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Ausgabe 1 1. Jahrgang 路 Session 2008

Journal

2008

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58. Ordensverleihung

Wider den tierischen Ernst

Bad Aachener Festsitzung 2008

Adel verpflichtet!


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A del verpflichtet Wie Sie sicher wissen, ist der Orden „Wider den tierischen Ernst“ der einzige in Deutschland, der nicht für, sondern gegen etwas verliehen wird, nämlich gegen Griesgrämigkeit, Humorlosigkeit, Spießerei, Meckertum und letztlich fehlende Menschlichkeit. Mit Fürstin Gloria zeichnen wir eine Frau aus, die seit Jahrzehnten im Interesse der Öffentlichkeit steht. Stets in den Medien präsent, hat sie immer „ihr eigenes Ding“ gemacht. Sie war in jedem Fall die erste Punkprinzessin. Sie ist eine sehr gradlinige Frau, die mit sehr viel Individualität, Beliebtheit, sozialem Engagement, Humor, ja, sogar Mutterwitz ausgestattet ist. Damit erfüllt sie die geforderten Kriterien des Ordens, nämlich Humor und Menschlichkeit im Amt – ich darf ergänzen: im Leben – zu haben. Also Attribute, die auf unsere Fürstin in herausragender Weise passen.

Wir stellen vor: Mariae Gloria Ferdinanda Gerda Charlotte Teutonia Franziska Maga­ rethe Frederike Simone Johanna Joachima Josefine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau – oder, etwas kürzer, Ihre Durchlaucht (I.D.) Gloria Fürstin von Thurn und Taxis als neue Ritterin des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ im Jahre 2008. Sie ist damit der 58. Ordensritter. Wer also mit 15 Vornamen aufwarten kann, der muss von Kindheit an mit einem gesegneten Humor ausgestattet sein. Aber das ist nicht der Grund, warum der AKV Fürstin Gloria mit dem Orden „Wider den tierischen Ernst“ auszeichnen will. Liebe, verehrte Festgesellschaft, diese Frau ist Humor pur! Und damit freue ich mich sehr, dass Sie dieses Jahr auch wieder mit dabei sind. Gemeinsam wollen wir Fürstin Gloria in den so begehrten Ritterstand erheben, angeführt von unserem liebenswerten Ordenskanzler Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Fürstin Gloria setzt als neue Ritterin mit Sicherheit einen Glanzpunkt in der jüngeren Geschichte des Ordens. Wir sind sehr froh, dass wir sie hier in Aachen begrüßen dürfen. Nach vielen Jahren der femininen Dürre ist sie die vierte Ordensritterin.

„Erst dachte ich“, so die Fürstin im O-Ton, „da will mich jemand veräppeln“ und hielt die Wahl für eine Satire. Aber diesen Irrtum haben wir schnell auflösen können. „Ich bin richtig stolz darauf, diesen Orden ,Wider den tierischen Ernst’ zu erhalten, und er ist für mich sehr wertvoll, vielleicht sogar toller als das Bundesverdienstkreuz“, stellte die geschäftstüchtige und gleichwohl charmante Fürstin fest. Der Orden „Wider den tierischen Ernst“ wird für eine Haltung im Leben verliehen, so die Fürstin. Sie ist davon überzeugt, dass mit Humor und Menschlichkeit viele Probleme in der Welt besser gelöst oder gar nicht erst entstehen würden. Wie sagte sie anlässlich der Pressekonferenz in Regensburg sinngemäß: „Nun freue ich mich auf Aachen und bereite mich vor, damit ich frisch wie ein Baby zur Ordensverleihung erscheine.“ So soll es denn sein. Und auf eine Frau mit diesem Format freue ich mich, freut sich der AKV und mit Sicherheit die Bürger der Stadt Aachen. Heißen Sie I.D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und alle Ihre Verwandten und Freunde von Herzen willkommen und feiern Sie mit uns ein tolles Ordensfest! Herzlichst Ihr

Horst Wollgarten, AKV-Präsident

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Inhalt

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Seite

Editorial Horst Wollgarten, AKV-Präsident

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Inhalt

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Programm der Festsitzung

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Grußwort Oberbürgermeister Dr. Linden

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Fürstin Gloria von Thurn und Taxis: die 58. Ordensritterin

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Lebenslauf: Ihre Durchlaucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis

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Ein ganz besonderer Orden: der Sessionsorden 2008

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Der Orden „Wider den tierischen Ernst“

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Die Ritter: Sie tragen den Orden „Wider den tierischen Ernst“

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Bewährtes bewahren, Neues wagen – der AKV im Gespräch

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Elferrat: Die Herren an der Spitze des AKV

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Motto Lebenslust: Horst Wollgarten im Portrait

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Der AKV – ein Kurzportrait

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Qualität vor Quantität – die Sammlung Crous im AKV

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Miez und Anton: Der Zentis Kinderkarnevalspreis

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Zum Wohle: der Öcher Heuschreck Durchbruch

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Prinz 2008: Frank II. Prömpeler

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Oche Alaaf! – Radi Radi! Der Öcher Fastelovvend trifft Rengschburger Fasching

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Erinnern Sie sich noch an … – Josef I. Flachs?

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Die Sponsoren des AKV – ein herzliches Dankeschön!

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Ein Programm der Überraschungen

Natürlich gibt es Karneval im Programm, na­ türlich gibt es Redebeiträge bekannter Per­ sönlichkeiten. Aber es wird eine abwechs­ lungsreiche Revue sein, die viele Elemente präsentiert – auch Aachener Kolorit. Zuviel an dieser Stelle – bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch lange im Vorfeld der Ordensverleihung – verraten zu wollen, wäre nicht im Sinne der Programm-Macher im AKV. Daher an dieser Stelle nur soviel: Lassen Sie sich überraschen, seien Sie gespannt auf eine kurzweilige Veranstaltung, die am 20. Januar ab 20.15 Uhr in allen Programmen der ARD und damit bundesweit ausgestrahlt wird. Wir freuen uns, wenn Sie unser Gast sind und hoffen mit Ihnen auf einen unterhaltsamen Abend! Wir sind sicher: Sie werden Ihr Kommen nicht bereuen.


G rußwort Dr. Jürgen L inden Nach vielen Jahren schwarzen, gelben oder roten Blutes ist die Preisträgerin in diesem Jahr noch einmal blaublütig. 2008 wird Fürs­ tin Gloria von Thurn und Taxis in die Riege der Ritterinnen und Ritter des Ordens „Wi­ der den tierischen Ernst“ aufgenommen. Mit diesem Nobelpreis des Karnevals werden seit 1950 Menschen dekoriert, die sich durch In­ dividualität, Beliebtheit, soziales Engage­ ment und Mutterwitz in ihrem Tun, vor allem aber durch Humor und Menschlichkeit aus­ gezeichnet haben. Im Jahr des Neuanfangs hat der AKV mit der Fürstin eine sehr gute Wahl getroffen. Von den damaligen Erkennungsmerkmalen, den krassen Frisuren, dem Jet-Set-Leben, der ausgefallenen Kleidung und dem herzhaften Lachen, ist heute glücklicherweise das Wichtigste erhalten geblieben. Sie wandelte sich von der flippigen Fürstin der Yellow-Press zur findigen Geschäftsfrau der Managermagazine und bewahrte sich dabei in allen Lebenslagen, damals wie heute, eine extragroße Portion Humor und Frohsinn. Darin liegt für mich die karnevalistische Grundtugend, die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis heute dazu qualifiziert, in die illustre Ritterrunde aufgenommen zu werden. Getreu dem universal anwendbaren Motto: Alles muss sich ändern, damit das Lachen bleiben kann, wie es ist. Im Namen der Öcher Jecken gratuliere ich Fürstin Gloria von Thurn und Taxis herzlichst zur Ritterinnenwürde und freue mich auf eine frische, furiose und fulminante Sitzung.

Fotos: Helmut Koch

Dr. Jürgen Linden Oberbürgermeister der Stadt Aachen

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Fürstin G loria von Thurn und Taxis „A del verpflichtet …“

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Ein Paukenschlag des AKV, den viele nicht in ihrem Kalkül hatten: Ihre Durchlaucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ist die designierte Ritterin des Ordens „Wider den tierischen Ernst“.


58. Ordensritterin „Wider den tierischen E rnst“ Neue Wege beim Aachener Karnevalsverein gegr. 1859 e.V. (AKV): Mit I. D. Gloria Fürs­ tin von Thurn und Taxis ist nach Constantin Freiherr Heereman von Zuydwyck eine wei­ tere und zugleich charismatische Persönlich­ keit designierte Ritterin des Ordens „Wider den tierischen Ernst“, der am 19. Januar 2008 im Eurogress zu Aachen verliehen wird. Da­ mit erfährt der bei Persönlichkeiten des öf­ fentlichen Lebens begehrte Orden einen wei­ teren Höhepunkt und neuen Glanz in seiner mehr als 50jährigen Geschichte. Mit dem Or­ den geehrt werden seit 1950 Menschen, die sich durch Individualität, Beliebtheit, sozi­ ales Engagement und Mutterwitz in ihrem Tun auszeichnen, vor allem aber Humor und Menschlichkeit beweisen. „Attribute, die auf Fürstin Gloria in herausragender Weise passen“, begründet Horst Wollgarten, Präsi­ dent des AKV, die Wahl. I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis setzt als neue Ritterin des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ gewiss einen Glanzpunkt in der jüngeren Geschichte des Ordens und reiht sich damit ein in den Reigen ebenso illustrer wie verdienter Persönlichkeiten, die mit dem Orden im Laufe der Jahre ausgezeichnet worden sind: Konrad Adenauer und Hans-Dietrich Genscher beispielsweise, Franz-Josef Strauss, Heide Simonis, Ephraim Kishon, Karl Kardinal Lehmann oder Wendelin Wiedeking etwa. Was Fürstin Gloria zudem ehrt, so Horst Wollgarten weiter, ist ihr starkes soziales und karitatives Engagement. Neben ihrem Humor beweise sie Durchsetzungsfähigkeit sowie Schlagfertigkeit anlässlich öffentlicher Auftritte – wovon sich bis zu sieben Millionen Zuschauer am 20. Januar 2008 vor den Bildschirmen überzeugen können, wenn die Festsitzung anlässlich der Ordensverleihung zeitversetzt ausgestrahlt wird.

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Fürstin G loria von Thurn und Taxis „A del verpflichtet …“

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I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis entstammt einer alten Adelsfamilie, sie stellt sich den zeitgemäßen Herausforderungen ihres Standes in Sachen Zukunft – und zwar couragiert, bodenständig und volksnah. Horst Wollgarten: „Wir sind von der Persönlichkeit der Fürstin sehr beeindruckt, vor allem davon, wie sie es geschafft hat, die Thurn- und Taxis-Unternehmensgruppe, die aus zahlreichen Firmen und großen Ländereien besteht, umzustrukturieren.“ So präsentiert sich heute Schloss Emmeram, der Sitz derer von Thurn und Taxis, als Museum mit angeschlossenem Dienstleistungszentrum: Ein Teil beherbergt die öffentlich zugängliche fürstliche Sammlung, ein anderer – Reitstall und Refektorium – lässt sich als Tagungsort mieten. In einem weiteren Bereich des mit 37.000 Quadratmetern größten Schlosskomplexes Deutschlands wohnen Senioren, andere Teile wiederum sind als Büroräume erschlossen, in denen Anwälte, Steuerberater, eine Bank und ein wissenschaftliches Bankeninstitut residieren. Beeindruckend ist nicht zuletzt auch die Wandlung, die I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis im Laufe ihres Lebens vollzogen hat. „Mit dreißig wurde ich erwachsen“, sagt sie über sich selbst. Geboren 1960, lernte sie fast noch als Teenager Johannes von Thurn und Taxis kennen; die Hochzeit war 1980. Nach dem Tod des Fürsten 1990 wurde Prinz Albert, ihr Sohn, Alleinerbe. Fürstin Gloria verabschiedete sich von ihren einstigen Markenzeichen – der ausgefallenen Kleidung, den markigen Sprüchen und, zunächst, dem herzhaften Lachen. Sie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, um sich ganz der Aufgabe als Verwalterin des Erbes bis zu Alberts Volljährigkeit widmen zu können. Heute lebt sie in Regensburg und in Rom, das Lachen blieb ihr erhalten, doch aus der einstigen „Punk-Prinzessin“ ist eine papsttreue Christin geworden, die ihre drei Kinder – neben Prinz Albert die Prinzessinnen Elisabeth und Maria-Theresia – mit christlichen Werten erzieht und sich auch öffentlich zum Katholi­ zismus bekennt. Obendrein zahlreiche sozia­le Einrichtungen unterstützt und dazu als Schirmherrin der Stiftungen „Ja zum Leben“ und der „Bayerischen Stiftung Hospiz“ sehr engagierte Arbeit leistet. Zudem gehört die fürstliche Notstandsküche, die jeden Tag notleidenden Menschen 300 warme Mahlzeiten serviert, zum Kern-Engagement des Fürstenhauses.

