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absolute Black Beats Herausgegeben von Max Annas und Martin Baltes mit historischen Beats von Max Annas

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absolute Black Beats Hg. v. Max Annas, Martin Baltes Freiburg: orange-press 2003 Copyright für die deutsche Ausgabe 2003 bei © orange-press GmbH Alle Rechte vorbehalten Buchgestaltung: Annette Schneider Hergestellt in Deutschland Herstellungshinweis Dieser Band ist wie alle Bände der absolute-Reihe als Schweizer Broschur gebunden. Bei der Schweizer Broschur wird der fadengeheftete »Buchblock« nur auf der Rückseite in die »Decke«, den Einband eingeklebt, »eingehängt«. Die Machart des Buchs, die Fadenheftung, bleibt so sichtbar. Dank dieser Bindung lassen sich die Bücher ganz (180°) aufschlagen und bleiben auch aufgeschlagen liegen! Die im Text angegebenen URLs verweisen auf Websites im Internet. Der Verlag ist nicht verantwortlich für die dort verfügbaren Inhalte, auch nicht für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Informationen. ISBN 3-936086-15-x orange-press.com


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Malcolm X – Interview mit Alex Haley

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Beat I Afrika vor der ersten Invasion Olaudah Equiano Merkwürdige Erinnerungen David Walker Appell an alle farbigen Bürger der Welt Sojourner Truth Ain’t I a Woman? – Bin ich etwa keine Frau? Frederick Douglass Aus dem Leben des Frederick Douglass Beat II Sklaverei Booker T. Washington Der Kompromiss von Alanta W. E. B. Du Bois Über Booker T. Washington und andere Ida B. Wells Über das Lynchen Martin Luther King Lasst den Ruf der Freiheit erklingen

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Beats VI Post Soul Touré Meine Geschichte

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Lebensdaten, Bibliografie, Text- und Bildnachweise, Dank

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Personenregister

Beat III Freiheit? W. E. B. Du Bois Das Negervaterland Aimé Césaire Über den Kolonialismus Kwame Nkrumah Afrika muss eins werden Beat IV Erinnerungen an Afrika Huey P. Newton Vom korrekten Umgang mit der Revolution Eldridge Cleaver Interview mit Lee Lockwood James Baldwin Offener Brief an meine Schwester A. Davis Angela Davis Der Mythos vom schwarzen Vergewaltiger Steve Biko Die schwarzen Seelen der Weißen Beats V Die Wahl der Waffen Alice Walker Auf der Suche nach den Gärten unserer Mütter Steve Biko Bemerkungen zur afrikanische Kultur bell hooks Müssen wir jede Frau »Schwester« nennen?


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Malcolm X Interview mit Alex Haley (1963)

Worum geht es den Black Muslims?

Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit sind unsere wichtigsten Anliegen. Und treu unserem ehrenwerten Elijah Muhammad zu dienen und zu folgen, ist der Ansporn eines jeden Muslim. Mr. Muhammad lehrt uns das Wissen über unser eigenes Selbst und unser Volk. Er reinigt uns – moralisch, geistig und spirituell – und er befreit uns von den Sünden, die uns hier in der westlichen Gesellschaft blind machen. Er kümmert sich darum, dass schwarze Männer aufhören zu trinken und dass sie von ihrer Drogenabhängigkeit loskommen, wenn sie drogenabhängig waren. Er stoppt Nikotin, Glücksspiel, Diebstahl, Lüge, Betrug, Hurerei, Ehebruch, Prostitution, Jugendkriminalität. Daran denke ich immer, wenn jemand davon redet, dass wir überwacht werden. Warum sollte jemand den ehrenwerten Elijah Muhammad überwachen? Man sollte ihn finanziell unterstützen. Er räumt den Dreck weg, den die Weißen angerichtet haben. Er spart dem Staat mehrere Millionen Dollar ein. Er sorgt dafür, dass schwarze Männer nicht mehr beim Staat die Hand aufhalten, sondern etwas für sich selbst tun. Und Mr. Muhammad lehrt uns die Liebe zu unseren eigenen Leuten. Der weiße Mann hat den Schwarzen in diesem Land beigebracht, sich selbst als minderwertig zu empfinden, sich selbst zu hassen, sich untereinander zu hassen und uneins zu sein. Der Prophet Muhammad gibt uns diese Liebe zurück, und das macht es uns möglich, vereint und in Harmonie zusammen zu arbeiten. Er lehrt uns, unsere finanziellen Reserven und unsere Talente zusammenzulegen und für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten. Wir haben zum Beispiel kleine Geschäfte in fast jeder größeren Stadt in diesem Land, und wir wollen noch viel mehr davon entstehen lassen. Mr. Muhammad lehrt uns, wie wichtig es ist, die wirtschaftliche Situation der Schwarzen zu verbessern und einen Sinn für Sparsamkeit zu entwickeln. Aber um das zu verwirklichen, brauchen wir unser eigenes Land. Der manipulierte Schwarze wird nie lernen, auf seinen eigenen Beinen zu stehen – außer auf seinem eigenen Land. Wir müssen lernen, unsere eigenen Produzenten zu werden, unsere eigenen Hersteller und Händler; wir müssen unsere eigene Industrie entwickeln und uns an uns selbst erfreuen. Der weiße Mann widersetzt sich diesen Plänen, weil er die Schwarzen unter seiner Fuchtel halten will und unter seiner Gesetzgebung in einer weißen Gesellschaft. Er will, dass der schwarze Mann für immer vom Betteln abhängig

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bleibt: vom Betteln für Jobs, Essen, Kleider, Unterkunft, Ausbildung. Der weiße Mann will niemanden verlieren, den er dominieren kann. Er will, dass der Schwarze dort bleibt, wo er beobachtet und benachteiligt werden kann. Mr. Muhammad lehrt uns, dass wir, sobald wir uns von dem weißen Mann trennen, lernen werden, dass wir auch ohne ihn auskommen – so, wie er auch ohne uns auskommt. Der weiße Mann weiß, dass die Schwarzen alleine zurecht kommen, sobald sie untereinander sind und lernen, dass das ganze Potenzial der Schwarzen explodieren wird und sie den weißen Mann überholen werden. Haben Sie den Eindruck, dass das Ziel der Black Muslims, »mehrere Staaten« zu bekommen, realistisch ist?

Nun, vielleicht halten Sie ein paar Dinge für realistisch, die tatsächlich unrealistisch sind. War es nicht unrealistisch, dass der Oberste Gerichtshof schon vor neun Jahren ein Urteil gegen die Apartheid sprach – und es immer noch erst zu acht Prozent befolgt wird? Ist es realistisch, dass es 100 Jahre nach dem Bürgerkrieg noch immer keine Freiheit für die Schwarzen gibt? Angeblich sind der Präsident, der Kongress und der Oberste Gerichtshof für Integration – aber zeigen Sie mir mal diese Integration! Wo ist sie? Ist das realistisch? Mr. Muhammad lehrt uns, sich für das einzusetzen, was wirklich praktikabel ist – und das ist Rassentrennung. Sie ist natürlicher als Integration. In einem Interview, das er kürzlich gegeben hat, sagte der schwarze Autor und Redner Louis Lomax, »80 Prozent, wenn nicht sogar mehr, der 20.000.000 Neger in Amerika hegen Sympathien für die Anklage der Muslims gegen die weißen Machtstrukturen. Aber das heißt nicht, dass sie mit ihrer Doktrin der Rassentrennung oder anderen Vorschlägen zur Lösung der Rassenfrage übereinstimmen.« Stellt diese Sicht die einhellige Meinung der Schwarzen dar? Und wenn dem so ist, kann es dann sein, dass Ihre separationistischen Ziele und Ihre anti-christliche Doktrin Befremden bei vielen Vertretern Ihrer eigenen Rasse auslösen?

Sir, Sie machen einen Fehler, wenn Sie diesen Leuten zuhören, die Ihnen sagen, dass wir die Schwarzen in diesem Land irritieren. Ich schätze, wir haben die Sympathie von 90 Prozent der Schwarzen. Es gibt 20.000.000 schlafende Muslims in Amerika. Ein Muslim ist jemand, der für den Schwarzen ist; und dabei ist es egal, ob er sieben Tage die Woche in die Baptistenkirche geht. Der ehrenwerte Elijah Muhammad sagt, dass ein schwarzer Mann schon als Muslim zur Welt kommt. Es gibt Millionen von Muslims, deren Bewußtsein nur noch nicht erwacht ist. Aber wenn sie erwachen, werden sie alle Muslims sein. Das ist die Bedeutung der Wiederauferstehung. Sir, ich werde Ihnen ein Geheimnis verraten: Der Schwarze ist ein ganzes Stück klüger als die Weißen glauben. Die Schwarzen haben in die-

