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Journal 2008 Journal 2 | 2008

Ausgabe 2 1. Jahrgang · Session 2008

Nachgefragt: Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden im Gespräch Einmalig: Wenn Öcher Ströpp Fastelovvend fiere …

AKV-MediaNight: Ein Rückblick

Ritterin Gloria: Die Fürstin eroberte alle Herzen im Sturm

Es ist amtlich: Thomas I. Ebert wird Prinz der Jubiläumssession 2008/2009

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Freunde des AKV, Der AKV ist nicht nur ein Traditionsverein in der Stadt Aachen, sondern auch ein wertvolles Kulturgut. Er ist also wesentlich mehr als nur Karneval, sondern der AKV hat mit Tradition und Brauchtum und hoher Identifikation mit der Stadt zu tun. Ich erinnere an dieser Stelle an unsere Sammlung Crous, die eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung genießt. Die zweite Ausgabe des AKV-Journals wird als Schwerpunkt die Vorstellung des neuen Prinzen haben. Außerdem, welche AKV Veranstaltungen anstehen, welche Projekte geplant sind und einiges mehr, was von Interesse ist. Die Dezemberausgabe wird natürlich ganz dem neuen Ritter gewidmet, dem Ordensfest, dem Jubiläumsjahr – 150 Jahre AKV – und dem karnevalis­ tischen Treiben in Aachen. Wir möchten Ihnen auch unsere neue Geschäftsstelle vorstellen, die handeln­den Personen und wie Sie mit dieser Geschäftsstelle kommunizieren können. Weitere Portraits werden folgen. Wir würden uns sehr wünschen, dass das AKV-Journal auch ihren Wünschen und Vorstellungen entspricht.

eine für den AKV erfolgreiche Session 2008 ist Geschichte. Wir sind mit dem Motto angetreten: Altes bewahren – Neues wagen. Vielleicht ist uns das bereits in Ansätzen gut gelungen. So nehmen wir in jedem Fall die Botschaften auf, die uns insbesondere nach der Festsitzung 2008 entgegengebracht wurden. Wir danken an dieser Stelle allen Förderern, Sponsoren, gesellschaftlich und politisch Verantwortlichen in der Stadt Aachen und vielen, vielen Bürgern dieser Stadt für das uns entgegengebrachte Vertrauen und die vielen guten Wünsche, die uns in der Session begleitet haben. Wir danken sehr herzlich dafür und wissen gleichzeitig, dass noch eine lange Strecke des Weges zu gehen ist. Aber wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel.

Vorstand und Elferrat des Aachener Karnevalsvereins haben nach der ers­ ten Ausgabe des AKV-Journals anlässlich der Ordensverleihung an Gloria Fürstin von Thurn und Taxis beschlossen, im Jahr zwei Ausgaben dieses Journals herauszugeben. Diese erscheinen jeweils im Sommer (Juli) und Winter (Dezember) in einer Auflage von ca. 6000 Exemplaren. Somit verpassen Sie künftig nichts mehr – so hoffen wir! Ich weiß, es gibt viele, viele Journale. Aber wir wollen uns nicht einfach in die Kette von Journalen, Infoblättern usw. einreihen, sondern wir möchten Sie mehr als informieren. Wir möchten Sie als Partner des AKV gewinnen. Wir möchten eine verbesserte Identifikation mit diesem Aache­ner Traditionsverein, der im nächsten Jahr 150 Jahre alt wird.

Viel Spaß beim Lesen der zweiten Ausgabe des AKV-Journals und gestatten Sie mir zum Schluss ein Zitat: Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit, ein bisschen mehr Güte und weniger Neid, ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass, ein bisschen mehr Wahrheit, das wäre doch was. Herzlichst,

Präsident des AKV

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Inhalt | Impressum

Inhalt

Journal 2 | 2008

Impressum Seite

Editorial Horst Wollgarten, AKV-Präsident

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Impressum

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Portrait des designierten Prinzen der Session 2008/2009, Thomas I. Ebert

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Der AKV – Ein Aushängeschild: Exklusivinterview mit Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden

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Fürstin Gloria mit glanzvollem Auftritt

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Die AKV-Geschäftsstelle

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Buch: „Mit närrischem Frohsinn …“ 150 Jahre AKV

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Domspatzen: 34 Jahre aktiver Fastelovvend

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Kinderkarneval: Historie und Nachwuchs

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Das AKV-Archiv

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Der AKV im Team

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Küchenparty der Ex-Prinzen: Gans janz anders

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Interview mit Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Kanzler des Ordens wider den tierischen Ernst

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Der AKV gratuliert seinen Jubilaren

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Veranstaltungskalender und Termine

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Stimmungsvoller Auftakt: Die AKV-MediaNight

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Was die Presse schreibt …

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Menschen beim AKV: Willy Kick, Elferratsbeirat

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Jubiläum der Sammlung Crous

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Unser Dank gilt den Sponsoren

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Herausgeber AKV gegr. 1859 e.V. Kurhausstraße 2c 52062 Aachen Telefon 0241/47 03 11 -0 Fax 0241/47 03 11 -19 info@akv.de www.akv.de Präsident Horst Wollgarten Koordination Patrik Hoesch Anzeigen Alexander Krott Text Jutta Katsaitis-Schmitz Heinz Elmann Fotos Helmut Koch Sabine Brauer Jutta Katsaitis-Schmitz AKV-Archiv Grafik mäx it Werbeagentur GmbH Monika Korbanek Druck Silberdruck, Kassel Auflage 6.000 Stück

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Portrait des designierten Prinzen der Jubiläumssession 2008/2009

Thomas Ebert wird neuer Prinz Karneval Seine natürliche Lebensfreude wirkt ansteckend, und seine mitreißende Art zum Leben Ja zu sagen, macht neugierig darauf, mit dabei zu sein. Dieser Mann mit den leuch­tenden Augen und dem strahlenden Lächeln wurde vom AKV zum designierten Prinzen Karneval erkoren. Es ist Thomas Ebert (38), der mit seinem sympathischen Charisma Garant für eine fröhliche, ungezwungene und volkstümliche Session 2009 ist. Und gerade diese Session hat es in sich, feiert der Aachener Karnevalsverein doch dann sein 150-jähriges Jubiläum. Einstimmig hatte sich der Elferrat für Ebert entschieden. AKV-Präsident Horst Wollgarten war bei dieser Entscheidung bewusst außen vor geblieben, ist er doch als Chef der WotaxGruppe in Aachen zugleich auch der Arbeitgeber von Thomas Ebert. Der gelernte Bankkaufmann ist bei der Wotax als Betriebsberater für kleine und mittelständische Unternehmen mit dem Schwerpunkt Existenzgründungs- und Sanierungsberatung tätig. Mehrere Kandidaten standen zunächst als Tollitäten im Gespräch. „Ganz en passant hatte mich Horst Wollgarten dann in der Firma gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Prinz Kar­neval zu werden“, hält Ebert Rückschau. Er sagte leidenschaftlich „ja“. Dann ging alles ganz schnell, bis der Elferrat ihn kürte. Eine Woche lang sei er vor innerlicher Freude mit einem „Grinsen“ umhergegangen, sodass sich seine Freunde gewundert hätten. Aber er durfte ja vor der Pressekonferenz nichts verlauten lassen.

Die kommende Session geht er mit einer Mischung aus Gelassenheit und Vorfreude an. Thomas Ebert (38) wird neuer Prinz Karneval der JubiläumsSession 2008/2009. Der Hofstaat des passionierten Hockeyspielers wird von sportlichem Mannschaftsgeist geprägt sein und beim Sessionsmotto spielt verständlicherweise auch das 150-jährige Jubiläum des AKV eine Rolle. Es soll locker, freundlich und menschlich zugehen und ein karitatives Engagement ist bereits anvisiert.


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„Ich gehe mit sehr viel Respekt an diese Aufgabe heran und habe immer gedacht, dass man in einem Karnevalsverein organisiert sein muss, um einmal Prinz zu werden“, gibt er zu. Wenn er auch keinerlei Erfahrung im Vereinskarneval hat, so kann er doch auf mehr als zwei Jahrzehnte intensiv gefeierten Straßen- und Kneipenkarneval zurückblicken und aufbauen. „Ich habe kaum je einen Fettdonnerstag oder einen Rosenmontagszug verpasst und in früheren Jahren sogar von Fettdonnerstag bis Rosenmontag Urlaub genommen. Ich trag’ halt den Karneval im Herzen“, berichtet er lachend. Auf dem Marktplatz, im Euro­ gress, in den Kurparkterrassen, auf dem Burtscheider Markt und „weiß Gott wo sonst noch überall“ habe er mitgeholfen, die schönste Jahreszeit zu feiern. Dass er demnächst selber über das Treiben der Jecken wacht, dass er demnächst selber von seinem Prinzenwagen Klömpchere werfen kann – „das muss doch das tollste Gefühl der Welt sein“, sagt Ebert. Im Freundeskreis habe er immer voller Neid auf den Prinzenwagen geschaut, wenn Tollität Klömpchere warf. Dann begann er mit seinen Freunden zu planen, beim nächsten Rosenmontagszug selbst mit einem Wagen dabei zu sein. „Am Aschermittwoch war das dann aber schon wieder vergessen“. Thomas Ebert ist zwar kein Freund von „schönen“ Karnevalskostümen, da­für aber von extravaganten. „Meine größten Erfolge hatte ich vor einigen Jahren als Roy Black“, erzählt er: mit Perücke und einem Mikro in der Hand, dazu einen entsprechenden Anzug, der seit 20 Jahren bei seinem Vater im Kleiderschrank gehangen hatte.

Geboren wurde Thomas Ebert 1970 in Aachen; aufgewachsen ist er im Südviertel, wo er zuerst die Katholische Grundschule Höfchensweg absolvier­ te, dann das Pius-Gymnasium besuch­ te und schließlich im Alter von 20 Jahren am Rhein-Maas-Gymnasium das Abitur bekam. In all den Jahren fühlte er sich besonders der Gemeinde St. Gregorius verbunden, schwärmt noch heute von Pastor Albert Hoentges. An die „vielen, vielen Feten in der Eismühle“ hat er noch immer die schönsten Erinnerungen: „Sie waren die beste Voraussetzung dafür, dass ich auch jetzt noch gerne gesellig mit Freunden feiere.“ Jahrelang habe seine Mutter vergeblich versucht, selbst Karten für den Pfarrkarneval von St. Gregorius zu erhalten. „Für die kommende Session habe ich ihr versprochen, dass sie dabei sein wird, und wenn ich selbst einen Stuhl von zu Hause mitbringen muss“, strahlt er glaubwürdig. Nach dem Abitur folgte die Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Aachen und schließlich die Fortbildung zum Sparkassenfachwirt; seit dem Jahr 2001 ist Ebert im Hause Wotax tätig. Die Familie der designierten Tollität ist eng mit Aachen verbunden. Sein Vater, der ehemalige CDU-Ratsherr und Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Franz Ebert, gilt als „Architekt des Aachener Weihnachtsmarktes“ und hat sich sehr für den Einzelhandel stark gemacht. Er und Gattin Evy unterstützen den künftigen Narrenherrscher, wie auch seine Schwester und sein weltenbummelnder Bruder, der als Investmentbanker und Rechtsanwalt mit seiner brasilianischen Ehefrau und einem gemeinsamen Kind in Paris lebt und arbeitet. Einzig bei Thomas Ebert hat sich die richtige bessere Hälfte noch nicht gefunden – er ist derzeit Single und neigt dazu, „vielleicht auch Single zu bleiben“? he/zis

„Das muss doch das tollste Gefühl der Welt sein.“

Ein echter Jugendstiltraum: Thomas Eberts Single-Wohnung in der Pontstraße. Besonderes Schmankerl: Die bemalten Wände im Wohnzimmer – dort hat sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Landschaftsmaler verewigt und die Wände mit opulenten Landschaftsszenerien bemalt. Bis heute ist das alles erhalten geblieben. Aus dem Fenster schaut Thomas Ebert auf die klassische Fassade des Zeitungsmuseums, hinten freut er sich über die eigene große Dachterasse.

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Portrait des designierten Prinzen der Jubiläumssession 2008/2009

Zehn Fragen an Thomas Ebert

Thomas Ebert, designierter Prinz der Session 2008/2009, hier mit Thomas Frings und Präsident Horst Wollgarten

„Fastelovvend es ne superjeile Zitt!“

Der Prinzenwagen wartet schon …


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Dein liebstes Reiseziel? Das ist eine gute Frage … ich schwanke zwischen der Toskana und der holländischen Küste. Da gibt es ein kleines Örtchen bei Renesse, Scharendyke heißt es. Sehr schön ist es dort. Wobei es auch andere Reiseziele gibt. Und wo findest Du Aachen am schönsten? Auf dem Markt, ganz eindeutig. Und dann natürlich noch in der Pontstraße. Eine Tasse Kaffee, im Café dem Treiben auf der Straße zuschauen, das ist schon herrlich. Welches Buch würdest Du auf die sprichwörtliche einsame Insel mitnehmen? In der Hoffnung, eine Steckdose vorzufinden, würde ich ein Hörbuch mitnehmen. Oder einen Laptop. Da bekommt man mehr drauf. Im Zweifel würde ich mich wahrscheinlich für ein Buch von John Irving entscheiden. Zum Beispiel „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“. Mit welchem Prominenten würdest Du gerne mal zu Abend essen (oder Karneval feiern)? Wenn man ihn als prominent bezeichnen kann, dann würde ich gerne mal mit Erik Meijer einen Abend verbringen. Aber eigentlich habe ich es gar nicht so mit Prominenten. Ein schöner Abend mit Freunden bedeutet mir tausend Mal mehr. Dein Lieblingsessen? Pasta. Auf jeden Fall. In allen Variationen, mit leckeren Saucen. Ich koche super gerne selber. Früher, bevor Kochen in Mode kam, hatten wir so eine eigene kleine Kochrunde. Das hat uns damals keine Frau geglaubt, Männer, die eine echte Kochrunde haben (lacht). Spontan würde ich vielleicht eine Sauce mit echtem toskanischen Olivenöl, kleingeschnittenen getrockneten Tomaten, Fenchel und viel Petersilie machen. Ich habe ein echtes Faible für die italienische Küche. In den vergangenen Jahren war ich sechs, sieben Mal in der Toskana. Das ist einfach ein tolles Lebensgefühl. In Viareggio, das ist direkt neben Pisa, da war ich auch mal. Da ist es toll, Viareggio ist die Karnevalshochburg Italiens … Hast Du so etwas wie ein Motto oder einen Leitspruch? Ja. Sich selbst nicht so ernst nehmen. Damit fährt man, glaub’ ich, in den meisten Lebenslagen sehr gut. Das größte Glück ist es, … Menschen seine Freunde nennen zu können. Also nicht nur Bekanntschaften und oberflächliche „Hallo-wie-geht’s“-Sachen. Echte tiefe Freundschaften. Karneval ist … Ne superjeile Zitt… Lieblingsmusik? Jamiroquai. Und sonst querbeet, alles, Karnevalsmusik, Charts, House … Dein Traumauto? Hm … das muss, glaub’ ich, der Maserati Spyder sein. Zumindest zum Angucken … man muss ja auch Träume haben.

