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Streit-Fall Eine Sonderausgabe der Scholle Eure Schülerzeitung am Geschwister-Scholl-Gymnasium zum Thema

Wege aus der Gewalt Von wegen

Friede, Freude... Von Opfern verschwiegen, von Mitwissern vertuscht, hat sich Gewalt, auch rechte Gewalt, wieder zu einem Thema entwickelt, über das man reden muss. Die Jagd auf einen Schwarzafrikaner in der Innenstadt hat vielen Münsteranern auf erschreckende Weise klar gemacht, dass es rechte Gewalt nicht nur im Fernsehen gibt.

Gewalt - auch ganz in meiner Nähe Doch für die Betroffenen ebenfalls schrecklich, aber viel weniger bekannt, existiert auch noch die ganz alltägliche Gewalt zu Hause, auf Schulhöfen und Straßen. Auch das Ausgrenzen von Mitschülern oder Mobbing gehören dazu. Vieles bleibt hier im Dunkeln, auch weil die Opfer niemanden haben, an den sie sich wenden können. Wir haben die momentane Medienpräsenz des Themas „Gewalt“ und viele besorgte Briefe unserer Leserinnen und Leser zu diesem Thema zum Anlass genommen, Euch in dieser Sonderausgabe der Scholle Wege zu zeigen, wie man mit Gewalt umgehen und Konflikte gewaltlos lösen kann. Dazu haben wir uns bei verschiedenen Organisationen nach ihren Wegen aus der Gewalt erkundigt, z.B. bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle, bei der Polizei und auch beim Wuddi, unserem örtlichen Kinder- und Jugendzentrum. Auf den folgenden Seiten stellen wir Euch unsere Ergebnisse vor, darunter auch die Aussagen von Prominenten, ein Interview und die Beantwortung eines Leserbriefs.

Titel / Inhalt

Was Euch erwartet: Gewalt in den Medien ... in Zeitung, Radio und Fernsehen Bedroht, zusammengeschlagen, ausgeraubt, vergewaltigt... S. 2 Die Stadt des Westfälischen Friedens - kein Ort der Gewaltlosigkeit S. 2 Schlagzeilen zum Thema „Gewalt in Münster“ S. 3

Gewalt in unserem Stadtteil Viel Stress im Wuddi?! Münsteraner rollen gegen Rechts

S. 3 S. 4

Die Polizei - ein echter Freund und Helfer?! Ein Blick in die moderne Arbeit der Polizei My Way - Fair Play: Ein Ball wird Konzept TAO - Einsicht ist der erste Weg zum Besserung

S. 4 S. 5

Geärgert und bedroht - wie komm ich da raus? Recherchiert bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle Neu in der Klasse - alles andere als willkommen S. 5

Wege zu einer neuen Streitkultur Streitschlichtung an Schulen Interview mit Diplom-Sozialpädagogin Heidi Merz

S. 6

Promi-Wege aus der Gewalt Interviews mit Prominenten zum Thema Gewalt Interview mit Karl-Heinz Volkert, Vorsitzender der DeutschIsraelischen Gesellschaft und Dr. Thomas Sternberg, Direktor der Akademie Franz Hitze Haus in Münster S. 8

S. 1


Gedichte der Klasse UIIc

Dunkler Tag Lautlose Schreie Dunkler Tag Leblos wach Und doch lebendig tot. Leblos am Boden Keine Regung Zertrümmert der Körper Und die Seele? Jana Isbach und Lisa Honerkamp

Hilflos Die Leute gehen vorüber Sehen sie es nicht? Ich brauche Hilfe Verstehen sie es nicht? Jana Lübben

Was ist eigentlich...

GEWALT IN DEN MEDIEN

Bedroht, zusammengeschlagen, ausgeraubt, vergewaltigt... Täglich liest man in der Zeitung von neuen Gewalttaten. Nicht nur in Großstädten, auch hier in Münster. Nehmen wir als Beispiel den von Münsteraner Skinheads gejagten Schwarzafrikaner. Reaktionen: Oberbürgermeister Berthold Tillmann rief den Ausländerbeirat zusammen, der aber nur sein „allergrößtes Mitgefühl“ gegenüber dem Opfer zum Ausdruck brachte. Münsters Sportvereine hingegen organisierten eine Demo unter dem Motto: „Rollen gegen Rechts“. Nur wenige Tage später, eine neue erschreckende Meldung in unserer regionalen Zeitung: „22-jährige Studentin entführt und vergewaltigt.“ Die Polizei versuchte, den Fall mit Hilfe von Augenzeugenberichten aufzuklären - mit Erfolg: 40 Hinweise gingen beim Polizeipräsidium ein. „Vergewaltiger gefasst!“ konnte die Staatsanwaltschaft Münster nach dem Fahndungserfolg der Polizei mitteilen.