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sem Land überlebt, weil sie die Weißen getäuscht haben. Der Schwarze hat getanzt und gegrinst, und der weiße Mann kam nie dahinter, was er dachte. Und jetzt glauben Sie zu hören, dass die Neger-Bourgeoisie befremdet ist. Aber sie lassen den weißen Mann doch nur glauben, dass sie Mr. Muhammads Ziele nicht unterstützen. Der Neger, der sagt, dass er gegen uns ist, ist nur besorgt um die Krümel, die vom Tisch der Weißen fallen. Diese Art Neger ist so sehr damit beschäftigt, so zu sein wie der weiße Mann, dass er gar nicht mehr weiß, was die Mehrzahl seiner eigenen Leute denkt. Ein schönes Auto, ein Haus, Kleider und Alkohol haben bei vielen dazu geführt, dass sie sich jetzt für etwas anderes halten als ihre armen schwarzen Brüder. Aber Mr. Muhammad sagt, dass Allah alle Schwarzen aufwecken wird, damit sie sehen, wie der weiße Mann wirklich ist und damit sie erkennen, was ihnen das Christentum wirklich angetan hat. Die erwachenden schwarzen Massen glauben nicht mehr an das Christentum. Das einzige, was das Christentum je für sie getan hat, war, ihnen dabei zu helfen, Sklaven zu bleiben. Mr. Muhammad lehrt, dass das Christentum, wie es die Weißen sehen, nur bedeutet, dass die Weißen ihren Himmel hier auf der Erde haben, aber der Schwarze hier durch die Hölle gehen muss. Der Schwarze soll glauben, dass er, wenn er stirbt, in irgendeine Stadt hinaufschwebt mit goldenen Straßen, wo Milch und Honig fließen und noch eine Wolke dazu. Jeder Schwarze in Nordamerika kennt die schwarzen christlichen Prediger, die schreien »Morgen im guten alten Gelobten Land.« Aber die denkenden schwarzen Massen von heute interessieren sich für Muhammads Land. Das Gelobte Land, von dem der ehrenwerte Elijah Muhammad spricht, ist genau hier, auf der Erde. Intelligente Schwarze interessieren sich heute für eine religiöse Lehre, die eine Lösung für ihre Probleme anbietet, jetzt und hier auf der Erde, solange sie leben. Sie müssen verstehen, dass der ehrenwerte Elijah Muhammad für uns die Erfüllung der biblischen Prophezeiung ist. Im alten Testament durfte Moses es noch erleben, wie sein Feind, der Pharao, im Roten Meer ertrank – was nichts anderes heißt, als dass auch Mr. Muhammad die Vollendung seines Werks erleben wird, dass auch er den Sieg über seinen Feind erleben wird. Meinen Sie damit den muslimischen Tag des Jüngsten Gerichts, der in der Zeitung Ihrer Organisation, Muhammad Speaks, als »Armageddon« bezeichnet wird und dort als unmittelbar bevorstehend angekündigt wird?

Armageddon hat mit der endgültigen Schlacht zwischen Gott und dem Teufel zu tun. Viele weiße Staatschefs bezeichnen den dritten Weltkrieg als Armageddon. Aber nach Armageddon wird es keinen Krieg mehr geben, denn es wird keine Kriegstreiber mehr geben. Ich weiß nicht, wann das, in welcher Form auch immer,

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Booker T. Washington Der Kompromiss von Atlanta Rede anlässlich der Messeeröffnung der »Atlanta Cotton States and International Exhibition« in Atlanta, Georgia, am 18. September 1895.

Mr. President, sehr verehrte Gentlemen des Direktoriums, liebe Mitbürger, ein Drittel der Bevölkerung im Süden gehört der Negerrasse an. Kein Entwicklungsplan, dem es um das materielle, rechtliche oder geistige Wohlergehen dieser Region geht, kann dies außer Acht lassen, will er erfolgreich sein. Ich bin nur der Bote, der Ihnen, Mr. President und Ihnen, sehr verehrte Direktoren, die Gesinnung des Großteils meiner Rasse zur Kenntnis bringt. Der Wert und die Menschlichkeit des amerikanischen Negers wurden noch nie so angemessen und großmütig gewürdigt wie durch die Verantwortlichen dieser großartigen Ausstellung. Es ist dies eine Anerkennung, die mehr zur Festigung der Freundschaft beider Rassen beitragen wird als irgendein anderes Ereignis seit der Morgenröte der Freiheit. Aber das ist nicht alles. Die hier präsentierten Möglichkeiten werden bei uns eine neue Epoche des handwerklichen Fortschritts einleiten. Unwissend und unerfahren wie wir waren, ist es nicht verwunderlich, dass wir in den ersten Jahren unseres neuen Lebens mit dem Dach anfingen, anstatt uns um das Fundament zu kümmern; dass wir einen Sitz im Kongress oder in einem Parlament eines Staates energischer anstrebten als Grundbesitz oder handwerkliche Fähigkeiten; dass politische Zusammenkünfte oder Kundgebungen mehr Anziehung auf uns ausübten als der Aufbau einer Landwirtschaft. Ein Schiff, das viele Tage orientierungslos auf hoher See treibt, erblickt plötzlich einen hilfsbereiten Frachter. Vom Mast des Frachters aus wird ein Signal empfangen: »Wasser, Wasser; wir sterben vor Durst!« Die Antwort lässt nicht auf sich warten: »Lasst den Eimer runter, wo ihr seid!« Wieder kommt das Signal vom notleidenden Schiff: »Wasser, Wasser, schickt uns Wasser!«, und wieder lautet die Antwort: »Lasst den Eimer runter, wo ihr seid!« Es folgt ein drittes und viertes Signal, aber die Antwort lautet immer gleich: »Lasst den Eimer runter, wo ihr seid!« Schließlich befolgt der Kapitän des notleidenden Schiffes den Ratschlag und lässt einen Eimer runter. Als er wieder nach oben gezogen wird, ist er gefüllt mit herrlich frischem Süßwasser – aus der Mündung des Amazonas. Jenen meiner Rasse, die darauf angewiesen sind, ihre Situation in einem fremden Land zu verbessern, oder die nicht einzuschätzen wissen, wie wichtig die Entwicklung freund-

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licher Beziehungen zum weißen Mann im Süden, ihrem nächsten Nachbar, ist, jenen rufe ich zu: »Lasst den Eimer runter, wo ihr seid!« – lasst den Eimer runter, und schließt ehrenhafte Freundschaft mit den Völkern aller Rassen, mit denen wir zusammen leben. Lasst den Eimer runter. Arbeitet in der Landwirtschaft, als Mechaniker, im Handel, als Hausangestellte und im Handwerk. In diesem Zusammenhang muss man immer daran erinnern, dass der Süden – trotz aller Schuld, die er auf sich geladen haben mag –, wenn es ausschließlich um die wirtschaftliche Situation geht, ein Ort ist, an dem der Neger eine echte Chance bekommt. Und nichts wird in dieser Ausstellung mehr betont als die Bedeutung dieser Chance. Die größte Gefahr für uns besteht darin, dass wir in dem großen Schritt von der Sklaverei zur Freiheit die Tatsache übersehen, dass die meisten von uns vom Ertrag unserer Hände Arbeit leben müssen; und dass wir vergessen, dass wir uns in dem Maße wirtschaftlich weiterentwickeln, wie wir lernen, einfache Arbeit zu schätzen und zu ehren, und unser Denken und Können auf alltägliche Verrichtungen des Lebens auszurichten. Wir werden uns in dem Maße weiterentwickeln, wie wir lernen, klar zu unterscheiden zwischen dem Oberflächlichen und dem Wesentlichen, zwischen dem Ornamentalen und dem Nützlichen des Lebens. Keine Rasse kann wachsen, wenn sie nicht lernt, dass es ebenso würdig ist, ein Feld zu bestellen wie ein Gedicht zu schreiben. Wir müssen unten beginnen, mit dem Fundament des Lebens, nicht mit seinem Dach. Auch sollten wir nicht zulassen, dass unser Leiden unsere Entwicklungsmöglichkeiten überschattet. Denjenigen der weißen Rasse, die sich fragen, was die in der Fremde geborenen mit ihrer fremden Sprache und ihren fremden Sitten für den Wohlstand des Südens bedeuten, möchte ich, wenn es mir erlaubt ist, zurufen und das wiederholen, was ich meiner eigenen Rasse zurufe: »Lasst den Eimer runter!« Genau dort, wo ihr gerade seid. Mitten unter den acht Millionen Negern, deren Leben ihr kennt, deren Treue und Liebe ihr kennt aus jenen Tagen, als ihre Treulosigkeit den Verlust eurer Häuser bedeutet hätte. »Lasst den Eimer runter!« Hier, unter diesen Menschen, die ohne Streiks und Arbeitskämpfe eure Felder bestellten, eure Wälder rodeten, eure Eisenbahnen und Städte bauten, Schätze aus den Tiefen der Erde holten, und ihren Teil dazu beitrugen, zu diesem großartigen Fortschritt im Süden. »Lasst den Eimer runter!« Unter meinesgleichen, ihnen zu helfen und ihnen Mut zuzusprechen, so wie Sie es hier und heute tun, damit sie sich bilden und Geist, Hände und Herz entwickeln. Sie werden sehen, dass sie Ihr überschüssiges Land kaufen, die öden Felder zum Blühen bringen und in Ihren Fabriken arbeiten werden. Und Sie können sicher sein, in der Zukunft genauso wie schon in