„Ihre Lebensleistung, ihr Humor, mit dem sie sich den Herausforderungen ihres Standes stellt – Attribute und zugleich Gründe, die den Ritterschlag verdienen“, so Horst Wollgarten über eine ungewöhnliche Frau. „Wir freuen uns, mit I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis eine schlagfertige und unkonventionelle Ritterin auszuzeichnen; wir sind überzeugt, dass sie hervorragend in die Riege der Ordensritter passt und der Festsitzung anlässlich der Ordensverleihung am 19. Januar 2008 ein neues und frisches Erscheinungsbild verleiht.“ Eine neue Rolle für I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, eine Rolle aber, die sie mit „Glanz und Gloria“ bestehen wird.

„Mit Glanz und G loria“

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Ihre Durchlaucht

G loria Fürstin von Thurn und Taxis

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G

Geburtsdatum: 23. Februar 1960 als Mariae Gloria Ferdinanda Gerda Charlotte Teutonia Franziska Magarethe Frederike Simone Johanna Joachima Josefine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau Geburtsort: Stuttgart-Degerloch Familienstand: Am 31. Mai 1980 Heirat mit Johannes Prinz von Thurn und Taxis (1926 bis 1990) Drei Kinder: Maria Theresia Ludowika Klothilde Helene Alexandra (* 28. November 1980) Elisabeth Margarete Maria Anna Beatrix (* 24. März 1982) Albert Maria Lamoral Miguel Johannes Gabriel (* 24. Juni 1983) Öffentliche Aufmerksamkeit: Nach der Geburt ihres ersten Kindes stürzt Gloria sich ins Partyleben. Besonders ihre Schwäche für extravagante Mode und schrille Frisuren lässt sie immer wieder in die Schlagzeilen der Presse geraten.

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Managerin eines Traditionsunternehmens: Nach dem Tod ihres Mannes 1990 übernimmt Gloria die Führung des Hauses Thurn und Taxis. Bis zur Volljährigkeit des Erbprinzen Albert steht die Fürstin somit einem Milliarden­ konzern mit mehr als 50 Unternehmen, mehreren Tausend Beschäftigten und beachtlichem Landbesitz im In- und Ausland vor. In dieser Funktion trägt sie in den 1990er Jahren wesent­lich zur Konsolidierung und Entschuldung des Hauses Thurn und Taxis bei. Glaubensfragen: Gloria bekennt sich seit 1995 öffentlich zu einem an der Tradition der Kirche und den Weisungen des päpstlichen Lehramts orientierten katholischen Glauben. Seit dem 15. August 2006 (Mariä Himmelfahrt) fungiert sie als Präfektin der durch sie wiederbelebten Marianischen Frauencongregation „Mariä Verkündigung“ Regensburg. Die Fürstin ist Mitglied der CSU und nimmt 2004 als Mitglied der Bundesversammlung an der Wahl des Bundespräsidenten teil. Ehrungen: 2001 wird Gloria der Preis der beleidigten Zuschauer verliehen für Kommentare wie: „Afrika hat die Probleme nicht wegen der Verhütung – der Schwarze schnackselt gern.“ Am 7. September 2006 erhält sie das Verdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Am 6. September 2007 wird bekannt gegeben, dass ihr der Orden „Wider den tierischen Ernst“ in Aachen verliehen werden soll.


Ein ganz besondererO rden Es ist der normale

Er ist edel anzuschauen, fein und filigran – der Sessions-Damenorden. Hingegen glän­ zen die Herren mit nicht minder feiner Erscheinung, allerdings glatt geprägt und ele­ gant. Die Sessionsorden 2008. Und auch da werden sie deutlich, die neuen Wege, die der AKV eingeschlagen hat: modern und traditi­ onsbewusst zugleich.

Sessionsorden – aber er ragt heraus, anders als bisherige. Und eine Besonderheit

Edel die Handschrift der Orden – Ihrer Durch­ laucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis adäquat. „Diese Sessionsorden erhalten wie stets die Mitglieder des AKV, darüber hinaus auftretende Akteure sowie Personen, die sich um den AKV in irgendeiner Weise verdient gemacht haben“, sagt Dr. Norbert Königs, als AKV-Elferrat zuständig für den Bereich Orden, der die Sessionsorden entworfen hat.

macht ihn zusätzlich begehrt, nicht allein der begrenzten Auflage wegen.

Doch aus der Menge der AKV-Sessionsorden ragen wiederum einige heraus, die speziell veredelt werden. „Die haben einen geprägten Schriftzug der Fürstin auf der Rückseite, sind auf einer eigens angefertigten Urkunde von der Fürstin und vom AKV-Präsidenten handschriftlich signiert und ebenfalls handschriftlich mit dem Namen des Ordensempfängers versehen“, so AKV-Präsident Horst Wollgarten. Obendrein gebe es eine edle Urkundentasche mit Kordel in den AKV-Farben und für die Orden eine adäquat schmuckhafte Ordensschatulle. Klar, dass dies nicht nur in Sammlerkreisen Begehrlichkeiten weckt.

Die Auflage ist begrenzt: Ganze 111 Orden für die Damen und 111 für die Herren gibt es …

Nicht jeder aber wird in den Vorzug kommen, zu den Auserwählten dieses besonderen Ordens zu gehören. Denn dessen Auflage ist begrenzt: Ganze 111 Orden für die Damen und 111 für die Herren gibt es – das werden sich vor allem Sammler durchaus etwas kosten lassen wollen … Erhalten werden diesen besonderen Orden, so viel steht jetzt schon fest, diejenigen, die sich als größere Sponsoren des AKV hervortun, dann solche, die bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind, und … – na ja, lassen wir uns überraschen! Ach ja, und versteigert wird eine noch nicht bestimmte Anzahl von Damen- und Herrenorden dieser besonderen Spezies. Ein Teil des Geldes wird dann für einen guten Zweck verwandt. Wobei angesichts der Wertigkeit dieses Ordens auch ein üppiges Sümmchen zustande kommen kann.

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Der Orden Wider den tierischen Ernst:

Mit James Arthur D ugdale fing alles an 14

Das war das Anliegen Jacques Königsteins: Griesgram und Muckertum den Kampf an­ zusagen – und diesen Kampf durch Ordens­ verleihungen zu verstärken. Wenn Ihre Durchlaucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis bei der Festsitzung des AKV am 19. Januar 2008 in den Narrenkäfig tritt, ist sie die vierte Vertreterin des weiblichen Geschlechts, die mit dem Orden Wider den tierischen Ernst geehrt wird. „Ihre Individualität und Beliebtheit, das soziale Engagement und der Mutterwitz in ihrem Tun prädestinieren die Fürstin für diese Auszeichnung“, so AKV-Präsident Horst Wollgarten. 20 Jahre liegt die Pioniertat des Aachener Karnevalsvereins zurück, als er Professorin Dr. Gertrud Höhler 1988 als erste Frau zur Ordensritterin schlug und sie damit in die Riege der bis dahin 37 ehrenwerten Herren des Konvents aufnahm. Sechs Jahre gingen ins Land, bis die damalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Renate Schmidt, 1994 zu gleichen Ritterinnenehren gelangte. Weitere vier Jahre vergingen, bis auch Heide Simonis, damals Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, als dritte Frau im Bunde den Ritterschlag erhielt.

Oben: James A. Dugdale Unten: Jacques Königstein

Nun also Fürstin Gloria, die das vierblättrige Kleeblatt abrundet, das dem Orden „Wider den tierischen Ernst“ bei bisher 57 Verleihungen mit Glanz und Gloria ein neues Image gibt. Das ist es unter anderem auch, was der AKV anstrebt: Bei der Wahl eines Ritters die Ordenskriterien, Humor und Menschlichkeit im Amt, nicht mehr nur bei Politikern zu suchen, sondern ebenso bei interessanten Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftsschichten. „Der Wert dieses Kulturpreises muss wieder steigen, zumal es der einzige Preis ist, der gegen und nicht für etwas verliehen wird“, erklärt dazu Horst Wollgarten, der als neuer AKV-Präsident sich nicht scheut, neue Wege zu gehen.

Die Wurzeln der Ordensverleihung reichen in das Jahr 1950 zurück. Helmut A. Crous, damals noch Archivar des AKV, später dann dessen Präsident, hatte als Journalist von einer auffallend menschlichen Entscheidung eines britischen Militärstaatsanwalts namens James Arthur Dugdale erfahren. Ein 29-jähriger Beifahrer aus Stolberg war unter Alkohol stehend bei einer Kneipenrangelei mit einem belgischen Sergeanten aneinander geraten und wurde deshalb von einem britischen Niedergericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Mr. Dugdale plädierte als Staatsanwalt dafür, dass der Mann von Karnevalssonntag bis Karnevalsdienstag aus der Haft zu entlassen sei, denn seines Wissens sei der „Rosenmontag der höchste Feiertag im Rheinland“. Der Richter entsprach dem Antrag. Zunächst „nur“ der AKV-Jahresorden Als Jacques Königstein, der damalige AKVPräsident, davon erfuhr, erklärte er spontan: „Dieser Mr. Dugdale muss einen Orden bekommen.“ Den erhielt er auch am Karnevals­ sonntag bei der AKV-Kaffeevisite im Alten Kurhaus, wenngleich es damals „nur“ der AKVJahresorden war. Dafür aber wurde Justitias Diener mit einem wahren Ordenssegen aller im Saal anwesenden Karnevalsvereine und dem Prinzenorden Sr. Tollität Hans III. Achilles überschüttet. Diese Ehrung machte in der englischen Presse Schlagzeilen. Zwei Jahre später amüsierte den AKV Jules von Jouanne, der als damaliger Regierungsrat in der Eulenspiegelstadt Mölln die dort versammelten Finanzminister vor eine festlich gedeckte Tafel geführt hatte, die dann aber wieder abräumen und eine schlichte Erbsensuppe servieren ließ. Jouanne’s Kommentar dazu: „Schleswig-Holstein ist ein armes Land und muss sparen!“ Auch er erhielt den AKV-Jahresorden, allerdings bereits mit einer Silberplatte unterlegt. 1953 gründeten der Satiriker Werner Finck und der Karikaturist Mirko Szewczuk die Carl-Friedrich-Flögel-Gesellschaft und erinnerten mit ihr an den Philosophen Flögel, der Ende des 18. Jahrhunderts die „Geschichte des Grotesk-Komischen“ geschrieben hatte. „Kampf dem tierischen Ernst, der heute so oft im Alltag der Behörden zu finden ist“ – das schrieb sich die neue Gesellschaft auf die Fahnen. Und das war ja auch das Anliegen Königsteins, Griesgram und Muckertum den Kampf anzusagen und diesen durch Ordensverleihungen zu bestärken. Der Name „Wider den tierischen Ernst“ war gefunden, der Grafiker Mano


Paulßen schuf den Entwurf, und der Juwelier Hein Jaspers kreierte den Orden, der 1954 in einem AKV-Protokollbuch erstmals mit seinem Namen auftauchte. In dieser Form erhielt ihn als Erster der Bundestagsabgeordnete August Dresbach, dem es bei einer durchaus ernsthaften Debattenrede gelungen war, „stürmische Heiterkeit“ hervorzurufen. Der Tierschutzverein trat auf den Plan Der Name „Wider den tierischen Ernst“ aber brachte unmittelbar nach dem Bekanntwerden in der Öffentlichkeit die Tierschützer auf den Plan. „In eigener Sache“ machte Jacques Königstein hierüber in einem amüsanten Beitrag im „Ettlinger Ball-Bild“ vom 10. November 1967 seinem Herzen Luft. Immer wieder werde er gefragt, was „tierischer Ernst“ sei, schrieb Königstein. Eine Antwort schwarz auf weiß sei vielleicht ein empörter Brief eines Tierschutzvereins, der gegen den Ausdruck „tierischer Ernst“ protestierte und darin eine Herabsetzung der Tiere, eine „Entwürdigung der wehrlosen Kreatur“ sah. „Das könnte man ‚protestierischen’ Ernst nennen“, so Königstein. Auch ein nordrhein-westfälischer Zoodirektor hatte sich zu diesem Problem wie folgt geäußert: „Jedes meiner Tiere hat mehr Humor als alle Karnevalisten zusammen!“ Welch’ ein groteskes Missverständnis – „da lachen ja die Hühner!“, konterte der AKV-Präsident, der sich selbst als einen großen Tierfreund bezeichnete, Mitglied und Förderer der einschlägigen Organisationen mit steuerwirksamen Spenden sei. „Nichts liegt mir ferner als eine Verunglimpfung meiner

