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potsdamer rundschau

Mai 2004

Politik in der Landeshauptstadt

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Turbine Potsdam Gemeinsam zum Erfolg


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Editorial

Bürgersprechstunde in Bornim

Liebe Leserinnen und Leser, das Frühjahr hat nun endlich auch Potsdam erreicht. Kaum erwärmen uns die ersten Sonnenstrahlen, zieht es uns nach draußen. In Potsdam haben mit dem Tulpenfest und dem Frühjahrsrummel bereits die ersten Volksfeste Tausende von Besuchern begeistert. Von nun an geht es Schlag auf Schlag und wie schon in den letzten Jahren wird wohl an jedem Wochenende auf einem der schönen Plätze in unserer Stadt ein Fest stattfinden. Ob Schlössernacht, Babelsbergfest, Stadtwerkefest oder die Feste auf dem Neuen Markt – alle werden wieder ihr Publikum in unsere Stadt finden. Wer dabei mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird sich an den vielen sanierten Straßenzügen und Plätzen erfreuen. Was die wenigsten wissen ist, das eine Vielzahl der Erneuerungen ohne Förderung der EU überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Europa hat in den letzen Jahren viel dazu beigetragen unserer Stadt wieder zu verschönern. Auch daran sollten wir denken, wenn am 13. Juni Europawahlen sind. Europa hat Vorteile für uns alle, nicht immer sieht man sie sofort.

Die SPD-Landtagskandidatin und Sozialausschussvorsitzende Klara Geywitz hält monatlich eine Bürgersprechstunde im AWO-Bürgerhaus Bornim, Potsdamer Strasse ab. Meist am ersten Dienstag im Monat, von 17.-18.00 Uhr. Die nächsten Termine sind: 4. Mai und 8. Juni Anmeldungen sind unter 0331-200 93 19 gewünscht. Einzeltermine zu anderen Zeitpunkten sind jederzeit möglich. Am 13. Juni gibt es noch ein weiteres Ereignis welches für Potsdam von Bedeutung sein kann. Die Frauen des 1.FFC Turbine schicken sich an diesem Tag an, in Frankfurt/M. zum ersten Mal deutscher Meister im Frauenfußball zu werden. Vorher jedoch erfüllen sich die Kickerinnen und ihr Coach Bernd Schröder einen Traum. Am 26. Mai bestreiten sie in Berlin erstmalig das DFB-Pokal Finale und versuchen auch diesen Pokal nach Potsdam zu holen. Wir wünschen den Spielerinnen und den Verantwortlichen alles Gute und das notwenige Quäntchen Glück, welches in einem Pokalfinale nötig ist.

Mike Schubert

Eichenblatt Stadtteilzeitung für Eiche gegründet In diesen Tagen wird sie zum ersten Mal an alle Eicher Haushalte verteilt: Die von den Ortsbeiratsmitgliedern Andreas Klemund, Fritz Berger und Frank Großer herausgegebene Ortsteilzeitung „Eichenblatt“. Das achtseitige Heft soll wenigstens vierteljährlich erscheinen, so Ortsbürgermeister Klemund. Oberbürgermeister Jann Jakobs würdigte in einem Grußwort insbesondere, dass es den Herausgebern gelungen sei, die Zeitung ohne Gelder der öffentlichen Hand zu finanzieren. Das

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Eichenblatt erscheint wie die Potsdamer Rundschau im Verlag Weber Medien.

Zusammenarbeit von Potsdam und Potsdam-Mittelmark Stadt und Landkreis sollen stärker vernetzt werden Die SPD Fraktion legt in der Stadtverordnetenversammlung im Mai einen Antrag vor, um die Zusammenarbeit der Landeshauptstadt Potsdam mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark zu vertiefen. Heute bedürfen Fragen der wirtschaftlichen, touristischen, infrastrukturellen und bildungspolitischen Entwicklung verstärkt regionale Lösungsansätze. Als erste konkrete Maßnahmen sollen der Oberbürgermeister von Potsdam, Jann Jakobs (SPD) und der Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Lothar Koch (SPD) Möglichkeiten für eine enge-

re Zusammenarbeit erörtern und ihren beiden kommunalen Parlamenten vorstellen. Dazu soll es eine gemeinsame Sitzung der beiden Hauptausschüsse geben. Gleichzeitig sollen die Vorsitzende der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung und ihr Kollege im Potsdam-Mittelmärker Kreistag Gespräche über die Bildung eines Koordinierungsausschusses der beiden kommunalen Vertretungen führen. Im Ergebnis der Bemühungen sollen sich Stadt und Landkreis zu einer gemeinsamen brandenburgischen Hauptstadtregion entwickeln.