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der Vergangenheit, dass Sie und Ihre Familien umgeben sein werden von einem geduldigen, treuen, die Gesetze achtenden und dem am wenigsten nachtragenden Volk, das die Welt je gesehen hat. So wie wir unsere Loyalität bereits in der Vergangenheit bewiesen haben, indem wir Ihre Kinder betreut, am Krankenbett Ihrer Väter und Mütter gesessen und oft mit vor Tränen getrübtem Blick ihren Sarg begleitet haben, so werden wir auch in der Zukunft in unserer demütigen Art zu Ihnen stehen mit einer Hingabe, zu der kein Fremder fähig ist, bereit unser Leben zu lassen, um das Ihre zu verteidigen, wenn es sein müsste, unser Leben als Handwerker, den Handel, das Recht und das religiöse Leben mit dem Ihren zu teilen auf eine Weise, die die Ziele beider Rassen zu einem gemeinsamen macht. In allen Dingen, die rein sozial sind, können wir so getrennt sein wie die Finger, und doch eins wie die Hand in allen Dingen, die für den wechselseitigen Fortschritt wichtig sind. Es gibt weder Schutz noch Sicherheit für eine Seite ohne die Entwicklung von beiden Seiten. Überall, wo Anstrengungen unternommen werden, die volle Entwicklung des Negers zu beschneiden, lassen Sie diese Anstrengungen umdrehen und zu Anregung und Aufmunterung werden, die ihn zum nützlichsten und intelligentesten Bürger machen. Hier eingesetzte Mittel werden Tausend Prozent Zinsen bringen, denn diese Bestrebungen werden doppelt gesegnet sein: Sie segnen den, der gibt, und den, der empfängt. Es gibt keinen Ausweg vor dem Unausweichlichen, weder über die Gesetze der Menschen noch über die Gesetze Gottes: Die Gesetze der unveränderlichen Gerechtigkeit ketten die Unterdrücker an die Unterdrückten; und so eng verbunden wie Sünde und Leiden marschieren wir Seite an Seite in unser Schicksal. Annähernd sechzehn Millionen Hände werden Ihnen helfen, das Gewicht zu stemmen, oder sie werden das Gewicht nach unten drücken und es schwerer machen. Wir werden ein Drittel und etwas mehr der Unwissenheit und der Kriminalität im Süden ausmachen, oder ein Drittel von Intelligenz und Fortschritt. Wir werden ein Drittel des gewerblichen und handwerklichen Wohlstands im Süden stellen, oder wir werden Tod, Stillstand, Depression sein, die jede Anstrengung bremsen, die die politische Entwicklung voranbringen will. Gentlemen dieser Ausstellung, da wir Ihnen die bescheidenen Anstrengungen unseres Fortschritts auf einer Ausstellung präsentieren, bitte ich Sie, nicht zuviel zu erwarten. Begonnen haben wir vor 30 Jahren mit verstreutem Besitz hier und da, ein paar Habseligkeiten verschiedener Herkunft. Bedenken Sie, was für ein langer Weg es ist von dort bis zu Erfindungen und zur Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen, zum Bau von Kutschen, Dampfmaschinen, zu Zeitungen

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Fables of Faubus Oh, Lord, don’t let ’em shoot us! Oh, Lord, don’t let ’em stab us! Oh, Lord, don’t let ’em tar and feather us! Oh, Lord, no more swastikas! Oh, Lord, no more Ku Klux Klan! Name me someone who’s ridiculous, Dannie. Governor Faubus! Why is he so sick and ridiculous? He won’t permit integrated schools. Then he’s a fool! Boo! Nazi Fascist supremists! Boo! Ku Klux Klan (with your Jim Crow plan)


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Name me a handful that’s ridiculous, Dannie Richmond. Faubus, Rockefeller, Eisenhower Why are they so sick and ridiculous? Two, four, six, eight: They brainwash and teach you hate. H-E-L-L-O, Hello.

Orval E. Faubus war 1957 Governor von Arkansas und lehnte alle BemĂźhungen, die Segregation abzubauen, ab. Er gab der National Guard den Einsatzbefehl, schwarze Kinder daran zu hindern, die Highschool in Little Rock zu besuchen. Fables of Faubus, aus dem Album Mingus presents Mingus.


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Beat III Freiheit?

»Abolition Movement« ist ein eher grauer und unkonkreter Überbegriff, unter dem alle Individuen zusammengefasst werden, die sich jemals gegen die Sklaverei ausgesprochen haben, aus welchen Gründen auch immer. Neben den Opfern der Sklaverei findet man in der gewöhnlichen Geschichtsschreibung auch die Religiösen, die Liberalen und andere, die ihre Gründe hatten, sich öffentlich zu äußern. Auch ein Mann wie Thomas Jefferson, der dritte Präsident der USA, findet mühelos seinen Platz in diesem Zirkel. Dabei war der durchaus mit Sentenzen aufgefallen, die weit hinter das zurückfielen, was intelligente Menschen damals erzählen durften: »Egal ob eine eingehendere Betrachtung die Annahme widerlegen oder erhärten wird, dass die Natur es bei den geistigen Gaben weniger gut mit ihnen gemeint hat, glaube ich fest, dass sie in Gefühlsdingen nicht zu kurz gekommen sind.« Es formierte sich eine Allianz der Guten, die man heute ein breites Bündnis nennen würde. Der Journalist William Lloyd Garrison war seit 1831 Herausgeber der Zeitschrift Liberator, 1833 Mitbegründer der American Anti-Slavery Society und als weißer Pazifist eigentlich nicht mit David Walkers Einstellung zur Gewalt einverstanden. Aber man darf natürlich nicht unterschätzen, dass es intelligente Weiße gegeben hat, denen nicht nur der Humanismus die Worte diktierte, sondern auch eine mehr als unterbewusste Angst. Es waren ja nicht nur Worte wie die von Walker, der ähnlich Malcolm X die Rechnung aufmachte, dass Probleme notwendiger Weise zu lösen seien, und wenn andere Mittel eben nicht ausreichten, Gewalt die logische Folge sei. Der Aufstand von Nat Turner oder der gescheiterte Plan von Denmark Vesey, mehrere tausend Sklaven zu vereinen, die alle in Afrika geboren waren, Waffen zu stehlen und eine Basis zu schaffen für die Befreiung möglichst vieler weiterer Sklaven, hatten der weißen Elite gezeigt, dass die totale Kontrolle ihrer rechtlosen Mitbürger in Zukunft für sie eine Illusion sein würde. »Underground Railroad« war das effektivste System, das es Sklaven ermöglichte, in die Nordstaaten oder nach Kanada zu entkommen. Seit 1830 gab es ein dichter werdendes Netz von Menschen, die klandestin arbeiteten und in der Gemeinschaft alle Fähigkeiten und Qualitäten hatten, die auch im 20. Jahrhundert noch ausgereicht hätten, einen Schurkenstaat und seine Behörden zu foppen. Es gab bereits

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falsche Papiere. Legendär ist Harriet Tubman, eine ehemalige Sklavin, die 1849 nach Philadelphia entkam, um von dort aus zahlreiche Fluchten, mitunter spektakuläre, zu organisieren. Tubman leistete auch schon vorbildliche Medienarbeit. Die von ihr organisierten Fluchten fanden sehr oft am Samstagabend statt, so dass die Zeitungen erst eineinhalb Tage später darüber berichten und die Fotos der Gesuchten veröffentlichen konnten. Die Grenze zwischen den Südstaaten und dem Norden wurde seit 1763 auch die Mason-Dixon-Line genannt. Damals hatten die beiden britischen Astronomen den genauen Verlauf der Grenze zwischen Maryland und Pennsylvania vermessen, um einen Streit zwischen den Familien Calvert und Penn zu schlichten, denen diese beiden Staaten gehörten. 1865 war der Bürgerkrieg vorüber und mit ihm das Sklavensystem. Vier Millionen Menschen mit afrikanischen Wurzeln waren damit frei. Das hieß nicht viel mehr, als dass nominell ihre Master nun ihre Ex-Master waren. Der Krieg war verloren und die Infrastruktur zerrüttet. Freiheit bedeutete vor allem die Freiheit von allen Mitteln, die zum Leben in Würde notwendig waren. Die Befreiten standen auf der Straße und hatten kein Geld, sie konnten nicht lesen und nicht schreiben. Auch der psychologische Start war denkbar schlecht, weil mit Lincoln jenes weiße Symbol der Macht, das sich gegen die Sklaverei positioniert hatte, ermordet worden war. Die Phase nach dem Bürgerkrieg ist unter dem halbherzigen Begriff »Reconstruction« bekannt, aber was gab es wiederaufzubauen? Der Kongress bewilligte die Mittel für das Bureau of Refugees, Freedmen and Abandoned Lands, kurz: Freedmen’s Bureau, das im Prinzip auch für mittellose Weiße zuständig war. Das Bureau baute Schulen, Krankenhäuser, organisierte Umsiedlungen und half bei der Entwicklung einiger der wichtigsten Institutionen, die die afroamerikanische Situation in der nahen Zukunft bewegen sollten, darunter auch die drei Universitäten Howard (Washington D.C.), Atlanta (Georgia) und Fisk (Nashville /Tennessee). Das Bureau löste die Probleme der freien Menschen natürlich nicht, die meisten von ihnen lebten weiterhin in Armut. Das Symbol für die Arbeit des Freedman’s Bureau waren »40 acres and a mule«: Jede freigelassene Familie sollte über genügend eigenen Boden und ein Maultier verfügen können, um sich selbst zu ernähren. (Die Black Panther Party forderte in ihrem 10-Punkte-Programm von 1966 »40 acres and 2 mules« und Spike Lee nannte später seine Produktionsfirma »40 acres and a mule«.) Im Juni 1866 wurde das 14. Amendment in der Verfassung verankert, nach dem alle Menschen das Recht auf die US-Staatbürgerschaft hatten. Der Text griff leider ein wenig kurz, denn die Südstaaten schikanierten die Freigelassenen mit ver-

