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Ausgabe 5 3. Jahrgang · Session 2009/2010

Stets zu Diensten –

Journal 2010

150 Jahre Ehrenhüte im AKV

Der AKV-Senat – Ein Brückenschlag zwischen den Generationen 100 Jahre berittene Leibgarde Sr. Tollität – Interview mit Kommandant Markus Bongers

60 Jahre Ordensverleihung

„WIDER DEN TIERISCHEN ERNST“ Jubiläumsritter Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen


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Unser Elferrat. Wir gratulieren dem Aachener Karnevalsverein zur 60. Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“.


Editorial

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde, Förderer und Gönner des Aachener Karnevalsvereins, ein aus unserer Sicht gelungenes und von der Öffentlichkeit stark beachtetes Jubiläumsjahr des Aachener Karnevalsvereins neigt sich dem Ende zu. „222 Herren der besseren Stände“ hatten sich vor 150 Jahren, an jenem 9. Dezember 1859, zum Neuen A­achener Carnevalsverein zusammengeschlossen. Sie zeichneten sich nicht nur durch Frohsinn, Lebensfreude und Fantasie aus, sondern ebenso durch künstlerische Ambitionen, Esprit, Redegewandtheit und Mut zur Wahrheit in der Bütt. Unsere Aktivitäten zum Jubiläumsjahr begannen wir mit einer viel besuchten Fotoausstellung in der Kundenhalle der Sparkasse Aachen am Friedrich-Wilhelm-Platz. Eindrucksvoll widerspiegelten die Fotografien, Dokumente und Exponate eben jenes dominante Motto unseres Vereins: „Mit närrischem Frohsinn wider den tierischen Ernst“. Im Hinblick auf das hohe Alter des AKV stellte ich in der Eröffnungsrede symbolisch den Vergleich mit dem „harten Panzer einer Riesenschildkröte“ an. Im Auftrag des AKVs wurde zeitgleich zur Ausstellung mit gleichlautendem Titel eine Chronik zur 150-jährigen Vereinsgeschichte herausgegeben. Eingebunden in die Geschichte unserer Stadt gehört dieses Buch: „Mit närrischem Frohsinn wider den tierischen Ernst“ mindestens in jeden Aachener Bücherschrank. In dem Grandseigneur des deutschen Films, Mario Adorf, konnten wir als 59. Ritter des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST nicht nur eine Persönlichkeit von höchstem gesellschaftlichem Rang auszeichnen, sondern ebenso einen Künstler mit feinsinnigem Humor und schlagfertigem Witz, „der ganz viel menschelt“. Veni, vidi, vici – er kam, sah und siegte bei der Ordensverleihung am 7. Februar 2009 vor 1300 Gästen im Aachener Eurogress. Mario Adorf brillierte als großer Mime, stimmgewaltiger Sänger, sowie gewitzter Büttenredner mit roter Papp’nas än Höttche. Jubelnd

feierte ihn das Publikum. Eine Öcher Frohnatur bestieg im Januar 2009 mit Thomas I. Ebert als Tollität den Narrenthron, der als „Prinz Strahlemann“ in die Geschichte der Aachener Narren­herrscher eingehen wird. Anlässlich des 150-jährigen AKV-Jubiläums veranstalteten der Aachener Karnevalsverein und das TOP-Magazin Aachen im Januar 2009 im PullmanHotel „Quellenhof“ einen Gala-Abend zugunsten unserer stadthistorischen Sammlung Crous. 500 Gäste nahmen an der Top-Lounge teil. Zu einem Highlight des Abendprogramms gestaltete sich der Besuch des Kölner Dreigestirns in Begleitung der Kölner Prinzengarde und der Ehrengarde der Stadt Köln. Als Reinerlös der Gala konnten wir später einen Scheck über 9000 Euro an die Sammlung Crous übergeben. Am 9. Mai 2009 kamen zu Füßen des Eäzekomp auf dem Markt Oldtimer­Fans auf ihre Kosten. Bei einem spektakulären Start gingen hier 88 „Schätzchen“ mit blitzendem Chrom und poliertem Lack zur 1. AKV Oldtimer Rallye „The Race 2009“ on Tour. Am 29. Mai 2010 folgt die 2. AKV Oldtimer Rallye. Für den 9. Mai hatten wir auch annähernd 300 Gäste zu einer festlichen Jubiläumsgala in den geschichtsträchtigen Krönungssaal de­s Rathauses geladen. Historisches Flair verliehen die Aachener Stadtreiter hoch zu Ross an den Stufen der Rathaustreppe und das Spalier der Rathausgarde Öcher Duemjroe­fe mit ihren Hellebarden. Zu einem Höhepunkt der Gala wurde bei Standing Ovations der Festgesellschaft die erstmalige Verleihung eines goldenen Ehrenringes des AKVs an Dr. Jürgen Linden, heute Aachener Oberbürgermeister a.D. Zu den Ehrengästen der Gala gehörte auch der Ministerpräsident des Landes NordrheinWestfalen, Dr. Jürgen Rüttgers. Noch ahnte keiner der Anwesenden, dass er bei unserer Festsitzung am 30. Januar 2010 den 60. Orden WIDER DEN TIERISCHEN ERNST erhalten wird. Allein schon eins seine­r Bonmots an diesem Abend prädestinierte ihn dafür: „Der

AKV hat viele Spuren hinterlassen. Sogar in meinem Kleiderschrank. Dort liegt meine AKV-Mütze. Die habe ich erhalten, nachdem ich hier einmal mit einer Kölner Karnevalsmütze an einer Festsitzung teilgenommen hatte.“ Der Aachener Prinz Karne­val Dirk IV. Trampen besteigt am 8. Januar 2010 den Narrenthron und regiert unter dem Motto: „Hundert Jahre Prinz und Garde wie heut‘ und anno dazumal. In guten und in schlechten Zeiten feiert Aachen Karneval“. Ich wünsche ihm und uns allen eine fröhliche Session und eine Bitte an Petrus: Viel Sonnenschein am Rosenmontag. Herzlichst Ihr

Horst Wollgarten Präsident des AKV

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Grußwort von Oberbürgermeister Marcel Philipp

Grußwort Er ist Kommandeur der Ehrenlegion und Träger des Verdienstordens „Pro Merito Melitensi“ des souveränen Malteser Ritterordens. Er kennt sich also mit (Ritter-) Orden bereits bes­ tens aus. Der Orden, den er aber nun vom AKV erhält, ist insofern von ganz besonderer Qualität, als er beweist, dass Dr. Jürgen Rüttgers neben vielen anderen guten Eigenschaften auch über unerschütterlichen Humor und große Schlagfertigkeit verfügt. Letzteres hat schon so mancher politische Kontrahent zähneknirschend zur Kenntnis nehmen müssen.

Egal auf welchem Terrain er sich bewegt, unser Ministerpräsident macht stets eine gute Figur: Zum Beispiel als Grünkohl-König oder aber bei Sitzungen des AKVs, bei denen er gänzlich ungeniert mit Kölner Narrenkappe erscheint. Wer so viel Humor hat, der wird ganz gewiss auch im Narrenkäfig die richtigen Worte finden und mit einem Feuerwerk an Pointen die Lachmuskeln der Anwesenden auf das Höchste strapazieren. Freuen wir uns auf eine grandiose Ordensverleihung und auf einen Ritter der rhetorischen Extraklasse in Spitzenform. Vööl Pläsier än drejmoel kräftig Oche Alaaf!

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Inhalt | Impressum

Inhalt

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Impressum Seite

Editorial Horst Wollgarten, AKV-Präsident

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Grußwort von Oberbürgermeister Marcel Philipp

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Impressum

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Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Jürgen Rüttgers wird der 60. Ordensritter 6 Seit 60 Jahren verleiht der AKV einen Nobelpreis für Humor: Der Orden Wider den tierischen Ernst wird 60

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150 Jahre Ehrenhüte

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Der AKV-Senat – ein Brückenschlag zwischen den Generationen

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14. Carnevale goes Reeperbahn

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100 Jahre Berittene Leibgarde Sr. Tollität Interview mit Kommandant Markus Bongers

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Der unvergessene Jacques Königstein – vor 50 Jahren zum Ehrenpräsidenten erhoben

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Ritter kurz gefragt: Mario Adorf im Gespräch

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Die Kaffeevisite

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18. Zentis-Kinderkarnevalspreis geht an das St. Ursula Gymnasium

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2. AKV-Oldtimer-Rallye „The Race“

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Veranstaltungskalender und Termine

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Achim Floegel – der Theatermacher am Veilchendienstag

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Der Orden wider den tierischen Ernst und seine Ritter

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Die AKV-Sessionsorden 2010

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Unser Dank gilt den Sponsoren

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Herausgeber AKV gegr. 1859 e.V. Kurhausstraße 2c 52062 Aachen Telefon 0241/47 03 11 -0 Fax 0241/47 03 11 -19 info@akv.de www.akv.de Präsident Horst Wollgarten Redaktion und Koordination Patrik Hoesch Anzeigen Alexander Krott Rolf Lejeune Text Jutta Katsaitis-Schmitz Patrik Hoesch Fotos Helmut Koch Patrik Hoesch Andreas Steindl Jutta Katsaitis-Schmitz AKV-Archiv Grafik mäx it Werbeagentur GmbH Monika Korbanek Druck Silberdruck, Kassel Auflage 8.000 Stück

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Dr. Jürgen Rüttgers: 60. Ritter des Ordens Wider Den Tierischen Ernst

Dr. Jürgen Rüttgers – 60. Ritter des Ordens „Karneval ist kritisch­es Bürger­ tum und bedeutet Aufklärung im besten Sinne. Im Kar­neval wird Klartext ge­sprochen, das heißt, ich erfahre, was die Men­ schen wirklich von mir denken.“


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wider den tierischen ernst Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen wird AKV-Ritter wider den tierischen Ernst 2010! Wenn Dr. Jürgen Rüttgers lacht, ist es ein ehrliches Lachen und kein aufgesetztes für die Kameras. Doch nicht nur sein Mund lächelt dann, sondern auch die Augen lachen bei humorvollem Funkeln mit. Der Landesvater von Nordrhein-Westfalen besitzt ein Charisma, das Harmonie und Geborgenheit ausstrahlt, und dessen präg­ nante Wortwahl keine hohlen Phrasen kennt. „Erst denke ich, dann rede ich“, sagt er über sich selbst und wird im Narrenkäfig mit einer Ritterrede par excellence aufhorchen lassen. Allein diese Tugenden würden ihn bei seinen Landeskindern beliebt sein lassen. Doch es ist weitaus mehr, was ihm die Zuneigung der Menschen einbringt. Regelmäßig bereist er die Regionen von Nordrhein-Westfalen, um nahe bei den Menschen zu sein und sich vor Ort ein Bild zu machen, wo der Schuh drückt. Als einen „Anwalt des kleinen Mannes“, bezeichnet AKV-Präsident Horst Wollgarten den designierten Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst. Für den Politiker Rüttgers ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts die Bildung. Er tritt für ein Zusammendenken von ökonomischer Vernunft und sozialer Verantwortung ein und fordert deshalb eine marktwirtschaftliche Ordnungspolitik durch eine soziale zu ergänzen. Mit 24 Jahren war der junge Jurist Jürgen Rüttgers 1975 in Pulheim Kommunalpolitiker geworden und lernte dort kennen, was eine wertegebundene Politik ist: Verantwortung zu übernehmen und sich einzusetzen für andere – in der Familie, in der Gemeinde, in der Kommune und in der Politik. Heute wird er als gütiger, verständnisvoller und ausgleichender Landesvater geachtet, der sein Land so liebt, wie ein Vater seine Familie.

„ Erst denke ich, dann rede ich.“

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Dr. Jürgen Rüttgers: 60. Ritter des Ordens Wider Den Tierischen Ernst

Dr. Jürgen Rüttgers – 60. Ritter des Ordens „In Deutschland geht mehr Arbeitszeit durch Festreden verlo­ren, als durch Streiks.“

Doch es ist nicht nur sein freundliches Lächeln, das ihn zu einem Ritter wider den tierischen Ernst prädestiniert. Es sind vielmehr seine Schlagfertigkeit, sein Esprit, seine verblüffende Logik, vor allem aber sein urwüchsiger Humor auch Kuriosa der Politik in Bonmots satirisch zu beschreiben. „In Deutschland geht mehr Arbeitszeit durch Festreden verlo­ren, als durch Streiks“, zum Beispiel. Diplomatisch heiter beantwortete Dr. Rüttgers auch 2006 bei seiner Promotion zum Doctor humoris causa der Dülkener Narrenakademie die Frage, welche besonderen Fähigkeiten ein aus dem Rheinland stammender Minis­ terpräsident mitbringen muss, um aus der 1946 geschlossenen Zwangs­ ehe der beiden preußischen Provinzen – Rheinland und Westfalen – ein Liebesverhältnis werden zu lassen. Zumal böse Zungen ja behaupten: „Die Westfalen halten, was die Rheinländer versprechen“. Seine Antwort lautete: „Aus der nicht ganz freiwilligen Maßnahme, die die Briten mit „Operation marriage“ überschrieben haben, ist längst eine Liebesbeziehung geworden. Rheinländer und Westfalen haben bewiesen, dass Liebe die Fortsetzung der Ehe mit anderen Mitteln ist. Ich stehe Westfalen wie Rheinländern mit ‚Rat und Rat‘ zur Seite. Ein solcher Rat lautet: Die Liebe geht durch den Magen. Deshalb also sollten sie ab und wann einmal gemeinsam chic essen gehen. Das ist weitgehend risikolos. Wenn der Rheinländer zu Hömmel än Eäd nach Grevenbroich einlädt, weiß der Westfale zwar nicht, was er be-

kommt. Muss er aber auch nicht, denn bei den Westfalen wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Ich könnte mir nun vorstellen, zum Gelingen solcher Abende beizutragen, indem ich den Abwasch mache.“ Damit gab Dr. Rüttgers einen leisen Wink auf seine Rolle im Fernsehen, die er für eine Sendung einmal drei Tage lang freiwillig bei einer fremden Familie übernommen hatte – auch in der Küche, wie auch zu Haus manchmal. Wer ist Dr. Jürgen Rüttgers im Privatleben, und wer hat ihm all’ diese sympa­ thischen Charaktereigenschaften mit in die Wiege gelegt? 1951 wurde er in Köln als Sohn eines Elektromeisters geboren und erbte vom Vater handwerkliche Talente, sodass er noch heute Entspannung beim Besuch eines Baumarktes findet. Als kleiner Junge las er gern noch heimlich unter der Bettdecke Karl May. Seine Mutter erzog ihn zur Bescheidenheit. So bekam er zur Einschulung nur eine kleine Schultüte, damit die Schulanfänger aus dem örtlichen Kinderheim nicht neidisch werden sollten. Damit war seine Schultüte dann aber auch die kleinste! Nach dem Abitur studierte er Geschichte und Rechtswissenschaften und promovierte 1979 als Dr. jur. Ein Jahr später begann seine politische Laufbahn in der CDU als Landesvorsitzender der Jungen Union. Seit 2000 ist Dr. Jürgen Rüttgers stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU und im Jahr 2005 wurde er Ministerpräsident von Nord­ rhein-Westfalen. Seit 28 Jahren ist er mit Gattin Angelika verheiratet, mit der er drei Söhne hat: Marcus, Lucas und Thomas. Sein Arbeitstag umfasst 14 Stunden, doch als Familienmensch mit Leib und Seele lässt er sich das tägliche, gemeinsame Frühstück nicht nehmen. „Meine Frau Angelika ist eine echte Familienmanagerin und unsere ganze Familie ein gutes Team“, erklärt der Landesvater voller Stolz. Auch Gattin Angelika wurde in Köln geboren und ist eine rheinische Frohnatur. Die frühere Kindergartenleiterin ist heute Schirmherrin der Aktion „Lichtblicke“, die bedürftigen Kindern und Familien in Nordrhein-Westfalen hilft.