Freunde, der Tiere“, schrieb er. Er wisse aus eigener Beobachtung, dass manche Tiere mit den Augen herzlicher lachen können als viele Menschen „mit dem ganzen, langweiligen Gesicht“. Und dann philosophierte Königstein über zwei grundverschiedene Arten des Lachens: die eine Art sei ein Reflex, eine fast unbewusste Reaktion auf etwas Komisches. Die andere aber, das zweite Lachen, sei humorvoll, drücke ein Urteil aus und entspringe einem Denkvorgang. Dass ein solches Lachen dem Tier möglich sei, würden selbst die größten Tiernarren nicht behaupten und schon gar nicht beweisen können. „Tierischer Ernst bezeichnet also einfach die Tatsache, dass dem Tier die Fähigkeit abgeht, den Humor einer Situation zu empfinden und wie ein Mensch zu reagieren“, schlussfolgerte Königstein unter Berufung auf Honoré Balzac, der in seinen „Tolldreisten Geschichten“ schrieb: „Das Lachen ist ein Privileg des Menschen, welches ihn vom Tier unterscheidet.“ – tis

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Erster und zweiter Ordensritter: James A. Dugdale und Jules von Jouanne

„ Das Lachen ist ein Privileg des Menschen, welches ihn vom Tier unterscheidet.“


DerO rden Wider den tierischenErnst und seine Ritter 16

1950 JAMES A. DUGDALE Er entließ als britischer Militärstaatsanwalt 1950 in Aachen einen Verurteilten während der Karnevalstage aus der Haft, weil er es dem Delinquenten nicht zumuten wollte, „die höchsten Feiertage im Rheinland“ hinter Gittern zu verbringen. 1952 JULES VON JOUANNE Der damalige Regierungsrat ließ in der Eulenspiegel-Stadt Mölln den versammelten deutschen Finanzministern die festlich gedeckte Tafel wieder abräumen und Eintopf servieren. Begründung: „Schleswig-Holstein ist arm“. 1953 HANS SACHS Als Staatsanwalt identifizierte er sich in Nürnberg mit seinem berühmten poetischen Namensvetter, indem er eine ihm zugesandte Schmähschrift auf Bundeskanzler Konrad Adenauer mit Knittelversen im Stil des Schuster-Poeten an den Kläger nach Bonn zurücksandte. 1954 LEO M. GOODMAN Der US-Chefrichter in der Bundesrepublik begründete ein Urteil gegen eine Deutsche und einen Italiener, die sich wegen einer Portion Ra­ violi mit einem Amerikaner geprügelt hatten, juristisch brillant und umwerfend kabarettistisch. 1955 AUGUST DRESBACH Dem Bundestagsabgeordneten gelang es, bei einer durchaus ernsthaften Debattenrede laut Protokoll 46mal „Heiterkeit“ oder sogar „stürmische Heiterkeit“ hervorzurufen. 1956 WILLEM BARON MICHIELS VAN KESSENICH Der Bürgermeister von Maastricht entwaffnete durch ein humorvolles Telegramm den Kriegsminister, der einen Fußballplatz beschlagnahmen wollte. Der General kapitulierte mit Humor vor dem Humor. 1957 MAX BECKER Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages pflegte ausländische Gäste mit Herz, Witz und Humor zu begrüßen. Die provisorische Bundeshauptstadt erklärte er ihnen so: „Bonn ist die Oase, in der die Regierungskarawane vorübergehend lagert auf ihrem Weg zum endgültigen Ziel Berlin.“

1958 CARLO SCHMID Der Bundestagsvizepräsident wurde als einer der geistreichsten und schlagfertigsten Redner ausgezeichnet. Damit wurde sein philosophischer Esprit gewürdigt, mit dem er die Debatten auf ein nicht wieder erreichtes Niveau hob. 1959 KONRAD ADENAUER Der Bundeskanzler war ein Meister der Vereinfachung: Mit wenigen, aber treffenden kölschen Worten erklärte er die Probleme der Nation. Er war der Prototyp des rheinischen Humorikers und fröhlichen Spötters, der auch über sich selbst lachen konnte. 1960 RUDOLF EBERHARD Als höchst unkonventioneller und unbürokratischer bayerischer Finanzminister trat er in München öffentlich als Raubritter auf und regte ein „Trostbüchlein“ für Steuerzahler an. 1961 BRUNO KREISKY Der österreichische Außenminister parierte den Wunsch der über München verärgerten Stadt Burgau nach Anschluß an Österreich mit brillant-witziger Diplomatie. 1962 ROCHUS SPIEKER Der Dominikanerpater war als humorvoller, streitbarer Kanzelredner, Publizist und Drehbuchautor ein moderner Nachfahre des Abraham a Santa Clara. 1963 HENRY CHAUCHOY Der Professor erwarb sich als Kulturbeauftrag­ ter der französischen Besatzungsmacht Meri­ ten in der Mainzer Bütt. Seine Maxime: „Karneval ist für die Deutschen heilsam, weil sie den Behörden etwas am Zeug flicken und durch Lachen den Untertanengeist mindern können.“ 1964 EWALD BUCHER Der Bundesjustizminister glossierte in den von ihm herausgegebenen „Blauen Briefen der Bundesregierung“ mit geistreicher Ironie die Bonner Politszene. 1965 PAUL MIKAT Der nordrhein-westfälische Kultusminister, Geisteswissenschaftler und Professor für Staatsrecht begrüßte bei Festversammlungen illustre Gäste nicht namentlich, sondern spitzzüngig: „Meine lieben Titel...“.


1966 PIETRO QUARONI Der Präsident der Radio Televisione Italiana erhielt den Orden für sein Wirken als „lachender Diplomat“ – ein Titel, den er sich durch seine Bücher und viele Anekdoten in seiner Botschafterzeit erwarb.

1974 WALTER SCHEEL Dem Außenminister, der sich selbst als „Scheel mit dem Eulenspiegelblick“ bezeichnete, gelang es stets, auf dem schwierigen diplomatischen Parkett mit rheinisch-fröhlicher Offenheit der Freiheit eine Gasse zu schaffen.

1967 KARL-GÜNTHER VON HASE Auf dem glatten Parkett der Bundespressekonferenzen meisterte der „Bundespressechef“ selbst schwierigste Situationen durch Selbstironie, beredtes Nichtssagen und entwaffnende Schlagfertigkeit.

1975 WILLFRIED GREDLER Der österreichische Botschafter komponierte diplomatische Sonaten und verlieh mit seinem Wiener Esprit nicht nur dem Europarat rhetorischen Glanz.

1968 PER HAEKKERUP Der dänische Landwirtschaftsminister ließ sich wegen seiner Leibesfülle als erster Ritter mit Käse aufwiegen. Bodenständiger Humor, kluger Witz und gesunder Menschenverstand zeichneten ihn aus.

1976 CONSTANTIN FREIHERR HEEREMAN VON ZUYDWYCK Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes bewies, dass man auch als Lobbyist handfeste In­ teressen mit Humor vertreten kann. Herzhaft sein Kern, die Schwarte rauh, nobel das Etikett.

1969 HERMANN HÖCHERL Der Bundeslandwirtschaftsminister war das Politoriginal seiner Zeit. Von seinem Dienstherrn Adenauer als „Schlitzohr“ und „Bauernspitz“ tituliert, war er leiblichen Genüssen durchaus zugetan.

1977 RAYMOND BROGER Der Landamtmann des Kantons Appenzell-Innerrhoden wehrte sich gegen irrige Vorlagen statt mit Hand und Fuß mit dem Kopf.

1970 DENIS W. HEALEY Zahlreiche Anekdoten zeugen von dem schier unerschöpflichen Vorrat an Bonmots des Schatzkanzlers Ihrer Majestät auf dem internationalen politischen Parkett.

1978 EPHRAIM KISHON Der israelische Schriftsteller machte besonders das Spannungsfeld Bürger – Behörde zum Thema seiner satirischen Betrachtungen.

1971 JOSEF ERTL und FRANZ XAVER UNERTL Landwirtschaftsminister der eine, Abgeordneter der andere, waren sie ein urbayerisches Dioskurenpaar, das mit viel Mutterwitz Heiterkeit in die Bundestagsdebatten brachte.

1979 HANS-DIETRICH GENSCHER Der verschmitzte Außenminister hätte den Orden gleich mehrfach verdient. Er erhielt ihn jedoch als Dienstherr des real nicht existierenden Ministerialdirigenten Edmund Draeker, dessen Kapriolen das Auswärtige Amt noch lange in Atem hielten.

1972 HELMUT SCHMIDT Als Verteidigungsminister erlaubte er den Soldaten die damals modische Haarlänge. Sein „German Hair Force“-Erlass ging in die Geschichte der Bundeswehr ein. 1973 LANCE POPE Der britische Botschafter, der als Englishman so plattelte und jodelte, dass waschechte Bayern neidisch wurden, verband den sprichwörtlichen englischen Humor mit deutscher Fröhlichkeit.

1980 RICHARD STÜCKLEN Der AKV nahm den Bundestagspräsidenten beim Wort, der in seiner Antrittsrede den Parlamentariern mehr Humor in politischen Debatten empfohlen hatte, getreu seiner Maxime: „Humor ist der Mutterboden der Demokratie.“ 1981 HEINZ WERNER KETZER Der wegen seiner humorvollen Predigten weit über Köln hinaus bekannte Dompropst war ein klassisches Beispiel für die Vereinbarkeit kirchlicher Autorität mit rheinischem Frohsinn.

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DerO rden Wider den tierischenErnst und seine Ritter 18

1982 MANFRED ROMMEL Der Stuttgarter Oberbürgermeister, Musterbeispiel eines Philosophen, verbindet die schwäbische Mentalität mit hintergründigem Humor.

1985 NORBERT BLÜM Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung ist eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten des Kabinetts. Dem ständigen Balanceakt zwischen vielen Stühlen wird er mit Beharrlichkeit und Heiterkeit gerecht.

1983 BERNHARD VOGEL Als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz nahm er durch seinen subtilen Humor auch politische Gegner für sich ein. In der zum „Vogelhaus“ umbenannten Staatskanzlei veranstaltete er „närrische Vogelschauen“..

1986 JOHANNES RAU „Bruder Johannes“ oder „der gute Mensch aus Wuppertal“ – so wird der nordrhein-westfälische Ministerpräsident gerne genannt. Er vereinte mit milder Ironie und leisem Humor die Rollen Landesvater und Regierungschef.

1984 FRIEDRICH NOWOTTNY Der Mann vom „Bericht aus Bonn“ verstand es, als Moderator auf deutschen Bildschirmen zu der Erkenntnis beizutragen, dass auch „hohe Tiere nur Menschen sind“.

1987 AUGUST EVERDING „Schlaugust“ verfügt über Witz, Ironie, Esprit und komödiantenhaften Schalk, ohne jemals zu vergessen, dass Humor eine Sache des Herzens ist. Als Generalintendant der Bayerischen Staatstheater verband er Kunst und Kommerz, Managertum, Pädagogik und Glauben in sich.


1988 GERTRUD HÖHLER Die Professorin für allgemeine Literaturwissenschaft, erste Ordensritterin, propagierte den Einsatz des Lachens als humane Strategie. Ihr Motto: „Wissen kann man nur vermitteln, wenn man unterhält.“

1989 FRANZ-JOSEF STRAUSS Der bayerische Ministerpräsident stand als politisches Original im sauren Wald der angepassten Polit-Fichten sturmerprobt als knorrige Eiche. Intellektuelle Schärfe paarte sich bei ihm mit rauflustiger Kumpelhaftigkeit.

1990 LOTHAR SPÄTH Das schwäbische Cleverle, damals hauptberuflich Ministerpräsident von Baden-Württemberg, profilierte sich als pfiffiger Zugführer der schwäb’schen Eisenbahn, die unter ihm zu einem Transrapid mutierte.