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brecherischen Gesetzen, den Black Codes, die ihnen hier Landbesitz verwehrten oder sie dort bei Arbeitslosigkeit ins Gefängnis brachten. Das 15. Amendment vom Februar 1870 brachte dann nominell einige Fortschritte. Es ermöglichte allen Bürgern die Teilnahme an der Wahl, unabhängig vom früheren Status. Auch hier versuchten die Südstaaten schon zu tricksen, in dem sie »grandfather clauses« erfanden, die das Wahlrecht nur jenen zugestand, die schon 1867 zur Wahl gegangen waren. Erst 1939 (!) wurden die »grandfather clauses« als nicht mit der Verfassung übereinstimmend zurückgewiesen. Kein Jahr nach Ende des Bürgerkriegs gründeten Veteranen der Konföderierten-Armee im beschaulichen Tennessee eine Organisation, deren Ziel es war, Nichtweiße und Nichtchristen in möglichst großer Zahl zu ermorden. Der Ku-Klux-Klan ist nach verschiedenen Metamorphosen und Zeiten eher geringer Aktivitäten bis heute eine legale Organisation. Er verfolgt seine Ziele zwar nicht mehr mit der selben Offenheit wie vor 150 Jahren – geändert aber haben sich die Ziele nicht. In den Gründungsjahren waren alle Afroamerikaner und alle Weißen, die mit ihnen sympathisierten, potenzielle Opfer nächtlicher Überfälle. Mehr noch als das Recht der Staatsbürgerschaft war es das Wahlrecht, gegen das der Ku-KluxKlan mit blutigstem Terror vorging. Das Gesetz hatte der weiße Süden nicht verhindern können, so war das neue Ziel, die Praxis unmöglich zu machen. Der Süden sollte ein Landstrich bleiben, in dem die Freedmen erst gar nicht auf den Gedanken kommen sollten, wählen zu gehen. Nicht nur nebenbei war die Politik des Ku-Klux-Klan ein Vorgriff auf und eine Blaupause für den Terror, den das systematische Lynching vor allem bis zum Ende des Jahrhunderts darstellen sollte. Die Bedeutung des KKK kann man an dem Begriff »invisible army« ermessen, einem anderen Namen des Klans in den 1860ern. Und seine Politik trug wesentlich dazu bei, die Ergebnisse der Politik der »Reconstruction« ad absurdum zu führen. Die »Reconstruction« war geprägt von zahlreichen tatsächlichen Errungenschaften: Bildung, neue Netzwerke, größere materielle Fortschritte für einige wenige, geringe materielle Fortschritte für sehr viele – vor allem war das Leben im Familienverband nun möglich. Auf der anderen Seite blies den Freedmen der Wind ins Gesicht. Wer erstmals mit den Weißen Geschäfte machte, wurde über den Tisch gezogen. Und die Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, waren gering. Der Terror des KKK bezog sich zwar auf alle Freigelassenen, konzentrierte sich mit der Zeit aber besonders auf jene, denen es gelungen war, sich eine relativ sichere Existenz aufzubauen, etwa eine Farm, die Gewinn abwarf. Seit den 1870ern wurden solche positiven Ansätze systematisch zerstört.

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Auf die Phase der »Reconstruction« folgte die endlose Ära der Segregation, die viel mehr den Begriff Rekonstruktion verdient hätte. Die republikanische Partei konnte und wollte ihre Position im Süden nicht halten und überließ den mit den Weißen verbündeten Demokraten ihre Vormacht im reaktionären Süden. Die Bundesstaaten setzten individuell zahllose rechtliche Änderungen durch, die unter dem Begriff Jim-Crow-Gesetze bekannt wurden. (Jim Crow war eine simple schwarze Theaterfigur, die nicht viel intelligenter daherkam als später die Figuren in den Minstrelshows – hier spielten Weiße Schauspieler schwarze Figuren.) Im Wesentlichen liefen alle neuen Gesetze darauf hinaus, das öffentliche Leben von Weißen und Afroamerikanern zu trennen. Darunter gab es die leidlich bekannten Maßnahmen, wie das Verbot gemeinsamer Benutzung von öffentlichen Plätzen und Parks. In den Gerichtssälen gab es Bibeln für Weiße und solche für jene, die als Nichtweiße galten. Gleichzeitig dämmerte es vielen Ex-Sklaven, dass zwar die Sklaverei verboten worden war, aber schufteten nicht viele Ex-Sklaven in denselben Positionen und verrichteten dieselben Arbeiten, die sie als Sklaven auch schon erledigt hatten? Im Haus, auf dem Feld, in der Familie – und alles zum Wohl der Weißen. Und 1896 segnete ein Urteil gegen Homer Plessey, der in Louisiana einen Eisenbahnwaggon bestiegen hatte, der für Weiße reserviert war, endgültig die Apartheid ab. Der Supreme Court bestätigte ein Urteil aus Louisiana und verhalf der Segregation damit zum Durchbruch auf Bundesebene. Hinzu kam die Pein und ständige Bedrohung des Lynchens. Historisch gesehen ist das System des »lynching« die schnelle Rache der Südstaatler am Verbot der Sklaverei. Die straflose öffentliche und gemeinschaftliche Vernichtung einer menschlichen Existenz war für die Weißen vieles zugleich: rassistischer Karneval, ein Fest zur Bestätigung der eigenen Überlegenheit und religiös kodierte Teufelsaustreibung mit deutlich sexualisiertem Hintergrund. Die vielen tausend afroamerikanischen Männer, die zwischen dem Ende des Bürgerkrieges und dem Ende des Jahrhunderts vom weißen Mob verbrannt wurden, waren zumeist sexueller Vergehen beschuldigt worden. In sehr vielen Fällen ging es dabei um nichts anderes als das vermeintlich oder unterstellt begehrliche Anschauen weißer Bürgerinnen. Dem Massenmord an den Männern steht die ebenso systematische Vergewaltigung afroamerikanischer Frauen gegenüber. Das Ziel war klar: die Teilhabe an der gemeinsamen Freiheit mit allen Mitteln zu verhindern. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich eine Menge verändert. Die afrikanischamerikanische Bevölkerung hatte eine Art von Freiheit gewonnen und sie noch schneller wieder verloren. Auf der anderen Seite begann sie, sich in bürgerli-

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chem Sinn zu formieren. Es entstanden Hierarchien, weil Kongresse, Medien und öffentliche Diskussionen das Bedürfnis nach Führungspersönlichkeiten befriedigten. Frederick Douglass wird eine mächtige Erscheinung gewesen sein, nicht nur wegen seines Marx’schen Bartes, sondern vor allem wegen seiner überragenden intellektuellen und integrierenden Fähigkeiten. Alice Walker unterstreicht das 1974 in einem offenen Brief an den Redakteur von Ms, einer afroamerikanischen Frauenzeitschrift, die eine Konferenz der National Black Feminist Organisation ignorierte. »Und natürlich dachte ich sofort an Frederick Douglass. Ich wusste, dass seine Zeitung nichts lieber getan hätte, als über unsere Konferenz zu schreiben, weil wir schwarz sind, weil wir Frauen sind und weil wir genau so frei sein wollen wie alle anderen. Er wusste, dass es nicht die Pflicht des Sklaven sein kann, sicherzustellen, dass sein oder ihr Aufbegehren in angemessener oder ›korrekter‹ Form von statten geht. Es liegt in der Natur des Unterdrückten, gegen die Unterdrückung aufzubegehren. Punkt.« Douglass, der für eine Zeit der Integration stand, für eine Ära, die noch relativ frei war von einem Wettbewerb um die Gunst des afroamerikanischen Publikums, starb 1895. Das war exakt das Jahr, das diesen Wettbewerb eröffnen sollte. Booker T. Washingtons »Atlanta Compromise Speech« war die gelungene Bewerbung um die Nachfolge Douglass’ als lauteste Stimme des afroamerikanischen Spektrums. Washington entwickelte ein beeindruckend dicht gestricktes Netz von Verbindungen, das ihm eine unangefochtene Stellung einbrachte. Präsident Theodore Roosevelt und Teile der Chefs der US-Industrie waren ihm zugetan – und auch seiner Vision von einer Kaste gut ausgebildeter afroamerikanischer Handwerker. »Er glaubte, die Schwarzen würden am Ende so geschickt werden, dass die Nachfrage der weißen Geschäftsleute nach qualifizierten Facharbeitern den Rassismus überwinden würde«, schreibt Nelson George in The Death of Rhythm & Blues. Washington entwickelte abseits dieser Vision auch ein Durchsetzungsvermögen, das neben dem Chef keine Vizechefs zuließ. In Tuskegee (Alabama) übernahm er die Leitung eines Colleges und baute ein Institut auf, das handwerkliche und agrikulturelle Fähigkeiten propagierte. Seine Patronage ermöglichte es Günstlingen, schnell aufzusteigen. Als Dank hielten sie ihm den Rücken frei, sodass gegen Washington kaum ein Afroamerikaner agieren konnte. Das Modell machte unter dem Namen »Tuskegee Machine« die Runde. W.E.B. (William Edward Burghardt) Du Bois war einer der wenigen, die gegen Washington opponierten. Sein Essayband The Souls of Black Folk, der zum Grundlagentext der Bürgerrechtsbewegung werden sollte, enthielt einen Text, der Washington so behutsam wie konzentriert angriff.

