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EXOTISCH


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Fertig sind wir nicht Liebe Freunde der Südwestdeutschen Philharmonie, liebe Leserinnen und Leser, Exzellenz, einmal wörtlich, bedeutet »hervorragend« oder »vortrefflich«. In dieser Takt-Ausgabe finden Sie wieder an einigen Stellen das Logo der Bundesbeauftragten für Kultur. Dies ist der bekannten Tatsache geschuldet, dass bis Ende 2019 Ihre Konstanzer Philharmonie eine Förderung im Rahmen des Programms »Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland« erhält. Schon die etymologische Bedeutung des Wortes schließt aus, dass jeder exzellent sein kann. Doch was lässt uns hier am Bodensee hervorragen, was führte 2017 zur Jury-Entscheidung, dass wir die maximal mögliche Fördersumme zugesprochen bekommen haben? Um dies zu verstehen, sollten wir einen Ausflug in die Management-Lehre machen. Tom Peters veröffentlichte vor mehr als dreißig Jahren zusammen mit Robert Waterman ein bis heute einflussreiches Buch: In Search of Excellence (Auf der Suche nach Spitzenleistung). Darin werden Merkmale vortrefflicher Unternehmen beschrieben, ohne ausschließlich und vordergründig monetär zu denken: Nähe zum Kunden, klare und überzeugende Organisationswerte, Fokus auf eigene Stärken und eine gute Balance verschiedener Perspektiven. Wir haben uns um die Bundesförderung beworben, weil Exzellenz für uns Qualität bedeutet und sie Chancen eröffnet. Im Zentrum sehen wir die Herausforderung, ein moderner und nachhaltiger Orchesterbetrieb zu sein, der die wichtigen Themen der Zeit reflektiert, der sich mit der Region auseinandersetzt, der auf seine Stärken setzt und die Menschen einbezieht. Konkret heißt das, dass wir in den letzten fünf Jahren unter Leitung von Beat Fehlmann, das Konstanzer Modell erarbeitet haben. Wir haben uns kritisch hinterfragt:

Was unterscheidet uns von einem Musical-Orchester? Was ist die Rechtfertigung für die öffentliche Finanzierung unseres Betriebs? EDITORIAL Was müssen wir tun, um gesellschaftlich relevant zu sein? Was ROUVEN SCHÖLL sind unsere Kernkompetenzen? Welche Arbeitsbedingungen brauchen unsere Musiker, um qualitativ arbeiten zu können? Die Förderung ist nicht in erster Linie eine Auszeichnung für das bisher Geleistete. Die Förderung ist der Auftrag, sich auch künftig mit diesen Fragen zu beschäftigen. Die Förderung ist der Auftrag, das Konstanzer Modell, das in unserer Fachwelt mittlerweile bundesweit Beachtung findet, weiter zu verfolgen. Die Förderleistung des Bundes ist verbunden mit dem Ziel, unsere Erkenntnisse anderen zur Verfügung zu stellen und gemeinsam zu diskutieren. Nein, fertig sind wir nicht. Nein, wir sind noch nicht exzellent, wir haben aber das Fundament dafür. Um zu Tom Peters zurückzukehren: »Exzellenz beginnt mit einem klaren Ziel.« Dies haben wir: Wir wollen eine Kultureinrichtung sein, die Sie auch noch in 20 Jahren begeistert. Wir wollen durch unser tun auch im 21. Jahrhundert Werte schaffen. Und an diesem Ziel wollen wir gemessen und auch politisch diskutiert werden. In diesem Magazin möchte ich Ihnen besonders die Seiten 6 und 7 ans Herz legen, das Exzellenz-Projekt Daheim – eine Odyssee wird Sie hoffentlich neugierig machen. Ich wünsche Ihnen darüber hinaus in den nächsten Monaten viele hervorragende Konzerterlebnisse mit Ihrer Südwestdeutschen Philharmonie. Herzlichst Ihr Rouven Schöll

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DIE KONZERTE 8  EXOTISCH Claude Debussy war nicht nur ein Komponist  14  GENIAL II NORDEN und GENIAL III OSTEN Es gibt viel zu entdecken abseits der breit ausgetretenen Pfade  15  DER ALLERKLEINSTE TANNENBAUM Einsam und traurig steht der kleine Tannenbaum im Wald  16  MUSIC FOR CHRISTMAS NIGHTS UNLIMITED I In der Fortsetzung der Reihe Unlimited gehen wir weiter den Weg  20  HEROISCH Heroisch also. Schon allein die Tatsache, wie schwer uns dieses Wort heute über die Lippen geht  23  HIGH NOON Die Musikerinnen und Musiker des Sonemus Trio fanden während des alljährlichen Festivals  24  NEUJAHRSKONZERT Im Jahr 2018 war die Südwestdeutsche Philharmonie erneut einer der zentralen Orte  29  WALZERSCHRITT UND POLKAHIT Bei diesem

Konzert dreht sich alles um die schwungvolle Musik  30  FREMDE UND FREUNDE UNLIMITED II Wenn sich eine russische Diva, ein intellektueller Pop- und Chansonkünstler und ein hingebungsvoller Schlagersänger musikalisch begegnen  32  FORTSCHRITTLICH Eine kleine Melodie, zuerst gespielt von der Solo-Oboe  36  ENGELHAFT Beppes Musik ist die Musik eines hochbegabten Autodidakten  40  STRUKTUREN I Wer sich unglücklich in eine Violinistin verliebt  42  WOLFGANG AM SEE I GALANT An Christoph Eß kann man sehen, wie weit man es mit Märchen bringen kann  44  WOLFGANG AM SEE II VERSPIELT Heute hätte Wolfgang Amadeus Mozart wahrscheinlich einen Youtube-Kanal  46  WOLFGANG AM SEE III GESCHENKT Berühmter Mann und mein teuerster Freund, nimm hier meine Kinder  49  MAX UND MORITZ  Kennst du die Geschichte von Max und Moritz  50  RISING

STARS Zwei große symphonische Werke der Romantik stehen auf dem Programm

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Do 07.02. 20 Uhr | Veranstaltungssaal

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DANIEL HELFRICH: BEST OF – KLAVIERKABARETT PACO ERHARD: HALLODRI FÜR EUROPA

Sa 09.02. 20 Uhr | Veranstaltungssaal THE SEESISTERS AND BROTHERS Eine Reise in die legendäre Swing-Ära der Andrew Sisters, der Eleganz und des Hollywood-Glamours der 1920er/30er Jahre

Fr 15.03. 19 Uhr | Torkelhalle Empfang Soroptimist International

20 Uhr | Veranstaltungssaal FRAUEN AN DIE MACHT! – EDITION 2020 MusikComedyTheater – scharfzüngig, musikalisch, witzig Theater Sturmvogel In Kooperation mit Soroptimist International Club Friedrichshafen, Club Konstanz, Club Ravensburg und Club Überlingen Weitere Informationen unter: www.vineum-bodensee.de Eine Veranstaltungsreihe der Stadt Meersburg Abteilung Kultur & Museum


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WOLFGANG AM SEE

Mozart pur Das vierte Mal Wolfang am See im Februar 2019 ist gleichzeitig das letzte Mal. Wie kam es überhaupt dazu? Warum so viel Mozart pur in nicht nur einem, sondern sogar in drei Konzerten zusammengefasst in einem Mini-Festival? Und das vier Jahre lang? Beat Fehlmann hatte 2016 die Reihe eingeführt und das aus gutem Grund: »Kaum ein Komponist hat ein so breites und vor allem vielfältiges Werk hinterlassen«, erläutert er. »Ich denke, es ist enorm wichtig für ein Orchester, Mozart zu spielen, denn die Musik stellt einen Meilenstein dar. Sie ist auf der einen Seite so transparent, hat aber auf der anderen Seite so viel Tiefe. Das beides gut und überzeugend darstellen zu können, ist eine große Schwierigkeit und braucht eine hohe Konzentration von allen.«

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Sich als Orchester mit der Musik dieses außergewöhnlichen Komponisten zu befassen, hat zahlreiche Reize, weshalb sich Fehlmann für eine Mozart-Reihe entschied. Wie oben beschrieben, ist Konzentration wichtig, weil »es nicht nur um das präzise spielen in den Noten, sondern auch im Ausdruck geht. Es ist nicht nur das mathematisch genaue, sondern auch der Affekt. Diese Komplexität abzubilden, braucht Zeit und hat einen großen Reiz. Darum finde ich, dass man nicht genug davon bekommen kann.« Diesen Worten Beat Fehlmanns folgend freuen wir uns auf ein letztes Mal Mozart pur und wünschen Ihnen und uns hohen Genuss bei Wolfgang am See! Ab 2020 erwartet Sie ein neues Festival. Wir bleiben dabei, uns inhaltlich intensiv mit einer Epoche zu befassen. Unsere künftige Intendantin ist schon mitten im konzipieren und planen. Seien Sie gespannt, wir halten Sie auf dem Laufenden! CB


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DAHEIM – EINE ODYSSEE IST GESTARTET. WIR SIND UNTERWEGS!

WAS BISHER GESCHAH Anfang Oktober … arbeitet ein großer Teil des Kollegiums der Geschwister-Scholl-Schule einen gesamten Arbeitstag an Daheim – eine Odyssee. Über 30 Lehrkräfte – mit Gesamtelternvertreter und zwei weiteren Kolleginnen der Haidelmoos-Schule sowie einer Kollegin, die sich eigentlich im Sabbatjahr befindet, unserer Odyssee jedoch nicht widerstehen kann und will – bilden das innerschulische Projekt-Team. Mit dabei in diesem Kreis sind weiterhin die Musikvermittlungskollegin aus der Philharmonie, der Konstanzer Kulturagent Michael J. Müller, unser Flötist als Ansprechpartner für Video, und wir werden weiterhin täglich mehr. Wir beschäftigen uns mit dem Daheim in seiner Bedeutung für jeden Einzelnen und wie man das in einem Kunstwerk umsetzen und präsentieren kann. Das macht eindeutig Lust auf mehr und wir sind sehr gespannt, was bei der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern bis zum Sommer 2019 entsteht.

Ende November … sind wir kurz vor der Entscheidung: Wo führen wir unser Daheim-Projekt auf? Wir bauen uns ein Lustschloss, also ein temporäres Konzerthaus. Dies ist möglich dank der Exzellenz-Förderung des Bundes. Aber wie groß kann es sein und wo steht es perfekt? Messen, planen, schieben… wir halten Sie auf dem Laufenden!


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DER PROJEKTCHOR LEITUNG STEFFEN SCHREYER trifft sich zum ersten Mal am Mittwoch, den 9. Januar 2019 um 18 Uhr im Studio der Philharmonie am Fischmarkt.

DIE TANZ/BEWEGUNGSGRUPPE LEITUNG ELKE SCHELLER trifft sich zum ersten Mal am Montag, den 7. Januar 2019 um 18 Uhr im Studio der Philharmonie am Fischmarkt. Wer noch dabei sein möchte, ist zu diesen ersten Treffen herzlich eingeladen!

Mitte Oktober …

Schüler bereits mit dem Projekt in Berüh-

stellen wir das Projekt erstmals der

rung gekommen. Egal, ob bei szenischen

Öffentlichkeit vor. Interessierte Men-

Übungen, der assoziativen Herange-

schen aus der gesamten Stadt sind dabei

hensweise mit Ton oder Gesprächen zu

und wir berichten über die vielfältigen

Daheim in seiner Bedeutung für jeden

Möglichkeiten, dabei zu sein: auf und

Beteiligten – jeder findet seinen Platz.

neben der Bühne. Ein Projektchor und

Anfang November …

eine Tanzgruppe entstehen. Neben der

präsentieren wir unser schönes Vorha-

Bühne melden sich interessierte Be-

ben auch dem Gesamtelternbeirat der

wohner unserer Stadt zur Beteiligung

Schule. Wir möchten die Eltern darüber

beim Nähen, Organisieren bis hin dazu,

informieren, womit sich ihre Kinder bis

dass eine Besucherin der Veranstaltung

zum Sommer 2019 in der Schule neben

unserer Regisseurin ein Bett zum Über-

dem regulären Unterricht befassen.

nachten anbietet.

Darüber hinaus freuen wir uns hier über

In der Folge …

viele engagierte und interessierte zu-

erscheint Daheim – eine Odyssee in

künftige Teilnehmer, die sich auf unter-

diversen Medien der Stadt. Diese ver-

schiedlichste Weise nun einbringen. Ob

öffentlichen unsere Einladung, dabei zu

im Chor, bei den Kostümen oder anderen

sein! Bis Ende November haben wir uns

Bereichen, an denen wir im Projekt

über die Anmeldungen vieler Interes-

arbeiten.

sierter gefreut und nun befinden wir uns in den Vorbereitungen, im Januar mit

Wir sind nun mit allen Kräften an der Vor-

den Proben loszulegen.

bereitung für die Probenphase ab Januar

Seit Oktober …

und halten Sie an dieser Stelle auch in

arbeitet unsere Regisseurin in eini-

den kommenden TAKT-Magazinen auf

gen Theatergruppen der Geschwis-

dem Laufenden.

ter-Scholl-Schule, gemeinsam mit den Lehrkräften vor Ort. So sind die ersten

KURZ ZUSAMMENGEFASST THEMA Daheim – eine Odyssee: eine Reise mit allen Irrungen und Wirrungen rund um die Suche nach dem Zuhause. ZEITRAUM Proben von Januar bis Juni 2019, Endprobenwoche ab dem 1. Juli 2019, Aufführungen am 4. und 5. Juli 2019 BETEILIGTE Bewohner/innen der Stadt Konstanz, Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz. Nun ist unser Team mittlerweile gewachsen und setzt sich zum jetzigen Zeitpunkt (Ende November 2018) wie folgt zusammen: SILKE SCHUMACHER-LANGE Künstlerische Leitung CORINNA BRUGGAIER Projektleitung ELIAS GRANDY Musikalische Leitung CHRISTIN BOKELMANN Kostümdesign LIN MARY BUSSE Assistenz Kostümdesign LEA DIETRICH Bühnenbild LAURA ALBRECHT Regieassistenz MANUELA BREUCKER Projektassistenz ILJA MESS Projektfotograf KATRIN DODENHOF Ehrenamtliche Unterstützung OLIVER WNUK Schauspieler ELKE SCHELLER Tanz/offene Gruppe & Choreographie TANJA JÄCKEL (und Co) Tanz/Schule STEFFEN SCHREYER Projektchor SANDRA SCHÜSSLER Tamala Clown Akademie Clownerie und Workshops MAGDALENE SCHAEFER Theater/Figuren JONAS PÄTZOLD UND GEORG MELICH Theater JENNY HAAS AG zum Kostümthema und Zuarbeit Kostüm MAYA DA SILVA whitebox, Grafik und Workshops MICHAEL J. MÜLLER Kulturagent/Beratung PROJEKTTEAM DER GSS Kollegium, Elternbeirat HAIDELMOOSSCHULE Chorleiterinnen SUSANNE SCHLEGEL-CREUTZBURG Musikvermittlung Philharmonie EKKEHARD CREUTZBURG Ansprechpartner Video Philharmonie SEBASTIAN KOPITZKI Projektkoch SÜDWESTDEUTSCHE PHILHARMONIE KONSTANZ Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.


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P HI L H A RMONISCHES KONZERT Freitag, 7. Dezember 2018  // 19.30 Uhr  // Konzil Konstanz  // Abo B Sonntag, 9. Dezember 2018  // 18 Uhr  // Konzil Konstanz  // Abo E Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn im Studio der Philharmonie. Konzertdauer: ca. 120 min. Karten: 52 ∙ 41 · 30 · 19 Euro  ·  Inklusive kostenlose Busbenutzung zu den Konzerten.

Exotisch Carl Nielsen 1865 – 1931

Aladdin Suite op. 34 Orientalischer Festmarsch Aladdins Traum und Tanz des Morgennebels Hindu-Tanz Chinesischer Tanz Der Marktplatz in Ispahan Tanz der Gefangenen Negertanz Edvard Grieg 1843 – 1907

Klavierkonzert a-Moll op. 16 Allegro molto moderato Adagio Allegro moderato molto e marcato Pau se Erkki Melartin 1875 – 1937

Symphonie Nr. 5 a-Moll op. 90 »Sinfonia brevis« Moderato Andante Intermezzo: Allegro moderato Finale

Anika Vavić KLAVIER Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Echter Goldesel Claude Debussy war nicht nur ein Komponist von ganz eigenen Gnaden, sondern auch unter seinem nom de guerre »Monsieur Croche antidilettante« ein äußerst gewitzter und ebenso scharfzüngiger wie scharfsinniger Musik(psycho)analytiker und -kritiker. Zur Höchstform lief er verlässlich auf, wenn er im Konzert auf die Musik seines 20 Jahre älteren Kollegen Edvard Grieg (1843 – 1907) stieß. Kein Wunder also, dass wir Debussy eine der empfindsamsten und plastischsten Darstellungen der Griegschen Physiognomie verdanken. Debussy weiß weit mehr zu vermitteln als dies die ätherischen Konterfeis des alternden Grieg vermögen, auf denen er als Archetypus des romantischen Künstlers mit einem Heiligenschein aus weißen Haaren (und dem typischen Blick eines Althippies mit Immobilienbesitz) verklärt wird. Debussys Herz bumpert vielmehr beim Anblick des äußerst erfolgreichen Kollegen, als dieser 1903 als Dirigent eigener Werke vor ein Pariser Orchester tritt: »Endlich war es soweit! Ich konnte Grieg sehen … Von vorn sieht er aus wie ein bedeutender Photograph, von hinten ähnelt er mit seiner Haartracht den Sonnenblumen, die die Papageien so gern haben, und die die Gärten der kleinen Provinzbahnhöfe zieren.« Grieg gilt zwar als der norwegische Nationalkomponist schlechthin, seine musikalischen Wurzeln aber liegen vor allem in Deutschland. Seine Mutter, die sich seiner musikalischen Erziehung früh und mit einer gewissen Konsequenz annahm, war eine Schülerin von Albert Methfessel, dem wirkungsmächtigen deutschen Komponisten, einem Bekannten Goethes und Schillers. Methfessel, bewundert und gepriesen unter anderen von Heinrich Heine, der sein Lob in die Welt trug, hat sich unsterblichen Ruhm mit dem »Allgemeinen Commers- und Liederbuch« und seinem sonstigen Chor- und Liedschaffen erworben.