GEWALT IN DEN MEDIEN

Die Stadt des Westfälischen Friedens - kein Ort der Gewaltlosigkeit Chronologie der Gewalt in unserer Stadt Münster 28.08.00

Skinheads jagen Schwarzafrikaner über die Straßen

29.08.00

Stadionverbot für Skinheads, 14-jähriger ausgeraubt und zu Boden geschlagen

31.08.00

Sitzung des Ausländerbeirats wegen der Hetzjagd auf den Schwarzafrikaner, Leserbrief „Epidemie in Münster“ zum Thema Skinheads

02.09.00

Opfer der Skinheadattacke berichtet über sein schreckliches Erlebnis

Skinhead Angehöriger einer Gruppe männlicher Jugendlicher, die äußerlich durch Kurzhaarschnitt oder Glatze gekennzeichnet sind und zu aggressivem Verhalten und Gewalttätigkeit neigen, üblicherweise auf der Grundlage rechtsradikalen Gedankenguts

Ausländerbeirat Gremium der Stadt Münster, das von allen in Münster lebenden Ausländern gewählt wird und deren Belange gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit vertritt Gewalt in den Medien

Bildquelle: wn.online

05.09.00

32-jähriger zusammengeschlagen, Wortgefecht eskaliert zur Schlägerei

07.09.00

22-jährige Studentin entführt und vergewaltigt

09.09.00

5000 DM Belohnung für Hinweise auf die Vergewaltiger Polizistinnen von Betrunkenem verletzt

11.09.00

Sportler organisieren Demo gegen Rechtsradikalismus

12.09.00

10-jähriger zum Rauchen gezwungen

13.09.00

40 Hinweise auf die Vergewaltiger, Opferhilfe gegründet

16.09.00

Einer der drei Vergewaltiger gefasst, zwei flüchtig

19.09.00

flüchtige Vergewaltiger gefasst

S. 2


GEWALT IN DEN MEDIEN

Schlagzeilen zum Thema „Gewalt in Münster“

Gedichte der Klasse UIIc

Aufbruch Der Krug, endlich ist er zerbrochen Das Volk kommt aus Löchern gekrochen Die Geheimnisse zu wahren sind wir nicht bereit Die Stimme erheben, dazu ist es an der Zeit Die dunkle Nacht, sie ging über in den Tag Das Gewissen sei rein, egal was kommen mag. Lioba Welling

GEWALT IN UNSEREM STADTTEIL

Was ist eigentlich...

Viel Stress im Wuddi?!

Wuddi

Jugendarbeit in Münster-Kinderhaus

Das Wuddi ist eine Einrichtung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familie der Stadt Münster zur aktiven Freizeitgestaltung.

Zur Klärung dieser Frage wandte ich mich an Andreas Brochtrup, einem Mitarbeiter des Wuddis, dem Zentrum für Kinder und Jugendliche im Bürgerhaus Kinderhaus. Das Wuddi besteht seit 17 Jahren und bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Freizeit aktiv zu gestalten, angefangen vom täglichen Café bis hin zur Ferienbetreuung. Hier treffen alle möglichen Nationalitäten aufeinander, stark vertreten sind Deutsch -Russen und Romas. Gewaltsame Auseinandersetzungen hat der zuständige Sozialpädagoge Andreas Brochtrup bisher noch nicht erlebt; nur einmal musste man die Polizei zur Hilfe holen. Mit Antistressprogrammen und sportlichen Aktivitäten versuchen die Mitarbeiter des Wuddi, die Jugendlichen von der Gewalt abzubringen. Geschult durch ein Deeskalationstraining versuchen sie, auffällige Jugendliche schon früh zu erkennen, bieten Hilfe zur Problemlösung oder erteilen notfalls auch Hausverbote.

Gewalt in den Medien / Gewalt in unserem Stadtteil

S. 3


Gedichte der Klasse UIIc

GEWALT IN UNSEREM STADTTEIL

„Rollen gegen Rechts“

Auswege

Bildquelle: stern.de

Die Menschen schreien und kämpfen Doch keiner kommt um zu helfen. Es kommt einmal der Tag, dann werden sich alle verstehen und einsehen, besser ist es mit Freunden wegzugehen als Menschen mit Schlägen zu quälen. Patrizia Cichy

Vorbeugung

My Way Fair play

Logo: NRW-Polizeibroschüre

Initiative der Polizei, die zum Ziel hat, Jugendliche durch Sport von Gewalttaten abzuhalten

SPYROS MARINOS, AUSLÄNDERBEIRAT

DIE POLIZEI - EIN ECHTER FREUND UND HELFER?!