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wider den tierischen ernst Eine Frage noch, Herr Ministerpräsident … Interview des AKVs mit Dr. Rüttgers, Ministerpräsident von NordrheinWestfalen. Sie wurden in Köln geboren, Herr Ministerpräsident und sind, wie wahr­ scheinlich nicht all Ihren Landeskindern bekannt, dem Karneval zugetan. Wie war Ihr Einstieg in die Zeit närrischen Treibens und welche Aktivitäten entwi­ ckelten Sie später im Karneval? 1978 habe ich den Verein der „Brauweiler Karnevalsfreunde“ mitgegründet. Als Schüler habe ich an Schulsitzungen in Brauweiler teilgenommen. Als Rheinländer kommt man gar nicht umhin, den Karneval zu mögen. Denn der Karneval gibt einem die Gelegenheit, das Leben zu feiern. Außerdem ist er eine Liebesbekundung an die Heimat. Wussten Sie, dass eine Million Menschen sich in mehr als 1800 Karnevalsgesellschaften allein in Nord­ rhein-Westfalen engagieren? Und sie tun das ehrenamtlich. Das beeindruckt mich sehr. Deswegen war ich richtig froh, dass wir 2009 im Landtag beschlossen haben, Karnevalisten für herausragende ehrenamtliche Leis­ tun­gen zu würdigen. Wenn Sie jetzt vom Aachener Karnevalsverein zum Ritter „Wider den tierischen Ernst“ geschlagen werden, ist es bestimmt nicht die ers­ te Würdigung Ihrer karnevalistischen Aufgeschlossenheit? Ich bin Mitglied in mehreren Vereinen und war schon auf unzähligen Sitzungen. Karneval ohne Orden und Auszeichnungen, das gibt es nicht. Aber der „Orden wider den tierischen Ernst“ ist natürlich etwas ganz Großes.

Ihre Gattin Angelika ist eine rhei­ nische Frohnatur. Hat Sie das Schicksal vielleicht gerade in einer fünften Jah­ reszeit zusammengeführt, und verfü­ gen auch Ihre drei Söhne Marcus, Lucas und Thomas über karnevalistische Am­ bitionen? Meine Frau hat mich zum ersten Mal bei einer politischen Rede gesehen. Kennengelernt haben wir uns bei Freunden. Was meine Kinder betrifft: Sie feiern mit und sind auch schon im Schulkarneval aufgetreten. Womit waren Sie gerade be­ schäftigt, als Sie die Nachricht ereilte, dass Sie in Aachen zum Ritter gekürt werden, und wie war Ihre erste Reak­ tion? Meine ersten Gedanken waren: Das glaubt mir kein Mensch. Aber ich war mir sicher: Die Aachener wissen, was sie tun. Da jetzt alle die Nachricht verdaut haben, kann ich mich in Ruhe geehrt fühlen, freue mich auf die Verleihung, auch wenn ich sagen muss, dass ich großen Respekt davor habe. Gab es bereits seit längerem Kontakte zum Aachener Karnevalsver­ ein, und wodurch entstanden sie? Die Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ gehört immer zu den Höhepunkten der fünften Jahreszeit. Ich war tatsächlich immer einer der vielen Millionen Stammzuschauer, und so ist die Festsitzung für mich zu einem geistreichen Stück Tradition geworden. Richtig angefreundet habe ich mich mit den Aachenern allerdings durch ein Versehen meinerseits. Ich habe mal auf einer Aachener Sitzung eine Kölner Mütze getrage­n. Die Aachener waren so großmütig, mir erstens zu verzeihen und mir zweitens eine echte AKV-Kappe zu schenken.

Die Aachener Karnevalisten be­ zeichnen den Orden „Wider den tie­ rischen Ernst“ gern als „den No­ bel­preis des Humors“ und Jacques Kö­nigstein ist es zu verdanken, dass mit diesem Orden der stilvolle Humor und nicht ein brüllender Lacheffekt seine Anerkennung findet. Wie bewerten Sie unter diesem Aspekt die Festsitzungen des AKVs und ihre Rolle im kulturellen Leben des Landes Nordrhein-Westfa­ len? Ich denke, der „Orden wider den tierischen Ernst“ verleiht unserem Land ein originelles Image. Der AKV ist eine kulturelle Marke. Die Idee, Politik durch Humor zu vermenschlichen, finde ich großartig. Vor allem, weil ich weiß, wie schwer das ist. Konrad Adenauer hat einmal gesagt: „Man muss sich unbeliebt machen, will man ernst genommen werden.“ Der AKV stemmt sich mit Witz, Stil und Ausdauer dagegen. Ich hoffe, ich werde mich der Auszeichnung würdig erweisen.

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Dr. Jürgen Rüttgers: 60. Ritter des Ordens Wider Den Tierischen Ernst

Dr. jur. Jürgen Rüttgers – 60. Ritter des Ordens wider den tierischen ernst Sie selbst gelten als ein Meister des doppelten Humors und des tref­ fenden Spotts. Welche Bedeutung mes­ sen Sie Humor und Lachen im Leben der Menschen bei, und worin sehen Sie die Rolle des Narren und den Wert ei­ ner Büttenrede, wenn sie denn über Stil verfügt? Da halte ich es mit Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ Es gibt natürlich verschiedene Knöpfe. Wir haben da die Albernheiten, die sehr befreiend sind. Wir haben aber auch die Hirnschmeichler, auf die Sie anspielen. Bei denen muss man erst überlegen, bevor man sich amüsieren kann. Aber die­se leistungsorientierten Lacher können sehr erhebend sein. Wussten Sie, dass die berühmten Aha-Effekte tatsächlich Glückshormone freisetzen? Wie wir wissen, wirken diese lebensverlängernd. Insofern kann die Rolle eines stilvollen Narren gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wie beurteilen Sie die Tradition, am Vormittag des Tages der Ordens­ verleihung „Wider den Tierischen Ernst“ bei einer Open-Air-Sitzung hautnah den Aachenern zu begegnen? Sie macht mir keine Angst, falls Sie das glauben. Eine solche unmittelbare Begegnung hat immer etwas von einer öffentlichen Reinigung. Karneval ist kritisches Bürgertum und bedeutet Aufklärung im besten Sinne. Im Karneval wird Klartext gesprochen, das heißt, ich erfahre, was die Menschen wirklich von mir denken. Und am Schluss schunkeln sie trotzdem mit mir.

Was schätzen Sie besonders an Mario Adorf, der für Sie bei der Ordens­ verleihung die Laudatio halten wird? Mario Adorf ist ein großartiger Schauspieler. Ich mag seine handfeste und schlitzohrige Art – und wenn er auch viele andere Rollen hervorragend gespielt hat, mag ich am liebsten seine tiefgründigen Figuren. Die Mafio­ si, Bösewichte und Bellheims. Dass er mein Laudator ist, finde ich sehr schmeichelhaft. Haben Sie bereits – trotz der Ko­ alitionsverhandlungen in Berlin – mit der Ausarbeitung Ihrer Ritterrede be­ gonnen, oder werden Sie bis zum letz­ ten Moment daran schleifen? Sie haben selbst gesagt: Dies ist der „Nobelpreis des Humors“ und der flößt mir schon Respekt ein. Spontaner Humor ist gut. Aber ich bin gerne gut vorbereitet. Ursprünglich wollten Sie Jour­ nalist werden. Was reizte Sie an diesem Beruf? Für welches Studium entschlos­ sen Sie sich dann aber, und wann be­ gann Ihr Einstieg in die Politik? Ich wollte Journalist werden, weil ich neugierig auf Menschen bin. Zum anderen wollte ich etwas für sie und für das Gemeinwesen tun. Eigentlich hat sich das nie geändert. Ich habe Geschichte und Jura studiert und hätte damit auch Journalist werden können. Aber irgendwie bin ich Politiker geworden und werde die Seiten auch wahrscheinlich nicht mehr wechseln.

„Und am Schluss schunkeln sie trotzdem mit mir.“

Sie sind ein Landesvater, der die Nähe der Bürger – vom Arbeiter bis zum Großindustriellen, vom Bäcker bis zum Wissenschaftler oder Künstler – sucht. Was prägt Sie zu dieser Haltung, die Ih­ nen bei den Menschen so viele Sympa­ thien einbringt? Das hat sicher wieder etwas mit meiner Neugier zu tun, mit dem Wunsch, Menschen kennenzulernen und zu verstehen, was sie bewegt. Das ist auch für mich eine Bereicherung. Ohne ehrliche Anteilnahme ist gute Politik nicht möglich. Für Ihre Verdienste um den Mal­ teser-Orden wurden Sie mit dem Groß­ kreuz des Verdienstordens „Pro Merito Melitensi“ geehrt. Worin zeigt sich Ihr soziales Engagement sowohl für den Malteser-Orden, als auch für andere karitative Einrichtungen? Malteser sind aus unserer Gemeinschaft nicht wegzudenken. Unsere Gesellschaft ist auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen, sonst ist sie kalt und traurig. Als Ministerpräsident unterstütze ich ehrenamtliche Helfer so gut es geht. Ich sage auch oft und gerne Danke. Das gerät häufig zu kurz. Haben Sie ein Lebensmotto? Träume nicht dein Leben. Lebe deinen Traum. Welchen persönlichen Interesse­n gehen Sie am liebsten in Ihrer knapp bemessenen Freizeit nach? Ich verbringe meine Freizeit am liebs­ ten ohne Telefon, Fax oder Handy. Dafür mit meiner Familie – einem guten Buch und einer Tafel Nussschokolade, oder einem Bier und einer Frikadelle.


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60 Jahre Orden Wider den tierischen Ernst

Seit 60 Jahren verleiht der AKV einen Nobelpreis für Humor Der Orden WIDER DEN TIERISCHEN ERNST wird 60

60 Jahre sind seit der legendären Verleihung eines Ordens für Humor und Menschlichkeit im Amt ins Land gegangen, mit dem jener britische Militärstaatsanwalt Mr. James A. Dugdale als Erster vom AKV geehrt wurde. Dieser närrische Staatsakt erfolgte noch wenig spektakulär in den eigenen vier Wänden des Staatsanwalts in der Colynshofstraße 43. Der Grund für diese Auszeichnung mit einem Karnevalsorden war die Einfühlsamkeit des Engländers in rheinischen Frohsinn. Er hatte 1950 veranlasst, dass ein wegen „Belästigung eines belgischen Sergeanten“ zu zwei Monaten Haft verurteilter Stolberger (29) bereits vorzeitig entlassen wurde. Trotz teilweise bereits gewährter Haftverschonung hätte der Mann zumindest zwei Wochen lang bis zum 20. Februar seine Strafe verbüßen müssen. Mr. Dugdale aber beantragte nach der Urteilsverkündigung ihn bereits zwei Tage früher, vom Karnevalssamstag an, freizulassen. Karneval sei im Rheinland schließlich ein hohes Fest, und der Verurteilte habe als Spätheimkehrer bereits elf Jahre lang auf Karneval verzichten müssen, argumentierte er damal­s. Über den Prozessverlauf hatte der A­achener Journalist und AKV-Archivar Helmut A. Crous am 7. Februar 1950 in der Stolberger Volkszeitung berichtet. Bereits vier Tage später hatte der von dieser Entscheidung beeindruckte AKV-Präsident Jacques Königstein einen Brief an die Privatanschrift des Mr. Dugdale gesandt und um einen Besuchstermin für den 15. Februar gebeten. Feierlich hieß es in diesem Brief: „In Anerkennung des von Ihnen bewiesenen Verständnisses für den Aachener Karneval erlaubt sich der Elferrat des AKVs, Ihnen den diesjährigen Orden zu verleihen. Sr. Tollität Prinz Hans II. hat auf unsere Anregung hin geruht, Ihnen seinen Hausorden überreichen zu lassen.“ Der zweite Orden zur Würdigung von Humor und Menschlichkeit, den 1952 der Regierungsrat der Landesregierung Kiel, Jules von Jouanne, erhielt, wurde diesem sogar nur per Post zugeschickt, war aber bereits mit


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e­iner Silberplatte unterlegt. In dieser Ausfertigung wurde er auch 1953 an Oberstaatsanwalt Hans Sachs verliehen. Dessen Rede auf der AKV-Sitzung wurde erstmals vom Nordwestdeutschen Rundfunk übertragen. Im gleichen Jahr gründeten der Satiriker Werner Finck und der Karikaturist Mirko Szewczuk die Carl-Friedrich-FlögelGesellschaft. Sie erinnerten damit an den Philosophen Flögel, der Ende des 18. Jahrhunderts die „Geschichte des Grotesk-Komischen“ geschrieben hatte. „Kampf dem tierischen Ernst, der heute so oft im Alltag der Behörden zu finden ist“, schrieb sich die neue Gesellschaft auf die Fahne. Aber das gerade war ja das Anliegen Königsteins, Griesgram und Muckertum sowie einer seelenlosen Bürokratie den Kampf anzusagen und durch Ordensverleihungen zu bestärken. Wobei es Königstein nicht um einen „brüllenden Lacheffekt“ ging. Er unterschied vielmehr zwei grundverschiedene Arten des Lachens: die eine Art sei ein Reflex, eine fast unbewusste Reaktion auf etwas Komisches. Die andere aber, das zweite Lachen, sei humorvoll, drücke ein Urteil aus und entspringe einem Denkvorgang. Der Name war also gefunden. Es war der US-Chefrichter Leo M. Goodman, der 1954 zum ersten Mal einen „Orden wider den tierischen Ernst“ erhielt, der nun auch namentlich im Protokollbuch des AKVs auftauchte. Doch erst im folgenden Jahr wurde die passende Gestaltung für den Orden gefunden, so wie wir sie heute kennen. Den Entwurf dazu hatte der Grafiker Manö Paulßen geliefert. Angefertigt wurde er vom Juwelier Heinrich Jaspers. Erster Ordensträger in dieser Form wurde 1955 der Bundestagsabgeordnete Dr. August Dresbach.

„Kampf dem tie­ rischen Ernst, der heute so oft im Alltag der Behör­ den zu finden ist“

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60 Jahre Orden Wider den tierischen Ernst

Seit 60 Jahren verleiht der AKV einen Nobelpreis für Humor Nun erhält am Samstag, 30. Januar 2010, der Ministerpräsident des Landes Nord­rhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers, diesen gestalterisch aussagekräftigen Orden: im Vogelkäfig gefangen ein Paragraphen wälzender Tschako, in Freiheit darauf thronend ein zwitschernder Vogel mit der Narrenkappe. 5 x 11 Jahre ist es auch her, dass im Bericht über die Fremdensitzung vom 6. Februar 1955 erstmals der Vermerk „Ritter des Ordens“ im AKVProtokollbuch zu finden ist. Immer waren es sowohl Bonmots als auch Zivilcourage, durch die sich die Ordensritter, darunter auch fünf Ritterinnen, ausgezeichnet hatten und mit diesem Nobelpreis für Humor ihre Anerkennung fanden.