1991/92 JACK LANG Als französischer Kulturminister war er der Paradiesvogel im Pariser Kabinett. Der Juraprofessor und Theaterdirektor schaffte es, eine ganze Nation zu unterhalten, indem er die Welt als Bühne und die Politik als eine besondere Form von Theater sah. (1991 fiel der närrische Staatsakt wegen des Golfkrieges aus.) 1993 RUUD LUBBERS Der niederländische Regierungschef erfand das perfekte Inkognito: Im Maastrichter Karneval mischte er sich mit seiner eigenen Maske unter das närrische Volk. 1994 RENATE SCHMIDT „Mut zur Menschlichkeit“ charakterisiert die frühere Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Aus vollem Herzen lachen zu können, ohne sich zum Narren zu machen, und weinen zu können, ohne ein Clown zu sein: Die beiden Seiten der Renate Schmidt und des Ordens „Wider den tierischen Ernst.“

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DerO rden Wider den tierischenErnst und seine Ritter 20

1995 HEINER GEISSLER Als „Hofnarr“ der Union hält der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende seinen Par­ teifreunden den Spiegel vor: „Narren sind die wahren Humanisten. Sie lieben die Menschen, und nur deshalb dürfen sie ihnen auch wehtun.“ 1996 BERNARD HENRICHS Der Kölner Dompropst leistete Fürbitte im Hohen Dom für einen stadtbekannten Sünder aus dem Milieu zum Dank für dessen Hilfe bei der Wiederbeschaffung eines gestohlenen Domschatz-Kreuzes. 1997 THEO WAIGEL Der Bundesfinanzminister bewies als „Theo gegen den Rest der Welt“ in Zeiten von Steuerreform, Sparpaketen und Erfüllung der Maastrichter Konvergenzkriterien unerschütterlichen Humor und Schlagfertigkeit. 1998 HEIDE SIMONIS Die Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein eroberte als dritte Frau den Aachener Narrenkäfig: Als wortgewaltige rote Freibeuterin von der Ostsee trat die sturmerprobte Regierungschefin aus dem Norden an. Gewohnt scharfsinnig, unkonventionell und herzlich eroberte sie auch in Aachen ihr Publikum. 1999 JOHN C. KORNBLUM Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika setzte im politischen Alltag erfolgreich auf eine ganz besondere Strategie: Humor. Als Cowboy im Narrenkäfig machte er aber ernst: Statt zum Colt zu greifen, hielt er dem Gastland den Spiegel vor. 2000 DR. EDMUND STOIBER Auch als Narr machte Edmund Stoiber, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, Ernst. Mit todernster Miene klagte er: „Der Humor ist mir verreckt.“ So trat er im Aachener Narrenkäfig erfolgreich an. 2001 Dr. Guido Westerwelle Fit for fun ist der Bundesvorsitzende der FDP zu jeder Gelegenheit. Als muskelbepackter Mister 18 Prozent hatte Guido Westerwelle im Aachener Narrenkäfig alle Fitnessfreaks und Frohnaturen auf seiner Seite.

2002 Dr. Thomas Borer Dem klassischen Bild eines Diplomaten entspricht er wenig: Ob im Karnevalskostüm, auf dem diplomatischen Parkett oder in quotenstarken TV-Shows – bei Thomas Borer ist man vor keiner Überraschung sicher. „Botschafter Lustig“ nennen ihn Schweizer Kritiker, die deutsche Presse kommentiert hingegen begeistert den Bogen vom Alphorn nach Hollywood (Süddeutsche Zeitung). 2003 Dr. Wendelin Wiedeking Im Qualifying für den renommierten Titelgewinn als Ritter des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ brillierte der forsche Porsche-Primus durch optimale Einstellung und konsequenten Kurs auf der Ideallinie. Spitzbübisch beruhigte er etwa die Konkurrenz: „Ja, ich weiß, liebe Wettbewerber, auch Ihr baut schöne Automobile. Aber so wenig Nutzen wie ein Porsche kann so schnell keiner in die Waagschale werfen“ (manager magazin). 2004 DR. HENNING SCHERF Allüren sind dem Nordlicht fremd: Bescheiden­ heit und Warmherzigkeit prägen seinen Stil, an­ steckender Optimismus und Entschlossenheit sein Handeln. Er trinkt heißes Wasser statt Kaffee oder Bier, fährt Fahrrad statt Dienstlimousine; sein Hang zum Unkonventionellen ist sein Markenzeichen. 2005 KARL KARDINAL LEHMANN Karl Kardinal Lehmann gilt vielen als der derzeit populärste Geistliche in Deutschland. Sein Vorname bedeutet im Althochdeutschen „freier Mann“, und diesem Wortsinn ist er im Laufe seiner beeindruckenden Karriere oft gerecht geworden: „Ich möchte meinen Weg gehen, ob gelegen oder ungelegen.“ 2006 FRIEDRICH MERZ Mit Friedrich Merz bekommt das Wort „Vergnügungssteuer“ eine völlig neue, eine zutiefst karnevalistische Bedeutung. Sein Vorschlag, Steuererklärungen künftig auf Bierdeckeln abzugeben, entspannt die verzerrten Züge des deutschen Steuerzahlers und gibt ihm ein menschliches Gesicht zurück. 2007 JOACHIM HUNOLD Auch bei Fehlern geht der Pilot mit (privater) Fluglizenz nicht gleich in die Luft. „Wenn man etwas falsch gemacht hat, es aber nicht mehr ändern kann, dann kann man darüber nur noch herzhaft lachen. Das gilt auch für mich selbst, wenn ich Blödsinn gemacht habe. Allerdings: Dasselbe darf nicht noch einmal passieren.“


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Bewährtes bewahren,Neues wagen Der AKV, das ist der Orden 22

„Wider den tierischen Ernst“ – aber beileibe nicht nur das. Eine neue Mannschaft, neue Vorhaben: Wo soll die Reise hingehen? Gespräch mit Horst Wollgarten, dem Präsidenten, und Boris Bongers, seinem Vize.

Gerade mal mehr als 100 Tage im Amt, be­ findet sich der in großen Teilen neu formier­ te Aachener Karnevalsverein gegr. 1859 e.V. Anfang Dezember mitten in den finalen Vor­ bereitungen zu den Höhepunkten der Sessi­ on 2007/2008. Klar, dass die Mannschaft um Horst Wollgarten, den seit Ende Juli neuen Präsidenten des AKV, dabei besonders beäugt wird, klar, dass man gespannt ist, was sich nun in welche Richtung ändert, wie man den weit über die Grenzen Aachens hinweg bekannten Traditionsverein neu positionieren will. Eine spannende Aufgabe, eine, die vollen Einsatz aller in führenden Ehrenämtern Beteiligten erfordert. „Horst Wollgarten setzt sich un­ glaublich für den Verein ein“, hört man von denen, die das Geschehen aus der Nähe beob­ achten. „Sein Einsatz ist beispielhaft.“ Quo vadis, AKV? Mit dem Präsidenten Horst Wollgarten und seinem Vizepräsidenten Boris Bongers, ebenfalls neu in diesem Amt, im Gespräch. Für Horst Wollgarten ist die Feststellung wichtig, dass der AKV mit dem Orden „Wider den tierischen Ernst“ eine Marke hat, die bundesweit von „außerordentlicher Bedeutung“ sei und auf der man aufbauen könne. „Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, dass dies in ganz Europa der einzige Orden ist, der gegen und nicht für etwas verliehen wird.“ Das bedinge, diesen Orden als das Aushängeschild des AKV hegen und pflegen zu müssen. Wollgarten: „Die vielleicht angesetzte Patina sollte durch etwas mehr neuen Glanz verbessert werden. Und das natürlich für Aachen, aber auch bundesweit. Die letzte TV-Live-Übertragung hatte eine Quote von drei bis vier Millionen Zuschauern. Auch das könnte man möglicherweise verbessern, so dass eine TV-Übertragung auf eine Quote von sechs Millionen und vielleicht auch mehr Zuschauern pro Sendung kommen könnte. Dabei könnten hervorragende Value-Werte erreicht werden, die natürlich für Sponsoren höchstinteressant wären.“ Aber das erfordere auch Überlegungen, denen etwas aufzutischen, das einerseits mit Karneval zu tun, andererseits aber die Ansprüche eines Publikums zu bedienen habe, das nicht in Aachen lebe.

Men in black? Reiner Zufall am Tage des Gesprächs: Horst Wollgarten und Boris Bongers


Eine karnevalistische Revue zum Beispiel „Eine karnevalistische Revue zum Beispiel.“ Horst Wollgarten hat konkrete Vorstellungen vom Zuschnitt einer solchen TV-Sendung, die dieses Mal sonntags zur Prime Time über alle Sender der ARD ausgestrahlt wird – will aber, verständlicherweise, noch nicht allzu viel preisgeben. Klar ist für ihn auch, dass Politiker, Ritter und die Gesellschaft „in einem ganz anderen Maße als bisher“ engagiert und beteiligt sein sollten.

Und die Persönlichkeit des Ritters, der Ritterin? Muss da nicht auch Umdenken angesagt sein? „Ganz gewiss“, sagt Wollgarten. „Die klassischen Persönlichkeiten, die als Ritter des Ordens ‚Wider den tierischen Ernst‘ in Frage kamen und kommen, werden zunehmend weniger. Daher müssen wir uns auch auf andere Persönlichkeiten konzentrieren – etwa aus dem Sport, den Medien, der Gesellschaft zum Beispiel.“ Bestes Beispiel ist nach den Worten von Wollgarten die designierte Ritterin, die den Orden am 19. Januar 2008 verliehen bekommt. „Ihre Durchlaucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ist bestes Beispiel für das Umdenken auch in der Person des Ritters oder der Ritterin.“ Es gelte, ganz wichtig, Kriterien und Werte auf die Begriffe „Humor und Menschlichkeit im Leben“ anzuwenden. „Wir sind und bleiben ein Karnevalsverein“ Der AKV aber, keine Frage, ist mehr als die Festsitzung anlässlich der Ordensverleihung. „Wir dürfen bei allem Engagement für die Ordenssitzung das Karnevalistische nicht verlieren“, sagt Boris Bongers. Er muss es wissen – und er achtet vor allem auch darauf. Als Prinz der Session 2006 ist das für ihn selbstverständlich, aber auch für das Verständnis, das er von seinem Amt hat und die unter anderem damit verbundenen Aufgaben im Vorstand des Vereins. „Die karnevalistische Basis aber, die bin ich keinesfalls allein“, stellt Bongers klar. Das sei eine „Gemeinschaftsaufgabe“, der sich alle stellten im Verein, vornehmlich aber im Präsidium und im Elferrat. Und zugleich Bindeglied zu anderen Karnevalsvereinen in Aachen zu sein – auch das stuft Bongers als wichtig ein. Ansonsten hält er es – neben den anderen Aufgaben im Elferrat – für seine „Hauptaufgabe als Vizepräsident, dem Präsidenten den Rücken frei zu halten“. Boris Bongers: „Der kann nun mal nicht alles allein machen in seinem Amt, und da ist es enorm wichtig, Leute an seiner Seite zu haben, auf die er sich verlassen kann.“ Neben dem Elferrat vor allem auf Boris Bongers, so hat es ganz den Eindruck im Gespräch mit beiden. Loyalität sei selbstverständlich, sei

aber auch das Gebot der Amtszeit. Und im Übrigen: „Wir vertreten alle gemeinsam den AKV nach draußen“, stellt der Vize klar, „und zwar mit all’ seinen Werten.“

Und zu diesen Werten, das betonen beide Herren überzeugend, zähle vor allem, dass man ein Karnevalsverein ist, und als solcher entsprechend wahrgenommen werden will. „Einer der Karnevalsvereine in Aachen“, wie beide sagen, „kein unbedeutender, ein sehr professionell geführter Verein, vor allem dabei aber auch ein lustiger.“ Darauf legen die Herren Wert. Die Organisation und die Kasse im Griff Lustig sein, Spaß haben, dabei Professionalität leben. Vor allem der letzte Punkt bedeutet, sich um sehr Vieles konkret Gedanken zu machen, Ziele zu setzen – und Maßnahmen zu erarbeiten, diese Ziele zu erreichen. Noch zu mal, wenn der Präsident Steuerberater und Wirtschaftsprüfer von Beruf ist – wie der Schatzmeister des AKV, Thomas („Tom“) Frings, auch. Dazu zählt dann vor allem, die Finanzen des Vereins in Ordnung zu halten. Und da ist auch eine Menge Arbeit angesagt. Denn die teils durchaus ehrgeizigen Vorhaben der neuen Führungsmannschaft in die Tat umsetzen zu wollen, ist nicht allein eine organisatorische, sondern vor allem eine Frage der finanziellen Voraussetzungen. Und da muss „getrommelt“, müssen Sponsoren für das Unternehmen AKV begeistert werden. „Bekanntlich haben wir diesbezüglich von vorne anfangen müssen“, sagt Horst Wollgarten, „und es ist mit großen Anstrengungen verbunden, ehemalige Sponsoren zurück und neue dazu zu gewinnen.“ Indes, der Präsident verliert auch in Fragen wie diesen nicht den Mut. Im Gegenteil: Guter Dinge ist er, diese Herkules-Aufgabe im Kreise seiner Getreuen bewältigen zu können – jedenfalls ist er, wie er sagt, „auf einem guten Weg“.