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Grieg selbst studierte als junger Mann in Leipzig, das ihm als Hort der musikalischen Drögnis erschien, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Moritz Hauptmann zählte für ihn zu den wenigen Lichtgestalten; Hauptmann war ein Busenfreund Spohrs, sah Musik mit einem an der Hegelschen Dialektik geschärften Blick und war als Thomaskantor einer der Nachfolger Bachs. »Ich sehe ihn noch vor mir,« erinnert sich Grieg Jahrzehnte später, »wie er auf seinem Sofa sitzt, im Schlafrock und Käppchen, mit einem großen seidenen Tuch in der Hand, seine bebrillten Augen tief in mein Aufgabenbuch versenkt, dessen Blätter mehr als einen Tropfen aus seiner Schnupftabaknase aufgenommen haben.« Griegs Leipziger Klavierprofessor Ignaz Moscheles hingegen, persönlicher Freund Beethovens und einer der ganz großen Pianisten und Klavierlehrer seiner Zeit, empfahl seinen Schülern, »spielen Sie fleißig die alten Meister, Mozart, Beethoven, Haydn – und mich.« Was Grieg Ende der 1850er Jahre in Leipzig kennenlernte, war ein internationales Pandämonium – so viel hat sich also an den deutschen Musikhochschulen in den letzten 150 Jahren nicht geändert bis auf den regen Zustrom aus Asien. So saß Grieg denn eines Tages mit seinem später so erfolgreichen englischen Studienkollegen Arthur Sullivan in einer Aufführung des »Paulus« von Mendelssohn. Sullivan hatte zum Mitlesen eine Partitur des Werks mitgebracht – und die erwies sich als das Manuskript von Mendelssohn. Kurzum, »die Atmosphäre von Leipzig war ein Schleier vor meinen Augen«, wie Grieg noch lange, nachdem er das dortige Konservatorium 1862 verlassen hatte, konstatierte. Grieg musste nach seinem Studium nicht lange auf seinen internationalen Erfolg warten, denn der trat nur wenige Jahre später mit dem Klavierkonzert op. 16 ein. Am 3. April 1869 wurde es in Kopenhagen aus der Taufe gehoben, und das konzertante Fußvolk applaudierte ebenso heftig wie der Komponist Niels Gade und der zufällig anwesende russische Großpianist Anton Rubinstein, der mit einem eigenen Konzertflügel unterwegs war, den er für diesen Abend großzügig zur Verfügung stellte. Auch Franz Liszt

äußerte sich von seinem Olymp herab mehrfach lobend, und kritische Stimmen wie die von Hugo Wolf blieben rar (»gut genug, Brillenschlangen in Träume zu lullen oder rhythmische Gefühle in abzurichtenden Bären zu erwecken«). Who the fuck is Hugo Wolf, mag sich Grieg gedacht haben – und unternahm zeitlebens immer wieder höchst erfolgreiche Konzertreisen mit dem Stück, in dem er bis Ende der achtziger Jahre auch als Solist auftrat. Eines der letzten Konzerte, das der mit Grieg befreundete, bereits todkranke Brahms vor seinem Tod besuchte, endete mit diesem Klavierkonzert, in dem der unvergleichliche Ferruccio Busoni als Solist auftrat. Kurzum, das a-Moll-Konzert erwies sich von Anfang an als echter Goldesel und Türöffner.

***

Althippie mit Immobilienbesitz *** Vor Debussys Augen allerdings, der 1903 in Paris innerhalb von fünf Wochen gleich zwei unterschiedlich besetzte Aufführungen besprach, die zweite davon unter dem höchst eigenhändigen Dirigat Griegs, fand das Opus keine Gnade. »Ist Ihnen schon aufgefallen, wie unerträglich die Nordländer werden, wenn sie Südländer sein wollen? Das Finale dieses Konzerts bietet dafür ein erstaunliches Beispiel. Das Klavier ›dudelt daher‹, wenn ich so sagen darf, als wär’s ein italienischer Straßenmusikant, und das Orchester sekundiert ihm mit wilder und ausschweifender Farbigkeit, so dass man glauben könnte, man käme nicht ohne einen ordentlichen Sonnenstich davon.« Er attestierte der Klaviersolistin viel Talent, »mehr als Grieg, der das Recht, Norweger zu sein, ein wenig missbraucht«. Das Konzert im April 1903 war übrigens Griegs erster Auftritt in Paris seit 1899. Grieg hatte sich damals in einer


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Anika Vavić, in Belgrad geboren,

öffentlichen Erklärung wegen der Dreyfus-Affäre – eines antisemitisch aufgeheizten Justiz- und Militärskandals – »schroff« und mit »seiner ganzen skandinavischen Verachtung« geweigert, seinen Fuß »in ein Land zu setzen, das sich so schlecht auf die Freiheit versteht«. Daher begann dieser Konzertabend mit einem Pfeifkonzert, und Debussy bekam von der Ouvertüre nach eigenem Bekunden deshalb nichts mit, weil er mit der Polizei verhandelte, die gegen die Anti-Grieg-Proteste im Saal vorging und eine Gruppe von Menschen »an die frische Luft des Seine-Ufers setzte«. Man sieht, die Zeiten wiederholen sich. »Die im Dunkeln sieht man nicht«, hatte Brecht treffend konstatiert, und das gilt für viele finnische KomponistInnen. Im langen Schatten der Cashcow Sibelius (1865 – 1957), des schlechthinniglichen Übervaters der finnischen Musik, erkennt man von Mitteleuropa aus viele andere Lichtgestalten in dem spärlich besiedelten und dicht bewaldeten Land nur schwer.

***

Die im Dunkeln sieht man nicht *** So ist es denn das Verdienst von Ari Rasilainen, immer wieder einmal skandinavische Kostbarkeiten aus dem Dunkel der Musikgeschichte ins konzertante Licht des Konstanzer Konzils zu zerren. Erkki Melartin (1875 – 1937) zählt zu diesen Meistern, und seine 5. Symphonie ist trotz ihres Beinamens »Sinfonia brevis« (»Kurze Symphonie«) ein vollgültiges Werk mit etwa derselben Spieldauer wie die 5. von Beethoven. Sie wurde im Januar 1916 uraufgeführt und ihr Schlusssatz, an dem Melartin bereits seit 1908 gearbeitet hatte, ist ein wahrer Ohrenschmaus für alle, die von Bach und den Klanggewittern, die dieser gelegentlich auf der Orgel veranstaltet hat, nicht genug bekommen können.

übersiedelte im Alter von 16 Jahren nach Wien, wo sie bei Noel Flores an der Universität für Musik und darstellende Kunst studierte. Wichtige Impulse bekam sie u. a. durch Elisabeth Leonskaja, Lazar Berman, Oleg Maisenberg, Alexander Satz und Mstislaw Rostropowitsch. Die Gewinnerin des Zweiten SteinwayWettbewerbs in Wien und des Sonderpreises für die beste Haydn-Interpretation war Stipendiatin des Herbert-von-Karajan-Centrums in Wien und der Gottfriedvon-Einem-Stiftung. 2002 verlieh ihr das Land Österreich den Frauen.Kunst.Preis in der Sparte Musik. Zu Anika Vavićs Repertoire gehören auch Werke der zeitgenössischen Musik z. B. das ihr zugeeignete Klavierkonzert des chinesisch-österreichischen Komponisten Shih Requiem für Klavier, Streicher und Membranophon und sein Klavierquintett. 2005 übernahm die Pianistin den Solopart in der Uraufführung von Johannes Maria Stauds Peras. Musik für Klavier beim Klavierfestival Ruhr. Darüber hinaus zählen Leonard Bernstein, Kalevi Aho, Vlastimir Trajkovic, Galina Ustwolskaja, Gia Kancheli, Henryk Gorecki und vor allem Rodion Schtschedrin zu ihren bevorzugten zeitgenössischen Komponisten.

Melartins dänischer Zeitgenosse Carl Nielsen (1865 – 1931) hatte es beim Publikum erheblich leichter: Sein Klarinettenkonzert wurde sogar von Benny Goodman eingespielt, der zwar als »King of Swing« in Erinnerung geblieben ist, aber immer wieder auch klassisches Repertoire von Mozart bis Bartók aufführte oder gar in Auftrag gab. Nielsen ist heute vor allem als Symphoniker ganz eigener Prägung bekannt und auf dem Klassik-Markt mit zahlreichen Einspielungen vertreten. Seine Aladdin-Suite entstand aus einer Schauspielmusik, die er 1918/19 zu einem Bühnenstück des dänischen Nationaldichters Adam Oehlenschläger verfasst hatte, das bereits 1815 in Wien uraufgeführt worden war. Nielsen zog gekonnt alle Register, um eine möglichst exotische Atmosphäre für die märchenhafte Handlung heraufzubeschwören, hatte aber in der Realität ziemliches Pech: Es gab bei der Uraufführung der Neuinszenierung zu wenig Platz für das Orchester. Es musste daher die meiste Zeit unter einer Treppe stehen, weshalb die Musik zu des Komponisten ehrlicher Empörung ziemlich unterging. Harald Borges


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… Aufrufe hat das Youtube-Video von Martin Stadtfeld aus dem Oktober 2017. In wunderschönen Worten und Tönen legt er uns seine Sicht auf das erste Klavierkonzert von Frédéric Chopin dar. Diese Mischung aus Musik-­Videos unseres Orchesters, Kammer-Ensembles oder einzelner Musiker und Interviews mit Orchester-Kollegen oder Gästen (Solisten und Dirigenten) ist Inhalt unseres Kanals. Wir möchten Sie auf diese Weise teilhaben lassen an dem, was uns bewegt, woran wir arbeiten, was wir präsentieren und wer die Menschen sind, die bei und mit uns Konzerte gestalten. Seien Sie auch dabei und abonnieren Sie uns! Dann verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr rund um Videoaktivitäten der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz.

Hier tauchen Sie noch einmal ein in Chopins 1. Klavierkonzert mit Martin Stadtfeld

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(v-l-n-r) Der scheidende Vorsitzende Wolfgang Müller-Fehrenbach neben Corinna Bruggaier (Schriftführerin), Prof. Dr. Heike Rawitzer (2. Vorsitzende) und Rouven Schöll (1. Vorsitzender)

Generationsübergreifend! Im Freundeskreis Philharmonie e.V. übernimmt ein neuer Vorstand. Wolfgang Müller-Fehrenbach verabschiedet sich nach zwanzig Jahren als Vorsitzender in den Ruhestand. Es ist tatsächlich geschehen! Was sich schon bei der Mitgliederversammlung 2017 ankündigte, haben wir nun wirklich umgesetzt. Aber der Reihe nach: Wolfgang Müller-Fehrenbach und weitere Vorstands- und Beiratsmitglieder wünschten sich eine baldige Nachfolgeregelung oder standen nach langjähriger Mitarbeit nicht mehr zur Verfügung. Diesem Wunsch entsprechend gab sich der Freundeskreis einen Handlungsauftrag: »Bis zur Mitgliederversammlung 2018 werden die verschiedenen Aufgaben und Positionen neu organisiert. Weitere Personen werden gesucht. Der Mitgliederversammlung 2018 werden entsprechende Wahlvorschläge unterbreitet.« Wolfgang Müller-Fehrenbach eröffnete am Freitag, den 9. November also seine letzte Mitgliederversammlung als Vorsitzender. Nach 20 Jahren Vorsitz des Freundeskreises und noch vielen mehr als engagierter Unterstützer des Orchesters, verabschiedet er sich nun in den Ruhestand. Nein, nicht ganz. Im neu gewählten Beirat mit Thomas Adam (Schulleiter Geschwister-Scholl-Schule Konstanz),

Katja Gaffry (Reiseland Konstanz), René Kubelík (stv. 1. Konzertmeister der SWP) wird Wolfgang Müller-Fehrenbach (ehem. Schulleiter GSS, Stadtrat, Kreisrat) mit all seiner Erfahrung und Vernetzung dem neuen Vorstand mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Kassenprüfer bleiben die Bewährten: Waltraud Augustyniak und Reinhard Stifel. Vor der Wahl jedoch stand zunächst die Würdigung des scheidenden Vorsitzenden: Seit 1972 war er (als Stadtrat) Mitglied im Kuratorium der heutigen SWP, damals Bodensee-Symphonie-Orchester, also vor 46 Jahren! Seit 1985 war er dann Vorstandsmitglied des Kuratoriums bis 1997. Dieser 3-er Vorstand bestand aus dem OB, dem Kulturbürgermeister, und ihm als dem Vertreter des Gemeinderates. 1997 legte er dann das Gemeinderatsmandat nieder. Nach sieben Jahren Pause wurde er 2004 erneut in den Gemeinderat gewählt und begleitet seither die Philharmonie wieder im Kultur- bzw. im heutigen Orchesterausschuss bis zum vergangenen Freitag!


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Rouven Schöll nannte Beispiele seines Wirkens wie seinen Einsatz bei Wahlkämpfen für ein Konzerthaus, der Gründung der Förderstiftung oder der Anschaffung diverser existentieller Instrumente für das Orchester. Letztlich wurden unter seiner Ägide auch jährliche Kulturreisen eingeführt, die mittlerweile legendär sind und bei denen das Team jährlich mit weit mehr als je 50 Mitgliedern die Metropolen Europas bereist, neue Orchester und Konzerthäuser entdeckt und vieles mehr.

Und zwar im Sinne generationsübergreifend: Alt und jung gemeinsam vereinen wunderbar vielfältige Eigenschaften und Kompetenzen, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam am besten etwas bewegen können.« Und zuletzt natürlich die finanzielle Förderung: »Wir wollen die Philharmonie vor allem mit greifbaren Zuwendungen unterstützen und Anschaffungen (Instrumente u.a.) ermöglichen.« Corinna Bruggaier

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NEUER VORSTAND FREUNDESKREIS PHILHARMONIE e.V.

Explizit als Team *** Das einstimmig neu gewählte Vorstands-Team (Rouven Schöll, Prof. Dr. Heike Rawitzer, Ekkehard Irion, Corinna Bruggaier) steht sowohl für eine Weiterführung im Sinne Wolfgang Müller-Fehrenbachs, aber auch für eine Erweiterung der inhaltlichen Ausrichtung und tritt explizit als Team an: »Wir wollen uns kulturpolitisch einmischen, die Stimme auch öffentlich erheben. Wir wollen wahrgenommen werden als ein Verein, der zu kulturellen Themen etwas zu sagen hat. Wir wollen den Verein vergrößern.

1. VORSITZENDER: Rouven Schöll Betriebsleiter von 09 – 12/2018 und Leitung Organisation und Kommunikation; Zuständigkeit: Geschäftsstelle, Sitzungsleitung, Repräsentation, Strategie, Mittel-Akquise 2. VORSITZENDE: Prof. Dr. Heike Rawitzer Professorin für Marketing und Kommunikation ZHAW; Zuständigkeit: Pressesprecherin und Öffentlichkeitsarbeit, Strategie, Mittel- und Mitglieder-Akquise KASSIERER:

Ekkehard Irion Betriebswirt VWA

SCHRIFTFÜHRERIN: Corinna Bruggaier Stellvertretende Leitung Organisation und Kommunikation SWP und Projekte

Die Mitgliederversammlung fand im Speichersaal des Konzil Konstanz statt.


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GENIAL! In 50 Minuten klassische Musik entdecken Karten: 15 Euro · erm. 11 Euro · Schüler 5 Euro Genial × 1: Familien-Maxi-Paket (2 Erw./4 Kinder) 29 Euro Familien-Mini-Paket (1 Erw./2 Kinder) 18 Euro Freie Platzwahl

Samstag, 8. Dezember 2018  // 18 Uhr  // Konzil Konstanz

Samstag, 26. Januar 2019  // 18 Uhr  // Konzil Konstanz

GENIAL! II

GENIAL! III

Erkki Melartin 1875 – 1937

Franz Schubert 1797 – 1828

Symphonie Nr. 5 a-Moll op. 90 »Sinfonia Brevis«

Symphonie Nr. 3 D-Dur D 200

Es gibt viel zu entdecken abseits der breit ausgetretenen Pfade symphonischer Musik, und Chefdirigent Ari Rasilainen macht die Entdeckungen für sein Orchester und sein Publikum möglich: Erkki Melartin, 1875 in Karelien geboren, war 10 Jahre jünger als Jean Sibelius, studierte wie dieser bei Martin Wegelius in Helsinki und bei Robert Fuchs in Wien und stand lebenslang in dessen Schatten. Er wirkte als Komponist ebenso wie als Dirigent, machte das finnische Publikum mit der Musik von Gustav Mahler und Richard Strauss bekannt, leitete über ein Vierteljahrhundert das Helsinki Music Institute, das heute Sibelius Akademie heißt. Zahlreiche Lieder, Chormusik, Klaviermusik, Ballett, die Oper Aino, Orchesterstücke und sechs Symphonien gehören zu seinem facettenreichen Gesamtwerk. Doch selbst in Finnland werden seine Werke erst seit wenigen Jahren wieder entdeckt, gedruckt und auf CD eingespielt. Die fünfte Symphonie aus dem Jahr 1916 ist dunkel, meditativ in der Grundstimmung der ersten drei Sätze und gipfelt im Finalsatz in einer Verschränkung von Hymnus und Fuge.

Nur 31 Jahre ist Franz Schubert geworden und hat doch eine solche Fülle an Liedern, Klaviersonaten, Streichquartetten, Symphonien hinterlassen, dass man sich fragt, wann er diese fast 1000 im Deutsch-Verzeichnis aufgelisteten Werke überhaupt aufgeschrieben hat. Die so genannten Jugend-Symphonien Schuberts finden relativ selten den Weg in den Konzertsaal und sind doch voller spannender Wendungen. Der Witz Haydns, die Theaterhaltung Mozarts, die Dramatik Beethovens fließen ein und man staunt, wie sich der junge Komponist in den Jahren nach 1815, gerade dem Wiener Stadtkonvikt entwachsen, eigenständig und selbstbewusst seinen Weg als Symphoniker sucht. Später wird er es als Last empfinden, den 27 Jahre älteren Beethoven als unerreichbares Vorbild zu haben: »Wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen«, lautet sein berühmt gewordener Seufzer. Bis sich Franz Schubert »den Weg zur großen Symphonie bahnen« kann, erleben wir in der so melodienseligen dritten Symphonie eine Keimzelle davon. Texte: Katharina von Glasenapp

Carolin Bergmann & Katharina Vogt MODERATION Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Michael Auer MODERATION Michael Hofstetter DIRIGENT

Norden

Osten


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e d u ART -SIT ZK ISSENKONZERT Samstag, 15. Dezember 2018  // 11, 14 und 16 Uhr Wolkenstein-Saal im Kulturzentrum am Münster Konstanz Geeignet für Kinder ab 4 Jahren. Karten: Erwachsene 10 · Kinder 5 · Familien 20 Euro

Der allerkleinste Tannenbaum Einsam und traurig steht der kleine Tannenbaum im Wald. Seine großen Brüder wurden alle zum Weihnachtsfest in die Stadt abgeholt, nur er wurde einfach stehengelassen. Bald kommen zwei Vögel und ein Esel vorbei und stehen dem winzigen Bäumchen mitfühlend zur Seite. Und dann fängt es plötzlich leise an zu schneien – beste Voraussetzung für ein etwas anderes, ganz besonderes Weihnachtsfest!

