Hermann Mahl
KULTUR & KUNST
Pionier der Farbfotografie Anlässlich seines 70jährigen Bestehens würdigt der Verein für Kultur und Heimatpflege Bruneck mit einer liebevollen und zum Teil sehr kreativ anmutenden Ausstellung im Brunecker Stadtmuseum einen engagierten Sohn der Rienzstadt, der durch seinen Pioniergeist Anfang des 20. Jahrhunderts ein einmaliges Stück Zeitgeschichte hinterlassen hat. Unter dem Titel „Hermann Mahl – Pionier der Farbfotografie im Pustertal“ dreht sich die Ausstellung 73 Jahre nach seinem Tod um Mahls große Leidenschaft, die Fotografie.
I
n Hinsicht auf ein Leben in einer Kleinstadt scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Die einen finden’s gemütlich, die anderen zu provinziell, wobei ein gewisser Heimatstolz uns Südtirolern bisweilen ein „Am Nabel der Welt-Gefühl“ entlockt. Und in der Tat zeigt die Historie beim näheren Hinsehen, dass wir auch hier in ländlicheren Gefilden gelegentlich durchaus am Drücker sind... und waren. Eine verblüffende Erkenntnis, auf welche auch die Projektträger der Mahl-Ausstellung im Zuge ihrer Recherchen gestoßen sind. Im Bereich der Farbfotografie war Bruneck nämlich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts durchaus konkurrenzfähig, wie man das heutzutage nennen würde – dank Hermann Mahl. Aber von Anfang an: Die ersten Farbfotografien – nach dem Autochrome-Verfahren – wurden am 10. Juni 1907 von den Erfindern dieses Verfahrens, den Brüdern Lumière aus Lyon, in Paris der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Eine wahre Revolution, war dies doch der erste echte Durchbruch nach der Schwarz-Weiß-Fotografie.
Blick auf die Hintergasse und die Ursulinen 56
PZ 24 | 07. D e z e m b e r 2017
Zu Mahls Lieblingsmotiven zählten Aufnahmen von Bergen um das Brunecker Becken und im Gadertal sowie verschiedenste Ansichten der Stadt Bruneck und ihrer Umgebung.
Hermann Mahl
Nur knapp vier Monate später, im Oktober 1907, fand bereits die erste Ausstellung von Farbfotografien nach eben dem besagten „hochmodernen“ Verfahren des Brunecker Hobbyfotografen Hermann Mahl in seiner Mahl’schen Buchhandlung in der Brunecker Stadtgasse statt. Festgehalten ist das Ereignis im Pustertaler Boten vom 25.10.1907
unter dem Titel „Die Photographie in natürlichen Farben“. Wie Mahl in dieser relativ kurzen Zeitspanne zu diesen Autochrome-Farbplatten gekommen war, kann nicht mehr eruiert werden. Fest steht aber, dass der findige Fotograf - ein klassischer Vertreter des Brunecker Bildungsbürgertums - sehr weltoffen, kunstinteressiert und in früheren Jahren viel gereist war und offensichtlich gute Kontakte zur europäischen Kunst- und Fotografie-Szene hatte. Aber wer war nun dieser Hermann Mahl?
Fotograf aus Passion
Im Jahre 1860 als Sohn des Buchdruckers und zeitweiligen Bürgermeisters von Bruneck Johann Georg Mahl geboren übernahm der Hermann nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1901 die Mahl’sche Buchdruckerei und war Herausgeber des „Pustertaler Boten“. Wie sein Vater beteiligte sich auch der MahlSpross eifrig am Vereinsleben der Stadt. Er gehörte dem Museumsverein, der freiwilligen Feuerwehr und dem Vorstand des Brunecker Radfahrer-Clubs an. Zudem engagierte er sich für die Bewerbung der Stadt Bruneck als Fremdenverkehrsdestination, die sich besonders seit der Eröffnung der Pustertalbahn im Jahr 1871 zunehmend als Luft-, Wasser- und Wanderkurort etablierte. Als Autodidakt und Freizeitfotograf widmete sich Hermann Mahl leidenschaftlich der Erzeugung von „Lichtbildern“, die er im Kreis der Brunecker Bürgerschaft vorführte. Mahl arbeitete vor allem mit Fotoplatten aus Glas im Format 13x18 cm und 9x12 cm. Noch vor der Jahrhundertwende schaffte er sich einen zweiten, wahrscheinlich mobileren Fotoapparat an und nutzte für die Erstellung der