Seit 1958 werden die Festsitzungen des AKVs mit der Verleihung des offiziell vom Bundesministerium des Inneren als Kulturpreis anerkannten Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST im Fernsehen übertragen. Damit rückte der Aachener Karnevalsverein als Botschafter der Stadt Aachen ins Rampenlicht. Längst beschränkt sich die Ritterwahl nicht mehr nur auf Vertreter der Politik und der Juristerei, sondern kürt Persönlichkeiten aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Die gute Mischung macht’s, dass die Öffentlichkeit alljährlich mit knisternder Spannung und Neugier auf die Bekanntgabe eines neuen Ordensritters wartet.

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150 Jahre Ehrenhüte des AKVs

Einst übermütige Ballordner, heute galante Macher

… Jahr für Jahr sind binnen einer halben Stunde die Karten im Vorverkauf vergriffen…

Das Non plus ultra einer jeden Session ist für junge – durchaus aber auch für junggebliebene Fastelovvendsjecke, der Florresei Palast powered by Stawag am Karnevalssamstag im Alten Kurhaus. Jahr für Jahr sind binnen einer halben Stunde die Karten im Vorverkauf vergriffen. In dieser Session steht nun auch noch der Stern der Glückszahl 13 über der Superparty. Denn es ist die 13. Veranstaltung dieser Art, die dazu noch an einem 13. des Monats Februar 2010 stattfindet. Wie immer sind es die derzeit 13 charmanten Ehrenhüte des AKVs, die dazu einladen und als Pagen närrischen Frohsinns ihren Gäs­ten im barocken Ballsaal zu Diensten stehen …

„Der Florresei Palast ist unser Baby“, erklärt stolz dazu „Noch“-Oberehrenhut Christian Lücker (30), für den als „Alterspräsident“ am Aschermittwoch danach in diesem Amt „alles vorbei“ sein wird, wenn er die Verantwortung an den designierten Oberehrenhut Christian Schwartz (25) weitergegeben hat. Die Ehrenhüte des AKVs blicken 2010 auf eine 150-jährige Tradition zurück und sind in der Ausrichtung von Bällen bestens versiert. Nach der Gründung des Neuen Aachener Carnevalsvereins am 9. Dezember 1859 veranstaltete der Verein zum Abschluss seiner ers­ ten Session am Fastnachtsdienstag des Jahres 1860 einen großen Maskenball. Eintausend Gäste nahmen in den Räumen der „Erholung“ daran teil. Für dieses gesellschaftliche Er-


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eignis wurden junge Männer zu Ballordnern, den sogenannten „chapeaux d’honneur“, ernannt, die fortan das Festkomitee bei der Saal- und Ballordnung unterstützten. Ihr Einsatz garantierte seitdem Festlichkeiten ohne jegliche Misshelligkeiten. Heute setzen die Ehrenhüte mit wesentlich erweitertem Aufgabengebiet dies­e Tradition fort. Nicht verschwiegen werden darf aber, dass die Ehrenhüte auf eine noch längere Geschichte verweisen können. Denn es war die 1829 gegründete Muttergesellschaft des AKVs, die „Florresei“, die zehn Jahre später in ihren geänderten Statuten erstmals festlegte, dass „die Ernen­ nung der Ball- und Zug-Commissari­ en, der chapeaux d’honneur, bei Da­ menversammlungen … ausschließlich zur Competenz des Präses gehört“. 170 Jahre also sind seitdem junge Vereinsmitglieder als Tanz- und Saalordner die Hüter harmonischer Festlichkeiten des Aachener Karnevalsvereins. Wie beeindruckend und begehrenswert es selbst für Nicht-Aachener schon damals war, den Ehrenhüten des AKVs anzugehören, geht aus dem (hier stark gekürzten) Brief eines Studenten der damals renommierten Web­schule in Aachen hervor. Otto Wilhelm Augus­t Hoffmann, späterer Tuchfabrikant und Handelsgerichtsrat in Görlitz, schrieb am 2. Januar 1899 an seine Eltern über die Eindrücke vom ersten AKV-Maskenball, den er als Ehrenhut miterlebte:

„Also, Sonnabend um sieben Uhr in den prächtigen Räumen der ‚Erholung‘ ... Ich mit Krüger pünktlich da, wie vor­ geschrieben im Frack, auf dem mit ge­ wichstem Schnurrbart geziertem Schä­ del das Zeichen, das jetzt alle gleich macht, die ewig bimmelnde Narren­ kappe (dasselbe Ding, mit dem man Till Eulenspiegel ausstaffiert findet) … Alex Weber, Direktor unserer Webschule, ist Präsident des Karnevalsvereins und so … gewissermaßen der General der Nar­ renscharen. Wir 14 Ehrenhüter, sind sei­ ne persönlichen Adjutanten. … Also, auf meine Anmeldung hin war ich vom Ehrenhüterkorps ausballotiert worden und wurde nun (ebenso Krüger) in fei­ erlicher Weise aufgenommen. Der Oberehrenhut … verpflichtete uns auf das Statut, das vor allen Dingen e­inen durchaus moralischen Lebens­ wandel während unseres Amtes for­ dert. Sodann mussten wir einen Be­ cher Wein auf das Wohl Caroli magni leeren, erhielten unsere Abzeichen: die bunten, von der linken Schulter herab­ fallenden Bänder und den Stern und waren nun Ehrenhüter. … Jeder von uns 14 hat am Abend mit einem zwei­ ten zusammen eine Stunde Amt …, hat Gäste auf Wunsch vorzustellen, hat die Verantwortung, dass Unberufene kei­ nen Zutritt erhalten, was doch unter dem Schutz der Maske leicht gesche­ hen kann. … Außerdem ziehen wir bei den feierlichen Aufzügen des Narren­ präsidiums nach bestimmtem Zeremo­ niell mit auf. Der große Vorzug un­ serer Stellung besteht außer der Ehre und dem bekannt werden mit netten, jungen Leuten der besten Gesellschaft darin, dass wir uns jeder Dame selbst vorstellen können und dazu in der Kar­ nevalszeit in den meisten Lokalen, die sonst drei Mark Eintritt erheben, freien Eintritt haben …“!

Der große Vorzug unserer Stellung besteht außer der Ehre … darin, dass wir uns jeder Dame selbst vorstellen können und dazu in der Karnevals­ zeit in den meisten Lokalen … freien Eintritt haben …“!

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150 Jahre Ehrenhüte des AKVs

Einst übermütige Ballordner, heute galante Macher Noch nie ist ein Ritter zu spät in den Käfig ge­ kommen!

Und heute? „Wir 13 sind gute Freunde und Demokratie ist unser Markenzeichen“, sagt Christian Schwartz. Alles wird miteinander abgestimmt, doch hat das Wort der Älteren mit mehr Erfahrung auch mehr Gewicht. Vom 18. Lebensjahr an können fastelovvendbegeisterte, junge Männer Ehrenhut­ anwärter werden. Nach einjährigem, erfolgreichem Einsatz folgt die endgültige Aufnahme für die Dauer von elf Jahren. Es sei denn, ein Ehrenhut schließt mit seiner Auserwählten den Bund für’s Leben. Dann heißt es: Der Hochzeitstag wird Rauswurftag! Im Team herrscht Aufgabenteilung. Alex­ander Hammer zum Beispiel ist bei Prinzenproklamationen und Festsitzungen WIDER DEN TIERISCHEN ERNST der Bühnenchef und damit der verlängerte Arm des Regisseurs. Hinter der Bühne laufen bei den Ehrenhüten die Fäden der akribischen Bereitstellung von Mikros, Requisiten und Blumen zusammen. Darüber hinaus sind sie für die pünktlichen Auftritte der Mitwirkenden verantwortlich.

Noch nie ist ein Ritter zu spät in den Käfig gekommen! Darauf sind sie besonders stolz. „Unser Credo lautet dabei: wir treten nicht in den Vordergrund“, so der designierte Oberehrenhut. Beim Florresei Palast wiederum trägt jeder Ehrenhut Verantwortung für eine spezielle Aufgabe, seien es Catering, Sponsoring, Technik, Programm, Presse, Security, Dekoration, Kartenverkauf – voller Einsatz ist also von Christian Lücker, Christian Schwartz, Alexander Hammer, Martin Schlemmer, Christoph Grauert, Raffaele Parise, Max Lang, Oskar Kaluza, Simon Adenauer, Eric Kohnen, Chris Warias, Torbjörn Rehberg und Abi El Bourakkabi gefragt. Dass sozia­les Engagement dazu gehört, ist eine Binsenweisheit und hat AKV-Tradition, denn: „Durch Frohsinn zur Wohltätigkeit!“ lautet das traditionelle Motto. „Bei jeder Florresei treten de Jonge vajjen Beverau bei uns auf“, bringt Christian Lücker ins Gespräch. Durch deren Gage, die in den Hilfsfonds des Vereins Nele und Hanns Bittmann fließt,

könne Kindern in Not wieder ein bisschen mehr geholfen werden. Die Florresei ist weder Fete noch Mottoshow, sondern traditioneller Karneval. Da heißt es auch, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Bestes Beispiel dafür boten die Ehrenhüte 2009 als umjubelte Tänzer bei den grazilen Schönen der Showtanzgruppe Aix-Dance-Temptation. Die smarten Pagenkostüme tragen die Nachwuchs-AKVer erst seit zwei Jahren, zeigten sich davor stürmisch im Piratenlook, tragen aber bis in die Gegenwart am Fettdonnerstag beim Zug durch die Säle noch immer die praktischen Köllepööetzer-Kos­tüme aus den 60er Jahren. Das offizielle Outfit jedoch ist der Smoking mit den Bändern in den AKV-Farben an der linken Schulter, dazu die Ehrenhutnadel und seit zwei Jahren auch die Ehrenhutkappe. Neben gemeinsamen sportlichen und kulturellen Unternehmungen gibt es also Pflichten in Hülle und Fülle. Nur einmal in jeder Session sind die Ehrenhüte Gäste. Und das bei der Theatervorstellung am Veilchendienstag.


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Da hatten es die Alt-Ehrenhüte aus den 60er Jahren noch etwas weniger anstrengend und kamen dafür stärker beim Amüsement auf ihre Kosten. Was nicht heißt, dass nicht auch sie Verantwortung trugen. „Unsere Pflichten bestanden hauptsächlich im Türdienst“, berichtet Günter Offergeld (62), Ehrenhut von 1965 bis er 1971 „geheiratet wurde“. In den ers­ ten Jahren mussten die Ehrenhüte die Gäs­te noch in ihrem Frack mit den bunten Bändern an der Schulter sowie auch einer Nadel mit weißen Hermelinschwänzchen vor der Tür empfangen. „Es war für die Besucher ein toller Anblick, so begrüßt zu werden“, erzählt der Alt-Ehrenhut. Erst nach zwei „kalten Jahren“ durften die jungen Herren die Einlasskontrolle dann im Inneren durchführen, um dann auch die Gäste als Platzanweiser in den Saal zu führen. Hinter der Bühne hatten nur der alte Diener Fritz Drießen im roten Frack und sein Sohn das Sagen. Die Ehrenhüte brachten nur ab und wann Notizen zu den Elferräten oder, bei den im Fernsehen übertragenen Festsitzungen, die Geschenke auf die Bühne. „Elf Ehrenhüte sollten wir eigentlich sein, aber mehr als acht waren wir nie. Das lag auch am Geld. Alleine ein Frack mit drei Hemden und zwei Westen kostete damals 250 DM. Mein Vater hatte für mich und meinen Bruder je einen Frack und ein Paar Lackschuhe vom Oberkellner der ‚Vier Jahreszeiten‘, einem noblen Restaurant am Elisenbrunnen, gekauft“, lässt Offergeld wissen. Ausgelassen und närrisch-jeck waren damals die Ehrenhüte, mussten sogar von Jacques Königstein ab und wann zur Raison gebracht werden. „Manchmal kamen wir nach den Auftritten des Prinzen und der Prinzengarde erst am Montagmorgen in unserem Frack aus der „Bols“, wo uns die Senatoren und Gönner freigehalten hatten“, erzählt Offergeld. Denn zu jener Zeit waren die Ehrenhüte bei fast jedem Auftritt des Prinzen als Abordnung dabei, egal, ob im Finanzamt, auf dem Tivoli oder in Altenheimen. Zweimal wurde die Prinzengarde Opfer der Attacken dieser munteren „Narrenschar“. So sti­bitzten sie vier Säbel, zogen da-

mit lärmend in die Küche des „Quellenhofs“ ein und angelten sich mit den Säbeln die brutzelnden Schnitzel aus den Pfannen heraus! Nie verziehen hat ihnen aber die Prinzengarde, dass sie ihr auch einmal die Fahne entwendet hatten. „Zwar rückten wir sie gegen Zahlung flüssiger Gerste wieder heraus, aber die Diskussionen waren höchst unangenehm“, gesteht Günter Offergeld. Ihr größter Erfolg war es, als sie 1965 als „AKVBabys“ mit einem eige­nen Wagen am Rosenmontagszug teilnehmen konnten. 500 Mark hatte ihnen der Elferrat zum Bau des Wagens gestiftet, den sie in Eigenregie herstellten. Wenn heute beim Florresei Palast unsere Ehrenhüte zu Samba-Klängen mit den Schönen von Aix-DanceTemptation eine gute Figur machen, so waren ihre Ehrenhut-Vorfahren anno 1966 nicht weniger erfolgreich. Bei der Prinzenproklamation von Herbert III. Olbrich wirbelten nicht nur die Ballerinen des Balletts bei einem Cancan über die Bühne, sondern mit ihnen auch zwei Ehrenhüte des AKVs. „Köstlich, köstlich meine Herren …“, schrieb damals begeistert die A­achener Press­e. Als „AKV-Babys“ fuhren die Ehren­hüte 1965 erstmals auf eigenem Rosenmontagswagen 1967 vor dem Neuen Kurhaus: die Eh­ renhüte Georg-Günther Schwartz, Axel Offergeld, Richard Raaf, ClausPeter Marzodko, Friedhelm Hugot und D­iethelm Petutschnigk (v.l.) unten links : Ehrenhüte ziehen 1966 in das Neue Kurhaus ein, angeführt von Hellebardier und Oberehrenhut Richard Raaf.

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Der AKV-Senat

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Der AKV-Senat – ein Brückenschlag zwischen den Generationen Sie sind die „grauen Eminenzen“ des AKVs im Hintergrund, haben vor Jahrzehnten als Ehrenhüte ihre AKV-Laufbahn eingeschlagen und viele von ihnen gehörten später auch dem Elfer­ rat an, um letztlich heute als Senatoren den Aachener Karnevalsverein zu stüt­zen. Nicht allein durch wohlwollendes Sponsoring, sondern ebenso in beratender Funktion. Dass es gerade 23 gestandene, honorige Herren sind, mag karnevalistisch gewollt oder auch ein glücklicher Zufall sein. Darüber hinaus ist der Brückenschlag zwischen Alt und Jung ein besonderes Anliegen der Senatoren. Dabei sehen sie in den Ehrenhüten den karnevalistischen Nachwuchs des AKVs, den es zu fördern gilt. Die Geburtsstunde des Senats hatte am 16. Dezember 1937 geschlagen, als 17 betuchte AKV-Mitglieder mit animierender Unterstützung des damaligen AKV-Präsidenten Jacques Kö­ nig­stein sich zusammenschlossen, u­m dem Verein aus seinem finanziellen Defizit herauszuhelfen. 14 die-

ser noblen Herren hatten bereits zwei Jahre zuvor einem Festausschuss angehört, der gewährleistete, dass die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen des AKVs würdig begangen werden konnten. Dieses Jubiläum wäre eigentlich bereits 1934 fällig gewesen, war jedoch aus finanziellen Gründen um ein Jahr zurückgestellt worden. Knappe Kassen hatte es, bedingt durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Lande, immer wieder einmal beim Aachener Karnevalsverein gegeben. So auch in Folge der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das Engagement des neu geschaffenen Senats mit seinem ers­ ten Präsidenten Otto Henrich erlaubte es dann 1935, dass allein am Rosenmontagszug zwölf Wagen des AKVs teilnehmen konnten, darunter auch zum ersten Mal ein Wagen der „Grauen Mäuse“. Sie waren ehemalige Ehrenhüte, die diesen Namen durch die grauen Jäckchen erhielten, die sie trugen.