Prinz Thomas I. freut sich bereits riesig auf die kommende Session!

Hobbys? Berge. Ganz eindeutig. Und dann die Berge mit dem Snowboard runterfahren. Ich habe da so eine kleine idyllische Pension im Stubai-Tal, da kann ich auf Anruf immer hinfahren. Wenn ich alt bin … … möchte ich mit meinen Freunden gemeinsam irgendwo sitzen, in einem Café oder einer Weinstube, und gemeinsam über das Leben philosophieren.

Thomas I., Prinz Karneval der Jubiläumssession 2008/2009!

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Exklusivinterview mit Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden

Der AKV – ein wichtiges Aushängeschild der Stadt Aachen Millionen Zuschauer erleben jedes Jahr per Bildschirm die AKV-Festsit­ zun­g Wider den tierischen Ernst. Haben diese Übertragungen aus Ihrer Sicht allein Unterhaltungswert oder erhöhen sie nicht vielmehr auch bundesweit den Stellenwert Aachens?

Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden wie er leibt und lebt: Als Politiker (oben) und im Öcher Fastelovvend (unten) .

Dr. Jürgen Linden: Die Resonanz ist enorm groß. Durch die bundesweite Ausstrahlung im Fern­ sehen haben wir in diesem Jahr 4,4 Millionen Zuschauer erreicht. Die Ordensverleihung liefert damit einen gigantischen Werbeeffekt für unsere Stadt. Wir haben aber auch noch Wachstumspotential, denn die meis­ ten Zuschauer haben wir in Nord­ rhein-Westfalen. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind es – wahrscheinlich mit Ausnahme unserer Partnerstadt Naumburg – nicht so viele. Die Wirkung nach außen hin bemisst sich aber nicht nur durch die Quote. Wir haben in Aachen ein besonderes Sitzungsformat, das sich von den im Fernsehen übertragenen Kölner oder Mainzer Sitzungen unterscheidet. Es ist eine gelungene Mischung aus Lokalkolorit, typischem Öcher Flair und großer Politik, bei der auch Politiker selbst mal in die Bütt, die in Aachen ein Käfig ist, gehen. Das kommt an. Bieten die Festsitzungen als Treffpunkt hochkarätiger Vertreter aus Po­litik, Wirtschaft und Wissenschaft auch die Basis für ein Netzwerk der Kommunikation? Dr. Jürgen Linden: Die Festsitzungen des AKV führen hier alljährlich wichtige Funktionsträger un­­seres Landes zusammen. Es dürfte kaum eine Karnevalssitzung geben, die auf diese Weise zur Plattform für Kommunikation untereinander, zum Forum für Networking wird. Mancher am Rande des karnevalistischen Ge­sche­­hens getätigter Geschäftsab­ schluss soll schon bei den Festsitzungen ausgiebig von den Beteiligten begossen worden sein.

Karneval ist also auch ein Wirtschaftsfaktor? Dr. Jürgen Linden: Aber gewiss! Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit jährlich zwischen drei bis fünf Milliarden Euro für Karneval und Fasching umgesetzt wer­den: das ist zum Beispiel für Kos­tüme und Perücken, Masken und Hü­te, Schminksets und Dekorationsgegenstände. Die Süßwarenbranche pro­­fitiert vom Kamelleund Klömpche­rewerfen und in den Karnevalshochburgen boomt in den tollen Tagen die Gastronomie. Aachen hat hieran seinen Anteil. Genauere Daten können wir leider nicht feststellen. Es dürfte aber auf der Hand liegen, dass das närrische Treiben ökonomische Impulse setzt und sogar Arbeitsplätze schafft und sichert. Schauen Sie sich nur einmal die Vielfalt der Veranstaltungen in unserer Stadt an: Prinzenproklamation, Wider den tierischen Ernst, Carnevale, Florresei, die vielen Sitzungen unserer Vereine, schließlich der Straßenkarneval, die Züge und der Kinderkarneval. Das alles kann nur realisiert werden, weil Menschen hart dafür arbeiten und auch Handel, Gewerbe und Gastronomie Geld damit verdienen. Das ist die eine Seite des Karnevals … Dr. Jürgen Linden: Ja, mir liegt daran, den Karneval nicht allein unter dem Primat des Wirtschaftlichen zu betrachten. Karneval ist viel mehr. Er ist ein Lebensgefühl, er ist Brauchtumspflege, erfüllt aber auch mit dem Aachener Kinderkarneval eine Erziehungs- und Bildungsfunktion. Mit der Überreichung des Zentis-Kinderkarnevalspreises bei der AKV-Festsitzung kommt dies ja sehr schön zum Ausdruck. Karneval ist allerdings auch ein Stück Kultur, das unsere Identität und Unverwechselbarkeit prägt. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der Orden Wider den tierischen Ernst als Kulturpreis angesehen wird.


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Ist unter diesem Gesichtspunkt der AKV für Sie mehr ein Karnevals- oder ein Kulturverein? Dr. Jürgen Linden: Er ist beides. Denn Karneval ist ja gerade Kultur. Aber auch im direkten Sinn engagiert sich der AKV kulturell. Mit der Sammlung Crous hat er eine mit viel Liebe und Sorgfalt aufgebaute Einrichtung geschaffen, die eine Mischung aus Archiv und Museum ist, in der zusätzlich auch Vorträge stattfinden. Hier wird die Geschichte unserer Stadt vorbildlich dokumentiert und präsentiert. Und zwar in all ihren Facetten, nicht nur bezogen auf den Karneval. Das ist ein grandioser Beitrag zu Kultur und Bildung in Aachen. Für eine Stadt wie Aachen, die tiefreichende historische Wurzeln hat, ist es ja gerade wichtig, das Wissen um die eigene Vergangenheit zu bewahren – gewissermaßen, das Gedächtnis nicht zu verlieren. Der AKV engagiert sich darüber hinaus auch sozial. Schon 1954 wurde auf Ini­ tiative des damaligen Präsidenten Jacques Königstein eine Stif­tung gegründet, deren Aufgabe es ist, die Not bedürftiger Aachener durch Geldspenden ein wenig zu lindern. Da wird Jahr für Jahr viel Gutes getan. Über 9.000 Euro konnten zuletzt im Dezember 2007 an Familien und Einzelpersonen ausgezahlt werden. Hat der Öcher Fastelovvend auch Auswirkungen auf den Tourismus? Dr. Jürgen Linden: Natürlich. Auch in Aachen spüren wir, dass dieses großartige rheinische Event magnetisch Menschen anzieht, die mit Freude und Gewinn die Karnevalstage bei uns verleben. Karneval und Tourismus gehen schon lange Hand in Hand. Bereits in den frühen Jahren des Ordens Wider den tierischen Ernst wurde dies mit dem Slogan von der „Närrischen Kur in Bad Aachen“ dokumentiert.

„ Das alles kann nur realisiert werden, weil Menschen hart dafür arbeiten und auch Dr. Jürgen Linden: Bei der „Närrischen Ratssitzung“ er- Handel, Gewerbe und hält der Karnevalsprinz in jedem Jahr symbolisch den Schlüssel zum Rat- Gastronomie Geld damit haus – allerdings nur in Marzipanform. Damit übernimmt er bis zum verdienen.“ Wie schätzen Sie die Rolle der Prinzen Karneval ein, die seit 1881 aus den Reihen des AKV gestellt werden?

Aschermittwoch die Regentschaft über die Stadt. Wenn man die Begeisterung, den Jubel und Zuspruch der Aachener gegenüber einer Tollität und dem Hofstaat sieht, verspürt man, dass er wirklich ein glänzender Repräsentant Aachens ist.

Die Karnevalsprinzen haben aber auch immer wieder Impulse gesetzt, die nachhaltig gewirkt haben. Wichtige gesellschaftliche Probleme wurden durch sie ins Bewusstsein gerückt. Denken wir nur an die letzten beiden Prinzen. Boris I. Bongers machte in der Session 2006 die Hospizarbeit zum Thema. Damit stellte er ein oft verdrängtes Tabu in den Fokus. Frank II. Prömpeler engagierte sich in seiner diesjährigen Session für hungrige Aachener Kinder und deckte ihnen den Tisch. Er rüttelte also alle auf, sich mit dem Skandal der Kinderarmut zu beschäftigen. Prinzen sind in Aachen eben engagierte Bürger, die sich für andere einsetzen. Das kann auch eine ganz lange Wirkung haben. Denken wir nur an Hanns Bittmann, der gemeinsam mit seiner Frau auf ganz tragische Weise viel zu früh durch einen schrecklichen Unfall sein Leben verlor. Mit seinen „Jonge vajjen Beverau“ schenkte er uns aber eine Gruppe aktiver Karnevalisten, die seither uneigennützig für Aachener Kinder in Not Gelder bereit stellen. Karneval ist eben eine zutiefst soziale Sache. Man kann ihn nicht allein feiern, sondern nur gemeinsam. tis

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Fürstin Gloria mit glanzvollem Auftritt

Glücksritterin Gloria im Öcher Narrenschloss Als Powerfrau voller Charme, Temperament, Esprit und Willensstärke erlebte Aachen im Januar 2008 Fürstin Gloria von Thurn und Taxis als neue Ritterin des Ordens Wider den tierischen Ernst. Durch sie wurde diesem Kulturpreis ein neues Image verliehen. Sie ist im Ordenskonvent die vierte Ver­ treterin des weiblichen Geschlechts ne­ben bisher 54 Rittern. „Ihre Indi­ vi­dualität und Beliebtheit auf allen Gesellschaftsebenen, das soziale Engagement, ihre ausgeprägte Menschlichkeit im täglichen Miteinander, ihr natürlich begründeter Humor, vielleicht gepaart mit einer noch größeren Portion Mutterwitz in ihrem Tun prädestinieren die Fürstin für diese Auszeichnung“, begründete AKV-Präsident Horst Wollgarten die Wahl zur Ritterin durch den Aachener Karnevalsverein. 20 Jahre liegt die Pioniertat des AKV zurück, als Professorin Dr. Gertrud Höhler 1988 zur ersten Ritterin des Konvents geschlagen wurde, dem bis dahin bereits 37 ehrenwerte Herren angehörten. Sechs Jahre gingen ins Land, bis die damalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Renate Schmidt, 1994 zu gleichen Ehren kam. Und weitere vier Jahre mussten vergehen, bis auch Heide Simonis, damals Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, 1998 als dritte Frau im Bunde den Ritterschlag erhielt. Und diese minimale Frauenquote war für die couragierte Fürstin als Frauenrechtlerin der Dreh- und Angelpunkt ihrer Ritterinnenrede, in der sie leiden­ schaftlich, mit Humor und Selbstironie gewürzt, „Frauen an die Macht“ forderte. Den eigens für sie rosenbekränzten Narrenkäfig musste sie dazu allerdings nicht betreten. „Diese Frau kann man nicht in einem Käfig einfan-