„ W ir dürfen bei allem Engagement für die Ordens­ sitzung das Karnevalistische nicht vergessen.“

Sehr gute Gespräche seien geführt worden – hoffnungsvolle Ansätze, die sich daraus ergäben. Unternehmen, die dabei sind, „wieder zum AKV zurück zu finden“. Dabei setzt Wollgarten stets auf die Beantwortung der viel gestellten Sponsoren-Frage nach dem Mehrwert: „Es ist ganz klar, dass die Unternehmen, die sich bei uns engagieren wollen, auch wissen wollen, welchen Mehrwert sie durch uns generieren können, was sie an Nutzen als Folge ihres Engagements erhalten.“ Diese Fragen müsse man heute überzeugend beantworten können. „Die Aufgabenstellung für den AKV und den amtierenden Elferrat ist schwierig und reizvoll zugleich. Zum einen ist es wichtig und unabdingbar, Gutes zu bewahren, nämlich dass der AKV historisch ein Karnevalsverein ist und bleibt, er ist zum anderen aber ein besonderer Karnevalsverein mit einem einzigartigen Kulturorden. Daraus ergibt sich eine – wie ich finde – höchst interessante Produktmarke, die im Interesse des AKV und der Stadt Aachen wertmässig ‚hinauszutragen‘ ist. Tradition und wirtschaftliche Notwendigkeiten sollten hier eine Einheit bilden. Das ist nicht so ganz einfach. Insbesondere in der Verständlichkeit und Abstimmung mit Nur-Karnevalisten.“

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Bewährtes bewahren,Neues wagen 24

Neue Veranstaltungen mit gesellschaftlichem Glanz

Mehrwert, das bedeutet auch die „Optimierung“ von Veranstaltungen. Das meint nicht nur – siehe oben – die Neupositionierung der Festsitzung, sondern auch die legitime Überlegung, was ansonsten veranstaltungstechnisch zu verändern, sprich wegzulassen oder hinzuzufügen sei. Immer getreu dem Motto: „Bewährtes bewahren, Neues wagen“. Neu wäre beispielsweise die „AKV Media Night“, ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges, das der Festsitzung vorgeschaltet wird – somit am Abend des 18. Januar an Promis, Sponsoren, Rittern, Gästen alles versammelt, was Rang und Namen hat. „Der Gast ist der Star des Abends“, erläutert Wollgarten das Vorhaben, „und dem gilt es, ein vorzügliches und unterhaltsames Programm zu präsentieren.“ Natürlich hänge vom Gelingen der Festsitzung sehr viel ab, sind sich die Herren sicher. Gar keine Frage. „Gewiss fällt uns allen ein riesiger Stein vom Herzen, wenn die Festsitzung stimmen und gut beim Publikum in nah und fern ankommen sollte“, weiß Boris Bongers. Daran arbeit man mit Hochdruck, und erste Anzeichen über die Akzeptanz der Arbeit der neuen Mannschaft kämen bereits aus der Bevölkerung, wie Wollgarten und Bongers sagen. Tenor: „Die tun was!“ Und was tun die danach?

Ein hoch motiviertes Team Neu: Die AKV Media Night

Ein gesellschaftliches Ereignis voller Glanz – hochkarätig, mit illustren Gästen und guter Unterhaltung: Das ist die AKV Media Night, die in dieser Form zum ersten Mal veranstaltet wird. „Die Gäste sind das Programm“, sagt Horst Wollgarten – und er geht davon aus, dass Prominente aus nah und fern, eine große Zahl Träger des Ordens „Wider den tierischen Ernst“, bekannte Gesichter aus Politik, Gesellschaft, Medien und Sport sich ein Stelldichein geben. Ein Highlight im gesellschaftlichen Leben der Kaiserstadt bahnt sich an!

Wann und wo?

Im Sofitel Quellenhof Aachen, am 18. Januar 2008 – also am Abend vor der Festsitzung anlässlich der Ordensverleihung, ab 19.30 Uhr

„Es geht munter weiter“, verkündet Horst Woll­ garten. „In der Session darauf steht das Jubiläum 150 Jahre AKV an, und für die eine oder andere Sonderveranstaltung dieses Jubiläums und den großen Höhepunkt beginnen die Vorbereitungen direkt nach der Session.“ Von Langeweile oder mangelnder Abwechslung keine Spur. Macht das denn noch Spaß? „Und wie“, sagen beide Herren ebenso spontan wie voller Inbrunst. Wollgarten: „Wir sind ein neues Team, das bestens motiviert ist und voll zur Sache geht.“ Bongers: „Das Engagement von Präsidium, Elferrat und Ehrenämtern ist nicht zu toppen – alle sind voll bei der Sache.“ Überzeugende Übereinstimmung. Dabei sollte der Spaß nicht zu kurz kommen – was ganz offensichtlich der Fall ist. Denn wenn Spaß als ein entscheidender Faktor in Punkto Motivation zu gelten hätte, dann ist der – angesichts des allseitigen Engagements – ganz gewiss vorhanden.

Abschlussfrage nach dem Ausblick auf die erste Amtszeit als Präsident? Auch da hat Horst Wollgarten klar strukturierte Vorstellungen: „Das erste Jahr dient mit allen intensiven Anstrengungen zum einen der Konsolidierung im Verein, mit dem notwendigen Beginn, einer guten Festsitzung, in Verbindung mit einer neu konzipierten AKV Media Night; das zweite Jahr sollte mit nicht weniger Engagement dem Ausbau der Möglichkeiten des AKV gelten, und im dritten Jahr sollte man imstande sein, zum einen vielleicht die eine oder andere Frucht zu ernten, aber insbesondere eine Nachhaltigkeit in positiven Ergebnissen zu gewährleisten.“ Na dann, ein dreifaches Oche Alaaf, eine glückliche Hand und viel Erfolg! – wh


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AKV-Pr채sidium undElferrat: stattliche Kompetenz in 26


Sachen H umor 27


E lferräte und Beiräte: 28

Das neue Gesicht des AKV

Horst Wollgarten Der neue Präsident des AKV: Perfektionist, Genießer – und voller Vorfreude auf die Session. Er sammelte schon in anderen Vereinen gewichtige Erfahrungen. Etwa beim Tennis-Club Grün-Weiß oder bei der Alemannia, wo er die Gründung der GmbH zum Beispiel mit auf den Weg brachte.

Boris Bongers Der Vizepräsident des Vereins ist manch einem noch als Prinz Boris I. in bester Erinnerung. Er ist im zivi­ len Leben Vertriebsleiter der Firma Babor, ein Großhändler in Sachen Schönheit also. Neu im AKV, will er frisch und fröhlich eigene Akzente setzen. Wichtig: Der Humor darf nie zu kurz kommen.

Thomas (Tom) Frings Ebenfalls eines der neuen Gesichter im Verein: Tom Frings hat in kürzester Zeit eine steile Karriere hingelegt – vom Beirat avancierte er zum Schatzmeister. Logisch, ist Frings doch als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit eigener Kanzlei ein Mann der Zahlen. Und: Er war Mitglied im Hofstaat von Boris Bongers.

Bernd Carl Er ist Chef der Firma ARTland GmbH, eines Kunstverlages, der Bilder, Spiegel und vieles mehr herstellt. Im AKV ist er der „Mann für alle Fälle“. Er war Mitglied im Hofstaat des Prinzen Dirk III., ist „nebenbei“ seit 1999 Senator des AKV und Beirats­vorsitzender der Sammlung Crous.

Hubert Crott Das „Jüppchen“ ist überzeugter Aachener, setzt sich vehement für die Aachener Mundart ein. Er ist Träger des Thouet-Preises. Sein Öcher Platt Know-How bringt er als Literat in den AKV ein, ebenso als Leiter der Aachener Büttenrednerschule.

Peter Dumonceau Hinter der harten Schale des Bankers, der die Niederlassung der Deutschen Bank in Aachen leitet, steckt ein höchst liebenswerter und karnevalsbegeisterter UrÖcher. Er hat nicht nur einen französischen Nachnamen, sondern spricht die Sprache auch dank seines belgischen Vaters fließend.

Achim Floegel Als Narr im Hofstaat von Prinz Dirk III. Chauvistré tobte der Augenoptiker begeistert durch sämtliche Säle. Doch auch sein Organisationstalent konnte er als Mitorganisator der AKVKaffeevisite „Kaffee, Kids und Kokolores“ bereits unter Beweis stellen.

Rolf IV. Gerrards Es war als Rolf IV. Prinz im Jahr 2000. In Aachen führt er mit Bruder Bernd die Fleischerei Gerrads, im AKV ist er seit 2003 Elferrat. Sein karnevalistisches Herz schlägt auch für die Prinzengarde und Duemjroe­ fe als Mitglied. Ein überzeugter Karnevalist.

Dr.Norbert Königs Beim Wort „Kamellen“ hebt er warnend den Finger: Der Zahnarzt weiß, dass das süße Zeug schlecht für die Zähne ist. Karnevalistisch gehört das Wurfmaterial aber zu seinem Aufgabenbereich. Von 1989 bis 1994 war er bereits Elferrat und im Hofstaat von Burghard I. Hofmarschall.

Torsten Peters Der Rechtsanwalt war der jüngste Elferrat in der Geschichte des AKV. Dem Ehrenhut gehörte er von 1994 bis 2004 an – damit verbunden eine fundierte karnevalistische Ausbildung. Hier hatte er das Amt des „Bühnenchefs“ inne, was hauptsächlich organisatorische Aufgaben beinhaltete.

Dietmar Werner Der AKV und die Pferde – das sind die Hobbys des 37jährigen Junggesellen. Er ist Mitglied des technischen Ausschusses beim AKV. Werner ist Juniorchef bei Niederau und Geschäftsführer der Helia Marketing.

Udo Dümenil Der letzte Neuzugang ist Udo Dümenil, Beirat im Elferrat. Mit ihm konnte das Leitungsgremium des Traditionsvereins einen versierten Karnevalisten verpflichten. Feiert er nicht gerade Karneval, ist der Mann mit dem wallenden Haar in seinem eigenen Friseursalon im Dienste der bella figura tätig.

Dr. Andre Freese Sitzungen zu später Stunde, Termindruck und ein riesiges Arbeitspensum: Als Beirat im Elferrat hat man’s schwer. Gut, dass mit Dr. Andre Freese ein Arzt mit am Tisch sitzt, für den Fall der Fälle. Wenn er nicht humoris causa im Einsatz unterwegs ist, findet man ihn am Luisenhospital, wo er als Chirurg tätig ist.

Willy Kick Seit November 2005 ist er im Elferrat, heute als Beirat. Der gelernte Raumausstatter arbeitet seit 18 Jahren als Datenverarbeitungsleiter und nutzt diese langjährigen Erfahrungen vor allem für das AKV-Archiv und für den Fundus.


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Wir sorgen für Bewegung. Auch im Aachener Karneval. Seine Tollität, Frank II, samt Hofstaat freuen sich riesig auf ihre Auftritte. Und die Fahrten dorthin.

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„Motto Lebenslust“ 30

Horst Wollgarten, der neue Mann am Ruder des AKV, wird vielen Anforderun­ gen des Alltags gerecht: als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer an der Spitze seines Unternehmens Wotax, in zahlreichen Ehrenämtern und als begeisterter Sportler. Und jetzt als Präsident des Aachener Karnevalsvereins gegr. 1859 e.V.