Heute ist Freddy Berndsen Senatspräsident, ein Amt das er 1994 übernommen hat. Er ist ein gestandener AKVer, wurde 1956 Ehrenhut, gehörte sieben Mal einem Hofstaat der Prinzen an – darunter mehrmals als Hofnarr – und war von 1980 bis 1990 Zeremonienmeister des Elferrats. Rudolf Görres war 1993 das Amt des Schatzmeisters übertragen worden. Beide bilden zusammen mit Ricardo de Bernardi, der 2005 zum Generalsekretär gewählt wurde, den amtierenden Vorstand, der die Strategie des Senats für die jeweilige Session festlegt. Hans Axmacher, Dr. Hans Bertram, Dieter Bischoff, Wilhelm Bours, Bernd Carl, Jürgen Eidens, Manfred Hauswirth, Dr. Wilhelm Hogrebe, Peter Jordan, Dr. Winand Kranz, Rolf Lücker, Heiner Nobis, Peter Offermanns, Klaus Peters, Jürgen Schmitter, Johannes Schumacher, Karl Schumacher, Mathias Steinmetz und Karl-Rudolf Woytschaetzky gehören derzeit ebenso dem Senat an. Last but not least aber auch der als „Urgestein“ hoch geschätzte Karl-Heinz Schönberg (81), der bereits seit 1980 Senator ist und von 1988 bis 1994 Senatspräsident war.

Sie sind die grauen Eminenzen des AKVs … (hinten, von links) Dieter Bischoff Karl-Rudolf Woytschaetzky Jürgen Schmitter Dr. Winand Kranz Dr. Hans Bertram Mitte, von links) Manfred Hauswirth Karl-Heinz Schönberg Peter Jordan Heiner Nobis Johannes Schumacher (unten, von links) Bernd Carl Ricardo de Bernardi Freddy Berndsen Rudolf Görres Karl Schumacher Rolf Lücker


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Der AKV-Senat

Der AKV-Senat – ein Brückenschlag zwischen den Generationen

Die Herren Sena­ toren beim Wiver­ fastelovvend vor dem Jonastor 2009

Das Senatspräsi­ dium Ricardo de Bernardi, Freddy Berndsen und Ru­ dolf Görres (v.l.)

„Wir sind ein Herrenclub, und unsere Senatoren fühlen sich verpflichtet, etwas mehr für den AKV zu tun, als nur Mitglied zu sein“, sagt der Senior und erinnert sich, dass es in den 80er Jahren immer eine nette Runde von zehn bis zwölf Herren war, die sich, wie auch heute noch, zu Sessionsbeginn in der ersten Etage des „Goldenen Schwans“ traf. Zu den Senatoren gehörte damals auch Franz Nobis als ältestes AKV-Mitglied. Um Senator zu werden, brauchte man in jenen Jahren einen Bürgen. Die Damen waren nur bei geselligen Anlässen präsent. „Doch nichts ist konstanter, als die Veränderung“, fügt Karl-Heinz Schönberg hinzu. So gab es im Laufe der Jahre bald nicht nur den Stammtisch für Herren, sondern auch einen gemeinsamen im „Gut Entenpfuhl“ mit den Damen. „Und längst sind auch die jährlichen, kleinen Senatsreisen zusammen mit den Damen zu einer Selbstverständlich­keit geworden“, lässt Freddy Bernd­sen nicht unerwähnt.

Wie aber wird man heute Senator des AKVs? Bewerben kann man sich nicht. Mitglied kann nur der werden, der vom Senat deshalb angesprochen wird und bereit ist, sich sowohl zeitlich, als auch finanziell für den eingeschlagenen Kurs des Senats einzubringen. In der AKV-Satzung heißt es dazu: „Der Senat ist ein Zusammenschluss bewährter Mitglieder, die sich die besondere Unterstützung des AKVs zur Aufgabe gemacht haben. Er schlägt dem Elferrat neue Senatoren vor und wählt in seiner Vollversammlung den Senatspräsidenten, der der Bestätigung durch den Elferrat bedarf“. Den Elferrat zu unterstützen, das ist die Hauptaufgabe der Senatoren. „Jules von Jouanne, Ordensritter wider den tierischen Ernst 1952, war einer unserer bekanntesten AKV-Senatoren“, so Ricardo de Bernardi. „Wir schlagen aber auch die Brücke zwischen den Generationen“, bringt Karl-Heinz Schönberg ins Gespräch. Das natürlich wiederum durch bereitwillige, finanzielle Rückendeckung. So nehmen die Ehrenhüte seit einigen Jahren mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug teil und können die Jecke am Straßenrand auch großzügig mit Wurfmaterial erfreuen. Dass die Nachwuchs-AKVer aus ihrem Piratenlook schlüpften und seit der Session 2008 als schmucke Pagen Mädchenherzen höher schlagen lassen, wäre ohne die verständnisvolle Gunst der Senatoren nicht möglich gewesen. Die­se öffnen auch ihr Portemonnaie, damit die Ehrenhüte am Elften im Elften an der beliebten „Gans janz anders“-Party teilnehmen können. In diesem Jahr verzichten die Ehrenhüte allerdings auf diese Einladung zuguns­ten der Anschaffung neuer Kostüme für den Rosenmontagszug. Das Finanzielle ist die eine Seite. Andererseits fühlen sich die Herren des Senats aber auch zur Vorbildfunktion verpflichtet und sind jederzeit bereit, aufgrund eigener Ehrenhut-Erfahrungen beratend zur Seite zu stehen. Was aber wäre ein Prinz Karneval ohne die Insignien närrischer Macht? Seit es 1950 nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mit Hans III. Achil-

les wieder eine Aachener Tollität gab, sind es die Senatoren, die alljährlich das Prinzenzepter als eine der Insignien stiften, das bei der Proklamationsfeier vom Senatspräsidenten überreicht wird. Die Kontaktpflege zu befreundeten Karnevalsvereinen ist eine weitere Aufgabe, die der Senat für den AKV übernommen hat. Präsident Freddy Berndsen ist der Kontaktmann zur Dülkener Narrenakademie. Senator Karl Schumacher pflegt seit vielen Jahren den Kontakt zum Trierer Heuschreck, zur Ettlinger Narrengilde und zur 1. Großen Stolberger Karnevalsgesellschaft. „Nicht unerwähnt sei, dass der Senat in diesem Jahr dem AKV anlässlich seines 150jährigen Jubiläums eine neue Standarte gestiftet hat“, ergänzt Generalsekretär Ricardo de Bernardi. Eine besondere Ehre war es für die Senatoren, als ihnen AKVPräsident Horst Wollgarten beim diesjährigen Ordensfest das Jölde Hazz va Oche als Auszeichnung verliehen hat. Soll auch ein Ameröllchen nicht verschwiegen werden. Anerkennung und Dank werden den noblen Herren Senatoren durchaus zuteil. Aber Federn an ihrer Senatorenmütze fehlen ihnen noch immer! Vielleicht ein wenig selbst verschuldet, denn als sie die Bitte gegenüber dem AKV vortrugen, schränkten sie sofort ein: „Alles, aber keine Hühnerfedern!“. Mit einem klaren „Nein“ wischte der AKV die Sache vom Tisch. Auch beim zweiten Versuch der Senatoren. Da lebte aber noch Helmut Strack als Geschäftsführer und „versüßte“ ihnen dieses zweite Nein, indem er Freddy Berndsen als Senatspräsident zum Trost einen india­ nischen Federschmuck überreichte.

Eine besondere Ehre: AKV-Präsident Horst Wollgarten verlieh den Sena­ toren beim diesjährigen Ordensfest das „Jölde Hazz va Oche“


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Carnevale goes Reeperbahn

14. Carnevale goes Reeperbahn Die Würfel sind gefallen. Am Freitag, 5. Februar 2010, startet die nun 14. Carnevale, die Megaparty des AKV. Diesmal geht es wieder „back to the roots“ in die Albert-Vahle-Halle an der Hubert-Wienen-Straße auf dem CHIO-Gelände. Grund für diese gemeinsame Entscheidung von AKVElferrat und Carnevale-Team waren die wetterbedingten Begleitumstände des vergangenen Jahres in den Markthallen. „Drei Jahre lang hatten wir dort Glück. Doch dann, bei minus 20 Grad und Unwetterwarnung am Abend selbst, bibberten hier unsere jungen Närrinnen und Narren“, erklärt Niki Küch, Carnevale-Teamchef. Bei der 14. Carnevale wird es jedoch wie gewohnt heiß hergehen, hat sich das Team um Niki Küch doch wieder das Erfolgscredo auf die Fahne geschrieben: „Jevvt Jas, wenn Ühr fiere wellt!“ Und wo lässt es sich wohl animierender, vergnüglicher und lustvoller feiern, als auf der Hamburger Reeperbahn. Dort wirft das Öcher Narrenschiff seine Anker. Leichtmatrosen und Kapitäne zur See stürmen hinaus zum Kiez und suchen das große Abenteuer im schillernden Szenenviertel rund um die Davidwache. Wer hat dabei nicht sofort die alte Hans-AlbersMelodie im Ohr: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, ob du’n Mädel hast oder hast keins, amüsierst du dich, denn wer kennt dich nicht, mein St. Pauli, St. Pauli bei Nacht“. Nicht zuletzt wussten auch die Beatles um die Chancen, die die Reeperbahn mit ihren unzähligen Bars jungen, aufstrebenden Künstlern bietet und starteten hier ihre Karriere.

hinein. Die 18 Macher des Teams haben zwar hinter den Kulissen die große Show bereits fest im Griff, wollen sich aber die Überraschungseffek­te nicht stehlen lassen. So, wie der Bräutigam die Braut in ihrem Staat nicht vor der Hochzeit sehen soll! Sie sind schon ein bisschen abergläubisch, haben die verflixte, eigentlich 13. Carnevale einfach zur 14. gemacht. 1998 hatte die erste Megaparty dieser Art stattgefunden. „Dirk II. Courté, Ex-Prinz des Jahres 1997, und sein Hofstaat boten damals als Kontrastprogramm zu den althergebrachten Sitzungen eine neue Form der ‚Stehung‘ wie bei Rock- und Popkonzerten“, erinnert Niki Küch. Direkt neben der Tanzfläche befand sich auch damals die Bühne, auf der ein rasant gespicktes Programm für junge und junggebliebene Fastelovvendfans ablief. Das war das Erfolgsrezept. Soviel sei dennoch verraten: Auch Sr. Tollität Prinz Karneval Dirk IV. Trampen lässt sich mit seinem Hofstaat diesen Abstecher zum Hamburger Kiez nicht entgehen und mischt sich in das jecke Treiben der 14. Carnevale. Aber auch die smarten Boys aus der Öcher Bronx – bewundert und geliebt als die „4 Amigos“ – sind als Powerasse mit dabei, wie auch Deutschlands Top-DJ Michael Mind. Beim CarnevaleCasting by BMW-Kohl gelang es dem TSC Gold mit seinem gigantischen Showtanz in die Gewinnerliste aufzusteigen. „Eine absolute Neuheit unserer Carnevale ist eine VIP-Lounge sponsored by Arei“, lässt sich Niki Küch noch stillschweigend in die Karten gucken.

„Jevvt Jas, wenn Ühr fiere wellt!“ Heiß hergehen wird es in der Moderation von Niki Küch und Jens Aretz also tatsächlich für die wieder zu erwartenden 3000 Besucher, spielt doch auch ein Touch von Moulin Rouge mit

Der Kartenvorverkauf hat in der Geschäftsstelle des AKVs, Kurhausstraße 2c, begonnen. Telefon: 02 41/470 311-0, sowie im AKV Internet-Ticket-Shop unter: www.akv.de, oder per E-Mail: vorverkauf@carnevale.de Weitere Vorverkaufsstellen bei den Ticket­­shops des Zeitungsverlages Aache­n oder im WOF. Kartenpreis: 19 Euro (Vorverkauf), 24 Euro (Abendkasse).


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www.lambertz.de

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Journal 5 | 2010 www.sparkasse-aachen.de

Er kennt fünf Jahreszeiten. Wir auch.

s Sparkasse Aachen Gemeinsames Erleben der „tollen Tage“, wiederkehrende Freude an humorvollen Bräuchen und ausgelassenes Feiern sind für viele Menschen fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Damit Frohsinn und Gemeinsamkeit ihren festen Platz in den Herzen und Köpfen behalten, engagiert sich die Sparkasse Aachen jedes Jahr für das bunte Treiben in der fünften Jahreszeit. Sparkasse. Gut für die Region.