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gen“, gab sich AKV-Präsident Horst Wollgarten geschlagen. Sie freue sich riesig über den Orden, den sie aber auch verdient habe, erklärte Gloria, denn als „bayrische Rheinländerin, ExPunkerin und Mutter stehe sie in jeder Hinsicht unter Artenschutz“. Wenn Frauen unter den Ordensträgern immer noch in der Minderheit seien, „höre für sie der Spaß auf, und fange der tierische Ernst an“. „So habe ich mir ein Herz genommen, bin als Märchenprinzessin hierher gekommen. Fürstin, Durchlaucht, wie Sie mich nennen, lernt Ihr heut’ Abend ’ne neue Gloria kennen“, avisierte sie, streifte energisch Cape und Reifrock ihres Rokokokleides ab und fügte wie im Märchen hinzu: „Spieglein, Spieglein an der Wand, ich sage es allen im ganzen Land, weil ich hier als Ritterin steh: heij, welcome Powerfrau – Schneewittchen adé“! Tosender Beifall der 1350 Gäste im Europasaal des Eurogress drückte die Begeisterung, Bewunderung und Zustimmung der Festgesellschaft zum Fazit ihrer Rede aus: „Hier steht Ritterin Gloria im Glanze. Ne Powerfrau, doch keine Emanze. Männer sind ja lieb und nicht schlecht. Wir Frauen fordern nur gleiches Recht. Charmant, energisch, nicht bitterlich – das nenn’ ich weiblich, ritterlich. Denn alles ist mir recht auf Erden, nur tierisch ernst darf es nicht werden“. Und noch eins setzte die Fürstin drauf: Leidenschaftlich und voller Tem­­pe­ra­ ment sang sie den Song aus eigener Feder: „Karneval, endlich is Karneval. Jeder denkt und sagt heut’ alles was er will“. Das Publikum ließ die frisch gekürte Ritterin nicht ohne ein Da Capo von der Bühne. Während ihres zweieinhalbtägigen Aufenthalts in Aachen absolvierte die Fürstin ein umfangreiches Programm, besuchte bereits am ersten Abend in Herzogenrath in der Kirche St. Marien eine Messe und nahm an einem Gesprächsforum teil. Am Folgetag war sie nach der Generalprobe zur Festsitzung glamouröser Mittelpunkt der „MediaNight“ im Quellenhof. Nach einem feierli­chen Hochamt

im Aachener Dom und einem Empfang durch Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden im Rathaus am Samstagmorgen eilte Fürstin Gloria, eskortiert von der Aachener Prinzengarde, zu einer Talkrunde in die Elisengalerie, wo sie Hunderte von Aachenern erwarteten. Dort fragte sie AKV-Vizepräsident Boris Bongers als Moderator, wie Ihre Familie auf die Ordensverleihung reagiert habe? „Na endlich, sagten sie. Schließlich war ich immer der Kasper in der Familie und bin nun fast 50. Endlich habe ich also eine karnevalistische Auszeichnung verdient“, antwortete Gloria, die im Sturm die Herzen der Zuschauer eroberte. Die Aachener Festsitzung habe auch ihre Heimatstadt Regensburg „aus dem karnevalistischen Winterschlaf erweckt“, teilte Fürstin Gloria nach ihrer Rückkehr dem AKV mit. Denn bereits wenige Tage später machte ihr eine Abordnung der Regensburger Carnevalsgesellschaft „Narragonia“ die Aufwartung. Sie wurde von der Fürstin mit AKV-Schal und AKVRitterinnenmütze im Spiegelsaal des Schlosses St. Emmeram empfangen. Carl Borromäus Prämaßing, Oberhofmarschall dieser 1848 gegründeten, ältesten Karnevalsgesellschaft Bayerns, verlieh der Fürstin den nur in elf Exemplaren aufgelegten „Orden vom goldenen Durchblick“. Er trägt den Untertitel: „Powerfrau-Verdienstorden“. Damit solle ihr erfolgreicher Auftritt mit der Aachener Ritterrede honoriert werden, hieß es in der Laudatio … tis

„... Denn alles ist mir recht auf Erden, nur tierisch ernst darf es nicht werden“

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Die AKV-Geschäftsstelle

Doppelspitze der AKV-Geschäftstelle Zwei Kapitäne an Bord Der Kurs des AKV ist vorgegeben: „Altes bewahren, um Neues zu schaffen!“ Unter dieser Maxime ergriff Horst Wollgarten im Juli 2007 als neuer AKV-Präsident das Ruder des Narrenschiffes und brachte es binnen Kur­zem auf volle Fahrt voraus. Dazu gehört auch die Besetzung der Geschäftsstelle des Vereins mit einer Doppelspitze. Zwei versierte Könner ihres Metiers teilen sich die Aufgaben. Der eine, Dietmar Werner (45), Geschäftsführer der Firma Lichtkonzepte Niederau, seit 23 Jahren AKVMitglied, davon seit zwölf Jahren im Elferrat des AKV, übernahm als gestandener Karnevalist den Bereich der karnevalistischen Brauchtums­ pflege und der Organisation von Events. Der andere, Patrik Hoesch (43), erfahrener Betriebsökonom und Manager einer großen Kanzlei für Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, zeichnet für Kostencontrolling, Finanzen, Marketing und Organisa­ tion verantwortlich. In Interviews ließen die beiden „Kapitäne an Bord“ erkennen, welchen Hafen sie ansteuern wollen. Eines ist deutlich zu erkennen: Beide haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. tis

Interview mit Patrik Hoesch Sie sind seit acht Jahren Wahl-Aachener und Ihre Gattin ist eine gebürtige Aachenerin. Sie kommen aus der Heimat unseres Ritters 2002, Dr. Thomas Borer, der Schweiz. Wo sind Sie dort zu Haus und haben Sie karnevalistische Ambitionen mitgebracht? Ich komme aus Basel und habe dort 20 Jahre aktiv an der Basler Fasnacht mitgewirkt. Ich war acht Jahre Präsident eines renommierten Vereins und sechs Jahre Vizepräsident der Karnevalsdachorganisation, des Fasnachtscomités. Sie ist unter anderem für das Organisieren der beiden Karnevalszüge ( jeweils 16 km lang) am Montag nach Aschermittwoch und dem folgenden Mittwoch verantwortlich. Die Basler Fasnacht ist die größte in der Schweiz, es wird 72 Stunden gefeiert. Während dieser Zeit ziehen die Fasnächtler durch die Straßen. Die Fasnacht beginnt am Montag mit dem „Morgestraich“ um vier Uhr und endet am Donnerstagmorgen wiederum um vier Uhr mit dem „Endstraich“. Darüber hinaus war ich auch als Produktionsleiter einer Karnevalsrevue tätig, die jährlich vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. Für welche Aufgaben zeichnen Sie als AKV-Geschäftsstellenleiter verantwortlich? Mein Bereich liegt in erster Linie bei dem Controlling, dem Marketing und dem gesamten administrativen Ablauf. So wird natürlich bei den Finanzen sehr genau geschaut, wo wir Geld einsparen können, ohne auf die gewohnten Leistungen oder Mehrwerte verzichten zu müssen. Natürlich werden alle Arbeitsabläufe überprüft und bei Bedarf optimiert. Wir sind zwar ein Verein, müssen uns aber aufgrund des Rades, das wir drehen, wie ein Unternehmen verhalten. Unternehmensführung hat ja mit Wirksamkeit, Systematisierung, Professionalisierung, zielgerichteter Steuerung und effizientem sowie ökonomischem Handeln zu tun. Einen Teil dessen werden wir auch auf die Geschäftsstelle anwenden. Qualität und Leistungen, die wir anbieten, unterliegen permanenter Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung. Natürlich bin ich froh, dass ich bei all diesen Prozessen von einem kompetenten Team unterstützt werde. Worin sehen Sie den Schwerpunkt im Erscheinungsbild des AKV? Mit seiner karnevalistischen Brauchtumspflege ist der AKV für mich ein Dienstleistungsbetrieb. Mit der Erbringung von Dienstleistungen im Vereins- und Eventmanagement verdienen wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unser Gehalt. Wir blicken auf eine fast 150-jährige Geschäftstätigkeit zurück und sind uns unserer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung bewusst. Entsprechend verbessern wir kontinuierlich unsere Leistungen für die Mitglieder sowie für die Bürger der Stadt Aachen. „Altes bewahren, um Neues zu schaffen“ – was ist damit in der Arbeit des AKV gemeint? Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Was bis jetzt gut war, soll man auch so belassen. Wir dürfen uns aber nicht neuen Wegen verwehren. Unser unternehmerisches und gesellschaftliches Engagement ist langfristig ausgerichtet. Wir sind unabhängig und wollen ein bevorzugter Partner für Menschen sein, deren Beziehungen von verantwortlichem und nachhaltigem Handeln geprägt sind. So wachsen wir mit dem AKV und der AKV wächst mit uns. Noch einige persönliche Fragen. Haben Sie Hobbys neben Öcher Fastelovvend und Basler Fasnacht? Als Trompeter bin ich aktiver Jazzmusiker in mehreren Bands, die im In- und Ausland auftreten. Haben Sie ein Lebensmotto? Stillstand ist Rückschritt. Welche Tugenden schätzen Sie am meisten? Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und gewissenhafte Menschen. Welche Untugenden verachten Sie? Hinterlistigkeit und Neid.

Der Kurs des AKV ist vorgegeben: „Altes bewahren, um Neues zu schaffen.“


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Interview mit Dietmar Werner Sie sind ein waschechter Öcher, der sich mit Herzblut dem Fastelovvend verschrieben hat. Wann begann Ihre karnevalistische Laufbahn und welche Sprossen mussten Sie dabei peu á peu erklimmen? 1985 bin ich als Ehrenhut dem AKV beigetreten. Nach elf Jahren wurde ich in den Elferrat berufen und zeichnete dann seit 2004 für die Organisation der Festsitzung Wider den tierischen Ernst verantwortlich. Seit Mai 2008 bin ich einer der beiden Geschäftsstellenleiter. Welche Schwerpunkte übernehmen Sie bei der Aufgabenteilung? Da ist zunächst die Organisation von Veranstaltungen, insbesondere der Festsitzung Wider den tierischen Ernst und der Veranstaltung, die am Vorabend der Festsitzung als lockeres Get-Together für die VIPs aus den Reihen der Ritter sowie aus Politik, Wirtschaft, Adel, Sport, Show und Medien stattfindet. Gleichzeitig soll mit diesem Event Sponsoren und AKV-Mitgliedern für langjährige Treue gedankt werden. Diese Vorabendveranstaltung fand im vergangenen Jahr zum ersten Mal statt und wird nun weiter ausgebaut. Weiterhin fallen Brauchtumspflege sowie die Pflege von Kontakten zu anderen Karnevalsvereinen in meinen Zuständigkeitsbereich. Worin sehen Sie den Schwerpunkt im Erscheinungsbild des AKV? Eindeutig liegt der Schwerpunkt in der deutschlandweiten Mediendarstellung der Festsitzung. Andererseits liegt die Bedeutung des AKV in der jetzt 150-jährigen Verwurzelung des Vereins in der Aachener Geschichte und seine prägende Integration in die karnevalistische Historie dieser Stadt. Inwieweit spielt der Slogan: „Altes bewahren, um Neues zu schaffen“ in Ihr Aufgabengebiet hinein? Was aus der Historie gewachsen ist, kann man nicht abschaffen. Brauchtum muss gepflegt und erhalten werden, muss auch seine Bodenständigkeit behalten, um erfolgreiche Dinge fortsetzen zu können. Für uns Karnevalisten ist es daher eine besondere Pflicht, den Kinderkarneval zu fördern. Denn die jüngsten Jecke sind unser karnevalistischer Nachwuchs. Eine wichtige Rolle messen wir der Familienveranstaltung des AKV am Karnevalssonntag „Kaffee, Kids & Kokolores“ bei, die ihre Wurzeln in der traditionsreichen, seit 1860 vom Verein veranstalteten „Kaffeevisite“ hat. Seit 1992 verleiht der AKV bei seinen Festsitzungen den Zentis-Kinderkarnevalspreis, um karnevalis­ tische Leistungen von Kindern anzuerkennen. Neue Wege zu gehen aber ist heute, speziell bei der rasanten Entwicklung der Fernsehlandschaft, ein absolutes Muss. Auch an Sie ein paar persönliche Fragen. Haben Sie ein Lebensmotto? Das Glück zu haben, zu lieben, was ich tue. Gibt es Hobbys neben dem Karneval? Alles um den Pferdesport. Welche Tugenden schätzen Sie am meisten? Ehrlichkeit. Welche Untugenden verachten Sie? Unehrlichkeit.

Dietmar Werner und Patrik Hoesch, AKV-Geschäftsstellenleiter

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Die AKV-Geschäftsstelle

„Das macht mir mehr Spaß, als selbst zu feiern …“ Bettina Esser in der AKV-Geschäftsstelle zuständig für den Sekretariatsbereich „Die neue Aufgabe ist genau mein Ding.“­ Wer mit Aachens Büttenass Jürgen Beckers schon als i-Dötz in Mariadorf gemeinsam die Schulbank drückte, dessen Lebensweg kann gar nicht am Karneval vorbeiführen. Bettina Esser (44) jedenfalls war von klein auf bei jedem Rosenmontagszug mit dabei und ließ sich dann auch später keine Karnevalsfete entgehen. Doch nun ist Bettina Esser seit Januar 2008 im Sekretariatsbereich der AKV-Geschäftsstelle tätig. „Die neue Aufgabe ist genau mein Ding“, erklärt sie, denn es sei keine trockene Sekretariatstätigkeit, sondern auch mit Organisation, Internetrecherchen und dem Ausbau von Netzwerken verbunden. Und da ist sie in ihrem Element, denn immerhin hat die Wahl-Aachenerin beim AKV als eine in Aachen bekannte „Institution“ das neue Aufgabengebiet übernommen, arbeitete sie doch allein 16 Jahre bei Radio Aachen, davon neun Jahre als Mediaberaterin, zuletzt als Assistentin in der Chefredaktion. 1991 hatte sie zum Gründungsteam von Radio Aachen ge­hört, bevor es 1992 seinen Sende­start hat-

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te. Auch beim Sender „100,5 – Das Hit­ radio“ half sie beim Sendestart. „Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit bei Radio Aachen hatte ich schon immer guten Kontakt zu den Aachenern und zum Leben in Aachen, wo ich seit 1987 wohne“, erzählt Bettina Esser und nennt im gleichen Atemzug „Radio Alaaf“. Bes­tens kennt sie die Karnevalsgesell­schaften, besuchte viele Sitzungen und hat die Fastelovvendsleddchere in ihrem persönlichen Repertoire. Öcher-Platt-Paten sind für sie Richard Wollgarten und Hubert Crott. „Ich bin froh, jetzt die organisatorische Seite des Karnevals hinter den Kulissen kennen zu lernen. Das macht mir mehr Spaß, als selbst zu feiern“, sagt sie. Vor allem kommen ihr hier nun auch ihre bisherigen Kontakte zugute. Brauchtum muss gepflegt werden, ist ihr Standpunkt. Jetzt geht sie ganz in ihrer neuen Tätigkeit auf und schätzt sich glücklich, mit der Sammlung Crous unter einem Dach zu sein. „Mich fasziniert alles Alte aus Aachen und ich finde es ganz toll, ab und zu im Archiv stöbern zu können“, sagt sie. tis


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Buch: „Mit närrischem Frohsinn …“ 150 Jahre AKV

150 Jahre AKV – Mit närrischem Frohsinn wider den tierischen Ernst Das reich bebilderte Zeit­dokument eröffnet interessante Einblicke in die Historie des rheinischen Karnevals und der Stadt Aachen.

