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Issue 73

ISSN 1614-9297

WWW.FIVEMAG.de

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Inhalt five 73

08 . 24 seconds

Sehbefehl? FIVE University? Genau: Neue Rubriken braucht das Basketballland! Außerdem gibt‘s den Internetzer, Bei der Geburt ge-trennt, Publisher’s Letter, Pox in Portland, NBA Plays und Brain Ball! Zu gewinnen gibt es „NBA 2K11“, und wir nehmen euch mit zum Venice Beach!

18 . OnePager

Chase Budinger (Rockets), Tyler Hansbrough (Pacers), Ömer Asik (Bulls) und Semih Erden (Celtics) stehen bei euch wohl nicht im Fantasy-Team. Trotzdem sind alle vier extrem wichtig für die Hoffnungen ihrer Franchises. Wir stellen die Youngsters mit Potenzial vor.

22 . One-on-One

„One-on-One“ ist wieder da! In dieser Rubrik vergleichen wir künftig wieder zwei Spieler gleicher Bauart und klären, welcher von beiden besser ist. Ob das kontrovers ist? Aber sicher doch! Und den Anfang machen diesen Monat Russell Westbrook und Derrick Rose!

24 . Nba Top 25

Wer sind die 25 wertvollsten NBA-Spieler der Saison 2010/11? Wer verbindet perfekt aktuelle Leistung auf dem Feld, Zukunftsperspektiven und nacktes Talent? Wir gehen mit euch den Countdown durch und erklären, wer für uns die Besten der Besten sind!

30 . Marreese speights

Ist Philadelphias Big Man ein Sleeper mit enormem Poten­ zial oder nur ein weiteres Kapitel im Buch „Er kam zu früh von der Uni und war zu satt, um ein Star zu werden“? Diese Saison muss die Antwort geben und könnte über die Zukunft der Sixers entscheiden.

32 . Carl Landry

Als Unbekannter gedraftet, bringt der Sacramento King unauffällig Topleistungen. Sehr spektakulär ist jedoch die Härte, die Landry gegen sich und andere an den Tag legt. Selbst mit amtlich eingerissener Kauleiste gibt Carl Landry immer Vollgas!

34 . Warum keine Rente? Warum tun sie sich das an? Warum rackert Shaquille O’Neal noch bei den Celtics? Warum Allen Iverson in der Türkei und Stephon Marbury in China? Wir wollten es genau wissen und fragten eine Sportpsychologin, warum diese Basketballheroen nicht aufhören können.

36 . Demar derozan

DeMar DeRozan lebt am liebsten über Ringniveau und will hoch hinaus. Die Toronto Raptors wünschen sich, dass genau das passiert. Doch kann der Highflyer in Kanada zum Nachfolger von Vince Carter werden?

40 . Shaun Livingston

Shaun Livingston sollte zum nächsten Aufbau-Superstar werden, zum Magic Johnson mit Sprungkraft. Sollte … Heute kämpft sich das ehemalige Übertalent an jedem Tag wieder zurück in die NBA!

42 . Brook Lopez

Er kam als potenziell brauchbarer Rollenspieler in die NBA und vollführt gerade den Sprung in die absolute CenterElite der Liga. Brook Lopez ist der Star, den die Nets im Sommer vergeblich per Free Agency oder Trade ins Team lotsen wollten. Er ist „Mr. Untouchable“!

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Fotos: NBAE/getty images/Glenn James // *It‘s back! Secret Gewinnspiel! Was stimmt auf dem Bird-Foto nicht? Mailt an dre@fivemag.de und gewinnt eine NBA-DVD von Clearvision! Einsendeschluss ist der 01.12.2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!