100 Jahre Berittene Leibgarde | Interview mit Kommandant Markus Bongers

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100 Jahre Prinzengarde der Stadt Aachen – Berittene Leibgarde Sr. Tollität Prinz Karneval AKV-Interview mit GardeKommandant Markus Bongers 2010 feiert die Prinzengarde der Stadt Aachen ihr 100jähriges Jubilä­ um. Wie hat sich die Garde darauf vor­ bereitet? Die Garde ist im Laufe der Zeit routiniert geworden und sieht dem 100Jährigen sehr relaxed entgegen. Der einzige, der da schon mal schneller die Nerven verliert, ist der Kommandant! Da die Garde bislang versäumt hatte, ein Archiv zu führen, saßen meine Lebensgefährtin und ich schon monatelang zusammen und schrieben diese Chronik. Wir führten viele Gespräche mit Zeitzeugen, studierten alte Zeitungsartikel und suchten uns im Internet die Augen wund. Dabei konnten wir uns auch auf einige Daten und Fakten stützen, die mein Vater Peter Bongers bereits zusammengetragen hatte. Jetzt besitzt die Garde eine Chronik, und da ich immer bemüht bin, aus Erfahrungen zu lernen, habe ich Walter Bosten zum Archivar ernannt. Parallel liefen natürlich die Vorbereitungen zu unserer Jubiläumsgala, die am 28. November 2009 im Stadttheater Aachen stattfand. Das Bühnenprogramm war einzig und alleine auf die Garde zugeschnitten. Viele bekannte Größen des Aachener Karnevals traten auf, doch unterschieden sich die Darbietungen von ihren sonstigen Auftritten, denn ich wollte keine Karnevalssitzung im Theater abhalten. Es war für uns eine große Ehre, dass AKV-Präsident Horst Wollgarten der Garde ein Duplikat der Königsteinkette zum ständigen Verbleib verlieh. Wird es im Jubiläumsjahr wei­ tere Fes­tivitäten geben? Die Karnevalssession wird für die Garde so ablaufen, wie wir es immer gewohnt sind. Deshalb haben wir die Festveranstaltung auch vor den offiziellen Start der Session gesetzt. Wir möchten den Prinzen Karneval wie eh und je bei seinen Auftritten begleiten, eine eigene Sitzung abhalten und uns lediglich zum Jubiläum gratulieren lassen. Nach der Session werden

wir ein etwas anderes Sommerfest als sonst haben. In Verbindung mit der Casino-Gastronomie findet es im Stadtgarten statt. Auch wenn unsere Garde turnusmäßig noch nicht an der Reihe ist, sind wir 2010 Ausrichter des Vier-Städte-Turniers, an dem traditionell die Prinzengarden Köln und Düsseldorf, sowie die Bonner Stadtsoldaten teilnehmen. Ausgefallen wird unsere Fuchsjagd im Oktober sein. Wir planen, die Jagd mit einer Hundemeute durchzuführen. Last but not least ist ein Event geplant, an dem jeder Bürger Aachens teilnehmen kann: wir lassen dazu in der Aachener Innenstadt vom Heeresmusikkorps den Großen Zapfenstreich spielen. 70 Karnevalsprinzen hat die Garde seit 1910 zur Seite gestanden. Nun ist mit Dirk Trampen ein Prinzen­ gardist und zugleich Vizekommandant die nächs­te Tollität. Weckt das Emotio­ nen? Wird etwas anders sein? Die Garde hat sich auf die Fahne geschrieben, dass jeder Prinz für uns gleichbedeutend ist, gleich unterstützt und begleitet wird. Da werden keine Unterschiede gemacht. Das gab es nicht bei Ex-Prinz Boris I. Bongers, obwohl er mein Cousin ist, das gab es auch nicht bei den Ex-Prinzen Horst I. Hermanns und Hubert III. Pauquet, und das wird es auch künftig nicht geben. Für die Garde ist jeder Prinz einer laufenden Session der beste Prinz. Nichts wird also anders sein als sonst. Aber Emotionen werden natürlich geweckt. Ich kenne Dirk seit über 20 Jahren, ich weiß, wie er zur Garde steht, und was er für sie tut. Dirk und ich waren uns einig, dass im Jahr 2010 ein Gardist Prinz werden muss. Was wir allerdings beide nicht wussten, war, dass Dirk es wird. Wir kennen ihn und auch viele aus seinem Hofstaat schon lange. Prinz, Hofstaat und Garde wollen zusammen „DIE GARDE“ feiern und es richtig krachen lassen.

„Prinz, Hofstaat und Garde wollen zusam­ men „DIE GARDE“ feiern und es richtig krachen lassen.“

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100 Jahre Berittene Leibgarde | Interview mit Kommandant Markus Bongers

100 Jahre Prinzengarde der Stadt Aachen – Berittene Leibgarde Sr. Tollität Prinz Karneval Was unterscheidet die Garde von anderen Aachener Karnevalsver­ einen?

Wie werden heute die reitsport­ lichen Verpflichtungen wahrgenom­ men?

Jeder Verein hat seine Ziele in den Statuten formuliert. Bei der Garde ist es zum einen die Förderung des Reitens und der Umgang mit dem Pferd, zum anderen die Begleitung des Prinzen Karneval. Deshalb nennen wir uns auch nicht ‚Karnevalsverein‘, wenn auch die meisten unserer Aktivitäten gerade in der Karnevalszeit stattfinden. 1910 gegründet, sind wir Aachens ältester Reitverein. Für uns hat die Reiterei einen hohen Stellenwert, der nicht verloren gehen darf. In der Karnevalszeit unterscheiden wir uns von den anderen Karnevalsvereinen lediglich durch die Prinzenbegleitung. Dabei haben wir ca. 150 Auftritte und lernen alle anderen Vereine durch unsere Besuche kennen. Diese Möglichkeit haben die anderen Karnevalsgesellschaften natürlich nicht. Wir haben aber alle das gleiche Ziel: die Förderung unseres Brauchtums Karneval und das mit viel Spaß an der Freud‘.

So, wie es immer schon der Fall war. Wir haben einmal pro Woche Reitunterricht in unserem Reitdomizil, richten immer am dritten Samstag im Oktober eine Fuchsjagd aus, führen Ausritte durch und nehmen einmal im Jahr am Vier-Städte-Turnier teil.

„1910 gegründet, sind wir Aachens ältester Reitverein.“

Wie viel aktive Gardisten, Reiter und Mitglieder habt Ihr derzeit, und welche Eigenschaften muss ein Ak­ tiver mitbringen, um zu bestehen? Derzeit haben wir ca. 300 Mitglieder. Davon zählen wir etwa 40 zu den Aktiven und ca. 20 zu den Senatoren. Die restlichen Mitglieder sind Reserveoffi­ ziere und inaktive Mitglieder. Wer in der Garde Mitglied werden will, muss männlich sein und das 18. Lebensjahr vollendet haben. Ein Aktiver muss zudem seinen reiterlichen Verpflichtunge­n nachkommen. Das heißt, er muss reiten können oder es lernen und regel­mäßig an den Reitstunden der Garde teilnehmen. Das sind Grundvoraussetzungen. Schließlich muss er natürlich zu unserem Haufen passen …

Markus, Du bist der zehnte Kommandant in der Geschichte der Prinzengarde. Welche Gardistengene brachtest Du mit, und wie verlief Dein Werdegang in der Garde? Mein Vater war ein echter Öcher Ober­jeck. Er hatte das ganze Jahr Karneval und war mit viel Humor gesegnet. Durch ihn habe ich zunächst den Straßenkarneval kennen gelernt. 1981 wurde er aktives Gardemitglied. Ein Jahr später hatte die Garde einen Auftritt in Düsseldorf, wo wir „viel Volk“ mimen wollten. Also befahl der damalige Kommandant Peter Offermanns meinem Vater, dass seine beiden Söhne in Uniform gesteckt werden und mit auftreten sollten. Ich war gerade 15 Jahre alt. Peter Offermanns machte meinen Bruder und mich zu Hospitanten und erlaubte uns, auch künftig mit der Garde mitzuziehen. Als ich 17 Jahre alt war, wurde ein Tanzoffizier gesucht, und weil unsere Familie zu Dritt vertreten war, „musste“ einer von uns tanzen. So wurde ich für vier Sessionen Tanzoffizier. Im Jahr 2000 ernannte Bruno Käfer mich zum Adjutanten und seit Mai 2004 stehe ich als Kommandant der Prinzengarde vor, nachdem Bruno Käfer zurückgetreten war. Jeder Kommandant hat der Garde einen eigenen Stempel aufge­ drückt. Waren einige von ihnen beson­ ders prägend? Diese Frage kann man nicht eindeutig oder gar in einer Rangfolge beantworten. Man muss das im Zusammenhang mit der jeweiligen Epoche sehen. Ferdi Franchi hat der Garde mit Sicherheit einen Stempel aufgesetzt, der ihn zu einem herausragenden Kommandanten gemacht hat. Aber in der heutigen Zeit hätte Ferdi Franchi keine Überlebenschance. Heute lässt sich keiner mehr in irgendeiner Form „herumkommandieren“. Wir stehen alle mit beiden Beinen im Leben, mi-


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litärische Umgangsformen sind out. Damals war eine Sitzung etwas besonderes, wenn viele große Garden aufmarschierten. Heute würde das die Stimmung in den Sälen kaputt machen. Um 1960 war es spektakulär, wenn eine Tanzmarie ein Rad schlug. Heute übertreffen sich die Tänzerinnen und Tänzer an Akrobatik. Heute ist die Garde durch die Prinzenbegleitung ausgebucht. Wir könnten höchs­ tens an einem Montag oder Dienstag zu einem Gastauftritt in eine andere Stadt fahren. Das auch nur zu Beginn einer Session, weil gegen Ende viele Auftritte in Aachen auch an Werktagen stattfinden. Ich kann nur sagen, dass alle Kommandanten der Garde mit ihrem Engagement besonders prägend waren. Und jeder hat das neben seinem eigenen Job unentgeltlich gemacht.

Worin liegen heute die Schwer­ punkte für Dich als Kommandant in der Führungstätigkeit, um die Garde der Moderne anzupassen? Augen und Ohren offen zu halten, um zu erfahren, was Jung und Alt verbindet. Ich möchte ein gemischtes Publikum haben, wo sich alle Generationen angesprochen fühlen. Viele Gespräche müssen dazu geführt werden, um aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Dies gilt es dann mit der Mannschaft umzusetzen. Eine One-manShow kann da nicht überleben. Da ist gesunder Teamgeist gefragt. Der Vorstand besteht aus elf Männern, die alle gefordert sind. Nur, wenn alle mit anpacken, kann man etwas erreichen.

Die Sterne am karnevalistischen Himmel sind für alle Vereine und Faste­lovvendsfrönnde die Aachener Tanzmariechen. Und gerade dabei zeichnet Ihr Euch durch Einzigartig­ keiten aus: - Karin Symonds, geb. Kurth als erste weibliche Tanzmarie in Aachen - Resi Goffart, geb. Radermacher als einziges weibliches Ehrenmitglied - Marianne Jerusalem und Karljosef Leisten 1955 als Siegertanzpaar beim 1. Ball der Mariechen - heute: Jennifer Deerberg zum 100-jährigen mit Elmar Bosold wieder als Tanzpaar. Wir hatten seit jeher ein Tanzpaar in unseren Reihen. Eine Einzelmarie auf der Bühne mit der Prinzengarde war und sollte auch zukünftig eine Ausnahmeerscheinung sein. In der Presse wird immer mehr auf den weiblichen

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100 Jahre Berittene Leibgarde | Interview mit Kommandant Markus Bongers

100 Jahre Prinzengarde der Stadt Aachen – Berittene Leibgarde Sr. Tollität Prinz Karneval Part des Paares eingegangen, und so sind die Namen Kurth, Radermacher, Jerusalem und Deerberg mit Sicherheit auch bekannter, als die ihrer Partner. Aber nichts desto trotz gelten sie als Einheit. Mit Jennifer haben wir eine ganz besondere Marie gefunden, die aus der Garde auch nicht mehr wegzudenken ist. Viel hat sie schon mitgemacht und einige Partner „verschlissen“, aber sie bleibt uns weiter treu

und bringt auf der Bühne hervorragende Leistungen. Für fast jede Tanzmarie ist es ein Traum, einmal Mariechen der Prinzengarde zu sein. Das hat uns bis dato immer sehr geholfen. Aber wir gehen auch stets besonders pfleglich mit ihnen um. Sie werden von ihren Tanzoffizieren und den restlichen Gardisten auf Händen getragen und aufmerksam „bewacht“. Wie eng fühlt Ihr Euch dem AKV verbunden? Welche Gemeinsamkeiten gibt es? Die Garde hat dem AKV sehr viel zu verdanken. Jacques Königstein wurde nicht umsonst Ehrenmitglied der Prinzengarde. Er hat uns protegiert und quasi das Laufen gelehrt. Dadurch, dass der AKV die Prinzen stellt, und die Garde sie begleitet, kreuzen sich unsere Wege natürlich immer wieder. Es hat in der Vergangenheit auch eine Zeit gegeben, in der sich Garde und AKV nicht so gut verstanden haben. Das war, als Bestrebungen liefen, die Garde an den AKV zu koppeln. Doch letztendlich sind wir immer eigenständig geblieben. Die Verbindung zwischen Garde und AKV wurde seinerzeit durch Helmut Strack immer enger. Georg Helg und

Dirk von Pezold waren und sind auch heute noch der Garde sehr zugetan. In der Garde gibt es viele AKV-Mitglieder und im AKV gibt es sehr viele Gardemitglieder. Im jetzigen Elferrat gibt es sogar Senatoren der Garde. Einer von ihnen ist der derzeitige Präsident. Damit kann man sich vorstellen, welche Bestrebungen es derzeit in der Garde gibt – man wird den Scherz verstehen. Die Verbundenheit zwischen AKV und Garde ist jedenfalls sehr eng, und es gibt viele Gespräche und Absprachen. Gibt es unvergessliche Erleb­ nisse der Prinzengarde, die in die Ge­ schichte eingegangen sind? Gerade jetzt, wo die Chronik geschrieben ist, können wir da auf reichlich Material zurückgreifen. Zu erwähnen ist mit Sicherheit der Auftritt der Garde mit anderen Aachener Vereinen (insgesamt 500 Uniformierte) vor 18.000 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle 1955. Aber auch die Öffnung der Vaalser Grenze in den schwierigen Zeiten des selben Jahres. Damals wurde mit Prinz Helmut I. Schultz der Schlagbaum geöffnet und die Grenzgänger durften für 11 Minuten zollfrei mit ihren Einkäufen passieren. Zuletzt möchte ich noch den Einritt der Garde 2006 ins ALRV-Springstadion zu den Weltreiterspielen erwähnen, als wir von ca. 50.000 Zuschauern frenetisch begrüßt wurden. Doch es gibt noch weitaus mehr unvergessliche Erlebnisse. Die sind alle in unserer Chronik erwähnt und sind es wert, gelesen zu werden.

„Die Verbunden­ heit zwischen AKV und Garde ist jedenfalls sehr eng.“


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Jacques Königstein

Der unvergessene Jacques Königstein – vor 50 Jahren zum Ehrenpräsidenten erhoben „Wer etwas erleben will, der braucht nur auf die Welt zu kommen“, sagen die Berliner. Und auf wen trifft diese Volksweisheit mehr zu, als auf Jacque­s Königstein. Er war ein krea­ ti­ver Tausendsassa, der vor immer neuen, künstlerischen Ideen nur so sprühte. Und auf welchem Terrain konnte er seine Begabungen als Texter, Autor, Kabarettist und Conferencier besser einbringen, als im Karneval. Immerhin schrieb er bereits im zarten Alter von 15 Jahren sein erstes Kölsches Karnevalslied. Doch das Licht der Welt hatte er als Burtscheider am 6. Mai 1897 in der Warmweiherstraße erblickt. Als der Aachener Karnevalsverein 1959 sein 100-jähriges Bestehen feierte, war Jacques Königstein schon seit 29 Jahren Präsident des AKV. Obwohl er keinesfalls an Rücktritt dachte, wurde er bereits zum Ehrenpräsidenten ernannt, der dann weitere acht Jahre die Geschicke des Vereins leitete. Zu diesem Zeitpunkt war das Allroundtalent Königstein bereits verdient aus dem Füllhorn karnevalistischer Orden und Ernennungen mit Ehren überschüttet worden. 30 an der Zahl waren es insgesamt. Sogar Ehrengondoliere der Gondolieri Laguna von Venedig durfte er sich nennen.

