktführer Groupon kopiert, sie aber besser umgesetzt. Die beste Idee der Welt ist wertlos, wenn du dich zu wenig vorbereitest oder zu schnell aufgibst. Oder nicht bereit bist, rund um die Uhr für Erfolg zu arbeiten? Es gibt zwar diese schönen Eisprinzessinnen-Geschichten mit fünf Stunden pro Woche, aber meistens wird das nicht reichen. Erfolgreich sind die, die auch mal nach Mitternacht arbeiten. War Warum? Weil sie am meisten ausprobiert haben. Unternehmertum ist wie Ins-Casino-Gehen: Die Chance abzuräumen ist mathematisch gering. Wenn du aber siebenmal ins Casino gehst, hast du auch siebenmal die Chance auf den Jackpot. Aber irgendwann geht mir wahrscheinlich das Geld aus. Natürlich ist da ein Risiko. Wir begannen mit 30.000 Franken, die möchte man nicht einfach aus dem Fenster werfen. Also minimierst du das Risiko. Wir haben an jedem einzelnen Tag mehrmals Testläufe unternommen. Wir haben ständig neue Angebote ausprobiert, beobachtet, adaptiert, wieder online gestellt.

Am Consumer-Markt erhältst du extrem schnell Feedback. Wenn du morgens um sieben ein Angebot erstellst, weißt du um neun, wie es bis zum Abend performt. Klingt so einfach … Die Wahrscheinlichkeit, dass du aus dem Nichts einen Volltreffer landest, ist extrem gering. Wir haben an einem Tag 280 Apfelbäume verkauft und an einem anderen mit einem AugenlaserDeal 1,2 Millionen umgesetzt. Das kannst du nicht planen. Und es soll dich auch nicht von der wichtigsten Lektion ablenken: Es geht gar nicht ums Funktionieren. Man lernt also mehr, wenn etwas nicht funktioniert? Genau. Wenn etwas nicht funktioniert, ist das super, weil du einen falschen Weg ausschließen kannst und damit dem richtigen näher näherkommst. Also habe ich die besten Vor Voraussetzungen für ein Start-up: keine Idee, wenig Geld und viel Zeit. Soll ich gründen? Hahaha, hör einfach auf dein Bauchgefühl. Moment! Wir haben über Testläufe gesprochen, und jetzt soll ich auf meinen Bauch hören? Exakt. Wenn du auf dein Bauchgefühl hörst, entscheidest du rational. Es gibt in der Neurowissenschaft den Begriff der „gut feeling based decision“ (instinktive Ent Entscheidung; Anm.): Nur 5 Prozent der Infos verarbeitet dein Gehirn bewusst. Die restlichen 95 kommen an, bleiben hängen, ver versickern im Unterbewusstsein. Mit deinem Bauchgefühl kombinierst du bewusste und unterbewusste Informationen. Man könnte auch sagen: Mit dem Bauch triffst du eine Big-Data-Entscheidung. Adrian Locher ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Außerhalb der Bürozeiten widmet er sich unter anderem dem Rennfahren.

merantix.com

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HÄRTETEST: Die Firma DOK-ING baut Maschinen für Rettungseinsätze. Hier der Löschroboter MVF-5 beim Test in Kroatien.

RETTER IN


Vor 25 Jahren hatte ein verschrobener Bastler in Südosteuropa eine Idee, an die niemand glaubte. Außer er selbst. Bis heute haben Vjekoslav Majetićs Riesenroboter 44 Millionen Quadratmeter Minenfelder entschärft – und hunderte Menschenleben gerettet. Eine Geschichte über Sturheit und Respekt.

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TEXT: ANDREAS ROTTENSCHLAGER // FOTOS: GREGOR KUNTSCHER

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LÖSCHTALENT: Der MVF-5 bekämpft Brände wahlweise mit Wasser oder Löschschaum. Der Steuermann steht währenddessen in sicherer Entfernung (li.).

„ICH SAH VIELE MENSCHEN STERBEN. DAS WOLLTE ICH ÄNDERN.“ 60

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KONTROLLE: mobiler Kommando­ stand in der Fahrer­ kabine eines DOK‑ING-Begleit­ fahrzeugs. Unten: Mit dem „Gripper“, seiner Greifzange, hebt der MVF-5 bis zu zwei Tonnen schwere Lasten (wie diesen Opel Astra).


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rei Minuten bevor die Sprengladung detoniert, prüft Pyrotechniker Nikola Maltar ein letztes Mal die beiden Enden der Kontaktdrähte, die er zwischen Dau­ men und Zeigefinger seiner linken und rechten Hand hält. Maltar, 33, buschiges Haar, schwarzer Vollbart, kauert hinter einer Mauer aus Betonziegeln. Die beiden Drähte, an denen er entlangblickt, führen quer über einen asphaltierten Kasernen­ hof in das zerbeulte Wrack eines Opel Astra und enden in einer Sprengkapsel auf dem Fahrersitz. Auf der Kapsel liegt ein Plastiksack, in dem ein Gemisch aus Öl und Benzin schwappt. Maltars Auftrag lautet, ein Flammen­ inferno für einen der modernsten Lösch­ roboter der Welt zu entfachen. Sobald er die Drahtenden aneinanderreibt, fliegt hier alles in die Luft.

Waldbrände oder Landminenräumung. Das Motto von DOK DOK­ING: „Don’t send a man to do a machine’s job.“ Auf dem Kasernenhof führen die Inge­ nieure heute ihre jüngste Erfindung vor: das Emergency Response Robotic System MVF-5 – einen panzergroßen Roboter mit Löschanlage, HD­Kamera und einem Ge­ häuse aus explosionssicherem Stahl. Der MVF­5 soll Feuerwehrmännern den Weg zum Brandherd freiräumen, Live­Bilder aus brennenden Gebäuden senden und – das ist das Besondere – dank seinem Tank kleinere Feuer selbst löschen. Das Wrack des Opel ist Teil des ersten Testszenarios: Ein brennendes Auto ver ver­ sperrt den Ersthelfern den Weg. Hinter der Betonziegelmauer reibt Pyrotechniker Maltar seine Drähte anein­ ander: Bummm! – aus dem Opel schießt ein Feuerpilz. Noch in hundert Meter Ent­ fernung spürt man die Hitzewelle im Ge­ sicht. Das Wrack steht jetzt in Flammen. Mit rasselnden Ketten rollt der MVF­5­ Roboter auf den Kasernenhof. Der Lösch­ arm auf dem Dach fährt aus und spritzt Schaum ins Wageninnere. Der Roboter bewegt sich wie von Geisterhand, rattert vor, zurück und sucht sich immer wieder die besten Angriffswinkel. Die Geisterhand heißt Davorin Horvat, 32, der Roboter Roboter­Controller. Er steht zwei­ hundert Meter von der Explosionsstelle entfernt, beugt sich über seine Funkfern­ steuerung und wirkt entspannt, als würde er bloß E­Mails auf seinem Smartphone checken. Das Inferno löscht er, indem er

Es ist ein heißer April­Nachmittag auf dem Testgelände der Maschinenbaufirma DOK ING nördlich von Zagreb. Zwei alte DOK­ Armeebaracken mitten im Laubwald, dazwischen der Kasernenhof. Früher war hier eine Raketenabschussbasis der jugo­ slawischen Armee. Heute testen DOK DOK­ING­ Ingenieure, wie Maschinen Menschen bei riskanten Rettungsaktionen helfen können. DOK ING ist ein weltweit führender DOK­ Entwickler von ferngesteuerten Einsatz­ robotern, die Explosionen und extreme Temperaturen überstehen. Ihre Spezialität sind Einsätze, bei denen Ersthelfer an ihre Grenzen stoßen, wie Chemieunfälle,

MASSARBEIT: Der Löscharm des MVF-5 lässt sich zentimetergenau auf den Brandherd einstellen.

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GEFAHRENGUT: Der MVF-5 wurde f체r gef채hrliche Rettungseins채tze wie Chemieunf채lle konzipiert.

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FEST IM GRIFF: Mit seiner „Gripper“-Zange kann der Roboter Fässer bergen oder brennende Objekte tragen.