46 . Michael Beasley

Die Karriere des ehemaligen zweiten Picks der Draft 2008 ist bis jetzt eine Aneinanderkettung von Katastrophen. Ändert sich jetzt in Minnesota nicht nur das Umfeld des Michael Beasley, sondern auch Michael Beasley selbst? Es ist vielleicht seine letzte Chance …

50 . Lockout 2011

Nach dieser Saison droht der Ausfall der kommenden Spielzeit! Dann kommt es zum Arbeitskampf zwischen Gewerkschaft und Teambesitzern. So viel scheint sicher. Wir analysieren, was die Parteien wollen, wo die Probleme liegen und was im Sommer 2011 passieren wird.

4654. . Michael Beas evan Turner

h Mich

Als zweiter Pick der Draft 2010 sollte Evan Turner direkt einschlagen. Sollte … Nach einem katastrophalen Sommer, einer wenig berauschenden Vorbereitung und durchwachsenen Saisonleistungen fragt sich: Wie gut ist Evan Turner wirklich? Wir schauten genau hin und haben die Antwort!

58 . Gilbert Arenas

Er kam als „Zero“ in die NBA und mauserte sich zum absoluten Liebling der Fans. Und dann? Dann wurde aus „Agent Zero“ nur noch Zero. Was hält die Zukunft nun für Gilbert Arenas bereit? Auf der Suche nach der Antwort reisen wir zurück in die Vergangenheit.

64 . Miami Heat History

„Miami Thrice“ ist die Story der NBA 2010/11. Doch es gab schon vor LeBron, Wade und Bosh Basketball in Miami. In der neuesten Folge der „Franchise History“ blicken wir zurück auf 22 Jahre Miami Heat – auf Alonzo Mourning, Tim Hardaway, Glen Rice, Rony Seikaly und Co.!

72 . Bill bradley

Er ist ein Gentleman, wie er im Buche steht. Bill Bradley könnte sogar mal der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Vorher allerdings war er der Glue Guy der „NBA World Champions“ New York Knicks!

76 . NCAA PREVIEW

Es geht wieder los! Die Unibasketballsaison hat begonnen! Nein, nicht bei euch, sondern in der NCAA. Wir stellen euch die zehn besten Teams des Collegebasketballs vor und zeigen, welche Rolle die deutschen Talente in diesem Jahr spielen könnten!

100 . In-Dré-ssant

Carmelo Anthony will weg aus Denver, weil er nicht an den Erfolg dort glaubt. Ähnlich ging und geht es wohl Chris Paul in New Orleans. Fragt sich: Darf ein Spieler dem eigenen Klub ein Ultimatum zum Trade stellen?

80 . 24 sekunden

Deutsche am College, Joes Ecke – Herber geht’s nicht, Bundespräsident Christian Wulff und der Basketball, Dru Joyce über „More Than A Game“, Sport1-Szene des Monats: Robert Powell.

86 . Per Günther

Er ist vielleicht der Nationalspieler mit der wenigsten öffentlichen Beachtung: Per Günther. Wir besuchten den Point Guard in Ulm, erlebten seinen Alltag und erklären, warum bald jeder seinen Namen kennen sollte.

102 . Warenkorb

92 . Derrick Allen

106 . Last Shot

96 . Schräge Vögel

Eben war noch Herbst, nun steht schon (schluck) Weihnachten vor der Tür! Aber was schenken? Krawatte mit Spaldings drauf? Socken mit Celtics-Logo? Urgh, bitte nicht! Wir haben da ein paar Ideen für euch!

Last but not least eine weitere Überraschung: Last Shot! Ab sofort zeigen wir euch wieder kommentarlos ein episches, cooles oder kultiges Foto auf der letzten Seite. Den Anfang macht Larry Bird anno 1986!*

Derrick Allen hat in der Bundesliga alles gesehen. Jetzt spielt der Power Forward in Berlin und soll in der Hauptstadt Meister werden. Wir sprachen mit Allen über die BBL, Murat Didins Psychotricks und den Druck in Berlin.

Es gibt sie überall im deutschen Profibasketball: Akteure mit schiefen Lebensläufen, interessanten Werdegängen oder komplett verrückten Eigenschaften. Wir haben für euch die absolut besten Storys aufgespürt.