„Wer etwas erleben will, der braucht nur auf die Welt zu kommen …“


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Georg Helg, einer seiner Nachfolger als AKV-Präsident und -Ehrenpräsident, erlebte ihn noch elf Jahre in diesen Ämtern. Er schildert den leidenschaftlichen Karnevalisten wie folgt: „Königstein war das, was die Franzosen einen ‚Homme des lettres‘ nenne­n. Er war ein nobler Mann, hoch gebildet und belesen und ein ungebundener Liberaler, ein freier Geist im besten Sinne des Wortes“. Unleugbar sei er auch ziemlich eitel und ebenso konservativ gewesen. So wies er den Frauen im „Herrenclub des AKVs“ nur eine dekorative Rolle zu. Er musst­e es zum Glück nicht mehr erleben, dass 1988 mit Professor Gertrud Höhler eine Frau sogar in die Sphären der Ritterschar seines Ordens WIDE­R DEN TIERISCHEN ERNST vordrang und damit bisher weiteren vier Ritterinnen den Weg ebnete. So lange ihn eine Gesellschaft interessierte und nicht langweilte, sei Königstein als ein ungemein geistreicher und immer hoch interessanter Gesellschafter geschätz­t worden. Nach 2 x 11 Jahren Aufenthalt in Köln war Jacques Königstein 1921 in seine Heimatstadt Aachen zurückgekehrt, wurde noch im selben Jahr Mitglied des AKVs, machte ein Jahr später Furore mit seiner Jungfernrede beim AKV-Herrenabend, wurde als pointenreicher Bowlenredner des AachenLaurensberger Rennvereins geschätzt, war 1927 als Saalprinz Aachener Tollität, wurde wiederum ein Jahr später Vizepräsident des AKVs und 1930 Präsident. Fünf Jahre danach war er spiritus rector des Ausschusses Aachener Karneval, rief 1937 den Kinderkarneval ins Leben, der seit 1951 auch einen Märchenprinzen hat. Mit dem Namen Königsteins verbunden bleiben für immer der Karnevalsschlager „Oh, sag mir das noch einmal“ – für Aachens erste, weibliche Tanzmarie Karin Kurth, verehelichte Symonds getextet – sowie sein Bonmot: „Es gibt außer Grabreden keine Prosa, die nicht durch Humor gewänne“. 1953 erfand er das bleibende Sessionsmotto: „Närrische Kur in Bad Aachen“.

Hauptamtlich war der Vollblutkarnevalist Geschäftsführer des Verkehrsvereins Bad Aachen. Er wusste um die Bedeutung des Karnevals als Wirtschaftsfaktor für die Stadt. 1937 begann durch seine enge Zusammenarbeit mit Rundfunk und Fernsehen die überregionale Bedeutung des A­ache­ ner Karnevals. In jenem Jahr hatten der WDR und der AKV am 24. Januar, bei der ersten Rundfunkübertragung einer AKV-Sitzung, vor dem Thron des Präsidenten per Handschlag und Ordensverleihung ihre „Ehe“ besiegelt. Drei Initiativen Königsteins überdauerten die Jahrzehnte besonders eindrucksvoll: der 1950 erstmals verliehene Orden WIDER DEN TIERISCHEN ERNST, die 1954 anlässlich seines 25-jäh­rigen Präsidentenjubiläums ins Leben gerufene Jacques-KönigsteinStiftung für bedürftige Aachener Senioren und die ein Jahr später erstmals verliehene Königstein-Kette als Wanderpreis für verdiente Karnevalisten. Jacques Königstein starb am 17. Dezember 1971 an einer verschleppten Grippe in seiner Wohnung in der Viktoriastraße.

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Interview mit Ritter Mario Adorf

Ritter kurz gefragt Mario Adorf Haben Sie, Herr Adorf, als frisch gekürter Ordensritter in den ver­ gangenen zehn Monaten seit der Ver­ leihung des Ordens wider den tie­ rischen Ernst öfter als in früheren Jahren an Karneval, speziell den Öcher Fastelovvend oder an die Stadt Aachen selbst gedacht? Welche Momente Ihres Aachen-Aufenthalts sind besonders in Ihrer Erinnerung haften geblieben?

In welchen Rollen werden wir Sie in absehbarer Zeit auf der Bühne, im Film oder Fernsehen erleben? Hat Ihre glänzende Darstellung des humorund espritvollen Redners in der Bütt Regisseure eventuell veranlasst, Ihnen daraufhin eine durchweg heitere Rol­ le anzubieten, oder ließen sie sich mehr von Ihrem souveränen Auftritt als itali­ enischer Tenor beein­drucken?

Zum einen hat mir die fantastische und ganz besondere Atmosphäre sowohl in der Probewoche als auch am Tag der Festsitzung in Aachen sehr gut getan. Ich werde mich daran gerne erinnern.

Regisseure oder Drehbuchautoren hat es nicht veranlasst, mir neue Rollen zu geben, aber die Resonanz war sehr positiv. Ich darf mich an dieser Stelle nochmals für die sehr lieben Worte des ehemaligen Außenministers Dr. Genscher bedanken, aber auch bei den vielen Fernsehzuschauern, die mich als rheinischen Karnevalsjecken sehr angenommen haben. Es mag zwar bessere Tenöre geben als mich, aber wenige so eindrucksvolle, so hörte ich es zumindest.

Einen Wermutstropfen muss ich in den Wein gießen, nämlich das von mir gesungene Lied über Alemannia Aachen. Leider ist der etwas negative Zustand immer noch aktuell und für die Alemannia kann ich nur hoffen, dass man schnell an frühere Erfolge anknüpft. Wann beginnen Sie mit der Ausarbeitung Ihrer Laudatio auf den neuen Ordensritter Dr. Jürgen Rütt­ gers, Ministerpräsident von Nord­ rhein-Westfalen? Können Sie dazu auf Gespräche oder Erlebnisse bei gemein­ samen Begegnungen zurückgreifen, oder werden Sie sich beide zuvor zu einem Smalltalk begegnen? Ich kenne den Ministerpräsidenten Dr. Jürgen Rüttgers aus einigen Gesprächen, auch nicht zuletzt in Sachen Haus der Musik für die Stadt Aachen. Natürlich sind wir in Gesprächen, aber dies bleibt alles geheim.

„ Es mag zwar bessere Tenöre geben als mich, aber wenige so eindrucksvolle …“

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180 Jahre Kaffeevisite

Die traditionsreiche AKV-Kaffeevisite Am Karnevalssonntag, 14. Februar 2010, haben die Öcher Kenger wieder im närrischen Treiben das Sagen. Um die Mittagszeit verbleiben allen Fastelovvendsjecke gerade noch 60 Stunden bis es wieder heißt: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei …“. Während die Erwachsenen an diesen drei letzten, tollen Tagen das Rasen des Uhrzeigers gern etwas stoppen möchten, genießen die Öcher Ströpp unbeschwert ihren großen Tag. Wie ein kunterbunter Lindwurm zieht ihr Kinderkostümzug mit Märchenprinz Jan I. Moreau durch die Aachener Innenstadt. Danach aber geht’s wie in jedem Jahr mit Mama und Papa, Oma und Opa, Tanten und Onkeln auf zur AKV-Kaffeevisite in das Alte Kurhaus, das für dieses närrisch-jecke Familientreffen nicht immer das Ziel war. Vor 180 Jahren, an jenem 26. Februar anno 1829, hatte die AKV-Muttergesellschaft „Florresei“ für den Nachmittag zu ihrer Vollversammlung in Form einer ersten Kaffeevisite noch in das Rosenbad eingeladen, um anschließend „bei beginnender Dunkelheit mit einem Fackelzug durch die Straßen Burtscheids zu ziehen“. Am 17. Januar 2010 besteigt Jan I. Moreau den Märchenthron

Kaffeevisite 1962

Die Macher des Kaffeevisite-Teams von heute erwarten ihre kleinen und großen Gäste bereits ab 13.30 Uhr im Alten Kurhaus. Ab 14.30 Uhr beginn­t im Ballsaal und in der Klangbrücke das fröhliche, abwechslungsreiche Unterhaltungs- und Mach-mit-Programm. „Die Kaffeevisite ist die einzige AKV-Veranstaltung, die in jedem

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Jahr neue Besucher und neue Freunde für den jungen Karneval gewinnen muss, wachsen doch die kleinen Jecke schnell wieder aus dem Kinderkarneval heraus“, ist sich Teamchef Horst Neundorf bewusst. Nicht hoch genug ist daher das Engagement der STAWAG einzuschätzen, die in dieser Session als Hauptsponsor der Kaffeevisite auftritt. Dadurch erst wird überhaupt diese beliebte Veranstaltung für die ganze Familie in einer so vielseitigen, attraktiven Form ermög­licht. Denn tatsächlich finden immer wieder viele Kinder von Generation zu Generation im Öcher Fastelovvend ein erstrebenswertes Freizeithobby. Die Augen strahlen bei den Tanzmariechen, wenn die Stimmung im Saal siedet und sie im Applaus baden. Und einmal mehr werfen sich die jungen Spielmannsleute in die Brust, wenn sie beim Einmarsch mit ihrem Musikzug bewundernde Blicke auf sich spüren. Aller Stress und Trainingsfleiß eines ganzen Jahres haben sich gelohnt und sind dann vergessen.

Am Karnevals­ sonntag haben die Öcher Kenger im närrischen Treiben wieder das Sagen!


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ein generationenübergreifendes Familientreffen Das Kaffeevisite-Team, dem neben Oberbürgermeister Marcel Philipp, Horst Neundorf, Guido Hoss, Rolf Gerrards, Willi Schillings, Melanie und Andreas Collet angehören, ist wieder an seinem Lausbuben-Kostüm zu erkennen. „Wir sind zwar ein kleines Team, aber oho!“ ist Horst Neundorf stolz. Das beweist auch wieder der Programmablauf. Während in der Klangbrücke der Circus Gioco mit Fakiren und Zauberern in die Welt der Magie entführt, jagt auf der Hauptbühne im Ballsaal eine Attraktion die andere. In der Moderation von Guido Hoss treten unter anderem die Kindergruppen der Stadtwache Oecher Börjerwehr und der KG Eulenspiegel auf, mit dabei sind die Mädchen und Jungen der Domsingschule, Bauchredner Jens, die neuen Zentis-Preisträger vom St. Ursula Gymnasium, zwei Stepp- und Breakdance tanzende Mädchen sowie auch „Barki“ – das liebe, kuschelige AKV-Maskottchen. Für viel Musik sorgt Peter Gilbert. Zum absoluten Highlight wird wie immer der Besuch des großen Karnevalsprinzen Dirk IV. Trampen und des Märchenprinzen Jan I. Moreau.

Kartenvorverkauf ab Montag, 1. Februar 2010: Geschäftsstelle des AKV, Kurhausstr. 2c, Fleischerei Gerrards, Hartmannstr. 16 und Blumen-Nicolay, Vaalser Straße 334 oder im AKV-Ticketshop unter www.akv.de. Sonst an der Tageskasse. Erwachsene: 8,- Euro, Kinder 3,50 Euro

Nach dem Zug geht’s wie in jedem Jahr mit Mama und Papa, Oma und Opa, Tanten und Onkeln auf zur AKV-Kaffeevisite in das Alte Kurhaus.

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Zentis-Kinderkarnevalspreis

18. Zentis-Kinderkarnevalspreis geht an das St. Ursula Gymnasium „Wenn man in Aachen etwas mit den Attributen ‚erstmalig‘ und ‚einmalig‘ versehen kann, dann ist dies der A­achener Kinderkarneval“, schrieb 1997 der damalige AKV-Geschäftsführer und Präsident des Ausschusses Aachener Karneval, Helmut Strack. Er erinnerte an den ersten Kinderkos­ tümzug in Deutschland, den Jacques Königstein bereits 1937 in Aachen initiiert hatte und auch nach dem Krieg 1950 die Öcher Ströpp wiederum aufrief, sich am Karnevalssonntag für einen Umzug zu kostümieren. Den ers­ten organisierten Kinderkos­ tümzug erlebte dann im darauffolgenden Jahr der erste Märchenprinz Rolf I. Pirnay.

„Selvs noh 150 Johr jet os et Let net uus“ Seit 40 Jahren nehmen die Schüle-

rinnen des St. Ursula Gymnasiums bereits als Gruppen im Unilook an den Zügen teil. Bei der AKV-Festsitzung zur Verleihung des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST am 30. Januar 2010 erhalten sie für ihre gelungenen Gestaltungsideen und ihre legendären Karnevalsveranstaltungen an Wiverfastelovvend den nun 18. Zentis-Kinderkarnevalspreis. Helmut Strack hatte 1992 die Initiative ergriffen, den Aachener Kinderkarneval

wieder mit in das Programm der Festsitzungen aufzunehmen. Er wandte sich an Heinz-Gregor Johnen, den damaligen Geschäftsführer des größten Konfitürenherstellers in der Europäischen Union, der Aachener Firma Zentis. Er war als großzügiger Sponsor zur Förderung von Kultur, Sport und Sozialem bekannt. Sofort fand Strack bei ihm Verständnis, um auch an Kinder einen Preis für besondere karnevalistische Aktivitäten verleihen zu können. „Wenn es für Kinder ist, rennt man bei mir sofort offene Türen ein“, erklärte rückschauend der „Herr der Konfitüren“. Er habe den Kinderkarneval immer sehr geliebt. Es sei wichtig, auch in schwierigen Zeiten die Tradition des Aachener Karnevals fortzusetzen, der im Ausland starke Beachtung findet. Traditionell wird der mit 3333 Euro dotierte Preis vom amtierenden Märchenprinzen überreicht. Es ist Jan I. Moreau (11), der dann gerade zwei Wochen zuvor, am 17. Januar 2010, seinen Märchenthron bestiegen hat. Mehrfach erhielten die Schülerinnen von St. Ursula bei den Kostümprämierungen der Züge erste Preise, mussten sogar einmal aussetzen, um auch anderen größere Chancen einzuräu-

men. 200 Schülerinnen waren es regelmäßig in den letzten Jahren, die in einheitlichem Outfit mitzogen. Dabei standen die Kostüme und das eigene Gruppenmotto immer in Bezug zum Motto des Märchenprinzen. „Mit viel organisatorischem Geschick hatte sich Anfang der 90er Jahre unsere heutige Direktorin Josefine Marsden für die Teilnahme unserer Schülerinnen an den Zügen eingesetzt und auch ein engagiertes Mütterteam zur Vorbereitung aufgebaut“, berichtet Monika Ochel, Lehrerin an St. Ursula. Sie selbst übernahm anschließend diese Aufgabe für elf Jahre. Sie erzählt von der Begeisterung der Schülerinnen, mit der sie alljährlich eine eigene Karnevalssitzung am Fettdonnerstag gestalten, professionelle Castings dazu durchführen und in Handarbeit auch „Sessionsorden“ herstellen. Unter Anleitung von Rita Kupczyk-Joe­ ris, ebenfalls Lehrererin am Gymnasium, laufen die aktuellen Vorbereitungen mit dem Mütterteam bereits auf vollen Touren. Über das Kostüm ist längst entschieden: die Mädchen werden 2010 als „Schmetterlinge“ mit dabei sein. Als Modell war im Dezember ein Kostüm vorgestellt worden. Danach konnten die Mütter zum Selbstnähen ihre Bestellungen für Stoffe und Applikationen abgeben. Wer keine Talente zum Schneidern hat, dem helfen wie eh und je andere Mütter bei gemeinsamen Nähnachmittagen oder Basteltreffen zur Anfertigung der Kopfbedeckungen. „Wir sorgen dafür, dass jedes Kind ein Kostüm hat“, versichert Rita Kupczyk-Joeris, die seit fünf Jahren die Karnevalsaktivitäten betreut. Im vergangenen Jahr waren es die lustigen „Pilze“ die mitzogen, in den Jahren davor Schneemänner, Glühlampen, Frösche, Chinesen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dass St. Ursula auch eine Oase für’s Öcher Platt ist, bewies schon so manches Motto: „Henger Öcher Klos­termure luese Pilze stönt än luure“, „Selvs noh 150 Johr jet os et Let net uus“ oder aktuell: „Endlich entlarvt – danze, senge, sprenge die geschlüpften Schmetterlinge“


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2. AKV Oldtimer-Rallye am 29. Mai 2010

„The Race 2010“ on Tour 2. AKV Oldtimer-Rallye am 29. Mai 2010 Begeistert zurückgekehrt waren die Teilnehmer der 1. Oldtimer-Rallye des AKVs im Mai 2009 von ihrer gelungen organisierten Tour durch die reizvolle Landschaft. Aus Anlass seines 150-jährigen Bestehens hatte der Aachener Karnevalsverein erstmals Oldtimerfreunde zu einer Rallye eingeladen. Bei einem spektakulären, von zahlreichen Schaulustigen verfolgten Start zu Füßen des Eäzekomp auf dem Markt hatten AKV-Präsident Horst Wollgarten und Achim Krott die noblen „Schätzchen“ mit ihrem blinkenden Chrom und poliertem Lack selbst mit on Tour geschickt. Schon gibt es eine Neuauflage. Der AKV lädt für Samstag, 29. Mai 2010 zur 2. Oldtimer-Rallye mit Orientierungs- und Zeitprüfungen ein, die für die Fahrer und ihre Co-Piloten eine fahrerische Herausforderung darstellen. Die Teilnahme ist auf 9 x 11 Fahrzeuge begrenzt. Startbeginn ist um 11.00 Uhr.

