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REAL DRIVING LIFESTYLE MOTORMAGAZIN 2012 ISBN 978-3-942853-13-2

PREMIUM LEADER

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Der Ingolstädter Nobelkompaktklässler hat zwar bestimmt nichts mit dem Führer des ehemals zweitgrößten Feindes der USA zu tun, dennoch ist der A3 bestimmt der premium, wenn schon nicht der massimo leader, für Audi. Schließlich hängt bei mehr als 2,7 Millionen verkauften Einheiten der ganze Konzern von einem Modell ab. Einheiten klingt zwar so wie die Maßeinheit bei einer Spritze, aber ein Unternehmen kann ja praktisch auch am Tropf einer einzigen Fahrzeugvariante hängen.


Das klingt jetzt schlimmer als es ist, aber Kuba hatte ja auch schon mal stürmischere Zeiten zu überstehen. Das wichtigeste Modell ist bei BMW der 3er, bei Volkswagen der Golf und bei Audi eben der A3. Umso wichtiger ist es, nichts falsch zu machen. Ein Fehler addiert sich sonst zu Millionen Fehlern und schöner formuliert kann man millionenfach Punkte sammeln, wenn man es richtig macht.


Der neue A3 steht also für jede Menge Gelegenheiten Image und Konto von Audi zu stärken, aber auch für viele Möglichkeiten das nicht zu tun. Bei Sportlern ist so etwas die gespannte Aufmerksamkeit des Tabellenführers oder die Verantwortung des Spitzenreiters sich selbst und den Fans gegenüber. Kann man denn ein Fan eines „Brot und Butter-“ Autos sein? Im Falle Audi A3: ja.


Wohl und Wehe liegen aber eben nah beieinander. Wer sich den A3 ansieht oder darin Platz nimmt, stellt sich eine enorm wichtige Frage: Wer braucht mehr Auto? Bei der Top-Down-Strategie muss man keinen A8 mehr fahren, um die modernsten Assistenz-Systeme nutzen zu kĂśnnen. Denn inzwischen gibt es das Beste nicht nur bei den GrĂśĂ&#x;ten.


Toter-Winkel-Assistent? Ja. Tempomat mit automatischer Abstandsregelung? Klar. Modernstes Navigationssystem, das mit Schwarmintelligenz die Handydaten in die Berechnungen einbezieht? Logo. Ultra-Leichtbau-Technologie? Kein Ding. High-End-Stereo-Anlage? Kein Gedanke.


Luxus? Bis in den letzten Winkel. Leder? Eh. Warum soll der moderne Mensch dann noch einen A8 für ein Vielfaches des Anschaffungspreises erwerben? Weil er es gerne etwas größer hat?


Weil er es seinem Nachbarn zeigen will oder muss? Weil die Muddi etwas mehr Platz braucht? Dann geht auch der A3 Sportback mit größerem Kofferraum. Aber dazu später mehr.


Das sind zweifellos Luxusprobleme, die Opel oder Volkswagen nicht habenen. Oder vielleicht andersherum. Oder vielleicht nicht. Opel muss sich das leider nicht mehr fragen, weil die R端sselsheimer keine Oberklasselimousine mehr bauen.


Leider. Da sie keinen Admiral, Diplomat oder Senator mehr bauen, mĂźssen die Opelaner eben den Adam schon sehr schĂśn machen.


Volkswagen muss sich seinerseits beim Golf sehr anstrengen, weil es auf dem Gebrauchtwagenmarkt sehr gut erhaltene, sehr junge Pheatons gibt, die im Leasing so viel kosten, wie ein gut ausgestatter neuer Golf. Doch ich rufe gerne noch einmal und nun etwas lauter „Luxusprobleme!“ in den Raum, denn der A3 ist ein sehr gutes Auto. Punkt.


Da heutzutage sehr viele Autos gut sind, kommt es genau darauf an. Das beginnt und endet beim Design. Es betimmt mehr als zwei Drittel der Kaufentscheidung eines so wichtigen Produktes. Das Image hängt also am Stift des Designers. Ob Gattin, Sprößling, Oma oder Nachbar, hässliche Kisten kauft man sich nur, wenn es nicht anders geht. Niemand kann einem ernsthaft erzählen, dass Er oder Sie sehenden Auges gerne einen Dacia Sandero kauft (wobei der Duster ganz gut aussieht). Da zählt jeder Cent und die Ratio tritt der Ästhetik in den Magen.

Welch immenser Druck lastet deshalb auf den Designern von erfolgreichen, weil wohl geratenen Autos? Da zählt das breite Kreuz des Connoisseurs.