Heute ist der Aachener Karnevalsverein (AKV) vor allem als Stifter des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST bekannt. Jahr für Jahr verfolgt ein Millionenpublikum die Ordensverleihung. Der Traditionsverein feiert im Jahr 2009 sein 150-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, die bewegte Geschichte des Vereins Revue passieren zu lassen. Die Chronik „Mit närrischem Frohsinn WIDER DEN TIERISCHEN ERNST – 150 Jahre Aachener Karnevalsverein“ schildert auf unterhaltsame Weise die wichtigsten Stationen der Vereinsgeschichte. Dabei eröffnet das reich bebilderte Zeitdokument zugleich interessante Einblicke in die Historie des rheinischen Karnevals und der Stadt Aachen. Der Historiker Thomas Töller warf bei seinen Recherchen auch einen kundigen Blick auf die oft schwierigen politischen Verhältnisse, in denen sich der Karneval gegen Krieg, Elend und nicht immer wohlgesinnte Obrigkeiten behaupten musste. Vor allem aber grub er tief in den Annalen des AKV und spann dabei den erzählerischen Faden höchst spannend und unterhaltsam bis in unsere Gegenwart. Amüsante Anekdoten und treffliche Beispiele Öcher Frohsinns runden den historischen Rückblick ab.

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Freuen Sie sich auf ein echtes Stück Öcher Hazz.

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Domspatzen: 34 Jahre aktiver Fastelovvend

Die „Domspatzen“ Musikalische Garanten für Öcher Jeföihl

34 Jahre aktiver Fastelovvend – Die „Domspatzen“ blicken auf eine strahlende Karriere im Fastelovvend zurück

„ Ja, wat ne richt’ge Öcher es, d’r houet op de Kess“


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„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es in einem der unsterblichen Karnevalshits, und dennoch weiß jeder Fastelovvendsjeck, dass spätes­ tens am Elften im Elften eine neue, fünfte Jahreszeit anbricht. Am Aschermittwoch, 6. Februar 2008, aber war für die derzeit beliebteste, musikalische Gruppe Aachens tatsächlich end­gültig Schluss. „Die Domspatzen“, mit Josef Hunds (Schlagzeug), Uwe Barthel (Gitarre), Walter Reinartz (Keyboard) und Reinhard Weiergräber (Akkordeon), sagten und sangen am Karnevalssonntag bei der großen Kostümsitzung der KG Öcher Prente im Eurogress endgültig „Tschüüss zesamme“. Was dann doch wieder nicht so ganz stimmte, denn beim Theaterball am Veilchendienstag machten sie nach der Verabschiedung Sr. Tollität Prinz Frank II. Prömpeler noch einmal Party.

A. Crous: „Ich freue mich, Ihnen eine neue Gruppe vorzustellen, die mehr als nur Walzer und Marschmusik spielen kann“, lobte er die musikalischen Nachwuchstalente. „Das war für uns nach dreijährigem Bestehen revolutionär“, so Hunds. Ihr Ziehvater, Mentor und väterlicher Freund war Büttenredner Heini Mercks. Er empfahl ihnen, doch nicht immer nur in ihren blauen Anzügen aufzutreten, sondern mal etwas Buntes anzuziehen. Sie folgten seinem Rat mit dem Ergebnis, dass der Veranstalter sagte: „Wenn Ihr Euch noch umziehen wollt, Jungs, dahinten ist die Garderobe!“

1997 schied Manfred Lambertin aus familiären Gründen aus der Gruppe aus und „Zwej Jonge met Hazz“ von der Stadtgarde Oecher Penn, Uwe Bar­thels und Reinhard Weiergräber, wurden angeheuert. Von Stund’ Es war Josef Hunds, der 1974 in die kar- an nannte sich die Gruppe nur noch nevalistischen Fußstapfen seines Va- „Die Domspatzen“. In elf Jahren entters, Willi Hunds, treten wollte und wickelten sich herzliche Freundschaft mit Manfred Lambertin und Walter und gute Kameradschaft, aus denen Reinartz eine Stimmungsgruppe „Die sie viel Kraft schöpften. „Wir haben 3 Domspatzen“ gründete. Es war die immer auf Musikalität und mehrstimZeit, in der die übermächtigen Atöm- migen Gesang Wert gelegt. Das war chen die Stars im Öcher Fastelovvend unser Anspruch“, sagt Reiner Weierwaren. „Hart gegen uns selbst haben gräber, denn „das Publikum hat wawir mit viel Ehrgeiz und Fleiß an uns che Ohren!“ Die Domspatzen sind gearbeitet“, hält Josef Hunds Rück- stolz, dass sie in diesen elf Jahren schau. Die Lieder komponierte die sieben Mal bei der Festsitzung WiGruppe selbst, die Texte, vorwiegend der den tierischen Ernst auftrein Öcher Platt, schrieb Josef Hunds. ten konnten. Beim Ordensfest am 4. Drei neue Titel waren es jährlich im Januar 2008 verlieh ihnen der AKV Schnitt. 180 Lieder, vom Karnevalshit „Et jölde Hazz va Oche“. Immer wiebis zum sentimentalen Sound, gehören zum Gesamtrepertoire der 34 Jahre. Zu Ohrwürmern und zugleich zu ihrem Markenzeichen wurden dabei: „Hier wird gefeiert, hier ist was los“, „Ja, wat ne richt’ge Öcher es, d’r houet op de Kess“, „Ich bin ene Öcher“ und „Ja, hier wird gefeiert“. Unvergessen ist ihnen der AKV-Herrenabend 1978 im Ratskeller geblieben. Unter den wieder drei neuen Titeln war auch ein Rock’n-Roll: „Karneval en Oche“. Würde das den Herren gefallen? „Wir waren sehr aufgeregt“, erinnert sich Hunds. Doch dann kamen die erlösenden Worte des damaligen AKV-Präsidenten Helmut

der werden sie gefragt, was aus ihrem musikalischen Erbe wird. „Wir sind stolz darauf, dass de Jonge vajjen Beverau einige unserer Lieder in ihr Repertoire mit aufnehmen“, so Hunds, verbindet sie doch Seelenverwandtschaft mit der Sängerschar. Es waren die Domspatzen, die neben Hubert Crott, Ralf Bremen und Roland Greven zu den Mitbegründern der ebenfalls sozial engagierten „Öcher Jonge met Hazz“ zählten, die zehn Jahre lang zugunsten sozial-caritativer Vereine Be­ ne­fiz­veranstaltungen organisierten und durchführten.

„Et jölde Hazz va Oche“ Doch nach 34 Jahren „fordert das Alter seinen Tribut“ sagte Josef Hunds bei der Abschiedsmatinee der „Domspatzen“ am 2. Dezember 2007 im Saalbau Kommer. „Wenn Du Dich auf dieses Metier einlässt, weißt Du, welchem Leistungsdruck Du Dich aussetzt. Wir haben es gern getan – nicht des Geldes wegen. Wir konnten viele Freundschaften schließen“, lautet das Fazit. „Tschüüss zesamme – dat deät wieh“ sagten die Domspatzen ihrem Publikum voller Melancholie mit ihrem Abschiedslied der letzten Bühnensession. Mit Öcher Akzent und Originalität haben sie ein Stück Aachener Karnevalsgeschichte geschrieben. tis

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Kinderkarneval: Historie und Nachwuchs

Wenn Öcher Ströpp Fastelovvend fiere „Öcher Ströpp feiern alljährlich toll in Aachens Straßen und Gassen, in Sälen und auf Plätzen. Und ihre Fröhlichkeit wirkt ansteckend weit über unsere Stadtgrenzen hinaus. Und wenn man in Aachen etwas mit den Attributen ‚erstmalig‘ und ‚einmalig‘ versehen kann, dann ist dies der Aachener Kin­derkarneval.“ Diese Feststellung traf der damalige AKV-Geschäftsführer und Präsident des Ausschusses Aachener Karneval, Helmut Strack, im Oktober 1997 auf seiner letzten Pressekonferenz, drei Monate vor seinem tödlichen Unfall beim Rosenmontagszug 1998. Sein umfassendes Statement auf dieser Pressekonferenz zum Aachener Kar­neval wurde zu seinem karnevalistischen Vermächtnis. Er erinnerte daran, dass Jacques Königstein (von

1930 bis 1968 AKV-Präsident) 1937 in Aachen zum ersten Kinderkostümzug aufgerufen hatte und die Kinder dabei vor dem Elisenbrunnen Sr. Tollität Otto I. Schmitz, genannt „Prinz Mucki“, huldigten. Noch zweimal gab es bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges Kinderzüge. 1939 waren es bereits 7000 kleine Jecke, die am Karnevalssonntag mit „Juja“ und „Alaaf“ an Prinz Ewald I. Thelen vorbeizogen. Doch Aachen wäre nicht Aachen, wenn es vier Jahre nach Kriegsende nicht auch wieder einen karnevalistischen Neuanfang gegeben hätte. Im Oktober 1949 wurde auf Initiative Jacques Königsteins zunächst der Ausschuss Aachener Karneval (AAK) wieder neu gegründet und im November 1950 erstmals ein Arbeitsausschuss Aache­ ner Kinderkarneval (AKiKa) ins Le-

ben gerufen, der seitdem für die Proklamationen und die Kinderfeste des Märchenprinzen sowie für die Kinderkostümzuge verantwortlich zeichnet. Unter dem Motto: „Es war einmal …“ regierte 1951 Aachens und zugleich Deutschlands erster Märchenprinz Rolf I. Pirnay, der von einem Gefolge, Tanzpaar und einer Tanzgarde begleitet wurde. Am Karnevalssonntag, 4. Februar, zogen mit ihm eine Stunde lang bunt kostümierte Kinder als Fußgruppen oder auf Wagen durch die Stadt. Am 8. Januar 2008 bestieg Märchenprinz Max II. Prömpeler als 56. kleiner Narrenherrscher den Märchenthron. Er regierte unter dem Motto: „Bonk wie e Belderboch fiert Oche singe Kengerzoch“ und ist zugleich Spross des Prinzen Karneval 2008, Frank II. Prömpeler.

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Kinderkarneval: Historie und Nachwuchs

Wenn Öcher Ströpp Fastelovvend fiere Seit 1949 veranstaltete der AKV wieder am Karnevalssonntag seine seit 1860 zur Tradition gewordene „Kaffeevisite“. Wegen der Enge im Foyer des Neuen Kurhauses hatten damals bis 19 Uhr ausschließlich Elferratsherren als männliche Wesen Zutritt. Doch auch die „Kaffeevisite“ ging mit der Zeit. Unter dem neuen Motto: „Kaffee, Kids & Kokolores“ ist sie, nach mehrjähriger Zwischenstation im Eurogress und einjähriger Pause, seit 2001 im Alten Kurhaus magischer Anziehungspunkt für Klein und Groß nach dem Kinderkostümzug. Junge Väter des AKV hatten die Organisa­ tion in die Hand genommen und präsentieren seitdem den kleinen Fas­ telovvendsjecke im Ballsaal und in der Klangbrücke ein mehrstündiges, kunterbuntes Programm. Wiederum war es Helmut Strack, der 1992 die Initiative ergriffen hatte, um den Aachener Kinderkarneval in das Programm der AKV-Festsitzungen mit aufzunehmen. Er wandte sich dazu an den „Herrn der Konfitüren“, Heinz-

Gregor Johnen, damaliger Geschäftsführer der Aachener Firma Zentis, dem größten Konfitürenproduzenten der Europäischen Union. Er war als großzügiger Sponsor nicht nur des AKV, sondern generell zur Förderung von Kultur, Sport und Sozialem bekannt. Bei ihm fand Strack sofort Unterstützung, sodass seit 1992 jährlich der mit 3333 Euro dotierte Kinderkarnevalspreis an Kindergruppen der Karnevalsvereine, karnevalistisch aktive Schulen, Chöre und Musikgruppen vergeben werden kann. 2008 war nun die Katholische Grundschule Passstraße der 16. Preisträger. „Wenn es für Kinder ist, rennt man bei mir sofort offene Türen ein“, sagte Johnen (75), als er 2007 in Würdigung seines Lebenswerkes mit dem Preis des Business Clubs AachenMaastricht ausgezeichnet wurde. Den Kinderkarneval, der auch im Ausland starke Beachtung finde, habe er immer sehr geliebt, fügte Johnen hinzu. Und es sei auch in schwierigen Zeiten wichtig, die Tradition des Öcher Fas­ telovvends durch die junge Generation fortzusetzen.