Anna Hertz SPIEL UND REGIE Circolo Quartett Kyoko Tanino VIOLINE · Pawel Katz VIOLINE Margit Bonz VIOLA · John Wennberg VIOLONCELLO

»Da begannen der Vogel und der Esel ihr liebstes Weihnachtslied zu singen. Als die anderen Tiere den Gesang hörten, verließen sie ihre Verstecke im Wald und in den Wiesen und machten sich alle auf den Weg. Auch sie wollten dort sein, wo so schön gesungen wurde …«


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S ONDERREIHE UNLIMIT ED Sonntag, 16. Dezember 2018  // 18 Uhr  // Schänzlehalle Konstanz Karten: 38 · 28 · 18 Euro  ·  Schüler 6 Euro Unlimited × 3: 78 · 57 · 36 Euro

Music for Christmas Nights UNLIMITED I

In der Fortsetzung der Reihe UNLIMITED gehen wir weiter den Weg, klassische Musik mit anderen Musiksparten zu verbinden, an neuen Orten zu präsentieren und uns der Gesellschaft zu öffnen. Erinnerungen an die eigene Kindheit. Draußen die Winterluft, drinnen der Kerzenduft. Bratäpfel schmoren im Ofen. Klänge der freudigen Erwartung. Quadro Nuevo spielt Weihnachtslieder. Ungewohnt und doch vertraut. Bekannte und selten gehörte Stücke

werden von den vier Solisten gemeinsam mit unserem Orchester charmant interpretiert: einzigartig, filigran, gefühlvoll. Mit Liedern wie Es ist ein Ros‘ entsprungen, Maria durch ein‘ Dornwald ging  und  Die dunkle Nacht ist nun dahin  blickt Quadro Nuevo zurück in die Jahrhunderte und setzt des Menschen Suche nach Trost und Liebe musikalisch um. Das akustisch-instrumentale Quartett spielt zur Vorweihnachtszeit eine sehr persönliche Auswahl an stimmungsvollen Melodien. Ein besonderes Konzert in der vierten Jahreszeit! Vor einigen Jahren begann die Weltmusik-Gruppe Quadro Nuevo Weihnachtskonzerte zu geben. Dies wurde den vier Musikern, die den Rest des Jahres mit Tango und fetzigen Balkan-Rhythmen umherreisen, zu einem tiefen Bedürfnis. So füllen sie in der Adventszeit die Säle mit besinnlicheren Melodien. Musik, die nahe am Urgedanken der Weihnacht ist: Die Ankunft einer neuen Zeit, die Licht und Wärme ins Dunkel bringt. Das Abenteuer, die Idee der Nächstenliebe mit einer bunten Instrumenten-Schar umzusetzen. Poetisch-musikalische Kleinode, mal jauchzend und jubilierend, mal niederkniend und nachdenkend. Dabei beschränkt sich das Repertoire nicht auf christliche Lieder aus der Heimat und fernen Landen: Die Virtuosen

Ensemble Quadro Nuevo Mulo Francel SAXOPHONE, KLARINETTEN, PSALTER, MANDOLINE Dietmar Lowka KONTRABASS, PERCUSSION Andreas Hinterseher AKKORDEON, VIBRANDONEON, XYLOPHON Evelyn Huber HARFE, SALTERIO Markus Huber DIRIGENT

In Kooperation mit der HSG Konstanz


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bereichern die Vielfalt winterlicher Musik auch durch jiddische oder indianische Melodien, die den Geist der Erhellung und des Trosts tragen. Ein Weihnachtskonzert für neugierige Hörer, die neben Klassikern wie Leise rieselt der Schnee, Es kommt ein Schiff geladen oder Alle Jahre wieder auch ungewohnte Klänge im Advent entdecken. Quadro Nuevo tourt seit 1996 durch die Länder der Welt und gab über 2500 Konzerte. In dieser Zeit hat das Ensemble eine ganz eigene Sprache der Tonpoesie entwickelt. Sie ist geprägt von der europäischen Spielform des Tango, der leidenschaftlichen Liebe zum Instrument und von großer Spielfreude.

Markus Huber wurde 1968 in München geboren. Als Solist des Tölzer Knabenchores arbeitete er schon in früher Jugend mit Musikerpersönlichkeiten wie Herbert von

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1_2_02_TAKT_Philharmonie_204x142-5_2018-19_X3_final_oBM Dienstag, 20. November 2018 11:33:15

Karajan, James Levine, Wolfgang Sawallisch, Nicolaus Harnoncourt und Dennis Russel Davies. Sein Musikstudium absolvierte er an den Hochschulen in München und Wien, wo u.a. Leopold Hager (Dirigieren) und Karl-Hermann Mrongovius (Klavier) zu seinen Lehrern gehörten. Seit 2008 ist Markus Huber Generalmusikdirektor des Theaters Pforzheim. Markus Huber stand am Pult zahlreicher renommierter Orchester, darunter das Phila­ delphia und San Francisco Symphonie Orchestra, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Cincinatti Symphonie Orchestra und andere. Markus Huber widmet sich intensiv dem Werk Richard Wagners. Nach seinem Debut 2013 mit Tristan in New Orleans und 2014 mit dem Ring in Ausschnitten mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, folgte im Juni 2015 der Lohengrin in Pforzheim. Ebenfalls mit der Badischen Philharmonie ist 2013 eine CD entstanden mit Werken von Mozart und Reger. Diese hat in der Fachwelt für ein sehr positives Echo gesorgt. Mit der Nordwestdeutschen Philharmonie entstand 2017 die Ersteinspielung des Konzertes Spices, Perfumes, Toxis!« für Schlagzeug und Orchester des Komponisten Avner Dorman. Diese wurde in Österreich, Frankreich und Deutschland hochgelobt.


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Gesunder Widerspruchsgeist Ein Besuch in der Geschwister-Scholl-Schule, unserer Partner-Schule für Daheim – eine Odyssee.

(v-l-n-r) Thomas Adam und Wilfried Hetz

Uns interessiert, welche Rolle das Daheim oder Zuhause bzw. die Heimat für die Institution Schule spielt. Im Gespräch mit Thomas Adam (Schulleiter) und Wilfried Hetz (Fachbereichsleiter Musik/Gymnasium) erfahren wir mehr darüber, ob sie sich in ihrer Schule zu Hause fühlen, was eine Schule überhaupt mit Daheim zu tun hat und was dort sonst noch wichtig ist. Nach einer mehrminütigen Fahrt durch den idyllischen Herbstwald stelle ich mein Auto auf einem Parkplatz ab. Ich spaziere über einen wunderschönen Waldweg, bis ich ein riesiges Segel erblicke und dahinter ein gelbes Gebäude mit sehr vielen Fenstern. Eigentlich besteht es nur aus Glas. Eins ist klar: Hier wird man gesehen! Ich öffne die Tür. Was für ein heller lichtdurchfluteter Raum ist das? Kann das eine Schule sein? Es herrscht eine sehr entspannte Stimmung: Viele junge Menschen, die überall verteilt auf den Stufen und an den Tischgruppen sitzen, sich unterhalten, essen und trinken, ihre Hausaufgaben machen. Klingt fast nach Zuhause. Thomas Adam und Wilfried Hetz empfangen mich. Wir wandeln durch einen langen Gang, verschiedene Glastüren, vorbei an zwei freundlichen Damen an einem großen Schreibtisch.

Und nehmen schließlich an einem runden Tisch Platz, auf dem drei Tassen dampfender Kaffee schon einladend auf uns warten. Was hat ein Zuhause mit einer Schule zu tun? Hat es das überhaupt? In seinem Büro zeigt sich Thomas Adam überzeugt: »Ganz formal hat die Schule einen Bildungs- und einen Erziehungsauftrag.« Soweit so gut. Aber in den letzten Jahren hat sich was getan in der Gesellschaft. Erziehung wandert auch mehr und mehr in die Schule. Daher gibt es immer mehr Ganztagsangebote. »Unser Anspruch ist es auf jeden Fall, den Kindern eine Art zweite Heimat oder ein Zuhause zu bieten. Das heißt, wir empfangen sie in unserem Morgen-Café, in dem sie ihren Kaba trinken können in der Früh, wenn es zu Hause keine Gelegenheit dazu gab.« Mittags werden die Schüler in der Mensa versorgt. Am Nachmittag hat die GeschwisterScholl-Schule (GSS) Möglichkeiten, sich hier aufzuhalten. In der Schulküche beispielsweise wird nicht nur Kochen vermittelt, sondern auch alles, was zu einer Mahlzeit sonst dazu gehört: Wie gestalte ich eine Mahlzeit? Wie nehme ich sie zu mir? Welche Rituale sind hier möglich und wie räume ich hinterher auf?


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Wilfried Hetz ist schon seit fast 25 Jahren Musiklehrer an der GSS. »Stimmt alles, was Herr Adam sagt. Aber eins muss ich noch dazu sagen«, ergänzt er. »Die Schüler fühlen sich noch aus einem anderen Grund zu Hause!« Ganz lange sei es in der Förderung von jungen Menschen in erster Linie um das Individuum gegangen, die persönliche eigene Entwicklung und vor allem Förderung. »Wir Lehrer wurden zu Lernbegleitern. Wir sollten jeden einzelnen Schüler individuell betrachten und in seinem Lernen unterstützen.« Aber es hat sich etwas geändert, was der Philosophie der Schule sehr entgegen kommt: Die Schüler haben das Bedürfnis, auch in einer Gruppe aufgehoben zu sein. In einer Gruppe lerne man miteinander und voneinander. Es gibt Helfer und solche, die Hilfe benötigen, jeder findet seine Rolle. Man lernt sich kennen und profitiert voneinander, weil ja alle verschieden sind und jeder was anderes mitbringt, was er gut kann und gern möchte. Da die Vereine und Kirchengemeinden nicht mehr diesen Stellenwert haben, den sie einmal hatten, wandert diese Aufgabe in die Schule. Die Geschwister-Scholl-Schule, 1976 gegründet, war von Beginn an Modellschule mit der Vereinigung der drei Schulformen nebeneinander, aber unter einem Dach. Zahlreiche Konstanzer Berühmtheiten lernten oder lehrten hier. Darunter die Fasnachter Norbert Heizmann und Mario Böhler, der Leiter des Sinfonischen Chors Wolfgang Mettler, wie auch die Schauspieler Oliver Wnuk und Anna Blomeier. Das Musikprofil gibt es seit 1997, dann kam später eine Theater AG, die Theaterklassen und vor etwa 10 Jahren die Einrichtung der Bläserklassen im Realschulzweig dazu. Thomas Adam steht auf und wendet sich seinem langen Regal zu. Er holt eine dicke Broschüre heraus. Darauf steht »Scholl – die Jubiläumsausgabe 2018«. »Schauen Sie sich diese Fotos an!« Sein Finger wandert von Foto zu Foto, von Seite zu Seite. »Hier sehen Sie den Beleg«. Projektberichte reihen sich an Reportagen über verschiedenste Aktivitäten, die Platz im Schulalltag finden. »Bei uns arbeiten tagtäglich drei Schulformen in einer gemeinsamen Institution.« »Gymnasiale Arroganz« könne gar nicht erst aufkommen auf diese Weise, sind sich beide einig. Die Kooperation zwischen den Abteilungen bereichert den Schulalltag. »Wir haben keine Scheu vor Konflikten und einen gesunden Widerspruchsgeist«, betont Adam. »Das bringt uns persönlich und die Arbeit in der Schule weiter.« Wie aber kam es zur Zusammenarbeit im Projekt Daheim – eine Odyssee? Auch hier spielt die Historie der Schule eine Rolle. Wolfgang Mettler hatte in seiner Zeit an der Schule gemeinsam mit Wilfried Hetz das Musikprofil für das Gymnasium

aufgebaut. Nach Mettlers Pensionierung liegt heute der Fachbereich in den Händen von Wilfried Hetz. Auch in der Realschule entstand ein Musikbereich und vor 10 Jahren die Bläserklassen. Georg Herrenknecht ist hier der Chef – und heute Leiter der Realschule. Mit tollen Kollegen bilden sie die »legendäre Musikfachschaft«. Sie arbeiten mit vielen Schülern in Bläserklassen, diversen Instrumentalensembles und Chören. Jährlich finden Konzerte, Arbeitstreffen und ein Jazz-Gipfel mit Workshops statt. »Kulturfahrplan« fällt dann als Stichwort. Was soll das denn sein? »Um die Vielfalt der Aktivitäten zu bündeln, haben wir uns um einen Kulturagenten beworben.« Hä? Schon wieder so ein interessanter Begriff. Thomas Adam schiebt dann aber auch gleich die Erkläung hinterher: »Unserem Kulturagenten verdanken wir viel! Seine Hauptaufgabe besteht darin, Kultur und Schule zusammen zu bringen.« Und Kulturfahrplan? Dieses Wort fällt im Gespräch häufig. »Da geht es darum, unsere ganzen Aktivitäten im kulturellen Bereich strukturell zu verankern. Wir wollten, dass diese Arbeit sozusagen unser genetischer Code wird, also als Basis unter allem liegt«, erzählt der Schulleiter. »Und damit das auch für alle innen und außen klar ist, steht das sogar in unserer Präambel.«

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Unsere Köpfe rauchten *** Anfang des Jahres 2018 hatte Thomas Adam die Idee, doch die Philharmonie einmal anzusprechen. Er wünschte sich eine gemeinsame Veranstaltung – natürlich kulturell. Auch um das Thema Heimat – dieses Mal im Sinne des außergewöhnlichen, mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes – nach außen zu bringen. Beat Fehlmann nahm diese Idee damals umgehend mit an den Fischmarkt, wo unsere Köpfe schon rauchten zu »Daheim – eine Odyssee«. Was lag da näher, als dieses wunderbare große Projekt einfach gemeinsam in Gang zu setzen? Mit im Boot (neben vielen anderen) natürlich auch der Kulturagent Michael Müller. Aus seiner Sicht ist das Projekt perfekt: Schule und Kultur verbinden sich auf eine vielfältige und intensive Art und Weise, wie es vorher nie da gewesen ist. So kommen alle Kräfte in einer Sache zusammen und wir sind gespannt und freuen uns riesig über diese Gelegenheit und die gemeinsame Arbeit. Corinna Bruggaier Corinna.Bruggaier@Konstanz.de


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P HI L H A RMONISCHES KONZERT Mittwoch, 19. Dezember 2018 // 19.30 Uhr // Konzil Konstanz // Abo A Freitag, 21. Dezember 2018 // 19.30 Uhr // Konzil Konstanz // Abo C Sonntag, 23. Dezember 2018 // 18 Uhr // Konzil Konstanz // Abo D Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn im Studio der Philharmonie. Konzertdauer: 130 min. Karten: 52 ∙ 41 · 30 · 19 Euro  ·  Inklusive kostenlose Busbenutzung zu den Konzerten. ÖFFENTLICHE GENERALPROBE: Mittwoch, 19. Dezember 2018 // 9.30 Uhr // Konzil Konstanz // Karten: 5 Euro ab 8.45 Uhr an der Tageskasse

Heroisch Arnold Schönberg 1874 – 1951

Ode an Napoleon Bonaparte op. 41 Ludwig van Beethoven 1770 – 1827

Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 Allegro con brio Largo Rondo: Allegro Pau se Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 »Eroica« Allegro con brio Marcia funèbre: Adagio assai Scherzo: Allegro vivace Finale: Allegro molto

N.N. SPRECHER Fabio Martino KLAVIER Marcus Bosch ERSTER GASTDIRIGENT

Bekenntnis zur Demokratie Heroisch also. Schon allein die Tatsache, wie schwer uns dieses Wort heute über die Lippen geht, zeigt, dass der Begriff ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Gibt es heute überhaupt noch Helden oder ist die Ära der Superhelden längst abgelaufen? Ein Held, so heißt es in einem Lexikon aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, »ist einer, der von Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärke begabet, durch tapfere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben.« Schön soll er also sein, stark und tapfer, dieser Held. Die Männlichkeitsform ist hier kein Zufall. Das Heldenkonzept war lange vor allem auf Männer zugeschnitten, es gibt nur wenige Frauen, die diesen Status erhielten. Penthesilea, die Königin der Amazonen, war in der Antike eine Ausnahme. Und heute? Wie ist das heute? Wer taugt da zum Helden, zur Heldin? Schönheit ist kein Ausschlusskriterium mehr, Stärke hat nicht mehr nur was mit Muskelkraft zu tun, aber Tapferkeit und Entschlossenheit zählen auch heute noch zur Jobbeschreibung eines Helden. Die beiden amerikanischen Psychologen Philip Zambardo und Zeno Franco haben das für ein Magazin der kalifornischen Universität Berkeley 2006 unter dem Titel Banalität des Heldentums mal genauer untersucht. Darin halten sie unter anderem fest, dass Heldentum weiter geht als selbstloses, altruistisches Handeln: »Altruismus betont selbstlose Taten, die anderen helfen. Heldentum hat dagegen das Potenzial für ein größeres persönliches Opfer«, schreiben Zimbardo und Franco. Im Kern gehe es bei Heldentum »um die persönliche Hingabe an ein edles Ziel – und die Bereitschaft, die Konsequenzen eines Kampfes für dieses Ziel hinzunehmen.«


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Marcus Bosch ist seit 2011

Schaut man heute in die Welt hinaus, dann gibt es da einige Menschen, die den Heldentitel verdienen. Zum Beispiel Nadia Murad Basee Taha. Für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten ist sie in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Die nüchternen Worte der Jury erklären nur unzureichend, was die Jesidin in den vergangenen Jahren erleben musste und schließlich daraus gemacht hat. Bei einem Überfall auf ihr Heimatdorf Kocho (Irak) durch Mitglieder der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) am 3. August 2014 verlor Nadia Murad ihre Mutter und sechs Brüder. Insgesamt starben 18 ihrer Familienmitglieder durch den IS. Sie selbst wurde aus dem Dorf entführt und geriet in Gefangenschaft. Während dieser Zeit wurde sie mehrfach versklavt, vergewaltigt und gefoltert.