Was ist eigentlich... Prävention

„Unsere Zahlen sind arabisch, unsere Schrift lateinisch. Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, den Ausländer selbst zu akzeptieren.“

Am 15.9.2000 organisierte der Stadtsportbund eine ungewöhnliche Demo. Bewegt von den Übergriffen Rechtsradikaler auf einen farbigen Mitbürger Kompakt unserer Stadt Damit „Rassismus nach einem Fußunter die Räder“ ballspiel sollten kommt, wurden unter Sportler auf Roldem Motto „Rollen len gegen Fremgegen Rechts“ Sport- denfeindlichkeit ler aufgerufen, sich auf und für Toleranz Rollen – Fahrrädern, und gegenseitige Rollern oder Inlineska- Anerkennung tes – zu engagieren demonstrieren. Nur eine geringe Anzahl von Bürgern auf Fahrrädern, Inlineskates und Rollern folgte dem Aufruf. Diese Tatsache macht deutlich, wie wenig der Gesellschaft bewusst ist, was Gewalt in der Vergangenheit bereits angerichtet hat und in der Zukunft eventuell anrichten kann. Schockiert liest, hört oder sieht man in den Medien von gewaltsamen Übergriffen, doch dann geht man immer wieder schnell zur Tagesordnung über. Durch Aufklärung muss künftig die Gesellschaft stärker sensibilisiert werden. Auch die schweigende Mehrheit muss wachgerüttelt werden.

My Way - Fair Play: Ein Ball wird Konzept

Dieses Motto macht sich die Polizei zu eigen und versucht, durch Aktionen wie Basketball- und Zur Person: Lutz Redfeld Fußballturniere AlternaLutz Redfeld ist Jugendschutz- tiven zur Gewalt zu biebeauftragter des Polizeipräsidi- ten, denn nicht selten ums und Kriminalhauptkom- sind gestörte Familienmissar. Er beschäftigt sich verhältnisse, Arbeitslohauptsächlich mit Kinder- und sigkeit, Frust, Trennung und Langeweile Gründe Jugendkriminalität und ist für für aggressives Verhaldas Thema ,,Gewalt" zustänten. Redfeld: ,,Ein Ball, dig. Herr Redfeld arbeitet in ein Korb, ein Platz und der Dienststelle die Kids sind ein paar „Kommissariat – Vorbeugung“. Stunden weg von der Sein Schwerpunkt: Prävention Straße." Die Einbindung im Gewaltbereich. Er macht es z.B. in einen Verein sich zur Aufgabe, Schulklas- oder eine Band stärkt sen zum Thema ,,Gewalt“ auf- sowohl soziales Verhalzuklären. Er spricht insbeson- ten als auch das Gefühl dere über die Vermeidung von von Zugehörigkeit und Gewalt, Risiken und über Per- Miteinander. ,,Somit sonen, die Gewalt anwenden. geraten zumindest die alltäglichen Probleme für ein paar Stunden Zudem informiert er die Schü- in Vergessenheit", so Lutz Redfeld. Jugendliche erhalten durch ler über Konfliktsituationen. diese Initiative die Möglichkeit, sich bei einer speziell ausgebildeten Vertrauensperson Rat und Hilfe zu holen, da Eltern oftmals keine Zeit für ihre Kinder finden. Da so die Ängste der Jugendlichen vor der Polizei abgebaut werden, melden sie der Polizei auch mehr Straftaten und helfen ihr so bei der Arbeit.

Gewalt in unserem Stadtteil / Die Polizei - Ein echter Freund und Helfer?!

S. 4


DIE POLIZEI - EIN ECHTER FREUND UND HELFER?!

TOA - Einsicht ist der erste Weg zum Besserung § 155a StPO: „Die Staatsanwaltschaft und das Gericht sollen

Gedichte der Klasse UIIc

Freispruch

in jedem Stadium des Verfahrens die Möglichkeiten prüfen, einen Ausgleich zwischen Beschuldigtem und Verletztem zu erreichen. In geeigneten Fällen sollen sie darauf hinwirken. Gegen den ausdrücklichen Willen des Verletzten darf die Eignung nicht angenommen werden.“ Ein weiterer Weg aus der Gewalt stellt der TOA, der Täter-

Bildquelle: NRW-Polizeibroschüre

Opfer-Ausgleich dar. Dabei wird das Opfer mit dem Täter

Bildquelle: stern.de

konfrontiert und kann somit eventuell durch eine Aussprache seine Ängste und Selbstvorwürfe verringern. Auch muss der Täter seine Tat durch dieses Gespräch überdenken. Anwesend ist stets ein geschulter Polizeipsychologe, der darauf achtet, dass der