Classic“ ist um 15.30 Uhr. Die Zieleinfahrt ab 16.00 Uhr. Die Siegerehrung erfolgt anschließend am Samstag­ abend bei einem Essen in gemütlicher Runde. „The Race“ des AKVs ist eine Oldtimerrundfahrt für Automobile bis Baujahr 1979. Die Fahrtunterlagen bestehen aus Chinesenzeichen und Kartenausschnitten mit eingedruckter Streckenführung. Neben Sichtkontrollen (Stumme Wächter) sind Sollzeit- und Gleichmäßigkeitsprüfungen vorgesehen. Geschicklichkeitsprüfungen und Fragen sind nicht Bestandteil der Veranstaltung. Die Aufgaben haben ausdrücklich keinen motorsportlichen Charakter. Alle Aufgaben werden in den Fahrtunterlagen eindeutig erläutert. Die Fahrer müssen im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis und die Fahrzeuge älter als 30 Jahre und im Sinne der StVZO zugelassen sein.

Auch in diesem Jahr lockt eine interessante Strecke durch die Region. Vom Markt aus geht es über Eupen – Malmedy – Monschau – Aache­n/Lous­berg – zurück zum Markt. Die Kaffeepause wird dabei in Malmedy eingelegt. Zu den Wertungsprüfungen gehören: Orientierungsaufgaben, Sollzeit- und Gleichmäßigkeitsprüfungen sowie zum Abschluss als „Lousberg-Classic“ eine Zeitprüfung. Startzeit der „Lousberg

Auch in diesem Jahr lockt eine in­ teressante Strecke durch die Region!


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Interessenten, die an der 2. OldtimerRallye des AKVs teilnehmen möchten, melden sich bitte bei der AKVGeschäftsstelle unter 02 41/47 03 11-0, Kurhausstr. 2c oder per E-Mail unter: info@akv.de.

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Veranstaltungskalender und Termine

Veranstaltungen | Termine Prinzenproklamation 2010

Florresei Palast 2010

8. Januar 2010, ab 19.30 Uhr

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Prinzenproklamation des AKVs am 8. Januar 2010. Es gibt verschiedene Kartenkategorien, z.B. Saal- und Ballkarten. Informationen dazu gibt es in der Geschäftsstelle.

Ritter Nacht 2010

Die berühmt-berüchtigte Karnevalsparty der AKV Ehren­ hüte, hier bleibt kein Auge trocken – im Barocksaal des Alten Kurhauses wird gefeiert bis zum Abwinken.

AKV Kaffeevisite 2010

29. Januar 2010, Einlass ab 18.00 Uhr

Alljährlich findet die Ritter Nacht am Vortag der Ordensverleihung statt. Diese Veranstaltung ist den Mitgliedern, Sponsoren, geladenen Gästen und den Medienvertretern vorbehalten.

60. Verleihung des Ordens

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14. Februar 2010, ab 14.30 Uhr

Am 14. Februar feiern Kids mit ihren Eltern – ein Familienfest für Jung und Alt im Alten Kurhaus – direkt nach dem Kinderzug. Stargast: das AKV-Maskottchen „Barki“

Theaterball 2010

WIDER DEN TIERISCHEN ERNST

Festvorstellung und Schlussball

30. Januar 2010, ab 20.15 Uhr

Die 60. Verleihung des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST im Eurogress Aachen

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16. Februar 2010, ab 20.00 Uhr

AKV-Abschlussball mit Verabschiedung des Prinzen im Theater Aachen

2. AKV Oldtimer-Rallye

5. Februar 2010, Einlass ab 18.30 Uhr

Aachens wahrscheinlich größte Karnevalsfete vereint Jahr für Jahr bis zu 4.000 der jüngeren Jecken; gefeiert wird in der Albert-Vahle-Halle.

Open-Air AKV 2010 6. Februar 2010, ab 10.30 Uhr

Der AKV lädt zur Open-Air-Sitzung auf dem Holzgraben ein.

13. Februar 2010, ab 20.00 Uhr

„The Race 2010“ 29. Mai 2010, ab 11.00 Uhr

Nostalgie pur macht sich wieder breit, wenn vor historischer Kulisse am 29. Mai die 2. Oldtimer-Rallye des AKVs auf dem Markt ihren Anfang nimmt. weitere Informationen: www.akv.de

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Menschen beim AKV

Achim Floegel – der Theatermacher am Veilchendienstag Joachim Floegel (47) ist ein Mann, der für den klaren Durchblick sorgt. Und das als staatlich geprüfter Augenoptiker schon von Berufs wegen. Wer aber hätte gedacht, dass er, den der organisierte Karneval nie interessiert hatte, vor fünf Jahren von einem Tag zum anderen als ein „Till Eulenspiegel“ die totale Kehrtwende machen würde. Dazu muss man wissen, dass „Achi­m“, wie ihn seine Freunde nennen, eine große Begabung besitzt: Er organisiert gerne. Das macht auf ihn aufmerksam. „Egal wo und was, immer versuche ich das Beste herauszuholen und nie einfach nur mitzu­schwimmen“, erzählt er. Deshalb habe er sich 1995 auch mit seinem Fachgeschäft selbständig gemacht. Und das „am schönsten Platz von Aachen – am Markt“, schmunzelt er. Hautnah erlebt er hier seitdem an jedem Karnevalssonntag und Rosenmontag, wenn die Züge gehen, das närrische Treiben der Öcher Jecke aus erster Hand, und längst ist es zur Tradition geworden, hier mit ihm und seinem Team „zesamme Fastelovvend ze fiere“.

Mag’ sein, dass ihn der Virus Carnevalis dabei so befallen hat, dass er es nicht sofort entschlossen ablehnte, als er gefragt wurde, ob er im Hofstaat von Dirk III. Chauvistré mitmachen wolle. Beim ersten Treffen stellte er aber fest, dass viele der Hofstaatler Mitglieder der Noppeney-Garde waren. „Nein, sagte ich. Es sei denn, ich dürfte der Till Eulenspiegel sein. Davon hatte ich schon als i-Dötz geträumt“, blickt Achim Floegel zurück. In der Session 2005 sah man ihn dann als ausgelassenen Hofnarren durch die Säle ziehen. „Kannte ich bis dahin den AKV nur durch die Übertragung der Festsitzung im Fernsehen und eine einmalige Assistenz beim AKV-Familien­ fest „Kaffee, Kids & Kokolores“, so lernte ich nun liebe, nette Menschen aus dem Elferrat persönlich kennen“, plaudert er. Zehn Monate später wurde Achim Floegel vom AKV zum Elferratsbeirat berufen und avancierte 2007 zum Elferratsherren. Übertragen wurde ihm nun die Planung und Organisation der jährlichen Theatervorstellung zum Sessionsausklang am Veilchendienstag. Als Vorsitzender der Kulturinitiative Korneli­münster, der er zehn Jahre lang angehörte, war Achim Floegel jetzt auch beim AKV wieder in seinem Element. „Der Theaterabend muss meine Handschrift kriegen“, spornte er sich selbst an. Mit vollem Erfolg. Er führte intensive Gespräche mit dem Dramaturgen des Stadttheaters zur Auswahl der jeweiligen Theaterproduktion, besuchte – immer auf der Suche nach neuen Talenten – die Sitzungen anderer Karnevalsvereine oder, wie auf der Durchreise nach Australien in Köln, für eine Stunde schnell den Weihnachtsmarkt und entdeckte dort die Eifeler Alphornissen, bei einer anderen Gelegenheit wiederum die Blechhornissen, machte mit ihnen und klassischen Interpreten aus dem Öcher Fastelovvend einen bunten Mix, und ließ damit das Publikum außer Rand und Band geraten.


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„zesamme Fastelovvend ze fiere“. Achim Floegel verzichtet bei den Thea­tervorstellungen am Veilchendienstag auf Moderatoren, gibt dem Präsidenten nur zwei Minuten Zeit zur Begrüßung und den scheidenden Prinzen müssen 20 Minuten zur Verabschiedung genügen. „Ich bin sehr, sehr streng und rigoros, und Pünktlichkeit geht mir über alles“, gibt Achim Floegel ehrlich zu und ergänzt: „Man kann sich auf mich verlassen, da möchte ich mich auch auf andere verlassen können“. Dem Ensemble des Theaters macht die Zusammenarbeit mit ihm und dem AKV unheimlich viel Freude. Obwohl der Ablauf des Theaterstücks an diesen Abenden stark vom Drehbuch abweicht, brauchen die Künstler nur eine Stunde, um klar zu kommen. „Viel, viel Spaß macht mir die Einstudierung der Elferratsauftritte. Manchmal kann da auch etwas total verrückt ausfallen“, lacht der Theatermacher vom Veilchendienstag. Das löse dann sofort beim Publikum das gewohnte Tröten und Luftschlangenwerfen aus. Er selbst stand bei den bisher drei Thea­terabenden in eigener Regie nur einmal auf der Bühne. Zusammen mit Boris Bongers, Rolf Gerrards und Udo Dümenil sang und steppte er als „Die 4 aus 11“ zur Parodie „Waddehaddedudeda“. Applaus war dem Quartett sicher.

Dass auch kleine Dinge Furore machen und sogar Sammlerwert erhalten können, zeigt sich an den „Westen­t aschenprogrammheften“, die eben­falls eine der vielen Neuerungen Achim Floegels sind. Praktisch während des Theaterabends unterzubringen, bieten sie darüber hinaus auch die Möglichkeit, schon am Abend selbst Karten für das nächste Jahr zu bestellen. Die schließlich, sind alljährlich heiß begehrt und umgehend ausverkauft. Hat der Theatermacher selbst einmal daran gedacht, Prinz Karneval zu werden? „Ja und nein“, lautet die Antwort. Vielleicht direkt nach der Hofstaatzeit

– ja! Immerhin war sein Großpapa einmal Präsident einer Karnevalsgesellschaft und Sohn Moritz (15) war Kinderprinz in Venwegen. Die karnevalistischen Ambitionen von Gattin Birgit und Tochter Julia (18) hingegen beschränken sich auf den Besuch von Veranstaltungen des AKVs. Achim Floegel ist nicht nur ein Schöngeist, der leidenschaftlich gern tanzt, ein Fan von Oldtimern ist, sich Italien und Rom zu seinen Lieblingsreisezielen erkoren hat, sondern ebenso ein Lebensoptimist von mitreißendem Charisma. Entsprechend lautet sein Motto: „Das Leben genießen – immer!“ Ein Blick in seine sprechenden Augen lässt ihm glauben.

„Egal wo und was, immer versuche ich das Beste heraus­ zuholen und nie einfach nur mit­ zuschwimmen“

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Ordensritter seit 1950

Der Orden WIDER DEN TIERISCHEN ERNST und seine Ritter 1950 JAMES A. DUGDALE Er entließ als britischer Militärstaatsanwalt 1950 in Aachen einen Verurteilten während der Karnevalstage aus der Haft, weil er es dem Delinquenten nicht zumuten wollte, „die höchsten Feiertage im Rheinland“ hinter Gittern zu verbringen. 1952 JULES VON JOUANNE Der damalige Regierungsrat ließ in der Eulenspiegel-Stadt Mölln den versammelten deutschen Finanzministern die festlich gedeckte Tafel wieder abräumen und Eintopf servieren. Denn: „Schleswig-Holstein ist arm.“ 1953 HANS SACHS Als Staatsanwalt identifizierte er sich in Nürnberg mit seinem berühmten poetischen Namensvetter, indem er eine ihm zugesandte Schmähschrift auf Bundeskanzler Konrad Adenauer mit Knit­tel­versen im Stil des SchusterPoeten an den Kläger zurücksandte. 1954 LEO M. GOODMAN Der US-Chefrichter in der Bundesrepublik begründete ein Urteil gegen eine Deutsche und einen Italiener, die sich wegen einer Portion Ra­violi mit einem Amerikaner geprügelt hatten, juristisch brillant und umwerfend kabarettistisch. 1955 DR. AUGUST DRESBACH Dem Bundestagsabgeordneten gelang es, bei einer durchaus ernsthaften Debattenrede laut Protokoll 46mal „Heiterkeit“ oder sogar „stürmische Heiterkeit“ hervorzurufen. 1956 WILLEM BARON MICHIELS VAN KESSENICH Der Bürgermeister von Maastricht entwaffnete durch ein humorvolles Telegramm an den Kriegsminister, der einen Fußballplatz beschlagnahmen wollte. Der General kapitulierte mit Humor vor dem Humor. 1957 MAX BECKER Der Vizepräsident des Deutschen Bun­destages pflegte Gästen die provisorische Bundeshauptstadt so zu erklären: „Bonn ist die Oase, in der die Regierungskarawane […] lagert auf ihrem Weg zum […] Ziel Berlin.“

1958 DR. CARLO SCHMID Der Bundestagsvizepräsident wurde als einer der geistreichsten und schlagfertigsten Redner ausgezeichnet. 1959 KONRAD ADENAUER Der Bundeskanzler war ein Meister der Vereinfachung: Mit wenigen, aber treffenden kölschen Worten erklärte er die Probleme der Nation. Er war der Prototyp des rheinischen Humorikers und fröhlichen Spötters, der auch über sich selbst lachen konnte. 1960 RUDOLF EBERHARD Als höchst unkonventioneller und unbürokratischer bayerischer Finanzminister trat er in München öffentlich als Raubritter auf und regte ein „Trostbüchlein“ für Steuerzahler an. 1961 DR. BRUNO KREISKY Der österreichische Außenminister parierte den Wunsch der über München verärgerten Stadt Burgau nach Anschluß an Österreich mit brillantwitziger Diplomatie. 1962 ROCHUS SPIEKER Der Dominikanerpater war als humorvoller, streitbarer Kanzelredner, Publizist und Drehbuchautor ein moderner Nachfahre des Abraham a Santa Clara. 1963 HENRY CHAUCHOY Der Professor erwarb sich als Kul­ turbeauftrag­ter der französischen Besatzungsmacht Meri­ten in der Mainzer Bütt. Seine Maxime: „Karneval ist für die Deutschen heilsam, weil sie den Behörden etwas am Zeug flicken und durch Lachen den Untertanengeist mindern können.“ 1964 DR. EWALD BUCHER Der Bundesjustizminister glossierte in den von ihm herausgegebenen „Blauen Briefen der Bundesregierung“ mit geistreicher Ironie die Bonner Politszene. 1965 PAUL MIKAT Der nordrhein-westfälische Kultusminister, Geisteswissenschaftler und Professor für Staatsrecht begrüßte bei Festversammlungen illustre Gäste nicht namentlich, sondern spitzzüngig: „Meine lieben Titel...“.