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Du Bois und 28 weitere Afroamerikaner gründeten 1905 das Niagara Movement, eine Organisation, die für die rechtliche Gleichstellung der Schwarzen kämpfen wollte. Allerdings ließ Booker T. Washington nichts unversucht, das Movement und seine Mitglieder zu diffamieren, sodass es nur wenige Jahre überlebte. Die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), an deren Gründung neben Du Bois auch die Feministin Ida B. Wells teilnahm, wurde so etwas wie eine Nachfolgeorganisation. Die NAACP wies einen gravierenden Unterschied auf zum Niagara Movement: Hier waren Weiße nicht nur zugelassen, sondern ausdrücklich erwünscht. Bis heute existiert die NAACP als eine Art NGO und weist in der US-Öffentlichkeit immer wieder auf Ungerechtigkeiten oder Verbrechen hin, die Schwarze und Farbige im Namen des weißen Rassismus zu erdulden haben. Du Bois war der überragende intellektuelle Kopf seiner Zeit. Er hatte für die Weltausstellung 1900 in Paris eine Fotoausstellung erstellt über die Lebensbedingungen der Schwarzen im Süden der USA. Als Wissenschaftler wollte er die Lebenssituation der Afroamerikaner Aspekt für Aspekt registrieren; als Politiker wollte er Washington angreifen und seine eigene Vision von einer Entwicklung der Afroamerikaner durchsetzen; als Visionär ging er über den Kontinent USA hinaus und bezog Afrika in seine Vorstellungen von Zukunft ein. Bildung war das Stichwort, das Du Bois in den Wettbewerb der Ideen um afroamerikanische Emanzipation einbrachte. Mit adäquaten Möglichkeiten, Schulen und Universitäten zu besuchen, würden sich die Afroamerikaner im modernen Leben der USA schon einordnen. Du Bois ist alt genug geworden, um als sehr alter Mann und Pan-Afrikanist im gerade unabhängig gewordenen Ghana seine letzten Jahre zu erleben, aber mit dem Begriff Pan-Afrikanismus verbinden viele Menschen in erster Linie den Namen Marcus Garvey. Garvey war von Jamaika in die USA gekommen und hatte mit seiner Idee der Hinwendung zu Afrika einen völlig neuen Aspekt in die afroamerikanischen Diskussionen gebracht. Das nicht, weil Afrika in diesen Diskussionen so fern gewesen war, sondern weil er auf sehr praktische Weise Afrika viel näher rücken ließ. Garvey gründete eine Schifffahrtslinie, die »Black Star Line«. Sie sollte jenen Afroamerikanern, die von Amerika die Nase voll hatten, die Gelegenheit verschaffen, zurückzukehren in den gelobten Kontinent. Garvey hatte zu Beginn der 20er eine Position großer Macht inne, und auch die Dispute zwischen ihm und Du Bois waren geprägt vom Anspruch auf Führung der afroamerikanischen Gemeinden. Sowohl Douglass als auch Du Bois bezogen sich in ihren Texten stark auf die Musik der Sklaven. Und beide benutzten den Begriff »sorrow songs«. Aber erst der jüngere

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Du Bois hatte – schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts – den konzentrierten Blick auf die Wirkung, die die Kunst der Befreiten auf die Kultur der USA haben würde. »Und so ist das Volkslied des Negers – der rhythmische Schrei des Sklaven – heute nicht einfach nur die einzige amerikanische Musik Amerikas, sondern der schönste Ausdruck menschlicher Erfahrung auf dieser Seite des Meeres.« Du Bois war schon früh überzeugt, dass der afrikanische Beitrag den USA ein menschliches Gesicht verleihen könnte. Darin trifft er sich mit jemandem wie Steve Biko, der sieben Jahrzehnte später, mitten im Kampf gegen die südafrikanische Apartheid, seine Vision von einer gerechteren Ordnung verband mit dem Beitrag Afrikas zu einer Weltkultur, den er im Jazz erkannte. Die Segregation sollte eine bedeutende Zeit der Existenz der USA ausmachen. Der 1. Weltkrieg sah viele US-Soldaten afrikanischer Abstammung auf den Schlachtfeldern, in eigenen farbigen Regimentern. Der Krieg aber veränderte das Leben vieler afroamerikanischen Familien. Die industrielle Revolution, in kürzester Zeit nachgeholt, führte zu großen Umwälzungen innerhalb der US-Gesellschaft, weil die industriellen Standorte die Töchter und Söhne der Freedmen aus dem Süden lockten und die Konzentration der Ex-Sklaven auf den Südosten der USA auflösten. Mit den Menschen bewegte sich auch deren Kultur. Louis Armstrong ging von New Orleans nach Chicago, nachdem die Regierung des Staates Louisiana 1917 das Vergnügungsviertel Storyville in New Orleans geschlossen hatte, in dem die meisten Musiker ihr Geld verdienten. Schon in den 20ern, Armstrong hatte mit einigen Aufsehen erregenden Solos gezeigt, dass Jazz eine eigenständige Musik ist, entwickelte sich eine neue Szene, die in der Prä-Swing-Ära eine ganze Reihe von Stars produzierte. Schwarze Stars, die auch von einem weißen Publikum wahrgenommen wurden. Die Musik der aus Afrika Verschleppten entwickelte sich zum bedeutendsten Integrationsfaktor. Jazz ist die Musik des 20. Jahrhunderts, und die Zahl der weißen Musiker, die Swing, Bebop oder später Rock’n’Roll abgekupfert haben, ist endlos groß zwischen Bix Beiderbecke und Elvis Presley. Musik war nicht nur Integration, sondern auch helles Licht für die US-Industrie. Wir reden vom Beginn der Popkultur. Ohne den afrikanischen Anteil wäre die US-Musik sicherlich bei Cowboy-Songs und Gejodel stehen geblieben.

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Angela Davis Der Mythos vom schwarzen Vergewaltiger (1981)

Einige der abscheulichsten Symptome gesellschaftlichen Niedergangs werden erst dann als Problem ernstgenommen, wenn sie derartig epidemische Ausmaße angenommen haben, dass sie jeder Lösung zu trotzen scheinen. Zu ihnen gehört die Vergewaltigung. In den Vereinigten Staaten ist die Vergewaltigung heute eines der am schnellsten anwachsenden Gewaltverbrechen. Nach Jahren des Schweigens, des Leidens und unter falscher Anklage geführter Prozesse sind sexuelle Anschläge nun deutlich als eine der aussagekräftigsten Funktionsstörungen der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft erkennbar. Das ansteigende öffentliche Interesse am Thema Vergewaltigung hat in den Vereinigten Staaten unzählige Frauen ermutigt, über Erfahrungen mit tatsächlichen und versuchten Angriffen offen zu reden. Dabei ist eine furchterregende Tatsache ans Licht gekommen: Erschreckend wenig Frauen können von sich behaupten, dass sie nicht irgendwann in ihrem Leben Opfer eines versuchten oder durchgeführten sexuellen Angriffs waren. In den Vereinigten Staaten und in anderen kapitalistischen Ländern waren Gesetze gegen Vergewaltigung ursprünglich zum Schutz der Männer aus den Oberschichten erlassen worden, um deren Töchter und Frauen zu schützen. Was mit den Frauen der Arbeiterklasse geschah, war für die Gerichte kaum von Belang. Deshalb wurden bemerkenswert wenig weiße Männer wegen sexueller Gewalt, die sie an diesen Frauen verübten, verfolgt. Während weiße Vergewaltiger selten vor Gericht gebracht wurden, richtete sich die Anklage wegen Vergewaltigung unterschiedslos gegen Schwarze – egal ob sie schuldig oder unschuldig waren. Von den 455 Männern, die in der Zeit von 1930 bis 1967 auf Grund von Vergewaltigungsdelikten verurteilt wurden, waren 405 schwarz. In der Geschichte der Vereinigten Staaten ragt unter den »Kunstgriffen« des Rassismus die betrügerische Anklage wegen Vergewaltigung als einer der schrecklichsten hervor. Wann immer die wiederkehrenden Wellen von Gewalt und Terror gegen die schwarze Gemeinschaft eine überzeugende Rechtfertigung brauchten, wurde der Mythos vom schwarzen Vergewaltiger heraufbeschworen. Dass die schwarzen Frauen sich von der Bewegung gegen Vergewaltigung auffällig fern hielten, mag teilweise an der Indifferenz dieser Bewegung gegenüber der willkürlichen Anklage wegen Vergewaltigung liegen, die oft den Auftakt zu rassistischen

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Ausschreitungen bildete. Zu viele Unschuldige sind in den Gaskammern und als lebenslängliche Häftlinge in den Zellen geopfert worden, als dass sich die schwarzen Frauen ohne weiteres jenen Frauen anschließen könnten, die so oft bei Polizisten und Richtern Unterstützung suchten. Schwarze Frauen haben als Vergewaltigungsopfer von jenen Männern in Uniform und Robe oft wenig oder gar keine Sympathie erhalten. Berichte über Angriffe durch Polizisten – sodass die schwarzen Vergewaltigungsopfer mitunter eine zweite Vergewaltigung erleiden mussten – hört man zu oft, um sie als Verdrehung der Wahrheit abtun zu können. »Selbst zu der Zeit, als die Bürgerrechtsbewegung am stärksten war, erklärten in Birmingham« z. B. »junge Aktivistinnen, dass niemand schwarze Frauen davor schütze, von der Birminghamer Polizei vergewaltigt zu werden.«1 In der frühen Phase der heutigen Bewegung gegen die Vergewaltigung haben nur wenige feministische Theoretikerinnen die spezifischen Umstände untersucht, in denen sich schwarze Frauen als Opfer von Vergewaltigung befanden. Die schwarzen Frauen, die von weißen Männern systematisch missbraucht und vergewaltigt werden, sind historisch eng an die schwarzen Männer gebunden, die aufgrund rassistischer Manipulationen bei Vergewaltigungsanklagen verstümmelt und ermordet wurden. Dieser Zusammenhang wird erst jetzt in seiner ganzen Tragweite erkannt. Wann immer die schwarzen Frauen gegen Vergewaltigung kämpften, haben sie gleichzeitig das abgekartete Spiel der Vergewaltigungsanklage gegen schwarze Männer als eine tödliche rassistische Waffe bloßgestellt. »Der Mythos vom schwarzen Vergewaltiger der weißen Frauen ist ein Zwilling des Mythos’ von der schlechten schwarzen Frau; beide haben das Ziel, die fortgesetzte Ausbeutung der schwarzen Männer und Frauen zu entschuldigen und zu fördern. Die schwarzen Frauen erkannten diese Beziehung sehr klar und standen früh in der vordersten Front des Kampfes gegen die Lynchjustiz.«2 Gerda Lerner, die Autorin dieses Absatzes, ist eine der wenigen weißen Frauen, die in den frühen 70er Jahren systematisch Vergewaltigung und die kombinierte Wirkung des Rassismus und Sexismus auf die schwarze Frau in voller Tiefe erforschten. Der Fall der Joann Little, im Sommer 1975 verhandelt, illustriert Lerners These. Sie war unter Anklage des Mordes vor Gericht gebracht worden. Die junge Frau wurde beschuldigt, einen weißen Wächter in einem Gefängnis, dessen einzige weibliche Insassin sie war, getötet zu haben. Bei ihrer Aussage erzählte Joann Little, wie der Wächter sie in der Zelle vergewaltigt und sie ihn in Notwehr mit dem Eispickel, mit dem er sie bedrohte, erschlagen hatte. Im ganzen Land wurde dieser Fall von Einzelpersonen und von den Organisationen der schwarzen Gemeinschaften und der neuen Frauenbewegung leidenschaftlich unterstützt. Ihr