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Was für eine starke Frau *** Sie hätte an all dem zerbrechen können. Ist sie aber nicht. Sie hat alles, was sie durchleben musste in Energie verwandelt und kämpft seit Ende ihrer Gefangenschaft und ihrer Flucht nach Deutschland (sie lebt aus Sicherheitsgründen anonym irgendwo in Baden-Württemberg) für die Anerkennung des Völkermordes an den Jesiden und kümmert sich insbesondere um die Situation der Frauen in Gefangenschaft. Sie mahnt die internationale Gemeinschaft, nicht tatenlos zu bleiben, und setzt sich für eine internationale Strafverfolgung der IS-Verbrechen ein. Keine Frage: Nadia Murad Basee Taha ist die perfekte Heldin unserer Zeit. Sie hat sich weder unterkriegen noch einschüchtern lassen und sich selbst zum weltweiten Symbol für den Kampf gegen sexuelle Gewalt, Terror und unerträgliches Unrecht gemacht. Es ging auch darum, ein Zeichen zu setzen und ihren Peinigern von damals ins Gesicht zu brüllen: »Ihr kriegt mich nicht klein!« Was für eine starke Frau. Als Arnold Schönberg seine Komposition Ode an Napoleon Bonaparte 1942 schreibt, hat das erstmal nichts Heldenhaftes. Aber auch ihm geht es darum, ein Zeichen zu setzen. Im Mai 1933, drei Monate nach der Machtergreifung der Nazis, verlässt Schönberg Deutschland. Er ahnt wohl, was

Generalmusikdirektor des Staatstheaters und der Staatsphilharmonie Nürnberg. Seit 2010 leitet er als Künstlerischer Direktor auch die Opernfestspiele Heidenheim und ist Mitgründer und Leiter des Festivalorchesters Cappella Aquileia. Als Gast dirigierte er zahlreiche große Orchester in Europa, Asien und Amerika und gastierte als Operndirigent unter anderem an der Sächsischen Staatsoper, der Komischen Oper Berlin, am Theater Basel, der Göteborgs Operan und am Teatro Filarmonico Verona. Regelmäßiger Gast ist er beim Orquesta Sinfonica de Gran Canaria, bei den Stuttgarter Philharmonikern und an der Hamburgischen Staatsoper. In den letzten Jahren ist eine umfangreiche Diskographie entstanden, unter anderem die international beachteten Gesamtaufnahmen der Symphonien von Johannes Brahms und Anton Bruckner in Aachen, sowie die DVDAuf­­zeichnung von Wagners Die Meistersinger von Nürnberg am Staatstheater Nürnberg und aktuell mit der Staats­ philharmonie Nürnberg eine Gesamtaufnahme der Symphonien von Antonín Dvořák bei Coviello Clas­sics. Zum Oktober 2016 wurde Marcus Bosch zum ordentlichen Professor für Dirigieren an die Musikhochschule München berufen. Seit der Spielzeit 2016 | 2017 ist er Erster Gast­ dirigent der Südwestdeutschen Philharmonie.

da kommen würde. Nicht zuletzt, weil die Nazis ihn, den Juden, früh von der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ausgeschlossen hatten. Schönberg geht zunächst nach Frankreich, am 31. Oktober 1933 kommt er mit seiner Frau Gertrud und seiner einjährigen Tochter Nuria in New York an. Damit kehrt der aus Wien stammende Komponist Europa für immer den Rücken. Aus den USA verfolgt er, wie schrecklich die Dinge sich in seiner alten Heimat entwickeln. 1942 fühlt er, dass er sich politisch positionieren muss: Seine Ode an Napoleon Bonaparte soll seine Stellungnahme zur politischen Weltlage sein: eine Ablehnung der Tyrannei und das Bekenntnis zur Demokratie. »Ich habe mich länger mit den Hintergründen der Nazi-Philosophie auseinandergesetzt. (…) Ich wusste, es sei die moralische Pflicht der Intelligenz, gegen die Tyrannei Stellung zu beziehen«, schreibt Schönberg 1942 in einer Einführung zum Werk. Die Textvorlage zu seinem Werk stammte damals von Lord Byron, den dieser als Reflex auf Napoleons Abdankung im


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April 1814 verfasste. Byron wurde zu Schönbergs Zeiten nicht nur als Bohemien und Abenteurer, sondern auch als Freiheitskämpfer rezipiert. Auch deshalb ergibt diese Wahl Sinn. Allerdings: Im Gegensatz zu Byrons Textvorlage liegt bei Schönberg nicht nur die Tyrannei, sondern auch die Verheißung von Demokratie und Menschenwürde in der Vergangenheit. Tyrannei und deren Niederwerfung bilden in dem politischen Ansatz eine »ständige historische Antithese, deren Auflösung nur durch einen Rückgriff geschehen kann und daher als Utopie ausgesprochen werden muss«, wie der Schweizer Musikwissenschaftler Beat Föllmi es formulierte. Interessant auch eine andere Beoabachtung, die Therese Muxeneder in einem Beitrag für das Arnold-Schönberg-Center, notierte: »Hinzu tritt in diesem politischen Manifest eine symbolträchtige Zitattechnik: Bei der Deklamation der Worte ‚the earthquake voice of history’ werden motivische Rückbezüge zur französischen Nationalhymne ›Marseillaise‹ und Beethovens Fünfter Symphonie miteinander kombiniert.«

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Jeder kann ein Held sein *** Orientiert hatte sich Arnold Schönberg in der Komposition seiner Ode an Napoleon Bonaparte übrigens auch an Ludwig van Beethovens Eroica. Da taucht er dann wieder auf, der Heros, der Held. Beethoven wollte ursprünglich auch eben jenem Napoleon Bonaparte seine Symphonie, sein bis dato größtes Werk, widmen. Der Komponist begeisterte sich an der Persönlichkeit Napoleons und sah in ihm die politische Figur, die die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Europa durchsetzen könnte. Beethovens Napoleon-Begeisterung endete jäh, als dieser sich am 2. Dezember 1804 zum Kaiser krönte. Der Komponist reagierte empört und enttäuscht: »Ist er auch nichts anderes wie ein gewöhnlicher Mensch? Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize frönen, er wird sich nun höher wie alle anderen stellen, ein Tyrann werden!« Als Widmungsträger wurde daraufhin Fürst Franz Joseph von Lobkowitz eingesetzt, in dessen Palast die erste Aufführung stattfand und der maßgeblich dafür bezahlt hatte. Das Werk erschien 1806 unter dem Titel »Sinfonia eroica, composita per festiggiare il sovvenire di un grand‘uomo (Heldensymphonie, niedergeschrieben, um das Andenken an einen großen Mann zu

Schon als Fünfjähriger hat Fabio Martino mit dem Klavierspielen begonnen; auf dem Instrument seiner Großmutter, einer Klavierlehrerin in Sao Paulo. Siebzehn Jahre später – nach einer harten Ausbildung an führenden Musikhochschulen in Brasilien und Deutschland – kaufte sich Fabio Martino seinen ersten eigenen Steinway-Flügel. Das Geld dafür hatte er sich mit dem Ersten Preis beim größten internationalen Pianisten-Wettbewerb Lateinamerikas der BNDES-Bank erspielt – 48.000 US-Dollar. Bereits ein Jahr später, 2011, gewann er in Deutschland den mit 10.000 Euro dotierten Ersten Preis im Klavierwettbewerb des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Sein Können und seine besondere Bühnenpräsenz führten ihn auch schon zu verschiedenen Film- und TV-Produktionen und LIVE-Aufnahmen unter anderem für den SWR, BR, NDR, Globo und die BBC. In 2015 erhielt er in Brasilien für seine Leistung zwei wichtige Auszeichnungen: Den Publikumspreis in der Kategorie ›Junge Talente‹und den Kritikerpreis »Entdeckung des Jahres«. Kritiker nennen Fabio Martino bereits in einem Atemzug mit Nelson Freire, Martha Argerich, Claudio Arrau und Sviatoslav Richter.

feiern)«. Vom Ideal Napoleon ist am Ende das Andenken an einen großen Mann geblieben. So ist das mit Helden. Sie können auch fallen. Trotzdem brauchen wir sie auch noch heute. Vielleicht mehr denn je. Menschen, die vorangehen mit der Flagge der Menschlichkeit. Menschen, die bereit sind persönliche Opfer zu bringen für eine größere Sache. Menschen, die laut und deutlich sagen: »Bis hierher und nicht weiter. Ihr habt sie ja nicht alle!« Die leider viel zu früh in Ruhestand gegangene Popband Wir sind Helden hat dem modernen Helden in ihrem Song Heldenzeit ein Denkmal gesetzt: »Der Reichtum macht uns alle arm/Armut macht uns handzahm – Alarm (…) Hat irgendwer gesagt, es wäre Zeit für Helden? Wir kommen um die anderen Helden abzumelden.« In diesem Sinne: Jeder kann ein Held sein. Das sagen auch die Psychologen Philip Zimbardo und Zeno Franco von der Universität Berkeley. »Zum Helden werden wir, wenn wir die Gelegenheit dazu bekommen, sie erkennen und handeln.« Du musst Dich nur trauen. Michael Lünstroth


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ZU GAST BEI UNS Sonntag, 20. Januar 2019 // 12 Uhr // Studio der Philharmonie Karten und Information: www.highnoonmusic.de

High Noon Music 2000+ ASSONANCE – RESONANCE

Ralf Kleinehanding *1965

Aperitif Michael Jarrell *1958 Assonance III (1989) für Bassklarinette, Violoncello und Klavier Oscar Bianchi *1975 Antilope (2018) für Bassklarinette, Violoncello und Klavier Helmut Lachenmann *1935 Allegro sostenuto (1986 – 1988) für Klarinette/Bassklarinette, Violoncello und Klavier

SONEMUS Trio: Azra Ramić KLARINETTE, BASSKLARINETTE Esther Saladin VIOLONCELLO Gilles Grimaître KLAVIER

Die Musiker/innen des SONEMUS Trio fanden während des alljährlich in Sarajevo stattfindenden Sonemus Festival zusammen. Seit seiner Gründung im Jahr 2015 spielt das Trio seither sowohl am Sonemus Festival als auch unabhängig davon und widmet sich zum größten Teil der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts; so fanden u.a. Beat Furrers Aer und Michael Jarrells Assonance III zu ihrer Bosnischen Erstaufführung. Ab September 2018 ist das SONEMUS Trio mit seinem neuen Programm ASSONANCE – RESONANCE unterwegs: Helmut Lachenmanns Allegro sostenuto und Michael Jarrells Assonance III erklingen zusammen mit dem neuen Werk Antilope (SONEMUS Trio Auftragswerk 2018) von Oscar Bianchi, welches durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten und den drei Musiker/innen entstanden ist. Natürlich darf der obligatorische Aperitif von Ralf Kleinehanding bei dem ersten Saisonkonzert von High Noon Musik 2000+ dabei nicht fehlen.

Veranstalter: HighNoon – Freunde Neuer Musik e.V.


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SONDERKONZERT Mittwoch, 2. Januar 2019 // 19.30 Uhr // Milchwerk Radolfzell // Abo Radolfzell Samstag, 5. Januar 2019 // 19.30 Uhr // Konzil Konstanz Karten: 59 ∙ 47 · 34 · 22 Euro // Milchwerk 29 ∙ 25 · 21 Euro  Weitere Konzerte: Dienstag, 1. Januar 2019 // 19 Uhr // Graf-Burchard-Halle Frickingen // Karten & Info: Salemertal-Konzerte, 07554 8868 Sonntag, 6. Januar 2019 // 20 Uhr // Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen // Karten & Info: www.gzh.de, 07541 288-444 Samstag, 12. Januar 2019 // 20 Uhr // Stadthalle Singen // Karten & Info: Kultur u. Tourismus Singen, 07731 85-504

Neujahrskonzert ÉLJEN A MAGYAR!

Hector Berlioz 1803 – 1869

Johann Strauß

Rákóczi-Marsch

Die Fledermaus (Ouvertüre)

Franz Liszt 1811 – 1886

Eduard Strauß 1835 – 1916

Ungarische Rhapsodie Nr. 2 c-Moll Vittorio Monti 1868 – 1922

Csárdás Johann Strauß 1825 – 1899 Der Zigeunerbaron (Ouvertüre) Johannes Brahms 1833 – 1897

Bahn Frei op. 45 Johann Strauß Vater 1804 – 1849

Pizzicato Polka Johann Strauß

Leichtes Blut op. 319

Ungarischer Tanz Nr. 5 g-Moll und Nr. 6 D-Dur

Pablo de Sarasate 1844 – 1908

Pau se

Dimitri Schostakowitsch 1906 – 1975

Zigeunerweisen op. 20 c-Moll

Festliche Ouvertüre Johann Strauß

Éljen a Magyar op. 332

Insa Pijanka MODERATION Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT


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Liebe Bürgerinnen und Bürger, OBERBÜRGERMEISTER liebe Musikerinnen und Musiker, ULI BURCHARDT liebe Freunde der Südwestdeutschen Philharmonie, im Jahr 2018 war die Südwestdeutsche Philharmonie erneut einer der zentralen Orte für kulturelle Begegnungen in unserer Stadt. Der Erfolg zeigt sich darin, dass immer mehr Musikliebhaber die Philharmonie für sich entdecken. Dazu tragen auch die innovativen und abwechslungsreichen Formate der Philharmonie bei: von den eduART-Konzerten für die Kleinsten, über Kooperationen mit Künstlern wie Rapper Curse in der Schänzlehalle, bis hin zum klassischen Kammerkonzert. Das ist dabei nur eine kleine Auswahl des vielfältigen Programms. 2019 erwartet uns »Daheim – eine Odyssee«, ein Beteiligungsprojekt mit der Geschwister Scholl Schule und zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Stadt. Neben dem Genuss der hervorragenden musikalischen Leistung des Orchesters konnten wir außerdem zwei neue Gesichter in der Konstanzer Musiklandschaft begrüßen: Mit der neuen Intendantin Insa Pijanka beginnt eine neue Ära in der Südwestdeutschen Philharmonie. Auf sie und den neuen Leiter der Musikschule, Dieter Dörrenbächer, kommt Großes zu – so unter anderem die Integration der Musikschule als eigene Abteilung in die Philharmonie. Beide bringen zweifelsohne noch viele weitere Ideen mit. Es kommt ein spannendes musikalisches Jahr auf uns zu, da bin ich mir sicher und freue mich darauf.

Aber nicht nur musikalisch, sondern auch insgesamt gesehen ist Konstanz eine Stadt mit guten Zukunftsaussichten. Mit dem Doppelhaushalt 2019/2020 legen wir ein ambitioniertes Investitionsprogramm von rund 69 Millionen Euro auf, das Verbesserungen in vielen anderen Bereichen bringt. Dank eines umfangreichen Bundeszuschusses können wir die notwendigen Schulsanierungen in Angriff nehmen und auch den Ausbau der Kinderbetreuung setzen wir zielstrebig fort. Ebenso engagiert setzen wir die nächsten Schritte beim Handlungsprogramm Wohnen. Viele Maßnahmen sind bereits umgesetzt, andere sind geplant. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum betrachte ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben. Dem dient die Entwicklung des Hafners, bei der wir gut vorankommen: Ende des Jahres wurde der Siegerentwurf für das Gebiet ausgewählt und bereits Anfang 2020 könnte der Rahmenplan verabschiedet werden. Richtig Gas geben wir auch beim Thema Digitalisierung: Unsere Stadtwerke bauen die Glasfaserversorgung weiter aus und wir vernetzen uns gut innerhalb der Stadt und der Region. In Konstanz tut sich viel und hier wird viel getan. Umso wichtiger sind die Auszeiten im Alltag. Daher: Ich freue mich auf die Konzerte, die die Philharmonie in der neuen Saison für uns bereithält. Ich wünsche den Gästen wie auch den Musikerinnen und Musikern ein aufregendes musikalisches Jahr 2019!

Ihr

Uli Burchardt Oberbürgermeister


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Fridolins Appetit

Sein Zuhause war in einer Säule In einer der dicken Holzsäulen im Konstanzer Konzilgebäude Fridolin war ein Holzwurm. Aber nicht irgendein beliebiger Holzwurm. Er war der jüngste Spross einer alteingesessenen Konstanzer Holzwurmfamilie, und sein Stammbaum reichte weit zurück ins Mittelalter. Seine Familie war sehr stolz auf ihre Herkunft. Fridolins Vorfahren waren berühmt für ihre feine Lebensart und ihre große Musikalität. Was bei Holzwürmern durchaus nicht selbstverständlich ist! Fridolins Urururururur-usw.-großmutter hatte zu Zeiten des Konstanzer Konzils das große Glück, den Sänger Oswald von Wolkenstein einmal von Angesicht zu Angesicht zu erleben. Sie fraß sich damals gerade durch einen ganz besonders köstlichen Eichentisch in einem Konstanzer Wirtshaus. In dem Moment, als sie das Köpfchen durch ein Wurmloch steckte, sang der berühmte einäugige Musiker ein Trinklied und sah sie dabei mit seinem gesunden Auge eindringlich an. Seit diesem Erlebnis wurde in Fridolins Familie der Minnesang gepflegt, und alle männlichen Nachkommen wurden auf den Zweitnamen Oswald getauft. So war es auch kein Zufall, dass Fridolin seine Wohnstatt an einem Ort eingerichtet hatte, an dem er immer wieder Musik genießen konnte: Der Holzwurm Fridolin, also Fridolin-Oswald, war ein großer Fan der Südwestdeutschen Philharmonie. Von seiner gemütlichen Säule aus hatte er freie Sicht auf die Bühne. So ganz im Gegensatz zu den Menschen, die hinter seiner Säule saßen. Für manche Abende kletterte er sogar in das Gebälk über der Bühne. Das war jedes Mal eine Reise von mehreren Tagen. Von dort betrachtete er aus luftiger Höhe die Scheitel und Glatzen der Musiker und ihre Instrumente. Eigentlich war es ja ein Wunder, dass das Gebäude überhaupt noch stand. Fridolin verfügte nämlich über einen gewaltigen, ja sogar ungeheuren Appetit. Er liebte das Jahrhunderte lang gereifte Holz im Konzil, naschte aber auch gerne mal an einer frischen Parkettecke oder einem knusprigen Fensterrahmen. Als er eines Morgens mit knurrendem Magen einer Probe des Orchesters lauschte, kam ihm eine verwegene Idee: Diese Ins­ trumente da unten sahen doch wirklich zu

appetitlich aus! Sobald der letzte Musiker die Bühne zur Mittagspause verlassen hatte, ließ sich Fridolin aus dem Deckengebälk fallen. Er landete mit einem kaum vernehmbaren PLING mitten auf der Pauke. Fridolin schnüffelte. Paukenfell. Nicht besonders lecker. Also weiter zu den Blechblasinstrumenten. In der glänzenden Tuba konnte er sein Spiegelbild bewundern. Dabei stellte er mal wieder fest, dass er ein außergewöhnlich prachtvoller Holzwurm im besten Larvenalter war. Ansonsten aber fand er das Metall völlig langweilig. Auch nicht lecker. Da waren die Streichinstrumente doch schon viel spannender! Der Kontrabass erschien ihm gerade richtig für seinen sagenhaften Appetit. Doch da fiel sein Blick auf die Klarinette: ein dunkles schlankes Instrument­­– schwarz, mit silbernen Klappen, höchst elegant und geschmackvoll. Ja, genau: geschmackvoll! Genießerisch schloss er die Augen und atmete den Duft des dunklen afrikanischen Grenadillholzes ein. Wie magisch angezogen kroch er in den Trichter der Klarinette, seufzte tief, und begann zart zu nagen. Fridolin war im Glück. Nach einem köstlichen Imbiss fiel er in einen tiefen Mittagsschlaf. Er träumte, wie er sich tänzerisch zum Klang der Klarinette wiegte. Aber was war das? Lauter und lauter ertönte Musik, und seine neue Behausung begann zu zittern. Das Grenadillholz bebte und fing an zu schwingen, so dass der arme Holzwurm keinerlei Halt mehr fand. Und zusammen mit einem wirbelnden Strudel von Tönen wurde er aus dem Trichter der Klarinette geschleudert. Er fand sich wieder zwischen glänzenden Lackschuhen. Ihm gegenüber saß ein Publikum von vielen hundert Köpfen. Fridolin war mitten in einem Konzert gelandet! Um ihn herum brauste die Musik, und als Applaus aufbrandete, verbeugte er sich stolz in alle Richtungen. Ja, als Nachkomme einer so langen musikalischen Ahnenreihe hatte er den Beifall wohl verdient! Müde von seinem Abenteuer beschloss er, sich zum weiteren Konzertschlaf in seine Säule zurückzuziehen. Während er einschlummerte und noch von Ferne die Musik hörte, sah er sich schon im Traum mit Lackschuh und Fliege. Und dabei fragte er sich, wie wohl der Taktstock des Dirigenten schmecken würde.  Susanne Schlegel-Creutzburg


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auf Instrumente ! BILDERRÄTSEL  Die Larven des Holzwurms, die sich so gerne durch Holz fressen, sind sehr klein und messen nur einen Millimeter. Ihr könnt Euch also vorstellen, wie riesengroß dem ­kleinen Fridolin die Orchesterinstrumente bei seinem Bühnenausflug erschienen sind!