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mit beiden Daumen kleine Joysticks bedient. Danach steht bereits der nächste Test an. Der Roboter soll Giftmüllfässer aus einer brennenden Fabrik bergen. Pyrotechniker Maltar schleppt einen neuen Sack Sprengmittel heran. Im Kasernenhof riecht es nach Löschschaum. Autos zur Explosion bringen, mit Riesenrobotern die Flammen löschen: Wie kommt man auf so eine Geschäftsidee? Wer die Geschichte der Roboter-Retter verstehen will, muss mit Vjekoslav Majetić sprechen. Über den Maschinen-Erfinder und DOK-ING-Gründer kursieren zahlreiche Anekdoten: „Er zeichnet technische Skizzen auf Papiertaschentücher“, erzählen seine Kollegen. „Er arbeitet lieber mit dem Schweißgerät, als Meetings zu besuchen.“ Ihr Chef sei ein „Menschenfänger“ und ein „Humanist“. Oft fällt das Wort „Träumer“. Majetić, 63, empfängt uns in seiner Fertigungshalle im Südosten der Hauptstadt Zagreb – ein kleiner Mann mit schneeweißem Schnauzbart und dem Händedruck eines Dockarbeiters. „Die erste Regel für Erfinder“, sagt Majetić, während er die Produktionsstraße abschreitet: „Geh mit offenen Augen durch die Welt, egal in welchem Job du arbeitest. Innovativ sein heißt, nach Problemen zu suchen.“ In Majetićs Fall war seine Welt das Nachkriegs-Kroatien Mitte der 1990erJahre. Das Problem waren Landminen, die ein Gebiet von 13.000 Quadratkilometern zur Todeszone machten. Die Minenräumer stapften oft nur mit Metalldetektoren durch das Unterholz. „Ich habe viele sterben sehen“, sagt Majetić. „Es gab keine sicheren Geräte.“ Nachdem er Jahre bereits zuvor die ersten Skizzen gezeichnet hatte, schloss sich Majetić im Sommer 1993 in seiner Garage ein und begann zu arbeiten. „Die Leute hielten mich für verrückt. Weil ich keine Vorlagen hatte, keine Ahnung, wie man ein Produkt entwickelt. Und keine Investoren.“ Aber Majetić, ein gelernter Ingenieur, hatte einen Plan.

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WERTE , DIE GRÜNDER ERFOLGREICH MACHEN: STURHEIT UND RESPEKT. Der erste Prototyp seiner Maschine sah aus wie eine Mischung aus Rasenmäher und Mini-Mähdrescher. Eine mit Eisenklöppeln bestückte Walze grub die Erde um und löste die Zünder der Minen aus. Ein Metallschild dahinter fing die Detonation ab. Und – das war die wichtigste Neuerung – die Maschine war ferngesteuert. „Sie sollte den Menschen komplett aus der Gefahrenzone nehmen.“ Doch Majetić fand kaum Geldgeber. Ein völlig unbekannter Bastler aus Südosteuropa? Der mit selbst geschweißten Maschinen Minen sprengt? „Mit Selbstvertrauen und Sturheit“, sagt Majetić, wenn man ihn fragt, wie man eine scheinbar verrückte Idee durchzieht. „Ich habe immer jede meiner Erfindungen fertig gebaut, auch wenn sie kaum Aussicht auf Erfolg hatte.“ An wenig erfolgversprechenden Projekten weiterarbeiten sei ein Erfolgsmodell? Was soll das Gründern bringen?

DIE MENSCHEN HINTER DOK‑ING: Firmengründer Vjekoslav Majetić (oben) zeichnet die Prototypen, Pyrotechniker Nikola Maltar (Mitte) legt Feuer für die Ein‑ satztrainings, Steuermann Davorin Horvat lehrt Kunden das Handling der Maschine.

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„Zwei wichtige Dinge“, sagt Majetić. „Respekt bei potenziellen Partnern, weil sie merken, dass du von deinem Produkt zu hundert Prozent überzeugt bist. Und Erfahrung in der Entwicklung.“ Seinen ersten Minenroboter brachte Majetić schließlich 1997 auf den Markt. Schritt für Schritt, nach mehreren Klein­ investments. Heute exportiert DOK DOK­ING in 30 Länder. Majetićs Maschinen haben 44 Millionen Quadratmeter Minenfelder auf der ganzen Welt entschärft. Woran Majetić gedacht hat, als alle sagten, er würde scheitern? „Dass auch die beste Idee, wenn sie nicht realisiert wird, nichts wert ist. Auch ein Feuerroboter mit integriertem Tank war zuerst nur eine Idee. Wir haben an sie geglaubt.“ Majetić muss jetzt weiter. Maschinenteile abholen. Zurück auf dem Übungsplatz nördlich von Zagreb: Die Ingenieure sind bereit, das zweite Testszenario des Tages für den DOK­ DOK ING­Löschroboter zu starten: „Eine Explosion in einer Chemiefabrik. Die Einsatzkräfte können nicht ins Innere der Fabrik vordringen. Der MVF­5 soll

FUNKVERBINDUNG: Steuermodul des Einsatz­ roboters MVF­5. Das Hand­ ling ist dem Controller einer Sony PlayStation nach­ empfunden. Unten: In ihrem Werk in Zagreb bauen die DOK­ING­Ingenieure Löschroboter und schwere Minenräumer wie den MV­10 (links im Bild).


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FEUER FREI! Nachgestellte Explosion in einer „Chemiefabrik“. Der MVF-5 fährt direkt in den Flammenherd und funkt Messdaten an die Rettungskräfte.

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GEPANZERTER HELFER Die Idee: einen ferngesteuerten Roboter bauen, der Ersthelfer bei gefährlichen Einsätzen unterstützt. Der MVF-5 wagt sich bei Explosionen, Waldbränden oder Chemieunfällen als Erster an die Unfallstelle. 1 DER LÖSCH-ARM Mit der ausklappbaren Löscheinrichtung auf seinem Dach kann der MVF-5 kleinere Feuer bekämpfen. Die Düse spritzt bis zu 50 Meter weit und speist sich aus einem integrierten Tank, der 2500 Liter Wasser oder 500 Liter Löschschaum fasst.

2 DIE EXTRAS Abhängig von der Rettungseinheit, die der MVF-5-Roboter unterstützt, wird er mit verschiedenen Gasoder Chemikalien-Detektoren ausgeliefert, die Daten auf den Controller oder in die mobile Kommandozentrale funken.

3 DER KÖRPER Für extreme Belastungen gebaut: Die Außenwand des Roboters besteht aus schwedischem Hardox-Stahl, der Gewehrkugeln und, für kurze Zeit, Temperaturen von bis zu 1500 Grad standhält. Mit leeren Tanks wiegt der MVF-5 13 Tonnen.

4 DER SCHUTZ Zwei Sprinkler, die in den Stahlpanzer des Roboters eingelassen sind, kühlen die Außenhaut während der Löscharbeiten oder löschen kleinere Feuer auf der Maschine, die zum Beispiel durch brennende Wrackteile entstehen.

5 DAS WERKZEUG Mit dem „Gripper“, einer per Fernsteuerung aktivierbaren Greifzange, räumt der MVF-5 auch massive Hindernisse aus dem Weg. Dank einer Stoßkraft von zehn Tonnen kann die Zange sogar die Ziegelmauern von Häusern durchstoßen.

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6 DAS AUGE Bis zu neun Video- und Wärmebildkameras auf dem Rotationskopf (vorn), der Löschdüse und der Außenwand liefern dem Controller (der in bis zu 1500 Meter Entfernung steuern kann) Live-Daten von der Unfallstelle oder vom Brandherd.

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PLÖTZLICH SIND ALLE STILL: DER ROBOTER BRENNT. Fässer mit giftigem Industriemüll abtrans­ portieren.“ Die Sprengladung geht dieses Mal direkt vor dem Roboter hoch. Ein gewal­ tiger Feuerball wälzt sich himmelwärts. Pyrotechniker Maltar hat etwas zu viel Benzin erwischt. Der Roboter rollt trotz­ dem weiter. Controller Horvat steuert ihn in eine Baracke, welche die brennende Fa­ brik darstellt, und hebt die Spritzanlage. Aber irgendetwas stimmt nicht. Der Feuerlöschroboter … brennt. An der Außenwand des MVF­5 schlagen Flammen empor. Ein mit Benzin und Öl getränkter Fetzen des Sacks, in dem sich der Sprengstoff befand, klebt auf dem Roboter und hat sich entzündet. Für einen Moment starren alle auf die brennende Maschine. „So what?“, sagt Horvat, der Maschi­ nenführer, und drückt einen Knopf auf seinem Controller. Zwei kleine Sprinkler heben sich aus dem Dach des MVF­5. Wasser regnet aus ihren rotierenden Köpfen. Der Roboter löscht sich selbst. Dann packt der MVF­5 die Giftmülltonne und rollt davon. „Eine Idee, die nicht realisiert wird, ist nichts wert“, hat Firmengründer Majetić in seiner Fabrik gesagt. Aufgrund seiner Entschlossenheit steht der MVF­5 heute bei Ersthelfern in Kroation, Russland, Malaysia und Serbien bereit zum Einsatz. www.dok-ing.hr 71


Text: David Mayer Fotos: Delia Baum

EINFACH

MACHEN! Starthilfe mit Herz und Hirn: Red Bull Amaphiko unterstützt Gründer, die sich für eine gute Sache einsetzen – wie zwei Berlinerinnen, die mit ihrem Projekt „EduHeroes“ das Lernen revolutionieren wollen.