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Freispruch wurde als bedeutender Sieg gefeiert, der durch die massive Kampagne möglich geworden war. Unmittelbar nach ihrem Freispruch gab Fräulein Little verschiedene eindringliche Appelle für einen schwarzen Mann namens Delbert Tibbs heraus, der unter der falschen Anklage der Vergewaltigung einer weißen Frau verurteilt worden war und in Florida seine Hinrichtung erwartete. Viele schwarze Frauen antworteten auf Joann Littles Appell, um den Fall Delbert Tibbs zu unterstützen. Aber nur wenige weiße Frauen – und noch weniger organisierte Gruppen aus der Bewegung gegen Vergewaltigung – folgten ihrem Aufruf zur Befreiung des schwarzen Mannes, der offenkundig ein Opfer des Rassismus der Südstaaten war. Selbst als Joann Littles Hauptverteidiger bekanntgab, dass er Delbert Tibbs verteidigen werde, wagten es nur wenige weiße Frauen, für seine Verteidigung einzutreten. Erst 1978, nachdem alle Anklagepunkte gegen Tibbs abgewiesen waren, fingen auch die Aktivistinnen der Bewegung gegen Vergewaltigung an, sich für den Fall einzusetzen. Ihr ursprünglicher Widerstand jedoch war eine jener historischen Erfahrungen, die in den schwarzen Frauen den Verdacht erhärteten, dass die Bewegung gegen Vergewaltigung an ihren spezifischen Bedürfnissen weitgehend vorbeiging. Dass sich die schwarzen Frauen der Bewegung gegen Vergewaltigung zunächst nicht en masse angeschlossen haben, ist noch kein Grund zu der Annahme, sie seien überhaupt gegen Maßnahmen gegen Vergewaltigung. Noch vor Ende des 19. Jahrhunderts hatten die schwarzen Klubfrauen eine der ersten organisierten öffentlichen Kundgebungen gegen sexuellen Missbrauch gestartet. Die achtzig Jahre alte Tradition ihres organisierten Kampfes gegen Vergewaltigung spiegelt das tiefe und verbreitete Leid der schwarzen Frauen, die mit sexueller Gewalt bedroht wurden. Einer der markantesten historisch gewordenen Aspekte des Rassismus war die Behauptung weißer Männer – besonders jener, die ökonomische Macht ausübten –, auf den Geschlechtsverkehr mit schwarzen Frauen ein unbestreitbares Recht zu haben. Die Sklaverei war auf sexuellen Missbrauch ebenso angewiesen wie auf Peitsche und Geißel. Übermäßige sexuelle Triebe, ob sie nun bei weißen Männern vorhanden waren oder nicht, haben dem Wesen nach mit der faktisch institutionalisierten Vergewaltigung nichts zu tun. Sexuelle Zwangsherrschaft war vielmehr eine wesentliche Dimension in der sozialen Beziehung zwischen dem Sklavenherrn und der Sklavin. In anderen Worten: Das Recht, das die Sklavenbesitzer und ihre Agenten auf die Körper der Sklavinnen beanspruchten, war der direkte Ausdruck der von ihnen angemaßten Besitzrechte an den Schwarzen insgesamt. Das ver-

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briefte Recht auf Vergewaltigung entsprang der gnadenlosen wirtschaftlichen Beherrschung, die das furchtbare Markenzeichen der Sklaverei war, und förderte zugleich ihr Fortbestehen. Das Prinzip des institutionalisierten sexuellen Missbrauchs schwarzer Frauen war so stark, dass es die Abschaffung der Sklaverei überlebte. Gemeinschaftliche Vergewaltigung, begangen vom Ku-Klux-Klan und anderen terroristischen Organisationen aus der Zeit nach dem Bürgerkrieg, wurde zu einer offenen politischen Waffe gegen die Befreiungsbewegung der Schwarzen. Während der Ausschreitungen in Memphis 1866 gab es neben den Morden gewalttätiger Banden auch sexuelle Angriffe gegen schwarze Frauen. Später machten viele schwarze Frauen vor dem Komitee des Kongresses Zeugenaussagen über die grausamen gemeinschaftlichen Vergewaltigungen, die sie durch die Banden zu erleiden hatten. Natürlich hat sich sexueller Missbrauch an schwarzen Frauen nicht immer in einer solch offenen und öffentlichen Gewalttätigkeit manifestiert. Da ist das tägliche Drama des Rassismus in den unzähligen anonymen Zusammenstößen zwischen schwarzen Frauen und weißen Tätern – Männer, die von der Natürlichkeit ihrer Handlungen überzeugt sind. Ideologisch sanktioniert wurden derartige Angriffe von Politikern, Wissenschaftlern, Journalisten und Literaten, die die schwarze Frau als promiskuös und ohne Moral darstellten. Sogar die Schriftstellerin Gertrude Stein beschreibt eine ihrer schwarzen Frauenfiguren als im Besitz der »schlichten, promiskuösen Unmoral des schwarzen Volkes«3. Dass sich diese Haltung auf die weißen Männer der Arbeiterklasse übertragen hat, war einer der größten Triumphe in der Entwicklung der rassistischen Ideologie. Der Rassismus hat seine Stärke schon immer aus der Fähigkeit gezogen, den sexuellen Zwang zu fördern. Zwar waren schwarze Frauen und ihre farbigen Schwestern das Hauptziel dieser Angriffe, doch auch weiße Frauen hatten zu leiden. Da weiße Männer davon überzeugt waren, dass sie schwarze Frauen ungestraft sexuell misshandeln durften, konnte das Verhältnis zu den Frauen ihrer eigenen Rasse hiervon nicht unbeeinträchtigt bleiben. Rassismus hat immer schon die Vergewaltigung ermutigt, und die weißen Frauen in den Vereinigten Staaten bekamen zwangsläufig das Echo dieser Angriffe zu spüren. Das ist eine der vielen Formen, wie der Rassismus den Sexismus nährt und die weißen Frauen zu indirekten Opfern der auf ihre farbigen Schwestern gerichteten Unterdrückung macht. Die Erfahrungen des Vietnamkriegs belegen ein weiteres Mal, in welchem Ausmaß Rassismus Vergewaltigung provoziert. Weil es in die Köpfe der US-Soldaten gehämmert wurde, dass sie gegen eine minderwertige Rasse kämpften, konnte

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ihnen beigebracht werden, dass die Vergewaltigung vietnamesischer Frauen eine notwendige militärische Pflicht sei. Sie konnten sogar angewiesen werden, die Frauen mit ihrem Penis »zu suchen«. Eine ungeschriebene Taktik der US-Militärführung war es, die Vergewaltigung systematisch zu fördern, da sie eine extrem effektive Waffe des Terrors gegen die Massen war. Wo sind die Tausend und Abertausend Vietnamveteranen, die Zeugen oder Teilnehmer dieses Terrors waren? In welchem Ausmaß haben diese brutalen Erfahrungen ihre Haltung gegenüber den Frauen im allgemeinen geprägt? Obgleich es gänzlich falsch wäre, Vietnamveteranen als Haupttäter bei Sexualverbrechen auszusondern, so kann doch kein Zweifel daran bestehen, dass die ungeheuerlichen Rückwirkungen der Vietnamerfahrungen bis heute von allen Frauen in den Vereinigten Staaten wahrgenommen werden. Es ist eine schmerzliche Ironie, dass einige Anti-Vergewaltigungs-Theoretiker, die die Rolle ignorieren, die Rassismus bei Vergewaltigung spielt, ohne Zögern behaupten, farbige Männer neigten besonders zu Gewalttätigkeiten gegen Frauen. In ihrer außerordentlich eindrucksvollen Studie über Vergewaltigung weist Susan Brownmiller nach, dass die Jahrhunderte lange Unterdrückung dem schwarzen Mann viele »legitime« Äußerungen männlicher Vorherrschaft unzugänglich gemacht habe. Folglich müssten sie ihre Zuflucht in der offenen sexuellen Gewalt suchen. Als Brownmillers Against our Will: Men, Women and Rape erschien, wurde es in einigen Kreisen überschwänglich gelobt. Das Time Magazin, das sie zu einer der zehn Frauen des Jahres kürte, nannte das Buch »die rigoroseste und provokanteste wissenschaftliche Arbeit, die bislang aus der feministischen Bewegung hervorgegangen ist«4. In anderen Kreisen jedoch wurde das Buch wegen seines Beitrags zur Wiederbelebung des alten Mythos’ vom schwarzen Vergewaltiger entschieden kritisiert. Es kann nicht geleugnet werden, dass Brownmillers Buch ein bahnbrechender Beitrag innerhalb der Literatur zum Gegenstand der Vergewaltigung ist. Leider sind jedoch viele ihrer Argumente von rassistischen Vorstellungen durchdrungen. Charakteristisch für diese Sichtweise ist ihre Neuinterpretation des Lynchmordes an dem vierzehnjährigen Emmett Till 1953. Nachdem dieser Junge einer weißen Frau in Mississippi nachgepfiffen hatte, wurde sein verstümmelter Körper auf dem Grund des Flusses Tallahatchie gefunden. »Tills Handlung«, sagt Brownmiller, »war mehr als nur ein dummer Jungenstreich.«5 »Emmett Till wollte seinen schwarzen Kameraden zeigen, dass er, und folglich: dass sie eine weiße Frau bekommen konnten, und Carolyn Bryant war das nächste brauchbare Objekt. Um es deutlich zu sagen, die Zugänglichkeit aller weißen