Wir zeigen euch hier ein paar Instrumente aus der Sicht von Fridolin. Er kannte sie ja schon gut, nachdem er sie aus dem Deckengebälk über der Bühne betrachtet hatte. Aber könnt auch Ihr sehen, um welche Instrumente es sich auf den Fotos handelt?

A

B

C

D

Wenn Ihr die Instrumente erkennt, dann schreibt uns die Namen (A,B,C,D zugeordnet) bis zum 1. Januar 2019 an untenstehende Adresse per Post oder E-Mail. Vergesst dabei nicht, eure eigene Adresse anzugeben, damit wir euch benachrichtigen können, wenn Ihr gewonnen habt!

Unter allen richtigen Antworten verlosen wir 3 Familienkarten für unser Neujahrskonzert für Kinder Walzerschritt und Polkahit mit Marko Simsa und der Südwestdeutschen Philharmonie, am 13. Januar 2019 um 15 Uhr im Inselhotel.

Adresse: Susanne Schlegel-Creutzburg, Fischmarkt 2, 78462 Konstanz, susanne.schlegel-creutzburg@konstanz.de


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KONSTANZ HÄLT WARM. Es geht um die Bohne, um wirklich guten Kaffee und um ein warmes Plätzchen in einem gemütlichen Ambiente. Dessen ist sich die Kaffeerösterei Konstanz bewusst. Sie setzt daher auf die Wärme unseres klimafreundlichen Erdgases. Das schmeckt auch dem Gewissen. Dagegen sind andere Anbieter kalter Kaffee.

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e du ART -FA MILIENKONZERT Sonntag, 13. Januar 2019  // 11 und 15 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz Ein Mitmachkonzert für Kinder ab 6 Jahren. Karten: Erwachsene 12 · Kinder 6 · Familien 25 Euro

Walzerschritt und Polkahit Ein Kinder-Neujahrskonzert

Bei diesem Konzert dreht sich alles um die schwungvolle Musik des berühmten Walzer- und Polkakönigs Johann Strauß-Sohn, seiner Brüder und seines Vaters. Wer hat schon einmal die Tritsch-TratschPolka gesungen? Wer hat den Kuckucksruf der Krapfenwaldl-Polka gehört und gleich auch nachgemacht? Wer denkt bei der PizzicatoPolka mehr an Pizza statt an das Zupfen der Saiten? Wem ist der Blitz bei der Polka Unter Donner und Blitz viel zu laut? Und wer hat schon einmal zur Melodie des Donauwalzers getanzt? Marko Simsa führt mit beschwingter Moderation durch das Programm und lädt sein Publikum zum Mitsingen und natürlich auch zum Tanzen ein!

Marko Simsa ERZÄHLER Erke Duit DIRIGENT Südwestdeutsche Philharmonie


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S ONDERREIHE UNLIMIT ED Sonntag, 20. Januar 2019  // 18 Uhr  // Schänzlehalle Konstanz Karten: 38 · 28 · 18 Euro  ·  Schüler 6 Euro Unlimited × 3: 78 · 57 · 36 Euro

Fremde oder Freunde UNLIMITED II

Ein musikalischer Brückenschlag zwischen Ost und West, Schlager und Orchester, dem Wunsch nach Abgrenzung und der Sehnsucht nach Frieden Wenn sich eine russische Diva, ein intellektueller Pop- und Chansonkünstler und ein hingebungsvoller Schlagersänger musikalisch begegnen, dann riecht das nach einem Cross-Over-Battle, für das eine Sporthalle als Spielstätte durchaus angemessen ist. Mit Fingerspitzengefühl und Humor stellt Tobias Bücklein speziell für die Unlimited-Reihe einen Abend zusammen, der beweist: »Schlager lügen nicht!« Und zwar ganz egal, ob es um Wirtschafts- oder Rosenkriege geht, das Glück auf dem Teller der anderen liegt oder der Feind in unserem Bett. In wechselnden Allianzen interpretieren die Protagonisten Songs von ABBA bis Sting, von Howard Carpendale bis Udo Jürgens und eröffnen so ganz neue Blickwinkel auf vermeintlich bekanntes Liedgut. Und vom Orchester steht noch lange nicht fest, ob es als neutraler Beobachter einfach mitspielt oder doch noch selbst Partei ergreift.

Dirk Wagner wuchs mit Volksmusik auf, bevor er seiner Leidenschaft für Musik in verschiedenen Coverbands und Rock-Pop-Formationen als Sänger und Gitarrist Ausdruck verlieh. Neben seinen Hauptberufen im Bereich Verkauf, Außendienst und Beschwerdemanagement sammelte er in verschiedenen Studioproduktionen Erfahrung als Schlagersänger und stand als Ritter Rost auf der Musicalbühne.

Helena Goldt GESANG Dirk Wagner GESANG Tobias Bücklein LEITUNG, GESANG

Helena Goldt absolvierte in Augsburg und Nürnberg ihr klassisches Gesangs­ diplom. Als Stipendiatin der Sommerakademie Concerto 21 der Alfred Toepfer Stiftung entwickelte sie weiterhin einen Gesangsstil, den sie selbst als Modern Archaic Voice bezeichnet. Dabei mischt sie virtuos Gesangstechniken kasachischer Nomaden mit Jazz, russischer Folklore und klassischem Operngesang. Seit 2011 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Berlin und ist auf vielen Bühnen unterwegs – von Kaliningrad über Moldau bis Kurdistan.

In Kooperation mit der HSG Konstanz


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KOLUMNE TOBIAS BÜCKLEIN

Sie sind mir fremd Hören Sie gerne türkische Musik? Haben Sie sich schon näher mit chinesischer Oper befasst? Kennen Sie sich mit indischen Ragas aus und lauschen gerne von einer Tabla gespielten Kaidas? Falls nicht, kommen Ihnen diese Klänge vermutlich ziemlich fremd vor, wenn Sie einmal damit konfrontiert werden. Fremd ist uns alles, was unbekannt ist und nicht unseren Vorstellungen und Erwartungen entspricht. Musikstile, Kulturen, Sprachen. Hautfarben, Gesichter, Verhaltensweisen. Und entscheidend ist, wie wir diesem Fremden in unserem Leben begegnen. Bieten wir ihm ein Fremdenzimmer, fördern damit den Fremdenverkehr oder reagieren wir fremdenfeindlich, gar mit Fremdenhass? Lernen wir vor Urlaubsreisen die Fremdsprachen oder reden wir im fremden Land einfach deutsch auf den spanischen Kellner ein? Manchmal muss man sich sogar fremd-schämen. Als ich vor vielen Jahren mit meiner Frau nach Namibia reiste, kamen wir am zweiten Tag in einen Ort, der fast ausschließlich von Herero bewohnt wird. Der Anblick dieser Menschen, ihre Art zu leben, sich zu bewegen und zu kommunizieren, war uns damals so fremd, dass wir uns nicht trauten, aus dem Auto auszusteigen. (Wenige Reisetage später hatten wir uns an die fremden Gesichter gewöhnt und kauften auf dem Rückweg im selben Ort entspannt Souvenirs.) Keine Frage – auch mir sind Dinge fremd. Sogar hier in Deutschland. Menschen, die sonntags mit Jogginganzug und Adiletten zum Bäcker gehen, zum Beispiel. Oder die beim Essen den Fernseher laufen lassen. Studenten, die sich gezielt zum Trinken verabreden und Beer Pong für ein normales Partyspiel halten. Männer, die Egoshooter-Spiele spielen und Frauen, die blutrünstige Krimis lesen. Autofahrer, die einen Kratzer im Lack ihres Kotflügels für 600 Euro reparieren lassen oder sich einen Satz Reifen für 900 Euro kaufen.

Ich hoffe, Sie haben sich irgendwo wiedergefunden. Denn bei genauer Betrachtung sind mir die meisten Menschen hierzulande auf gewisse Weise ebenso fremd wie der Schweizer Ausfuhrscheinsammler oder die chinesische Touristengruppe. Oder wie die vielen Fremden, die sich zu uns in die Fremde aufmachen, weil ihnen das Unbekannte noch attraktiver erscheint als der vertraute Krieg zu Hause. Und manchmal reagiere ich auf dieses Fremde genauso wie ein demonstrierender AfD-Anhänger oder ein egozentrischer US-Präsident: mit Unsicherheit und Ablehnung. Bücklein first. Aber ab und an bin ich auch Abenteurer und Entdecker. Ein Mensch, den das Fremde reizt. Denn schließlich gibt es da ja auch noch die »fremde Schönheit« – oder für die Damen: den »geheimnisvollen Fremden«. Wir können das Fremde ablehnen, weil wir so wenig darüber wissen. Wir können es auch verklären, weil wir so wenig darüber wissen. Die Wahrheit liegt vermutlich mal wieder irgendwo dazwischen. Und gegen die Angst vor dem Unbekannten schützen wir uns am besten durch die Erweiterung des Bekannten. Das Fremde entdecken heißt, über den Tellerrand hinausgucken. Bis wir erkennen, dass wir eigentlich alle vom gleichen Teller essen. In diesem Moment kann man den Freund im Fremden entdecken. Und wer den Blick nach innen richtet und ehrlich ist, merkt, dass auch an ihm selbst vieles so unbekannt und fremd ist wie eine chinesische Oper.

Tobias Bücklein ist Kabarettist, Musiker, Moderator und produziert seit vielen Jahren Shows für Unternehmen, die Bühne und das Fernsehen. Der Kommunikationskünstler unterhält sich gerne mit interessanten Persönlichkeiten und präsentiert diese Gespräche im TV, auf YouTube oder unter www.inseldenker.de. Ende 2017 erschien sein Buch: »Feierkunst – Leuchtende Augen statt hohler Rituale. Wie Sie mit klaren Zielen budgetbewusst feiern.« (ISBN 978-3-86623-584-7).


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P HI L H A RMONISCHES KONZERT Freitag, 25. Januar 2019 // 19.30 Uhr // Konzil Konstanz // Abo B Sonntag, 27. Januar 2019 // 18 Uhr // Konzil Konstanz // Abo E Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn im Studio der Philharmonie. Konzertdauer ca. 100 min. Karten: 52 ∙ 41 · 30 · 19 Euro · Inklusive kostenlose Busbenutzung zu den Konzerten im Konzil

Fortschrittlich Anton Webern 1883 – 1945

Im Sommerwind Idyll für großes Orchester nach einem Gedicht von Bruno Wille (1924) Franz Schubert 1797 – 1828 / Max Reger 1873 – 1916

Orchesterlieder Gretchen am Spinnrad D 118 Nacht und Träume D 827 Du bist die Ruh D 776 Der Erlkönig D 328 An die Musik D 547 Pau se Alban Berg 1885 – 1935

Altenberg-Lieder op. 4 Seele, wie bist du schöner Sahst du nach dem Gewitterregen den Wald? Über die Grenzen des Alls Nichts ist gekommen Hier ist Friede Franz Schubert

Symphonie Nr. 3 D-Dur D 200 Adagio maestoso – Allegro con brio Allegretto Menuetto: Vivace – Trio Presto vivace

Sarah Wegener SOPRAN Michael Hofstetter DIRIGENT

Lustig Eine kleine Melodie, zuerst gespielt von der Solo-Oboe: »Lustig« steht drüber, ein Einfall, gekleidet in keckes Staccato. Der Gedanke taucht immer wieder auf »Im Sommerwind«. Er wechselt den Charakter: Mal erscheint er in traurigem Moll, mal »sehr zart und leise«. Da zeigt sich schon der spätere Anton Webern, der sehr fein differenzierende. Ansonsten aber ist der junge Komponist hier noch ganz dem spätromantischen Stil verpflichtet. Später erst wird seine Handschrift kurz und knapp, sein Markenzeichen der musikalische Aphorismus, gibt er die Tonalität auf und widmet sich neuen Kompositionsverfahren wie etwa der Zwölftontechnik seines Lehrers Arnold Schönberg. Jetzt erblüht seine Musik aber noch süffig, fließend und unbekümmert. Der 21-Jährige schrieb Im Sommerwind im Sommer 1904 auf dem Familiengut Preglhof in Kärnten, seinem Urlaubsdomizil während des Studiums in Wien. Er nannte es im Untertitel: »Idyll für großes Orchester nach einem Gedicht von Bruno Wille«. Und idyllisch ist es, verströmt Sonne, Natur und die Ruhe, die das Landgut umgab. Webern war ein naturverbundener, leidenschaftlicher Wanderer. Mit dem Gedicht – gut einhundert freie Verszeilen, die Bruno Willes naturschwärmerischem Roman Offenbarungen des Wacholderbaums (veröffentlicht 1901) entstammen – teilt Weberns Komposition vor allem die Stimmungen. Im Sommerwind ist einsätzig und kleingliedrig. Häufige, rasch aufeinanderfolgende Taktwechsel, genaue dynamische Angaben verweisen auf die Akribie der Gestaltung, die Webern auch später noch an den Tag legen wird. Die Partitur ist voller Spielanweisungen: »sehr ruhig und weihevoll«, »aufjauchzend«, »bis zu gänzlicher Unhörbarkeit« zum Beispiel. Mahler lässt grüßen. Und immer auch wieder Richard Strauss.


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Das Oeuvre des Komponisten Max Reger umfasst gigantische Ausmaße. Darin spielen Bearbeitungen von Werken anderer Komponisten eine bemerkenswerte Rolle. Allein über 150 Werke Bachs hat Reger bearbeitet. In den Jahren 1913/14 nahm er sich auch 13 Nummern aus dem grandiosen Klavierlieder-Oeuvre Schuberts vor, das über 600 Werke umfasst. In Sachen Orchesterbehandlung ist so etwas eine gute Übung: Die Eingriffsmöglichkeiten sind beschränkt, Harmonik, Rhythmus, Melodie dürfen ja nicht angerührt werden. Stattdessen geht es darum, die Differenzierungsmöglichkeiten und die verschiedenen Farben des Orchesters möglichst wirkungsvoll zu nutzen, ohne dem Lied seine Intimität zu rauben. Max Reger, der großartige Bearbeiter, beherrschte diese Kunst aus dem Effeff. Schuberts Klavierlieder werden unter seiner Hand zu etwas ganz Neuem: zu mitreißenden, vielfarbigen Orchesterliedern – ein Genre, das Schubert noch nicht kannte, sich aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonderer Beliebtheit erfreute. So schrieb auch Alban Berg in den Jahren 1911/12 seine Fünf Orchesterlieder op. 4, auch Altenberg-Lieder genannt, da er in ihnen Ansichtskarten-Texte des Wiener Dichters und Bohemiens Peter Altenberg vertonte. Berg schuf in seinen aphoristisch kurzen, sehr unkonventionellen Liedern Mini-Dramen. Er bediente sich darin bereits der Zwölfton-Harmonik und -Melodik, die sein Lehrer Arnold Schönberg als neue Kompositionstechnik dann erst 1920 theoretisch formulierte. Die Nummern 2 und 3 der Altenberg-Lieder wurden am 31. März 1913 unter der Leitung Schönbergs im Wiener Musikverein uraufgeführt und lösten dort den berühmtesten Skandal der Musikgeschichte aus: Das Publikum fühlte sich derart provoziert von Bergs neuartiger Musik, dass es zu Ausschreitungen kam und das Konzert abgebrochen werden musste. O-Ton des Operettenkomponisten Oscar Straus: das Klatschen der Ohrfeigen »war noch das Melodiöseste, das man an diesem Abend zu hören bekam«.

deutsche Sopranistin mit Abschluss als Kontrabassistin, studierte Gesang bei Prof. Jaeger-Böhm in Stuttgart sowie in Meisterkursen bei Dame Gwyneth Jones und Renée Morloc. Als Konzertsängerin arbeitet sie regelmäßig unter anderem mit Michael Hofstetter. Konzerte und Liederabende führten sie zu zahlreichen Festivals, an bedeutende Musikhäuser. Sie wird gleichermaßen geschätzt als Interpretin des klassischen und romantischen Repertoires wie zeitgenössischer Kompositionen. Ihre Diskografie umfasst eine CD mit Arien von Justin Heinrich Knech, zudem Aufnahmen von Korngolds Die stumme Serenade, Rossinis Petite Messe solennelle mit Tonu Kaljuste sowie mit dem RSO Stuttgart und Heinz Holliger. 2017 wurde ihre erste Lied-CD Into the Deep Sea mit dem Pianisten Götz Payer, bei CAvi-music veröffentlicht. Eine enge künstlerische Beziehung verbindet Sarah Wegener mit dem Komponisten Georg Friedrich Haas. Dieser widmete ihr den Liederzyklus …wie stille brannte das Licht, basierend auf ihren besonderen Fähigkeiten in der Interpretation mikrotonaler Musik. Für die Hauptpartie der Nadja in seiner Oper Bluthaus wurde sie 2011 von der Zeitschrift Opernwelt in der Kategorie »Sängerin des Jahres« nominiert. Die Saison 2017/18 eröffnete Sarah Wegener mit Kent Nagano und dem Orchestre Symphonique de Montréal. Ebenfalls unter Leitung von Kent Nagano wird Sarah Wegener mit Pendereckis »Lukas-Passion« bei den Salzburger Festspielen 2018 ihr Debüt geben.