Horst Wollgarten, AKV-Präsident

Bester Dinge: Renate und Horst Wollgarten


Lust am Skifahren – oben mit Sohn Stephan

Beste Haltungsnoten: Horst Wollgarten, der Golfer

„Alt“-Fußballer Wollgarten mit Kaiser Franz

Er ist kein „Öcher Jong“ von Geburt, aber längst im Herzen der Kaiserstadt tief verwur­ zelt. Sein Lebensmotto ist relativ einfach: „Lebenslust“ – und zwar mit allen Facetten, die das Leben so mit sich bringt. Stets wis­ send um die Tatsache, dass ohne emotionale Leidenschaft nichts geht.

ratung sowie Rechts- und Unternehmensberatung tätig; ihr gehören zahlreiche Partner und Sozien an.

Horst Wollgarten, seit 30. Juli 2007 Präsident des angesehenen Aachener Karnevalvereins gegr. 1859 e.V. (AKV), wurde 1950 im Eifel­ort Einruhr geboren: der Beginn von „Dolce Vita“ – oder: Das Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf!

Wollgarten hat zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben übernommen – so etwa von 1994 bis 2004 als Präsident des Tennis-Klubs BlauWeiss Aachen. Dank der ausgezeichneten Arbeit des gesamten Vorstandes konnte BlauWeiss seinerzeit seine Mitgliederzahl stark verbessern – und das gegen den klaren Trend der damaligen Zeit. Blau-Weiss Aachen gehört heute zu den renommiertesten Tennisclubs in der Region Mittelrhein.

Im Alter von fünf Jahren Umzug nach Aachen, in die Nähe des Tivoli und des nicht minder bekannten Reitstadions des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV). Nach Schule und Ausbildung bei der Finanzverwaltung dann Studium der Betriebswirtschaftslehre; mit dem Examen in der Tasche ging’s nach Düssel­dorf, wo sechs Jahre lang harte Arbeit in einer renommierten Wirtschaftsprüfungskanzlei anstand. 1978 schließlich – das Heimweh war zu stark – zurück nach Aachen. Und in seiner Heimatstadt dann der Schritt in die Selbständigkeit: als Steuerberater und Gründer der WOTAX Steuerberatungsgesellschaft. „Aus heutiger Sicht bin ich fast 30 Jahre als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater selbstän­ dig“, so Wollgarten. Die Kanzlei WOTAX hat ihren Hauptsitz nach wie vor in Aachen, etwa 300 Meter Luftlinie vom Aachener Tivoli ent­fernt. Neben dem Standort Aachen ist die WOTAX heute bundesweit in Deutsch­land vertreten. Die WOTAX Bera­tergruppe ist in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerbe-

Seit über 30 Jahren ist Horst Wollgarten mit seiner Frau Renate verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

Überdies ist Horst Wollgarten Gründungsund Vorstandsmitglied des Business Clubs Aachen-Maastricht. Der Business Club wurde 2004 gegründet und zählt heute mehr als 300 Mitglieder, hauptsächlich aus der mittelständischen Unternehmerschaft. Dem Aache­ner Karneval ist er seit 15 Jahren verbunden – als Mitglied des AKV und seit mehreren Jah­ren als Senator der Prinzengarde der Stadt Aachen. Horst Wollgarten: „Mein engagiertes Interesse gilt zudem Alemannia Aachen, aber auch dem CHIO, dem weltbekannten Reitturnier, das der ALRV ausrichtet.“ Persönliche Freiheiten für Familie und Beruf und möglichst viel Unabhängigkeit sind Wollgarten sehr wichtig sowie sportliche Aktivitäten. Dazu zählen Tennis, Golf und leidenschaftlich gerne Skifahren. All’ das indes relativ eingeschränkt, denn die Frage der Hobbys und der sportlichen Betätigung, das ist heute mehr denn je eine Frage der Zeit. „Und das hat nicht zuletzt auch etwas mit dem AKV und den dort übernommenen Aufgaben zu tun“, gibt Wollgarten zu. – wh

Sein Lebensmotto ist einfach: Lust auf Leben ist Genuss ohne Reue und damit ganz einfach Lebenslust! Oder wie es Christian Morgenstern sagte: Sei Spezialist, wenn’s sein muss, im Nebenamt, aber im Hauptfach sei Mensch.

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D er AKV: Ein Kurzportrait 32

Sie verstanden zu feiern: Die Herren des Elferrats von 1881

Es war am 9. Dezember 1859, als mit Felix Ackens der erste Präsident des Aachener Kar­ nevalsvereins (AKV) gewählt und der Verein gegründet wurde. Heute ist der AKV der nach der Stadtgarde Oecher Penn von 1857 zweit­ älteste und von der Mitgliederzahl her größte Verein im Aachener Karneval. Im närrischen Treiben des rheinischen Karnevals hat der AKV im Laufe seiner Geschichte einen be­ sonderen, den „Aachener Stil“ entwickelt. So ist nicht der „brüllende Lacheffekt“, sondern die „Schmunzelrede“ voller Witz, Esprit und Nachdenklichkeit zum Markenzeichen des Öcher Fastelovvends geworden.

Jacques Königstein

Helmut A. Crous

Die Ritterreden im Narrenkäfig bei den jährlichen Festsitzungen des AKV zur Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ sind hierfür ein Beispiel. So verfolgen Jahr für Jahr Millionen Zuschauer am Fernsehschirm dieses karnevalistische Highlight. „Humor und Menschlichkeit im Amt“ sind unter anderem Voraussetzung für den Ritterschlag. Ein britischer Militärstaatsanwalt wies diese Tugenden 1950 als erster auf, als er einen kurz zuvor Verurteilten über die Karnevalstage aus der Haft entlassen hatte. „Man könne es dem Mann nicht zumuten, die höchsten Feiertage im Rheinland hinter Gittern zu verbringen“, hieß es im Beschluss über die Haftverschonung. Dafür erhielt James-Arthur Dugdale als erster den Orden.

Jeder der bislang sieben Präsidenten der neueren Geschichte des Aachener Karnevalsvereins prägte den AKV unverwechselbar und führte ihn unter Beibehaltung alter Traditionen an die Erwartungen der jeweiligen Moderne heran: Jacques Königstein (1930 bis 1967), Erich Servais (1968 bis 1971), Helmut A. Crous (1971 bis 1984), Julius Peters (1984 bis 1987), Georg Helg (1987 bis 1997), Dr. Dirk von Pezold (1997 bis 2003) und Dieter Bischoff (2004 bis Juli 2007). Es war indes Jacques Königstein, der als AKV-Präsident die Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ initiiert und damit den Aachener Karnevalsverein in eine neue Phase seiner Bedeutung – nicht nur im rheinischen Karneval – hineingeführt hatte. Gab es Stimmen, die den AKV als „zu wenig volksverbunden“ bezeichneten, so war es wiederum Dr. Dirk von Pezold, der als Präsident für den Verein verstärkt die Nähe zu anderen Karnevalsgesellschaften suchte und auch bei ihnen als Sänger traditionellen Aachener Liedguts (unter anderem als Öcher Original „Lennet Kann“) auftrat. Als „Frank Sinatra von Aachen“ setzte er so neue Akzente.


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D er AKV: Ein Kurzportrait 34

Seit mehr als 125 Jahren stellt der AKV aus seinen Reihen den Aachener Prinz Karneval. Es war das AKV-Mitglied Arthur Reumont, der 1881 bei einer sogenannten „Birutschenfahrt“ als erste namentlich bekannte Tollität durch Aachen fuhr. Erst zwei Jahre später gab es auf Initiative des AKV wieder einen großen Maskenzug, bei dem die „Öcher Gecke“ Louis Gilljam als Prinz Karneval zujubelten. Er war zuvor bereits als hochtalentierter Büttenredner des AKV bekannt geworden.

Paul II., Prinz Karneval 1906

„Durch Frohsinn zur Wohltätigkeit“ lautete seinerzeit bereits bei der „Florresei“ das Motto im karnevalistischen Treiben. Auch der Aachener Karnevalsverein schrieb sich bei seiner Gründung diesen Wahlspruch der „Mutter“Gesellschaft auf die Fahne. Zur Brauchtumspflege zählt für den AKV obendrein nicht nur Narretei im Fastelovvend, sondern auch die Bewahrung Aachener Stadtgeschichte. Kurz vor seinem Tod verkaufte der langjährige AKVPräsident Helmut A. Crous seine wertvolle stadthistorische Privatsammlung an den AKV,

damit sie durch den Verein erhalten, erweitert und über Generationen hinweg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. So befindet sich die Sammlung Crous heute als wissenschaftliche Präsenzbibliothek im Domizil des AKV, und zwar im Alten Kurhaus in Aachen. Und was wäre närrisches Treiben ohne edlen Tropfen? Den baut sich der AKV selbst seit einem Vierteljahrhundert auf dem Aachener Wingertsberg an. Nichtkarnevalisten behaupten, er sei sauer. Die Fastelovvendsjecke aber wissen um das Elitäre des „Öcher HeuschreckDurchbruch“ und verkosten ihn als „edel, mit einer gewissen Süße“. Es ist ein Rebensaft der Freundschaft, war es doch die Trierer Karnevalsgesellschaft „Heuschreck“, die 1979 mit neun mal elf Rebstöcken den Öcher Neu-Winzern im AKV Entwicklungshilfe leistete. – tis

„Durch Frohsinn zur Wohltätigkeit“

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Helmut A. Crous:

Qualität stets vorQ uantität 36

Stadthistorische Schätze zu hegen, zu pfle­ gen und sie allen interessierten Aachenern zugänglich zu machen: Das ist die Aufgabe der Sammlung Crous im AKV, zugleich Ver­ mächtnis seines Gründers. Und es sind wahrlich Raritäten aus Aachens Vergangenheit, die der Aachener Journalist und spätere AKV-Präsident Helmut A. Crous (1913 bis 1993) im Laufe von 45 Jahren als Sammler aus Leidenschaft zusammengetragen hat. Seine Sammlerphilosophie bestand infolge Kenntnisreichtums darin, weniger beliebige, dafür aber seltene stadt- und regionalgeschichtliche Publikationen zu erwerben. Qualität hatte für ihn stets Vorrang vor Quantität. Noch vor seinem Tod ebnete er den Weg, sein Lebenswerk geschlossen als Sammlung Crous dem AKV zu überlassen. Vertraglich verbunden war damit die Auflage, diese stadthistorischen Schätze zu hegen, zu pflegen und sie allen interessierten Aachenern zugänglich zu machen.

Bernd Carl, Beiratsvorsitzender der Sammlung Crous

Seit 1996 ist die Sammlung Crous eine gemein­ nützige GmbH, sie befindet sich seitdem im Alten Kurhaus in Aachen. Vorsitzender des Beirats der Sammlung Crous ist Bernd Carl, Geschäftsführer Dr. Walter Maassen. Die Sammlung konnte durch Schenkungen und Zukäufe auf einen Gesamtbestand von rund 10.000 Bü­chern, Graphiken, Gemälden, Postkarten und Fotos aus dem Zeitraum 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart vergrößert werden. Das älteste der allein 4.500 Bücher stammt aus dem Jahr 1521, der älteste Kupferstich aus dem Jahr 1572. Einnahmen aus Vortrags- und Filmabenden zur Geschichte Aachens, von Benefiz-Dinnern und Benefiz-Golfturnieren sowie die Mieteinnahmen für Werbeflächen auf einem Aseag-Linienbus werden für den Unterhalt und die Pflege der Sammlung, für die Restaurierung der Bestände sowie für die konzeptionelle Weiterentwicklung verwendet. Das Credo von Bernd Carl: „Wer die Geschichte Aachens nicht kennt, kann die Stadt auch nicht lieben. Das wollen wir vermitteln.“

www.sammlung-crous.de

Zur erfolgreichen Fotoausstellung der Sammlung Crous „NACHgeschaut – Aachen 1942/2007“ im Juni 2007 in der Sparkasse Aa­ chen erschien jetzt ein gleichnamiger Bild­ band, der auf 192 Seiten 70 Fotopaare von Aachener Straßenzügen und Baudenkmälern gegenüberstellt. 1942 wurden sie vom späte­ ren Stadtkonservator Hans Königs angefer­ tigt. 2007 nahm sie unter jeweils gleicher Per­ spektive und vom gleichen Standort aus der Bildjournalist der Aachener Zeitung, Micha­ el Jaspers, auf. Begleitende Texte schrieb die Journalistin Jutta Katsaitis-Schmitz, die Gra­ fik besorgte Monika Korbanek (mäx it). Der Bildband ist zum Preis von 19,90 Euro an Info-Ständen in der Hauptstelle der Sparkasse Aachen am Friedrich-Wilhelm-Platz sowie in der Nebenstelle am Münsterplatz erhältlich. Darüber hinaus kann er in der ART-Galerie, Roderweg 11, in Aachen-Richterich erworben werden. Der nächste Vortrag, den AKV-Ehrenpräsident Georg Helg am 16. April im Autohaus Fleischhauer (Europaplatz) hält: „Das Aachener Rathaus – Bekanntes und Unbekanntes aus sieben Jahrhunderten“ (Beginn 19 Uhr). Und zum dritten Benefiz-Golfturnier um den Wanderpreis der Deutschen Bank lädt die Sammlung Crous am 21. Juni auf die 18-LochAnlage des Mastercourse „Haus Kambach“ in Eschweiler ein – Mitmachen ausdrücklich erwünscht! – tis


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der zentis-Kinderkarnevalspreis

M iez und A nton … 38

Die Katholische Grundschule Passstraße erhält den Zentis-Kinderkarnevalspreis der Session 2008. Ein Streifzug durch den Kinderkarneval, dessen fester Bestandteil der Zentis-Preis ist und der bislang 16mal verliehen wurde.