Aufruf Stell Dir vor … jeder Potsdamer und jede Potsdamerin stimmt für Potsdam Im Internet auf der Seite www.kultur2010.de läuft derzeit ein Trendbarometer für die deutsche Kulturhauptstadt Europas 2010. Die Umfrage ist für jeden Besucher geöffnet und bleibt bis zur Entscheidung über die Kulturhauptstadt Europas 2010 online. Die erste Trendumfrage führte bereits im Jahr 2003 zu einer sehr hohen Beteiligung von 40.000 Stimmen. Die Umfrage wird erneut einen interessanten TrendBarometer zur Kulturhauptstadt Europas 2010 liefern. Wir wollen das Potsdam in dieser Umfrage einen vorderen Platz belegt. Dafür bitten wir alle Potsdamerinnen und Potsdamer um Mithilfe. Besuchen Sie die Seite www.kultur2010.de und stimmen Sie für Ihre Heimatstadt. Bitten Sie Familienmitglieder, Freunde und Bekannte es Ihnen gleich zu tun und für Potsdam zu stimmen. Beweisen wir gemeinsam das die Potsdamer Bürger hinter der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010. Zeigen Sie, wer Schirmherr der Potsdamer Bewerbung ist – nämlich die Potsdamer Bürger selbst!


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Gestartet Europawahlkampf 2004

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rstmals wählen am 13. Juni fast 450 Millionen Europäerinnen und Europäer ein neues Europäisches Parlament. Zu diesem Zeitpunkt wird die Europäische Union um zehn neue Mitgliedstaaten gewachsen sein. Der Vorgang ist in seiner Dimension in der Geschichte der Europäischen Union einzigartig. Fünfzehn Jahre später als Brandenburg wird Polen nun auch Teil dieser Union, einer Solidar- und Wertegemeinschaft von der Brandenburg bislang finanziell außerordentlich profitiert hat. Für Brandenburg als Grenzregion ist die EU-Osterweiterung von besonderer Bedeutung. Chancen und Risiken, Hoffnungen und Ängste verbinden die Menschen mit diesem historischen Moment, der für das Zusammenwachsen des europäischen Kontinents steht.

Wir Sozialdemokraten nehmen die Sorgen der Menschen ernst! Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass die Vorteile, die für unser Land mit der Erweiterung verbunden sind, mögliche Probleme deutlich überwiegen. Brandenburg wird nach der Erweiterung die guten wirtschaftlichen Kontakte, die das Land jetzt schon mit Polen hat, weiter ausbauen und intensivieren können. Märkte, die durch den Zusammenbruch des Ostblocks verloren gingen, können nun wieder erschlossen werden. Gerade wir ostdeutschen Länder können uns hier auf ein Heimspiel freuen, denn wir können an ehemalige Geschäftsbeziehungen anknüpfen. Die Osterweiterung wird unserer Wirtschaft neue Impulse geben und eröffnet Wachstumspotenziale, die wir

dringend brauchen! Um mögliche Nachteile der Osterweiterung für unsere heimische Wirtschaft zu minimieren, wurden in den Beitrittsverträgen für sensible Bereiche, wie die Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit, Übergangsfristen bis zu sieben Jahren vereinbart. Über die wirtschaftliche Zusammenarbeit hinaus, wird die Osterweiterung auch auf die kulturellen und sozialen Beziehungen zwischen Brandenburg und Polen positive Auswirkungen haben. Die geöffneten Grenzen werden den Austausch zwischen Nachbarn erleichern. Nur wenn die Menschen in Brandenburg und Polen die Sprache und die Kultur des jeweils anderen verstehen und akzeptieren, wird ein fruchtbares Miteinander beider Seiten möglich sein.

Ministerpräsidennt Matthias Platzeck auf der Europakonferenz der SPD.