„Bei uns gibt‘s die nicht,

Täter sowie das Opfer seine Ansichten in Ruhe äußern können. Auf diese Weise wird

die Nazibarbarei“,

„beiden Seiten die Möglichkeit gegeben, einander zu verstehen“. Dieses dient auch der Prävention, da das Opfer nun weiß, wie es sich bei der nächsten Gewaltsituation verhalten sollte. Der Täter erfährt die seelischen und körperlichen Folgen seiner Tat, wodurch bei ihm Hemmungen aufgebaut werden. Es ist selbstverständlich, dass der Täter den Schaden begleicht und nicht erst durch eine Strafanzeige dazu gezwungen werden

doch so manches Gericht spricht die Schläger frei! Thomas Gniffke

muss.

GEÄRGERT UND BEDROHT - WIE KOMM ICH DA RAUS? Neu in der Klasse - alles andere als willkommen Liebes Redaktionsteam! Ich wende mich mit meinem Problem an euch, da ich sonst niemanden habe, mit dem ich darüber sprechen kann. Seitdem ich die Schule gewechselt habe, habe ich sehr große Schwierigkeiten mit meiner neuen Klasse. Einige Mitschüler ärgern mich und drohen mir mit Schlägen. In den Pausen kommen sie zu mir herüber, schubsen und treten mich. Oft schreien sie mir auch gemeine Schimpfwörter hinterher, dabei weiß ich absolut nicht, was ich ihnen getan habe. Was mache ich bloß falsch? An meine Lehrer kann ich mich nicht wenden, da ich sonst als Verräterin gelte. Bitte helft mir! Sandra, 14 aus Münster Liebe Sandra! Erst einmal bedanken wir uns für Dein Vertrauen, das Du uns schenkst und wir hoffen, Dir mit dieser Antwort zu helfen. Du musst wissen, dass Du mit Deinem Problem nicht alleine fertig werden musst. Es gibt einige Beratungsstellen, wo Dir professionelle Hilfe durch Psychologen angeboten wird. Wir haben bereits ein wenig nachgeforscht und für Dich die Schulpsychologische Beratungsstelle in Münster gefunden. Dort arbeiten dafür ausgebildete Berater, die spezielle Programme für Lehrer, Schüler und Eltern anbieten. Sie führen intensive und vertrauliche Gespräche, gehen genau auf Dein Problem ein und versuchen, es gemeinsam mit den Beteiligten des Konfliktes zu meistern. Sie klären auf beiden Seiten des Streites zunächst, was überhaupt geschehen ist und wie es dazu kommen

Was ist eigentlich... Schulpsychologische Beratungsstelle Die Schulpsychologische Beratungsstelle arbeitet als kommunale Einrichtung der Stadt Münster. Die Institution gibt es seit 30 Jahren. Sie beschäftigt sich mit Problemen von Eltern, Lehrern und Schülern. Die Psychologen bieten sachkundigen Rat und Begleitung an - bei Bedarf auch über einen längeren Zeitraum. Das Angebot umfasst Hilfsangebote für das einzelne Kind und Lösungssuche für Konflikte zwischen Eltern und Kindern. Auch wird mit Lehrergruppen direkt in der

Die Polizei - Ein echter Freund und Helfer?! / Geärgert und bedroht...

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Gedichte der Klasse UIIc

Halt!