Audi Chef-Designer Wolfgang Egger macht potenzielle Nörgler mit einem einzigen Satz platt: „Die Schönheit der Skulptur ruht in sich selbst.“ Hoppala. Jetzt schlägt´s 13. Was will man darauf sagen?


Was man Dir will, das keiner tu...? Großartige Sätze muss man nicht kommentieren. Das sitzt einfach. So wie der A3 auf der Straße.


So wie die Tornadolinie messerscharf an der Flanke. So wie das Heck den A3 breiter macht als er in Wirklichkeit ist. Das kann auch Muddi nicht bestreiten und der kleine Sohn der Familie darf bewundernd mit den Nutella-Fingern die Spaltmaße des Luxuskompakten nachziehen. Schön, dass es so einfach ist. Wer fragt beim nächsten Hersteller, ob es das Modell nicht auch hübsch gegeben hätte, weil ein hässlicher Strich auch nicht mehr kostet als ein schöner??? Zurück zum A3. Der hat es also nicht leicht. So wie die Söhne von amerikanischen Schauspielern. Wir wollen deutsche Mimen und ihre Nachkommen lieber aussen vor lassen, obwohl es ja mal einen Autohersteller namens Glas gab. Der A3 ist praktisch der Jeff Bridges der Auto-Industrie.


Der Golf it der Vater Lloyd und der Seat Leon der Bruder Beau. Diese fabelhaften Wolfsburg-Boys sind sich unter dem Blech sehr 채hnlich und sehr erfolgreich.


Beim A3 liegt das schon mal an der markanten Front. Die Scheinwerfer prägen sich ein und machen Eindruck. Um den A3 nicht nur auf Augenhöhe, sondern auch einmal von oben sehen zu können, haben wir eine Octocopter eingesetzt (mehr im Video).


Die Seitenlinie führt das Auge vom Scheinwerfer bis zur Heckleuchte und hinten gilt der alte Satz: „Ein schöner Rücken kann auch entzücken.“ oder „Wer die Wahl hat, hat die Qual.“ Denn den A3 gibt es ja nicht nur als Limousine, sondern auch als Sportback.


Der A3 wurde 1996 als Dreitürer geboren. 1999 erblickte dann der etwas größere Bruder als Sportback das Licht der automobilen Welt. Der aktuelle A3 Sportback ist vor allem innen länger geworden.


Sechs Zentimeter mehr Radstand freuen besonders die Mitfahrer auf der Rücksitzbank. Im Vergleich zum Dreitürer fasst der Sportback-Kofferraum 15 Liter mehr (380) bzw. 120 Liter mehr (1.220 Liter).

Mehr als die Hälfte der A3-Käufer wissen das zu schätzen und bestellen den kompakten Lifestyle-Fünftürer. Durch konsequenten Leichtbau bringt der Ingolstädter bis zu 90 Kilo weniger auf die Waage (1.205kg). Zurück zur Schwarm-Intelligenz. Das meint natürlich nicht die intellektuellen Möglichkeiten der neuen Herzensdame des Fahrers, sondern die Nutzung der Handysignale von vielen Menschen. Dort, wo sich viele GPS-Daten nicht bewegen, stehen viele Menschen im Stau. Bewegen sich die Signale wieder, löst sich der Stau auf. Das können schlaue Programmierer viel schneller analysieren als die Verkehrsmeldungen der Polizei oder einzelner Stauwarner.


Schwupps kann das Navi die beste Umleitung berechnen oder entscheiden, dass es doch schneller weiter geht, wenn man noch etwas im Stau verharrt, weil er sowieso gleich Vergangenheit ist.


Zusätzlich findet das Navigationssystem auch die Ankunftsoder Abflugzeit am Zielflughafen, findet den Weg und kann einen dadurch beruhigen, falls der Flieger Verspätung hat. Der schlaue Streckenplaner sucht automatisch die günstigsten Tankstellen entlang der Strecke und weiß von selbst, welchen Kraftstoff der Audi braucht und zeigt deshalb diesen Preis zuerst an. All das lässt sich über das Touchpad mühelos per Finger einstellen.

So wie auf einem iPad oder Smartphone ist die Oberfläche berührungsempfindlich und reagiert auf die Eingabe von Buchstaben oder die Menüauswahl per Fingertipp. Dabei kann sich der Fahrer auf die Straße konzentrieren, da der FInger schon weiß, was er schreibt und die Handschrifterkennung sehr gut funktioniert. Premium hat seinen Preis: der A3 als 1,4 TFSI mit 122PS kostet ab ab 22.500.-€, der Sportback ab 23.400.-€.


REAL DRIVING AUDI A3 Sonderausgabe  

44 Seiten, 86 Fotos

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