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Brook Lopez

Eine neue alte Hoffnung D

ie Stimme, die die verschwitzte Luft durchschnitt, war keine, die Ohren schmeichelt. Schrill kam sie daher, wie immer. Kurz war das Kommando, wie immer. „Brook, up and down! Los!“, kommandierte Avery Johnson. Brook Lopez, Center unter dem „Little General“ bei den New Jersey Nets, sprintete los. Das Vergehen des Centers? Nicht etwa eine verschlafene Rotation in der Defensive. Auch ein wirres Schlafwandeln durch einen angesagten Spielzug war nicht der Grund für den Strafsprint. „Ich hatte vom Zonenrand nach draußen gepasst, obwohl ich nicht gedoppelt wurde“, klärt Lopez auf. Auf den ersten Blick erscheint es mehr als komisch, dass ein Coach seinen besten Innenspieler derart straft, nur weil dieser einen freien Mann auf dem Flügel bediente. Auf den zweiten Blick ist es nur konsequent und vor allem richtig. „Wenn wir hier in der Kirche wären, würde ich sagen: ‚Brook ist unser Fundament. Amen!‘“, freut sich Coach Johnson. „Jedes Team braucht jemanden wie ihn. Du siehst diese großen Spieler wie Brook als Fundament in jeder Stadt, die Erfolg hat. Du siehst sie in Orlando, Boston, Los Angeles und seit Jahren in San Antonio. Du brauchst diese großen Spieler, um zu gewinnen – und wir haben Brook.“

Das Jahr danach „Erfolg“ und „Nets“, diese beiden Worte waren während der Saison 2009/10 kaum im selben Satz beheimatet. Zwölf Siege aus 82 Begegnungen fuhr die Franchise von der falschen Seite des Hudson River

in einer Spielzeit ein, in der nichts zusammengehen wollte. „Wir trafen einfach unsere Würfe nicht. Wir hatten keine Ahnung, wie wir Führungen am Ende nach Hause fahren“, flüchtete sich Interims-Coach Kiki Vandeweghe immer wieder in Floskeln. Seine Mannschaft hingegen fand Abend für Abend neue kreative Wege, um selbst sicher geglaubte Siege noch aus der Hand zu geben. Nach 18 Niederlagen in Folge zu Saisonbeginn war der ehemalige NBA-All-Star und eigentliche General Manager des Teams von seinem Boss bei den Nets, Rod Thorn, als Coach eingesetzt worden. Ein Posten, den Vandeweghe nie haben wollte. „Kiki hatte keine Leidenschaft für das Amt des Trainers, wie sollte das Team also Leidenschaft auf dem Feld entwickeln?“, fragt ein Scout eines NBA-Teams aus der Eastern Conference rückblickend. Die Nets versuchten in der Folge alles, um einen Weg aus der Krise zu finden. Die Franchise lud sogar einen Fakir als Motivationskünstler ein, der den Spielern zeigen sollte, wie stark der mensch­ liche Wille ist. Motto: Selbst große Schmerzen kann der menschliche Verstand besiegen. Als sich der Besuch vor versammelter Mannschaft allerdings nicht nur eine große Nadel durch die eigene Wange rammte,­ sondern gleich noch mehrere nachschieben wollte, schritten die Verantwortlichen ein und brachen die Demonstration ab. „Seitdem versucht die Franchise, alle scharfen Objekte von mir fernzuhalten“, witzelte Brook Lopez später. Dabei war er der einzige Net, der die Seuchensaison nicht nur unbeschadet überstand, son-

1. Als Rookie lieferte Lopez 13,0 Punkte, 8,1 Rebounds, 1,8 Blocks, 1,0 Assists, 53,1 Prozent aus dem Feld und 79,3 von der Freiwurflinie.