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Bildungsheldinnen: Gosia Moszyk (li.) und Annemieke Frank fÜrdern die Talente von Kindern – mit Methoden aus dem Silicon Valley.

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ichts bringt Menschen mehr zum Strahlen als eine Idee, von der sie überzeugt sind. Das gilt auch für Annemieke Frank und Gosia Moszyk. Wenn die beiden dreißigjährigen Berlinerinnen über ihre Initiative „EduHeroes“ sprechen, beginnen ihre Augen zu funkeln. Und wer ihnen zuhört, gewinnt den Eindruck, dass sie tatsächlich schaffen könnten, was sie sich vorgenommen haben. „Wir wollen das Lernen revolutionieren“, sagt Annemieke. Beide Frauen verbindet eine Über Überzeugung: Unsere Schulen bereiten Kinder kaum auf die Anforderungen der modernen Welt vor. Deshalb beschlossen sie, es besser zu machen, und fingen 2017 vor der eigenen Haustür an. In Bezirken wie BerlinKreuzberg vermitteln sie heute Kindern in Workshops Kompetenzen wie Erfindergeist oder kritisches Denken. „Wir helfen ihnen, ihre Superkräfte zu entdecken“, sagt Gosia. DIE CHALLENGE

In anderen Bereichen sind es Annemieke und Gosia, die dazulernen müssen – etwa wenn es um Finanzen und Organisation für ihr junges Projekt geht. Hier setzen sie auf Förderer, konkret auf Red Bull Amaphiko. Wie verwirkliche ich meine Idee so, dass ich am Ende mehr Geld einnehme als ausgebe? Wie gestalte ich meine Website, damit jeder Besucher findet, was er sucht? Und wie kann ich Menschen auf mein Projekt auf aufmerksam machen? Auf solche Fragen gibt Red Bull Amaphiko den Social Entrepreneurs Antworten – also Gründern wie Annemieke und Gosia,

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die sich mit ihrem Start-up für eine gute Sache einsetzen. Das Ziel ist, Menschen, die konkrete Probleme in ihrer Umgebung lösen wollen, eine Anschubhilfe zu geben – mit Wissen, Training und Kontakten. DIE AKADEMIE

Mit ihrem Projekt „EduHeroes“ wollen Annemieke Frank (li.) und Gosia Moszyk Kinder für die Welt von morgen wappnen. Red Bull Amaphiko hilft ihnen dabei.

Bestes Beispiel: die Red Bull Amaphiko Academy. Zehn Tage lang machen Fachleute ausgewählte Social Entrepreneurs aus einer Region fit für die ersten Schritte als Unternehmer. Im Anschluss erarbeiten Mentoren mit den Gründern Businesspläne und begleiten sie 18 Monate auf deren Weg. 2014 fand die erste Red Bull Amaphiko Academy in Südafrika statt, es folgten Veranstaltungen in Brasilien und den USA. Daneben bietet die Initiative aber auch kompaktere For Formate. In Berlin lud Red Bull Amaphiko im vergangenen Herbst gemeinsam mit der Initiative Social Impact Lab zu einem Storytelling-Workshop. Unter den Teilnehmern waren auch Annemieke und Gosia. DAS KNOW-HOW

„Besonders spannend fand ich, wie man durch geschickte PR-Aktionen ohne hohen finanziellen Einsatz Auf Aufmerksamkeit erzeugt“, sagt Gosia. In der frühen Gründungsphase ihrer Initiative setzten die beiden auf außer außergewöhnliche Aktionen – und hielten Workshops in einem Pop-up-Klassenraum. Auf dem Lehrplan standen Kompetenzen, die in den Unterrichtsplänen oft zu kurz kommen, etwa das Querdenken und in das eigene Können zu vertrauen. Um solche Fähigkeiten zu stärken, leiten Annemieke und Gosia in ihren Workshops Kinder im Grundschulalter dazu an, Lösungen für konkrete Probleme aus ihrem Leben zu suchen. Angelehnt an moderne Methoden wie Design Thinking, nach denen zum Beispiel Start-ups im Silicon Valley Innovationen entwickeln, überlegen sich die Kinder Ideen und basteln Prototypen von ihren besten Einfällen – etwa eine Popcorntüte mit Smartphonehalter oder einen Hut mit integriertem Regenschirm. Und weil die Kinder im Workshop nicht nur basteln, sondern auch am Computer altersgerecht programmieren oder ihre Ideen vor der Gruppe vorstellen, entdecken sie womöglich Stärken, die sie vorher gar nicht kannten.

Angelehnt an moderne Methoden wie Design Thinking, nach denen auch auch Start-ups im Silicon Valley Innovationen entwickeln, überlegen sich die Kinder Ideen und basteln Prototypen.

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Quis aut rest anti ditioria debit pedictemquo et aut eum quiam fugitas quas eat est et

GUT UNTERWEGS

Mehr als 350 sozialen Projekten hat Red Bull Amaphiko bereits Rückenwind gegeben – zum Beispiel diesen drei:

Wo immer die beiden Frauen auch von ihrer Initiative erzählen, reagieren die Menschen begeistert, und sehr oft fragen sie: „Wie kann ich helfen?“ Neben finanzieller Unterstützung und Know-how in Gründungsfragen müssen die beiden vor allem ihre Bekanntheit steigern. Auch deswegen haben sich Annemieke und Gosia auf der Online-Plattform von Red Bull Amaphiko registriert. DAS NETZWERK

Ziel der Plattform ist es, Social Entrepreneurs aus der ganzen Welt zu ver vernetzen – ob es sich um Gründer, Unter Unterstützer oder mögliche Partner handelt. Zu diesem Zweck können sich alle Gründer auf einer eigenen Seite vor vorstellen und angeben, was sie gerade benötigen. Die Förderer wiederum können über ein detailliertes Suchprogramm ebenjene Projekte suchen, die zu ihnen passen, oder gezielt nach Initiativen in ihrer Region forschen.

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ZEIT FÜR HELDEN

Du engagierst dich für eine gute Sache, hast vielleicht schon ein soziales Start-up gegründet oder denkst darüber nach? Dann registriere dich auf www.redbull amaphiko.com und vernetze dich mit Gleichgesinnten. 2018 plant Red Bull Amaphiko mindestens drei Workshops in Deutschland, in denen Profis jungen Gründern Tipps geben.

ASPHALTENGEL Die Smartphone-App BikerSOS erkennt, wenn ihr Nutzer einen Unfall mit dem Motorrad hat, und alarmiert sofort den Rettungsdienst und zuvor festgelegte Notfallkontakte wie Partner oder Eltern. FASHIONFISCHER Das Label Margaret and Hermione produziert Bikinis und Badeanzüge aus recycelten Fischernetzen. FREIHEITSKÄMPFER Das Projekt Lady Liberty verschafft Frauen aus südafrikanischen Armutsvierteln, die unter Misshandlung leiden, Rechtshilfe.