Helmut Strack auf seiner letzten Pressekonferenz im Oktober 1997


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Karneval ist in Aachen auch für junge Leute längst zu einer Lebensphilosophie geworden. Die Augen strahlen bei den Tanzmariechen, wenn die Stimmung im Saal siedet und sie im Applaus baden. Und einmal mehr werfen sich die jungen Spielmannsleute in die Brust, wenn sie beim Einmarsch mit ihrem Musikzug bewundernde Blicke auf sich spüren. Aller Stress und Trainingsfleiß eines ganzen Jahres haben sich gelohnt und sind dann vergessen. Viele, die als Bambini in den Kindergruppen angefangen haben, schafften es bis an die Spitze des Erfolgs bei den Mariechenbällen oder als Tanzpaare repräsentativer Gesellschaften. Hier seien stellvertretend das Marketenderpaar der Stadtgarde Oecher Penn und die Schautanzgruppe „Friends of Fantasy“ der KG Horbacher Freunde genannt. Frank Radermacher (21) und Pia Engelen (18) tanzen seit 2007 für die Penn. Pia wagte bei den „Duemis“ der Öcher Duemjroefe die ersten Tanzschritte, tanzte dann fünf Jahre in der Garde und weitere zwei Jahre im Tanzpaar des Märchenprinzen. Auch Frank verdiente sich seine Sporen im Kinderkarneval, war je zwei Jahre Noppeney, Jäger und Mandele Leo im Hofstaat der Märchenprinzen, bis er selbst 1998 als kleine Tollität regierte. Es folgte ein Jahr als Zeremonienmeis­ter, um anschließend als Trommler im Musikzug der Oecher Penn zu spielen. Der junge AKV­er wurde dann im vergangenen Jahr bei der Penn Tanzoffizier. Im März 2008 belegten die Horbacher „Friends of Fantasy“ bei den Deutschen Meisterschaften des Bundes Deutscher Karneval den ersten Platz im Schautanz. Viele der 23 erfolgreichen Tänzerinnen hatten als Kindermariechen zum ersten Mal auf einer Bühne gestanden, so auch Imke Wah­ len, Dagmar Stormberg, Julia und Nina Gottschalk sowie Jana Rüland. Andere begannen ihre tänzerische Karriere in Tanzgarden. „Aachen muss ein gutes Pflaster für Tänzer sein“, stellte AKVPräsident Horst Wollgarten erfreut bei der Siegerparty der Schautanzgruppe im Schloss Schönau fest. tis

„Und wenn man in Aachen etwas mit den Attributen ‚erstmalig‘ und ‚einmalig‘ versehen kann, dann ist dies der Aachener Kin­derkarneval.“ Helmut Strack

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Das AKV-Archiv

Goethes „Rheinische Absurditäten“ als ein Schatz der Vergangenheit beim AKV … oder: Als die alte Backstube des Helmut Strack ein Asyl für das AKV-Archiv war …

Die drei vom Archiv: Heinz Jansen, Helmut Schultz und Willy Kick

Das Archiv des Aachener Karnevalsvereins (AKV) wird vom Landschaftsverband Rheinland als eines der reichhaltigsten Vereinsarchive eingestuft. Es sind jedoch weitgehend ungehobene, verborgene Schätze karnevalistischer Vergangenheit. Denn viel zu selten erklimmt ein Besucher im Neuen Kurhaus die dritte Etage, um den Spuren der Vergangenheit zu folgen. Die aber breiten sich dort wie ein offenes Geheimnis aus. Chroni­ken, Liederhefte, Notenmaterial, Zug­programme und Leporellos, Karnevalsorden, Urkunden, Polizeiakten, Zei­tungen, Fotos, ja sogar ein umfassender Teil der Korrespondenzen seit 1947 sowie einige wenige ab 1859 erzählen von der fast 150-jährigen Geschichte des AKV. Am 8. Dezember 1947 war der junge Redakteur der Aachener Volkszeitung, Helmut A. Crous, als einer der ersten vier neuen Mitglieder in den AKV aufgenommen worden. Aufgrund seiner Sammelleidenschaft von Aquensien wurde er bereits zwei Jahre später zum Verwalter des AKV-Archivs ernannt, das er Buch um Buch, Artikel um Artikel, Rarität um Rarität schrittweise aufbaute. Als eine besonders wertvolle Informationsquelle über das Vereinsleben gilt jedoch das Protokoll­buch Nr. 6 über die Niederschriften der Elferratssitzungen seit dem 27. November 1924. Es ist das einzige Überbleibsel, das nicht im Feuer­ inferno des Bombenangriffs vom 14. Juli 1943 im Tagungshotel des AKV, dem „König von Spanien“, verbrannte. Denn Peter Heck als Protokollführer be­wahrte es in jener Nacht gerade bei sich zu Hause auf. Alle anderen Archiv­ unterlagen und Protokollbücher des AKV über den Zeitraum von 1859 bis 1924 wurden Opfer der Flammen. Als ehrenamtliche Hüter dieser historischen Schätze agieren im AKV-Archiv drei gestandene Karnevalisten, die den Öcher Fastelovvend seit Jahrzehnten selbst mitprägen: Helmut Schultz (80), Heinz Jansen (77) und Willy Kick (68), der – vor sieben Jahren noch „Archiv-Azubi“ bei Helmut Schultz – jetzt Leiter des Archivs ist. Mit ihm, dem gelernten Raumausstatter und Datenverarbeitungskaufmann, brach 2001


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im Archiv zugleich das Computerzeitalter an. Heute befinden sich wohlgeordnet in nummerierten Regalen die Ordner für Prinzen, Ritter, Schriftverkehr, Zeitungsberichte, Orden, befreundete Vereine und vieles mehr. „Das weiß leider keiner, dass wir hier eine karnevalistische Fundgrube haben“, bedauert Kick. Wer aber den Weg zur Recherche in diese Schatztruhe karnevalistischer Historie findet, kann sicher sein, bei Helmut Schultz umfassend informiert zu werden. Dieser Mann scheint jedes Buch, jedes Protokoll, jeden Briefwechsel und jede Urkunde des Archivs aus dem Effeff zu kennen. Gelassen steht er vom Arbeitsplatz auf, schreitet würdevoll auf ein Regal zu und weiß ohne zu zögern, in welcher Reihe und an welcher Stelle er das Gesuchte herausziehen kann. Und wer, wenn nicht er, macht auch ungefragt auf so manche Rarität aufmerksam. Selbst, wenn es sich um jene seltene Ernennungsurkunde vom 15. Oktober des Jahres 1828 handeln sollte, durch die der Weimarer Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe zum „Doctor und Ritter des jungen Lichtes 1. Größe des Wissenschaftsordens der erleuchteten Monds-Universität und Be­rittenen Akademie der Künste und Wissenschaften zu Dülken“ ernannt wurde. Auf Anhieb hält Schultz diese Rarität in Händen. Er weiß um den Wert dieses historischen Schätzchens, das Goethes eigenhändigen Vermerk „Rheinische Absurditäten“ trägt.

Helmut Schultz ist eben ein Urgestein des AKV, dem er 1948 als Ehrenhut beitrat, 1955 als Prinz Karneval regierte und nach jahrzehntelanger AKVKarriere beim Transport der CrousAquensien zum ersten Mal 1993 mit der für ihn neuen Welt eines Archivars in Berührung kam. Als dann 1995/96 das neue AKV-Heim im Alten Kurhaus bezogen wurde, erhielt er vom damaligen Präsidenten Georg Helg neue Order: „Kümmere Dich doch nicht nur um die Crous-Aquensien, sondern auch mal um das Archiv des AKV“. „Das aber bestand nur aus einem kleinen Raum, in den alles hineingestopft war“, erzählt Schultz, hatten der Kos­ tümfundus und die Archivunterlagen doch bereits eine Odyssee über einen Lagerraum in der Dresdner Bank und dann in der alten Backstube des damaligen AKV-Geschäftsführers Helmut Strack hinter sich. Und hier, in der alten Backstube, traf Schultz auf einen zweiten „stillen, dienstbaren Geist“, auf Heinz Jansen, ebenfalls ein karnevalistisches Ur­gestein mit Sammelleidenschaft. Die war bei dem jungen Karnevalisten 1949 bei der Aachener Narrengilde geweckt worden. Deren Alterspräsident Martin Ostlender schenkte ihm damals alte Leporellos, Plakate und Sessionshefte aus der Vorkriegszeit. Mit Briefmarken, Karnevalsorden, Schriften und Dokumenten rund um den Karneval baute sich Jansen ein eigenes Archiv auf, erarbeitete Dokumentationen, rief 1969 die Sammlung „Karnevalsorden“ im Heimatmuseum Burg Frankenberg ins Leben und stiftete letztlich alles dem Archiv des Ausschusses Aachener Karneval (AAK), das seinen Sitz im Haus Löwenstein hat. Der heutige Ehrenarchivar des AAK und Senatspräsident der Narrengilde, Mitarbeiter im Deutschen Fastnachtsmuseum in Kitzingen sowie im Archiv der Stadtgarde Oecher Penn hatte 1972 den Aufbau und die Leitung des AAK-Archivs übernommen.

Heinz Jansen ist Archivar aus Leidenschaft

1992 bat ihn dann Helmut Strack, doch auch beim AKV im Archiv mitzuarbeiten. So begannen er und Helmut Schultz in eben jener alten Backstube eine erste Sortierung und Zuordnung des Bestandes zur Sammlung Crous beziehungsweise zum AKV-Archiv. „Crous war ein Sammler und kein Archivar“, darin sind sich beide einig. Crous trug Schätze zusammen, aber das Systematisieren war nicht sein Ding. In Zusammenarbeit mit der Kus­ todin der Sammlung Crous, Dr. Marga van den Heuvel und Detlef Blesgen erstellte Heinz Jansen 2001 auch einen ersten 139 Seiten starken „Bestandskatalog zum Archiv des Aachener Karnevalsvereins“. Das AKV-Archiv ist jeden Montag von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr für Besucher geöffnet. Sonst auch nach telefonischer Vereinbarung unter 0241/47 03 11-0 bei der AKV-Geschäftsstelle. tis

Helmut Schultz machte 1955 als Prinz Furore

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Der AKV im Team

Die Kreativen hinter den Kulissen Der AKV ist zwar nicht der größte Karnevalsverein in Aachen, aber mit Sicherheit der mit den meis­ten und größten Veranstaltungen. Neben dem absoluten Highlight – dem Wochenende, an dem sich alles um den Orden wider den Tierischen Ernst dreht – gibt es im karnevalis­tischen Jahreszyklus eine ganze Reihe von anderen Veranstaltungen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Verantwortlich für den Großteil der Veranstaltungen sind die „Chefs von et Janze“, die Herren des Elferrates und ihre Beiräte. Elferräte: Horst Wollgarten, Bernd Carl, Achim Floegel, Thorsten Peters, Boris Bongers, Hubert Crott, Rolf IV. Gerrards, Thomas Frings, Peter Dumonceau, Dr. Norbert Königs. Beiräte sind Willy Kick, Udo Dümenil und Dr. Andre Freese.

Über die Jahre hinweg wächst der Verein und seine Angebote – was sich in den drei „Teams“ im AKV widerspiegelt, die wichtige Arbeit übernehmen und eigenständig erfolgreiche Veranstaltungen organisieren. Das Team „Kaffee, Kids & Kokolores“ um seinen Teamchef Horst Neundorf organisiert die mittlerweile sehr beliebte Kinderkarnevalsparty am Sonntag nach dem Kinderzug im alten Kurhaus – ein Karnevalsfest, das als ideale Ergänzung zum „Zoch“ Abwechslung für jung und alt bietet und übrigens seit geraumer Zeit die wahrscheinlich einzige rauchfreie Karnevalsveranstaltung in Aachen ist. Hinter den erfolgreichen „Carnevale“Feten, die früher in der Albert-VahleHalle und jetzt in den Aachener Markthallen in der Liebigstraße stattfinden, steckt das „Carnevale“-Team um seinen neuen Chef Nicky Küsch. Außerdem gibt es da noch den sogenannten Ehrenhut. Mit Kopf­be­ deckun­gen hat das nichts zu tun, hinter dem Namen verbirgt sich der karnevalistische Nachwuchs des AKV. Unter Leitung von Christian Lücker sind die stets adretten, hilfreichen,

gut gelaunten und fröhlichen jungen Männer an unzähligen Stellen im Vereinsgeschehen aktiv und eine wahre Stütze. Ihre ureigene Veranstaltung, der „Florresei-Palast“, ist seit Jahr und Tag einer der wenigen echten Highlights im Öcher Fastelovvend. Legendär ist allein der Kartenvorverkauf. Wo andere Wochen brauchen, um Veranstaltungen zumindest so weit zu verkaufen, dass sie sich lohnen, gelingt es dem karnevalistischen Nachwuchs Jahr für Jahr, sämtliche Karten meist innerhalb weniger Minuten (!) unter’s Volk zu bringen. Schließlich und endlich gibt es die Gruppe, die unter dem Namen „ACT“ firmiert. Das steht für „AKV Creative Team“ und wird von Dr. Werner Pfeil geleitet. Zu den vielen Veranstaltungen gehört unter anderem die „AKV & Friends“-Fete nach dem Rosenmontagszug im Alten Kurhaus und das alljährliche Sommerfest des AKV. In der Vergangenheit haben sie zudem mit dem „Chartbreaker“, einer Art Cas­tingshow für närrische Musiktalente aus der Region, für Furore gesorgt.

Links: Traditionell endet die Session mit einem stimmungsvollen Auftritt im Theater Unten links/unten: Der Florresei-Palast ist immer wieder ein echtes Highlight im Öcher Faste­ lovvend.


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AKV & Friends: DIE Party nach dem Rosenmontagszug

Kaffee, Kids & Kokolores: Die kleinsten Öcher müssen das Feiern nicht erst lernen …

„Es gelingt dem karnevalistischen Nachwuchs Jahr für Jahr, sämtliche Karten meist innerhalb weniger Minuten (!) unter’s Volk zu bringen …“

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Küchenparty der Ex-Prinzen

Ex-Prinzen – Gans janz anders

Zu „Leckerchen im GänseRock“ lädt das Prinzenkorps des AKV am Elften im Elften ein. Unter diesem verführerischen Motto wollen Aachens ehemalige Tollitäten mit Charme und Pfiff das Jubiläum ihrer Traditionsveranstaltung, der Küchenparty „Gans janz anders“ begehen, wird sie doch in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal veranstaltet.

„Leckerchen im GänseRock …“

„Rund um die Gans geht es dabei wieder in allen Kochtöpfen und Pfannen“, verspricht Marcus Quadflieg (Ex-Tollität 2003), bei dem wiederum alle Fäden der Organisation zusammenlau­

fen. Und die Qual der Wahl haben die Gourmets in allen Räumen des Spiel­casinos Aachen. Wieder wohlbe­ schürzt mit der beliebten Gansjanz-anders-Schürze werden die Gäs­­te schnell in der Brasserie den Pasta-Versuchungen erliegen, können in der Küche nicht nur Gänse­ leckerchen, son­dern auch Lamm- und Rindspeziali­täten verkosten, im Galabereich Fisch und Austern genießen, um dann im Lenné-Pavillon an den Desserts zu naschen und sich an der Bar mit einem kühlen Blonden oder edlen Rebsäften zuzuprosten. Im Lenné-Pavillon wird gefeiert, getanzt und gerockt, denn als Special-Guest ist der „Teufel am Piano“ Sascha Klaar mit seiner Band dabei. Den Träger des internationalen Showpreises 2007 verbindet mit einigen Aachener Ex-Tollitäten etwas ganz Spezielles: auch er trägt rote Schuhe! Einen Vorgeschmack auf die beginnende Session geben darüber hinaus die „4 Amigos“ mit ihrem brandneuen Programm.