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Fotos: NBA Photo/NBAE/getty images/NBA Photos/Fernando Medina/David Dow/Gary Dineen

In New Jersey sollen bessere Zeiten anbrechen – auch ohne Free-Agent-Superstar oder Carmelo Anthony. Wie das gehen soll? Die Hoffnung der Nets spielt schon seit zwei Jahren im Team! Text: André Voigt


„Wir sind in dieser Hinsicht gerade am Anfang. Brook muss noch dreckiger werden!“ Avery Johnson

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NBA Lockout 2011

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David Stern steht seit Jahrzehnten bei der NBA im Vordergrund. Gewerkschaftschef Billy Hunter tritt eigentlich nur in Arbeitskampfzeiten ins Rampenlicht.

Alarmstufe

ROT

Die NBA schreibt rote Zahlen. Seit Jahren. Nach der Saison 2010/11 läuft das aktuelle Abkommen zwischen Besitzern und der spielerGewerkschaft aus. Kommt es zum erneuten Lockout? FIVE analysiert. Text: Jan Schiecke s ist der 06. Januar 2012. Der kleine, alte Mann bewegt sich langsam zum Podium. Sein Gang wirkt wie der eines Mannes, der alles gegeben, aber am Ende verloren hat. Er tritt vor die Mikrofone und kratzt sich kurz den ungewohnten Vollbart. „Hiermit muss ich Ihnen leider mitteilen, dass die Saison 2011/12 aufgrund eines Lockouts der NBA-Eigentümer endgültig ausfällt“, gibt der Jurist mit deprimierter Stimme zu Protokoll. Damit bestätigt er, David Stern, Commis­sioner der NBA, der Basketball-Fachwelt einen kleinen Weltuntergang. Zu diesem Szenario wachen Nacht für Nacht immer mehr Spieler, aber auch viele Eigentümer schweißgebadet auf. Der große Schatten eines mög­ lichen Aussperrens der Spieler durch die Besitzer zieht schon jetzt auf. Obwohl beide Parteien noch bis zum 01. Juli 2011 Zeit haben, sieht David Stern die Lage eher pessimistisch: „Zwischen beiden Seiten gibt es im Moment keine Lücke, sondern einen Riesenkluft.“ Dass die Parteien bereits seit 2009 immer wieder zu Gesprächen zusammenkamen und dennoch so uneins sind, bestätigt den Ernst der Lage. Nur was ist eigentlich das genaue Problem, und wie schwerwiegend ist es im Vergleich zu vorherigen Arbeitskämpfen in der NBA?

Machtspiele Wo es Gewerkschaften gibt, ist ein Streik nicht weit, wenn sich die Arbeitnehmerschaft schlecht behandelt fühlt. Dies gilt sowohl für den Braunkohlebergbau als eben auch für die NBA. Schon 1964 drohten die Spieler mit einem Streik bei der Austragung des All-StarGames. Die Besitzer sollten dazu gebracht werden, endlich die National Basketball Player’s Association (NBPA) anzuerkennen. Da das Spiel erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurde und ein Ausfall dem Untergang einer damals ohnehin weniger beliebten Sportart gleichgekommen wäre, willigten die Eigentümer ein. Damals gewannen noch die Spieler, 1995 jedoch kam es zu einem ersten Lockout. Drei Monate lang sperrten die Eigentümer ihre Spieler aus, bis diese letztendlich einem neuen Collective Bargaining Agreement (CBA), einem neuen Tarifvertrag (siehe Kasten auf Seite 53), zustimmten. In diesem wurde erstmals festgehalten, dass Spielergehälter nur einen bestimmten Prozentsatz der Einnahmen aller NBA-Teams ausmachen dürfen. Sollte der Prozentsatz überschritten werden, können die Liga-Franchises neu verhandeln. Genau das passierte 1998. Angesichts von 100-MillionenDollar-Verträgen – zum Beispiel die von Kevin Garnett, Shaquille O’Neal oder Juwan Howard – zahlten Teams 51

Fotos: NBA Photo/NBAE/getty images/NBA Photos/David Dow/Jennifer Pottheiser

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Living Legends: Gilbert Arenas

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No Love? Viele gefeierte NBA-Stars sind abgest체rzt. In die Tiefe gerissen von ihren eigenen Fehlern: Egomanie, Faulheit, Drogen, Alkohol, Geltungssucht. Gilbert Arenas war einer der beliebtesten Spieler der Neuzeit. Auch er st체rzte vom Olymp. Wegen einer ganz besonderen Schw채che: seiner Sehnsucht nach Liebe.