Norbert Glante MdEP

Die Osterweiterung ist natürlich ein zentrales Thema für den Europawahlkampf. Auftakt war am 24. April. Als Brandenburger SPD-Spitzenkandidat kommt es mir einerseits darauf an, die Menschen im Land davon zu überzeugen, dass die EUOsterweiterung eine positive Herausforderung für unser Land ist. Andererseits möchte ich den Menschen ins Bewusstsein rufen, dass die Europäische Union seit mehr als 50 Jahren für Frieden und Sicherheit in Europa steht. Die Solidargemeinschaft sorgt dafür, dass Entwicklungsunterschiede zwischen den europäischen Regionen ausgeglichen werden. Brandenburg erhält von der EU über 3 Mrd. Euro Fördermittel für den Aufbau seiner Infrastrukutur, die wirtschaftliche Entwicklung und die Realisierung sozialer und kultureller Projekte. Europa ist überall in Brandenburg präsent, Europa geht uns alle an! Mit Ihrer Stimme für die SPD, entscheiden Sie sich am 13. Juni für ein starkes und friedliches Europa. Norbert Glante, Mitglied des Europäischen Parlaments


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SPD-Kinderfest Samstag, 9. Mai 11 Uhr auf dem Schulhof der Friedrich-Wilhelm-vonSteuben-Gesamtschule im Kirchsteigfeld mit dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Matthias Platzeck und der Landtagskandidatin Klara Geywitz

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SPD fordert Eisenbahnquerung in Golm Universität und Forschungscampus sollen verbunden werden

Müllhalde an der Humboldtbrücke

Zentrum Ost ist eines der schönsten Wohngebiete in Potsdam. Die meisten Häuser sind saniert, das Wohnumfeld ist liebevoll gestaltet und spätestens seit der BUGA 2001 ist die ideale Lage am Wasser auch wieder voll zur Geltung gekommen. Doch je schöner der größte Teil des Wohngebietes ist, um so mehr fällt der Bereich an der Schnellstraße unangenehm auf. Wo früher der Kinderspielplatz war, sollte nach den Plänen eines Investors das Projekt „Potsdam Fenster“ entstehen. Davon ist nicht viel übrig geblieben. Das Vorhaben ist gestorben, dafür wandelt sich das Gelände an der Humboldtbrücke immer mehr zu einer wilden Müllhalde. Grund genug für die SPDFraktion, hier auf Veränderung zu drängen. „Wir wollen wissen, was die Stadt machen kann, um eine weitere Verschmutzung des Geländes zu verhindern und welche Entwicklungsperspektiven für das Gebiet existieren.“ so die SPD-Landtagskandidatin und Stadtverordnete Klara Geywitz.

Die Bahnlinie in Golm trennt den Forschungsstandort.

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u den Planungszielen des in der Aufstellung befindlichen Bebauungsplans Nr. 100 gehört es unter anderem, die direkte Verbindung zwischen dem Universitätsstandort östlich der Bahnstrecke und dem Forschungscampus westlich davon planungsrechtlich zu sichern. Mit der planungsrechtlichen Sicherung allein ist den Nutzern jedoch nicht wirklich geholfen. Die Entscheidung der Max-Planck-Gesellschaft, ihre Institute für Gravitationsphysik, für Kolloid- und Grenzflächenforschung und für Molekulare Pflanzenphysiologie sowie der Fraunhofer Gesellschaft das Institut für Angewandte Polymerforschung in Golm anzusiedeln, war maßgebend von der Zusicherung eines zügigen Aus-

baus des Standortes Golm für die naturwissenschaftlichen Fachrichtungen der Universität Potsdam geprägt. Hier ist inzwischen eine sehr positive Entwicklung in Gang gekommen. Nach wie vor markiert der Berliner Eisenbahnaußenring jedoch eine einschneidende Barriere zwischen den beiden Standorten östlich und westlich der Bahntrasse. Daher fordern verschiedene Seiten auch seit Jahren die längst überfällige Eisenbahnquerung. Zu den Unterstützern gehört auch die Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein (SPD), die sich bei einem Besuch der Golmer Forschungseinrichtungen dafür ausprach, nunmehr schnellstmöglich mit der Realisierung zu beginnen. Mit dem nun unmittelbar bevorstehenden Baube-

ginn des Gründerzentrums wächst der Wissenschaftspark bis an die Eisenbahnschienen heran und die Realisierung der Eisenbahnquerung wird damit noch nötiger. Auf gemeinsame Initiative von Andrea Wicklein und dem Bauausschussvorsitzenden Christian Seidel hin wird die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung im Mai deshalb den Oberbürgermeister beauftragen, die notwendigen finanziellen Mittel für den Bau der Trassenquerung sicher zu stellen. Dazu soll er die notwenigen Gespräche führen, um die Fördermöglichkeiten auszuloten. Sobald die Finanzmittel für den Bau sicher gestellt sind, soll mit der Umsetzung begonnen werden.


