„Hände weg von Langtaufers!“

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Zeugen des Volksglaubens

Kortsch bekommt neuen „Musitempl“ Siegerprojekt ist ermittelt. Neubau kostet rund 1,5 Mio. Euro.

Raika-Obmann Johann Spechtenhauser überreicht Gertraud Tappeiner den ersten Kalender. LAAS - Der 36. Kalender der Raiffeisenkasse Laas ist den Kapellen und Bildstöcken im Gemeindegebiet von Laas gewidmet. Hatte man am Anfang noch Zweifel, ob man damit wohl alle Monatsblätter füllen kann, so kam es alsbald eher zu einer Platznot. Nicht weniger als 32 Kapellen und Bildstöcke hat Gertraud Tappeiner, die Gestalterin des Kalenders 2020, erfasst. Sie recherchierte zur Geschichte und Entstehung dieser „Zeugen des Volksglaubens“, trug Dokumente und Fotos zusammen und verfasste die Texte für den Kalender. Wie Gertraud Tappeiner bei der gut besuchten Vorstellung des Kalenders am 16. Dezember am Sitz der Raika ausführte, soll der Erhalt der Kapellen und Bildstöcke einerseits als Verpflichtung den Vorfahren gegenüber empfunden werden, und andererseits soll der Kalender auch als Anregung dafür dienen, jene religiösen Kulturgüter zu renovieren, an denen der Zahn der Zeit zum Teil arg genagt hat. Der Raika-Obmann Johann Spechtenhauser dankte Gertraud Tappeiner für ihre Arbeit. Musikalisch umrahmt hat die Vorstellung der SEPP Eyrser Viergesang.

Neben anderen Kapellen und Bildstöcken bedürfte auch das Kirchlein St. Martin dringend einer Renovierung.

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DER VINSCHGER 44/19

Die Nordansicht des neuen „Musitempls“ in Kortsch, der nach den Plänen des Architekten Leo Gurschler und seiner Mitarbeiter errichtet wird. KORTSCH - Dass eine Musikkapel-

le ein eigenes Gebäude besitzt, ist landesweit höchst selten. In Kortsch trifft das zu, denn die dortige Musikkapelle nennt den „Musitempl“ sein eigen. Zumal das Gebäude in die Jahre gekommen ist, hat die Gemeindeverwaltung schon vor einiger Zeit einen Neubau ins Auge gefasst. Federführend begleitet hat das Vorhaben sowie den Architekturwettbewerb für die Errichtung des neuen „Musitempls“ der Vizebürgermeister Reinhard Schwalt. Am 13. Dezember tagte die Wettbewerbskommission und wählte das Siegerprojekt aus. Wie Bürgermeister Dieter Pinggera bei der anschließenden Vorstellung der Projekte im „Musitempl“ ausführte, waren 17 Architektinnen und Architektinnen, die in Schlanders arbeiten oder aus Schlanders stammen, zur Teilnahme eingeladen worden. 9 Projekte wurden abgegeben. Der Koordinator des Wettbewerbs, Architekt Hansjörg Plattner, sprach von „spannenden und tollen Projekten.“ Zu den Vorgaben gehörten die Planung zweier größerer Räume (Probelokal und Aufenthaltsraum), eine bestmögliche Einbindung des Neubaus in das Landschaftsbild

sowie der Erhalt der derzeitigen Holzdecke als Erinnerungselement im neu zu bauenden Gebäude. Erhalten bleibt übrigens auch der Name „Musitempl“. Die drei erstgereihten Projekte wurden im Beisein vieler Mitglieder der Musikapelle und weiterer Interessierter von den Einbringern vorgestellt. Die Architektin Ruth Pinzger (3. Preis) und der Architekt Stephan Marx (2. Preis) stimmten u.a. darin überein, dass es gut und richtig sei, Wettbewerbe dieser Art zu organisieren. Auf das Landschaftsbild, speziell auch auf den Erhalt hochstämmiger Kastanienbäume in der unmittelbaren Umgebung des „Musitempls“, wird auch im Siegerprojekt, das zur Umsetzung kommen wird, großer Wert gelegt. Das Siegerprojekt stammt von Architekt Leo Gurschler, der es zusammen mit seinen Architekten-Kollegen Michael Reichegger, Daniele Capra und Paolo Capra erstellt hat. Das Untergeschoss wurde als Betonbau entworfen, der außen mit weißem Kalk grob verputzt wird. Der daraufgesetzte Leichtbau wird in Holz ausgeführt. Das Flachdach wird als Gründach ausgebildet. Die straßenseitig angebrachte Schutzmauer wird als

In den Bildern (v.l.): Architekt Stephan Marx (2. Preis), Architektin Ruth Pinzger (3. Preis) und Architekt Leo Gurschler (1. Preis).

Sichtsteinmauerwerk errichtet. Im Untergeschoss entsteht u.a. der Proberaum, im Obergeschoss der Aufenthaltsraum mit Küche und Bar. Im hinteren Bereich des Obergeschosses sind der Sitzungssaal, das Trachtenarchiv und die sanitären Anlagen vorgesehen. Der Eingangsbereich bildet zugleich eine großzügige, überdachte Terrasse, die auch direkt vom Aufenthaltsraum aus zugänglich ist. Die zwei markanten Bäume im Umkreis des „Musitempls“, der seit jeher auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt in Kortsch ist, bleiben erhalten. Mit dem Beginn des Neubaus ist laut dem Bürgermeister im Herbst 2020 bzw. im Frühjahr 2021 zu rechnen. Die Gesamtkosten (Bau und Einrichtung) bezifferte Reinhard Schwalt dem der Vinschger gegenüber mit rund 1,5 Millionen Euro. Schwalt freut sich, dass es während seiner Amtszeit gelungen ist, drei Architekturwettbewerbe auf den Weg zu bringen: Feuerwehrhalle Vetzan, Nutzung des Lahn-Areals in Kortsch und jetzt „Musitempl.“ Der Wettbewerb für den „Musitempl“ bringe laut dem Bürgermeister einen Mehrwert, der weit über die Wettbewerbskosten von rund 10.000 Euro hinausgehe. Mitglieder der Kommission waren übrigens Johann Vonmetz, der Präsident der Kammer der Architekten, Architekt Ulrich Weger, Dieter Pinggera und Reinhard Schwalt, Kapellmeister Stefan Rechenmacher und Obfrau-Stellvertreter Georg Gemassmer, der das Vorhaben nun als Baukomitee-Obmann federführend betreuen und SEPP begleiten wird.

Der Wettbewerbs-Koordinator Hansjörg Plattner (rechts) sprach von „spannenden und tollen Projekten“.