Foto: NBA Photo/NBAE/getty images/NBA Photos/Ned Dishman

Text: Jan Hieronimi

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Franchise History: Miami Heat

Fotos: NBA Photo/NBAE/getty images/NBA Photos/Victor Baldizon/Issac Baldizon/Nathaniel S. Butler/David Liam Kyle

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„Es ging Mann gegen Mann, und die Refs liessen uns gewähren. Du hast aufgepasst, dass du keine leichten Körbe zulässt, weil es sonst Ansagen von den Mitspielern gab.“ Charles Oakley

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ine neue Dimension von Hype, Blitzlichtgewitter in bisher nicht gekannten Ausmaßen, jede Menge Hass und jede Menge Liebe … keine andere Mannschaft wird in dieser Saison so sehr im Fokus stehen wie die Miami Heat. Es stellt sich die Frage, ob überhaupt schon jemals ein NBA-Team so viel Aufregung erfahren hat. Vielleicht die Bulls Mitte der Neunziger bei Jordans Rückkehr und ihrer anschließenden Rekordsaison mit 72 Siegen oder eventuell noch die Showtime-Lakers mit Magic und Kareem in den Achtzigern. Aber das waren auch andere Zeiten ohne Youtube, Twitter-Accounts, Handykameras und mediale Rundumbeschattung. Damals waren NBA-Profis eher noch in erster Linie Basketballspieler und erst danach sogenannte Celebrities. Beim Blick auf den Preseason-Rummel, der bereits im Trainingscamp um Dwyane Wade, LeBron James und Chris Bosh herrschte, scheint sich das gewandelt zu haben. Selbst

wenn Elvis und Jacko zusammen aufgetreten wären – inklusive der Beatles als Vorband –, hätten nicht nur in Miami1 Verzückung und Interesse von Fans und Medien kaum größer sein können. „Es ist schon außergewöhnlich“, sagte Udonis Haslem kürzlich im Interview mit dem „Miami Herald“. „Selbst das Jahr, in dem wir Meister geworden sind, ist hiermit kaum zu vergleichen.“ Bei den Heat wird die öffentliche Hysterie wohlwollend registriert, aber wichtiger ist, dass die Big Three den Klub jetzt auch sportlich zu neuen Gipfeln führen. Denn nur das bedeutet in der Verbindung mit Hype auch einen größtmöglichen wirtschaftlichen Höhenflug. Beim Blick auf den Gourmet-Kader der Heat ist ein frühes Scheitern aber kaum vorstellbar. Insgesamt also gute Aussichten für den eh schon erfolgreichsten der sieben Klubs2, die seit Ende der Achtziger in die NBA aufgenommen wurden …

1. Neben den Heat gibt es noch die Footballer von den Miami Dolphins, die Baseballer von den Florida Marlins und die Eishockeycracks der Florida Panthers, aber nur die Basketballer tragen ihre Heimspiele innerhalb der Stadtgrenzen aus.

2. 1988 neben den Heat noch die Hornets, 1989 die Magic und die Timberwolves, 1995 die Raptors und Grizzlies sowie 2004 die Bobcats.