Närrische Jubiläen sind in dieser Session auch wieder für einige Ex-Prinzen angesagt: vor 11 Jahren war es Dirk Courté (1997), vor 2 x 11 Jahren Frank Karlsberg (1986), vor 3 x 11 Jahren Hugo Holl + (1975), vor 4 x 11 Jahren Wim Heinrich und zum zweiten Mal bereits vor 5 x 11 Jahren Kurt Simons (der Doppelprinz 1952/1953). Der Eintrittspreis (all inclusive) beträgt 75 Euro. Abendgarderobe ist erwünscht.

Der Kartenvorverkauf hat begonnen: Marcus Quadflieg, 0171 / 512 22 93 Rolf Gerrards, 0173 / 272 50 50 Roger Lothmann, 0162 / 106 95 67 Frank Prömpeler, 0160 / 796 41 62 tis


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Interview mit Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Kanzler des Ordens wider den tierischen Ernst

Ritter kurz gefragt: Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck Ritter Constantin, als Berufsbau­ er, Junker und Ordensritter sind Sie wie kaum ein anderer dazu berufen, diese Frage zu beantworten: Wie steht es in Zeiten von hohen Milchund Spritpreisen um die Lage der Nation? Ritter Constantin Um Altkanzler Konrad Adenauer zu zitieren: „Die Lage war noch nie so ernst.“ Wenn ich aber erlebe, dass ein Verbraucherhaushalt für Nahrungsmittel nur noch 12 % des Monatsbudgets ausgibt, kann es um die Lage der Nation im Hinblick auf das „tägliche Brot“ nicht so schlecht aussehen. Leider bekommt der Bauer von einem Brötchen nur 1 - 2 Cent für Weizen oder Roggen.

Bei der vergangenen Ordenssitzung haben Sie das Rauchverbot beeindruckend kommentiert: Sie haben sich genüsslich eine Zigarette angesteckt. Braucht es hin und wieder ein wenig zivilen Ungehorsams? Und: Was ist das Absurdeste, dass uns deutsche Politiker derzeit zumuten? Ritter Constantin Was die Politik uns zumutet, geht auf keine Kuhhaut, und Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Eigentlich absurd! Aber als Kanzler des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST bemühe ich mich, den Humor nicht aussterben zu lassen und die Politiker zu bitten, „auf dem Teppich zu bleiben“ und mehr Volksverbundenheit auszuüben. Das Rauchverbot ist gut gemeint, schränkt aber für viele das geselli­ ge Wohlbefinden ein. Wer sich nicht wohl fühlt, hat dann schnell jeden Ansatz von Humor verloren. Der Optimismus, gepaart mit hintergründigem Humor unserer Kanzlerin Angela Merkel, lässt mich hoffen, dass die Bevölkerung trotz sicherlich vorhandener Sorgen bereit ist, die Zukunft positiv mit zu gestalten.

„ Humor ist, wenn man trotzdem lacht“


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Constantin Freiherr Heereman von Zuydt­wyck war Präsident des Deutschen Bauernverbands (1969-1997) und Mitglied des deutschen Bundestags (1983-1990), zudem ist er Kanzler des Ordens Wider den tierischen Ernst.

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Der AKV gratuliert seinen Jubilaren

Kurt Simons – Jubilar des Jahres 2008 Kurt Simons vollendete am 7. Februar sein 85. Lebensjahr, wurde vor 60 Jahren Ehrenhut des AKV und war vor 5 x 11 Jahren zum zweiten Mal Prinz Karneval in Aachen … Bis heute ist Kurt Simons (85) ein Strahlemann geblieben und verkörpert par excellence eine rheinische Frohnatur. Wer, wenn nicht er, verfügt also über all’ die Talente und Begabungen, die einen Prinzen Karneval ausmachen? Und geschickt verstand es der damalige AKV-Präsident Jacques Königstein, den jungen Mann 1952 und 1953 gleich zweimal auf den Narrenthron zu heben. Karnevalistische Ambitionen waren ihm von den Eltern her vererbt: Der Herr Papa, seines Zeichens Aachener Tuchfabrikant im Frankenberger Viertel, gehör­ te dem AKV-Senat an, und die Frau Mama ging ab und an selbst in die Bütt. „Die Familie muss schon mit jeck

Noch im Herbst wurde er Opfer eines von Königstein geplanten, „närri­schen Staatsstreichs“. Um die Übertra­gungs­­ zeit der Proklamation beim Rundfunk zu verlängern, ließ Königstein am 5. Februar 1953 zunächst den HerrenredAls der damalige AKV-Präsident Jac- ner Helmut Meisel (1950 Hofnarr bei ques Königstein zur Wiederbelebung Hans Achilles) als „Schattenprinzen“ des Öcher Fastelovvends Ende Januar proklamieren. In der letzten Sende1948 zu einer Mitgliederversammlung minute protestierte dessen Ehefrau „mit Programm“ eingeladen hatte, plötzlich lautstark dagegen und die wur­den in diesem Kreis sechs Söhne Aachener Prinzengarde marschierte von Alt-AKVern als neue Ehrenhüte im Stechschritt in den gerade fertigaufgenommen. Auch Kurt Si­mons ge- gestellten, großen Saal des Neuen hörte zu ihnen. „Mit unserem Ober- Kurhauses ein und sang: „Wir wolehrenhut Harry Offergeld und fünf len unser’n alten Prinzen Kurt wieder Alt-Ehrenhüten hatten wir dann im Ja- hab’n!“ Die Mikrofone blieben wegen nuar 1949 unseren ersten Einsatz als des „Aachener Skandals“ zwei weite­ Chapeaux d’Honneur bei der Herren- re Stunden auf Sendung. Zwei Tage sitzung im Neuen Kurhaus“ erzählt vor seinem 30. Geburtstag wurde Kurt der Jubilar. Zwar gab es 1949 in Aachen Simons so erneut zum Narrenherrnoch keinen Rosenmontagszug, dafür scher gekürt und regierte unter dem aber in Stolberg. Kurt Simons gehörte Prinzenmotto: „Närrische Kur in Bad zu den vier Ehrenhüten, mit denen El- Aachen“. ferrat Peter Heck dort als Aachener Abordnung an der Prinzenproklamati- In seiner Session machte die noch ledion und am Zug teilnahm. Inzwischen ge Tollität die Erfahrung, dass „ein Kuss diplomierter Textilingenieur, wurde Si- des Prinzen für die etwas reifere Dame mons dann bereits 1951 selbst Obereh- ein unvergessliches Erlebnis“ bedeutete. Für eine junge Dame namens Karenhut. rin aber wurde ein Kuss beim WeihEin Jahr später war zwar bei der Da- nachtskegeln des Prinzen mit seinem mensitzung Ende Januar bereits der Hofstaat zu einem Start in mehr als 50 Proklamationstermin für den Prinzen glückliche Ehejahre. Kurt II. wurde zu Karneval 1952 bekannt gegeben wor- einem Vorreiter der heutigen Euregio, den, doch gab es noch keinen Kandi- hatte doch Jacques Königstein den Ro­ daten. Willy Sauren, Burtscheider Bren- senmontagszug unter das Thema: „Lanereibesitzer und AKV-Vizepräsident, chen ist zollfrei!“ gestellt. So nahmen wandte sich an die Mutter von Kurt Si- daran auch die „Wenkbülle“ aus Heermons: „Dein Sohn muss den Prinzen len mit ihrer Blauwe Schuit und aus machen!“ 14 Tage Vorbereitungszeit Verviers die Societé Royale des joyeux blieben nur, nicht genug, um ein Prin- Verviétois teil. Den Triumph des Zuges zenspiel oder Liedchen einzustudieren. musste sich Tollität allerdings mit seiSein berufsbezogenes Motto aber war nem „Schattenprinzen“ Helmut Meischnell gefunden: „Der Karneval soll sel teilen, der überraschend ebenfalls echt und rein wie das Aach’ner Kamm- mit einem Prunkwagen beteiligt war. garn sein!“ Der Tradi­tion folgend wurde Kurt I. Simons dann eine Woche vor Als dienstältester Ex-Prinz wurde Kurt Fettdonnerstag im Foyer des Neuen Simons vom AKV 2002 mit der „GolKurhauses proklamiert und regierte 13 denen 50“ und 2003 mit der ersten „Goldenen 100“ für Ex-Prinzen geehrt. Tage lang sein Narrenvolk. tis sein, wenn man Prinz werden soll“, resümiert die Ex-Tollität heute. Im Alter von vier Jahren hatte der kleine Kurt – als „Rotkäppchen“ verkleidet – seine ersten Schritte im Karneval getan.

„Närrische Kur in Bad Aachen!“


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Der AKV gratuliert seinen Jubilaren 2008 Es vollendeten beziehungsweise vollenden 2008 das

70 75

80 85

70. Lebensjahr: Karl-Hans Hermanns Prof. Dr. Klaus W. PleĂ&#x;mann Prof. Dr. Carl August Witt Siegfried Zurhelle

$AS2EZEPTF~RPUREN'ENUSS &RISCHE:UTATENUND3IE

75. Lebensjahr: Hans-Otto Birkenstaedt Georg Drouven Rudolf Emshoff Hermann Goertz Dr. Karl Heinrichs Gerard Kick Bruno Messerich Herbert MĂśller 80. Lebensjahr: Carl Lemmen Leo HĂźntemann Karl-Heinz SchĂśnberg Helmut Schultz Dr. Helmut StuhlweiĂ&#x;enburg Otmar Schwind 85. Lebensjahr: Kurt Simons

Mitgliedstreue hielten dem AKV Ăźber

25 40

50

25 Jahre: Dr. Holger Boeck Carl Lemmen Josef Mertens Dr. Heinrich MĂźther 40 Jahre: Dieter Bischoff Rolf Dunkelberg Dr. Karl Heinrichs Fred Kuckelkorn Erich Lantin Walter Stercken Federico Tassisto Heinz-Josef Tychon 50 Jahre: Dr. Peter StĂśhr

+OCHKURSEUND+~CHENPARTYS +OCHKURS5NSERE4OP +yCHEWEIHEN3IEINDIE KySTLICHEN'EHEIMNISSEIHRER+UNSTEIN

+~CHENPARTY/B3IEZUSEHENODERSELBST DEN+OCHLyFFELSCHWINGENÂŻUNSERE+~CHENPARTYS WERDEN)HNENSCHMECKEN &~RWEITERE)NFORMATIONENSTEHT)HNEN UNSER0ERSONALGERNEZUR6ERF~GUNG

CHBAR U B N E R'RUPP !UCHF~

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-ONHEIMSALLEEÂ&#x201E;4ELEFON Â&#x201E;WWWWESTSPIELDE :UTRITTAB*AHREN"ITTE)DENTITiTSPAPIEREMITBRINGEN 0ROBLEMEDURCH3PIELEN:ENTRALES"ERATUNGSTELEFON

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Der AKV gratuliert seinen Jubilaren

Der Schnurrbartund Coteletten-Club wird 100! „Es ist der Welt einziger Verein, der nur aus dem Vorstand besteht, also keine Mitglieder hat …“

Aus dem Schatzkästlein der AKV-Geschichte … Just vor einhundert Jahren – 1908 – hoben elf honorige AKVer einer wöchentlichen Stammtischrunde als Hommage an ihre Frauen den „Schnurrbart- und Coteletten-Club“ (SCC) aus der Taufe. Denn, so sangen sie: „Unser Stammtisch wisst Ihr dies, hat Bezug zum Paradies. Adam nämlich, ganz allein, legte ein Cotelett sich ein. Und der Herrgott ohne Paus’ machte eine Maid daraus“. So war es auch für diese Herren selbstverständliche Pflicht, als äußeres Zeichen Schnurrbart und Koteletten zu tragen. 1958 feierten die Kegelbrüder und fröhlichen Zecher dann im „Hotel zum Anker“ in Alf an der Mosel ihr 50-jähriges Bestehen. „Es ist der Welt einziger Verein, der nur aus dem Vorstand besteht, also keine Mitglieder hat“, schrieb SCC-Vizepräsident Jacques Königstein am 17. Mai 1958 im Jubiläumsheft des Klubs. Und dass es beim AKV auch einen Kegelclub „Blaue Eule“, einen „Club der Alten Säcke“ und einen Stammtisch „Graue Mäuse“ gab, ist ebenfalls belegt. Wir werden berichten … tis


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Veranstaltungskalender und Termine

Veranstaltungen | Termine Benefiz-Gala mit Stars und Aachener Originalen zuguns­ten der Sammlung Crous

10. September 2008, 19:00 Uhr

Diese Gala sollte man sich nicht entgehen lassen – mit John und Kaybee Cashmore, Ägid Lennartz und Manfred Hammers – dazu ein erlesenes Vier-Gänge-Menü der CasinoGastronomie. Informationen: www.sammlung-crous.de

Sammlung Crous Einladung zum Vortrag: „Eine Reise in die Aachener Vergangenheit – Mit der Zeitmaschine auf dem Lousberg

20. Oktober 2008, 19:00 Uhr

Dr. Frank Römling zeichnet ein Bild des Aachener Lebens durch alle Epochen, das in seinem Alltag auch dann Überraschendes bietet, wenn gerade keine Krönung oder Heiligtumsfahrt auf dem Programm steht. In den Räumen der Aachener Bank. Informationen: www.sammlung-crous.de

AKV-Bierabend

7. November 2008, 20:00 Uhr

AKV-Bierabend für den Verein und seine Freunde in den Räumen der Sammlung Crous in der Kurhausstraße 2c

Gans janz anders

11. November 2008, 20:00 Uhr

„Gans janz anders“ am 11.11.08, Casino-Gastronomie, Veranstalter ist das Prinzenkorps im AKV

Ausstellung 150 Jahre AKV 14. - 28. November 2008

59. Verleihung des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST 7. Februar 2009, 20:15 Uhr

Die 59. Verleihung des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST im Eurogress Aachen

Open-Air AKV

14. Februar 2009, 10:30 Uhr

Der AKV lädt zur Open-Air-Sitzung auf dem Holzgraben ein.