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Platzeck für deutschpolnischen Koordinator und starkes Jugendwerk

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randenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat einen Vorstoß zur weiteren Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen unternommen. Er schlägt vor, einen Koordinator für die deutsch-polnischen Beziehungen zu benennen. Platzeck erinnerte in diesem Zusammenhang an die herausragenden Verdienste, die sich die verstorbene Brigitte Sauzay für das deutsch-französische Verhältnis erwarb. Auch Karsten Voigt als Koordinator für das deutsch-amerikanische Verhältnis habe in schwierigen Zeiten stabilisierend für die Beziehungen zu den USA gewirkt. Matthias Platzeck betont mit Blick auf die deutsch-polnischen Verhältnisse in den letzten Monaten: „nichts ist so stabil, als dass es nicht gepflegt werden müsste“. Unter Bezug auf die Irritationen um das Zentrum gegen Vertreibungen und den Diskussionsverlauf über IrakKrieg und EU-Verfassung erklärte Platzeck: „Die Beziehungen mit dem größten EU-Beitrittsland brauchen einen politischen Landschaftspfleger, der wie ein Seismograph Bewegungen beim Partner registriert, bevor sie die Politik prägen. Deutschland hat ein existenzielles Interesse daran, dass die Beziehungen zum zweitgrößten Nachbarn schon allein aus historischen Gründen dauerhaft eng und freundschaftlich werden.“ Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck plädiert für eine intensive und auf Dauer angelegte Strategie für Verständigung und Vertrauensaufbau im deutsch-polnischen Verhältnis. Diese Strategie könne nur nachhaltig und erfolgreich sein, wenn sie „systematisch darauf angelegt ist, immer mehr Menschen einzubeziehen und immer größere Bevölkerungsgruppen in Kontakt und Austausch miteinander

treten zu lassen“, so Matthias Platzeck. Deswegen setzt sich Platzeck dafür ein, das Deutschpolnische Jugendwerk dem Deutsch-Französischen Pendant gleichzustellen. Matthias Platzeck: „es wäre ein schwerer Irrtum zu glauben, die polnisch-deutschen Beziehungen bedürften nicht auch in den kommenden Jahren unserer gemeinsamen intensiven Aufmerksamkeit, ja sie würden sich sozusagen ganz von selbst immer weiter verbessern. Wir dürfen uns hier keiner bequemen Illusion hingeben: Selbst die noch so gute und eingespielte Zusammenarbeit auf den Ebenen von Verwaltung und Politik wird dafür alleine kaum genügen. Und auch die Tatsache unserer zukünftigen gemeinsamen Mitgliedschaft in der Europäischen Union garantiert für sich genommen noch nicht, dass auf allen gesellschaftlichen Ebenen aus polnisch-deutscher Nachbarschaft vertrauensvolle Partnerschaft wird – und aus guter Partnerschaft immer mehr auch echte Freundschaft.“ Platzeck sieht in der Aussöhnung mit Frankreich das große Vorbild für das künftige deutschpolnische Verhältnis. Allerdings erwachse aus der Historie eine noch schwierigere Aufgabe als vor 60 Jahren im Westen. Deutschland und Frankreich seien sich immer „auf Augenhöhe“ begegnet. Eine solche „Balance