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Beats V Die Wahl der Waffen

1920 hatte sich die Lage der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA drastisch verändert. Waren nach dem formellen Ende der Sklaverei zunächst viele in die Städte des Südens gezogen, so betrafen die Wanderbewegungen in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in besonderem Maße die großen Zentren im Norden. Vor allem Philadelphia, Chicago und New York übten eine so große Anziehungskraft aus, dass um 1920 in diesen drei Metropolen etwa ein Viertel aller Schwarzen der USA lebte. Ein ganz wesentlicher Grund waren die Aussichten, in der Industrie besser bezahlte Jobs zu bekommen. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, und mehr noch mit Kriegseintritt 1917 stieg der Bedarf an Arbeitskräften rapide an, weil die europäischstämmigen Arbeiter eingezogen wurden und weil insgesamt mehr Arbeitsplätze entstanden waren. Es wurden auch 370.000 afroamerikanische Männer einberufen in den Krieg gegen den ersten Versuch Deutschlands, sich Europa Untertan zu machen, und mehr als die Hälfte von ihnen kam in Europa zum Einsatz, zumeist in Frankreich. Sie waren in rein schwarzen Regimentern organisiert, die nicht nur so wenig Kontakt wie eben möglich zu ihren weißen Kollegen haben sollten, sondern offen angehalten wurden, auf gar keinen Fall Kontakt mit französischen Zivilisten und Zivilistinnen aufzunehmen. Die französischen Truppen wurden gewarnt, die schwarzen Truppen auf gar keinen Fall als gleichberechtigt zu betrachten oder gar zu behandeln. Der Krieg hatte vielfältige Auswirkungen auf das Binnenleben in den USA. In Europa hatten die schwarzen Soldaten erfahren, dass es kein Naturgesetz war, wegen ihrer Hautfarbe und einer weißen Idee von Rasse diskriminiert zu werden. Außerdem kamen sie nicht anders als ihre weißen Kollegen als Gewinner dieses Krieges in Übersee zurück, was ihrem kollektiven Selbstbewusstsein einen gehörigen Schub gab. Dass sie dies in den Straßen der großen Städte auch zeigten, rief wiederum den weißen Plebs auf den Plan. Die Konfrontationen, die nun stattfanden, waren sowohl symbolisch, weil die Weißen ihre vermeintliche Überlegenheit und die damit verbundenen Privilegien verteidigen wollten, als auch sehr real, weil sich Leute gegenüber standen, die um die selben Arbeitsplätze buhlten. Ohnehin dezivilisiert durch den Krieg, war die Bereitschaft aller, Gewalt anzuwenden, sehr groß. Daraus ergab sich etwas komplett Neues: die Bereitschaft der schwarzen Gemeinden zurückzuschlagen. Das Muster muss überall

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relativ ähnlich gewesen sein im so genannten »roten Sommer« des Jahres 1919. Weiße ziehen durch die schwarzen Viertel, um zu morden und zu brennen. Aber fast überall treffen sie auf Widerstand, und fast überall sterben auch Weiße bei den Kämpfen. Das ist eine neue Erfahrung. Für beide Seiten. Eine der beiden wesentlichen Erfahrungen der Zwischenkriegsjahre – und zwar für alle in den USA lebenden Menschen – war die dynamische Entwicklung der afroamerikanischen Kultur. Das weiße Amerika nahm davon meist nur die Oberfläche wahr, aber es war ein unglaublicher Schritt, dass sich weiße Bands darum rissen, den Sound, den die schwarzen Orchester entwickelt hatten, ihrem, einem weißen Publikum zu präsentieren. Ein wenig domestiziert freilich und mal interessanter (Benny Goodman), mitunter auch gar nicht spannend (Glenn Miller). Die Aneignung des Swing war nur das erste Kapitel in der Geschichte unfreundlicher Übernahmen schwarzer Musik durch weißes Management, weiße Plattenfirmen und weiße Musiker. Was dem weißen Publikum größtenteils verborgen blieb, war die Explosion von Kreativität, die sich neben der Musik abspielte. Schriftsteller wie Langston Hughes oder Richard Wright wurden eher noch in Europa rezipiert als in entsprechenden Kreisen der USA. Harlem Renaissance hieß das Label, unter dem die vielfältigen Werke in ihrer Gesamtheit zusammengefasst wurden. Dabei war Harlem nur ein Synonym für die vielen Viertel der Schwarzen in den Metropolen im Norden der USA, in denen die Fäden zusammenliefen. Die andere Erfahrung war die Wirtschaftskrise, die viele um ihre Arbeit brachte. Nun kehrten sich die Verhältnisse wieder um. Im 1. Weltkrieg waren Schwarze in die am schlechtesten bezahlten Jobs gedrängt worden, die Weiße aufgegeben hatten, um in den Krieg zu ziehen. Als die Weißen aus Europa zurück kamen, befand sich die Wirtschaft der USA im Aufschwung, und die Veteranen fanden bessere und besser bezahlte Arbeit. Nun verloren viele von ihnen genau diese Stellungen und drängten mit aller Macht in jene Arbeiten, die die aus dem Süden zugezogenen Schwarzen von ihnen übernommen hatten. Viele Weiße schreckten auch vor Mord nicht zurück, um den Job, den sie haben wollten, vakant zu machen. Sehr spät erst wurde ein fast unglaubliches medizinisches Experiment aufgeklärt, das sich Regierung und Gesundheitsbehörden ausgedacht und sehr absichtsvoll in Tuskegee durchgeführt hatten. Zwischen 1932 und 1972 wurden 399 afroamerikanische Männer und Frauen, die das Tuskegee Insititute wegen einer Syphiliserkrankung aufsuchten, bewusst falsch, nämlich gar nicht behandelt. Ihnen wurden falsche und wertlose Medikationen verabreicht, damit die Krankheit bis zu ihrem tödlichen Ende beobachtet werden konnte. Dieses nicht-therapeutische

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Experiment war eine Verschwörung, die bis heute dafür verantwortlich ist, dass sich African Americans den Gesundheitsbehörden, aber auch Vorsorgestandards gegenüber sehr zurückhaltend zeigen. Präsident Clinton entschuldigte sich 1997 in einer Rede bei den Opfern. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen die Dinge an Dynamik. Die Truppen der USA hatten – immer noch segregiert – gegen ein Deutschland gekämpft, dessen rassistische und völkermörderische Politik beispiellos in der Geschichte gewesen war. Wer den Rassismus in Übersee besiegt hatte, konnte die Apartheid im eigenen Land kaum mehr legitimieren. Der Kampf um die Gleichberechtigung aller Menschen, gleich welcher Hautfarbe, erhielt nun eine andere, eine Massenbasis. Und er wurde an allen Fronten geführt. Die Bürgerrechtsbewegung war kein eingetragener Verein. Sie war ein loser Zusammenhang von Gruppen und Grüppchen, die alle ihre eigene Politik machten. Zahllose Prozesse wurden geführt, um der afroamerikanischen Bevölkerung den Zugang zu Alltäglichkeiten zu gewähren. Texte und Artikel entstanden, Versammlungen wurden abgehalten, aber die wirklich entscheidenden Dinge passierten in der Folge symbolischer Politik. Am 1. Dezember 1955 kletterte Rosa Parks in Montgomery, Alabama, in einen Bus und nahm dort Platz, wo es die Gesetzgebung von ihr erwartete. Das Bild der Rosa Parks in Europa ist immer und immer wieder verfälscht worden. In den Schulbüchern (wenn man denn dorthin gelangte) und TV-Features wurde stets die Geschichte reproduziert von einer nicht mehr ganz jungen Frau, die einfach mal keine Lust gehabt habe, aufzustehen, als der weiße Mann sie dazu aufforderte. Denn der war nach dem Gesetz dazu berechtigt, den Platz im afroamerikanischen Teil des Busses zu fordern. Rosa Parks aber war eine Aktivistin der NAACP und dürfte sich ihrer Sache ziemlich bewusst gewesen sein. Sie wurde verhaftet, wie Homer Plessey 60 Jahre zuvor. Und im Komitee zu ihrer Befreiung ging der Stern eines jungen Mannes auf, der weltweit als der führende Repräsentant der Bürgerrechtsbewegung wahrgenommen werden sollte. Martin Luther King organisierte den Boykott der Busgesellschaft durch die Schwarzen der Stadt, der sich über ein Jahr lang hinzog und von mehr als 90 % der Afroamerikaner getragen wurde. Die Wucht des Boykotts hatte zur Folge, dass King und seine Mitstreiter permanent in Gefahr waren, von ihren weißen Mitbürgern ums Leben gebracht zu werden. So wurde am 30. Januar 1956 zum Beispiel Kings Haus in die Luft gejagt. Aber am 13. November des Jahres entschied der Supreme Court, dass die Rassentrennung in Bussen nicht mit der Verfassung in Einklang stehe.