Bildquelle: stern.de

Ausländer in Deutschland angespannt Skinheads wieder davongerannt

kommen konnte. Des weiteren versuchen sie, das Selbstwertgefühl des „Opfers" zu stärken und die „Täter" ein wenig zu bremsen. Danach sprechen sie auch mit den betroffenen Lehrern, den Eltern und weiteren Mitschülern des „Opfers". Dabei werden die Fragen „Wie akzeptiert und integriert man Menschen, die anders sind?" und "Wie geht man mit ihnen um?" gestellt und es wird versucht, sie zu beantworten. In vielen Fällen arbeitet die Beratungsstelle auch noch mit anderen Organisationen, wie zum Beispiel der Polizei, Ärzten und weiteren Arbeitskreisen in der Stadt zusammen. So entsteht eine große Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen, die ständig ihre Konzepte erweitern oder erneuern. Die Beratungsstelle bietet auch ein spezielles „Streitschlichtungsprogramm“ an, an dem viele Schulen aus Münster interessiert sind. Hierzu findest Du alle Informationen in unserem Beitrag „Wege einer neuen Streitkultur – Streitschlichtung an Schulen“. Ein weiteres Angebot der Beratungsstelle ist die Aktion „Klassenrat“, bei der sich die ganze Klasse, einschließlich dem Lehrer, regelmäßig trifft und in ein dafür angelegtes Buch einträgt, was ihr gefällt und was ihr auch nicht gefällt. Dies ist eine gute Chance für stillere Schüler, die sich sonst nicht trauen, Konflikte anzusprechen. Hier können sie nun ihre eigene Meinung vertraulich äußern. Es wäre ratsam, dass Du Dich doch Deinem Lehrer anvertraust und ihm Deine Probleme mit Deinen Mitschülern erläuterst. Er wird sicherlich Verständnis zeigen und mit Dir nach einer Lösung suchen. Vielleicht sucht ihr ja gemeinsam die Berawww.mehr-respekt-vor-Kindern.de tungsstelle auf?! Du darfst „Mehr Respekt vor Kindern“ ist eine Kampagne des auf jeden Fall keine Familienministeriums in der für eine gewaltfreie Erziehung Scheu haben, vertrau geworben wird. Auf der Seite werden u.a. lokale Initiativen Dich jemandem an und und das Engagement von Prominenten vorgestellt. lass Dir helfen!

Web-Tipp

Das Redaktionsteam

Wir sagen: Halt!

WEGE ZU EINER NEUEN STREITKULTUR

Keine Macht der Gewalt!

Interview mit DiplomSozialpädagogin Heidi Merz

Till Mönig

Was ist eigentlich... ASB Arbeitskreis soziale Bildung und Beratung

Sozialpädagoge Hilft persönlich beeinträchtigten Menschen, fasst die pädagogischen, therapeutischen und beraterischen Dienstleistungen des Sozialwesens zusammen

Prävention Vorbeugung

Streitschlichtung an Schulen. Das ist das Thema, zu dem wir mit der Diplom-Sozialpädagogin Heidi Merz ein Gespräch geführt haben. Frau Merz ist Gestalttherapeutin beim ASB in Münster. Sie stellt uns eine Methode zur Prävention von Gewalt vor. Guten Tag, Frau Merz. Gewaltbereite Schüler sind an unserer Schule zwar noch die Ausnahme, dennoch möchten wir Ihnen ein paar Fragen zum Thema Streitschlichtung stellen. Was ist Ihre Aufgabe beim ASB? Ich arbeite in der Erwachsenen- und der Jugendbildung. Ich arbeite mit Sozialpädagogen, Erziehern und Schülern zu verschiedenen Themen in der Weiterbildung. Auch zum Thema „Gewalt“ oder „Wege aus der Gewalt“? Ja, das ist ein Thema, dass wir vom ASB, welcher mit älteren Kindern, Schülern, Lehrern etc. arbeitet, behandeln. Wir bieten in den Schulen in Münster unsere Streitschlichtungsseminare und Fortbildungen zur Prävention von Gewalt an. Außerdem werden von uns Fortbildungen für Lehrer und Projekttage für Klassen durchgeführt. Was sind Ihre Ziele? Wir wollen zusammen mit den Jugendlichen versuchen, Lösungen in Konflikten zu finden, die für beide Seiten zur Zufriedenheit führen. Dazu beziehen wir nicht nur Schüler in unsere Projekte mit ein, sondern versuchen auch, mit

Geärgert und bedroht - wie komm ich da raus? / Wege zu einer neuen Streitkultur

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Eltern und Lehrern zu arbeiten und manchmal auch mit den Jugendzentren in den Stadtteilen. So versuchen wir, das „Wir versuchen, das gesamte Um- eines Jugendlichen in gesamte Umfeld feld eines Jugendlichen in unsere einzubeziehen. Die unsere Arbeit mit Arbeit mit einzubeziehen.“ Schüler, die in die 5. Klasse kommen, sollen sofort wissen, dass es Streitschlichter an den Schulen gibt und sich auch an diese wenden können, wenn es Konflikte gibt.