des Gefühls“ gebe es zwischen Deutschland und Polen seit Jahrhunderten nicht. „Deutschland und die Deutschen unterbewerten die Rolle Polens und der Polen. Dieser optische Knick verstellt den Blick für gemeinsame Verantwortung.“ Als Schlüssel für mehr Verständnis zwischen den Menschen beiderseits der Oder betrachtet Platzeck Begegnungen junger Leute aus beiden Ländern. Der Ministerpräsident führte dazu aus: „Eine der wichtigsten und verdienstvollsten Institutionen ist dabei zweifellos das DeutschPolnische Jugendwerk. An den Austauschprogrammen des DPJW haben seit 1993 mehr als 1,2 Millionen junge Leute aus Polen und Deutschland teilgenommen; allein im vorigen Jahr waren es fast 140.000. Ich bin absolut sicher: Jeder einzelne Euro und jeder einzelne Zloty, den wir hier aufwenden, ist eine höchst sinnvolle Investition in das Gelingen der gemeinsamen Zukunft unserer beider Völker. Ich möchte deshalb folgende Anmerkung machen: Derzeit beträgt die Finanzausstattung des Deutsch-Französischen Jugendwerks etwa 20 Millionen Euro jährlich, die Finanzausstattung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks dagegen nur etwa 8 Millionen Euro. Ich meine, dass hier die Relationen nicht stimmen. Vor dem Hintergrund der noch längst nicht gelösten Aufgabe, die gute Nachbarschaft von Deutschen und Polen im 21. Jahrhundert zu sichern, sie zu festigen und auszubauen, erscheint jedenfalls mir dieser deutliche Unterschied kaum begründbar. Die historische Bedeutung der noch keineswegs vollendeten Aussöhnung unserer Völker sollte sicherlich die Gleichstellung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerks rechtfertigen.“

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Mit Sorgen betrachten viele Arbeiter auf dem Bau die EUOsterweiterung am 1. Mai diesen Jahres. Eine schlechte Konjunktur und die Konkurrenz von billigen Arbeitern aus Osteuropa machten vielen deutschen Bauarbeitern schon in den letzten Jahren zu schaffen. Welche Veränderungen in diesem Jahr bevorstehen war Thema eines Frühschoppens der IG BAU im Bürgerhaus am Schlaatz. Der Diskussion stellte sich Klara Geywitz, SPD-Landtagskandidatin sowie Vertreter der PDS und der F.D.P. „Ganz wichtig sind die Übergangsfristen. Sowohl bei der Arbeitnehmer- als auch bei der Dienstleistungsfreizügigkeit gibt es mehrjährige Anpassungszeiträume, um den deutschen Arbeitsmarkt zu schützen.“ so Klara Geywitz. Für alle in Deutschland beschäftigten EU-Bürger gelten des Weiteren die bisherigen Regelungen der Entsenderichtlinie. Das heißt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.


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Der Osten ist nicht schuld

D Neues Heft p21 Entscheidung im Osten

ie aktuell gern geäußerte These, die Wiedervereinigung Deutschlands und die damit verbundenen hohen Transferzahlungen in die Neuen Bundesländer wären ursächlich für die schlechte Wirtschaftslage der Bundesrepublik verantwortlich, ist an wirtschaftspolitischer Substanzlosigkeit kaum zu überbieten. Zur Klarstellung und Erinnerung: Während der 80er Jahre standen die strukturpolitischen Reformen in Großbritannien und den USA unter heftiger Kritik gerade in der alten, „sozial verkuschelten“ Bundesrepublik. Man prägte für diese Politik Begriffe wie ,Reaganomics‘ oder ,Thatcherismus‘. Doch diese Politik liberalisierte die Wirtschaft, privatisierte defizitäte Staatsunternehmen, begrenzte den ausufernden Einfluss besitzstandswahrender Gewerkschaften und stand auch für fundamentale Einschnitte ins soziale Netz. Diese Reformen haben jedoch dafür gesorgt, dass zu Beginn der 90er Jahre gerade diese beiden Länder die Voraussetzungen dafür schufen, im internationalen Wettbewerb wieder fit zu werden und sich gegen die aufstrebenden „Tigerstaaten“ vor allem in Südostasien zu behaupten. Es begann die Phase der heute so gefürchteten Globalisierung. In der Bundesrepublik-West hatte die bereits damals abgewirtschaftete konservative Regierung weder die Kraft noch ein Interesse daran, der deutschen Wirtschaft und der deutschen Wahlbevölkerung genau diese erforderlichen Reformen zu verordnen. Im Gegenteil, die bevorstehende Wiedervereinigung und 16 Millionen neue ostdeutsche Konsumenten garantierten, die inzwischen im Westen stark zurückgehenden Ausla-

stungen der industriellen Kapazitäten, ohne die bereits damals notwendig gewordenen Strukturreformen nur wieder hochfahren zu können. Damit waren die Reformanstrengungen erloschen – Business as usual. Die mit aus den besagten Transfers (Westmark) ausgestatteten Ostdeutschen standen am Tage der Währungsunion im Konsum oder der HO vor den bisher ungekannten Westgenüssen aus der alten Bundesrepublik. Sie kauften nur allzu willig. Werder-Ketchup, Spreewald-