DIE ERFOLGSSTORY

Wie die Red Bull Amaphiko Academy will auch die digitale Plattform jungen Weltverbesserern eine Starthilfe geben – und damit Erfolgsgeschichten wie die von Thato Kgatlhanye ermöglichen, die 2014 in Südafrika an der ersten Red Bull Amaphiko Academy teilnahm. Weil die Kinder in ihrer Nachbar Nachbarschaft mangels Elektrizität kein Licht hatten, um nach Sonnenuntergang ihre Hausaufgaben zu erledigen, entwickelte Thato einen Rucksack mit integriertem Solarpanel und Lampe. Auf dem Schulweg sammelt das Panel Sonnenenergie, die abends die Lampe mit Strom versorgt und den Kindern auf diese Weise das Lernen ermöglicht. Mit ihrer Idee – so schlicht wie genial – begeisterte Thato Unterstützer aus der ganzen Welt und produziert mit ihrem Unternehmen Rethaka bald 10.000 Rucksäcke pro Jahr. DIE CHANCE

Im Gegensatz dazu stehen Annemieke und Gosia noch ganz am Anfang. 2018 wollen sie feste Räume für ihr Projekt finden und ein Finanzierungsmodell aufstellen. Im Mai planen sie eine weitere Pop-up-Aktion in Berlin. Bis zu einer Erfolgsgeschichte wie der von Rethaka ist es noch ein weiter Weg. Aber vielleicht hilft es, ab und zu daran zu denken, dass auch Thato noch vor vier Jahren eine junge Frau war, die einen Unterschied machen wollte und nicht viel mehr hatte als eine Idee. Und die dann Menschen traf, die ihr helfen wollten.

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Essay

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KÜNSTLICHE INTELLIGENZ VERÄNDERT UNSEREN ALLTAG, UNSERE WELT, DAS GESAMTE UNIVERSUM. ANLASS ZUR SORGE? ODER GRUND ZUR HOFFNUNG? EINE GESCHICHTE MIT WURZELN IN DER SCHWEIZ. SIE BEGINNT AN EINEM DIENSTAG.

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ach 280 Zügen ist das Brett übersät mit schwarzen und weißen Steinen. Für alle, die nie Go gespielt haben, ist es ein rätsel­ haftes Durcheinander. Lee Sedol, gerade 33 geworden, weiß: Es ist das Ende. Der beste Go­Spieler der Welt gibt auf. Sechs Tage zuvor war er sich seines Sieges noch gewiss. Es ist ein Duell Mensch gegen Maschine. Fünf Partien stehen an. Es geht um eine Million US­Dollar. Um Ansehen. Und um die Zukunft. Doch schneller, als ihm lieb ist, muss Sedol erkennen, dass er keine Chance hat. Als es vorbei ist, lächelt er. Dass er nicht gegen einen Menschen verloren hat, mag ihm seine Niederlage weniger schmerzhaft erscheinen lassen. In einem Spiel, das um Potenzen kom­ plexer ist als Schach, das nach mensch­ licher Intuition verlangt und für viele seiner Verehrer philosophische Hingabe erfordert, weil es um Verstehen an sich geht, im schwierigsten Spiel der Welt also hat eine Maschine gewonnen. Eine Ma­ schine, die von Googles DeepMind­Team ­ ­Team entwickelt wurde. Sie heißt AlphaGo. Wir schreiben den 15. März 2016. Ab sofort gilt dieser Dienstag als Meilen­ Meilen stein in der Geschichte der künstlichen Intelligenz (KI).

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Es ist der Tag, an dem die KI über einen Menschen siegt – nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal ist es ein Triumph. Es ist der beste Go­Spieler, dem nach tage­ langem Ringen nur die Erkenntnis bleibt, dass weder Verstand noch Gefühl aus­ reichen, um zu bestehen. Und er hat von fünf Partien nur eine einzige gewonnen. Die südkoreanische Go­Vereinigung ­ ­Vereinigung ist von AlphaGos Spielkunst so angetan, dass sie dem Programm den 9. Dan Pro­ fessional (den höchstmöglichen zu verge­ benden Rang) verleiht. Die Begründung: Die Maschine sei mit ihrem Spiel „in fast göttliche Bereiche“ vorgestoßen.

DIE DUNKLEN SEITEN DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ Dieser Dienstag in Seoul überrascht viele und ist für manche ein Schock. Zu Recht, wie sich in den Tagen darauf zeigt. Denn wo der göttliche Funke springt, ist der Teufel nicht weit. Eine Woche nach AlphaGos Sieg mutiert ein anderes KI­Programm dank Twitter­Training ­­Training durch menschliche User (bzw. Trolle) innerhalb weniger Stunden zum Scheusal: Microsofts Chatbot Tay (mit weiblichem Avatar) wird zur Holo­ caust­Leugnerin, ruft nach Völkermord und verfasst rassistische und sexistische

GO Das Brettspiel Go stammt aus China, ist mehrere tausend Jahre alt und recht kompliziert: Gegnerische Spiel­ strategien etwa lassen sich schwerer vorausahnen als beim Schach.

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LEE SEDOL gilt als einer der besten Go-Spieler der Welt. Bevor er gegen AlphaGo antrat, war er überzeugt, dass er gegen die Maschine gewinnen würde. Doch aller Konzentration, aller Anstrengung und a l l e n i n t u i t i v r i c h t i g e n E n t s c h e i d u n g e n z u m Tr o t z hatte er keine Chance. Als er vier von fünf Partien v e r l o r e n h a t t e , l ä c h e l t e e r. G a n z M e n s c h .

MAXIMILIAN SCHÖNHERR/DPA/PICTUREDESK.COM AP PHOTO/LEE JIN-MAN/ PICTUREDESK.COM

Bemerkungen aller Art. Ihr fehlt das Verständnis, die Tweets, mit denen sie gefüttert wird, richtig einzuordnen. Nach nur 16 Stunden muss Microsoft Tay vom Netz nehmen – als erschreckendes Beispiel dafür, wie schnell Maschinen fehlgeleitet werden können. Knapp einen Monat später erscheint Nick Bostroms Bestseller „Superintelligence“ auf Deutsch. Auf fast 500 Seiten warnt er eindringlich – allerdings nicht vor Tölpeln wie Tay, sondern vor zu klugen Maschinen; ähnlich wie der jüngst 76-jährig verstorbene Physiker Stephen Hawking, Tesla-Chef Elon Musk oder Microsoft-Gründer Bill Gates. In Peking macht sich zur selben Zeit die Kommunistische Partei Chinas an die Arbeit. „Der Sieg von AlphaGo hat unser Denken grundlegend geändert“, sagt Zhang Bo, KI-Experte und Mathematiker an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Ein knappes Jahr später veröffentlicht ver öffentlicht der chinesische Staatsrat bereits einen klaren KI-EntwicklungsKI-Entwicklungs plan. „Künstliche Intelligenz birgt für die KP noch ein anderes Versprechen: die totale Kontrolle Kontrolle der Untertanen“, analysiert die „Süddeutsche Zeitung“.

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DIE MASCHINE LERNT ZU DENKEN WIE EIN MENSCH Müssen wir künstliche Intelligenz also fürchten? Wenn sie in falsche Hände gerät? Das Falsche lernt? Entscheidet, dass wir Menschen falsch denken, falsch handeln? Und was bitte ist überhaupt falsch? Und was richtig? Bevor wir uns diesen Fragen zuwenden, gilt es, eine andere zu klären: Wie funktioniert künstliche Intelligemz? Grundsätzlich braucht KI enorme Rechenleistungen. Erst die geradezu explodierenden Kapazitäten haben die Überlegungen, die es bereits in den 1960er-Jahren gab (manche Chronisten gehen sogar bis in die 1940er-Jahre zurück), Wirklichkeit werden lassen. Im Grunde genommen geht es darum, möglichst viele Faktoren – für menschliches Verständnis unfassbar viele Faktoren – zu vergleichen. AlphaGo beispielsweise lernte unter anderem durch die Analyse von 30 Millionen in Datenbanken abgespeicherten Zügen, die Entscheidung eines Menschen vorherzusagen. Und zwar mit einer vorher Wahrscheinlichkeit von etwas mehr als 50 Prozent. Genug, um bereits die meisten Amateurspieler zu besiegen. Mithilfe künstlicher Lernfähigkeit – die im Fall von AlphaGo von 1.920 Prozessoren Prozesso bzw. 280 Grafikprozessoren generiert wurde – war schließlich jene Leistung möglich, die nötig war, um auch Profis wie Lee Sedol zu schlagen. „Rohe Rechenkraft ist natürlich nichts wert ohne selbstlernende Software“, sagt Professor Jürgen Schmidhuber. Der 55-jährige Münchner ist unter anderem wissenschaftlicher Direktor am IDSIA (Istituto Dalle Molle di Studi sull’Intelligenza Artificiale) in Manno bei Lugano, wo man sich der Erforschung und Entwicklung künstlicher Intelligenz verschrieben hat. „Diese Systeme lernen durch Erfahrung, durch Ausprobieren und Scheitern. Ihr Aufbau orientiert sich an den Nervenzellen im Gehirn. Wenn eine solche KI ‚lernt‘, bilden sich zwischen ihren einzelnen ‚Nervenzellen‘ manchmal neue Verbindungen – alte werden gestärkt, abgeschwächt oder gelöscht.“

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JÜRGEN SCHMIDHUBER w a r e h e m a l s I n f o r m a t i ke r u n d w i d m e t s e i n Fo r s c h e r­ leben der Entwicklung künstlicher Intelligenz. D e r 5 5 ­J ä h r i ge t u t d i e s s o e r f o l g re i c h , d a s s i h n d i e „ N e w Yo r k T i m e s “ a l s „ D a d d y o f A r t i f i c i a l Intelligence“ bezeichnete. Sein Lebensziel: eine Maschine bauen, die klüger ist als er selbst.