Florresei Palast 2009

21. Februar 2009, 20:00 Uhr

Die berühmt-berüchtigte Karnevalsparty der AKV Ehren­ hüte, hier bleibt kein Auge trocken – im Barocksaal des Alten Kurhauses wird gefeiert bis zum Abwinken.

AKV Kaffeevisite 2009 Kaffee, Kids & Kokolores

22. Februar 2009, 14:30 Uhr

Am 22. Februar feiern Kids mit ihren Eltern – Ein Familienfest für Jung und Alt im Alten Kurhaus – direkt nach dem Kinderzug. Stargast: Biene Maja

AKV & Friends am Rosenmontag

23. Februar 2009

AKV & Friends, DIE Party nach dem Rosenmontagszug im Havana im Parterre des alten Kurhauses

Theaterball 2009

Der Auftakt einer ganzen Reihe von Jubiläumsveranstaltun­ gen in den Räumen der Sparkasse am Elisenbrunnen

Festvorstellung und Schlussball

Prinzenproklamation 2009

AKV-Abschlussball mit Verabschiedung des Prinzen im Theater Aachen

10. Januar 2009, 19:30 Uhr

Prinzenproklamation des AKV am 10. Januar 2009. Es gibt verschiedene Kartenkategorien, z.B. Saal- und Ballkarten. Informationen dazu gibt es bei der Geschäftsstelle.

150 Jahre AKV Top Lounge

18. Januar 2009, 19:00 Uhr

Das Kölner Dreigestirn mit der Kölner Ehrengarde gratulieren dem AKV: Viel Freude im Quellenhof!

Carnevale by BMW Kohl

23. Januar 2009, Einlass ab 18:30 Uhr Aachens wahrscheinlich größte Karnevalsfete vereint Jahr für Jahr bis zu 4.000 der jüngeren Jecken; gefeiert wird in den Aachener Markthallen in der Liebigstraße.

24. Februar 2009, 20:00 Uhr

150 Jahre AKV Katschhof-Fest

8. Mai 2009

Der Verein feiert seinen 150. Geburtstag mit allen Aachene­ rinnen und Aachenern auf dem Katschhof. Mit dabei: jede Menge Musik, Festäng und Promis

150 Jahre AKV Festliche Gala im Krönungssaal

9. Mai 2009, 20:00 Uhr

Der Verein feiert im angemessenen Rahmen des Krönungssaals einen festlichen Gala-Abend. weitere Informationen: www.akv.de


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Stimmungsvoller Auftakt: Die AKV-MediaNight

Rückschau – Die AKV-MediaNight 2008 Ein eleganter Rahmen, ausgelassene Stimmung, illustre Gäste: Die erste AKV-MediaNight am Vorabend der Verleihung des Ordens wider den Tierischen Ernst geriet zum fröhlichen Karnevalsfest – und zu einer gelungenen Demonstration, dass im Aachener Karneval durchaus noch Platz für eine weitere Veranstaltung ist, so man es richtig angeht.

Den Organisatoren, AKV-Präsident Horst Wollgarten mit Elferrat und Geschäftsstellenleiter Dietmar Werner, ist der organisatorische Kraftakt bes­ tens gelungen, das bescheinigen den Machern nicht nur Vereinsmitglieder, son­dern auch Außenstehende und sonst dem Verein gegenüber eher kritisch eingestellte Seelen. Kein Wunder, eigentlich: War doch das Kaminzimmer des Sofitel Quellenhofs, der Raum, in dem die zahlreich erschienen Prominenten begrüßt wur­­ den, zeitweise von einer ganzen Schar von Text- und Bildreportern geradezu verstopft. Zahlreiche VIPs aus Adel, Politik, Wirtschaft, Show, Sport und Medien waren der Einladung gefolgt und trafen sich zum lockeren Get-Together; unter ihnen Nadine Capellmann (Olympia-Teilnehmerin), Dr. Hermann Bühlbecker (Lambertz), Hermann Tilke (Formel-1-Rennstrecken-Designer aus Aachen), Jörg Berger (Bundesligatrainer), Regina van Dinther (MdL, Landtagspräsidentin des Landes Nord­rhein-Westfalen), Laurenz Meyer (MdB, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion), Prof. Dr. Nor­ bert Walter (Chefökonom Deutsche Bank Gruppe), Max Schautzer (Entertainer), Hildegard Krekel (Schauspielerin), Frank Fleschenberg (Präsident „The Eagles Cha­­rity Golf Club e.V.“) oder auch Stefan Blöcher (Hockey Rekord Nationalspieler). Publikumslieblinge des Abends waren unter anderem die Ordensritter Guido Westerwelle, Thomas Borer, Joachim Hunold und Constantin Freiherr Heeremann von Zuydtwyck. Dies

allerdings nur so lange, bis die diesjährige Ordensritterin, Gloria Fürs­ tin von Thurn und Taxis, samt Mutter, Sohn und ihren beiden Töchtern Einzug hielt. Wer im Vorfeld Zweifel hatte, ob die Fürs­tin die gute, die richtige Wahl ist als Ritterin für den Ordenskonvent, der wurde schnell überzeugt. „Diese Frau ist Stimmung pur“, freute sich an diesem Abend ein über alle Maßen glücklicher AKV-Präsident Wollgarten. Kurz zuvor hatte die Fürstin aus dem Süddeutschen in kürzester Zeit das Publikum zum Jubeln gebracht: „Die Fürstin? So ein Schmarrn. Ich bin die Gloria“, hatte sie gerufen und dabei mit ihrem charmanten, rheinisch durchwirkten bayerischen Akzent für Heiterkeit gesorgt. Für Stimmung sorgte auch das sorgsam erstellte Showprogramm des Abends, so die Blasmusikerinnen der Gruppe „Salomé“. Und im Prinzip geriet die ganze MediaNight eigentlich eher zu einem eleganten Ball denn „nur“ zu einem lockeren Beisammensein. Dazu trug sicherlich auch der festlich geschmückte, große Saal im Quellenhof bei, wo die Gäste, die meisten von ihnen in feiner Abendgarderobe, zwischen den Sitzplätzen an den Tischen und den übergroßen Stehtischen hinund herflanieren konnten. Eines der heimlichen Highlights des Abends war allerdings auch die Verköstigung. Sofitel-Küchen­chef Jeroen Rumpen verwöhnte die Gäste mit erlesenen Köstlichkeiten: Zum Beispiel Thunfisch mit Wasabicreme, getrüffelter Kartoffelsalat mit Räucherlachs, Geflügel-Saltimbocca mit Tomaten-Tagliarini oder auch Eispralinen.

Constantin Freiherr Heeremann von Zuydtwyck überreichte dem Aache­ner Prinzen Frank II. Prömpeler einen Scheck über 3.000 Euro für die Aktion „Aachener Kindern den Tisch decken“.


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Wo so kräftig gefeiert wird – da darf auch der gute Zweck nicht zu kurz kommen. Nachdem der AKV-Präsident den Sessionsorden verteilt hatte – unter anderem an den Aachener Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden, an den WDR-Unterhaltungschef Axel Bayer und an die NRW-Landtagspräsidentin Regine van Dinthern – trat Ordensritter Constantin Freiherr Heeremann von Zuydtwyck auf den Plan. Der Kanzler des Ritterkonvents des Ordens wider den Tierischen Ernst überreichte dem mit Hofstaat und Prinzengarde aufmarschierten Aache­ ner Prinzen Frank II. Prömpeler einen Scheck über 3.000 Euro als gute Gabe für die Aktion „Aachener Kindern den Tisch decken“. Prinz Frank II. hat in seiner Session diese Aktion unterstützt, die ermöglichen soll, auch Kindern aus der immer größer werdenden Zahl armer Familien in der Ganztagsschule ein warmes Mittagessen zur Verfügung stellen zu können.

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Stimmungsvoller Auftakt: Die AKV-MediaNight

RĂźckschau â&#x20AC;&#x201C; Die AKV-MediaNight 2008

Eine gelungene Premiere: Die AKV-MediaNight war ein stimmungsvoller Auftakt zur Festsitzung wider den tierischen ernst.


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Mit 4 Ringen durch die 5. Jahreszeit!

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Wir sorgen für Bewegung. Auch im Aachener Karneval. Seine Tollität, Frank II, samt Hofstaat freuen sich riesig auf ihre Auftritte. Und die Fahrten dorthin.

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Was die Presse schreibt …

Rückschau – Pressestimmen „ Welcome Powerfrau, Schneewittchen adé“

„Mit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist dem Aachener Karnevalsverein gelungen, was ihm Spötter und Neider weder gegönnt noch zugetraut hätten: eine echte Ritterperson, bekannt, prominent und „welch eine Gra­nate in Sachen Humor und Herzenswärme“. Oder anders gesagt: Wer Gloria erlebt hat, war hin und weg. Mit Gloria haben sich Aachen und der AKV bundesweit über gute Publicity und viele lobenswerte Erwähnungen in der Presse freuen dürfen. Meist zitierter Satz war die Feststellung des AKV-Präsidenten Horst Wollgarten: „Die­se Frau ist Humor pur“. „ – und welch eine Granate in Sachen Humor!“ Selbst die feinen Feuilletonisten aus dem hauptstädtischen Berlin konnten sich da nicht verschließen. Die Welt beispielsweise schrieb im Nachgang zur Festsitzung, dass „die 47-Jährige mit ihrer launigen Rede für Frauengleichberechtigung die Karnevalsgesellschaft zu Begeisterungsstürmen hin­riss. Vor allem, als sich Gloria des wallenden Rockes ihres Prinzessinnenkleides entledigte, um im darunter fescheren Röckchen auf der Bühne zu stehen“. Entsprechend titelte sie den Beitrag auch: „Die schrille Adlige zog während der Antrittsrede den Rock aus“. In der Bild (Berlin-Brandenburg) schrieb ihr Bruder Alexander von Schönburg: „Sie bekommt den Orden, weil sie bei ihren öffentlichen Äußerungen angeblich immer soviel Humor an den Tag legt. Ist wohl ein kleines Missverständnis: Wenn meine Schwester etwas sagt, meint sie das ERNST! Dass man den Adel unter Artenschutz stellen sollte, zum Beispiel. …“ Ein Lob, wenn man es denn so nennen mag, zollte auch Thomas Jansen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ein sonst gestrenger Kritiker des deutschen Zeitgeschehens. Gloria, die 2001 für ihre Aussage in einer Talkshow: „Der „Schwarze schnackselt halt gern“ den „Preis des beleidigten Zuschauers“ bekommen hatte, habe es elegant und humorvoll geschafft, diesen Satz nun politisch korrekt als

einen Hörfehler zurückzustutzen: „Der Schwarze kraxelt halt gern! Kraxeln heißt klettern, jetzt habt ihr Ruh’ und ein Schwarzer ist von der CSU.“ Dazu fragt Jansen, ob „das jener Mutterwitz sei, mit dem ihre Auszeichnung mit dem Orden Wider den tierischen Ernst begründet worden war?“ Die Rheinische Post wiederum wurde in Sachen Humor philosophisch und schrieb: „Wer die Rede der neuen Ritterin vorher gelesen hat, der dachte: oh je, das wird nix. Wer Gloria von Thurn und Taxis dann auf der Bühne gesehen hat, wurde verblüfft: Der Text zündete, weil sie zündete. Am Ende hatte man etwas über Humor gelernt und über den Karneval.“ Bei Humor gehe es eben nicht darum, Witzchen zu kloppen. Humor verdankt sich letztlich dem Wissen, dass Ernstes immer auch absurd ist. Darin liege eine Chance für mitfühlende Seelen, nicht an der Welt zu verzweifeln. Der Gesamteindruck, den die Fürstin hinterlassen habe, sei eine Mischung aus Wärme, Kraft und Spiellust. Mit ihrer Stimme habe sie sich zu einer Art Nina Hagen des Karnevals entpuppt. „Irgendwie schaffte sie es den Abend über beides zu sein: Durchlaucht und Kumpel. Das war witzig und ein bisschen rührend …“. Schön gesagt, oder? „ … so eine Art Nina Hagen des Karnevals“ Durch die Bank hat Gloria es geschafft, der Presse Respekt abzunötigen. Ihre politischen und moralischen Vorstellungen sind nicht Mainstream. Sie ist konservative Katholikin und ihre Wandlung von der Punk-PartyAdligen zur Vorzeige-Fürstin und Managerin hat viele verblüfft. Umso verwirrender also, dass die Fürstin auf der Bühne vor allem als Powerfrau herüberkam – am besten zusammengefasst in Glorias Ausruf: „Welcome Powerfrau, Schneewittchen adé“. Damit hatte selbst die Korrespondentin von Associated Press (AP) nicht gerechnet, die der Fürstin bescheinigte, die Wandlung meisterhaft hinbekommen zu haben – wovon sich so manch einer in der Republik gern ein Scheibchen abschneiden könne.


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Menschen beim AKV: Willy Kick, Elferratsbeirat

Vom Raumausstatter zum AKV-Archivar Der gestandene Karnevalist Willy Kick (Jahrgang 1940) ist ein Mann, der nach der Devise handelt: „Alles Gute noch besser machen, alles Schlechte gut machen“. Dieser Grundsatz führte ihn stets auf der Erfolgsleiter von Sprosse zu Sprosse weiter nach oben.