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Der Osten ist zurzeit wieder in aller Munde – und zwar zur rechten Zeit. Der Aufbau Ost hat gerade Halbzeit, denn im Jahr 2019 läuft der Solidarpakt aus. Insofern ist es folgerichtig, die vergangenen Jahre kritisch zu beleuchten und Konsequenzen für die kommenden Jahre zu ziehen. Im neuen Heft der „Perspektive 21“ geht es genau um dieses Thema. Wo wurden Fehler gemacht, und vor allem: Wo liegen Zukunftschancen? Im Hauptbeitrag stellt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) fest, dass heute neue Rahmenbedingungen herrschen, für die es keine Blaupausen gibt. Beiträge von Jörg Aßmann, Jochen Röpcke, Ulf Matthiesen, Klaus Faber, Esther Schröder, Tobias Dürr und Thomas Kralinski komplettieren das Heft. „Perspektive 21 – Brandenburgische Hefte für Wissenschaft und Politik“ ist kostenlos erhältlich unter: info@perspektive21.de

republik, als dass er im Taumel einer trunkenen Nation und einer nach Wiederwahl dürstenden Regierung 1990 dem Vollzug der zwingend gewordenen Strukturreformen – wohlgemerkt im Westen – einen letzten, jedoch 10 Jahre andauernden Aufschub gewährte. Dennoch, die 1,2 Billionen Euro Transfers sind sichtbar und wurden weitgehend gut angelegt. Nachdem diese konservierende Zeit abgeschlossen ist, ein nie da gewesener Schuldenberg hinterlassen wurde und fünf Millionen Arbeitssuchende auf Beschäftigung hoffen, wären alle gut beraten, nun die notwendigen Reformen beherzt anzupacken, sich des bisherigen, doch beachtlichen Aufbauerfolges Ost zu erfreuen und so schwer es auch fällt, das Tal der Tränen im Westen wie im Osten gemeinsam mutig zu durchschreiten. Amerika und das Inselreich haben dazu knapp 10 Jahre gebraucht. Das ist weniger Zeit, als die Förderung des Ostens noch andauern soll. Haben wir Vertrauen und Zuversicht in unsere eigene Leistungsfähigkeit. Fangen wir am besten noch heute an.

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gurken oder Florena-Creme gehörten nicht mehr zu den Rennern. Fast alle aus dem Westen gekommenen Transfers flossen so in die alten Bundesländer zurück Jedoch damit nicht genug. Um die Strukturen im Westen komplett zu konservieren und um sich vor Reformen zu schützen, mussten natürlich ausländische Wettbewerber möglichst vom neuen Markt Ost ausgeschlossen werden. Die Verkaufsstrategie der Treuhand war dahingehend vielfach ein williger Erfüllungsgehilfe. Motto: Westkonzern kauft Ost-VEB für eine DM und schließt dann den potenziellen Wettbewerber möglichst geräuschlos. Innovationen, Patente und Vertriebskarteien wurden kassiert, wenige Höchstqualifizierte verschwanden in den Laboren der Mutterunternehmen. Ausländische Interessenten, die für mehr Wettbewerb und damit für Strukturveränderungen auch in Deutschland gesorgt hätten, wurden bei den Verkäufen in aller Regel benachteiligt. Der Osten ist nur insofern „Schuld“ an dem wirtschaftlichen Dilemma der Gesamt-

Dr. Harald L. Sempf ist persönlicher Referent des Landrates Havelland


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Was lange währt, wird endlich gut