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Jürgen Schmidhuber ist, wenngleich Deutscher, der Mann, dem die künstliche Intelligenz ihre Schweizer Wurzeln verdankt. Seit den späten 1980er-Jahren arbeitet er an der Entwicklung künstlicher neuronaler Netzwerke. „Damals waren die Rechner sehr langsam, und man konnte solche Netzwerke nur auf Spielzeugprobleme anwenden. Heute sind sie hunderttausendmal schneller als 1990, das ermöglichte den Durchbruch.“ Ein mit Sepp Hochreiter entwickeltes Verfahren, das sogenannte „Long ShortTerm Memory“ (LSTM, deutsch: „langes Kurzzeitgedächtnis“), ist die Basis dafür. Dahinter steckt ein komplexes mathematisches Verfahren, das – vereinfacht erklärt – vom menschlichen Lernen lernt. Das heißt: Wie der Mensch lernt die Maschine nicht jede Sekunde neu, sondern interpretiert neue Beobachtungen an bereits gemachten Erkenntnissen. Die „New York Times“ formulierte Professor Schmidhubers Bedeutung pointiert: „When A. I. matures, it may call Jürgen Schmidhuber ‚dad‘“ („Wenn künstliche Intelligenz heranreift, könnte sie Jürgen Schmidhuber ‚Papa‘ nennen“). Seit 2016, also dem Jahr, in dem AlphaGo triumphierte, setzen die Internet-Big-Five (Apple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook) LSTM ein, vor allem im Bereich der Spracherkennung. Weshalb Schmidhuber gerne darauf verweist, dass LSTM aktuell auf rund drei Milliarden Smartphones Verwendung findet. Ebenso wird sie für QuickType-Funktionen auf dem iPhone oder für Amazons Alexa eingesetzt. LSTM ist auch Grundlage für die Software von AlphaGo. In einem Interview vor dem Triumph der Maschine sagte Schmidhuber übrigens: „Als Kind wollte ich Physiker werden, weil die Physik die Grundlagen der Welt erforscht. Als Teenager wurde mir klar, dass es etwas noch Wichtigeres gibt, nämlich zu verstehen, wie das Verstehen funktioniert. Ich dachte mir: Bau eine künstliche Intelligenz, die lernt, dir in jeder Hinsicht überlegen zu sein. Die soll dann alle Probleme lösen, die du selber nicht lösen kannst.“ Was also bedeutet es, wenn die Maschinen unser Leben prägen und offenbar rapide schlauer werden? Dass sie uns eines Tages von oben herab betrachten? Als im besten Fall schützenswerte, aber nicht länger einflussreiche Art? Ehrlicherweise gibt es darauf keine einfachen Antworten. Dass uns die Maschinen heute nützlich sind – und das in

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DAVID KASNIC, XAVIER CERVERA/PANOS PICTURES/VISUM

Was bedeutet es, wenn Maschinen rapide schlauer werden? Dass sie uns eines Tages von oben herab betrachten? Als im besten Fall schützenswerte, aber nicht länger einflussreiche Art?


praktisch jedem Bereich des Lebens –, wird nicht mehr angezweifelt (weshalb es zwar nicht undenkbar ist, auf sie zu verzichten, aber absolut unrealistisch). Dass sich dies eines Tages umkehren könnte und künstliche Intelligenzen uns bestenfalls dankbar erinnern, dass wir es waren, die sie geschaffen haben, ist eine Sorge, die viele kluge Köpfe bewegt – die Sorge, die von einem Hintergedanken gege füttert wird: dass der erwachte Geist der Maschinen unsere Existenz in Frage stelstel len könnte. Luciano Floridi, 54, ein italienischer Philosoph, ist seit 2017 Direktor des Digital Ethics Lab der University of OxOx ford. Er beschäftigt sich intensiv mit der ethischen Gestaltung global vernetzter Kommunikationssysteme und künstlicher Intelligenz. Und er beruhigt. Floridi ist überzeugt, dass in den kommenden Jahrzehnten keinesfalls eine KI entstehen wird, die diesen Namen verdient. Um dies zu illustrieren, verweist er gerne auf die Windows-Fehlermeldung „Drucker nicht gefunden“: „Dabei steht der Drucker direkt neben dem Computer.“ Jürgen Schmidhuber kontert auf die Angst-Fragen mit einer Gegenfrage: „Warum sollten künstliche Intelligenzen denn ein Interesse daran haben, uns zu

Künstliche Intelligenz lernt durch Er­ fahrung, durch Ausprobieren und Scheitern. Ihr Aufbau orientiert sich an den Nervenzellen im Gehirn.

LUCIANO FLORIDI ist Direktor des Digital Ethics Lab der University of Oxford. Der italie­ n i s c h e P h i l o s o p h i s t s i c h s i c h e r, dass die Maschinen noch lange dumm bleiben werden.

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vernichten? Superkluge künstliche IntelIntel ligenzen werden sich vor allem für andeande re superkluge künstliche Intelligenzen interessieren. Wir Menschen sind doch auch viel klüger als Ameisen. Trotzdem haben wir kein Interesse, sie zu vernichvernich ten.“ Wir könnten sogar einen Beitrag dazu leisten, dass Maschinen lernen, uns Menschen zu achten, ist Schmidhuber überzeugt, indem wir künstliche IntelIntel ligenzen wie unsere Kinder erziehen, „achtsam zu sein und wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu werden“. Eine Ansicht, die Mo Gawdat teilt. Mo Gawdat, 50, war Chief Business Officer von Google X, der Innovationsfabrik des Datengiganten. Seit dem Tod seines Sohnes widmet er sich als Mister Happiness (siehe Interview auf Seite 10) ganz dem Glück. Wie Schmidhuber ist er überzeugt: „Der beste Weg, wundervolle Kinder zu erziehen, ist es, ein wundervoller Vater zu sein.“ Das heißt, es liegt an uns, den Maschinen die richtigen Werte zu vermitteln: „Sie können jedes Problem lösen – oder zur Erkenntnis gelangen, dass wir das Problem sind.“

DIE MASCHINEN WERDEN DAS ALL EROBERN Anders als Dottor Floridi glaubt Mo Gawdat den Prognosen, wonach Maschinen bereits 2029 schlauer sein werden als wir. „2049 werden sie voraussichtlich eine Milliarde Mal intelligenter sein als wir.“ Professor Schmidhubers Einschätzung deckt sich mit jener Gawdats: „Innerhalb weniger Jahre werden wir eine künstliche Intelligenz haben, die Schritt für Schritt so schlau wird wie ein kleines Tier. Und wenn Maschinen erst so intelligent sind wie Affen, werden wir kurz darauf eine KI auf menschlichem Niveau haben.“ Und dann werden sich künstliche Intelligenzen auf den Weg ins All machen, das Sonnensystem erobern (noch in diesem Jahrhundert), später, viel, viel später die Galaxie und irgendwann – in einer Millionen von Jahren entfernten Zukunft – den Rest des Universums. Der Anfang ist gemacht. Künstliche Intelligenzen erkennen die Welt, vorerst in kleinen Schritten. Doch schon jetzt verändert jeder ihrer Schritte unser Leben. Seit AlphaGo seinen menschlichen Konkurrenten Lee Sedol besiegt hat, ahmt nicht mehr er den Menschen nach. Er ist selbst zum Vorbild geworden für menschliche Spieler – als Quelle neuer Ideen.