Gedichte der Klasse UIIc

Leere

Eine neue Streitkultur – Schüler lernen Schülern helfen

Gefühle erloschen

Es soll sich nach und nach in den nächsten Jahren eine neue Streitkultur an den Schulen entwickeln. Wir wollen auch den Vandalismus an den Schulen stoppen. Die Lehrer sollen nicht die Streitschlichter sein, sondern ältere Schüler sollen jüngeren Schülern bei ihren Problemen helfen. Die Schwerpunkte sind: Gewaltprävention und Sicherheit an Schulen. Können Sie genauer auf die Zielgruppen eingehen? Welches Alter sprechen Sie an? Wir arbeiten im Moment eigentlich mit allen Klassenstufen von der 5 bis 10 und werden von den Schulen zu unterschiedlichen Themen eingeladen. Das heißt, wir wollen nicht erst dann mit Schülern oder Jugend„Konflikte sind etwas positives. wenn schon Gewalt stattlichen arbeiten, Nicht sie sind das Problem, gefunden hat, sondern schon vorher, also präventiv. Wir wol- sondern die Art und Weise, wie len den Schülern andere wir mit ihnen umgehen.“ Formen zur Bewältigung von Konflikten und deren Bearbeitung beibringen. Wichtig ist uns dabei: Wir finden grundsätzlich, dass Konflikte etwas positives sind und dass nicht die Konflikte das Problem sind, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Das ist ein Grundgedanke, der zu unserer Philosophie dazugehört.

Schreie verstummt

Schüler bilden Streitschlichtungs-AG Können sie uns ein Beispiel nennen? Wir sind im Moment für Projekttage an der Geschwister-Scholl-Realschule in Münster-Kinderhaus aktiv. Dort haben sich Schüler freiwillig für diese AG gemeldet. Das Thema ist: „Einführung in die Streitschlichtung“. Wir stellen den Schülern vor, was eigentlich Streitschlichtung ist und was ein Streitschlichter zu tun hat. Das kommt aus dem Bereich der Mediation. Wir machen Übungen dazu und zeigen den Schülern Filme. Es soll sich an dieser Schule eine Streitschlichtungs-AG bilden, in der Schüler aus der 8. Klasse freiwillig zu Streitschlichtern ausgebildet werden.

Leere Von Schwärze umgeben Schweben Leben? Anna Elbers

Was ist eigentlich... präventiv vorbeugend

Lernziele: „Aktiv zuhören“ und „eigene Lösungen finden“

Mediation

Welche Aufgaben haben die Streitschlichter? Streitschlichter werden in verschiedenen Kompetenzen ausgebildet, das heißt, dass sie körperliche Übungen machen, zum Bespiel „Aktives Zuhören“. Sie hören dabei nicht nur zu, sondern achten auch auf Mimik und Gestik eines Menschen. Sie lernen, sich in andere Menschen einzufühlen. Ein Thema ist auch Toleranz. Wir haben oft in Schulen zu tun, in denen Jugend„Aufgabe der Streitschlichter ist liche aus vielen Kulturen stammen. Dann gibt es noch nicht das Lösen des Konflikts, son- das Thema „Ausländer, fremde dern den streitenden zu helfen, ihre Kulturen und ihr Zueigene Lösung zu finden.“ sammenleben“. Das ist von Schulform zu Schulform unterschiedlich. Es gibt einen sehr großen Themenbereich, in dem die Schüler lernen sollen, welche Themen wichtig sind. Wir sagen, dass es ein lebenslanges, soziales Lernen ist, welches man nicht in 15 Wochen erlernen kann. Es behandelt das Umgehen mit Menschen, das Gespräche Führen, das Lernen und das Eingehen auf andere Menschen. Die Aufgabe der Streitschlichter ist nicht das Lösen des Konflikts, sondern den Streitenden zu helfen, ihre eigene Lösung zu finden.

Vermittlung in einem Konflikt

Welche Rolle spielen Lehrer und Eltern? Wir bieten den Lehrern Fortbildungen an, in denen wir ähnliche Übungen, wie wir sie auch mit den Schülern durchführen, anwenden. Es werden ihnen ihre eigenen Erfahrungen vor Augen geführt. Damit ein Streit erfolghttp://www.gsoa.ch/zeitung/79/28.html reich geschlichtet Hier wird die Initiative „Wege aus der Gewalt“ vorgestellt, die werden kann, ist es sehr wichtig, zu zum Ziel hat, die vielen kleinen Gruppen, die im Alltag dabei helfen, mit Gewalt umzugehen, zu unterstützen, indem sie gewissen, wie man selbst streitet und zielt Kontakte zu TrainerInnen herstellt, die sich auf die spezielwie man mit Kon- len Fragestellungen der Gruppen vorbereitet haben. flikten umgeht.

Web-Tipp

Wege zu einer neuen Streitkultur

Streitschlichtungs-AG

Arbeitsgemeinschaft in der Schule, deren Mitglieder versuchen, Wege zur Konfliktlösung zu finden und sich so zu Streitschlichtern ausbilden. Anschließend können sie in Konfliktfällen vermitteln. S. 7


Gedichte der Klasse UIIc

Der Schrei Ein Schrei erfüllt Den leeren Raum Keiner hört hin... Nur ein böser Traum? Bastian Borker

Angst Der Himmel blau, Die Leute grau, Alle tun, Was keiner brauch‘! Mit Angst ist Luft gefüllt, Die mich heut wieder umhüllt! Jana Lübben

Was ist eigentlich... Franz Hitze Haus Seit 1952 führt das Franz Hitze Haus Veranstaltungen auf dem Gebiet der politischen, sozialen, theologischen, kulturellen und wissenschaftsbezogenen Bildung und Begegnung durch. Die Akademie ist eine Einrichtung des Bistums Münster und wird aus dessen Mitteln finanziert.