Als nach dem zweiten Weltkrieg der Wieder­ aufbau begann und sich das Leben langsam normalisierte, rief Jacques Königstein 1950 die Aachener Kinder auf, sich am Karnevals­ sonntag wieder zu kostümieren und zu einem Umzug zu versammeln. Unter dem märchen­ haften Motto „Es war einmal...“ trat Rolf I. Pirnay dann am 17. Januar 1951 als erster Märchenprinz seine närrische Regentschaft über die Öcher Kenger an und erlebte am 4. Februar 1951 den ersten NachkriegsKinderkostümzug. Seitdem schlängelt sich alljährlich ein närrischer Lindwurm der jüngsten Jecke mit einem Märchenprinzen durch Aachens Straßen. Und Helmut Strack war es, der 1992 die Initiative ergriffen hatte, den Aachener Kinderkarneval wieder mit in das Programm der AKVFestsitzung zur Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ aufzunehmen, um in diesem Rahmen einen Preis für besondere karnevalistische Aktivitäten (Musik, Tanz oder Theater) von Kindern zu vergeben. Er wandte sich an Heinz-Gregor Johnen, den damaligen Geschäftsführer des größten Konfitürenproduzenten der Europäischen Union, der Aachener Firma Zentis. Der war als großzügiger Sponsor nicht nur des AKV, sondern allgemein zur Förderung der Kultur, des Sports und des Sozialen bekannt. „Wenn es für Kinder ist, rennt man bei mir sofort offene Türen ein“, erklärte unlängst der „Herr der Konfitüren“ (74) bei der Würdigung seines Lebenswerks mit dem Preis des Business Clubs Aachen-Maastricht. Er habe den Kinderkarneval immer sehr geliebt, und es sei wichtig, auch in schwierigen Zeiten die Tradition des Aachener Karnevals fortzusetzen, der auch im Ausland starke Beachtung finde, fügte Johnen hinzu.

Bisher wurde der mit 3333 Euro dotierte Zentis-Kinderkarnevalspreis bei den AKV-Festsitzungen 16mal verliehen. Wenn nun am 19. Januar 2008 Ihre Durchlaucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis bei der AKV-Festsitzung zur neuen Ordensritterin geschlagen wird, steht auch für die Katholische Grundschule Passstraße die Verleihung des Zentis-Kinderkarnevalspreises an. Die Schülerinnen und Schüler aus 23 Nationen haben am 8. Januar 2008 im vierten Jahr das Theaterspiel zur Proklamation eines Märchenprinzen übernommen, das traditio­nell auch beim Kinderkostümfest des Märchenprinzen (30. Januar 2008) noch einmal wiederholt wird. „Miez und Anton und die Kammer des Entdeckens“ heißt das Stück, bei dem es in Anlehnung an das märchenprinzliche Motto von Max II. Prömpeler um ein goldenes Bilderbuch geht, das die Geschichte des Aachener Kinderkarnevals in lebenden Bildern aufzeigt. –tis Seit 2001 neuer Hofchor der Märchenprinzen, wurde der Kinderchor von St. Katharina Forst 2007 mit dem Preis ausgezeichnet.

Er hat viel für den Karneval getan: Helmut Strack, hier 1978

Wurde vom Business Club AachenMaastricht für sein Lebenswerk geehrt: Heinz-Gregor Johnen bei der Preisverleihung


Oche Alaaf!

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Das Jugendorchester des Musikvereins Hahn erhielt den Preis im Jahre 2006.

Wir gratulieren! Das Casino Aachen gratuliert Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der 58. Ordensträgerin „Wider den tierischen Ernst“.

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Zum Wohle auf denÖ cher Heuschreck Durchbruch! 40

Die Kaiserstadt Aachen und das Thema Wein: Geht das zusammen? Im Falle des AKV schon. Denn der hegt und pflegt auf dem Wingertsberg 99 Reben, die ihm die Karne­ valsgesellschaft „Trierer Heuschreck“ 1979 gestiftet hatte. Wenn Boris Bongers über Wein erzählt, dann sollte man zuhören. Denn von Wein versteht er eine Menge – und da kann man entsprechend lernen. Der Vizepräsident des AKV, im Beruf Vertriebschef des Hauses Babor und im Karneval bekannt als Prinz der Session 2006, ist zwar Experte für autochthone Weine, aber zum Thema Reben, Sorten, Anbau, Qualität und allem, was mit Genuss rund um die edlen Tropfen zu tun hat, weiß er eigentlich alles. Was liegt näher, als sich mit ihm über das Thema „Öcher Heuschreck Durchbruch“, einen Riesling, den der Aachener Karnevalsverein auf dem Wingertsberg anbaut, zu unterhalten? Boris Bongers, der AKV als Winzerverein – eine Vorstellung, mit der Sie leben können?


„Da muss dann aber die S onne mitspielen …“ Boris Bongers: Als jemand, der das Thema Wein mit Leidenschaft betreibt, ja. Aber als jemand, der das Thema Karneval lebt, sind vor allem in der Vorbereitung der Session andere Aufgaben notwendiger. Aber warum nicht: Als 1979 die Karnevalsgesellschaft „Trierer Heuschreck“ dem AKV seinerzeit 121 Rebstöcke der Sorte Riesling stiftete, nahm der AKV das Geschenk und die damit verbundene Herausforderung an und kümmerte sich um den Weinanbau. Mit eher zögerlichem Erfolg… Bongers: Nun, immerhin haben wir vom letzten Jahr 62 Flaschen geerntet, und noch nicht einmal schlechte Qualität. Aber wir arbeiten daran. Wie hat man sich das vorzustellen – der AKV als Weinexperte, der keltert, abfüllt und lagert? Bongers: Nein. Gelesen werden die Trauben in Aachen, einen Tag später werden sie nach Trier transportiert, wo wir mit dem Weingut Karthäuserhof des sehr renommierten Winzers Christoph Tyrell zusammenarbeiten.

Der war immerhin Winzer des Jahres 2005. Auf dem Karthäuserhof werden die Trauben dann gekeltert, abgefüllt, gelagert und veredelt. Und die Zusammenarbeit mit Christoph Tyrell bekommt unserem Öcher Heuschreck gut, denn der holt die optimale Qualität aus unserer Lese heraus.

Stichwort kümmern: Wird der AKV auch weiterhin eigenen Wein anbauen und abfüllen lassen? Bongers: Aber ja. Wir haben sogar noch einiges vor und wollen unserem „Durchbruch“ zu selbigem verhelfen. Was wir hier in Aachen in Richtung Qualität tun können, werden wir tun – an der Verbesserung der Bodensubstanz arbeiten, die Bewässerung optimieren und dafür sorgen, dass die Rebstöcke mehr Sonne abbekommen. Wie das, hier in Aachen? Bongers: Leider können wir nicht die Zahl der Sonnenstunden erhöhen. Dafür aber werden wir die Rebstöcke freier halten von Bewuchs und Gestrüpp.

Und eines Tages wächst hier eine Spitzensorte unter der Regie des AKV? Bongers: Da sollte man realistisch bleiben; wir werden hier in Aachen nie eine EinsPlus-Qualität erreichen. Aber wir arbeiten mit Christoph Tyrell und den oben für Aachen dargestellten Maßnahmen daran, bald einen Riesling mit Kabinett-Charakter, vielleicht sogar mit Spätlese-Qualität zu erhalten. Das sieht das Fünf-Jahres-Konzept vor zum Thema Öcher Heuschreck. Womöglich haben wir schon nächstes Jahr einen Wein mit 80 Grad Oechsle – wer weiß? Da muss dann aber die Sonne mitspielen… Bongers: Klar, das ist unsere große Unbekannte. Aber einen Vorteil haben wir – das ist die Riesling-Traube selbst. Die braucht den Stress mit den Temperaturen regelrecht, eine gute Prise kalte Witterung hat sie gerne, und von daher ist sie zunehmend besser in Aachen aufgehoben.

Na dann – zum Wohle auf den Öcher Heuschreck Durchbruch! –wh

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Seine Tollität F rank II. Prömpeler mit H ofstaat 42

Foto: H. Koch

„Vür klammere Ö cher Jecke – för K enger d’r Dösch ze decke.“

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Die Öcher-Fastelovvend-Fans kennen ihn bereits – aus dem Hofstaat von Hanns I. Bitt­mann, der als „Till“ seine Possen trieb. „Durch Schabernack die Menschen zum La­ chen zu bringen, ohne dabei Schaden anzu­ richten oder zu beleidigen, bereitete mir un­ heimlichen Spaß“, sagt er heute.

Frank Prömpeler (36) ist nun, sieben Jahre später, selbst Prinz. Er regiert als „Klammermich!“ Frank II. die Öcher Jecke. Dabei spielt die Wäscheklammer neben seinem Prinzenzepter eine wichtige Rolle: Sie wurde zum Symbol seines Prinzenmottos: „Vür klammere Öcher Jecke – för Kenger d’r Dösch ze decke.“ „Ich weiß, dass es mitten unter uns Kinder gibt, die morgens ohne Frühstück aus dem Haus gehen und den Tag mit knurrendem Magen verbringen, weil sie kein Taschengeld für etwas Essbares bekommen“, sagt Frank Prömpeler. www.prinz-klammer-mich.de Für dieses soziale Anliegen setzt Frank II. die von früher bekannte Wäscheklammer ein. Diesmal nicht, um zu necken, sondern um die Menschen in Solidarität zu den Kindern an sich zu klammern. Und sehr viele haben sich bereits „klammern“ lassen, tragen stolz den Charity-Pin, der gegen eine Mindestspende von einem Euro angeboten wird. Auch der Erlös aus dem Verkauf der Prinzen-CD „Vür klammere Öcher Jecke“ mit mitreißenden karnevalistischen Muntermachern kommt dieser Hilfsaktion zugute.