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1 DER S TROM AUS DEN WOLKEN

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SO INNOVATIV IST DIE INNOVATOR

TWING TEC

Es ist das erste mobile Windenergiesystem der Welt und wurde vom Start-up TwingTec entwickelt. Das Prinzip: Stromerzeugung in großer Höhe. Wie? Der Twing, ein segelndes Fluggerät, schwebt wie ein Drachen an einem 500-Meter-Seil, das mit einem Generator am Boden verbunden ist. Durch die Bewegung der Leine wird Windkraft in Strom umgewandelt. Der Clou: Twing steigt – angetrieben von Drohnen in den Flügeln – bis auf 300 Meter auf, wo die Winde stärker und zuverlässiger wehen als etwa auf der Höhe von Windkraftwerken. „Wir wollen TwingPower weltweit an Orte ohne Stromversorgung bringen“, so das Credo der Jungfirma. Praktisch kein Problem: Denn TwingTec kann rasch verpackt und jederzeit an jedem beliebigen Ort installiert werden. twingtec.ch


So könnte bald die Nutzung der Windkraft aussehen: Unbemannte Segelflieger erzeugen in großen Höhen Strom.

SCHWEIZ INNOVATOR

Z E P P E L I N - D R O H N E N , FÄ L S C H U N G S SICHERE SCHLÜSSEL UND DAS ENDE DER W A R T E Z E I T B E I M A R Z T: H I E R K O M M E N NEUN SCHWEIZER JUNGUNTERNEHMEN MIT ZUKUNFTSPOTENZIAL.

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Linse mit Leine: Fotokite kann – auch ohne Batterie – für Beobachtungs- und Rettungseinsätze genutzt werden.

2 „Es sind stets die einfachsten Ideen, die großen Erfolg haben“, sagte schon Leo Tolstoi. Den Beweis dafür liefert das ETH-Zürich-Spin-off Fotokite: „Wir hatten den Einfall, unsere Drohne an ein Seil zu hängen“, sagt Christopher McCall, der Fotokite-CEO. Und das geht mit vielen Annehmlichkeiten für User einher: Man braucht nicht lange zu üben, um die Drohne zu steuern, sie bezieht Strom vom Controller und bleibt so länger in der Luft. Und: „Über das Seil streamen hochaufgelöste Videos (fast) in Echtzeit zum Controller-Screen“ – alles Vorteile gegenüber herkömmherkömm lichen Drohnen. CNN und BBC nahmen bereits FotokiteDienste in Anspruch. Künftig soll die Seildrohne, angehängt am Dach von Feuerwehrautos, zu Rettungszwecken eingesetzt werden. fotokite.com

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FOTOKITE, URBANALPS.COM, GREEN AMBASSADOR

DIE DROHNE MIT DEM L A NGEN ATEM

„FÜR DIE STEUERUNG DER DROHNE IST BLOSS EIN MINIMAL­ TRAINING NÖTIG. SIE FOLGT DIR W I E E I N D R A C H E N I N D E R L U F T.“ CHRISTOPHER McCALL, CEO FOTOKITE

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Hängeschloss, Zylin­ derschloss und Stealth Key. Längsschnitt rechts: Im Hohlraum wird der Sicherheits­ code eingraviert.

3 Higarden bewäs­ sert die Kräuter dank Sensoren und Sonnen­ energie selbst­ tätig – und sieht auch gut aus.

DER S CHLÜS SEL MIT KOP IERS CHU T Z Ein mittlerweile allzu realistisches Horrorszenario: Ein Unbekannter macht ein Foto deines Hausschlüssels, füttert es in den 3D-Drucker – und schon hat er eine Kopie deines Schlüssels an der Hand. Um ebendieser Gefahr entgegenzuwirken, hat das Zürcher Start-up Urban Alps den Stealth Key entwickelt: Dieser mechanische Türöffner aus Titan hat all seine sicherheitsrelevanten Zacken und Löcher – für jede Kamera unsichtbar – im inneren Hohlraum ver versteckt. Was den Key kopier kopiersicher und unabhängig von Magneten oder Computerchips macht: Das Zylinderschloss erkennt den Code durch die vordere Öffnung am Schlüssel – und somit ist ein Maximum an Sicherheit garantiert. Den Stealth Key können sehr Sicherheitsbewusste bereits bestellen. urbanalps.com INNOVATOR

4 DER SM A R T E WA NDGA RTEN Jeder Balkonfarmer kennt das Problem: Das Basilikum will jeden Tag gegossen werden; nach einem zweiwöchigen Urlaub sind seine Blätter Trockengewürz. Das Start-up Green Ambassador löst dieses Leid auf besonders elegante Weise: „Der ‚Higarden‘ ist ein intelligentes Pflanzensystem,

das sich selbst gießt und die leere Wand schmückt“, erklärt Gründer Adrian Kaufmann. „Ohne Wasseranschluss, ohne Steckdose, nur zwei Schrauben, aufhängen und fertig.“ Die Funktionsweise: Ein Tank speichert Wasser bis zu zwei Wochen. Feuchtigkeitssensoren bewässern die Erde automatisch, sobald die Pflanzen durstig sind. Besonders umweltschonend ist das System, weil die Energie aus leistungsfähigen Sonnenkollektoren stammt. Eine integrierte Batterie liefert auch während einer bewölkten Woche Strom. „Natürlich würde ich gern die ganze Stadt begrünen“, sagt Kaufmann, „aber mich freut es schon, Wenn jemand seine eigenen Kräuter anpflanzt.“ Der Higarden kostet 720 Franken. greenambassador.ch 85


5 DIE SICHERS TE DROHNE DER W ELT Dass Drohnen bei Sportereig­ nissen nicht ungefährlich sind, musste auch Skistar Marcel Hirscher erfahren, als ein ab­ stürzender Quadcopter ihn auf der Piste nur knapp verfehlte. Mit dem Skye – einen Helium­ ballon mit Drohnenantrieb und Kamera – wäre das nicht passiert: Entwickelte doch das Start­up Aerotain dieses fliegende Auge, um Drohnen­ einsätze sicher zu machen. Der wahre Clou kam aber erst später: Skye wurde bei Probe­ flügen zum Publikumshit. „Die Menschen wollten die Drohne angreifen und lachten in die Kamera“, sagt Aerotain­ CEO Daniel Meier. „Seitdem setzen wir auf die Interaktion mit Menschen und filmen sie dabei.“ Seit zwei Jahren fliegt Skye nun mit Sponsorenlogo über Konferenzen oder filmt Sportevents. Und wer seine eigene Privatparty aus der Luftperspektive erleben will, kann Skye jederzeit mieten. aerotain.com

„DIE MENSCHEN W O L LT E N SOFORT DIE AUFMERKSAM­ KEIT DER DROHNE UND AEROTAIN, FELFEL

LACHTEN IN DIE KAMERA.“ DANIEL MEIER, CEO SKYE

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Der Felfel-Holzkühlschrank beinhaltet nicht nur hochwertiges Essen. Er möbelt jedes Office auch optisch auf.

6 H AUTE CUISINE FÜR DIE FIRM A

Hingucker: Skye schwebt beim Basketball-Allstar-Event 2017 über der Pariser AccorHotels Arena.

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Soba-Nudeln mit Edamame und einem Hauch von getrock getrockneten Algen? Oder lieber einen Pot mit Süßkartoffeln und Mandeln an Mangodressing? Die Jungfirma Felfel liefert frisch gekochte Gerichte der besten Schweizer Köche direkt an den Arbeitsplatz. Genauer: in den dort aufgestellten Kühlschrank, aus dem man sich bedienen (und mit Kreditkarte zahlen) kann. Hinter Felfel, das 2017 mit dem Swiss Economic Award prämiert wurde, steht der Zürcher Emanuel Steiner: „Ich mochte es nie, mir in der Arbeit selbst Essen zu holen“, so der Ex-Banker. „Zudem will ich Leute anregen, gemeinsam im Büro zu speisen, statt sich auf Restaurants zu verteilen.“ Zusatzbonus für Figurbewusste: Die FelfelSpeisen können via Handy auf Kalorienanzahl gecheckt werden. Schweizweit nützen schon über 150 Firmen den Haute-Cusine-Zulieferer. felfel.ch 87


8 DER H AU TA RZ T A M SM A R T P HONE

7 A IRB NB FÜR B IG P L AY ER Es ist viel mehr als nur ein Co-working Space: Das Portal PopupOffice.ch bietet an rund 100 Schweizer Standorten flexible Arbeitsplätze an, aber – und das macht die Sache außergewöhnlich – für ein untypisches Zielpublikum: „Wir fokussieren neben Start-ups und Freelancern vor allem auf große Firmen – die ihren Mitarbeitern mehr Auslauf und Abwechslung gewähren wolwol len. Und neue Sichtweisen“, sagt PopupOffice-Co-Gründer Mathis Hasler, 36, zu dessen Kunden mittlerweile Big Player wie Swisscom, Microsoft und AXA zählen. Denn: „Sie schischi cken Mitarbeiter vorbei, um von den Methoden der hunghung rigen Start-ups zu lernen“, sagt Mathis. „Und jeder profitiert: Denn so trifft man seine späteren Kunden.“ Die Zahl der PopupOffice-Standorte soll bald auf 200 verdoppelt werden. popupoffice.ch 88

Lange Wartezeiten beim Hautarzt haben ein Ende. Der OnlineDoctor verarztet Patienten daheim.