Nein, von der deprimierenden Welt der Winterreise ist in den sechs Jugendsymphonien Franz Schuberts noch nichts zu spüren. Die Nöte der romantischen Seele – bohrender Schmerz, unstillbare Sehnsucht, Todesnähe und innere Zerrissenheit – sind ihnen noch fremd. Schubert, geboren 1797, schrieb seine ersten sechs Symphonien selbstbewusst in rascher Folge in den Jahren 1813 bis 1818. Der junge Mann ging dabei – nicht anders als Anton Webern in seinem Sommerwind – unbekümmert ans Werk, schien auch keine Probleme damit zu haben, seine Vorbilder offenkundig werden zu lassen. Schließlich stand er erst am Beginn seiner Komponistenlaufbahn, galt noch lange nicht als Profi. So komponierte er diese Werke auch nicht für die große Öffentlichkeit, sondern für private Ensembles, die sich vorwiegend aus bürgerlichen


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Johann Sebastian Bach

Weihnachtsoratorium Samstag, 22. Dezember 20:00 Uhr – Münster Kantaten I – III 4. Adventssonntag, 23. Dezember 16:00 Uhr – Münster Kantaten IV – VI Sopran Altus Tenor Bass

Emma Kirkby, Oxford Kai Wessel, Köln Manuel König, Bremen Oddur Jónsson, Reykjavik

Barockorchester Concerto München Vokalensemble Konstanz Dirigent Steffen Schreyer Emma Kirkby

Virtuose Trompetengala zum Jahresausklang

Silvesterkonzerte Sonntag, 30. Dezember 20:00 Uhr – Münster Silvester, 31. Dezember 22:00 Uhr – Münster Trompete Reinhold Friedrich Orgel Martin Schmeding

Vorverkauf › Buchkultur Opitz, St. Stephansplatz 45, KN

› reservix

Medienpartner


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Musikliebhabern zusammensetzten. Schubert war selbst Bratschist in einem solchen kleinen Orchester. Man probte in der Wohnung des Geigers Otto Hatwig im Wiener Schottenhof. Das Tempo, in denen die Werke entstanden sind, und die Leichtigkeit, mit der Schubert die anspruchsvollste aller instrumentalen Gattungen mit seinen Ideen füllte, offenbaren allerdings nicht nur eine enorme handwerkliche Sicherheit, sondern auch seine ungeheure musikalische Gestaltungskraft. Die Nachwelt, allen voran Johannes Brahms, hat die Jugendsymphonien überheblich als »Vorarbeiten« abgetan. Vielleicht hatte man sich da auch von Schuberts eigenen Worten verleiten lassen, der im März 1824 an seinen Freund Leopold Kupelwieser geschrieben hatte: »In Liedern habe ich wenig Neues gemacht, dagegen versuchte ich mich in mehreren Instrumental-Sachen, denn ich componierte 2 Quartetten für Violinen, Viola u. Violoncello u. ein Octett, u. will noch ein Quartetto schreiben, überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen.« Kein Wort verliert Schubert hier über seine sechs bereits vollendeten Symphonien, was darauf schließen lässt, dass er selbst sie als Übungsstücke einstufte, die noch lange nicht das Format hatten, ihn auf »den Weg zur großen Symphonie« zu bringen.

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Bohrender Schmerz und unstillbare Sehnsucht

Michael Hofstetter dirigiert an vielen renommierten Opernhäusern, bei Orchestern und Festivals: Dazu zählen unter anderem die Bayerische, die Hamburgische, die Hannoversche, die Stuttgarter und die Berliner Staatsoper. Der gebürtige Münchner begann seine Karriere an den Theatern in Wiesbaden (Kapellmeister) und Gießen (Generalmusikdirektor) und war außerdem Professor für Orchesterleitung und Alte Musik an der Universität Mainz. Als Chefdirigent prägte er von 2005 bis 2012 die Ludwigsburger Schlossfestspiele durch Aufführungen und Ersteinspielungen wenig bekannter Werke von Salieri, Gluck und anderen. Von 2006 – 2013 war er Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters. Seit Herbst 2012 ist er erneut Generalmusikdirektor des Stadttheater Giessen sowie Chefdirigent des recreation Grosses Orchester Graz und des neugegründeten styriarte Festspiel-Orchesters. Zahlreiche CDs wurden unter seiner musikalischen Leitung bei OehmsClassics sowie bei den Labels cpo, Orfeo, Deutsche Grammophon, SONY und Virgin Records veröffentlicht. Die CD »Rossini: Arien und Ouvertüren« erhielt 2008 den »Orphée du meilleur interprète« der Académie du Disque Lyrique Frankreich, die CD »Hasse reloaded« wurde in die Bestenliste 2012 der Deutschen Schallplattenkritik aufgenommen.

*** Die sechs Jugendsymphonien offenbaren in ihrer äußeren formalen Ökonomie zwar deutlich das klassische Vorbild sowie zuweilen an Mozart und Haydn erinnernde Tonfälle, doch steht dem eine gewitzte, frühromantische Harmonik gegenüber, die immer wieder an entscheidenden Stellen (gut hörbar) ihre Schatten auf das Helle, Lichte wirft – mal spielerisch, mal experimentierend, dann immer wieder auch verdüsternd. So kommt der Musikwissenschaftler Arnold Feil zu dem Schluss: »Was innerhalb von Schuberts Gesamtwerk Jugendwerke sind, sind im Rahmen der Produktion der Zeit allemal Meisterwerke – Rätsel des Genies.« Seine dritte Symphonie D-Dur schrieb der 18-Jährige innerhalb von nur neun Tagen im Juli 1815. Der 27 Jahre ältere Beethoven steckte gerade in einer dicken Schaffenskrise (die Neunte stand ihm noch bevor), und die symphonischen Muster Mozarts und Haydns waren allgemein noch sehr präsent. Letzteres ist deutlich spürbar in Schuberts Dritter, auch in den Charakteren der vier Sätze: Dem aufregenden, spannungsreichen Kopfsatz in Sonatenform, auf dessen melancholische langsame Einleitung

im Allegro-Teil immer wieder zurückgegriffen wird, folgen zwei entspannte Sätze, die jeweils in dreiteiliger Form (ABA) mit einem kontrastierenden Mittelteil gebaut sind. Im zweiten Satz sorgt die volksliedhafte Melodik, im Mittelteil der serenadenhafte Tanzkapellentonfall für Unterhaltung. Im dritten Satz scheint Beethoven auf: etwa in der auftrumpfenden, jedem Tanzgefühl gegenläufigen, hart akzentuierten Rhythmik des Menuetts, dessen Trio dann mit einer Ländler-Idylle aufwartet. Am Ende der Symphonie steht traditionsgemäß ein feuriges Kehraus-Rondo. Nicht nur im Hauptgedanken des Kopfsatzes, im schäkernden, punktierten Klarinettenthema, sondern vor allem im rauschartigen Überschwang des Finales offenbart sich noch der Geist eines anderen Zeitgenossen Schuberts: Gioacchino Rossinis. Im rasenden Tempo, im enormen rhythmischen Drive, ja Überdruck des Finales erfahren die Tonfälle der italienischen Opera buffa freilich immer wieder romantische Verdüsterung – etwas, das den ungeheuren Reiz dieses Satzes ausmacht. Verena Großkreutz


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P HI L H A RMONISCHES KONZERT Freitag, 1. Februar 2019  // 19.30 Uhr  // Konzil Konstanz  // Abo C Sonntag, 3. Februar 2019  // 18 Uhr  // Konzil Konstanz  // Abo D Mittwoch, 6. Februar 2019  // 19.30 Uhr  // Konzil Konstanz  // Abo A Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn im Studio der Philharmonie. Konzertdauer ca. 110 Minuten Karten: 52 ∙ 41 · 30 · 19 Euro  ·  Inklusive kostenlose Busbenutzung zu den Konzerten. Weiteres Konzert: Samstag, 2. Februar 2019  // 19 Uhr  // Kulturhaus Schloss Großlaupheim Laupheim Karten: www.reservix.de

Engelhaft Flint Juventino Beppe *1973

Heart op. 27 Nr. 5 Alban Berg 1885 – 1935

Violinkonzert »Dem Andenken eines Engels« Andante – Allegro Allegro – Adagio Pau se Johannes Brahms 1833 – 1897

Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68 Un poco sostenuto – Allegro Andante sostenuto Un poco allegretto e grazioso Adagio – Più andante – Allegro non troppo ma con brio – Più Allegro

Birgit Kolar VIOLINE Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Ungeheuer reich »Beppes Musik ist die Musik eines hochbegabten Autodidakten, und als solche weit entfernt von allen historisierenden Zuordnungen. Sie berührt auf verwirrende Art, entzieht sich der Kategorisierung, mischt das Anachronistische mit dem Visionären, vermeidet jede Konvention, ohne dabei prätentiös oder avantgardistisch zu werden.« So heißt es in einer CD-Rezension über die ungewöhnliche, kaum einzuordnende, harmonisch fließende Musik des Norwegers, bei dem das Tourette- und das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurden. Flint Juventino Beppe (früher hieß er Fred Jonny Berg) schreibt über sich: »Für mich ist ein Tag einem Leben gleich. Nicht eine Stunde vergeht, ohne dass mein Gehirn mit voller Geschwindigkeit arbeitet; automatisch, unerschöpflich und unaufhörlich kreativ. Es gibt nie eine Pause. Mein Gehirn ist wie ein Sensor, der ständig Eindrücke erhält. So bin ich schon immer gewesen. Ich habe mich nicht in irgendeine Richtung entwickelt, seit ich Kind war. Ich habe immer die gleichen Gedanken gehabt, immer die gleichen Dinge gesehen, immer die gleichen Klänge gehört und die gleichen Emotionen gefühlt. Ich kann ›alles‹ sehen und hören, aber es ist ein täglicher Kampf. … Es ist unbedingt erforderlich, dass ich einen Weg finde, mit meiner Kreativität meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ist eine große Herausforderung und beinahe unnatürlich, denn es verlangt von mir, in einem konventionellen Umfeld sozial und präsent zu sein. Ich kann dies nicht durchmachen, ohne zu riskieren, dass es einen psychologischen ›Zusammenbruch‹ nach sich zieht. Ich bin Autodidakt; ich habe überhaupt keine formelle musikalische Ausbildung. Nicht, weil ich Ausbildung nicht anerkenne oder respektiere. Das Asperger-Syndrom hat es für mich sehr schwer gemacht, mit Dingen umzugehen, die andere als


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alltäglich und belanglos ansehen. Darum kann ich keiner konventionellen Arbeit nachgehen.« Anders, als man vermuten könnte, ist Beppes Musik sehr ruhig, harmonisch, strömend, ausdrucksvoll, regelmäßig angeschlagene Röhrenglocken geben ein Grundpuls für die meditativ wirkenden Streicherklänge. Ari Rasilainen ist mit seiner Musik schon seit vielen Jahren vertraut. Auf vielschichtige Weise ist Alban Bergs Violinkonzert, sein letztes vollendetes Werk aus dem Jahr 1935, von persönlichen Empfindungen und Erlebnissen durchdrungen. Der Komponist arbeitete gerade an der Instrumentation seiner Oper Lulu, als ihn der amerikanische Geiger Louis Krasner mit der Komposition eines Violinkonzerts beauftragte. Die Zeiten für die Aufführungen seiner Werke waren seit Beginn der Nazizeit bekanntermaßen schwierig geworden, die Zahlungen seines Verlags wurden reduziert, da kam der Auftrag, verbunden mit einem stattlichen Honorar von 1500 Dollar, sehr gelegen. Im März des Jahres 1935 ging Berg an erste Vorstudien, doch erst der Tod von Manon Gropius am 22. April gab den entscheidenden Impuls. Die junge Frau, Tochter von Alma Mahler und ihrem zweiten Mann, dem Bauhaus-Architekten Walter Gropius, war nach einjähriger Leidenszeit am Ostermontag an Kinderlähmung verstorben. Ihre schon vor der Erkrankung zarte Erscheinung, ihr scheues Wesen und die Art, wie sie von ihrer Mutter hübsch aufgemacht im Rollstuhl sitzend bei den gesellschaftlichen Anlässen in Wien präsentiert wurde, hob sie heraus. So wundert es nicht, dass Alban Berg, der von Alma Mahler unterstützt wurde, der ihr seine Oper Wozzeck gewidmet hatte und der Manon verehrt hatte, auch im Titel seines Violinkonzerts dieses Besondere hervorhob. An Alma Mahler schrieb er: »Eines Tages mag Dir aus einer Partitur, die ›dem Andenken eines Engels‹ geweiht sein wird, das erklingen, was ich fühle und wofür ich heute keinen Ausdruck finde.« Für Dietmar Holland schuf Berg mit diesem Werk den »Versuch, das Leben, Sterben und die Verklärung der engelhaft schönen Manon Gropius – die Solovioline ist dabei die dramatis persona – musikalisch darzustellen.« Zwar arbeitet Alban

Berg mit den abstrakten Mitteln einer Zwölftonreihe, doch indem die Solovioline sich zuerst mit den leeren Saiten der Geige g-d-a-e einschwingt, gleichsam in Stimmung bringt, und diese Quintintervalle dann mit großen und kleinen Terzen ausgefüllt werden, wirkt die Reihe ungewöhnlich tonal und melodisch. Auf diese Weise verbindet sich die formale Strenge der Zwölftonreihe mit einer sinnlich ausdrucksstarken, zuletzt spirituell überhöhten Musik. Im sensiblen Zusammenspiel von Solovioline und Orchester wechseln sich wundersame Klänge mit einer bodenständigen Kärntner Volksweise ab, geht der wilde schmerzliche Aufschrei zu Beginn des zweiten Satzes in die lichtdurchfluteten Melodiebögen eines Bachchorals über.

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Grelle Hilferufe im Orchester *** In zwei Sätze mit jeweils zwei Teilen ist das Werk gegliedert, mit Exposition, Peripetie, Katastrophe und Epilog sind sie überschrieben, Ländlermelodien, wienerische Anklänge und derb herausfahrende Figuren erinnern in vielem an die Musik Gustav Mahlers. In den Schlussteil ist wie eine klingende Gloriole der Choral hineingewoben Es ist genug! Herr, wenn es Dir gefällt, so spanne mich doch aus! Nun gute Nacht, o Welt aus der Kantate O Ewigkeit, du Donnerwort BWV 60 von Johann Sebastian Bach. Mit der ungewöhnlichen Folge von vier aufsteigenden Ganztonschritten (a –h – cis – dis) und dem harmonisch ungeheuer reichen Satz hatte schon Bach einen besonderen Sterbechoral geschaffen, der durch Alban Berg nun nochmals intensiviert wird. Diese vier Töne sind identisch mit dem Abschluss der Zwölftonreihe, die Worte des Chorals sind in der Partitur vermerkt.


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Alban Bergs Schüler Willi Reich verfasste ein vom Komponisten autorisiertes Programm, einerseits mit musikalischen Beschreibungen, andererseits mit poetisierenden Metaphern: Demnach gibt es nach der Eröffnung eine »Vision des lieblichen Mädchens als anmutiger Reigen«, welcher »bald zart-verträumten Charakter, bald den urwüchsigen einer Kärntner Volksweise annimmt.« Als musikalisches Bild eines Todeskampfes bis hin zur »Katastrophe« erscheint in Reichs Schilderung der Allegro-Beginn des zweiten Satzes, »der als freie, stürmisch bewegte Kadenz« einsetzt und alsbald »Stöhnen und grelle Hilferufe im Orchester« hörbar werden lässt. »Im Augenblick höchster Bangigkeit setzt ernst und feierlich in der Sologeige der Choral ein. Orgelmäßig registriert beantworten die Holzbläser jede Strophe mit den Originalharmonien des klassischen Modells. Es folgen kunstvolle Variationen, denen aber immer die ursprüngliche Choralmelodie als Cantus firmus zugrunde liegt, die ›misterioso‹ aus dem Bass aufsteigt, während die Sologeige dazu einen sich langsam emporringenden Klagegesang intoniert.« Berg arbeitete im Sommer 1935 in seinem Kärntner Waldhaus fieberhaft an der Komposition. Doch war er gesundheitlich angegriffen, ein Wespenstich am unteren Ende der Wirbelsäule wuchs sich zu einem bedrohlichen Abszess und zu einer Blutvergiftung aus. Der Komponist starb am 24. Dezember 1935, das Violinkonzert Dem Andenken eines Engels wurde posthum am 19. April 1936 von Louis Krasner unter der Leitung von Hermann Scherchen in Barcelona uraufgeführt. Obwohl Robert Schumann bereits in seinem prophetischen Artikel Neue Bahnen in der Klaviermusik des jungen Brahms »verschleierte Symphonien« zu erkennen glaubte, näherte sich der Komponist eher auf verschlungenen Wegen der Gattung Symphonie. Zu übermächtig wirkten die neun Symphonien Ludwig van Beethovens, zu gewaltig der Schatten jenes Riesen, den Brahms hinter sich her marschieren hörte. (Wie mag dem stets selbstkritischen Komponisten dann zumute gewesen sein, als der Dirigent Hans von Bülow von Brahms’ Erster als der »Zehnten

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Birgit Kolar ist in Waidhofen/Ybbs (Österreich) geboren. Sie war Schülerin von Rainer Küchl und Jela Spitkova an der Musikuniversität in Wien und weitere Studien führten sie zu Wolfgang Scheiderhan, Robert Masters und Josef Luitz. 1991 war sie Finalistin und Preisträgerin beim Internationalen Yehudi Menuhin Wettbewerb in England. Solistische und kammermusikalische Konzerttätigkeit führten sie in verschiedene Länder Europas, Südamerikas und nach Japan. Birgit Kolar war unter anderem Konzertmeisterin bei den Wiener Symphonikern von 1994 bis 1996. Als Gastkonzertmeisterin spielt Birgit Kolar unter anderem in Orchestern wie dem Bayerischen Staatsorchester (Staatsoper München), dem BBC Philharmonic Orchestra, dem Bergen Philharmonic Orchestra. Von 2003 bis 2009 war sie Lehrbeauftragte an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien für das Konzertfach Violine und bekleidetet im Jahr 2011 eine Gastprofessur an der Kunstuniversität in Graz. Birgit Kolar spielt auf einer Violine Carlo Bergonzi, Cremona 1723 aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbank.

Beethovens« sprach, auch wenn dies als Kompliment gemeint war?) Bis ins Jahr 1855 reichen die Arbeiten an der ersten Symphonie zurück, ein erster Entwurf floss in das erste Klavierkonzert ein, ein Scherzo fand sich verwandelt in einem Satz des Deutschen Requiems wieder, die beiden Orchesterserenaden und die Haydn-Variationen op. 56 a sind weitere Stationen auf dem Weg zur Symphonie, die schließlich über 20 Jahre später erst abgeschlossen war. Es galt, eine eigene Orchestersprache zu finden, wobei sich Brahms in der Instrumentation durchaus an die klassische Orchesterbesetzung hielt. Bei aller Vorbildfunktion Beethovens ist doch die eigene Handschrift von Brahms überdeutlich erkennbar, indem etwa alle vier Sätze motivisch-thematisch miteinander verknüpft sind. Nach der Uraufführung der ersten Symphonie im Jahre 1876 schien der Bann allerdings gebrochen, die anderen Symphonien zwei und drei folgten in relativ kurzer Zeit in dichtem Abstand. Die Keimzelle der ersten Symphonie ist bereits in den ersten Takten zu finden: in chromatisch fortschreitenden Linien laufen Streicher und Bläser gegeneinander, und das über einem steten, drohenden Pulsieren der Pauken und Bässe. In einem Brief merkte Brahms an, dass er »nebenbei ein schwer melancholischer Mensch sei«, der beständig »schwarze Fittiche um sich rauschen höre«  –  zudem


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verweist der Musikwissenschaftler Reinhold Brinkmann auf die enge Beziehung dieses ersten Satzes zur Motette Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen. Der gewichtige Charakter bleibt auch erhalten, wenn die Sostenuto-Einleitung dem Allegro mit seinen gezackten Intervallen gewichen ist.