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1966 PIETRO QUARONI Der Präsident der Radio Televisione Italiana erhielt den Orden für sein Wirken als „lachender Diplomat“ – ein Titel, den er sich in seiner Botschafterzeit erwarb. 1967 KARL-GÜNTHER VON HASE Auf dem glatten Parkett der Bundespressekonferenzen meisterte der „Bundespressechef“ selbst schwierigste Situationen durch Selbstironie, beredtes Nichtssagen und entwaffnende Schlagfertigkeit. 1968 PER HAEKKERUP Der dänische Landwirtschaftsminister ließ sich wegen seiner Leibesfülle als erster Ritter mit Käse aufwiegen. 1969 HERMANN HÖCHERL Der B­undeslandwirtschaftsminister war das Politoriginal seiner Zeit. Von seinem Dienstherrn Adenauer als „Schlitzohr“ und „Bauernspitz“ titu­ liert, war er leiblichen Genüssen durchaus zugetan. 1970 DENIS W. HEALEY Zahlreiche Anekdoten zeugen von dem schier unerschöpflichen Vorrat an Bonmots des Schatzkanzlers Ihrer Majestät auf dem internationalen politischen Parkett. 1971 JOSEF ERTL und FRANZ XAVER UNERTL Landwirtschaftsminister der eine, Abgeordneter der andere, waren sie ein urbayerisches Dioskurenpaar, das mit viel Mutterwitz Heiterkeit in die Bundestagsdebatten brachte. 1972 HELMUT SCHMIDT Als Verteidigungsminister erlaubte er den Soldaten die damals modische Haarlänge. Sein „German Hair Force“Erlass ging in die Geschichte der Bundeswehr ein. 1973 LANCE POPE Der britische Botschafter, der als Englishman so plattelte und jodelte, dass waschechte Bayern neidisch wurden, verband den sprichwörtlichen englischen Humor mit deutscher Fröhlichkeit.

1974 WALTER SCHEEL Dem Außenminister, der sich selbst als „Scheel mit dem Eulenspiegelblick“ bezeichnete, gelang es stets, auf dem schwierigen diplomatischen Parkett mit rheinisch-fröhlicher Offenheit der Freiheit eine Gasse zu schaffen. 1975 DR. WILLFRIED GREDLER Der österreichische Botschafter komponierte diplomatische Sonaten und verlieh mit Wiener Esprit nicht nur dem Europarat rhetorischen Glanz. 1976 CONSTANTIN FREIHERR HEEREMAN VON ZUYDTWYCK Der Präsident des Deutschen Bauern­ verbandes bewies, dass man auch als Lobbyist handfeste In­teressen mit Hu­ mor vertreten kann. Herzhaft sein Kern, die Schwarte rauh, nobel das Etikett. 1977 DR. RAYMOND BROGER Der Landamtmann des Kantons Appenzell-Innerrhoden wehrte sich gegen irrige Vorlagen statt mit Hand und Fuß mit dem Kopf. 1978 EPHRAIM KISHON Der israelische Schriftsteller machte besonders das Spannungsfeld Bürger – Behörde zum Thema seiner satirischen Betrachtungen. 1979 HANS-DIETRICH GENSCHER Der verschmitzte Außenminister hätte den Orden gleich mehrfach verdient. Er erhielt ihn jedoch als Dienstherr des real nicht existierenden Ministerialdirigenten Edmund Draeker, dessen Kapriolen das Auswärtige Amt noch lange in Atem hielten. 1980 RICHARD STÜCKLEN Der AKV nahm den Bundestagspräsidenten beim Wort, der in seiner Antrittsrede den Parlamentariern mehr Humor in politischen Debatten empfohlen hatte, getreu seiner Maxime: „Humor ist der Mutterboden der Demokratie.“ 1981 HEINZ WERNER KETZER Der wegen seiner humorvollen Predigten weit über Köln hinaus bekannte Dompropst war ein klassisches Beispiel für die Vereinbarkeit kirchlicher Autorität mit rheinischem Frohsinn.

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Ordensritter seit 1950

Der Orden WIDER DEN TIERISCHEN ERNST und seine Ritter 1982 MANFRED ROMMEL Der Stuttgarter Oberbürgermeister, Musterbeispiel eines Philosophen, verbindet die schwäbische Mentalität mit hintergründigem Humor. 1983 DR. BERNHARD VOGEL Als Ministerpräsident von RheinlandPfalz nahm er durch seinen subtilen Humor auch politische Gegner für sich ein. In der zum „Vogelhaus“ umbenannten Staatskanzlei veranstaltete er „närrische Vogelschauen“. 1984 FRIEDRICH NOWOTTNY Der Mann vom „Bericht aus Bonn“ verstand es, als Moderator auf deutschen Bildschirmen zu der Erkenntnis beizutragen, dass auch „hohe Tiere nur Menschen sind“. 1985 DR. NORBERT BLÜM Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung ist eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten des Kabinetts. Dem ständigen Balanceakt zwischen vielen Stühlen wird er mit Beharrlichkeit und Heiterkeit gerecht. 1986 JOHANNES RAU „Bruder Johannes“ oder „der gute Mensch aus Wuppertal“ – so wird der nordrhein-westfälische Ministerpräsident gerne genannt. Er vereinte mit milder Ironie und leisem Humor die Rollen des Landesvaters und des Regierungschefs. 1987 PROF. AUGUST EVERDING „Schlaugust“ verfügt über Witz, Ironie, Esprit und komödiantenhaften Schalk, ohne jemals zu vergessen, dass Humor eine Sache des Herzens ist. Als Generalintendant der Bayerischen Staatstheater verband er Kunst und Kommerz, Managertum, Pädagogik und Glauben in sich. 1988 PROF. GERTRUD HÖHLER Die Professorin für allgemeine Literaturwissenschaft, erste Ordensritterin, propagierte den Einsatz des Lachens als humane Strategie. Ihr Motto: „Wissen kann man nur vermitteln, wenn man unterhält.“

1989 FRANZ JOSEF STRAUSS Der bayerische Ministerpräsident stand als politisches Original im sauren Wald der angepassten Polit-Fichten sturmerprobt als knorrige Eiche. Intellektuelle Schärfe paarte sich bei ihm mit rauflustiger Kumpelhaftigkeit. 1990 LOTHAR SPÄTH Das schwäbische Cleverle, damals hauptberuflich Ministerpräsident von Baden-Württemberg, profilierte sich als pfiffiger Zugführer der schwäb’­ schen Eisenbahn, die unter ihm zu einem Transrapid mutierte. 1991/92 DR. DR. JACK LANG Als französischer Kulturminister war er der Paradiesvogel im Pariser Kabinett. Der Juraprofessor und Theaterdirek­tor schaffte es, eine ganze Nation zu unterhalten, indem er die Welt als Büh­ ne und Politik als eine besondere Form von Theater sah. (1991 fiel der närrische Staatsakt wegen des Golfkrieges aus.) 1993 DR. RUUD LUBBERS Der niederländische Regierungschef erfand das perfekte Inkognito: Im Maastrichter Karneval mischte er sich mit seiner eigenen Maske unter das närrische Volk. 1994 RENATE SCHMIDT „Mut zur Menschlichkeit“ charakterisiert die frühere Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Von Herzen zu lachen, ohne sich zum Narren zu machen, und weinen, ohne ein Clown zu sein: Die beiden Seiten der Renate Schmidt und des Ordens „Wider den tierischen Ernst.“ 1995 DR. HEINER GEISSLER Als „Hofnarr“ der Union hält der stellvertretende CDU/CSU-Frak­tions­vor­ sitzen­de seinen Par­teifreunden den Spiegel vor: „Narren sind die wahren Humanisten. Sie lieben die Menschen, und nur deshalb dürfen sie ihnen auch wehtun.“ 1996 BERNARD HENRICHS Der Kölner Dompropst leistete Fürbitte für einen stadtbekannten Sünder aus dem Milieu zum Dank für dessen Hilfe bei der Wiederbeschaffung eines gestohlenen Domschatz-Kreuzes.


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1997 DR. THEO WAIGEL Der Bundesfinanzminister bewies als „Theo gegen den Rest der Welt“ in Zeiten von Steuerreform, Sparpaketen und Erfüllung der Maastrichter Konvergenzkriterien unerschütterlichen Humor und Schlagfertigkeit. 1998 HEIDE SIMONIS Die Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein eroberte als dritte Frau den Aachener Narrenkäfig: Als wortgewaltige rote Freibeuterin von der Ostsee trat die sturmerprobte Regierungschefin aus dem Norden an. 1999 JOHN C. KORNBLUM Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika setzte im politischen Alltag erfolgreich auf eine ganz besondere Strategie: Humor. Als Cowboy im Narrenkäfig griff er daher nicht zum Colt, sondern hielt dem Gastland den Spiegel vor. 2000 DR. EDMUND STOIBER Auch als Narr machte Edmund Stoiber, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, Ernst: „Der Humor ist mir verreckt.“ So trat er im Aachener Narrenkäfig erfolgreich an. 2001 Dr. Guido Westerwelle Fit for fun ist der Bundesvorsitzende der FDP zu jeder Gelegenheit. Als muskelbepackter Mister 18 Prozent hatte Guido Westerwelle im Aachener Narrenkäfig alle Fitnessfreaks und Frohnaturen auf seiner Seite. 2002 Dr. Thomas Borer Dem klassischen Bild eines Diplomaten entspricht er wenig: bei Thomas Borer ist man vor keiner Überraschung sicher. „Botschafter Lustig“ nennen ihn Schweizer Kritiker, die deutsche Presse kommentiert hingegen begeistert den Bogen vom Alphorn nach Hollywood. 2003 Dr. Wendelin Wiedeking Spitzbübisch beruhigte der forsche Porsche-Primus die Konkurrenz: „Ja, ich weiß, liebe Wettbewerber, auch Ihr baut schöne Automobile. Aber so wenig Nutzen wie ein Porsche kann so schnell keiner in die Waagschale werfen“ (manager magazin).

2004 DR. HENNING SCHERF Allüren sind dem Nordlicht fremd: Bescheiden­heit und Warmherzigkeit prägen seinen Stil, an­steckender Optimismus und Entschlossenheit sein Handeln. Er trinkt heißes Wasser statt Kaffee oder Bier, fährt Fahrrad statt Dienstlimousine; sein Hang zum Unkonventionellen ist sein Markenzeichen. 2005 PROF. DR. DR. KARL KARDINAL LEHMANN Er gilt vielen als der derzeit populärste Geistliche in Deutschland. Sein Vorname bedeutet im Althochdeutschen „freier Mann“, und diesem Wortsinn ist er im Laufe seiner beeindruckenden Karriere oft gerecht geworden: „Ich möchte meinen Weg gehen, ob gelegen oder ungelegen.“ 2006 FRIEDRICH MERZ Mit Friedrich Merz bekommt das Wort ‚Vergnügungssteuer‘ eine völlig neue, zutiefst karnevalistische Bedeutung. Sein Vorschlag, Steuererklärungen künftig auf Bierdeckeln abzugeben, entspannt die verzerrten Züge des deutschen Steuerzahlers und gibt ihm ein menschliches Gesicht zurück. 2007 JOACHIM HUNOLD Auch bei Fehlern geht der Pilot mit (privater) Fluglizenz nicht gleich in die Luft. „Wenn man etwas falsch gemacht hat, es aber nicht mehr ändern kann, dann kann man darüber nur noch herzhaft lachen. Das gilt auch für mich selbst, wenn ich Blödsinn gemacht habe. Allerdings: Dasselbe darf nicht noch einmal passieren.“ 2008 I.D. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis Sie riss die Karnevalsgesellschaft mit ihrer launigen Rede über Gleichberechtigung von den Stühlen. „Welcome Powerfrau – Schneewittchen ade!“ rief sie aus und entledigte sich gekonnt ihres Prinzessinnenlooks … 2009 Mario Adorf Er kam, sah und siegte: Mario Adorf begeisterte als Narr, der seine Narrenfreiheit voll auskostete und den Gro­ ßen dieser Welt den Spiegel vor’s Gesicht hielt, voller Satire, Melancho­lie, Komik und lausbubenhaftem Humor.

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Unser Dank gilt den Sponsoren

Die AKV-Sessionsorden 2010 „Was zog einst durch Aachen für eine Gestalt mit Orden geschmückt und Ehrenzeichen …“ Dieses von Aachener Karnevalisten immer wieder voller Inbrunst gesungene LennetKann-Lied drückt die stille Begehrlichkeit der Aktiven aus, durch die Verleihung eines Karnevalsordens Anerkennung zu finden. Mit stolz geschwellter Brust stellen die Mannslü heute auf den Jackenrevers Sticker um Sticker zur Schau. Mag der eine nur abwehrend von „Trööeteblech“ sprechen, so weiß der wahre Karnevalist den Wert dieser Auszeichnung richtig einzuschätzen, wird doch damit seinem Einsatz Respekt gezollt, anderen Freude zu bringen. Um seinen Mitgliedern, verdienten Aktiven, Sponsoren und Freunden würdigen Dank zu sagen, sind die jährlichen Sessionsorden des AKVs mehr und mehr zu dekorativen Schmuckstücken geworden, insbesondere die zierlich gehaltenen Damenorden, während die Herrenorden auf die Persönlichkeit des jeweiligen Ordensritters abgestimmt sind. So auch wieder in diesem Jahr.

Der Herrenorden 2010 Der Herrenorden besteht aus zwei Teilen. Der obere, durchbrochene Teil zeigt die Lippische Rose, den AKVSchriftzug und die Jahreszahl 2010. Im Mittelpunkt des unteren, neun Zentimeter großen Teils prescht, verschmitzt lachend auf galoppierendem, westfälischem Ross Ordensritter Dr. Jürgen Rüttgers heran. Auf dem Kopf trägt er die AKV-Mütze. Sein Namenszug ziert die rheinische Seite des NRW-Wappens, während die westfälische die Signatur: „60 Jahre Wider den tierischen Ernst“ trägt. Beide Landesteile werden nicht durch die Lippische Rose, sondern durch das A­achener Stadtwappen miteinander verbunden.

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Der Damenorden 2010 Der Damenorden ist vierteilig, zeigt als Grundmodell die Lippische Rose aus dem NRW-Wappen, deren Kranz mit 20 Strasssteinen besetzt ist. An ihr hängen an mattversilberten Kettchen drei Anhänger: in der Mitte plattiert der Namenszug Dr. Jürgen Rüttgers, links bzw. rechts die Jahreszahl 2010 und der Narrenkäfig, die ebenfalls von Strasssteinen geziert werden. Der Orden ist 4.5 cm x 4.3 cm groß und mit Zaponlack überzogen, damit er nicht oxydiert und seinen Mattglanz behält. Sowohl Herren-, als auch Damenorden wurden bicolor mattgold- und mattsilberfarbig gestaltet.

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„Für jede Jeck die richtje Streck!“ airberlin wünscht allen Jecken eine bunte Session 09/10!

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Die Belfrutta Auslese in 11 fruchtigen, unwiderstehlichen Sorten. Das ist kĂśstliche Vielfalt und Abwechslung fĂźr jeden Geschmack.

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