9 DER B L INKER FÜR BIKER Die Mission des Start-ups Velohub: sehen und gesehen werden. „Wenn Radfahrer gleiche Tools nutzen wie Autofahrer“, sagt Javier de Alegria, 25, „werden sie vorhersehbarer und erhalten mehr Respekt.“ Daher erfand der Spanier mit weiteren Velo-Fans an der ETH Zürich „Blinkers“, ein Fahr Fahrradlicht, das Vorder- und Rücklicht mit Blinker und Bremslicht ergänzt. Kabellos bedient man es vom Lenker aus. Ein Beschleunigungsmesser aktiviert ein Bremslicht, sobald man Tempo verliert. Optional projiziiert ein Laser den Sicherheitsabstand auf den Asphalt. „Unser Ziel ist, Blinkers ins öffentliche Bike-Sharing zu integrieren.“ Heute sind vier Varianten in 60 Shops europaweit erhältlich. Preis: rund 120 bis 240 Franken. blinkers.bike

POPUP OFFICE, ONLINEDOCTOR AG, BLINKERS

Voisins Coworking Café, Genf: Hier teilen sich Freelancer das Büro mit Angestellten großer Firmen.

Keine Lust auf lange Wartezeiten in der Hautarztpraxis? Die dermatologische InternetPlattform OnlineDoctor.ch schafft hier Abhilfe. Die St. Galler haben einen OnlineHaut-Check entwickelt, der Nutzern ortsunabhängig und schnell einen fachärztlichen Rat gibt. Wie? Zuerst wählt man einen von vierzig Schweizer Dermatologen. In einem Online-Formular beschreibt man dem Arzt dann seine Beschwerden und lädt ein hochaufgelöstes (Handy-)Foto der Hautstelle hoch. Innerhalb von 48 Stunden folgt die DiDi agnose des Arztes inklusive Ratschlag. Eine Anfrage kostet 55 Franken. OnlineDoctor.ch räumte bei den prestigeträchtigen Best of Swiss Web Awards 2018 in der Kategorie „Mobile“ Gold ab. Nun soll der deutschsprachige Raum erobert werden. onlinedoctor.ch

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„WENN VELOFAH RER DIE GLEICHEN TOOLS NUTZEN WIE AUTOFAH RER , E R H A LT E N S I E M E H R R E S P E K T.“ JAV I E R D E A L E G R I A CO-FOUNDER VELOHUB

Blinkers macht das Fahrradfahren sicherer – mit der Kombination Smart Lights, Blinker, Bremslicht und Laserprojektion. Der Akku hält bis zu zwei Wochen.

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INNOVATION UNLOCKED

theredbulletininnovator.com


GUIDE

I N N O V AT O R

TV-HIGHLIGHT

ALFRED JÜRGEN WESTERMEYER/RED BULL CONTENT POOL

DIE RETTER DER MEERE Wie drei junge Surfer mit einer genialen Idee die Ozeane von Plastikmüll befreien wollen. Die Doku „Creators of Tomorrow“ und mehr Programm-Tipps auf redbull.tv – ab Seite 92.

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SEE IT

WELTENSCHÖPFER

Drei Freunde, die mit Skateboards die Meere säubern, inspirierende Pioniere und Spieleentwickler, die aus virtuellen Ideen reale Innovationen machen: die Highlights auf Red Bull TV.

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart-TV. ALLE INFOS: WWW.REDBULL.TV

ALFRED JÜRGEN WESTERMEYER/RED BULL CONTENT POOL, EVA MARIA KLAUSER/ PIONEERS, LUCKYDAY MEDIA, TREVOR MORRIS/RED BULL CONTENT POOL

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RED BULL TV

On Demand

FESTIVAL-HIGHLIGHTS

PIONEERS ’18

Am 24. und 25. Mai trafen sich Entrepreneure, Investoren und TechnologiePioniere zur größten IT-Konferenz Europas in der Wiener Hofburg. Die Höhepunkte dieser zwei Tage gibt es in kompakter Doku-Form: Ausschnitte aus inspirierenden Ansprachen, informative Interviews und noch viel mehr.

On Demand

On Demand

CREATORS OF TOMORROW

Wer glaubt, Videospiele seien reiner Zeitvertreib, wird mit dieser Dokumentation eines Besseren belehrt. Games wie „Minecraft“, „Cities: Skylines“ und „Block’hood“ vermitteln dir eine Vorstellung von der Architektur und Städteplanung der Zukunft – wo die virtuelle Welt mit der echten verschmilzt.

DOKU

Als Surfer kennen Ben Kneppers (Bild oben), David Stover und Kevin Ahearn das Problem des Plastikmülls im Ozean nur zu gut. Ihre Lösung: Skateboards. Dafür nutzen sie mit ihrem Start-up Bureo gepresste alte Fischernetze (machen zehn Prozent der acht Millionen Tonnen jährlicher Verschmutzung aus) als Grundstoff. Begleite das Trio bei seiner Entwicklung von Idealisten zu erfolgreichen Unter Unternehmern, die nicht nur Fischern neue Sichtweisen aufzeigen.

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DOKU

GAMING THE REAL WORLD

On Demand

DOKU-SERIE

SCREENLAND

iPad-Games für Katzen, eine Renaissance der Arcade-Spielautomaten und jede Menge Virtual Reality: Hier erlebst du, wie Game-Designer und andere kreative Köpfe unseren Alltag mittels Gaming verändern. Im Bild: der Performance-Koch Nick Toll aus dem Künstlerkollektiv Meow Wolf.

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DO IT

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bis 25. 6. Startup Weekend Basel Von der Geschäftsidee bis zur Umsetzung in 54 Stunden: ein Wochenende mit Coaches und Investoren für alle, die ihre Start-up-Idee auf unternehmerische Umsetzbarkeit abklopfen lassen wollen. Die Themen: Wie bringe ich Ideen in die richtige Bahn? Wie pitche ich Projekte? Wie hole ich mir starke Partner für meine Idee an Bord? Basel; startupweekend.ch

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und 14. 9. Blockchain Competition Ein Preisausschreiben der Schweizer Finanzindustrie: Das überzeugendste Blockchain-Start-up-Projekt wird mit einem Arbeitsjahr in den Zuger Crypto Valley Labs und mit 100.000 US-Dollar prämiert – in Realgeld natürlich! Deadline zur Online-Abgabe: 30. Juni. Zug, Crypto Valley Labs; blockchaincompetition.ch

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bis 24. 10. Comsol Conference Ob brennende Kerze oder technischer Herstellungsprozess – hier zeigen Experten für Modellierung Neuigkeiten in Sachen virtueller Simulation. Eine faszinierende Reise in die Welt der physikalischen Phänomene – dargestellt am Computerscreen. Minikurse und Vorträge gibt es außerdem. comsol.com/conference

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Ein Hackathon ist kein Wettkampf von Waldarbeitern, sondern eine Programmier-Session mit Fokus auf Spass und Wissensaustausch. 2014 von Jonathan Isenring (u.) mitbegründet, ist HackZurich heute einer der Top-Hackathons Europas: 550 ausgewählte Teilnehmer aus 60 Ländern bilden Teams und tüfteln an Apps für Web, Mobile oder Desktop.