DeutschIsraelische Gesellschaft Verein zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, in Münster sehr aktiv Promi-Wege aus der Gewalt

PROMI-WEGE AUS DER GEWALT

Interviews mit Prominenten zum Thema Gewalt „Jeder von uns ist aufgefordert, in seinem Alltag, z.B. in der Schule, am Arbeitsplatz und in Vereinen, Zivilcourage zu zeigen, dem dumpfen Gerede zu widersprechen und nicht leichtfertig wegzuhören. Fremdenfeindlichkeit beginnt bereits in scheinbar harmlosen Gesprächen, Sprüchen und dummen Witzen.“ So formulierte es Herr Karl-Heinz Volkert, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, während Lioba im Gespräch mit Dr. Thomas Sternberg unseres Interviews. Herr Volkert hat zusammen mit Herrn Dr. Thomas Sternberg, dem Direktor der Akademie Franz Hitze Haus in Münster, und unserem Regierungspräsidenten Herrn Dr. Jörg Twenhöven einen Aufruf „Für die Freiheit – gegen Antisemitismus, Ausländerhass und jede Art von Menschenfeindlichkeit“ gestartet. Hier engagieren sich auch andere Prominente aus Münster wie Dr. Götz Alsmann, der die Sendung „Zimmer frei“ im WDR moderiert. „Nicht die Opfer müssen auf die Straße gehen und demonstrieren. Das müssen wir tun.“ Es sei die Aufgabe eines demokratischen Staates, mit allen legalen Mitteln, insbesondere mit der Justiz, gegen alle Arten von Gewalt vorzugehen. Die Politik müsse die Voraussetzungen dazu schaffen, dass Demonstrationen mit Nazi-Symbolen nicht Karl-Heinz Volkert mehr stattfinden, denn dagegen besteht ein gesetzliches Verbot, so Karl-Heinz Volkert. Jedoch sollte man nicht nach dem Motto „Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn“ Gleiches mit Gleichem vergelten. Denn was ist zu diesen Gewalttaten in einem demokratischen Staat Gleiches? Einerseits müsse der Staat pädagogisch helfen, andererseits aber auch Härte zeigen, meint Herr Dr. Thomas Sternberg. Hier solle man ganz deutliche und scharfe gesetzliche Gewalt einsetzen, damit die Personen, die Gewalttaten, hier im Hinblick auf Rechtsradikalismus, verüben, schnell abgeurteilt werden. „Das ist nicht eine Sache, wo man sich abends in der Tagesschau ein bisschen erschrecken lässt. Da muss man etwas machen.“ Mit diesem Aufruf soll erreicht werden, dass immer mehr Personen Zivilcourage zeigen und ganz klar Position beziehen. Er soll mobilisieren und dient dazu, für dieses Thema Sensibilität zu schaffen. „Man braucht nur ein bisschen zu kratzen, dann wird es braun.“ Mit Erschrecken stellte Herr Dr. Thomas Sternberg fest, dass viele Menschen unterschwellig ausländerfeindliche Tendenzen haben, die ihnen vielleicht gar nicht bewusst sind und dass in bekannten Talkshows (Harald Schmidt) unwidersprochen Witze erzählt werden, die auf Kosten der Ausländer gehen. So werden Stimmungen geschürt, die später anderes zulassen. Gerade Prominente sollten mit derartigen Äußerungen vorsichtig sein, da ihre Meinungen durch die Medien stark verbreitet werden und weil berühmte Persönlichkeiten auch eine Vorbild- und Idol-Funktion innehaben. Unser Land hat seit langem wieder gute Freunde nicht nur in Europa, sondern in der