***

Hoch vom Berge, tief im Tal, grüß ich dich vieltausendmal *** In lichtem E-Dur erscheint der zweite Satz, ein verhaltenes Andante, in dem das Dreiton-Motiv aus dem ersten Satz wiederkehrt. Die Solo-Oboe schwingt sich zu einer ungemein innigen Melodie auf, ihr antwortet später die Solovioline, die den in der Instrumentierung weit gespannten Satz in höchste Höhen führt – für Brahms, der gerne die mittleren Klangräume betonte und ausleuchtete, ist das eine Besonderheit. Auch der dritte Satz hebt relativ lyrisch

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mit einer weich schwingenden von Streichern begleiteten Klarinettenmelodie an – es ist eher ein Intermezzo als ein Scherzo, trotz dreiteiliger Form mit kontrastierendem Mittelteil. Die beiden kürzeren Mittelsätze dieser Symphonie lenken den Blick umso mehr auf die Außensätze, das Finale bildet ein echtes Gegengewicht zum ersten Satz. Wenn sich aus der Einleitung mit den zerrissen wirkenden Pizzicato-Abschnitten das berühmte Hornmotiv herausschält, hören wir eine Alphornmelodie aus der Schweiz. Der Komponist unterlegte sie auf einer Postkarte an Clara Schumann mit dem Text Hoch vom Berge, tief im Tal, grüß ich dich vieltausendmal. Ebenso lässt das eingeschobene Choralmotiv aufhorchen, bis die Streicher jene hymnische Melodie anstimmen, die den Satz prägt. Hornruf, Chor und Hymnus stehen für die Natur und den darin selbsttätig wirkenden Menschen. Somit bildet dieses Finale mit seiner warm atmenden Melodik und Geschlossenheit auch einen versöhnlichen Gegenentwurf zur eher abstrakten oder sperrigen Welt des ersten Satzes, das große Bläserthema bringt den krönenden Abschluss. Katharina von Glasenapp


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K AMMERKONZERT Sonntag, 10. Februar 2019  // 11.15 Uhr  // Festsaal Inselhotel Konstanz Karten: 18 Euro · ermäßigt 14 Euro Kombikarte Konzert und Essen: 50 Euro Kinder essen à la carte Veranstaltungsbüro des Inselhotels, Telefon: 07531 125-466

Strukturen I Béla Bartók 1881 – 1945

Streichquartett Nr. 1 op. 7 Lento Allegretto Introduzione: Allegro – Allegro vivace Béla Bartók

Streichquartett Nr. 3 op. Moderato Allegro Moderato Allegro molto Ludwig van Beethoven 1770 – 1827

Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 Allegretto Vivace Assai lento, cantante e tranquillo Der schwer gefasste Entschluss: Grave, ma non troppo tratto (Muss es sein?) – Allegro (Es muss sein!) – Grave, ma non troppo tratto – Allegro

Circolo Quartett Kyoko Tanino VIOLINE Pawel Katz VIOLINE Margit Bonz VIOLA John Wennberg VIOLONCELLO

Es muss sein! Wer sich unglücklich in eine Violinistin verliebt, kann immerhin für sie komponieren. Das taten, zu verschiedenen Zeitpunkten, Othmar Schoeck, Willy Burkhard und Béla Bartók – alle aufgrund ähnlicher Leidenschaft für die selbe Künstlerin. Bei Bartók war es 1907/08 soweit: Da schrieb er das Streichquartett Nr. 1 als Verarbeitung seiner Gefühle zu Stefi Geyer. Die, wie er, aus Ungarn stammende Geigerin hatte bereits als »Wunderkind« Furore gemacht, wobei neben ihrem Können stets »Persönlichkeit und Aussehen« gepriesen wurden. Die emotionale Energie, die all dies auch bei Bartók freisetzte, ist in ihrer musikalischen Umwandlung als Eröffnungsstück zu erleben. Erwartbar melancholisch beginnt das Werk: Mit einem tiefen Seufzer in Gestalt einer fallenden Sexte, der natürlich der ersten Violine vorbehalten ist. Doch dann, nachdem exakt ein Drittel der Komposition der Trauer gewidmet war, steigert sie sich sukzessive in Tempo und Vitalität, was auch in der zunehmenden Verwendung von Figuren aus der ungarischen Folklore zum Ausdruck kommt. Mit anderen Worten: Bartók, so scheint es, verschafft sich mit diesem Werk einen Ausgang aus dem selbst durchlebten Unglück. Zumindest empfand und bezeichnete Zoltán Kodály das Quartett als »Rückkehr« seines Freundes Bartók »zum Leben«. Fast zehn Jahre dauerte es, bis Bartók das nächste Streichquartett fertig gestellt hatte, und weitere zehn Jahre, bis auch Quartett Nr. 3 erschien. Der direkte Vergleich macht erlebbar, welchen Zuwachs an Experimentierfreude Bartóks Werk in diesem Zeitraum gewonnen hat. Bartók wagt harmonische Abfolgen, die ihm zwanzig Jahre zuvor offenbar undenkbar schienen, und lässt die Musiker allerlei Spezialeffekte ausführen: von weit ausholenden Glissandi-Figuren, also stufenlosen Klangrutschen, über hart am Instrumentensteg erstrichene Metallic-Sounds bis hin zur Anweisung, die Saiten mit dem Holz des Bogens


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statt mit dessen Haar zu bearbeiten. Die Verwobenheit der vier Stimmen, die sich gegeneinander behaupten und miteinander verknoten, kurz: Ihr kontrapunktischer Wetteifer steigert sich zu einem furiosen Feuerwerk, das ohne Übergang durch die vier Sätze des Werkes fegt – eine pausenlose Herausforderung für die Interpreten. Konsequenterweise schließt das Programm mit Beethoven, der für Bartók ein wichtiges Vorbild war. Der Sprung zurück in der Geschichte misst 100 Jahre und führt zu Beet­ hovens Streichquartett Nr. 16 (F-Dur), das 1826 entstand – als letztes abgeschlossenes Werk Beethovens. Denn fünf Monate nach dem F-Dur-Quartett war der Meister tot, was die ohnehin mannigfaltige interpretatorische Aufladung dieses Werks natürlich weiter befeuerte. Beethoven selbst gab den Spekulationen Raum, in dem er die Worte »Muß es sein?« und »Es muß sein!« in die Partitur des letzten Satzes schrieb, dessen hinterer Teil auch noch mit Der schwer gefasste Entschluss betitelt ist. Geht es hier um Todesahnungen, verstärkt durch den kurz zuvor erfolgten Suizidversuch seines Neffen, mit dem Beethoven während der Komposition unter einem Dach wohnte?

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Anton Schindler, Beethovens Sekretär und erster Biograph kolportierte eine sehr viel banalere Erklärung: Er behauptete, Beethovens so existentiell wirkende Frage habe sich lediglich auf die Notwendigkeit bezogen, die Haushälterin zu entlohnen. Um das zu untermauern, fälschte Schindler – was er ohnehin wiederholt tat – eine Seite des Konversationshefts, mit dem sich der ertaubte Beethoven mit seiner Umwelt verständigte. Schindler schob Beethoven dort den Satz unter: »Die Alte braucht wieder ihr Wochengeld«. Allerdings soll sich das »Es muß sein!« in der Tat auf Pekuniäres bezogen haben: Auf 50 Gulden, mit denen sich der Musikliebhaber Ignaz Dempscher die Uraufführung des Quartetts in seinem Haus sicherte. Diese Erklärung ist glaubwürdiger als die Wochengeldgeschichte, zumal Beethoven die Forderung an Dempscher auch mit einem Kanon bekräftigte: »Es muß sein, ja, ja, ja, heraus mit dem Beutel! Heraus, heraus, es muß sein!« Der Kammermusik­ abend zeigt also: Liebe ist eine, aber nur eine der möglichen Inspirationen für Meisterwerke. Henning Bleyl


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SONDERREIHE Freitag, 15. Februar 2019  // 19.30 Uhr  // Festsaal Inselhotel Konstanz Konzertdauer: ca. 95 Minuten Karten: 38 ∙ 28 Euro  ·  Wolfgang x 3 (Wolfgang am See I bis III): 74 ∙ 56 Euro

Wolfgang am See I GALANT

Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Symphonie Nr. 25 g-Moll KV 183 Allegro con brio Andante Menuetto Allegro

Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur KV 417 Allegro maestoso Andante Rondo Più allegro Pau se

Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur KV 447 Allegro Romanze: Larghetto Allegro

Symphonie Nr. 29 A-Dur KV 201 Allegro moderato Andante Menuetto Allegro con spirito

Christoph Eß HORN Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Auf den Punkt An Christoph Eß kann man sehen, wie weit man es mit Märchen bringen kann. Im Alter von drei Jahren hörte er eine Schallplatte mit Sergei Prokofjews Peter und der Wolf. Ab da war ihm klar, dass er später unbedingt mal das Horn spielen möchte. Heute, mehr als 30 Jahre danach, gilt Eß als einer der besten Hornisten seiner Generation. Was ihn damals so faszinierte an dem Märchen? »Den Wolf habe ich nicht wieder aus dem Kopf bekommen, der hat mich sehr begeistert«, erklärt der Hornist. Das erste Mal selbst ausprobiert habe er das Instrument dann im Alter von sechs Jahren mit einem eigens für ihn angefertigten Kinderhorn. Von da an ging Eß seinen Weg: Spielte bei Jugend musiziert!, später auch in den Landes- und Bundesauswahlorchestern. Trotzdem habe er sich lange nicht als Berufsmusiker gesehen, das sei erst stückweise gekommen. Schon zu Beginn seines Studiums an den Musikhochschulen Basel und Stuttgart nimmt er an Wettbewerben teil – und das mit erheblichem Erfolg. Die Liste seiner Auszeichnungen ist bis heute auf ein beachtliches Maß angewachsen: Er wurde Preisträger beim Klassik-Festival-Ruhr, dem 1°Concorso Internazionale per Corno di Sannicandro di Bari, dem ARD-Wettbewerb in München und dem Richard-Strauss-Wettbewerb. 2007 gewann Christoph Eß zusammen mit sieben Sonderpreisen den weltweit renommierten Musikwettbewerb Prager Frühling. Im darauf folgenden Jahr wurde ihm der WEMAG-Solistenpreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und 2009 ein Stipendium des Deutschen Musikwettbewerbs verliehen. 2011 wurde er in die Orpheum Stiftung zur Förderung junger Solisten in Zürich aufgenommen und gab im Zuge dessen sein Debüt in der Züricher Tonhalle.


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Dazu passt, dass er sein erstes festes Engagement in einem Orchester mit 22 erreichte. Und das nicht bei irgendeinem Klangkörper, sondern bei den Bamberger Symphonikern, wo er noch heute fest engagiert ist. Als Solist gastierte er mit weiteren namhaften Orchestern wie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Radio-Sinfonieorchester Berlin und den Kammerorchestern München, Stuttgart und Salzburg. Seit 2017 ist er auch Professor für Horn an der Musikhochschule Lübeck.

***

Einer seiner Helden ist Wolfgang Amadeus Mozart *** Obwohl Christoph Eß im Studium auch Klavier gelernt hat, blieb er dem Horn immer treu. »Ich mag vor allem den Klang und diese immense Klangvielfalt. Man kann sehr leise, aber auch sehr laut spielen. Das geht in so einer Breite mit kaum einem anderen Instrument«, sagt der Musiker. Was ihn auch beim Horn gehalten habe, sei die große Vielfalt an Literatur, die es durch alle musikalischen Epochen hindurch für das Horn gebe. Einer seiner Helden ist Wolfgang Amadeus Mozart: »Das ist das absolute Highlight in unserer Literatur. Ich behaupte mal: Es gehört zum Standard- aber auch zum absoluten Lieblingsrepertoire eines jeden Hornisten«, sagt Eß. Wohl auch deshalb befasst sich seine jüngste CD mit Mozarts Horn-Konzerten. Eingespielt hat er sie mit dem Essener Folkwang Kammer­ orchester. Stücke daraus wird er nun auch bei seinem Konzert mit der Südwestdeutschen Philharmonie spielen. »Ich freue mich sehr darauf, für mich ist das ein großes Glück, diese Werke jetzt auch vor Publikum spielen zu können«, so Eß.

Christoph Eß gastiert nun übrigens nicht zum ersten Mal in Konstanz. Mit seinem Quartett german hornsound trat er bereits vor einigen Jahren hier auf. Nicht nur als Künstler, sondern auch als Musikvermittler: In dem Projekt Lauschangriff erklärte er gemeinsam mit seinen Mit-Musikern Studenten der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), wie genau das geht mit dem Horn spielen. Ein Geheimnis dabei demnach: »Beim Horn geht viel über die mentale Stärke. Natürlich musst du dein Instrument perfekt beherrschen, aber eine Fokussierung auf den Punkt hin ist extrem wichtig. Die Technik muss sehr ausgefeilt sein, um die sonst leicht entstehenden Kiekser zu vermeiden«, so Christoph Eß. Michael Lünstroth


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SONDERREIHE Samstag, 16. Februar 2019  // 19.30 Uhr  // Festsaal Inselhotel Konstanz Konzertdauer: ca. 95 Minuten Karten: 38 ∙ 28 Euro  ·  Wolfgang x 3 (Wolfgang am See I bis III): 74 ∙ 56 Euro

Wolfgang am See II VERSPIELT

Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Symphonie Nr. 1 Es-Dur KV 16 Allegro molto Andante Presto

Violinkonzert Nr. 5 KV 219 A-Dur Allegro aperto Adagio Rondeau: Tempo di Mennetto Pau se

Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 »Jupiter« Allegro vivace Andante cantabile Menuetto. Allegretto Molto allegro

Petteri Iivonen VIOLINE Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Likes und Herzen Heute hätte Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) wahrscheinlich einen Youtube-Kanal, einen Instagram-Account und ein Twitter-Konto. Immer und überall könnte der Ausnahmekomponist mit seinen Anhängern kommunizieren, Likes und Herzen sammeln, in sein unermüdliches Schaffen einen intimen Einblick geben. Oder hätte er das gar nicht nötig? Mozart elektrisierte die Massen nicht nur seinerzeit - wer seinen Werken lauscht, den nimmt der Zauber nach wie vor gefangen. Mit dem Konzertprogramm entführt Chefdirigent Ari Rasilainen mit der Symphonie Nr. 1, dem Violinkonzert Nr. 5 und der Symphonie Nr. 41 Jupiter in Mozarts farben- und klangreiche Kompositionen und kitzelt unterschiedliche Aspekte heraus. Verspielt greift drei wichtige Stationen im Leben des Salzburgers Wolfgang Amadeus Mozart auf. Ein Wunderkind. Ein Beiname, den man sich nicht verdienen kann, sondern aus Respekt, Bewunderung und Überwältigung verliehen bekommt. Der junge Mozart verfügt nicht nur über ein herausragendes Talent als Pianist und später auch Violinspieler, er arbeitet bereits als Kind schöpferisch mit Klangwelten, Tempi und Tonlagen und schreibt im Alter von acht Jahren seine erste – zumindest überlieferte – Symphonie. Seinerzeit lebte die Familie in London, den Vater plagten starke Halsschmerzen und Wolfgang wie Schwester Maria Anna, genannt Nannerl, sollten sich ruhig verhalten. Die verordnete Ruhe mündete in der Symphonie Nr. 1 Es-Dur KV 16. Mozart zeigt zwei Facetten eines begnadeten Achtjährigen: die Kunst des impulsiven Spielens und ein intuitives Gespür für den richtigen Ton. Er spielte in dieser ersten Symphonie mit großer Frische und ausgewiesenem Vergnügen am musikalischen Experiment mit Tonlagen und Klangwelten. Das berühmte Werk vermittelt leichtfüßig


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die Stimmung der italienischen Opera buffa und mühelos scheint er sich in komplexe Strukturen hineindenken zu können. Mozart, ein Wunderkind? Tatsächlich nährt er mit seiner gut zehn Minuten währenden Symphonie mit den drei Sätzen Allegro molto, Andante und Presto dieses Bild. Die Uraufführung fand 1765 in London statt. Szenen- und Instrumentenwechsel. Gut einen Monat vor seinem 20. Geburtstag vollendete Wolfgang Amadeus Mozart sein Violinkonzert A-Dur KV 219.

***

Mozart war erschöpft *** Das 1775 komponierte und kurz vor Weihnachten in Salzburg uraufgeführte Werk steht zugleich für die hohe Kunst der Tonartwechsel, versprüht Schönheit und dämonische Töne gleichermaßen. Das Stück, wegen seiner Maskerade im türkischen Stil im Finale auch The Turkish genannt – bildet jedoch nicht nur einen Höhepunkt des Violinspiels ab, es ist zudem auch das letzte der fünf von ihm komponierten Violinkonzerte. Es gilt als schönstes Zeugnis seines Violinspiels: anspruchsvoll, melodisch einprägsam, reicher Orchesterklang. Die türkische Episode im Finale entstammt im Übrigen einer Ballettmusik, die Mozart für seine letzte Mailänder Oper Lucio Silla skizziert hatte. Gekonnt verwebt er hier fremdartige Harmonien und

Der finnische Violinist Petteri Iivonen wird von der Il Gezzettino als Künstler “mit makeloser Technik und expressivem Ausdruck” gepriesen, die Helsingin Sanomat lobt seine „Kontrolle und emotionale Sensibilität“. Der in Helsinki geborene Violinist Petteri Iivonen spielt seit seinem 4. Lebensjahr Violine. Nach seinem Studium an der Jean Sibelius Akademie sowie der Universität von Tel Aviv, wird er seine Studien bei Prof. Shaham an der Stony Brook Universität in New York fortsetzen. Höhepunkte seiner Karriere umfassen Soloauftritte mit großen Orchestern weltweit, wie dem Israel Philharmonic Orchestra, der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, um nur einige zu nennen. Er hat mit hochgeschätzten Dirigenten und bekannten Künstlern ge­arbeitet, und ist als hingebungsvoller Kammermusiker ein regelmäßiger Gast bei verschiedenen Musikfestivals. Er spielt eine G.B. Guadagnini von 1755 dank der Großzügigkeit der Finnischen Kulturstiftung.