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Der Öcher FastelovVend trifft Rengschburger Fasching

„O che Alaaf!“ – „R adi! Radi!“ 44

Karnevalistische Welten treffen aufeinander – Karneval im Rheinland und Fasching im bayerischen Regensburg. Dabei ist die Ver­ bindung zwischen Aachen und Regensburg in Sachen Karneval Jahrhunderte alt. Unsere Autorin Jutta Katsaitis-Schmitz sprach mit dem Oberhofmarschall der Narragonia Re­ gensburg 1848, Carl Borromäus Prämaßing (Fotos oben) – geboren in der Eifel, fast ’ne Öcher Jong (aß als erste feste Nahrung Aa­ chener Printen). Er ist Hörfunk-Journalist und Programmchef von Radio Melodie in München. Als bekannt wurde, dass I.D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis den Orden Wider den tierischen Ernst erhält, fragten sich die Aachener, ob die designierte Ritterin in Regensburg vielleicht in einer karnevalistischen Diaspora lebe. Ist das so?

zeit war dadurch stark von rheinischen Einflüssen geprägt. Sowohl sein Sohn als auch seine drei Enkel und sogar sein Urenkel sind beziehungsweise waren Mitglieder der Narragonia und haben an führender Stelle die Geschicke der ältesten bayerischen Karnevalsgesellschaft, aber auch Faschingsgesellschaft bestimmt. Ebenso zählten viele der Fürstlich Thurn- und Taxis’schen Hoflieferanten zu den Mitgliedern der Narragonia, die bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine reine Herrengesellschaft war. Seit wann wird in Regensburg Fasching gefeiert, und kennt man auch einen Prinzen Karneval? Prämaßing: Der Fasching ist in Regensburg seit 1249 urkundlich erwähnt und wurde im Mittelalter ausgiebig gefeiert. Besonders die Gesandten des Immerwährenden Reichstags, der von 1663 bis 1806 in Regensburg tagte, zelebrierten den Fasching sehr stark mit Maskenbällen und Umzügen, Schlittenfahrten und üppigen Festessen. So hielten es mit Redouten und Maskenbällen auch die Fürsten von Thurn und Taxis, die als Vertreter des Kaisers 1748

als Prinzipalkommissare nach Regensburg gekommen waren. Diese hohe Aufgabe ließ sie eine prächtige Hofhaltung entfalten, die ihresgleichen in Deutschland suchen konnte. Die verschiedenen Handwerkszünfte, Schüler und Studenten hatten daneben ihre eigenen Bräuche und Späße in der Faschingszeit. Als 1802 der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Carl Theodor von Dalberg als Erzbischof nach Regensburg kam, ließ er viele rheinische Bräuche in den Regensburger Fasching einfließen. Am 24. Februar 1848 schließlich erhielt die Karnevalsgesellschaft Narraconia – später Narragonia – die staatliche Anerkennung. Für 1848 ist auch ein „Prinz Carneval“ mit seiner „Prinzessin Pumphia“ genannt. Ab 1850 gab es dann eine Pause in den Faschingsaktivitäten. Erst 1897 wurde wieder ein „Prinz Pepi I.“ ernannt. Eine Prinzessin aber gab es nicht an seiner Seite. Diese taucht erst wieder im Fasching 1911 auf, dann in den 30er Jahren und seit 1951 ununterbrochen bis zum heutigen Tage. Seit 1994 gibt es ein Kinderprinzenpaar und seit 1999, dem Internationalen Jahr der Senioren, auch ein Seniorenprinzenpaar.

Carl Borromäus Prämaßing: Ja, das stimmt, Karneval als solchen gibt´s hier nicht, wir sprechen in Regensburg von Fasching, da es in Bayern drei Traditionsstränge gibt: in den fränkischen Regierungsbezirken die Fastnacht, in Bayrisch-Schwaben die Alemannische Fasenacht und in Altbayern den Fasching. Es gibt aber Karnevalsgesellschaften in Regensburg? Prämaßing: Heute noch zwei. Beide feiern in dieser Session ein Jubiläum: die Karnevalsgesellschaft Narragonia Regensburg 1848 e.V., die mit dem Schlachtruf „Radi Radi!“ feiert (Radi gleich Rettich, der in der Nähe von Regensburg wächst), und die Faschingsgesellschaft Lusticania Regensburg, gegründet 1958, die den Schlachtruf „Lusticania olé!“ hat. Sie ist in das Kolpingswerk, Bezirksverband Regensburg, eingebunden. Warum ist die Narragonia eine Karnevals- und nicht eine Faschingsgesellschaft? Prämaßing: Gründer der Narragonia war der Arzt Dr. med. Carl Gerste, Sohn eines aus Mainz stammenden Apothekers. Sein Verständnis von der so genannten fünften Jahres-

Faschingspaar im Regensburger Fasching


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Der Öcher Fastelovvend trifft Rengschburger Fasching

„O che Alaaf!“ – „R adi! Radi!“ 46

Gibt es einen Rosenmontagszug? Prämaßing: Faschingsumzüge, auch Kappenfahrten oder Maskenzüge genannt, gab es in Regensburg seit dem späten Mittelalter – so auch 1848, im Gründungsjahr der Narragonia. Ebenso sind Maskenzüge für die Jahre 1875 und 1876 belegt, dann wieder von 1897 bis 1901 und danach in den 30er Jahren. Seit 1951 zieht wieder ein Faschingszug durch die Stadt, jedoch nicht am Rosenmontag, sondern meist am Faschingssonntag. Von 1983 bis 2007 wurden immer mal wieder kreative Pausen eingelegt. Anlässlich der beiden Jubiläen „160 Jahre Narragonia“ und „50 Jahre Lusticania“ wird 2008 wieder ein Faschingszug stattfinden. Im Jubiläums-Fasching der Narragonia dreht sich alles um den „Närrischen Reichstag“ als Hommage an den barocken Fasching zur Zeit des Immerwährenden Reichstags. Spielt der Elfte im Elften eine Rolle im Rengschburger Fasching? Prämaßing: Der 11.11. ist auch in Bayern der offizielle Beginn der Faschingszeit. Unsere Karnevalsgesellschaft Narragonia inthronisiert an diesem Tag in Anwesenheit des Oberbürgermeisters ihre drei Prinzenpaare im Kurfürstenzimmer des Historischen Rathauses, zieht dann mit Prinzenpaaren, Präsidium, Garden und Fanfarenzug durch die mittelalterlichen Straßen der Stadt und besucht einige Traditionslokale, um den dortigen Wirten den Saison-Orden zu verleihen. Oft gibt es am Abend dann auch einen Inthronisationsball. Bis zum Dreikönigstag ruht der Faschingsbetrieb im Großen und Ganzen. Die Karnevalsgesellschaft Narragonia von 1901

Sind besondere Brauchtumstraditionen bekannt? Prämaßing: Die Narragonia hat mit der traditionsreichen „Gurkengarde von 1848“ auch die älteste Männergarde im bayerischen Fasching. Dabei ist die Persiflage auf den Militarismus unverkennbar. Der Name „Gurkengarde“ rührt wohl von der überdimensionalen Gurkennase her, die die Gardisten trugen. Beim Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch werden die Geldbeutel an eine Angel gebunden und dann an der historischen Steinernen Brücke in den Fluten der Donau gewaschen, damit im kommenden Fasching wieder Geld hineinkommen soll. Ein Brauch, der wohl auf das Handwerk im Mittelalter zurückgeht. Anschließend geht man zum Fischessen.

Spielen Sitzungskarneval und Büttenreden eine Rolle? Prämaßing: Bei der Regensburger Narragonia wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert der Brauch gepflegt, in den „Rettich“ statt in die Bütt zu gehen und dort in einer pointierten Rede das gesellschaftliche Leben auf die Schippe zu nehmen. Ein Brauch, der leider verloren gegangen ist. Die Bälle aber beinhalten auch Tanzdarbietungen der Prinzenpaare oder verschiedener Garden. Auch Ordensverleihungen haben hier ihren Platz. Sind Ihnen Gemeinsamkeiten zwischen dem Öcher Fastelovvend und dem Rengschburger Fasching bekannt? Prämaßing: Was in Aachen der Orden „Wider den Tierischen Ernst“ ist bei der Regensburger Narragonia der „Radi-Orden von 1898“. Zum alljährlichen Hof- und Diplomatenball (Mitte bis Ende Januar) wird er seit 1987 jeweils an den Ehrengast des Balles verliehen. Es sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderer Weise mit Regensburg verbunden fühlen, oder auch Narragonen, die sich um das Wohl der Faschingsgesellschaft verdient gemacht haben. Drei Ritter des Aache­ ner Ordens „Wider den tierischen Ernst“ sind ebenfalls Träger des „Radi-Ordens“: Dr. Edmund Stoiber wurde 1996 Ehrenmitglied der Narragonia, Hans-Dietrich Genscher erhielt 1988 den „Radi-Orden“, und Hermann Höcherl war seit 1956 Mitglied der Narragonia und wurde in den 70er Jahren zum Ehrensenator ernannt. Die Verbindung zwischen Aachen und Regens­ burg in Sachen Karneval ist Jahrhunderte alt: Um 1133 soll ja ein junger Bauer in der Nähe von Kornelimünster ein Narrenschiff auf Rädern erbaut haben, das unter dem Jubel der Massen durch die Städte Aachen, Maastricht, Tongern und Looz gezogen wurde. Dieser erste Karnevalswagen hat derart von sich reden gemacht, dass selbst der bayerische Geschichtsschreiber Johann Georg Turmair alias Aventius davon Kenntnis bekam und es in seinen Schriften ausführlich erwähnte. 1534 starb er im Fasching in Regensburg und wurde im Kloster Emmeram beigesetzt, dem heutigen Schloss Thurn und Taxis. –tis


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Erinnern Sie sich noch an … J osef I. Flachs? Er war Prinz vor 50 Jahren – und zog die Menschen durch die „3F’s“ in seinen Bann: „Frieden, Freude, Fröhlichkeit“. Ein Rückblick.

Als „Sonnenprinz“ ging Ex-Tollität Josef I. Flachs in die Prinzengeschichte des AKV ein. 1957 regierte er seine närrischen Unterta­ nen als sprichwörtliche Frohnatur. Entspre­ chend hatte er sein Motto gewählt: „Allen Menschen jederzeit – Frieden, Freude, Fröh­ lichkeit“. Der Himmel dankte es dem 24-Jährigen. Beim Rosenmontagszug herrschte strahlender Sonnenschein, und über 100.000 schaulustige Jecke säumten die Straßen. Bei alledem war Vorsicht für Tollität auf dem Prinzenwagen angesagt. Denn hoch auf der Schiffsbrücke des über die närrisch-stürmische See wogenden „PoseidonSchiffes“ stehend, waren bei der Oberleitung der guten alten Tram ein ums andere Mal die Prinzenfedern in Gefahr. In der Zugfolge war ein Kamelpaar vom Zirkus Hagenbeck die besondere Attraktion, geritten vom Tanzpaar der Prinzengarde.

„Ich hatte gar keine Ahnung davon, dass ich Prinz werden sollte.“

„Ich hatte gar keine Ahnung davon, dass ich Prinz werden sollte“, erinnert sich Josef Flachs heute. Er erfuhr erst im Dezember 1956 davon, als er aus Hamburg zurückkehrte, wo er für den elterlichen Betrieb Fleischwaren eingekauft hatte. „Ich hatte zwar schon ein oder zwei Karnevalssitzungen besucht, konnte mir aber nicht vorstellen, wie man einen Prinzen verkörperte“, schmunzelt der Senior. Doch es pochte schon prinzliches Blut in seinen Adern, denn 1910 war sein Großonkel, Tom I. Gabriel, Aachener Tollität. Er war damals der erste Prinz Karneval, der von zwei Garden eskortiert wurde: traditionell von der Oecher Penn als Ehrengarde und von einer „Prinzenbegleitung zu Pferde“ (heute Prinzengarde), die sich kurz zuvor aus dem Reiterverein Ponttor und der berittenen Oecher Penn gebildet hatte. „Genesung von Muckertum und Griesgram“ Josef I. Flachs wurde, wie damals üblich, von Jacques Königstein vor Weihnachten bei der Damensitzung im Neuen Kurhaus zum Prinzen Karneval proklamiert. Auf den Schultern hatte ihn sein Hofstaat in den Saal getragen. Die Insignien närrischer Macht überreichte ihm sein prinzlicher Bruder und Amtsvorgänger Herbert I. Rütgers. In seiner Thronrede wünschte Josef I. bei der närrischen Kur in Bad Aachen allen Jecken „Genesung von Muckertum und Griesgram“. Dann eröffnete Tollität mit seiner Mutter im Walzertakt den Ball.

Fünf Jahre nach seiner Prinzenzeit wurde Josef Flachs Mitglied des AKV-Elferrats, dem er dann elf Jahre lang angehörte. Seine Aufgabe war es, bei Einmärschen wie ein Zeremonienmeister mit einem Stab voranzugehen. Sein Prinzenjahr 1957 war für ihn auch beruflich von Bedeutung. Er legte seine Meisterprüfung im Fleischerhandwerk ab und übernahm den Betrieb seines Vaters in Broichweiden, den er bis 1982 führte. „Seitdem lebe ich im Ruhestand und habe Zeit, um mit meinen fünf Enkelkindern vieles gemeinsam zu unternehmen“, erklärt Ex-Tollität stolz. Er gehört nach wie vor dem Ex-Prinzenkorps des AKV an und ist Träger der goldenen Ehrennadel für 50-jährige Mitgliedschaft im AKV. „50 Jahre besuche ich auch regelmäßig eine Stammtischrunde, aber wir werden immer weniger. Jetzt sind wir nur noch zwölf“, erzählt Flachs und zuckt bedauernd die Schultern. Dass Ihre Durchlaucht Gloria Fürstin von Thurn und Taxis Ordensritterin 2008 wird, begeistert ihn. „Diese Entscheidung hat mir Spaß gemacht, und ich freue mich auf die Festsitzung, denn sie ist eine Frau aus dem Leben“, bekennt der Senior voller ehrlicher Freude. –tis

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