Die Aufgaben sind vielfältig: Willy Kick oben links bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst 2008

Hier ist er in seinem Element: Willy Kick im Archiv des AKV

Egal ob im Berufsleben oder im karnevalistischen Treiben: Vitalität, Ge­nau­ ig­keit (für manchen sei sie manchmal sogar zuviel, bedauert Kick), sprühen­ de Kreativität und „immer mit dem Her­zen dabei“ machten den gelern­ ten Raumausstatter zu einem gefrag­ ten Mitstreiter. Mut zum Risiko ist eine seiner weiteren Tugenden, und da er in den 60er Jahren in Aachen in seinem Beruf keine Möglichkeit hatte, ein Meisterstudium zu absolvieren, sattelte Willy Kick im Alter von 28 Jahren einfach zum Datenverarbeitungskaufmann um, avancierte bei seinem Arbeitgeber zum Datenverarbeitungsleiter und Datenschutzbeauftragten. Seit 2004 wäre er eigentlich im Ruhestand, wenn da nicht seine vier Enkelkinder und vor allem seine karnevalis­ tischen Ambitionen wären!

Die aber begannen bereits 1979, als er einen Tanzkursus in der Pfarre HerzJesu einfach zum Pfarrkarneval umfunktionierte und dabei – bis zum endgültigen Aus 2007 – über 28 Jahre hin­weg kräftig mitmischte. Elf Jahre lang diente er als Aktiver bei der Stadtgarde Oecher Penn und bewährte sich dort, Dank seines glücklichen Händchens, als Bühnen- und Wagenbauer. Ex-Prinz Hanns I. Bittmann holte ihn 2001 als Stadtschreiber, Adjutant sowie Prinzenfahrer in seinen Hofstaat und startete für ihn eine Sängerkarriere bei den „Jonge vajjen Beverau“, denen er bis heute angehört. Zugleich wurde Willy Kick auch Mitglied des AKV und trat bei AKV-Archivar Helmut Schultz als „Azubi“ seine dreijährige Lehrzeit zum Archivar an. „Wir sammeln hier jedes Schnipselchen seit 1859“, erfuhr er als Erstes von seinem Lehrmeister. Sein Gesellenstück lieferte er dann mit der Renovierung und Dekoration des Treppenhauses


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im Vereinsheim des AKV, im Alten Kurhaus. Hier wird alles aufgezeigt, was den AKV ausmacht, angefangen von der Festsitzung Wider den tierischen Ernst bis hin zum Magic Monday. Kaum hatte er das „Gesellenstück“ vorgelegt, da wurde Willy Kick bereits engagiert und im November 2005 zum Elferratsbeirat berufen. Seine beruflichen Vorkenntnisse, sowohl als Raumausstatter als auch als Da­ten­verarbeitungskaufmann, ge­paart mit Akribie und Pünktlichkeit, kommen Willy Kick für seine Aufgabe als ehrenamtlicher AKV-Archivar nun wieder einmal wie gerufen. Als erstes änderte er die Raumausstattung des Archivraumes, um anschließend die Archivierung des Bestandes per Computer einzuführen. Nach Sachgebieten geordnet, ist nun dem Besucher alles leicht zugänglich. Neben der Archivarbeit ist der Karnevalist aus Leidenschaft auch in

die Vorbereitung von AKV-Veranstaltungen mit einbezogen, sei es für die Verleihung von Sonderorden bis hin zum Katerfrühstück des Ritterkonvents. „Ich bin allein schon deshalb von meiner Arbeit für den AKV so begeistert, weil ich viele meiner Ideen verwirklichen kann“, sagt Willy Kick. tis

„Ich bin deshalb von meiner Arbeit für den AKV begeistert, weil ich viele meiner Ideen verwirklichen kann“

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Jubiläum der Sammlung Crous

Helmut A. Crous – Sammler aus Leidenschaft Vor 60 Jahren startete Helmut A. Crous mit „Aachener Wappen und Genealogien“ seine stadthistorische Privatsammlung. Der junge Redakteur der Aachener Volkszeitung Helmut A. Crous (1913 – 1993) wird 1948 wohl kaum damit gerechnet haben, dass er mit seinem ers­ten, soeben in einem Antiquariat gekauften Buch einmal eine Welle historischer Begeisterung in Aachen auslösen würde. Es war die 1907 und 1908 erschienene, zweibändige Ausgabe: „Aachener Wappen und Genealogien“ von Hermann Friedrich Macco. In achtjähriger Forschungsarbeit hatte der Autor darin erstmalig ein Nachschlagewerk über Wappen und Herkunft Aachener Patrizierfamilien geschaffen. Heute sind die beiden Bände in der Sammlung Crous unter den Katalognummern 584a und 584b inventarisiert zu finden.

„Vor allem war Crous ein sehr humorvoller Lebenskünstler und ein unwahrscheinlich menschlicher Typ, der sich Zeit nahm, zuzuhören, ein großes Wissen und viel Liebe zu Aachen hatte“, Helmut Schultz, AKV-Archivar

Bernd Carl, Beiratsvorsitzender der Sammlung Crous

Als Crous im Alter von 80 Jahren starb, hatte er im Lauf von 45 Jahren dieses Schatzkästlein bibliophiler Kostbarkeiten auf rund 2000 Druckschriften und etwa 370 Aquarelle, Grafiken und Kupferstiche anwachsen lassen. Ein halbes Jahr vor seinem Tod erwarb der Aachener Karnevalsverein 1993 durch einen Kaufvertrag sein Lebenswerk als geschlossene Sammlung. Inzwischen durch Zukäufe und Schenkungen erweitert, steht heute die Sammlung Crous als eine gemeinnützige GmbH innerhalb des AKV Benutzern mit einem Gesamtbestand von rund 10.000 Büchern, Grafiken, Gemälden, Aquarellen, Gouachen, Fotos und Postkarten in einer Präsenzbibliothek im Alten Kurhaus zur Verfügung. Allein das Kernstück, die Buchabtei­ lung, umfasst etwa 5000 Druckschrif­ ten aus dem Zeitraum von 1521 bis heute. „Stadthistorische Sammlungen sind Archive, die den Blick in die Vergangenheit freigeben, die Geschichte lebendig werden lassen und nachfolgenden Generationen die Fragen nach dem Woher und Warum beantworten“, sagt Bernd Carl, Vorsitzender des Beirats der Sammlung. Bei Entscheidungsfindungen für die Zukunft seien

sie den Menschen von heute unverzichtbare Helfer und Berater, können so zu einem untrüglichen Mittler zwischen Vergangenheit und Zukunft werden. „Vorausgesetzt, der Nutzer legt ihre Botschaften und Vermächtnisse richtig aus“, mahnt der Beiratsvorsitzende an. Um jedoch nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart an zukünftige Generationen weiterzuge­ ben, komme es nicht nur darauf an, den vorhandenen Bestand zu bewahren und zu pflegen, sondern ständig zu erweitern. „Jeder, der durch ehrenamtliche Mitarbeit, durch eine Schenkung oder Spende dazu beitragen möchte, ist hierbei eine große Hilfe“, unterstreicht Bernd Carl. Aus dieser Verantwortung heraus veranstaltet der Beirat zugunsten der Sammlung in regelmäßigen Abständen stadthis­ torische Vortrags- und Filmabende sowie Ausstellungen, Benefizdinner und Golfturniere. Auch die Miet­ ein­nah­men für Werbeflächen auf einem Aachener Linienbus dienen der Wert­erhaltung und Erweiterung der Sammlung. „Interessant ist, dass heute nicht wenige Menschen nach ihrer Berufstätigkeit wieder ein Studium aufnehmen. Und meistens handelt es sich um das Fach Geschichte. Eine bemerkenswerte Feststellung, wie ich meine“, konstatiert AKV-Präsident Horst Wollgarten. Geschichte interessiere die Menschen immer mehr und sei lebendiger denn je. „Und wer sich mit Geschichte und den handelnden Personen beschäftigt, wird wohl auch in seinem Denken und Handeln weiser“, ist der AKV-Präsident überzeugt. Immer mehr Aachener Bürger identifizieren sich so auch zunehmend mit der Sammlung Crous. Gerade in den letzten ein bis zwei Jahren wurde die Sammlung nicht nur sehr gefördert, sondern dankenswerterweise durch die aktive Mitwirkung und das überdurchschnittlich hohe Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch viele Veranstaltungen zugänglicher gemacht. „Ein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Beiratsvorsitzenden der Sammlung,


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Bernd Carl, der nicht zuletzt durch das Buch ‚NACHgeschaut‘ eine ganz fantastische Resonanz bei der Aachener Bevölkerung erlangt hat und nun bereits einen zweiten Band vorbereitet“, lobt Horst Wollgarten. Helmut A. Crous war ein unermüdli­ cher Sammler und Sucher stadthis­ torischer Raritäten. In einem Zeitungsinterview sagte der damals 75-Jährige: „Ich habe im Laufe meines Lebens ungezählte Antiquariate durchkreuzt, nicht nur in Aachen natürlich. Auch in Den Haag, Amsterdam, London, Paris. Überall, auch in Dänemark, wurde ich fündig. Da konnte man natürlich, sagen wir mal vor 30 Jahren, noch allerlei finden, heute wäre das sinnlos. Ferner habe ich alle entsprechenden Auktionen verfolgt.“ Crous war in allen Antiquariaten bekannt, hatte überall seine Visitenkarte hinterlassen, um beim Auftauchen von

Aquensien sofort informiert zu werden. Durch seine Versiertheit auf dem Gebiet der Geschichte bestand seine Sammlerphilosophie jedoch darin, weniger beliebige, als vielmehr seltene stadt- und regionalgeschichtliche Publikationen zu erwerben. Mit Blick auf die heutige Entwicklung von Euregio und Städteregion war Helmut A. Crous bereits damals ein Vordenker seiner Zeit. Auch in der Konsequenz des Sammelns ließ er sich von seinem Lebensmotto leiten: „Aus der Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart verste­ hen und die Zukunft planen“. Und so war Crous nicht nur Sammler, um zu Repräsentationszwecken gefüllte Bücherregale vorzuweisen, sondern nutzte die Buchbestände vor allem als Arbeitsmittel. Es spricht für seine Konzentration auf die Recherchen, dass da Zigarrenasche und Rotweinflecke ihre

Spuren hinterlassen haben. „An seinen Anmerkungen und Anstreichungen, an den vielen Notizen in den Inhaltsverzeichnissen konnte man erkennen, wie Crous mit den Büchern umgegangen war. Sie wurden dadurch für mich lebendig und ich konnte mir vorstellen, an welchem Themenbereich er gerade gearbeitet hatte“, sagt die erste Kustodin der Sammlung, Dr. Marga van den Heuvel. Er habe eine „sehr geistreiche und sehr lebendige Sammlung“ hinterlassen, die verrate, dass er „ein Mann voller Esprit“ gewesen sein muss, der seinen Beruf mit Freude und Humor ausübte, sagt Dr. Marga van den Heuvel. Crous wird von vielen seiner Weggefährten als unterhaltsamer und humorvoller Zeitgenosse geschildert. So sagt AKV-Ehrenpräsident Georg Helg von ihm, dass er als Publizist eine Reihe von Büchern und Veröffentlichungen hinterlassen habe. Abgesehen von allgemeinen Literaturhinweisen, hätte er aber nichts von Quellenangaben gehalten. „Er war eben kein Historiker, sondern Journalist, und als begeisterter Erzähler hat ihn die Anekdote oft mehr interessiert als der historische Vorgang. Das Erzählen unterhaltsamer Ameröllcher machte ihm einfach mehr Spaß“, sagt Georg Helg. „Vor allem war Crous ein sehr humorvoller Lebenskünstler und ein unwahrscheinlich menschlicher Typ, der sich Zeit nahm, zuzuhören, ein großes Wissen und viel Liebe zu Aachen hatte“, erinnert sich Helmut Schultz, der nach dem Tod von Helmut A. Crous dessen Nachfolge im Amt des AKV-Archivars antrat. tis

„Aus der Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart verste­hen und die

Zukunft planen“

Helmut Crous (links) bei der Arbeit

Helmut A. Crous

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Kleine Eitelkeiten großer Männer – Zufallsfund im AKV-Archiv

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Es sind die kleinen Eitelkeiten großer Männer, die ihrem Ruhm den Charme hinzufügen. So ließ sich der legendäre Jacques Königstein gleich dreimal in Öl malen und sah sich in seinem Wohnzimmer täglich mit seinen Konterfeis konfrontiert. Heute zieren die Gemälde dreier AKV-Ehrenpräsidenten – Jacques Königstein, Helmut Aurel Crous, Georg Helg – den Sitzungssaal im Domizil des AKV, dem Alten Kurhaus. Dass auch Crous einem Maler Modell gesessen hatte, erfuhr der damalige AKV-Präsident Georg Helg erst von Crous selbst wenige Monate vor dessen Tod (8. Juli 1993). Es war bei der Unterzeichnung des Verkaufsvertrages der Sammlung Crous an den AKV. Über 15 Jahre hinweg war das Gemälde verschollen geblieben, und selbst Crous will nicht gewusst haben, wo es sich befand. Erst, als es dann 1995 ans Packen ging für den anstehenden Umzug der AKV-Geschäftsstelle in das Alte Kurhaus, entdeckte Helg dabei im AKV-Archiv ein Polaroid-Foto, das

einen Maler beim Porträtieren von Crous zeigte. Wer aber war der Maler? Helmut Strack, damaliger AKVGeschäftsführer, recherchierte und fand das 1980 entstandene Gemälde im Nachlass des inzwischen verstorbenen Kölner Malers Franz Josef Blaschke (1916 – 1984) in einer Galerie. Der Künstler porträtierte viele prominente Zeitgenossen, s o auch Konrad Adenauer und Willy Millowitsch. Strack ließ es nicht beim Finden bewenden. Als Ex-Prinz Helmut II. (1978) griff er zusammen mit seinem prinzlichen Hofstaat in die Tasche und kaufte das Gemälde im August 1995 zur Bereicherung der Sammlung Crous. tis


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