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Kings natürlicher Antagonist schien in der Gestalt von Malcolm X zu entstehen. Im Gefängnis wurde er ein Anhänger der Nation of Islam (NOI), einer 1930 gegründeten Organisation, die die Ziele Booker T. Washingtons nach wirtschaftlicher Autarkie der Schwarzen mit einer starken religiösen Komponente verband. Nach Elijah Muhammad, der die Organisation zwischen 1934 und 1975 führte, waren die Schwarzen das auserwählte Volk und die Weißen die Verkörperung des Teufels. Malcolm X aber wurde als stärkste Figur der NOI wahrgenommen – und das nicht, weil er die Führungsposition innegehabt hätte, er war nur ihr faszinirendster Redner. Der Antagonismus Dr. King / Malcolm X war sicherlich kein Spiel. Besonders Malcolm X kritisierte den Pfarrer oft mit harschen Worten und beschrieb ihn als Onkel Tom und Agenten des Weißen Mannes. Insgeheim aber dürfte jeder der beiden gewusst haben, dass er ohne den anderen, ohne dessen Spiegelung und Antwort, selbst an Bedeutung verloren hätte. Es gibt Hinweise auf Treffen zwischen den beiden, die in großer Harmonie und geprägt von gegenseitigem Respekt verlaufen sein sollen. Niemand hat das so klar ausgedrückt wie Spike Lee in seinem Buch über die Arbeit an seinem Film Malcolm X. »Viele Leute (vielmehr viele Weiße Leute – es ist schon interessant, dass Weiße die Fragen stellen, die Schwarzen nie in den Sinn kämen) fragten mich damals, warum ich gerade diese bestimmten Zitate als Schlusslicht meines Films brachte und welches der beiden ich bevorzugen würde, das von King oder das von Malcolm?« »Die Zitate lauteten wie folgt: ›Gewalt als Mittel zum Zweck, um Gerechtigkeit bei dem Rassenproblem zu erzielen, ist unnütz und unmoralisch. Unnütz, weil sie wie eine abwärtsweisende Spirale in totaler Zerstörung endet. Das alte Gesetz ›Auge um Auge‹ macht alle Menschen blind. Gewalt ist unmoralisch, weil sie den Gegner eher demütigen als sein Verständnis erlangen will. Gewalt ist unmoralisch, weil sie sich von Hass und nicht von Liebe nährt. Sie zerstört die Gemeinschaft und macht die Bruderschaft unmöglich. Sie veranlasst die Gesellschaft zum Monolog anstatt zum Dialog. Gewalt endet mit den Versuch, sich selbst zu besiegen. Sie erzeugt Bitterkeit in den Überlebenden und Brutalität in den Zerstörern.‹ Dr. Martin Luther King.« ›Ich glaube, es gibt viele gute Menschen in Amerika. Es gibt aber auch genügend schlechte Menschen in Amerika, und es scheint, als hätten die Schlechten all die Macht; als befänden sie sich in den Positionen, in denen sie das blockieren können, was du und ich brauchen. Folglich müssen wir uns das Recht bewahren, dieser Situation ein Ende setzen zu können; was nicht heißen soll, dass ich ein Befürworter von Gewalt bin, sondern nur, dass ich nicht dagegen bin, Gewalt zur

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Schwarze Frauen um 1900, Fotos: W. E. B. DuBois

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Personenregister Abu-Jamal, Mumia 215 Ali, Muhammad 13, 120, 161, 162, 163, 164, 217 Armstrong, Louis 86, 162 Smith, Barbara 216 Barnes, Nicky 216 Basquiat, Jean-Michel 217 Biko, Steve 86, 149, 161, 186, 220 Bloy, Léon 95 Boone, Pat 191 Breasted, James Henry 17 Brogan, Sir Denis William 97 Brown, James 31, 105, 218, 220 Brownmiller, Susan 128, 129, 130, 131, 142, 143, 144 Bryant, Kobe 128, 129, 216 Bumpurs, Eleanor 215 Bunche, Ralph 11, 12 Carmichael, Stokely 111 Castro, Fidel 110, 117 Catlett, Elisabeth 177 Guevara, Ernesto Che 117 Cleaver, Eldridge 195 Clemente, Roberto 217 Collins, Winfried 130 Coolidge, John Calvin 106 Dash, Julie 215 Davis, Angela 119, 124, 135, 217 Davis, Jefferson 63 Davis, Miles 217 De Klerk, Frederik 217 Debray, Regis 116, 117 DeCarava, Roy 216 Diallo, Amadou 215 Doe, Samuel K. 107 Douglass, Frederick 48f, 65, 84f, 133f, 137, 142, 220 Du Bois, William Edward Burghardt 37, 45, 63f, 84 – 88, 105, 205, 207, 216, 220 Dunham, Katherine 177 Eastland, James 18 Eisenhower, Dwight David 25, 79 Ellison, Ralph 218 Equiano, Olaudah 35, 38, 55, 220 Fanons, Frantz Omar 110

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Firestone, Shulamith 130f Flack, Roberta 182 Gabriel, Prosser 66 Garnett, Kevin 215 Garrison, William Lloyd 80, 132 Garvey, Marcus 19, 85, 104ff, 218f Gaye, Marvin 215, 217 George, Nelson 84, 208 Giuliani, Rudy 215 Goldberg, Arthur Joseph 25 Hannibal 16 Hernton, Calvin 131, 144 Herodot 17 Hill, Anita 193 –198, 200, 207, 215 Hoover, J. Edgar 106, 115, 121, 160 Hurston, Zora 175, 178, 218 Iverson, Alan 215 Jackson, George 119, 122, 144 Jackson, Jesse 217 Jackson, Jonathan 119 Jackson, Michael 217 Jay Z 216 Jefferson, Thomas 44, 80 Johnson, Earvin Magic 215 Jordan, Barbara 217 Keita, Sundiata 33 Kennedy, John Fitzgerald 24f, 160 King, Dr. Martin Luther 12, 74, 106, 158ff, 218 Kolumbus, Christopher 16 Laine-Bryant, Vanessa 216 Larsen, Nella 175, 177 Lawrence, Jacob 216 Lee, Spike 5, 81, 112, 159, 215, 220 Lerner, Gerda 125 Lincoln, Abraham 25, 57, 81 Little, Joan 125, 126 Lomax, Louis 8 Lumumba, Patrice 107 MacKellar, Jean 129ff Malcolm X 7, 21f, 80, 106, 159f, 204f, 215 Mao (Zedong) 110, 117, 160 »Ma« Rainey 180 Marley, Bob 217 Marshall, Thurgood 25


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18:53 Uhr

Mayfield, Curtis 217 Meredith, James 24 Mooney, Paul 216 Morrison, Tony 216 Mosley-Braun, Carol 216 Muhammad, Elijah 7 –12,14,17f, 20 – 24, 26f,159,160 Newton, Huey P. 108, 113, 115f Nixon, Richard Milhous 115, 121, 218 Nkrumah, Kwame 33, 97, 105f, 162, 220 Notorious B. I.G. (Christopher Wallace) 215 Ono, Yoko 206 Paige, Thomas Nelson 138 Parker, Kris 215 Pendergrass, Teddy 217 Perry, Edmund 215 Plessey, Homer 83, 158 Powell, Colin 208 Pratt, Geronimo 217 Presley, Elvis 191 Pryor, Richard 217 Ray, James Earl 218 Reagan, Ronald 107, 121, 207 Rice, Condoleezza 208 Robinson, Bill Bojangles 216 Roosevelt, Theodore 25, 84 Russel, Diana 129ff Scorsese, Martin 215 Seale, Bobby 115f Shakur, Assata 217 Shakur, Tupac 215 Simpson, O. J. 207, 215 Smith, Bessie 177 Stein, Gertrude 127 Stewart, Michael 215 Stone, Sly 217 Taylor, Charles 107 Terry, Lucy 177 Thomas, Clarence 193 – 200, 207, 215 Tibbs, Delbert 126 Till, Emmett 128, 129, 143 Tillman, Ben 136, 138 Tobin, James 38 Tolbert, William 107 Toussaint the Savior 66

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Truman, Harry 25 Truth, Sojourner 46f, 140, 205 Tubman, Harriet 81, 107, 205, 218 Turner, Nat 57, 67, 80, 219 Verwoerd, Hendrik 23 Vesey, Denmark 67, 80 Walker, Alice 84, 172, 205, 206 Walker, David 42, 56f, 80, 103 Washington, Booker T. 58f, 63, 65 – 69, 84f, 104f, 112, 159 Washington, George 218 Dr. Weaver, Robert 24f Wells, Ida B. 70, 72, 85, 132, 137, 139, 142, 197, 205, 220 West, Cornel 216 Wheatley, Phyllis 175ff, 182, 205 White, Walter 131f, 141 Whitney, Eli 56 Wilkins, Roy 112 Willard, Frances 136f Wilson, Woodrow 99 Wonder, Stevie 215 Woolf, Virginia 175, 178, 205 Wright, Richard 178

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