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ganzen Welt gefunden. Doch wir dürfen diese Freundschaften nicht aufs Spiel setzen und es darf erst recht nicht notwendig werden, ausländischen Gästen eine Warnung an die Hand zu geben, wie es kürzlich beim Nietzsche-Kongress in Weimar gegenüber japanischen Teilnehmern der Fall war. Diese Warnung lautete: „Sie wissen, dass man hier in Deutschland ein ziemlich großes Kompakt Problem mit Ausländerfeindlichkeit hat. Und wir sind auch sehr „Für die Freiheit - gegen beschämt darüber, dass Sie hier in Deutschland unter UmstänAntisemitismus, Ausländen nicht so behandelt werden, wie Sie es von einem zivilisierderhass und jede Art von ten Land erwarten dürften. Deshalb bitten wir Sie nach Einbruch Menschenfeindlichkeit“. So der Dunkelheit nicht mehr alleine auf die Straße zu gehen, das ist der Aufruf betitelt, den Taxi bis unmittelbar vor das Tagungsgebäude zu bestellen und unser Regierungspräsident später auch erst unmittelbar vor dem Hotel auszusteigen.“ Dr. Jörg Twenhöven, der Leiter der Akademie Franz In solchen Situationen sieht man ganz deutlich, dass es noch Hitze Haus, Münster, Herr ganz viel zu tun gibt. Deswegen finden im Franz-Hitze Haus in Dr. Thomas Sternberg und Münster Seminare, auch mit Jugendlichen, zu diesem Thema statt. Hier wird Erinnerungsarbeit geleistet, die Besuche der ehe- Herr Karl-Heinz Volkert, der Vorsitzende der maligen Konzentrationslager Bergenbelsen und Buchenwald Deutsch-Israelischen Geeinschließt, aber es wird auch zur aktuellen Situation darüber sellschaft, ins Leben gerugesprochen, wie man mit Fremden umgeht, um die Teilnehmer fen haben. Dieses wird dieser Seminare auch für den Umgang mit davon betroffenen zudem durch zahlreiche Personen stark zu machen und ihnen zu zeigen, dass man selbst etwas dagegen unternehmen kann und nicht wegschauen Prominente aus Münster, wie z.B. Dr. Götz Alsmann, darf. der die Sendung „Zimmer „Ich bin ein Patriot, ein deutscher Patriot. Ich liebe mein frei“ im WDR moderiert, Vaterland, aber ich bin kein Nationalist.“ durch deren Engagement Allerdings waren beide Interviewpartner, sowohl Herr Karl-Heinz und Einsatz unterstützt. Volkert, als auch Herr Dr. Thomas Sternberg, der Meinung, dass man mit dem Verbot von rechtsradikalen Parteien, wie z.B. der NPD, vorsichtig sein müsse, da Parteien, die im Untergrund arbeiten, sehr viel gefährlicher werden könnten, als wenn sie öffentlich wirken würden.

Web-Tipp

www.netz-gegen-rechts.de Netz gegen Rechts ist ein Informationsportal gegen Rechtsextremismus von deutschen Zeitungen, Agenturen und Sendern

Diesen Unterschied zwischen Patriot und Nationalist gilt es zu begreifen. Man muss realisieren, dass wir gerade dann, wenn wir gerne in diesem Land leben, es lieben und verteidigen, alles daran setzen müssen, die „braune Brut“ erst

gar nicht hochkommen zu lassen.

Gedichte der Klasse UIIc

Angst Einsam gehe ich durch die Strassen, Ich habe Angst...! Was ist wenn es mir passiert? Die Angst lässt mich nicht mehr los...! Gehetzt, gejagt Und nicht beachtet, Sie jagen weiter, Unbemerkt! Kathrin Feldkamp

Gewalt

Impressum Wer war dabei? Gruppe 1: Gewalt in den Medien Stefanie Kruse, Melanie Luther

Gruppe 2: Viel Stress im Wuddi?! Kathrin Feldkamp

Gruppe 3: Die Polizei - ein echter Freund und Helfer?! Anna Elbers, Lisa Honerkamp, Till Mönig, Jana Isbach, Bastian Borker, Monika Kaczmarczyk, Andreas Schulze Lohoff

Gruppe 4: Geärgert und bedroht - wie komm ich da raus? Jana Lübben, Patrizia Cichy, Inna Kiss, Richard Butzlaff, Lukas Maiwald, Martin Karnebeck, Angi Ehnert, Rahel Kuhlmann, Natalie Jachmann

Gruppe 5: Wege zu einer neuen Streitkultur David Nellessen, Thomas Gniffke, Daniel Traucins, Daniel Raß, Sebastian Neue

Gruppe 6: Promi-Wege aus der Gewalt Lioba Welling, Christina Herborn

Koordination und Hilfestellung: Hermann Olberding

Gewalt ist keine Lösung, Gewalt ist unerträglich, Versucht sie zu vermeiden, Denn sie bringt nur Kummer und Leiden!

Layout: Tim Wessels (verantwortlich), Lars Möller, Thomas Gniffke, David Nellessen, Matthias Jansen

Rahel Kuhlmann

Zeichnungen: Inna Kiss

Promi-Wege aus der Gewalt / Impressum

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Wege aus der Gewalt