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WERNER TSCHAN/STUDIO LTD, ETH ENTREPRENEUR CLUB

Zürich; hackzurich.com

bis 16. 9. Digital Festival Das Digital Festival holt Vordenker wie Autor Jonas Lüscher und digitale Macher wie Torsten Reil nach Zürich und schafft für fünf Tage die relevanteste Tech-Community der Schweiz. Dabei wird weniger in Richtung Silicon Valley geschielt als gesellschaftsrelevant diskutiert und die eine oder andere interdisziplinäre Brücke gebaut: „Technologie erlebbar machen“, lautet die Devise des Festivals. Zürich; digitalfestival.ch

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SIMON SCHREYER

bis 16. 9. HackZurich

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S A V E T H E D AT E

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bis 24. 9. Incube Challenge Ein Experiment: Was passiert, wenn sich fünf Studenten unterschiedlicher Fächer in einem gläsernen Würfel treffen und mit einem Schuss Unternehmergeist geimpft werden? Im schlechtesten Fall ist das ein Ausnutzen Jugendlicher zur Wirtschaftsmaximierung. Im besten Fall kommen sie mit einer noch nie dagewesenen Start-upIdee wieder heraus. Die Incube Challenge stellt 2018 drei Würfel in Zürich auf und je einen in Lausanne, Bern und St. Gallen. incube.entrepreneur-club.org

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READ IT

Wer sich vor der Zukunft fürchtet, der möge aus der Vergangenheit lernen.

Andreas Gall 53, spürt als Chief Innovation Officer im Red Bull Media House neue Dinge auf, die die Zukunft der Medien und Consumer Technology gestalten.

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I

n letzter Zeit häufen sich die Angstgespräche mit Freunden, Kollegen, Mitarbeitern und Partnern, wenn es um die vierte Industrierevolution geht, in die wir uns gerade mit voller Fahrt hineinbewegen. „The Age of Fusion“ wird sie genannt, und ihr prägendes Hauptmerkmal soll sein, dass sich alles mit allem verbindet, alles mit­ einander kommuniziert und austauscht. Ist das so schlecht? Muss ich davor Angst haben? Was kann mir passieren? Kontrolliere ich die Technologie, oder werde ich von ihr kontrolliert? Ich erzähle in der Diskussion mit den Ängstlichen von früheren Innovations­ projekten. Als in den 1980er 1980er­ und 1990er 1990er­ Jahren in den Musikstudios und Radio­ stationen die schweren und unhandlichen Bandmaschinen durch Computer und Software ersetzt wurden, gab es – aus heutiger Sicht – irrationale Ängste. Viele Produzenten, Musiker und Redaktore hatten große Angst, dass ihre Kreativität, ihr Sound und ihre Rechte durch die Digitalisierung verlorengehen könnten. Das physikalische Tonband, auf dem sich eine ganze Musikproduktion be­ fand und das ich unter mein Kopfkissen legen konnte, war plötzlich auf einer

„festen Platte“ im Computer des Ton­ studios gespeichert, es war nicht mehr „greifbar“. Von Band zu bandlos: Das war damals für viele Profis der Musik Musik­, Radio­ und TV TV­Branche ein Horrorszenario. Und dennoch war es unausweichlich: Analog wurde digital, Band zu Festplatte, Studios, Musiker, Kreative und Redaktio­ nen wurden auf der ganzen Welt digital miteinander vernetzt. Warum es funktio­ nierte? Die Ängste und Bedenken wurden nicht übergangen, sondern generierten innovative, digitale und zufriedenstellende Lösungsansätze – sie wurden in die neue Medienwelt mit eingebaut. Die Medienproduktion befindet sich heute, wenn ich es möchte, auf einer portablen Festplatte oder einem USB­Stick (passt noch besser unters Kopfkissen) – und gleichzeitig wird sie auch noch „in der Cloud“ gesichert. Von dort könnte ich jederzeit alle Dateien via Internet holen, zum Beispiel, falls ich den digitalen Medienspeicher zu Hause vergessen habe. Und noch besser: Wenn ich einen Teil meiner kreativen Arbeit mit einem Kol­ legen teilen möchte, dann ist das sehr schnell erledigt, während ich früher erst einmal das Band kopieren und dann per Post versenden musste. Wir lernen: Das „Age of Fusion“ ist nicht aufzuhalten, aber wir können, ja müssen es mitgestalten. Sinn der Technik bleibt, unser Leben zu erleichtern, wenn wir es wollen. Auch wenn sich alles mit allem vernetzen und austauschen kann, dann muss und darf ich es nicht überall zulassen. Mir bleibt die Möglichkeit und Verantwortung, ein Gerät, ein System oder eine Technologie abzuschalten oder den Vernetzungsgrad zu bestimmen.

INNOVATOR

MICHAEL PRESCHL

HAB KEINE ANGST


KOLUMNE

WENN ICH MEINEM 14-JÄHRIGEN SOHN ÜBER DIE SCHULTER SCHAUE, WIE ER DAS „AGE OF FUSION“ SCHON JETZT AN SEINEM SMARTPHONE MANAGT UND MEISTERT, DANN MACHE ICH MIR UM UNSERE ZUKUNFT KEINE SORGEN.

IMPRESSUM

Chefredakteur Alexander Macheck Stv. Chefredakteur Arek Piatek Art Director Kasimir Reimann Photo Director Eva Kerschbaum Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Redakteure Raffael Fritz, Reiner Kapeller, Alexander Lisetz, Holger Potye, Andreas Rottenschlager, Simon Schreyer, Wolfgang Wieser, Florian Wörgötter

Länderredaktion Arek Piatek Country Channel Management Melissa Stutz Anzeigenverkauf Marcel Bannwart, marcel.bannwart@ch.redbull.com

Grafik Marco Arcangeli, Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz, Michael Nolan, Ute Schindler Illustrationen Elke Bauer, Johannes Lang Fotoredaktion Marion Batty, Ellen Haas Global Project Management Melissa Stutz Global Head of Media Sales Gerhard Riedler Head of Media Sales International Peter Strutz Head of Publishing Development and Product Management Stefan Ebner Head of Commercial Publishing Birgit Gasser Country Management und Marketing Sara Varming (Ltg.), Magdalena Bonecker, Julia Gerber, Kristina Hummel Head of Creative Markus Kietreiber Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais

Ja, in Zukunft müssen wir uns noch verantwortungsbewusster damit beschäf beschäf­ tigen, welche technischen Verbindungen, Vernetzungen und Datenaustäusche wir in unserem Umfeld zulassen. Ent­ wicklungen wie eCall (das ab heuer ver­ pflichtende Notrufsystem in Neuwagen) erfordern mündige Bürger und wachsame Verbraucherschützer. Aber: Auch unsere Vorväter mussten lernen, mit Maschinen umzugehen, sie auf ihre Bedürfnisse ein­ zustellen und sie in ihr Leben zu inte­ grieren. Sie haben diese Änderungen bewältigt und uns eine tolle Basis für unsere Zukunft geschaffen. Im Übrigen: Wenn ich meinem vier vier­ zehnjährigen Sohn über die Schulter schaue, wie er das „Age of Fusion“ schon jetzt an seinem Smartphone managt und meistert, dann mache ich mir um unsere Zukunft keine Sorgen.

THE RED BULLETIN INNOVATOR Schweiz, ISSN 2308-5886

Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailovic, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher

THE RED BULLETIN INNOVATOR Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Christian Eberle-Abasolo Country Project Management Kristina Hummel Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Bernhard Schmied, anzeigen@at.redbulletin.com Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: www.redbulletin.at/impressum Redaktionsadresse Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com

Office Management Yvonne Tremmel IT Systems Engineer Michael Thaler Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldaş Yarar (Abo) General Manager und Publisher Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag und Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Country Project Management Natascha Djodat Anzeigenverkauf Martin Olesch, martin.olesch@de.redbulletin.com

Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

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TECH-HIGHLIGHT

„Flying Fox“ und sein natürliches Vorbild: Die Robo-Flügel sind ein 1:1-Replikat echter Flughundflügel.

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INNOVATOR

AREK PIATEK

Flederhaut aus dünnstem Elastan, eine Flügelspannweite von fast monströsen 2,28 Metern: Der Robo-Flughund „Flying Fox“ ist das jüngste Produkt der deutschen Company Festo, die High-End-Roboter entwickelt – und sich dabei am Vorbild der Natur orientiert. Festos 3D-gedrucktes 0,6-Kilo-Fledertier kann nicht nur autonom vorgegebene Flugbahnen abfliegen – es kann sogar in der Luft lernen. Wie? Eine Bodenkamera (mit Rechner) verfolgt den Robo stets, der Rechner analysiert seine Flugbahn und schickt, ähnlich wie ein Fluglotse, Kurskorrekturen an ihn zurück. So fliegt dieser seine Bahnen immer präziser und ökonomischer ab. Übrigens geschieht all dies ohne menschliches Zutun.

CRAIG DINGLE

DIESER FLUG-ROBOTER HAT ÜBER 2 METER SPANNWEITE

3D-Druck-Vampir


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The Red Bulletin Innovator #2 2018 – CH  
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