­ ramatische Akzente. Schlusspunkt des Konzertabends d setzt die »Symphonie mit der Schlussfuge«. Die Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 Jupiter gilt als eines der gelungensten Stücke der Symphonik. Mozart war erschöpft, finanziell und psychisch am Ende. Ein Zustand, den diese Musik nicht widerspiegelt. Hier blitzt das Wunderkind jetzt gepaart mit kompositorischer Reife erneut auf. Vier Sätze und gut 30 Minuten voller reiner und klarer Bilder: Allegro vivace, Andante cantabile, Menuetto Allegretto, Molto allegro. Die in einem klassischen Sonatensatz gebettete Symphonie begeistert mit musikalischer Präzision und kontrastierenden Hauptthemen. Das als Jupitersymphonie in die Annalen eingegangene Stück gilt als Meisterwerk der Wiener Klassik. Mozarts letzte Symphonie entstand im Sommer 1788 in Wien und trat nach seinem Tod einen weltweiten Triumphzug an. Corinna Fuchs-Laubach


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SONDERREIHE Sonntag, 17. Februar 2019  // 18 Uhr  // Festsaal Inselhotel Konstanz Konzertdauer: ca. 70 Minuten Karten: 18 Euro ∙ 14 Euro  ·  Wolfgang x 3 (Wolfgang am See I bis III): 74 ∙ 56 Euro

Wolfgang am See III GESCHENKT

Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Streichquartett G-Dur KV 387 Allegro vivace assai Menuetto. Allegro Andante cantabile Molto allegro

Klarinettenquintett A-Dur KV 581 Allegro Larghetto Menuetto – Trio I -/Trio II Allegretto con variazioni

Circolo Quartett Kyoko Tanino VIOLINE Pawel Katz VIOLINE Margit Bonz VIOLA John Wennberg VIOLONCELLO Erich Born KLARINETTE

Freundschaft »Berühmter Mann und mein teuerster Freund, nimm hier meine Kinder.« »Meine Kinder«, das waren sechs Streichquartette – das G-Dur-Streichquartett KV 387 ist das erste dieses Zyklus–, die Wolfgang Amadeus Mozart seinem »berühmten« und »teuersten Freund« Joseph Haydn 1785 zum Geschenk machte. Mit diesen sechs »Kindern« hatte Mozart von 1782 bis 1785 seine liebe Mühe gehabt. Das zeigen die für ihn ungewöhnlich vielen Korrekturen und Retuschen, die in seinen handschriftlichen Partituren dieser sogenannten »Haydn-Quartette« zu finden sind. Auch die verhältnismäßig lange Entstehungszeit von drei Jahren verweist auf einiges Kopfzerbrechen. Haydn galt und gilt als der Begründer und absolute Großmeister der Gattung Streichquartett, und da empfand wohl selbst ein Mozart bei der Komposition einen gewissen Leistungsdruck. Natürlich sind diese Quartette eine Hommage an Haydns Musik, nehmen seine Werke zum Vorbild. Doch geht Mozart deutlich darüber hinaus, experimentiert in seinen »Haydn-Quartetten« frei und für die damalige Zeit mitunter geradezu frech. Wie er im Menuett des G-Dur-Streichquartetts beispielsweise Akzente gegen den Takt setzt, dürfte viele Hörer irritiert haben. Und der im Finalsatz kunstvoll und kühn konzipierten Fuge, in der sich schon die grandiose Schlussfuge der Jupitersymphonie von 1788 anzukündigen scheint, lässt Mozart ganz kess eine derb-fröhliche Melodie à la Gassenhauer folgen. »Ich sage ihnen vor gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne: er hat geschmack, und über das die größte Compositionswissenschaft«, so der Widmungsträger Haydn nach einer Aufführung der Quartette in Wien zum anwesenden Vater Mozart. Ein solches, seinem Vater


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gegenüber geäußertes Lob, konnte der junge Mozart gut gebrauchen, denn Leopold Mozart war 1781 verletzt und entsetzt gewesen über Wolfgangs Entschluss, von Salzburg wegzugehen und fortan als freier und unabhängiger Künstler in Wien zu leben – und das auch noch mit einer nach Leopolds Meinung völlig unpassenden Ehefrau.

***

Geld, das sie beide nicht hatten, aber trotzdem ausgaben *** Wie die »Haydn-Quartette«, war Mozarts Klarinettenquintett A-Dur kein Präsent an irgendeinen adligen Sponsor zwecks Gunst-Erhaltung, sondern ein ganz persönliches Geschenk, und zwar an den Klarinettisten Anton Stadler. Stadlers Spiel muss technisch und vor allem auch musikalisch-gestalterisch famos und sehr berührend gewesen sein. Einer seiner Zeitgenossen fand dafür diese berühmt gewordenen Worte: »Was du mit deinem Instrument beginnst, das hört’ ich noch nie. Hätt’s nicht gedacht, dass ein Klarinet menschliche Stimmen so täuschend nachahmen könnte, als du sie nachahmst. Hat doch dein Instrument einen Ton so weich, so lieblich, dass ihm niemand widerstehn kann, der ein Herz hat.« Mozarts Liebe zur Klarinette und seine Kompositionen für das zu jener Zeit noch sehr neue Instrument waren ganz eng mit Stadler verbunden. Dabei war Stadler für Mozart nicht nur der bewunderte Klarinettist, sondern auch sein Logenbruder und ein enger, wenn auch nicht

immer loyaler Freund. Man sprach viel über Musikalisches. Aber auch über Religiöses oder Privates tauschten sich die beiden Männer aus, sowie über Geld, das sie beide nicht hatten, aber trotzdem ausgaben. Und was sicherlich auch nicht unwichtig für ihr Verhältnis war: Beide hatten einen ähnlichen Humor, neckten sich mit seltsam-ulkigen Spitznamen-Erfindungen – »Ribiselgesicht« (»Johannisbeergesicht«) für den beim Klarinette spielen immer rot anlaufenden Stadler war da noch Mozarts nachvollziehbarste Wortschöpfung. Mozarts Klarinettenquintett von 1789, das Klarinettenkonzert für Stadler folgte zwei Jahre später, ist das erste Werk für diese Besetzung überhaupt. Auffallend ist die klangliche Ausgeglichenheit zwischen den fünf Instrumenten in allen vier Sätzen. Aufhorchen lassen aber auch ungewöhnliche dissonante Reibungen. Heiterkeit und Melancholie liegen hier ganz nah beieinander und lassen erahnen, dass dieses Quintett nicht nur ein Werk der Freundschaft ist, sondern dass diese Musik vielmehr auch über eine Freundschaft erzählt. Andrea Hechtenberg


48 SCHÖN WARST DU DA!  werbeGreis, in Person von Ekkhard Greis, ist ein langjähriger Partner der Philharmonie. In seinen Anzeigen im TAKT verwendet er traditionell Produkte oder Aktivitäten, die er für uns umgesetzt hat. Bei seiner Anzeige im TAKT 01/18·19 gab es erstmals Rückfragen, denen wir auf die Spur gehen.

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kurznachgefragt Was war die Unklarheit in den Reaktionen, die Sie erhalten haben? Die Fragen haben sich immer auf einen bestimmten Teil der Schrift im Banner bezogen: Schön warst du da? Wo ist das Problem? Wir leben ja in Deutschland, also: es fehlt ein Komma! Wie haben Sie reagiert? Ich war ziemlich überrascht zunächst, denn das war ja nicht nur ein typischer Fehlmann Ausspruch, den man immer wieder hören konnte (Schön sind Sie da!), sondern ist ja auch einfach schwyzerdeutsch. Und Ihre Erklärung? Na, ich habe festgestellt, dass die meisten Menschen beim Lesen sich doch intuitiv korrekt an die deutsche Sprache halten oder sich an ihr orientieren. Aber ich freue mich, dass ich es immer aufklären und mit dieser Anzeige ein kleines Andenken aufrecht erhalten konnte.

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e du ART -FA MILIENKONZERT Sonntag, 24. Februar 2019  // 11 und 15 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz Geeignet für Kinder ab 6 Jahren. Karten: Erwachsene 12 · Kinder 6 · Familien 25 Euro

Max und Moritz Eine musikalische Lausbubengeschichte nach Wilhelm Busch mit Musik von Gisbert Näther

Kennst du die Geschichte von Max und Moritz? Was sie mit Witwe Bolte, Schneider Böck, Lehrer Lämpel und Onkel Fritz alles anstellen, ist überhaupt nicht artig. Aber lustig ist es schon, wenn zwei Schau­spieler die allseits bekannten Streiche spielen und ein großer Kontrabasskasten dabei zur geheimnisvollen Zauberkiste wird. Wenn dann noch die Musiker geärgert werden und Gisbert Näthers humorvoll komponierte Musik dazu kommt, ist so einiges los auf der Bühne …

Prisca Maier SCHAUSPIELERIN · Cornelius Nieden SCHAUSPIELER Eldar Saparayev DIRIGENT · Südwestdeutsche Philharmonie


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SONDERKONZERT Freitag, 1. März 2019  // 19.30 Uhr  //  Aula PH Kreuzlingen [CH]  Karten und Informationen: 30 Euro · 35 CHF  //  Kreuzlingen Tourismus, Hauptstrasse 39, 8280 Kreuzlingen, Telefon +41 (0)71 672 38 40.

Rising Stars

Mit der Abschlussklasse der Zürcher Hochschule für Künste

Robert Schumann 1810 – 1856

Klavierkonzert a-Moll op. 54 Allegro affettuoso Intermezzo: Andantino grazioso Rondo: Allegro vivace Pau se Johannes Brahms 1833 – 1897

Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68 Un poco sostenuto – Allegro Andante sostenuto Un poco allegretto e grazioso Finale: Adagio – Più andante – Allegro non troppo, ma con brio

Ajaka Tsuji KLAVIER (DIPLOMKONZERT) Johannes Schlaefli LEITUNG

Ohne das Andere Zwei große symphonische Werke der Romantik stehen auf dem Programm. Clara Schumann, Solistin in der Uraufführung, schrieb begeistert: »Das Clavier ist auf das Feinste mit dem Orchester verzahnt – man kann sich das Eine nicht denken ohne das Andere«. Und pathetisch-monumental zeigt sich die 1. Symphonie von Brahms. »Durch Nacht zum Licht« könnte sie überschrieben sein, ähnlich wie Beethovens »Schicksal«-Symphonie (ebenfalls in c-Moll). Text: GML Kreuzlingen

In Kooperation mit der Gesellschaft für Musik und Literatur Kreuzlingen


Konzertkalender DEZEMBER · JANUAR · FEBRUAR · MÄRZ

DEZEMBER 2018

JANUAR 2019

FEBRUAR 2019

Freitag, 7. Dezember 2018 // 19.30 Uhr  Abo B Konzil Konstanz EXOTISCH Nielsen: Aladdin Suite Grieg: Klavierkonzert Melartin: Symphonie Nr. 5 Anika Vavić KLAVIER Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Dienstag, 1. Januar 2019 // 19 Uhr Graf-Burchard-Halle Frickingen Mittwoch, 2. Januar 2019 // 19.30 Uhr Abo Radolfzell Milchwerk Radolfzell Samstag, 5. Januar 2019 // 19.30 Uhr Konzil Konstanz Sonntag, 6. Januar 2019 // 20 Uhr Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen Samstag, 12. Januar 2019 // 20 Uhr Stadthalle Singen NEUJAHRSKONZERT Éljen a Magyar! Insa Pijanka MODERATION Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Freitag, 1. Februar 2019 // 19.30 Uhr  Abo C Konzil Konstanz Samstag, 2. Februar 2019 // 19 Uhr Kulturhaus Schloss Großlaupheim Laupheim Sonntag, 3. Februar 2019 // 18 Uhr  Abo D Mittwoch, 6. Februar 2019 // 19.30 Uhr  Abo A Konzil Konstanz ENGELHAFT Beppe: Heart Berg: Violinkonzert Brahms: Symphonie Nr. 1 Birgit Kolar VIOLINE Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT

Samstag, 8. Dezember 2018 // 18 Uhr Konzil Konstanz GENIAL! II: NORDEN Melartin: Symphonie Nr. 5 Carolin Bergmann & Katharina Vogt MODERATION Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT Sonntag, 9. Dezember 2018 // 18 Uhr  Abo E Konzil Konstanz EXOTISCH Nielsen: Aladdin Suite Grieg: Klavierkonzert Melartin: Symphonie Nr. 5 Anika Vavić KLAVIER Ari Rasilainen CHEFDIRIGENT Samstag, 15. Dezember 2018 // 11, 14 u. 16 Uhr Wolkenstein-Saal Kulturzentrum am Münster, Konstanz eduART Sitzkissenkonzert DER ALLERKLEINSTE TANNENBAUM Anna Hertz SCHAUSPIELERIN Circolo Quartett Freitag, 14. Dezember 2018 // 20 Uhr Samstag, 15. Dezember 2018 // 20 Uhr BASF Feierabendhaus Ludwigshafen Sonntag, 16. Dezember 2018 // 18 Uhr Schänzlehalle Konstanz UNLIMITED I: MUSIC FOR CHRISTMAS NIGHTS Ensemble Quadro Nuevo Markus Huber DIRIGENT Mittwoch, 19. Dezember 2018 // 9.30 Uhr Öffentliche Generalprobe Mittwoch, 19. Dez. 2018 // 19.30 Uhr  Abo A Freitag, 21. Dezember 2018 // 19.30 Uhr  Abo C Sonntag, 23. Dezember 2018 // 18 Uhr  Abo D Konzil Konstanz HEROISCH Schönberg: Ode an Napoleon Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 Beethoven: Symphonie Nr. 3 Fabio Martino KLAVIER Marcus Bosch ERSTER GASTDIRIGENT

Sonntag, 13. Januar 2019 // 11 u. 15 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WALZERSCHRITT UND POLKAHIT eduART Familienkonzert – Kinder-Neujahrskonzert Marko Simsa ERZÄHLER Erke Duit DIRIGENT Donnerstag, 17. Januar 2019 // 17 Uhr Konzertkirche Schaffhausen [CH] Debussy: Images 2. Ibéria Bartók: Violinkonzert Nr.2 Schumann: Symphonie Nr. 3 Annedore Neufeld LEITUNG Sonntag, 20. Januar 2019 // 18 Uhr Schänzlehalle Konstanz UNLIMITED II: FREMDE ODER FREUNDE Helena Goldt GESANG Dirk Wagner GESANG Tobias Bücklein LEITUNG, GESANG Freitag, 25. Januar 2019 // 19.30 Uhr  Abo B Konzil Konstanz FORTSCHRITTLICH Webern: Im Sommerwind Schubert/Reger: Lieder Berg: Lieder Schubert: Symphonie Nr. 3 Sarah Wegener SOPRAN Michael Hofstetter DIRIGENT Samstag, 26. Januar 2019 // 18 Uhr Konzil Konstanz GENIAL! III: OSTEN Schubert: Symphonie Nr. 3 Michael Auer MODERATION Michael Hofstetter DIRIGENT

Sonntag, 10. Februar 2019 // 11.15 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz Kammerkonzert STRUKTUREN I Bartók: Streichquartett Nr. 1 und Nr. 3 Beethoven: Streichquartett Nr. 16 Circolo Quartett Freitag, 15. Februar 2019 // 19.30 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WOLFGANG AM SEE I: GALANT Samtag, 16. Februar 2019 // 19.30 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WOLFGANG AM SEE II: VERSPIELT Sonntag, 17. Februar 2019 // 18 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WOLFGANG AM SEE III: GESCHENKT Sonntag, 24. Februar 2019 // 11 u. 15 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz eduART Familienkonzert MAX UND MORITZ Prisca Maier SCHAUSPIELERIN Cornelius Nieden SCHAUSPIELER Eldar Saparayev DIRIGENT

MÄRZ 2019 Freitag, 1. März 2019 // 19.30 Uhr Aula PH Kreuzlingen [CH] RISING STARS Ajaka Tsuji KLAVIER Johannes Schlaefli LEITUNG

Sonntag, 27. Januar 2019 // 18 Uhr  Abo E Konzil Konstanz FORTSCHRITTLICH Webern: Im Sommerwind Schubert/Reger: Lieder Berg: Lieder Schubert: Symphonie Nr. 3 Sarah Wegener SOPRAN Michael Hofstetter DIRIGENT

Karten jederzeit unter:  print@home www.philharmonie-konstanz.de  ·  Tel.: 07531 900-150 Impressum Herausgeber: Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, Fischmarkt 2, 78462 Konstanz Redaktion: Corinna Bruggaier CB, Rouven Schöll RS, Susanne Schlegel-Creutzburg SCHL Fotos: Ilja Mess (Titelbild), 10 Marco Borggreve (Vavić), 16 Quadro Nuevo (Ensemble Quadro Nuevo), 17 www.markus-huber.com (Huber), 21 Ulf Krentz (Bosch), 22 Germania Heibe (Martino), 25 Stadt Konstanz/Patrick Pfeiffer (Burchardt), 27 Patrick Pfeiffer (Instrumente), 31 Danneffel (Bücklein), 33 Simon Wagner (Wegener), 35 www.operamusica.com (Hofstetter), 43 Hendrik Steffens (Eß), 45 www.petteriiivonen.com (Iivonen)  |  Illustrationen eduART: Susanne Smajić  |  Gestaltung Seite 6/7: whitebox Strategische Marketingkommunikation Gestaltung: albers mediendesign konstanz  |  Druck: Druckerei Konstanz GmbH; Auflage: 61.000 Exemplare Bild- und Tonaufnahmen der Konzerte durch jede Art elektronischer Geräte sind nur in Absprache und mit Genehmigung der Südwestdeutschen Philharmonie gestattet. Zuwiderhandlungen sind nach dem Leistungsschutz- und Urheberrechtsgesetz (UrhG) strafbar. Wir bitten Mobiltelefone im Konzertsaal auszuschalten, sowie während des Konzertes auf Essen und Trinken zu verzichten.


EIN PAUKENSATZ ZU WEIHNACHTEN Der Freundeskreis unseres Orchesters unterstützt seit vielen Jahren die musikalische Bildungsarbeit im Rahmen der eduART-Reihe sowie Neuanschaffung von Instrumenten. Der im November 2018 neu gewählte Vorstand verstärkt den Schwerpunkt hinsichtlich der Unterstützung beim Kauf von Instrumenten, der für die Musiker und das Orchester existentiell ist. Die Philharmonie besitzt bis heute nur einen konzerttauglichen Kessel-Pauken-Satz. Durch eine Neuanschaffung wird das Orchester künstlerisch-qualitativ, aber auch logistisch einen großen Entwicklungsschritt machen können.

Wir freuen uns, im Sinne unseres Solo-­ Paukers und Freundeskreis-Mitglied diese wichtige Investition zu unterstützen. Die winterliche Spende-Aktion unseres Vereins dreht sich also um diese Investition. Wer einen Beitrag leisten möchte, ist dazu sehr herzlich eingeladen: Sparkasse Bodensee IBAN DE 45 6905 0001 0000 0454 92 BIC SOLADES1KNZ Stichwort: Pauken

Wir danken Ihnen von Herzen und wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit!

TAKT Winter 2018-2019  

In unserem Quartalsmagazin TAKT finden Sie alles Wissenswerte rund um unsere Konzerte und vieles mehr.

TAKT Winter 2018-2019  

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