Starke Nerven – wie hier Ariane Hingst

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ier mal sind die Frauen von Turbine Potsdam im Halbfinale des DFB-Pokals gescheitert. In diesem Jahr nun endlich haben sie das Finale in Berlin erreicht. Dort treffen sie im Traumfinale auf den deutschen Serienmeister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt. Das Ziel der Potsdamer Turbinen ist klar: Den sechsten Triumph in Folge der Frankfurterinnen verhindern und damit die Wachablösung im deutschen Frauenfußball einleiten. Seit dem es ein gemeinsames Finale von Männern und Frauen in Berlin gibt, erfreut sich das Spiel der Damen Jahr für Jahr größerer Beliebtheit. In diesem Jahr könnte die Begeisterung noch größer werden, denn nachdem die Nationalmannschaft der Frauen im letzten Jahr Weltmeister und Mannschaft des Jahres in Deutschland wurde, dürfte auch der letzte Skeptiker begriffen haben, dass Frauenfußball durchaus attraktiv ist. Ein besonderer Traum erfüllt sich für den Trainer von Turbine Potsdam, Bernd Schröder. Der Altmeister des ostdeutschen Frauenfußballs, hatte in den letzten Jahren besonders unter den Halbfinalpleiten seiner Mädchen gelitten. Unvergessen bleibt, wie er vor zwei Jahren nach

dem Halbfinale gegen den Hamburger SV von Matthias Platzeck getröstet wurde, als Turbine als Tabellenzweiter und haushoher Favorit gegen den damaligen Vorletzten der Bundesliga verlor. Nach dem Spiel hatte Schröder auch mit sich selbst gehadert, sich dann aber doch fürs weitermachen entschieden. Nach sechs DDR-Meistertiteln und drei Vize-Meisterschaften in der Bundesliga, will er nun endlich beweisen das Fußball aus dem Osten auch im vereinigten Deutschland Spitze sein kann. Dabei ist sich der Meistertrainer durchaus seiner Verantwortung für die Region bewusst. Immer wieder betont er, dass Turbine Potsdam eines der sportlichen Aushängeschilder der Stadt ist. Dass es nun ausgerechnet gegen den Klassenprimus und Erzrivalen aus der Bankenmetropole Franfurt am Main geht, freut alle Beteiligten besonders. Nicht nur dass die beiden derzeit besten deutschen Clubmannschaften aufeinandertreffen, es stehen sich auch zwei Philosophien gegenüber. Der 1. FFC Frankfurt wird vielerorts auch als „Bayern München des Frauenfußballs“ beschrieben. Die von Manager Siggi Dietrich und Trainerin Sabine Staab geformte Mannschaft ist gespickt mit gestandenen Na-

tionalspielerinnen wie Renate Lingohr, Nia Künzer oder der Weltfußballerin des Jahres 2003 Birgit Prinz. Finanziell ist der Club aus Frankfurt durch Sponsoren und auch durch die Erfolge der letzten Jahre in der Lage, seinen Kader immer wieder mit hochkarätigen Spielerinnen aus ganz Deutschland zu verstärken. Turbine setzt da eher auf den eigenen Nachwuchs und auf Spielerinnen aus der Region. Die junge Mannschaft profitiert nicht zuletzt auch vom Olympiastützpunkt und der Sportschule in Potsdam. So hat sich der Verein in den letzten Jahren zu einer der Adressen im Nachwuchsbereich gemausert. Mittlerweile verfügt der TurbineKader auch über Spielerinnen mit einer großen Nationalmannschaftserfahrung. Aus dem Team ragt dabei sicher die Spielführerin der Turbinen Ariane Hingst heraus. Die brandenburgische Sportlerin des Jahres 2003 ist der Kopf des Teams. Auch sie hat die schmerzhaften Niederlagen in den Pokalhalbfinalen der letzten Jahre miterlebt. Doch wer so lange auf den ganz großen Erfolg warten muss, wird alles dafür geben, dass es am Ende ein Happyend gibt. Denn was lange währt, wird endlich gut.

Das Objekt der Begierde Goldschmied und Designer Adolf Kunesch fertigte im Jahr 1994 den neuen Pokal für den Sieger des Frauenfinales um den DFB – Pokal. Der Pott ist 45 cm hoch, wiegt rund drei Kilogramm und hat mit einem Fassungsvermögen von circa vier Litern auch genügend Platz für den Siegerchampagner. Der materielle Wert des Pokals liegt bei 10.000 Euro. Er ist aus Silber gefertigt, mit grünblauen Schmucksteinplatten aus Chrysocoll gefasst und innen feinvergoldet. Auf der Rückseite wird der Name der Gewinner eingraviert. Für die Saison 2003/2004 soll dort der Name 1. FFC Turbine Potsdam stehen.