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Per Günther

DieaufZukunft der Eins? Per Günther ist Teil der talentierten Generation von jungen Nationalspielern. Die Frage ist: Kann er Anführer dieses Teams werden? Bisher ist nicht mal er selber bezüglich der Antwort sicher … Text: Sven Simon

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ls Per Günther die Treppen runter zum Parkett schlendert, trocknen darauf gerade die letzten feuchten Stellen. Ein Mann in Arbeitsklamotten kommt auf ihn zu und lacht. „Ich habe ganz vergessen, dass ihr auch heute am Feier­tag trainiert, deshalb haben wir schon früher sauber gemacht“, ruft der Vorarbeiter der Putzkolonne rüber. „Erzähl meinem Chef bloß nichts davon, sonst kriege ich eine Ansage.“ Der Aufbau winkt entspannt ab und stapft rüber zum Geräteraum. Es ist offensichtlich: In der Kuhberghalle ist Günther der Chef des Parketts … und das als Starter auf der Eins bereits im zweiten Jahr. Ulms Headcoach Mike Taylor nennt ihn seinen Quarterback und prophezeite ihm vor der Saison ein starkes Jahr. Bis zum 6. Spieltag der Bundesliga hat ihn sein Point Guard auch nicht enttäuscht. Mit 11,5 Punkten im Schnitt ist er hinter John Bryant (15,5) und Robin Benzing (14,5) drittbester Scorer des Teams sowie ligaweit drittbester deutscher Punktesammler hinter Benzing und Triers Philip Zwiener (15,1). Es ist das erste Mal, dass Günther in der Bundesliga einen zweistelligen Punkteschnitt vorweisen kann, und da nach einem 0-4-Start sowohl zu Hause gegen Göttingen (95:73) als auch vor zwei Tagen das wichtige Derby in Tübingen (100:83) gewonnen werden konnte, sieht es auch in der Tabelle wieder entspannter aus. Günther sieht das in seinem letzten Vertragsjahr aber anders. Er möchte weiter nach oben, regelmäßig in die Postseason reiten, gerne auch mal in einem internationalen Wettbewerb auflaufen. Am liebsten natürlich in Ulm, sagt er. Die neue Arena, die gerade gebaut wird, sei ein gutes Signal, dennoch fragt er sich, „ob mir Ulm garantieren kann, dass wir künftig so viele Spiele gewinnen, dass es jedes Jahr für die Playoffs reicht“. 86

An der Seite der NBA-Talente Bei Benzing sei es klar, dass er nach der Saison gehen werde, sagt Mike Taylor, und auch bei Günther könne es so kommen, aber da gebe es wenigstens eine Chance auf einen neuen Vertrag. Dabei erwartet der Ulmer Headcoach keine Entscheidung für seinen Klub aus Dankbarkeit, weil er dem jungen Profi vor zwei Jahren die Chance geboten hatte, sich in der Bundesliga zu beweisen. So etwas gebe es nicht im Profigeschäft, sagt er. „Wir können es nur so handhaben, wie wir es immer machen: ehrlich unsere Argumente wie eben die neue Halle vorbringen und dann warten, wie Per sich entscheidet.“ Taylor weiß, dass es schwer werden könnte, schließlich ist sein Point Guard Teil der hochgelobten Generation von deutschen Jünglingen aus den Geburtsjahrgängen 1988 und 1989. Vorneweg werden dabei natürlich immer die NBA-Talente genannt: Benzing, Tibor Pleiß, Elias Harris und Tim Ohlbrecht. Diese Jungs stehen aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten regelmäßig im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Und auch Shooter Lucca­ Staiger sowie Swingman Philipp Schwethelm (seit seiner starken WM) wird eine gute Rolle im Nationalteam der Zukunft zugetraut. Gerade über die NBA-Anwärter wird viel geschrieben, und das ist auch schön und gut, aber Günther auf der Eins ist bezüglich des künftigen Erfolgs dieser Mannschaft die interessantere, weil viel wichtigere Geschichte. Ist er der Point Guard, der in einigen Jahren (lies: bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro) diesen Mannschaftskern auf dem Leistungszenit anführen kann? Beim Interview für diesen Artikel gibt Günther sogar ehrlich zu, dass er sich nicht mal selber sicher ist, ob er das Zeug dazu hat. Er könne sich als


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Fotos: DBB, wolterfoto.de, Camera 4, Thilo Hensel, Getty Images/Bongarts/Lars Baron, Thomas Langer, Patrick Stollarz


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