Impressum potsdamer rundschau Neue Folge Nr. 2 Mai 2004 Redaktion Mike Schubert (viSdP) Telefon: 0331-20139-14 Telefax: 0331-20139-20 Mail: redaktion@potsdamerrundschau.de Verlag Weber Medien GmbH Hebbelstraße 39 14469 Potsdam Telefon: 0331-20139-0 Telefax: 0331-20139-20 Mail: info@weber-medien.de

Turbine-Trainer Bernd Schröder

Die Potsdamer Rundschau wird von Potsdamer Sozialdemokraten gemacht – sie ist aber ausdrücklich kein Organ der Potsdamer SPD.


potsdamer sportrundschau Mai 2004

Traumfinale in Berlin Am 29. Mai 2004 wird um 16.45 Uhr das DFB-Pokalfinale der Frauen, zwischen dem 1.FFC Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt angepfiffen. Über die Chancen der Potsdamerinnen sprachen wir mit Vereinspräsident und Sozialminister Günter Baaske. ? Der 1.FFC Turbine Potsdam hat in diesem Jahr erstmalig das Pokalfinale in Berlin erreicht. Sie sind seit Februar Präsident bei Turbine Potsdam. Was bedeutet dieses Pokalfinale für den Verein und für Sie als Präsident? ! Natürlich freue ich mich ganz besonders, dass die Mannschaft in diesem Jahr erstmalig ins DFBPokalfinale eingezogen ist. Nach vielen vergeblichen Versuchen und teilweise bitteren Niederlagen haben wir uns diese Finalteilnahme auch wirklich verdient. Ich war mit dabei als die Mannschaft beim FFC Brauweiler-Pulheim im Halbfinale mit 3:0 gewonnen hat. Der Mannschaft und besonders unserem Trainer Bernd Schröder konnte man anmerken wie groß der Wunsch war, endlich im Berliner Olympiastadion spielen zu können. ? Jetzt kommt es zum Traumfinale gegen den Klassenprimus FFC Frankfurt. Der deutsche

Meister und Serien-Pokalsieger will auch in diesem Jahr das Trippel, also Meisterschaft, Pokal und UEFA-Pokal gewinnen. Das Team ist gespickt mit aktuellen Nationalspielerinnen und stellt mit Birgit Prinz, die Weltfussballerin des Jahres. Hat Ihr Verein da überhaupt ein Chance? ! Sicher sind die Frankfurterinnen die seit Jahren erfolgreichste Club-Mannschaft in Europa. Trotzdem brauchen wir uns nicht vor ihnen verstecken. Auch Turbine stellt eine Vielzahl von Nationalspielerinnen. Wir sind deutscher Vizemeister und verfügen über eine homogene und ausgeglichen besetzte Mannschaft. Wir werden den Frankfurterinnen in Berlin einen echten Pokalfight liefern. ? Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Vereine in der Meisterschaft hat ihr Team zuhause mit 0:3 verloren. Was lässt Sie

glauben das es diesmal anders herum ausgeht? ! Man sagt ja nicht umsonst, dass Pokalspiele ihre eigenen Gesetzte haben. Wir haben das ja am eigenen Leib schon erlebt. Außerdem könnte Berlin als Austragungsort für uns ein Vorteil sein, da so viele unserer Fans die Möglichkeit haben uns zu unterstützen. Was mit der Unterstützung der Fans alles

möglich ist haben wir ja letztes Jahr beim Saisonfinale in Babelsberg erlebt, als wir im voll besetzten Karli die Frankfurterinnen fast geschlagen haben. Ich glaube diesmal wird es für uns reichen. ? Wir wünschen Ihnen und Ihrer Mannschaft alles Gute für das Finale und für den Rest der Meisterschaft.

Pokalfinale in Potsdam! Samstag, 29. Mai, ab 16 Uhr, Waldschloß, Stahnsdorfer Straße 100

Fernsehübertragung auf Großleinwand mit Getränken und Bratwurst Landtagskandidatin Klara Geywitz spendiert zwei Fässer Freibier!

Potsdamer Rundschau, Ausgabe Mai 2004  

Sozialdemokratische Zeitung für die Landeshauptstadt Potsdam.

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